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Effekte des Süßstoffkonsums auf Nahrungsaufnahme und Stoffwechsel

Bachelorarbeit 2009 69 Seiten

Gesundheit - Ernährungswissenschaft

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einstieg in die Thematik
1.2. Fragestellung, Methoden und Vorgehensweise

2. Vorstellung der Süßstoffe
2.1. In Europa zugelassene Süßstoffe
2.1.1. Aufbau
2.1.2. Eigenschaften
2.2. In Europa nicht zugelassene Süßstoffe

3. Süßstoffe – Grundlagen
3.1. Definition
3.2. Chronologie
3.3. Geschmackswirkung von Süßstoffen und Süßkraft
3.4. Gesetzliche Regelung
3.5. Süßstoffe als Zusatzstoffe
3.6. Zulassung
3.7. Kennzeichnung

4. Metabolismus der Süßstoffe
4.1. Acesulfam-K
4.2. Aspartam
4.3. Aspartam-Acesulfam-Salz
4.4. Cyclamat
4.5. Neohesperidin DC
4.6. Saccharin
4.7. Sucralose
4.8. Thaumatin

5. Negative Auswirkungen von Süßstoffen auf die menschliche Gesundheit
5.1. Acesulfam-K
5.2. Aspartam
5.3. Cyclamat
5.4. Neohesperidin DC
5.5. Saccharin
5.5.1. Akute Toxizität
5.5.2. Chronische Toxizität
5.5.3. Genotoxizität
5.5.4. Reproduktionstoxizität
5.5.5. Wirkt Saccharin Photoallergen?
5.5.6. Indikan
5.6. Sucralose
5.6.1. Akute und chronische Toxizität
5.6.2. Genotoxizität
5.6.3. Mögliche Risiken von Sucralose als chlorhaltige Verbindung
5.7. Thaumatin

6. Für den Menschen unbedenkliche Süßstoffmengen
6.1. ADI-Werte
6.1.1. Entstehung
6.1.2. Stoffe ohne ADI-Wert
6.1.3. Möglichkeit der ADI-Wertüberschreitung

7. Süßstoffe und Nahrungsaufnahme
7.1. Einfluss von Süßstoffen auf den Insulinspiegel
7.1.1. Studie: Härtel, Graubaum und Schneider (1993)
7.1.2. Zusammenfassung: Studien zum Insulinspiegel
7.1.3. Studie: Mezitis et al. (1996)
7.2. Süßstoffe in der Reduktionsdiät
7.2.1. Studie: Steiniger et al. (1995)
7.3. Süßstoffverzehr und Übergewicht
7.4 Einsatz von Süßstoffen in Futtermitteln

8. Diskussion
8.1. Acesulfam-K
8.2. Aspartam
8.3. Aspartam-Acesulfam-Salz
8.4. Cyclamat
8.5. Neohesperidin DC
8.6. Saccharin
8.7. Sucralose
8.8. Thaumatin
8.9. ADI-Werte
8.10. Süßstoffe und Nahrungsaufnahme
8.10.1. Studie: Härtel, Graubaum und Schneider (1993).
8.10.2. Zusammenfassung Insulinspiegel
8.10.3. Studie: Steiniger et al. (1995)
8.10.4. Süßstoffverzehr und Übergewicht

9. Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Acesulfam-K

Abb. 2: Aspartam

Abb. 3: Cyclamat

Abb. 4: Aspartam-Acesulfam-Salz

Abb. 5: Neohesperidin DC

Abb. 6: Saccharin

Abb. 7: Sucralose

Abb. 8: Thaumatin

Abb. 9: Konzept zur Entwicklung von ADI-Werten

Abb. 10: Einfluss oral verabreichter wässriger Lösungen von Aspartam, Acesulfam-K, Cyclamat, Saccharin und Saccharose auf die Plasmainsulinkonzentration im Vergleich zu Wasser

Abb. 11: Einfluss oral verabreichter wässriger Lösungen von Aspartam, Acesulfam-K, Cyclamat, Saccharin und Saccharose auf die Blutglucosekonzentration im Vergleich zu Wasser

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Süßkraftfaktoren

Tab. 2: ADI Richtwerte

Tab. 3: Einfluss oral verabreichter wässriger Lösungen von Aspartam, Acesulfam-K, Cyclamat, Saccharin und Saccharose auf die Plasmainsulinkonzentration im Vergleich zu Wasser (n = 14)

Tab. 4: Einfluss oral verabreichter wässriger Lösungen von Aspartam, Acesulfam-K, Cyclamat, Saccharin und Saccharose auf die Blutglucosekonzentration im Vergleich zu Wasser (n = 14).

Tab. 5: Zusammensetzung der Reduktionsdiäten und der Testmahlzeiten

Tab. 6: Veränderung von Ruhe-Nüchtern-Umsatz (RNU) und Thermogenese im Studienverlauf (x±s; t-Test).

Tab. 7: Abnahme (%) des Ruhe-Nüchtern-Umsatzes (kcal/Tag) nach 3-wöchiger Reduktionskost

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Einstieg in die Thematik

Um das 19. Jahrhundert ersetzten Süßstoffe (Saccharin), auf Grund des geringen Preises zeitweise den Zucker. Sie galten damit als der Zucker der armen Leute. Seit dem zweiten Weltkrieg erhielt der Wettstreit zwischen Zucker und Süßstoff eine völlig neue Dimension. Seither wurden Süßstoffe nichtmehr verwendet, obwohl sie keinen Nährwert besitzen, sondern weil sie keinen Nährwert besitzen. In wenigen Jahrzehnten sind sie damit vom billigen Zucker der unterernährten Armen zum nährwertlosen Zucker der überernährten Reichen aufgestiegen (Merki 1993).

Heute verwenden weltweit rund 800 Millionen Menschen täglich Süßstoffe (Müller 2001). Sie liefern Süße ohne die Kalorien des Zuckers (Bandyopadhyay 2008), in der Diätetik und Ernährungsmedizin haben sie dadurch einen festen Platz erhalten. Insbesondere dienen Süßstoffe zur Prophylaxe und Therapie von Übergewicht und Adipositas, im Rahmen des metabolischen Syndroms auch des Diabetes mellitus, der pathologischen Glucoseintoleranz, der Hypertriglyzeridämie, anderer Hyperlipoproteinämien, sowie bestimmter Kohlenhydratstoffwechselstörungen und der Leberverfettung. Vor diesem Hintergrund gesehen, wäre die Verwendung von Süßstoffen für mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland sinnvoll

Süßstoffe werden in einer umfangreichen Vielfalt Nahrungsmitteln, Getränken, Medikamenten und Hygieneprodukten hinzugefügt (Weihrauch und Diehl 2004). Seit ihrer Einführung berichteten die Medien darüber, dass Süßstoffe nicht nur nutzlos, sondern auch kontraindiziert und gefährlich seien (Erbersdobler 2005). Dazu beigetragen hat dies, den Sinn der Verbraucher für Sicherheit immer weiter zu untergraben.

Schätzungsweise nimmt jeder Bewohner der westlichen Länder Süßstoffe zu sich, wissentlich oder nicht. Ein krebserregender Effekt von einem dieser Substanzen würde ein Gesundheitsrisiko für eine gesamte Bevölkerung bedeuten (Weihrauch und Diehl 2004).

1.2 Fragestellung, Methoden und Vorgehensweise

Auf Grund der immer noch aktuellen Unsicherheiten bezüglich Süßstoffen, wird im

Zuge dieser Arbeit anhand einer vergleichenden Literaturanalyse mittels eines qualitativen Ansatzes der bisherige Wissensstand zusammenfasst und um aktuelle Ergebnisse ergänzt. Woher Ängste kommen und inwieweit diese begründet sind, soll herausgefunden werden.

Zunächst wird ein Überblick über gegenwärtig genutzte Süßstoffe und ihre Eigenschaften gegeben. Im Folgenden werden der individuelle Metabolismus der einzelnen Süßstoffe, sowie negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel erörtert. Untersucht wird außerdem, ob und in welchem Ausmaß Süßstoffe Einfluss auf die Regulationsmechanismen von Insulinausschüttung, Hunger oder Appetit haben, um einen umfassenden Eindruck möglicher negativer Effekte von Süßstoffen auf den menschlichen Körper zu bekommen.

Um den Sicherheitsaspekt von Süßstoffen ganzheitlich zu untersuchen, werden auch gesetzliche Verankerungen und Regelungen genauer betrachtet.

Die Analysen beziehen sich ausschließlich auf in der EU zugelassene Süßstoffe, da sonst der Rahmen zu sehr gedehnt würde. Für einen Überblick sollen nicht in der EU zugelassene Süßstoffe zumindest vorgestellt werden.

2 Vorstellung der Süßstoffe

2.1 In Europa zugelassene Süßstoffe

2.1.1 Aufbau

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Acesulfam-K

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Aspartam

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Cyclamat

Quelle: eigene Darstellung nach Lebensmittelchemischer Gesellschaft 1992

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Aspartam-Acesulfam-Salz

Quelle: Glandorf K, Kuhnert P und Lück E 1991 chemischer Gesellschaft 1992

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Neohesperidin DC

Quelle: eigene Darstellung nach Lebensmittelchemischer schaft 1992

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Saccharin

Quelle: eigene Darstellung nach Lebensmittel Gesell-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Sucralose

Quelle: eigene Darstellung nach Wisker et al. 2006

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Thaumatin I

Quelle: Ivengar et al. 1979

2.1.2 Eigenschaften

Acesulfam-K E 950 (6-Methyl-2,3-dihydrooxathiazin-4-on-2,2-dioxid-Kalium-Salz) hat bezüglich der Sulfimid-Gruppierung eine gewisse strukturelle Ähnlichkeit mit Saccharin. Es ist etwa 120-mal süßer als Saccharose, in Wasser wesentlich besser löslich als Saccharin und auch gegen Hydrolyse durch kochendes Wasser und sauren pH-Wert beständiger.

Aspartam E 951 (L-Aspartyl-L-phenylalanin-methylester) ist derzeit als Süßstoff weltweit in großem Umfang im Einsatz. Es schmeckt etwa 160-180-mal süßer als Saccharose, wobei die Empfindung „süß“ etwas zeitlich verzögert eintritt. Neben seiner Wirkung als Süßstoff, soll Aspartam auch als Geschmacksverstärker wirken. Aspartam ist in kaltem Wasser schwer löslich (3 g/100 ml). Am stabilsten ist es im pH-Bereich zwischen 4 und 5. Bei höherem und niedrigerem pH-Wert ist die Beständigkeit von Aspartam, vor allem bei höherer Temperatur, verringert. Der pH-Wert der meisten Limonaden liegt zwischen pH 2 und 3. Aspartam ist auch empfindlich gegen Licht. Vor allem bei gleichzeitiger Anwesenheit von Sensibilisatoren, wie z.B. Riboflavin, nimmt der Aspartamgehalt in der Lösung schnell ab.

Aspartam-Acesulfam-Salz E 962 ist eine salzartige Verbindung aus den beiden Süßstoffen Aspartam (64 %) und Acesulfam-K (36 %). Es ist etwa 350-mal süßer als Saccharose. Aspartam-Acesulfam-Salz wird dort angewendet, wo auch Aspartam und Acesulfam eingesetzt werden können. Es ist sehr gut wasserlöslich und hat einen zuckerähnlichen Geschmack.

Cyclamat E 952 (Cyclohexan-sulfamidsäure) hat im Unterschied zu Saccharin einen reinen Süßgeschmack, welcher etwa 35-mal süßer ist als der von Saccharose. Es wird oft auch in Kombination mit Acesulfam-K und Saccharin verwendet. Cyclamat und sein Natrium- und Calcium-Salz können in der EU zum Süßen von nicht-alkoholischen Getränken, zuckerfreien Süßwaren, Obstkonserven sowie Milcherzeugnissen verwendet werden.

Neohesperidin DC E 959 ist 600-mal süßer als Saccharose. Die Empfindung des süßen Geschmacks tritt etwas verzögert ein. Bei höherer Konzentration bekommt es einen mentholartigen Beigeschmack. Der Süßstoff wird aus Neohesperidin gewonnen, das in größeren Konzentrationen in den Schalen von Zitrusfrüchten vorkommt (z.B. Grapefruit und Bitter-Orange). In einer für die Süßwirkung erforderlichen Konzentration von etwa 10% hat die Substanz die Aktivität eines Geschmacksverstärkers. In der EU ist Neohesperidin DC zum Süßen von nichtalkoholischen Getränken, Süßwaren und Kaugummi zugelassen.

Saccharin E 954 (1,2-Benzoisothiazol-3-(2H)-on-1,1-dioxid) schmeckt etwa 500-mal süßer als Saccharose, hat jedoch einen bitteren Nebengeschmack. Dieser kann durch Kombination mit anderen Süßstoffen zumindest teilweise eliminiert werden. Die Substanz, die in Ether leicht löslich ist, löst sich nur schwer in Wasser, daher werden in der Praxis meist die besser löslichen Salze verwendet. Beim Erhitzen wird der Isothiazolring hydrolysiert, wodurch die Süßwirkung der Substanz verloren geht. Saccharin wird zum Süßen von niederkalorischen Getränken, Kaugummi, Backwaren, Kompotten und Konfitüren verwendet. Auch in Vitaminpräparaten, Kosmetika und Arzneimitteln kommt es vor. Insgesamt ist Saccharin damals wie heute der am meisten verwendete Süßstoff.

Sucralose E 955 (4,1´,6´-Trichloro-4,1´,6´-trideoxygalactosaccharose) = TGS ist ein nicht-nutritiver, künstlicher Süßstoff mit durchschnittlich 600-mal größerer Süßkraft als Saccharose. Sucralose ist in Kanada, Mexiko und Australien, seit Kurzem in den USA und seit 2004 auch in der EU als Süßstoff zugelassen. Sie wird in einem mehrstufigen Verfahren aus Saccharose hergestellt. Dabei kommt es während der Chlorierung zu einer Inversion der Konfiguration am C4 der Glucose, sodass eine chlorierte Galaktose als Komponente des Disaccharids entsteht. Auch Raffinose als Ausgangsprodukt oder enzymatische Verfahren werden zur Herstellung verwendet. Sucralose ist thermisch und in einem großen pH-Bereich stabil. Sie hat einen der Saccharose ähnlichen Süßgeschmack. Bei hohen Temperaturen spaltet das Molekül Salzsäure ab. Sucralose umfasst einen sehr großen Anwendungsbereich in verschiedensten Lebensmitteln.

Thaumatin E 957 = Katemfe ist ein Gemisch von süß schmeckenden Proteinen (vorwiegend Thaumatin I und II) und Inhaltsstoffen der Früchte der westafrikanischen Pflanze Thaumatococcus danielli (Marantaceae). Die Thaumatine sind in einem Membransack (Arillus) an der Oberfläche der Kerne konzentriert, aus dem sie isoliert werden. Thaumatin II (235 Aminosäuren) ist wahrscheinlich die Vorstufe von Thaumatin I (207 Aminosäuren). Die Proteine enthalten jeweils 8 Disulfidbrücken. Wird nur eine gespalten, geht die Süßkraft verloren. Als Protein ist Thaumatin thermisch nicht stabil, der Süßgeschmack geht beim Erhitzen verloren. Die Struktur des Proteins ist homolog der Hühnerproteinase und dem Amylaseinhibitor. In den Ursprungsländern hat das Süßen mit den Kernschalen der Katemfe-Frucht eine lange Tradition.

Die Empfindung des Süßgeschmacks tritt bei Thaumatin verzögert ein und hat einen Lakritz-ähnlichen Nachgeschmack. Es schmeckt etwa 2000-mal süßer als Saccharose und wird oft in Kombination mit anderen Süßstoffen für z.B. Süßwaren und Kaugummi verwendet (Ebermann und Elmadfa 2008).

2.2 In Europa nicht zugelassene Süßstoffe

Steviosid ist ein süß schmeckendes Diterpenglykosid, das 250-300-mal süßer als Saccharose ist. In Wasser ist es ausreichend löslich und beim Erhitzen stabil. Steviosid hat in reinem Zustand auch einen reinen Süßgeschmack, weniger gereinigt einen Lakritz-ähnlichen Nachgeschmack und ist praktisch nicht verdaulich.

Steviosid wird aus den Blättern der Pflanze Stevia Rebaudiana Bertoni gewonnen. Stevia stammt aus Südamerika (Paraguay), wird aber auch in einigen asiatischen Ländern angebaut. Stevia-Blätter werden schon seit Jahrhunderten in Brasilien und Paraguay verwendet, um Speisen und Getränke zu süßen. Zumeist wird der eingedickte oder getrocknete süße Extrakt der Blätter (über 90% Steviosid) als Süßstoff verwendet. Auch in Asien wird Steviosid z.B. in Erfrischungsgetränken, Süßwaren und Fruchtprodukten eingesetzt. Als Süßstoff zugelassen ist Steviosid in den Ländern Südamerikas, in China und Japan sowie anderen Ländern Asiens.

In Japan und China findet Steviosid neben seiner Verwendung als Süßstoff auch als Aromaverstärker in Tee Anwendung. Zudem wird es als Süßstoff in Kosmetika wie z.B. Zahnpasta eingesetzt, hemmt es das Entstehen von Karies und wird in Ländern, in denen es zugelassen ist, auch als Süßstoff für Diabetiker verwendet.

Wie Steviosid auf den Organismus wirkt und von ihm verwertet wird, ist noch nicht abschließend bewertet. Daher ist Steviosid in Europa, Nordamerika und vielen anderen Ländern nicht zugelassen. Im Juni 2004 hat das Expertenkomitee für Lebensmittelzusatzstoffe der WHO/FAO (JECFA) einen vorläufigen ADI-Wert für Steviosid von 0-2 mg pro kg Körpergewicht (KG) festgelegt.

Monellin ist ein süß schmeckendes Protein, bestehend aus zwei miteinander nicht kovalent verbundenen Peptidketten und strukturell ähnlich dem proteinolytischen Enzym Cystatin. Monellin kommt im Fruchtfleisch der westafrikanischen Pflanze Dioscoreophyllum cumminsii (Menispermaceae) vor. Der Süßstoff ist 2000-mal süßer als Saccharose, der Süßgeschmack setzt verzögert ein und klingt langsam ab. Monellin ist beim Erhitzen nicht stabil, da sich die Peptidketten trennen und damit die Süßwirkung verloren geht. Es wurde jedoch eine Möglichkeit entdeckt, die Peptidketten kovalent zu verbinden und damit den Süßgeschmack zu stabilisieren. Monellin findet im nicht sehr großen Umfang als Süßstoff Verwendung.

Andere süß schmeckende Pflanzenproteine sind Brazzein aus Pentadiplandra brazzeana (Pentadiplandraceae) und Mabinlin aus Capparis masaikai (Capperaceae). Brazzein kommt aus dem tropischen Afrika, Mabinlin aus China, Yunnan.

Glycyrrhizin = Süßholz = Lakritze ist ein Triterpenglykosid (Saponin), das im Holz von Glycyrrhiza glabra (Faboideae) vorkommt. Glycyrrhiza glabra ist eine Staude, die im Mittelmeergebiet heimisch ist und vor allem in Asien kultiviert wird. Glycyrrhizin wird hauptsächlich aus den geschälten Wurzeln oder Stolonen[1] gewonnen. Nur das Triterpenglykosid hat den süßen Geschmack, der etwa 50-mal süßer als Saccharose ist. Die Spaltprodukte schmecken nicht mehr süß.

Neotam (N-3,3-Dimethylbutyl-L-aspartyl-L-phenylalaninmethylester) ist das N-3,3-Dimethylbutylderivat des Aspartams. Es schmeckt etwa 8000-mal süßer als Saccharose. Die Substanz wurde Juli 2002 in den USA als Süßstoff in verschiedenen Lebensmitteln (Getränken, Süßwaren, Backwaren, Kaugummi) zugelassen.

Alitam (L-Aspartyl-D-alanyl-tetramethylthiethan) ist 2000-mal süßer als Saccharose. Es basiert auf einer Dipeptidstruktur. Alitam ist bei pH 2-4 doppelt so beständig wie Aspartam. Gelegentlich kommt es bei Zugabe von Alitam zu alkoholfreien Getränken zu Fehlgeschmack (Off-Flavour). Alitam verstärkt die Süßkraft von Saccharin. Es ist in Australien, Mexico und China zur Verwendung in Lebensmitteln zugelassen.

Fructo-Oligosaccharide = FOS = Neosugar® sind süß schmeckende und niedermolekulare Fructane. Die β-glykosidische Bindung kann im tierischen Organismus nur sehr unvollständig gespalten werden. Aus diesem Grund sind Fructo-Oligosaccharide weitgehend unverdaulich. Dafür haben sie einen günstigen Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora. Fructo-Oligosaccharide werden durch Hydrolyse aus Fructanen oder synthetisch aus Saccharose mittels Aspergillus niger und anderer Fructosyltransferasen enthaltender Mikroorganismen aus Saccharose gewonnen. Fructo-Oligosaccharide haben nur etwa ein Drittel der Süßkraft von Saccharose. Sie werden vor allem in Japan als Zuckeraustauschstoffe verwendet.

D-Tagatose (D-Lyxo-hexulose) ist eine 2-Ketose, ein 4-Diastereomer der Fructose. Sie kommt in der Natur nur gebunden in pflanzlichen Polysacchariden vor (Sterculia setigera). Tagatose schmeckt fast so süß wie Saccharose, wird aber nur sehr unvollständig resorbiert und hat einen glykämischen Index (GI) von 3 (Glucose=100). Aus diesem Umstand ergibt sich ihre Eignung als Süßstoff, der in den USA und anderen Ländern, nicht aber in der EU, zugelassen ist. Tagatose wird in Getränken als Süßstoff und als Aromaverstärker eingesetzt, ist auch bei saurem pH-Wert stabil und kann mit anderen Süßstoffen (z.B. Aspartam) kombiniert werden (Ebermann und Elmadfa 2008).

3 Süßstoffe – Grundlagen

3.1 Definition

Süßstoffe sind natürliche oder synthetische Erzeugnisse, deren Süßkraft ein Vielfaches der Süßkraft von Zucker beträgt (Gnauck 1991). Sie besitzen als chemisch synthetisierte Substrate je nach Süßstoff-Art eine 10- bis 3000-fach höhere Süßkraft als Rohr- oder Rübenzucker. Die Süßkraft bezieht sich dabei auf Saccharose, deren Süßkraft 1 beträgt. Mit Ausnahme von Aspartam sind Süßstoffe kalorienfrei. Einen physiologischen Nährwert besitzen sie nicht (Anemueller 1993). Zusätzlich bieten Süßstoffe Karies verursachenden Bakterien keine Nahrung, da sie von der Mundflora nicht metabolisiert

3.2 Chronologie

Die Geschichte der Süßstoffe begann offiziell im Juni 1878 mit der Entdeckung des Saccharins vom deutschen Chemiker Constantin Fahlberg. Er entdeckte es zufällig, als ihm ein Versuchsansatz übergekocht war und er daraufhin einen starken Süßgeschmack an seinen Händen wahrnahm (Kreutzig 1991).

Doch auch über den Süßstoff Thaumatin, der erst 1994 mit der EU-Süßstoffrichtlinie (94/35/EG) in Europa eine gewisse Bedeutung erhalten hat, gibt es schon Berichte aus dem Jahr 1855. Damals beschrieb der britische Afrika-Reisende Danielli den besonderen süßen Geschmack der westafrikanischen Katemfe-Frucht (Thaumatococcus danielli Benth), aus deren Samenmantel er gewonnen wird. 1841 bereits entdeckte er diesen Süßgeschmack .

Im Jahre 1937 stellten Audrieth und Sveda in Illinois (USA) bei der Suche nach antipyretisch[2] wirksamen Substanzen Cyclamate her. Auch hier wurde wie bei den meisten Süßstoffen die Eignung als Süßstoff zufällig entdeckt. Beschrieben wurden Herstellung und Eigenschaften der Cyclamate erst 1944. Nach gründlichen toxikologischen Untersuchungen brachte die Firma Abbott 1950 das Natriumsalz als Süßstoff unter dem Namen Sucaryl auf den US-amerikanischen Markt. 1953 wurde auch das Kalzium-Cyclamat angeboten, da bei Natrium-Cyclamat der Natriumgehalt infolge der geringeren Süßkraft (bezogen auf Saccharin) bei entsprechenden Diäten von Bedeutung sein kann (Kreutzig 1991).

Im Jahr 1963 wurde Neohesperidin DC von Horowitz und Gentili entdeckt. Innerhalb der Stoffklasse der Dihydrochalcone wurden zahlreiche süßschmeckende Verbindungen gefunden. Von diesen hat das Neohesperidin-Dihydrochalcon die stärkste Beachtung gefunden (Von Rymon Lipinski 1991).

Den Süßstoff Aspartam entdeckte der amerikanische Forscher James Schlatter im Jahr 1965. Schlatter arbeitete damals bei G.D. Searle & Company und war auf der Suche nach einem Mittel gegen Geschwüre. Als er seinen Finger anleckte, um ein Blatt Papier umzublättern, schmeckte er den angenehm süßen Geschmack. Seitdem ist Aspartam einer der meist verwendeten Süßstoffe der Welt, bekannt für seinen reinen Geschmack und eine extreme Süßkraft (Aspartam Information Service 2009).

Bei der Hoechst AG entdeckte der Chemiker Karl Clauß 1967 zufällig bei der Synthese von Oxathiazinondioxiden eine süß schmeckende Verbindung, das Acesulfam-K bzw. zunächst eine Vorstufe davon (Clauß und Jensen 1973).

Am Queen Elizabeth College in London, synthetisierte der indische Chemiker Shashikant Phadnis 1975, auf der Suche nach neuen Insektiziden aus Zucker, zufällig eine süß schmeckende Verbindung (Hough und Phadnis 1976). 1976 machten Hough und Phadnis die Entdeckung, dass Substitution von OH-Gruppen in Kohlenhydraten durch Chlor zu einer erheblichen Intensivierung der Süße führen kann. Hough synthetisierte mit weiteren Mitarbeitern in der Folge eine Reihe verschiedener halogenierter Kohlenhydrate, von denen einige nicht süß oder bitter, andere aber intensiv süß waren. 4,1´,6´-Trichlor-4,1´,6´-desoxygalactosaccharose war die süßeste der aufgefundenen Verbindungen (Von Rymon Lipinski 1991). Sie ist heute bekannt als Sucralose, ein Süßstoff der aus Saccharose hergestellt wird (Hough und Phadnis 1976).

Aspartam-Acesulfam-Salz wurde 1995 entdeckt (Mitchell 2006).

3.3 Geschmackswirkung von Süßstoffen und Süßkraft

Süßstoffe induzieren durch eine Abfolge von biochemischen Reaktionen in den entsprechenden Geschmackszellen bzw. durch Nervenreizleitung den Geschmackseindruck „süß“ im Gehirn. Obwohl dieser Stoffwechselvorgang noch nicht in allen Einzelheiten geklärt ist, zeichnet sich folgendes Reaktionsschema ab: Nach der Bindung des Zuckers oder des Süßstoffs an das entsprechende Rezeptorprotein, kommt es zu einer Aktivierung des G-Proteins[3] Gustducin. Dies bewirkt in weiterer Folge die Aktivierung von Enzymen[4], welche die Synthese als auch den Abbau von zyklischen Phosphaten katalysieren. Als Resultat der verschiedenen intrazellulären Reaktionen kommt es zu einer Depolarisierung der Geschmackszelle, verbunden mit einem Abtransport von Kaliumionen und einem starken Anstieg der intrazellulären Kalziumionen. Strukturell ist der Süßgeschmack an zumindest zwei polare Gruppen in räumlicher Nähe gebunden. Das können sowohl Hydroxyl- als auch Aminogruppen sein (Ebermann und Elmadfa 2008).

Die Süßkraft der einzelnen Süßstoffe ist in Tabelle 1 aufgeführt. Sie bezieht sich dabei immer auf Saccharose, welches den Süßkraftfaktor 1 besitzt.

Tab. 1: Süßkraftfaktoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach Ebermann und Elmadfa 2008

Synergismen

In Lebensmitteln können andere Inhaltsstoffe den Süßgeschmack modifizieren und beeinflussen, so dass andere Süßkraftwerte gefunden werden. Das gilt besonders, wenn mehrere Süßstoffe gleichzeitig eingesetzt werden, oder Kombinationen von Süßstoffen mit anderen süß schmeckenden Verbindungen vorliegen. In diesem Fall können synergistische Geschmacksverstärkungen auftreten.

Beispiele für synergistische Süßstoffmischungen sind:

Acesulfam-K und Aspartam (1:1)

Acesulfam-K und Cyclamat (1:5)

Aspartam und Saccharin (2:1)

Aspartam und Cyclamat (1:4)

Cyclamat und Saccharin (10:1)

Am ausgeprägtesten ist die synergistische Geschmacksverstärkung in der Regel, wenn die Süßstoffe etwa gleich zur Süße der Mischung beitragen, also im umgekehrten Verhältnis ihrer Süßkräfte eingesetzt werden (Von Rymon Lipinski 1992).

Ein anderer Inhaltsstoff, der den Süßgeschmack modifiziert, ist z.B. Kaffee, welcher den Geschmack der Süßstoffe Acesulfam-K, Neohesperidin DC, Thaumatin, Steviosid und Natrium-Saccharin potenziert (Schiffman et al. 1986).

3.4 Gesetzliche Regelung

Süßstoffe dürfen den Produktgruppen „Dessertspeisen und ähnliche Erzeugnisse“, „Süßwaren“ (z.B. Konfitüren, Gelees und Marmeladen, Obstkonserven, süß-saure Konserven, Senf und Saucen), „nichtalkoholische Getränke“ und „Nahrungsergänzungen/Bestandteile einer Diät auf Vitamin- und/oder Mineralstoffbasis in Form von Sirup oder Kautabletten“ mit Mengenbegrenzungen zugegeben werden. Die Verwendung wird durch die Richtlinie 94/35/EG, geändert in den Jahren 1997 und 2004 sowie die Änderungsrichtlinie 2003/115/EG in der EU geregelt (Richtlinie 94/35/EG des Europäischen Parlaments und des Rates 1994 und Richtlinie 2003/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates 2003)

3.5 Süßstoffe als Zusatzstoffe

Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe sind Zusatzstoffe. Sie werden unter dem Oberbegriff Süßungsmittel zusammengefasst. Ihr Zusatz zu Lebensmitteln ist in der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung geregelt.

Auch Höchstmengen (§7) und Kenntlichmachung (§9) sind im ZZulV verankert. Dabei sind die Höchstmengen für jeden Süßstoff und für jede Süßstoffkombination einzeln festgelegt und im Anhang (Anlage 2, Teil B) aufgeführt ().

Definition Zusatzstoff

„Lebensmittel-Zusatzstoffe sind Stoffe mit oder ohne Nährwert, die in der Regel weder selbst als Lebensmittel verzehrt noch als charakteristische Zutat eines Lebensmittels verwendet werden und die einem Lebensmittel aus technologischen Gründen beim Herstellen oder Behandeln zugesetzt werden, wodurch sie selbst oder ihre Abbau- oder Reaktionsprodukte mittelbar oder unmittelbar zu einem Bestandteil des Lebensmittels werden oder werden können. Den Lebensmittel-Zusatzstoffen stehen gleich:

1. Stoffe mit oder ohne Nährwert, die üblicherweise weder selbst als Lebensmittel verzehrt noch als charakteristische Zutat eines Lebensmittels verwendet werden und die einem Lebensmittel aus anderen als technologischen Gründen beim Herstellen oder Behandeln zugesetzt werden, wodurch sie selbst oder ihre Abbau- oder Reaktionsprodukte mittelbar oder unmittelbar zu einem Bestandteil des Lebensmittels werden oder werden können; ausgenommen sind Stoffe, die natürlicher Herkunft oder den natürlichen chemisch gleich sind und nach allgemeiner Verkehrsauffassung überwiegend wegen ihres Nähr-, Geruchs- oder Geschmackswertes oder als Genussmittel verwendet werden,
2. Mineralstoffe und Spurenelemente sowie deren Verbindungen außer Kochsalz,
3. Aminosäuren und deren Derivate,
4. Vitamine A und D sowie deren Derivate.“ (§ 2 (3) LFGB[5] )

3.6 Zulassung

Die in Deutschland und den anderen EU-Mitgliedsländern zulässigen Zusatzstoffe sind durch internationale Expertengremien gesundheitlich bewertet worden und dürfen in der Folge Lebensmitteln zugesetzt werden. Zu den Expertengremien zählen die Joint FAO/ WHO Expert Committee on Food Additives (JECFA) und bis Frühjahr 2003 das Scientific Committee on Food (SCF). Auch nationale Expertengremien, wie die Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln (SKLM) der Deutschen Forschungsgemeinschaft, bewerten derartige Stoffe. Seit 2003 ist in der EU die European Food Safety Authority (EFSA) für die gesundheitliche Bewertung von Zusatzstoffen zuständig, dabei wird sie von dem Panel on Food Additives, Flavourings, Processing Aids and Materials in Contact with Food (Panel AFC) beraten. Von der EFSA mit dem Panel AFC bewertete und akzeptierte Zusatzstoffe bekommen eine E-Nummer (BfR 2003). Das „E“ stand zunächst für Europa, oder auch EU, heute steht es für „edible“ (essbar) (Fröleke et al. 2008).

3.7 Kennzeichnung

Produktbezeichnung und Etikettierung der mit Süßstoff hergestellten Produkte sind EU-weit geregelt. Der Gehalt an Süßstoffen in Lebensmitteln ist in Verbindung mit der Verkehrsbezeichnung durch die Angabe „mit Süßungsmittel“ und beim Einsatz einer Süßstoffkombination „mit Süßungsmitteln“ kenntlich zu machen. Enthält ein Produkt sowohl Süßstoff als auch Zucker, lautet die Etikett-Aufschrift: „mit einer Zuckerart und Süßungsmittel“, bei mehreren Zuckerzusätzen oder mehreren Süßstoffen, sind die betreffenden Zutaten in der Mehrzahl jeweils in Verbindung mit der Verkehrsbezeichnung kenntlich zu machen. Die verwendeten Süßstoffe werden im Zutatenverzeichnis aufgelistet. Bei Tafelsüßen gibt bereits die Verkehrsbezeichnung den enthaltenen Süßstoff an, wie z.B. „Flüssigsüße auf der Basis von Saccharin“.

Menschen mit Phenylketonurie dürfen Aspartam nicht aufnehmen. Daher müssen Produkte und Tafelsüßen, die Aspartam oder Aspartam-Acesulfamsalz enthalten, zusätzlich den Hinweis „enthält eine Phenylalaninquelle“ auf dem Etikett tragen.

Die Angaben sind gut sichtbar, in leicht lesbarer Schrift und unverwischbar anzugeben (ZZulV §9 1998).

4 Metabolismus der Süßstoffe

4.1 Acesulfam-K

Acesulfam-K wird innerhalb von 1,5 Stunden zu 80-100% enteral resorbiert und innerhalb von 24 Stunden zu 99% mit dem Harn wieder ausgeschieden. Ein geringer Anteil erreicht transplazentar den Fetus und wird in der Muttermilch ausgeschieden (Classen et al 2001). Hager et al. (1995) und Classen et al. (2001) fanden keine Hinweise auf eine Metabolisierung von Acesulfam-K. Laut Ebermann und Elmadfa (2008) wird im Stoffwechsel der Oxathiazin-Ring geöffnet, so dass Acetoacetamid-N-sulfonsäure entsteht, die dann weiter zu physiologisch nichttoxischen Substanzen abgebaut werden kann.

4.2 Aspartam

Aspartam wird als Dipeptidähnliche Verbindung (Von Rymon Lipinski 1992) im Magen-Darm-Trakt durch Hydrolyse zu den Abbauprodukten Asparaginsäure, Phenylalanin und Methanol gespalten und resorbiert (Hager et al. 1995).

4.3 Aspartam-Acesulfam-Salz

Aspartam-Acesulfam-Salz dissoziiert im menschlichen Körper zu Aspartam und Acesulfam und wird als diese metabolisiert (ISA 2009).

4.4 Cyclamat

Cyclamat wird im Darmtrakt zu etwa 40% resorbiert, der Rest wird dosisabhängig unverändert in den Faeces ausgeschieden. Resorbiertes Cyclamat wird unverändert im Harn eliminiert (Hager et al. 1995). Eine Metabolisierung in der Leber findet nicht statt (Kreutzig 1991). Cyclamat gelangt in das Gewebe des Fetus und in die Muttermilch von Ratte und Hund. Im Darm wird Cyclamat stark ionisiert und kann laxierend wirken (Hager et al. 1995). Außerdem können die Bakterien der Darmflora einiger Menschen, den Konvertern, nicht resorbierte Anteile zu Cyclohexylamin abbauen (Von Rymon Lipinski 1992).

4.5 Neohesperidin

Neohesperidin-Dihydrochalcon wird durch die menschlichen Darmbakterien zuerst zu Hesperetin-Dihydrochalcon-4'-beta-D-glucosid und anschließend zum Aglycon Hesperetin-Dihydrochalcon deglycosyliert (Braune et al. 2005).

4.6 Saccharin

Saccharin wird im Stoffwechsel nicht metabolisiert, sondern fast zu 100% unverändert wieder ausgeschieden (Ebermann und Elmadfa 2008). In Versuchen mit 3-14C-markiertem Saccharin ist an Ratten gezeigt worden, dass die oral zugeführte Substanz zu 10-40% mit dem Faeces und zu 55-85% über den Urin ausgeschieden wird. Bei Rhesusaffen und Meerschweinchen erfolgt die Ausscheidung ebenfalls zu ca. 70% über die Nieren. Entsprechend haben Verteilungsstudien ergeben, dass die Hauptmasse resorbierter markierter Substanz in Niere und Harnblase zu finden ist.

In Experimenten an Rhesusaffen wurde gezeigt, dass Saccharin beim Säuger die Plazentaschranke überwindet und sich, mit Ausnahme des zentralen Nervensystems, gleichmäßig im fötalen Gewebe verteilt. Die längeren totalen Halbwertszeiten (HWZ) deuten auf eine geringe Kumulationsneigung im Embryo hin. Im Plasma sind etwa 90% des Saccharins an Albumin gebunden. Interaktionen mit anderen, ebenfalls an Proteine gebundenen Pharmaka, können nicht ausgeschlossen werden. Spuren an o-Sulfamoyl-Benzoesäure als Urinmetabolit sind ohne sichtbare Relevanz (Classen et al. 2001).

4.7 Sucralose

Das Molekül wird im Darm nicht resorbiert und zum größten Teil unverändert wieder ausgeschieden (Ebermann und Elmadfa 2008). Ein kleiner Anteil wird zu 1,6-Dichlorfructose und 4-Chlorgalactose hydrolysiert (BgVV1994).

4.8 Thaumatin

Thaumatin wird im Stoffwechsel wie andere Proteine metabolisiert (Ebermann und Elmadfa 2008); und zwar vollständig. Die Verdaulichkeit entspricht der von Ei-Albumin (Classen et al. 2001).

5 Negative Auswirkungen von Süßstoffen auf die menschliche Gesundheit

5.1 Acesulfam-K

Unter extremen pH-Bedingungen (z.B. hoher pH) und bei sehr langen Lagerzeiten kann teilweise Hydrolyse von Acesulfam-K auftreten. Bei solchen Bedingungen können neben Aceton, Kohlenstoffdioxid (CO2) und Ammoniumsulfat, auch Spuren von Acetoacetamid gebildet werden. Eine chemisch ähnlich erscheinende Verbindung, das Acetamid (CH3CONH2), ist bei Ratten ein schwaches Leberkarzinogen, ohne mutagenes Potential im AMES-Test[6] oder einer Vielzahl anderer Kurzzeittests zu zeigen (Fleishmann et al. 1980). Acetoacetamid ist jedoch kein Substrat für Thiolase, β-Hydroxyacyl-CoA-Dehydrogenase und β-Hydroxybutyratdehydrogenase, so dass kein Acetamid gebildet werden kann. Die akute Toxizität von Acetoacetamid ist nach Hager et al. gering, Resorption und Ausscheidung seien rasch. Acetoacetamid ist nicht genotoxisch, verursacht allerdings in hohen Dosen toxische Schäden an Leber und Schilddrüse (Hager et al. 1995).

Akute Toxizität: nach oraler Gabe ist Acesulfam-K bei Ratten „ungiftig“, die LD50[7] liegt bei 7,5g/kg KG.

Acesulfam-K ist nicht karzinogen, hat keinen Einfluss auf die Reproduktionsfunktion, ist nicht teratogen und nicht genotoxisch. Außerdem ist es nicht antigen, bindet nicht an DNS und zeigt keine pharmakologischen Wirkungen in Standartuntersuchungen (Hager et al. 1995).

Trotzdem werden weitere toxikologische Untersuchungen mit Acesulfam-K durchgeführt (Ebermann und Elmadfa 2008).

5.2 Aspartam

Kontraindikation: Phenylketonurie

Toxikologisch ist das nach Spaltung des Moleküls freigesetzte Phenylalanin für an Phenylketonurie (PKU) erkrankte Personen bedenklich (Ebermann und Elmadfa 2008).

Das Risiko einer Hirnschädigung beginnt bei Phenylalanin-Blutspiegeln über 10 mg/dl, bei Phenylalanin-Blutspiegeln unter 10 mg/dl treten keine Schädigungen auf. Um bei einer gesunden Person den kritischen Phenylalanin-Blutspiegel von 10 mg/dl über längere Zeit zu erreichen, müssten stündlich mindestens 30 bis 100 mg/kg KG Aspartam gegeben werden, also 2 bis 7 g oder 3,5 bis 11,5 Liter aromatisiertes Getränk pro Stunde (Bickel 1987).

Nebenwirkungen von hohen Phenylalanin-Blutspiegeln, wie z.B. erhöhte Krampfbereitschaft, Veränderungen des Elektroenzephalogramms (EEG), des Benehmens und verminderte Aufmerksamkeit sind in kognitiven Funktionstests nur bei Patienten mit Phenylketonurie beobachtet worden (Toxcenter e.V. 2009).

Eine geringere Phenylalanin-Intoleranz haben heterozygote Anlageträger. Je nach Belastungsdosis liegen ihre Phenylalanin-Blutspiegel um 50 bis 100% höher als bei Normalpersonen, aber immer noch unter dem kritischen Phenylalanin-Grenzwert von 10 mg/dl. Um diesen zu erreichen, müsste der Heterozygote stündlich 1 bis 3,5 g Aspartam aufnehmen (Bickel 1987).

Akute Toxizität: Bei einmaliger akuter Aspartam-Gabe von 10 mg/kg KG = 700 mg für einen 70 Kilogramm schweren Erwachsenen, werden die Phenylalanin-Blutspiegel von 0,8 auf 1,2 mg/dl steigen, bei 34 mg/kg KG = 2,4 g auf 1,8 mg/dl. Eine akute Vergiftung durch Phenylalanin ist damit für Menschen ohne PKU unwahrscheinlich.

Tagesraten von bis zu 1,5 g Aspartam können davon abgesehen Nebenwirkungen hervorrufen. So traten unter 1,5 g x d Aspartam heftige Migräne-Anfälle, begleitet von Störungen im Magen-Darm-Trakt auf. Auch Entzündungen des Fettgewebes und Krampfanfälle (N. 1986), bis hin zu Panikgefühlen und Todesängsten werden dem Überkonsum von Aspartam zugeschrieben (Toxcenter e.V. 2009).

Da Aspartam durch steigende Temperaturen, extreme pH-Werte (über und unter pH 4-5) und hohe Luftfeuchtigkeit schon vor der Aufnahme in Methanol, L-aspartyl-L-phenylalanine (Asp-Phe) und cyclo-Asp-Phe gespalten werden kann, nehmen Konsumenten je nach Lagerung Aspartam-haltiger Getränke diese Stoffe zu sich (Lipton et al. 1991).

In Italien gingen im Jahr 2005 (EFSA 2009) aus Ergebnissen tierexperimenteller Untersuchungen neue Bedenken hervor. Die European Ramazzini Foundation (ERF) stellte in 7 Gruppen randomisiert jeweils 100 oder 150 acht Wochen alte weibliche und männliche Sprague-Dawley-Ratten zusammen. Sie wurden lebenslang ad libitum mit einem Standardfutter versorgt, dem außer bei der Kontrollgruppe 80, 400, 2.000, 10.000, 50.000 oder 100.000 ppm Aspartam beigemengt worden waren. Das führte zu einer Aufnahme von 0, 4, 20, 100, 500, 2.500 und 5.000 mg Aspartam/kg KG. Im Trinkwasserverbrauch und in der geschlechtsabhängigen Körpergewichtsentwicklung stellten sich keine signifikanten Unterschiede ein, ebenso wenig in der Überlebenszeit (maximal 159 Wochen) und in der Zahl der Gehirntumore. Maligne Tumore, Lymphome und Leukämie traten jedoch sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Ratten im signifikant positiven Trend auf. Die Berichterstatter leiteten aus den Versuchsergebnissen für weibliche Ratten einen statistisch gesicherten Anstieg der Lymphom- und Leukämiehäufigkeit ab, dessen Dosisabhängigkeit sehr nahe bei Mengen beginnen soll, die im menschlichen Verzehrsbereich liegen. Bereits bei 20 mg/kg KG stelle Aspartam ein multipotentiales karzinogenes Agens dar (Soffritti et al. 2006). Die EFSA kündigte daraufhin in ihrer Pressemitteilung vom 14.07.2005 eine gründliche Prüfung der Untersuchungsergebnisse und eine erneute Risikobewertung von Aspartam an (EFSA 2005 a), sah allerdings keinen Anlass, eine Änderung im Gebrauch von Aspartam vorzuschlagen (EFSA 2005 b). Im Jahr 2007 wurde eine zweite Studie der ERF veröffentlicht, in der erneut Aspartam an Sprague-Dawley-Ratten getestet wurde. Ziel dieser neuen Studie war, das karzinogene Risiko von Aspartam besser quantifizieren zu können und die bereits in 2005 veröffentlichte Studie zu bestärken, indem mit der Behandlung bereits am Fötus begonnen wurde. Die Ratten wurden bis zum nätürlichen Tod mit 0, 400 und 2.000 ppm Aspartam gefüttert. Die Ergebnisse zeigten einen signifikanten Dosis-abhängigen Anstieg der malignen Tumoren in männlichen Ratten, einen signifikanten Anstieg des Auftretens von Lymphomen und Leukämie in männlichen Ratten mit Gabe von 2.000 ppm Aspartam und einen signifikanten Dosis-abhängigen Anstieg des Auftretens von Lymphomen und Leukämie in weiblichen Ratten. Damit war bestätigt, dass die karzinogenen Effekte mit Beginn der Studie am Fötus noch verstärkt wurden (Soffritti 2007). Die Antwort der EFSA kam mit ihrer Opinion im Jahr 2009. Der Panel on Food Additives and Nutrient Sources added to Food (Panel ANS) bedenkt darin, dass um die Ergebnisse

der Studie bewerten zu können, ein Überblick an nicht-neoplastischen, hyperplastischen und preneoplastischen Läsionen zusätzlich zu gutartigen Neoplasmen notwendig sei. Diese Informationen seien besonders wichtig, um die Ergebnisse lebenslanger Studien bis zum natürlichen Tod des Tieres zu interpretieren. Es müsse erforscht werden, wo generell gehäuft Pathologien wie infektiöse Pathologien oder vermehrt diverse Tumorarten auftreten, die auf ein bestimmtes Alter des Tieres zurückzuführen sind. Der Panel folgerte unter Einbeziehen der ERF-Studie, dass es keine Indikation für genotoxisches oder karzinogenes Potential von Aspartam gibt und damit keinen Grund, den im Vorfeld festgelegten ADI-Wert zu revidieren (EFSA 2009).

[...]


[1] Ausläufer

[2] Fiebersenkend, vor Fieber schützend

[3] Guanosintriphosphat-bindendes Protein

[4] cAMP, cGMP, Adenylyl-Cyclase, Phosphodiesterase und Phospholipase C

[5] Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch

[6] Von Ames und Mitarbeitern entwickelter Kurzzeitmutagenitätstest

[7] Mittlere letale Dosis (tödliche Dosis für 50% der Population)

Details

Seiten
69
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783836638159
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226963
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Haushalts- und Ernährungswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
süßstoff insulin übergewicht aspartam

Autor

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Titel: Effekte des Süßstoffkonsums auf Nahrungsaufnahme und Stoffwechsel