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Erfassung bankspezifischer Risiken bei der Bewertung von Kreditinstituten

Diplomarbeit 2008 89 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kreditinstitute als Bewertungsobjekt
2.1 Abgrenzung von Kreditinstituten
2.2 Gegenstand des Shareholder Value-Konzeptes
2.3 Komplexitätsreduktion bei der Wertfindung
2.3.1 Aufspaltung in originäre Aufgaben als Finanzintermediär
2.3.2 Einteilung in strategische Geschäftsfelder
2.4 Aufsichtsrechtliche Vorschriften

3 Risiken als zentrale Bewertungsdeterminanten in Kreditinstituten
3.1 Risikosystematisierung
3.2 Bankspezifische Risiken
3.2.1 Marktpreisrisiken
3.2.2 Adressenausfallrisiken
3.2.3 Operationelle Risiken
3.2.4 Liquiditätsrisiken
3.3 Eigenkapital zur Unterlegung unerwarteter Verluste
3.4 Value at Risk zur Risikoquantifizierung

4 Berücksichtigung bankspezifischer Risiken bei der Bewertung
4.1 Grundlagen einer Gesamtbankbewertung auf Cashflow-Basis
4.2 Bestimmung des Zukunftserfolges
4.2.1 Free Cash Flow auf Segment- und Gesamtbankebene
4.2.2 Prognose der Einzelkomponenten
4.2.2.1 Zinsergebnis
4.2.2.2 Provisionsergebnis
4.2.2.3 Ergebnis des Eigengeschäftes
4.2.2.4 Verwaltungsaufwand
4.3 Ermittlung kreditinstitutsspezifischer Eigenkapitalkosten
4.3.1 Eigenkapitalkosten als Mindestrendite des Kreditinstitutes
4.3.2 Capital Asset Pricing Model zur Eigenkapitalkostenermittlung auf Gesamtbankebene
4.3.3 Segmentspezifische Eigenkapitalkosten
4.3.3.1 Notwendigkeit differenzierter Eigenkapitalkosten
4.3.3.2 Analogieansätze
4.3.3.3 Analyseansätze
4.3.4 Kritische Würdigung der Verfahren zur Bestimmung von Eigenkapitalkosten .
4.4 Verfahren zur Bewertung von Kreditinstituten
4.4.1 Abgrenzung der Bewertungsverfahren
4.4.2 Discounted Cashflow-Methoden
4.4.2.1 Entity-Ansatz
4.4.2.2 Equity-Ansatz
4.4.3 Risikoadjustierte Performance-Kennzahlen als Residualeinkommen
4.4.4 Beurteilende Gegenüberstellung der Bewertungsverfahren

5 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kapitalkoeffizienten deutscher Großbanken

Tabelle 2: Value at Risk-Berechnung mittels Historischer Simulation

Tabelle 3: Verwaltungsaufwand Deutsche Postbank AG

Tabelle 4: Eigenkapitalkosten der Deutsche Bank AG

Tabelle 5: Allokationseffiziente und -ineffiziente Investitionen

Tabelle 6: Analogieansätze

Tabelle 7: Earning beta der Deutsche Bank AG

Tabelle 8: Shareholder Value nach dem Equity-Ansatz

Tabelle 9: RAPM-Kennzahlen zur Messung des Residualeinkommens

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Systematisierung deutscher Kreditinstitute

Abbildung 2: Die Rolle des Kreditinstitutes als Finanzintermediär

Abbildung 3: Segmentabgrenzung der Deutsche Bank AG

Abbildung 4: Systematisierung bankspezifischer Risiken

Abbildung 5: Kategorisierung operationeller Risiken

Abbildung 6: Gegenüberstellung der Eigenkapital-Definitionen

Abbildung 7: Wahrscheinlichkeitsverteilung von Kreditverlusten

Abbildung 8: Free Cash Flow des Segmentes Retail Banking

Abbildung 9: Ableitung des Free Cash Flow der Commerzbank AG

Abbildung 10: Marktzinsmethode zur Bestimmung des Zinsergebnisses

Abbildung 11: Eigenkapitalkosten deutscher Großbanken nach dem CAPM

Abbildung 12: Segmentspezifische Eigenkapitalkosten

Abbildung 13: Rollierende Beta-Faktoren der Deutsche Bank AG

Abbildung 14: Abgrenzung Bewertungsverfahren

Abbildung 15: Eigenkapitalkosten auf Basis rollierender und konstanter DAX-Renditen

1 Einleitung

Im Rahmen der Unternehmensbewertung stellt die Erfassung kreditinstitutsspezifischer Werttreiber und Werthebel eine besondere Herausforderung dar. Gerade die Tatsache, dass Kreditinstitute einen Großteil ihres Ertrages durch die Übernahme vielseitiger Risiken generieren, macht den Unterschied zu Industrie- und Handelsunternehmen deutlich. Vor diesem Hintergrund avanciert das Risikomanagement der Kreditinstitute zum zentralen Moment bei der Betrachtung bankspezifischer Risiken. Mit der Identifikation, Analyse, Quantifizierung, Steuerung und Kontrolle von Risiken, legt es das Fundament zur risikoadäquaten Messung der Werttreiber und ermöglicht Aussagen über die Sensitivität des Unternehmenswertes. Der Fokus einer wertorientierten Unternehmensführung in Kreditinstituten bzw. die Renditeforderung der Anteilseigner, richtet sich damit notwendigerweise auf eine präzise Erfassung bankspezifischer Risiken. Denn nur die genaue und lückenlose Abbildung der vom Kreditinstitut eingegangenen Risiken kann letztlich auch eine präzise Herleitung der Bewertungskomponenten und damit eine transparente Wertermittlung gewährleisten. Vor diesem Hintergrund soll die vorliegende Arbeit die herausragende Stellung bankspezifischer Risiken bei der Bewertung und Steuerung von Kreditinstituten ausleuchten, indem geprüft wird, welche Risiken bei der Wertermittlung betrachtet werden müssen und wie diese in den Bewertungskomponenten abgebildet werden können. Auf dieser Basis sollen dann Modelle daraufhin untersucht werden, ob sie den Ansprüchen an eine Bewertung von Kreditinstituten genügen und auf welche Weise die Veränderung der Bewertungskomponenten zu interpretierbaren Werteffekten führen.

Durch eine Eingrenzung der Kreditinstitute wird zunächst der Untersuchungsgegenstand vorliegender Arbeit herausgelöst. Die Analyse wendet sich dann den Anteilseignern, der Triebfeder einer wertorientierten Unternehmensführung, zu. Um die Ansatzpunkte der Werterfassung herauszustellen, wird das Kreditinstitut in seine originären Aufgaben und Segmente zerlegt, bevor erläutert wird, wie sich die aufsichtsrechtlichen Vorschriften auf eine Risikoübernahme respektive den Unternehmenswert auswirken. Im weiteren Verlauf werden die bankspezifischen Risiken betrachtet, indem an eine Risikostrukturierung die Analyse der Einzelrisiken anschließt. Hierbei richtet sich das Augenmerk vor allem darauf, wie aus latenten schlagende Risiken werden und welche risikospezifischen Schnittpunkte mit dem Wert des Institutes entstehen können. Die Gegenüberstellung von regulatorischem und ökonomischem Eigenkapital (EK) prüft die Notwendigkeit der Eigenkapitalunterlegung für Risiken. Es folgt eine empirische Betrachtung des Value at Risk-Konzeptes, um zu ergründen, ob und wie sich die betrachteten Risiken in quantifizierbare Größen transferieren lassen. Die Grundlagen der Bewertung leiten dann zum Zukunftserfolg über, welcher in seine Elemente aufgespaltet wird. Als Verrechnungsgröße bankspezifischer Risiken werden die einzelnen Ergebniskomponenten und ihre Prognosemöglichkeiten betrachtet. Der Gang der Untersuchung führt zur zweiten und entscheidenden Verrechnungsgröße von Risiken, den kreditinstitutsspezifischen Eigenkapitalkosten (EKK). In einem ersten Schritt wird eruiert, welcher Zusammenhang zwischen EKK und risikoadäquater Renditeforderung der Anteilseigner besteht, was in nächster Instanz zu ausgewählten Ansätzen zur Eigenkapitalkostenermittlung führt. Die Verfahren werden in ihren theoretischen Grundzügen umrissen und anhand einer empirischen Erhebung dahingehend analysiert, ob die Abbildung bankspezifischer Risiken in den EKK zu plausiblen Ergebnissen führt. In einer kritischen Auseinandersetzung mit den Modellen, werden dann die wesentlichen Punkte zusammengefasst und bewertet. An die Bewertungskomponenten knüpfen die Bewertungsverfahren an. Hierbei wird eine Eingrenzung relevanter Modelle vorgenommen, bevor an diesen die essentiellen Aspekte der Wertermittlung abgewickelt werden. Durch die Zusammenführung von Zukunftserfolg und Kapitalkosten wird dann die Implementierung der risikoinduzierten Bewertungskomponenten ausgeforscht. Eine Gegenüberstellung der Verfahren, soll den Nutzen für eine segment- und gesamtbankbezogene Wertermittlung herausstellen. Die gewonnenen Erkenntnisse schließen mit einer finalen Bewertung ab.

2 Kreditinstitute als Bewertungsobjekt

2.1 Abgrenzung von Kreditinstituten

Als Mittelpunkt des globalen Finanzsystems kommt Kreditinstituten eine bedeutende ökonomische Rolle zu.[1] Dabei lässt sich ihre mannigfaltige Ausgestaltung nach verschiedenen Gesichtspunkten abgrenzen. Aus bewertungstechnischer Sicht erscheint eine erste Unterteilung in Bezug auf ihre Geschäftsaktivitäten nach Spezial- und Universalbanken sinnvoll. Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Einlagen- und Kreditgeschäft mit dem Wertpapiergeschäft verknüpfen.[2] Eine weitere Abgrenzung nach ihrer Rechtsform in privatrechtlich und öffentlich-rechtlich ist notwendig, da im Zuge der Bewertung Besonderheiten, wie z.B. steuerliche Aspekte oder kapitalmarkttheoretische Prämissen beachtet werden müssen. Das System deutscher Kreditinstitute kann wie folgt kategorisiert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Systematisierung deutscher Kreditinstitute[3]

Gemessen am Geschäftsvolumen und der absoluten Anzahl der Kreditinstitute kann den Universalbanken die mit Abstand größte Bedeutung in Deutschland beigemessen werden.[4] Hierzu zählen vor allem die privaten Geschäftsbanken, die öffentlich-rechtlichen Sparkassen bzw. Landesbanken und die Banken des Genossenschaftssektors.[5] Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist insbesondere das Segment der privatrechtlich organisierten Großbanken. Da die strategischen Geschäftsfelder der Spezialbanken auch bei den Großbanken wieder zu finden sind, wird diese Säule im Zuge vorliegender Arbeit implizit berücksichtigt. Die Bewertung von Versicherungen und sonstigen kreditinstitutsnahen Unternehmen basieren auf gesonderten Annahmen und finden hier keine Beachtung.[6] Trotz des öffentlichen Auftrages kann inzwischen auch den Zentralinstituten der Sparkassen unterstellt werden, dass sie als Geldgeber öffentlicher Haushalte zunehmend der Maxime einer Gewinnorientierung gerecht werden und somit Anlass zur Bewertung geben.[7] Vor diesem Hintergrund lassen sich die kapitalmarktunabhängigen Komponenten der angeführten Bewertungskonzepte auch auf die Zentralinstitute des Sparkassen- und Genossenschaftsbereiches übertragen.

2.2 Gegenstand des Shareholder Value-Konzeptes

Im Kontext einer wertorientierten Unternehmensführung gilt es, dass dem Kreditinstitut zur Verfügung gestellte EK langfristig und nachhaltig zu maximieren. Darauf abzielend kann der Shareholder Value (SHV) als Summe aller Aktien respektive als Marktwert des EKs betrachtet werden. Infolge der Machtausdehnung der Kapitaleigner und eines zunehmenden Interesses an der Maximierung der Aktienrendite avanciert der SHV zur entscheidenden Zielgröße der Managerstrategien in Kreditinstituten.[8] Die Vorzüge des SHV als Steuerungsdirektive in Kreditinstituten legt die Vermutung nahe, dass eine alleinige Ausrichtung auf hohe Renditen keinen Raum für Interessen anderer Anspruchsgruppen übrig ließe.[9] Dem gegenüber steht jedoch die Annahme, dass gerade renditeträchtige Unternehmen zu einer widerstandsfähigen Volkswirtschaft führen, die den Lebensstandard des Einzelnen nachhaltig verbessert und somit die Interessen aller Anspruchsgruppen befriedigt. Trotz des Konfliktes scheint die Implementierung des SHV-Ansatzes in deutschen Kreditinstituten indiskutabel, da sie zu einem dringlichen Erfordernis geworden ist. Vor allem strukturelle Probleme, wie die Fragmentierung des Bankensektors und die Wettbewerbsverzerrungen durch Staatsanteile rufen eine konsequente SHV-Ausrichtung auf den Plan.[10] Der Blick auf die Interessen der Anteilseigner und damit auf eine angemessene Verzinsung des EK ist insbesondere bei deutschen Kreditinstituten ein notwendiges Mittel um in Zeiten der Globalisierung und im Wettbewerb mit anderen europäischen und angloamerikanischen Kreditinstituten bestehen zu können.[11] Dies lässt den Schluss zu, dass der SHV-Ansatz in Kreditinstituten nicht bloß als wichtiges Werkzeug des strategischen Management zu sehen ist, sondern auch unerlässlich für das Überleben der Institute zu sein scheint.[12] Aus bewertungstechnischer Sicht kann der SHV zudem die Unzulänglichkeiten buchhalterischer Größen auffangen. Während der SHV direkt vom Markt beeinflusst wird und damit veränderten Umweltbedingungen Rechnung trägt, machen vergangenheitsorientierte Kennzahlen keine Aussagen über etwaige Abweichungen beim Zeitwert des Geldes oder des bankspezifischen Risikos.[13] Gerade Risiken müssen aber explizit im SHV abgebildet werden, um eine transparente Beurteilung der Ertragsstärke und des Wertsteigerungspotentials eines Kreditinstitutes zu ermöglichen.

2.3 Komplexitätsreduktion bei der Wertfindung

2.3.1 Aufspaltung in originäre Aufgaben als Finanzintermediär

Die zentrale Aufgabe von Kreditinstituten ist, dass sie als Finanzintermediäre agieren, denen neben einer Ausgleichsfunktion asymmetrischer Kapitalmarktinformationen die Funktion von Transaktions- und Transformationskatalysatoren zukommt.[14] Während transaktionsbezogene Leistungen, wie sie überwiegend im Investment Banking oder im Bereich des Zahlungsverkehrs vorkommen, mit Provisionen vergütet werden, generieren Kreditinstitute mit der Übernahme der Transformationsfunktion Zinseinnahmen.[15] Der Transformationsprozess basiert dabei auf dem vom Kreditinstitut vorgenommenen Ausgleich zwischen Kapitalnachfrage und Kapitalangebot der Marktteilnehmer und lässt sich in vier Kategorien unterteilen:[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Rolle des Kreditinstitutes als Finanzintermediär[17]

Bei der Losgrößentransformation wird eine betragsmäßige Umwandlung des Kapitals vorgenommen um Kapitalgeber und Kapitalnehmer entsprechend ihrer Wünsche bedienen zu können. Je mehr Sparvolumen vereint werden kann, desto größer sind die Investitions- und damit Wertsteigerungsmöglichkeiten des Kreditinstitutes. Bei einer großen Kundenanzahl führt die Losgrößentransformation außerdem zu Skalen- und Erfahrungskurveneffekten.[18] Eine Risikotransformation erfolgt hingegen, indem durch Risikostreuung im Kredit- und Anlageportfolio des Kreditinstitutes eine Diversifikation erzielt wird, die das Gesamtrisiko im Vergleich zur Summe der Einzelrisiken schmälert. Werttreibender Aspekt ist hierbei vor allem, dass dadurch risikoärmere Kreditvergabe- und Anlagemöglichkeiten zustande kommen.[19] Als dritter Aspekt stellt die Liquiditätstransformation darauf ab, illiquide Bilanzpositionen, wie z.B. langfristige Kredite, durch liquide Positionen zu finanzieren. Dabei muss gewährleistet sein, dass die Bedienung von Einlagenrückforderungen jederzeit gesichert ist. Die Möglichkeit darüber hinaus Kreditgeld schöpfen zu können stellt eine weitere Stellschraube zur Maximierung des Unternehmenswertes dar.[20] Zentraler Punkt bei der Fristentransformation ist, dass die differierenden Überlassungs- und Nutzungsdauern des Kapitals entsprechend der Laufzeitinteressen der Kunden harmonisiert werden. Eine potentielle Wertschöpfung ergibt sich z.B. durch die Erzielung von Strukturbeiträgen bei positiver Fristentransformation. Wertsteigerungen werden von Kreditinstituten genau dann generiert, wenn bei Vorliegen einer normalen Zinsstrukturkurve langfristige Kredite mit kurzfristigen Einlagen refinanziert werden. Neben den Chancen einer fristeninkongruenten Finanzierung, können in den Konditionsbeiträgen des Aktiv- und Passivgeschäftes weitere Wertgeneratoren gesehen werden.[21] Der Wert des Kreditinstitutes steigt umso stärker, je größer die von den operativen Bereichen durchgesetzten Differenzen zwischen Kundenzinssätzen und den fristenkongruenten Kapitalmarktzinsen sind. Wie zu erkennen ist, hat die Funktion als Finanzintermediär Einfluss auf das operative Geschäft von Kreditinstituten und spiegelt somit, im Gegensatz zu Industrieunternehmen, einen bedeutenden Werthebel bei der Generierung des SHV wider.[22] Hierbei sind die Einlagen der Kreditinstitute als zentrale Ressource anzusehen. Die Fähigkeit damit Kredite vergeben und Fristentransformation durchführen zu können, ermöglicht ihnen SHV sowohl auf der Aktiv- und Passivseite, als auch über die Treasury zu generieren.[23]

2.3.2 Einteilung in strategische Geschäftsfelder

Zur Reduzierung der Bewertungskomplexität werden Kreditinstitute in ihre strategischen Geschäftsfelder (SGF) oder Segmente zerlegt. Die einzelnen Bereiche sollten dabei eine interdependente Steuer-ung ermöglichen, um so ihre inhärenten Risiken und Werthebel von anderen Geschäftsfeldern abzugrenzen. Bezogen auf die komplizierte Ressourcen- und Leistungsverflechtung in Kreditinstituten erfolgt die Abgrenzung weitestgehend auf der Basis von Kunden- und Produktgruppen, wie auch nach Regionen. Da Geschäftskontrakte oft aus Bündeln von Bankleistungen bestehen, hat es sich in der Praxis bewährt, Segmente primär nach Kundengruppen aufzuspalten. Somit wird automatisch auch der Cross-Selling-Gedanke zwischen den verschiedenen Produktgruppen berücksichtigt. Bei Segmenten wie dem Zahlungsverkehr kann es durchaus sinnvoll sein, sie vor dem Hintergrund einer ertragsreichen Kundenbeziehung als ggf. defizitären Bestandteil mitzuführen.[24] Nach handelsrechtlichen Vorschriften, wie auch nach International Accounting Standards (IAS), muss die Segmentberichterstattung von Kreditinstituten nach primären und sekundären Einheiten erfolgen. Die Segmentabgrenzung der Deutsche Bank AG nimmt z.B. eine Grobgliederung nach drei Gesichtspunkten vor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Segmentabgrenzung der Deutsche Bank AG[25]

Dem Sortimentsprinzip entsprechend ist zu erkennen, dass auf den obersten zwei Hierarchiestufen nach Kunden und in dritter Instanz nach Produkten unterschieden wird. Auf eine kundenorientierte Segmenteinteilung greifen in der Regel auch die zur Gesamtbanksteuerung genutzten Berichtsysteme des Management zurück. Mit dem sog. Management Approach, der die Konformität der Segmentinformationen zwischen interner Berichterstattung und externer Rechnungslegung fordert, erhöht die Deutsche Bank AG zugleich die Transparenz für Anteilseigner und Management.[26] Neben der Abgrenzung kunden- respektive produktspezifischer Chancen und Risiken bildet die Segmentierung auch das Fundament der strategischen Planung und damit den Ausgangspunkt zur Prognose der bewertungsrelevanten Zukunftserfolge.[27] Gemäß den Segmenten werden Werttreiber und ihre Ertragspotentiale als wesentliche Parameter des SHV identifiziert und in Form von Zahlungsströmen, unter Beachtung von Umwelteinflüssen, auf die Zukunft projiziert. Die Höhe des Zukunftserfolges ist dabei nicht zuletzt auch ein Maß für die Zuteilung der knappen Ressource EK auf die einzelnen Segmente.[28] Die Aufspaltung eines Kreditinstitutes in seine SGF führt im Zuge der Bewertung zu einer notwendigen Verringerung der Komplexität und damit zu mehr Transparenz bei der Identifizierung der Bewertungsparameter. Zu wissen welche Werthebel bzw. welche Chancen und Risiken in den einzelnen SGF existieren, ist unerlässlich für eine hohe Prognosequalität der Zukunftserfolge, welche einen erheblichen Einfluss auf den Wert des Kreditinstitutes haben.

2.4 Aufsichtsrechtliche Vorschriften

Kreditinstituten steht zur Abfederung von Verlustpotenzialen nur ein geringes EK zur Verfügung. Aus diesem Grund hat die Bankenaufsicht im Jahr 2004 die Internationale Konvergenz der Eigenkapitalmessung und der Eigenkapitalanforderungen (Basel II) fixiert.[29] Das Werk hat den Anspruch die regulatorischen EK-Anforderungen möglichst eng an die tatsächlich übernommenen Risiken der Institute zu koppeln, um Gläubiger vor Vermögensverlusten zu schützen. Das Instrument zur Protektion von Kreditinstituten und Gläubigern besteht aus drei Säulen. Säule I stellt auf die hinreichende Gesamtrisikovorsorge durch EK ab. Die Pflicht, als Kreditinstitut EK zur Deckung von Risiken besitzen zu müssen, kann den Unternehmenswert durchaus auch negativ beeinflussen.[30] Entwicklungen, wie ein außerplanmäßig wachsendes Geschäftsvolumen oder erhöhte Risiken, erfordern mehr EK, was ggf. die Parallelplanung der EK-Unterlegung negativ beeinflusst. Als Konsequenz kann dies zur Thesaurierung des für die Anteilseigner bestimmten Jahresüberschusses führen.[31] Szenarien dieser Art sind bei der strategischen Planung des Institutes zu berücksichtigen, da aufgrund der Knappheit des EKs eine effiziente Verteilung angestrebt wird.[32] Die zweite Säule gibt hingegen vor, wie die Berechnung des Gesamtrisikos aus den Einzelrisikopositionen zu erfolgen hat. Die daraus resultierenden Anforderungen an das Risikomanagement helfen Kreditinstituten ihre Risiken besser zu verstehen, zu messen, zu steuern und zu überwachen. Systeme, die die Einflussnahme auf Risiken ermöglichen und den bewussten Umgang mit Risikopositionen fördern, können zur Verringerung der Risiken selbst und damit zur Wertsteigerung des Kreditinstitutes führen.[33] Säule drei verlangt eine detaillierte Offenlegung in Sachen externer Rechnungslegung. Somit wird Marktteilnehmern eine Beurteilung der Risikopositionen ermöglicht. Eine erhöhte Transparenz führt aber unisono zu mehr Verwaltungsaufwand bzw. steigenden Kosten bei der Anpassung der Unternehmens- und Managementstrukturen.[34]

Mit der Solvabilitätsverordnung (SolvV) wurden im Jahr 2006 die Mindesteigenmittelstandards von Basel II in europäisches bzw. nationales Recht umgesetzt.[35] Demnach sind deutsche Institute dazu aufgefordert ihre Adressenausfallrisiken, operationelle Risiken und Marktpreisrisiken zu quantifizieren und mit EK zu unterlegen. Die SolvV löst damit den Grundsatz I ab und spezifiziert den für deutsche Kreditinstitute geltenden § 10 des Kreditwesengesetzes (KWG), welcher Aussagen über die Angemessenheit des vorzuhaltenden EKs macht. Es lässt sich sagen, dass mit den drei Säulen von Basel II bzw. der SolvV ein Apparat konzipiert wurde, der zu einer qualitativen Verbesserung des Risikomanagement und damit zu einem bewussten Umgang mit Risiken führt. Dies bedingt einen verstärkten Wettbewerb um Risikokapital, was auf lange Sicht zu einer intensivierten Wertorientierung und zu einem steigenden Unternehmenswert führen sollte.

3 Risiken als zentrale Bewertungsdeterminanten in Kreditinstituten

3.1 Risikosystematisierung

Da der Wert eines Kreditinstitutes maßgeblich von bankspezifischen Risiken determiniert wird,[36] muss für eine fundierte Bewertung ein genaues Abbild der Risiken erfolgen. Die Notwendigkeit einer präzisen Erfassung zeichnet sich auch dadurch ab, dass die Übernahme vielseitiger und sich kreuzender Risiken zum originären Geschäft von Kreditinstituten gehört.[37] Eine Systematisierung, die das Spektrum bankspezifischer Risiken überschaubar darstellt, ist die Folgende:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Systematisierung bankspezifischer Risiken[38]

Die vorangestellte Aufgliederung ist in Verbindung mit den Grundsätzen des Baseler Ausschusses zu sehen. Demnach lassen sich bankspezifische Risiken zunächst nach finanziellen und operationellen Risiken bzw. in externe und interne Leistungsbereiche aufspalten. Die Finanzrisiken untergliedern sich wiederum in Erfolgsrisiken (Marktrisiken, Adressenausfallrisiken) und Liquiditätsrisiken. Erfolgsrisiken zeichnen sich dadurch aus, dass sie direkt an den Erfolg eines Kreditinstitutes gekoppelt sind und die Gefahr bergen, den Erfolg zu mindern oder einen Verlust herbeizuführen.[39] Liquiditätsrisiken stehen hingegen in Verbindung mit einer möglichen Zahlungsunfähigkeit.[40] Da Kreditinstitute ein großes Interesse daran haben, Risiken im Sinne einer profitablen Geschäftstätigkeit richtig abzugrenzen, sollte mit der Risikostrukturierung eine Erfassung der Risikoursachen und eine Analyse der Risikowirkung einhergehen.[41] Ein kontinuierlich verbessertes Verständnis bzgl. bankspezifischer Risiken entbindet Kreditinstitute aber nicht, potentielle Verluste mit regulatorischem EK absichern zu müssen.[42] Im Sinne des Baseler Ausschusses dient das EK der Risikotragfähigkeit. Die Hinführung zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit Risiken soll Kreditinstitute dazu bewegen, die Höhe des vorzuhaltenden EKs anhand von geeigneten Modellen risikoadäquat zu quantifizieren. Um eine Brücke zwischen Risikoursache, Risikowirkung und einer bewertungsrelevanten Risikoquantifizierung zu schlagen, soll im Folgenden die bankspezifische Risikostruktur erläutert werden. Hierzu werden die vier Risikoklassen Marktrisiken, Adressenausfallrisiken, operationelle Risiken und Liquiditätsrisiken hinsichtlicht ihrer Einzelbausteine untersucht und später auf eine Quantifizierung hin ausgeforscht.

3.2 Bankspezifische Risiken

3.2.1 Marktpreisrisiken

Einen erheblichen Einfluss auf den Wertbeitrag von Bankgeschäften können Risiken haben, die aus Finanz- oder Warenmarktbewegungen resultieren. Hierunter lassen sich potentielle Verluste durch Aktienkurs-, Wechselkurs-, Zinssatz- und Rohstoffpreisänderungen verstehen.[43] Als Aktienkursrisiken betrachten Kreditinstitute die potentielle Gefahr der Wertänderung von Aktien, die sich im Eigenbestand befinden. Bezüglich der Höhe kann sich für das Institut ein partieller oder vollständiger Verlust der Vermögensposition ergeben. Aktienkursrisiken lassen sich wiederum nach individuellen Bonitätsrisiken der Emittenten und nach allgemeinen Aktienkursrisiken durch Gesamtmarktbewegungen unterscheiden.[44] Risiken, die sich aus der Schwankung von Aktienkursen ergeben, können sich zum einen auf den Wert des Anteilscheins selbst, andererseits auf Derivate und strukturierte Instrumente, denen Aktien zugrunde liegen, auswirken.[45] Wechselkursrisiken entstehen aus den möglichen negativen Wertänderungen von offenen Fremdwährungspositionen des Kreditinstitutes. Signifikante Risikoherde können beispielsweise Unterschiede in der nationalen Zinspolitik, der Leistungsbilanz oder des volkswirtschaftlichen Wachstums sein. Einflussfaktoren dieser Art führen bei Kreditinstituten immer dann zu einem Verlust, wenn bei einer Forderung in Fremdwährung der Wechselkurs steigt bzw. bei Fremdwährungsverbindlichkeiten der Wechselkurs sinkt.[46] Der Risiko- und Gewinnhebel steigt dabei durch die Anzahl der miteinander verknüpften Fremdwährungen. Zu der dritten Marktpreisrisikokategorie, die den Gesamterfolg des Institutes potenziell beeinträchtigt, gehören Zinsvolatilitäten am Geld- und Kapitalmarkt. Die Verlustgefahr besteht darin, dass die realisierte Bruttozinsspanne negativ von der prognostizierten Bruttozinsspanne abweichen kann.[47] Im Zuge dessen spielen variable Zinsänderungsrisiken eine wichtige Rolle, da aus Inkongruenzen in den Zinsänderungselastizitäten von Aktiv- und Passivpositionen Verschiebungen der Bruttozinsspanne resultieren können.[48] Im Gegensatz dazu entstehen Festzinsrisiken, wenn Festzinspositionen auf der Aktiv- bzw. Passivseite variabel verzinslichen Positionen auf der Passiv- bzw. Aktivseite gegenüberstehen. Festzinspositionen führen zu weiterem Risikopotenzial, wenn sie ungleiche Zinsbindungsfristen oder Tilgungsmodalitäten aufweisen. Das Risiko des Kreditinstitutes resultiert sowohl aus fallenden Marktzinsen, da schmelzende Zinserträge fixen Zinsaufwendungen gegenüberstehen können, als auch aus steigenden Marktzinsen, da es möglich ist, dass fixe Zinserträge mit steigenden Zinsaufwendungen konfrontiert werden.[49] Die vierte Komponente der vom Markt induzierten Risiken, bezieht sich auf die zum Teil sehr starken Volatilitäten von Rohwarenpreisen.[50] Rohstoffe wie z.B. Metalle, Energieprodukte, Genussmittel oder aber auch Münzen stellen, im Gegensatz zu den anderen drei Risikogruppen, physische Güter dar. Das Gesamtrisiko einer Rohstoffposition kann in vier Partikel zerlegt werden. Ein Teil des Rohwarenrisikos besteht in den Angebots- und Nachfrageschwankungen, also der Veränderung der Spotpreise. Das Basisrisiko, als zweiter Teil des Gesamtrisikos, ergibt sich durch Veränderungen des Preisverhältnisses substituierbarer Rohstoffe. Die dritte Komponente ist auf die Bestandhaltekosten bei Forward-Positionen und Optionen zurückzuführen, während der Forward Gap Risk, als letztes Teilrisiko, Terminpreisänderungen umfasst, die nicht aus Zinssatzänderungen resultieren.[51] Im Zuge der Bewertung muss beachtet werden, dass ein Bankgeschäft möglicherweise mehreren Marktpreisrisiken gleichzeitig ausgesetzt ist. So unterliegen ausländische Aktien beispielsweise einer kombinierten Gefahr aus Aktien- und Währungskursschwankungen.[52] Das Motiv der Kreditinstitute, hohe Marktpreisrisiken einzugehen, liegt in der Chance, mit Eigenhandelsgeschäften hohe Erträge erwirtschaften zu können.

3.2.2 Adressenausfallrisiken

Der Umgang mit Risiken aus Forderungsausfällen bezeichnet eine ureigene Herausforderung für Kreditinstitute. Verluste dieser Art resultieren vor allem aus dem Kreditgeschäft aber auch aus Finanzkontrakten des Eigenhandels.[53] Bei der Vergabe von Kundenkrediten besteht das Risiko darin, dass der Schuldner seiner Zahlungsverpflichtung aus dem Kreditvertrag nicht nachkommt und Sicherheiten nicht ausreichen, um die unterlassenen Zins- und Tilgungsleistung zu kompensieren. Adressenausfallrisiken im Eigenhandel ergeben sich, wenn das Kreditinstitut außerbörsliche Termingeschäfte mit einem Vertragspartner eingeht, der die vereinbarten Wertpapiere nicht oder nur teilweise per Termin liefern kann. Bei Terminkontrakten, die über die Börse gehandelt werden, genießt das Kreditinstitut hingegen eine Schutzfunktion durch die Clearing-Stelle.[54] Adressenausfallrisiken werden in die beiden Kategorien Bonitäts- und Länderrisiko unterteilt.[55] Das Bonitätsrisiko bildet das der Person oder dem Unternehmen zugrunde liegende individuelle Risiko ab und bezeichnet die Gefahr, ob und in welchem Umfang der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt. Verluste, die aus der Bonitätsverschlechterung des Schuldners resultieren, werden von Kreditinstituten bis zu einer gewissen Höhe erwartet und in Form von Standardrisikokosten auf die Kreditkonditionen umgelegt.[56] Aus der kundenspezifischen Bonitätsverschlechterung erwachsen also nur dann tatsächliche Risiken respektive unerwartete Risiken, wenn der durchschnittliche Adressenausfall eines Kundensegmentes höher zu Buche schlägt, als der bereits antizipierte Ausfall. Je schlechter die vom Kreditinstitut anfänglich eingestufte Bonität des Schuldners ist, desto höher sind die erzielbaren Margen bei Nichtausfall. Dieser Chance stehen allerdings erhöhte Risiken einer Wertvernichtung und der risikoadäquate Anstieg der Eigenkapitalunterlegung gemäß Basel II gegenüber.[57] Das Länderrisiko, welches bei der Bewertung von Sparkassen und Genossenschaften aufgrund ihrer eher regionalen Ausrichtung in den Hintergrund tritt, bezeichnet mögliche Verluste, die dadurch entstehen, dass Staaten den grenzüberschreitenden Kapitalverkehr beeinträchtigen.[58] Sowohl bei politischen Motiven, wie auch bei vorsätzlichen Vertragsbrüchen, fehlen den Kreditinstituten oft rechtliche Handhaben, um dem Verzug aus Kreditverträgen oder Termingeschäften entgegenwirken zu können.[59] Um das Bonitäts- und Länderrisiko zu minimieren, sehen sich Kreditinstitute der Herausforderung gegenübergestellt, ihre Gegenparteien eindringlich zu prüfen. Nützlich sind dabei Bonitätsbeurteilungen von renommierten Rating-Agenturen wie Standard and Poor´s, Moody´s oder Fitch. Diese und eine ständige Kontrolle des Geschäftsablaufes führen zwar nicht zur Resistenz gegenüber Adressenausfallrisiken, helfen Kreditinstituten aber potenzielle Verluste einzudämmen, wodurch eine nachhaltige Wertsteigerung erzielt werden kann.

3.2.3 Operationelle Risiken

Bei der Bewertung von Kreditinstituten sind neben den externen Risiken der Leistungserstellung und des Leistungsabsatzes auch Faktoren des internen Leistungsbereiches zu berücksichtigen. Selbst wenn eine überschneidungsfreie Abgrenzung operationeller Risiken von anderen Risiken nicht einfach erscheint,[60] sind Kreditinstitute daran interessiert, den genauen Einfluss auf den Unternehmenswert zu kennen, zumal die Bankenaufsicht eine pauschale Quantifizierung fordert.[61] Bislang ist noch keine einheitliche Definition operationeller Risiken gefunden. Wegweisend ist deshalb die Begriffsbestimmung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht. Dieser führt operationelle Risiken auf die Unangemessenheit bzw. auf das Versagen interner Verfahren, Menschen und Systeme oder auf externe Ereignisse zurück.[62] Vor diesem Hintergrund lassen sich operationelle Risiken in operative und strategische Gesichtspunkte aufspalten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Kategorisierung operationeller Risiken[63]

Unter dem technischen Risiko ist z.B. die Gefahr zu verstehen, dass ein Wertpapierhandelssystem ausfallen könnte, womit sich negative Auswirkungen auf Erfolg und Liquidität des Kreditinstitutes ergäben.[64] Katastrophenrisiken sind hingegen von der Gefahr abzuleiten, dass Brände, Erdbeben oder Terroranschläge, wie am 11. September 2001, negative Auswirkungen auf die operative Tätigkeit der Institute haben könnten. Bei Verhaltensrisiken Dritter ist insbesondere Irrtum, Fahrlässigkeit und betrügerisches Verhalten zu nennen. Das potenzielle Ausmaß wird am Fall „Jérôme Kerviel“ deutlich, der bei der Société Générale in den Jahren 2007 und 2008 durch unautorisierte Fehlspekulationen einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro verursachte.[65] Zu den strategischen Risiken gehört beispielsweise das Investitionsrisiko, welches bei der Ausrichtung von Geschäftsfeldern und des Produktportfolios eine Rolle spielen kann. So wurden bei der Deutsche Bank AG und der Dresdner Bank AG in der Zeitspanne zwischen Veröffentlichung der im Jahr 2000 geplanten Fusion bis zu ihrer Revidierung hohe Anteile an Marktkapitalisierung vernichtet.[66] Das Scheitern, welches wegen fehlender Synergieeffekte eingeleitet wurde, verdeutlicht zudem das Reputationsrisiko, da durch den Fusionsabbruch beide Banken einen Imageverlust erlitten.[67] Aufgrund ihrer überwiegend internen Beeinflussbarkeit sollten operationelle Risiken von den strategischen Geschäftseinheiten überwacht werden. Die Qualität interner und externer Überwachungssysteme (Corporate Governance) tritt dabei als Werthebel auf.

3.2.4 Liquiditätsrisiken

Unter dem Liquiditätsrisiko ist allgemein die Gefahr zu verstehen, dass der tatsächliche terminbezogene Bedarf an Zahlungsmitteln größer ist, als der vom Kreditinstitut geplante Bedarf. Da das Risiko maßgeblich durch Fristentransformation entsteht, kann der Großteil des Liquiditätsrisikos vom Kreditinstitut selbst gesteuert werden.[68] Das von der Fristentransformation abhängende Risiko, lässt sich in die Komponenten Refinanzierungs-, Termin- und Abrufrisiko zerlegen.[69] Das Refinanzierungs- oder Substitutionsrisiko beschreibt die Gefahr, keine adäquaten Anschlussfinanzierungen aufgrund fristgemäß abgerufener Einlagen tätigen zu können. Eine zusätzliche Verschärfung der Liquiditätssituation ist über Engpässe am Geld- und Kapitalmarkt denkbar, was zu schmelzenden Strukturbeiträgen führen kann. Entscheidende Parameter für die Verfügbarkeit liquider Mittel am Markt sind die Höhe des benötigten Volumens, der Zeitraum der Mittelüberlassung und der mit einer alternativen Mittelbeschaffung zusammenhängende Zinssatz.[70] Zu einem außerplanmäßigen Liquiditätsrisiko gehört das Terminrisiko. Dieses basiert darauf, dass zukünftige Zahlungsströme später erfolgen, als vom Kreditinstitut erwartet. An dieser Stelle sind Überschneidungen mit dem Adressenausfallrisiko möglich. Führt nämlich bereits eine Bonitätsverschlechterung des Schuldners oder ein in Kauf genommenes Länderrisiko zu einer Verzögerung bzw. einem Ausfall des erwarteten Zahlungsstroms, so kann sich diese Lücke in nächster Instanz zu einem Liquiditätsrisiko entwickeln.[71] Auf der anderen Seite kann das Terminrisiko auch in Form des Prolongationsrisikos auftreten. Aus Kulanz gewähren Kreditinstitute ihren Kunden Auszahlungen nicht fälliger Einlagen. Dieses Vorgehen, welches keinem rechtlichen Zwang unterliegt, muss in die Liquiditätsplanung einbezogen werden. Das Abrufrisiko, als dritte Einflussgröße bei der Liquiditätsbeschaffung, skizziert die Problematik, dass zugesagte Kredite einerseits unerwartet in Anspruch genommen, andererseits überlassene Einlagen unerwartet abgezogen werden. Entsprechend der Bodensatztheorie bauen Kreditinstitute darauf, dass ein gewisser Anteil fälliger Einlagen und genehmigter Kreditlinien nicht in Anspruch genommen wird.[72] Ein höherer als der mit den Erfahrungswerten kalkulierter Mittelabfluss könnte daher zu einem Liquiditätsengpass führen.[73] Grundsätzlich sollte es Kreditinstituten mit gutem Rating gelingen, Liquiditätslücken über den Geld- und Kapitalmarkt zu schließen. Dennoch kann schon allein das Gerücht über Liquiditätsprobleme Kunden dazu bewegen ihre Gelder in großem Stil abzuziehen (Bank Run). Der am 13. September 2007 von der britischen Hypothekenbank Northern Rock publizierte Liquiditätsengpass spiegelt genau dieses Szenario wider.[74] Auch wenn Liquiditätsrisiken nicht zwangsläufig zu einer Schieflage führen müssen, können sie doch einen entscheidenden Einfluss auf den Wert des Kreditinstitutes haben.

3.3 Eigenkapital zur Unterlegung unerwarteter Verluste

Kreditinstitute weisen in Relation zu ihren übernommenen Risiken ein wesentlich geringeres Verlustdeckungspotenzial als anderen Unternehmen auf. Aus diesem Grund hat das in Kreditinstituten eingesetzte EK insbesondere die Aufgabe Risiken abzudecken.[75] Im Sinne der Risikoquantifizierung stellt das EK also die Reserve dar, die zum Ausgleich eines unerwarteten Verlustes benötigt wird. Grundsätzlich werden drei Definitionen von EK unterschieden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Gegenüberstellung der Eigenkapital-Definitionen[76]

Während das bilanzielle EK nur einen untergeordneten Steuerungsimpuls für Kreditinstitute aussendet, wird das ökonomische und regulatorische EK zur Messung der Risikotragfähigkeit eingesetzt.[77] Das regulatorische EK kann als objektiver Vergleichsmaßstab für Kreditinstitute herangezogen werden, da sich die Mindestkapitalanforderung von Basel II explizit in dem für alle deutschen Kreditinstitute geltenden § 10 KWG bzw. der SolvV niederschlägt.[78] Nach der SolvV darf für die Unterlegung der Adressenausfallrisiken und die operationellen Risiken nur Kern- und Ergänzungskapital herangezogen werden. Das liquide Kernkapital (Tier 1-Kapital) besitzt die höchste Qualität in Bezug auf die Verlustausgleichsfähigkeit.[79] Dem Ergänzungskapital (Tier 2-Kapital) kommt hingegen, wegen seiner minderen Liquidierungsqualität, nur eine bedingte Funktion des Verlustausgleiches zu. Drittrangmittel (Tier 3-Kapital) hingegen dienen lediglich zur Unterlegung von Anrechnungsbeträgen aus Marktrisiken. Zusammengenommen bilden die drei Komponenten das anrechenbare EK nach der SolvV, welches Grundlage für die EK-Unterlegung nach dem sog. Kapitalkoeffizienten ist. Der Koeffizient, der täglich zu Geschäftsschluss mindestens acht Prozent der Risikopositionen zu betragen hat,[80] bezieht sich nicht auf Liquiditätsrisiken. Eine explizite Unterlegung dieser Risiken wird derzeit nicht gefordert, da die Liquiditätssteuerung der Kreditinstitute zu heterogen ist.[81] Tabelle 1 zeigt, dass die Kapitalkoeffizienten deutscher Großbanken übererfüllt sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Kapitalkoeffizienten deutscher Großbanken[82]

Auffällig ist ein bei allen drei Kreditinstituten fallender Kapitalkoeffizient, was vor allem darauf zurückzuführen sein dürfte, dass in den Kreditinstituten immer bessere Verfahren zur Risikoquantifizierung entwickelt werden, um präzisere Abschätzungen für Eigenkapitalunterlegungen vornehmen zu können.[83] Darüber hinaus dürfte der Kapitalkoeffizient durch den von den Anteilseignern induzierten und vom Management ausgeführten Anspruch an eine immer effizientere Allokation der knappen Ressource EK langfristig gegen acht Prozent tendieren. Die Deutsche Postbank AG scheint diesem Ziel mit 9,17% im Jahr 2007 am nächsten zu sein, während die großen Kreditinstitute Deutsche Bank AG und Commerzbank AG mit komplexeren Risikoportefeuilles im gleichen Zeitraum bei 10,77% (Commerzbank AG) bzw. 11,57% (Deutsche Bank AG) lagen. Das zunehmende Verständnis der internen Risikostrukturen dürfte sich, bei sachgerechter Umsetzung, positiv auf den Wert der Institute auswirken.

[...]


[1] Vgl. Weese (2007), S. 7.

[2] Vgl. Kunowski (2002), S. 7.

[3] Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Tröger (2003), S. 35.

[4] Vgl. Waschbusch (2000), S. 149.

[5] Vgl. Tröger (2003), S. 32 ff.

[6] Vgl. Copeland/Koller/Murrin (2002), S. 525 ff.

[7] Vgl. Höhmann (1998), S. 89 f.

[8] Vgl. Skrzipek (2005), S. 10 f.

[9] Vgl. Becker (2000), S. 169.

[10] Vgl. Bundesverband deutscher Banken e.V. (2006), S. 51.

[11] Vgl. Holzamer (2004), S. 17 ff.

[12] Vgl. Gross (2006), S. 9.

[13] Vgl. Skrzipek (2005), S. 15 f.

[14] Vgl. Büschgen (1998), S. 39.

[15] Vgl. Büschgen (1998), S. 41.

[16] Vgl. Weese (2007), S. 6.

[17] Quelle: Eigene Darstellung.

[18] Vgl. Tröger (2003), S. 28.

[19] Vgl. Büschgen (1998), S. 40.

[20] Vgl. Svetlozar (2000), S. 42.

[21] Vgl. Müller/Jöhnk/Bruns (2005), S. 331.

[22] Vgl. Kunowski (2003), S. 20.

[23] Vgl. Gross (2006), S. 22 f.

[24] Vgl. Becker (1999), S. 58.

[25] Quelle: Eigene Darstellung. Die Abgrenzung wurde gemäß Geschäftsbericht 2007 der Deutsche Bank AG (http://www.deutsche-bank.de) vorgenommen.

[26] Vgl. Coenenberg (2000), S. 773 f.

[27] Vgl. Büschgen (1998), S. 559.

[28] Vgl. Lange (2005), S. 132.

[29] Vgl. Löw (2005), S. 534.

[30] Vgl. Geltinger/Gerstmeier (2003), S. 178.

[31] Vgl. Gross (2006), S. 26.

[32] Vgl. Bahlinger (2004), S. 555.

[33] Vgl. Wolf (2003), S. 3.

[34] Vgl. Behr/Fischer (2005), S. 54.

[35] Vgl. Reichling/Bietke/Henne (2007), S. 21.

[36] Vgl. Fiege (2006), S. 68.

[37] Vgl. Tolkmitt (2007), S. 379.

[38] Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Kunowski (2002), S. 172; Lütke- Uhlenbrock (2007), S. 136.

[39] Vgl. Büschgen (1998), S. 919.

[40] Vgl. Zepp (2007), S. 50.

[41] Vgl. Kunowski (2002), S. 170.

[42] Vgl. Kunze (2007), S. 4.

[43] Vgl. Eisele (2004), S. 27.

[44] Vgl. Emse (2005), S. 120.

[45] Vgl. Kläusler (2001), S. 76 ff.

[46] Vgl. Zepp (2007), S. 44.

[47] Vgl. Rolfes (1985), S. 20.

[48] Vgl. Büschgen (1998), S. 1031.

[49] Vgl. Zepp (2007), S. 42.

[50] Vgl. Kläusler (2001), S. 90.

[51] Vgl. Gallati (2003), S. 87.

[52] Vgl. Kyrer (2001), S. 12.

[53] Vgl. Kläusler (2001), S. 85.

[54] Vgl. Eisele (2004), S. 26.

[55] Vgl. Lütke-Uhlenbrock (2007), S. 136 f.

[56] Vgl. Riess/Schmied (2004), S. 792.

[57] Vgl. Cluse/Göttgens (2007), S. 91.

[58] Vgl. Kunowski (2002), S. 188 f.

[59] Vgl. Kläusler (2001), S. 85.

[60] Vgl. Wiedemann (2003), S. 19 f.

[61] Vgl. Kunowski (2002), S. 201 ff.

[62] Vgl. Kunze (2007), S. 38.

[63] Quelle: In Anlehnung an Wiedemann (2003), S. 22; Schierenbeck (2001), S. 5.

[64] Vgl. Scharpf/Luz (1996), S. 98.

[65] Vgl. Pickert, Matthias (2008), S. 49 f.

[66] Vgl. Wirtz (2006), S. 246.

[67] Vgl. Kunze (2007), S. 35.

[68] Vgl. Büschgen (1998), S. 899.

[69] Vgl. Lütke-Uhlenbrock (2007), S. 137 f.

[70] Vgl. Zepp (2007), S. 51.

[71] Vgl. Büschgen (1998), S. 900.

[72] Vgl. Kaiser (2006), S. 114.

[73] Vgl. Büschgen (1998), S. 900.

[74] Vgl. Rothengatter/Schaffer (2008), S. 228.

[75] Vgl. Eisele (2004), S. 205.

[76] Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Zepp (2007), S. 79.

[77] Vgl. Zepp (2007), S. 78 f.

[78] Vgl. Reichling/Bietke/Henne (2007), S. 23 ff.

[79] Vgl. Scherpereel (2006), S. 130.

[80] Vgl. Nikoleyczik (2007), S. 156 f.

[81] Vgl. Löw (2005), S. 156.

[82] Quelle: Eigene Darstellung. Die Daten wurden den jährlichen Geschäftsberich- ten der Deutsche Bank AG (http://www.deutsche-bank.de), der Commerzbank AG (http://www.commerzbank.de) und der Deutsche Postbank AG (http://www. postbank.de) entnommen.

[83] Vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Januar 2002, S. 53.

Details

Seiten
89
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836619783
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226173
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Wirtschaftswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre
Note
1,7
Schlagworte
bankwesen kreditinstitut risikomangement kreditrisiko unternehmensbewertung

Autor

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Titel: Erfassung bankspezifischer Risiken bei der Bewertung von Kreditinstituten