Lade Inhalt...

Analyse und Bewertung von Aktienmarktrisiken

Diplomarbeit 2008 62 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Risikomanagement
1.1.1 Begriffserklärung von Risiko
1.1.2 Ziele des Risikomanagements
1.1.3 Risikoarten
1.2 Marktrisiko
1.3 Aktienkursrisiken
1.3.1 Spezielle Risiken von Aktienanlage

2 Grundlagen der Bewertung und Analyse von Aktienmarktrisiken
2.1 Volatilität als Risikomaß
2.1.1 Nachteile der Volatilität
2.2 Sensitivität als Risikomaß
2.3 Value at Risk als Risikomaß
2.4 Tail Value at Risk (TVaR) als Risikomaß

3 Bewertung von Aktienkursrisiken auf der Basis von Value at Risk
3.1 Aufstellung von VaR für einzelne Aktienposition
3.2 Aufstellung von VaR für ein Portfolio

4 Analyse von Aktienkursrisiken auf der Basis von Value at Risk
4.1 Value at Risk (VaR) als Risikokapital
4.2 Sharpe Ratio
4.3 Component Value at Risk (CoVaR)
4.4 Return on Risk adjusted Capital (RoRaC)
4.5 Backtesting

5 Stresstest als Vervollständigung des VaR-Ansatzes zur Bewertung und Analyse von Aktienkursrisiken

6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen des Risikomanagementsystems

Abbildung 2: Gliederung der betriebswirtschaftlichen Risikoarten

Abbildung 3: TVaR als Risikomaß am Beispiel normalverteilter Rendite

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Aktienkurse der Bayer AG

Tabelle 2: Aktienkurse der Deutsche Bank AG

Tabelle 3: Quantile der Standardnormalverteilung

Tabelle 4: Berechnung der Kovarianz

Tabelle 5: Aggregierte Portfoliorendite

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Heutzutage ist es fast undenklich bei der betriebswirtschaftlichen Auseinandersetzung über finanzwirtschaftliche Branche das Thema Risikomanagement umgehen zu können. Dabei steht im Mittelpunkt ein Prozess, dessen Fundament sich in der Analyse und Bewertung von Risiken zusammenschließt. So aus der Sicht eines Investors, der das Kapital in die Aktien anlegen möchte, ist es neben der Höhe der künftig zu erwarteten Rendite bzw. Gewinn auch das zu erwartende Risiko als Entscheidungskriterium interessant. Für die Ermittlung von solchen Risiken, in unserem Fall handelt es sich um ein Aktienmarktrisiko, existieren verschiedene Methoden, die auf der Basis von verschiedenen Kennzahlen berechnet werden.

Das Ziel der vorliegenden Diplomarbeit besteht darin, im ersten Schritt den Überblick über die gänglichen Kennzahlen der Bewertung und Analyse von Aktienmarktrisiken zu verschaffen (siehe Kapitel 2). Der zweite Schritt ist es auf der Basis einer bestimmten Risikomaßzahl, in unserem konkreten Fall ist es der sogenannte Value at Risk, im Rahmen der Bewertung das Risiko zu ermitteln (siehe Kapitel 3). Als nächstes im Rahmen des vierten Kapitels mit Hilfe von einigen Erweiterungen eine aussagekräftigere Kennzahl auf der Basis des VaR zu entwickeln und abschließend die verwendete Berechnungsmethode mit dem sogenannten Backtesting (Unterkapitel 4.5) zu überprüfen. Als letzter Schritt dient das Kapitel 5, in dem beschrieben wird, wie man mit den außergewöhnlichen Aktienkursentwicklungen, die bei der Berechnung von Value at Risk nicht berücksichtigt wurden, umgehen könnte. Bevor man allerdings die Bewertung und Analyse von Aktienmarktrisiken angehen kann, soll man die Grundlagen des Risikomanagements kennen, nämlich den theoretischen Ansatz z.B. wie überhaupt das Risiko definiert ist, oder was die Ziele des Risikomanagements sind, oder was unter dem Markt- und Aktienmarktrisiken zu verstehen ist. Alles dies ist der Bestandteil der unten stehenden Kapiteln 1.1 – 1.3.

1.1 Risikomanagement

Die Globalisierung, die permanente Weltmarktveränderungen, sowie die Komplexität der zwischenunternehmerischen Auseinandersetzungen verursachen neue und sich ständig verändernde Herausforderungen für das Management des Betriebes. Dies verschafft in der ersten Linie zahlreiche Chancen und Möglichkeiten, aber solche Dynamik versteht unter sich auch die Zunahme der Risiken. Der Begriff des Risikomanagements hat eine sehr umfangreiche Bedeutung und kann ohne zusätzliche Erläuterung zu Unstimmigkeiten führen. Heutzutage ist es beinah unmöglich einen risikolosen Gewinn zu erwirtschaften. Ein Geschäft ohne Risiko bzw. mit sehr geringer Risikowahrscheinlichkeit bringt am meisten einen „unattraktiven“, sehr geringen Gewinn. So zu sagen „No risk – no money“.

Ein erfolgreicher Unternehmer bzw. Manager lässt sich im wesentlichen nicht dadurch kennzeichnen, dass er die außergewöhnlich hohe Risiken in Betracht nimmt, sonder indem, dass er aus allen vorhandenen Risiken die richtige rausfinden kann und dann die Chancen und die damit verbundenen Gefahren gegeneinander stellt und die richtigen Risiken realisiert. „Aus dieser Perspektive ist Risikomanagement kein formales System, sondern eine Grundhaltung jeglichen unternehmerischen Denkens - also geradezu das Charakteristikum eines Entrepreneurs.“[1]

1.1.1 Begriffserklärung von Risiko

Risiken sind fest mit menschlichem Handel verbunden. Die Übernahme der Risiken zählt als besondere Funktion des Managements der Unternehmen und aufgrund dessen beimessen die Wirtschaftswissenschaften dem Risikoaspekten eine besondere Bedeutung. Eine gründliche Recherche von verschiedenen Risikobegriffen lässt sich durch zahlreiche Parallelität einzelner Definitionen eine Systematik erkennen. Trotz der hohen Anzahl der heutzutage gänglichen Definitionen von Risiken, existiert es keine einheitliche Begriffsinterpretation. Unter Berücksichtigung des Themas dieser Diplomarbeit – „Analyse und Bewertung von Aktienmarktrisiken“, kann man einerseits „das Risiko als Gefahr eines Verlustes oder eines Schadens definieren“.[2]Speziell in unserem Fall liegt die Gefahr darin, dass die Kurse der Aktien in die negative Richtung streben würden und infolge dessen einen Verlust verursachen würden. Anderseits, basierend auf dem Zukunftsbezug von Entscheidungen und Unvollständigkeit der Informationen kann man das Risiko als Gefahr eines Verlustes im Falle einer Fehlentscheidung betrachten. Als Beispiel für eine verlustbringende Entscheidung könnte ein Kauf von „falschen“ Aktien dienen. Dies könnte beispielsweise durch eine inkompetente Beratung verursacht werden oder durch einen Schätzfehler der Analytiker, die aufgrund der mangelhaften Information einen falschen Target Price der Aktien geschätzt haben.

1.1.2 Ziele des Risikomanagements

Ohne ein integriertes Risikomanagementsystem wird in der Zukunft kein Betrieb mehr überleben können. Die Rahmenbedingungen zu einem Risikomanagementsystem für die deutsche Unternehmen, hauptsächlich für Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und einigen GmbH, sind im Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG), sowie im Handelsgesetzbuch geregelt. Die kontinuierliche Anpassung des Unternehmens an seine optimale Marktposition kann als allgemeines Ziel des Risikomanagements betrachtet werden.[3]Ableitend von dieser allgemeinen Zielsetzung kann man unter Betracht des vorhandenen Themas der Diplomarbeit behaupten, dass als Ziel des Risikomanagements die rechtzeitige Identifizierung, Bewertung, Steuerung und Kontrolle von möglichen Verlustpotentialen und Fehlentscheidungen dient. Folgendes Schema veranschaulicht die Einzelstufen des Risikomanagementprozesses, die die Erreichung des oben genannten Zieles unterstützen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Phasen des Risikomanagementsystems[4]

Für die erfolgreiche Risikobewertung, Steuerung und Überwachung ist es notwendig zunächst die Risiken frühzeitig zu erkennen und zu klassifizieren. Die Klassifizierung bzw. Systematisierung von Risiken bedeutet nichts anderes, als für die identifizierte Risiken eine bestimmte Kategorie zuzuordnen. Die Kategorisierung von Risiken differenziert sich zum Beispiel in Wechselkursrisiken, Zinsänderungsrisiken oder Aktienmarktrisiken. Ein wichtiges Merkmal des erfolgreichen Risikomanagementsystems schließt sich darin, dass ein Identifikationsprozess aufgrund des ständig verändernden Unternehmensumfeldes ein ununterbrochener Prozess sein muss. Nachdem man weißt, womit es zu tun hat, kann man zum nächsten Punkt der Risikoanalyse Bewertung/Messung übergehen.[5]

Bei der Bewertung von Risiken unterscheidet man zwischen nicht quantifizierbaren, mangelhaft quantifizierbaren und quantifizierbaren Risiken. Unter nicht quantifizierbaren Risiken versteht man beispielsweise strategische Risiken. Ein Grund dafür ist die geringe Anzahl von Erfahrungswerten bei der Neuorientierung von strategischen Geschäftsbereichen und die wesentliche Einschränkung der Prognosefähigkeit. Mangelhaft quantifizierbare Risiken sind zum Beispiel Risiken im technisch-organisatorischen Bereich. Dies erklärt sich darin, dass die Quantifizierung von solchen Risiken sehr teuer ist und dem Kosten/Nutzen Verhältnis nicht entspricht. Die Finanzrisiken sind daher den quantifizierbaren Risiken untergliedert. Sie bilden eigentlich den Schwerpunkt von Risikomanagement. Außerdem eine Bewertung von Risiken ist nur bei quantifizierbaren Risiken sinnvoll. Die Basis der Quantifizierung bildet sich durch die Planung von Zielwerten wichtiger Kennzahlen der Unternehmensführung. Der Hauptgedanke der Bewertung von Risiken ist es rauszufinden, wie sich die Risiken auf die planmäßige Zielwerte ausgewählter Kennzahlen auswirken. Je nach Ausprägung des Risikos bezüglich Schadenshäufigkeit und Schadenshöhe kann man den notwenigen Handlungsbedarf ableiten.

Die nächste Grundphase des Risikomanagementsystems ist die Risikosteuerung. Dies untergliedert sich in aktive bzw. ursachenbezogene und passive bzw. wirkungsbezogene Risikosteuerung. Bei der aktiven bzw. ursachenbezogenen Maßnahmen der Risikosteuerung handelt es sich, laut Michael Schulte, um die Vermeidung, die Verminderung, die Diversifikation und die Überwälzung von Risiken und man entwickelt dabei die Gestaltung des Risikopotentials. Bei der Risikovermeidung handelt es sich um die absolute Beseitigung der Einzelrisiken. Dies hat allerdings einen großen Nachteil, nämlich mit der Auflösung der Einzelrisiken lösen sich auch die Einzelchancen auf. Eine Verminderung von Risiken im Vergleich zum totalen Verzicht ist eine flexiblere Maßnahme zu Risikosteuerung, da die dazu gehörenden Chancen dabei nicht verlorengehen. Die Risikoverminderung definiert sich als „ursachenorientierte Verringerung der Eintrittswahrscheinlichkeiten und/oder wirkungsorientierte Begrenzung des Schadensausmaßes“[6]. Außer den beiden oben genannten Maßnahmen kann man das Risiko auch durch bewusste Mischung von beispielsweise verschiedenen Wertpapieren mit verschiedenem Risikoniveau begrenzen. Der Oberbegriff dazu ist die Risikodiversifikation. Was die Maßnahme Risikoüberwälzung angeht, sind die Autoren des Buches „Risikomanagement und KonTraG - Konzeption und Implementierung“ Herr Wolf und Herr Runzheimer einer anderen Meinung als Herr Schulte und ordnen die Risikoüberwälzung zu wirkungsbezogener bzw. passiver Risikosteuerung zu. Um das Dilemma, zu welcher Gruppe der Streitpunkt gehört, zu klären, betrachten wir zuerst den Unterschied zwischen ursachenbezogene und wirkungsbezogene Risikopolitik. Im ersten Fall handelt es sich um die Reduktion der Schadenswahrscheinlichkeit und bei der passiven Risikopolitik ist die Rede über die Reduzierung der Wirkung des Verlustes.[7]Als nächsten Schritt der Lösung des oben genannten Problems, schauen wir die Definition von Risikoüberwälzung an. Wenn man über die Überwälzung von Risiko spricht, so ist damit die Übertragung von Risiko auf Dritte gemeint, beispielsweise durch einen Vertag mit einer Versicherungsgesellschaft. Daraus folgt, dass man seine Gefahr nicht ganz auflöst, sonder einem Dritten übergibt, laut unserem Beispiel ist der „neue“ Risikoträger die Versicherungsgesellschaft. Aufgrund dessen kann man behaupten, dass die Risikoüberwälzung eine wirkungsbezogene Maßnahme ist. Zu passiven Risikosteuerung gehört auch ein absichtliches Eingehen bestimmter Risikopotentiale, oder mit anderen Worten die Übernahme von Risiko, die die Risikodeckungspotentiale und ihre Gestaltung verbindet.[8]

Das abschließende Element eines Risikomanagementsystems ist die Risikokontrolle. Dies versteht unter sich die permanente Überprüfung von allen Vorgängen des Risikomanagementsystems auf ihren wirtschaftlichen Nutzen und auf ihre Effizienz. Die Phase der Risikokontrolle beinhaltet zwei Teilpunkte – Risikoüberwachung und Risikoreporting. Die Aufgabe der Risikoüberwachung ist es sicherzustellen, ob die aktuelle Konstellation in allen Risikobereichen den von Risikomanagement vorgegebenen Phasen des Vorgehensmodells entspricht. Mit Hilfe von solchem Ist-Soll-Vergleich ist es möglich die Schwachstelle im Risikomanagementsystem aufzudecken, um sie rechtzeitig zu beheben. Der nächste Teilpunkt der Risikokontrolle, das Risikoreporting, ist für das klar formulierte, rechtzeitige und kontinuierliche Kommunizieren zuständig. Die Berichterstellung über die identifizierten und systematisierten Risiken ist auch die Aufgabe von Risikoreporting. Man muss allerdings bei dem Reporting berücksichtigen, dass der Inhalt von solchen Berichten nicht zu voluminös sein soll.[9]

1.1.3 Risikoarten

Nach der umfangreichen Recherche von der betriebswirtschaftlichen Literatur habe ich rausgefunden, dass sich keine einheitliche und allgemein anerkannte Klassifikation von Unternehmensrisiken herausgebildet hat. Am meistens behandeln die Autoren die Risikoarten des Unternehmens aus der Sicht der Beschäftigung des Betriebes und dadurch verengern sie den Rahmen des Betrachtens. Ich bin auch der Meinung, dass eine gewisse Konkretisierung des Themas vorhanden sein muss, da bei dem Anblick auf alle Geschäftsbereiche dutzende branchenspezifische Risikoarten auftauchen, was zum Verwirren und Intransparenz führt. Aus der Sicht des vorhandenen Themas dieser Diplomarbeit ist es zunächst zwischen zwei grundsätzlichen Formen des Risikos zu unterscheiden:

- Strategische Risiken
- Operative Risiken

Unter den aus einer unkorrekten Vorgehensweise ergebenden Risiken sind strategische Risiken zu verstehen. Die operativen Risiken sind dagegen die aus fehlerhafte oder falsche Umsetzung ergebenden Risiken.[10]

Eine weitere Aufspaltung von betriebswirtschaftlichen Unternehmensrisiken ergibt sich wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gliederung der betriebswirtschaftlichen Risikoarten

Fangen wir mit dem Betracht von Risikoarten des Unternehmensbereiches. Die Risikoarten des Unternehmensbereiches sind auf das Zusammenspiel von Personal und Sachmitteln angerichtet und enthalten alle technisch-organisatorische Beziehungen. Nach der Recherche von verschiedenen Literaturquellen habe ich als nächstens, aus der Sicht des von mir betrachtenden Themas, den Unternehmenszweig in weitere drei Sparten aufgeteilt – Betriebsrisiken, Marketingrisiken und Sonstige Risiken. Der Bereich Betriebsrisiken umfasst das aus Inkompetenz oder des Versagens von internen Prozessen, und Systemen oder externen Ereignissen resultierende Risiko. Dazu zählen sich solche Fälle wie zum Beispiel Störungen in Geschäftsabläufen, ein Ausfall von Hard- und Software, sowie die Naturkatastrophen oder die Gesetzesänderungen. Der nächste Zweig, Marketingrisiken, schließt in sich die Beschaffungs- und Absatzrisiken zusammen. Das Beschaffungsrisiko definiert sich als die Verlustgefahr, die sowie mit dem Einkauf, als auch mit der Beschaffungspolitik verbunden ist und sammelt unter einem Dach solche Einzelrisiken wie zum Beispiel Transportrisiko, Bedarfsrisiko, Lagerrisiko und Lieferrisiko. Das Absatzrisiko kommt auf die Gefahr des aus der Veräußerung von Produkten oder Dienstleistungen resultierenden Verlustes zurück.[11]Der letzte Teil der Risikoarten aus dem Unternehmensbereich habe ich als Sonstige Risiken benannt. Dies versteht unter sich alle anderen branchenspezifischen Betriebsrisiken, die die ersten zwei Teile dieser Sparte nicht bedecken. So zum Beispiel beinhaltet der Bereich Sonstige Risiken der Volkswagen Financial Services AG, laut dem Geschäftsbericht des Jahres 2007, solche Risiken wie das Restwertrisiko und das Versicherungsrisiko. Außerdem sind darin auch die Personen- und Personalrisiken enthalten. Ich behaupte, dass die Risiken, die sowie mit dem menschlichen Verhalten, als auch mit dem Personal verbunden sind, ganz separat betrachtet werden müssen, da es sich um sehr instabile und schlecht vorhersagbare Risiken handelt.

Eine andere Seite der Medaille, die sich als betriebswirtschaftliche Risikoarten nennt, ist der Finanzbereich. Die finanzwirtschaftlichen Risiken verstehen unter sich eine Gefahr des Verlustes von Kapital

a) durch die eine negative Wertentwicklung von beispielsweise Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren, oder
b) durch die mangelnde Sicherheit bei der künftigen Zahlungsströme.

Weiterhin splittert sich der finanzwirtschaftliche Teil auf drei Ebene auf, dies sind die Marktpreisrisiken, Ausfallrisiken und Liquiditätsrisiken. Bei der ersten Ebene (Marktpreisrisiken) handelt es sich insbesondere um Finanzwertrisiken. Diese Kategorie beinhaltet solche Einzelrisiken wie Wechselkursrisiken, Immobilienrisiken, Zinsänderungsrisiken und Aktienmarktrisiken. Der letzte Punkt trifft direkt das Thema dieser Diplomarbeit und aufgrund dessen werde ich im Punk 1.2 Marktrisiko eine ausführlichere Klärung von Markpreisrisiken angehen. Die nächste Kategorie des Finanzbereiches ist das Ausfallrisiko. Darunter versteht man nicht nur einen vollständigen Verlust von Zins- und Tilgungsleistungen im Kapitalüberlassungsverhältnis, sondern auch einen Teilverlust von diesen Leistungen. Die Ebene der Ausfallrisiken beinhaltet sowohl die einzelgeschäftsbezogene Kreditrisiken, als auch die gesamtgeschäftsbezogene Risiken u.a. die Länderrisiko, oder die Großkreditrisiken. Neben den Markpreisrisiken und Ausfallrisiken steht auch der letzte Punkt der Unterteilung von finanzwirtschaftlichen Risiken – das Liquiditätsrisiko. Der Begriff Liquidität bedeutet nichts anderes als die Verfügbarkeit über genügend Finanz- bzw. Zahlungsmittel. Daraus kann man schließen, dass das Liquiditätsrisiko als ein möglicher Verlust verstanden wird, der durch Verletzung des finanziellen Gleichgewichts entsteht.[12]Als Beispiel dafür könnte eine nicht verkaufte Aktie dienen, da im „normalen“ Geschäft das Geld und nicht die Aktien als Zahlungsmittel gelten.

1.2 Marktrisiko

Das zentrale Thema des Bereiches der finanzwirtschaftlichen Risiken ist das Marktrisiko. Die verschieden Autoren bezeichnen diese Risikosparte auf zwei Arten, einige sprechen über die Marktrisiken, andere über die Marktpreisrisiken. Im Großen und Ganzen ist die Bedeutung von beiden Begriffen gleich und genau deswegen gibt es eine dritte Kategorie der Autoren, die die beiden Ausdrücke benutzen. Abgesehen davon, dass in verschiedenen Literaturquellen verschiedene Ausprägungen benutzt werden, bleibt der Sinn in allen Fällen gleich und bezeichnet die Gefahr des Verlustes eines Portfolios oder eines Wertpapiers aufgrund ungünstigen Wertänderungen oder Schwankungen von Zinssätzen, der Wechselkurse von Währungen, Aktienkursen, Güterpreis oder Marktindizes.[13]Unter der Wertänderungen oder Schwankungen sind zufällige Änderungen von Marktsituation zu verstehen und man kann dies mit Hilfe aus der Statistik geläufigen Standardabweichung vom Mittelwert ermitteln. Speziell bei den Banken ist die Identifikation, Steuerung und Kontrolle der Marktpreisrisiken infolge der anspruchsvoller internen Modelle stark entwickelt. Die Marktrisiken der finanzwirtschaftlichen Sparte gliedern sich hinsichtlich des verantwortlichen Risikofaktors in vier verschiedene Kategorien:

- die Aktienkursrisiken
- die Währungs-/Wechselkursrisiken
- die Zinsänderungsrisiken
- die Immobilienpreisrisiken
- sonstige Risiken

Da die Aktienkursrisiken auf einen Teil des zu betrachtenden Themas direkt zutreffen, möchte ich diese Kategorie der Marktpreisrisiken ausführlicher anschauen und aufgrund dessen erläutere ich sie als einen eigenständigen Punkt 1.3.

Nun fangen wir mit der Bedeutung des zweiten Punkts der Marktrisiken an – Währungs-/Wechselkursrisiken. Die Währungsrisiken stellen eine Verlustgefahr dar, die sich aus den Schwankungen der Wechselkurse von mindestens zwei verschiedenen Währungen resultiert. Dies betrifft alle Fremdwährungspositionen außer den Derivaten, die den Wechselkurs als Basiswert haben.

Die nächste Kategorie der finanzwirtschaftlichen Marktpreisrisiken ist die im Allgemeinen, aufgrund der Auswirkung auf verschiedene Gewinne und Verlust- und Bilanzpositionen, einer der bedeutendsten Risiken – das Zinsänderungsrisiko. Dies entsteht im Falle der Veränderungen des Marktwerts des jeweiligen Basiswerts durch die Abweichung des Zinssatzes. Als ein weiterer Auslöser des Zinsänderungsrisikos können die Forderungen des Umlaufvermögens dienen. Aus der Sicht der reinen Zinsposition ist die Wertabweichung der Position von der Zinssensitivität und von der absoluten Höhe der Schwankung von Zinsen abhängig. Die Bedeutung des Zinsänderungsrisikos, ausgenommen der Risikomanagementabteilungen, spiegelt sich auch bei der Unternehmensbewertung wieder. Dies geschieht indem die gestiegene Marktzinsen durch die stärkere Diskontierung der Cash Flow das Unternehmenswert reduzieren.[14]

Im Rahmen eines unternehmensweiten Risikomanagements bildet sich ein weiteres Marktpreisrisikobereich – Immobilienpreisrisiko. Auf dem ersten Blick müsste das Immobilienrisiko dem Risiko des Unternehmensbereiches, oder um genauer zu sein – den Betriebsrisiken zugeordnet werden, da wenn man über den Begriff „Immobilie“ hört, tauchen zuerst die Gedanken über die vom Unternehmen selbst genutzten Immobilien auf. Ein klares Beispiel dafür ist die Definition des Immobilienrisikos von der Deutschen Postbank AG: „Das Immobilienrisiko bezieht sich auf den Immobilienbesitz der Postbank AG und beschreibt das Risiko in Form von Mietausfällen, Teilwertabschreibungen, Veräußerungsverlusten sowie das Risiko aus der Reduktion stiller Reserven dieser Immobilien“.[15]Aber in Betracht von Immobilienrisiken als Teil der Marktpreisrisiken denkt man an Immobilien als Investition bzw. Kapitalanlage wie Aktien oder festverzinsliche Wertpapiere und dabei ist das Finanzwertrisiko entscheidend.[16]

[...]


[1]Gleißner, Die Zukunft des Risikomanagements

[2]Hrsg. Götze; Henselmann; Mikus: Risikomanagement, S.5

[3]Vgl. Stottrop: Was ist ein Risikomanagement-System?

[4]Vgl. Schulte, Bank-Controlling II: Risikopolitik in Kreditinstituten, S. 14

[5]Vgl. Gebhardt, Günther; Mansch, Helmut: Risikomanagement und Risikocontrolling in Industrie- und Handelsunternehmen, S. 151 – 153

[6]Schulte, Bank-Controlling II: Risikopolitik in Kreditinstituten, S. 17

[7]Vgl. Kupsch, Peter U.: Das Risiko im Entscheidungsprozess, S. 37 – 43

[8]Vgl. Wolf, Klaus; Runzheimer, Bodo: Risikomanagement und KonTraG, S. 90 – 94

[9]Vgl. Schierenbeck, Henner; Lister, Michael: Value Controlling, S. 370 – 371

[10]Vgl. Hrsg. Stolorz, Christian; Fohmann, Lothar: Controlling in Consultingunternehmen, S. 250 ff.

[11]Vgl. Rogler, Silvia: Risikomanagement im Industriebetrieb, S. 235 ff.

[12]Vgl. Martin, A. Thomas; Bär, Thomas: Grundzüge des Risikomanagements nach KonTraG.

[13]Vgl. Gujer, Markus; Meyer, Alwin: Zinsänderungsrisiken im Bankenbereich, S. 3 – 8.

[14]Vgl. Eisele, Burkhardt: Value at Risk – basiertes Risikomanagement in Banken, S. 27 – 48.

[15]Deutsche Postbank AG: Postbank Konzern Geschäftsbericht 2006, S. 106.

[16]Vgl. Baumeister, Alexander: Risikomanagement bei Immobilieninvestments.

Details

Seiten
62
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836622776
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226370
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln – Wirtschaftswissenschaften, Betriebswirtschaft
Note
2,5
Schlagworte
aktienmarktrisiken value risk sharpe ratio stresstest aktien

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Analyse und Bewertung von Aktienmarktrisiken