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Kindersuchmaschinen als medienpädagogisches Instrument der Internetnutzung

Bachelorarbeit 2008 127 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung

2 Bedeutung des Internets für Kinder
2.1 Faszination Internet
2.2 Das Internetnutzungsverhalten sechs- bis 13-jähriger Kinder
2.2.1 Medienausstattung und Medienbesitz
2.2.2 Medienbindung
2.2.3 Generelle Nutzung des Internets
2.2.4 Inhaltliche Vorlieben
2.2.5 Geschlechtsspezifische Unterschiede der Internetnutzung
2.2.6 Zusammenfassung
2.3 Spezifische Onlineangebote für Kinder
2.3.1 Kriterien einer kindgerechten Internetpräsenz
2.3.2 Ziele von Internetanbietern für Kinder
2.3.3 Onlineangebote nach Kategorien

3 Problematiken der Internetnutzung für Kinder
3.1 Generelle Gefahren und Risiken
3.2 Pornographie und Gewalt im Internet

4 Internetsuchmaschinen
4.1 Bedeutung von Suchmaschinen in der Internetlandschaft
4.2 Probleme von Kindern bei der Arbeit mit Internetsuchmaschinen
4.3 Kindersuchmaschinen
4.3.1 Funktionsweise und Vorteile
4.3.2 Angebot an Kindersuchmaschinen

5 Analytischer Vergleich von zwei exemplarischen Kindersuchmaschinen
5.1 „Blinde Kuh“
5.1.1 Aufbau und Inhalt
5.1.2 Suchfunktion
5.1.3 Sicherheit
5.1.4 Gestaltung und Sprache
5.1.5 Usability
5.1.6 Interaktivität
5.1.7 Besonderheiten
5.1.8 Medienpädagogisches Konzept
5.2 „Clikks“
5.2.1 Aufbau und Inhalt
5.2.2 Suchfunktion
5.2.3 Sicherheit
5.2.4 Gestaltung und Sprache
5.2.5 Usability
5.2.6 Interaktivität
5.2.7 Besonderheiten
5.2.8 Medienpädagogisches Konzept
5.3 Auswertung der Ergebnisse
5.4 Kriterien einer qualitativ hochwertigen Kindersuchmaschine
5.5 Zukunftsaussichten

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis
7.1 Bücher
7.2 Nachschlagewerke
7.3 Zeitschriften
7.4 Internetseiten
7.4.1 Referenzinternetseiten
7.5 Gespräche

8 Danksagung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 2.1 Geräteausstattung im Haushalt 2006

Abb. 2.2 Nutzungsfrequenz Internet/Online-Dienste 2006

Abb. 2.3 Gehe ins Internet meist

Abb. 2.4 Internet-Tätigkeiten 2006

Abb. 5.1 Suchfunktion der Kindersuchmaschine Blinde Kuh

Abb. 5.2 Suchergebnisse der Kindersuchmaschine Blinde Kuh

Abb. 5.3 Startseite Blinde Kuh

Abb. 5.4 Suchfunktion der Kindersuchmaschine Clikks

Abb. 5.5 Suchergebnisse der Kindersuchmaschine Clikks

Abb. 5.6 Startseite Clikks

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2.1 Übersicht Onlineangebote nach Kategorien

Tabelle 5.1 Übersicht der Ergebnisse des analytischen Vergleiches – Teil 1

Tabelle 5.2 Übersicht der Ergebnisse des analytischen Vergleiches – Teil 2

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

KAPITEL 1

Einführung

1 Einführung

Medien sind heute ein alltäglicher Bestandteil der Welt, in der wir leben. Vor allem das Internet hat durch seine rasante und dynamische Entwicklung und Verbreitung eine hohe Bedeutung und starken Einfluss in der heutigen Informationsgesellschaft erlangt. Es wird nicht nur als Kommunikationsplattform genutzt, sondern bietet daneben eine Fülle von Informationen und Angeboten in nahezu jedem Bereich. Dies kann jedoch auch negative Begleiterscheinungen mit sich bringen. Vor einigen Jahren noch überschwänglich gelobt als Informations-, Bildungs- und Kommunikationsmedium[1], können mittlerweile Zweifel an dem Medium dahin-gehend aufkommen, dass die Internetnutzer zunehmend einer Reizüberflutung unterliegen. Gerade Kinder sind von dieser oft überfordert und verlieren leicht den Überblick in dem wachsenden „Internetdschungel“. Darüber hinaus sind sie den zahlreichen Gefahren des Internets ausgesetzt. Es ist kaum möglich, das Internet in seiner rasanten Entwicklung zu kontrollieren. Kinder können auf Inhalte stoßen, die ihnen Angst bereiten oder sie überfordern. Gewalt, Pornographie und Rassismus stellen heutzutage im Internet eine starke Präsenz dar. Zunehmend nutzen Anbieter unterschiedlicher Bereiche auch die Leichtgläubigkeit von Kindern aus, um sie für ihre Zwecke zu benutzen[2]. Angelockt werden sie beispielsweise durch attraktive Angebote für Hausaufgabenhilfe, Gratis-SMS oder Gewinnspiele, wobei die Kostenpflichtigkeit verschwiegen oder gut getarnt wird.

Das World Wide Web (WWW) ist mittlerweile in vielen Haushalten sowie Schulen vertreten und Kinder wachsen mit dem Internet als Alltagsmedium auf. Es wird von ihnen wie selbstverständlich genutzt, um ihren Fragen und Bedürfnissen nachzugehen.[3]

Angesichts der Tatsache, dass es kaum möglich ist sich dem Einfluss des Internets zu entziehen, ist es unbedingt notwendig, dass sich Eltern und Pädagogen kritisch mit dieser Thematik auseinandersetzen. Sie sollten die Risiken des Internets bedenken und sich mit einem sinnvollen Umgang mit dem Internet vertraut machen. Den Kindern muss schon früh eine Internetkompetenz vermittelt werden, um sie einerseits zu schützen und ihnen andererseits die Möglichkeit zu geben, das Netz für sich und ihre Bedürfnisse zu nutzen.

Seit einigen Jahren wird der Versuch unternommen, durch speziell eingerichtete Kindersuchmaschinen der Problematik, die mit der Nutzung des Internets durch Kinder verbunden ist, zielgerichtet entgegenzuwirken. Im Gegensatz zu den gängigen Internetsuchmaschinen wird versucht einen intensiven Kinderschutz zu gewährleisten und Angebote speziell auf die Zielgruppe Kinder auszurichten. Kindersuchmaschinen sind im Bereich der Medienkompetenz[4] angesiedelt.

Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über den komplexen Themenbereich „Kinder und Internet“ bieten und sich mit der Frage befassen, inwieweit Kindersuchmaschinen geeignet sind, Kindern eine pädagogische Hilfestellung für die Nutzung des Internets zu liefern. Im Einzelnen stellen sich folgende Fragen: Wie funktionieren Kindersuchmaschinen? Was ist ihre Wirkungsabsicht? Können sie einen ausreichenden Schutz der Kinder gewährleisten? Und sind sie so kindgerecht aufbereitet, dass sie sinnvoll von Kindern genutzt werden können? Um dies zu beantworten, wird in dieser Arbeit im Rahmen einer Fallstudie von zwei spezifischen Kindersuchmaschinen ein analytischer Vergleich aufgestellt, der Aufschluss über deren Qualität und Nutzen geben soll. Es wird vor allem herausgearbeitet, welche Vorteile diese speziellen Suchmaschinen Kindern bieten können und wie sie sich bewerten lassen.

Um der Kernfragestellung nachgehen zu können, wird innerhalb dieser Arbeit im zweiten Kapitel zunächst die Bedeutung des Internets im Alltag von Kindern dargestellt. In erster Linie ist festzustellen, in welchem Umfang das World Wide Web von Kindern genutzt wird. Eine Analyse des Nutzungsverhaltens soll Aufschluss darüber geben, inwieweit die Internetnutzung in den vergangen Jahren angestiegen ist, und verdeutlichen, dass das Internet eine Vielzahl von Kindern mittlerweile nahezu täglich in ihrem Alltag begleitet. Weiterhin werden in diesem Kapitel die Angebote für Kinder im Netz dargestellt. Neben einem Überblick über die verschiedenen Bereiche im Internet für Kinder soll der Frage nachgegangen werden, ob das Medium momentan ausreichend kinderspezifische Seiten liefern kann.

Im dritten Kapitel werden sodann verschiedene Problematiken, die speziell mit der Internetnutzung verbunden sind, herausgearbeitet. Risiken und Gefahren, auf die Kinder im Internet treffen können, werden dargestellt und beleuchtet. Diese Faktoren führen zu der Fragestellung, wie man Kindern eine entsprechende Internetkompetenz nahe bringen kann, um sie schützen zu können. Eltern wie auch Pädagogen spielen eine große Rolle, um Kindern entsprechende Kompetenzen und den richtigen Umgang mit dem Internet zu vermitteln.

Das vierte Kaptitel bietet einen Lösungsansatz für die beschriebenen Gefahren und beschäftigt sich ausführlich mit Kindersuchmaschinen. Zunächst soll erklärt werden, wie diese funktionieren und sich von anderen Suchmaschinen im Netz abgrenzen. Im Anschluss wird erörtert welche Vorteile Suchmaschinen für Kinder mit sich bringen. Dieser Frage soll nachgegangen werden. Das Angebot an Kindersuchmaschinen soll aufgezeigt werden.

Im fünften Kapitel erfolgt der analytische Vergleich von zwei exemplarischen Kindersuchmaschinen. Diese werden anhand verschiedener Faktoren analysiert und auf deren Wirkungsabsicht geprüft. Es wird herausgearbeitet, inwieweit spezielle Kindersuchmaschinen einen sinnvollen und medienpädagogischen Ersatz für die kommerziellen Suchmaschinen im Netz darstellen.

Die Ergebnisse werden im Anschluss ausgewertet. Daraus resultiert die Aufstellung eines Kriterienkataloges für qualitativ hochwertige Kindersuchmaschinen. Abschlie-ßend werden die Zukunftsaussichten von Kindersuchmaschinen kritisch betrachtet.

Die Arbeit bezieht sich insgesamt auf Kinder in der Altersgruppe zwischen sechs bis 13 Jahren und meint beide Geschlechter.

Die Arbeit erhebt aufgrund der Breite der Thematik „Kinder und Internet“ und der Vielfältigkeit der Themenkomplexe innerhalb dieses Feldes keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es soll vielmehr ein Einblick in das komplexe Thema gegeben werden, wobei der Schwerpunkt auf der Betrachtung von Kindersuchmaschinen als möglichem Lösungsansatz zur Begegnung der Gefahren im Internet liegt.

KAPITEL 2

Bedeutung des

Internets für Kinder

2 Bedeutung des Internets für Kinder

Das Internet hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Alltagsmedium etabliert, auf das in der heutigen Gesellschaft kaum mehr verzichtet werden kann. Das Medium zur Informationsbeschaffung gewinnt im geschäftlichen wie im privaten Bereich immer weiter an Bedeutung. Kinder wachsen heute schon in jungen Jahren mit diesem Medium auf; es ist oft fester Bestandteil ihrer Freizeit- und Schulaktivitäten[5]. In diesem Kapitel soll gezeigt werden, welche Besonder-heiten es im Verhältnis Kinder und Internet gibt, in welchem Umfang Kinder das Netz nutzen und wie Onlineangebote für Kinder in der heutigen Internetlandschaft aussehen.

2.1 Faszination Internet

Das Wort "Internet" setzt sich aus den Wortteilen "inter" (lateinisch: zwischen[6] ) und „net“, der Abkürzung für "networking" (englisch: vernetzen[7] ) zusammen. Es ist das weltweit größte Computernetzwerk, bestehend aus vielen miteinander verbundenen Rechnernetzwerken. Zu den wichtigsten Internetdiensten gehören die elektronische Post (E-Mail), das World Wide Web, Dateitransfer (FTP) und Diskussionsforen (Usenet/ Newsgroups).[8]

Das Internet wie wir es heute kennen wurde 1989 im CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) bei Genf von Tim Berners-Lee entwickelt[9] und verbreitete sich Anfang der 90er Jahre zunehmend in der Welt. Seinen Durchbruch hatte das Internet im Jahre 1993 durch die Entwicklung des multimedialen Online Mediums World Wide Web[10]. Mittlerweile finden sich dort auch klassische Medien wie Zeitungen und Fernsehen, so dass das Internet in sich andere Medien vereint.

Das Internet lässt sich als jüngstes Massenmedium bezeichnen. In Deutschland gibt es zur Zeit rund 40 Millionen Internetnutzer, die im Durchschnitt mehr als acht Stunden im Monat im Internet verbringen.[11] Im ersten Quartal 2007 verfügten 74 Prozent der Bürger in Deutschland über einen Computer; von diesem Anteil nutzten 68 Prozent das Internet. Innerhalb dieser Gruppe von Internetnutzer waren 61 Prozent jeden Tag oder fast jeden Tag online. Im Vorjahreszeitraum hatte dieser Anteil der täglichen Nutzer noch 56 Prozent betragen.[12]

„Das weltweite Datennetz ist aus dem Alltag der meisten Familien nicht mehr wegzudenken. Wir pflegen unsere Kontakte per E-Mail, haben rund um die Uhr Zugriff auf Informationen und nutzen zahlreiche Online-Angebote.“[13] Gerade Kinder wachsen im Gegensatz zu älteren Generationen heutzutage wie selbstverständlich mit den neusten Technologien auf und nutzen diese begeistert. Für Kinder wird das Internet immer populärer und entwickelt sich für sie zu einer „Kultur der Kommunikation und Informationsbeschaffung“.[14]

Das WWW stellt mit seiner enormen Vielfalt an Ideen und Möglichkeiten einen Spielplatz für die Entdeckerlust der Kinder dar. Sie können im Netz spielen, lernen, für Schule und Freizeit recherchieren, kommunizieren, sich Fragen aus dem Leben beantworten oder sich mit anderen Kindern „treffen“.

Mittlerweile bietet das Internet für Kinder zahlreiche Angebote, die entsprechend auf die Zielgruppe abgestimmt sind. Für Kinder, die noch nicht lesen können, bietet das WWW jedoch vergleichsweise wenig Angebote. Es handelt sich vor allem um einfache Spiele (z.B. Mausübungsspiele), die gemeinsam mit den Eltern ausprobiert werden können, um das Internet kennenzulernen.[15] Älteren Kindern, die lesen und schreiben können, bietet das Netz allerdings zahlreiche Angebote verschiedener Bereiche. Hausaufgaben oder das Interesse an einem bestimmten Thema können Anlass sein, die Welt des Internets zu erkunden.[16] Je älter und lesekundiger Kinder werden, desto mehr weckt das Internet ihre Neugierde. Hierauf haben auch andere Medien einen Einfluss. Fernsehanbieter z.B. verweisen in ihren Programmen oft auf die entsprechende Internetpräsenz und animieren so die Kinder sich im Netz zu bewegen. Daneben geben auch Eltern, Freunde und Klassenkameraden durch Hinweise auf bestimmte Seiten im Internet oftmals einen Anlass, sich diese anzuschauen.

Die Möglichkeit im Internet z.B. in Chatrooms andere Rollen einzunehmen, ist ein zusätzlicher Reiz für Kinder. Sie können sich gegenüber neuen Bekanntschaften in eine andere Position begeben und sich von der Realität absetzen. Kleinere Kinder können sich als älter ausgeben, um ernst genommen zu werden, Außenseiter können sich als begehrter Gesprächspartner zeigen.[17] Dies birgt aber auch die Gefahr eines Identitäts- bzw. Realitätsverlustes[18].

Trotz der Gefahren und Risiken, die das Internet für Kinder mit sich bringt, kann das Internet sich dennoch mit einem guten Ruf schmücken. Es repräsentiert das weltweit verknüpfte Wissen. Viele Pädagogen loben das Medium; es hat eine fast größere Akzeptanz bei ihnen als das Fernsehen, da der Internetnutzer aktiv und kompetent einen Computer benutzt und Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden muss[19]. Dies hat aber auch einen Schulungsbedarf zur Folge, um den kritischen Umgang mit dem Internet zu erlernen.[20]

Die Faszination am Internet – insbesondere auch für Kinder – besteht letztendlich darin, dass der User im Gegensatz zu anderen Medien nicht nur ein passiver Rezipient ist, sondern sich aktiv einbringen kann. Durch Unterhaltung, Vermittlung von Wissen und Bildung, Informationen, Kommunikation oder auch interaktive Gestaltung von Inhalten sichert sich das Internet zunehmend einen Platz im Alltag der Kinder.[21]

2.2 Das Internetnutzungsverhalten sechs- bis 13-jähriger Kinder

Um zu zeigen, in welchem Rahmen das Internet in Deutschland durch Kinder genutzt wird und wie sich die Entwicklung im Vergleich zu den Vorjahren verändert hat, bezieht sich diese Arbeit vorrangig auf die KIM-Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MPFS)- einer Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK). Es handelt sich um eine Basisstudie zum Stellenwert der Medien im Alltag von Kindern (sechs bis 13 Jahre), die als Langzeitprojekt angelegt ist und seit 1999 regelmäßig durchgeführt wird.

Für die Beleuchtung der Internetnutzung von Kindern ist diese repräsentative Studie für die vorliegende Arbeit passend gewählt. Im Jahr 2007 wurde die KIM-Studie nicht durchgeführt. Neue Betrachtungen werden erst im Jahr 2008 fortgeführt und 2009 veröffentlicht. Daher bezieht sich diese Arbeit auf die Ergebnisse der KIM Studie 2006 in Bezug auf die Internetnutzung. Vergleichende Studien werden ebenfalls hinzugezogen.

Bislang wurde die KIM-Studie in den Jahren 1999, 2000, 2002,2003, 2005 und 2006 als Forschungsprojekt des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest in Zusammenarbeit mit der Medienforschung des Südwestrundfunks (SWR) durchgeführt[22]. Die Studienreihe untersucht den Medienumgang und das Medienverhalten von Kindern in Deutschland mit Schwerpunkt auf folgenden Themenfeldern:

- Freizeitaktivitäten
- Themeninteressen
- Medienausstattung
- Medienbindung
- Medienfunktion
- Computer- und Internetnutzung
- Einstellungen zu Computer und Internet
- Computerspiele
- Lernprogramme
- Computer und Schule
- Mediennutzung im familiären Kontext

Die circa sechs Millionen deutschsprachigen Kinder zwischen sechs und 13 Jahren und deren Erziehungspersonen bilden die Grundgesamtheit für die KIM-Studie 2006. Eine repräsentative Stichprobe von jeweils 1.203 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren sowie deren Haupterzieher wurden im Zeitraum von Mai bis Juni 2006 untersucht. Es werden also nicht nur Aussagen über das Nutzungsverhalten der Kinder getroffen, sondern ebenso Einstellungen und Auffassungen deren Eltern miteinbezogen. Dadurch kann der familiäre Medienumgang in die Ergebnisse einfließen. Die Kinder werden persönlich-mündlich befragt, die Erziehungsberechtig-ten erhalten einen schriftlichen Fragebogen.[23]

2.2.1 Medienausstattung und Medienbesitz

Der Umgang mit Medien ist zu einer Selbstverständlichkeit für Kinder geworden. Dies ist dadurch zu begründen, dass Haushalte mit Kindern mittlerweile über eine hervorragende mediale Ausstattung verfügen. Der Mediengebrauch hängt wesentlich von der Geräteausstattung des Elternhauses ab[24]. Der Fernseher ist in jeder Familie mindestens einmal vertreten, daneben verfügen die meisten Haushalte über ein Telefon, Handy, Radio und einen CD-Player. (vgl. Abbildung 2.1)

Aber auch die Verbreitung des Internets in Haushalten nimmt stetig zu und so haben mehr Kinder die Möglichkeit der Internetnutzung[25]. Im Jahr 2006 ist die Ausstattung von Computern und Internetzugängen in den Haushalten, in denen Kinder aufwachsen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal angestiegen (Computer 89%, 2005: 83%; Internet 81%, 2005: 73%). Jedoch ist zu erwähnen, dass die mediale Ausstattung der Haushalte sich je nach Einkommen der Haushalte unterscheidet[26]. In Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1.500 Euro ist die Ausstattungsrate des Internets um 30 Prozentpunkte geringer, als bei Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen über 2.500 Euro.[27]

In der KIM- Studie wird ebenfalls der Frage nachgegangen, welche Geräte die befragten Kinder in ihrem Zimmer zur eigenen Verfügung haben. Ein sechstel der Kinder verfügt über einen eigenen Computer im Kinderzimmer und acht Prozent derer sogar über einen eigenen Internetanschluss.[28]

Auch viele Schulen sind mittlerweile mit PC’s oder Laptops ausgestattet. Nach der Studie „(N)Onliner Atlas 2006“ verwenden 87,6 Prozent der Schüler einen Computer zum Lernen im Unterricht. Rund 90 Prozent der Schulen verfügen über eine Computerausstattung und setzen diese im Unterricht ein. Die Nutzung erfolgt meist in speziell eingerichteten Computerräumen.[29]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1 Geräteausstattung im Haushalt 2006[30]

2.2.2 Medienbindung

Noch immer ist die stärkste Medienbindung bei dem Fernseher zu erkennen. Rund 70 Prozent der Kinder könnten auf dieses Medium am wenigsten verzichten. An zweiter Stelle wird der Computer genannt, der für 16 Prozent der Kinder nicht verzichtbar wäre.[31]

Obwohl das Fernsehen die stärkste Medienbindung aufweist, ist es doch interessant, dass es langsam an Bedeutung verliert und der Computer seine Beliebtheit ausbauen kann und für mehr Kinder unverzichtbar geworden ist (2000: 12%, 2003: 13%, 2006:16 %).[32] Vor allem bei älteren Kindern gewinnt das Internet zunehmend an Bedeutung. Im Jahr 2007 geben 31 Prozent der Zwölf- bis 14-Jährigen an, dass ihnen das Internet wichtiger als der Fernseher ist, während in der Altersgruppe der Acht- bis Elf-Jährigen der Prozentsatz nur bei 20 Prozent liegt.[33] Diese Beobachtungen lassen vermuten, dass die Internetnutzung in den kommenden Jahren ebenfalls mehr an Bedeutung gewinnen wird.

Sind es 2006 nur zwei Prozent der Kinder, die nicht auf das Internet verzichten können, kann sich dieser Prozentsatz in der Zukunft möglicherweise stark erhöhen, da Kinder bei der Computernutzung auch immer häufiger das Internet kennen lernen.[34]

2.2.3 Generelle Nutzung des Internets

Obwohl das Fernsehen noch immer das meistgenutzte und beliebteste Medium der Kinder darstellt, hat sich auch der Internetkonsum von Kindern steigern können. 2006 nutzen 72 Prozent der Kinder mit Computererfahrung das World Wide Web, wobei die Mädchen noch einen größeren Anteil bilden. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich der Anteil der Internetnutzer deutlich gesteigert (2000: 31%, 2002: 52%, 2003: 60%, 2005: 68%).[35]

Bei Kindern unter acht Jahren liegt die Nutzungsrate noch relativ niedrig. Je älter die Kinder aber werden, desto regelmäßiger wird das World Wide Web von ihnen in Anspruch genommen. Bei den Acht- bis Neun-Jährigen lässt sich schon eine höhere Nutzung feststellen. 46% Prozent dieser Altersgruppe nutzen das Internet. Bei den Zehn- bis Elfjährigen sind es dann schon acht von zehn Kindern. Diese Betrachtungen beziehen sich auf die allgemeine Nutzung des Internets.[36]

In der KIM-Studie wird aber auch die Nutzungsfrequenz festgestellt. Die Untersuchung zeigt, dass rund 46 Prozent der Kinder mehrmals die Woche das Internet für sich nutzen und 42 Prozent seltener als einmal pro Woche online sind. 14 Prozent surfen sogar täglich im Internet.[37] (vgl. Abbildung 2.2)

Auch die Nutzungsfrequenz steigt mit dem Alter. Nach der „Kinderwelten Studie 2007“ durchgeführt durch die Medienforschung des Senders Super RTL in Zusammenarbeit mit der IP Deutschland GmbH nutzen 12 Prozent der acht- bis elf-jährigen Kinder täglich das Internet, während der Anteil der Zwölf- bis 14-Jährigen schon bei 35 Prozent liegt.[38]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2 Nutzungsfrequenz Internet/Online-Dienste 2006[39]

In den meisten Fällen findet der Internetkonsum zu Hause statt (68%), gefolgt von dem Surfen bei Freunden (29%). Das Internet wird von knapp einem Drittel der Sechs bis 13-Jährigen alleine genutzt. 15 Prozent surfen mit Freunden und 42 Prozent der Kinder werden bei dem Besuch im Internet von ihren Eltern begleitet. (vgl. Abbildung 2.3) Erwähnenswert ist hier, dass mit steigendem Alter eine alleinige Nutzung eher vorkommt als bei den Jüngeren. Die Hälfte der 10- bis 11-Jährigen surft vorrangig alleine im Netz, bei den 12- bis 13-Jährigen sogar fast drei Viertel.[40]

[...]


[1] vgl. Rolff/Zimmermann, 2001, 115

[2] vgl. Nieswiodek-Martin, 2006, 121

[3] vgl. MPFS, KIM Studie 2006

[4] vgl. grundlegend: Dörken-Kucharz, 2008, Groeben/Hurrelmann, 2002, Hurrelmann/Becker, 2003, Schell/Stolzenburg/Theunert, 1999, von Rein, 1996

[5] vgl. MPFS, KIM Studie 2006, 41-42

[6] Duden, 2001, 386

[7] Oxford Advanced Learner’s Dictionary, 1995, 745

[8] vgl. Drewes, 2002, 74-75

[9] vgl. BSI, Wie das Internet entstand, 10.06.2008

[10] vgl. Kübler, 2002, 147

[11] vgl. BSI, Das Internet, 10.06.2008

[12] vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, Pressemitteilung Nr. 486, 2007

[13] Nieswiodek-Martin, 2006, 114

[14] vgl. Rolff/Zimmermann, 2001, 115

[15] vgl. Nieswiodek-Martin, 2006, 116

[16] vgl. Nieswiodek-Martin, 2006, 116

[17] vgl. Arbeitskreis Neue Erziehung e.v., Chancen und Gefahren im Internet, 09.06.2008

[18] vgl. Kapitel 3.1.1

[19] vgl. Rolff/Zimmermann, 2001, 115

[20] vgl. Kapitel 3.2

[21] vgl. DJI, Websites für Kinder, 13.06.2008

[22] vgl. MPFS, Kim Studie, 08.06.2008

[23] vgl. MPFS, KIM Studie 2006, 3-4

[24] vgl. Feil/Decker/Geiger, 2004, 14

[25] vgl. Feil/Decker/Geiger, 2004, 14

[26] vgl. Feil/Decker/Geiger, 2004, 18

[27] vgl. MPFS, KIM Studie 2006, 7-8

[28] vgl. MPFS, KIM Studie 2006, 9

[29] vgl. Initiative D21 e.V., (N)Onliner Atlas 2006, 5

[30] Quelle: MPFS, KIM Studie 2006, 7

[31] vgl. MPFS, KIM Studie 2006, 17

[32] vgl. MPFS, KIM Studie 2000, 17; KIM Studie 2003, 16; KIM Studie 2006, 17

[33] vgl. Krebs, Kinderwelten Studie 2008, 3

[34] vgl. MPFS, KIM Studie 2006, 17

[35] vgl. MPFS, KIM Studie 2006, 41

[36] vgl. MPFS, KIM Studie 2006, 41

[37] vgl. MPFS, KIM Studie 2006, 42

[38] vgl. Krebs, Kinderwelten Studie 2008, 3

[39] Quelle: MPFS, KIM Studie 2006, 42

[40] vgl. MPFS, KIM Studie 2006, 42

Details

Seiten
127
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836630238
Dateigröße
3.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226828
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH) – Medien, Angewandte Medienwirtschaft
Note
1,0
Schlagworte
kindersuchmaschine internetgefahr gewalt mediennutzungsverhalten suchmaschine

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Titel: Kindersuchmaschinen als medienpädagogisches Instrument der Internetnutzung