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Gegenwärtige und zukünftige Einfuhrbestimmungen zwischen europäischen und asiatischen Ländern und ihre Auswirkungen auf die Regionalisierungsmöglichkeiten in der Automobilindustrie

Analyse und Empfehlungen

Diplomarbeit 2006 252 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen und aktuelle Probleme des Welthandels
2.1 Struktur und Globalisierungstendenzen der Weltwirtschaft
2.2 Von der Außenwirtschaft zur Weltwirtschaft
2.3 Welthandel und Protektionismus
2.3.1 Welthandel
2.3.1.1. Tripolarisierung der Welthandelsströme
2.3.1.2. Freihandel als Vorraussetzung für Exporterfolge
2.3.2 Protektionismus
2.3.2.1 Multilaterales Handelssystem
2.3.2.2 Handelsliberalisierung und die Rolle des GATT
2.3.2.3 Zölle als Instrumente der Protektion
2.3.2.3.1 Zollwirkung
2.3.2.3.2 Zollarten
2.3.2.4 Nicht-tarifäre Handelshemmnisse
2.4 Die Weltwirtschaft zwischen Regionalisierung und Globalisierung
2.4.1 Regionale wirtschaftliche Integration
2.4.2 Wirkungen regionaler Integration
2.5 Zusammenfassende Betrachtungen
2.5.1 Förderung des Freihandels oder Tendenz zur weiteren Regionalisierung des Handels?
2.5.2 Theorie und Empirie - Auswirkungen der Theorie auf die Automobilindustrie?
3. Ist-Analyse asiatischer & europäischer Importrestriktionen in der Automobilindustrie
3.1 Business Overview of the global Automotive Industry
3.1.1 Original Equipment Manufacturer (OEM)
3.1.2 Tier1 (Supplier)
3.1.3 Make In-house or purchase part
3.1.3.1 Entwicklung der Eigenleistung
3.1.3.2 Gegenwärtige Wertschöpfungssteigerungen bei den Lieferanten
3.1.3.3 Globalisierung und Standortwettbewerb
3.1.3.4 Zukunftsmarkt China
3.1.4 Luftverkehr und Schifffahrt im 21. Jahrhundert
3.2 Gegenwärtige internationale und interregionale Einfuhrbestimmungen zwischen dem Asiatischem und dem Europäischen "Regional Trading Blocks"
3.2.1 ASIAN Regional Trading Block
3.2.1.1 Association of South-East Nations (ASEAN)
3.2.1.2 Other Asian Regional Trading Areas
3.2.2 European Regional Trading Block
3.2.3 „Stumbling Block“
3.2.4 „Building Block“
3.2.5 Lokalisierung
3.2.5.1 Lokale Produktion aus China und den ASEAN-Staaten
3.2.6 Vorraussetzungen für geringere Einfuhrabgaben
3.2.7 Completely Knocked Down - Overseas Assembly Team
3.2.8 Analyse der Importzölle der einzelnen Länder
3.3 Zusammenfassende Betrachtungen
3.3.1 Gegenwärtige Veränderungen in der Automobilindustrie
3.3.2 Entstehung von Szenarien zur Prognostizierung zukünftiger wirtschaftlicher Entwicklungen und die Auswirkungen auf die Regionalisierungsmöglichkeiten in der Automobilindustrie
4. Zukunftsszenarien und Handlungsempfehlungen
4.1 Mögliche Szenarien und ihre Folgen in der Automobilindustrie
4.1.1 Made in Asia
4.1.2 Stetige Globalisierung – Local Best and Global Best
4.1.3 Wertschöpfungsverlagerung und Konsolidierung
4.1.4 Das Ende Detroits - wer will Toyota noch einholen?
4.2 Mögliche Auswirkungen auf die Regionalisierungsmöglichkeiten in der Automobilindustrie
4.2.1 ASEAN Vision 2020
4.2.2 Freier Handel zwischen den Trading Blocks - Was setzt sich letztendlich durch, Regionalismus oder Multilateralismus?
4.2.3 Handlungsempfehlungen für die Automobilindustrie

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Welthandelsströme im Jahr 2000.

Abbildung 2: Die wichtigsten regionalen Organisationen

Abbildung 3: Weltautomobilproduktion 2004

Abbildung 4: Absatz von Light Vehicles in den USA 2004

Abbildung 5: Produktion der chinesischen Automobilindustrie

Abbildung 6: Absatz von PKW in China und Indien

Abbildung 7: Absatz von PKW in Indien nach Marken 2004

Abbildung 8: Neuzulassungen von Kfz auf asiatischen Märkten

Abbildung 9: Marktanteile von Personenkraftwagen in Westeuropa

Abbildung 10: Kraftfahrzeugproduktion deutscher Hersteller nach Regionen 2004

Abbildung 11: Exporte von PKW in die fünf wichtigsten Märkte

Abbildung 12: Fahrzeugkomponenten der Firma ArvinMeritor

Abbildung 13: Arvin-Meritor Produktpalette für Nutzfahrzeuge

Abbildung 14: Umsätze Grupo Antolin nach Kunden 2005

Abbildung 15: Umsätze Grupo Antolin nach Produkten 2005

Abbildung 16: Umsätze Faurecia nach Kunden 2004

Abbildung 17: Umsätze Faurecia nach Regionen 2004

Abbildung 18: Besitz- und Kontrollverhältnisse der Robert Bosch GmbH

Abbildung 19: Besitz- und Kontrollverhältnisse an Michelin

Abbildung 20: MA Michelins weltweit 2004

Abbildung 21: MA Michelins Konkurrenz 2004

Abbildung 22: Umsatz Tenneco nach grössten Kunden 2004

Abbildung 23: Produktpalette des Unternehmens TRW Automotive

Abbildung 24: Umsatz TRW nach Kunden 2004

Abbildung 25: Umsatz TRW nach Regionen 2004

Abbildung 26: Entwicklung der Eigenleistung je Marke

Abbildung 27: Regionales Wachstum der Zuliefererindustrie

Abbildung 28: Wertschöpfungssteigerung der Zulieferer nach Hauptmodulen

Abbildung 29: Standortvorteile von Hochlohnländern nehmen ab

Abbildung 30: Konsolidierung in der Zuliefererindustrie

Abbildung 31: Die weltweit wichtigsten Frachthäfen 2002

Abbildung 32: Transportierte Luftfracht jährlich 2002

Abbildung 33: Mitgliedsländer der ASEAN

Abbildung 34: Gründungsmitglieder der AFTA

Abbildung 35: Externe wirtschaftliche Kooperationsgemeinschaft

Abbildung 36: Mitgliedsländer der APEC

Abbildung 37: Asiatisch-Pazifische Netzwerk regionaler Handelszonen

Abbildung 38: Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR)

Abbildung 39: Europäisches Netzwerk regionaler Handelszonen

Abbildung 40: Übersicht über Toyotas IMV-Projekt

Abbildung 41: Transportwege der Fahrzeuge und Komponenten des IMV-Projektes

Abbildung 42: Einfuhr wichtiger Kfz-Teile nach China 2004

Abbildung 43: Einfuhr wichtiger Kfz-Teile nach Indien 2004

Abbildung 44: Einfuhr wichtiger Kfz-Teile nach Japan 2004

Abbildung 45: Einfuhr wichtiger Kfz-Teile nach Taiwan 2004

Abbildung 46: Einfuhr wichtiger Kfz-Teile in die Philippinen 2004

Abbildung 47: Einfuhr wichtiger Kfz-Teile nach Thailand

Abbildung 48: Einfuhr wichtiger Kfz-Teile nach Malaysia 2004

Abbildung 49: Einfuhr wichtiger Kfz-Teile nach Indonesien 2004

Abbildung 50: Einfuhr wichtiger Kfz-Teile nach Vietnam 2004

Abbildung 51: Die Triademärkte

Abbildung 52: Verstärktes zukünftiges Wirtschaftswachstum ausserhalb der Triade

Abbildung 53: Voranschreitende Globalisierung der OEM

Abbildung 54: Markterschließung Chinas in der Zukunft

Abbildung 55: Chancen der Optimierung der lokalen Produktionskosten

Abbildung 56: Produkt- und Prozessinnovationen in Deutschland 1970-2003

Abbildung 57: Kostenstruktur nach optimierter Wertschöpfungskette

Abbildung 58: Neue Favoriten des optimalen Produktionsnetzwerkes

Abbildung 59: Outsourcing führt zu einer Kompetenzverlagerung

Abbildung 60: Konsolidierung der Automobilindustrie

Abbildung 61: Oligopolistische Tendenzen der Automobilindustrie

Abbildung 62: Toyota - Der aufsteigende Stern der letzten Dekade

Abbildung 63: Das Ende Detroits - Die Dominanz der Asiaten

Abbildung 64: Die 4 wichtigsten Freihandelszonen (FTA) der Welt

Abbildung 65: Die Steueroasen der Welt

Abbildung 66: Mitglieder der Welthandelsorganisation

Abbildung 67: Die grössten Freihandelszonen der Welt

Abbildung 68: Das Durchsetzen der regionalen Handelsblöcke

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit untersucht in einer wettbewerbsorientierten Analyse, gegenwärtiger und zukünftiger Einfuhrbestimmungen zwischen asiatischen und europäischen Ländern, die Auswirkungen auf die Regionalisierungsmöglichkeiten in der Automobilindustrie.

Was bedeutet überhaupt Regionalisierung? Befürwortern ist bewusst, dass die Regionalisierungstendenzen in unserer Welt lediglich Vorboten sind, auf einer vom Freihandel geprägten Globalisierung.

So scheint es Kritikern zufolge, dass diskriminierende Handelshemmnisse immer weiter zunehmen und letzlich nicht nur den globalen Wohlstand der Triade, sondern auch den Fortbestand einer Welthandelsorganisation gefährden. Es erblühen, die für Investoren und multinationale Unternehmen attraktivsten Regionen dieser Welt, so vor allen anderen der Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsraum, mit Hilfe gesteuerter Freihandelszonen.

Durch die immer weiter voranschreitende Verflechtung internationaler und interregionaler wirtschaftlicher Beziehungen, erreichen wir bald einen Punkt global angeglichener und fragmentierter Produktionsstandards, an dem es multinationalen Unternehmen nicht mehr einfach gemacht wird, regionale Wettbewerbsvorteile zu sichern und Produktionskosten innerhalb des Produktlebenszyklus zu senken.

Dies hat triploare Folgen: es entstehen drei mächtige Handelsblöcke, die zunehmend einen interregionalen Handelsanstieg innerhalb der Blöcke verzeichnen. Somit werden protektionistische Massnahmen zwischen den Handelsblöcke stärker, die sich damit immer weiter abschotten.

Die globale Automobilindustrie ist gegenwärtig mit den meisten Handelshemmnissen konfrontiert und bedarf zukünftig neuer Unternehmensstrategien und innovativer Geschäftsideen. Das verfolgte Ziel der Arbeit liegt daher darin:

1. Es sollen die Weltwirtschaft und der Welthandel, mittels einer Fokussierung auf die gegenwärtigen Regionalisierungstendenzen, beschrieben und erklärt werden.
2. Der Leser soll ein klares Verständnis, über die Vorgänge internationaler, interregionaler und intraindustrieller Handelsgeschäfte, sowie über die Begriffsdefinitionen der Fachsprache, innerhalb Automobilindustrie erlangen.
3. Sollen Möglichkeiten der Regionalisierung aufgezeigt und ihre möglichen Auswirkungen auf die Automobilindustrie dargestellt werden, um so mittels Handlungsempfehlungen, neue Strategien für die Branche aufzuzeigen.

Gang der Untersuchung

Die zugrunde liegende Ausarbeitung gliedert sich daher auch in drei Haupteile:

1. Der Anfang dieser Arbeit dient der Einführung in die theoretischen Grundlagen der internationalen Ökonomie und der aktuellen Problematik des Welthandels. Dabei wird zuerst auf die Struktur und Tendenz der Weltwirtschaft und des Welthandels eingegangen, um die Entwicklung der Außenwirtschaft zu einer Weltwirtschaft zu erläutern und den weltweiten Protektionismus mit seinen Abschottungstendenzen zu erklären. Anschließend wird die Regionalisierung der Globalisierung gegenübergestellt.

Es wird einerseits auf die regionale wirtschaftliche Integration eingegangen und andererseits auf das multilaterale Handelssystem, um dann in einer zusammenfassenden Betrachtung erste Vermutungen darüber zu erstellen ob globaler Freihandel möglich ist oder eher eine Tendenz zur weiteren Regionalisierung des Handels besteht. Zweite vorsichtige Vermutung wird die Auswirkungen der theoretischen Grundlagen auf die Automobilindustrie betreffen.

2. Der zweite Hauptteil der Arbeit befasst sich erstens mit einer Gesamtübersicht über die globale Automobilindustrie, in der einmal die Original Equipment Manufacturer (OEM)[1] und dann die Tier1 mit ihrer aktuellen Geschäftslage vorgestellt werden. Des Weiteren stelle ich die Eigenfertigungs- und Fremdfertigungstendenzen der Industrie dar und gehe auch noch auf den Transportbereich der Industrie ein.

Zweitens werden die gegenwärtigen internationalen und interregionalen Einfuhrbestimmungen zwischen dem asiatischen und dem europäischen regionalen Handelsblock analysiert, um dann spezifisch in die Analyse von Lokalisierung und lokaler Fertigung zu gehen, damit aufgezeigt werden kann, wie und mit welchen Möglichkeiten, ein in Einzelteile zerlegtes Fahrzeug, kostengünstig exportiert und wieder importiert werden kann.

Im letzten Kapitel des zweiten Hauptteils wende ich mich der Analyse der spezifischen Importzölle der einzelnen Länder und auch die Hauptmodule des Fahrzeugs (Commodities)[2] mit einbeziehen. Hier werden nur die tarifären Handelshemmnisse besprochen. Abgeschlossen wird der zweite Hauptteil mit einer zusammenfassenden Betrachtung, in der ich die gegenwärtigen Veränderungen der Automobilindustrie aufzeige und zudem noch im weiteren Punkt gebe ich schon einen Ausblick darauf, wie ich in der Entwicklung für die Zukunftsszenarien im letzten Hauptteil vorgehen werde.

3. Der dritte Hauptteil behandelt zwei bestimmte Optionen, die zugleich meine zwei Synthesen betreffen:

- Zeige ich verschiedene zukünftige Szenarien auf, wie sich die Automobilindustrie als Ganzes womöglich aufgrund von Studien, den Erkenntnissen des zweiten Hauptteils und meiner Ansicht nach entwickeln könnte.
- Ich stelle zukünftige Regionalisierungsentwicklungen vor, anhand schon realisierter Freihandelsabkommen und geplanter Handelszonen, und stelle dar, welche Auswirkungen diese auf die Zukunft der Automobilindustrie haben.

Darüber hinaus zeige ich einige Varianten auf, wie und in wiefern sich OEM und Zulieferer, auf neue Marktzusammenschlüsse vorbereiten sollten, und zwar in Form von gut durchdachten Handlungsempfehlungen für die Automobilindustrie

Die Arbeit endet mit einem Ausblick auf die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen der Weltwirtschaft und wird durch eigene Gedanken und Perspektiven bereichert.

Das Ziel freien und offenen Handels, auch über die Grenzen einer übergeordneten überwachenden Organisation wie der WTO hinaus, sollte dabei immer im Vordergrund stehen.

2. Theoretische Grundlagen und aktuelle Probleme des Welthandels

Was ist Außenhandel und was ist Welthandel? Wo liegt der Unterschied zwischen Internationalisierung und Globalisierung? Was hat die Regionalisierung damit zu tun? Was bedeutet Protektionismus nun wirklich und welche konkreten Auswirkungen hat das nun auf den Welthandel. Der erste Teil der Arbeit soll die allgemein auftretenden Fragen theoretischer Grundlagen beantworten und einige aktuelle Probleme und Tendenzen des Welthandels vorwegnehmen.

2.1 Struktur und Globalisierungstendenzen der Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft bezeichnet die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Staate / Regionen / Kontinenten und zwar nicht mehr nur auf grenzüberschreitenden Außenhandel begrenzt, sondern mehr kontinentalübergreifend bezogen. Die einzelnen Außenwirtschaften aller Länder werden zu Regionen oder meist Kontinenten zusammengefasst und ergeben in ihrer Gesamtheit, in einem Zahnwerk und der gemeinsamen Handels- und Kapitalverflechtungen untereinander eine Weltwirtschaft.

Im Bereich des internationalen Wirtschaftsverkehrs werden zwei grundsätzliche Formen der Außenhandelspolitik unterschieden. Zunächst kann der grenzüberschreitende Handel von Waren und Dienstleistungen durch Hemmnisse eingeschränkt oder gänzlich verhindert werden.[3] Diese auf den Merkantilismus[4] zurückgehende Außenhandelspolitik wird als Protektionismus bezeichnet.[5] Dem steht der Freihandel als Leitbild der klassischen Nationalökonomie gegenüber.[6]

Diese Form des zwischenstaatlichen Umgangs bezeichnet eine Situation, in welcher der internationale Handel keinerlei Beschränkungen unterworfen ist.[7]

Der erste Teil dieser Arbeit soll dem ungeübten Leser einen leichten Einstieg in die Weltwirtschaft und den Welthandel ermöglichen. Was bedeutet Freihandel und was Protektionismus? Was bedeutet Welthandel und was ist Weltwirtschaft denn überhaupt? Daher gehe ich zuerst, auf den Wandel der Außenwirtschaft zur Marktintegration, ein. Dabei erkläre ich zunächst einige bekannte Außenwirtschaftstheorien und werde mich dann der Dynamik der Marktintegration zuwenden.

Von der Außenwirtschaft zur Marktintegration

Internationale und interregionale Wirtschaft kann man durch den Außenhandel zweier Staaten und / oder Länder miteinander am Besten beschreiben. Unter Außenwirtschaft verstehen wir diejenigen wirtschaftlichen Beziehungen, die staatsrechtliche Grenzen überschreiten. Somit wäre erklärt was Außenwirtschaft bedeutet und beinhaltet. Doch die Außenwirtschaft bezieht nur die wirtschaftlichen Beziehungen der einzelnen Länder untereinander mit ein. An dieser Stelle muss ich anmerken, dass der Sprung zur Markintegration nicht mehr in der Macht der einzelnen Staaten lag, da die außenwirtschaftlichen staatlichen Beziehungen nicht ausreichten einen gemeinsamen Markt zu erschaffen.

Von diesem Punkt an, womöglich meiner Meinung nach, übernahmen die Multinationalen Unternehmen (MNF) die Kontrolle über den anfangs nur grenzüberschreitenden Handel. Da sich mit der Zeit immer mehr MNF weltweit an Niedriglohnstandorten niederlassen konnten, dank dem rasanten Anstieg der Auslandsdirektinvestitionen, betrieben nun nicht mehr einzelne Staaten Handel über staatsrechtliche Grenzen hinweg, sondern die MNF, da sie praktisch in jedem der attraktivsten Standorte dieser Welt vertreten waren und somit die wirtschaftlichen Beziehungen der Staaten untereinander ablösten.

Dann lernten die MNF dazu und betrieben nicht nur grenzüberschreitenden Handel, sie versuchten sich fortan auch in der grenzüberschreitenden Produktionsfragmentierung[8]. Diese stellt mittlerweile die treibende Kraft des Welthandels dar, denn mit ihr wurden auch Möglichkeiten entdeckt, Zölle innerhalb von regionalen Handelszonen oder Freihandelszonen drastisch zu senken und somit auch Kosten zu sparen.[9]

Die eigentliche Marktintegration entstand durch die räumliche/geografische Verschmelzung von Unternehmen (UN) und Märkten und weiter vorangetrieben wurde sie durch die Integration MNF in regionale Freihandelszonen oder regionale Präferenzzonen. Dies erklärt auch den rasanten Anstieg interregionaler Handelsströme, wie eben bspw. durch Freihandelszonen oder regionale Abkommen. Als nächstes wenden wir uns den verschiedenen Außenwirtschaftstheorien zu, die beschreiben sollen, wie internationale Arbeitsteilung überhaupt möglich ist und zudem auch noch Wohlfahrtsgewinne bescheren soll.

Außenwirtschafts-Theorien

Die Einsicht, dass internationale Arbeitsteilung nichts anderes ist als eine Sonderform von Arbeitsteilung überhaupt, nutzt Adam Smith (1723 – 1790) für seine Erklärung: Arbeitsteilung folgt absoluten Kostenvorteilen. Länder konzentrieren sich auf die Produktion derjenigen Güter, die sich mit geringeren Kosten produzieren lassen als andere Länder dies können.[10] Im Weiteren werden nun einige Modelle erläutert, die alle eines gemeinsam haben: es geht immer um Kostenvorteile, die durch spezialisierte / effiziente Produktivitätsunterschiede und Technologieausstattung entstehen.

Das Ricardo-Modell

Was geschieht in Ländern, die bei allen Gütern Kostennachteile haben? Die Antwort formuliert David Ricardo (1772 – 1823) mit deiner Theorie der komparativen Kostenvorteile.[11] Bei manchen Gütern liegen die Produktions-Kosten eines Landes A sehr weit, bei anderen Gütern weniger weit unter den Produktionskosten eines Landes B. Dann ist es für beide Länder vorteilhaft, wenn sich Land A auf die Güter mit höheren, das Land B auf die Güter mit geringeren Kosten-Untervorteilen konzentriert.[12]

Es geht ganz klar vordergründig um Kostenunterschiede in der Produktion. Dabei kommt es vor das bspw., dass ein und dasselbe, völlig identische Fahrzeug in Deutschland höhere Produktionskosten verursacht als bspw. in Thailand oder den Philippinen, da die Lohnkosten in Deutschland wesentlich höher sind als in den ASEAN-Staaten. Das „Heckscher-Ohlem-Theorem“ befasst sich explizit mit der Frage nach der Ursache für Kostenunterschiede.

Das Heckscher-Ohlin-Theorem

Wo liegt die Ursache für Kostenunterschiede? Eli F. Heckscher (1879 – 1952) und Bertil Ohlin[13] (1899 – 1979) nennen die unterschiedliche Ausstattung von Produktionsfaktoren als Ursache für Kostenunterschiede.[14] Die unterschiedliche Faktor-Ausstattung bewirkt unterschiedliche relative Faktor-Kosten von Arbeit, Kapital und Natur. Länder mit großem Arbeitskräfte-Potential und deshalb niedrigen relativen Arbeitskosten exportieren arbeitsintensive, importieren kapitalintensive Güter. Länder mit niedrigem Arbeitskräfte-Potential und deshalb hohen relativen Arbeitskosten exportieren kapitalintensive, importieren arbeitsintensive Güter. Heckscher und Ohlin folgern daraus ihr Theorem über den Ausgleich der Faktorpreise: In Ländern, die Arbeitsintensive Güter exportieren, steigt die Nachfrage und damit der Preis von Kapital. Die Unterschiede in den Faktorpreisen gleichen sich aus.[15]

Absolute und relative komparative Kostenvorteile und Unterschiede der Faktorausstattung bleiben nicht für alle Zeiten erhalten. Technischer Fortschritt, Innovationen ändern die Produktionsfunktionen, die Kombinationen der Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital, Natur. Natürlich beziehen Ökonomen solche Veränderungen in die Außenwirtschaftstheorie ein – mit dem Ergebnis: "Die ursprünglich allgemeine Theorie, die auf der Grundlage weniger Informationen zu generellen Aussagen gelangte, wird durch die Erweiterung um Faktoren, die komparative Vorteile begründen können, letztlich zum Investitionskalkül, das alle für bestimmte Projekte relevanten Produktions- und Absatzbedingungen erfasst."[16]

Das bedeutet aber auch wiederum, dass dieses Theorem über die eigentlichen Faktorausstattungen hinaus blickt, um dann schliesslich die Kostenvorteile auch von den Wettbewerbsbedingungen abhängig zu machen. Da aber der Außenhandel mit anderen MNF ergänzender oder ersetzender Natur sein kann, bietet sich einige Möglichkeiten, meiner Meinung nach, Kostenvorteile zu erlange oder Kostenunterschiede zu kompensieren.

Komplementärer und substitutiver Außenhandel

Außenhandel kann entweder komplementär (ergänzend) sein, d.h. er kann sich auf Güter beziehen, die im anderen Land wenig oder gar nicht produziert werden, wie z.B. Rohstoffe und Maschinen. Oder aber er kann substitutiv (ersetzend) sein, d.h. er kann sich auf Güter beziehen, die in beiden Ländern produziert werden, wie z.B. Autos. Schon der Anschein zeigt, dass mengenmäßig und für den Wohlstand der hoch entwickelten Länder der substitutive Außenhandel wesentlich bedeutsamer ist als der komplementäre Außenhandel.

Das belegt, dass der Begriff der Internationalen Arbeitsteilung die heutigen Strukturen der Weltwirtschaft nicht mehr zutreffend beschreibt. Auf den Handel mit Ländern mit unterschiedlichem Entwicklungsstand bezogen bedeutet das – beispielhaft gesagt: Es liegt im deutschem Interesse, wenn der Handel mit Polen und Mexiko so schnell wie möglich ähnliche Strukturen aufweist wie der Handel mit Frankreich und den USA.

Die Dynamik der Markt-Integration

Spricht man vom Investitions-Kalkül, so wechseln wir von der makro- zur mikro-ökonomischen Sichtweise. Das bedeutet, dass (nach der Transformation der Staatshandels-Länder) i.d.R. nicht Länder miteinander Wirtschaftsbeziehungen eingehen, sondern Unternehmen und Konsumenten, dass auf den Automobilmärkten z.B. nicht Länder miteinander in Konkurrenz stehen, sondern Unternehmen.

Das allerdings tun sie unter zwei Bedingungen, die Wirtschaftsbeziehungen zu internationalen Beziehungen machen, unter den Bedingungen

- verschiedener Währungen und / oder
- staatsrechtlicher Grenzen.[17]

Diese Bedingungen beeinflussen die Kosten von Produktion und Transaktion. Kosten bestimmen Standort-, Absatz- und Beschaffungsentscheidungen. Die Analyse internationaler Wirtschaftsbeziehungen wird Teil der Preis- und Markt-Theorie. Nach Borchert ist dies der meso-ökonomische Ansatz der Analyse.[18]

Damit können wir den wesentlichen Vorteil grenzüberschreitender Wirtschaftsbeziehungen bestimmen. Sie ermöglichen es, zwei Bedingungen wirtschaftlicher Effizienz zugleich zu erfüllen, die auf begrenzten Märkten mit kleineren Absatzmengen miteinander in Konflikt geraten können. Auf begrenzten Märkten können entweder Unternehmen im Wettbewerb stehen, aber zu erhöhten Stück – Kosten produzieren. Oder sie können Grössen – Vorteile nutzen, weil sie Wettbewerb ausgeschaltet haben. Grenzüberschreitendes Wirtschaften erlaubt es, Grössen – Vorteile und Wettbewerbs – Dynamik gleichzeitig zu sichern. Doch sollte man hinzufügen, dass es manchmal Zeiten gibt, in denen die Gesetze der Ökonomie keine Bedeutung finden und ein Restrisiko bei jedweder UN-Entscheidung übrig bleibt, vor allen Dingen in Zeiten der Globalisierung.

2.2 Von der Außenwirtschaft zur Weltwirtschaft

Durch die weltweit zunehmende wirtschaftliche Verknüpfung und Verflechtung von Kapitalmärkten, Absatzmärkten, Produktionsmärkten und Beschaffungsmärkten begeben wir uns in eine Ära, die womöglich einen völlig anderen Ausgang für unsere Weltwirtschaft und unseren Welthandel bereit hält, da erstens eine Art Globalisierung vorher nie existiert hat und demnach auch nicht erprobt werden können und wir uns zweitens aller Voraussicht nach nicht darauf vorbereiten werden (können), als wir uns gegenwärtig erahnen können. Meiner Meinung nach gilt das Motto: Je enger die Märkte und Regionen der Welt zusammenrücken, sich ineinander verflechten und noch abhängiger voneinander werden, desto sensibler wird der eine grosse Handelsblock werden und dazu auch anfälliger für kurzzeitige Wirtschaftrezessionen, da ein Geflecht unweigerlich aus mehreren Teilen besteht, wird die Krise des einen Teils auch die Krise des anderen Teils.

Globalisierung – die neue Dimension

In der weltweiten Verbindung von Größenvorteilen und Wettbewerbsbedingungen wird eine neue Dimension internationaler Wirtschaftsbeziehungen wirksam, die in einem neuen Begriff zum Ausdruck kommt, dem der Globalisierung. Die ausgeprägte Dynamik weltwirtschaftlicher Beziehungen Ende des 20. Jahrhunderts ist allerdings kein völlig neues Phänomen. Unter Globalisierung wird inzwischen vor allem die unumgängliche, irreversible und alternativlose Marktfreiheit der Unternehmen verstanden, die einer globalen Verheißung gleichkommt, indem sie die tendenziell vollständige Entgrenzung der Wirtschaftsprozesse und damit das Ende aller einhegenden staatlichen Massnahmen in Aussicht stellt.[19]

Die Ungleichzeitigkeit der Industrialisierung in den einzelnen Ländern löste zwar Ende des 19. Jahrhunderts wieder Abschottungsbestrebungen durch Schutzzölle aus.

Gründe für die schnelle Entwicklung des Welthandels waren nach Ott / Schäfer:

- die Entwicklung der Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur
- schnell wachsende Auslandsdirektinvestitionen
- ein Geflecht zwischenstaatlicher Verträge
- das System „Goldwährung“ mit seiner Tendenz zu währungspolitischer Disziplin und zum Zahlungsbilanz-Ausgleich.[20]

Außenhandel als Ausgangsgrundlage für die weltweite Verflechtung von interregionalen mit internationalen Handelsströmen. Die neue Qualität des Prozesses zeigt sich in den Wachstumsfaktoren ökonomischer Grössen im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts: In dieser Zeit wuchsen nominal:

- das Weltinlandsprodukt mit dem Faktor 8,
- die Weltexporte mit dem Faktor 9,
- die Auslandsdirektinvestitionen mit dem Faktor 25 und
- die Finanzkapitalströme mit dem Faktor 43.[21]

Vor allem letzte beide Zahlen dürften am auffälligsten in Erscheinung treten, da es vordergründig meist um einen kapitalvermehrenden Anstieg der monetären Verflechtungen in der Weltwirtschaft geht. Im Folgenden beschreibe ich die Ausprägungen der Globalisierung und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Ausprägungen der Globalisierung und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft

In diesen Größenordnungen zeigt sich der Übergang von außenwirtschaftlichen zu weltwirtschaftlichen Beziehungen. Sie sind durch fünf Tendenzen gekennzeichnet:[22]

- Monetär durch die elektronische Vernetzung von Geld- und Kapitalmärkten,
- Ökonomisch durch die Öffnung von Faktor- und Absatzmärkten,
- Politisch durch die wachsende Bedeutung transnationaler Regelungen,
- Ökologisch durch die Interdependenz der Umwelt / en,
- Sozial die Angleichung von Lebensstilen.

Politische, ökonomische und technische Entwicklungen bewirkten den als Globalisierung bezeichneten „Take off weltwirtschaftlicher Verflechtung:[23]

- Politisch die Beschleunigung der europäischen Integration und die Öffnung kommunistischer Länder Mittel- und Osteuropas und Asiens,
- Ökonomisch die zunehmende Weltmarkt-Integration durch GATT / WTO und die Entstehung neuer Wachstumszonen in Südostasien und Lateinamerika,
- Technisch die Optimierung von Transport-Systemen, vor allem aber das Internet als weltumspannendes Echtzeit-Kommunikationsnetz.

Die Beziehungen zwischen weltwirtschaftlicher Verflechtung und wirtschaftlichem Wachstum sind offensichtlich. Die Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert zeigt, dass mit zunehmender Offenheit die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf zunimmt.[24] Spezialisierungseffekte, Verbindung von Größenvorteilen und Wettbewerb, Produkt-Differenzierung sowie die Verbreitung von Neuerungen sind Grundlagen der Wachstumseffekte.

Zunehmende Offenheit der Weltwirtschaft bedeutet erweiterte Entscheidungsspielräume für Unternehmen, bedeutet

- weltweiten Verkauf von Produkten und Dienstleistungen,
- weltweiten Einkauf von Vorprodukten und Kapitalgütern,
- weltweite Auswahl von Standorten mit geringsten Faktorkosten,
- weltweite Auswahl von Standorten mit höchstqualifiziertem Personal,
- weltweite Arbeitsteilung statt standortgebundener Produktion,
- Trennung von Produktionsstandort und Unternehmenssitz,
- Konkurrenz von Produktions-Standorten.[25]

Der weltweite Verkauf von Produkten konnte durch zahlreiche neu entwickelte Formen der Markteintrittsstrategien erst richtig in den Kreislauf integriert werden genauso wie der weltweite Einkauf von Halbfertigwaren und Kapital internationaler Geldmärkte. Dann erst entwickelte sich allmählich erst die internationale Standortwahl in Niedriglohnländern sowie dem Transfer oder dem Finden hochqualifizierter Mitarbeiter aus Niedriglohnländern, sowohl als auch aus Hochlohnländern. Dadurch konnte sich auch die internationale Arbeitsteilung schneller ausbreiten, da der UN-Sitz nicht mehr am selben Standort wie die international verteilten Produktionsstätten vorzufinden war und dies führte unweigerlich dazu, dass nicht nur ein UN diesem Trend oder wohl eher dem unvermeidlichen Wandel aufgesprungen ist sondern fast alle international ausgerichteten UN und daher an selben Standorten konkurrieren und sich mit neuen Geschäftsmodellen gegeneinander bewähren müssen um zu überleben.

Diese erweiterten Entscheidungs-Spielräume von Unternehmen und deren Hinnahme oder gar Förderung durch die Wirtschaftspolitik sind Gegenstand der Globalisierungs-Kritik: Kommt Globalisierung nur einzelnen Unternehmen zu gute?[26]

Ich beschränke mich bei der Kritik auf einen wesentlichen Punkt, der von dem Physiker Peter Kafka stammt. Aus den Erwägungen der Systemtheorie stammt der Begriff der „Globalen Beschleunigungskrise“ und danach führt ein „sehr schneller und global vereinheitlichter Strukturwandel zwangsläufig in eine instabile Gesamtlage der menschlichen Zivilisation und der menschenfreundlichen Biosphäre.“[27] Als Nächstes widme ich mich den Tendenzen der Weltwirtschaft und werde dann eine Überleitung zum heutigen Welthandel und dem Protektionismus erstellen.

Tendenzen der Weltwirtschaft

Zunehmend bestimmen drei Tendenzen die Entwicklung der Weltwirtschaft: Direktinvestitionen, Dienstleistungs-Handel und Finanztransaktionen.

Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts sind die Direktinvestitionen deutlich stärker gestiegen als die Welt-Exporte. Dabei geht es vor allem auch um Produktions-Verlagerungen in Länder mit geringeren Faktorkosten von Arbeit, Energie, Rohstoffen, Umwelt, Staat. Bedeutsamer aber sind andere Gründe:[28]

- die Erschliessung neuer regionaler Märkte, für welche die Präsenz vor Ort aus wirtschaftlichen, sozialen, politischen Gründen sinnvoll ist, die Erschliessung neuer Märkte aufgrund von Wettbewerbsvorteilen durch Produkt-, Prozess-, Marketing-Innovationen,
- die Vermeidung von Such- und Verhandlungskosten, wenn Eigenproduktion günstiger ist als Lizenzproduktion oder Agenturvertrieb,
- die Sicherung des Exports durch Investitionen in Marketing, Vertrieb und Kundenservice vor Ort.

Eine Folge ist, dass der unternehmensinterne Handel, Lieferungen also innerhalb von multinationalen Konzernen, heute 30-50% des Welthandels ausmacht.[29] Dabei gewinnt der Dienstleistungs-Sektor immer mehr an Bedeutung. Mit zunehmendem Handel wachsen auch grenzüberschreitende Nachfrage und Angebot von Telekommunikations-, Reise-, Beratungs-, Finanzierungs-, Versicherungs-, Transport- und Qualifikations-Leistungen. Mit der Konzentration von Unternehmen auf Kernkompetenzen und der Auslagerung von Funktionen werden Leistungen wie Montage und Qualifikation als Dienstleistung erkennbar, die bisher dem Güterhandel zugerechnet wurden. Unter diesem Aspekt kann der weltweite Handel mit Dienstleistungen auf 30 bis 45% des Güterhandels veranschlagt werden. Bei den Direktinvestitionen erreichen sie gar mehr als 50%.[30]

Nachdem ich nun aufgezeigt habe wie es von der Außenwirtschaft zur Weltwirtschaft gekommen ist, möchte ich im nächsten Kapitel mich nun spezifisch dem Welthandel, ihrer Handelspolitik und der Ordnung des Welthandels zuwenden.

2.3 Welthandel und Protektionismus

Die Zunahme weltweiter internationaler wirtschaftlicher Beziehungen zwischen UN einerseits und Ländern andererseits führte zum grenzüberschreitenden Handel mit anderen Weltregionen und zu ihrer zunehmenden Verflechtung und Abhängigkeit der Weltregionen. Dabei änderten sich gleichzeitig die strategischen Optionen der jeweiligen Handelspolitiken der Länder, was unterschiedliche Formen des Welthandels ermöglicht, und es änderte sich Ordnung des Welthandels, was ihre supranationale Überwachung und dazugehöriger Einsatz von ordnungspolitischen Massnahmen angeht. Zuerst werde ich aber Grundlegende Begriffe (Import, Export, Direktinvestitionen) des Außenhandels erklären um mich danach auf die 5 grossen Trends des Welthandels beziehen zu können. Dann erst werde ich mich den interregionalen Handelsströmen widmen und auch einen klaren Bezug zu den aufsteigenden asiatischen Handelssternen erstellen zu können.

Exporte

Als Exporte werden ins Ausland gelieferte Güter bezeichnet, wobei nach dem Inlandskonzept nur die Exporte von Waren und Dienstleistungen erfasst werden, nach dem Inländerkonzept zusätzlich Erwerbs- und Vermögenseinkommen, die aufgrund von Faktorleistungen ans Ausland dem Inland zufließen. Der Exporteur ist demnach eine Firma oder eine Person die an das Ausland Waren verkauft bzw. Dienstleistungen erbringt.[31] Zum Ausland zählt auch der interregionale Export.

Importe

Als Import wird im Außenhandel der Bezug von Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland bezeichnet. Dabei unterscheidet man sichtbare Einfuhren (Waren) und unsichtbare Einfuhren (Dienstleistungen), wie etwa Vermittlungsleistungen ausländischer Banken und Versicherungen, Leistungen ausländischer Schiffe usw.). Der Importeur ist demnach eine Firma oder eine Person, die für das Inland bestimmte Waren im Ausland kauft, um sie weiterzuverarbeiten oder weiterzuverkaufen.[32]

Auslandsdirektinvestitionen

Als (Auslands-)Direktinvestition (engl. Foreign Direct Investment, FDI) bezeichnet man die finanzielle Beteiligung eines Investors (Direktinvestor, Muttergesellschaft) an einem Unternehmen in einem anderen Land (Direktinvestitionsunternehmen, Tochtergesellschaft), die meist dazu bestimmt ist, mögliche Markteintrittsbarrieren (bspw. Handelshemmnisse) zu umgehen und die (zudem) nach Art und Umfang dazu bestimmt ist, einen dauerhaften Einfluss auf die Geschäftspolitik dieses Unternehmens auszuüben.[33] Gemäß internationalen Standards (siehe Abschnitt) ist von dem geforderten "dauerhaften Einfluss" auszugehen, wenn die Beteiligung mindestens 10 % des Kapitals des Direktinvestitionsunternehmens ausmacht. Aus der Sicht des Inlandes unterscheidet man zwischen aktiven Direktinvestitionen (Direktinvestitionen im Ausland) und passiven Direktinvestitionen (ausländische Direktinvestitionen im Inland).[34]

Als Nächstes widme ich mich spezifisch dem Welthandel und dem Anstieg interregionaler Handelsströme und werde im Anschluss des Kapitels auf die welthandelspolitische Ordnung durch die WTO eingehen.

2.3.1 Welthandel

Ich möchte dieses Kapitel mit den 5 grossen Trends des Welthandels einleiten:[35]

1. Trend zur stärkeren Handelsintegration; Welthandel wächst schneller als die Produktion.
2. Veränderte Arbeitsteilung; NIC = Newly Industrializing Country, d.h. Schwellenländer werden zu Produzenten. à Indien (IT, Dienstleistungen), à Südamerika, Kalifornien (Weinhändler).
3. Handelsliberalisation; es besteht die Angst vor grenzübergreifender Konkurrenz. Durch die Anwendung von Mindestlöhnen werden Handelsbarrieren und der Protektionismus vermindert.
4. Regionalisierung; Formation von neuen regionalen Handelsblöcken und Vertiefung von regionaler Integration. Dadurch wird der Freihandel mit den Nachbarn ermöglicht, wie bspw. in der EU und der Handel mit den Mitgliedsländern untereinander.
5. Eintritt in die WTO und damit ins globale Welthandelssystem.

Der Welthandel wird durch die stetige internationale Verflechtung von Volkswirtschaften und die damit einhegende Integration von Teilmärkten weiter vorangetrieben. Der Welthandel wird von den Industrienationen dominiert, insbesondere der Europäischen Union mit einem Anteil von mehr als einem Drittel. Der gesamte afrikanische Kontinent (ohne Nahost) erreicht hingegen einen Anteil von gerade 2 bis 3 Prozent. Eine zunehmende Rolle im weltwirtschaftlichen Austausch vor allem bei den Billigwaren nehmen die so genannten "emerging markets" - allen voran die Volksrepublik China ein.[36]

Die treibenden Kräfte des Welthandels sind u.a. die fallenden Transportkosten, die Information- und Kommunikationstechnologie, tarifäre wie auch nicht-tarifäre Handelshemmnisse. Dies führt zu einer verbesserten technologischen Vernetzung multinationaler Firmen (MNF). Durch die asiatischen Schwellenländer mit ihrem beachtlichen Handelswachstum in den letzten 20 Jahren (super traders), kam es zu dem Wandel der Arbeitsteilung, der sich in Form der Fragmentierung der Produktion manifestierte.

Steigende Auslandsdirektinvestitionen (ADI) unterstützen diesen Prozess noch weiter. Heutige Tendenz zum internationalen Outsourcing und unternehmensinternem Handel verstärken die Entwicklung interregionaler sowie internationaler Handelsströme. Im weiteren Verlauf beschreibe ich die Dominanz der drei stärksten Handelsströme in der Weltwirtschaft und wende mich dem Freihandel zu.

2.3.1.1. Tripolarisierung der Welthandelsströme

Im Zuge der Globalisierung kommt es zu einer Polarisierung und Hierarchisierung von Ländern und Regionen, die sich im internationalen Handel widerspiegelt. Der Welthandel wird von drei regionalen Blöcken dominiert: der Europäischen Union (EU), der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) und Ostasien (insbesondere durch die Freihandelszone der ASEAN). Diese Handelsblöcke wickeln drei Viertel des Welthandelsvolumens ab und konnten ihre Stellung in den letzten zwei Jahrzehnten weiter ausbauen.[37]

Unten abgebildeter Grafik sind die tripolarisierten Welthandelsströme mit ihren Anteilen am Welthandel zu entnehmen.[38] Die Dominanz der Triade liegt vor allem an folgenden Faktoren:[39]

- Der Besitz diversifizierter Produktionsstrukturen ermöglicht die Nutzung überproportionaler weltwirtschaftlicher Arbeitsteilung.
- Der Grossteil des Handelsvolumens der Industrieländer besteht aus Fertigwaren, die tendenziell im Preis steigen, so dass der Gesamtwert des Handelsvolumens ebenfalls überproportional zunimmt.
- Regionalintegrationen, wie das Beispiel EU zeigt, wirken sich handelsfördernd aus.

Deutlich zu erkennen sind nicht nur die Handelsblöcke, sondern auch die immensen Handelsströme zwischen den Handelsblöcken. Da die Abbildung aus dem Jahre 2000 stammt, kann man ohne Sorge annehmen, dass sich die Handelsströme sogar noch weiter erhöhen haben. Südamerika, der vornehmlich durch die Freihandelszone Mercusor dargestellt wird gewinnt auch zunehmend an Bedeutung im Welthandel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Welthandelsströme im Jahr 2000.

Zwar ist der Handelsblock an sich noch weit von einem Vergleich mit dem europäischen oder dem asiatischen entfernt, aber vor allem die globale Automobilindustrie hat erkannt, dass der südamerikanische Markt genug Potential inne hat, irgendwann zu den grossen regionalen Handelsblöcken zu gehören.

Immerhin sind dort schon grosse Namen wie VW und Toyota vertreten und das schon seit Jahren. Darüber hinaus wird der Mercusor dazu verwendet, schon fertig gestellte Fahrzeuge über Mexiko in die NAFTA zu transportieren. Sehr oft kommen diese Fahrzeuge oder Fertigteile zum weiteren Einbau in die Fahrzeuge über Südafrika, womit auch deutlich wird, dass der afrikanische Markt ein zunehmend beliebter werdender Standort zur Produktion und weiteren Verarbeitung geworden ist, aber dennoch durch seine Instabilität, durch vor allem dort herrschenden Rivalitäten und politische Unruhen, ein noch unsicherer Markt, für eine vertiefende Integration in den Welthandel, darstellt.

Im Folgenden beschreibe ich warum Freihandel als eine wichtige Vorraussetzung, beim interregionalen und interkontinentalen Handel, gilt.

2.3.1.2. Freihandel als Vorraussetzung für Exporterfolge

Geschlossene Grenzen sowie Handelshemmnisse tarifärer und nicht tarifärer Art begrenzen die Absatzchancen und fördern ein lokales Engagement an Standorten ausserhalb, bspw. Deutschlands, die ansonsten nicht wettbewerbsfähig wären. Zölle, Abgaben und administrative Hemmnisse bei Einfuhren verteuern nämlich Importprodukte derartig, dass sie nicht mehr im Markt konkurrieren können und zwingen Unternehmen zu lokaler Produktion zu höheren Kosten und dementsprechend zu höheren Verkaufspreisen.[40] Szenarien, die den freien Welthandel für den Abbau von Arbeitsplätzen verantwortlich machen, sind somit differenziert zu betrachten. Denn nicht der freie Welthandel, sondern viel mehr unfairer Wettbewerb und hohe Standortkosten behindern Investitionen und Arbeitsplätze.[41]

Korea bspw. hat im Jahr 2004 im Inland ca. 1 Mio. Fahrzeuge abgesetzt dafür aber im Gegenzug nur ca. 20.000 Fahrzeuge ins Land importieren lassen.[42] Die inländische Industrie versucht sich halt zu schützen, heisst es immer, da aber kein exekutives Regelwerk zur Vermeidung solch Diskriminierung herrscht, werden die MNF gezwungen Kosten auf sich zu nehmen, um eine lokale Produktion aufzubauen. Solch ein Aufbau lokaler Fertigungsstätten (Assemblies) erfordert eine gut geplante Lokalisierungsstrategie der MNF und setzt einen starken abgeschlossenen Internationalisierungsprozess der MNF voraus. Als Nächstes beschreibe ich warum die Standortwahl so wichtig ist.

Standortwahl

Es gibt einen wichtigen Unterschied bei der Wahl eines Produktionsstandortes zwischen einem Hochlohnland und einem Niedriglohnland. Hochlohnländer (HLL) gehören vornehmlich der Triade an (USA, EU, Japan) und Niedriglohnländer (NLL) demnach dem asiatischen Handelsblock sowie zahlreichen anderen Schwellenländern (NIC). HLL sind spezialisiert auf technologieintensive (kapitalintensive) Produktionsvorgänge und NLL sind spezialisiert auf arbeitsintensive Produktionsvorgänge. Durch einen regen Technologietransfer in den letzten Jahren, können nun in NLL auch technologieintensive Güter erstellt werden, doch mit dem Vorteil dass der arbeitsintensive Input nicht so kostenintensiv ist wie in den HLL. Das bedeutet, dass eine starke Verlagerung der Produktion von den HLL in die NLL zurzeit zu verzeichnen ist und zukünftig auch weiter voranschreiten wird. Diese Verlagerung beinhalten auch die Verlagerung von Experten und Spezialisten in diese Regionen und ziehen dabei enorme ADI mit sich nach. Dies führt mich direkt zu dem nächsten Punkt, der den Anstieg der interkontinentalen und interregionalen Handelsströme beschreibt.

Verschiebung der interkontinentalen Handelsströme

In den meisten Ländern dieser Welt dominiert der Binnenhandel, also innerhalb der Grenzen oder benachbarten Regionen, den Außenhandel. Seit den sechziger Jahren wird etwa 75% des Welthandels intrakontinental, also innerhalb der jeweiligen Kontinente, abgewickelt. Rund 25% des Welthandels wird zwischen den Kontinenten, also interkontinental, abgewickelt.[43] Bis heute noch bestehen diese Relationen, trotz

- stark angestiegenen weltweiten Handelsvolumens,
- zunehmender Bedeutung des Nord-Nord-Handels, also dem Handel innerhalb der nördlichen Hemisphäre,
- Entstehungen von Regionalintegrationen (s. III. Kapitel 4) und dem Abbau von Handelsbarrieren zwischen den Ländern und trotz der Tatsache, dass die meisten aufgebauten Handelshemmnisse gerade den interkontinentalen Handel betreffen.[44]

So sind auch innerhalb von Freihandelszonen Bedingungen aufgestellt worden seitens der regionalen Vereinigungen, die oft diskriminierend anderen Handelsparteien und Drittländern gegenüber sind.

Verschiebungen kamen in den letzten Jahren innerhalb des interkontinentalen Handels zustande: Beim Wachstum der Handelsströme wuchs der transpazifische Handel stärker als der transatlantische Handel und überholte dessen Volumen auch zum ersten Mal in der Geschichte. Dann vergrößerte sich der Anteil des transpazifischen Handels auf 11%, während der transatlantische Anteil sich auf 8% verringerte.

Eine der wichtigsten Ursache war meiner Meinung nach die Wirtschafts- und Exportstrategie Japans, die eine Vorbildfunktion für die Schwellenländer Südostasiens, den so genannten "Newly Industrializing Econmies"[45] (NIE).

NIE`s oder auch Schwellenländer genannt, da sie sich an der Schwelle zum Industrieland befinden, werden erst in der Zukunft zu "New Industrialized Economies", weshalb dieser Terminus des Öfteren zu Verwirrungen führen kann, auch wegen der selben Abkürzung.

Länder, die so eingestuft werden, besitzen eine sich selbst tragende, durch die Verflechtung der Konsum- und Produktionsgüterstrukturen und einen hohen Anteil an Schlüsselindustrien gekennzeichnete Wirtschaft, allen voran in der Automobilindustrie.[46]

Meiner Ansicht nach sind die NIE oder NIC stark im Kommen, sogar mehr noch wie vor einigen Jahren erwartet worden ist. Die dort ansässige Industrie hat sich derart rasch vermehrt und entwickelt, nicht allein wegen der überproportional angestiegenen ADI, dass sie sogar maßgeblich an den Regionalisierungsentwicklungen innerhalb des asiatisch-pazifischen Raumes beteiligt ist und somit nur noch weiter verdeutlicht, wie wichtig dieser für die Weltwirtschaft gegenwärtig und auch zukünftig ist.

Weltwirtschaftliche Bedeutung des Asiatischen - Pazifischen Raumes

Neben der amerikanischen Westküste, Japan, Australien und Neuseeland, liegen im pazifischen Becken mitunter die wachstumsstärksten Länder der Weltwirtschaft:

- Taiwan, Südkorea, Hongkong und der Stadtstaat Singapur,
- Thailand und Malaysia,
- die Volksrepublik China, die neben Singapur, Thailand und Malaysia anderen ASEAN-Staaten Indonesien, Philippinen, und das Sultanat Brunei, eines der reichsten Länder der Welt, sowie
- Vietnam, ein Land dessen gewaltiges Wachstumspotential wohl erst in einigen Jahren richtig eingeschätzt werden kann.[47]

Insgesamt handelt es sich um die gegenwärtige dynamischste Region der Welt, dies gilt vor allem für die Exporte, die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten, das Wachstum der verarbeitenden Industrie und die Investitionen, die zum Teil erheblich über denen der Weltwirtschaft liegen. Daneben wächst auch die intraregionale Kapitalverflechtung, insbesondere durch eine rege Investitionstätigkeit Japans und der NIE`s, vor allem Taiwans, in den anderen südostasiatischen Staaten, vor allem in Thailand und Malaysia.

Doch die Kehrseite der aufblühenden Wirtschaft spiegelt sich vermehrt in der Aufstellung von Handelshemmnissen jeglicher Art wider, die dem Schutz und dem Aufbau der lokalen Industrie dienen und zudem „Freerider- Mentalitäten“ unterbinden soll. Dies soll Thema des nächsten Kapitels sein, in dem ich zuerst auf das multilaterale Handelssystem eingehen werde und mich dann im Anschluss dem Protektionismus als strategischer handelspolitischer Option zuwenden.

2.3.2 Protektionismus

Als Protektionismus bezeichnet man alle Massnahmen, mit denen ein Staat versucht, ausländische Anbieter auf dem Inlandsmarkt zu benachteiligen. Mittel dafür ist die strategische Handelspolitik. Ziel ist es bestimmte Produkte oder Branchen, wie bspw. der Automobilbranche, eines Landes zu fördern oder die eigene Wirtschaft generell anzukurbeln.[48] Kritiker fordern einen globalen Freihandel und sind der Ansicht Protektionisten würden komparative Vorteile und weitere Handelsvorteile nicht beachten. Aus dem Umstand, dass ein Tausch nur dann vollzogen wird, wenn das erworbene Objekt mehr wertgeschätzt wird als das eingetauschte Objekt folgt unmittelbar, dass jegliche Beschränkung wohlfahrtsmindernd ist.[49]

Meiner Meinung nach tauscht niemand in der Erwartung nach dem Tausch schlechter dazustehen. Um protektionistischen Massnahmen entgegenwirken zu können bildete man eine supranationale weltumspannende Organisation mit dem Namen WTO, dass auf multilateralen Verträgen zwischen den meisten Staaten dieser Welt besteht und der Regelung fairen und globalen Handels dienen soll. Dieses weltumspannende System soll im Weiteren beschrieben werden.

2.3.2.1 Multilaterales Handelssystem

In der Politik verwendet man den Begriff multilateral, wenn mehrere Staaten kooperativ, prinzipiell gleichberechtigt gemeinsam handeln (Diplomatie betreiben). Beim Multilateralismus werden die Interessen aller Partner berücksichtigt und es gibt oft schriftliche, in Form von Verträgen, vereinbarte Regelungen, die alle Beteiligten binden.

Die formelle multilaterale Diplomatie geht nach der Ansicht vieler auf den Wiener Kongress im neunzehnten Jahrhundert zurück. Seitdem hat der Multilateralismus kräftig an Bedeutung gewonnen. Heutzutage sind viele Handelsabkommen multilateral, zum Beispiel das WTO-Abkommen. Auch bilden sich multilaterale Staatenverbünde mit gemeinsamer Politik, zum Beispiel die Europäische Union, oder Umweltabkommen, wie das Kyoto-Protokoll. Die Vereinten Nationen (UN) sind die wichtigste multilaterale Institution mit globaler Reichweite.[50]

Die Beseitigung von Handelshemmnissen auf multilateraler Ebene ist im Übereinkommen zur Errichtung der Welthandelsorganisation (WTO-Abkommen) vom 15. April 1994 samt seinen Anhängen geregelt. Mit in Kraft treten am 1. Januar 1995 hat das WTO-Abkommen das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tarifs and Trade – GATT) vom 30. Oktober 1947, das seinerseits am 1. Januar 1948 "vorläufig" in Kraft getreten war.[51]

Der Weg war nun frei für eine weitere Handelsliberalisierung und im weiteren Verlauf beschreibe ich zudem die Rolle des GATT bei der Verfolgung des Ziels fairen Handels.

2.3.2.2 Handelsliberalisierung und die Rolle des GATT

Nach dem Krieg wurde wieder stärker auf eine offene Außenhandelspolitik gesetzt. Erschüttert wurde dies zwischenzeitlich durch den Zusammenbruch des Bretton Woods-Systems und der herrschenden Ölkrise, auf die ich aber jetzt nicht näher eingehen werde. Es entstanden Freihandelszonen wie die EG, EFTA und ASEAN. Mit der UNO-Unterorganisation GATT (heute WTO) erhielten die Bemühungen um Freihandel eine hochrangige Institution.[52]

Die vollständige Liberalisierung des Welthandels würde nach einer Studie der Weltbank (2005) bis zum Jahr 2015 jährlich 250 Mrd. Euro an zusätzlichen Einkommen realisieren. Die fortschreitende Freihandelspolitik war eine Grundlage der Globalisierung. In den letzten Jahren hat sich mit den Globalisierungskritikern eine lautstarke Gegenbewegung entwickelt, die auf die Gefahr von Ausbeutung und Zementierung bestehender Gefälle sowie die Untergrabung der Wirtschaftspolitik der Nationalstaaten hinweist.[53]

Das allgemeine Zoll- und Handelsabkommen

Entscheidungen der GATT- bzw. WTO-Organe wurden und werden in den meisten Fällen nach dem Konsens-Prinzip getroffen. Heute ist das GATT eines der wichtigsten Abkommen innerhalb der WTO.[54]

Die Ziele des GATT sind die u.a.: Die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen der Vertragsparteien sollen darauf gerichtet sein, dass sich der Lebensstandard erhöht, Vollbeschäftigung verwirklicht wird, das Niveau des Realeinkommens und der Nachfrage ständig steigt, die "Hilfsquellen der Welt" voll erschlossen werden und die Produktion steigt. Zur Verwirklichung der Ziele sollen die Regeln des GATT beitragen, insbesondere ein wesentlicher Abbau der Zölle und anderer Handelsschranken sowie die Beseitigung der Diskriminierung im internationalen Handel. Diese Zielsetzung ist deutlich von der keynesianischen Volkswirtschaftslehre geprägt, die vor allem auf eine Stärkung der Nachfrage setzt.[55]

Einige Globalisierungskritiker gehen davon aus und ich bin ebenfalls der Ansicht, dass durch einen liberalisierten Welthandel diese Ziele nicht erreicht werden können, sondern durch die Massnahmen des GATT gerade das Gegenteil erreicht wird.

Die Welthandelsorganisation

Die WTO ist die Dachorganisation der Verträge GATT, GATS (General Agreement on Trade in Services) und TRIPS (Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte am geistigen Eigentum). Ziel der WTO ist der Abbau von Handelshemmnissen, sowie die Liberalisierung des internationalen Handels. Den Kern dieser Anstrengungen bilden die WTO-Verträge, die durch die wichtigsten Handelsnationen ausgearbeitet und unterzeichnet wurden. Wirtschaftspolitisch geht eine liberale Außenhandelspolitik bei den WTO-Mitgliedsländern zumeist einher mit einer Politik der Deregulierung und Privatisierung.[56]

Alle WTO-Mitglieder haben sich zur Einhaltung einiger Grundregeln bei der Ausgestaltung ihrer Außenhandelsbeziehungen verpflichtet:[57]

- Meistbegünstigung: Handelsvorteile, die ein WTO-Mitgliedsland einem anderen Land gewährt, muss es allen anderen WTO-Mitgliedsländern auch gewähren (Artikel 1 GATT).
- Inländerbehandlung (Nichtdiskriminierung): Ausländische Waren sowie deren Anbieter dürfen nicht schlechter behandelt werden als inländische; für Dienstleistungen gilt dies nur, sofern die Staaten den Markt für einen Dienstleistungssektor geöffnet haben (Artikel 3 GATT).
- Transparenz: Regelungen und Beschränkungen des Außenhandels müssen veröffentlicht werden (Artikel 10 GATT).
- Verbot von mengenmäßigen Beschränkungen: Heimische Produzenten dürfen durch Zölle geschützt werden, aber nicht durch Importquoten oder völligen Ausschluss von Importen (Artikel 11 GATT).

GATS

Das GATS (General Agreement on Trade in Services) ist ein internationales, multilaterales Vertragswerk der Welthandelsorganisation (WTO), das den grenzüberschreitenden Handel mit Dienstleistungen regelt und dessen fortschreitende Liberalisierung zum Ziel hat.[58]

Das GATS umfasst alle Dienstleistungen, mit Ausnahme solcher Dienstleistungen, die im Rahmen staatlicher Zuständigkeit erbracht werden. Dienstleistungen, die im Rahmen staatlicher Zuständigkeit erbracht werden, werden definiert als Dienstleistungen, die weder zu kommerziellen Zwecken noch im Wettbewerb mit einem oder mehreren Dienstleistungserbringern erbracht werden. Das GATS gilt nicht nur für den Handel mit Dienstleistungen, sondern auch für den Konsum von Dienstleistungen im Inland sowie die Erbringung von Dienstleistungen durch ausländische Investoren. Das Abkommen hat Auswirkungen auf nahezu alle Gesetze, die Menschen, Arbeitnehmer, Wohlstand und soziale Absicherung betreffen.[59]

TRIPS

Das Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte am geistigen Eigentum oder TRIPS-Abkommen ist eine internationale Vereinbarung auf dem Gebiet der Immaterialgüterrechte. Es legt minimale Anforderungen für nationale Rechtssysteme fest, um "sicherzustellen, dass die Massnahmen und Verfahren zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums nicht selbst zu Schranken für den rechtmäßigen Handel werden".[60]

Darüber hinaus besitzt das TRIPS-Abkommen im Gegensatz zu anderen internationalen Vereinbarungen einen mächtigen Durchsetzungsmechanismus. Staaten, die ihr Rechtsystem für geistiges Eigentum nicht TRIPS-konform gestalten, können durch den WTO-Streitschlichtungsmechanismus diszipliniert werden, der es ermöglicht, Handelssanktionen gegen abtrünnige Staaten zu verhängen.[61] Im Folgenden möchte ich mich nun den zahlreichen Arten und Wirkungen der Protektion widmen.

2.3.2.3 Zölle als Instrumente der Protektion

Zölle sind das klassische Instrument des Protektionismus, mit dem ein Land versucht sich einen Vorteil zu Lasten eines anderen Landes zu verschaffen. Die Erhebung von Zöllen wird auch als tarifäre Protektion bezeichnet, davon unterschieden werden Instrumente der nicht-tarifären Protektion. Zölle sind staatliche Abgaben, die erhoben werden, wenn Güter die Staats- bzw. Zollgrenzen überschritten, also exportiert oder importiert oder als Transitware durchgeschleust werden.[62]

Im Näheren sollen nun die verschiedenen Wirkungen und Arten des Zolls definiert werden.

[...]


[1] Nachfolgend werden in dieser Arbeit die Automobilhersteller als OEM (Original Equipment Manufacturer) bezeichnet und die Zulieferer als Tier1 (Supplier).

[2] Commodities bezeichnen die Hauptgruppen eines Fahrzeugs, wie z.B. Karosserie, Elektronik, Rohmaterialien, Innenausstattung u.s.w.

[3] Broich, Asia-Pacific Economic Cooperation, S. 5.

[4] Der Begriff des Merkantilismus bezeichnet die Außenhandelspolitik zur Zeit des Absolutismus (1600-1750), nach welcher durch die strikte staatliche Regulierung des Außenhandels einerseits Exporte gefördert und andererseits Importe beschränkt wurden, um durch Handelsbilanzüberschüsse den nationalen Reichtum zu stärken (Wagner, Einführung in die Weltwirtschaftspolitik, 4. Auflage, 1999, S. 32).

[5] Wagner, Einführung in die Weltwirtschaftspolitik, 4. Auflage, 1999, S. 32.

[6] Wagner, Einführung in die Weltwirtschaftspolitik, 4. Auflage, 1999, S. 32.

[7] Blank/Clausen/Wacker, Internationale ökonomische Integration, 1998, S.1.

[8] Die Produktionsfragmentierung beschreibt den globalen Herstellungsprozess des MNF; dabei werden die Produkte so in Teile zerlegt, dass die Vorprodukte von billigen Herstellern in Niedriglohnstandorten vorgefertigt werden und der wichtige Endprozess in den Hochlohnstandorten (Triade), denn dort soll auch der grösste Teil der Wertschöpfung hängen bleiben, dort wo mittels Marketing, aus einem billig hergestellten Vorprodukt, ein nachgefragtes Markenprodukt wird.

[9] Siehe Kapitel “Lokalisierung”.

[10] Gieler, Internationale Wirtschaftsorganisationen, S. 170.

[11] Gieler, Internationale Wirtschaftsorganisationen, S. 171.

[12] Gieler, Internationale Wirtschaftsorganisationen, S. 171.

[13] Vgl. hierzu Ohlin, Bertil: Interregional and International Trade, 1933, Neuauflage und Neudruck, Cambridge, 1968.

[14] Gieler, Internationale Wirtschaftsorganisationen, S. 171.

[15] Gieler, Internationale Wirtschaftsorganisationen, S. 171.

[16] Sell, Einführung in die internationalen Wirtschaftsbeziehungen, S. 134.

[17] Gieler, Internationale Wirtschaftsorganisationen, S. 175.

[18] Vgl. Borchert, Außenwirtschaftslehre, S. 137.

[19] Le Monde Diplomatique, Atlas der Globalisierung, S. 6.

[20] Vgl. Ott / Schäfer, S. 410 – 411.

[21] Vgl. UNCTAD, Trade and Development Report, 2001 / WTO, Annual Report, 2001.

[22] Gieler, Internationale Wirtschaftsorganisationen, S.175.

[23] Kutschker / Schmid, Internationales Management, S. 176.

[24] Siebert, Weltwirtschaft, S.92, 103.

[25] Kutschker / Schmid, Internationales Management, S. 178.

[26] Kutschker / Schmid, Internationales Management, S. 178.

[27] Kutschker / Schmid, Internationales Management, S. 178.

[28] Dunning, Trade and foreign-owned production Services, 108f.

[29] Vgl. UNCTAD, Trade and Development Report, 2001.

[30] Molitor, Wirtschaftspolitik, 1995, S. 164ff.

[31] Rittershofer, Wirtschaftslexikon Beck-Wirtschaftsberater, S. 355.

[32] Rittershofer, Wirtschaftslexikon Beck-Wirtschaftsberater, S. 283, 490.

[33] Vgl. hierzu auch Petschow, Nachhaltigkeit und Globalisierung – Herausforderungen und Handlungssätze, 1998, S. 44ff.

[34] Rittershofer, Wirtschaftslexikon Beck-Wirtschaftsberater, S. 252.

[35] Prof. Dr. Sander, University of Applied Sciences Cologne, Vorlesungsmaterialien SS 2005 International Trade, S. 3.

[36] Hey/Tappeser/Ruggero, Nachhaltigkeit trotz Globalisierung – Handlungsspielräume auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene, S. 19ff.

[37] Vgl. hierzu Hiplert, Wirtschaftliche Integration und Kooperation im asiatisch-pazifischen Raum: ifo Institut für Wirtschaftsforschung, S. 148f.

[38] Quelle: Le Monde Diplomatique, Atlas der Globalisierung, S. 22.

[39] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 37, 38.

[40] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 37.

[41] Verband der Automobilindustrie (VDA), Jahresbericht 2005, S. 25.

[42] Verband der Automobilindustrie, S. 25.

[43] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 72, 73.

[44] Kutschker / Schmid, Internationales Management, S. 178.

[45] Diese können aber auch unter der Bezeichnung Newly Industrializing Country auftauchen was aber nichts an der eigentlichen Bedeutung des Wortes ändert.

[46] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 73.

[47] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 74.

[48] Broich, Asia-Pacific Economic Cooperation, S. 25.

[49] Kutschker / Schmid, Internationales Management, S. 192.

[50] Broich, Asia-Pacific Economic Cooperation, S. 25.

[51] Broich, Asia-Pacific Economic Cooperation, S. 25.

[52] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 145.

[53] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 136.

[54] Gieler, Internationale Wirtschaftsorganisationen, S. 180.

[55] Sauer, Globale versus subsidiäre Steuerung der Wirtschaft? In: Alternative Weltwirtschaftsordnung – Perspektiven nach Cancun, 2004, S. 66ff.

[56] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 136, 137.

[57] Gieler, Internationale Wirtschaftsorganisationen, S. 185.

[58] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 136, 137.

[59] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 136, 137.

[60] Gieler, Internationale Wirtschaftsorganisationen, S. 186.

[61] Schmid / Kutschker, Internationales Management, S. 250.

[62] Koch, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 147.

Details

Seiten
252
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783836627030
DOI
10.3239/9783836627030
Dateigröße
7.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226623
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln – Wirtschaftswissenschaften, Betriebswirtschaft
Note
1,3
Schlagworte
einfuhrbestimmung regionalisierung automobilindustrie freihandel trading block

Autor

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Titel: Gegenwärtige und zukünftige Einfuhrbestimmungen zwischen europäischen und asiatischen Ländern und ihre Auswirkungen auf die Regionalisierungsmöglichkeiten in der Automobilindustrie