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Das chinesische Finanzsystem

Reformen und Stabilisation

Bachelorarbeit 2008 43 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Minskys Modell
2.1. Einführung
2.2. Die Investitionstheorie
2.2.1. Portfoliokalkül und Finanzierungsentscheidung
2.2.2. Abgesicherte, spekulative und Ponzi-Finanzierung
2.2.3. Die Liquiditätspräferenz
2.2.4. Die Preisbildung bei Kapitalvermögen
2.2.4.1. Der Preis des bestehenden Kapitalvermögen Pk
2.2.4.2. Angebotspreis für Kapitalvermögen P1
2.2.5. Das Investitionsmodell Minskys
2.3. Die Konjunkturtheorie oder: das Minsky-Paradoxon
2.4. Forderung nach Staatseingriffen

3. Chinas „Bubble“
3.1. Preissteigerung der Vermögenswerte
3.2. Überhitzung der Wirtschaftsaktivität
3.3. Wachstum des Geldangebots und des Kreditvolumens
3.4. Die Liberalisierung des Finanzmarktes und die schwachen Mechanismen zur Stärkung der Disziplin
3.4.1. Chinas Bankensystem
3.4.1.1. Zentralbank
3.4.1.2. Geschäfts- und Politbanken
3.4.2. Chinas Kapitalmarkt
3.4.2.1. Aktienmarkt
3.4.2.2. Anleihenmarkt
3.4.2.3 Versicherungsmarkt

4. Reformen und Stabilisation

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Bestimmung des gesamtwirtschaftlichen Investitionsvolumens und dessen Finanzierung

Abbildung 2: Zusammenhang zwischen verschiedenen Finanzierungsbedingungen und dem Investitionsvolumen

Abbildung 3: Die Bubble Economy Japans

Abbildung 4: Der Nikkei Index Verlauf von 1982-1999 und Urban Land Price Index von 1984-1999

Abbildung 5: Die Entwicklung des Shanghai Composite Index von 06/2000- 12/2007

Abbildung 6: BIP, Inflationsrate und Leistungsbilanzsaldo in Japan und China

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Anfang des Jahres 2007 berichtete die Financial Times Deutschland, dass der chinesische Volkskongress vor einer Aktienblase warne, und bereits am 14. Mai 2007 titelte das Handelsblatt „China fürchtet eine Finanzblase“, nachdem drei Tage zuvor die Süddeutsche Zeitung die Kleinanleger Chinas für den Aktienboom verantwortlich gemacht hatte.[1] Im März dieses Jahres schließlich brach der Shanghai Index um 4,49 Prozent ein, da die chinesische Regierung angekündigt hatte, dem Anstieg der Immobilienpreise Einhalt zu gewähren. Kurseinbrüche auf einem Finanzmarkt haben in Zeiten der Globalisierung weltweite Folgen, wie auch schon die „Subprime-Krise“ in den USA zeigt, die seit Frühjahr 2007 Vermögenspreisverfälle mit all ihren Konsequenzen nicht nur in den USA verursachte. Doch Finanzkrisen gibt es seit eh und je[2] und seit 1966 jagt eine Finanzkrise die andere in immer kürzeren Abständen.[3] Gemeinsamkeiten dieser Krisen - wie Ursache, Verlauf und Folgen - sind prägnant. Z.B. ist die Ursache ihres Ausbruchs weder in den Fundamentalen ihrer Volkswirtschaften zu finden, noch zu rechtfertigen. Der Grund liegt viel mehr in der Mischung aus Gier nach schnellem Geld durch Spekulationen, billigem Geld durch einfache Kredite durch niedrige Zinsen und neuen Finanzprodukten, wie Derivaten, die zuerst einen Boom und daraufhin eine Krise verursachen. Sowohl die Financial Times Deutschland im April diesen Jahres[4] als auch der Economist[5] bemerkten diese Ähnlichkeiten und hinterfragten in ihren Artikeln, ob die USA nicht aus den Erfahrungen Japans mit der Bubble hätten lernen können und müssen. Und auch Ökonomen beschäftigen sich, spätestens seit der Veröffentlichung John Maynard Keynes Werk „The General Theory of Employment“ im Jahre 1937, mit der Analyse von Finanzkrisen und ihren Ursachen und Mechanismen, um Ansätze zur Vermeidung des Ausbruchs und ihrer volkswirtschaftlichen Folgen zu finden. Zurzeit besteht ein wahrlicher „run“ auf die Publikationen „Stabilizing an unstable Economy“ von Hyman P. Minsky[6], einem US-Ökonom, der Keynes Werk mit Fokus auf den Finanzmarkt neu interpretierte zu seiner „Hypothese der finanziellen Instabilität“. Durch Analyse schon vorausgegangener Krisen stellt Minsky seine These auf, dass in einem kapitalistischen System das Finanzsystem einer Volkswirtschaft in einem Konjunkturzyklus, aufgrund von Finanzierungsprozessen, automatisch instabil werde und so Boom und Rezession sich gegenseitig bedingten.[7]

In dieser Arbeit wird im ersten Abschnitt Minskys Modell der finanziellen Instabilität dargestellt. Anschließend wird die Gültigkeit der Theorie Minskys überprüft, nachdem die Blase in China mit der Bubble Economy Japans verglichen wurde. Abschließend werden Reformvorschläge zur Vermeidung und Stabilisierung des chinesischen Finanzmarkts in Anlehnung an Minskys Maßnahmenkatalog gegeben.

2. Minskys Modell

2.1. Einführung

Hymann P. Minsky (1919-1996), ein Student Joseph Schumpeters an der Harvard Universität, sah seine Hypothese finanzieller Instabilität als Weiterentwicklung und Interpretation von John Maynard Keynes „General Theory“. Als ein glühender Anhänger Keynes taten seiner Meinung nach Interpretationen anderer Ökonomen „sowohl dem Geist, als auch dem Gehalt [von] Keynes Werk Gewalt an“.[8] Wie Keynes glaubte auch Minsky nicht an die Selbstheilungskraft des Marktes, sondern betonte die Notwendigkeit von Staatseingriffen und Wirtschaftspolitik. Doch anders als bei Keynes blieb Minskys kritische Haltung gegenüber Kapitalismus und Liberalismus zu seinen Lebzeiten eher unbeachtet. Nach Minskys These wird ein Finanzsystem im Laufe eines konjunkturellen Aufschwungs automatisch instabil, da Banken, Unternehmen und private Konsumenten Risiken unterschätzen und wider besseres Wissen und Verstand risikoreiche Finanzbeziehungen eingehen, um ihre Profite zu maximieren. Banken und andere Finanzintermediäre versuchen z.B. sich der Konkurrenz durch das Erfinden neuer risikoreicherer Finanzprodukte zu widersetzen. Somit wächst die Geldmenge endogen durch Kreditangebot und –nachfrage. Minskys finanzorientierte Interpretation, auch als Wall-Street-Keynesianismus oder Finanzkeynesianismus bekannt, bearbeitet:

1. Die monetäre Theorie der Produktion
2. Die Theorie der Investitionen, deren Finanzierung und Finanzbeziehungen
3. Die Theorie der endogenen Instabilität und des endogenen Geldes
4. Unsicherheit, Risiken und Erwartungen
5. Den zyklischen Charakter des Wirtschaftsprozesses und
6. Die Notwendigkeit von und Forderung nach Staatseingriffen.

Dabei stehen im sogenannten Wall-Street-Paradigma, anders als im Tausch-Paradigma, Finanzbeziehungen und cash flows im Fokus und nicht Produktions- und Distributions-mechanismen, da Veränderungen in Finanzbeziehungen Einfluss auf die Gesamt-wirtschaft ausüben. Börsen weltweit bestimmen die Art und das Tempo der Investitionen. Geld ist bei Minsky nicht neutral und wirkt auf die Gesamtwirtschaft insbesondere auf den Finanzmarkt und seine Funktionsweise. Durch das Finanzsystem entstehen Ungleichgewichtssituationen und Arbeitslosigkeit, diese Zustände sind „normal“ und keine Ausnahme. Der kapitalistische Marktmechanismus ist also instabil.[9] Im Folgenden wird auf die von Minsky entwickelte Investitionstheorie und Konjunkturtheorie näher eingegangen.

2.2. Die Investitionstheorie

2.2.1. Portfoliokalkül und Finanzierungsentscheidung

Nach Minsky trifft jede wirtschaftliche Einheit[10] Portfolioentscheidungen, d.h. sie entscheidet über Kauf, Haltung und Finanzierung von Vermögens- oder Investitionsgütern.[11] Minsky unterscheidet für den Kauf drei Quellen zur Finanzierung[12]:

a. Die Interne Finanzierungsquelle ist der Differenzbetrag zwischen den in der Vorperiode erwirtschafteten Einnahmen und Ausgaben, inklusive Schuldendienst und Dividendenausschüttung (Aktiva).
b. Die Vermögensumschichtung bzw. Abbau des eigenen Liquiditätspolsters ist der Einsatz von Geld, welches der Akteur schon vor dem Kauf besaß, oder durch den Verkauf liquider Vermögensgüter erwirtschaftet (Aktiva).
c. Die Fremdfinanzierung: externe Finanzmittel werden beschafft, Verschuldung des Akteurs (Passiva).

Minsky kombiniert in seinem Portfoliokalkül die zukünftigen Einzahlungen (EZ), erwirtschaftet durch Aktiva, mit den zukünftigen Auszahlungen (AZ) durch die Passiva.

Dabei schmälern Punkt b und c das liquide Portfolio der Akteure und erhöhen die Wahrscheinlichkeit ihrer Zahlungsunfähigkeit, z.B. durch nicht einkalkulierte Zahlungsverpflichtungen oder Einnahmerückgänge.

Das Verhältnis zukünftiger EZ zu AZ bzw. das Verhältnis Eigenkapital (EK) zu Fremdkapital (FK) ist als Indikator für den Verschuldungsgrad des Akteurs zu sehen. Bleibt der Verschuldungsgrad niedrig, ist eine weitere Verschuldung problemlos möglich.

2.2.2. Abgesicherte, spekulative und Ponzi-Finanzierung

Nach dem Verschuldungsgrad klassifiziert Minsky die Akteure in drei Finanzierungstypen[13]:

a. Abgesichert finanzierende Akteure (= Hedge-Finance):

Bei diesen Akteuren sind die EZ größer als die AZ, d.h. AQi > PCi[14]

b. Spekulativ finanzierte Akteure

AZ größer als EZ in der nächsten Periode, aber PCi sind kleiner als das Einkommen AQi[15]:

Des Weiteren gilt für die ersten m Perioden:

Die Summe aller AQi(y) > Summe aller PCi(y).

c. Ponzi- finanzierte Akteure:

AZ sind größer als EZ, PCi ist größer als AQi:

Die AQi sind bis zur vorletzten Periode n-1 kleiner als die PCi und auch PCi(y) können nicht mit den antizipierten AQi(y) abgeleistet werden. In der letzten Periode n übersteigen jedoch AQi(y) PCi(y).

Damit Investitionen durchgeführt werden können, gilt: Die Summe aller AQi muss größer als Null und die Summe aller AQi größer als die Summe aller PCi sein.

2.2.3. Die Liquiditätspräferenz

Die Bereitschaft eines Akteurs, seine Investitionen durch Schulden zu finanzieren bzw. die Wahl seines Verschuldungsgrads, hängt nicht allein von den erwarteten EZ in der Zukunft ab, sondern auch von dessen Vorsicht gegenüber zukünftigen Zahlungs-schwierigkeiten. Das Bestreben eines Akteurs, sich gegen diese und unerwartete Einnahmerückgänge durch ein liquides Portfolio abzusichern, nennt man Liquiditätspräferenz. Dabei prägen vorhandene Liquiditätspolster und ungenutzte Verschuldungsmöglichkeiten als funktionale Äquivalente die Liquiditätspräferenz.

Minsky misst der Entscheidung unter Unsicherheit, wie Keynes in seiner Analyse der Investitionsentscheidung und Liquiditätspräferenz, eine zentrale Bedeutung bei[16] und verknüpft in seiner Liquiditätspräferenztheorie die spekulative Geldnachfrage mit dem Zinssatz und den Preisen für Vermögenswerte.[17] Minsky erweiterte die Geldhaltungsmotive von Keynes[18] mit:

1. dem laufenden Preisniveau Pk,
2. dem erwarteten Preisniveau Pka in die Geldnachfrage M hinein, so dass der Zinssatz i sich nur noch auf das Gelddarlehen bezieht. Des Weiteren:
3. L3(F), ein neues Vorsichtsmotiv für ausstehende Verpflichtungen mit F für Finance Motiv, der Nachfrage nach Finanzierungsmitteln,
4. L4(NM), den Liquiditätseffekt des Quasi-Geldes (=Near Money)[19], welches das Vorsichtsmotiv mindert und so die Geldnachfrage senkt. Durch L4 wird eine endogene Bestimmung der effektiven Geldmenge eingeführt[20], da die Geldmenge M mit der Ausgabe von Near Money wächst. So ergibt sich die Liquiditätspräferenzfunktion nach Minsky:

M = M1 +M2 + M3 +M4 = L1 (Y) + L2 (i, Pk, Pka) + L3 (F) – L4 (NM).

2.2.4. Die Preisbildung bei Kapitalvermögen

2.2.4.1. Der Preis des bestehenden Kapitalvermögen Pk

Für die Berechnung des Preises für bestehendes Kapitalvermögen Pk ist die Ermittlung des erwarteten Gesamterlöses durch den Besitz eines Vermögensgutes, also der relative Preis für Vermögensgüter q – c + l[21] wichtig. Da c und l von Vermögensbesitzern eingeschätzt werden, ist q – c + l eine subjektive Einschätzung. Diese Darstellung zur Bestimmung des relativen Preises von Vermögenswerten ist sowohl für Finanzaktiva als auch für reales Kapitalvermögen gültig. Minsky beschreibt den Nachfragepreis für Kapitalvermögen Pk als Funktion:

Pk = K(M, q, C- c)[22].

Eine Erhöhung der Geldmenge M vermindert die Liquiditätsprämie l für Geld, liquide Aktiva und Schuldtitel der Akteure. Der Preis für Schuldtitel, die die effektive Bargeldzahlungsverpflichtung c bewirken und der Preis q- erbringender Kapital-vermögen werden durch das Geldmengenwachstum in die Höhe getrieben, da sie im Vergleich wenig l verkörpern. Diese Pk-Funktion ist für reale, wie auch für finanzielle Vermögensbestände anwendbar.[23]

C repräsentiert die spekulativen Aspekte eines Kapitalvermögenskaufs bzw. deren Finanzierung, da sie die Erwartung des Akteurs über zukünftige Gewinne und indirekt seine Ansicht über die Stabilität der Finanzmärkte widerspiegeln, da er in seinen spekulativen Kalkulationen die Zahlungsverpflichtungen beachten muss.

Wie die Liquiditätspräferenzfunktion (durch Pka) reflektiert die Pk-Funktion die zukünftigen Erwartungen der Akteure. Änderungen in den Erwartungen, dem Vertrauen und/oder den Ansichten über die Zukunft der Akteure verschiebt die Pk-Funktion nach oben in einem Boom und nach unten in einer Rezession bzw. Krise.

2.2.4.2. Angebotspreis für Kapitalvermögen P1

P1, der Angebotspreis für Investitionen, lässt sich wie folgt beschreiben:

P1 = (w/A) x k ; A= O/N[24]

Mit w als Nominallohnsatz, A als Arbeitsproduktivität und k als „Mark-up“, den Gewinnaufschlag zur Deckung der Fixkosten und als Garantie für einen Gewinn.

Dabei ändert die P1-Funktion nur durch eine Änderung der Nominallöhne oder der Gebrauchskosten (User Cost) ihre Lage und ist nach Minsky stabil in der kurzen Frist.[25] Eine Erhöhung der Kosten verschiebt die P1- Funktion nach oben, eine Senkung nach unten.

2.2.5. Das Investitionsmodell Minskys

Minskys Erweiterung von Keynes Investitionstheorie war durch die große Unzufriedenheit bestimmt, die er bei anderen, wie der IS-LM-Interpretation von Hicks (1937), empfand, da diese nicht das Investitionstempo in Relation zu den erwarteten Erträgen und den gegenwärtigen Finanzverhältnissen setzten.[26] Investiert wird sowohl bei Keynes wie auch bei Minsky wenn Pk größer als P1 ist, und so lange bis Pk = P1 entspricht, also Nachfrage und Angebot ins Gleichgewicht kommen.[27]

Wie bereits dargelegt, ist der Kauf von Investitionsgütern und deren Finanzierung abhängig von der Liquiditätspräferenz des Akteurs. Je niedriger die Liquiditätspräferenz, desto stärker wird der Verschuldungsgrad ausgebaut, also auf Fremdkapital zurückgegriffen. Zusätzlich interpretiert Minsky noch Borger- und Gläubigerrisiko als preisbestimmende Faktoren in die Finanzierungsstruktur hinein.[28] Bei beiden Risikoarten handelt es sich um subjektive Bewertungen der Akteure. Das Gläubigerrisiko macht sich in Form von höheren Zinssätzen, kürzeren Laufzeiten, Absicherung durch andere Vermögenswerte, Beschränkung von weiteren Kreditaufnahmen etc. in Verträgen bemerkbar und steigt mit dem Verschuldungsgrad.[29]

Das Borgerrisiko jedoch erscheint nicht in Verträgen zwischen Akteuren, senkt aber Pk, da Akteure mit einem hohen Verschuldungsgrad zur Kompensation ihres höheren Konkursrisikos nicht mehr gewillt sind, einen hohen Preis für Kapitalvermögen zu zahlen. Das Gläubigerrisiko auf der anderen Seite erhöht P1, da abhängig von der Höhe des Verschuldungsgrades sich die Zahlungsverpflichtungen für den Schuldendienst erhöhen. Da das Investitionstempo sehr sensibel auf unterschiedliche Einschätzungen bezüglich eines der beiden Risiken reagiert, spielen sowohl Gläubiger- wie auch Borgerrisiko für das gesamtwirtschaftliche Investitionsaufkommen eine entscheidende Rolle. Demnach ist also das gesamtwirtschaftliche Investitionsaufkommen eine Funktion des Angebotspreises P1 und des Nachfragepreises Pk für Kapitalvermögen, den erwarteten Profiten und der Struktur ihrer Finanzierung.

Abb.1: Die Bestimmung des gesamtwirtschaftlichen Investitionsvolumens und dessen Finanzierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle entnommen aus: Schnyder, Marc (2002): S.57.

Die auf der linken Seite abgebildete Kurve stellt Geldmenge und Nachfragepreis von Kapitalvermögen dar, Pk (M, Q[30] ) ist die Grenzleistungsfähigkeit des Geldes.

Die Kurve QoQo entspricht dem cash flow aus der Finanzierung durch interne Mittel, der Schnittpunkt P1o und Qo ist das maximale Investitionsvolumen I*, dass durch interne Mittel finanziert werden kann.

Die Pk-Kurve weist rechts von I* eine negative Steigung durch die externe Finanzierung und dem damit verbundenen Borgerrisiko auf, die P1-Kurve dagegen eine positive Steigung aufgrund des Gläubigerrisikos. Für die Bestimmung des Investitionsvolumens ist das marginale Gläubigerrisiko ausschlaggebend, da alle Passiva sich bei einer Re-finanzierung des Akteurs an die marginalen Vertragsbedingungen anpassen müssen. Im Schnittpunkt des Borgerrisikos mit dem marginalen Gläubigerrisiko ist die gesamte Investitionsmenge Itotal, die von 0I* aus internen Mitteln und von I*Itotal aus externen Mitteln, also Schulden, bezahlt werden.

Abb.2: zeigt den Zusammenhang zwischen verschiedenen Finanzierungsbedingungen und dem Investitionsvolumen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle entnommen aus: Schnyder, Marc (2002): S. 59.

[...]


[1] Die Süddeutsche Zeitung vom 11. Mai 2007: „Kleinanleger sorgen für Aktienboom“ : http://www.sueddeutsche.de/finanzen/artikel/986/113873/

[2] Der erste überlieferte Börsenkrach war 1637, der Zusammenbruch der Tulpenbörse. Die bekannteste und folgenschwerste war der „schwarze Freitag“ 25. Oktober 1929, Auslöser der Weltwirtschaftskrise.

[3] 1966 „Kreditkrise“, 1970 „Commercial Paper Market“- Krise, 1980er Lateinamerika- und Savings- and Loans- Krise in den USA, 1990 Platzen der „Bubble Economy“ in Japan, 1997 Asienkrise, 1998 Russlandkrise, 2000 Dotcom-Krise, 2007 Subprime- Krise USA.

[4] The Financial Times Deutschland vom 07. April 2008: „Was bin ich? Die USA oder Japan?“ : http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/:Das%20Kapital%20Was%20Die%20USA%20Japan/340019.html.

[5] The Economist vom 13. Dezember 2007: „Been there, done some of that“: http://www.economist.com/research/articlesBySubject/displaystory.cfm?subjectid=348969&story_id=10286992.

[6] Witzenburg, J.-B. (2007): „Der weise Mr. Minsky“. http://www.stern.de/wirtschaft/finanzen-versicherung/finanzen/:Finanzkrise-Der-Mr.-Minsky/596466.html.

[7] Schnyder, Marc (2002): Die Hypothese finanzieller Instabilität von Hyman P. Minsky - Ein Versuch der theoretischen Abgrenzung und Erweiterung. Dissertation zur Würde eines Doktors der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg/Schweiz. Freiburg. 2002. S. 35.

[8] Schnyder, Marc (2002): S. 29.

[9] Schnyder, Marc (2002): S. 30.

[10] Wirtschaftliche Einheiten sind Vermögensbesitzer, also produzierende Unternehmen, Finanzinstitute und private Haushalte, deren Handeln die Gesamtwirtschaft beeinflussen. Zur Vereinfachung werden diese im Folgenden Akteure genannt.

[11] Nach Keynes Terminologie stellen sowohl Verbindlichkeiten als auch Vermögenswerte Annuitäten dar und veranlassen cash flows.

[12] Minsky, H.P. (1975): S. 88, S. 107, S. 141.

[13] Schnyder, Marc (2002): S. 75ff.

[14] AQ1,...,AQn = Einkommen bzw. Quasi-Renten mit zwei Unterformen: AQ(a) = Abschreibungen und AQ(y) = Nettogewinne. PC1,…,PCn = Zahlungsverpflichtungen mit zwei Unterformen PC(a) = Amortisationskosten und PC(y) = Zinszahlungen.

[15] AQ = (Erlös abzüglich variable Kosten) minus Abschreibungen für Kapitalstock.

[16] Minsky, H.P. (1975): S. 27ff, S. 60ff.

[17] Minsky, H.P. (1975): S. 73ff.

[18] Keynes unterschied die Motive für die Geldhaltung in Vorsichts-, Transaktions- und Spekulationskasse. Seine Geldnachfrage M lässt sich wie folgt zusammenfassen: M = M1 + M2 = L1(Y) + L2(i). Mit M1 als Bargeld, M2 als Geld für Spekulationen, L1 als Liquidität abhängig vom Einkommensniveau und L2 als Liquidität abhängig vom laufenden Zinsfuß und Erwartungen. Keynes schenkte den erwarteten Preisen von Kapitalvermögen (Pka) keinerlei Beachtung. (Felderer, B. /Homburg S. (1999): Makroökonomik und neue Makroökonomik. 7. Auflage. Berlin u.a.1999: Springer Verlag.).

[19] Quasi-Geld sind Finanzdokumente und geldähnliche Forderungen.

[20] Minsky, H.P. (1975): S. 76.

[21] Vgl. J.M. Keynes, Kapitel 17 der General Theory: q sind Erträge, c sind Durchhaltekosten bzw. der Wertschwund, die mit der Zeit entstehen, c ist der auf Verbindlichkeiten gebundene Anteil des Ertrags, l ist die Liquiditätsprämie, die Akteure bereit sind für den Erhalt einer Sicherheit zu zahlen.

[22] M: Geldmenge, q: erwartete cash flows, C: akzeptable Bargeld-Zahlungsverpflichtung relativ zu q und c: effektive/reale Bargeld-Zahlungsverpflichtung. (Schnyder, Marc (2002): S. 47.)

[23] Minsky, H.P. (1982): „Can it happen again?”- Essays on Instability and Finance, Armonk/New York: M.E. Sharpe. 1982. S. 205.

[24] O ist Output, N Beschäftigungsmenge (Schnyder, Marc (2002): S. 53.)

[25] Minsky, H.P. (1982): S.219. Minsky übernimmt die Definition für User cost von Keynes. Darunter versteht man die Opportunitätskosten des Gebrauchs im Vergleich des Nichtgebrauchs des Kapitalbestandes nach Abzug der Unterhaltungskosten.

[26] Minsky, H.P. (1975): S. 117ff.

[27] Minsky, H.P. (1975): S. 102.

[28] Minsky, H.P. (1986): S. 211f.

[29] Minsky, H.P. (1975): S. 106ff.

[30] Bei Q handelt es sich um Investitionen und/oder Kapitalvermögen, die in der Produktion gebraucht werden. Auch Q reflektiert Zukunftsansichten.

Details

Seiten
43
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836620246
Dateigröße
953 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226223
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Ostasienwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
minsky china finanzsystem kapitalmarkt bubble

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Titel: Das chinesische Finanzsystem