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Corporate Social Responsibility in der internationalen Tourismuswirtschaft

Win-Win Potentiale für Unternehmen und Gesellschaft im Spannungsfeld von Globalisierung und Nachhaltigkeit

Diplomarbeit 2008 46 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Corporate Social Responsibility (CSR)
2.1 CSR Definition und Systematisierung
2.2 CSR und Corporate Citizenship
2.3 CSR im Umfeld von unternehmerischer Nachhaltigkeit
und nachhaltiger Entwicklung
2.4 Gesellschaftliche und ökonomische Dimension

3. Win-Win Potentiale
3.1 Voraussetzungen für die Erfolgswirkungen von CSR
3.2 CSR als Business Case
3.2.1 Reputation als vorökonomische Erfolgswirkung von CSR
3.2.2 Ökonomische Erfolgswirkung von CSR

4. Internationale Tourismuswirtschaft
4.1 Überblick in Zahlen
4.2 Tourismus und Entwicklungsländer
4.3 Tourismus als sozioökonomischer Entwicklungsfaktor
4.4 CSR und Tourismus
4.4.1 Die Schattenseiten des internationalen Tourismus
4.4.2 Ansatzpunkte für CSR im Tourismus

5. CSR in der Praxis
5.1 TUI
5.1.1 Unternehmensporträt
5.1.2 Nachhaltige Entwicklung bei TUI
5.1.2 Aktuelle CSR-Projekte
5.2 INTI Tours
5.2.1 Unternehmensporträt
5.2.2 Nachhaltige Entwicklung bei INTI Tours
5.3 Grad der Einbindung in die Unternehmensstrategie

6. Schlussbetrachtung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unternehmen werden durch veränderte Rahmenbedingungen mit einer Vielzahl neuer Forderungen konfrontiert. Durch die fortschreitende Globalisierung, die maßgeblich gekennzeichnet ist von Deregulierungsprozessen, die mit dem Rückzug der Politik einhergehen und einer zunehmenden Internationalisierung von Wertschöpfungsketten, wird das Thema der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen auf internationaler Ebene seit einigen Jahren intensiv diskutiert. Einerseits wird diese Verantwortlichkeit zunehmend seitens der Öffentlichkeit und führender international aufgestellter Nichtregierungsorganisationen (NGO’s) in erhöhtem Maße eingefordert und überwacht, wodurch für Unternehmensaktivitäten ein erhöhter gesellschaftlicher Legitimationsdruck aufgebaut wird.

Auf der anderen Seite nutzen immer mehr Unternehmen die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung als Mittel zur Erhöhung ihrer Unternehmensreputation und zur Erzielung von Wettbewerbsvorteilen. So gibt es nahezu kein international agierendes Großunternehmen, das nicht in irgendeiner Form den Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) mit in seine Unternehmenskommunikation einfließen lässt. Die Ausprägungen hierbei reichen von einer bloßen Einbettung in die Marketingkommunikation über die Formulierung eines sozial- und umweltverträglichen Unternehmensleitbildes bis hin zu einer Implementierung in die gesamte Unternehmensstrategie.

Das Thema dieser Arbeit ist die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung der internationalen Tourismuswirtschaft, der in diesem Zusammenhang, als der größte und am schnellsten wachsende Wirtschaftssektor, eine besondere Herausforderung darstellt. Internationaler Tourismus verkörpert als einer der globalsten Wirtschaftsakteure in einem hohen Maß das Spannungsfeld zwischen Globalisierung und Nachhaltigkeit. Themen wie Klimawandel, Verbrauch natürlicher Ressourcen, Verdrängung kultureller Lebensstile oder schlechte Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben sind zentrale Themen, denen sich die Branche gegenübersieht. Den internationalen Tourismusankünften wird bis zum Jahr 2020 ein überdurchschnittliches Wachstum von aktuell 900 Millionen auf 1,6 Milliarden prognostiziert.[1] Der Anteil der Reisen in ärmere Regionen wird dabei einen immer größeren Teil einnehmen und wird daher in dieser Arbeit besonders hervorgehoben.

Nach einer Definition und Systematisierung von CSR wird eine Einordnung des Begriffes in den Kontext der ihm anverwandten Konzepte Corporate Citizenship und unternehmerische Nachhaltigkeit vorgenommen. Weiter werden im Zuge einer Analyse der Win-Win Potentiale von CSR die ökonomischen Erfolgswirkungen von CSR aufgezeigt. Im Praxisteil werden nach einer Einführung in die internationale Tourismuswirtschaft die Auswirkungen von Tourismus auf Entwicklungsländer und die damit oft in Verbindung stehende entwicklungspolitische Bedeutung des Wirtschaftssektors näher beleuchtet. Die daraus abgeleiteten Ansatzpunkte für CSR im Tourismus leiten in die Auswertung zweier CSR-Konzepte von Unternehmen der Tourismuswirtschaft über. Untersucht wird das CSR-Engagement von TUI als größter europäischer Reiseanbieter und von INTI TOURS als individueller Reiseanbieter aus dem Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen. Im Vordergrund steht hierbei jeweils der erfolgreiche Einsatz von CSR als Business Case sowie der Grad der Einbindung des Konzeptes in die Unternehmensstrategie.

2. Corporate Social Responsibility

Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis und in der Berichterstattung in den Medien existieren mehrere Begriffe, die das Prinzip der Unternehmensverantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt beinhalten. Dazu gehören neben Corporate Social Responsibility, worauf das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt, als verwandte Konzepte vor allem Corporate Citizenship und Corporate Sustainability bzw. Betriebliche Nachhaltigkeit. Die beiden letztgenannten Konzepte werden teilweise synonym zu CSR verwand und deshalb im Folgenden zur genauen Differenzierung voneinander abgegrenzt. In einigen Fällen wird CSR auch als CR (Corporate Responsibility) bezeichnet, weil die englische Bezeichnung „social“ nicht als „sozial“ missverstanden werden und somit die umfassendere Bedeutung im Hinblick auf die gesellschaftliche und damit die soziale und ökologische Ganzheitlichkeit des Konzeptes hervorgehoben werden soll.[2]

2.1 CSR Definition und Systematisierung

Untersucht man die vielfältigen Definitionen von CSR, in denen sich bis heute kein einheitliches Begriffsverständnis herausgebildet hat, fällt vor allem auf, dass der Aspekt der Freiwilligkeit von CSR-Aktivitäten zunehmend in den Vordergrund gerückt ist. Im Fokus stehen damit alle Maßnahmen, Selbstauflagen und Aktivitäten, die über die Einhaltung von gesetzlichen Verpflichtungen zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung seitens der Privatwirtschaft hinausgehen.[3] So definiert die Europäische Kommission in ihrem 2002 veröffentlichten „Grünbuch zur Unternehmensverantwortung“ CSR als „ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, um auf freiwilliger Basis soziale und ökologische Belange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Beziehung zu den Stakeholdern zu integrieren.“[4] Diese Definition von CSR wird in vielen wissenschaftlichen Ausarbeitungen genannt und insbesondere in Europa als normative Orientierung für die Umsetzung von CSR aufgefasst.[5] CSR ist demnach gekennzeichnet durch:

-„die explizite Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte,
- die Freiwilligkeit der Einführung,
- die Integration in alle Geschäftstätigkeiten und eine klare Stakeholderorientierung und
- eine Berücksichtigung dieser Aspekte über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus zur Schaffung eines gesellschaftlichen und unternehmerischen Mehrwertes.“[6]

Eine weitere, zunehmend konsensfähigere Sichtweise von CSR beschreibt der Unternehmensverband Business for Social Responsibility (BSR) in der Ausgabe der New York Times vom 1. November 2005: „CSR is not about philanthropy: it is about how companies earn their money, rather than how they spend it on good works later.”[7] Demnach wird CSR maßgeblich in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens eingesetzt und deutlich von Maßnahmen jenseits des Kerngeschäftes abgegrenzt.[8] Dieser Aspekt wird später unter Punkt 2.2 (CSR und Corporate Citizenship) näher betrachtet.

In Bezug auf den Umfang der CSR-Aktivitäten wird CSR maßgeblich als ein Konzept verstanden, das Unternehmen dabei unterstützt, die soziale und ökologische Dimension mit in die allgemeine Geschäftstätigkeit einzubeziehen. Im Gegensatz zu der von Milton Friedman vor 35 Jahren postulierten Maxime - „The Social Responsibility of Business Is to Increase its Profits“[9] - rückt die ökonomische Dimension in den aktuellen CSR-Definitionen zunehmend in den Hintergrund, zumindest insofern, als dass ihr eine untergeordnete Rolle zuteil wird, da sie als immanent und somit als Voraussetzung für die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens angesehen wird.[10]

Dennoch spielt die ökonomische Funktion eines Unternehmens bei der Systematisierung von CSR insofern weiter eine Rolle, als sie den unternehmerischen Beitrag zum Fortschritt der Gesellschaft an sich darstellt. Sie kann dem inneren Verantwortungsbereich eines Unternehmens zugeschrieben werden, der auch vereinzelt als der unfreiwillige Bereich von CSR bezeichnet wird. Hierzu gehört neben der Wahrnehmung der ökonomischen Funktion ebenfalls die Beachtung und Einhaltung von Gesetzen und Abkommen. Es scheint sinnvoll, den inneren Verantwortungsbereich zu Systematisierungszwecken mit aufzuführen, er steht jedoch im Gegensatz zu den aktuellen CSR-Definitionen, in denen, wie oben beschrieben, maßgeblich die Freiwilligkeit von CSR-Maßnahmen hervorgehoben wird.[11]

Über diesen Bereich hinaus kommen die wesentlichen Bereiche von CSR zum Tragen, die als das Kernelement von CSR gelten. Bleibt man bei der Systematisierung nach Verantwortungsbereichen, stellen diese Bereiche den mittleren und den äußeren Verantwortungsbereich dar. Der mittlere Bereich kennzeichnet hierbei die freiwilligen CSR-Aktivitäten innerhalb der Wertschöpfungskette, wohingegen der äußere Bereich die freiwilligen CSR-Aktivitäten außerhalb der Wertschöpfungskette umfasst, womit alle CSR-Aktivitäten gemeint sind, die in keinem direkten Zusammenhang mit den Wirtschaftsaktivitäten eines Unternehmens stehen. Dazu gehören zum Beispiel Philanthropie, Mäzenatentum oder die Unterstützung von Wirtschaftsinitiativen. Die CSR-Aktivitäten des äußeren Bereiches finden sich in den Ansätzen des Corporate Citizenship wieder. Die Systematisierung dient in erster Linie der gedanklichen Gliederung der weitreichenden Einflussbereiche in der CSR-Konzeption, ist jedoch aufgrund ihrer verbleibenden Unschärfe und der Wechselwirkungen der einzelnen Bereiche untereinander nicht als handlungsorientierte Grundlage für die Entwicklung von Managementkonzepten zu verstehen.[12]

2.2 CSR und Corporate Citizenship

Bei der Unterscheidung von CSR und Corporate Citizenship lassen sich maßgeblich zwei verschiedene Strömungen erkennen. In den USA wird in Unternehmenskreisen zunehmend der Begriff Corporate Citizenship favorisiert, da er als weniger sperrig und schwerwiegend wahrgenommen wird. Es scheint, dass Unternehmen sich wohler fühlen, wenn die Verantwortung nicht direkt mit in der Bezeichnung enthalten ist, obgleich der Begriff CSR auch weiterhin vielseitig genutzt wird. Dies führt dazu, dass zumindest in der Praxis in den letzten zwei Jahren die Tendenz erkennbar ist, dass sich Corporate Citizenship immer mehr Eigenschaften des umfassenderen CSR-Konzeptes zu eigen macht, sich in gewisser Weise auf Expansionskurs befindet und nicht mehr nur als das angesehen wird, was ein Unternehmen der Gesellschaft zurückgibt, sondern den Fokus mehr und mehr auf die Kerngeschäfte der Unternehmen legt.[13] Bei dieser ersten Strömung wird Corporate Citizenship folglich nahezu deckungsgleich mit der aktuellen Auffassung von CSR verwendet und stellt „eine Art aktualisiertes ‚Label’ für CSR [dar], ohne dass hierdurch ein zusätzlicher Erkenntnisgewinn vorliegt.“[14]

Die zweite Strömung, angelehnt an die oben aufgeführte Systematisierung, versteht Corporate Citizenship als minimalistisches Konzept, das sich auf philanthropische Handlungen von Unternehmen beschränkt. Nach dieser Auffassung beschreibt „ Corporate Citizenship […] die Rolle von Unternehmen, sich wie ‚gute, gesellschaftlich eingebettete Bürger’ zu verhalten. Corporate Citizenship wird [demnach] häufig als Teilaspekt und Konkretisierung von CSR verstanden. Der Ansatz umfasst: Corporate Giving (z.B. Sponsoring, Firma stellt ihre Produkte unentgeltlich für Katastrophenhilfe zur Verfügung), Corporate Volunteering (z.B. Förderung ehrenamtlichen Engagements der Mitarbeiter), kaufmännische Betreuung von Non-Profit-Organisationen und Corporate Community Investment (z.B. regionales Engagement an Unternehmensstandorten).“[15]

Diese minimalistische Sicht der Definition von Corporate Citizenship findet sich maßgeblich im deutschen, bzw. im weitesten Sinne auch im europäischen Diskurs wieder. Die Tendenz geht bei diesem Ansatz eindeutig dahin, dass Corporate Citizenship im Gegensatz zu CSR vom Kerngeschäft eines Unternehmens losgelöst ist und deshalb nicht im Zentrum von Unternehmensverantwortung liegen kann.[16]

„Corporate Social Responsibility bezeichnet die Verantwortung von Unternehmen gegenüber der Gesellschaft. Es geht also darum, auf Fragen von Anspruchsgruppen zu antworten , sich ihnen gegenüber zu ver -antworten. Dieses dialogische Moment unterscheidet CSR von Corporate Citzenship und geht mit dem wachsenden Anspruch auf Transparenz seitens der informierten Öffentlichkeit einher.“[17] Dabei ist es wichtig, dass die Transparenz auch im Hinblick auf die Eigeninteressen und die strategische Ausrichtung eines Unternehmens kommuniziert wird. Die Glaubwürdigkeit als entscheidender Faktor muss gegeben sein. So können Unternehmen die beste Wirkung ihrer Corporate Citizenship Aktivitäten nur erreichen, wenn eine CSR-Strategie konzeptualisiert wurde, in die Corporate Citizenship mit spezifizierten Themenschwerpunkten eingebettet wurde.[18]

2.3 CSR im Umfeld von unternehmerischer Nachhaltigkeit und

nachhaltiger Entwicklung

In der Praxis wird ebenfalls häufig der Begriff der Nachhaltigkeit als gleichbedeutend mit CSR verwendet. Dies wird dadurch deutlich, dass unterschiedliche Unternehmen ihre Konzepte zur Übernahme gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung teilweise in Form von CSR-Berichten, aber auch als Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Vergleicht man den Aufbau, ist in vielen Fällen CSR gemeint, aber aus kommunikationsstrategischen Gesichtspunkten der Begriff Nachhaltigkeit gewählt worden – oder umgekehrt.

„Unternehmerisches Nachhaltigkeitsmanagement (corporate sustainability management) bezweckt die Steuerung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Wirkungen, um erstens eine nachhaltige Unternehmens- und Geschäftsentwicklung zu erreichen und zweitens einen positiven Beitrag des Unternehmens zur nachhaltigen Entwicklung der gesamten Gesellschaft sicherzustellen. […] Es beinhaltet die Koordination und Integration des Umwelt- und des Sozialmanagements mit dem konventionellen betrieblichen Management.“[19]

Unternehmerische Nachhaltigkeit steuert im Vergleich zu CSR die Wirkung der Geschäftstätigkeit auf Gesellschaft und Umwelt und ist darauf ausgerichtet, unmittelbar in die Geschäftsentwicklung eines Unternehmens einzugreifen. Nachhaltigkeit in Unternehmen ist dabei nicht als Leitziel im Sinne von Zielinhalten, wie Unternehmenserfolg oder Existenzsicherung, sondern als umfassendes Leitbild zu verstehen. Das wiederum unterliegt einem „sich sehr dynamisch entwickelnde[n] Anforderungskatalog, der sich auf den Umgang mit einem sehr komplexen physischen Bedingungsgefüge bezieht. Die Forderung nach Nachhaltigkeit, bzw. das sich daraus abgeleitete Leitbild wird, aus der Unternehmenswelt an das Unternehmen herangetragen und damit Teil des unternehmerischen Bedingungsgefüges.“[20] Geprägt wird dieses Bedingungsgefüge von der Relevanz der jeweiligen Anspruchsgruppen, vom Wettbewerbsdruck, dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik und natürlich von der Ressourcenverfügbarkeit auf den Faktormärkten.[21]

Ausschlaggebend ist hierbei ebenfalls die Einbindung des Unternehmens in die nachhaltige Entwicklung der gesamten Volkswirtschaft, die von der Europäischen Union „als übergeordnetes Leitprinzip für eine dauerhafte, auf künftige Generationen ausgerichtete Entwicklungsstrategie“[22] definiert wird. Im Wesentlichen soll das Ziel allen wirtschaftlichen Handelns, gemäß der EU, gleichmäßig verteilter Wohlstand, sozialer Frieden für die zukünftigen Generationen und der Schutz der Umwelt sein.[23] International steht der Terminus „Sustainable Development“, für den der Begriff der nachhaltigen Entwicklung als eine mögliche Übersetzung gilt, für ein neues globales Entwicklungsleitbild. Das erste Mal wurde der deutsche Begriff in der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts gebraucht, mit der Bedeutung, den Wäldern nur die Menge Holz zu entnehmen, die im gleichen Zeitraum wieder nachwachsen kann. Der zunehmend inflationäre und teilweise auch sinnentfremdete Gebrauch des Begriffes Nachhaltigkeit führt hierbei einerseits zu einer hohen allgemeinen Akzeptanz, stört jedoch andererseits durch die mangelnde Konsensfähigkeit die Durchsetzungskraft des Leitbildes.[24]

Ein Unternehmerisches Nachhaltigkeitsmanagement ist einzuordnen als Beitrag der Betriebswirtschaft zur nachhaltigen Entwicklung und richtet sich maßgeblich an künftige Generationen. CSR-Maßnahmen dagegen sind ihrer Natur gemäß eher auf die gegenwärtige Situation der Gesellschaft, der Umwelt und der Menschen, die sich im Umfeld der unternehmerischen Geschäftstätigkeit befinden und somit direkt oder indirekt von ihr beeinflusst werden, gerichtet. Trotzdem „liegt [dem CSR-Konzept] das Prinzip der Nachhaltigkeit zu Grunde, welches nach dem so genannten ‚triple-bottom-Modell’ die Perspektiven Ökonomie, Ökologie und Soziales umfasst“[25] und wird häufig mit diesem gleichgesetzt. Es gilt der Grundsatz: „Ohne CSR entscheiden sich Unternehmen zwangsläufig für eine Zukunft des Nichtseins“[26], wenn die Ressourcenbasis nicht effizienter genutzt und ihre Reproduzierbarkeit nicht erhalten bleiben. Zur Vereinfachung könnte man zusammenfassen, dass CSR dem Ursprung nach ein Teil des betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagements ist, welches wiederum ein Teil der gesamtgesellschaftlichen Nachhaltigkeitsentwicklung ist.[27]

2.4 Gesellschaftliche und ökonomische Dimension

In der folgenden Skizzierung wird eine Einordnung von CSR, Corporate Citizenship und Nachhaltigkeitsmanagement in ein Rahmengefüge verwandter Begrifflichkeiten und Ansätze aus dem betrieblichen Umfeld vorgenommen, um einen Überblick über die gesellschaftliche und ökonomische Fokussierung von CSR aufzuzeigen:

Verortungsmatrix von CSR und Nachhaltigkeitsmanagement [28]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die zwei abgebildeten Dimensionen sind der jeweilige gesellschaftliche oder ökonomische Fokus. Während das NGO/NPO-Management einen ausschließlich gesellschaftlichen Fokus einnimmt, steht das konventionelle Management in der rein ökonomischen Logik ohne jeden gesellschaftlichen Bezug. Umwelt- und Personalmanagement ist in beiden Richtungen am geringsten ausgeprägt und Social Entrepreneurship ist mit größtmöglicher gesellschaftlicher Ausprägung gleichzeitig verankert im Managementansatz.

CSR wird gegenüber den anderen gesellschaftlich orientierten Ansätzen in größerem Maße eine gewinnorientierte Unternehmensführung zugeschrieben. Das Nachhaltigkeitsmanagement hingegen ist methodisch-konzeptionell stärker in der betriebswirtschaftlichen Unternehmensausrichtung verankert als CSR. Beide Perspektiven sind am stärksten ausgeprägt beim Nachhaltigen Unternehmertum (Sustainable Entrepreneurship). Dort ist in hohem Maße eine starke Ausrichtung auf

gesellschaftliche Nachhaltigkeitsziele im Kerngeschäft mit deutlich ökonomischen Interessen kombiniert.[29]

Eingehend auf die deutliche ökonomische Fokussierung von CSR wird im folgenden Abschnitt näher auf die Win-Win Potentiale von CSR für Unternehmen eingegangen.

3. Win-Win Potentiale

Will man die Akzeptanz des CSR-Konzeptes in der Wirtschaft erhöhen, ist es unbedingt nötig, CSR im Kontext der Unternehmenswelt bzw. der betriebswirtschaftlichen Praxis zu beleuchten. „Aus Sicht der Unternehmen geht es bei CSR nicht darum, unreflektiert Wohltätigkeitsaktivitäten zu entfalten; vielmehr ist CSR als Investition und Instrument der Unternehmenssteuerung zu begreifen, das die Erreichung nachhaltigen Erfolgs erst möglich macht und zu einer Win-Win-Situation für Unternehmen und Gesellschaft führt.“[30] Dabei gilt es zu berücksichtigen, „dass Win-Win-Situationen zwischen der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und dem ökonomischen Erfolg nicht per se gegeben oder nicht gegeben sind, sondern dass ihre Entdeckung und Realisierung im dynamischen Prozess eine originäre Managementaufgabe darstellt.“[31]

In gewisser Weise lässt sich zwischen der Freiwilligkeit der Übernahme von CSR-Aufgaben und der Erzielung eines unternehmerischen Mehrwertes in Bezug auf die Win-Win Potentiale für Unternehmen ein Widerspruch entdecken. Da das oberste Ziel eines Unternehmens die Nutzenmaximierung ist, ist „eine CSR-Maßnahme, bei der hinreichend sichergestellt ist, dass sie unternehmerischen Mehrwert schafft, […] aus ökonomischer Sicht nicht freiwillig, sondern, in Abhängigkeit von zeitlichen und personellen Kapazitäten, ein Muss.“[32]

Die Untersuchung der betriebswirtschaftlichen Erfolgswirkung, CSR als Business Case, bildet neben der Begriffsabgrenzung und Systematisierung einen der zentralen Themenschwerpunkte bei der Auseinandersetzung mit CSR.[33] In diesem Abschnitt werden erst die Voraussetzungen für die Erfolgswirkungen von CSR näher beleuchtet, bevor eine Analyse von CSR als Business Case erfolgt.

[...]


[1] Vgl. UNWTO, 2007, http://www.unwto.org/facts/eng/vision.htm, (10.05.2020)

[2] Vgl. Schaltegger/Müller, 2008, S. 18

[3] Vgl. Weber, 2008, S. 41

[4] Kommission der Europäischen Gemeinschaften, http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/com/2006/com2006_0136de01.pdf, (15.05.2008)

[5] Vgl. Bach, 2007, S. 123

[6] Dubielzig, 2008, S. 213

[7] Ankele, 2008, S. 170

[8] Ebd.

[9] New York Times Magazine, 13. September 1970, http://www.colorado.edu/studentgroups/libertarians/issues/friedman-soc-resp-business.html, (20.05.2008)

[10] Vgl. Weber, 2008, S. 41

[11] Vgl. Schaltegger/Müller, 2008, S. 21

[12] Vgl. Schaltegger/Müller, 2008, S. 21f.

[13] Vgl. Néron/Norman, 2008, S. 2ff.

[14] Weber, 2008, S. 45

[15] Schaltegger/Müller, 2008, S. 18

[16] Vgl. Beschorner/Vorbohle, 2007, S. 108

[17] Beschorner/Vorbohle, 2007, S. 108

[18] Vgl. Taubken, 2007, S. 12

[19] Schaltegger/Müller, 2008, S. 18

[20] Vgl. Lemser, 2004, S. 45f.

[21] Ebd.

[22] Bach, 2007, S. 121

[23] Ebd.

[24] Vgl. Amelung/Mayer-Scholl/Schäfer/Weber, 2008, S. 6

[25] Vgl. Zeibig, 2008, S. 45

[26] Bach, 2007, S. 121

[27] Schaltegger/Müller, 2008, S. 24

[28] Vgl. Schaltegger/Müller, 2008, S. 30

[29] Vgl. Schaltegger/Müller, 2008, S. 29

[30] Grewe/Löffler, 2006, S. 4

[31] Hansen/Schrader, 2005, S. 385

[32] Dubielzig, 2008, S. 214

[33] Vgl. Hansen/Schrader, 2005, S. 383

Details

Seiten
46
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836627344
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226647
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Wirtschaft und Politik
Note
1,7
Schlagworte
corporate social responsibility tourismus nachhaltigkeit globalisierung

Autor

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Titel: Corporate Social Responsibility in der internationalen Tourismuswirtschaft