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Anwendung von Anti-Stress-Strategien in der Erwachsenenbildung

Masterarbeit 2008 122 Seiten

Medizin - Sonstiges

Leseprobe

Danksagung/Vorwort

„Magengeschwüre bekommt man nicht von dem,

was man isst,

man bekommt sie von dem,

wovon man aufgefressen wird.“

(Mary Wortley Montagu: 1689 - 1762)

Die vorliegende Masterarbeit bildet den Abschluss des Masterstudienganges „Master of Art Erwachsenenbildung“ an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit als Erwachsenenbildner weiß ich, dass diese Berufsgruppe sehr gestresst sein kann. Ein Erwachsenenbildner arbeitet mit Menschen und sollte daher nicht den Stress in seiner Arbeit weitergeben. Er sollte Anti-Stress-Strategien einsetzen.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, mich mit der Problemstellung Stress in der Erwachsenenbildung näher auseinander zu setzen und meine Masterarbeit zum Thema Anti-Stress-Strategien zu verfassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Personen, die mich bei der Masterarbeit unterstützt haben, bedanken. Einen besonderen Dank gebührt Herrn Prof. Dr. Erich Schäfer für die Betreuung meiner Arbeit und die umfassende Unterstützung (trotz schwieriger Umstände).

Der Einfachheit halber verzichte ich in dieser Masterarbeit darauf, sowohl die männliche als auch die weibliche Form darzustellen. Die männlich gewählte Form schließt die weiblichen Personen mit ein. Ich nehme diesen Mangel zugunsten einer besseren Lesbarkeit der Masterarbeit beabsichtigt in Kauf.

Manja Wendt, im November 2008

Inhaltsverzeichnis

Danksagung/Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Glossar

1. Einleitung
1.1 Begründung der Themenwahl
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2. Arbeitsbedingungen/Strukturmerkmale der Erwachsenenbildung
2.1 Allgemeine, aktuelle Situation in der Erwachsenenbildung
2.2 Beschreibung der Erwachsenenbildungstätigkeit
2.3 Lernen unter Stress und Anti-Stress-Strategien aus neurobiologischer Sicht

3. Grundlagen von Ärger und Stress
3.1 Begriffsdefinitionen „Ärger“ und „Stress“
3.2 Was ist Ärger
3.2.1 Ursachen von Ärger
3.2.2 Ärgerverlauf
3.2.3 Auswirkungen von Ärger
3.3 Was ist Stress
3.3.1 Arten von Stress
3.3.2 Verlauf von Stress
3.3.3 Ursachen von Stress
3.3.4 Auswirkungen von Stress/Stressreaktionen
3.3.5 Stressbewältigungsstrategien

4. Beschreibung der Anti-Stress-Strategien bzw. Anti-Ärger-Strategien des Fragenbogens in der EWB
4.1 Coping
4.2 Bewegung
4.3 Ernährung
4.4 Entspannung/Schlafen
4.5 Humor
4.6 Soziale Bereiche
4.7 Strategien

5. Durchführung von Anti-Stress-Strategien bzw. Anti-Ärger-Strategien in der Erwachsenenbildung
5.1 Fragebogenaktion
5.1.1 Entwicklung der Fragebögen
5.1.2 Pre-Test
5.1.3 Überarbeiteter Fragebogen
5.2 Schwierigkeiten bei der Umsetzung
5.3 Darstellung der Ergebnisse
5.3.1 Auswertung der Beteiligung an der Fragebogenaktion
5.3.2 Auswertung der Anwendung und Wirksamkeit von Stress-Bewältigungs-Strategien der Fragebogenaktion
5.4 Diskussion der Ergebnisse

6. Ausblick und Handlungsempfehlungen

7. Zusammenfassung

8. Quellenverzeichnis:

Erklärung

Anhang

Anlagenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Das didaktische Dreieck (nach Faulstich und Zeuner 1999, S. 51) 5

Abb. 2: Tätigkeitszyklus der Erwachsenenbildung (nach Dick 2006, S. 4) 6

Abb. 3: Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Antwortmöglichkeiten einer Person unter Stress (modifiziert nach Lehmann 2008) 12

Abb. 4: Prozessorientierten Ärgermodell (nach Schenkmezger et al. 1999, S. 24) 16

Abb. 5: Der behaviorale Weg der Krankheitsverursachung durch emotionale Prozesse (nach Schwenkmezger et al. 1999, S. 45) 20

Abb. 6: Phasenverlauf von Stress(modifiziert nach Linneweh 1998, Zimbardo 1999, Crisand und Lyon 1998) 22

Abb. 7: Transaktionale Stressmodell nach Lazarus (modifiziert nach Lüder 1998, Linneweh 1998, Kaluza 2004) 23

Abb. 8: Körperliche Stressreaktionen (modifiziert nach Kaluza 2004, Zimbardo 1999) 28

Abb. 9: Stressbewältigungsstrategien (nach Lüder 1998, S. 124) 31

Abb. 10: Die Bauarbeiter beim Bau einer Kathedrale, gezeichnet von Werner Tiki Küstenmacher (Postkarte) 36

Abb. 11: Ein alter Mann als Teilnehmer beim Donostia Marathon in Spanien (Postkarte) 38

Abb. 12: Ernährungspyramide (modifiziert nach Fonds Gesundes Österreich 2008) 40

Abb. 13: Beispiele für Gefühlskarten (eigene Darstellung) 48

Abb. 14: Ausschnitt aus der Vielfalt der Farben (modifiziert nach Neuland 1999) 51

Abb. 15: Rücklauf der Fragebogenaktion (eigene Erhebung 2008) 60

Abb. 16: Rücklauf der Fragebogenaktion unterschieden nach öffentlichen oder privaten Trägern (eigene Erhebung 2008) 62

Abb. 17: Rücklauf der Fragebogenaktion unterschieden nach der Rücklaufart (eigene Erhebung 2008) 63

Abb. 18: Graphische Darstellung der Ergebnisse der Untersuchung im Hinblick auf die Häufigkeiten des/der Arbeitsfeldes/er des Erwachsenenbildners (eigene Erhebung 2008) 65

Abb. 19: Graphische Darstellung der Ergebnisse (Mittelwert) der Untersuchung im Hinblick auf die Anwendbarkeit der Anti-Stress-Strategien/Anti-Ärger-Strategien (eigene Erhebung 2008) 69

Abb. 20: Graphische Darstellung der Ergebnisse (Mittelwert) der Untersuchung im Hinblick auf den Erfolgsgrad der Anti-Stress-Strategien/Anti-Ärger-Strategien (eigene Erhebung 2008) 72

Abb. 21: Graphische Darstellung der Ergebnisse (Mittelwert) der Anwendung und des Erfolgsgrades der Anti-Stress-Strategien/Anti-Ärger-Strategien (eigene Erhebung 2008) 74

Abb. 22: Anti-Stress-Strategie-Durchführungs-Prozess (eigene Erhebung 2008) 80

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Stressskala für Studenten (modifiziert nach Holmes und Rahe 1985) 26

Tab. 2: Mögliche Krankheitsfolgen chronischen Stresses (modifiziert nach Kaluza 2004) 29

Tab. 3: Ergebnisse der Untersuchung im Hinblick auf die Häufigkeiten des/der Arbeitsfeldes/er des Erwachsenenbildners (eigene Erhebung 2008) 64

Tab. 4: Empfehlungen zur Anwendung von Anti-Stress-Strategien bzw. Anti-Ärger-Strategien in der Erwachsenenbildung (eigene Erhebung 2008) 78

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Begriff Erläuterung

Curricula Mehrzahl von Curriculum, lat. Begriff für das deutsche Wort Lehrplan

E-Mail englischer Begriff: „electronic mail“, zu deutsch: „die elektronische Post“ oder „der elektronische Brief“; bezeichnet eine über das Internet verschickte briefartige Nachricht; dabei können neben dem eigentlichen Text beliebige Daten als Anhang mitgeschickt werden, wie z.B. Bilder, Musik, Videos, Textdateien

Hohl, Peter deutscher Schriftsteller, Publizist und Verleger

Konfuzius lebte von 551 bis 479 vor Christi und war Begründer der ersten Weisheitsschule Chinas, dessen Lehren bis ins 21.Jh. das Leben in China und Japan bestimmen

Küstenmacher, * 1953 geboren, deutscher evangelischer Pfarrer, Autor

Werner Tiki und Karikaturist

Öffentliche Träger sind öffentlich-rechtliche Einrichtungen, die von Gemeinden, Landkreisen, Ländern oder vom Bund finanziert werden, müssen nach dem Finanzamt nicht gewinnorientierend arbeiten

Pre-Test Überprüfung eines Fragebogens, ob der Fragebogen von den Befragten überhaupt angenommen und beantwortet werden wird

Private Träger sind privat-gewerbliche Einrichtungen, die von Privatpersonen oder Gesellschaften finanziert werden, müssen nach dem Finanzamt gewinnorientierend arbeiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Begriff Erläuterung

Public Relation wird auch in Deutschlands Öffentlichkeitsarbeit genannt; Gestaltung der öffentlichen Kommunikation von Unternehmen, Organisationen, Ideen oder Einzelpersonen

Selye, Hans lebte von 1907 bis 1982, österreichischer/kanadischer Mediziner, er entwickelte die Grundlagen für die Lehre von Stress

Uhlenbruck, Gerhard deutscher Immunologe, Aphoristiker

Von Aquin, Thomas Theologe, Philosoph

Von Humboldt, Wilhelm Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt, kurz: Wilhelm von Humboldt, lebte von 1767 bis 1835 in, Gelehrter, Staatsmann und Mitbegründer der Universität Berlin – heute Humboldt-Universität zu Berlin

Von Weizsäcker, deutscher Bundespräsident von 1984 bis 1994

Richard Karl

Von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin

Marie

Wortley Montagu,Mary englische Schriftstellerin

Yogananda, lebte von 1893 bis 1952, indischer

Paramahansa Entspannungsmeister, Philosoph und Schriftsteller

1. Einleitung

„In der Ruhe liegt die Kraft.“

(Konfuzius: 551-479 vor Christi)

1.1 Begründung der Themenwahl

Nietzsche sagte einmal über Pyrrhon von Elis (ca. 300 Jahre vor Christi), dass er der mildeste und geduldigste Philosoph sei (ein Buddist), der je unter den Griechen gelebt hatte (vgl. Nietzsche 2008). Pyrrhons Ziel war die innere Ruhe zu finden. Er verhielt sich nach dem Eingangszitat von Konfizius, der ca. 500 Jahre vor Christi sagte „In der Ruhe liegt die Kraft.“. Auch heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts nach Christi, versuchen wir die innere Ruhe zu finden und Stress abzubauen. Das Thema hat nichts von seiner damaligen Bedeutung verloren.

1970 gingen Gesundheitsexperten bereits davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Krankheiten in Industirestaaten stressbedingt sind (vgl. Zimbardo 1995, S. 580). Laut einer repräsentativen Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der UNO hat sich der Stress zu einer „Jahrhundert-Epidemie“ entwickelt. Diese Studie geht davon aus, dass die Zahl weiter angestiegen ist und bereits zwei Drittel aller Krankheiten inzwischen auf Stress zurückzuführen sind und die Kosten für stressbedingte Krankheitsschäden seit Mitte der Neunziger Jahre jährlich mindestens zehn Prozent des Bruttosozialproduktes eines Industrielandes betragen. Für Deutschland entspricht das einer Summe von etwa 50 Milliarden Euro (vgl. Huber 1995).

Das Phänomen Stress ist nicht neu, jedoch sind sich die Gesundheitswissenschaftler einig, dass der Stresseinfluss heute höher ist als je zuvor. In dieser hastigen, technologisierten, durch Konkurrenzkampf bestimmten, konsum- und leistungsorientierten Welt begegnen heute immer mehr Menschen unzähligen Stressoren. Es wird erkannt, dass anwendbare Anti-Stress-Strategien und ein umfassendes Stressmanagement notwendig werden und jedermann persönlich seine Art der Entspannung finden sollte (vgl. Vaitl; Petermann 20002). Die Angebote von Anti-Stress-Strategien sind vielfältig und abwechslungsreich. Inzwischen ist eine fast unüberschaubare Fülle an Kursen, Büchern, Videos, DVDs und Internetseiten zum Thema Stress und Stressmanagement auf dem Markt.

„Ich bin gestresst.“ Diesen Satz hören viele Menschen und er ist allgegenwärtig und nicht positiv gemeint. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der keinen Stress kennt. Wir begegnen Stress in allen Bereichen unseres Lebens, zum Beispiel am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Freizeit (z.B. im Urlaub, Straßenverkehr etc.) oder in der Familie. Also während des gesamten Alltages kann Stress entstehen. Mit Ärger, Aggressionen, Wut und Stress haben viele Berufe zu tun. Besonders in der Erwachsenenbildung (EWB) ist man herausgefordert, auf dieses Problem eine menschlich-kompetente Antwort zu finden, um den Stress nicht an andere Menschen weiterzugeben. Es liegt oft an einem selbst, diesen „Zustand“ hinzunehmen oder gegen ihn aufzubegehren.

Laut Statistischem Bundesamt Deutschland (2008a) weisen 63 % des dienstunfähigen Lehrpersonals psychische Erkrankungen oder Erschöpfungszustände auf sowie sind Lehrpersonen in psychosomatischen Kliniken die am stärksten vertretende Berufsgruppe. Zwar sinkt die Zahl der pensionierten Lehrer, das liegt aber an der Minderung der Rente bzw. der Pension bei früherem Ausscheiden. In den meisten Fällen definiert das Lehrpersonal Stress als Überlastung, seelische Überforderung oder Spannung. Der Lehrberuf ist einer der anstrengendsten Berufe. Das Lehrpersonal ist in seinem beruflichen Alltag starken Belastungen ausgesetzt. Sowohl die zeitliche als auch die physische und vor allem psychische Belastung von Lehrpersonal ist überdurchschnittlich hoch. An den Erwachsenenbildner werden Anforderungen von Lehrenden, von Vorgesetzten und von Auftraggebern (wie z.B. Betrieben) gestellt, die teilweise unvereinbar sind mit dem zu Leistenden. Die verschiedenen Anforderungen verlangen einerseits Rollenklarheit und andererseits professionelle Arbeitsqualität. Soziale Behinderung, Mobbing, zu hohe Kompetenzerwartungen, Beschwerden, Belastungen, Arbeitsunzufriedenheit, Burnout sowie Fehlzeiten können unter anderen diesen Anforderungen im Weg stehen und zu Stressbelastungen werden. Stress kann jeden Erwachsenenbildner betreffen, unabhängig vom Arbeitsfeld, wie z.B. den Methodenexperten, den Lehrenden, den Organisator oder den Moderator. In der Praxis sind aber nicht zwingend alle von Stress betroffen. Abhängig ist dies von den verschiedenen Stressauslösern und davon wie jeder von den Erwachsenenbildnern den Stress bewertet und verarbeitet. Ziel ist ein stressfreier, positiver und gesundheiterhaltender Umgang mit den verschiedenen Anforderungen. Anti-Stress-Strategien wären zur Unterstützung der Zielerreichung eine positive Wahl.

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

Die Abschnitte der Masterarbeit sollen dazu dienen, die Grundlagen von Stress und Ärger und von Anti-Stress-Strategien besser zu verstehen. Es sollen Informationen über die Wirkung von Stress, über verschiedene Stressmodelle sowie über Stressoren und deren Auswirkungen gegeben werden.

Der Hauptteil der Masterarbeit richtet sich aber auf Anti-Stress-Strategien und deren Anwendung in der Erwachsenenbildung.

Ziel dieser Arbeit ist die Ausarbeitung und Bewertung von Anti-Stress-Strategien. In diesem Zusammenhang werden Fragebögen mit verschiedenen Anti-Stress-Strategien und zur Stressselbstanalyse an Berufstätige in der Erwachsenenbildung ausgegeben. Die Teilnehmer müssen dann beantworten, welche Anti-Stress-Strategien in ihrer Praxis benutzt worden oder nicht, wie oft sie sie anwendeten und daraus folgernd, welche war die Erfolgreichste. Außerdem werden wichtige Strategien näher dargestellt und bewertet. Zielgedanke ist eine Übersicht über die Anti-Stress-Strategien zu geben. Die ersten 25 Fragebögen dienen als Pre-Test. Danach werden ca. 100 überarbeitete Fragebögen an weitere Berufstätige in der Erwachsenenbildung verteilt und beantwortet.

Den Abschluss der Arbeit bilden der Ausblick und die Handlungsempfehlungen, im Hinblick auf die Anwendbarkeit von Anti-Stress-Strategien in der EWB und eine Zusammenfassung. Die Frage, die in dieser Masterarbeit beantworten werden soll, ist: „Welche Anti-Stress-Strategien werden in der Erwachsenenbildung eingesetzt und welche nicht bzw. welche Methode war die Erfolgsreichste?“

2. Arbeitsbedingungen/Strukturmerkmale der Erwachsenenbildung

„Möglichst viele sollten möglichst viel wissen.“

(Richard Karl von Weizsäcker: *1920)

2.1 Allgemeine, aktuelle Situation in der Erwachsenenbildung

Erwachsenenbildung ist heute wichtiger denn je, denn der Spruch „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ gilt heute nicht mehr. Lebenslanges Lernen zieht in alle Bereiche unseres Lebens ein. Wer die erste Bildungsphase (allgemeine Schulbildung) abgeschlossen hat, hört meist nicht auf zu lernen.

So kann in der EWB vieles nachgeholt, aus- und weitergebildet werden, z.B. kann man eine/n bzw. mehrere

- Berufsausbildung/en,
- Umschulung/en,
- Meisterkurs/e,
- Schulabschluss/üsse,
- Studium/ien (Diplom, Beachlor, Master, Dissertation, Habilitation)
- berufsspezifischen/e Weiterbildungs- oder Ausbildungskurs/e und/oder
- freizeitspezifischen/e Weiterbildungskurs/e

nachholen, abschließen oder in Anspruch nehmen.

Nach dem Gutachten „Evaluation in der Erwachsenenbildung“ von Giesecke et al. (1997) ändern sich die Arbeitsbedingungen in der EWB rasch. Die Themen wechseln schneller und langfristige Curricula müssen kurzfristigen attraktiven Veranstaltungen mit hohem Teilnehmerinteresse weichen.

In der Stellungnahme der Evangelischen Erwachsenenbildung (1997) wird, wie in vielen nachfolgenden Texten, der Aufwand für eine Veranstaltung höher, die Dauer der Veranstaltung kürzer. Der Grund hierfür sind gestiegene Ansprüche, der Methodenwechsel, welcher inzwischen von den Teilnehmern erwartet wird und gleichzeitig die gesunkene Verbindlichkeit der Anmeldung zu einer Veranstaltung. Das bedeutet für den Erwachsenenbildner immer mehr permanente Unsicherheiten, schnelle Umstellungsnotwendigkeiten und wechselnde Orientierungsbedürfnisse.

Das didaktische Dreieck (Abb. 1) verdeutlicht die Beziehung zwischen Lehrenden, Lernenden und dem Gegenstand (dem Lerninhalt). Der Lehrer vermittelt dem Lernenden Themen durch in Anspruchnahme von Methoden und Medien, wobei das Alter, das Geschlecht und die Lernerfahrung Einfluss auf den Lehrenden haben, positiv aber auch negativ. Der Lernende eignet sich den Lerninhalt, im Didaktischen Dreieck Gegenstände genannt, an, wobei bei ihm die Lernerfahrung, das Geschlecht, das Alter und die Anzahl an Lernenden Einfluss auf den Erfolg der Aufnahme des zu Erlernenden hat. Die Gegenstände bilden den Kontext und setzen sich aus der Fülle von möglichen Lerninhalten und Lernthemen zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das didaktische Dreieck (nach Faulstich und Zeuner 1999, S. 51)

2.2 Beschreibung der Erwachsenenbildungstätigkeit

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE 2008) geht davon aus, dass es charakteristisch vier "Tätigkeitsausübungen" von Erwachsenenbildnern gibt:

- den Methodenexperten, der "guten" Lehrenden,
- den Manager, Organisator, Programmplaner,
- den Medienexperten, Medienpädagogen,
- den Berater, Begleiter und Moderator.

Der Tätigkeitszyklus in der EWB verläuft in fünf Phasen, die im Verlauf dieses Abschnittes näher in ihren grundlegenden Besonderheiten erläutert werden (vgl. Dick 2006). Die folgende Abbildung (Abb. 2) stellt die Abfolge des Tätigkeitszyklusses dar:

a.) Angebot, Bedarf vermitteln, b.)Rahmenbedingungen organisieren, c.) Durchführung sichern, d.) Transfer ermöglichen und e.) Evaluation.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Tätigkeitszyklus der Erwachsenenbildung (nach Dick 2006, S. 4)

Die fünf Phasen des Tätigkeitszyklusses lassen sich wie folgt beschreiben:

Die Graphik zeigt, dass am Anfang Angebote und Bedarfe für EWB an die Forschung, das Marketing eines Unternehmens und an die Politik vermittelt werden. Dabei müssen die Erwachsenenbildner ihre Arbeit repräsentieren und die Finanzierung ermöglichen. Darauf folgend müssen die Rahmenbedingungen organisiert werden. Dazu zählen die Administration, die Koordination, die Organisation und die Disposition. Ohne Organisation der Rahmenbedingungen bzw. die Sicherstellung der Finanzierung kann keine Durchführung von Erwachsenenbildungsmaßnahmen stattfinden. Die Erwachsenbildner, die in dem Tätigkeitsbereich „Durchführung sichern“ beschäftigt sind, sichern die Umsetzung der Ziele und Inhalte, wenden die Methoden und die Didaktik der EWB an und führen die Moderation ggf. mit Medieneinsatz durch. Als nächste wichtige Tätigkeit ist das Ermöglichen eines gut funktionierenden Transfers, denn Kontakte zur Praxis und die Vernetzung unter einander (Erwachsenenbildner, deren Organisationen etc.) sind von großer Bedeutung. Dort können die, im letzten Tätigkeitsbereich des Erwachsenenbildners „der Evaluation“, Ergebnisse der EWB diskutiert, besprochen und auf ihre Anwendbarkeit reflektiert werden. Ziel ist dabei die Erforschung und Diagnostik von Ressourcen und Risiken, um ggf. korrigierende Schritte einzuleiten oder gelungene, positiv bewertete Erwachsenenbildungsmaßnahme weiter auszubauen. Ziel dieses Tätigkeitskreislaufes ist es, die Reihenfolge der Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung besser einzuordnen und Abweichungen rechtzeitig zu erkennen, um dann Plankorrekturen vorzunehmen.

2.3 Lernen unter Stress und Anti-Stress-Strategien aus neurobiologischer Sicht

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer (2002a, 2002b), Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikum Ulm, erforscht die Neurobiologie im Zusammenhang mit der Bedeutung zu Lernprozessen.

Neurobiologische Erkenntnisse können dazu beitragen, Ansätze für ein menschengerechtes Lernen zu entwickeln und den Einfluss von Stress bzw. von Anti-Stress-Strategien weiter zu erforschen.

Der Blutdruck steigt, das Herz schlägt schnell, kalter Schweiß steht auf der Stirn, gleichzeitig werden unbemerkt die Muskeln mit zusätzlicher Energie versorgt, der Appetit als auch der Sexualtrieb gedrosselt. Zwei Hormone sind dafür verantwortlich: Adrenalin und Cortisol. Sie werden bei jeder Art von Belastung in der Nebenniere produziert, z.B. während eines Streitgespräches mit einem Kollegen, wenn man sich vor den Teilnehmern einer Weiterbildung blamiert oder wenn man unter Zeitdruck eine Aufgabe erledigen muss. Obwohl z.B. das Streitgespräch mit dem Kollegen schon vorbei ist, spürt man noch lange die körperlichen Reaktionen. Nach der Belastung sinkt kontinuierlich sowohl der Adrenalin als auch der Cortisolspiegel.

Ganz anders ist es bei chronischem Stress. Chronischer Stress kann den Adrenalin- und Cortisolspiegel über Monate bis Jahre erhöhen. Dies könnte nach den Erkenntnissen von Spitzer und anderen Stress- und Hormonforschern zu einem vorzeitigen Abbau von Gehirnzellen führen. Außerdem können die Hormone das Immunsystem lahm legen, weil sich durch sie die Abwehrzellen seltener teilen und nicht so aggressiv gegen Krankheitserreger vorgehen.

Die richtige Dosis Stresshormone im Blut hilft beim Lernen und beim Gesund bleiben. Chronischer Stress macht dagegen krank und vergesslich.

Unser Gehirn besteht aus 100 Milliarden Nervenzellen. Die Nervenbahnen und Verbindungen können einfacher und kontinuierlicher anspringen, wenn es um das Lernen von gleichen oder ähnlichen Lerninhalten (z.B. Anti-Stress-Strategien) geht. Regelmäßige Wiederholung und Vertiefung sind unverzichtbar, wenn unser Hirn etwas erlernen, aufnehmen, behalten und speichern soll.
Wenn das zu Lernende, z.B. eine Anti-Stress-Strategie, Bedeutung und Anwendung findet, also wieder gebraucht, benutzt und noch mal von den Nervenzellen beachtet wird, wird es schneller behalten und man erinnert sich daran besser. Andere Anti-Stress-Strategien von den man weiß, dass sie künftig nicht mehr benötigt werden, weil sie nicht oft benutzt werden, geraten sofort wieder in Vergessenheit. Dies geschieht dadurch, weil sich im Gehirn ein interner Belohnungsmechanismus befindet. Dieser Mechanismus schüttet als Belohnung im Gehirn Stoffe und Substanzen aus, die ein hohes Wohlgefühl auslösen. Damit wird die Abspeicherung neuer Lerninhalte, also z.B. einer Anti-Stress-Strategie, gefördert.

Eine Lehr- und Lernsituation ist also dann optimal, hirngerecht und wirksam, wenn man für erlangte Erfolge und überwundene Misserfolge belohnt wird und Anti-Stress-Strategien einsetzt, um chronichen Stress zu verhindern.

Einige für die Erwachsenenbildung wichtige Stressbewältigungsmaßnahmen sind z.B.:

- Coping,
- Bewegung,
- Ernährung,
- Entspannung/Schlafen,
- Humor,
- Soziale Bereiche und
- Strategien.

Sie sind im Anhang, Anlage 2 dargestellt. Außerdem werden im Kapitel 4 „Durchführung von Anti-Stress-Strategien in der Erwachsenenbildung“ diese verschiedenen Strategien näher erläutert.

3. Grundlagen von Ärger und Stress

„Man könnte sich den ganzen Tag ärgern.

Aber man ist nicht dazu verpflichtet .“

(Peter Hohl: *1941)

3.1 Begriffsdefinitionen „Ärger“ und „Stress“

Die Begrifflichkeiten „Ärger“ und „Stress“ werden heutzutage sehr häufig verwendet. Bei einigen Menschen werden diese Begriffe überfordert und für jede Anstrengung oder Anspannung benützt. Wichtig ist daher die Definition und Erläuterung, was sich hinter den Begriffen „Ärger“ und „Stress“ verbirgt.

Definition des Begriffs Ärger:

Ärger ist ein starkes Gefühl, eine emotionale Angeregtheit (Emotion). Es ist ein ursprüngliches Gefühl, dass im direkten Zusammenhang mit einem auslösenden Ereignis steht. Ärger lässt sich aber noch wie folgt beschreiben:

· Lüder (1998) beschreibt Ärger als emotionale Reaktion auf Äußerungen, Handlungen oder Situationen, die als störend oder frustrierend wahrgenommen werden und oft als Angriff auf Wohlbefinden, Selbstwertgefühl und sein Wertesystem empfunden werden. Mögliche Auslösefaktoren werden subjektiv wahrgenommen und als Ärgernis interpretiert.

- In Wikipedia (2008a), die freie Enzyklopädie, steht, dass Ärger, in gehobener Sprache auch Verdruss genannt wird und dass es eine spontane, innere, emotionale Reaktion auf eine Situation, eine Person oder eine Erinnerung ist, die der Verärgerte verändern möchte.

- Ärger kann in Situationen, die man emotional sehr bewegend findet, das übliche Urteilsvermögen verzerren und Dinge tun lassen, die uns im Nachhinein entsetzen (Davies 2002).

Ärger ist auch nichts peinliches oder schlimmes, aber natürlich nur so lange, wie man auf diese Situation gerechtfertigt reagiert und nicht überreagiert.

Nach Ekman (2004) existieren 7 Basisemotionen:

- Fröhlichkeit,
- Wut (Ärger) ,
- Ekel,
- Furcht,
- Verachtung,
- Traurigkeit und
- Überraschung.

Diese Emotionen werden kulturübergreifend bei allen Menschen in gleicher Weise erkannt und ausgedrückt. Ärger gehört zur Emotion Wut, aber Wut hat im Gegensatz zum Ärger ein höheres Erregungsniveau.

Definition des Begriffs Stress:

(lat. stringere – anspannen; engl. stress – Druck, Anspannung)

Auf den Physiologen und Arzt Hans Selye (1986), der schon 1950 Stress am präzisesten definiert hat, geht folgende Definition zurück: „Stress ist die unspezifische Reaktion des Körpers auf jede Anforderung (Stressoren), die an ihn gestellt wird.“

Lazarus und Launier (1998) zufolge wird Stress als ein Ereignis gesehen, indem äußere und innere Anforderungen (oder Konflikte zwischen beiden) die Anpassungsfähigkeit eines Individuums beanspruchen oder übersteigen.

Stress ist demzufolge ein Muster spezifischer und unspezifischer psychischer und körperlicher Reaktionen oder die Anpassung eines Menschens auf interne oder externe Reize, die das Gleichgewicht stören, die Fähigkeiten zur Bewältigung strapazieren oder überschreiten und Anpassungsleistungen verlangen. Diese Reize werden als Stressoren bezeichnet. Der Stressor ist also ein Reizereignis, das vom Organismus eine adaptive (angepasste) Reaktion verlangt.

Wichtig ist auch zu wissen, dass Stress von jedem Menschen anders wahrgenommen und verarbeitet wird (abhängig von den inneren psychischen Prozessen und gelernten Verarbeitungsmustern von Stress). Im Kapitel 4 wird darauf näher eingegangen.

Grundlegend ist zu bemerken, dass Stress ein Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Antwortmöglichkeiten einer Person ist. Zur besseren optischen Vorstellung wird das Ungleichgewicht in der folgenden Abbildung (Abb. 3) dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Antwortmöglichkeiten einer Person unter Stress (modifiziert nach Lehmann 2008)

3.2 Was ist Ärger

Jeder Mensch hat eine angeborene Neigung zum „Bösen", davon geht grundsätzlich Sigmund Freud (1998) aus. Er meint, dieser Trieb müsste zum Ausdruck kommen, nicht unbedingt zerstörerisch, aber kommt er nicht zum Ausdruck, sind seelische Störungen die Folge. Ein wenig Ärger ist also gesund. Das Leben verläuft genauer gesagt nicht ärgerfrei und man sollte sich ruhig ab und zu einmal über etwas ärgern.

3.2.1 Ursachen von Ärger

Die Ursachen zu kennen, die Menschen ärgerlich machen, ist wichtig, denn dieses Wissen kann man später in Ärgersituationen nutzbringend einsetzen. Man kann Ihnen dann z.B. aus dem Weg gehen oder eine Anti-Ärger-Strategie entwickeln.

Davies (2002) beschreibt 3 Ursachen von Ärger. Dabei werden folgende Ursachen unterschieden:

1. die Außenreize,

2. den Preis, den wir zahlen und

3. die Grenzüberschreitungen.

Ärger kann aber auch durch mehrere Ursachen gleichzeitig herbeigeführt werden.

Außenreize:

Außenreize, als Ursache von Ärger, können unendlich groß in ihrer Vielfalt sein. So gibt es unter anderen, folgende Außenreize:

- die Kau- und Schmatzgeräusche einer Person,
- die Art, wie manche Personen husten,
- das „Türen-immer-offen-stehen-lassen“ mancher Personen,
- das Naseputzen einer Person
- das Hören lauter Musik,
- das Erheben von Stimmen, mancher Personen,
- das Einschlagen von Bilderhaken in einer Wand oder
- das Ballspielen auf der Straße.

den Preis, den wir zahlen:

Mit „den Preis, den wir zahlen“ ist gemeint, dass das Verhalten anderer Personen eine Form von Verlust für uns darstellt. Unter anderen zählen zum Verlust z.B.:

- der finanzielle Verlust, das Verhalten verursacht Kosten,
- der „Gesichtsverlust“, das Verhalten mindert die Persönlichkeit , z.B. der Partner widerspricht energisch vor anderen Personen oder
- der Zeitverlust, das Verhalten kostet uns Zeit.

Grenzüberschreitungen:

Jeder Mensch verhält sich nach einer Reihe von Regeln und erwartet, dass auch andere Menschen sich an diese Regeln halten. Wird eine Regel gebrochen, findet eine Grenzüberschreitung statt und man ärgert sich. Was kann eine Grenzüberschreitung sein, z.B.:

- der Vertrauensbruch unter Freunden oder Partnern oder
- der Diebstahl eines Autoradios.

Weitere auslösende Bedingungen von Ärger unterscheidet Steffgen (1993). Um folgende Ursachen handelte es sich hierbei:

- handlungsblockierende oder schädigende Reize,

- Arbeitsabschnitte, die wechselseitige unterstützende Hilfe anderer Berufsgruppen notwendig machen, müssen alleine erledigt werden

- Blockierung der Zielerreichung,
- keine Lehr- und Lernhilfsmittel werden bereitgestellt bzw. sind nicht vorhanden
- Nichterfüllung eines Bedürfnisses,
- zusätzlicher Unterricht zur Defizitbeseitigung eines Lernenden wird nicht erlaubt bzw. nicht gewünscht
- persönliche Angriffe und Beleidigungen,
- aggressives und lautes Verhalten eines Lernenden, weil er den Sinn einer ihm gestellten Aufgabe nicht versteht

- Unterbrechung bei Konzentration erfordernden Aufgaben,
- das Abschirmen gegen Störungen, trotz vorheriger Bitte um Ruhe, wird immer wieder gebrochen
- wahrgenommen Ungerechtigkeit,
- Spielräume für eigene Entscheidungen werden dem einen Mitarbeiter gestattet und dem anderen in gleicher Position nicht
- Frustrationen,
- Isolation des Erwachsenenbildners, kein Informationsaustausch mit anderen Erwachsenenbildnern möglich oder erwünscht
- die Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls durch Reden oder Handeln einer Person oder
- Probleme des Erwachsenenbildners werden durch Zurückweisung nicht ernst genommen
- Provokationen oder provokative Reize, die eine Person belästigen oder schädigen.
- eine lehrende Person benötigt für die Vorbereitung eines Veranstaltungspunktes längere Zeit und wird durch einen Teilnehmer oder durch mehrere Teilnehmer immer wieder provokant darauf angesprochen, warum es so lange dauert

Zusammenfassend lassen sich drei Merkmale, welche in zahlreichen Quellen genannt werden, schlussfolgern:

1. Bedürfnisse werden blockiert und Ziele können nicht wahrgenommen werden.

2. Jemand oder eine Sache wird als Verantwortlicher verstanden.

3. Es tritt eine Schuldzuweisung gegen eigene oder soziale Regeln statt.

3.2.2 Ärgerverlauf

Ärger verläuft nach Schenkmezger et al. (1999) in vier Phasen, die im Verlauf dieses Abschnittes näher in ihren grundlegenden Besonderheiten erläutert werden. Die Abbildung (Abb. 4), nachfolgende Seite, stellt die Abfolge des Ärgermodells mit seinen Phasen dar.

Aus folgenden Phasen besteht das Ärgermodell:

1. Ärgerauslösung,

2. Ärgererscheinung – 3. Ärgerverarbeitung und

4. Ärgerstabilisierung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ärgerstabilisierung

Abb. 4: Prozessorientierten Ärgermodell (nach Schenkmezger et al. 1999, S. 24)

Erst wird die Ärgerreaktion ausgelöst, dann bewertet und beurteilt auf ihre Relevanz und danach findet eine Reaktion statt. Das kann eine Ärgerreaktion oder eine Anti-Ärger-Strategie sein. Diese Prozesse beeinflussen sich gegenseitig und wirken aufeinander ein. Die Phasen werden nachstehend detaillierter beschrieben.

Ärgerauslösung:

Nach dem Modell von Schenkmezgers et al. (1999) findet in dieser Phase eine Blockierung oder Behinderung einer zielgerichteten Handlung statt, abhängig von dem persönlichen Ärgerniveau (biologische Vulnerabilität – Eigenschaften des autonomen Nervensystems – Verletzbarkeit, dispositionelles Verhalten – Anlage (z.B. das Geschlecht)). Wenn die Komponenten Situation und Person gegeben sind, findet eine erste kognitive Bewertung statt. Die Bedeutung des Zieles wird bewertet, es findet eine Verantwortlichkeitszuschreibung statt oder eine Bewertung des Auslöser als „Hindernis“.

Ärgererscheinung/Ärgerverarbeitung:

In dieser Phase lässt sich der Ärgerzustand anhand physiologischer Erregung feststellen, verbunden mit einem veränderten Verhalten (z.B. Mimik, Gestik, verbale oder physische Angriffe). Der Ärger kann durch verschiedene Formen ausgedrückt werden, z.B. durch aggressives Verhalten oder durch Unterdrückung. Man will den Ärger kontrollieren. Infolgedessen wird ein zweites Mal kognitiv bewertet. Bewertet wird z.B. der Erfolg oder Misserfolg der Situationsbewältigung.

Ärgerausdrucksformen (vgl. Hank und Mittag 2003) :

Anger Out Abreagierung nach außen

Anger In Ärgerunterdrückung

Anger Control Ärgerkontrolle

Ärgerstabilisierung:

Ärger geht dem Bewältigungsprozess stets voraus. Demzufolge müssen Ärgerverarbeitungsstile (z.B. Training der Kommunikation, der Interaktion, des positiven Miteinanders oder der Entspannung) entwickelt werden, um den Ärger zu stabilisieren. Diese Bewältigungsstrategien bestimmen die Intensität und die Qualität des Ärgers. Bei einer Chronifizierung des Ärgers und ungünstiger Verarbeitungsstilen kann der Ärger sich zum Ärgerstress entwickeln. Die Situation muss bewusst beobachtet und wahrgenommen werden, um dann kognitiv umzubewerten. Die Kontrolle der Ärgeremotion ist eine wichtige Voraussetzung in der Erwachsenenbildung. Denn wenn der Ärger die Überhand übernimmt, kann der Erwachsenenbildner schnell demotiviert, enttäuscht, resigniert und/oder Zweifel an der richtigen Berufswahl haben. Diese Gefühle können Einfluss auf die Qualität der Arbeit haben und diese können die Lernatmosphäre des Lernenden negativ beeinflussen. Doch gerade das sollte nicht passieren. Auch der Lernende steht oft unter Druck eine Weiterbildung so gut wie möglich abzuschließen und ist unsicher und benötigt gerade deshalb eine Kontrolle der Ärgeremotion des Erwachsenenbildners, um nicht selbst in den Strudel der negativen Emotionen gerissen zu werden.

Wichtig :

Eine Ärgerreaktion kann gestoppt werden, wenn an einer der vier Phasen eine Veränderung durchgeführt wird. Das heißt, sollte der Auslöser für Ärger fehlen, gibt es auch keine Bewertung und damit auch keinen Ärger. Ist der Auslöser vorhanden und die derzeitige Situation wird als nicht ärgerlich bewertet, wird die Ärgerreaktion gestoppt. Ist der Auslöser vorhanden und die Situation wird als ärgerlich bewertet, aber auf die Situation wird mit eine Strategie reagiert, wird kein Ärger ausgelöst.

3.2.3 Auswirkungen von Ärger

Ärger kann sich

- negativ für das soziale Miteinander und

- negativ auf unsere Gesundheit

auswirken.

Folgen für das soziale Miteinander:

Ärger führt zu vielen falschen oder wenig hilfreichen Verhaltensweisen oder Reaktionen (Köhle 1998, Davies 2002, Boerner 2005). Dabei handelt es sich meist um folgende:

- Gerechtigkeitsstreben,
- Querulantenverhalten,
- Schimpfen/Beschämen,
- Sarkasmus/Ironie/Zynismus,
- Delegation an den eigenen Körper (Bulimie, Anorexie) - Ausgrenzung,
- Schweigen,
- Selbstschlagen,
- Nägelbeißen oder
- Angriffe/Zerstörungen.

Ärger führt zu Streit und Auseinandersetzungen. Je nach Individualität reagiert jeder Mensch anders auf den Ärger. Gelegentlicher Ärger, der zu konstruktiven und aufbauenden Lösungen führt, kann soziale Beziehungen voranbringen. Aber andauernde Abneigung, kontinuierliche Ärgerepisoden und Streitereien bringen soziale Bindungen ins Ungleichgewicht. Die Folge können soziale Feindseligkeiten, soziale Ausgrenzungen, der Verlust der sozialen Anerkennung oder der Verlust friedlicher Kommunikation sein.

Folgen für die Gesundheit:

Chronisch ausgelebter und/oder nicht ausgelebter Ärger kann krankmachend und schädigend sein. Dies kann dann zu einer Erkrankung führen, sofern der Organismus des Körpers nicht dazu in der Lage ist, angebrachte Bewältigungsreaktionen zu entwickeln. Unangebrachte bzw. inadäquate Bewältigungsreaktionen, wie in Abbildung 5 dargestellt, können bei dauerhafter Anwendung zu einem pathophysiologischen Prozess (gesundheitlichen Schäden) führen.

Appel et al. (2008) unterscheiden zwei Einflüsse von Ärger, dem direkten und dem indirekten Einfluss auf die Gesundheit. Der indirekte Einfluss führt zu bestimmten Verhaltensweisen, wie z.B. Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum, welche dann den Organismus schädigen. Der direkte Einfluss andererseits führt direkt zu einer akuten oder chronischen Schädigung des Organismus.

Die naturwissenschaftliche Erklärung von Schwenkmezger et al. (1999) besagt, dass es durch Ärger zu einer Aktivierung des sympathischen Nebennierenmarksystems und des Hypophysen-Nebennierenrindensystems kommt. Dies kann dann zu negativen Folgen führen, vor allem für das Herzkreislaufsystem. Der Psychoanalytiker und Mitbegründer der Psychosomatik Franz Alexander (1999) hat bereits 1939 die These aufgestellt, dass unterdrückter Ärger zu Bluthochdruck führen kann. Außerdem kann es zu psychischen Problemen führen, wie Depressionen oder Bulimie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Der behaviorale Weg der Krankheitsverursachung durch emotionale Prozesse (nach Schwenkmezger et al. 1999, S. 45)

3.3 Was ist Stress

Es gibt so vieles, was Stress bereitet, ob die Unpünklichkeit eines Kollegen, das Verhalten des Partners, die Hektik im Straßenverkehr oder das unordentliche Zimmer des Kindes. Alles hängt davon ab, welche Bedeutung dieses Ereignis gerade in diesem Moment für den Einzelnen hat. Vielleicht löst es Stress aus, vielleicht aber auch nicht. Die Wahrnehmung und Bewertung dieser Situation ist ausschlaggebend. Was Stress bedeutet und was darunter zu verstehen ist, wird in diesem Kapitel näher beleuchtet.

3.3.1 Arten von Stress

Stress wird grob in zwei Arten eingeteilt (Linneweh 1998, Kaluza 2004). Zum einen in Eustress und zum anderen in Distress. Unter Eustress wird positiver guter Stress und unter Distress wird negativer ungünstiger Stress verstanden.

Eustress:

Eustress ruft positive Gefühle/Empfindungen hervor, z.B.:

- Energie,
- Konzentration,
- Freude,
- Euphorie,
- Erfolg oder
- Optimismus.

Distress:

Distress ruft hingegen negative Gefühle/Empfindungen hervor, z.B.:

- Lustlosigkeit,
- Pessimismus,
- Misserfolg,
- Monotonie,
- Angst oder
- übertriebenen Ergeiz.

Die verschiedenen Arten/Phasen von Stress lassen sich im Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit als Graphik (Abb. 6) darstellen. Die Graphik zeigt, dass bei niedriger Leistungsfähigkeit und niedriger Stressdosis (wenig Stressoren - Hypostress) Anzeichen von Distress, also negative Emotionen, hervorgerufen werden. Folgende Anzeichen können in der ersten Phase, der Alarmphase auftreten, z.B.: Langeweile, wenig Motivation, schlechte Leistung, Leichtigkeitsfehler oder Unbehagen. Im Bereich der mittleren Stressdosis und mittleren Leistungsfähigkeit, dem Eustress, werden positive Emotionen hervorgerufen. In dieser zweiten Phase (Widerstandsstadium) fühlt man sich wohl, hat eine hohe Motivation, bringt gute Leistungen, man fühlt sich angespannt, aber die Arbeit macht Spaß und Freude. In der dritten Phase, dem Erschöpfungsstadium, weist darauf hin, dass bei hoher Stressdosis (viele Stressoren. Hyperstress) und niedriger Leistungsfähigkeit Anzeichen von Distress, also negative Emotionen, hervorgerufen werden. Merkmale dafür können z.B. sein, dass man sich überfordert fühlt, Fehler unterlaufen häufiger, man ist planlos und resigniert schneller oder zeigt zunehmende Leistungsverschlechterung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Phasenverlauf von Stress(modifiziert nach Linneweh 1998, Zimbardo 1999, Crisand und Lyon 1998)

Ob man im Leben Eustress oder Distress empfindet, hängt von Jedem selbst ab. Hat die Person die Ereignisse, Geschehnisse und Eindrücke als negatives oder positives Bild gespeichert, wird er sie auch in Zukunft als negativ oder positiv wieder hervorrufen. Zum Beispiel wenn ein Hund einem Hasen hinterherläuft, dann haben beide Stress, nur der Hund hat Spaß dabei. Auf diese Abläufe wird im nächsten Unterpunkt näher eingegangen.

3.3.2 Verlauf von Stress

Transaktionale Stressmodell von Lazarus:

Lazarus (Lüder 1998, Linneweh 1998, Kaluza 2004) ging schon 1974 davon aus, dass nicht die Charakteristika der Reize oder Situationen für die Stressreaktion von Bedeutung sind, sondern die individuelle kognitive Verarbeitung des Betroffenen (siehe Abb. 7). Nach seinem Stressmodell wird jede neue oder unbekannte Situation in 2 Phasen kognitiv bewertet:

1. Phase Ereigniseinschätzung:

Bewertung, ob die Situation eine Bedrohung enthält.

2. Phase Ressourceneinschätzung:

Bewertung, ob die Situation mit den greifbaren Ressourcen bewältigt werden kann.

Wenn die Ressourcen ausreichend sind, wird keine Stressreaktion ausgelöst und die Gesundheit, das Wohlbefinden und das Sozialverhalten bleiben erhalten. Dies wird durch Coping (Bewältigung) erreicht. Das heißt den Anforderungen unserer Umwelt muss so begegnet werden, dass negative Konsequenzen vermieden werden. Dies ist abhängig von der inneren Einstellung, den Werten und der Erziehung. Nur wenn die Ressourcen nicht ausreichend sind, wird eine Stressreaktion ausgelöst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Transaktionale Stressmodell nach Lazarus (modifiziert nach Lüder 1998, Linneweh 1998, Kaluza 2004)

Stressreaktionskette (Lüder 1998):

Am Anfang der Stressreaktionskette (siehe Anhang Anlage 1) stehen die objektiven Stressoren . Diese können körperliche Belastungen, physische Belastungen (Lärm, Hitze, Gerüche), kognitive Belastungen (Zeitdruck, Konzentrationsanforderungen, Unsicherheit), soziale Belastungen (Mobbing, Klima ist konfliktgeladen) oder emotionale Belastungen (Neid, Missgunst, Trauer, Wut) sein.

Diese Stressoren werden dann bewertet und mit den vorhandenen Ressourcen (a: Ressourcen in der Situation – Handlungsspielraum, soziale Unterstützung; b: Ressourcen in der Person – Qualifikation, Problemlösekompetenz, Bewältigungsstrategien, soziale Kompetenzen) bewältigt .

Beim Eintreten des Stresses können kurzfristige Stressreaktionen auftreten. Diese können p hysiologisch/somatisch (z.B. erhöhte Herzfrequenz, Blutdrucksteigerung, Adrenalinausschüttung), psychologisch (z.B. Anspannung, Frustration, Ärger, Gereiztheit, Ermüdung, Monotonie, Sättigungsgefühl), verhaltensverändernd (z.B. Leistungsschwankungen, Fehler, längeres Schweigen) sein.

Bei fortwährendem Stress können langfristige Stressreaktionen auftreten. Folgende Reaktionen können eintreten: physiologische/somatische (z.B. psychosomatische Beschwerden, organische Krankheiten), psychologische (z.B. Ängstlichkeit, Depressivität, Burnout, Arbeitsunzufriedenheit), verhaltensverändernde (z.B. Nikotin-, Alkohol- und Tablettenkonsum, Fehlzeiten)

Kurzfassung des Verlaufes von Stress:

Eine psychische Belastung tritt auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Organismus reagiert mit Ausschüttung von Hormonen, darunter Adrenalin/Cortisol (sich wach fühlen).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Gehirn verankert das erfolgreiche Handlungsmuster. Es ist für künftige Probleme abrufbereit

3.3.3 Ursachen von Stress

Ursachen oder Auslöser von Stress werden Stressoren genannt. Sie sind Belastungen oder Reize die im Körper Stress auslösen. Für keinen Stressor kann man verbindlich einen Grenzwert angeben, von dem eine Stressreaktion ausgelöst werden kann. Ausschlaggebenden Einfluss nehmen die individuelle Situation sowie die vorhandenen Bewältigungsstrategien der einzelnen Person. Das heißt nicht jede Ursache von Stress wirkt bei jedem Menschen gleich. Das Stressverhalten kann sich daraufhin unterschiedlich bei jedem äußern.

Nach Hüther (1997) sind die häufigsten und bedeutsamsten Ursachen von Stress:

- psychosoziale Konflikte,
- Lehrender und Lernender haben einen persönlichen Streit; nicht „Nein“ sagen können
- die Unerreichbarkeit von vorgestellten Zielen,
- fest vorgeschriebene Stundenziele einer Fortbildung werden nicht erreicht; hastiges und deshalb fehlerhaftes Arbeiten
- die Unerfüllbarkeit von als zwingend empfundenen Bedürfnissen und Wünschen oder
- die Mindestanforderungen von vorhandenen Grundwissen durch die Lernenden wird nicht gewährleistet; falscher Ergeiz
- ein Defizit oder ein Überschuss an Informationen.
- wichtige Informationen über die Konzeptionsanforderungen einer Weiterbildung werden nicht weitergegeben; überflüssiger Papierkram
Diese bedeutsamsten Ursachen nach Hüther kann man, in Bertacht auf ursächliche arbeitsbedingte Stressfaktoren für die EWB, folgend zusammenfassen:
- Arbeitsinhalt,
- Arbeitsumgebung,
- Arbeitsorganisation und
- unzureichende Kommunikation.

Zusätzlich können diese nach Lüder (1998) durch Bewegungsmangel, Krankheit, Schmerzen und dem Klima (Hitze, Kälte) beeinflusst und verstärkt werden.

Die amerikanischen Forscher Holmes und Rahe entwickelten 1967 eine Skala in der gewichtet wird, in welchem Ausmaß bedeutende Lebensveränderungen Stress auslösen. Diese Skala/Rangfolge wird durch eine Befragung ermittelt. Anlehnend an diese Stressskala erstellen die Forscher Insel und Roth 1985 die Stressskala für Studenten. Als bedeutendstes und meist stressauslösendstes Ereignis wurde der Tod eines nahen Angehörigen ermittelt. Weitere Gewichtungen von Lebensveränderungen sind in der Tabelle 1 aufgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3.4 Auswirkungen von Stress/Stressreaktionen

Wie bereits im Kapitel 3.3.2 Verlauf von Stress verkürzt angesprochen, wird in diesem Unterpunkt spezieller auf die Auswirkungen von Stress und Stressreaktionen eingegangen. Nach der kognitiven Bewertung des Stresses und dessen Bewältigung können physiologische, verhaltensbezogene, emotionale und kognitive Reaktionen, von denen einige adaptiv oder tödlich sein können, eintreten.

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Details

Seiten
122
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836627740
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226673
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
erwachsenenbildung stressbewältigung anti-stress-strategien anti-ärger-strategien ärgerbewältigung

Autor

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Titel: Anwendung von Anti-Stress-Strategien in der Erwachsenenbildung