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Erarbeitung eines Vorschlages für ein deutsches Nachhaltigkeitszertifizierungssystem

©2008 Diplomarbeit 105 Seiten

Zusammenfassung

Inhaltsangabe:Einleitung:
Weltweit ist eine grundlegende Veränderung des Umweltbewusstseins festzustellen. ‘Grün’ ist das neue ‘Schwarz’. In Zeiten der globalen Erwärmung, ständig steigender Energiekosten durch die Knappheit an fossilen Energieträgern und der damit verbundenen ökologischen Sensibilisierung der Gesellschaft ist den Gedanken der Nachhaltigkeit im Bausektor eine immer größere Bedeutung zu Teil geworden. Die folgende Grafik verdeutlicht diesen Prozess anhand der Preisentwicklung der Hauptenergieträger Fernwärme, Erdgas, Heizöl und Kohle für das Zeitfenster von 1999 bis 2008: Hieraus wird ersichtlich, dass beispielsweise die Erhöhung des Heizölpreises in den letzten vier Jahren in einer Größenordnung von ca. 100 % liegt. Was hat dies nun mit der Baubranche zu tun? Natürlich ist auch die Baubranche von Energiepreisentwicklungen betroffen. Der Hauptaspekt liegt aber nicht in der Entstehungsphase eines Bauwerkes begründet, sondern vielmehr in der Betriebsphase. Der Anteil des Gebäudeenergieverbrauchs liegt in Europa bei ca. 40 % des Gesamtenergieverbrauchs. In diesem Kontext ist zu bedenken, dass ein großer Teil dieser Gebäude in einer Zeit gebaut wurde, in der Energiekosten nur eine geringe Rolle gespielt haben. Aus diesem Gesichtspunkt wird deutlich, dass hier ein großes Einsparpotenzial vorhanden ist. Der Betrachtungszeitraum des Gebäudeenergieverbrauches umfasst dabei den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes. Um dieses Einsparpotenzial nun transparent zu machen, hat der Wunsch nach einem einheitlichen Bewertungsverfahren immer größere Bedeutung erlangt. Diese rein ökonomischen Beweggründe sind allerdings nicht die einzigen Gründe für ein Umdenken gewesen. Die Vielzahl an klimatisch bedingten, schwerwiegenden Naturkatastrophen und die damit verbundene Not der betroffenen Bevölkerung haben weltweit zu einer ökologischen Sensibilisierung der Gesellschaft geführt. Als Beispiel sind hierfür die verheerenden Auswirkungen des Tsunamis im Jahre 2005, oder die Vielzahl an schweren Erdbeben und Wirbelstürmen zu nennen.
Hier wird ein kontinuierlicher Anstieg des durch Naturkatastrophen hervorgerufenen volkswirtschaftlichen Schadens ersichtlich. Die unverhältnismäßig starke Zunahme in den letzten Jahren verdeutlicht nochmals die Notwendigkeit des Handelns. Ein weiterer Grund für die Involvierung des Nachhaltigkeitsgedankens in die Gebäudebewertung ist die Tatsache, dass die Gebäudenutzer sich mit immer größerem Leistungsdruck auseinander setzten […]

Leseprobe

Sebastian Blank
Erarbeitung eines Vorschlages für ein deutsches Nachhaltigkeitszertifizierungssystem
ISBN: 978-3-8366-2408-4
Herstellung: Diplomica® Verlag GmbH, Hamburg, 2009
Zugl. Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH), Aachen,
Deutschland, Diplomarbeit, 2008
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte,
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© Diplomica Verlag GmbH
http://www.diplomica.de, Hamburg 2009

Inhaltsübersicht
I
Inhaltsübersicht
1.
Einführung ... 1
1.1
Einleitung und Zielsetzung der Arbeit ... 1
1.2
Vorgehensweise... 4
2.
Grundlagen der Nachhaltigkeitsbewertung ... 6
2.1
Die Nachhaltigkeitsbewertung ... 6
2.2
Gründe für eine Nachhaltigkeitsbewertung ... 8
3.
Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizierungs-
systeme... 10
3.1
Die wichtigen internationalen Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme... 10
3.2
Building Research Establishment Assessment Method (BREEAM) ... 11
3.3
Leadership in Energy & Environmental Design (LEED)... 15
3.4
Leadership in Energy & Environmental Design Canada (LEED Canada)... 23
3.5
Leadership in Energy & Environmental Design India (LEED India) ... 26
3.6
Green Star Australien ... 30
3.7
Green Star NZ ... 35
3.8
Comprehensive Assessment System for Building Environmental Efficiency
(CASBEE) ... 36
3.9
Haute Qualité Environnementale (HQE)... 40
3.10 Zusammenfassung... 41
4.
Anforderungen
an
ein
Nachhaltigkeitszertifizierungssystem
in
Deutschland... 46
4.1
Allgemein... 46
4.2
Nachhaltigkeitszertifizierung aus der Sicht der Immobilienwirtschaft ... 58
4.3
Persönlicher Vorschlag eines Nachhaltigkeitszertifizierungssystems in Deutsch-
land ... 67
5.
Zusammenfassung der Ergebnisse ... 73
6.
Nachhaltigkeitszertifizierung in Deutschland ... 76
7.
Ausblick über die Zukunft der Nachhaltigkeitszertifizierung in
Deutschland... 80

Inhaltsübersicht
II
Anhang ... 82
Abkürzungen und Symbole ... 87
Glossar ... 88
Abbildungsverzeichnis ... 92
Tabellenverzeichnis ... 94
Literaturverzeichnis... 95

Inhaltsverzeichnis
III
Inhaltsverzeichnis
1.
Einführung ... 1
1.1
Einleitung und Zielsetzung der Arbeit ... 1
1.2
Vorgehensweise... 4
2.
Grundlagen der Nachhaltigkeitsbewertung ... 6
2.1
Die Nachhaltigkeitsbewertung ... 6
2.2
Gründe für eine Nachhaltigkeitsbewertung ... 8
3.
Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizierungs-
systeme... 10
3.1
Die wichtigen internationalen Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme... 10
3.2
Building Research Establishment Assessment Method (BREEAM) ... 11
3.3
Leadership in Energy & Environmental Design (LEED)... 15
3.4
Leadership in Energy & Environmental Design Canada (LEED Canada)... 23
3.5
Leadership in Energy & Environmental Design India (LEED India) ... 26
3.6
Green Star Australien ... 30
3.7
Green Star NZ ... 35
3.8
Comprehensive Assessment System for Building Environmental Efficiency
(CASBEE) ... 36
3.9
Haute Qualité Environnementale (HQE)... 40
3.10 Zusammenfassung... 41
4.
Anforderungen
an
ein
Nachhaltigkeitszertifizierungssystem
in
Deutschland... 46
4.1
Allgemein... 46
4.1.1
Die politische Entwicklung der Nachhaltigkeitszertifizierung in Deutschland ... 47
4.1.2
Anforderungen an ein Nachhaltigkeitszertifizierungssystem aus politisch/gesell-
schaftlicher Sichtweise in Deutschland... 48
4.1.3
Vor- und Nachteile der zurzeit am Markt befindlichen Zertifizierungssysteme aus
politischer Sicht... 50
4.2
Nachhaltigkeitszertifizierung aus der Sicht der Immobilienwirtschaft ... 58
4.2.1
Allgemein ... 58

Inhaltsverzeichnis
IV
4.2.2
Konkrete Anforderungen an ein Nachhaltigkeitszertifizierungssystem aus der Sicht
der Immobilienwirtschaft ... 61
4.2.3
Vor und Nachteile der sich zurzeit am Markt befindenden Zertifizierungssysteme
aus Sicht der Immobilienwirtschaft... 62
4.2.4
Auswirkungen der aktuellen Ereignisse auf die Immobilienbranche... 66
4.3
Persönlicher Vorschlag eines Nachhaltigkeitszertifizierungssystems in Deutsch-
land ... 67
4.3.1
Allgemein ... 67
4.3.2
Konkrete Anforderungen an ein Nachhaltigkeitszertifizierungssystem aus persön-
licher Sicht... 69
5.
Zusammenfassung der Ergebnisse ... 73
6.
Nachhaltigkeitszertifizierung in Deutschland ... 76
7.
Ausblick über die Zukunft der Nachhaltigkeitszertifizierung in
Deutschland... 80
Anhang ... 82
Abkürzungen und Symbole ... 87
Glossar ... 88
Abbildungsverzeichnis ... 92
Tabellenverzeichnis ... 94
Literaturverzeichnis... 95

Kapitel 1: Einführung
1
1.
Einführung
1.1
Einleitung und Zielsetzung der Arbeit
Weltweit ist eine grundlegende Veränderung des Umweltbewusstseins festzustellen. ,,Grün" ist
das neue ,,Schwarz". In Zeiten der globalen Erwärmung, ständig steigender Energiekosten durch
die Knappheit an fossilen Energieträgern und der damit verbundenen ökologischen Sensibilisie-
rung der Gesellschaft ist den Gedanken der Nachhaltigkeit im Bausektor eine immer größere
Bedeutung zu Teil geworden
1
. Die folgende Grafik verdeutlicht diesen Prozess anhand der Preis-
entwicklung der Hauptenergieträger Fernwärme, Erdgas, Heizöl und Kohle für das Zeitfenster
von 1999 bis 2008:
Abbildung 1-1: Energiepreisentwicklung 1999 bis 2008
2
Hieraus wird ersichtlich, dass beispielsweise die Erhöhung des Heizölpreises in den letzten vier
Jahren in einer Größenordnung von ca. 100 % liegt. Was hat dies nun mit der Baubranche zu
tun? Natürlich ist auch die Baubranche von Energiepreisentwicklungen betroffen. Der Hauptas-
pekt liegt aber nicht in der Entstehungsphase eines Bauwerkes begründet, sondern vielmehr in
1
Vgl. Yudelson, J., Marketing Green Building Sevices, 2008, S. IX.
2
www.vattenfall.de/../P0272537.pdf.
[%]
375
350
325
300
275
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1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008 [a]

Kapitel 1: Einführung
2
der Betriebsphase. Der Anteil des Gebäudeenergieverbrauchs liegt in Europa bei ca. 40 % des
Gesamtenergieverbrauchs (siehe Abbildung 1-2). In diesem Kontext ist zu bedenken, dass ein
großer Teil dieser Gebäude in einer Zeit gebaut wurde, in der Energiekosten nur eine geringe
Rolle gespielt haben. Aus diesem Gesichtspunkt wird deutlich, dass hier ein großes Einsparpo-
tenzial vorhanden ist. Der Betrachtungszeitraum des Gebäudeenergieverbrauches umfasst dabei
den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes. Um dieses Einsparpotenzial nun transparent zu ma-
chen, hat der Wunsch nach einem einheitlichen Bewertungsverfahren immer größere Bedeutung
erlangt.
Abbildung 1-2: Anteil des Gebäudeenergieverbrauches am Gesamtenergieverbrauch
3
Diese rein ökonomischen Beweggründe sind allerdings nicht die einzigen Gründe für ein Um-
denken gewesen. Die Vielzahl an klimatisch bedingten, schwerwiegenden Naturkatastrophen
und die damit verbundene Not der betroffenen Bevölkerung haben weltweit zu einer ökologi-
schen Sensibilisierung der Gesellschaft geführt. Als Beispiel sind hierfür die verheerenden Aus-
wirkungen des Tsunamis im Jahre 2005, oder die Vielzahl an schweren Erdbeben und Wirbel-
stürmen zu nennen. Die Wechselwirkung dieser beiden Faktoren wird anhand der Abbildung 1-3
deutlich:
3
Eigene Darstellung.

Kapitel 1: Einführung
3
Abbildung 1-3: Volkswirtschaftliche Schäden durch Naturkatastrophen (einschließlich Erdbeben)
4
Hier wird ein kontinuierlicher Anstieg des durch Naturkatastrophen hervorgerufenen volkswirt-
schaftlichen Schadens ersichtlich. Die unverhältnismäßig starke Zunahme in den letzten Jahren
verdeutlicht nochmals die Notwendigkeit des Handelns.
Ein weiterer Grund für die Involvierung des Nachhaltigkeitsgedankens in die Gebäudebewertung
ist die Tatsache, dass die Gebäudenutzer sich mit immer größerem Leistungsdruck auseinander-
setzten müssen. Daher ist eine optimale Arbeitsumgebung notwendig, damit jeder Nutzer sein
komplettes Leistungspotenzial entfalten kann. Hier setzt die soziale Komponente der Nachhal-
tigkeit an.
Aufgrund dieser Zusammenhänge sind in der Vergangenheit die politisch motivierten Ansätze
einer nachhaltigen Entwicklung von großer Bedeutung geworden und weltweit verschiedene
Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme entstanden, welche aufgrund der unterschiedlichen natio-
nalen Anforderungen und vor allem wegen unterschiedlicher Interessen der Initiatoren erhebli-
che Unterschiede aufweisen.
Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist auch in Deutschland nicht im Verborgenen geblieben. Hier
wurde allerdings in der Vergangenheit weniger auf die Zertifizierung, sondern vielmehr auf die
technische Weiterentwicklung der Gebäude das Augenmerk gelegt. Dies hat zur Folge, dass in
4
http://www.hamburger-bildungsserver.de/welcome.phtml?unten=/klima/klimafolgen/extreme/folgen-10.html, Zugriff: 21.07.2008.
140
120
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1950
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1980
1990
2000
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S
$
Jahr

Kapitel 1: Einführung
4
Deutschland zwar hoch technisierte Gebäude errichtet wurden, ein geeignetes Zertifizierungssys-
tem zur Vergleichbarkeit der nachhaltigen Performance jedoch fehlt.
Das Problem der Nachhal-
tigkeitszertifizierung in Deutschland liegt also nicht an der technischen Ausstattung der Gebäu-
de, sondern an der Vergleichbarkeit der nachhaltigen und energetischen Standards.
5
Diese Diplomarbeit setzt sich mit dem Vergleich der internationalen Bewertungssysteme ausein-
ander und bewertet aus verschiedenen Sichtweisen die Anwendbarkeit dieser im deutschen
Markt. Des Weiteren wird ein persönlicher Vorschlag über die Kernkriterien eines nationalen
Nachhaltigkeitszertifizierungssystems gegeben, welcher frei von finanziellen Interessen ist. Im
Anschluss folgt ein Exkurs über die Beschreibung des Standes der Dinge in Deutschland, in des-
sen weiterem Verlauf ein Ausblick auf verschiedene zukünftige Entwicklungspotenziale und
Einsatzgebiete der Nachhaltigkeitszertifizierung gegeben wird.
1.2
Vorgehensweise
Um den Begriff und die Notwendigkeit der Anwendung des Nachhaltigkeitsgedankens darstellen
zu können, wird vorab durch eine umfassende historische Aufarbeitung des Begriffes der Nach-
haltigkeit und im Folgenden der Nachhaltigkeitsbewertung ein Einblick auf die Notwendigkeit
dieser Art der Gebäudebewertung gegeben. Daraufhin werden die verschiedenen, sich aktuell am
Markt befindlichen internationalen Bewertungssysteme ausführlich vorgestellt. Hierbei stehen
die unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten und die Initiatoren der Systeme im Vordergrund.
In diesem Kontext wird nicht nur der gegenwärtige Stand der Dinge erörtert, sondern auch ein
Ausblick auf die historische Entwicklung gegeben.
Um eine Aussage über die Qualität eines Nachhaltigkeitszertifizierungssystems treffen zu kön-
nen, spielen verschiedene Parameter eine Rolle. Diese werden im Laufe dieser Diplomarbeit
ausführlich erläutert und ein Bezug zum deutschen Markt hergestellt. Bei der Anwendung einer
Nachhaltigkeitszertifizierung in Deutschland spielen die sehr eng reglementierten Vorschriften
und Normen in der Baubranche eine entscheidende Rolle. Hier stellt sich die Frage, in wie weit
die EnEV und DIN 18599 einem Nachhaltigkeitsbewertungssystem vorgreift, und wie dies ge-
nutzt werden kann. Es macht letztendlich keinen Sinn im Zuge einer Nachhaltigkeitsbewertung
Parameter zu überprüfen, welche längst durch die EnEV bzw. DIN 18599 geregelt wurden.
Die Bewertung der Qualität der vorhandenen Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme erfolgt dabei
aus zwei verschiedenen Sichtweisen. Zum einen aus der politisch-gesellschaftlichen, zum ande-
ren aus der Sichtweise der Immobilienbranche. Die politisch-gesellschaftliche Sichtweise reprä-
sentiert hierbei das öffentliche Interesse an einer Nachhaltigkeitszertifizierung.
Im Gegenzug dazu wird anhand der Anforderungen an ein Nachhaltigkeitszertifizierungssystem
aus dem Blickwinkel der Immobilienbranche ein Überblick darüber gegeben, in welchem Maß
sich diese Interessen von den aktuellen marktbeherrschenden Anforderungen unterscheiden.
5
Vgl. Gräber, M., Green Building, 2008, S 11 ff.

Kapitel 1: Einführung
5
Auf der Grundlage dieser Überlegungen wird ein persönlicher Vorschlag für ein deutsches
Nachhaltigkeitszertifizierungssystem gemacht, welcher frei von jeglichen marketingspezifischen
Einflüssen etwaiger Interessengruppen ist. Es handelt sich bei diesem Vorschlag somit um eine
persönliche, subjektive Einschätzung der Dinge.
Abschließend wird durch einen Exkurs über den aktuellen Stand der Dinge zur Nachhaltigkeits-
zertifizierung die Lage in Deutschland beschrieben und darüber hinaus ein Ausblick auf die Zu-
kunft der Nachhaltigkeitszertifizierung gegeben.

Kapitel 2: Grundlagen der Nachhaltigkeitsbewertung
6
2.
Grundlagen der Nachhaltigkeitsbewertung
2.1
Die Nachhaltigkeitsbewertung
Um die Nachhaltigkeitsbewertung enger eingrenzen zu können, ist eine Definition des Terminus
der Nachhaltigkeit in diesem Kontext unabdinglich. Da es keine fest umgrenzte, allgemeingülti-
ge Definition des Begriffes gibt, muss die historische Entwicklung dieses Begriffes zur Verdeut-
lichung herangezogen werden. Der Ursprung der Nachhaltigkeit geht bis ins frühe 18. Jahrhun-
dert zurück und tauchte zum ersten Mal im Zusammenhang mit der forstwirtschaftlichen Ent-
wicklung in Deutschland auf. Nachhaltigkeit bezeichnet in diesem Zusammenhang die Bewirt-
schaftungsweise eines Waldes, bei welcher immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nach-
wachsen kann, so dass der Wald nie Vollkommen abgeholzt wird, sondern sich immer wieder
regenerieren kann.
6
Unser heutiges Verständnis der Nachhaltigkeit wurzelt allerdings in dem als
Brundtland Bericht bekannt gewordenen Abschlussdokument der Weltkommission für Umwelt
und Entwicklung ,,Unsere gemeinsame Zukunft" aus dem Jahr 1987. Hier ist das Konzept der
nachhaltigen Entwicklung folgendermaßen definiert:
,,Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnis-
se befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürf-
nisse befriedigen zu können."
7
In der auf diesen Bericht folgenden wissenschaftlichen Debatte werden die Begriffe ,,Nachhal-
tigkeit" und ,,Nachhaltige Entwicklung" vielfach in unterschiedlichen Zusammenhängen ge-
braucht und auf verschiedene Art und Weise definiert:
,,Die Gemeinsamkeit aller Nachhaltigkeitsdefinitionen ist der Erhalt eines Systems bzw. be-
stimmter Charakteristika eines Systems, sei es die Produktionskapazität des sozialen Systems
oder des lebenserhaltenden ökologischen Systems. Es soll also immer etwas bewahrt werden
zum Wohl der zukünftigen Generationen."
8
In der Gegenwart basieren allerdings alle im weiteren Umfeld des Bauwesens verwendeten
Nachhaltigkeitsgedanken auf dem Drei-Säulen-, bzw. dem Drei-Dimensionen-Modell der Nach-
haltigkeit (siehe Abbildung 2-1). Die ursprüngliche Herkunft des Drei-Säulen Modells ist unge-
klärt, es kann jedoch der Bericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages ,,Schutz
des Menschen und der Umwelt" im Jahr 1998 als Einführung des Drei-Säulen-Modells in den
deutschen Nachhaltigkeitsdiskurs gelten.
9
Dieser besagt im Wesentlichen:
,,Nachhaltigkeit ist die Konzeption einer dauerhaft zukunftsfähigen Entwicklung der ökonomi-
schen, ökologischen und sozialen Dimension menschlicher Existenz. Diese drei Säulen der
6
Vgl. Tremmel, J., Nachhaltigkeit als politische und analytische Kategorie, 2003, Seite 97ff.
7
Hauff, V., Unsere gemeinsame Zukunft, 1987.
8
Klauer, B., Was ist Nachhaltigkeit, 1999.
9
Vgl. Tremmel, J., Nachhaltigkeit als politische und analytische Kategorie, 2003, Seite 117.

Kapitel 2: Grundlagen der Nachhaltigkeitsbewertung
7
Nachhaltigkeit stehen miteinander in Wechselwirkung und bedürfen langfristig einer ausgewo-
genen Koordination."
10
Abbildung 2-1: Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit
11
Dies sagt im Wesentlichen aus, dass die ökologische Nachhaltigkeit den ökologischen Raubbau
vermeiden soll und eine nachhaltige Lebensweise die natürlichen Lebensgrundlagen nur in dem
Maße verbraucht, wie sie auch regeneriert werden können. Diese Dimension spiegelt den histori-
schen Gedanken der Nachhaltigkeit am stärksten wieder.
Die ökonomische Nachhaltigkeit impliziert, dass eine Generation wirtschaftlich so leben sollte,
dass die nachfolgende Generation durch die Lebensweise ihrer Ahnen nicht belastet wird. Eine
Wirtschaft gilt im Allgemeinen dann als nachhaltig, wenn sie dauerhaft betrieben werden kann.
Soziale Nachhaltigkeit ist dann gewährleistet, wenn in einer Gesellschaft entstandene Span-
nungsspitzen friedlich beigelegt werden können. Im Bereich des Bauwesens ist mit sozialer
Nachhaltigkeit jedoch vielmehr gemeint, dass alle Gebäudenutzer deckungsgleiche Vorausset-
zungen vorfinden. Als Beispiele sind hier die Gewährleistung eines behindertengerechten Ar-
beitsplatzes, oder eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu nennen.
12
Die Nachhaltigkeitsbewertung hat nun die Aufgabe, die vorab erwähnten Anforderungen und
Kriterien im Zuge einer Bewertung auf das Bewertungsobjekt zu projizieren und die Ergebnisse
dessen für den Kunden transparent zu machen. Die Gründe für die Anwendung einer solchen
Nachhaltigkeitsbewertung werden im folgenden Kapitel näher erläutert.
10
Abschlußbericht der Enquete-Kommission ,,Schutz des Menschen und der Umwelt ", Deutscher Bundestag, 1998.
11
In Anlehnung an, Deutscher Bundestag, Zwischenbericht der Enquette Kommision, 1997, S.55.
12
Vgl. Abschlußbericht der Enquete-Kommission ,,Schutz des Menschen und der Umwelt ", Deutscher Bundestag, 1998, S. 17-24.

Kapitel 2: Grundlagen der Nachhaltigkeitsbewertung
8
2.2
Gründe für eine Nachhaltigkeitsbewertung
Im Laufe der Zeit ist der politischen Debatte über die nachhaltige Ausrichtung von Gebäuden
eine immer größere Bedeutung zu Teil geworden. Diese Entwicklung liegt in vielen Punkten
begründet. Vor allem das Zusammenspiel zwischen der politischen Debatte über das Thema
Nachhaltigkeit und die zu dieser Zeit immer weiter steigenden Energiekosten haben dem poli-
tisch orientierten Nachhaltigkeitsgedanken einen ökonomisch begründeten Antrieb gegeben.
Darüber hinaus hat das wachsende Bewusstsein der Gebäudenutzer über den großen Beitrag von
Gebäuden am Gesamtenergieverbrauch eines Landes zu einem zwangsläufigen Umdenken aus
ökonomischen Gesichtspunkten geführt. Eine weitere wichtige Rolle spielt sicherlich auch eine
erhöhte Sensibilisierung der Gesellschaft im Umgang mit natürlichen Ressourcen als Folge von
klimatisch motivierten Naturkatastrophen.
Wie bereits anhand des Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit veranschaulicht, gehört dement-
sprechend zu einer Nachhaltigkeitsbewertung nicht nur eine Beurteilung der energetischen Per-
formance, sondern auch die Einordnung im Hinblick auf soziale und nutzerfreundliche Bedin-
gungen in einem Gebäude. Des Weiteren spielen im Kontext der Benutzerfreundlichkeit Themen
wie zum Beispiel die thermische Behaglichkeit eine große Rolle. Denn lediglich in ansprechen-
der Arbeitsumgebung ist es dem Nutzer möglich, seine volle Leistungsfähigkeit zu entwickeln.
13
An diesem kurzen Beispiel wird bereits deutlich, in welcher Bandbreite ein Gebäude bei einer
intensiven Nachhaltigkeitsbewertung unter die Lupe genommen werden muss.
Der kritische Betrachter könnte hier nun einwenden, dass anhand bestehender Normen und Bau-
richtlinien, wie beispielsweise der Energieeinsparverordnung (EnEV) oder im Zuge dessen der
DIN 18599, die angesprochenen Punkte, zumindest in Deutschland, zu Genüge ausgeführt wer-
den. Diesem ist aus rein energetischen Gesichtspunkten im Wesentlichen auch nicht zu wider-
sprechen. Jedoch trifft dies in aller Regel nur auf Bauten jüngeren Baujahres zu. Zu einer Nach-
haltigkeitsbewertung gehört allerdings nicht nur die Bewertung der energetischen Leistungsfä-
higkeit, sondern vielmehr eine gesamtheitliche Bewertung des Gebäudes. Diese ökonomischen
und sozialen Bereiche der Nachhaltigkeitsbewertung sind jedoch nicht durch vorhandene Nor-
men geregelt. Zudem ist eine nachhaltige Performance eines Gebäudes nicht auf Anhieb ersicht-
lich. Hier soll nun ein einheitliches Nachhaltigkeitszertifizierungssystem ansetzen. Diese
Vorge-
hensweise hat das Ziel, durch eine klar strukturierte Zertifizierung das Gebäude bezüglich der
nachhaltigen Performance transparent machen.
In diesem Zusammenhang ist besonders auf eine
homogene Beurteilung aller drei Nachhaltigkeitsdimensionen zu achten.
Die Notwendigkeit eines solchen Verfahrens wird anhand der öffentlichen Diskussionen deut-
lich. Beispielhaft soll hierfür ein Zitat der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel stehen,
welche schon im Jahr 2005 forderte, dass Nachhaltigkeit ,,messbar" gemacht werden muss. Die
Diskussion würde also sicherlich nicht auf solch hoher politischer Ebene geführt werden, wenn
eine Nachhaltigkeitszertifizierung nicht notwendig wäre.
13
Vgl. Bauer, M., Green Building, 2007, S. 21 ff.

Kapitel 2: Grundlagen der Nachhaltigkeitsbewertung
9
Der Sachverhalt der Notwendigkeit einer Nachhaltigkeitszertifizierung ist nicht neu und auch
international nicht im Verborgenen geblieben. Hierbei ist anzumerken, dass die Nachhaltigkeits-
bewertung international früher als in Deutschland einen größeren Stellenwert eingenommen hat.
Im Zuge dessen wurden durch unterschiedliche Initiatoren Richtlinien, Gesetze und Systeme
entwickelt, um den Nachhaltigkeitsgedanken zu verankern.
Im Zuge der Globalisierung und der dadurch resultierenden Vielzahl ausländischer Investoren
auf dem deutschen Immobilienmarkt ist der Ruf nach einem Nachhaltigkeitsbewertungsverfah-
ren für den deutschen Markt von Seiten der Immobilienbranche immer lauter geworden. Die
Einordnung der Nachhaltigkeitsperformance eines Gebäudes ist für ausländische Investoren mitt-
lerweile eine Selbstverständlichkeit. Aus diesen Gründen ist die Interessensgruppe der Immobi-
lienbranche ein treibender Faktor bei der Verbreitung des Nachhaltigkeitsgedankens und der
Nachhaltigkeitszertifizierung in Deutschland.
Um eine Aussage darüber treffen zu können, in wie weit sich die internationalen Nachhaltig-
keitsbewertungsverfahren für den deutschen Markt eignen, wird im folgenden Kapitel eine Über-
sicht über die sich zurzeit am Markt befindenden, wichtigen internationalen Verfahren gegeben.

Kapitel 3: Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme
10
3.
Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizie-
rungssysteme
3.1
Die wichtigen internationalen Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme
In der Vergangenheit sind weltweit einige Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme entwickelt wor-
den. Den Anfang machte im Jahr 1990 das unter der Building Research Establishment Ltd. briti-
sche Bewertungsverfahren namens Building Research Establishment Assessment Method
(BREEAM). Dies war auch das inhaltliche und strukturelle Vorbild des 1998 am Markt vorge-
stellten amerikanischen Leadership in Energy and Environmental Design (LEED). Diesen Vor-
bildern folgten dann über LEED Canada, Green Star, Green Star NZ, CASBEE, HQE bis hin
zum jüngsten Verfahren LEED India mit der Marktpositionierung in 2007. Zur besseren Verbrei-
tung und zum Informationsaustausch sind diese in jüngerer Vergangenheit unter dem Dachver-
band des World Green Building Council (World-GBC) zusammengeschlossen worden.
Die
Gründung des World-GBC wurde erstmalig 1998 in Nagoya, Japan angekündigt, um die Arbeit
der nationalen Green Bulding Councills (GBC's) zu koordinieren und voranzutreiben.
Der World-GBC unterstützt weltweit die Entwicklung der Standards, Technologien, Produkte
und Projekte. Er gilt ebenfalls als unpolitisches, globales Forum für die Nachhaltigkeitsdiskussi-
onen im Baubereich.
14
Zu den wichtigen internationalen Nachhaltigkeitszertifizierungssystemen gehören:
·
Building Research Establishment Assessment Method (BREEAM, England)
·
Leadership in Energy & Environmental Design (LEED, USA)
·
Leadership in Energy & Environmental Design (LEED Canada, Kanada)
·
Leadership in Energy & Environmental Design (LEED India, Indien)
·
Green Star (Australien)
·
Green Star NZ (Neuseeland)
·
Comprehensive Assessment System for Building Environmental Efficiency
(CASBEE, Japan)
·
Haute Qualité Environnementale (HQE, Frankreich)
Eine Übersicht über die geographische Verbreitung gibt Abbildung 3-1 :
14
Vgl. Braune, A., Sedlbauer, K., Potenziale des nachhaltigen Bauens, 2007.

Kapitel 3: Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme
11
Abbildung 3-1: weltweite geographische Verbreitung der Green Building Councils
15
3.2
Building Research Establishment Assessment Method (BREEAM)
Das britische Nachhaltigkeitszertifizierungsverfahren namens Building Research Establishment
Assessment Method (BREEAM) wurde von der Building Research Establishment Ltd. (BRE),
beginnend mit BREEAM BUILDINGS im Jahre 1990 entworfen, kontrolliert, verbreitet und
sukzessiv weiterentwickelt. Die Historie des BRE geht zurück bis ins Jahr 1926. Ursprünglich
als Qualitätssicherungsbehörde für das Bauen in Großbritannien von der Regierung gegründet,
begleitete BRE die Entwicklung der ,,Bouncing Bomb" während des Zweiten Weltkriegs. Nach-
dem über einige Jahre mehrere Behörden unter BRE zusammengeschlossen wurden, erreichte
man 1990 den Status ,,Executive Agency", was einer schrittweisen Ausgliederung aus dem Be-
hördenstatus gleichkommt. Der Schritt der endgültigen Privatisierung wurde im Jahr 1997 voll-
zogen. Mittlerweile sind die führenden Unternehmen des britischen Bausektors in die Struktur
des BRE integriert.
15
Hydes, Kevin, Impact of Green Buildings worldwide, 2008, S.23.

Kapitel 3: Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme
12
Aufgrund des langen Entwicklungszeitraumes ist das BREEAM Bewertungsverfahren inhaltlich
sehr breit aufgestellt. Es verfügt über Bewertungstools für verschiedenste Zeitpunkte des Bau-
fortschrittes und somit über die Möglichkeit der Bewertung von Bestandsgebäuden. Des Weite-
ren wird nach der Art der Nutzung des zu bewertenden Gebäudes unterschieden. Das BREEAM
Bewertungsverfahren ist für Büros, Industriebauten, Schulen, Gerichte, Gefängnisse, Mehrfami-
lienhäuser, Krankenhäuser, Häuser (Ökohäuser), bestehende Siedlungen und Wohnhäuser ver-
fügbar.
BREEAM vergibt nach der Prüfung der Gebäudeperformance hinsichtlich einer Reihe von Kate-
gorien ein ökologisches Gütesiegel. Die wichtigsten Kategorien sind
16
:
·
Management (Management: Kommissionierung, Müllmanagement, Schadstoffver-
meidung, Materialmanagement, Ressourcen schonend)
·
Health & Wellbeing (Gesundheit und Wohlbefinden: behagliche Luftführung, behag-
liches Raumklima, Lichtaspekte, Temperaturausbreitung)
·
Energy (Energie: Energieeffizienz, CO
2
Emissionen)
·
Transport (Logistik: Emissionen, alternierende Transportmittel)
·
Water (Wasser: Wasserrückführung, Auffangbecken, verbrauchsarme Einrichtungen)
·
Materials (Materialien: Asbestvermeidung, Recycling Behälter, Verwendung bereits
recycelte Produkte)
·
Ecology (Ökologie: Ökologisch sinnvolle Grundstücksauswahl, ressourcenschonen-
der Umgang)
·
Pollution (Verschmutzung: Leck Überwachungssysteme, vor Ort Wiederaufberei-
tungssysteme, ozonschonende Materialien)
Die Wechselwirkungen des Gebäudes werden auf seine Umwelt auf globaler, regionaler, lokaler
und innenräumlicher Ebene bewertet. Für bestimmte Leistungskriterien werden vordefinierte
Punktzahlen vergeben. Die Planungsteilnehmer werden somit ermutigt, so früh wie möglich die
Kategorien und Leistungskriterien zu beachten, um ihre Chance auf eine gute BREEAM-
Bewertung zu erhöhen.
Grundsätzlich werden in jeder Kategorie Punkte vergeben, wobei auch die Kombination dieser
eine entscheidende Rolle spielt. Unterschiedliche Gewichtungen ermöglichen das Zusammenfü-
gen der Punkte zu einer Gesamtbewertungspunktzahl. Die erreichte Punktzahl wird in Form ei-
ner allgemeinen Wertung ausgedrückt (siehe Abbildung 3-2) und in Klassen von ,,excellent" über
,,very good" und ,,good" bis ,,pass" eingeteilt. Das Gebäude kann daraufhin auf dieser Skala ein-
geordnet werden.
16
Vgl. Fauler, K.M., Rauch, E.M., Sustainable Building Rating Systems, 2006, S.10.

Kapitel 3: Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme
13
Der chronologische Ablauf einer Standard BREEAM Bewertung sieht folgende Vorgehensweise
vor:
17
·
Zu Beginn muss geklärt werden, welchem Gebäudetyp das zu bewertende Objekt zuge-
ordnet werden kann. Es stehen folgende Bewertungstools des BREEAM Verfahrens zur
Verfügung: BREEAM Courts, BREEAM Ecohomes, BREEAM Industrial, BREEAM
Offices, BREEAM Prisons, BREEAM Retail oder BREEAM Schools. Zur Klärung die-
ser oder weitere Fragen vor der Bewertung gibt BREEAM dem Kunden auf Wunsch die
Möglichkeit, die Hilfe eines Pre Assessment Estimators (vor der Bewertung begleitender
Gutachter) in Anspruch zu nehmen.
·
Im Neubaubereich wird im Vorfeld in Absprache mit dem Kunden eine möglichst zu er-
reichende Bewertungsklasse festgelegt. Zur Verfügung stehen hier excellent, very good,
good und pass. Dementsprechend kann dann in der Planungsphase Einfluss auf die ver-
wendeten Technologien und Materialien genommen werden.
·
Während dieses Prozesses wird nun ein licensed Assessor (lizensierter Bewerter) in die
Planung involviert, um Detailfragen zu Materialien, gebäudetechnischen Systemen etc.
zu klären. Diese licenced Assessors werden vom BRE durch eine Prüfung lizensiert. Die-
ser Prüfung geht ein zweitägiges Pflichtseminar voraus.
·
Auf der Basis dieser Informationen bewertet der Assessor dann das Gebäude unter den
vorab erwähnten Kriterien.
·
Daraufhin wird dem Eigentümer ein entsprechendes Zertifikat überreicht
.
Dieses kann
dann zu Werbungszwecken oder bei einer etwaigen Veräußerung als Vertriebsinstrument
genutzt werden. Bisher wurden ca. 65.000 Gebäude nach BREEAM zertifiziert und
270.000 registriert.
18
17
Vgl. BREEAM, Standard certification, http://www.breeam.org/page.jsp?id=40.
18
Vgl. BREEAM, http://www.breeam.org, 2008.

Kapitel 3: Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme
14
Abbildung 3-2: BREEAM Bewertungszertifikat GOOD
19
19
www.propositiona.org/newsroom/awards/breeam, Zugriff am 28.07.2008.

Kapitel 3: Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme
15
3.3
Leadership in Energy & Environmental Design (LEED)
Abbildung 3-3: Logo USGBC
20
Das amerikanische Nachhaltigkeitszertifizierungsverfahren Leadership in Energy and Environ-
mental Design (LEED), welches durch den United States Green Building Council (US-GBC) am
Markt positioniert und verbreitet wurde, beinhaltet eine durch einen Fragenkatalog gestützte,
weitreichende Bewertung von Gebäuden bezogen auf deren Nachhaltigkeit.
Der US-GBC wurde im Jahre 1993 ins Leben gerufen und ist eine als nicht profitorientiert ge-
führte Vereinigung, deren Mitglieder aus allen Bereichen der Bauwirtschaft kommen. Bis ins
Jahr 2007 zählten über 11000 verschiedene Firmen und Organisationen zu den Mitgliedern. Der
US Green Building Council dient dabei als Meinungsaustausch- und Diskussionsforum der Ent-
scheidungsträger der US-Amerikanischen Baubranche. Das Programm des US-GBC sieht fol-
gende Kerninhalte vor:
·
Auf einem Komitee basierende Struktur:
Das Herz der Effektivität des US-GBC ist nach eigenen Aussagen die komiteeähnliche
Struktur. Diese sorgt für einen Informationsaustausch über die ganze Bandbreite der in
der Baubranche agierenden Entscheidungsträger. So können im Idealfall auftretende
Probleme von mehreren Sichtweisen betrachtet und im Konsens gelöst werden.
·
Stark mitgliederbezogen
Die Mitgliedschaft im US-GBC ist offen und ausgeglichen. Sie liefert somit eine funktio-
nierende Plattform, um eigene Aktivitäten und Neuerungen in der Branche zu publizie-
ren. Die Belange der Mitglieder haben höchste Priorität. Somit können grundsätzliche
Regelungen, Vorschläge und Neuerungen den Belangen der Mitglieder angepasst wer-
den.
·
Auf einem Konsens basierende Entscheidungen
20
US Green Building Council, Logo, 2002.

Kapitel 3: Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme
16
Die Zusammenarbeit hat das Ziel, den Gedanken des Green Buildings zu verbreiten und
die Vorzüge dessen in den Fokus der Kunden zu stellen. Es soll somit ein ökonomischer
mit einem ökologischen Vorteil einhergehen.
LEED ist aktuell mit BREEAM das
populärste Bewertungsverfahren weltweit. Seit seiner Ein-
führung und Verbreitung durch den US-GBC im Jahre 1998 wurden 14000 Projekte in über 50
US Staaten und mehr als 30 Ländern bewertet.
21
Zum besseren Verständnis der Dimension sei
hier erwähnt, dass eine Fläche von 99 Quadratkilometern im Laufe der Jahre durch dieses Sys-
tem bewertet wurde. Bevor auf den genaueren Inhalt dieses Verfahren eingegangen wird, steht
vorab ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung im Vordergrund.
Die Gründung des LEED Bewertungsverfahren geht ins Jahr 1994 zurück und begann unter der
Leitung von Robert K
.
Watson, welcher bis zum Jahre 2006 auch den Vorsitz des LEED Stee-
ring Committe (LEED Steuerungs Ausschuss) innehatte, als Person und dem Natural Resources
Defense Council als Organisation. Wie vorab erwähnt, wurde LEED im Jahre 1998 vom neu
gegründeten US-GBC als Nachhaltigkeitsbewertungssystem anerkannt, am Markt positioniert
und verbreitet. Von der Gründung 1994 bis zum Jahre 2006 wuchs das Verfahren von einem
Leitfaden zur nachhaltigen Konstruktion von Bauwerken bis hin zu einem ganzheitlichen System
von sechs zusammenhängenden Teilbereichen, die eine Vielzahl von Unterdisziplinen zur nach-
haltigen Gebäudezertifizierung abdecken. Dieses Wachstum hatte folgerichtig Auswirkungen auf
die personelle Struktur. Während zu Beginn noch ein Komitee, bestehend aus sechs ehrenamtli-
chen Mitgliedern, vorzufinden war, so waren es im Jahre 2006 bereits 200 ehrenamtliche Mit-
glieder in 20 Komitees und 150 hauptberuflich Angestellte.
Die Entwicklung von LEED machte sich zur Aufgabe
,
Gebäude mit folgenden Präferenzen zu
bewerten:
·
Schaffung eines einheitlichen Verfahrens zur Definition von Green Buildings
·
Verbreitung von integrierten, das gesamte Gebäude umfassenden Entwurfspraktiken
·
Anerkennung der ökologischen Verantwortung in der Bauindustrie
·
Schaffung eines ökologischen Konkurrenzkampfes in der Bauindustrie
·
Erhöhung des ökologischen Bewusstseins auf der Nutzerseite
·
Veränderung des Immobilienmarktes auf ökologisch verträglicher Basis
Um diese Ziele erreichen zu können, wurden die Bewertungsparameter diesem Kontext ange-
passt und permanent weiterentwickelt. Jedoch gab man sich mit der ersten marktreifen Version
1.1 nicht zufrieden, dass LEED Bewertungsverfahren befindet sich vielmehr in einem ständigen
Entwicklungsprozess und wird voraussichtlich im Jahre 2009 die derzeit aktuelle Version 2.2
durch die neu entwickelte Version 3.0 ersetzen.
21
USGBC, LEED Project Certification, 2006.

Kapitel 3: Vorstellung wichtiger internationaler Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme
17
Hier ist erwähnenswert, dass nicht wie bei kommerziellen Programmen üblich, die Updates
plötzlich und mit großem medienwirksamem Auftritt präsentiert werden, sondern die Nutzer in
regelmäßigen Abständen über den Inhalt sowie den Fortschritt der Weiterentwicklung informiert
werden. So ist beispielsweise am 19.5.2008 die öffentliche Vorstellungsphase der Version 3.0
angelaufen. Während dieser Phase können Nutzer und Interessenten Einblick in die Version
nehmen, Fragen stellen, Änderungsvorschläge machen und Kritik äußern. Diese Anregungen
werden daraufhin ausgewertet und in den Entwicklungsprozess übernommen.
22
Zum besseren Verständnis des Zertifizierungssystems wird im Folgenden eine kurze Übersicht
über den strukturellen Aufbau gegeben.
Die aktuelle LEED Version 2.2 ist in folgende Bereiche unterteilt:
·
LEED for New Construction and Major Renovations (Neubauten und Kernsanierungen)
·
LEED for Existing Buildings (Bestandsgebäude)
·
LEED for Commercial Interiors (Handelsgewerbeobjekte)
·
LEED for Core & Shell (Rohbauten)
·
LEED for Schools (Schulen)
·
LEED for Retail (Einzelhandel)
·
LEED for Healthcare (Gesundheitspflege)
·
LEED for Homes (Wohngebäude)
Die Verteilung dieser Bereiche im Bezug auf den Zeitpunkt des Lebenszyklus des zu bewerten-
den Gebäudes ist in Abbildung 2-3 ersichtlich.
Das am weitesten verbreitete Verfahren ist hierbei LEED for New Constructions and Major Re-
novations. Stellvertretend für die anderen Verfahren wird im Folgenden detailliert auf dieses
22
Vgl. US Green Bulding Council, Press Releases, 19.5.2008.
23
US Green Building Council, LEED, 2008.
Abbildung 3-4: Einordnung der Bewertungsverfahren im Bezug auf den Bewertungszeitpunkt
23

Details

Seiten
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836624084
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Bauingenieurwesen
Erscheinungsdatum
2014 (April)
Note
1,7
Schlagworte
nachhaltigkeit green building leed breeam sustainability
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Titel: Erarbeitung eines Vorschlages für ein deutsches Nachhaltigkeitszertifizierungssystem
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