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Betriebswirtschaftliche Effekte von Open Source Software in KMU

Masterarbeit 2008 103 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Ziel der Arbeit
1.3. Vorgehensweise

2. Inhaltliche und terminologische Abgrenzung
2.1. IT-Infrastruktur im deutschen Mittelstand
2.2. Begriffe
2.2.1. Proprietäre Software
2.2.2. Free- und Open Source Software
2.2.3. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
2.3. Interdependenzen von Open-Source Software, kommerzieller Standardsoftware und Eigenentwicklung

3. Theoretischer Bezugsrahmen
3.1. Software Entwicklung
3.1.1. Software Life Cycle
3.1.2. Brooks Law
3.2. Lizenzmodelle
3.2.1. Lizenzmodelle proprietärer Software
3.2.2. Open Source Lizenzmodelle
3.2.3. GNU General Public License (GPL)
3.2.4. GNU Lesser General Public License (LGPL)
3.2.5. BSD-Lizenz
3.2.6. "Mozilla"-artige Lizenzen
3.3. Internes und externes Rechnungswesen
3.3.1. Kosten
3.3.1.1. Kosten, Aufwendungen, Auszahlungen
3.3.1.2. IT-Kosten Situation allgemein
3.3.1.3. IT-Kostenstruktur
3.3.2. Controlling
3.3.3. Bilanzierung
3.3.4. TCO
3.3.4.1. Direkte Kosten
3.3.4.2. Indirekte Kosten
3.3.4.3. Kosten des Systemlebenszyklus
3.3.4.4. Kritische Würdigung des TCO-Ansatzes

4. Die Rolle von Open Source Software im Strategischen IT-Management
4.1. Strategisches IT Management
4.2. Hauptaufgaben des strategischen IT-Managements
4.3. Anwendungssoftware-Strategien
4.3.1. Eigenentwicklung
4.3.2. Standardsoftware
4.3.3. Open Source Software
4.4. Bewertung von Open Source Software im Lichte des strategischen IT-Managements
4.5. Open SourceSoftware Geschäftsmodelle
4.6. Open Source Software im Gesamtmarkt für Software

5. Bewertung betriebswirtschaftlicher Effekte
5.1. Migrationsmotive
5.2. Migrationskostenanalysen
5.3. Prozesse und Kundenorientierung
5.4. Kennzahlen
5.5. Ergebnisbewertung der Open Source Studie Einsatzpotenziale und Wirtschaftlichkeit der Fraunhofer Gesellschaft
5.6. Ergebnisbewertung der Client Studie der Landeshauptstadt München
5.7. Fallstudie (eigene Erfahrungen, Szenarien)
5.7.1 Rahmenbedingungen
5.7.2. TCO-Analyse Fileserver
5.7.3. TCO-Analyse Arbeitsplatzsystem
5.7.4. Zwischenfazit der Fallstudie
5.8. Vorteile von Open Source Software für KMU
5.9. Nachteile von Open Source Software für KMU
5.10. Sekundäreffekte
5.10.1. Die Sicht des Anbieters: Umsätze durch OSS
5.10.2. Schwächen von Open-Source-Projekten
5.10.3. Die Mär des IT-Leiters: Fakten versus Trend

6. Fazit und Empfehlungen

7. Ausblick

8. Literaturverzeichnis

Anlagenverzeichnis
Anhang A: Open Source-Kriterien
Anhang B: Auswahl bedeutsamer Open Source-Programme in der
betrieblichen Praxis
Anhang C: Copyleft

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bedeutung des Mittelstands in Deutschland

Abbildung 2: Lebenszyklus-Modell

Abbildung 3: Abgrenzung von Kosten und Aufwand

Abbildung 4: IT Kostenstruktur

Abbildung 5: IT-Kostenstruktur

Abbildung 6: Systemlebenszyklus und relevante Kosten

Abbildung 7: Von der Technik zur Geschäftsorientierung

Abbildung 8: Boston Consulting Group Matrix: Synthese aus Erfahrungskurve und Geschäftsfeldlebenszyklus

Abbildung 9: BCO-Matrix: Dimensionen und Strategien

Abbildung 10: Markvolumen Software

Abbildung 11: Migrationskosten pro Benutzer

Abbildung 12: Motive für die Umstellung auf Open Source Software

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Definition KMU

Tabelle 2: Aufgaben innerhalb der Lebenszyklusphasen

Tabelle 3: Lizenzmodelle für kommerzielle Software

Tabelle 4: OSS Lizenzmodelle

Tabelle 5: Total Cost of Ownership

Tabelle 6: Verteilung von Migrationsaufwand

Tabelle 7: Fortführende und ablösende Migration

Tabelle 8: Ermittlung der Gesamtkosten einer Server-Migration

Tabelle 9: Ermittlung der Gesamtkosten einer Client-Migration

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Steigender Wettbewerbsdruck zwingt viele Unternehmen dazu, ihre Investitionen in Informationstechnologie (IT) zu überdenken. IT-Vorhaben müssen sich verstärkt Wirtschaftlichkeitsrechnungen unterziehen.

Im Rahmen des IT-Controllings stellen diese Unternehmen fest, dass Investitionen in neue IT-Vorhaben einen immer geringeren Teil der Gesamtkosten ausmachen. Bei der Deutschen Bank beliefen sich die investigativen Ausgaben im Jahr 2002 auf nur noch 27 %[1], 73 % des IT-Budgets wurden für den Betrieb (Wartung, Support) und die Weiterentwicklung existierender Systeme aufgewendet.

Der grundlegende Zusammenhang zwischen einmaligen Projektkosten für Planung und Erstentwicklung neuer IT-Systeme und wiederkehrenden Kosten für Wartung und Weiterentwicklung ist zwar seit langem bekannt, dennoch spielt er in der betrieblichen Praxis nur eine untergeordnete Rolle. Hinzu kommt, dass neue Technologien und Konzepte einen Ausweg aus der Kostenfalle versprechen.

Seit über 10 Jahren steht der Begriff Open Source für ein stetig wachsendes Segment der Softwareentwicklung. Die Geschichte der freien Software im Sinne einer frei nutzbaren und individuell verfüg- und veränderbaren Software geht bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Erst mit dem Erfolg des Betriebssystems Linux in den 1990er Jahren gelang auch der Einzug der Open Source Philosophie in den privatwirtschaftlichen und öffentlichen Sektor.

Seitdem stellen sich immer mehr Verantwortliche in den Unternehmen die Frage, ob Open Source Software (OSS) eine sinnvolle Alternative zu den bisher eingesetzten kommerziellen Softwareprodukten darstellt und sich der Einsatz von Open Source Software auch in ihrem Unternehmen lohnt. Es scheint verlockend zu sein, die IT-Budgets durch lizenzkostenfreie Software zu entlasten und so einen Weg zu sinkenden IT-Gesamtkosten einzuschlagen.

Öffentliche Institutionen wie der Deutsche Bundestag[2]oder die Stadtverwaltung München[3]haben bereits vor Jahren entschieden, auf Open-Source-Produkte zu migrieren und mit großer Öffentlichkeitswirkung eindeutige Signale zugunsten des OSS-Einsatzes gesetzt. Mit ihrer Open-Source-Initiative stößt die Stadt München inzwischen weltweit auf eine Resonanz. Das Umsetzungsprojekt läuft seit dem Jahr 2006 und inzwischen stehen der Kommune 1200 Linux-Clients zur Verfügung. Eine Münchener Bürgermeisterin sprach jüngst von "beachtlichen Ergebnissen" auf einer Veranstaltung, die unter dem Motto stand: "2 Jahre LiMux – offene Standards, freie Software, starke Wirtschaft".[4]

Andererseits haben die Anbieter der proprietären Softwareprodukte in den letzten Jahren ihre Lizenzpolitik immer komplizierter gestaltet. Hinzu kommt, dass Anwender teilweise durch die Produktpolitik der Softwareanbieter zum Update oder Upgrade gezwungen werden, selbst wenn die neue Programmversion für das Unternehmen keinen echten funktionalen Vorteil bietet. Abkündigungen von zukünftigem Supportleistungen sind ein weiterer Nachteil heute vorherrschender Produktpolitik großer Software-Anbieter. Dies führt verständlicherweise zu Verdruss auf der Anwenderseite.[5]

Mit steigendem Leidensdruck werden Alternativen gesucht und eine mögliche Alternative bietet sich in Form kostenfreier Programme an, die sich bezüglich Funktionalität, Stabilität und Qualität mit den vermeintlich teuren Softwareprodukten kommerzieller Anbieter durchaus messen lassen können.

1.1. Problemstellung

Open Source Software spielt inzwischen eine bedeutsame Rolle auf dem Softwaremarkt und wird in immer mehr Unternehmen eingesetzt.

Das Marktforschungsunternehmen IDC hat seine Prognose für den weltweiten Open-Source-Markt vorgestellt. Demnach soll der Umsatz mit Open Source Software von 1,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007 auf 4,8 Milliarden im Jahr 2012 anwachsen. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von fast 25 Prozent.[6]Auch namhafte Hersteller aus der Hard- und Softwarebranche unterstützen und vertreiben das freie Betriebssystem Linux. Open Source Software ist heute allgegenwärtig und fast immer findet man zu einem kommerziellen Produkt auch ein "freies" Gegenstück. Der auf der Hand liegende Vorteil, dass keine Lizenzgebühren fällig werden, scheint ein wichtiger Kostenvorteil zu sein, an dem alle partizipieren möchten.

Open Source Software wird mittlerweile in vielfältiger Hinsicht untersucht. Studien über die Software-Ausstattung und speziell über den Einsatz von Open Source Software in kleinen und mittleren Unternehmen sind jedoch kaum zu finden.

Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) stellen einen beträchtlichen Anteil am Gesamtmarkt dar.[7]Es ist daher erstaunlich, dass diesem Bereich relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Generell hat sich die Euphorie der 90er Jahre etwas gelegt. Zwar hat Open Source Software in den letzten Jahren immer weiter Einzug auch in die betriebliche Realität von KMU gefunden hat, allerdings sind die Zuwachsraten beim Anteil von OSS inzwischen deutlich geringer.[8]Gartner sagte bereits 2006 voraus, dass OSS bis 2009 einen Anteil am Software-Markt von 20 % einnimmt. Anders ausgedrückt, 80 % Marktanteil bleibt in Hand kommerzieller Software.[9]Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass es sich bei dieser Aussage um den Gesamtmarkt handelt.

Die Problemstellung, die dieser Arbeit zugrunde liegt, lässt sich am besten durch die Formulierung prägnanter Fragen verdeutlichen. Mit den folgenden vier Fragen wird das Problemfeld dieser Arbeit skizziert:

- Wie sollen sich kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gegenüber Open Source Software positionieren?
- Welche strategischen Aspekte sind beim Einsatz von OSS in KMU bedeutsam?
- Sinken die Total Cost of Ownership (TCO) durch den Einsatz von OSS? Hier sind widersprüchlichen Aussagen und Empfehlungen in Studien und Veröffentlichungen bezüglich OSS zu klären.
- Gibt es noch andere entscheidungsbeeinflussende Kriterien wie beispielsweise Benutzerakzeptanz oder technologische Trends und welches Gewicht haben diese Kriterien auf die Entscheidungsfindung?

1.2. Ziel der Arbeit

Die vorliegende Master Thesis verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele:

Erstens soll sie das Management von KMU im Rahmen der Vorbereitung kritischer Software-Entscheidungen unterstützen, indem die Vor- und Nachteile proprietärer und offener Softwarelösungen im Client- und Serverbereich aus strategischer und operativer Perspektive verglichen und bewertet werden. Dies soll gewährleisten, dass wichtige Einflussfaktoren einerseits erkannt und andererseits auch erklärt werden können.

Zweitens soll die These, dass durch den Einsatz von OSS immer eine Kostensenkung zu erzielen ist, kritisch im Hinblick auf "Kompensationseffekte" durch indirekte Kosten nach dem TCO-Ansatz untersucht werden. Die wichtigsten Kompensationseffekte sind zu identifizieren und zu quantifizieren.

Der Untersuchungsfokus liegt auf den KMU und ausgewählten Open-Source-Programmen. Andere, z.B. qualitative oder psychologische entscheidungsbeeinflussende Faktoren werden ebenfalls berücksichtigt und in die Gesamtbeurteilung einbezogen.

1.3. Vorgehensweise

Zunächst wird der theoretische Bezugsrahmen abgesteckt. Es wird im Verlauf der Arbeit herausgearbeitet, welche grundlegenden Eigenschaften und Merkmale Open Source Software kennzeichnen und worin sich diese Merkmale zu kommerziell vertriebener Software unterscheiden. In einer anschließenden Auswertung von 2 externen Studien und einer selbst erstellten Fallstudie, die auf eigenen, praktischen Erfahrungen beruht, werden die Unterschiede aufgezeigt. Das Ergebnis aus der Auswertung der zwei Studien wird mit der eigenen Fallstudie verglichen.

Die durchgeführte Analyse bezieht sich auf kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland (bis max. 500 PC-Arbeitsplatzsysteme) und berücksichtigt im Rahmen von Berechnungen deutsche Marktpreise für Lizenzen, Consulting und Support. Die Kalkulationen werden in Euro und zum Nettopreis (ohne Mehrwertsteuer) durchgeführt.

Die Fallstudie wird anhand eines fiktiven Unternehmens dargestellt, jedoch beruhen die Angaben aus praktischen Erfahrungen eines Dienstleistungsunternehmens mit ca. 100 PC-Arbeitsplatzsystemen. Dabei werden auf Basis einer Gesamtkostenberechnung (Total Cost of Ownership, TCO) direkte und indirekte Kosten herangezogen und verglichen. Weitere Grundlagen der Angaben beruhen auf Literatur- und Studienangaben sowie aktuellen Fachzeitschriften.

Das Für und Wider von OSS wird unter technischen und ökonomischen Aspekten intensiv diskutiert. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt auf betriebswirtschaftlichen Aspekten, wobei es sich nicht immer ganz vermeiden lässt, auch technische Details zu beschreiben. Die Ausführung technischer Problemstellungen bleibt aber auf das absolut notwendige Maß beschränkt.

Die zentrale Rolle der Total Cost of Ownership und qualitativ-strategische Gesichtspunkte bilden den Dreh- und Angelpunkt für die betriebswirtschaftliche Entscheidungsgrundlage. Es folgt eine Bewertung der Entscheidungsrelevanz für das IT-Management.

2. Inhaltliche und terminologische Abgrenzung

2.1. IT-Infrastruktur im deutschen Mittelstand

In mittelständischen Unternehmen haben Server für den Betrieb von Netzwerk-, Kommunikations- und Business-Applikationen auf Basis der x86-Architektur[10]eine zentrale Rolle eingenommen. Während früher überwiegend UNIX-Systeme eingesetzt wurden, haben sich x86-basierte Systeme hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Stabilität und Skalierbarkeit angeglichen. X86-Server stellen eine kostengünstigere Alternative zu den RISC-basierten Systemen dar. Neben den geringeren Anschaffungs- und Wartungskosten bieten die x86-Server Standardisierungsvorteile und eine breite Anbieterauswahl. Unix-Server sind auf dem Rückzug, stattdessen setzen Unternehmen immer mehr x86-basierte Server ein.[11]Mittlerweile haben über 90 % der in Deutschland ausgelieferten Server eine x86- oder x64-Basis.[12]

Während der Trend bei der Hardware eindeutig ist, gestaltet sich für die Entscheidungsträger in mittelständischen Unternehmen mit bis zu 500 PCs die Frage nach der Auswahl und Integration des passenden Betriebssystems weiterhin als Herausforderung.

Der Administrations- und Integrationsaufwand im Serverpark sollen so niedrig wie möglich gehalten werden, da die kumulierten Betriebskosten die Lizenz- und Anschaffungskosten der Systeme vielfach übersteigen.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die einzelnen Produkte untereinander aufgrund der unterschiedlichen Lizenzierungsmodelle und Supportangebote der Hersteller nur schwer vergleichen lassen.

IT-Infrastrukturen wachsen im Laufe der Zeit organisch und sind somit regelmäßig heterogen. Ein Drittel der mittelständischen Unternehmen nutzt das Betriebssystem Linux als Serverbetriebssystem, allerdings beschränkt sich der Einsatz auf ein begrenztes Anwendungsspektrum, wie Websecurity und Security, während der Großteil der Business- und Kommunikationsanwendungen auf System mit Microsoft Betriebssystem betrieben werden.[13]

2.2. Begriffe

2.2.1. Proprietäre Software

Proprietäre Software befindet sich im Eigentum einer bestimmen natürlichen oder juristischen Person. In der Regel ist diese Person auch der Hersteller der Software. Proprietäre Software wird im Folgenden auch kommerzielle Software genannt. Software ist ein immaterielles Produkt.

Üblich ist, dass ein Nutzer nicht Eigentümer der Software wird, sondern lediglich ein Nutzungsrecht erwirbt. Bei kommerzieller Software werden durch den Lizenzvertrag bestimmte Rechte an der Nutzung und Verbote eingeräumt bzw. auferlegt.[14]

Jede Software wird von einem Programmierer in einer Programmiersprache geschrieben. Man bezeichnet diesen Text auch als Source Code, Quellcode oder Quelltext. Damit dieser Quellcode für einen Computer ausführbar ist, muss er übersetzt (kompiliert) werden.

Kommerzielle Softwareprodukte werden i.d.R. als kompilierter Programmcode ausgeliefert, der Quellcode ist dem Nutzer normalerweise nicht mehr zugänglich. Fehlerbehebung und Weiterentwicklung des Programms liegt ausschließlich in der Hand des Herstellers.

Die professionelle Erstellung von Software ist sehr arbeitsintensiv und erfordert hohe Investitionen. Erlöse sind u.a. aus dem Vertrieb der Lizenz zu erwarten. Der Quellcode als "Rohprodukt" stellt aus Sicht der Hersteller ein sehr schützenswertes Gut dar und ist dem späteren Nutzer, der eine Lizenz erwirbt, üblicherweise nicht zugänglich.

Ausgeliefert wird ein Programmpaket, welches auf dem Zielsystem mittels Installationsroutinen implementiert wird.

Da Software leicht kopiert werden kann, besteht für den Produzenten ein erhöhtes Investitionsrisiko durch unerlaubtes Kopieren (Raubkopien). Raubkopien sind weit verbreitet, auch wenn das unrechtmäßige Kopieren von Software ein Straftatbestand ist.[15]Die Hersteller von Software versuchen durch Kopierschutzmaßnahmen, die nicht-legale Weitergabe ihrer Produkte zu verhindern.

2.2.2. Free- und Open Source Software

Im Rahmen dieser Arbeit wird der Begriff „Open Source Software“ (OSS) verwendet, um Software zu kennzeichnen, deren Lizenz entweder von der Free Software Foundation (FSF)[16]oder der Open Source Initiative (OSI)[17]als freie Softwarelizenz eingestuft wird. Alternativ werden die Bezeichnungen „offene Software“, „quelloffene Software“ oder „freie Software“ verwendet.

Das Wesen von Open Source Software ist, dass sie kostenlos und mit offenem Quellcode weitergegeben werden darf. Die detailierte und offizielle Open Source-Definition befindet sich im Anlagenverzeichnis (Anhang A).

Jeder Benutzer hat somit die Möglichkeit, den Programmiercode der Software zu lesen und auch das Recht, ihn zu verändern. Populärstes Beispiel von Open Source-Programmen ist das Betriebssystem Linux.

Im Anhang B befindet sich eine Auswahl weiterer in der betrieblichen Praxis verbreiteter Open Source-Programme.

Nicht unter die Definition von Open Source Software fallen Programme, die als Public-Domain-Software, Freeware oder Shareware bezeichnet werden. Bei Public-Domain-Software tritt der Ersteller zwar dauerhaft die Rechte des Programms an die Allgemeinheit ab, liefert aber den Quelltext nicht mit. Freeware fasst die Software zusammen, die zwar kostenlos genutzt werden darf, aber weitere Rechte oder der Quelltext werden nicht weitergegeben. Shareware darf beliebig kopiert werden. Die Nutzung ist jedoch i.d.R. funktional, personell oder zeitlich beschränkt. Den vollen Funktionsumfang, ein zeitlich unbefristetes Nutzungsrecht und eine kommerzielle Nutzung erhält der Nutzer nur gegen Zahlung einer Lizenzgebühr.

2.2.3. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Das Akronym KMU steht für kleine und mittlere Unternehmen und ist inzwischen weit verbreitet. Im Schrifttum findet man verschiedene Abgrenzungskriterien. So kann entweder nach Anzahl Beschäftigter, nach der Größe des Umsatzes oder der Bilanzsumme kategorisiert werden. Das Handelsgesetzbuch gibt klare Definitionen im § 267 HGB, die jedoch nur für Kapitalgesellschaften gelten. Eine nicht auf Kapitalgesellschaften beschränkte Definition liefert eine Empfehlung der Europäischen Kommission vom 6. Mai 2003 (siehe Tabelle 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Definition KMU

(Quelle: EU-Kommission 2003)

Als Obergrenze wird eine Beschäftigtenanzahl von 250 Personen und ein Umsatz von 50 Mio. Euro bzw. eine Bilanzsumme von 43 Mio. Euro angegeben, wobei maximal 25 % des Unternehmens im Besitz von Firmen sein darf, die dieser Definition nicht entsprechen[18]

Das Institut für Mittelstandsforschung IfM zieht die Obergrenze sogar erst bei 500 Beschäftigten, wobei die Umsatzgrenze von 50 Mio. Euro beigehalten wird.[19]Laut Umsatzsteuerstatistik 2004 sind über 99 % aller Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland kleine oder mittlere Unternehmen.[20]Über 70 % aller deutschen Beschäftigten arbeiten in einem KMU (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bedeutung des Mittelstands in Deutschland

(Quelle: IfM 2002)

2.3. Interdependenzen von Open-Source Software, kommerzieller Standardsoftware und Eigenentwicklung

Software dient dem Zweck, Prozesse effizienter abzuarbeiten. Sie stellt somit regelmäßig nur ein Hilfsmittel dar, ist aber häufig unentbehrlich geworden. Selbst geschäftskritische Prozesse oder Entscheidungen können heute oft nicht mehr ohne Software-Einsatz durchgeführt werden.

Besteht Bedarf an Software, so gibt es prinzipiell 2 Wege sie zu erhalten. Erstens man entwickelt und programmiert die Software selbst (Eigenentwicklung) oder zweitens man benutzt Fertigsoftware.

Fertigsoftware wird auch Standardsoftware genannt. Wird Fertigsoftware als Lizenz erworben, so spricht man auch von kommerzieller Standardsoftware. Dies sind die beiden Extrempositionen. Dazwischen existiert noch ein fließender Übergang, denn häufig wird auch eine Kombination von Fertigsoftware und spezifischen Anpassungen eingesetzt. Man spricht in diesem Fall auch von "Customizing".

Die Entwicklung und Einführung von Software vollzieht sich in Form eines Projekts. Projekte stellen nach DIN 69901 Vorhaben mit zeitlich definiertem Anfang und Ende dar, die durch die Merkmale klare Zielformulierung, Komplexität und relative Neuartigkeit gekennzeichnet sind. Projekte sind temporäre Organisationsformen und stehen "quer" zur bestehenden Aufbauorganisation, was zu Spannungen und Konflikten führen kann. Projekte werden regelmäßig nach einem allgemeingültigen Vorgehensmodell durchgeführt. Gleichwohl muss dieses Modell jeweils projektspezifisch angepasst werden.

Je nach Einsatzgebiet stellt Open Source Software eine Alternative zur Standardsoftware dar, indem das Open Source-Produkt unverändert oder nur durch geringfügige Konfiguration oder Customizing produktiv im Unternehmen genutzt werden kann. Beispiele hierfür sind u.a. das Betriebssystem Linux, Open Office oder der Apache Webserver.

Open Source Software kann aber auch nur die Basis für eine Eigenentwicklung darstellen. Da der Quellcode offen liegt und Veränderungen nicht verboten sind, ist es durchaus möglich, dass aus einem Open Source-Programm, eine komplexe auf das jeweilige Unternehmen angepasste Software entsteht. Der Programmieraufwand kann dabei so erheblich sein, dass von einer Eigenentwicklung (auf der Grundlage eines anderen Produkts) gesprochen werden kann.

Das Szenario könnte wie folgt aussehen: Suche eine OSS, welche die fachlichen und systemtechnischen Anforderungen möglichst gut erfüllt und modifiziere den Programmcode so, dass er für das eigene Unternehmen passgenau umgestaltet wird.

Dies scheint auf den ersten Blick ein sehr vorteilhafter Weg zu sein, da das neue komplexe System nicht bei Null starten muss, sondern bereits fertiger Programmcode vorhanden ist, der weiter genutzt werden kann. Allerdings wird er in der betrieblichen Praxis bisher so gut wie gar nicht beschritten. Gründe dafür sind:

- Die Einarbeitungszeit in ein Programm, welches fremd entwickelt wurde, ist erheblich.
- Die Gefahr von Seiteneffekten ist groß.
- Das angepasste OSS Programm verursacht aufgrund seiner Spezialität über den Lebenszyklus eine hohe Abhängigkeit von den Anwendungsentwicklern.

Eine Besonderheit der Zielgruppe KMU ist, dass aufgrund der geringeren Ressourcenstärke der IT, es oft an dediziertem Know-How und zum anderen an der Zeit zur Betreuung komplexer Systeme fehlt. Gerade deshalb stellt für KMU die Alternative Eigenentwicklung von Software eine hohe Hürde dar.[21]

3. Theoretischer Bezugsrahmen

3.1. Software Entwicklung

3.1.1. Software Life Cycle

Technische Systeme haben eine begrenzte Lebensdauer. Dies gilt auch bei isolierter Betrachtung von Hard- und Software. Man spricht in diesem Zusammenhang vom Lebenszyklus-Modell. Das Konzept des Lebenszyklus hat seinen Ursprung im Bereich des Produktmarketings und beschreibt die Phasen, die ein Produkt im Verlauf seines Lebens durchläuft.[22]Das Lebenszyklus-Modell für Software ist letztlich ein spezieller Produktlebenszyklus, deshalb durchlaufen auch IT-Anwendungen ebenso wie alle anderen materiellen oder immateriellen Produkte einen Lebenszyklus.

Die Phasen eines Software-Lebenszyklus können in Entwicklung, Einführung, Wachstum, Sättigung/Reife, Rückgang und Abschaffung eingeteilt werden.[23]Abbildung 2 zeigt die Phasen des Software Life Cycle in Verbindung mit einem Graphen der die Systemkosten und einem Graphen der die Systemnutzung symbolisiert. Die in Abbildung 2 dargestellten Kurven der Systemkosten und der Systemnutzung repräsentieren keine kumulierten Werte, sondern nichtkumulierte Werte zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Lebenszyklus-Modell

(Quelle: In Anlehnung an Heinrich 2002)

Es liegt in der Natur eines Modells, dass es theoretisch ist und somit muss der in Abbildung 2 dargestellten Verlauf nicht zwangsläufig eintreten. Systemnutzung, und –kosten entwickeln sich im Zeitauflauf dynamisch und können von externen Faktoren stark beeinflusst werden. Außerdem sind in der Praxis die einzelnen Phasen zeitlich nicht von gleicher Dauer.

Eine andere Phaseneinteilung des Lebenszyklus findet man bei Zarnekow et al.[24](siehe Tabelle 2). Tabelle 2 ordnet den einzelnen Phasen auch konkrete Aufgaben zu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Aufgaben innerhalb der Lebenszyklusphasen

(Quelle: Zarnekow u.a. 2004)

Der Lebenszyklusgedanke manifestiert sich im Bereich der Kostenrechnung in einer Vielzahl von Konzepten und Methoden. Dazu zählt insbesondere das Konzept des Total Cost of Ownership (TCO), siehe dazu Abschnitt 3.3.4.

Nach dem Konzept der TCO sind die kumulierten Kosten im Zeitablauf bedeutsam.

So liefert das Lebenszyklus-Modell den wichtigen Hinweis, dass die Folgekosten eines Systems höher sind, als die Entwicklungs- und Einführungskosten. Dabei ist zu beachten, dass die anteiligen Kosten einer Phase am gesamten Lebenszyklus vom Alter einer Anwendung abhängig sind.

Bei einem System, dass erst vor kurzem eingeführt wurde, ist der Anteil der Entwicklungskosten an den Gesamtkosten sehr hoch. Bei älteren Systemen dagegen fällt der relative Anteil der Betriebs- und Weiterentwicklungskosten höher aus.

3.1.2. Brooks Law

Ein anderes wichtiges theoretisches Prinzip, welches bei der Untersuchung von OSS beachtet werden muss, ist das "Prinzip der reduzierten Kommunikation"[25], welches in der Literatur auch bekannt ist als "Brooks Law":

"Adding manpower to a late software project makes it later."[26]

Die Entwicklung von Software sollte in kleinen Teams erfolgen, in welchem die Teammitglieder sehr eng zusammen arbeiten. Wächst die Anzahl der Teammitglieder so steigt die Komplexität der Abstimmungsprozesse innerhalb des Teams überproportional an. Die erfolgreiche Entwicklung von Anwendungen sollte so organisiert sein, dass die Anzahl der beteiligten Personen minimal ist.

Dieses Prinzip behält auch bei OSS seine Gültigkeit. Somit ist eine große Anzahl von beteiligten Entwicklern eher ein Nachteil als ein Vorteil, zumindest unter Aufwands- und Kostengesichtspunkten. Auf jeden Fall bedarf es einer organisierenden Instanz, welche die Entwicklungsaktivitäten koordiniert.[27]

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Mehrzahl der OSS Projekte nur aus einem einzigen Entwickler oder aus einem kleinen Entwicklerteam bestehen. Diese Projekte stehen somit auch nicht im Widerspruch zu Brooks Law. Große Entwicklerteams müssen jedoch durch eine straffe und hierarchische Organisation geführt werden. Die wesentlichen Entscheidungen werden an der Spitze der Hierarchie von einer kleinen Gruppe führender Köpfe getroffen. Als Beispiel mag die Struktur bei der (Weiter)Entwicklung des Linux Kernels dienen. Die Entwicklung des Linux Kernels ist in 4 Hierarchiestufen organisiert:[28]

Level 1: Linus Torvalds

Level 2: Linus`s Lieutenants

Level 3: Module Maintainers

Level 4: Developers

Torvald fungiert als Chief Maintainer, der das letzte Wort darüber hat, was umgesetzt wird und was nicht. Die übrigen Hierarchiestufen haben genau definierte Aufgaben und arbeiten der Hierarchiespitze zu.

Dies zeigt exemplarisch, dass große OSS Projekte hierarchisch organisiert sind und bürokratisch arbeiten. Daraus folgt, dass es bei der Erstellung von großen OSS-Produkten keinen Effizienz- oder Geschwindigkeitsvorteil geben muss, sondern dass letztlich die gleichen Regeln und Prozesse eingehalten werden, wie auch bei der Erstellung kommerzieller Softwareprodukte.

3.2. Lizenzmodelle

Unter einer Softwarelizenz versteht man die Einräumung bestimmter Nutzungsrechte an einer Software. Lizenzen schützen gewisse Rechte der Autoren, indem sie sie unter ein Urheberrecht (Copyright) stellen. Nach deutschem Recht können nur Lizenzrechte, nicht aber das Urheberrecht selbst abgetreten werden.

3.2.1. Lizenzmodelle proprietärer Software

Für kommerzielle Software existieren vielfältige Lizenzmodelle. Nach Krcmar lassen sich Lizenzmodelle nach der Bezugsgröße einteilen.[29]Die Tabelle 3 zeigt einen Überblick über häufig in der Praxis vorkommende Lizenzmodelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Lizenzmodelle für kommerzielle Software.

(Quelle: Krcmar 2005)

Der Wert primärnutzerbezogeneLizenzmodelle wird hauptsächlich von der Anzahl der definierten Nutzer (named users) beeinflusst. Dieses Lizenzmodell wird heute durch die Verbreitung des Internets immer weniger anwendbar. Über Web-Portale oder andere Fremdsysteme finden immer mehr Zugriffe indirekt über unbekannte Nutzer statt. Als Beispiel mag ein Webshop, der an ein SAP-R3-System angeschlossen ist, dienen. Nach dem herkömmlichen nutzerbezogenen Lizenzmodell ist der Webshop selbst nur ein definierter Benutzer.

Bei den primärwertbasiertenModellen wird der Lizenzwert an eine vorher definierte Kennzahl gekoppelt. Als Beispiel mag der Einsatz des SAP-R3 HR-Moduls dienen, bei dem neben der nutzerbezogenen Lizenzgebühr eine weitere Gebühr je 1.000 Personalstammsätze fällig wird.

Bei denzeitbezogenenLizenzmodellen existieren 2 Alternativen. Entweder erwirbt man ein unbefristetes Nutzungsrecht oder die Nutzung der Software ist zeitlich befristet. Vorherrschend ist das unbefristete Nutzungsmodell, welches wieder unterschiedlich ausgestaltet werden kann. So gibt ein Modell dem Kunden ein unbefristetes Nutzungsrecht, jedoch sind Leistungen wie Updates und Produktverbesserungen entweder gar nicht oder zeitlich befristet enthalten. Der Kunde muss, wenn der die Nachfolgeversion (Upgrade) nutzen möchte, jedesmal das Produkt neu erwerben. Anders ausgestaltete Modelle sehen gegen Zahlung einer jährlichen Wartungsgebühr ein Update- und teilweise auch ein Upgraderecht vor.

InfrastrukturbezogeneLizenzmodelle nutzen als Basis für die Wertermittlung Hardware oder Hardware-Komponenten. Es existieren sog. Pro-Device-Lizenzen, in welcher ein PC, Notebook oder Server als Berechnungsgrundlage dient. In anderen Fällen wird die Anzahl der Prozessoren als Bezugsgröße herangezogen.

In der Praxis bestehen auch Mischformen der bisher beschriebenen Modelle. Die Firma Microsoft hat z.B. ein Lizenzmodell entwickelt, welches aus laufzeitunabhängige Serverlizenzen sowie volumenabhängigen Zugriffslizenzen in Form der sogenannten CALs (Client Access License) besteht. Die CALs beziehen sich entweder auf die Anzahl der Nutzer oder die Anzahl der Geräte.

In der betrieblichen Praxis sind es die strukturellen Unterschiede der verschiedenen Lizenzmodelle der Hersteller und die Vielzahl an Optionen, die die Komplexität erhöht und damit die innerbetrieblichen Transferkosten für die Lizenzverwaltung negativ beeinflussen. Außerdem wird der Vergleich zwischen verschiedenen Software-Alternativen und die Entscheidungsfindung erschwert.

3.2.2. Open Source Lizenzmodelle

Auch Open Source Software unterliegt einem Lizenzmodell. So zeichnet es OSS gerade dadurch aus, dass die Autoren anderen das Recht einräumen, die Software nach bestimmten Vorgaben zu vervielfältigen, zu verbreiten und zu verändern. Es liegt also kein vollständiger Verzicht auf das Urheberrecht vor.

Große Bedeutung hat der von Richard Stallmann geprägte Begriff "Copyleft" in Anlehnung an das Copyright, das die Verbreitung von Daten ausschließlich dem Urheber erlaubt.[30]Copyleft bedeutet, dass sämtliche Änderungen und Weiterentwicklungen einer OSS nur unter der gleichen Lizenz als freie Software weitergegeben werden dürfen.

Man spricht von "starkem Copyleft", wenn keine Abweichung von diesem Prinzip erlaubt ist. Es ist auch möglich, ein weniger restriktiv (schwaches) Copyleft zu gestatten oder ganz auf das Copyleft zu verzichten.

Tabelle 4 zeigt eine Auswahl von OSS Lizenzmodellen und deren Unterschiede.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[31]

Tabelle 4: OSS Lizenzmodelle

(Quelle: Eigene Darstellung)

Es existieren ca. 200 verschiedene Open Source-Lizenzen.[32]

3.2.3. GNU General Public License (GPL)

Die GNU General Public License (GPL) ist mit ca. 63 %[33]die weltweit am häufigsten eingesetzte Open-Source-Lizenz. Sie räumt jedermann ein uneingeschränktes Nutzungsrecht ein und schließt jegliche Haftung des Entwicklers aus.

Der Anwender darf das Programm unverändert oder modifiziert weiterverbreiten. Allerdings müssen die Programme und auch veränderte Programmteile unter der GPL bleiben. Diese Bestimmung verhindert, dass GPL-lizensierte Software in proprietäre Software integriert werden darf. Kritiker bezeichnen diese Bestimmung der GPL als "viralen Effekt", der jedoch andererseits sicherstellt, dass jede OSS dem Entwickler stets frei zugänglich bleibt.

Die Gewährung der Rechte muss ohne die Erhebung einer Lizenzgebühr erfolgen. Das bedeutet nicht, dass Open Source-Programme, die unter die GPL fallen, kostenfrei sein müssen. So ist es durchaus erlaubt, beispielsweise für den Vertrieb Gebühren zu verlangen.

3.2.4. GNU Lesser General Public License (LGPL)

Die LGPL wurde wegen besonderer Rechtsfragen in Bezug auf die Nutzung von Softwarebibliotheken entworfen und definiert abgeleitete Software anders als die GPL. Ein Programm, das gegen eine LGPL-lizenzierte Bibliothek gelinkt ist, muss nicht mehr unter der GPL stehen und kann somit auch kommerziell vertrieben werden.

3.2.5. BSD-Lizenz

Die Lizenz der Berkeley Software Distribution entstand im Rahmen der Entwicklung des freien Betriebssystems UNIX BSD an der Berkeley University. Die BSD-Lizenz räumt wie die GPL auch, jedermann ein freies Nutzungs-, Modifikations- und Weiterverbreitungsrecht ein. Die einzige Forderung ist, dass der Lizenztext in den Quellen und im Binärcode enthalten bleibt und die ursprünglichen Entwickler in jeder abgeleiteter Software aus einem BSD-lizensierten Programm genannt werden.

Anders als die GPL enthält sie keine Copyleft-Bestimmung. Ein Programm welches unter die BSD-Lizenz fällt, kann durchaus in einem kommerziellen Produkt integriert werden. So basieren Teile der Betriebssysteme von Microsoft und von Apple auf Komponenten von BSD.

3.2.6. "Mozilla"-artige Lizenzen

Hauptvertreter ist die Mozilla Public License, die eine weniger strenge Verbreitung der Software mit proprietären Programmteilen erlaubt. Als die Firma Netscape sich zur Veröffentlichung des Quellcodes ihres Browsers "Navigator" entschloss, besaß sie nicht die gesamten Urheberrechte. Es musste ein neuer Lizenztyp geschaffen werden, der zur Verbreitung der Software eine Kombination mit proprietären Teilen gestattete. Gleichzeitig wollte man sich die Möglichkeit offen halten, externe Verbesserungen des Programms selbst nutzen zu können.

Das Resultat war eine Kompromisslösung zwischen einer Copyleft-Lizenz und einer BSD-Lizenz. Mozilla-artige Lizenzen erlauben den Vertrieb einer Kombination aus proprietären und offenen Softwarekomponenten als ein Gesamtwerk.

3.3. Internes und externes Rechnungswesen

3.3.1. Kosten

3.3.1.1. Kosten, Aufwendungen, Auszahlungen

Kosten sind betrieblich bewerteter Güterverzehr und bilden immer leistungszweckbezogener und zweckgerichteter Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen im Rahmen des betrieblichen Ablaufs und zur Sicherung der Betriebsbereitschaft.[34]

Den Kosten werden in der Betriebsergebnisrechnung die Leistungen gegenübergestellt.

Bedeutsam in der weiteren Betrachtung ist die Abgrenzung von anderen Begriffen wie Aufwendungen, Ausgaben und Auszahlungen.

Aufwendungen führen zum Verzehr von Vermögensgegenständen auf der Aktivseite der Bilanz.[35]Die Minderung führt gleichzeitig zu einer Minderung des Eigenkapitals. Den Aufwendungen werden in der Gewinn- und Verlustrechnung die Erträge gegenübergestellt.

Ausgaben und Einnahmen umschreiben Veränderungen des Nettogeldvermögens. Das Nettogeldvermögen umfasst die liquiden Mittel und die Forderungen abzüglich der Schulden. Ausgaben verringern, Einnahmen erhöhen das Nettogeldvermögen.

Aus- und Einzahlungen sind liquiditätswirksame Äquivalente für realisierte Ausgaben und Einnahmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Abgrenzung von Kosten und Aufwand

(Quelle: Schmolke/Deitermann, 2004)

Die Abbildung verdeutlicht, dass Aufwand und Kosten nicht deckungsgleich sein müssen. Nur der ordentliche betriebliche Zweckaufwand fällt mit den Grundkosten zusammen. Betriebsfremder oder außerordentlicher Aufwand stellt keine Kosten dar. Den Anderskosten oder Zusatzkosten steht kein betrieblicher Aufwand gegenüber.

3.3.1.2. IT-Kosten Situation allgemein

Der Anteil der IT-Kosten an den Gesamtprozesskosten vieler Unternehmen steigt kontinuierlich.[36]

Eine Verrechnung der IT-Kosten wird immer wichtiger. Knapp 50 % der im Rahmen einer IDC-Untersuchung aus dem Jahr 2002 befragten deutschen Unternehmen verrechnen IT-Kosten über einen Gemeinkostenschlüssel. Nur 36 % der befragten Unternehmen verfügen über eine verursachungsgerechte innerbetriebliche Leistungsverrechnung.[37]Entweder werden IT-Kosten nicht systematisch erfasst, nicht verteilt oder auf die primären Kostenstellen geschlüsselt. Eine Planung, Kontrolle und Steuerung der IT-Kosten entfällt und die betroffenen Unternehmen sind nicht in der Lage ihre IT-Kosten zu steuern.

3.3.1.3. IT-Kostenstruktur

IT-Kosten sind überwiegend Gemeinkosten, dass heißt, sie können im Gegensatz zu den Einzelkosten nicht direkt einem Kostenträger zugeordnet werden. Gemeinkosten werden im Rahmen der Kostenstellenrechnung durch Umlageverfahren auf die Primärkostenstellen verteilt und mit Hilfe von ermittelten Zuschlagsätzen auf die Kostenträger weiterverrechnet.

Eine andere Kosteneinteilung ist die Unterscheidung in fixe und variable Kosten. Kosten für Hard- und Software sind in der Regel fix, d.h. ihre Höhe steht nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Geschäftsergebnis oder der Ausbringungsmenge. Die Beeinflussung der Kostenstruktur umfasst die gezielte Veränderung des Verhältnisses von fixen und variablen Kosten. Ein häufig genanntes Ziel ist die Umwandlung von fixen in variable Kosten, um die Flexibilität bei Absatz- und Ertragsschwankungen zu erhöhen.

Bei Kapazitätserhöhungen ist der Kostenverlauf bei den fixen Kosten sprunghaft. Man spricht in diesem Zusammenhang von sprungfixen Kosten. Geht die Beschäftigng zurück, entstehen Kostenremanenzen durch nicht (sofort) abbaubare Fixkosten.

Im Verhältnis zum Umsatz sind die IT-Kosten von mittelständischen Unternehmen deutlich höher als bei Großunternehmen.[38]Eine Ursache für den höheren IT-Kostenanteil von mittelständischen Unternehmen ist, dass sich Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen oder den Aufbau von technischem Wissen nicht auf so viele Server oder Endnutzer umlegen lassen wie bei großen Firmen. Dazu kommen häufig Einkaufsnachteile durch geringere Verhandlungsmacht bei der Beschaffung von Dienstleistungen oder dem Kauf von Hard- und Software.

Abbildung 4 zeigt die IT-Kostenstruktur aufgeschlüsselt nach Kostenarten. Den mit Abstand größten Kostenanteil haben die Personalkosten (Staffing) mit 60 %. Hard- und Software machen nur 14 % der Gesamtkosten aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: IT Kostenstruktur

(Quelle IDC 2007)[39]

Personalkosten sowie Abschreibungen auf Hard- und Software sind fixe Kosten. Daraus ergibt sich ein fixer IT-Kostenblock von mindestens 74 % der IT-Gesamtkosten.

3.3.2. Controlling

Es gibt unterschiedliche Interpretationen und Synonyme für den Begriff des IT-Controllings. Nach Becker/Winkelmann ist IT-Controlling die

" ...Beschaffung, Aufbereitung und Analyse von Daten zur Vorbereitung zielsetzungsgerichteter Entscheidungen bei der Anschaffung, Realisierung und Betrieb von Hardware und Software ..."[40]

Durch den hohen Kostendruck wird IT-Controlling häufig mit Kostenreduktion im IT-Bereich verwechselt. Eine Ursache dafür mag die gestiegene IT-Durchdringung der Geschäftsprozesse und der hierdurch angestiegene IT-Kostenanteil sein.

Mangelnde Transparenz dieses Kostenblocks führt beim Management zu dem Eindruck, dass die IT-Kosten reduziert werden müssen.[41]Die Funktion des IT-Controllings ist nicht auf Kostenkontrolle und –senkung beschränkt. Vielmehr muss auch die leistungsorientierte Sicht erkannt werden, in der Leistungssteigerungen durch IT und Effizienzverbesserungen in den Mittelpunkt des Interesses rücken.

Typische Maßnahmen des leistungsorientierten Ansatzes erhöhen die Leistungsfähigkeit des Unternehmens: Ausrichtung und Steuerung der IT an den Unternehmenszielen, Standardisierung von IT-Leistungen, Optimierung von IT-Prozessen, verursachungsgerechte Kosten- und Leistungsverrechnung und nicht zuletzt Ermittlung des Beitrags zu den Unternehmenszielen als Maßstab für die Auswahl geeigneter Hard- und Software-Produkte. Insofern ist es u.a. auch die Aufgabe des IT-Controllings, bei der Frage des Für und Wider beim Einsatz von Open-Source-Programmen im Unternehmen beteiligt zu werden.

3.3.3. Bilanzierung

Softwarelizenzen gehören zu den immaterielle Vermögensgegenständen. Immaterielle Vermögensgegenstände sind nicht körperlich und umfassen Rechte und tatsächliche Positionen von wirtschaftlichem Wert.[42]

Nach § 266 Abs. 2 I. HGB werden immaterielle Vermögensgegenständen im Anlagevermögen bilanziert. Gemäß HGB darf Software im immateriellen Anlagevermögen bilanziert werden, wenn diese käuflich erworben wurden.

Software, die eine gewisse wertmäßige Höhe nicht überschreitet, darf sofort als Aufwand erfasst werden.[43]Lizenzkosten fallen bei OSS entweder gar nicht oder nur in vergleichsweise geringer Höhe an. Daraus kann gefolgert werden, dass durch einen intensiven Einsatz von OSS die Bilanzposition Immaterielle Vermögensgegenstände wertmäßig verringert wird. Da OSS häufig nur die Basis für eine In-House-Entwicklung bildet, ist es auch bedeutsam, ob das Endergebnis bilanziert werden darf. Aufwand, der für selbst erstellte Software entsteht, z.B. in Form von Personalkosten für Programmierer, ist sofort ergebniswirksam zu erfassen und fließt direkt in die GuV des Unternehmens ein. Ein selbst entwickeltes Softwaresystem - und mag es noch so wertvoll und unter hohem Aufwand entwickelt worden sein – stellt nach HGB keinen immateriellen Vermögensgegenstand dar und findet deshalb keinen Niederschlag in der Bilanz. Eigenentwicklungen können allerdings den originären Firmenwert erhöhen.

Eine Entscheidung für OSS kann sich somit auf die Höhe der Bilanzposition auswirken. Als Folge kann es im Rahmen einer Kennzahlenanalyse zu einer Verschlechterung in der Bonitätsbewertung kommen.

Die zunehmende Verbreitung der International Accounting Standards/International Financial Reporting Standards (IAS/IFRS) im externen Rechnungswesen wird eine Tendenz zur Konvergenz von externem und internem Rechnungswesen zur Folge haben. So erlauben die IAS/IFRS, im Jahresabschluss unter bestimmten Voraussetzungen auch kalkulatorische Vermögenswerte anzusetzen. Dies ist für den Einsatz von OSS von Bedeutung, da dann auch selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände, z.B. Software bilanziert werden dürfen.[44]

3.3.4. TCO

Total Cost of Ownership (TCO) ist ein Messinstrument für alle zu berücksichtigen Kosten über den Lebenszyklus eines (Software)Systems.

Der Begriff der TCO wurde von der Gartner Group in den 1980er Jahren geprägt.[45]Die TCO-Analyse stellt ein Hilfsmittel für die Entscheidungsträger dar, um das System zu identifizieren, welches über den gesamten Lebenszyklus die geringsten Gesamtkosten verursacht. Das Besondere daran ist, dass die gesamten Kosten der Organisation einbezogen werden und nicht nur reine IT-Kosten. Ähnliche Konzepte sind das Real Cost of Ownership (RCO) und Lowest Cost of Ownership (LCO).[46]

Die TCO können unterschiedlich aufgeteilt werden.

Eine Möglichkeit ist, die Gesamtkosten in sogenannte direkte und indirekte Kosten zu gliedern.

[...]


[1]Lamberti 2002

[2]Deutscher Bundestag 2005

[3]Die Grundsatzentscheidung der Münchner Stadtverwaltung für Open Source geht auf das Jahr 2003 zurück.

[4]Vgl. Hermann 2008

[5]Siehe beispielsweise Heise 2002 oderComputerwoche 2007

[6]Vgl. Heise 2008

[7]Vgl. KfW-Bankengruppe 2008: Danach gibt es ca. 3,5 Mio. mittelständische Unternehmen in Deutschland

[8]Vgl. Gfaller, Hermann 2006

[9]Vgl. Cassell 2008

[10]Die sog. x86-Architektur wurde Ende der 1970 Jahre von Intel vorgestellt und seitdem stetig weiterentwickelt. Man bezeichnet sie deshalb auch als Intel-basierte Rechnersysteme. Auch andere Unternehmen wie beispielsweise AMD bieten x86-basierte Prozessoren an. Eine Alternative zu x86-basierten Systemen stellen die sog. RISC (Reduced Instruction System Code) Prozessoren dar, die z.B. von der Firma Sun Microsystems angeboten werden.

[11]Dirscherl 2007a

[12]Dirscherl 2007b

[13]Wülfing 2007

[14]Beispiel: Das "End User License Agreement" des Betriebssytems Windows XP von Microsoft erlaubt nur das Anfertigen einer Sicherungskopie. Jedwede Weitergabe oder Modifikation des Programmpakets wird vom Lizenzgeber ausdrücklich verboten.

[15]Laut Deutsches Patent- und Markenamt beträgt der Anteil von Raubkopien an Software 35% weltweit, China 86%. Der Umsatzausfall für die Softwarehersteller liegt bei fast 40 Milliarden Dollar jährlich.

[16]1985 von Richard Stallman gegründete, gemeinnützige Organisation zur Förderung der Freien Softwarebewegung

[17]Von Eric Raymonds und Bruce Perens gegründete Organisation zur Vermarktung und Unterstützung der Open Source Softwarebewegung

[18]Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2007

[19]Vgl. IfM 2002

[20]Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2007

[21]Vgl. Böttger 2008

[22]Vgl. Matys 2002

[23]Heinrich 2002

[24]Zarnekow u.a. 2004

[25]Vgl. Balzert 1982

[26]Brooks 1975

[27]Vgl. Balzert 2000

[28]Vgl. Iannacci 2005

[29]Krcmar 2005

[30]Siehe dazu im Anlagenverzeichnis (Anhang C)

[31]Die einzelnen Lizenztypen werden in den folgenden Abschnitten erläutert.

[32]Kleijn 2007

[33]Source Forge 2008

[34]Wöhe 2002

[35]Vgl. Langenbeck 2005

[36]Vgl. Gadatsch, Mayer 2005

[37]Computer-Zeitung 2002

[38]KMUplus Magazin 2005

[39]Das Chart basiert auf 300 Interviews über unterschiedliche Systemplattformen.

[40]Vgl. Becker, Winkelmann 2004

[41]Vgl. Gadatsch, Mayer 2006,

[42]Vgl. Grützner, 2005

[43]R 31 a Abs. 1 EStR erlaubt aus Vereinfachungsgründen, sämtliche Programme, deren anschaffungskosten 410 € nicht überschreiten, als Trivialprogramme zu behandeln.

[44]Nach IAS 38.51 ff. müssen selbst geschaffene Immaterielle Vermögenswerte, welche sich in der Entwicklungsphase befinden, aktiviert werden, wenn festgelegte (IAS 38.57) Nachweise erbracht werden.

[45]Vgl. z.B. Wolf, Holm 1998, S. 19 oder Redman u.a. 1998

[46]Vgl. Treber 2003

Details

Seiten
103
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836620208
Dateigröße
759 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226222
Institution / Hochschule
Fachhochschule Koblenz - Standort RheinAhrCampus Remagen – Betriebswirtschaft, Studiengang Master of Business Administration
Note
1,3
Schlagworte
open source software freie fallstudie

Autor

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Titel: Betriebswirtschaftliche Effekte von Open Source Software in KMU