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Verursachungsgerechte Verrechnung von flächen- und raumbezogenen Kosten in einem Krankenhaus

Diplomarbeit 2008 118 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Zusammenfassung (deutsch)

Abstract (english)

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung
1.3 Methodik
1.4 Aufbau der Arbeit

2 Facility Management (FM)
2.1 Grundkonzeption
2.2 Entwicklungsgeschichte
2.3 EN-Norm 15221
2.4 Flächenmanagement
2.4.1 Aufgaben des Flächenmanagement
2.4.2 Nutzungsbezogene Flächengliederungen
2.4.3 Interne Flächenverrechnung
2.4.4 Flächenbewirtschaftungskosten
2.5 Das Krankenhaus
2.5.1 Ziel und Umfeld des Krankenhauses
2.5.2 Sonderimmobilie Krankenhaus
2.5.3 Krankenhausfinanzierung in Deutschland
2.6 Facility Management im Krankenhaus
2.6.1 Kern- und Unterstützungsleistungen
2.6.2 Facilitäre Unterstützungsprozesse
2.6.3 Facility Produkte (FM-Produkte)

3 Kostenrechnung im Krankenhaus
3.1 Aufgaben der Kostenrechnung
3.2 Kostenrechnungssysteme
3.3 Teilgebiete der Kostenrechnung
3.3.1 Kostenartenrechnung
3.3.2 Kostenstellenrechnung
3.3.3 Kostenträgerrechnung
3.4 Gesetzliche Grundlagen für das Krankenhaus
3.5 Kostenrechnung im Krankenhaus im Speziellen
3.5.1 Kostenartenrechnung im Krankenhaus
3.5.2 Kostenstellenrechnung im Krankenhaus
3.5.3 Kostenträgerrechnung im Krankenhaus
3.6 Traditionelle Verrechnung von Flächenkosten

4 Praxisteil
4.1 Die Städtisches Klinikum München GmbH (StKM)
4.2 Der Facility Management-Bereich im StKM
4.3 Verrechnung flächenbezogener Kosten im StKM
4.3.1 Kostenartenerfassung
4.3.2 Bewertung der Kostenartenerfassung
4.3.3 Kosten-/Leistungsverrechnung

5 Verrechnungsmodell für eine FM-bezogene Kostenrechnung
5.1.1 Festlegen der FM-Produkte
5.1.2 Festlegen der Raumtypen
5.1.3 Entwickeln eines FM-gerechten Kostenartenplans
5.1.4 Entwickeln eines Schemas zur Bildung einer Immobilien- und FM-gerechten Kostenstellenstruktur
5.1.5 Entwickeln eines FM-gerechten Kostenstellenplans
5.1.6 Verrechnungsmodell
5.1.7 Zusammenfassung und Bewertung des Verrechnungsmodells

6 Resümee

7 Literaturverzeichnis

8 Anlagen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Facility Management-Modell

Abbildung 2: DIN 277:2005

Abbildung 3: DIN 277 Nutzungsgruppe 6: Heilen und Pflegen

Abbildung 4: Flächenarten nach gif (MF-G)

Abbildung 5: Erweiterung der Flächenkennzeichnung gemäß DIN 277 durch DIN 13080 bei Krankenhäusern

Abbildung 6: Kostengliederungsstruktur in GEFMA 200

Abbildung 7: Gesundheitsmarkt

Abbildung 8: Gesamtkosten Krankenhaus

Abbildung 9: Prinzip der dualen Finanzierung

Abbildung 10: Kern- und Unterstützungsprozesse im Krankenhaus

Abbildung 11: Modell zur Einbringung von FM-Dienstleistungen am OP

Abbildung 12: Anteil nicht-medizinische Prozesse an den Gesamtkosten Stand 2004

Abbildung 13: Kostenrechnungssysteme

Abbildung 14: Systematik der Kostenrechnung

Abbildung 15: Kostenrechnung im Krankenhaus

Abbildung 16: Kostenartengruppen mit Strukturverteilung

Abbildung 17: Kostenverrechnung im Krankenhaus

Abbildung 18: Beispiel Flächenverrechnung

Abbildung 19: Organigramm Facility Management des StKM

Abbildung 20: StKM Kostenstellenstruktur Bau & Technik

Abbildung 21: Verrechnung FM-Bereich Bau & Technik

Abbildung 22: Kostenstellenstruktur Reinigungsservice

Abbildung 23: Verrechnung Reinigungsleistungen

Abbildung 24: FM Prozesse im Krankenhaus

Abbildung 25: Kostenstellenstruktur Gebäude

Abbildung 26: FM-Kostenstellenstruktur

Abbildung 27: Verrechnungsmodell

Abbildung 28: Kostenstellenstruktur Pflege- und Servicemanagement A4

Abbildung 29: Raumcluster Krankenhaus GEFMA 812:2008 A10

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Anwendungsbereiche des Facility Management

Tabelle 2: Kostengliederung der 1. Ebene nach DIN 276 Quelle:

Tabelle 3: FM-Prozesse mit krankenhausspezifischen Anpassungen

Tabelle 4: Bezugs- bzw. Schlüsselgrößen zur Verteilung und Verrechnung von Kosten

Tabelle 5: Leistungserfassung

Tabelle 6: Kostenstellentypen im Krankenhaus

Tabelle 7: Kostenverteilungsschlüssel Infrastrukturbereich (Auswahl)

Tabelle 8: StKM Leistungsübersicht

Tabelle 9: Kostenartenplan für Verrechnungsmodell

Tabelle 10: Entwicklungsschema zur Bildung einer Immobilien- und FM-spezifischen Kostenstellenstruktur

Tabelle 11: Kostenstellenplan für Verrechnungsmodell

Tabelle 12: Kostenstellenverrechnung

Tabelle 13: Kalkulation FM-Hauptprodukt Bettenzimmer

Tabelle 14: Prozessablauf einer Behandlung

Tabelle 15: STKM Kostenartenplan - flächenrelevante Kostenartenstruktur

Tabelle 16: STKM Kostenstellengruppen

Tabelle 17: Kostenstellenhauptgruppen nach KHBV

Tabelle 18: Auszug eines Muster-Kostenstellenrahmen (nach KHBV Anlage 5)

Tabelle 19: Auszug eines Musterkontenplans (KHBV Anlage 4)

Tabelle 20: OPIK Kontenplan (Auszug)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassung (deutsch)

Das Gesundheitssystem in Deutschland befindet sich in einem Umbruch. Um die ständig steigenden Kosten vor allem im Krankenhausbereich einzudämmen, wurde im Jahr 2004 ein fallpauschalenorientiertes Vergütungssystems eingeführt, das in Folge zu einem enormen Kosten-, Leistungs- und Wettbewerbsdruck in den Krankenhäusern geführt hat. Daher handeln die Krankenhäuser zunehmend prozessorientiert und beginnen ihre räumlichen Ressourcen optimal zu nutzen und zu betreiben. Allerdings ist die Kostenrechnung der Krankenhäuser meist nicht in der Lage diese prozessorientierten Arbeitsabläufe zwischen den primären Leistungsmengen im Krankenhaus und im Facility Management transparent und verursachungsgerecht zu verknüpfen.

Daraus ergibt sich die Zielsetzung dieser Arbeit, ein Verrechnungsmodell zu entwickeln, das in die vorhandene Kostenrechnung eines Krankenhauses integriert werden kann und es ermöglicht, eine verursachungsgerechte Zuordnung der flächen- und raumbezogenen Kosten durchzuführen.

Für die Umsetzung des Ziels wurden zunächst die facilitären Unterstützungsleistungen identifiziert, die das Facility Management erbringt, um einen Raum für den Behandlungs- und Pflegeprozess bereitzustellen. Diese Unterstützungsleistungen wurden als einzelne FM-Produkte definiert, denen alle Leistungen zuzuordnen sind. Anschließend wurden die Räume, die eine gleichartige Ausstattung haben, zu Raumtypen zusammengefasst und als interne Kostenträger abgebildet. Außerdem wurde eine FM-gerechte Kostenstellenstruktur entwickelt in der sowohl leistungs- als auch objektbezogene FM-Objekte vorgesehen sind und ein kompakter FM-gerechter Kontenplan entworfen. Mit diesen beiden Strukturen wurde die Voraussetzung einer verursachungsgerechten Verrechnung von flächenbezogenen Kosten geschaffen.

Das Verrechnungsmodell führt die Verrechnung in den Schritten Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung durch. Die Zurechnung der Kosten zu den jeweiligen FM-Produkten wird über eine verursachungsgerechte Erfassung der anfallenden Kosten und Leistungen auf den objektbezogenen FM-Kostenstellen sichergestellt. Mit der Weiterverrechnung der auf den FM-Kostenstellen anfallenden Kosten auf die Raumtypen und der Ermittlung von Verrechnungspreisen wird es möglich, die Raumnutzung eines Behandlungsfalles zu bewerten.

Durch die Anwendung des Verrechnungsmodells ergeben sich weitergehende Informations- und Steuerungsmöglichkeiten in Form von Auslastungsanalysen der Raumtypen sowie Ergebnisanalysen der Behandlungsfälle. Da es durch die Anwendung des Verrechnungsmodells möglich ist, flächenbezogene Kosten auszuweisen, können auch Optimierungen, die im Bereich des FM erzielt werden, transparent gemacht werden.

Abstract (english)

The health care system in Germany is facing a change. In order to contain the constantly increasing costs especially in hospitals, in 2004 a lump-sum oriented compensation system was established. This led to enormous cost pressure, raised competition as well as a pressure to perform for the hospitals. That is why hospitals started to act more process oriented and to use and manage their areal resources in a more optimized way. But still financial accounting systems are not able to link these process oriented workflows between the primary activity within the hospital and facility management transparent and activity-based.

This leads to the objective of this thesis to develop an allocation model which can be integrated in the existing financial accounting system of the hospital. This allocation model will enable an activity-based allocation of space oriented costs.

In order to achieve this, at first the support activities were identified that are performed by facility management in order to provide space/rooms for a treatment process. These support activities were defined as FM-products. Following the rooms with the same equipment were clustered to a set of rooms and indicated as internal cost-units. A FM oriented table of accounts was developed as well as a cost-centre structure in which performance- as well as material-related FM objects are scheduled. Due to these two structures the preconditions are in order to develop an activity-based allocation of area and space costs.

The allocation model operates the allocations in the steps of cost classification, cost-centre accounting and cost-unit accounting. The allocation of costs to the respective FM-products will be assured by an activity-based acquisition of costs to the object-oriented cost-centre. Further charging of the FM costs-centre allocated costs to the room sets and the identification of internal transfer prices makes it possible to evaluate the room/space utilization of one case of treatment.

The implementation of the allocation model will lead to more advanced information and controlling in form of utilization analysis of room sets as well as profit and performance analysis of cases of treatment. As it is, due to the implementation of the allocation model, possible to display space/room-oriented costs, also optimization potential in the field of facility management can be made transparent.

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Das Gesundheitssystem in Deutschland verursacht einen immer größeren Anteil an den gesamtwirtschaftlichen Ressourcen des Landes und die Finanzierung des Gesundheitswesens gestaltet sich immer schwieriger. Die Ursachen hierfür liegen in der demographischen Entwicklung, im technologischen medizinischen Fortschritt und nicht zuletzt in den gestiegenen Patientenerwartungen.[1]

In Deutschland werden jährlich ca. 240 Mrd. € für das Gesundheitswesen ausgegeben. Da der Krankenhausbereich daran mit 27 % beteiligt ist und mit ca. 65 Mrd. € den größten Einzelblock darstellt, rückten die Krankenhäuser im Rahmen der Gesundheitsreform 2000 in den Mittelpunkt der Reformbestrebungen, deren Ziel es war, die Steuerbarkeit der Ausgaben des stationären Sektors zu erreichen.[2] Folglich wurde 2004 die Vergütung der stationären Krankenhausleistungen auf ein diagnosebezogenes pauschaliertes Entgeltsystem (DRG-Vergütungssystem) umgestellt, womit ein Anreiz zu einer betriebswirtschaftlichen Leistungserbringung geschaffen werden sollte.[3] Für die Krankenhäuser haben sich seitdem die finanziellen Rahmenbedingungen grundlegend geändert und dies hat in Folge einen enormen Kosten-, Leistungs- und Wettbewerbsdruck ausgelöst.[4]

Diese Einschätzung wird durch verschiedene Studien bestätigt, die sich mit der Situation der Krankenhauslandschaft in Deutschland auseinandergesetzt haben. So prognostiziert die Wirtschaftprüfungsgesellschaft Ernst & Young bis zum Jahr 2020 einen Klinikrückgang von derzeit ca. 2.000 auf verbleibende ca. 1.500 Kliniken in Deutschland und nach Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey ist jedes dritte Krankenhaus auf mittlere Sicht von Zusammenlegung oder gar Schließung bedroht.[5] Der Krankenhaus Rating Report 2008 empfiehlt den Kliniken daher weitere Effizienzsteigerungen vorzunehmen.[6] Diese Forderung haben die Krankenhäuser zwar bereits aufgegriffen und handeln zunehmend prozessorientiert. Sie gehen dazu über, Behandlungsabläufe sowie die nicht-medizinischen Prozesse zu standardisieren und zu optimieren. Außerdem haben sie erkannt, dass sie ihre räumlichen Ressourcen optimal nutzen und betreiben müssen. Allerdings ist die Kostenrechnung der Krankenhäuser bisher meist nicht in der Lage diese prozessorientierten Arbeitsabläufe abzubilden und es fehlt eine transparente Verknüpfung zwischen den primären Leistungsmengen im Krankenhaus und im Facility Management. Das Hauptproblem dabei ist, dass bislang immer noch eine Kostenbetrachtung vorherrscht, die sich an einer funktionalen Gliederung nach Personal- und Sachkosten orientiert und keine Aufteilung der Kosten in Kern- und Unterstützungsleistungen vornimmt.[7] So ist es derzeit nicht möglich, das Kostenvolumen der Sekundärprozesse auszuweisen. Aus diesem Grunde scheint eine Überprüfung und Überarbeitung der Kostenrechnung angebracht. Daraus leitet sich die Forschungsfrage und Zielsetzung dieser Diplomarbeit ab, die im folgenden Abschnitt behandelt wird.

1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung

Die Forschungsfrage, der im Rahmen dieser Arbeit nachgegangen werden soll, stellt sich wie folgt dar: „Wie kann eine verursachungsgerechte Verrechnung der flächen- und raumbezogenen Kosten eines Krankenhauses innerhalb der Kostenrechnung durchgeführt werden?“

Die daraus resultierende Zielsetzung besteht darin, ein Verrechnungsmodell zu entwickeln, das in die vorhandene Kostenrechnung eines Krankenhauses integriert werden kann. Dabei sollen die anfallenden Kosten nach den üblichen Regeln der Betriebswirtschaft erfasst werden, jedoch in einer Untergliederung, die den Anforderungen des Facility Management gerecht wird. Außerdem wird eine verursachungsgerechte Zuordnung der flächen- und raumbezogenen Kosten angestrebt, um Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten der Kosten, die für die Bereitstellung eines Krankenzimmers, Behandlungs- oder Operationsraumes anfallen, zu erreichen.

1.3 Methodik

Die vorliegende Arbeit verfolgt hinsichtlich der Forschungsmethodik einen zweiteiligen Ansatz. Es werden theoretische Ansätze vorgestellt und analysiert, die andere Methode der praktischen Darstellung basiert auf Experteninterviews und Kontenanalysen.

Für die Ausarbeitungen zum Themenbereich Facility Management und Krankenhaus wurde Bezug auf die gängige Literatur genommen. Für den Themenbereich der Kostenrechnung wurden die klassischen Werke aus den 80er und 90er Jahren herangezogen, um die Entwicklung der Planung und Verrechnung der Raumkosten aufzuzeigen, ebenso wurde Literatur verwendet, die sich mit der Kosten- und Leistungsrechnung im Krankenhaus auseinandersetzt. Weiter wurden Ausarbeitungen des Forschungsprojektes OPIK ebenso wie die Ansätze zur verursachungsgerechten Verrechnung von FM-Kosten des GEFMA Arbeitskreis Krankenhaus betrachtet.

Der praktische Teil dieser Arbeit befasst sich mit dem Städtischen Klinikum München und deren kostenrechnerische Ansätze zur Abbildung und Verrechnung flächen- und raumbezogener Kosten. Hierfür wurden Expertengespräche geführt. Damit verbunden wurde eine Analyse der Kosten- und Leistungsrechnung in Bezug auf die praktizierte Verrechnung der Raum- und Flächenkosten vorgenommen und um eine Kontenanalyse ergänzt.

Unter Berücksichtigung der theoretischen Erkenntnisse und der angewendeten Praxis ein Verrechnungsmodell zur verursachungsgerechten Verrechnung von Flächen- und Raumkosten ausgearbeitet, das in die bestehende Kostenrechnung eines Krankenhauses integriert werden kann. Anhand dieses Verrechnungsmodells sollen die Vorgehensweise und Informationsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben aufgezeigt werden.

1.4 Aufbau der Arbeit

Im zweiten Kapitel dieser Arbeit wird die Entwicklung und Grundkonzeption des Facility Management (FM) sowie die europäische FM-Norm EN 15221 und deren Bezug zum Flächenmanagement dargestellt. Es werden die Aufgaben des Flächenmanagement erläutert, wobei insbesondere auf Flächengliederungen und die interne Flächenverrechnung eingegangen wird. Hier wird auch das Thema Krankenhaus erörtert, dessen spezifische Aufgaben und Ziele, das Konzept der dualen Finanzierung sowie das FM im Krankenhaus vorgestellt.

Das dritte Kapitel behandelt die klassische Kostenrechnung mit den Teilbereichen Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, ergänzt um die Betrachtung der gesetzlichen Anforderungen an die Kostenrechnung und deren Anwendung im Krankenhaus. Außerdem wird die traditionelle Form der Verrechnung von Raumkosten vorgestellt.

Das vierte Kapitel beinhaltet den Praxisteil dieser Arbeit. Einleitend wird das Städtische Klinikum München (StKM) sowie der Geschäftsbereich Facility Management und der Aufbau der Kostenrechnung vorgestellt. Hier wird das Augenmerk insbesondere auf die kostenrechnerische Abbildung der FM-Bereiche gerichtet, die für die Bereitstellung der Arbeitsumgebung verantwortlich sind.

Daran schliesst sich im fünften Kapitel die Ausarbeitung eines Beispiels an, das die verursachungsgerechte Verrechnung der Raum- und Flächenkosten ermöglicht. Außerdem wird aufgezeigt, welche Steuerungsmöglichkeiten sich ergeben, wenn die bisher vorherrschende Bereitstellungsbetrachtung durch eine Leistungsbetrachtung dieser FM-Bereiche ersetzt wird. Dieses Verrechnungsmodell kann als FM-bezogene Kostenrechnung in das derzeitige Kostenrechnungssystem eines Krankenhauses integriert werden.

Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine Zusammenfassung in Kapitel sechs, in welcher die Beantwortung der Forschungsfrage erfolgt und ein Ausblick auf die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten des Verrechnungsmodells gegeben wird.

2 Facility Management (FM)

2.1 Grundkonzeption

Die Grundidee des Facility Management basiert auf dem Geschäftsmodell des Managementtheoretikers Michael Porter. Sein Ansatz, die Leistungsprozesse eines Unternehmens in Primärprozesse (primary activities) und unterstützende Prozesse (support activities) zu gliedern, stellte die Bedeutung der Servicebereiche in den Vordergrund, da sie zur Effizienz der Primär- bzw. Kernprozesse beitragen. Die daraus resultierende konsequente Konzentration der Unternehmen auf ihre Kernprozesse führte zu höheren Anforderungen an alle unterstützenden Bereiche, die sich einer umfassenden Neugestaltung unterziehen mussten. Dies führte zur zunehmenden Etablierung des Facility Management.[8]

2.2 Entwicklungsgeschichte

Der gedankliche Ansatz des Facility Management (FM) stammt aus Amerika und wurde mit dem Ziel verfolgt, die Produktivität in Betriebsführung und Instandhaltung zu verbessern. Die Wissenschaft begann sich in den frühen 80er Jahren mit dem Thema Facility Management auseinanderzusetzen und die Grundlagen des FM genauer zu analysieren[9] und „Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen untersuchten, ob der Arbeitsprozess durch die Gebäude, in denen die Menschen arbeiten, beeinflusst wird“.[10] In den nächsten Jahren befassten sich zahlreiche Vereinigungen und Verbände wie die FMI (Facility Management Institute), das NFMA (National Facility Management Association), die IFMA (International Facility Management Association) oder die GEFMA (German Facility Management Association e.V.) mit dem Facility Management Ansatz, wodurch zahlreiche Definitionen geprägt und unterschiedliche Akzente gesetzt wurden.[11] So stellt die IFMA den Arbeitsplatz in das Zentrum der Aktionen des Facility Management was mit der Formel People – Place – Process zum Ausdruck gebracht wird; die GEFMA stellt das Gebäude in den Blickpunkt der Betrachtung.[12] Damit gab es lange Zeit keine inhaltlich einheitliche nationale oder internationale Definition.[13]

2.3 EN-Norm 15221

Im Jahr 2006 wurde mit Einführung der europäischen Norm EN 15221 eine europaweit einheitlich gültige Definition für das Facility Management geschaffen, in der sich die von Porter eingeleitete Sichtweise der Unterscheidung in Primär- und Unterstützungsprozesse widerspiegelt: „Die Aufgabe des Facility Management ist die Integration von Prozessen innerhalb einer Organisation zur Erbringung und Entwicklung der vereinbarten Leistungen, welche zur Unterstützung und Verbesserung der Effektivität der Hauptaktivitäten der Organisation dienen“.[14]

Mit der Norm EN 15221-1:2006 wurde auch das Facility Management-Modell geschaffen, das in Abbildung 1 veranschaulicht wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Facility Management-Modell

Quelle: Eigene Darstellung: vgl. EN 15221-1:2006.

Das Facility Management-Modell beschreibt den Rahmen in dem Facility Management die Hauptaktivitäten einer Organisation unterstützt und umfasst die Beziehung zwischen Bedarf und Angebot. Außerdem zeigt es auf, wie die unterschiedlichen Ebenen des Facility Management zusammen wirken können. Die Abgrenzung zwischen den Haupt- und den Unterstützungsprozessen ist nicht normativ vorgegeben, sondern sind durch jede Organisation selbst vorzunehmen und wenn erforderlich an sich ergebende Veränderungen anzupassen.[15] Das Facility Management nimmt eine ganzheitliche Managementfunktion wahr. Dies ist erforderlich, da es die Erbringung der Unterstützungsleistungen koordinieren muss. Das FM orientiert sich am Nutzerbedarf und die Kundenorientierung gilt dabei als das Grundprinzip des Handelns.[16] Die Vereinbarung über die vom FM zu erbringenden Leistungen wird auf Basis von SLAs (Service Level Agreements) mit dem Auftraggeber getroffen, anhand von KPIs (Key Performance Indicators) kann deren Erfüllungsgrad beurteilt werden.[17] Der Anwendungsbereich des FM wird ausgehend vom Bedarf des Auftraggebers in zwei Hauptgruppen unterteilt (Tabelle 1)[18]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Anwendungsbereiche des Facility Management

Quelle: Eigene Darstellung: vgl. DIN EN 15221-1:2006.

Das Flächenmanagement war bei früheren Aufteilungen der Tätigkeitsbereiche des FM an unterschiedlichen Stellen zugeordnet. So war es nach der GEFMA 100:1996 Teil des infrastrukturellen Gebäudemanagement, während man es im Rahmen der Abgrenzung der Tätigkeitsbereiche im Rahmen des Drei-Säulen-Modell dem technischen Facility Management zuordnete.[21] In der Folge wurde jedoch das Flächenmanagement immer mehr als unterstützender Leistungsbereich für alle Bereiche des Facility Management erkannt. Dem wurde bei der Festlegung der Struktur für das Gebäudemanagement in der DIN 32736 Rechnung getragen und es wurde als Fundament im Drei-Säulen-Modell angesiedelt.[22] Heute stellt das Flächenmanagement in der EN 15221-1 einen entscheidenden Bestandteil der Definition dar. Da für die vorliegende Diplomarbeit die Fläche und deren kostentransparente Bewirtschaftung die Grundlage darstellt, werden im Folgenden der Inhalt und die Aufgaben des Flächenmanagement beschrieben.

2.4 Flächenmanagement

Das Flächenmanagement zählt zu den Hauptleistungsbereichen des FM und die Zielsetzung besteht in einem effizienten und wirtschaftlichen Umgang mit Flächen.[23] Gemäß der EN 15221-1 dienen Flächen und Ausstattungen zur Unterstützung der Geschäftsprozesse. Die Flächen stellen Ressourcen[24] dar, mit denen planvoll umzugehen ist und die notwendig sind, um wertschöpfende Prozesse abzuwickeln.[25] Für die Umsetzung der facilitäre Strategie eines Unternehmens im Umgang mit seinen Flächen besitzt das Flächenmanagement sowohl eine strategische als auch eine operative Komponente.[26]

2.4.1 Aufgaben des Flächenmanagement

Die zentrale Aufgabe des strategischen Flächenmanagement besteht in der Planung, Ausstattung und zweckmäßigen Nutzung der Flächen sowie in der operativen Sicherstellung der ständigen Nutzbarkeit einschließlich der Funktionalität, Sauberkeit und Sicherheit der Grundstücks- und Gebäudeflächen.[27] Zu den Aufgaben des operativen Flächenmanagement gehören[28]:

- Flächenbereitstellung, effiziente Flächenbelegung und –ausstattung entsprechend der strategischen Grundsätze des Unternehmens
- Pflege der Bestandsdaten in Bezug auf Fläche und Belegung (Dokumentationsfunktion)
- verursachungsgerechte Kostenzuordnung und -verrechnung der Flächennutzung
- Kontrolle der Einhaltung der vorgegebenen Flächenkennwerte und -qualitäten
- Ermittlung von Flächenkosten und -kennwerten für die Beurteilung der Flächenproduktivität

Für die Erfüllung dieser Aufgaben, sind relevante und aktuelle Informationen über Flächen, deren Qualitäten und technische Ausstattung erforderlich.[29] Die Gebäudeflächen dienen als Hauptbezugsgröße für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit, denn Flächengröße und Flächennutzung haben einen entscheidenden Einfluss auf die Flächenkosten und damit auf die Gebäudenutzungskosten. Um die Effizienz der Flächen bezogen auf die Nutzungswerte feststellen und Kennwerte zur Beurteilung bilden zu können, ist es erforderlich die Flächen nach definierten Kriterien zu gliedern.[30]

2.4.2 Nutzungsbezogene Flächengliederungen

Im Rahmen des Flächenmanagement werden nach der GEFMA 130[31] nur die Grundflächen betrachtet auf denen die Nutzungs- bzw. Wertschöpfungsprozesse ablaufen.[32] Damit Flächenzuordnungen und eine Ableitung von Flächenkennzahlen möglich werden, muss für die nutzungsbezogenen Grundflächen eine Flächenkennzeichnung und -strukturierung erfolgen.[33] Die Flächenzuordnung eines Gebäudes hängt im Wesentlichen von der Art der Flächennutzung ab. Es wird nach Wohn-, Gewerbe-, Produktions- oder Büroflächen unterschieden und abgängig von der Nutzung erfolgt eine unterschiedliche Strukturierung der Flächen. Dafür stehen unterschiedliche Richtlinien, Normen und Verordnungen zur Verfügung. Im Nachfolgenden werden die DIN 277 Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau, die DIN 13080 Gliederung des Krankenhauses in Funktionsbereiche und Funktionsstellen und die gif-Richtlinie MF-G Mietflächen im Gewerbebereich erläutert. Darüber hinaus werden noch weitere Flächengliederungen für den Bereich der Wohn- und Büroflächen genannt.

2.4.2.1 Grundflächendefinition nach DIN 277

Die DIN 277[34] dient als Bezugsbasis für die Kostenermittlung im Hochbau und für die Bewertung von Gebäudenutzungskosten. Sie bildet eine normierte Grundlage für die Ermittlung von Flächen und Rauminhalten von Gebäuden. Teil 1 regelt Begriffe und liefert ein Berechnungsverfahren für Grundflächen und Rauminhalte, während Teil 2 eine Aufteilung der genannten Grundflächen in unterschiedliche Nutzungsarten und eine Flächengliederung in Gebäuden vornimmt. In Teil 3 erfolgt eine Bestimmung der Mengen- und Bezugseinheiten. Bei der nutzungsspezifischen Ausweitung der Flächendefinitionen bleibt die Flächenstrukturierung bis zur Ebene der Nutzfläche unberührt, daran anschliessend kann auf Basis von sechs Nutzungsgruppen (Wohnen und Aufenthalt; Büroarbeit; Produktion, Hand- und Maschinenarbeit, Experimente; Heilen und Pflegen; Sonstige Nutzungen) eine Qualifizierung der Flächen vorgenommen werden. Die in der DIN 277 verwendeten Flächenbegriffe, die Berechnung der Grundflächen sowie die Nutzflächengliederung werden in Abbildung 2 schematisch dargestellt.[35]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: DIN 277:2005

Quelle: http://www.messdat.de/din277.htm [Stand: 15.06.2008].

Die Nutzflächen im Krankenhaus können über die Nutzungsgruppe NF 6: Heilen und Pfleg en (Abbildung 3) unterschiedlichen Raumarten zugeordnet werden. Hiermit kann eine Zusammenfassung (Clusterung) von Flächen zu verschiedenen Raumtypen, die über eine vergleichbare Raumausstattung verfügen, erreicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: DIN 277 Nutzungsgruppe 6: Heilen und Pflegen

Quelle: GEFMA 812:2008.

Obwohl die DIN 277 eine umfassende und differenzierte Erfassung der Gebäudeflächen ermöglicht, gibt sie keine Auskunft darüber, welche Flächenarten in welchem Umfang nutzbar sind, welche Flächenteile nicht oder nur gemeinschaftlich genutzt werden können und welcher Flächenanteil einem Nutzer oder Mieter zugerechnet werden kann.[36] Diese Flächenzuordnungen können mithilfe der gif-Richtlinie vorgenommen werden.

2.4.2.2 Mietflächenrichtlinien nach gif (MF-G)

Ein geeigneter Ansatz für die Definition von Mietflächen stammt von der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung (gif). Es wurden die Grundlagen für die Berechnung der Mietflächen für den gewerblichen Raum erarbeitet. Die gif-Richtlinie (MF-G) baut auf der Brutto-Grundfläche (BGF) der DIN 277 und ermöglicht eine Unterscheidung der Flächenarten in Mietflächen und Nicht-Mietflächen, wie dies in folgender Abbildung 4 dargestellt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Flächenarten nach gif (MF-G)

Quelle: Eigene Darstellung: vgl. Gondring/Wagner, 2007, S. 185.

Flächen mit der Bezeichnung MF-G stellen Mietflächen dar und werden entsprechend ihrer Nutzung unterteilt. Flächen nach MF-G1 werden exklusiv genutzt und können einem konkreten Mieter zugeordnet werden, wohingegen Flächen nach MF-G2 gemeinschaftlich von allen oder verschiedenen Mietern genutzt werden. Bei diesen Flächen handelt es sich vor allem um Eingangshallen, Aufzugsvorräume und Erschliessungsflure. Flächen mit der Flächenart MF-O stellen dahingegen keine Mietfläche dar, dabei handelt es sich entsprechend der DIN 277 um technische Funktionsflächen (TF), Verkehrsflächen (VF) oder Konstruktionsgrundflächen (KGF).[37]

2.4.2.3 Flächenstrukturierung im Krankenhaus nach DIN 13080

Neben oder anstatt der Flächendefinition nach der DIN 277 NF 6: Heilen und Pflegen können in Krankenhäusern die Flächen auch auf Grundlage der DIN 13080[38] gekennzeichnet werden. Hierbei bleibt die Flächenstrukturierung der DIN 277 bis zur Nutzfläche unberührt und anschliessend kann die Flächenkennzeichnung durch die DIN 13080 fachspezifisch erweitert werden, wie dies in Abbildung 5 veranschaulicht wird. Diese Norm dient der Bedarfs- und Bauplanung von Krankenhäusern und beinhaltet ein umfassendes Nutzungs- und Gliederungsschema der Funktionen im Krankenhaus.[39]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Erweiterung der Flächenkennzeichnung gemäß DIN 277 durch DIN 13080 bei Krankenhäusern

Quelle: Eigene Darstellung: vgl. Preuß/Schöne, 2006, S. 384.

Weitere Normen, Verordnungen und Richtlinien für Flächenberechnungen und –anordnungen für verschiedene Anwendungsbereiche, wie z.B. die Wohnflächenverordnung (WoFlV)[40] oder die Büroflächenanordnung nach der DIN 4543-1[41] sind für die vorliegende Diplomarbeit nicht relevant und werden deshalb nicht näher dargestellt. An dieser Stelle sei auf weiterführende Literatur verwiesen.[42]

2.4.3 Interne Flächenverrechnung

Jeder Nutzer der Ressource Fläche ist daran interessiert, über ausreichend Fläche zu verfügen, aber teilweise fehlt das Bewusstsein, welche Konsequenzen sich aus deren Bewirtschaftung ergeben. Deshalb ist es erforderlich, das Verantwortungsbewusstsein der Nutzer für die Ressource und den Kostenfaktor Fläche aufzubauen.[43] Eine wirksame Methode kann hierbei die interne Verrechnung genutzter Flächen darstellen. In diesem Fall werden die Flächennutzer Mietern gleichgestellt und die Flächen werden im Rahmen einer flächen- und nutzungskostenbezogenen Miete verrechnet. Das Ziel ist, einen Anreiz zum sparsamen Umgang mit Fläche zu schaffen.[44] Es existieren verschiedene Verrechnungsmodelle, deren Unterscheidung im Wesentlichen darin liegt, welche Flächen bzw. welche Verrechnungssätze zur Anwendung kommen.[45] So schlägt die GEFMA 130 vor, nur exklusiv von einzelnen Organisationseinheiten genutzte Flächen zu berücksichtigen, wobei auch für gemeinschaftlich genutzte Räume wie Besprechungsräume eine Einzelverrechnung über eine interne Leistungsverrechnung anzustreben ist. Um die Kosten einem externen Vergleich unterziehen zu können, wird empfohlen marktübliche Verrechnungssätze zu verwenden.[46] Trotzdem ist für eine interne Flächenverrechnung unerlässlich, die Kosten, die durch die Bewirtschaftung für die Immobilie und der einzelnen Flächen entstehen, zu kennen. Hierfür ist ein für das FM geeigneter Kostenrahmenplan erforderlich.

2.4.4 Flächenbewirtschaftungskosten

Für die Ermittlung der durch den Immobilienbetrieb bedingten Kosten stehen verschiedene Normen, Richtlinien und Verordnungen zur Verfügung, die nachfolgend vorgestellt werden.

2.4.4.1 GEFMA 130 Flächenmanagement

GEFMA 130 gliedert in nutzungsabhängige und -unabhängige Kosten. Als nutzungsun-abhängige Flächenbewirtschaftungskosten werden dabei die Nebenkosten betrachtet, die den Betriebskosten der II. Berechnungsverordnung[47] entsprechen. Als nutzungsabhängige Flächenbewirtschaftungskosten gelten flächenbedingte Servicekosten, die dem Mieter bzw. Nutzer zusätzlich zur Miete verrechnet werden. Diese resultieren aus zusätzlichen Anforderungen durch den Flächennutzer, der die qualitativen Inhalte der Ressource Fläche festlegt.[48]

2.4.4.2 DIN 276 Kosten im Hochbau

Die DIN 276 bietet eine umfangreiche Kostengliederungsstruktur und begleitet die unterschiedlichen Phasen von der Kostenplanung bis zur Kostenfeststellung bei der Errichtung eines Gebäudes. Die DIN 276 erfasst sämtliche Kosten investiver Maßnahmen an einem Gebäude und sie gliedert die Kosten dabei in drei Ebenen, die durch dreistellige Ordnungszahlen gekennzeichnet sind. In der ersten Ebene erfolgt eine Kostengliederung in sieben Gruppen (Tabelle 2), je nach Bedarf kann in die Ebenen zwei und drei weiter unterteilt werden.[49]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Kostengliederung der 1. Ebene nach DIN 276 Quelle:

Quelle: Eigene Darstellung: vgl. Gondring/Wagner, 2007, S. 79.

2.4.4.3 DIN 18960 Nutzungskosten im Hochbau

Die DIN 18960 betrachtet die Kosten während der Gebäudenutzung und ist in vier Nutzungskostengruppen aufgeteilt: Kapitalkosten, Verwaltungskosten, Betriebskosten und Instandsetzungs- bzw. Bauunterhaltskosten. Sie bietet die Möglichkeit der Ausprägung nach Gewerken und Technischen Anlagen entsprechend der Gliederungsstruktur der DIN 276, allerdings ist keine Unterscheidung nach Planungs- und Nutzungsphase möglich.[50]

2.4.4.4 GEFMA 200 Kosten im Facility Management

Die GEFMA 200 bietet eine Kostengliederung zur einheitlichen Erfassung über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes und unterscheidet die einzelnen Nutzungsphasen des Gebäudes analog der Definition der GEFMA 100-1. Zusätzlich ist eine Integration der DIN 276 zur gewerkespezifischen Ausprägung möglich.

Somit können die FM-Prozesse mit den technischen Anlagen kombiniert werden, z.B. definiert die Kostengruppe 6.310.420 eine Wiederkehrende Prüfung der Heizungsanlage in der Nutzungsphase des Gebäudes und der Schlüssel hierzu baut sich wie in nachfolgender Abbildung 6 dargestellt auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Kostengliederungsstruktur in GEFMA 200

Quelle: Eigene Darstellung: vgl. GEFMA 200:2004.

2.4.4.5 GEFMA 812 FM-Prozesse mit krankenhausspezifischen Anpassungen

Um den Kostenanfall für die FM-bezogenen Prozesse im Krankenhaus abbilden zu können wurde die Gliederungsstruktur der FM-Prozesse der GEFMA 200 im Rahmen der Richtlinie GEFMA 812 um krankenhausspezifische Anpassungen und Zuordnungen ergänzt. So wird im Bereich Objekt-/ Betriebsführung bei der gebäudebezogenen Kostengruppe 300 nach Außenhülle und Innenräume unterschieden, die anlagenbezogene Kostengruppe 400 ist um medizintechnische Anlagen erweitert. Die einzelnen Kostengruppen wurden um die Kontengruppen der KHBV für die Zuordnung der Nutzungskosten ergänzt, wie dies aus nachfolgender Tabelle 3 zu entnehmen ist. Außerdem enthält diese Richtlinie einen Vorschlag zur Clusterbildung von Räumen im Krankenhaus, um eine Zuordnung von FM-Kosten zu den einzelnen Raumtypen zu ermöglichen. Im jeweiligen Raumcluster sind die sämtliche Flächen (auch die Verkehrsflächen) enthalten (siehe Abbildung 29 in Anlage 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: FM-Prozesse mit krankenhausspezifischen Anpassungen

Quelle: Eigene Darstellung: vgl. GEFMA 812:2007.

Grundsätzlich ist eine verursachungsgerechte Verrechnung der Flächenkosten anzustreben, denn diese ermöglicht sowohl Flächen- als auch Kostenoptimierungen und schafft darüber hinaus Flächentransparenz.[52] Wenn die Kostenverrechnung über den Quadratmeter Fläche stattfindet, stellt die Fläche die wichtigste Bezugsgröße dar.[53] Aus diesem Grunde müssen aktuelle und korrekte Flächendaten über sämtliche belegte und kostenverursachende Flächen vorhanden sein.[54] Um diese Anforderungen erfüllen zu können, muss das Flächenmanagement über Werkzeuge, wie z.B. ein Raumbuch[55] bzw. ein CAFM-System[56] mit elektronischem Raumbuch verfügen.[57]

Vor dem Hintergrund, dass im Rahmen dieser Diplomarbeit die Möglichkeiten der Verrechnung von flächenbezogenen Raumkosten in einem Krankenhaus behandelt werden, wird im nachfolgenden Abschnitt das Krankenhaus mit seinen Aufgaben und Zielen, die besondere Immobilienstruktur sowie die Krankenhausfinanzierung in Deutschland und deren Auswirkungen auf die Investitions- und Betriebskosten vorgestellt.

2.5 Das Krankenhaus

„Ein Krankenhaus ist eine hochkomplexe Immobilie, die im Wesentlichen mit einem Hotelbetrieb vergleichbar ist. Es ist ein 24-Stunden-Betrieb, jedoch mit deutlich höherer Auslastung, mit kranken, behinderten und gesunden Menschen.“[58]

2.5.1 Ziel und Umfeld des Krankenhauses

Das Leitziel eines Krankenhauses liegt in der Bereitstellung und Verbesserung des Gesundheitszustandes der zu behandelnden Menschen. Das Gut Gesundheit hat einen hohen gesellschaftlichen Wert und wird in erheblichem Umfang mit öffentlichen Mitteln finanziert. Daraus ergeben sich hoheitliche Vorgaben und starke Regulierungen. Das Umfeld eines Krankenhauses besteht aus einer Vielzahl von Beteiligten sowie Einflussfaktoren aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft aber auch neuen Technologien. Die nachfolgende Abbildung 7 stellt den Gesundheitsmarkt dar und zeigt die Akteure im inneren Umfeld sowie die Einflussfaktoren im Bereich des Gesundheitswesens auf.[59]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Gesundheitsmarkt

Quelle: Eigene Darstellung: vgl. Goecke, 2004, S. 5.

2.5.2 Sonderimmobilie Krankenhaus

Schulte unterscheidet zur Typologisierung von Immobilien folgende Immobilienarten[60]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sonderimmobilien dienen einer spezifischen Nutzung und sind für ihre Verwendung maßgeschneidert, dadurch wird ihre Drittverwendungsfähigkeit allerdings stark eingeschränkt. Zu dieser Immobilienkategorie zählen Krankenhäuser, Seniorenresidenzen, Gesundheitshäuser und Reha-Einrichtungen; diese werden auch unter dem Begriff Sozialimmobilien zusammengefasst.[61]

Bei der Immobilie Krankenhaus handelt es sich um ein komplexes Gebäude, das sowohl über Räumlichkeiten für die Unterbringung der Patienten als auch über spezielle Räume für Diagnostik, Behandlungen und Operationen verfügt, die mit einer Vielzahl von hochtechnologischen Klein- und Großgeräten für die verschiedenen Fachdisziplinen ausgestattet sind. Neben einer hohen Investitionssumme für die Errichtung des Gebäudes, fallen bei Krankenhäusern während der Nutzungsphase erhebliche Betriebskosten an, die durch den aufwändigen Gebäudebetrieb sowie gesetzliche Anforderungen an Sicherheit, Logistik und Hygiene bedingt sind. Intensiv genutzte Gebäude wie Krankenhäuser weisen einen Nutzungskostenanteil in Höhe von ca. 25 % gegenüber den Baukosten aus und erreichen damit die Kosten der Erstinvestition bereits nach 4 Jahren.[62]

[...]


[1] vgl. Augurzky et al., 2008, S.13; Hurlebaus, 2004, S. 4.

[2] vgl. Augurzky et al., 2008, S.13; Hurlebaus, 2004, S. 4.

[3] vgl. Lüngen/Lauterbach, 2003, S. 2.

[4] vgl. Hurlebaus, 2004, S. 2ff.; Göcke, 2004, S. 1ff.

[5] vgl. Hentze/Kehres, 2007, S. 5.

[6] vgl. Köppl, 2008, S. 5.

[7] vgl. Göcke, 2004, S. 11; Gudat, 2006, o.S.; Diez/Lennerts, 2008, S. 1.

[8] vgl. GEFMA/Real FM, 2007; Porter, 2000, S. 67f.; Floegl: http://www.donau-uni.ac.at/de/department/bauenumwelt/bereich/fmsecurity/index.php [Stand: 09.06.2008].

[9] vgl. Gondring/Wagner, 2007, S. 2.

[10] Gondring/Wagner, 2007, S. 2.

[11] vgl. Gondring/Wagner, 2007, S. 2; Nävy, 2006, S. 1.

[12] vgl. Pierschke/Pelzeter, 2005, S. 345.

[13] Kahlen, 2001, S. 37.

[14] DIN 15221-1:2006, S.5.

[15] DIN EN 15221-1:2006, S. 4ff.

[16] vgl. GEFMA/Real FM,2007, S. 10.; DIN 15221-1:2006.

[17] vgl. DIN EN 15221-1:2006.

[18] vgl. DIN EN 15221-1:2006.

[19] vgl. Stadlöder, 2007, S. 54.

[20] vgl. GEFMA/Real FM, 2007, S. 11.

[21] vgl. GEFMA 100:1996; Schneider, 2004, S. 25f.

[22] vgl. Nävy, 2006, S. 13.

[23] vgl. Nävy, 2006, S. 12; Preuß/Schöne, 1999, S. 384.

[24] Als Ressourcen werden in der Betriebswirtschaftlehre alle Mittel verstanden, die in die Produktion von Gütern und Dienstleistungen eingehen. [Gabler Wirtschaftslexikon, 1977, S. 1034].

[25] vgl. Diederichs, 2006, S. 565; GEFMA 130:1999; Krimmling, 2006, S. 73.

[26] vgl. Albert/Böhm, 2004, S. 3.

[27] vgl. Albert/Böhm, 2004, S. 2.

[28] vgl. Albert/Böhm, 2004, S. 7ff.; GEFMA 130:1999.

[29] vgl. Preuß/Schöne, 2006, S. 383.

[30] vgl. Albert/Böhm, 2004, S. 30f.

[31] Richtlinie GEFMA 130 Flächenmanagment – Leistungsbild (1999) nimmt Bezug auf verschiedene Richtlinien zur Flächenbestimmung: DIN 277:1987, gif-Richtlinien MF-B und MF-H, GEFMA Richtlinie 195-2 sowie DIN 4543-1. Die neueren Versionen der DIN 277:2005 und der gif-Richtlinie MF-G:2004 wurden bisher nicht berücksichtigt. [Anm. des Autors].

[32] vgl. Albert/Böhm, 2004, S. 31; GEFMA 130:1999.

[33] vgl. Preuß/Schöne, 2006, S. 384.

[34] Die Flächenaufteilung wurde mit der Neufassung der DIN 277:2005 vereinfacht, die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebennutzflächen entfällt. [Anm. des Autors].

[35] vgl. Albert/Böhm, 2004, S. 32f.; Gondring/Wagner, 2007, S. 183.

[36] vgl. Albert/Böhm, 2004, S. 35; Preuß/Schöne, 2006, S. 384f.

[37] vgl. Albert/Böhm, 2004, S. 35; Möller, 2006, S. 120; Preuß/Schöne, 2006, S. 384f.; Homann, 1999, S. 42; Gondring/Wagner, 2007, S. 184ff.

[38] Mit der Norm DIN 13080:2003 kann die Gliederung der Räumlichkeiten eines Krankenhauses in Funktionsbereiche und Funktionsstellen vorgenommen werden. [vgl. DIN 13080:2003].

[39] vgl. Albert/Böhm, 2004, S. 35; Preuß/Schöne, 2006, S. 384f.

[40] Wohnflächenverordnung (WoFlV) [40] dient der Berechnung von Wohnflächen und ist im geförderten Wohnbau verpflichtend anzuwenden. Sie wird allerdings auch bei frei-finanziertem Wohnraum als Berechnungsgrundlage verwendet. [vgl. Albert/Böhm, 2004, S. 31ff.].

[41] Festlegung der Flächenanforderung für die Aufstellung und Benutzung von Büromöbeln. [vgl. GEFMA 130:1999; Gondring/Wagner, 2007, S. 188f.].

[42] Ausführungen zu weiteren Möglichkeiten von Flächengliederungen finden sich bei: Hellerforth, 2006, S. 219; Preuß/Schöne, 2006, S. 384ff.; Gondring/Wagner, 2007, S. 188ff.; Albert/Böhm, 2004, S. 31ff.

[43] vgl. Hofmann, 2004, S. 219f.

[44] vgl. Hofmann, 2004, S. 219f; GEFMA 130:1999.

[45] vgl. GEFMA 130:1999.

[46] vgl. GEFMA 130:1999.

[47] vgl. § 27 Betriebskosten der II. Berechnungsverordnung, 1957.

[48] vgl. DIN 15221-1:2006; GEFMA 130:1999.

[49] vgl. Gondring/Walter, 2007, S. 78.

[50] vgl. Gondring/Walter, 2007, S. 80.

[51] KGr = Kostengruppe.

[52] vgl. GEFMA 130:1999; Hofmann, 2004, S. 219f.

[53] vgl. Homann, 1999, S. 257; Hofmann, 2004, S. 219f.

[54] vgl. GEFMA 130:1999.

[55] Ein Raumbuch stellt ein Gebäudekataster dar, d.h. eine Liegenschaft kann in einzelne Gebäude oder Räume bis hin zur Raumzone aufgeteilt werden. In einem Raumbuch können sämtliche Gebäudeflächen mit Zuordnung nach verschiedenen Flächen wie z.B. DIN 277 NF1-NF6, DIN 13080 usw. verwaltet werden. Außerdem können Attribute wie Reinigungsfläche, Bodenbelagsart oder Reinigungskennung hinterlegt werden. Zusätzliche Informationen stellen Ausstattungen, wie zugeordnete Mitarbeiter und Geräte, DV-Anschlüsse aber auch Kostenstellenzuordnungen dar. [vgl. Preuß/Schöne, 2004, S. 382; Altmannsdorfer, 2007, S. 26f.].

[56] CAFM steht für „Computer aided Facility Management“ und stellt ein Werkzeug des Facility Management dar. CAFM-Systeme unterstützen Facility Management Prozesse mit IT-Funktionen, indem sie Informationen über die bewirtschafteten Objekte bereitstellen. [vgl. Nävy, 2006, S. 59ff.].

[57] vgl. GEFMA 130:1999.

[58] Göcke, 2004, S. 14.

[59] vgl. Göcke, 2004, S. 5f.

[60] vgl. Schulte, 2005, S. 137.

[61] vgl. Schulte, 2005, S. 137.

[62] vgl. Göcke, 2004, S. 15f.

Details

Seiten
118
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836631662
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226974
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kufstein Tirol – Facility Management
Note
1,0
Schlagworte
krankenhaus kostenrechnung facility management drg-abrechnung verursachungsgerecht

Autor

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Titel: Verursachungsgerechte Verrechnung von flächen- und raumbezogenen Kosten in einem Krankenhaus