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Kognitive Könnensprobleme als Ursache dysfunktionaler Verhaltensweisen im Controlling-Prozess

Diplomarbeit 2007 101 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Eidesstattliche Erklärung

II. Abkürzungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

IV. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung der Arbeit
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Grundlagenteil
2.1 Grundlagen dysfunktionalen Verhaltens
2.2 Grundlagen der Wirtschaftspsychologie im Bereich der Kognition als Ursache von Könnensproblemen
2.2.1 Kognition und Kognizieren
2.2.2 Wissen als Ergebnis des Kognizierens
2.2.2.1 Deklaratives Wissen
2.2.2.2 Prozedurales Wissen
2.2.3 Metakognitive Verarbeitungsregulation
2.2.3.1 Deklaratives metakognitives Wissen
2.2.3.2 Prozedurales metakognitives Wissen
2.2.4 Kognitive Aktivitäten als Problemlöseprozess
2.2.5 Kognitive Beeinträchtigungen
2.2.5.1 Definition und Systematisierung kognitiver Beeinträchtigungen
2.2.5.2 Kognitive Begrenzungen
2.2.5.3 Kognitive Verzerrungen
2.2.5.4 Kognitive Prägungen
2.2.6 Empirische Untersuchungen zu kognitiven Beeinträchtigungen
2.2.6.1 Empirische Untersuchung zur functional fixation
2.2.6.2 Empirische Untersuchung zur Principal-Agent-Theorie
2.2.6.3 Empirische Untersuchungen zum Dissonanzphänomen
2.2.6.4 Wechselwirkungen zwischen kognitiven Beeinträchtigungen
2.3 Grundlagen des Controlling
2.3.1 Maßgebendes Controllingverständnis für diese Arbeit
2.3.2 Rationalitätssicherung als Controllingaufgabe
2.3.3 Stufen im Controlling-Prozess und ihr Potential für dysfunktionales Verhalten im Controlling-Prozess
2.3.3.1 Informationsgenerierung im Controlling-Prozess
2.3.3.2 Planung als Aufgabe des Controllers
2.3.3.3 Kontrolle im Controlling-Prozess
2.4 Zwischenfazit

3. Kognitive Könnensprobleme im Controlling-Prozess am Beispiel des Controllinginstruments Investitionsrechnung
3.1 Begriff und Funktion der dynamischen Investitionsrechnung
3.2 Untersuchung von dysfunktionalen Verhaltensweisen durch kognitive Könnensprobleme am Beispiel eines Investitionsobjektes
3.2.1 Dysfunktionale Verhaltensweisen durch kognitive Könnensprobleme in Investitionsphasen
3.2.2 Dysfunktionale Verhaltensweisen durch kognitive Könnensprobleme bei Rechnungselementen der Investition
3.2.2.1 Kognitive Könnensprobleme bei der Bestimmung des Kalkulationszinssatzes
3.2.2.2 Kognitive Könnensprobleme bei der Bestimmung der Nutzungsdauer
3.2.2.3 Kognitive Könnensprobleme bei der Berechnung der Anfangs-auszahlung
3.2.2.4 Kognitive Könnensprobleme bei der Prognose der Einzahlungen
3.2.2.5 Kognitive Könnensprobleme bei der Prognose der Auszahlungen
3.2.2.6 Kognitive Könnensprobleme bei der Berechnung des Restwertes
3.2.3 Dysfunktionale Verhaltensweisen durch kognitive Könnensprobleme bei den Akteuren
3.3 Bedeutung für das Controlling

4. Die Controller-Manager-Beziehung

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

I. Eidesstattliche Erklärung

Hiermit versichere ich an Eides statt, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne Benutzung anderer als der in den Fußnoten und im Literaturverzeichnis angegebenen Quellen angefertigt habe.

Kiel, den 25.05.2007

Claus Tiemann

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Systematisierungskriterien von dysfunktionalem Verhalten

Tab. 2: Fähigkeiten der Akteure in Zusammenhang mit Wissensarten

Tab. 3: Kognitive Könnensprobleme beim Controllinginstrument Investitionsrechnung

Tab. 4: Berechnung der Anschaffungskosten

Tab. 5: Kognitive Könnensprobleme bei der Ermittlung der Anschaffungsnebenkosten

Tab. 6: Verteilung kognitiver Könnensprobleme am Beispiel des Controllinginstruments Investitionsrechnung

IV. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Verknüpfung von Kognitionsdefinition nach Festinger und kognitiven Beeinträchtigungen

Abb. 2: Umwandlung von deklaratorischem in prozedurales Wissen

Abb. 3: Systematisierung kognitiver Beeinträchtigungen

Abb. 4: Zusammenarbeit der Akteure im Controlling-Prozess

Abb. 5: Rechnungselemente der Kapitalwertrechnung im Untersuchungsmodell

Abb. 6: Auswirkungen dysfunktionalen Verhaltens durch kognitive Könnensprobleme auf den Controlling-Prozess

Abb. 7: Rollen eines Managers

Abb. 8: Realisierung von dysfunktionalem Verhalten durch kognitive Könnensprobleme von Manager und Controller

Abb. 9: Synergie und Antagonie in der Controller-Manager-Beziehung im Controlling-Prozess

1. Einleitung

1.1 Problemstellung der Arbeit

Dysfunktionales Verhalten ist ein in Unternehmen bekanntes, aber schwer zu fassendes und zu untersuchendes Phänomen.[1] Es durchzieht alle Organisations- und Hierarchieebenen und ist Ausdruck irrationalen Verhaltens, welches wenig mit dem rationalen Verhalten des homo oeconomicus gemein hat, der sich aus dem entscheidungsorientierten Controllingansatz heraus als allwissend und zugleich willfährig gegenüber den Unternehmenszielen zeigt.[2]

Der Controllingprozess kann durch dysfunktionales Verhalten erheblich gestört und sogar boykottiert werden. Die Controllinginstrumente werden wirkungslos, wenn dysfunktionales Verhalten dazu führt, dass Informationen gefälscht oder falsch interpretiert werden. Sind die Controlling-Instrumente selbst Ursache dysfunktionalen Verhaltens,[3] wird der originäre Zweck der Controlling-Instrumente, u. a. zielabweichendes Verhalten aufzudecken,[4] sogar ad absurdum geführt.[5]

Um dysfunktionales Verhalten untersuchen zu können, muss sich die Betriebswirtschaftlehre den Verhaltenswissenschaften öffnen, um ihre eigene Forschung mit verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnissen verknüpfen zu können. Wielpütz führt sogar aus, dass das Controlling grundsätzlich als sozialwissenschaftliches Phänomen interpretiert werden müsse.[6] Dabei geht es nicht um die bloße Übernahme verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern um eine kritische und sachkundige Anwendung von verhaltenswissenschaftlichen Instrumenten für Problemfelder, bei denen mit den eigenen betriebswirtschaftlichen Instrumenten keine Fortschritte zu erzielen sind.[7]

Im Gegensatz zu dysfunktionalem Verhalten aufgrund von Wollensproblemen ist dysfunktionales Verhalten aufgrund von kognitiven Könnensproblemen bisher weitaus weniger bei den Verhaltenswirkungen von Controlling-Instrumenten berücksichtigt worden.[8] Daher sind durch kognitive Könnens-probleme verursachte dysfunktionale Verhaltensweisen Untersuchungs-gegenstand dieser Arbeit.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Die Untersuchung von dysfunktionalen Verhaltensweisen durch kognitive Könnensprobleme im Controlling-Prozess hat das Ziel, folgende Forschungsfragen zu beantworten:

1. Welches sind die Ursachen für dysfunktionales Verhalten durch kognitive Könnensprobleme?
2. Entwicklung einer Systematik für die Ursachen kognitiver Könnensprobleme.
3. Inwieweit und welche Controlling-Instrumente können kognitive Könnensprobleme auslösen?
4. Welche Auswirkungen von kognitiven Könnensproblemen sind durch psychologische Studien belegt und wo gibt es Forschungslücken?

Nachfolgend wird erläutert, in welchen Schritten das Thema dieser Arbeit untersucht und wie die Beantwortung der Forschungsfragen geschehen soll.

1.3 Aufbau der Arbeit

Aufgrund des interdisziplinären Charakters dieser Arbeit sind in Kapitel 2 drei Grundlagengebiete zu behandeln. Begonnen wird in Kapitel 2.1 mit den Grundlagen dysfunktionalen Verhaltens, dessen Definition dargestellt und dessen Ursachen in Wollens- und Könnensprobleme systematisiert werden.

Darauf folgt in Kapitel 2.2 eine Untersuchung der psychologischen Grundlagen von Kognition und Wissen. Hier findet eine Verknüpfung der Definition von Kognition und den in Abschnitt 2.2.5 zu untersuchenden kognitiven Könnensproblemen statt, deren Ursachen systematisiert und anhand von Beispielen aus dem Controlling erklärt werden.

In Kapitel 2.3 wird das für diese Arbeit zugrunde liegende Controlling-verständnis erläutert. Die Stufen der Informationsbeschaffung, Planung und Kontrolle werden auf Potentiale für kognitive Könnensprobleme und daraus folgendes dysfunktionales Verhalten der beteiligten Akteure überprüft.

Kapitel 3 befasst sich mit dem Controllinginstrument Investitionsrechung und untersucht die Phasen und die Rechnungselemente auf kognitive Könnensprobleme und daraus folgendes dysfunktionales Verhalten der beteiligten Akteure und fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen.

Kapitel 4 widmet sich der Zusammenarbeit und Interaktion von Controller und Manager in Zusammenhang mit den aus der Untersuchung hervorgegangenen relevanten kognitiven Könnensproblemen dieser beiden Akteure.

Abschließend werden in Kapitel 5 die Ergebnisse dieser Arbeit hinsichtlich der Beantwortung der Fragestellungen in einem Fazit zusammengefasst und es wird ein Ausblick für künftigen Forschungsbedarf vorgenommen.

2. Grundlagenteil

Die Aufgabenstellung dieser Arbeit erfordert eine Untersuchung dreier verschiedener Gebiete. Dafür werden zunächst die Grundlagen dysfunktionalen Verhaltens dargestellt. Im Anschluss daran werden die Grundlagen der Wirtschaftspsychologie im Bereich der Kognition untersucht, um dann das für diese Arbeit relevante Controllingverständnis aufzuzeigen. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden am Ende des Kapitels zusammengefasst dargestellt.

2.1 Grundlagen dysfunktionalen Verhaltens

Im Gegensatz zu funktionalem Verhalten wirkt dysfunktionales Verhalten der Akteure kontraproduktiv den Unternehmenszielen entgegen.[9] Die Systematisierung dysfunktionalen Verhaltens ist Gegenstand dieses Abschnitts und wird in Tabelle 1 dargestellt.

Tab. 1: Systematisierungskriterien von dysfunktionalem Verhalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. Vanini (2007:o.S.).

Dysfunktionales Verhalten kann sämtliche Hierachieebenen betreffen. Es kann durch Mitarbeiter, Manager und den Controller selbst ausgeübt werden. Alle drei genannten Akteure stehen in einem gemeinsamen Prozess, der von einer Informationslieferung an den Controller, über dessen Aufbereitung und Bewertung der Informationen es zu einer Entscheidungsfindung durch den Manager kommt. Der Prozess der Entscheidungsfindung und die Realisation der Entscheidung unterstehen der Kontrolle des Controllers hinsichtlich ökonomischer und rationalitätssichernder Kriterien.[10]

Dysfunktionale Verhaltensweisen werden durch Könnens- oder Wollensprobleme verursacht. Wollensprobleme können durch den Wunsch nach Vermeidung von Arbeitsleid i. S. des Principal-Agent-Ansatzes entstehen, durch die Verfolgung eigener Karriereziele oder aufgrund einer egozentrischen persönlichen Einstellung i. S. der Suche nach persönlicher Größe durch Machtausübung.[11] Der Principal-Agent-Ansatz verursacht aber nicht nur Wollensprobleme. Wie in Abschnitt 2.2.5.2 erläutert wird, ist er auch dazu geeignet, durch kognitive Prägung Könnensprobleme zu erzeugen.

Die Wirkung dysfunktionaler Verhaltensweisen zeigt sich in bürokratischem Verhalten, Verfälschung von Informationen und in mittelbaren Dysfunktionalitäten. Bei bürokratischem Verhalten konzentriert der Akteur sich auf die Zielerreichung der Arbeitsbereiche, die einer Kontrolle unterliegen. Dabei werden die Arbeitsbereiche nachrangig bearbeitet bzw. vernachlässigt, die schwer zu kontrollieren sind. Bei einer inhaltlichen Anpassung bevorzugt der Akteur die Bearbeitung von Aufträgen, deren Vorgaben leicht zu erfüllen sind und konzentriert damit seine Aufgabenerfüllung auf quantitativ messbare Bestandteile der Zielvorgaben. Zu einer zeitlichen Anpassung kann es kommen, wenn der Kontrollhorizont kürzer als die zeitliche Reichweite der zu steuernden Maßnahmen ist. In diesem Fall konzentriert sich der Akteur auf die Erreichung kurzfristiger Zielgrößen und vernachlässigt langfristige Unternehmensziele. Als Beispiel wäre hier die Unterlassung von Maßnahmen mit investivem Charakter zu nennen, wie z. B. Instandhaltungsmaßnahmen und betriebliche Aus- und Weiterbildung. In Ressortegoismus mündet eine objektspezifische Anpassung. Der Akteur verfolgt dabei ausschließlich die Interessen des eigenen Verantwortungs-bereiches und vernachlässigt die dabei entstehenden Probleme bei anderen Mitarbeitern und im Gesamtunternehmen. Bürokratisches Verhalten lässt sich als controlling-konformes dysfunktionales Verhalten bezeichnen, weil der Akteur systemkonform gemäß der durch die Kontrolle gesetzten Anreize reagiert.[12]

Durch die Bildung von budgetary slack und der Manipulation von Kontrollinformationen kommt es zur Verfälschung von Informationen. Beim budgetary slack überschätzt der Aufgabenträger bewusst den benötigten Faktoreinsatz. Die Manipulation von Kontrollinformationen wirkt sich negativ auf die Effektivität von Abweichungsidentifikationen und –analysen aus. Manipulationen sind auch durch verzerrende Erläuterungen von Abweichungen möglich. Dadurch verschleiert der Budgetverantwortliche die tatsächlichen Ursachen der Budgetabweichungen und seine eigene Verantwortlichkeit.

Die hier beschriebenen Manipulationen lassen sich den Wollensproblemen zuordnen. Muss aber der Controller mit diesen Daten arbeiten und diese bewerten, so kann er nur zu falschen Ergebnissen kommen. So wandelt sich das Wollensproblem des Budgetverantwortlichen in ein Könnensproblem für den Controller, bis dieser die Manipulationen durchschauen und abstellen kann. Manipulationen von Informationen entsprechen einem controlling-beeinflussenden Verhalten.[13]

Bei mittelbar zielbezogenen Verhaltensdysfunktionalitäten kommt es zu psycho-sozialen Effekten wie organisationalen Konflikten und systematischem Widerstand gegen den Einsatz von Controllinginstrumenten durch Subversions- und Rechtfertigungsstrategien. Außerdem können Mitarbeiter empfundene Defizite der offiziellen Informationsversorgung durch den Aufbau informeller Informationssysteme kompensieren.[14]

Hier zeigt sich dysfunktionales Verhalten auch in Form der so genannten Reaktanz. Diese entsteht, wenn ein Mitarbeiter in seiner Verhaltens- und Meinungsfreiheit eingeschränkt wird und dieses als illegitim und willkürlich erachtet. Wird das Controlling nicht als Katalysator zwischen multiplen Zielen und Interessen genutzt, sondern allein als Durchsetzungsmittel von finanziellen Zielen, ist dies ein Nährboden für Reaktanz.[15]

Von besonderer Bedeutung für die Stärke der Reaktanz ist, abgesehen von weiteren Faktoren, die Wichtigkeit des Entscheidungsspielraums für den Mitarbeiter, der eine Wiederherstellung der bedrohten Freiheit erwirken will. Beim Bumerangeffekt macht der Mitarbeiter genau das Gegenteil von dem, was er eigentlich tun soll. Diese „Trotzreaktion“ tritt in Organisationen eher selten auf und nur dann, wenn z. B der Vorgesetzte selbst gegen offizielle Regelungen verstößt. Indirekte Reaktionen, bei denen der Mitarbeiter versucht, sich soweit wie möglich Anweisungen und Kontrollen zu entziehen und damit seinen Freiheitsspielraum stückweise wieder zu erweitern, sind dagegen häufiger anzutreffen. Direkte aggressive Reaktionen treten selten auf und drücken sich dann nur verbal aus. Gefährlicher sind versteckte Formen der Aggression, die in kontraproduktivem Verhalten münden. Dies kann sich z. B. in Nachlässigkeit oder in subtilen Formen der Sabotage äußern.[16] Hier ist insgesamt von controlling-opponierendem Verhalten zu sprechen.[17]

Nach Meinung des Autors kann sich ein Könnensproblem in ein Wollensproblem umwandeln, wenn es dem Akteur bewusst wird und er die Möglichkeit besitzt, die Ursachen für das Könnensproblem zu beseitigen. Unterbleibt dies zur Vermeidung von Arbeitsleid, ist von einem Wollens-problem zu sprechen.

Könnensprobleme können z. B. durch eine generelle Überforderung in der Arbeitsleistung oder durch situative Verständnisprobleme durch fehlinterpretierbare Arbeitsanweisungen entstehen.[18] Ein Problem des Könnens ist daher als Fehlen der Fähigkeit des Akteurs zu definieren, eine Aufgabe im Sinne der Unternehmensziele auszuführen.[19] Kognitive Könnensprobleme entstehen speziell durch kognitive Beeinträchtigungen, die sich in kognitiven Begrenzungen, Verzerrungen und Prägungen zeigen, wie in Abschnitt 2.2.5 erläutert wird.

So kann der Controller selbst einem Könnensproblem unterliegen, wenn er aufgrund seines hohen Spezialisierungsgrades kein hinreichendes Verständnis für das Geschäft hat und wichtige Informationen dadurch ausblendet, dass er intuitive Einschätzungen seiner Manager zu gering einschätzt. Auch sind Könnensprobleme in seinem eigenen Fach hinsichtlich komplexer Controllinginstrumente denkbar.[20]

Die in diesem Kapitel vorgenommene Systematisierung hat einen Überblick über die Ausprägungen dysfunktionalen Verhaltens geschaffen. Da diese Arbeit dysfunktionale Verhaltensweisen durch kognitive Könnensprobleme untersucht, befasst sich das nächste Kapitel mit den psychologischen Grundlagen der Kognition und der kognitiven Beeinträchtigungen.

2.2 Grundlagen der Wirtschaftspsychologie im Bereich der Kognition als Ursache von Könnensproblemen

Zunächst werden in diesem Abschnitt grundsätzliche Definitionen von Kognition und verschiedenen Wissensarten vorgenommen. Es wird dargestellt, welche Fähigkeiten diese den Akteuren verleihen und wie dadurch Problemlöseprozesse ermöglicht werden. Weiterhin werden die aus Störungen der kognitiven Verarbeitung entstehenden kognitiven Beeinträchtigungen systematisiert. Anschließend werden Wechselwirkungen zwischen kognitiven Beeinträchtigungen aufgezeigt und empirische Studien über kognitive Beeinträchtigungen vorgestellt. Zum Abschluss werden die Ergebnisse dieses Abschnitts im Kapitelfazit dargestellt und diskutiert.

2.2.1 Kognition und Kognizieren

Als Kognition bezeichnet Wiswede „alle Prozesse, die durch Wahrnehmung transformiert, reduziert, verarbeitet, gespeichert, reaktiviert und verwendet werden“[21]. Festinger konkretisiert in seiner Definition Kognition als „Kenntnis, Meinung oder Überzeugung von der Umwelt, von sich selbst oder von dem eigenen Verhalten“[22].

Kenntnis, Meinung und Überzeugung sind nach Meinung des Autors kognitive Zustände, die den Grad der Internalisierung der Kognition darstellen. So kann der Zustand der Kenntnis ein Wissen über eine Kennzahl darstellen, der Zustand der Meinung eine Bewertung der Kennzahl und der Zustand der Überzeugung eine Interpretation der Kennzahl, die nicht mehr bewusst stattfindet. Fehler in der Kenntnis, Meinung oder Überzeugung führen dabei zu kognitiven Begrenzungen, Verzerrung oder Prägungen, die unter dem Überbegriff kognitive Beeinträchtigungen zu systematisieren sind. Abbildung 1 stellt die Verknüpfung der Definition von Kognition nach Festinger mit den kognitiven Beeinträchtigungen her.

Abb. 1: Verknüpfung von Kognitionsdefinition nach Festinger und kognitiven Beeinträchtigungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an die Definition von Kognition nach Festinger (1978:17).

Abbildung 1 zeigt den Zusammenhang zwischen der Definition von Kognition nach Festinger und den Ausprägungen kognitiver Beeinträchtigungen, die im Abschnitt 2.2.5 erläutert werden. Sie manifestieren sich in dysfuntionalem Verhalten aufgrund dadurch entstandener kognitiver Könnensprobleme. Durch diesen hohen Deckungsgrad mit der Problemstellung dieser Arbeit ist die Definition von Festinger für diese Arbeit maßgebend.

Kognition lässt sich unterscheiden in den Prozess des Kognizierens in Form von Informationsverarbeitung und in ein Resultat des Kognizierens, wie z. B. Wissensinhalte, Vorurteile, Einstellungen und Attributionen. Als Grundprinzipien des Kognizierens gelten die Selektion und die Inferenz. Selektion ist die Neigung des Menschen, Informationen selektiv wahrzunehmen und zu verarbeiten. Über die vorhandenen Informationen hinauszugehen und praktisch das Bild zu vervollständigen, wird als Inferenz bezeichnet.[23] Anderson erklärt den Begriff Inferenz mit dem Phänomen, bei fehlender Erinnerung an einen speziellen Sachverhalt auf Basis damit zusammenhängender Sachverhalte auf den Zielsachverhalt schließen zu können.[24] Sollte z. B. einem Akteur die Erinnerung fehlen, wie die Berechnung der Eigenkapitalrentabilität vorzunehmen ist, so kann er diese aus der ihm bekannten Verfahrungsweise zur Berechnung der Umsatzrentabilität ableiten.

2.2.2 Wissen als Ergebnis des Kognizierens

Durch Kognizieren entstehen Wissensstrukturen. Je nach Funktion der Wissensstruktur innerhalb des kognitiven Systems wird in deklaratives und in prozedurales Wissen unterschieden.[25]

2.2.2.1 Deklaratives Wissen

Schnotz sieht deklaratives Wissen als Repräsentation von Fakten, Methoden und Prozessen an.[26] Nach Lingnau besteht deklaratives Wissen aus Handlungen, Verfahren oder Prozessen, die dem Akteur bewusst sind und von ihm auch verbal wiedergegeben werden können.[27] Die Definition von Lingau beinhaltet bereits deklaratives Sachwissen und deklaratives Handlungswissen, welches im Folgenden näher erläutert wird.

Deklaratives Sachwissen ist Wissen über Fakten, Sachen und Zustände. Es ist Wissen darüber, dass etwas der Fall ist. Deklaratives Sachwissen wird damit als Know-that charakterisiert.[28]

Deklaratives Handlungswissen ist Wissen über Handlungen und Operationen zur Zielerreichung. Es ist das Wissen darüber, dass in einer Situation zur Zielerreichung etwas Bestimmtes zu tun ist. Damit wird deklaratives Handlungswissen als Know-how charakterisiert.[29]

2.2.2.2 Prozedurales Wissen

Dass deklaratives Wissen über einen Prozess, also Know-how, besteht, heißt noch nicht unbedingt, dass diese Person den Prozess auch ausführen kann.[30] Das Wissen, dass man beispielsweise für einen Unternehmensvergleich ein Benchmarking durchführen kann, heißt noch nicht, dass Controllinginstrument Benchmarking auch zu beherrschen. Dazu bedarf es prozeduralen Wissens. Unter prozeduralem Wissen versteht man unbewusste kognitive Strukturen, welche die Durchführung von Handlungen ermöglichen, ohne deren einzelne Bestandteile bewusst kontrollieren zu müssen.[31] Wie prozedurales Wissen in den drei Phasen erworben wird, zeigt Abbildung 2.

Abb. 2: Umwandlung von deklaratorischem in prozedurales Wissen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Anderson (1996:270-271).

In der kognitiven Phase wird Wissen über deklarative Fakten in Fertigkeiten umgesetzt.[32] Während deklaratives Wissen verhältnismäßig schnell erworben werden kann, ist die Nutzung dieses Wissens und die Umwandlung in prozedurales Wissen arbeitsaufwendig und führt häufig zu Fehlern.[33] Am Beispiel Benchmarking beginnt der Ausübende damit, anhand von Lehrbüchern, Vorlagen und Beispielen zu üben, welche Kennzahlen einen sinnvollen Vergleich zwischen Unternehmen ermöglichen und wie man diese erstellt. Dabei muss sich der Ausübende jedes Mal das deklarative Fakten-wissen in Erinnerung rufen, wie er welche Kennzahlen zu berechnen hat, wobei es bei der Interpretation der Kennzahlen noch häufig zu Fehlern kommt.

Dieser Fehler entspricht einem durch ein kognitives Könnensproblem verursachtes dysfunktionales Verhalten in Form einer Informations-verfälschung.

In der assoziativen Phase hat der Ausübende die erste Phase überwunden und ist dazu in der Lage, seine anfänglichen Fehler im Problemverständnis aufzudecken und abzustellen.[34] Das Grundverständnis für den Sinn des Benchmarking ist vorhanden und auch die Kennzahlen lassen sich weitgehend selbstständig berechnen. Dennoch ist die Durchführung dieses Controllinginstruments noch nicht vollständig internalisiert. Anderson (1996:271) vergleicht diese Phase mit einer Fremdsprache, die schon recht flüssig gesprochen wird, bei der aber noch viele Grammatikregeln explizit vergegenwärtigt werden müssen. Schnotz (1994:41) erkennt in dieser Phase, dass mit zunehmender Beherrschung des Prozesses die Dauer des Prozesses durch Weglassen überflüssiger Bestandteile deutlich verkürzt wird. Hier treten nur noch geringe prozedurale kognitive Könnensprobleme auf, die nicht mehr zu dysfunktionalem Verhalten führen müssen.

In der autonomen Phase ist die erlernte Fertigkeit automatisiert und schnell ausführbar. Der Ausübende benötigt nur noch wenige Aufmerksamkeits-ressourcen.[35] Er hat inzwischen mehrere Benchmarkings durchgeführt und ist dazu in der Lage, auch komplexe Kennzahlen sinnvoll zu berechnen und zu interpretieren, ohne explizites Sachwissen über Kennzahlen abrufen zu müssen. Die Routine und Erfahrung der Anwendung hat den Ausübenden in der Anwendung dieses Controlling-Instruments sicher gemacht, was prozedurale kognitive Könnensprobleme ausschließen sollte.

Damit hat sich deklaratorisches Wissen in prozedurales Wissen umgewandelt. „Es kann daher auch als Kompetenz angesehen werden, in einer bestimmten Situation erfolgreich zu handeln“[36]. Die Wandlung von deklarativem Wissen zu prozeduralem Wissen kann aber auch dazu führen, dass durch die weitgehende Automatisierung der Prozessschritte die betreffenden Akteure ihr Wissen nur noch ausüben, aber nicht mehr verbalisieren können.[37]

2.2.3 Metakognitive Verarbeitungsregulation

Die metakognitive Verarbeitungsregulation verschafft einem Menschen die Möglichkeit, das eigene Lernen zu steuern und sich Ziele zu setzen. Dazu bedarf es deklarativem und prozedualem metakognitven Wissens, wie es in diesem Abschnitt beschrieben wird.

2.2.3.1 Deklaratives metakognitives Wissen

Deklaratives metakognitives Wissen wird als explizites Wissen eines Individuums über Kognition definiert, also das Wissen über die eigenen kognitiven Fähigkeiten und über Verstehens- und Lernprozesse.[38] Es ist ebenso das Wissen über verschiedene Lernstrategien, die beim Erlernen einer Fähigkeit zum Einsatz kommen können.[39]

Die Person, deren Lernfortschritte in Sachen Benchmarking im Abschnitt 2.2.2.2 verfolgt werden konnte, kann sich über verschiedene Lernstrategien kundig gemacht haben und ist dazu in der Lage, in Form einer Aufzählung dieses deklarative Wissen zu verbalisieren. Dies bedeutet allerdings noch nicht, dass sie diese Strategien auch anwenden kann. Hierzu bedarf es prozeduralen metagkognitiven Wissens.

2.2.3.2 Prozedurales metakognitives Wissen

Während das deklarative metakognitive Wissen relativ einfach zu definieren ist, hält Schnotz die Definition von prozeduralem metakognitiven Wissen für problematisch, da kognitive und metakognitive Prozeduren schwierig voneinander abzugrenzen seien. Er kommt zu dem Ergebnis, dass prozedurales metakognitives Wissen sich als Erkenntnis über bewusste Überwachungs- und Steuerungsprozeduren verstehen lässt.[40] Tiaden beschreibt das prozedurale metakognitive Wissen deutlicher als die Fähigkeit, die deklarativ bekannten Lernstrategien auch einsetzen und gebrauchen zu können.[41] Mit diesem Wissen ausgestattet, ist es möglich, über eine Bandbreite von Lernstrategien zu verfügen und diese z. B. zum Erlernen eines neuen Controllinginstruments einzusetzen.

2.2.3.3 Metakognitive Überwachungs-, Kontroll-, und Regulations-prozesse

Der metakognitive Überwachungsprozess ermöglicht die Feststellung des Lernfortschritts durch einen Soll-Ist-Vergleich. Die metakognitiven Kontroll- und Regulationsprozesse beeinflussen den kognitiven Lernprozess und verändern das Verhalten hinsichtlich des Einsatzes von Lernstrategien, um durch einen effektiven Einsatz von Lernstrategien das gesetzte Ziel zu erreichen. Mit diesem Wissen ist es möglich, die Intensität und die Geschwindigkeit eines Lernprozesses zu steuern und zu planen.[42]

2.2.4 Kognitive Aktivitäten als Problemlöseprozess

Die menschliche Kognition ist darauf gerichtet, Probleme zu lösen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Der Problemlöseprozess wird durch die Eigenschaften des Realitätsbereiches beeinflusst, die sich in der Struktur der Sachverhalte widerspiegeln. Aus der Anzahl der Komponenten und der Vielfalt ihrer Verknüpfungen ergibt sich die Komplexität eines Sachverhaltes. Ist eine Überschaubarkeit nicht mehr gegeben, werden Abstraktionen, Komplexbildung und Reduktion durch den Problemlöser erforderlich. Ändert sich die Situation ohne Zutun des Problemlösers, liegt eine hohe Dynamik eines Sachverhaltes vor. Die gründliche Analyse der Situation wird durch Zeitdruck erschwert und macht die Abschätzung von Entwicklungstrends notwendig. Sind die Situationsmerkmale in starkem Maße voneinander abhängig, liegt eine Vernetztheit des Sachverhaltes vor. Der Problemlöser muss neben den Haupteffekten seiner Operatoren auch deren Nebeneffekte ins Kalkül ziehen. Erschwert wird der Problemlöseprozess, wenn wichtige Merkmale der Situation schwer oder gar nicht feststellbar sind. In diesem Fall liegt eine mangelnde Transparenz des Sachverhaltes vor.[43]

Der Beginn des Problemlösens ist das Absuchen des Problemraumes, der aus verschiedenen Problemzuständen besteht. Dabei muss man die Problemzustände von der anfänglichen Situation, ihrem Anfangszustand, bis zum Zielzustand weiterentwickeln. Dies geschieht durch Problemlöse-operatoren, die zum Ziel führen, wenn man die richtige Sequenz der Operatoren gefunden hat.

Der Weg aller möglichen Sequenzen führt in unterschiedlichen langen Zügen wie in einem Labyrinth zum Ziel und stellt einen Suchbaum dar. Ist erst einmal ein Suchbaum geschaffen worden, kann man auch die kürzeste Operatorsequenz zum Ziel finden. Die Problemlöseoperatoren sind durch Entdecken, durch Analogie oder durch direkte Instruktion zu erlangen.[44]

Dieses erfordert Verarbeitungsstrategien und die Fähigkeit, diese Strategien adäquat einzusetzen.[45] Dazu „müssen Verarbeitungsziele, Verarbeitungs-strategien, deklaratives und prozedurales Wissen verknüpft sein“[46].

Zusammenfassend werden in Tabelle 2 noch einmal die in diesem Abschnitt untersuchten Wissensarten dargestellt und die Fähigkeiten, die die Akteure durch sie erlangen.

Tab. 2: Fähigkeiten der Akteure in Zusammenhang mit Wissensarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Durch deklaratives Sachwissen kann der Akteur eine Aussage über Fakten oder Zustände treffen, z. B. „Das ist ein Benchmarking-Prozess“. Durch deklaratives Handlungswissen kann er verbalisieren, wie ein Benchmarking-Prozess durchzuführen ist. Prozedurales Wissen versetzt den Akteur dazu in die Lage, einen Benchmarking-Prozess auszuführen. Mit metakognitiven deklarativem Wissen kann der Akteur seinen Wissensstand abschätzen und Lernstrategien beschreiben. Aufgrund metakognitivem prozeduralen Wissens kann er verschiedene Lernstrategien z. B. zum Erlernen neuer Controlling-instrumente einsetzen.

Die für einen erfolgreichen Problemlösungsprozess erforderliche Verknüpfung von deklarativem und prozeduralem Wissen ist sehr komplex und damit leicht störbar.[47] Das heißt, auch wenn bei einem Aufgabenträger ein Defizit an prozeduralem Wissen ausgeschlossen werden kann, bedeutet dies nicht, dass es nicht mehr zu kognitiven Könnensproblemen kommen kann. Diese Störungen drücken sich in Könnensproblemen durch kognitiven Begrenzungen, Verzerrungen und Prägungen aus und führen zu dysfunktionalen Verhaltensweisen, die den Controlling-Prozess beeinträchtigen. Varianten dieser kognitiven Beeinträchtigungen werden im folgenden Abschnitt dargestellt.

2.2.5 Kognitive Beeinträchtigunge n

Zunächst wird in diesem Abschnitt eine Definition und Systematisierung kognitiver Beeinträchtigungen vorgenommen. Die folgenden Beschreibungen der kognitiven Beeinträchtigungen in den Ausprägungen kognitive Begrenzungen, kognitive Verzerrungen und kognitive Prägungen werden im Zusammenhang mit dem Controlling-Prozess erläutert.

2.2.5.1 Definition und Systematisierung kognitiver Beeinträchtigungen

Der Umgang mit den Begrifflichkeiten der begrenzten Kognition ist in der Literatur unscharf und widersprüchlich. Weber verwendet den Begriff der kognitiven Begrenzungen als Oberbegriff für alle kognitiven Könnensprobleme und unterscheidet sie in quantitative und qualitative Begrenzungen.

Heuristiken beschreibt er als Ursache für kognitive Verzerrungen und verweist dabei auf Riesenhuber, der allerdings Heuristiken in seinem Werk im Gegensatz zu Weber vorwiegend als eine Ausprägung kognitiver Verzerrungen verwendet und sie auf eine Stufe mit anderen kognitiven Verzerrungen wie dem Dissonanzphänomen stellt.[48] Daher ist hier eine klare Systematisierung herzustellen, wie sie in Abbildung 3 dargestellt wird.

Abb. 3: Systematisierung kognitiver Beeinträchtigungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Nach Meinung des Autors sind kognitive Begrenzungen, kognitive Verzerrungen und kognitive Prägungen unter dem Überbegriff kognitive Beeinträchtigungen zu systematisieren.[49] Anstelle von Webers (2004:123) Differenzierung von kognitiven Begrenzungen in quantative und qualitative Ausprägungen, muss nach Meinung des Autors die kognitive Begrenzung als quantitative kognitive Beeinträchtigung definiert werden, weil sich Begrenzungen kognitiver Fähigkeiten in der Aufnahme von Information durch ihre Menge und in der Verarbeitung von Informationen durch ihre Komplexität begründen lassen. Qualitative kognitive Beeinträchtigungen zeigen sich wiederum in kognitiven Verzerrungen und kognitiven Prägungen, die die Bewertung von Informationen beeinflussen.

2.2.5.2 Kognitive Begrenzungen

Die Ursachen der in Abbildung 2 dargestellten kognitiven Begrenzung werden hier unter dem Gesichtspunkt einer quantitativen kognitiven Beeinträchtigung dargestellt.

Müssen innerhalb eines bestimmten Zeitraums mehr Informationen zu einer Entscheidung verarbeitet werden als die kognitive Kapazität des Aufgaben-trägers zulässt, liegt ein mengenmäßiger Engpass in der Verarbeitungskapazität vor und es kommt zu Störungen durch Informationsüberlastung, dem so genannten information overload.[50] Dabei kann man zwischen einer subjektiven und einer objektiven Informationsüberlastung unterscheiden. Eine objektive Informationsüberlastung im Sinne einer natürlichen kognitiven Begrenzung dieses Abschnitts liegt dann vor, „wenn der Überlastungszustand unabhängig vom betroffenen Subjekt nachvollziehbar ist“[51]. Kochhan merkt dazu an, dass der Beginn der Beeinträchtigung der Leistung vom einzelnen Datenempfänger und seiner Vertrautheit zu den Daten bzw. der Art der Daten selbst abhängig ist und daher keine allgemeine Grenze für eine überfordernde Datenmenge angegeben werden kann.[52]

[...]


[1] Vgl. Süßmair (2004:640).

[2] Vgl. Bramsemann, Heineke u. Kunz (2004:553) und Weber (2004:35).

[3] Vgl. Karlowitsch (1997:9).

[4] Vgl. Süßmair (2004:642).

[5] Vgl. Hoffjan (1998:93).

[6] Vgl. Wielpütz (1996:20).

[7] Vgl. Hoffjan (1998:85-86) und Karlowitsch (1997:5).

[8] Vgl. Weber et al. (2003:13).

[9] Vgl. Karlowitsch (1997:9).

[10] Vgl. Vanini (2007:o.S.).

[11] Vgl. Weber (2004:40, 73, 568).

[12] Vgl. Höller (1978:240-253), Hoffjan (1998:95-98), Karlowitsch (1997:39-40), Vanini (2007:o.S.) und Wielpütz (1996:219).

[13] Vgl. Künkele u. Schäffer, (2005:15) und Vanini (2007:o.S.).

[14] Vgl. Vanini (2007:o.S.).

[15] Vgl. Süßmair (2004:653) und Nerdinger u. Horsmann (724-725).

[16] Vgl. Nerdinger u. Horsmann (2004:724-726) und Wiswede (1995:90-91).

[17] Vgl. Vanini (2007:o.S.).

[18] Vgl. Vanini (2007:o.S.) und Weber (2004:73).

[19] Vgl. Weber et al. (2003:13).

[20] Vgl. Weber (2004:567).

[21] Wiswede (1995:79).

[22] Festinger (1978:17).

[23] Vgl. Wiswede (1995:79).

[24] Vgl. Anderson (1996:207).

[25] Vgl. Anderson (1996:233), Lingnau (2004:4), Schnotz (1994:36) und Zimbardo u. Gerrig (2004:296-297).

[26] Vgl. Schnotz (1994:36).

[27] Vgl. Lingnau (2004:4).

[28] Vgl. Lingnau (2004:5).

[29] Vgl. Lingnau (2004:5).

[30] Vgl. Schnotz (1994:36).

[31] Vgl. Lingnau (2004:4).

[32] Vgl. Anderson (1996:270).

[33] Vgl. Schnotz (1994:40).

[34] Vgl. Anderson (1996:271).

[35] Vgl. Anderson (1996:271).

[36] Lingnau (2004:5)

[37] Vgl. Weber (2004:103-104) und Zimbardo u. Gerrig (2004:295-296).

[38] Vgl. Schnotz (1994:202-204)

[39] Vgl. Tiaden (2006:53).

[40] Vgl. Schnotz (1994:204-205).

[41] Vgl. Tiaden (2006:53).

[42] Vgl. Tiaden (2006:58-59).

[43] Vgl. Forkel (1995:20).

[44] Vgl. Andersen (1996:233-241).

[45] Vgl. Schnotz (1994:205).

[46] Schnotz (1994:206).

[47] Vgl. Schnotz (1994:208).

[48] Vgl. Weber (2004:123).

[49] Vgl. auch Abschnitt 2.2.1.

[50] Vgl. Lindstädt (1999:107) und Weber (2004:126-127).

[51] Bork (1994:59).

[52] Vgl. Kochhan (1979:120).

Details

Seiten
101
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783836634755
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226940
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kiel – Wirtschaft, Studiengang Betriebswirtschaftslehre
Note
2,3
Schlagworte
controlling verhaltensorientierung könnensprobleme kognition dysfunktion

Autor

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Titel: Kognitive Könnensprobleme als Ursache dysfunktionaler Verhaltensweisen im Controlling-Prozess