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Das Projekt 'für hauptschulabschlussgefährdete Schülerinnen und Schüler' an der Martin-Niemöller-Gesamtschule in Bielefeld

Ein Konzept der Nachbetreuung von Schülerinnen und Schülern und seine Erprobung

Studienarbeit 2008 66 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Projekt zur Förderung „hauptschulabschlussgefährdeter Schülerinnen und Schüler“ an der Martin-Niemöller-Gesamtschule in Bielefeld
1.1 Die Martin-Niemöller-Gesamtschule und die besondere Herausforderung der Förderung hauptschulabschlussgefährdeter Schülerinnen und Schüler
1.2 Übersicht über die Ergebnisse und Ideen zur Förderung der Schülerinnen und Schüler aus Fallstudiengruppen und anderen Projekten
1.3 Ziel des Forschungsvorhabens

2. Das Schülerklientel – eine Problemanalyse
2.1 Das betroffene Schülerklientel – Beobachtungen aus der Hospitation
2.2 Die Durchführung eines Motivationsseminar

3. Das Konzept der Nachbetreuung
3.1 Das Förderkonzept und seine Ziele
3.2 Durchführungsbeschreibung der Nachbetreuung
3.2.1 Datenerhebung

4. Einzelfallanalyse
4.1 Nachbetreuung von Sebastian Voßhans
4.1.1 Ausgangssituation der Schüler
4.1.2 Verlaufsentwicklung
4.1.3 Auswertung der Förderstunden
4.2 Nachbetreuung von Daniel Grabbe
4.2.1 Ausgangssituation der Schüler
4.2.2 Verlaufsentwicklung
4.2.3 Auswertung der Förderstunden
4.3 Nachbetreuung von Alexander Otte
4.3.1 Ausgangssituation der Schüler
4.3.2 Verlaufsentwicklung
4.3.3 Auswertung der Förderstunden

5. Fazit: Wie kann die Umsetzung des Konzeptes der Nachbetreuung zum Erreichen des Hauptschulabschlusses beitragen? Welche Chancen und Grenzen bietet das Konzept der Nachbetreuung?

6. Darstellung des Arbeitsprozesses
6.1 Evaluations- und Arbeitsphasen
6.2 Übersicht über die wahrgenommenen Treffen und Termine

7. Anhang
7.1. Seminar
- Übersicht: Materialien für das Seminar
- Seminarmaterialien der 1. Fallstudiengruppe
- Zettel: Kurzüberblick über den Ablauf des Motivationsseminars am 13.2.2008
7.2. Datensammlung
- Protokolle und Ablauf
- Liste: Seminar für hauptschulabschlussgefährdete SchülerInnen (Jg. 9)
- Zielvereinbarung zur Förderung des Arbeits- und Sozialverhalten
- Internettext Sozialverhalten
- Checkliste: Ist mein Heft-/ meine Mappenführung in Ordnung
- Brief an mich
- Notenliste
- Lehrertelefonliste 2007/08
- Interviewleitfaden Schüler
- Interviewleitfaden Lehrer
- Stundenplan
7.3. Zwischenbericht
- Zwischenbericht
- Persönlicher Zwischenbericht

8. Literaturverzeichnis

1. Das Projekt zur Förderung „hauptschulabschlussgefährdeter Schülerinnen und Schüler“ an der Martin-Niemöller-Gesamtschule in Bielefeld

1.1 Die Martin-Niemöller-Gesamtschule und die besondere Herausforderung der Förderung hauptschulabschlussgefährdeter Schülerinnen und Schüler

Im Rahmen der Veranstaltung „Fallstudienwerkstatt Schulentwicklung“ hat unser Fallstudienteam, bestehend aus Alexander Otte, Sebastian Voßhans und Daniel Grabbe, ein „Projekt für hauptschulabschlussgefährdete Schülerinnen und Schüler“ an der Martin-Niemöller-Gesamtschule in Bielefeld-Schildesche durchgeführt.

Zielgruppe des Projektes sind die lernschwachen Schüler[1] der Jahrgangsstufe 9, die ihren Hauptschulabschluss auf Grund der bisher erbrachten Leistungen möglicherweise nicht schaffen, so dass die Gefahr besteht, dass sie die Schule ohne einen Bildungsabschluss verlassen.

Das Projekt wird bereits seit einigen Jahren an der Martin-Niemöller-Gesamtschule durchgeführt und wurde zuvor von zwei Fallstudiengruppen der Universität Bielefeld evaluiert.

Neben unserer Fallstudiengruppe hat sich noch eine weitere Gruppe dem Projekt gewidmet, so dass vielfältige Methoden in der Nachbetreuung erprobt werden konnten.

Das Bedürfnis der Schule zur Förderung leistungsschwacher Schüler resultiert aus ihrem Integrationskonzept.

Die Martin-Niemöller-Gesamtschule sieht sich als „Schule für alle“[2], die sowohl kognitive, wie auch kulturelle Unterschiede berücksichtigt und leistungsstarke, ebenso wie leistungsschwache Schüler angemessen fördern möchte. Dies ist auch ein notwendiges Vorhaben, da der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund an dieser Schule sehr hoch ist.

Schüler mit Migrationshintergrund stellen eine große Herausforderung dar, weil sie in ihren Bildungschancen stark benachteiligt sind[3].

Schon der Namensgeber der Schule, Martin Niemöller, weist auf das Ziel der interkulturellen Verständigung hin. Niemöller, der am 14. Januar 1892 in Lippstadt/Westfalen geboren wurde, trat als studierter Theologe, Geschäftsführer der Inneren Mission in Westfalen und Pfarrer in Berlin-Dahlem, bereits früh nach dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 für eine Verständigung zwischen den Ost- und Weststaaten ein[4].

Der Wille zur Integration wird durch verschiedene Maßnahmen und Projekte der Schule deutlich.

Die im Sommer 1971 als eine der ersten Gesamtschulen in NRW gegründete Schule kooperiert zum einen mit vielen Integrationsgrundschulen, wodurch neu aufzunehmende Schüler beobachtet und begutachtet werden, so dass die neuen Klassen sinnvoll zusammengesetzt werden können. Zum anderen arbeitet die Schule mit weiteren Einrichtungen zusammen, wie zum Beispiel mit der Universität Bielefeld, die Studentinnen und Studenten des Studiengangs „Deutsch als Fremdsprache“ für eine Unterstützung der Schülerinnen und Schüler mit Sprachproblemen zur Verfügung stellt.

Neben dem Problem der Integration stellt auch die enorme Größe der Gesamtschule eine Herausforderung für Schüler, Lehrer und Eltern dar. Den Problemen des großen Systems begegnet die Schule dadurch, dass jedem Jahrgang ein eigener Bereich im Gebäude zugeordnet wird. In den bestimmten Schulbereichen erteilen Lehrerinnen und Lehrer möglichst viel Unterricht, um eine große Zahl von Schülern kennen zu lernen und betreuen zu können.

Für lernschwache Schüler bietet die Schule ebenfalls einige Fördermaßnahmen an, die auch in Bezug auf unser Projekt von Interesse sind.

Diese sind zum einen die „Beruf und Schule-Klasse“ (BUS) und zum anderen das Angebot „Schule und Beruf“ (SCHUB).

Das Projekt „Schule und Beruf“ (SCHUB) ist für das Schülerklientel, mit dem wir es in unserem Forschungsvorhaben zu tun haben zunächst irrelevant, da es sich an Schüler richtet, die ihren Hauptschulabschluss bereits erreicht haben und sich nun auf das Berufsleben vorbereiten wollen.

Langfristig gesehen ist das Angebot jedoch eine interessante Perspektive für die Schüler, die ihren Hauptschulabschluss mit Hilfe einer angemessenen Unterstützung, die unser Projekt gewährleisten soll, erfolgreich erlangen.

Das Angebot der „Beruf und Schule Klasse“ (BUS) richtet sich hingegen an Schüler, die ihren Hauptschulabschluss nach Klasse 9 nicht geschafft haben und daher ohne Bildungsabschluss nach Anschluss suchen.

Das Projekt zur „Förderung hauptschulabschlussgefährdeter Schülerinnen und Schüler“ ist zeitlich also vor den beiden Angeboten „SCHUB“ und „BUS“ angesiedelt und richtet sich an Schüler, deren weiterer Schulweg nicht Erfolg versprechend ist.

Weitere Unterstützung erfahren lernschwache Schüler, deren Hauptschulabschluss nach Klasse 9 gefährdet ist, durch die Zusammenarbeit der Schule mit dem Jugendhaus der REGE, die gemeinnützige, regionale Personalentwicklungsgesellschaft mbH.

Die Jugendberufshilfe der REGE mbH im Jugendhaus hat den Auftrag von der Stadt Bielefeld die regionale Arbeitsmarktpolitik in enger Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsmarktakteuren auf mehreren Ebenen in der Region umzusetzen.

Schwerpunktthemen bilden dabei die Arbeitsmarktintegration, Jugendintegration, soziale Arbeitsförderung und Frauenförderung. Für unser Schülerklientel ist dabei insbesondere die Jugendberufshilfe der REGE von Bedeutung, die Jugendlichen hilft, welche von Ausbildungs- und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Das ist bei Schülern, deren Hauptschulabschluss gefährdet ist, ohne Zweifel der Fall. Die Gesamtschule Schildesche ist daher insbesondere in Bezug auf die Berufsorientierung und Berufsberatung sehr engagiert und bietet ein umfangreiches Angebotsspektrum an, dass die Schüler nutzen können. Mitarbeiter des Jugendhauses betreuen aus jeder Klasse der Zielgruppe zwei Jugendliche und begleiten sie in einem Zeitrahmen von zwei Jahren. Für die Beratung an den sieben Schulen stehen insgesamt 75 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Verfügung, so dass die Schüler auch neben der Schule eine Anlaufstation haben sollen. Das Projekt der Jugendberufshilfe der REGE mbH wird zunächst bis zum 30.08.2008 von der Stadt Bielefeld finanziert, eine Fortsetzung der Kooperation ist jedoch wahrscheinlich.

1.2 Übersicht über die Ergebnisse und Ideen zur Förderung der Schülerinnen und Schüler aus vergangenen Fallstudiengruppen und anderen Projekten

Die Förderung leistungsschwacher Schüler ist bereits seit einem langen Zeitraum ein Anliegen der Martin-Niemöller-Gesamtschule und somit auch fester Bestandteil des Schulprogramms.

Zwei Fallstudiengruppen der Universität Bielefeld haben das Angebot der Schule im Hinblick auf Akzeptanz und Leistungsfähigkeit überprüft und weiter entwickelt.

Die erste Fallstudiengruppe hat sich zunächst mit den „Chancen und Grenzen“ eines Motivationsseminars für hauptschulabschlussgefährdete Schüler beschäftigt.

Durch eine Hospitation und Interviews mit den gefährdeten Schülerklientel der Jahrgangsstufe 9 kam die Gruppe zu der Erkenntnis, dass die Gefährdung der Schüler insbesondere aus Lese- und Rechtschreibproblemen, dem Unvermögen auf spontan gestellte Fragen zu reagieren und Schwierigkeiten, dem Unterrichtsgeschehen konzentriert zu folgen, resultiert. Die Durchführung eines Motivationsseminars sollte vor diesem Hintergrund dazu führen, dass unsere Zielgruppe ihre Stärken und Schwächen erkennt, und durch Motivation aus ihrer passiven Schulhaltung herausgeführt wird, um das Ziel Hauptschulabschluss in den letzten Schulmonaten selbstbewusst und strebsam angehen zu können.

Das Motivationsseminar wurde schließlich an zwei Tagen durchgeführt und anschließend evaluiert.

Das Seminar hatte an den beiden Tagen verschiedene Inhalte, wobei den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern zunächst ein Tagesplan vorgestellt wurde. Die Struktur und Ziele des Seminars wurden den Teilnehmern dadurch bewusst. Weitere Seminarinhalte der Einführung waren die Vorstellung von Regeln, die das Klima und Verhalten in den beiden Tagen beeinflussen sollten.

Ein notwendiger Aspekt war außerdem die Auseinandersetzung mit Einstellungen der Schüler in Bezug auf Schule und Beruf. Dabei sollten sie zu den Themen Beruf und Schule zunächst Stellung nehmen, indem sie durch das Vorrücken auf eine vorher festgelegte „Ja-Seite“, bzw. „Nein-Seite“ auf Fragen antworteten. Die Ursachen für Schwierigkeiten sollten durch einen Fragebogen, der auf Wandzeitungen ausgewertet werden konnte, kenntlich gemacht werden. Schließlich konnte ein Arbeitsblatt zur Selbsteinschätzung die Stärken und Schwächen der einzelnen Teilnehmer offenbaren.

An dem zweiten Seminartag wurden die Schüler zunächst durch eine Powerpoint Präsentation über für den Hauptschulabschluss relevante Berufsfelder informiert, mit dem Ziel eine zusätzliche Motivation zu gewährleisten. Nachdem die Teilnehmer über die noch ausstehende Zeit bis zu den Zeugnissen und die Minimalanforderungen für die Note „ausreichend“ informiert wurden, sollten sie letzten Endes einen persönlichen Arbeitsplan erstellen, in dem Maßnahmen zur Verbesserung in den betroffenen Schulfächern festgehalten wurden. Laufzettel, die die Leistungen in den einzelnen Stunden der Problemfächer dokumentieren, gaben Aufschluss über die Leistungsentwicklung der Schüler.

Weiterhin haben Interviews ergeben, dass die Teilnehmer das Seminar überwiegend positiv aufgenommen haben, weil es Verbesserungstipps gegeben hat und die Lehrer individuell auf die lernschwachen Schüler eingegangen sind. Als negativ empfanden die Schüler insbesondere, dass es zu wenig Pausen gab, so dass Konzentrationsschwierigkeiten entstanden sind.

Insgesamt wurde das Motivationsseminar jedoch als erfolgreich in Hinblick auf die Motivation der betroffenen Schüler bewertet.

Während bei der ersten Fallstudiengruppe das Motivationsseminar im Mittelpunkt der Betrachtung stand, wurde nun die Nachbetreuung der Schüler fokussiert.

Deswegen hat sich eine zweite Fallstudiengruppe im vergangenen Jahr insbesondere mit der Nachbetreuung der lernschwachen Schüler an der Martin-Niemöller-Gesamtschule beschäftigt.

In diesem Bereich wurde die Schwachstelle des „Projektes zur Förderung hauptschulabschlussgefährdeter Schülerinnen und Schüler“ erkannt, weil es auf der einen Seite keine Möglichkeit der differenzierten, weiterführenden Nachbetreuung seitens der Schule geben konnte, da sich die Lehrer für diese Aufgabe nicht ausreichend geschult sahen. Auf der anderen Seite mangelte es bei den Schülern trotz des Versuches der Motivation in dem Seminar an Verlässlichkeit und der Bereitschaft, Zeit zu investieren. Aus diesem Grund hat die Fallstudiengruppe ein Konzept entwickelt und dargestellt, wie eine angemessene, zielorientierte Nachbetreuung aussehen kann.

In ihrer Konzeption hat sie sechs Bausteine entwickelt, die zu einer umfassenden Unterstützung des betroffenen Schülerklientels beitragen.

Erster Bestandteil in dem Konzept ist das Motivationsseminar, welches auf Probleme und Möglichkeiten aufmerksam machen soll.

Die Hilflosigkeit der Schüler bei der Umsetzung von Zielen führt zu dem zweiten Aspekt der Nachbetreuung, der „individuellen Zielsetzung“. Die Schüler müssen sich klare Ziele setzen, die sie erreichen wollen und wissen, was sie benötigen, um diese zu erreichen. Daher soll die individuelle Zielklärung ein wichtiger Bestandteil der Nachbetreuung werden.

Ein weiterer Aspekt ist die individuelle fachliche Unterstützung der Schüler, die aus den Verständnisschwierigkeiten in den einzelnen Fächern hervorgeht. Nur die Stärkung der Fachkompetenz kann dazu führen, dass sich die Schüler in den betroffenen Fächern signifikant verbessern, so dass dieser Baustein ein wichtiges Glied der Nachbetreuung darstellt. Für die langfristige fachliche Unterstützung ist eine Kooperation mit Nachhilfelehrern, Schülern aus der Sekundarstufe II oder Studenten der Universität Bielefeld notwendig.

Neben diesen Bausteinen, die konkret auf das Ziel Hauptschulabschluss hinarbeiten, hat die Fallstudiengruppe noch weitere Elemente in ihr Konzept der Nachbetreuung eingebaut, die den Schülern auf ihrem weiteren Lebensweg von Nutzen sein sollen.

Der vierte Baustein wird von der Fallstudiengruppe „Lebensplanung“ genannt. Darunter versteht die Gruppe, die Stärken und Schwächen der Schüler zu analysieren und diese in eine Berufsberatung einzubeziehen.

Die Bausteine „Berufpraxis“, bei der die Schüler durch workshopangelegte Schnupperpraktika erste Einblicke in ihre Traumberufe bekommen sollen, und „Selbstorganisation“, bei der die Schüler Lerntechniken und Methodenkompetenz vermittelt bekommen, sollen dabei unterstützend wirken.

Die zweite Fallstudiengruppe hat versucht, die Förderung nach dem Motivationsseminar durch die Strukturierung und Konzeptionalisierung der Nachbetreuung zu verbessern, damit die Schüler angemessen auf dem Weg zum Hauptschulabschluss begleitet werden können.

Für das entwickelte Konzept der Nachbetreuung hat die Gruppe einen Stiftungsantrag erstellt.

1.3 Ziel des Forschungsvorhabens

Unser Projekt „Förderung von Schülerinnen und Schülern, deren Hauptschulabschluss gefährdet ist“ entspricht dem Typus „Durchführung und Reflexion von Fördermaßnahmen“.

Auftraggeber sind die Lehrer Claus Möbius und Ingrid Schubert in Anweisung der Schulleitung der Martin-Niemöller-Gesamtschule.

Unsere Zielsetzung ergibt sich zum einen aus den Ergebnissen der beiden Fallstudiengruppen, die das Projekt bereits evaluiert haben, zum anderen aus dem Auftrag der Martin-Niemöller-Gesamtschule. Dieser besteht aus zwei nicht trennbaren Aspekten, die im Folgenden beschrieben werden sollen.

Zunächst sollte von unserer Seite aus versucht werden ein Vertrauensverhältnis zu den betroffenen Schülern aufzubauen, damit der Grundstein für eine angemessene Förderung und Hilfe in der individuellen Nachbetreuung gelegt werden kann. Unsere Fallstudiengruppe sollte dementsprechend eine unterstützende, beratende und motivierende Funktion übernehmen, damit die Schüler auf der einen Seite ihr Ziel Hauptschulabschluss erreichen, auf der anderen Seite aber auch Kompetenzen für ihren weiteren Lebensweg erlernen können.

Im Rahmen dieser Unterstützung sollten die bereits entwickelten Bausteine Motivationsseminar, individuelle Zielsetzung, individuelle fachliche Unterstützung, Lebensplanung, Berufspraxis und Selbstorganisation erprobt werden.

Hauptanliegen unseres Forschungsvorhabens ist demnach die Reflexion und Evaluation des Gesamtkonzeptes der Nachbetreuung.

In unserem Forschungsanliegen wollten wir zunächst der Frage „Wie kann die Umsetzung der beiden Bausteine Selbstorganisation und individuelle fachliche Unterstützung zur Erreichung des Hauptschulabschlusses beitragen?“ nachgehen. Da wir allerdings im Laufe der Nachbetreuung zu der Erkenntnis gekommen sind, das sich die einzelnen Bausteine nicht voneinander trennen lassen, haben wir die Fragestellung erweitert: „Was kann die Umsetzung der entwickelten Bausteine der Nachbetreuung (Motivationsseminar, individuelle Zielsetzung, individuelle fachliche Unterstützung, Lebensplanung, Berufspraxis und Selbstorganisation) zum Erreichen des Hauptschulabschlusses beitragen?“.

Es soll aufgezeigt werden, wie die einzelnen Bausteine in der individuellen Förderung der Schüler inhaltlich Verwendung finden können. Diese zentrale Fragestellung soll als Leitfaden für unser Evaluationsprojekt dienen und zu jeder Zeit ein Anhaltspunkt unserer Arbeit sein.

Die Überprüfung der Konzeption soll erfolgen, indem vielfache Methoden der Nachbetreuung erprobt, Rahmenbedingungen überprüft und der Entwicklungsverlauf der einzelnen Schüler in der Nachbetreuung individuell analysiert werden. Dadurch soll zum einen eine Bewertung über den Erfolg, sowie Chancen und Grenzen der Nachbetreuung möglich werden. Aufgrund der Ergebnisse soll ebenfalls geklärt werden, in wie weit es sinnvoll ist, das Seminar und die Nachbetreuung erst in der neunten Klasse durchzuführen. Die Ergebnisse unserer Evaluation sollen außerdem Schwierigkeiten und Möglichkeiten in der Nachbetreuung aufzeigen, so dass unser Forschungsauftrag auch als Praxisbericht verstanden werden kann.

Schließlich fungieren die Reflexion unserer Erfahrungen, wie auch unser weiterentwickeltes Konzept der Nachbetreuung, als Leitfaden für die weitere Forschung bezüglich der „Förderung von hauptschulabschlussgefährdeten Schülerinnen und Schülern an der Martin-Niemöller-Gesamtschule“.

2. Das Schülerklientel – eine Problemanalyse

2.1 Das betroffene Schülerklientel – Beobachtungen aus der Hospitation

Während unseres Projektes haben wir es mit einem uns unbekannten Schülerklientel zu tun. Zu diesem Schülerklientel gehören Schüler, die aus verschiedenen Gründen schwache Leistungen in der Schule bringen und extrem gefährdet sind, ihren Hauptschulabschluss nach Klasse 9 zu erhalten.

Worin diese Leistungsschwäche liegen kann, haben wir in unserer Recherche nach verschiedenen literarischen Materialien erfahren.

So schildert Agnes Janssen, dass „die Ursachen, die zum Versagen in der Schule führen, [...] vielschichtig und nicht eindeutig trennbar [sind]“[5].

Janssen nennt weiter drei Bereiche, die für das Schulversagen als besonders bedeutsam erscheinen: Das Problem der Lernbehinderung, der Einfluss des Elternhauses und der Einfluss der Schule.

Aus einer weiteren, neueren Studie wird ersichtlich, dass die vom Abgang ohne Abschluss bedrohten Schülerinnen und Schüler „in der Tendenz bisher negative Schullaufbahnen, erkennbare Rollenkonflikte und Milieubelastungen, feststellbare Lernverweigerungen und durch Resignation geprägte Arbeitshaltungen [aufweisen].“[6]

Mehrere Kennzeichen für dieses Schülerklientel seien nach dieser Studie im einzelnen erkennbar:

- Ihr Alter ist im Vergleich zum Altersdurchschnitt ihrer Klasse hoch
- Ihre Erfahrungen in der Schule haben Schulunlust bewirkt
- Ihre kommunikativen Fähigkeiten und ihre Entscheidungs- und Gestaltungskräfte sind begrenzt
- Ihre im außerschulischen Bereich beobachtbare Kontaktfreudigkeit, Kooperationsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Solidarität werden im schulischen Arbeits- und Sozialverhalten oft vermisst.

Schreiber-Kittl und Schröpfer[7] nennen verschiedene theoretische Ansätze für Schulversagen:

- Der genetische Ansatz besagt, dass Schulerfolg abhängig von der Intelligenz der Person ist, die wiederum im Erbgut verankert ist. à Die Schuld am Schulversagen liegt im Individuum.
- Der psychologische Ansatz sucht im emotionalen Bereich nach Erklärungen für Schulversagen, abhängig vom Verlauf der Schulzeit und ebenso eng verbunden mit der Beziehung der Person zu seinen Eltern. à Die Eltern sind Schuld am Schulversagen.
- Der soziokulturelle Ansatz führt Schulversagen zurück auf soziokulturelle Handicaps; Defizite, deren Ursachen die sozialen (und ökonomischen) Verhältnisse der Familie sind. à Das Kind bzw. seine Familie ist Schuld an Schulversagen.
- Die Reproduktionstheorie stellt einen Zusammenhang zwischen Schulversagen und Schichtzugehörigkeit her, wobei das Bildungssystem zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Unterschiede beiträgt. à Das herrschende System ist Schuld an Schulversagen.
- Die mikrosoziologische Theorie besagt, es herrscht ein Zusammenhang zwischen Schichtzugehörigkeit und Schullaufbahn sowie zugehörige individuelle „Sinngebung“ à Der Schulerfolg ist abhängig vom Einfluss, den das soziale und kulturelle Umfeld auf das Individuum und seine Schullaufbahn ausübt sowie von persönlichen Bewertungen, die der Schule und dem Lernen beigemessen werden.
- Die interaktionistische Theorie baut auf der Sinngebung auf und geht der Frage nach, wie es in der Schule zum Versagen kommt. Anhand der Interaktionen zwischen den verschiedenen Protagonisten des Schullebens werden die konkreten und alltäglichen Mechanismen, die zum Schulversagen führen, analysiert à Schulversagen wird auf die unterschiedlichen Rollen zurückgeführt, die in der Schule eingenommen werden und dazu führen, dass die einen Erfolg haben und die anderen.

Auch die Fallstudien der Vorgängergruppen haben uns geholfen, um einen ersten Eindruck von dem Schülerklientel zu bekommen, da diese direkten Kontakt zu betroffenen Schülern der Martin-Niemöller-Gesamtschule hergestellt hatten.

Um persönlich einen ersten Einblick in dieses Schülerklientel zu erhalten, beschlossen wir, nach Absprache mit den Lehrern Claus Möbius und Ingrid Schubert, im Unterricht der Klassen der Jahrgangsstufe 9 zu hospitieren. So besuchten wir am 09.01.2007 den Unterricht der Klasse 9g. Da uns allerdings nicht bekannt war, welche Schüler aus dieser Klasse hauptschulabschlussgefährdet waren, entschieden wir uns vorerst dafür, uns einen Überblick über Auffälligkeiten im Unterricht zu verschaffen. Zu Beginn der Stunde war zunächst auffällig, dass der Lärmpegel in dieser Klasse besonders hoch war. Die Schüler verhielten sich disziplin- und respektlos; der Lehrer wurde per „Du“ und mit Vornamen angesprochen. Die Schüler waren unaufmerksam und nahmen die Worte des Lehrers kaum wahr. Die einen spielten mit dem Handy, andere wiederum unterhielten sich über Aktualitäten. Des Weiteren wurden Schüler, die sich meldeten, von Mitschülern kritisiert und unterbrochen.

In einem Gespräch mit dem Lehrer erfuhren wir, dass in dieser Klasse sechs bis acht Schüler gefährdet sind. Dies stellt ein großes Problem für die leistungsstarken Schüler dar, weil der Unterricht für diese häufig unattraktiv und langweilig ist. An dem geringen Leistungsniveau sind, nach Auskunft des Lehrers, in der Regel die sozialen Verhältnisse schuld. Knapp die Hälfte der Schüler in der Klasse haben einen Migrationshintergrund, der sich oft im sprachlichen Ausdruck bemerkbar macht.

Die zweite Stunde war für uns deutlich aufschlussreicher, denn dort hospitierten wir die Fördergruppe der hauptschulabschlussgefährdeten Schüler von Claus Möbius. So hatten wir es direkt mit dem Klientel zu tun, mit denen wir in der Nachbetreuung arbeiten sollten.

Sechs Schüler und drei Schülerinnen erzählten uns von ihren Problemen in der Schule und versuchten diese zu begründen.

Besonders beeindruckt waren wir von den sprachlichen Fähigkeiten und der Offenheit der Schüler und Schülerinnen. Ohne jegliche Nervosität nannten sie uns ihre Problemfächer. Außerdem erfuhren wir von ihnen persönlich, wie die Laufzettel, die sie für ihre individuellen Problemfächer angefertigt hatten, funktionieren.

In einem abschließenden Gespräch informierte uns Herr Möbius darüber, dass die Schule besonders viel Wert auf die sprachliche Kompetenz der Schüler legt. Diese Fähigkeit versuchten wir in unser Konzept zu integrieren und schufen daraufhin den Einzelbaustein „Referate“, neben den Hauptthemen „Selbstorganisation“ und „individuelle fachliche Unterstützung“. Der Einzelbaustein „Referate“ sollte inhaltlich so aussehen, dass die Schüler in einem gefährdeten Fach die Chance bekommen sollen, ein Thema inhaltlich vorzubereiten und in der Klasse zu präsentieren. Dabei sollte unsere Gemeinschaft der Nachbetreuung ein unterstützendes Forum bieten. Das Angebot ist allerdings in der Nachbetreuung auf Desinteresse seitens der Schüler gestoßen und konnte dadurch nicht berücksichtigt werden.

2.2 Resultate aus dem Motivationsseminar

An dem Motivationsseminar, das für hauptschulabschlussgefährdete Schüler an der Martin-Niemöller- Gesamtschule von den Lehrern Claus Möbius und Ingrid Schubert seit einigen Jahren angeboten wird, nahmen am 13.02.2008 insgesamt 24 Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe teil.

Auch in diesem Jahr war es wieder von zentraler Bedeutung, den Schülerinnen und Schülern Wege aufzuzeigen, wie sie ihren Schulalltag am besten meistern können, um so am Ende des Schuljahres das Ziel den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 zu erreichen.

Die Hauptaufgabe der Seminarleiter bestand darin, die individuellen Stärken von jedem Schüler herauszuarbeiten, um ihm das nötige Selbstbewusstsein zu geben, den Hauptschulabschluss mit neuem Elan zu schaffen.

Die Teilnehmer und die Organisatoren des Seminars verabredeten sich um 8 Uhr in der Teestube im Erdgeschoß der Gesamtschule und teilten die Schülergruppe in drei Kleingruppen auf.

Die Seminarleiter Claus Möbius, Ingrid Schubert, Katharina Hinck und Alexander Otte, sowie fünf weitere Studenten und Julia Ann Krohne (wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Bielefeld) betreuten an diesem Tag die Schüler.

Die Schülergruppe, die von Kathrina Hinck und Alexander Otte betreut wurde, bestand aus acht Schülerinnen und Schülern, wovon insgesamt drei Schüler und zwei Schülerinnen einen Migrationshintergrund besaßen.

Zu Beginn des Seminars stellten sich die Seminarleiter und die zwei Beobachter vor und erklärten der Schülergruppe den Grund des besonderen Treffens. Die Namensschilder, die daraufhin angefertigt wurden, dienten zur besseren Verständigung untereinander.

Die anschließende Vorstellung des Tagesplanes sollte den Schülerinnen und Schülern einen ersten Überblick geben und das spätere Vorgehen, sowie die Handlungsabläufe nachvollziehbar veranschaulichen.

Die grundlegenden Regeln, die für dieses Seminar von wichtiger Bedeutung gewesen sind, wurden auf einem Plakat festgehalten und an einer Wandseite sichtbar angebracht. Den Schülern wurde bewusst gemacht, dass dieses Seminar freiwillig ist und niemand gezwungen wird teilzunehmen. Grundlegende Verhaltensregeln sollten allerdings von jedem Teilnehmer vorausgesetzt und beachtet werden. Pünktlichkeit, Ernsthaftigkeit und das Aussprechen lassen eines Mitschülers werden in diesem Zusammenhang mit diesen Verhaltensregeln impliziert.

Außerdem wurde jedem Schüler verdeutlicht, dass die besprochenen Dinge vertraulich von Seiten der Kursleiter behandelt werden und sich niemand für seine Schwächen im schulischen Bereich schämen muss.

Die Teilnehmer des Motivationsseminars wurden zum ersten Mal bei der Vorstellungsrunde aktiv. In Partnerinterviews sollten sich die Schüler gegenseitig vorstellen, indem jede Person Angaben über Hobbies, Einstellung zur Schule und Erwartungshaltung an das Seminar machte. Diese Informationen wurden daraufhin in der Großgruppe vorgestellt. Die angewendete Methode lockerte die zunächst noch sehr verkrampft und verunsichert wirkenden Schüler auf und es entstanden die ersten Gespräche sowie Diskussionen zwischen der Schülergruppe und den Seminarleitern.

Mithilfe der „Ja/ Nein- Linie“ befragten die beiden Seminarleiter abwechselnd die Schüler zu ihren Einstellungen gegenüber der Schule. Hierzu wurde der Raum mithilfe eines Klebestreifens in zwei Hälften geteilt und die Schüler sollten sich spontan entscheiden, welchen Bereich sie die Fragen zuordnen würden. Wir stellten Fragen, die sich hauptsächlich auf die Institution Schule sowie die Zukunftsaussichten der Schüler bezogen, wie z.B. „Ich finde Schule doof, weil ich keine Lust zum Lernen habe!“, oder „Ich habe schon einen genauen Berufswunsch!“. Die Antworten auf die insgesamt zehn gestellten Fragen, verschafften uns einen ersten konkreten Überblick über das Verhältnis der Schüler zur Schule und ihrer Lebenssituation. Die Schüler beantworteten unsere Fragen sehr ehrlich und selbstkritisch, was z.B. daran festzumachen ist, dass sie sich selbst die Schuld an ihren schlechten Schulnoten gaben. In freiwilligen Stellungnahmen gaben einige Schüler bekannt, dass sie keine Lust zu lernen haben, sich im Unterricht zu schnell ablenken lassen und deshalb dem Stoff hinterherlaufen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass drei viertel der Teilnehmer elterliche Unterstützung erhalten. In einigen Fällen helfen auch ältere Geschwister bei schulischen Problemen, da die Eltern selbst Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Bei den Fragen nach der Zukunftsperspektive machte sich bei den Schülern schon die erste Ratlosigkeit erkennbar. Nur zwei Schüler haben vor, auch nach der neunten Klasse weiter zur Schule zu gehen. Der Großteil des Seminars gab an, dass das absolvierte Praktikum Spaß gemacht hat, allerdings ein Hauptschulabschluss für diese Berufsgruppen erforderlich ist. Erfreulich war die Äußerung eines Schülers, der ankündigte schon eine Ausbildungsstelle in der Firma seines Onkels in Aussicht zu haben.

Die Schüler konnten nach der Befragung wieder Platz nehmen und bekamen von uns einen Fragebogen an die Hand. Sie sollten innerhalb von zehn Minuten auflisten, in welchen Schulfächern vorwiegend Probleme vorhanden sind und welche Gründe bei diesen Problemen eine Rolle spielen. Des Weiteren sollten die Schüler angeben, welche Versuche schon von ihrer Seite unternommen wurden, um die schulischen Defizite auszugleichen.

Nach der kurzen Arbeitszeit setzten wir uns gemeinsam an einen großen Tisch und breiteten ein Plakat aus. Die Teilnehmer sollten nun der Reihe nach ihre Ergebnisse aufschreiben und ihren Mitschülern und den Seminarleitern präsentieren. Hierzu wurde eine Tabelle angefertigt, in der jeder Einzelne seine Problemfelder, Lösungsversuche und Ergebnisse dieser Versuche auflisten konnte. Der Großteil des Seminars beteiligte sich und gab interessante Informationen preis. So zählten die Schüler zunächst hauptsächlich die Nebenfächer auf, in denen sie Probleme haben und zum Teil mit der Note mangelhaft eingestuft werden.

Defizite in den Bereichen Mathematik und vor allem Deutsch sind zudem nicht die Ausnahme, da viele Schüler einen Migrationshintergrund besitzen und in den einzelnen Familien die Muttersprache als Kommunikationsmittel dient.

Den Hauptgrund für die schlechten Leistungen sehen die Schüler darin, dass sie im Unterricht nicht aufpassen, da sie zu oft in Gesprächen mit Mitschülern verwickelt sind. Nach eigenen Angaben haben die Schüler in der Vergangenheit schon viele Versuche unternommen, um ihr Lern- und Arbeitsverhalten zu ändern. Allerdings führten Nachhilfe, regelmäßige Anwesenheit, Hausaufgaben machen und bessere Mitarbeit zu keinem Erfolg in den „Problemfächern“.

In dem Gespräch wurde klar, dass sich die Schüler oftmals mit der schulischen Situation überfordert und alleine gelassen fühlen. Ihnen ist von Hause nie eine angebrachte Arbeitshaltung beigebracht worden, da in den Familien zum Großteil kein Wert darauf gelegt wird.

Nach der dreißigminütigen Pause durften die Teilnehmer ein weiteres Arbeitsblatt bearbeiten. Die Schüler machten Angaben über die Fähigkeiten, die sie besonders gut können und die Mitmenschen an ihnen schätzen. Anschließend bildeten wir vier Gruppen und jeweils zwei Schüler sprachen mit einem Studenten über ihre Fähigkeiten. Diese Gespräche dauerten zwanzig Minuten und durch die erste wirklich intensive Kontaktaufnahme konnte eine Vertrauensbasis geschaffen werden. Die Schüler waren in der Lage in diesem Gespräch ihre Stärken konkret darzulegen. In diesem Zusammenhang haben wir uns auf die außerschulischen Fähigkeiten konzentriert, die im Alltag eingesetzt werden. Die Seminarleiter gelangen an viele Informationen, da die Schüler offen über ihre Lebensziele, ihre Zukunftswünsche und über Ängste sprachen. Oberste Priorität in der Zukunft hat für die Schüler ein guter Beruf, der ihnen Spaß macht und sie ausfüllt. Ihnen ist bewusst, dass sie für ihren Traumberuf einen Hauptschulabschluss brauchen und auch an dieser Stelle wird deutlich, dass sie sich ihrer momentanen Lage bewusst sind.

Damit die Seminarteilnehmer an mehr Informationen über unterschiedliche Berufe gelangen, wurde eine Power Point Präsentation eingespielt. Die dort vorgestellten Berufe können nur mit dem Hauptschulabschluss erlernt werden. Anschließend waren die Schüler in der Lage, sich mithilfe von Lexika, die von der Agentur für Arbeit bereitgestellt wurden, weitere konkretere Hintergrundinformationen zu sammeln. Ausbildungsdauer und Gehälter in den verschiedensten Berufsgruppen interessierten die Schüler besonders.

[...]


[1] Anmerkung: In der gesamten Arbeit werden in Hinblick auf eine bessere Lesbarkeit männliche Varianten von Personenbezeichnungen verwendet. Mit den Bezeichnungen sind selbstverständlich stets beide Geschlechter gemeint.

[2] Vgl. http://www.mnge.de/Schulinfo/Integration/Homepage%20Integration1.htm

[3] Vgl. Sven Nickel (Bundesverband Alphabetisierung e.V./ Univ. Bremen), URL: http://elib.suub.uni-bremen.de/ip/docs/ELibD890_Nickel-Analphabetismus.pdf, 2006

[4] Vgl. URL: http://www.mnge.de/Schulinfo/Martin-Niemoeller/niemoell.htm

[5] Agnes Janssen: Der zweite Bildungsweg für Schulabgänger

[6] Curriculumentwicklung NRW

[7] Schreiber-Kittl/ Schröpfer 2002

Details

Seiten
66
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836628532
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226727
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Fakultät für Erziehungswissenschaften, Studiengang Erziehungswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
motivationsseminar hauptschule schulabschluss schüler betreuung

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Titel: Das Projekt 'für hauptschulabschlussgefährdete Schülerinnen und Schüler' an der Martin-Niemöller-Gesamtschule in Bielefeld