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Untersuchung von Kredit- und Liquiditätskomponenten in den Preisen von Corporate Bonds und Credit Default Swaps

Diplomarbeit 2008 66 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einführung

2. Grundlagen und Definitionen
2.1 Kreditrisiko
2.1.1 Definition
2.1.2 Kreditrisikobegriffe
2.1.3 Credit Spread
2.2 Liquiditätsrisiko
2.2.1 Liquidität
2.2.2 Liquidierungskosten
2.2.3 Liquiditätsrisiko und Liquiditätsprämie
2.3 Corporate Bonds
2.3.1 Definition, Begriffe und Funktionsweise
2.3.2 Bond-Markt
2.4 Credit Default Swaps
2.4.1 Definition und Funktionsweise
2.4.2 CDS-Markt

3. Kredit- und Liquiditätsrisiken innerhalb des Yield Spread
3.1 CDS-Prämie als Default Komponente
3.2 Das KMV-Modell
3.2.1 Modellbeschreibung
3.2.2 Modellkritik
3.3 Das Kreditrisikomodell von Longstaff, Mithal und Neis
3.3.1 Bewertung von Corporate Bonds
3.3.2 Bewertung von Credit Default Swaps
3.3.3 Anwendung des Modells
3.3.4 Default Komponente
3.3.5 Non-Default Komponente
3.3.6 Modellergebnisse und -kritik
3.4 Das Modell von Bühler und Trapp
3.4.1 Modellbeschreibung
3.4.2 Komparative Statistik
3.4.3 Differenz zwischen Yield Spreads und CDS-Prämien
3.4.4 Anwendung des Modells
3.4.5 Default- und Non-Default Komponente
3.4.6 Modellergebnisse und -kritik

4. Zusammenhang zwischen dem Bond- und CDS-Markt
4.1 Langfristiger Zusammenhang
4.2 Kurzfristiger Zusammenhang und Preisführerschaft
4.2.1 Granger-Kausalität
4.2.2 Vector Error Correction Model
4.2.3 Gonzalo-Granger- und Hasbrouck-Modell
4.2.4 Gründe für die Preisführerschaft

5. Wechselbeziehungen zwischen Kredit- und Liquiditätskomponenten bei den Credit Default Swaps
5.1 Anzeichen aus den CDS Daten
5.2 Die Annahmen und Modellierung der Dynamik
5.3 Die Schätzung und Anwendung des Modells
5.3.1 Modellgenauigkeit
5.3.2 Dynamik der Defaultintensität
5.3.3 Dynamik bei Einbeziehung der Liquidität
5.4 Modellkritik

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Corporate Bonds und vor allem Credit Default Swaps (CDS) haben in vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Anleihen sind für große Unternehmen oft eine der wichtigsten Alternativen zu Bankdarlehen. Aber auch für Investoren, sowohl private als auch institutionelle, stellen sie eine wichtige Anlageform dar. Und die CDS sind eine der wichtigsten Möglichkeiten Kreditrisiken zu transferieren um beispielsweise regulatorisches Eigenkapital freizusetzen oder die Ertrags-/Risiko-Situation eines Portfolios zu steuern.

Die Vergütung und spätere Rückzahlung der Investitionen sind jedoch keineswegs sicher. Vielmehr sind Corporate Bonds verschiedenen Risiken ausgesetzt, deren Höhe die Investitionsentscheidung der Anleger maßgeblich beeinflusst. Credit Default Swaps dienen dabei in erster Linie als ein Absicherungsinstrument für die enthaltenen Kreditrisiken. Im Laufe dieser Arbeit wird entgegen einigen Meinungen in der Literatur jedoch deutlich, dass nicht nur in den Preisen von Corporate Bonds sondern auch in den auf speziellen Märkten gehandelten CDS sowohl Kreditrisiken als auch zusätzliche Liquiditätsrisiken enthalten sind.

Ziel dieser Arbeit ist es, das jeweilige Gesamtrisiko beider Papiere aufzuspalten und die Zusammensetzung aufzuzeigen. Des Weiteren bezweckt diese Arbeit die Zusammenhänge und Wechselbeziehungen einzelner Risikokomponenten zu untersuchen und ihr Verhalten zu begründen. Die genaue Bestimmung der einzelnen Risikoanteile geschieht mit Hilfe verschiedener Kreditrisikomodelle, die zum Teil aufeinander aufbauen. Während der Bestimmung der Komponenten wird zunehmend deutlich, dass ihre Entwicklung von einer Vielzahl von Determinanten abhängig ist und auf beiden Märkten höchst unterschiedlich oder sogar entgegengesetzt sein kann. Papiere innerhalb verschiedener Rating-, Sektor- oder Liquiditätsklassen zeigen unterschiedlich stark ausgeprägte Reaktionen auf Änderungen und Schocks.

Besonders deutlich hervorzuheben ist, dass in Zeiten hoher Kreditrisiken Bond-Märkte eine abnehmende Liquidität aufweisen. Dagegen steigt zur gleichen Zeit die Liquidität auf den CDS-Märkten. Eine weitere Besonderheit, die während der Untersuchung der Zusammenhänge zwischen den einzelnen Risikokomponenten auffällig wird, ist die Tatsache, dass CDS niedriger Liquidität i.d.R. auch niedrigere Kreditrisiken aufweisen, wohingegen der Zusammenhang bei Bonds sich als genau entgegengesetzt darstellt.

Die oben erwähnten sowie weiteren Erkenntnisse werden in dieser Arbeit, die wie folgt aufgebaut ist, untersucht. Die meisten grundlegenden Begriffe und Definitionen werden im zweiten Kapitel erläutert. Wo es jedoch zweckmäßig erscheint, erfolgt die Erläuterung an einer entsprechenden Stelle im späteren Verlauf. Kapitel drei beschäftigt sich hauptsächlich mit der Zerlegung der Risiken in ihre Bestandteile. Im vierten Kapitel werden die Zusammenhänge, wie z.B. die Preisführerschaft, auf beiden relevanten Märkten untersucht. Im Kapitel fünf wird speziell auf Wechselbeziehungen zwischen Kredit- und Liquiditätsrisiken bei Credit Default Swaps eingegangen. Kapitel sechs schließt diese arbeit mit einem Fazit ab.

2. Grundlagen und Definitionen

2.1 Kreditrisiko

2.1.1 Definition

Ein Kredit ist eine befristete Überlassung von Kapital. Der Kreditgeber überlässt sein Kapital dem Kreditnehmer auf bestimmte Zeit. Neben der Rückzahlung des bereitgestellten Kapitals, muss der Kreditnehmer dem Kreditgeber die zeitweilige Überlassung vergüten bzw. verzinsen.[1] Die vereinbarte Rückzahlung sowie die Vergütung sind jedoch keineswegs sicher. Der Kreditgeber geht das Risiko ein, dass er die Zahlungen nur teilweise, verspätet oder überhaupt nicht zurück erhält. Um dieses Risiko möglichst gering zu halten erfolgt i.d.R. eine Kreditwürdigkeitsprüfung des Kreditnehmers.[2]

Die beschriebenen Beziehungen lassen sich auf den Bond-Markt übertragen. Der Kreditnehmer ist der Emittent einer Anleihe und der Kreditgeber ist der Käufer der emittierten Anleihe. Die Vergütung bzw. die Verzinsung des überlassenen Kapitals stellt die Couponzahlung dar. Genau wie bei einem Kredit hat der Käufer Anspruch auf Rückzahlung des überlassenen Kapitals zuzüglich einer Zinszahlung. Und ebenfalls wie bei einem Kredit ist der Käufer daran interessiert das Risiko, welches er mit dem Kauf der Anleihe eingeht, vorher zu erfahren. Zu diesem Zweck werden Emittenten von externen Ratingagenturen bewertet. Die auf eine Bewertungsgröße verdichtete Ausfallwahrscheinlichkeit stellt dem potentiellen Käufer Informationen über den Emittenten zur Verfügung. In die Bewertung der Emittenten, die sich beispielsweise bei Moody’s Investors Services von AAA (äußerst starke Zinszahlungs- und Tilgungskraft) bis C (Zahlungsunfähigkeit) erstrecken, fließen Kriterien wie Länder-, Branchen-, Geschäfts- und finanzielle Risiken ein.[3]

Auf die Begriffe, die für die Erfassung und Berechnung von Kreditrisiken von Bedeutung sind, wird im nachfolgenden Abschnitt eingegangen.

2.1.2 Kreditrisikobegriffe

2.1.2.1 Default und Probability of Default

Ein möglicher Ausfall einer Zahlung wird als Ausfallereignis oder auch als Default (D) bezeichnet. Das potentielle Eintreten des Ausfalls liegt in der Zukunft und ist somit unsicher. Um dieses Problem der Unsicherheit zu lösen erhält das Ausfallereignis eine Ausfallwahrscheinlichkeit, die auch als Probability of Default (PD) bezeichnet wird. Damit wird es möglich das Risiko eines Ausfalls in einem vorgegebenen Zeitraum zu beziffern. Die Ausfallwahrscheinlichkeiten von Zahlungen werden i.d.R. geschätzt. Die Schätzung kann sowohl intern als auch extern erfolgen. Bei internen Schätzungen werden die Ausfallwahrscheinlichkeiten vom Kreditgeber mit Kreditrisikomodellen geschätzt. Bei externen Schätzungen liefern Ratingagenturen die entsprechenden Informationen.[4] Alternativ dazu lässt sich die Ausfallwahrscheinlichkeit auch aus Marktdaten schätzen.

2.1.2.2 Exposure at Default

Mit Exposure at Default (EAD) wird die Höhe der Forderungen zum Zeitpunkt des Ausfalls bezeichnet. EAD beinhaltet sowohl die zum Zeitpunkt des Ausfalls bereits ausstehenden Verbindlichkeiten als auch den zugesagten Kreditrahmen. Der zugesagte, aber noch nicht genutzte Kreditrahmen wird auch als ungezogener Teil der Kreditlinie bezeichnet und wird bei der Berücksichtigung im EAD teilweise durch eine Multiplikation mit einem sog. Konversionsfaktor berücksichtigt. Die Größe des Konversionsfaktors liegt zwischen 0 und 1 und sagt aus inwieweit der Kreditnehmer die Kreditlinie wahrscheinlich nutzen wird.[5] Folgende Formel verdeutlicht diesen Zusammenhang:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.2.3 Loss Given Default und Recovery Rate

Loss Given Default (LGD) ist die erwartete Verlustquote bei einem Ausfall. Sie wird in fünf Schritten berechnet. Zunächst wird wie oben beschrieben der EAD berechnet. Im nächsten Schritt wird der Betrag bestimmt, der aus dem Verkauf von Sicherheiten erzielt werden kann. Dritter Schritt ist die Berechnung des Netto-EAD, also die Differenz zwischen EAD und dem erwarteten Erlös aus dem Verkauf von Sicherheiten. Schritt vier ist die Subtraktion der erwarteten Verwertungserlöse aus ungedeckten Positionen vom Netto-EAD. Schließlich wird das Ergebnis aus Schritt vier, der erwartete Netto-Verlust, durch EAD dividiert. Ergebnis dieser fünf Schritte ist die LGD.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusätzlich zur LGD ist in der Literatur eine weitere Kennzahl, die sog. Recovery Rate, gebräuchlich. Sie gibt die Verwertungsrate eines ausgefallenen Kredites an und berechnet sich nach folgender Formel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.3 Credit Spread

Auf Grund der Gefahr das überlassene Kapital nicht oder nur teilweise zurück zu erhalten, also auf Grund des Vorhandenseins eines Kreditrisikos, beinhaltet der vereinbarte Zinssatz eine Risikoprämie. Eine Risikoprämie bzw. ein Credit Spread ist als ein Zuschlag zu einem risikolosen Zinssatz zu verstehen und soll die Vertragspartner am Risiko beteiligen.[8]

Eine genauere Betrachtung des Credit Spread erfolgt im späteren Verlauf dieser Arbeit.

2.2 Liquiditätsrisiko

2.2.1 Liquidität

Um den Begriff des Liquiditätsrisikos zu definieren muss zuerst der Liquiditäts-begriff geklärt werden. Bei der Definition von Liquidität sind grundsätzlich zwei Formen zu unterscheiden. Zum einen ist es die Liquidität einer Unternehmung, zum anderen ist es die Liquidität auf Märkten. Die Unternehmensliquidität, welche anhand diverser Kennzahlen gemessen werden kann, hat die Zahlungsfähigkeit der Unternehmung im Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Sie gibt im Wesentlichen an, inwieweit gegebenen kurz- oder langfristigen Zahlungsverpflichtungen Folge geleistet werden kann.[9] Bei der Marktliquidität handelt es sich dagegen um die Angabe, inwieweit ein Vermögensgegenstand gehandelt werden kann, also ob dafür ein entsprechender Markt vorhanden ist. Zwischen den beiden unterschiedlichen Begriffen der Liquidität besteht jedoch ein enger Zusammenhang. So ist für eine Unternehmung, die auf Grund ungenügender Bargeldreserven gezwungen ist ihre Aktiva zu veräußern, die Marktliquidität des Vermögens von entscheidender Bedeutung.[10] Bei Bonds und Credit Default Swaps spielt dennoch die Marktliquidität eine entscheidende Rolle, weshalb im Weiteren ausschließlich darauf eingegangen wird.

Marktliquidität ist eine Maßeinheit für die Fähigkeit Wertpapiere am Markt in Bargeld zu transformieren. Sie beschreibt die Liquidität in drei Dimensionen: Volumen, Preis und Zeit. Diese Dimensionen geben die zu liquidierende Größe, die dabei entstehenden Kosten und den Zeitbedarf an. Demnach ist eine Position, die beliebig groß ist, praktisch ohne Kosten und zu jedem Zeitpunkt gegen Bargeld getauscht werden kann, höchst liquide.

Zu unterscheiden sind bei Liquidationen zwei Varianten. Zum einen lassen sich Positionen nicht-strategisch, d.h. zu einem einzigen Zeitpunkt, liquidieren. Zum anderen ist eine strategische Liquidation, d.h. eine Liquidation in mehreren Einzeltransaktionen zu verschiedenen Zeitpunkten, denkbar.[11] Für die Verdeutlichung des Liquiditätsrisikos ist es ausreichend nachfolgend nur die nicht-strategische Liquidation zu betrachten.

2.2.2 Liquidierungskosten

Die Liquidierung einer Position in der Zukunft ist mit Unsicherheit behaftet. Diese Unsicherheit besteht bei einer nicht-strategischer Liquidation auf Grund unsicherer Liquidierungskosten. Die Liquidierungskosten berechnen sich aus der Differenz vom Liquidationspreis und dem fairen Marktwert, also aus der Differenz zwischen dem Verkaufserlös und dem nicht beobachtbaren Fundamentalwert einer Position.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es sind demzufolge zwei Größen unsicher, nämlich die Höhe des Liquidationspreises, sowie der faire Marktwert zum Zeitpunkt der Liquidation. Als fairer Marktwert kann der Mittelpreis zwischen den Bid- und Ask-Preisen angenommen werden. Fair ist dieser Preis, weil damit die Kosten der Liquidation zu gleichen Teilen auf den Käufer und Verkäufer verteilt werden. Die zweite unsichere Größe, nämlich der Liquidationspreis, wird durch die Preis-Volumen-Funktion der Nachfrage und des Angebots bestimmt. Die Funktion hat dabei anfangs einen linearen Verlauf und steigt beim wachsenden Volumen schneller an.[12] Dieser Verlauf wird durch ein im Vergleich zur Nachfrage immer größer werdendes Angebot und somit entstehende Marktenge erklärt. Der Punkt bis zu dem die Funktion linear ansteigt wird als Markttiefe bezeichnet und ist die Volumengrenze bis zu der sich Transaktionen zu dem besten Mittelpreis realisieren lassen. Eine die Markttiefe übersteigende Menge befindet sich im nicht linearen Abschnitt der Preis-Volumen-Funktion und hat ansteigende Liquidierungskosten zur Folge.[13]

2.2.3 Liquiditätsrisiko und Liquiditätsprämie

Wie in der Gleichung (4) angedeutet entsteht das Liquiditätsrisiko einer Position auf Grund der Unsicherheiten über die Liquidierungskosten im Zeitpunkt der Li-quidation. Dabei ist besonders zu betonen, dass nicht die Schwankungen des Marktwertes das Liquiditätsrisiko ergeben, sondern es die Unsicherheiten bezüglich des Liquidationspreises relativ zum Marktwert sind, die aus dem unsicheren Angebot bzw. Nachfrage resultieren.[14] Das Risiko, dem der Kreditgeber zusätzlich zu einer perfekt liquiden Anlage (Referenzanlage) ausgesetzt ist, wird in Form einer Liquiditätsprämie vergütet. Die Vergütung erfolgt i.d.R. durch einen Zuschlag zum risikolosen Zinssatz. Die genauere Betrachtung von Liquiditätsprämie erfolgt im späteren Verlauf dieser Arbeit.

2.3 Corporate Bonds

2.3.1 Definition, Begriffe und Funktionsweise

Ein Bond bzw. eine Anleihe ist ein kreditrisikotragendes Instrument, welches in zahlreichen Ausgestaltungsvarianten existiert. Grundsätzlich dienen Bonds der Refinanzierung großer Firmen sowie von Staaten. Staatsanleihen werden auch als Treasury Bonds und Firmenanleihen als Corporate Bonds bezeichnet. Im Gegensatz zu Teilhaberpapieren, wie Aktien, stellen Bonds kein wirtschaftliches Miteigentum dar, sondern sind eher dem Fremdkapital gleichzusetzen.[15]

Die Funktionsweise von Bonds und Krediten ist ähnlich. Der Emittent begibt einen Bond, der über einen bestimmten festen Betrag sowie eine definierte Laufzeit (Maturity) ausgeschrieben ist. Am Anfang der Laufzeit erhält der Emittent vom Investor den Nominalbetrag (Face Value) des Bonds und verpflichtet sich im Gegenzug das Kapital zuzüglich einer Vergütung bei Fälligkeit zurück zu zahlen. Die Höhe und der Zeitpunkt der Vergütung beinhaltet der sog. Coupon. Die Höhe der Vergütung für die Überlassung des Kapitals wird in Prozent angegeben und bezieht sich auf den Nominalbetrag des Bonds. Die Spezifikation des Zinssatzes kann auf zwei verschiedene Weisen erfolgen. Entweder basiert der Coupon auf einem festen Nominalzins, sog. Fix-Coupon, oder er orientiert sich an einem Referenzzinssatz, sog. Floating-Coupon. Bei einem Floating-Coupon wird zuzüglich zum Zinssatz ein sog. Spread bzw. Margin hinzuaddiert. Die Summe daraus ergibt die Gesamtverzinsung des Kapitals. Die Zeitpunkte und die Häufigkeit der Coupon-Zahlungen werden individuell vertraglich festgelegt und erfolgen i.d.R. zwei Mal pro Jahr.[16] Eine Ausnahme davon stellt der sog. Zero Bond bzw. die Null-Coupon-Anleihe dar. Bei einem Zero Bond gibt es anstatt laufender Zinszahlungen einen geringeren Ausgabepreis oder eine höhere Rückzahlung.[17]

Nach dem Kauf der Anleihe übernimmt der Investor das volle Kreditrisiko. Bei einem möglichen Ausfall des Bonds erhält ein Investor lediglich einen Anteil aus der Konkursmasse des insolventen Emittenten.[18] Das Ausfallrisiko eines Treasury Bonds ist i.d.R. deutlich kleiner als das eines Corporate Bonds. Völlig risikolos sind jedoch auch die Staatsanleihen nicht. So wurden beispielsweise die Zins- und Tilgungszahlungen von Argentinien im Jahr 2002 eingestellt.

Die oben beschriebene Funktionsweise ist keineswegs abschließend. Sie ist lediglich als grober Überblick zu verstehen. Neben den erwähnten Coupon-Arten mit fester Laufzeit existieren zahlreiche andere Anleihen mit unterschiedlichsten Ausgestaltungen.[19]

2.3.2 Bond-Markt

Auf dem Bond-Markt treffen Angebot und Nachfrage von Anleihen aufeinander. Der überwiegende Teil der Transaktionen findet zwischen Brokern und großen Firmen auf dem Over-the-Counter-Markt (OTC-Markt) statt. Zum Teil werden Bonds jedoch auch an großen Börsen, wie z.B. an der New York Stock Exchange, gelistet.

Der Wert aller sich im Umlauf befindlichen Bonds betrug im Jahr 2006 ungefähr 67,9 Billionen US-Dollar. Ungefähr 37 % dieser Anleihen waren unterschiedlichen Staaten, 11 % den Corporate Bonds und ca. 52 % dem Finanzsektor zuzurechnen. Der Anteil der USA an allen sich im Umlauf befindenden Bonds betrug ca. 40 %.[20] Der Wert neu emittierter Anleihen belief sich im Jahr 2006 auf insgesamt 12,9 Billionen US-Dollar, was gegenüber dem Vorjahr einem Wachstum von ca. 14 % entspricht. Innerhalb des Zeitraums von 1990 bis zum ersten Quartal 2007 wuchs der gesamte Bond-Markt um 313 %. Und allein das tägliche Handelsvolumen von Staatsanleihen betrug im Jahr 2006 über 947 Mrd. US-Dollar.[21]

Die Größenordnung der genannten Zahlen und die Tatsache, dass die internationalen Bond-Märkte mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt über 67 Billion US-Dollar die Aktienmärkte mit ungefähr 54 Billionen US-Dollar überholt haben[22], verdeutlicht die Bedeutung von Bonds auf internationalen Finanzmärkten.

2.4 Credit Default Swaps

2.4.1 Definition und Funktionsweise

Credit Default Swaps gehören zu der Gattung der Kreditderivate und werden außerbörslich auf OTC-Märkten gehandelt.[23] Swaps stellen einen Tausch finanzieller Verpflichtungen zwischen zwei Parteien dar und CDS sollen eine Übertragung von Kreditrisiken auf andere Marktteilnehmer ermöglichen. Zu betonen ist hierbei, dass nicht die gesamte Kreditbeziehung übertragen werden soll, sondern ausschließlich die mit ihr verbundenen Kreditrisiken.

Die zu übertragenden Kreditrisiken werden im Voraus definiert und dann vom Sicherungsnehmer auf den Sicherungsgeber abgewälzt. Maßgebend sind die sog. credit events oder auch Kreditereignisse, die sich an Standards der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) orientieren und beinhalten Ereignisse wie Zahlungsausfall, Zahlungsverzug, Insolvenz sowie Restrukturierung von Verbindlichkeiten.[24] Beim Eintritt eines oder mehrerer dieser Kreditereignisse während der vereinbarten Laufzeit ist der Sicherungsgeber verpflichtet dem Sicherungsnehmer einen Ausgleich zu zahlen. Für den Ausgleich existieren zwei Möglichkeiten: entweder ein vollständiger Ausgleich der fälligen Forderung durch den Sicherungsgeber und die Lieferung des Referenzaktivums durch den Sicherungsnehmer (physical settlement) oder eine Zahlung der Differenz zwischen dem Nominal- und dem Marktwert des Referenzaktivums nach dem Kreditereignis (cash settlement). Beinhaltet der CDS eine zusätzliche cheapest-to-deliver-Option, hat der Sicherungsnehmer die Wahl anstatt des Referenzaktivums ein gleichartiges Wertpapier zu liefern.[25]

Für seine Verpflichtung Ausgleichszahlung zu leisten, verlangt der Sicherungsgeber vom Sicherungsnehmer eine Prämie, die üblicherweise vierteljährlich bezahlt wird. Sie wird so lange gezahlt bis entweder ein Kreditereignis eintritt oder die Laufzeit des CDS endet.[26]

Das folgende Schaubild verdeutlicht die Pflichten beider Vertragspartner.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4.2 CDS-Markt

Wie bereits erwähnt, werden CDS außerbörslich gehandelt. Der Markt wird hauptsächlich von internationalen Banken, Kreditversicherungen, Rückversicherern, Hedge- und Investmentfonds, sowie Pensionskassen beherrscht und ist hoch konzentriert. Gründe hierfür sind die Notwendigkeit einer anspruchsvollen technischen Infrastruktur sowie eines aufwändigen Managements der Risiken, die oft nur für große Akteure rentabel sind. Trotz dieser Beschränkung konnte der CDS-Markt in den letzten Jahren große Zuwächse verzeichnen. So wuchs der Nominalwert von CDS von 0,918 Mrd. US Dollar im Jahr 2001 auf 62 Mrd. US Dollar im Jahr 2007. Das entspricht einem Wachstum von ca. 6700 %. Die Märkte für Zins- und Währungsderivate sind zwar insgesamt deutlich größer (382 Mrd. US Dollar), weisen jedoch im gleichen Zeitraum einen Wachstum von ca. 550 % auf.[27] Aus diesen Zahlen wird die zunehmende Bedeutung von CDS deutlich.

Gründe für die rasant wachsende Bedeutung von CDS sind vielfältig. Als wesentlich sind die sinkenden Transaktionskosten durch die zunehmende Standardisierung sowie die Erhöhung der Sensitivität der Marktteilnehmer für Kreditrisiken zu nennen. Des Weiteren begünstigen die aufsichtsrechtlichen Regelungen die Banken ihre Risiken auf weniger regulierte Dritte zu übertragen und somit regulatorisches Eigenkapital freizusetzen. Nicht zuletzt sind CDS ein Instrument zur Ertrags-/Risiko-Steuerung eines Portfolios. Marktteilnehmer, die bestimmte Risiken als überbewertet oder unterbewertet ansehen, haben die Möglichkeit anstatt eines Erwerbs oder Verkaufs der Anleihe lediglich die Risiken zu tauschen. Der Sicherungsgeber vereinnahmt bis zu einem Kreditereignis eine Prämie ohne für den Kauf einer Anleihe Kapital binden zu müssen und der Sicherungsnehmer kann das aus seiner Sicht unterbewertete Kreditrisiko gegen Zahlung einer Prämie übertragen.[28] Der CDS-Markt stellt somit eine Alternative zum Bond-Markt dar.

[...]


[1] Vgl. Gerke/Steiner (1994), S. 1291

[2] Vgl. Bilstein/Wöhe (2002), S. 181

[3] Vgl. Bilstein/Wöhe (2002), S. 184 ff.

[4] Vgl. Bluhm/Heinking/Fahrmeir (2006), S. 17

[5] Vgl. Bluhm/Heinking/Fahrmeir (2006), S. 267

[6] Vgl. Bluhm/Heinking/Fahrmeir (2006), S. 20

[7] Vgl. Bluhm/Heinking/Fahrmeir (2006), S. 268

[8] Vgl. Gerke/Steiner (1994), S. 823

[9] Vgl. Wöhe (2005), S. 1059

[10] Vgl. Buhl (2004), S. 7

[11] Vgl. Buhl (2004), S. 8

[12] Vgl. Buhl (2004), S. 11 f.

[13] Vgl. Buhl (2004), S. 14

[14] Vgl. Buhl (2004), S. 13

[15] Vgl. Bräutigam/Eller (1990), S. 21

[16] Vgl. Bluhm/Heinking/Fahrmeir (2006), S. 15

[17] Vgl. Bräutigam/Eller (1990), S. 52

[18] Vgl. Bluhm/Heinking/Fahrmeir (2006), S. 15

[19] Vgl. Bräutigam/Eller (1990), S. 24

[20] Vgl. Securities Industry and Financial Markets Association (2007), S.14 ff.

[21] Vgl. Securities Industry and Financial Markets Association (2007), S. 4 f.

[22] Vgl. Securities Industry and Financial Markets Association (2007), S. 4

[23] Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 44

[24] Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 44

[25] Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 44

[26] Vgl. Blanco/Brennan/Marsh (2003), S. 11

[27] Vgl. International Swaps and Derivatives Association (2008)

[28] Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 48

Details

Seiten
66
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836628761
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226738
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Betriebswirtschaftslehre, Banken und Finanzierung
Note
2,3
Schlagworte
kreditkomponenten liquiditätskomponenten bonds credit default swaps

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