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Kognitive Fähigkeiten und Motivationsstrategien von Initiatoren kommunaler Bioenergieprojekte

Diplomarbeit 2009 129 Seiten

Umweltwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

2 Theorie und Praxis kommunaler Bioenergieprojekte
2.1 Bioenergie als erneuerbare Energie
2.2 Kommunale Bioenergieprojekte
2.2.1 Nachhaltigkeit als oberstes Ziel
2.2.2 Die Person des Initiators
2.2.3 Bürgerbeteiligung
2.2.4 Herausforderungen an die Initiatoren
2.3 Kognitive Fähigkeiten der Initiatoren
2.4 Motivationsstrategien der Initiatoren
2.5 Stand der Forschung

3 Forschungsfragen
3.1 Fragestellung
3.2 Zielsetzung

4 Forschungsmethoden
4.1 Qualitative Forschung
4.1.1 Datengewinnung: das problemzentrierte Interview
4.1.2 Auswertungsmethoden: Grounded Theory und Globalauswertung
4.2 Erhebung der Daten
4.2.1 Interviewleitfaden
4.2.2 Interviewteilnehmer
4.2.3 Interviewdurchführung
4.3 Auswertung der Daten
4.3.1 Transkription
4.3.2 Globalauswertung
4.3.3 Offenes Kodieren: Konzeptualisieren und Kategorisieren von Daten
4.3.4 Axiales Kodieren
4.3.5 Das paradigmatische Modell
4.3.6 Selektives Kodieren
4.3.7 Anwendung der Methoden der Grounded Theory
4.4 Gütekriterien qualitativer Forschung

5 Ergebnisse
5.1 Globalauswertungen der Interviews
5.1.1 Interview mit Herrn DE zum geplanten Holzhackschnitzelheizwerk
5.1.2 Interview mit Frau WE zur geplanten Biogasanlage
5.1.3 Interview mit Herrn RS zur geplanten Biogasanlage
5.1.4 Interview mit Herrn RL zum betriebenen Holzhackschnitzelheizwerk
5.1.5 Interview mit Herrn LF zu betriebenen Windrädern
5.2 Ergebnisdarstellung im paradigmatischen Modell
5.3 Erläuterung der einzelnen Ebenen
5.3.1 Das zentrale Phänomen: Leben und Wirken im Spannungsfeld zwischen Projekt und Alltag 38
5.3.2 Ursächliche Bedingungen 40
5.3.2.1 Eigenschaften, Erfahrungen & Einstellungen des Initiators
5.3.2.2 Erwartungen des Initiators an das Projekt
5.3.2.3 Grundmotive des Initiators zum Projekt
5.3.2.4 Projektbedingungen: Standort und Bevölkerung
5.3.2.5 Selbsteinschätzung
5.3.3 Kontext- und intervenierende Bedingungen 50
5.3.3.1 Bedingungen in der Bevölkerung
5.3.3.2 Begrenzte Mittel: Zeit- und Arbeitsaufwand
5.3.3.3 Einfluss von Ungewissheit
5.3.3.4 Strukturelle Einflüsse
5.3.3.5 Zusammenarbeit mit Helfern
5.3.4 Handlungs- und interaktionale Strategien 68
5.3.4.1 Akzeptieren der Gegebenheiten und Finden von Kompromissen
5.3.4.2 Erhalten und Stärken der eigenen Motivation
5.3.4.3 Gewinnen und Motivieren der Bürger und Helfer
5.3.4.4 Organisieren: Bioenergieeinsatz und Finanzierung
5.3.4.5 Überwachen und Modifizieren der Projektentwicklung
5.3.4.6 Überwachen und Modifizieren des Projektkonzeptes
5.3.5 Konsequenzen 84
5.3.5.1 Abschließende Beurteilung des Projekts
5.3.5.2 Anliegen und Forderungen des Initiators
5.3.5.3 Auswirkungen auf den Initiator während der Umsetzung
5.3.5.4 Fehler und mögliche Abwandlungen
5.3.5.5 Neue Erfahrungen
5.3.5.6 Risikoempfinden

6 Diskussion und Ausblick
6.1 Diskussion der Ergebnisse
6.2 Diskussion des methodischen Vorgehens
6.3 Praktische Relevanz
6.4 Ausblick

7 Zusammenfassung

Anhang
A.1 Interviewleitfaden
A.2 Ergebnisse: Ursächliche Bedingungen
A.3 Ergebnisse: Kontext und intervenierende Bedingungen
A.4 Ergebnisse: Handlungs- und interaktionale Strategien
A.5 Ergebnisse: Konsequenzen

Literaturverzeichnis

Erklärung

Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbständig angefertigt habe. Es wurden nur die in der Arbeit ausdrücklich benannten Quellen und Hilfsmittel benutzt. Wörtlich oder sinngemäß übernommenes Gedankengut habe ich als solches kenntlich gemacht.

Berlin, 10.03.2009 Anja Rehatschek

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Paradigmatisches Modell

Abbildung 2: Ergebnisse im paradigmatischen Modell

Abbildung 3: Angewandte kognitive Fähigkeiten der Initiatoren

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kurzprofil der gewählten Projekte

Tabelle 2: Kurzprofil der interviewten Initiatoren

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Diese Diplomarbeit wurde in der Zeit von August 2008 bis März 2009 verfasst. Sie beinhaltet deutschlandweit und persönlich geführte Interviews, für die ich mich bei meinen Interviewpartnern recht herzlich bedanke.

Mein besonderer Dank gilt meinem Betreuer Herrn Prof. Dr. Schmuck, mit dem ich in interessanten Gesprächen die Problematik und die Wichtigkeit einer nachhaltigen Energiepolitik diskutieren konnte und der mir stets als Ansprechpartner zur Verfügung stand.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei meiner Familie und bei meinen Freunden, die mich sehr fürsorglich während der Entstehung meiner Arbeit unterstützt haben.

Berlin im März 2009

Anja Rehatschek

1 Einleitung

"Jeder Wandel in der menschlichen Natur ist ein Wandel zum Wachstum hin; ohne Wachstum ist das Leben nicht lebenswert." (Dichter, 1981, Seite 21)

Das Wachstum ist die natürliche Begleiterscheinung in der Entwicklung des Lebens, aber der Mensch scheint in seiner Weiterentwicklung jeden Maßstab von Wachstum verloren zu haben. Sein Wachstum ist zum Raubbau an der Natur geworden. In seiner Entwicklung begibt er sich in die Gefahr, die Grundlagen seines Lebens selbst zu vernichten. In letzter Minute hat er erkannt, dass die Zerstörung seines Ökosystems seine eigene Zerstörung bedeuten kann. Nun sucht er nach Alternativen, besonders nach Alternativen für den weiter steigenden Energiebedarf und die sich verkleinernden Ressourcen an fossilen Energieträgern.

Der Wandel zu einer ökologisch tragbaren Energieerzeugung ist eine Herausforderung, weil sie ein Umdenken vom Einzelnen und von ganzen Gruppen erfordert. Es müssen neue Maßstäbe für die Energiegewinnung und den Energiekonsum gesetzt werden. Menschen werden gebraucht, die sich dieser Sache annehmen. Ein wichtiger Bestandteil für diesen Wandel ist die Erforschung und der Einsatz von erneuerbaren Energien. Viele Länder der Erde beschäftigen sich bereits damit.

Ein noch recht kleiner, aber hoffnungsvoller Baustein auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung, sind die Bemühungen von kommunalen Bioenergieprojekten. Bei diesen Projekten werden vornehmlich Dörfer und kleine Orte mit Energie aus erneuerbaren Energieträgern, wie z.B. Holz, Wind, Sonne oder Biomasse, versorgt. Die Projekte entstehen in Eigenregie durch die Bürger in den Orten. Sie setzen ihre Ideen um und werden am Energiegewinn beteiligt. Ziel dieser ehrgeizigen Projekte ist es, eine autarke Versorgung mit Energie zu erhalten, die aus regional vorhanden Quellen gespeist wird, welche sich wieder regenerieren können.

Beim Betrachten der Versuche zur Organisation kommunaler Bioenergieprojekte, z.B. auf deren Internetseiten, fällt schnell auf, dass nahezu jede Initiative ihren eigenen Weg zu gehen versucht – mehr oder weniger erfolgreich. Für die erfolgreiche Initiierung solcher Projekte wird die Kraft der Gemeinschaft, aber auch eine Führung durch Einzelpersonen benötigt. Welche Voraussetzungen und Motive der Initiatoren beeinflussen den Umsetzungsprozess? Unter welchen Bedingungen gelangen sie an ihr Ziel? Welche kognitiven Fähigkeiten, Motivationsstrategien und Erfahrungen treten bei der Arbeit zur Umsetzung besonders hervor?

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das Handeln der Initiatoren bei der Bewältigung ihrer herausfordernden Aufgaben.

Nach der Einleitung werden in Kapitel 2 Theorie und Praxis zu kommunalen Bioenergieprojekten erläutert, die damit verbundenen Begrifflichkeiten erklärt und es wird ein Ausblick zum Stand der Forschung gegeben.

Anschließend werden in Kapitel 3 die Fragestellung und die Zielsetzung der Arbeit vorgestellt.

In Kapitel 4 werden die Forschungsmethoden zur empirischen Arbeit beschrieben. Der qualitative Forschungsansatz wird ebenso erläutert, wie die Datenerhebung durch Interviews und deren Auswertungsmethoden. Es folgt ein kurzer Abriss zu den Gütekriterien qualitativer Forschung.

Kapitel 5 beschäftigt sich mit der Darstellung der Ergebnisse. Dazu dienen Teile der Globalauswertung (Legewie, 1994) und die Beschreibung der gefundenen Kategorien im paradigmatischen Modell nach der Grounded Theory Methodologie (Strauss & Corbin, 1996). Mit den Erläuterungen und Interpretationen aller Ebenen des Modells, unter Anführung von Zitaten aus den Interviews, endet dieses Kapitel.

In Kapitel 6 werden die Ergebnisse und das methodische Vorgehen diskutiert und Antworten auf die Fragestellung gegeben. Es folgen Ausführungen zur praktischen Relevanz der Arbeit und Anregungen für die weitere Forschung.

Eine Zusammenfassung der Arbeit bildet den Abschluss in Kapitel 7.

2 Theorie und Praxis kommunaler Bioenergieprojekte

Die Menschen, die sich für den Einsatz von erneuerbaren Energien stark machen, egal ob als Initiator der hier besprochenen Projekte oder als Privatperson mit einer Bioenergieheizung, bemühen sich alle um den Erhalt der Erde. Sie tragen dazu bei, die Biosphäre zu schützen und die Welt für weitere Generationen als lebenswert zu bewahren. Kommunale Bioenergieprojekte verbinden ökologische, ökonomische und soziale Lösungsansätze für die Erhaltung des Klimas und der Umwelt, für die Unterstützung der Land- und Forstwirtschaft sowie für das Zusammenleben im vornehmlich ländlichen Raum. Die Initiatoren dieser Projekte tragen eine hohe Verantwortung für das Gelingen ihrer Vorhaben und sind auf das Engagement der Bevölkerung angewiesen. Ihre besonderen Fähigkeiten, Umsetzungs- und Motivationsstrategien sowie ihre Erfahrungen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben sollen untersucht werden. Die Komplexität der Thematik wird in diesem Kapitel näher erläutert.

2.1 Bioenergie als erneuerbare Energie

Bioenergie entsteht durch die energetische Nutzung von Biomasse. Zur am häufigsten genutzten Biomasse zählen Holz, Mais, Stroh, Getreide, Raps, Zuckerrüben, pflanzliche Öle, Bioabfälle, Exkremente. Holz wird als Stückholz, gehäckselt oder in gepresster Form verfeuert. Pflanzliche Öle können ebenso wie fossiles Erdöl verbrannt werden und Motoren antreiben, die Strom erzeugen. Aus Mais, Stroh, Getreide, Raps, Zuckerrüben, Bioabfällen und Exkrementen kann in Biogasanlagen Methangas erzeugt werden, das wie fossiles Erdgas verwendet werden kann. Biogasanlagen werden in erster Linie zur Stromerzeugung genutzt. Die entstehende Abwärme kann für Heizzwecke genutzt werden. Der Vorteil von Bioenergie ist, dass der Kohlendioxid-Ausstoß in die Atmosphäre sehr gering gehalten wird, weil die Pflanzen während des Wachstums bereits die Mengen an Kohlendioxid gebunden haben, die sie bei der Verbrennung in die Atmosphäre abgeben. Die Bioenergie trägt somit kaum zur Erhöhung des Kohlendioxidausstoßes bei, im Gegensatz zu den endlichen fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Bioenergie wird aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. Daher zählt die Bioenergie zu den erneuerbaren Energien (EE). Weitere häufige EE-Arten sind Wasserkraft, Windkraft und die Sonnenstrahlung aus denen sich elektrische Energie gewinnen lässt. Im Rahmen der Klimadiskussion um den Treibhauseffekt mit seinen möglichen Folgen, sowie der Begrenztheit der fossilen Brennstoffe sind die EE eine immer wichtiger werdende Quelle für die Energiegewinnung. Um die Biosphäre zu erhalten und das Leben der Menschen auf der Erde zu sichern, muss die Energiegewinnung angepasst, verbessert und gesichert werden. Zum einen muss sparsamer mit Energie umgegangen werden und zum anderen muss effizienter Ersatz für die fossilen Energieträger gefunden werden. Aus diesen Gründen wird weltweit für eine Lösung der Energiefragen geforscht (vgl. dazu u.a. Enquete-Kommission, 1998; Geitmann 2005).

2.2 Kommunale Bioenergieprojekte

Bioenergie wird oft als Synonym für EE benutzt, obwohl sie nur ein Teilbereich der EE-Arten umfasst (siehe Abschnitt 2.1). Die in dieser Arbeit besprochenen Bioenergieprojekte können sich mit dem Einsatz aller EE-Arten befassen, egal ob die Energie aus Biomasse, Windkraft, Wasserkraft, Photovoltaik oder sonstigen erneuerbaren Energieträgern gewonnen wird. Häufig wird sogar ein Energiemix aus mehreren EE-Arten angestrebt, weil Vielfalt noch mehr Unabhängigkeit bedeutet. Ein typisches Bioenergieprojekt ist ein so genanntes Bioenergiedorf. Das erste offizielle Bioenergiedorf Deutschlands entstand ab dem Jahr 2000 in Jühnde bei Göttingen als Aktionsforschungsprojekt des Interdisziplinären Zentrums für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Universität Göttingen. Es folgten weitere Projekte und viele Dörfer sowie kleine Ortschaften versuchen dem Beispiel von Jühnde zu folgen. Dabei legen die Projekte Wert darauf, die Strom-, Wärme- und Warmwasserproduktion aus EE zu speisen, die in der Region zur Verfügung stehen. Es geht zusätzlich um eine nachhaltige Bewirtschaftung der Biomasseflächen, sowie um regionale Wertschöpfung aus der ansässigen Land- und Forstwirtschaft sowie dem Handwerk. Die Bioenergieprojekte streben durch eine dezentrale Energieversorgung, die Unabhängigkeit von den Energieversorgern und den fossilen Brennstoffen an. Der Begriff „kommunal“ bezieht sich auf die Bürgerbeteiligung an diesen Projekten. Es geht um die Gemeinschaft, z.B. die Dorfgemeinschaft, in der jeder einzelne Bürger demokratisch mitbestimmen kann, woher seine Energie für Strom und Heizung stammt. Die Bürger können sich als selbst handelnd und bestimmend erleben. Die Beteiligung erfolgt i.d.R. über Betreibergesellschaften, in die die Bürger investieren können und an deren Gewinnen sie beteiligt werden. Meist werden diese genossenschaftlich oder über Kommanditmodelle organisiert.

In Jühnde erfolgt die Energieversorgung aus Biomasse. 70% der Jühnder Haushalte werden von einem bürgereigenen Nahwärmenetz versorgt, das von einer Biogasanlage und einem Holzhackschnitzelheizwerk gespeist wird. Die Anlage produziert gleichzeitig rund vier Millionen kWh mehr Strom, als die Einwohner selbst verbrauchen. Die Entwicklung in Jühnde (siehe www.bioenergiedorf.de) wird weiterhin vom IZNE der Universität Göttingen begleitet, das mit den gewonnenen Erfahrungen und mit Unterstützung der Bundesregierung noch mehr Projekte dieser Art auf den Weg bringen möchte.

2.2.1 Nachhaltigkeit als oberstes Ziel

Das übergeordnete Anliegen der hier vorgestellten Projekte ist das Konzept der Nachhaltigkeit.

Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise nachwachsen kann.“ (Deutscher Bundestag, 2002).

Der Begriff der Nachhaltigkeit setzt sich aus drei Komponenten zusammen, die im Drei-Säulen-Modell von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages (1998, 2002) definiert wurden und deren Anwendung die Deutsche Bundesregierung (2002) verfolgt.

- Die ökologische Nachhaltigkeit hat das Ziel, Natur und Umwelt für die folgenden Generationen zu erhalten. Sie umfasst Artenvielfalt und Klimaschutz, die Pflege von Kultur- und Landschaftsräumen in ihrer ursprünglichen Gestalt sowie einen schonenden Umgang mit der natürlichen Umgebung.
- Die ökonomische Nachhaltigkeit bedingt eine Wirtschaftsweise, die dauerhaft eine tragfähige Grundlage für Erwerb und Wohlstand bieten soll. Dabei geht es hauptsächlich um den Schutz wirtschaftlicher Ressourcen, wie fossilen Brennstoffen und anderen Rohstoffen vor der Ausbeutung.
- Beim Konzept der sozialen Nachhaltigkeit geht es um die gesellschaftliche Entwicklung, bei der jedes Mitglied einer Gemeinschaft aktiv teilnehmen kann, mit dem Ziel eine zukunftsfähige und lebenswerte Gesellschaft zu schaffen. Soziale Spannungen sollen sich in Grenzen halten und Konflikte nicht eskalieren, sondern auf friedlichem und zivilem Wege beigelegt werden können.

Nachhaltigkeit kann lokal, regional, national und/oder global verwirklicht werden. Aus ökologischer Perspektive ist eine globale Verwirklichung unumgänglich. Ein lokaler Beginn erscheint sinnvoll und kann sich über die einzelnen Ebenen bis zur global verwirklichten Nachhaltigkeit entfalten.

2.2.2 Die Person des Initiators

Bei Projekten zur Lösung komplexer Aufgaben an denen viele Menschen beteiligt sind, gibt es meist eine einzelne Person, die an der Spitze steht und die Führung übernimmt. Diese Person hat als Initiator die Aufgabe eine Gruppe zu leiten und trägt eine große Verantwortung für die Arbeit am Projekt und dessen Erfolg. Der Initiator ist oft das prägende Gesicht eines Projekts und häufig fast untrennbar damit verknüpft. Er oder sie erfährt den Druck und auch den Stress bei Problemen, aber auch einen großen Teil der Freude und des Danks beim Gelingen der Arbeit. Bei den hier besprochenen Bioenergieprojekten wurden die Initiatoren aus unterschiedlichen Gründen zum Initiator. Einige sind es durch ihre Stellung als Bürgermeister/in eher zufällig geworden und andere, weil sie durch ihr spezielles Wissen und Interesse von selbst auf diese Aufgabe gestoßen sind. Das wichtigste Merkmal der Initiatoren ist, dass eine Gruppe sie als Anführer, Verantwortlicher und Ansprechpartner des Projekts sieht und sie die Aufgabe der Umsetzung angenommen haben.

2.2.3 Bürgerbeteiligung

Die Bürger werden von Anfang an in die Projekte einbezogen. Sie entscheiden über ein Wärme- und/oder Stromkonzept und erarbeiten, meist in Arbeitsgruppen, die technische und kaufmännische Umsetzung der Projekte.

Bei den hier behandelten Projekten sind die Bürger an der Erzeugung der nachhaltig produzierten Energie je nach gewählter Gesellschaftsform beteiligt. Bei Genossenschaften wird der Bürger durch den Kauf von Genossenschaftsanteilen oder bei Kommanditgesellschaften durch seine Einlage zum Mitbesitzer des Nahwärmenetzes, des Windrades oder den jeweiligen Energiegewinnungsanlagen. Rein praktisch werden entweder ihre Häuser und Wohnungen an das Nahwärmenetz angeschlossen und sie beziehen direkt die produzierte Wärme aus dem Heizwerk im Ort oder, bei kombinierter Strom- und Wärmeerzeugung, wird ein Teil der Stromerlöse, die direkt in das Netz der Stromkonzerne eingespeist werden müssen, mit den Wärmeerzeugungskosten verrechnet. Überschüssige Gewinne können auch für soziale Zwecke im Ort eingesetzt werden, wie z.B. den Bau von Kinderspielplätzen oder die Unterhaltung von Gemeindehäusern. Es gibt aber auch rein finanzielle Beteiligungsprojekte, bei denen die Bürger nicht direkt in den Nutzen der Energie kommen. Ein Beispiel dafür sind die kommunalen Windräder, die den investierenden Bürgern zwar gehören, aber dessen erzeugter Strom direkt in das Stromnetz eingespeist wird. Die Bürger werden lediglich am Gewinn beteiligt und erhalten Ausschüttungszinsen für ihr investiertes Kapital zurück. Die gemeinschaftliche Verwendung von Gewinnen ist auch hier möglich. Die Vorteile und Anreize für die Bürger liegen zum einen im Umweltschutz, etwas aktiv für die Klima- und Umweltpolitik tun zu können. Zum anderen können sie sich basisdemokratisch an Entscheidungen in ihrem Ort und ihrem Privatraum beteiligen und diesen mitgestalten. Sie können unabhängiger von Energiekonzernen werden und gleichzeitig Komfort und Service einer modernen Heizungsform genießen. Bei vielen Projekten besteht auch die Möglichkeit, dass die Bürger ihre Heizenergie günstiger beziehen können, als beim Einsatz fossiler Brennträger.

2.2.4 Herausforderungen an die Initiatoren

Da es noch relativ wenige kommunale Bioenergieprojekte in Deutschland gibt und diese Projekte sehr unterschiedlich sind, genauso unterschiedlich wie jeder Ort oder jede Region mit seinen Menschen, gibt es zahlreiche Herausforderungen an die Initiatoren. Die Initiatoren organisieren die ersten Informationsveranstaltungen und die Machbarkeitsstudien. Sie sind Ansprechpartner für alle Beteiligten und betreuen das Projekt oft auch während der Bauphase und darüber hinaus. Die meisten Initiatoren übernehmen ihre Aufgabe ehrenamtlich oder zusätzlich, dass heißt, sie müssen nebenbei ihren Lebensunterhalt bestreiten. Oftmals leben sie selbst in den Orten, was auch Folgen für das Miteinander mit den Bürgern als Nachbarn haben kann. Für eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts müssen sie ihre Helfer anleiten, Arbeitsgruppen bilden und betreuen sowie sich den Fragen, Wünschen und Nöten der Bürger und allen anderen Beteiligten stellen. Sie müssen weitreichende Entscheidungen treffen. Die Initiatoren brauchen technisches und kaufmännisches Verständnis, soziale Kompetenzen im Umgang mit Menschen und bestimmten Gruppen, wie z.B. den Vertretern der Medien. Mit den Projekten betreten sie oft absolutes Neuland, was die Aneignung von spezifischem Wissen erfordert. Hierzu zählen unter anderem gesetzliche und technische Rahmenbedingungen, Finanzierungsmöglichkeiten und Organisationsstrategien.

2.3 Kognitive Fähigkeiten der Initiatoren

Als kognitive Fähigkeiten werden in dieser Arbeit alle Fähigkeiten für die Informationsaufnahme, Verarbeitung und Weitergabe bezeichnet, im Allgemeinen alles, was mit Denken zu tun hat. Dazu zählen Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen, Kreativität, Planen, Orientierung, Imagination, Argumentation, Introspektion, Wille, Glauben, Problemlösen, Sprache und Wahrnehmung. Zu den konkreter gefassten und hier näher betrachteten kognitiven Fähigkeiten zählen die Ansprüche, Motive, Einstellungen und Erwartungen der Initiatoren, Erfahrungen und Zufriedenheit, Überzeugungen zur Selbstwirksamkeit (vgl. Bandura, 1971), das Problemlöseverhalten und das Selbstbild. Alle genannten Fähigkeiten wirken auf das Agieren der Initiatoren und werden zur Beantwortung der späteren Fragestellung herangezogen.

2.4 Motivationsstrategien der Initiatoren

Unter Motivationsstrategien versteht die Autorin alle Handlungen, um das Interesse an der Umsetzung des Projektes zu halten, zu verstärken, aber auch wiederzuerlangen. Die Arbeit befasst sich ebenfalls mit den grundsätzlichen Motiven der Initiatoren, die sie zur Projektaufnahme bewegen. Nach traditioneller Auffassung wird das Motiv aus der Umwelt angeregt und richtet sich an den Bedürfnissen einer Person aus (Lewin, 1936). Die Initiatoren unternehmen Handlungen, die für andere Menschen positive Folgen haben. Sie zeigen somit prosoziales Verhalten. Neben altruistischen Motiven, für den Einsatz der Initiatoren, kann die Theorie des sozialen Austausches eine Erklärung bieten, nach der Personen das Bedürfnis haben, ihren Nutzen zu maximieren und ihre Kosten zu minimieren (Thibaut & Kelley, 1959). Die Initiatoren erwarten danach einen bestimmten Nutzen aus der erfolgreichen Umsetzung der Projekte und der damit verbundenen Zufriedenheit der Bevölkerung. Der Nutzen kann möglicherweise im Schutz der Umwelt liegen, aber auch in der Anerkennung durch andere oder aber, die Initiatoren erwarten Belohnungen, z.B. in Form von bestimmten Posten in der Zukunft des Projekts.

2.5 Stand der Forschung

Da sich die Initiatoren i.d.R. ehrenamtlich für ihre Bioenergieprojekte einsetzen, kann als ein wahrscheinliches Motiv das umweltschützende Verhalten betrachtet werden. Bei den Initiatoren, die ihre Initiatorenrolle aufgrund ihrer Funktionen in den Orten übernommen haben, kann dieses Motiv auch fehlen, schwächer ausgeprägt sein oder nur aus sozialer Erwünschtheit genannt werden. In der Forschung gibt es vielfältige Ansätze zu den Gründen für umweltschützendes Verhalten.

Schwartz (1977) hat ein Prozessmodell prosozialen Handelns entworfen, in dessen Zentrum das Konstrukt persönlicher Normen steht. Diese Normen definiert er, im Gegensatz zu den sozialen Normen, als Selbsterwartungen. Er nimmt an, dass Menschen sich umweltfreundlicher verhalten, wenn ihnen bewusst wird, dass die Umwelt geschädigt ist und sie dafür mitverantwortlich sind. Das menschliche Wohlergehen steht dabei im Vordergrund.

Nach dem Modell von Stern et al. (1993) gibt es dagegen drei Wertorientierungen, die umweltschützendes Verhalten anregen können. Sie machen neben den menschenbezogenen (anthropozentrischen), die selbstbezogenen (egozentrischen) und die naturbezogenen (biozentrischen) Motive dafür verantwortlich, ob sich Menschen umweltfreundlich verhalten. Allerdings ließen sich faktoranalytisch die naturbezogenen Motive nicht eindeutig von den menschenbezogenen Motiven trennen.

Als Gründe für umweltschützendes Verhalten schlägt Dörner (1999) Motivmischungen vor. Umweltbewusstes Handeln wird durch alle Grundmotive bestimmt und durch Lern-erfahrungen bilden sich sekundäre Motive heraus. Von diesen sekundären Motivmischungen soll das umweltschützende Verhalten determiniert werden.

Eigner (1997) sowie Eigner & Schmuck (1998) zeigen, dass bei aktiven Umwelt- und Naturschützern das Erleben einer positiven und offensichtlich gesunden Natur in der Vergangenheit und das Miterleben der Umweltzerstörung zu einer emotionalen Verbundenheit führen, die ein Motiv sein können, sich für die Wiederherstellung und Bewahrung der Natur einzusetzen.

Eine weitere Unterscheidung für die Motivation der Initiatoren die Projekte umzusetzen, kann in der Art der Motivation liegen. Deci & Ryan (1985) unterscheiden die intrinsische und die extrinsische Motivation. Intrinsisch motivierte Verhaltensweisen treten selbstbestimmt und spontan auf. Sie kommen aus der Person selbst und stimmen mit deren Auffassungen überein. Dieses Verhalten ist mit Interesse verbunden und bedarf keiner Sanktion von außen oder intrapsychischen Anstößen. Extrinsisch motivierte Verhaltensweisen treten hingegen nicht spontan auf. Sie werden aufgrund der Erwartung von positiven oder der Vermeidung von negativen Sanktionen ausgeführt. Deci et al. (1999) zeigen, dass die intrinsische Motivation bei Handlungen abfallen kann, wenn im Verlauf extrinsische Motivatoren eingeführt werden, die die ursprüngliche Selbstbestimmung unterminieren. Dies kann auch eine Rolle bei den kommunalen Bioenergieprojekten spielen, da mit der Umsetzung der Projekte und dem laufenden Betrieb auch extrinsische Motivatoren hinzukommen können, z.B. bezahlte Geschäftsführungsposten.

Durch die Neuheit und die stetigen Veränderungen der EE-Projekte in Deutschland ist es schwierig einen Überblick über Anzahl und Stand der Projekte zu erlangen. Das Modellprojekt in Jühnde wurde und wird durch die Methoden der Aktionsforschung begleitet und evaluiert (vgl. Eigner & Schmuck, 2002; Eigner-Thiel, Schmuck & Lackschewitz, 2004).

Eigner-Thiel (2005) zeigt, dass bereits die Initiierung des Projektes in Jühnde, zumindest für die engagierten Bewohner, positive Veränderungen im sozialen Bereich schaffen kann.

Im Abschluss einer Längsschnittstudie in Jühnde konnte Eigner-Thiel (2008) zeigen, dass sich für die Gruppe der aktiv an der Umsetzung Beteiligten, positive Veränderungen ergaben. Die Aktiven zeigten ein stärkeres Wir-Gefühl, berichteten über Lernerfahrungen, Spaß und Stolz. Einige der Engagierten waren durch ihre Arbeit am Projekt lebenszufriedener geworden.

3 Forschungsfragen

In diesem Kapitel wird die Fragestellung formuliert und es werden Anregungen zum möglichen Nutzen der Arbeit gegeben.

3.1 Fragestellung

Beim Entstehen der kommunalen Bioenergieprojekte sind die Initiatoren die Führungspersonen für alle Beteiligten. Mögliche Einflussgrößen, Handlungen und Folgen im Zusammenhang mit der Bewältigung ihrer Aufgabe die Bioenergieprojekte zu implementieren, sollen veranschaulicht und diskutiert werden. Eine konkrete Fragestellung ist nicht notwendig, da es sich einerseits um eine explorative Arbeit handelt. Zum anderen kann sich ein möglicher Theorieansatz mit den Methoden der Grounded Theory (Strauss & Corbin, 1996) erst entwickeln. Dennoch interessieren die folgenden Punkte:

1) Welche Voraussetzungen und Persönlichkeitsmerkmale der Initiatoren beeinflussen den Umsetzungsprozess?
2) Welche ursächlichen Grundmotive für den Einsatz an solchen Projekten lassen sich erkennen?
3) Unter welchen kontextuellen Lebens- und Arbeitsbedingungen müssen die Initiatoren zu ihrem Ziel gelangen?
4) Welche kognitiven Fähigkeiten treten bei der Arbeit zur Umsetzung von kommunalen Bioenergieprojekten besonders hervor?
5) Welche Motivationsstrategien wenden die Initiatoren zur Realisierung ihrer Projekte an?

3.2 Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit soll dem besseren Verständnis der Komplexität solcher Projekte und ihrer Umsetzung dienen. Die schwierige Vorhersagbarkeit der Prozesse bei der Etablierung der Projekte lässt Probleme häufig erst beim Ausführen erkennen. Deshalb sind die Erfahrungen der Initiatoren, die sich an dieser umfassenden Aufgabe bereits versuchen, von großer Wichtigkeit. Eine systematische Recherche zu exemplarischen Fällen soll dafür Grundlagen liefern. Die praktischen Erkenntnisse aus dieser bereichsspezifischen Untersuchung können für Interventionen an anderen ähnlichen Bioenergieprojekten hilfreich sein. Nutznießer lassen sich in Politik und Wirtschaft, sowie in Umweltorganisationen oder jeglichen Interessengruppen finden, die mit kommunalen Bioenergieprojekten in Berührung kommen.

4 Forschungsmethoden

Das folgende Kapitel beginnt mit einer Betrachtung der qualitativen Forschung. Anschließend werden die gewählten Methoden zur Datengewinnung und zur Auswertung vorgestellt. Es folgen die Beschreibungen der Arbeitsschritte für die Erhebung der Daten, der Stichprobenauswahl sowie für die Datenauswertung. Am Ende des Kapitels steht ein kurzer Abriss zu den Gütekriterien qualitativer Forschung.

4.1 Qualitative Forschung

Die qualitative Forschung hat sich als ein sinnvoller Zugang zur Rekonstruktion psychischer, sozialer und kultureller Wirklichkeiten durchgesetzt. Im Gegensatz zu quantitativen Forschungsansätzen, die sich vorrangig mit numerischen Daten beschäftigen, wird in der qualitativen Forschung häufig mit sprachlich vermittelten Daten gearbeitet. Qualitative Methoden eignen sich sehr gut für die detaillierte Beschreibung und Auswertung subjektiver Sichtweisen und vielschichtigen psychischen und sozialen Handlungszusammenhängen (Legewie, 2005b).

Diese Voraussetzungen sind für die vorliegende Untersuchung an der Erlebniswelt und den subjektiven Sichtweisen der Initiatoren erfüllt. Daher stellt die qualitative Vorgehensweise einen angemessenen Forschungszugang dar. Neben der teilnehmenden Beobachtung steht das Gespräch in der qualitativen Forschung im Mittelpunkt. Das Gespräch in Interviewform wurde auch für diese Untersuchung gewählt. Der Inhalt und die Komplexität sprachlicher Äußerungen bleiben dabei weitestgehend erhalten und können ausführlich analysiert werden.

Die Techniken der qualitativen Forschung sind auf die Ergebnisse bezogen häufig sehr offen. Sie sind weniger Hypothesen prüfend, wie oft in der quantitativen Forschung, sondern es sollen neue Zusammenhänge entdeckt und Hypothesen erst generiert werden. In den hier untersuchten Interviews kann somit ohne große Vorannahmen nach interessanten Phänomenen gesucht werden.

Eine nachträgliche Quantifizierung von qualitativen Daten ist nicht ausgeschlossen und wird oft in der angewandten Forschung durchgeführt, z.B. zur Neuentwicklung von Fragebögen (Legewie, 2005b).

4.1.1 Datengewinnung: das problemzentrierte Interview

Das problemzentrierte Interview nach Witzel (1982, 2000) ist eine etablierte qualitative Methode. Es dient der möglichst unvoreingenommenen Erfassung subjektiver Wahrnehmungen zu einem konkret bestimmten Problem. Das Untersuchungsthema wird in einem Leitfaden in Unterthemen aufgegliedert, zu denen ein Erzählanstoß oder eine Einstiegsfrage formuliert wird. Darüber hinaus kann es auch Detaillierungsfragen geben, die Witzel (2000) „spezifische Sondierungen“ nennt. Die spezifischen Sondierungen beziehen sich auf den Forscher, der dem Gesprächspartner wiedergibt, was er verstanden hat. Ebenfalls wichtig sind Verständnisfragen und Konfrontationen sowie Hinweise auf Widersprüche, um das Interview von einer Alltagskonversation abzugrenzen. Witzel (2000) formulierte drei Kriterien für das problemzentrierte Interview:

Problemzentrierung: Das Interview behandelt eine vorher definierte Fragestellung. Ziel des Forschers ist es, die subjektive Sichtweise des Interviewten zu diesem Problem vollständig nachvollziehen zu können. Da der Bereich der kontextuellen Lebensbedingungen des Befragten eine Rolle spielt, wird er dementsprechend miteinbezogen.

Gegenstandsorientierung: Die Erhebungsinstrumente werden so eingesetzt, wie es der untersuchte Gegenstand erfordert. Diese Flexibilität im Vorgehen bezieht sich ebenfalls auf die Gesprächstechniken, die der Forscher seinem Gesprächspartner anpasst.

Prozessorientierung: Diese Orientierung bezieht sich auf den Forschungsverlauf und beinhaltet die anpassungsfähige Analyse des Problemfeldes und das schrittweise Generieren und Überprüfen von Daten während des gesamten Erhebungs- und Auswertungsprozesses.

Witzel (2000) empfiehlt Forschern vier Erhebungsinstrumente, die sie in Abhängigkeit vom Untersuchungsgegenstand nutzen können:

Kurzfragebogen: Er dient der Erhebung von soziodemographischen Daten, die ein Anknüpfungspunkt für den Gesprächseinstieg sein können. Legewie (2005a) gibt die Empfehlung, den Fragebogen erst nach dem Interview vorzulegen, da das Ausfüllen vom freien Erzählen ablenken kann.

Leitfaden: Er dient im Gesprächsverlauf als Strukturierungs- und Gedächtnisstütze. Der Leitfaden enthält Einstiegsfragen auf die der Interviewte offen und detailreich (narrativ) antworten kann, ebenso wie Alternativfragen, falls das Gespräch ins Stocken gerät. Der Forscher kann seine Fragen dem Gesprächsverlauf anpassen, Rückfragen stellen und den Interviewten bei Bedarf zu den gewünschten Themen leiten. Der Leitfaden erleichtert besonders bei der Erhebung zahlreicher Interviews einen interpersonellen Vergleich.

Tonträgeraufzeichnung: Durch das Aufzeichnen des Interviews kann sich der Forscher besser auf das Gespräch konzentrieren und dem Interviewpartner mehr Aufmerksamkeit schenken. Für eine spätere Transkription ist die Aufzeichnung unerlässlich.

Postskripte: Sie dienen als Ergänzung des Interviews zur späteren Auswertung. Der Forscher hält im Postskript alle Besonderheiten des Gesprächs, erste Interpretationsideen, sowie eventuelle Störungen oder auch eigene Gefühle und Eindrücke fest.

4.1.2 Auswertungsmethoden: Grounded Theory und Globalauswertung

Bei der Grounded Theory handelt es sich nicht um eine Theorie im klassischen Sinne, sondern um einen Forschungsstil, der durch planvolles Vorgehen das Ziel hat aus den erhobenen Daten eine Theorie über ein Phänomen zu entdecken. Sie ist eine kreative Methode zur Entwicklung einer induktiv aus der sozialen Wirklichkeit abgeleiteten und gegenstandsverankerten Theorie (Legewie, 2005b). Die Grounded Theory wurde Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts von Glaser & Strauss (1967) entwickelt und von beiden Forschern weiter modifiziert. Dabei entwickelten sich unterschiedliche Anwendungen und Auffassungen der Grounded Theory Methodologie (vgl. u.a. Glaser, 1992; Strauss, 1987). Eine ausführliche Diskussion über die Entwicklung der Methodologie führen Mey & Mruck (2007).

Da die Grounded Theory nicht wie ein striktes und starres Regelwerk angewendet werden muss, bietet sie sich sehr für die vorliegende explorative Arbeit an. Ein großer Vorteil ist der offene und doch zugleich systematische Umgang mit dem Themenbereich. Eine Eingrenzung der Fragestellung wird erst im Untersuchungsverlauf erforderlich. Als methodische Grundlage dient die Arbeit von Strauss & Corbin (1996). Die Analyse der Daten besteht hauptsächlich im theoretischen Kodieren und der Suche nach Konzepten, sowie deren Einordnung im paradigmatischen Modell. Diese Methoden werden unter 4.3.3 bis 4.3.6 näher erläutert. Sie lassen sich mit anderen Methoden der Datenanalyse verbinden, wie im vorliegenden Fall mit der Globalauswertung nach Legewie (1994).

4.2 Erhebung der Daten

Die folgenden Abschnitte beschäftigen sich mit der Entwicklung des Interviewleitfadens, der Auswahl und Gewinnung der Interviewteilnehmer sowie der Beschreibung der Interviewdurchführung.

4.2.1 Interviewleitfaden

Nach einer Problemanalyse zur Generierung der Forschungsfragen wurde der Interviewleitfaden zu den interessierenden Problemfeldern gestaltet und strukturiert. Die Fragen wurden für die zu interviewenden Projekte angepasst. Die Autorin verzichtete auf einen Kurzfragebogen. Die vertrauensvolle Atmosphäre sollte nicht durch das bürokratische Ausfüllen des Bogens gestört werden. Der Leitfaden (siehe Anhang A.1) für das problemzentrierte Interview bestand aus acht Themenblöcken, denen eine Frage oder Aufforderung vorangestellt wurde, auf die die Interviewten frei antworten konnten. Zu jedem Block wurden Alternativ- und Ergänzungsfragen notiert, die eingesetzt werden konnten, falls ein Gesprächspartner weniger gesprächsfreudig sein sollte oder um genauere Nachfragen stellen zu können. Die Interviews begannen mit einer Einstiegsfrage, die zugleich als „Türöffner“ fungieren sollte. Die interviewten Personen sollten über die Entstehung und den derzeitigen Stand ihres Projekts berichten. Die Annahme dahinter war einerseits, dass die Initiatoren gerne über ihr Projekt sprachen und es bereits gewohnt waren. Andererseits galt diese Frage der Aktivierung. Sie mussten sich den Beginn ihrer Arbeit in Erinnerung rufen und über die zurückliegende Zeit mit dem Projekt reflektieren.

Im zweiten und dritten Frageblock wurden die Motive für die Arbeit am Projekt sowie die Motivation während der Projektarbeit thematisiert. Die Initiatoren wurden gefragt, warum sie die Arbeit auf sich genommen hatten und was ihnen besonders wichtig war. Es wurde ebenfalls nach der persönlichen Bedeutung ihrer Umwelt, bzw. des Dienstes für die Mitbürger, des Naturschutzes und nach der Unabhängigkeit von Energiekonzernen gefragt. Zu den Motivationsfragen wurden die Gefühle bei positiven und negativen Erfahrungen erfragt. Weiterhin ging es darum, wie sich die Initiatoren bei Problemen verhielten und wie sie mit Kritikern umgingen.

Im Zentrum des vierten und fünften Frageblocks stand die Person des Initiators. Sie sollten sich selbst beschreiben und ihre Stärken nennen. Falls dies zu schwer fiel, gab es die Frage, wie andere sie beschreiben würden. Es folgten Fragen zur persönlichen Lebensweise, zu Dingen, die glücklich machen und Kraft spenden, zur Naturverbundenheit und zur Selbstverwirklichung.

Die Frageblöcke sechs, sieben und acht bezogen sich hauptsächlich auf die Beurteilung des Projekts. Es wurden die Zufriedenheit und neue Erfahrungen erfragt sowie mögliche Auswirkungen auf die Initiatoren und das Wir-Gefühl in der Gemeinschaft (vgl. u.a. Festinger, 1954; Staehle, 1994). Außerdem gab es eine Frage zur Selbstwirksamkeit und die Frage, ob sie sich noch einmal auf diese Arbeit einlassen würden. Im letzten Frageblock wurden die Initiatoren nach ihrem Gesamtfazit befragt und konnten als Experten Ratschläge für andere Projekte geben sowie Verbesserungsvorschläge nennen. Das Interview endete mit der nicht ganz ernst gemeinten Frage: „Wenn sie drei Wünsche frei hätten, was würden sie wählen?“ Diese Frage diente der Auflockerung und für einen positiven und humorvollen Abschluss des Gesprächs.

4.2.2 Interviewteilnehmer

In der quantitativen Forschung basiert die Stichprobenauswahl (Sampling) meistens aus der Auswahl eines Teils einer Population. Dieser Ausschnitt soll möglichst die gesamte Population repräsentieren, auf die generalisiert werden möchte.

In der Methodologie der Grounded Theory von Strauss & Corbin (1996) wird dies auch berücksichtigt, jedoch anders umgesetzt. Das Kriterium beim theoretischen Sampling liegt auf der Repräsentativität der entdeckten Konzepte in ihren abgewandelten Formen. Es wird nach Ereignissen und Vorfällen gesucht, die Indikatoren für Phänomene sind. Je mehr Daten erhoben werden, desto mehr Beweiskraft entsteht. Es wird nach Variationen gesucht, die letztendlich zu einer größeren Dichte führen. Dadurch entsteht eine breiter anwendbare Theorie, da mehr verschiedenartige Sätze von Bedingungen gefunden werden, die das zentrale Phänomen beeinflussen. Damit sind die Umstände gemeint, unter denen das Phänomen auftritt, die Handlungen und Interaktionen, die sich auf das Phänomen beziehen und die daraus resultierenden Konsequenzen. Anhand der gefundenen Bedingungen wird eine Theorie formuliert.

Strauss & Corbin (1996) verstehen das theoretische Sampling als „ ein Aspekt der vergleichenden Analyse, der das gezielte Suchen und Erkennen von Indikatoren für die Konzepte in den Daten ermöglicht “ (Strauss & Corbin, 1996, S. 148). Das bedeutet, dass während des Interpretierens bereits erhobener Daten die Datenerhebung fortgesetzt wird und zwar solange, bis eine Sättigung in den gefundenen Kategorien erreicht ist. Die Dauer und Ausführlichkeit dieser Vorgehensweise hängen vom möglichen Forschungsaufwand und der Fragestellung ab.

In der vorliegenden Untersuchung gab es begrenzte Kapazitäten, vor allem zeitlich und finanziell, die das theoretische Sampling eingrenzten. Dennoch wurde versucht, den Anforderungen nach Möglichkeit zu entsprechen.

Für die Auswahl einer Stichprobe wurde im ersten Schritt eine deutschlandweite Internetrecherche durchgeführt, um möglichst alle geeigneten kommunalen Bioenergieprojekte zu erfassen. Danach wurden Kriterien für die Auswahl bestimmt, die eine breite Variation versprachen. Es sollten Daten zu Projekten erhoben werden, die in Planung, die abgeschlossen oder gescheitert waren. Die Projekte sollten möglichst aus weiten Teilen Deutschlands sein, um regionale Unterschiede auszumachen. Dies sollte auch West- und Ostdeutschland einschließen. Weiterhin sollten sich die angewendeten EE-Arten unterscheiden und als Initiatoren sollten Männer und Frauen vertreten sein. Der so enthaltene Pool an potentiellen Interviewpartnern bestand aus wenigen ostdeutschen Projekten und enthielt kaum weibliche Initiatoren.

Die Initiatoren wurden per E-Mail und telefonisch kontaktiert und um einen ca. zweistündigen Interviewtermin gebeten. Als Ergebnis und in Abstimmung mit dem vertretbaren Aufwand ergaben sich sechs Interviewtermine zu kommunalen Bioenergieprojekten, die vor Ort durchgeführt werden sollten (siehe Tabelle 1). Herr TS sagte seinen Termin kurzfristig ab und war nicht an einem Ersatztermin interessiert. Dadurch konnte kein Initiator zu einem bereits gescheiterten und einem ostdeutschen Bioenergieprojekt befragt werden. Dennoch scheiterte mindestens ein Projekt (Frau WE) nach dem Interviewtermin, was diese Kategorie, quasi a posteriori, noch erfüllte.

Eine nähere Beschreibung zu den Projekten und Initiatoren findet sich in den Globalauswertungen in den Abschnitten 5.1.1 bis 5.1.5.

Tabelle 1: Kurzprofil der gewählten Projekte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.2.3 Interviewdurchführung

Die fünf Interviews wurden von Ende 2007 bis April 2008 durchgeführt. Sie wurden bei den Initiatoren vor Ort geführt und auf Tonband aufgezeichnet. Alle Teilnehmer wurden über den Datenschutz, die Verwendung und die Anonymisierung der Daten aufgeklärt und bekundeten ihr Einverständnis. Außerdem wurde ihnen mitgeteilt, dass es um ihre persönliche Sichtweise ginge und es dadurch keine falschen Antworten geben könne.

Herr DE wurde in seinem Büro befragt, in dem noch zwei bis vier seiner Arbeitskollegen anwesend waren. Alle anderen Teilnehmer konnten einzeln und ungestört in ihren Privaträumen interviewt werden. Bei allen Gesprächen herrschte eine vertrauensvolle und freundliche Atmosphäre. Die Initiatoren waren sehr aufgeschlossen und berichteten gerne von ihren Projekten. Die Gespräche dauerten zwischen ein- und zweieinhalb Stunden.

Unmittelbar nach den Terminen wurden Postskripte angefertigt.

4.3 Auswertung der Daten

Die Auswertung der Interviews beinhaltet die Schritte zur Übertragung der Audioaufnahmen in die Schriftform, die Globalauswertung (Legewie, 1994) sowie das Anwenden von Methoden aus der Grounded Theory (Strauss & Corbin, 1996) mit seinen Kodierarten und der Anwendung des paradigmatischen Modells.

4.3.1 Transkription

Die Audioaufnahmen wurden zeitnah zu den Interviews in die schriftliche Form übertragen. Die Postskripte wurden an das Ende der Transkriptionen gefügt (siehe CD im Anhang). Als Grundlage für diese Arbeit dienten die Transkriptionsempfehlungen von Legewie & Paetzold-Teske (2000).

4.3.2 Globalauswertung

Die Methode der Globalauswertung (Legewie, 1994) dient dem Erstellen von überblicksartigen Gesamtauswertungen und zur Vorbereitung weiterer Interpretationen beim Vorliegen einer größeren Anzahl von Texten. Die Methode ist vornehmlich für die Auswertung von Interviews entwickelt worden.

Die Auswertung beginnt mit dem Lesen und Gliedern der Texte. Einfälle zu Interpretationen werden unter Stichwörtern als Memos notiert. Legewie schlägt für die Erfassung und Bewertung der Inhalte Leitfragen vor: „(1) Was ist hier das Thema? (2) Was wird wie mit welchen Absichten gesagt? (3) Was ist für meine Fragestellung wichtig? “ (Legewie, 1994, Seite 179). Entstehungshintergrund und die Kommunikationssituation (Kontextwissen) fließen in die Interpretationen mit ein. Für eine spätere Weiterbearbeitung der Texte schlägt Legewie die Erstellung von Stichwortverzeichnissen mit den Fundstellen vor. Die zentralen Aspekte der jeweiligen Texte, ohne Details und in kurzer Form (30-50 Zeilen), dienen als inhaltliche Zusammenfassungen. Jede Zusammenfassung erhält eine pointierte Überschrift, die auch ein gekürztes Zitat sein kann. Zum Schluss folgt eine Bewertung für die Texte hinsichtlich ihrer Aussagefähigkeit für die interessierende Fragestellung. Sie enthält gegebenenfalls Hinweise auf Lücken und Verzerrungen durch die Kommunikationssituation und wird durch eine kurze Stellungnahme (ca. 20 Zeilen) zusammengefasst. Zu den Konsequenzen für die weitere Arbeit kann ein Planungs-Memo erstellt werden, welches besonders interessante Auswertungs-Stichwörter einbezieht.

Für die vorliegende Arbeit wurde die Methode der Globalauswertung als erster Auswertungsschritt gewählt. Der Leser kann sich einen Überblick über die einzelnen Interviews verschaffen, ohne sie erst lesen zu müssen. Darüber hinaus dienten die Globalauswertungen der Interviews der Vorbereitung zur weiteren Auswertung mittels Grounded Theory. Sie erleichterten somit den Einstieg in die weitere Datenanalyse. Für den Ergebnisteil wurde für jedes Interview eine Zusammenfassung unter einer pointierten Überschrift verfasst. Auf die Darstellung der Wertungen der Interviews wurde verzichtet, da sie sehr subjektiv sind und den Leser zu sehr beeinflussen können.

4.3.3 Offenes Kodieren: Konzeptualisieren und Kategorisieren von Daten

Nach der Methodologie der Grounded Theory beginnt der analytische Prozess mit dem Kodieren. Dazu werden die einzelnen interessierenden Phänomene aus dem Datenmaterial mit konzeptuellen Bezeichnungen oder Etiketten, den sog. Konzepten oder Kodes, versehen. „ Konzepte sind die grundlegenden Bausteine einer Theorie “ (Strauss & Corbin, 1996, S. 54). Die Konzepte werden identifiziert und mit ähnlichen Vorkommnissen in Kategorien gruppiert. Den so zu entwickelnden Kategorien können weitere Konzepte als Eigenschaften zugeordnet werden. Die Eigenschaften sind die Kennzeichen einer Kategorie und Subkategorien. Anschließend können die Eigenschaften auf einem Kontinuum angeordnet werden, den sog. Dimensionen. Jede gefundene Kategorie besitzt somit ein einmaliges dimensionales Profil aus kennzeichnenden Eigenschaften. Das offene Kodieren wird durch das Stellen von Fragen an die Daten und durch das Vergleichen von Phänomenen nach Ähnlichkeiten und Unterschieden ausgeführt. Die Klassifizierung der Phänomene durch das offene Kodieren trägt zur ersten Datenreduktion bei, kann jedoch auch zu späteren Zeitpunkten des Forschungsprozesses wieder angewendet werden. Die Kategorienbildung gilt als vorläufig, da erst mit Anwenden weiterer Techniken die Theoriegewinnung heranreift. Rückschritte und Umstellungen sind jederzeit möglich.

4.3.4 Axiales Kodieren

Beim axialen Kodieren geht es um das Finden von Beziehungen zwischen den Kategorien, durch die die Daten neu zusammengesetzt werden. Es werden Erklärungen aus den Daten gesucht. „ Erklärungen beinhalten die Bedingungen, die auf die Handlungen und Interaktionen einwirken und die Konsequenzen, die daraus hervorgehen “ (Strauss & Corbin 1996, S. 76). Zur Erleichterung der systematischen Analyse wird das paradigmatische Modell von Strauss & Corbin (1996) verwendet. Der Wechsel zwischen induktivem und deduktivem Denken in dieser Phase ist ebenso erforderlich, wie das Wechseln zwischen offenem und axialem Kodieren: „ Diese Rückwärts- und Vorwärtsbewegung ist es, die unsere Theorie gegenstandsverankert macht! “ (Strauss & Corbin, 1996, S. 89). Die so gefundenen Beziehungen gelten als Hypothesen. Sie müssen während des Kodierens weiter ausgearbeitet, gestützt oder widerlegt werden und immer wieder an den Daten bestätigt werden.

4.3.5 Das paradigmatische Modell

Mit Hilfe des Modells kann eine Kategorie mit den Subkategorien in Beziehung gesetzt werden. In der Mitte steht das Phänomen, die zentrale Idee oder das Vorkommnis, zu dem Handlungen und Interaktionen in Beziehung stehen, das ursächliche Bedingungen hat und das in einem Kontext mit intervenierenden Bedingungen eingebettet ist und dem letztendlich Konsequenzen folgen. Zusätzliche Charakteristiken jeder Kategorie sowie dimensionale Ausprägungen können im Modell ebenfalls erfasst werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Paradigmatisches Modell (in Anlehnung an Strauss & Corbin, 1996)

4.3.6 Selektives Kodieren

Die Verfahren des selektiven Kodierens sollen helfen, die gesamte interpretative Arbeit zu integrieren. Die Kernkategorie mit dem zentralen Phänomen wird ausgewählt und mit weiteren Kategorien in Beziehung gesetzt. Das zentrale Phänomen muss nicht zwingend aus der Fragestellung stammen. Es kann auch erst im Forschungsprozess in den Mittelpunkt gerückt sein. Zum Finden des Phänomens bietet sich das Verfassen einer kurzen Geschichte an, bei der sich der rote Faden um die Kernkategorie drehen sollte. Die Leitfragen dabei sind: Was ist im Untersuchungskontext am Auffälligsten? Was ist das Hauptproblem? (vgl. Strauss & Corbin, 1996). Die Beziehungen der Kernkategorie zu den anderen Kategorien, sowie deren Eigenschaften werden am Datenmaterial überprüft. Bei zu großen Lücken in der theoretischen Formulierung von Kategorien kann der Analysierende zur gezielten Datenerhebung noch einmal ins Feld zurückkehren.

4.3.7 Anwendung der Methoden der Grounded Theory

Die Auswertung nach den Methoden der Grounded Theory begann mit dem offenen Kodieren der Interviews, der ersten Stufe der Datenreduktion. Das Suchen nach Konzepten (Kodes) und die anfänglichen Kode-Notizen am Papierrand der Interviews erschienen sehr unübersichtlich. Daher wurde für die Erfassung der Kodes mit Namen und Indikatornummern sowie den Zeilen- und Seitenangaben eine EXCEL-Tabelle erstellt. In dieser Tabelle wurden die Kodes für alle Interviews erfasst. Durch die Filterfunktionen des Programms konnten mühelos Vergleiche gezogen und Sortierungen vorgenommen werden. Die Nützlichkeit der Tabelle erwies sich bereits in den nächsten Schritten des axialen Kodierens. Jeder Kode wurde nach Ähnlichkeit einer Subkategorie zugeordnet, wodurch eine zweite Datenreduktion erfolgte. Da bereits mehrere Interviews kodiert waren, zeigte eine Subkategorie per Filterfunktion die entsprechenden Kodes, die in diese Kategorie fielen.

Eine weitere Datenreduktion kam durch die Oberkategorien zu Stande, die die Subkategorien abermals bündelten. Das Finden der Sub- und Oberkategorien gelang durch das Hin- und Herpendeln zwischen induktivem und deduktivem Denken. Kategorienamen wurden gegeben, wieder verändert oder verbessert. Es wurden neue Kategorien während der Auswertung hinzugefügt, oder wieder entfernt. Daraufhin mussten bereits kodierte Interviews noch einmal auf Indikatoren für diese Kategorien geprüft werden. Dieses Vorwärts- und Rückwärtsspringen während der gesamten Auswertung war sehr aufwendig, entspricht jedoch den Forderungen nach Handlungs- und Prozessorientierung von Strauss & Corbin (1996).

Mit Fortschreiten des Kodierens über die Interviews entstand die Idee für das zentrale Phänomen, welches als vorläufig galt und erst am Ende des Kodierens festgelegt werden sollte. Die Einordnung der Kodes in Sub- und Oberkategorien erfolgte nach der Passung zum Phänomen und nach den Ebenen des paradigmatischen Modells. Dessen Ebenen „ursächliche Bedingungen“, „Kontext- und intervenierende Bedingungen“, „Handlungs- und interaktionale Strategien“, sowie die „Konsequenzen“ bildeten die letzte Datenreduktion und sind ebenfalls in der EXCEL-Tabelle ersichtlich und herausfilterbar (siehe CD im Anhang).

4.4 Gütekriterien qualitativer Forschung

Die Frage, nach welchen Kriterien die Wissenschaftlichkeit, Güte und Geltung qualitativer Forschung bewertet werden sollen, wird viel diskutiert.

Im Wesentlichen werden drei Positionen vertreten: der Einsatz der quantitativen Kriterien für die qualitative Forschung, eigene Kriterien für die qualitative Forschung oder die generelle Ablehnung von Kriterien (Steinke, 1999, 2000).

Steinke (2000) argumentiert, dass die qualitative Forschung ohne Bewertungskriterien nicht bestehen kann, da die Gefahr der Beliebigkeit und Willkürlichkeit besteht. Außerdem entsteht dadurch das Problem, dass Forscher andere nicht vom Wert und der Qualität ihrer Untersuchungen überzeugen können. Zum Einsatz von quantitativen Kriterien führt sie an, dass diese für ganz andere Methoden entwickelt wurden und mit den Forschungsmethoden der qualitativen Forschung kaum vereinbar sind. Steinke schlägt daher die Entwicklung eigener Gütekriterien für die qualitative Forschung vor. Diese müssen den Merkmalen, Zielen, wissenschaftstheoretischen und methodologischen Ausgangspunkten der qualitativen Forschung entsprechen. Es soll vielmehr ein System von Kriterien formuliert werden, welches möglichst viele Aspekte der Bewertung qualitativer Forschung abdecken kann. Qualitative Forschung ist gegenstands-, situations- und millieuabhängig. Bei einer Bewertung muss der jeweiligen Fragestellung, Methode, dem Forschungsfeld und dem Untersuchungsgegenstand Rechnung getragen werden.

Steinke (2000) stellt breit angelegte Kernkriterien für die qualitative Forschung vor, welche untersuchungsspezifisch eingesetzt werden sollen:

Intersubjektive Nachvollziehbarkeit: Dazu gehört als zentrale Technik die Dokumentation des Forschungsprozesses. Dokumentiert werden soll: das Vorverständnis des Forschers, die Erhebungsmethoden und der Erhebungskontext, die Transkriptionsregeln, die Daten, die Auswertungsmethoden, die Informationsquellen, die Entscheidungen und Probleme sowie die Kriterien selbst, denen eine Studie genügen soll. Weiterhin wird die Interpretation in Gruppen und die Anwendung kodifizierter Methoden (Explikation und systematische Analyse) empfohlen.

Empirische Verankerung: Die Bildung und Überprüfung von Theorien sollte in den Daten verankert sein. Um diese empirische Verankerung zu prüfen, sollen kodifizierte Methoden (z.B. die Grounded Theory) verwendet werden und hinreichende Textbelege vorhanden sein. Die „analytische Induktion“ (Bühler-Niederberger, 1985) kann eingesetzt werden oder aus den aufgestellten Theorien können Prognosen abgeleitet und an den Daten geprüft werden. Als weiterer Weg kann die kommunikative Validierung, d.h. die Rückversicherung bei den Befragten dienen.

Limitation: Dieses Kriterium soll die Generalisierbarkeit einer gefundenen Theorie herausfinden und prüfen. Die Fallkontrastierung sowie die Suche und Analyse abweichender, negativer und extremer Fälle kann dabei helfen.

Kohärenz: Die entwickelte Theorie soll in sich konsistent sein. Widersprüche und ungelöste Fragen sollen dargelegt werden.

Relevanz: Hier wird die Relevanz der Fragestellung geprüft und hinterfragt, welchen Beitrag die entwickelte Theorie leisten kann.

Reflektierte Subjektivität: Bei diesem Kriterium dreht es sich um die Frage, ob der Forscher als Subjekt und Teil der sozialen Welt möglichst methodisch reflektiert in die Theoriefindung einbezogen ist.

Als Maß zur Beurteilung schlägt Steinke (2000) die Anwendung von mindestens drei dieser Kriterien vor.

5 Ergebnisse

Dieses Kapitel beginnt mit einem Überblick über alle fünf Interviews. Dazu werden die Überschriften und die Zusammenfassungen aus der Globalauswertung (Legewie, 1994) genutzt. Anschließend folgt die Ergebnisdarstellung im paradigmatischen Modell in Anlehnung an Strauss & Corbin (1996). Das gefundene Phänomen, die einzelnen Ebenen des Modells und die zugrunde liegenden Kategorien werden erläutert und über die Interviewteilnehmer verglichen.

5.1 Globalauswertungen der Interviews

5.1.1 Interview mit Herrn DE zum geplanten Holzhackschnitzelheizwerk

1) Überschrift

Herr DE, ca. Anfang 40 Jahre alt, Dipl.-Agraringenieur, Geschäftsführer und Biolandwirt:

„Der Kick ist, ob mir dieses Projekt gelingt und selber daran zu wachsen.“

2) Zusammenfassung des Interviews

Herr DE ist ehrenamtlicher Initiator für die Erbauung eines bürgereigenen Holzhackschnitzelheizwerkes für die Nahwärmeversorgung in einem Dorf mit 315 Einwohnern. Die endgültige Entscheidung über eine Realisierung steht kurz bevor. Ungefähr die Hälfte der benötigten anschlusswilligen Kunden ist bereits gefunden. Herr DE ist seit 15 Jahren Geschäftsführer einer Naturschutzorganisation. Seit neun Jahren bewirtschaftet er als nebenberuflicher Biolandwirt seinen Hof in einem Nachbardorf.

Herr DE möchte mit seinem Projekt das erste Bioenergiedorf seines Bundeslandes werden, weil ihm Klimaschutz sehr wichtig ist. Er möchte etwas wirklich Bedeutsames für die Region schaffen und mit diesem „Leuchtturmprojekt“ auch ein Zeichen setzen. Er hat sich dieses Dorf gezielt ausgesucht, weil es bereits eine private Biogasanlage gibt, die Strom produziert und weil der Ort eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft mit vielen Vereinen besitzt.

Herr DE schätzt die Zusammenarbeit mit einem weiteren engen Mitarbeiter und mit seinen Helfern aus den Arbeitsgruppen des Dorfes. Die neue Erfahrung einer effizienten Teamarbeit hat ihn positiv überrascht. Er ist sehr zufrieden mit der bisherigen unproblematischen Entwicklung und schätzt das Engagement der Dorfgemeinschaft. Durch das gute Vorankommen empfindet er Spaß an der vielen Arbeit.

Unzufrieden ist Herr DE mit der Förderung durch den Staat und mit der Energiepolitik im Allgemeinen. Die bisher negativste Erfahrung war eine Versammlung mit den Multiplikatoren, bei der diese nicht mehr vom Projekt überzeugt waren und nicht alle besprochenen Aufgaben erledigt hatten. Herr DE war enttäuscht, hatte leichte Zweifel und fragte sich, wie die Leute seine Arbeit wertschätzen.

Eine wichtige Erfahrung war auch zu realisieren, dass die gesamte Dorfgemeinde über „Wohl und Weh“ des Projekts entscheidet und es sich mehr um Bauch- als um Kopfentscheidungen handelt. Dabei spielt auch der Neid unter den Dorfbewohnern eine Rolle. Herr DE sieht seine Arbeit als Herausforderung und glaubt daran, als Einzelner etwas erreichen zu können. Er ist der Ansicht, durch ökonomische Prozesse, die ökologischen und sozialen Prozesse steuern zu können. Er reflektiert sehr viel über sein Vorgehen und die Entwicklung des Projekts. Die Auswirkungen beim Misslingen des Projekts sind ihm stets bewusst und er beschreibt den Druck als „ziemlich hoch“.

Einen Ausgleich findet er durch seine landwirtschaftliche Tätigkeit und das Vertrauen in seine langjährige Erfahrung beim Initiieren ähnlicher Projekte.

5.1.2 Interview mit Frau WE zur geplanten Biogasanlage

1) Überschrift

Frau WE, ca. Ende 30 Jahre alt, Schulleiterin, Pädagogin und Ortsbürgermeisterin:

„Ich glaub, die Meisten denken, es wird nichts, aber es lohnt sich auf jeden Fall, so was zu beginnen.“

2) Zusammenfassung des Interviews

Frau WE ist Initiatorin für die Entstehung eines bürgereigenen Nahwärmenetzes für zwei Nachbardörfer, das durch eine Biogasanlage mit Hackschnitzelheizwerk versorgt werden soll. Sie ist Bürgermeisterin des einen Dorfes mit 455 Einwohner und Mitglied der Geschäftsführung in der dafür gegründeten Vorgesellschaft. Zur Realisierung fehlen noch ca. fünf Millionen Euro. Es wird eine Lösung gesucht, um das Netz für die 165 umstellungswilligen Wärmekunden realisieren zu können. Die Stimmung bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie und beim Erläutern des Finanzierungsproblems war negativ und viele glaubten nicht mehr so richtig an eine Umsetzung. Frau WE wünscht sich sehr, dass das Projekt doch noch zu Stande kommt und ist positiver Dinge. Ihr größtes Interesse am Projekt gilt der sozialen Komponente, dem Gemeinschaftsgefühl und dem Zusammenhalt der Einwohner in beiden Orten. Sie schätzt die vielseitige Zusammenarbeit in den Arbeitsgruppen und es macht ihr Spaß mit anderen zu planen, zu überlegen und zu diskutieren. Mit der bisherigen Entwicklung ist sie sehr zufrieden. Trotz niedriger Erwartungen und pessimistischer Gedanken bezüglich der Umsetzung, machten ihr die Dorfversammlungen immer wieder neuen Mut.

Frau WE wünscht sich mehr Fördermöglichkeiten für dezentrale Projekte und eine höhere Bürgerbeteiligung. Sie nimmt es sehr persönlich, wenn sie auf Kritiker stößt, die von vorn herein negativ auf ihr Projekt reagieren oder die sie anfeinden, weil sie neben ihrer Arbeit so viele Funktionen im Ort hat, drei Kinder und einen Mann, der nur am Wochenende zu Hause ist. Solche Leute meidet sie lieber. Falls es zur Umsetzung kommt, ist ihr auch bewusst, welche hohe Verantwortung es noch bedeutet und sie möchte ab der Bauphase etwas kürzer treten. Sie schwankt ein wenig zwischen Hoffen für die Umsetzung und Akzeptieren, dass es vielleicht auch einen Sinn hat, wenn das Projekt nicht zu Stande kommt.

Großen Rückhalt und Unterstützung findet sie hauptsächlich bei ihrer Familie und durch den Spaß an ihrer Arbeit und den Umgang mit Menschen. Sie würde sich jederzeit wieder auf das Projekt einlassen und glaubt, dass das erhöhte Gemeinschaftsgefühl in beiden Dörfern auch beim Scheitern des Projektes weiter bestehen würde.

Nachtrag

Im Dezember 2008 gaben Frau WE und ihre Mitstreiter das Scheitern ihres Projektes angesichts fehlender Finanzen bekannt.

5.1.3 Interview mit Herrn RS zur geplanten Biogasanlage

1) Überschrift

Herr RS, ca. Anfang 60 Jahre alt, ehemaliger Landwirt und Telekom-Mitarbeiter im Vorruhestand und Bürgermeister:

„Der Zuspruch im Dorf gibt doch wieder so ein bisschen Auftrieb. Dass man es doch nicht verkehrt gemacht hat, sondern man hier versucht, die Landwirte zu gewinnen und dann die ganze Geschichte zu realisieren.“

2) Zusammenfassung des Interviews

Herr RS ist Initiator für die Entstehung eines bürgereigenen Nahwärmenetzes, das durch eine Biogasanlage versorgt werden soll. Er ist gleichzeitig Bürgermeister des Dorfes mit 563 Einwohnern und Mitglied im Gemeinderat. Die Bemühungen, ein Bioenergiedorf zu werden, begannen bereits 2001. Der damalige Grundgedanke war „Weg vom Öl“. Das Dorf fiel allerdings gleich zweimal sehr knapp beim Auswahlverfahren durch das Bundesland heraus. Die Enttäuschung bei den Einwohnern war sehr groß und zeigt heute noch Auswirkungen. Herr RS und seine Mitstreiter, ein harter Kern von 20 Personen, gaben nicht auf und gründeten eine GbR zur Finanzierung der Machbarkeitsstudie. Nach Verkleinerung der Anlage und Verzicht auf einen Spitzenlastkessel ergab sich eine positive Prognose für das Projekt. Durch den Effekt der gestiegenen Weizenpreise, wollen die Landwirte jedoch keine langfristigen Lieferverträge für Biomasse abschließen. Die Überzeugung der Landwirte, wenigstens ihre Fläche zu stellen, ist die höchste Hürde im Moment. Herr RS will weiter dafür kämpfen, um endlich zu einer Entscheidung zu gelangen, ob das Projekt umgesetzt werden kann oder nicht. Dafür wägt er immer wieder die Alternativen ab und passt seine Möglichkeiten der aktuellen Lage an.

Sein Hauptanliegen ist, etwas für den strukturschwachen Ort zu tun, Arbeitsplätze zu schaffen und den Menschen eine Perspektive bieten zu können. Er spürt den Rückhalt von den Bürgern und findet, dass sich das Dorf durch die Arbeit am Projekt geöffnet hat. Mit der Bioenergie ein neues Feld betreten zu haben, hat ihn persönlich gestärkt. Allerdings spürt er auch, dass die Leute in 2001 noch leichter zu motivieren waren. Herr RS hat daraus gelernt, bei Erfolgen nicht in Euphorie auszubrechen, denn „desto tiefer fällt man hinterher“. Trotz allem hat er nie ans Aufgeben gedacht.

Motivation und Kraft findet er in seinen Hobbys, seiner Familie und seiner Arbeit mit den Bürgern in seinem Dorf, sowie auf seinem Hof. Für ein gutes Gelingen eines solchen Projekts sollte es eine gute Dorfgemeinschaft geben, man sollte gute Helfer haben und es sollte nicht zu viele Gegner geben. Es ist ihm besonders wichtig, die Leute überzeugen zu können.

5.1.4 Interview mit Herrn RL zum betriebenen Holzhackschnitzelheizwerk

1) Überschrift

Herr RL, ca. Anfang 40 Jahre alt, Revierförster und Vorsitzender des Heimatvereins:

„Global denken, aber regional handeln und das können wir hier verwirklichen.“

2) Zusammenfassung des Interviews

Herr RL ist Vorsitzender des Heimatvereins in seinem 340 Einwohner zählenden Wohnort. 1997 entstanden die ersten Ideen für die Errichtung eines bürgereigenen Holzhackschnitzelheizwerkes zur Versorgung des Ortes mit Wärme und Warmwasser. Herr RL hat sich sehr schnell in das „Thema verbissen“ und 2001 wurde das Nahwärmenetz mit 44 Häusern in Betrieb genommen. Bis heute werden 80 Häuser versorgt.

Herr RL hat keine Unterstützung durch die Stadtwerke erfahren, was ihn sehr enttäuschte, aber gleichzeitig auch anspornte. Die im Verein organisierte Machbarkeitsstudie fiel negativ aus. Nach neuer Berechnung mit ehrenamtlichem Personal erschien das Projekt rechnerisch möglich. Die Zustimmung der Bevölkerung wurde 1999 in einer Dorfversammlung gesucht und gewonnen. Trotz einiger Gegenstimmen wurde innerhalb eines Monats die Mindestkundenzahl von 42 Häusern erreicht.

[...]

Details

Seiten
129
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783836630849
Dateigröße
10.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226865
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Fakultät V, Psychologie und Arbeitswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
motivation kognition grounded theory leadership nachhaltigkeit

Autor

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Titel: Kognitive Fähigkeiten und Motivationsstrategien von Initiatoren kommunaler Bioenergieprojekte