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Leipzig - Ein erfolgreicher Logistikstandort?

Branchenspezifische Standortanforderungen und Standortbeurteilungen von Logistikunternehmen

Diplomarbeit 2008 119 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.2 Begriffliche Erläuterungen

2 Standortanalyse im Bereich der Logistikwirtschaft
2.1 Aufgaben der Logistik
2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung der Logistik
2.3 Ansätze der Standortentscheidung
2.3.1 Polarisationstheorie
2.3.2 Theorie der nationalen Wettbewerbsvorteile
2.3.3 Clusteransatz
2.3.4 Konzept der “langfristigen industriellen Wachstumspfade”
2.4 Standortentscheidungsprozess
2.4.1 Anlass für die Standortwahl
2.4.2 Typen von Standortentscheidungen
2.4.3 Räumliche Ebenen der Standortwahl
2.4.4 Phasen des Standortentscheidungsprozesses
2.5 Standortanforderungen der Logistikwirtschaft
2.6 Entwicklungsdynamiken in der Logistik

3 Methodische Vorgehensweise
3.1 Quantitative Analyse
3.1.1 Aufbau des Fragebogens
3.1.2 Durchführung der Befragung
3.2 Qualitative Analyse
3.2.1 Ablauf der Interviews
3.2.2 Vorstellung der befragten Experten

4 Standortanforderungen und Standortqualitäten
4.1 Die Standortanforderungen von Logistikunternehmen
4.2 Standortbewertung aus Sicht der Unternehmen

5 Charakterisierung des Logistikstandortes Leipzig
5.1 Standortvorteil Verkehrsinfrastruktur
5.1.1 Flughafen Leipzig/Halle
5.1.2 Das Güterverkehrszentrum
5.2 Flächenverfügbarkeit
5.3 Struktur und Entwicklung des Arbeitsmarktes im Logistikbereich
5.4 Netzwerke und Clusterwirkungen
5.4.1 Kooperationsverhalten der Unternehmen
5.4.2 Intensität der Zusammenarbeit
5.5 Einflussnahme kommunaler Akteure auf die Standortentscheidung

6 Zur Standortbindung der Unternehmen

7 Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse des Logistikstandortes Leipzig
7.1 Stärken des Standortes
7.2 Schwächen des Standortes
7.3 Entwicklungsperspektiven für die Region Leipzig
7.4 Risiken für den Logistikstandort Leipzig
7.5 EU-Osterweiterung - Chance oder Risiko

8 Ansatzpunkte und Handlungsoptionen zur Stärkung der Logistik

9 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Schematischer Aufbau der Arbeit

Abbildung 2: Fünf nationale Ballungszentren der Logistik

Abbildung 3: Logistische Aufgabenbereiche

Abbildung 4: Porters Diamant

Abbildung 5: Ablaufdiagramm bei der Standortwahl

Abbildung 6: Entwicklungsphasen der Logistik

Abbildung 7: Acht weltwirtschaftliche Megatrends moderner

Logistikentwicklungen

Abbildung 8: Branchenzugehörigkeit der Untersuchungsgruppe

Abbildung 9: Relevanz verschiedener Faktoren bei der unternehmerischen Standortwahl

Abbildung 10: Faktoren bei der unternehmerischen Standortwahl

Abbildung 11: Zufriedenheit mit den Standortfaktoren

Abbildung 12: Zufriedenheit mit den Standortfaktoren am Betriebsstandort

Abbildung 13: Logistikbanane in Europa

Abbildung 14: Entwicklung des Frachtaufkommens

Abbildung 15: Kaufpreise für Logistikgrundstücke

Abbildung 16: Zur Verfügung stehende Gewerbeflächen

Abbildung 17: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Leipzig

Abbildung 18: Qualifikationsniveau der Beschäftigten

Abbildung 19: Vorteile durch das Vorhandensein von Clustern

Abbildung 20: Kooperationspartner der befragten Unternehmen

Abbildung 21: Kooperationsformen

Abbildung 22: Intensität der Zusammenarbeit zwischen den Logistikunternehmen

Abbildung 23: Einfluss öffentlicher Verwaltung bei der Standortentscheidung aus Sicht der Unternehmen

Abbildung 24: Standortalternativen zur Region Leipzig bei der Ansiedlungsentscheidung

Abbildung 25: Planungen für die nächsten ein bis zwei Jahre

Abbildung 26: Einschätzung der zukünftigen Entwicklung Leipzigs als Logistikstandort

Abbildung 27: Empfehlung des Standortes

Abbildung 28: Risiken des Logistikstandortes Leipzig

Abbildung 29: Chancen und Risiken durch die Nähe zu den MOE-Staaten

Abbildung 30: SWOT-Analyse

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In der globalisierten Welt wächst der Warenaustausch zwischen den Ländern stetig an und aufgrund der zunehmenden Verflechtung nehmen logistische Dienstleistungen eine immer bedeutendere Rolle ein. Der Logistik werden boomende Zukunftsaussichten bescheinigt. Durch die verstärkte Berichterstattung in der lokalen und überregionalen Presse über Themen wie „Flughafen Leipzig/Halle wird zum Frachtdrehkreuz“ (Handelsblatt, 03.07.2007) oder „Mitteldeutschland etabliert sich als Logistikstandort“ (LVZ, 18.03.2008) ist die Thematik Logistik deutlich in den Fokus gerückt. Grundsätzlich war die Auseinandersetzung mit Logistik immer eine Domäne in der Betriebswirtschaft. Die Geographie hat an sich eher wenige Berührungspunkte mit dieser Thematik. Zwar werden in der Verkehrsgeographie Teilaspekte des Güterverkehrs behandelt, aber überwiegend im Bezug auf strukturelle Objekte wie Verkehrsnetze oder Verkehrsinfrastrukturen (vgl. Hesse 2007, S.14). In Verbindung mit der geographischen Standortlehre erarbeitet die vorliegende Arbeit Lösungsansätze und leistet einen Beitrag zur Thematik aus Sicht der Logistikwirtschaft.

Die Regionen und Städte stehen zunehmend im nationalen, aber auch internationalen Wettbewerb um Unternehmensansiedlungen, welche heute ein Indiz für das Potenzial und die Wirtschaftskraft eines Standortes sind. Dabei hat die wirtschaftliche Öffnung der mittel- und osteuropäischen Staaten den Kreis der Standortkonkurrenten in der EU um Metropolen in Osteuropa erweitert. Die Qualität eines Standorts entsteht in einem Zusammenspiel von sowohl „harten“ als auch „weichen“ Standortfaktoren, die es im Wettbewerb einzubringen gilt. In Deutschland haben viele Städte ähnliche Voraussetzungen, was z. B. die Verkehrsinfrastruktur oder Rechtssicherheit angeht. So versuchen Städte oder Regionen ein spezifisches, von anderen unterscheidbares Profil zu entwickeln, um sich auf dem „Markt“ der Standortsuchenden behaupten zu können. Deshalb muss man in der heutigen Zeit als Logistikstandort Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten und profilieren.

Wer Logistikunternehmen ansiedeln kann, schafft zumindest mittelfristig sichere Arbeitplätze. Mit der Ansiedlung des Logistikprimus’ DHL und anderen namenhaften Unternehmen dieser Branche versucht auch Leipzig, in diesem Wirtschaftszweig Fuß zu fassen. Die Region Leipzig befindet sich erst am Anfang einer Entwicklung zum Logistikstandort, aber die Chancen, sich zu etablieren und weiterzuentwickeln, stehen gut. Die Rolle als zentraler Logistikstandort mit wichtiger Brückenfunktion zwischen West- und Osteuropa zeichnet sich bereits jetzt ab. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen, um die Konkurrenzfähigkeit des Standorts langfristig zu sichern. Eine erfolgreiche Ansiedlungs- und Strukturpolitik sowie die hervorragende Lage haben den Weg geebnet. Welche weiteren Gründe ausschlaggebend für diese Entwicklung der letzten Jahre sind, gilt es u. a. neben Zukunftsperspektiven und -handlungsempfehlungen in dieser Arbeit herauszufinden.

1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Forschungsarbeit hat zum Ziel, die Standortwahl von Unternehmen aus dem Bereich der Warenwirtschaft und Logistik in Hinblick auf die Relevanz von Standortfaktoren bei der Standortentscheidung und deren Qualität zu analysieren. Diese Untersuchung klärt die Fragestellungen „Was zeichnet einen erfolgreichen Logistikstandort aus?“, „Was veranlasst Unternehmen, hier an den Standort Leipzig zu kommen?“ Hierbei gilt es in erster Linie die spezifischen Stärken des Standortes herauszuarbeiten. Die Eingrenzung des Begriffs Standort und somit die räumliche Eingrenzung des Untersuchungsraumes ist im vorliegenden Fall schwierig, da oft von einer Logistikregion Leipzig bzw. Leipzig/Halle gesprochen wird. Die zugrunde liegenden Untersuchungen beziehen sich zum Großteil auf Unternehmen im Stadtgebiet Leipzig und ergänzend auf die angrenzenden Orte Schkeuditz, Markkleeberg oder Markranstädt. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Identifizierung von Alleinstellungsmerkmalen. Außerdem kann die Studie eine Grundlage für weitere Untersuchungen bilden, in denen ausgewählte Aspekte und Fragestellungen dieser Branche näher untersucht werden können. Um dem Ziel der Forschung Rechnung zu tragen, ist es notwendig, für die gewählten thematischen Schwerpunkte folgende Forschungsfragen abzuleiten:

I. Welche konkreten Standortfaktoren begünstigen die Attraktivität des Logistik­standortes Leipzig?

Welche Rolle spielen „harte“ und „weiche“ Standortfaktoren?

Welche Bedeutung hat die regionale Wirtschaftsförderung und Fördermaß­nahmen bei der Standortentscheidung?

Welchen Einfluss haben Netzwerkbeziehungen und welche Struktur weisen sie auf?

II. Wie beurteilen die ansässigen Unternehmen der Logistikwirtschaft und Vertreter der öffentlichen Einrichtungen die Qualität des Standortes aus heutiger Sicht? Wo sehen sie zukünftige Chancen und Risiken des Standortes?

III. Welche quantitativen und qualitativen Arbeitsmarkteffekte gehen von der Logistikwirtschaft für den Standort aus?

Der Inhalt der Diplomarbeit gliedert sich in neun Kapitel. Im ersten Teil erfolgt die Formulierung der konkreten Aufgabenstellung und verwendete Begriffe werden für ein einheitliches Verständnis abgegrenzt und definiert. Im darauf folgenden Kapitel werden Theorien zur Standortwahl skizziert. Diese Theorien dienen als Grundlage und Richtlinien, um zu begründen, was einen Standort für Unternehmungen attraktiv macht und damit Wachstum zulässt. Ebenfalls sind die allgemeinen Entwicklungstrends und die Bedeutung sowie die Aufgaben der Logistikbranche Gegenstand dieses Kapitels. Im dritten Kapitel liegt der Fokus auf den in der Forschungsarbeit angewandten Arbeitsmethoden. Aus der regionalen Perspektive wird im Kapitel 4 herausgearbeitet, welche Voraussetzungen ein Logistikstandort aufweisen muss, um für Investoren attraktiv zu sein. In den folgenden Kapiteln verdichten sich die theoretischen Überlegungen mit den Ergebnissen der Auswertung der Unternehmensbefragung und durchgeführten Interviews, um die Zielstellung mit den eingangs formulierten Forschungsfragen zu beantworten. Darauf aufbauend wird im Kapitel 5 der Logistikstandort Leipzig mit seiner Ausstattung an Faktoren charakterisiert. Um einen Einblick in die zukünftige Entwicklung zu erlangen, wird zunächst im anschließenden Kapitel die Bindung der Unternehmen am Standort untersucht, an die sich im Kapitel 7 eine Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse (SWOT-Analyse) anschließt. Zum Abschluss werden Ansatzpunkte und mögliche Handlungsempfehlungen im Überblick dargestellt (Kapitel 8) und die wichtigsten Ergebnisse noch einmal kurz zusammengefasst (Kapitel 9). Der Abbildung 1 ist der schematische Aufbau und die Vorgehensweise zur Erreichung der gestellten Ziele zu entnehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Schematischer Aufbau der Arbeit

1.2 Begriffliche Erläuterungen

Bevor die theoretischen Grundlagen zur Standortanalyse Leipzigs aus der Sicht der Logistikbranche erläutert werden, ist zunächst die Klärung einiger relevanter Begriffe notwendig.

Logistik

Bei dem Versuch, die Frage zu beantworten, was unter „Logistik“ zu verstehen ist und damit letztlich nach der Bestimmung der Kriterien für die Marktabgrenzung zu suchen, zeigt sich sehr schnell, dass es aufgrund der Vielschichtigkeit der einzelnen logistischen Funktionen und dem stetigen Wandel in diesem Bereich keine einheitliche Definition gibt. Darüber hinaus wird der Bereich der Logistik als typische Querschnittsbranche von der amtlichen Statistik nicht als eigenständiger Sektor abgebildet (vgl. Wrobel 2004, S. 64ff.).

Der Logistikbegriff taucht zunächst im militärischen Sprachgebrauch auf, wo er für die Verwaltung, Lagerung und Steuerung des Transports der notwendigen Güter wie Waffen, Munition, Verpflegung etc. steht. Der Begriff “Logistik“ hat sich erst relativ spät in der Betriebswirtschaftslehre und im Wissenschaftsbereich etabliert. Er tauchte erstmals in den USA zu Beginn der 1960er und in Deutschland in den 1970er Jahren vereinzelt auf und wurde im weiteren Verlauf zum festen Bestandteil der Wirtschafts­sprache. Es gibt eine Vielzahl von Definitionen, die jedoch keinen einheitlichen Kontext haben. So versteht etwa Straube (2004, S. 27) „die Grundaufgabe der Logistik als die wirtschaftliche und termingerechte Produktion, Bereitstellung und Lieferung von Kunden bestellter Waren, Materialien, Produkte und Dienstleistungen.“, während für Göpfert (1999, S. 28) „die Logistik ein spezieller Führungsansatz zur Entwicklung, Gestaltung, Lenkung und Realisation effektiver und effizienter Flüsse von Objekten (Güter, Informationen, Personen) in unternehmens­weiten und -übergreifenden Wertschöpfungs­ketten ist.“ Eine weitere flussorientierte Definition stammt von der amerikanischen Logistikgesellschaft Council of Logistics Management (1998), wo Logistik als „Prozess der Planung, Realisierung und Kontrolle des effizienten, kosten­effektiven Fließens und Lagerns von Rohstoffen, Halbfabrikaten und Fertigfabrikaten und der damit zusammenhängenden Informationen vom Liefer- zum Empfangspunkt entsprechend den Anforderungen des Kunden“ verstanden wird.

Standort

Der Standortbegriff wird als relativ und abhängig von der gewählten räumlichen Maßstabsebene gewählt, die zu unterscheiden ist in lokal, regional, national, supranational und global (vgl. Bathelt/Glückler 2003, S. 47). Dies bedeutet, dass Unternehmen bei der Standortwahl immer Festlegungen auf jeder räumlichen Ebene treffen. Standorte können mit Hilfe von vorherrschenden Rahmenbedingungen oder Standortfaktoren näher beschrieben werden.

Standortfaktor

Standortfaktoren sind wirtschaftliche Vor- und Nachteile, die beim Niederlassen von Unternehmen an einem bestimmten Ort wirksam werden. Weber (1914), auf dem der Begriff zurückgeht, definiert Standortfaktor als Kostenvorteil, der für eine Wirtschaftsaktivität dann eintritt, wenn sie an einem bestimmten Ort vollzogen wird. Die räumlichen Unterschiede in der Ausprägung von Standortfaktoren führen zu einer räumlichen Differenzierung von Standortqualitäten (vgl. Krätke 1995, S. 23). Es wird zwischen „harten“ und „weichen“ Standortfaktoren unterschieden (vgl. Kap. 4). Als „harte“ Standortfaktoren werden diejenigen Einflussfaktoren genannt, die man objektiv messen kann, wie z. B. Infrastruktur, Arbeitskräftepotenzial oder Steuern. Im Unterschied zu den „harten“ Faktoren unterscheiden sich „weiche“ Faktoren dadurch, dass sie erst nach einer subjektiven Bewertung eine Bedeutung erhalten. Dies betrifft u. a. das Kulturangebot, das Image oder Unternehmerfreundlichkeit der Verwaltung (vgl. Grabow 1995, S. 15).

2 Standortanalyse im Bereich der Logistikwirtschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Deutschland gilt aufgrund seiner geographischen Lage im Herzen Europas und seiner Kompetenzen als logistischer Kern Europas. Die rasante Entwicklung der Logistikwirtschaft so­wie deren Konse­quenzen haben be­reits eine Vielzahl von Regionen, Län­dern und Kommun­en erkannt. Diese versu­chen sich im Zuge der positiven Zu­kunfts­prognosen der Bran­che als Logistik­standort zu etablie­ren. Die Hoff­nungen liegen dabei auf der erfolg­reichen Ansied­lung von Logistik­unter­nehmen, deren an­ge­­schlos­senen (Zu­­liefer-) Branchen sowie den damit verbundenen Be­schäf­tigungseffekten. Die Investoren von Logistikobjekten werden durch die veränderten Rahmenbedingungen zu neuen Überlegungen im Standortentschei­dungsprozess gezwungen. Es steht nicht mehr nur der rein rechnerisch optimale Standort als das entscheidende Kriterium im Mittelpunkt. Es können nur die Standorte Logistikansiedlungen anziehen, deren Profil den spezifischen Anforderungen der Logistikbranche gerecht wird. Unterschiedlichste logistikspezifische Standortfaktoren wie etwa die geografische Lage, die vorhandene Infrastruktur oder das Arbeitskräfte­potenzial sowie zahlreiche weitere Faktoren beeinflussen die Ansiedlungsentscheidung von Unternehmen (vgl. Faunhofer ISS 2007, S.1). Innerhalb Deutschlands gibt es gegenwärtig fünf Regionen (Abb. 2), die sich durch eine hohe Konzentration logistischer Dienstleistungen auszeichnen. Neben dem „Tor zur Welt“ im Norden Deutschland, dem „starken Absatzmarkt“ im Ruhrgebiet, dem „Zentralhub“ in der Region um Frankfurt am Main und dem „industriellen Süden“ gilt das „Tor zum Osten“ als weiteres Ballungszentrum für Logistik (vgl. ebenda 2007, S. 2). Die zuge­schriebene Rolle als „Tor zum Osten“ ist allerdings im Vergleich zu den anderen Regionen noch nicht klar positioniert. Durch die Nähe zu den osteuropäischen Staaten, deren Bedeutung als Markt für die Logistikbranche stetig zunimmt, kann Mitteldeutschland die Rolle als wichtiges Drehkreuz einnehmen.

2.1 Aufgaben der Logistik

Die Aufgabenbereiche der Logistik sind, die Materialien und Produkte als die r ichtigen Güter, am r ichtigen Ort, in r ichtiger Menge, zum r ichtigen Zeitpunkt, zu den r ichtigen Kosten und in der r ichtigen Qualität zu bringen. Diese Aufgaben werden auch mit den so genannten „sechs R" umschrieben (vgl. Ehrmann 2001, S. 25). Diese Aufgaben werden in der folgenden Abbildung 3 näher erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Logistische Aufgabenbereiche (Pfohl 2004, S.10; Ehrmann 2001, S. 28)

2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung der Logistik

Der Logistiksektor hat in den letzten Jahren infolge der weiter voranschreitenden Globalisierung und der damit verbundenen Arbeitsteilung einen enormen Aufschwung erlebt. Den Ergebnissen des Standardwerkes zum Logistikdienstleistungsmarkt „Die Top 100 der Logistik“ von Klaus und Kille zufolge wächst die Logistik jedes Jahr stärker als das Bruttoinlandsprodukt, das sind je nach Leistungsbereich 3 bis 10 %.

Der Mittelpunkt Europas und der somit strategisch hervorragende Standort für eine europaweite Distribution hat sich aufgrund der EU-Osterweiterung zugunsten Deutsch­lands verlagert. Diese Verlagerung bietet vielen Regionen die Chance, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Ostdeutschland wird als Logistikstandort infolge des hohen wirtschaftlichen Wachstums in den Ländern Osteuropas als Distributionsstandort zunehmend attraktiver. In den letzten 20 Jahren wuchs der Container­umschlag in Deutschland jährlich um ca. 10 %. Logistik ist mit rund 210 Milliarden (Mrd.) Euro Umsatz, das sind rund 7 % des Bruttosozialprodukts, der drittwichtigste Wirtschaftsbereich nach der Automobilindustrie und dem Handel. Sie steht damit noch vor der Elektronikbranche und dem Maschinenbau. In ganz Europa wurde im Jahr 2007 900 Milliarden Euro (€) Umsatz erwirtschaftet, wobei Deutschland mit gut einem Viertel den größten Anteil daran hat. Etwa 2,6 Millionen (Mio.) Beschäftigte sind in der Logistikwirtschaft tätig. Zum Vergleich sind das dreimal mehr als im Maschinenbau. Das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik rechnet auch für das laufende Jahr mit mindestens 100.000 neuen Arbeitsplätzen. Vergleichend ging die Beschäftigung im produzierenden Gewerbe seit dem Jahr 2000 um knapp 11 % zurück, im Bereich Logistik stieg sie seitdem um mehr als fünf Prozent an (vgl. Neumann/Stuchtey 2006, S. 11). Es gibt schätzungsweise 60.000 Unternehmen der Logistikwirtschaft, darunter Weltkonzerne wie die Deutsche Post (18 Mrd. € Umsatz) und Deutsche Bahn (6.5 Mrd. € Umsatz) (siehe Anhang A-3) oder überwiegend mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 10 Mio. € (vgl. Bundesvereinigung Logistik 2008, S. 5). Neben der geogra­phisch hervorragenden Lage sichern die deutschen Konsumenten, die Exportstärke der Industrie und die weltweit dichteste und mit am besten ausgebaute Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur die Standortvorteile Deutschlands ab.

Die entscheidenden Determinanten für das Marktwachstum im Bereich der Logistik sind

- die weitere Zunahme der internationalen Arbeitsteilung, welche zur Steigerung
des Transportvolumens führt,
- die Senkung von Handelsbarrieren durch den Abbau von Zollschranken,
- der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, welcher die Transportkosten senkt,
- die Auslagerung von Transport- und Logistikdienstleistungen,
- eine stärkere Konzentration auf Kernkompetenzen, wodurch die Arbeitsteilung und gleichsam der Transportbedarf steigt und
- der steigende Anteil kleiner Sendungen am Transportvolumen (vgl. Portal C. Info).

2.3 Ansätze der Standortentscheidung

Ziel der Standorttheorien ist die Erklärung der optimalen räumlichen Verteilung der Wirtschaft. Stehen die Unternehmensziele fest, kann nach diesen Bedingungen der optimale Standort gewählt werden. Klassische Standorttheorien führen Einfluss­faktoren, wie Arbeits-, Transportkosten, Agglomerationsvorteile und die Ausstattung der Räume mit Standortfaktoren für die Verteilung ökonomischer Aktivitäten an (vgl. Wagner 1994, S. 65ff.). Neuere Ansätze verwenden Überlegungen der neoklassischen Wirtschaftsgeographie und sehen Standortentscheidungen als rationale Entscheidungen ökonomischer Akteure an und gehen von Ausgleichskräften aus, die unterschiedliche Faktorausstattungen der Regionen im Laufe der Zeit beseitigen (vgl. Kulke 2006, S. 243ff.; Bathelt/Glückler 2003, S. 67ff.). Im Folgenden sollen theoretische Ansätze zur Erklärung der Standortentscheidungen von Unternehmen der Logistikwirtschaft betrachtet werden.

2.3.1 Polarisationstheorie

Polarisationsansätze beruhen auf der empirischen Beobachtung, bei denen anders als in den neoklassischen Ansätzen unvollkommene Märkte existieren, die zu Ungleich­gewichten führen. Das Raumsystem bewegt sich nicht auf ein Gleichgewicht hin, sondern ein zirkulär-kumulativer Prozess bewirkt ein weiteres Wachstum in den Wirtschaftszentren bei gleichzeitig einsetzenden Abwanderungen, die zu Schrum­pfungs­vorgängen in den peripheren Gebieten führen. Dabei gibt es verschiedene Faktoren, die diesen Prozess in Gang setzen:

- „Produktionsfaktoren werden als heterogen und zumindest teilweise immobil

angesehen. Dadurch können sie nicht vollständig substituiert werden, wodurch

ein Tendenz zum Ausgleich von Faktorpreisen behindert wird.

- Die Märkte sind nicht durch vollständige Konkurrenz, sondern durch Monopole, Oligopole und Externalitäten geprägt.

- Informationen, insbesondere solche über technische und organisatorische

Neuerungen, sind nicht automatisch überall frei verfügbar, sondern breiten sich

im Raum und durch das Wirtschaftssystem aus (Maier et al. 2006, S. 78).“

Die Arbeitskräftebewegungen von der Peripherie ins Zentrum sind jedoch nicht gleichmäßig über alle Personengruppen verteilt. Überwiegend wandern jüngere, besser ausgebildete Personen, während schlechter ausgebildete und ältere Menschen zurückbleiben. Das verstärkt die Innovationskraft im Zentrum und schwächt das Produktionspotential in der Peripherie (vgl. Kulke 2006, S. 245).

2.3.1.1 Grundzüge der Sektoralen Polarisation

Die Grundaussage der sektoralen Polarisation nach Perroux (1964) ist, dass das wirtschaftliche Wachstum nicht gleichmäßig erfolgt, sondern sektoral ungleichgewichtig ist. Das heißt, dass bestimmte Sektoren und Wirtschaftsbereiche schneller wachsen als andere. Nach Schumpeter (1911) führen grundlegende Innovationen, insbesondere technische Neuerungen und der Einsatz neuer Produktionsmethoden in einer Branche zum gehäuften Auftreten von Unternehmen. Dieser über­durchschnittlich stark wachsende Wirtschaftssektor wird als sogenannte „motorische Einheit“ bezeichnet. Vor allem Unternehmen des sekundären Sektors wie Automobilindustrie und Petrochemie werden als Träger des wirtschaftlichen Wachstums und der Entwicklung angesehen. Durch Folgeinnovationen, Nach­ahmungen und Verbesserungen in der gleichen oder in verbundenen Branchen wird die Entwicklung der gesamten Wirtschaft vorangetrieben. Besonders wichtig sind Branchen mit

- bedeutender Größe,
- starken Verflechtungen mit anderen Sektoren,
- starker Dominanz und Macht gegenüber anderen Sektoren und
- hohem Wachstum.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann die motorische Einheit Impulse generieren und auf die übrige Wirtschaft übertragen (Bathelt/ Glückler 2003, S. 70).

2.3.1.2 Grundzüge der regionalen Polarisation

Während Perroux ausschließlich in einem sektoralen Zusammenhang argumentiert, beschäftigen sich die Vertreter der regionalen Polarisation überwiegend mit den Unterschieden zwischen Regionen und diskutieren die Prozesse, welche zu regionaler Polarisation führen können. Eine regionale Polarisation entsteht, wenn eine Region zufällig einen Wachstumsimpuls oder ein Wachstumshemmnis erlebt. Der Unterschied wird von Skalenerträgen, externen Effekten und monopolistischen oder oligopolistischen Strukturen bestimmt. Myrdal stellt fest, dass Abweichungen in einer Region sowohl positive als auch negative Rückkopplungseffekte auslösen können. Zum besseren Verständnis folgt ein konkretes Beispiel: Eine Fabrik, die einen Großteil der Bevölkerung beschäftigt, wird bei einem Brand zerstört und an einem anderen Standort neu errichtet. Infolgedessen werden die Beschäftigten in der alten Fabrik arbeitslos, was zu einer Einkommensverminderung und letztendlich zu einem Nachfragerückgang führt. Gleichzeitig entfällt die Nachfrage der Fabrik nach lokalen Inputgütern und Dienstleistungen. Daraus ergibt sich wiederum eine Entlassung von Arbeitskräften und Verringerung der Inputeinheiten in den versorgenden Wirtschaftsbereichen. Die Konsequenz ist die teilweise Abwanderung der Erwerbslosen und die Einstellung bzw. Abwanderung von nicht mehr ausgelasteten Zuliefer- und Dienstleistungsbetrieben. Dies wiederum führt zu einem Rückgang der Steuereinnahmen, mit denen die Gemeinde dem Schrumpfungsprozess entgegenwirken könnte. Somit ist ein Mechanismus der zirkulären Verursachung mit kumulativen Folgen in Gang gesetzt (Schätzl 2003, S. 162). Bei diesem Prozess lassen sich zwei Effekte unterscheiden. Zum einen die Zentripetalen Entzugseffekte (backwash effects) als negative Effekte, die eine wirtschaftliche Expansion eines Zentrums in eine andere Region bedingen und zum anderen die Zentrifugalen Ausbreitungseffekte (spread effect) als positive Effekte, die zu einer wirtschaftlichen Expansion in anderen Regionen führen. Nach Myrdal sind die Entzugseffekte dauerhaft stärker als die Ausbreitungseffekte (Bathelt/Glückler 2003, S. 71).

Kernaussage der Theorie: Bei einer Abweichung vom Gleichgewicht setzt ein zirkulär verursachter kumulativ, wirkender Entwicklungsprozess ein, der zu einer Verstärkung der Ungleichgewichte, also zu einer sektoralen oder regionalen Polarisation führt.

2.3.2 Theorie der nationalen Wettbewerbsvorteile

Dieser Ansatz von Porter (1993) ist einer der modernsten Ansätze der Standorttheorie. Sein sogenanntes Diamant-Modell zielt darauf ab, standortspezifische Potentiale zu identifizieren, die sich auf nichtmobile Produktionsfaktoren (z. B. Boden, Infrastruktur, politische und sozioökonomische Rahmenbedingungen usw.) stützen. Der Diamant ist ein sich wechselseitig verstärkendes System, in dem die Wirkung eines Bestim­mungsfaktors vom Zustand der anderen abhängt (Abb. 4). Die Wettbewerbs­fähigkeit eines Standortes wird dabei von folgenden vier Eigenschaften bestimmt:

1. Faktorbedingungen (z. B. Arbeitskräftepotential, Infrastruktur)
2. Nachfragebedingungen (z. B. Kaufkraft, Marktwachstum)
3. verwandte und unterstützende Branchen (z. B. Zulieferbetriebe) und
4. Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz (Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen und Inlandswettbewerb)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Porters Diamant (eigene Darstellung nach Porter 1999, S. 151)

Im Folgenden werden diese Elemente einzeln beschrieben.

Faktorbedingungen

Jedes Land besitzt Produktionsfaktoren wie Humankapital, natürliche Ressourcen, Infrastruktur und Kapital, die zur wirtschaftlichen Betätigung einer Branche unerlässlich sind. Um sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen zu können, sollte eine Region über diese Faktoren verfügen. Dabei ist der Bestand der Faktoren weniger wichtig als vielmehr das Tempo, in dem sie geschaffen, aufgewertet und stärker auf bestimmte Branchen zugeschnitten werden (vgl. Porter 1999, S. 97ff.).

Nachfragebedingungen

Bei der Inlandsnachfrage nach Produkten und Dienstleistungen sind die Zusammensetzung oder Art der Verbraucher­bedürfnisse, ihr Umfang und ihre Wachstumsstruktur sowie die Mechanismen, mit denen die heimischen Präferenzen den Auslandsmärkten vermittelt werden, von Bedeutung. Die Qualität der Inlandsnachfrage ist bei der Bestimmung des Wettbewerbs­vorteils wesentlich entscheidender als die Quantität. Porter argu­mentiert, dass ein Land dann Wettbewerbsvorteile in einer Branche oder einem Segment erzielt, wenn die Inlandsnachfrage den einheimischen Firmen ein klareres oder früheres Bild der Käuferbedürfnisse vermittelt als den ausländischen Wett­bewerbern. Normalerweise wirkt sich der einheimische Markt stärker als ausländische Märkte auf die Fähigkeit eines Unternehmens aus, Käuferbedürfnisse zu erkennen und zu beachten (vgl. Porter 1999, S. 109ff.).

Verwandte und unterstützende Branchen

Die Existenz verwandter international wettbewerbsfähiger Branchen in einen Land führt laut Porter zu einer Reihe von Vorteilen in den nachgelagerten Branchen. Diese Zulieferbetriebe sorgen für einen frühen, schnellen und kostengünstigen Zugang zu den Produktionsmitteln. Der Zugang oder die Verfügbarkeit von Maschinen und anderen Produktionsmitteln ist jedoch nicht der wichtigste Nutzen, sondern muss durch ständige Innovations- und Aufwertungs- oder Verbesserungsprozess, welcher aus der laufenden Koordination zwischen den Wertketten der Unternehmen und ihrer Zulieferer entsteht, verbessert werden. Die Existenz verwandter Branchen im Inland führt zu ähnlichen Vorteilen: Durch Technologieaustausch und Informationsfluss werden Innovationen und Verbesserungen vorangetrieben (vgl. Porter 1999, S. 124ff.).

Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz

Durch Strategien, Strukturen und kulturelle Faktoren wird ein Umfeld geschaffen, in dem bestimmte Branchen entstehen können. Der Wettbewerb zwischen Firmen erhöht den Druck, sich zu verbessern und zu innovieren. Wenn sich die Unternehmungen zunehmend vom gegenseitigen Wettbewerb abschotten, kann das zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit führen. Anzustreben ist eine Kongruenz der Ziele von Besitzern, Managern und anderen regionalen Einheiten mit den Anforderungen der Branche (vgl. Porter 1999, S. 131ff.).

Darüber hinaus wird noch die Rolle des Staates und des Zufalls thematisiert. Der Staat kann die vier Bestimmungsfaktoren sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Seine Rolle auf den Wettbewerb ist jedoch nur von indirekter Wirkung. Zufälle sind für die Dynamik des Diamanten wichtig, weil sie Unterbrechungen hervorrufen, die Veränderungen bei der Wettbewerbsposition zulassen.

Kernaussage der Theorie:

Einen entscheidenden Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit einer Region üben die sich wechselseitig beeinflussenden Faktorbedingungen, Nachfragebedingungen, verwandte und unterstützende Branchen sowie Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz aus. Dabei spielt der Einfluss von Staat und Zufall eine gegebenenfalls unterstützende und begünstigende Rolle.

2.3.3 Clusteransatz

Wettbewerbsfähige Branchen sind oft durch räumliche Konzentration gekennzeichnet. In fast jeder Region finden sich lokal begrenzte Agglomerationen von Firmen der gleichen oder verwandten Branche. Jeder Wirtschaftsakteur verfügt über spezielle Faktoren, die ausschließlich ihm zur Verfügung stehen. Beim Clusteransatz wird die Bündelung der Kräfte und der Aufbau eines Netzwerkes, in dem jeder von den speziellen Faktoren des anderen profitieren kann, thematisiert. Der Clusterbegriff ist vor allem durch den amerikanischen Ökonomen Michael E. Porter geprägt und definiert „[…] eine an einem Ort konzentrierte Gruppe von Unternehmen und verbundenen Einrichtungen, deren Aktivitäten in einem bestimmten Feld miteinander verknüpft sind. Die Unternehmen sind durch Gemeinsamkeiten und einander ergän­zende Fähigkeiten miteinander verbunden. Geographisch kann ein Cluster das Gebiet einer Stadt oder eines Landes, aber auch ein Netz benachbarter Länder umfassen“ (Porter 1999, S. 209).

Cluster können zusammenfassend als Netzwerke von Unternehmen, Zulieferern, Hochschul- und Forschungseinrichtungen, Dienstleistungen und Institutionen wie der Handelskammer entlang einer Wertschöpfungskette definiert werden, die jedoch nicht erschaffen werden können sondern mobilisiert werden müssen.

Clustern werden eine Reihe von Vorteilen zugeschrieben: Zum einen sind die Kosten­ersparnisse durch räumliche Nähe und informellere, häufigere Abstimmungen erheblich. Zum anderen erleichtern dauerhafte, verlässliche institutionelle Rahmen­bedingungen den Zugang zu spezialisiertem technologischen Wissen, die Ausbildung von Arbeitskräften und die Bereitstellung spezialisierter Produkte und Dienstleistungen. Räumliche Nähe und regionale Institutionen begünstigen langfristigere, vertrauens­gestützte Austauschbeziehungen auch zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Drittens weisen Cluster gute Innovationsbedingungen auf, da die Unternehmen mit einer verschärften Konkurrenzsituation konfrontiert werden, was wiederum den Wettbewerbsdruck erhöht und zu Innovationen anregt (vgl. van der Linde 2005, S. 21).

Clusterdimensionen

Für den Nachweis der Existenz eines Clusters und Beschreibung seiner Strukturen ist die Betrachtung der verschiedenen Dimensionen wichtig. Dabei wird zwischen horizontalen, vertikalen, institutionellen und externen Clusterdimensionen unterschieden (vgl. (Bathelt/Glückler 2003, S. 212f.):

- Die horizontale Clusterdimension umfasst die Unternehmen, die ähnliche Produkte herstellen und miteinander konkurrieren. Sie haben keine intensiven Austauschbeziehungen zueinander, profitieren aber von der Co-Präsenz innerhalb einer Region, da sie stets über die Produktionsbedingungen und Konkurrenzprodukte informiert sind. Durch Beobachtung und Vergleich werden Lern- und Verbesserungsprozesse ausgelöst, welche zu einem Innovations­anreiz und damit zu Variationen und Vielfalt im Cluster führen.
- Die vertikale Clusterdimension hingegen weist eine Verflechtung von komplementären Unternehmen auf. Wenn ein spezialisiertes Cluster entstanden ist, besteht auch für Zulieferer, Dienstleister wie auch Abnehmer der Produkte ein Anreiz, sich in dieser Region niederzulassen, um Kompetenz­vorteile abzuschöpfen.
- Bei der institutionellen Clusterdimension kommt es durch regionale Ballungs- und Spezialisierungsprozesse zur Herausbildung eines spezifischen Normen- und Regelsystems, welches in formellen und informellen Institutionen verankert ist.
- Die externe Clusterdimension deutet darauf hin, dass zu starke Bindungen in einem Netzwerk die Gefahr der Abschottung eines Clusters nach außen bedeuten können, wodurch der regionale Wachstumsprozess eingeschränkt wird und sogar die Überlebensfähigkeit des Clusters bedroht sein kann. Deshalb ist die systematische Öffnung und Offenhaltung eines Clusters von Bedeutung, um Märkte und deren Wandel zu erfassen und neue Technologien kennen zu lernen.

Die Förderung eines Clusters bedarf immer einer Koordinationsstelle, die auch die stetige Weiterentwicklung des Clusters vorantreibt. An solch ein Logistik-Cluster­management werden eine Reihe von Anforderungen gestellt:

- Neutralität des Clustermanagements
- größtmögliche Repräsentanz der Logistikbranche in allen Bereichen
- umfassendes Logistik-Know-how
- schnelle Aufgabenumsetzung
- Kontext zwischen Wirtschaft und Wissenschaft

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Clustermanagement besteht aber in der direkten Unterstützung der Aktivitäten durch die ortsansässigen Logistikunternehmen auch in Form von finanzieller Hilfe (vgl. Abelmann 2008, S. 103).

Kernaussage der Theorie:

Durch die Kooperationen in Clustern ( engl. cluster = Bündel, Haufen) können Kosten gespart, Innovationen vorangetrieben, Kapazitäten genutzt und Kompetenzen erarbeitet werden.

2.3.4 Konzept der “langfristigen industriellen Wachstumspfade”

Während traditionelle Ansätze davon ausgehen, dass Regionen bzw. Standorte mit Produktions- und Absatzfaktoren ausgestattet sind und somit durch diese Standort­vorteile bestimmte Industriezweige anziehen, werden bei dem Erklärungsansatz von Storper/Walker (1989) Gründungsfaktoren, historische Prozesse und zufällige Ereignisse betont. So wird davon ausgegangen, dass nicht die bereits bestehenden Raumeigenschaften für die Bildung von Industrieagglomerationen verantwortlich sind, sondern die Industrieunternehmen selbst die Rahmenbedingungen an ihrem Standort gestalten, dass Voraussetzungen für einen endogenen Wachstumsprozess entstehen. Storper/Walker gehen davon aus, dass die Ansiedlung neuer Industrien in der Anfangsphase ziemlich unabhängig von in der Vergangenheit angelegten räumlichen Strukturen und Bedingungen ist und sich somit auch für rückständige Gebiete Entwicklungsmöglichkeiten ergeben. Bei der Ansiedlung kommt den Faktoren Unbestimmtheit, Zufall und Kreativität eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu (vgl. Boschma 1997, S. 12). Das Modell besagt, dass Wachstumsindustrien die Fähigkeit besitzen, das benötigte innovative regionale Umfeld selbst zu schaffen. In vier raumwirksamen Phasen lässt sich der Entwicklungsprozess beschreiben: (a) Lokalisationsphase, (b) selektive Clusterung, (c) Dispersion und (d) Verlagerungs­prozesse.

Die ersten Firmen eines neuen, schnell wachsenden Industriezweiges siedeln sich außerhalb bestehender Industrieregionen an und besitzen demnach während der Lokalisationsphase gewisse Freiheiten bezüglich der Standortwahl, die so genannten „Windows of Locational Opportunity“ . Die Wahlfreiheiten werden mit den völlig neuen Anforderungen an die speziellen Input- und Outputverflechtungen begründet, so dass noch kein Standort über einen Vorteil durch ein günstiges Umfeld verfügt (z. B. in Form von speziell qualifizierten Arbeitskräften oder spezialisierten Zulieferern und Dienst­leistern). Die Wachstumsdynamik versetzt sie in die Lage, die erforderlichen Ressourcen (z. B. Humankapital) selbst zu generieren. Die räumlichen Wahlfreiheiten existieren jedoch nicht uneingeschränkt. So bestehen Mindestanforderungen an qualifizierten und flexiblen Arbeitskräften und Zulieferern, die sich schnell anpassen können. So sind es letztlich oft Zufälligkeiten oder individuelle Entscheidungen der ersten Unternehmerpersönlichkeiten gewesen, auf die die erste Lokalisation einer Branche zurückgeht. Während der selektiven Clusterung kommt es zu einem eigendynamischen Wachstumsprozess. Die bereits existierenden Firmen wachsen, neue Firmen entstehen und tragen zur Differenzierung und systematischem Ausbau der technologischen Kapazitäten bei. Es kommt zur Ausbildung von dauerhaften Agglomerationsvorteilen, die eine Anziehungskraft auf das Humankapital ausüben, welches in dem Bereich arbeiten will, und es stellt sich eine positive Auswirkung auf die Gründung und Ansiedlung in vor- und nachgelagerten Bereichen ein. Durch die erzielten Produktivitätssteigerungen der Großunternehmen können immer größere Marktgebiete günstiger versorgt werden. Ab einer kritischen Schwelle erreichen diese von den Unternehmen geschaffenen Agglomerationsvorteile eine solche Bedeutung, dass es zu einer erheblichen Einschränkung der räumlichen Wahlfreiheit kommt. Die Fenster der freien Standortwahl schließen sich. Jedoch nicht alle Regionen, in denen sich während der Lokalisationsphase erste Betriebe angesiedelt haben, entwickeln später bedeutende Standortkonzentrationen. Die von Storper/Walker (1989) beschriebenen Dispersionsprozesse im weiteren Verlauf des Entwicklungspfades einer Branche werden zunächst als Erschließungs­maßnahmen von Wachstums­peripherien interpretiert. Eine Schwächung der Kerne geht davon nicht aus, da in den Schwerpunktregionen die zentralen Unternehmens­funktionen (z. B. Hauptsitz, Forschung und Entwicklung) erhalten bleiben. Neben der Markterweiterung geht es hauptsächlich darum, Wettbewerber zu verdrängen oder ihnen den Marktzugang zu erschweren. Zudem werden in der Regel zunächst die standardisierten Teile der Produktion und des Vertriebs zum Vordringen in neue Märkte oder aus Kostengründen verlagert. Eine solche Verschiebung der Standort­schwerpunkte kann im Zuge von Verlagerungsprozessen stattfinden. Schließlich kommt es zu einer radikalen Verlagerung der Produktionsstandorte, welche in erster Linie durch grundlegende Veränderungen im Produkt, eine Reorganisation der Industrie oder eine Umstellung in den Produktionsmethoden zu begründen sind. Diese erneute Wachstumsphase führt dazu, dass sich die Wahlfreiheit bei der Standortwahl wieder erhöht und sich das „Window of locational opportunity“ wieder öffnet (vgl. Schätzl 2003, S. 230f.; Mossig 2000, S. 39ff.).

Kernaussage der Theorie: Hauptgedanke des Ansatzes ist eine aktive Position der Industrie. Unternehmen gestalten ihre eigene Standortumgebung und nutzen „windows of locational opportunity“ zur Verlagerung von Standorten. Die Industrie ist fähig, ihre Umwelt zu generieren und ihren spezifischen Bedürfnissen anzupassen.

2.4 Standortentscheidungsprozess

Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung und unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellt sich fast jedes Unternehmen die Frage: Warum produzieren wir an diesem Standort und nicht an einem anderen? Standort­entscheidungen sind strategische Entscheidungen, die sich auf Wachstums- oder Rationalisierungsmaßnahmen zurückführen lassen. Standortentscheidungen zeichnen sich durch hohe Komplexität, Unsicherheit und Tragweite aus, da ein einmal eingenommener Standort nur unter hohen Kosten verändert werden kann. Einmal errichtete Gebäude oder angelernte Arbeitskräfte sowie der aufgebaute Kundenstock sind praktisch immobil. Die Standortentscheidung ist daher von langfristiger Auswirkung, bei der in der Regel von einer 10 bis 15 jährigen Lebensdauer des Betriebes am Standort ausgegangen wird. Die Entscheidung für Produktions- und Lagerstandorte beeinflusst die Unternehmenspolitik und bildet die strukturellen Rahmenbedingungen für das Entstehen eines Logistiksystems. Dieser lange Planungshorizont birgt jedoch auch Unsicherheiten, da sich Preise für Inputs und Outputs, Marktchancen, technische Entwicklungen etc. längerfristig schwer abschätzen lassen. Schließlich zeichnen sich Standortentscheidungen aufgrund der Vielzahl zu berücksichtigender Faktoren durch eine hohe Komplexität aus. Standort­entscheidungen werden aufgrund ihres konstitutiven Charakters auf der Grundlage umfassender Recherchen und Standortanalysen getroffen (vgl. Maier/Tödtling 2001, S. 25). Ein falsch gewählter Standort kann die Überlebenschancen eines neu gegründeten Betriebs erheblich beeinträchtigen. Wenn die Entscheidung getroffen ist, an einen Standort zu investieren, und die Unternehmensziele feststehen, können Standort­suchräume eingegrenzt und Standortalternativen bewertet werden. Dazu sind die Voraussetzungen (Standortfaktoren) auf verschiedenen räumlichen Ebenen zu vergleichen: Welches Land ist am besten geeignet für die Neuansiedlung, welche Region und schließlich welche Gemeinde und wo dort genau? Die Standort­entscheidungen haben folglich einen prozessorientierten Charakter, bei dem eine schrittweise Reduktion potentieller Standortalternativen erfolgt.

2.4.1 Anlass für die Standortwahl

Verschiedene Anlässe können diesen Prozess auslösen. Insbesondere nach Phasen des externen Wachstums sind Maßnahmen aufgrund der ungeplanten Wachstums­veränderung wie Schrumpfung oder Verlagerung notwendig. Aber auch nach einer Phase starken internen Wachstums stehen der Ausbau und die Erweiterung der Standortstruktur im Vordergrund. Folgende Motive können nach Salmen (2001, S. 35f.) einer Standortentscheidung vorausgehen:

- Das Marktmotiv zur Erschließung weiterer Märkte spielt vor allem bei internationalen Ansiedlungen oder Neugründungen eine Rolle,
- das Innovationsmotiv primär bei stark technologisch orientierten Branchen,
- das Kapazitätsmotiv als Ausdruck, an einem Standort zusätzliche Kapazitäten zu schaffen,
- das Kostendruckmotiv als eine der Hauptursachen von Verlagerungen an kostengünstigere Standorte,
- das Auslagerungsmotiv als eine typische Ursache für intraregionale Standort­verlagerungen.

Die Gründe des Kapazitätsmotivs bei bestehenden Unternehmen lassen sich in den meisten Fällen in drei Gruppen gliedern:

- Kapazitätsbedarf,
- Kapazitätsüberschüsse (Auslastungsdefizite) und
- Standortunzulänglichkeiten, die auch komparative Standortnachteile sein können.

Das wohl häufigste Motiv ist die absehbare oder bereits eingetretene Erweiterung des Absatzes.

2.4.2 Typen von Standortentscheidungen

Standortentscheidungen lassen sich generell nach verschiedenen Typen bzw. Kategorien differenzieren. Unter der Neugründung versteht man Formen von Existenzgründungen oder sogenannte „unechte“ Gründungen, wie z. B. Spin-Offs (Ausgliederung und Verselbständigung einer Abteilung oder eines Unternehmensteils aus einem Konzern). Eine andere Kategorie bezeichnet die Schrumpfung des Unternehmens, was die Schließung von Betrieben oder Zweigstellen, die Schrum­pfungen am Standort und die Ausgliederungen und/oder Verkäufe von Betrieben beinhaltet. Die Kategorie Veränderungen innerhalb des Bestandes eines Unternehmens umfasst Verlagerungen (ganz oder teilweise) und Ausweitungen oder Schrumpfungen eine Betriebsstandortes auf Kosten anderer Standorte. Eine letzte Kategorie ist die Erweiterung eines Unternehmens in Form von Neuerrichtungen bzw. Übernahmen von Betrieben oder Zweigstellen sowie die reine Erweiterung eines Betriebsstandortes (vgl. Grabow et al. 1995, S.153ff.).

2.4.3 Räumliche Ebenen der Standortwahl

Die Auswahl des Standortes erfolgt meist durch ein hierarchisches Vorgehen. Nach dem Feststehen der Unternehmensziele werden die Standortfaktoren auf verschie­denen räumlichen Ebenen verglichen. Standorte werden auf internationaler Ebene (Länder, Freihandelszonen und Kontinente), auf nationaler Ebene und auf regionaler Ebene , den sogenannten Mikrostandorten gesucht (vgl. Vahrenkamp/Mattfeld 2007, S. 141). Zuerst werden die allgemeinen Rahmen­bedingungen verglichen, welche zu einem Ausschluss jener Raumeinheiten führen, die nicht den Mindestanforderungen (u. a. Basisinfrastruktur, politische und wirtschaftliche Stabilität, Inflation) gerecht werden. Anschließend werden alle Standortfaktoren innerhalb der verbliebenen ausgewählten Länder verglichen.

2.4.4 Phasen des Standortentscheidungsprozesses

Prinzipiell lassen sich im Standortentscheidungsprozess zwei Kategorien von Standortfaktoren unterscheiden. Limitationale Faktoren (die sog. Muss-Kriterien) beschreiben jene Standortanforderungen, die ein Standort auf jeden Fall erfüllen muss und dienen der Vorauswahl potentieller Makro- und Mikrostandorte. Substitutionale Faktoren, auch Soll-Kriterien genannt, sind hingegen dadurch gekennzeichnet, dass ungünstige Ausprägungen eines Standortfaktors durch günstige Ausprägung anderer Faktoren kompensiert werden können. Sie dienen hauptsächlich der relativen Bewertung der in die engere Wahl genommenen Standorte (vgl. Lüder/Küpper 1982, S. 48ff.).

Zur Reduzierung der Komplexität werden im Standortentscheidungsprozess verschiedene Strukturierungs- und Suchprinzipien angewandt. Sie sollen idealerweise eine zielgerichtete, umfassende und systematische Entscheidungsvorbereitung ermöglichen. Eine wesentliche Reduktion der Komplexität wird durch Beschränkung von Einzelstandortentscheidungen auf funktionale Teilstrukturen erreicht. Ein anderes Strukturierungs- und Suchprinzip ist die Differenzierung nach verschiedenen Kriterien, wie z. B. die Lohnintensität, um die Homogenität der Standortanforderungen zu erhöhen und Interdependenzen abzubauen. In anderen Fällen existieren bereits strategische Grundsatzentscheidungen für bestimmte Standortentscheidungstypen. So führen regionale Präferenzen wie die Suche in der Nähe vorhandener Betriebsstätten, die Nähe zu Beschaffungs- und Absatzmärkten etc. schon zu einer Eingrenzung des Standortsuchraums. Aufgrund der aufgeführten Strukturierungs- und Suchprinzipien kommt es zu einer deutlichen Reduktion der potentiellen Standorte (vgl. Lüder/Küpper 1982, S. 45ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Ablaufdiagramm bei der Standortwahl (eigene Darstellung nach Lüder/Küpper 1982, S. 53)

Wie der Abbildung 5 zu entnehmen ist, erfolgt die Standortwahl der Unternehmen auf der Grundlage eines mehrstufigen Verfahrens. In der Makrostandortauswahl wird anhand der Muss-Kriterien, der Anwendung von Kriterienkatalogen in Form von Checklisten mit Muss- und Sollkriterien oder durch Bewertungsverfahren wie Nutzwertanalysen eine Vorauswahl potentieller Standorte im Suchraum getroffen. Bei dieser Grobauswahl spielen oft nur wenige Kriterien, wie politische Stabilität eines Landes, das Investitionsrisiko, das Marktwachstum, aufzubringende finanzielle und personelle Ressourcen sowie kulturelle Affinitäten eine Rolle. Die nach der Vorauswahlphase verbleibenden Standorte werden einer tiefer gehenden Analyse unterworfen. In dieser Phase des Entscheidungsprozesses werden die verschiedenen Ausprägungen der substitutionalen Standortfaktoren mit den potentiellen Standorten verglichen und gegenübergestellt. Am Ende dieser Phase werden nur noch wenige Standorte in die engere Wahl aufgenommen. Mithilfe von Nutzwertanalysen und Wirtschaftlichkeitsrechnungen erfolgt die endgültige Standortentscheiddung (vgl. Lüder /Küpper 1982, S. 52ff.). In der Praxis wird die Standortwahl jedoch nur selten so systematisch und standardisiert wie hier dargestellt durchgeführt. Zwar gibt es zumeist einen mehrstufigen Prozess, aber die Phasen unterscheiden sich je nach Art des Unternehmens sehr stark voneinander (vgl. Pausenberger 1994, S. 56).

2.5 Standortanforderungen der Logistikwirtschaft

Generell ist die Logistikbranche bezüglich ihrer Standortwahl durch eindeutige Zentralisierungstendenzen gekennzeichnet. Logistikdienstleister bevorzugen die unmittelbare Nähe zu Absatz- und Produktionsmärkten, was dazu führt, dass sich die meisten Logistikbetriebe in größeren Ballungsregionen befinden. Dahingegen gehen aktuelle Studien davon aus, dass Logistikbetriebe nicht zwangsläufig an urbane Verdichtungsräume gebunden sind, sondern tendenziell auch neuen Kunden bzw. Produktionsstandorten folgen. Neu ausgewiesene Logistikstandorte befinden sich zunehmend in städtischen Randlagen oder im ländlichen Raum (vgl. Kap. 5.2). Hier sind ausreichend Flächenpotenziale, exzellente Straßenverkehrsanbindung, Kunden­nähe und ein weitgehend restriktionsfreies Umfeld mit Planungssicherheit und vergleichsweise niedrigen Bodenpreisen sowie keinerlei Auflagen zum 24-Stunden-Betrieb vorhanden. Die rasanten Entwicklungen mit den einhergehenden neuen Abläufen und komplexen technischen Systemen der Logistik üben einen großen Druck auf die Städte und Regionen aus, welche den gestiegenen Anforderungen im Standortwettbewerb der Unternehmen gerecht werden wollen. Dies gilt vor allem für

- die reibungslose Organisation und Bereitstellung von Materialfluss und Verkehr,
- die Verfügbarkeit von Flächen bzw. Standorten und Infrastruktur für logistische Dienste und
- die Schaffung eines wettbewerbsfähigen Unternehmensumfelds (vgl. Hesse 2002, S. 236).

Die Standortstrukturen der logistischen Produktion sind durch eine wachsende Flächenausdehnung entlang der logistischen Ketten geprägt. Die Nutzer intermodaler Dienste sind in ihrem Standortverhalten oft festgelegt, denn sie sind in der Regel auf die Nähe zu einem Hafen, Terminal oder Flughafen angewiesen.

[...]


Details

Seiten
119
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836630214
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226826
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Betriebswirtschaft, Goegraphie
Note
2,0
Schlagworte
logistik standortwahl flughafen leipzig standortfaktor

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Titel: Leipzig - Ein erfolgreicher Logistikstandort?