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Kreative Therapiemethoden im Rahmen einer Biblisch Therapeutischen Seelsorge

Der Mensch als ganzheitliches Gegenüber Gottes

Diplomarbeit 2001 78 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Zu meiner Person

Einleitung und Zusammenfassung

1 Standortklärung
1. 1 Biblisch - christliches Menschenbild
1. 2 Biblisch – christliche Weltanschauung

2 Begriffsbestimmung
2. 1 Seele und Sorge
2. 2 Seelsorge
2. 3 Biblisch Therapeutische Seelsorge
2. 4 Methoden in der Seelsorge

3 Ganzheitlichkeit
3.1 Gehirnhälften: die ungleichen Zwillinge
3. 2 Kreativität
3. 3 Kreativitätstherapien: aus psycholog. Sicht
3. 4 „ aus biblischer Sicht

4.1 Multimediale Kunsttherapie
4.2 Kunsttherapie in der Biblisch Therapeutischen Seelsorge
4.3 Vom Sinn der Sinne

5 Praktische Anwendung
5.1 Atem und Klang
5.2 Stimme und Gesang
5.3 Musik und Dichtung als Kreativer Prozeß
5.4 Das Wort als Therapie
5.5 Spielarten der Musiktherapie
5.6 Bewegen und Tanzen
5.7 Malen, Gestalten und Darstellen

6 PRAXIS
6.1 Praxis: Kreative Therapie Methoden in der Gruppe
6.2 Praxis: Kreative Therapie Methoden in der Einzelberatung
6.3 Integrative Seelsorge am Beispiel Paarberatung

7 Literaturliste

Einleitung und Zusammenfassung:

Warum und wozu Kreative Therapie Methoden im Rahmen der BTS ?

Ich bin seit vielen Jahren Ansprechperson für seelsorgerliche Nöte. Dabei ist mir als kreativem, sinnlich begabtem und sehr lebendigem Menschen aufgefallen, wie trocken, wie verkopft, wie wenig sinnesfreudig und fröhlich viele Christen sich durchs Leben bewegen. In nicht wenigen kirchlichen Gemeinden erlebe ich Mißtrauen gegenüber froher Farbigkeit, begnadeter Musik, Freude an Bewegung, Leibfeindlichkeit, Abwehr gegen alle Arten von Kreativität und Kunst.

Warum ? Wie kann eine solche Gesinnung dem ersten Gebot: „Liebe den Herrn Deinen Gott mit allen Sinnen“ gerecht werden ? Ich bin überzeugt, Gott hat uns mit so vielseitigen Sinnen ausgestattet, damit wir „Freude die Fülle“ haben. Jede Zeit hat ihre speziellen Nöte; will Seelsorge hilfreich sein, muß sie eine Antwort auf diese Nöte finden. Ich bin zu der Gewißheit gekommen, daß Gott uns gerade für die Nöte unserer Zeit Kreative Therapie Methoden wiederentdecken läßt.

Es ist mir ein besonders Anliegen, gerade gläubigen Menschen zu helfen, ihren Sinneswahrnehmungen wieder zu trauen, sie zu üben im Atmen und Singen, im Bewegen und Tanzen, im Malen und Modellieren, im Schreiben und Darstellen – ihren Körper zu spüren, ihn als Wohnung, als kostbares Geschenk, als lebendiges Wunder anzunehmen, als Tempel des Heiligen Geistes, um zu einer vertrauensvollen Ganzheitlichkeit zurückzufinden, aus der heraus sie den Schöpfer wirklich mit allen Sinnen lieben und loben können. „Gott ich danke Dir, daß du mich so wunderbar gestaltet hast“. (Ps. 139,14)

Auch erlebe ich als Kunsttherapeutin, wie manche frühe Verletzungen erst durch Kreative Methoden zugänglich werden und manche verholzten Verhaltensstörungen, präverbale Lebensstrategien auf einmal in einer Malerei, in Bewegungsabläufen, im Darstellen einer Märchenfigur dem Akteur so deutlich werden, daß sie erkannt und neu bearbeitet werden können.

Im theoretischen Teil dieser Diplomarbeit werde ich ein Bild davon aufzeigen, was die Bibel unter „Seele“ und Seelsorge versteht und was die Heilige Schrift zu Kreativität und dem Gebrauch aller Sinne sagt. Im weiteren werde ich theoretische Grundlagen einiger kreativen Therapiemethoden vorstellen. Im praktischen Teil werde ich anhand diverser Fallbesprechungen versuchen aufzuzeigen, wie Kreative Therapiemethoden innerhalb einer Integrativen Therapeutischen Seelsorge hilfreich zur Anwendung kommen können.

Zusammenfassend: Ich hatte die feste Absicht, eine wissenschaftliche Diplomarbeit zu schreiben. Nun da sie vor mir liegt, habe ich eher den Eindruck, es ist eine Ode an die unfaßbare Weisheit unseres Schöpfers geworden, der für alles, was wir zum Heil und zur Heilung bedürfen, schon von Anbeginn der Schöpfung vorgesorgt und uns geschenkt hat.

Zu meiner Person

In der Ungeborgenheit meiner Kindheit habe ich etwas wesentliches gelernt: selber zu denken und alles zu hinterfragen: Warum soll etwas so sein und nicht vielmehr anders ?

Es ist mir ein großes Bedürfnis, zu verstehen und in der Folge verstanden zu werden und das Erkannte, Verstandene zu teilen und weiterzugeben.

Als ich mich der Begegnung mit Jesus stellte, lernte ich zu vertrauen, lernte ich, daß es etwas gibt, das ich nicht mehr zu hinterfragen habe: die heilige Schrift. Vorerst vertraute ich geradezu blindlings dem, was in den freikirchlichen Gemeinden verbal und nonverbal gelehrt wurde. Bis mich persönliches Leiden lehrte, daß in Gemeindenormen auch viel unstimmiges, krankmachendes mittransportiert werden kann. Ich litt selber große Not an Normen, die nicht der weisheitlichen Schöpfungsordnung entsprechen und doch als solche eingefordert werden. Ich kam an die Grenzen der gängigen Seelsorgekonzepte. In einer existenziellen Lebens- und Glaubenskrise kam eine Einladung zu dem ersten BTS - Grundkurs in Österreich. Ich empfand dies damals wie eine Himmelsbotschaft. Im folgenden machte ich die ganze BTS – Ausbildung und möchte festhalten, daß mir dies im Leben und im Glauben grundlegend weitergeholfen hat. Im weiteren sah ich mich geführt, „aus der Not eine Tugend zu machen“. Nach entsprechender fachlicher Ausbildung leite ich seit 1999 eine eigene Beratungsstelle für Christliche Lebensberatung und Seelsorge. Ich erfahre mich als eine, die Hilfe erfahren hat und diese Hilfe weitergeben möchte.

Für meinen schöpferischen Charakter hat dieses „mit-teilen“ und „weiter-geben“ die Bedeutung des Ausdrucks meiner wiedergewonnenen Lebensfreude, meiner Dankbarkeit und meines Staunens über Gottes Größe, die geteilt, mitgeteilt, sich vervielfältigt.

Ausbildungsweg: Bürokaufmännische Ausbildung, Sprachstudium Englisch, Franzö-sisch, Niederländisch; Kunst- und Literaturgeschichte, Philosophikum für Künstler: Die Geschichte der Denkstile der Menschheit; Biblische Theologie; Ausbildung Biblisch therapeutische Seelsorge; Ausbildung zur Dipl. Sozialarbeiterin, Konzession für Lebens- und Sozialberatung, Ausbildung zur Multimedialen Kunsttherapeutin (ÖAGG).

Praktische Erfahrung: Reisetätigkeit, Studienaufenthalte und Arbeitserfahrungen in ca. 12 Ländern Europas, Nordafrikas und Asiens. Seit 26 Jahren verheiratet, 30 Jahre pädagogische Erfahrung mit sechs eigenen und vielen fremden Kindern; zehn Jahre Führung einer biologischen Landwirtschaft, Mitarbeit in Sozialen Aktionen, bei Amnesty International, in Diakonischen Werken und kirchlichen Gemeinden, Kinder-, Jugend-, Frauen- und Familienarbeit; seit ca. 15 Jahren seelsorgerliche Beratungstätigkeit.

Nach Aufenthalten in evangelisch-reformierten, jüdischen, islamischen, hinduistischen und buddhistischen Ländern 1980 Bekehrung zum biblischen Christentum.

Zugehörigkeit und Mitarbeit im Rahmen der Evangelischen Allianz weltweit.[1]

1. Standortklärung

1.1 Biblisch - christliche Weltanschauung

Die Schöpfung ist ein von Gott hervorge­brachtes Gegenüber Gottes, das Gott will. Der Grund, daß es eine Welt gibt, liegt somit in Gott. Gottes Für-uns ist bereits da, bevor der Mensch überhaupt existiert; weil Gott sich selbst mittei­len will, darum ist Schöpfung durch Gottes Schöpferwort geworden. Die göttliche Weisheit strukturiert die Schöpfung und wohnt ihr inne.

Das Bekenntnis von Gott dem Schöpfer hat einen seiner Zielpunkte in der Aussage: ,,Ich bin der Herr, dein Gott" (vgl. 1. Gebot; 2. Mose 20,1ff). Gott dokumentiert diesen grund - sätzlichen Anspruch auf den Men­schen als Schöpfer durch die Erwählung und Befreiung Israels. Das Ich-Du Verhält­nis dominiert und steht wie auch sonst im christlichen Glauben am Anfang.

Die Schöpfungslehre ist weder Naturphilosophie noch Naturwissenschaft. Sie fragt nicht nach der wissenschaftlich zu erhebenden Wesenheit, die sich im Individuum zur Erscheinung bringt, sondern nach der von Gott gesetzten Definition und Bestimmung aller Geschöpfe. Diese besagt, daß der Mensch, die Kreaturen und der ganze Kosmos auf Gott, den Schöpfer, bezogen sind. In der Bibel haben wir es nicht mit unpersönlichen Prinzipien zu tun, sondern mit dem lebendigen Gott. Er wird zuerst und vor allen Dingen als der erkannt, der den Menschen von der Macht des Bösen erretten kann und zu seinem Heil in der Geschichte handelt.

Die Mitte der Bibel ist und bleibt die Heilsverkündigung, der auch die Schöpfungsgeschichte untergeordnet wird.[2]

- Gott ist der Bewirker alles Lebendigen. Der Gottesodem ist als die lebensweckende und lebenserhaltende, vitale Kraft in allem Lebendigen zu verstehen.

Diese Kraft hat keine Selbstmächtigkeit außer Gott und verschafft der Kreatur dem Schöpfer gegenüber keine Unabhängigkeit. Im Gegenteil: In der Anwesenheit des Gottesodems als Voraussetzung für alles Leben erkennen wir Gottes Mitsein mit der Schöpfung und seine Verbundenheit mit ihr.

Das Suchen Goethe’s - „(...)daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ - findet hier die Antwort: Die Einheit alles Seienden, die allesamt durchs Wort geschaffene, tragende und erhaltene Wirklichkeit sind die sich im Schöpfungshandeln verwirklichenden Schöpfergedanken Gottes - der Gottesodem. Es ist diese Kraft und Macht, die die Schöpfung möglich macht und erhält.

- Auch in ihrem Sein in der Zeit bleiben die Geschöpfe auf den Schöpfer angewiesen. Als durch sein Wort geschaffen bleibt die Welt auf das Schöpferwort angewiesen.
- Weil Gott seine Welt will und liebt, will er sie auch erhalten. Das Erhalten vollzieht sich im steten Neuwerden. (Ps. 104,30)
- In allen Dingen erweist sich Gott als der, der seine Schöpfung über das Erhalten hinaus auf eine nicht innerzeitliche Zukunft bewahrt. Gott will die Schöpfung auf ein anderes Ziel hin erhalten. Das Erhaltenhandeln Gottes soll sich in einer neuen Schöpfung, die an die alte anknüpft, vollenden. Gott selbst stellt sich als Garant dafür, denn er verheißt seiner Gemeinde: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb. 21,5)
- Die Menschwerdung Gottes in Christus, sein Wirken, sein Tod und seine Auferstehung sind schon die vorausweisenden Zeichen des Anbruchs eines neuen Äons, eines neuen Schöpfungs-Zeitalters, indem der Mensch durch Glauben erlöst und heil werden kann. Erlösung muß als die Wiederherstellung von Gottes Absichten in der Schöpfung und ihre Vervollständigung angesehen werden und nicht als kompletten Plan B ohne Bezug zum Schöpfer.
- Im Bericht über den Sündenfall ist der Status quo vollständig erklärt: Die Probleme dieser Welt sind grundsätzlich auf die Entscheidung des menschlichen Herzens zurückzuführen: ohne Gott zu herrschen. Seither ist sie getrübt, darum entdecken wir überall Widersprüche, eine Mischung zwischen Gut und Böse. Nicht nur in der Einzelperson, sondern in allen Gesellschaften und Kulturen - Menschen gegen Menschen, Mann gegen Frau, die Menschheit gegen die Erde ! (Ambivalenzgesetz)
- Selbst als die Menschen aufhörten Gott anzubeten (1. Gebot), hörten sie nicht auf anzubeten: von rohen Statuen über Sexsymbole, wirtschaftlicher Sicherheit und politi-scher Macht, Wissen, Schönheit, Jugend, Kult und Kultfiguren überall, Götzendienst als Ausdruck der Suche nach einem höchsten Wert, dem der Mensch sich hingeben kann.

FAZIT: Die biblisch-christliche Schöpfungs- und Heilslehre nimmt auf einzigartige Weise die großen Fragen der menschlichen Existenz ernst und beantwortet sie hoffnungsvoll und für jedermann verständlich. (So man sich dafür entscheidet.[3] ) Sie befriedigt daher meines Erachtens wie keine andere die Grundbedürfnisse des Menschen nach Sicherheit, Identitätsfindung und Beauftragung (Lebenssinn und Zukunftsperspektive). Kritiker meinen, sie führe zu Abhängigkeit von Gott. Genau das ist Ziel der christlichen Offenbarung, denn nur die Abhängigkeit von Gott kann zu Unabhängigkeit von Anderem, das versklavt, verhelfen; das ist die „Freiheit“, die vom christlichen Standpunkt aus gemeint ist.

1.2 Biblisch – christliches Menschenbild

Wer bist du, ADAM ?[4]

1. Der Mensch ist Erdwesen: „adama“ (hebr. Ackererde), Adam = Wesen aus Erde

„Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker.“ (1.Mose 2,7)

Der Mensch ist aus Erde und kehrt zu ihr zurück (1. Mose 3,19),d.h. der Mensch ist ein endliches Wesen. Erdwesen Mensch: verwandt mit dem Lehm, dem Grün und dem Fluß, dem Felsen und Regen, der Luft, dem Licht und dem Schatten...

2. Der Mensch als Lebewesen:

„Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde und blies ihm ein den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch eine lebendige Seele“

Mit seiner ganzen Lebendigkeit, seiner Bedürftigkeit, seiner Verletzlichkeit ist der Mensch abhängig von Gottes Odem.

Auch die Tierwelt ist abhängig von Gottes Odem, der lebendig macht. 1.Mose 1,20, 24. Im Menschen gibt es also Schichten, die dem Tier ganz verwandt sind. Auch der Mensch ist ein von Trieben und Hormonen gesteuertes Wesen. Es hungert und dürstet ihn genauso wie diese. Ob Pflanzen oder Tiere, Gewässer oder Luft, sie alle stehen unter Gottes Fürsorge.

3. Der Mensch als weltgestaltendes Wesen:

Der Mensch soll die Welt, die ihn umgibt, formen und prägen.

1.Mose 1,28: „Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie ‹euch› untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen.“

„Machet euch die Erde untertan!“ Dieser Auftrag hängt wiederum zusammen mit der entscheidenden Grenze zwischen Schöpfer und Geschöpf. Diese Grenze begründet zum einen die Solidarität der Geschöpfe, zum anderen bedeutet sie, daß Gott seiner Schöpfung gegenübersteht. Erst dieser Auftrag ist Boden für Kultur und der Mensch ist beauftragt, weltgestaltendes, weltveränderndes, weltbewahrendes Wesen zu sein.

4. Der Mensch als denkendes Wesen:

und hierin beginnt die Unterscheidung zum Tier:

Das Recht „Namen zu geben“ bedeutet das Recht des Herrschers.

1.Mose 2,19: „ Und Gott, der HERR, bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels, und er brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde; und genau so wie der Mensch sie, die lebenden Wesen, nennen würde, ‹so› sollte ihr Name sein.“

Wenn die Mutter dem Kind erklärt: Sieh, das war der Blitz; paß auf, gleich kommt der Donner!“ ist die „namen-lose Angst“ gebannt, denn die Mutter hat einen Namen dafür.

Verstehen - geistig einordnen - begreifen - Begriffe bilden - in Worte fassen - sie zueinander in Beziehung zu setzen - in logische Ordnungsstrukturen fassen. Der Mensch hat also die Fähigkeit und den Auftrag, Eindrücke geistig zu ordnen, „sie zur Sprache“ zu bringen.

5. Der Mensch als soziales Wesen:

Der Mensch ist immer auf Mitmenschen hin angelegt:

1.Mose 2,18: „Und Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei[a]; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht[A][b ].“ A) o. als sein Gegenüber; w. wie seine Entsprechung a) Pred 4,9

Warum das nicht gut ist, wird im Alten Testament sehr plastisch gesagt:

z.B. in Prediger 4,9 –11:

„9 Zwei sind besser daran als ein einzelner[a], weil sie einen guten Lohn für ihre Mühe haben. a) 1.Mo 2,18; Mk 6,7

10 Denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Gefährten auf. Wehe aber dem einzelnen, der fällt, ohne daß ein zweiter da ist, ihn aufzurichten!

11 Auch wenn zwei ‹beieinander› liegen, so wird ihnen warm[a]. Dem einzelnen aber, wie soll ihm warm werden?“ a) 1Kö 1,1.2[5]

Die Entsprechung und das Miteinander von Mann und Frau auch in der Sexualität ist von Gott geschaffen und gewollt.[6]

6. Der Mensch als Wesen vor Gott:

Das Entscheidende: Gott will Gemeinschaft mit dem Menschen .

Indem Gott den Menschen anredet, wird der Mensch im Grunde erst zum Mensch. So versteht Martin Buber: „das ICH wird am DU“. Ich werde herausgerufen aus allen anderen geschaffenen Dingen, ich bin nicht ein Staubkorn, ein Eichhörnchen oder ein Es, sondern ich stehe vor Gott und habe einen Namen.

Gott sucht den Menschen als sein personhaftes Gegenüber, als Partner. Hier definiert sich die Identität des Menschen. Der Gott, der die Welt durch sein Wort ins Leben rief, ist auf das Wesen aus, das ihm Ant-Wort gibt.

1.Mose 2,16: „Und Gott, der HERR, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen, 17: aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon ißt, mußt du sterben.“

Hier geschieht etwas ganz Entscheidendes: Gott, der Schöpfer der Welt, spricht mit dem Geschöpf Mensch. Und was sagt ER: Er gibt ihm seinen Bereich „von allen Bäumen darfst du essen“ und seine Grenzen: “..von einem Baum iß nicht!“ Der Mensch kann, aber es wird ihm nicht gut tun ! (Lerne, der Versuchung zu widerstehen!)

Das ist die entscheidende „Grenzsituation“ in der der Mensch steht, solange er lebt.

Einen Krokus oder einen Maulwurf oder Planeten frägt Gott nicht, den Menschen aber frägt er: Willst du ja dazu sagen, in dem Rahmen zu leben, den ich, dein Schöpfer für dich geschaffen habe ?

Hier geht es um die Menschwerdung des Menschen. Hier wird er in die Freiheit gerufen, wird vor die Entscheidung gestellt: Bist du für mich oder gegen mich ? Diese Frage steht immer im Raum, solange es Menschen gibt.

7. Der Mensch als Ebenbild Gottes:

1.Mose 1,27: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.“

Nach seinem Bilde: sein Bild ist in das Herz des Menschen eingegraben.

Gott stellt mich, den Menschen, als sein Abbild der Welt gegenüber, damit sie seine Art und seinen Stil erkennen kann; und als sein Repräsentant gibt er mir die Verantwortung für die von ihm geschaffene Welt. Hier wird die Identität des Menschen definiert. Das ist der Stoff, aus dem die „Menschenwürde“ gemacht ist. Jeder Mensch, sei er noch so „unnormal“ oder „ungeboren“ oder alt oder krank hat die Würde, daß Gott seine Welt nicht ohne ihn wollte und ihn für eine neue Welt vorgesehen hat.

2 Begriffsbestimmung

2.1 Seele und Sorge

Was wollen wir unter Seelsorge verstehen, wenn wir uns der Sache über den Begriff „Seele“ nähern ?

Im Sinne einer Hebräischen Anthropologie: „Im allgemeinen sieht das stereometrisch – synthetische Denken ein Körperglied zusammen mit seinen speziellen Tätigkeiten und Fähigkeiten und diese wiederum sind als Kennzeichen des ganzen Menschen vorgestellt“.[7]

SEELE (hebr. näphäsh; griech. psyche) kommt 755 im Alten Testament vor.[8]

Zum ersten Mal in 1.Mose 2,7: „da bildete Gott, der HERR, den Menschen[a], ‹aus› Staub vom Erdboden[b] und hauchte in seine Nase Atem des Lebens[c]; so wurde der Mensch eine lebende Seele[d].“ a) Kap. 1,27 b) Kap. 3,19.23; 1Kor 15,47 c) Hi 33,4; Sach 12,1; Apg 17,25 d) Hes 37,5.6; 1Kor 15,45

Durch das Einhauchen des Lebensatems durch den Schöpfer ist der Mensch eine lebende Seele. (Er hat nicht nur Seele, wie Platon das dachte)

Was aber ist der Mensch als näphäsh ?

Seelsorge, wie die Bibel es versteht, ist nicht Sorge um die Seele des Menschen, (das wäre griechische Dichotomie[9] ); sondern Seelsorge ist die Sorge um den Menschen als Seele, also Sorge um seine ganze Lebendigkeit.

Wie können wir nun den hebräischen Begriff näphäsh in unser westliches – deutschsprachiges Denken übersetzen ? Im Sinne des obigen einleitenden Satzes über Alttestamentliche Anthropologie[10] müssen wir das Körperglied zusammen mit seinen speziellen Tätigkeiten und Fähigkeiten als Kennzeichen des ganzen Wesens Mensch verstehen.

a) näphäsh steht für: Schlund, Rachen, Gurgel, Kehle (Jes.5,14)

das Organ des Atemvorganges und der Nahrungsaufnahme: nach Luft schnappend,

(Jer. 2,24) durstig, hungrig, nach dem, was lebendig macht, (Hab.2,5; Pred.6,7)

Der Mensch als näphäsh ist der Bedürftige, dessen Hunger nie endgültig gestillt ist.

> Seelsorge ist Sorge für die elementarsten Lebensbedürfnisse

b) näphäsh steht auch für das Organ, durch das der Lebensodem kommt und geht.

im Sinne von Gurgel: die verletzlichste Stelle im Körper des Menschen.

Drückt man ihm die Gurgel zu, ist alles aus.

> Seelsorge ist Sorge für den Menschen als verletzliches Wesen

c) näphäsh im Sinne von Rachen: im Rachenraum entsteht die Stimme, mit der der

Mensch Kommunikation aufnehmen kann mit dem Schöpfer und seinen Mitmenschen;

zugleich ist der Rachenraum engstens verbunden mit dem Hörorgan, das zum Hören,

Horchen, Ge-horchen dient. Klang aus dem Universum dringt direkt in unseren Leib

ein, unsere ganze Existenz ist als Resonanzkörper geschaffen. Näfäsh als

Kontaktorgan, als Hörrohr zum Schöpfer hin, als Empfänger von Weisung und

Inspiration. „ Wer Ohren hat zum Hören, der höre “ Mk. 4,9

> Seelsorge ist Sorge für den Menschen als beziehungsbedürftiges Wesen

d) näphäsh als Organ, durch das der Lebensodem bis in die Lunge, bis in das Herz

und in die Geschlechtsorgane, durch das Blut in den gesamten Körper dringt und

wieder ausströmt: Herz oder Gemüt als Sitz der Empfindungen und Gefühle.

> Seelsorge ist Sorge für das Erleben und Fühlen des Menschen

e) näphäsh als Organ des Denkens, Erkennens und des Willensentschlußes:

(1.Sam. 20,4; Psalm 139,14; 1.Mose 23,8)

> Seelsorge schließt die Sorge um die kognitiven Prozesse des Menschen,

sein Denken und Verhalten mit ein.

f) näphäsh bezieht sich also ursprünglich nicht auf eine Sache, sondern auf einen

Zustand, nämlich diejenige Kraft, die aus einem Körper ein lebendiges Wesen

macht.

> Seelsorge ist Sorge für die den Lebensvorgang gestaltende Kraft

g) näphäsh kann schließlich als das Leben selbst bezeichnet werden: die ganzheitliche

Zusammengehörigkeit des lebendigen Organismus. näphäsch = Ich bin

> Der Mensch als SEELE ist also das lebendige, bedürftige ICH BIN

Ich bin bedürftig nach Wärme, Essen und Trinken, nach Gemeinschaft und Trost, nach Ermutigung, nach Anerkennung und Lob, nach Vergebung, nach Heil.

Bedürftig nach Identität, Beauftragung, Sinnhaftigkeit, Zielvorstellung, Erlösung.

näphäsh = ich fühle, also bin ich, ich denke also bin ich, ich liebe und leide, also bin ich

ich sterbe, also lebe ich; ich habe Sehnsucht nach Gott, also muß ER sein.

> näphäsh - steht für den Menschen, dessen gesamtes Wesen nach Gott dürstet.

Weil näphäsh das von Gott gegebene Leben eines bestimmten Geschöpfes meint, also jeweils auf einen speziellen Schöpfungsakt Gottes zurückzuführen ist und damit keine selbständige, von Gott losgelöste Existenz sein kann, kann sie nur gesund und heil sein, wo sie in ungebrochener Gemeinschaft mit Gott lebt und strebt.

Psalm 42,2f: „ Wie eine Hirschkuh lechzt nach[A] Wasserbächen, so lechzt meine Seele nach dir, o Gott! A) w. über den Wasserbächen. Meine Seele dürstet nach Gott [a], nach dem lebendigen Gott[b]: [c] Wann werde ich kommen und Gottes Angesicht schauen?“ a) Ps 63,2; 143,6 b) Ps 84,3; 1Tim 4,10 c) 2Mo 23,17”

Ein volkstümlicher Spruch auf einem alten Kärntner Bauernhaus: „Der Geist des Menschen wird nicht satt, von allem was die Erde hat,den Menschen sättigt nicht die Zeit, ihn sättigt nur die Ewigkeit.“

„Meine Seele ist unruhig (im mir), bis sie Ruhe findet in dir!“ (Augustinus)

Darum soll der Mensch auf sie achthaben, ja der Glaubende trägt sie wie den kostbarsten Schatz ständig in seinen Händen.

Jos 23,11: „So achtet um eures Lebens willen[a] genau darauf[A], den HERRN, euren Gott, zu lieben[b]!“ A) o. so achtet genau auf eure Seelen

a) 5Mo 4,9.15; Apg 20,28 b) 5Mo 30,16.20

Mt 11,29: „Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir[a]! Denn ich bin sanftmütig[b] und von Herzen demütig[c], und »ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen [d]«“; a) Eph 4,20 b) Ps 45,5 c) Sach 9,9; 2Kor 10,1 d) Jer 6,16

Wann ist „näfäsh“ krank ? Der Sündenfall

1.Mose 3,10: „Da sagte er: Ich hörte deine Stimme[A] im Garten, und ich fürchtete mich, weil ich nackt bin[a], und ich versteckte mich. A) o. das Geräusch; V. 10: dein Geräusch a) Offb 16,15“

Der Mensch ist mit Gott auseinandergeraten. Dieser Verlust des Urvertrauens zum Schöpfer erzeugt nun eine ins sichtbare sich verdichtende innere Blöße. Es ist eine leiblich faßbare, innere Entkleidung. Der Mensch fühlt sich ausgesetzt, wehrlos, ungeborgen, weil er mit Gott auseinander geraten ist. Sein Selbstwertgefühl hat sein Fundament verloren. Ursprung aller Scham: ich habe keinen mehr der mich erkennt und liebt, so wie ich bin, unbekleidet, unverkleidet, ohne Maske.

1.Mose 3,21: „Und Gott, der HERR, machte Adam und seiner Frau Leibröcke aus Fell und bekleidete sie.“

Gott tut für den an ihm zweifelnden Menschen das, was er in seiner ihm bewußt werdenden Not unmittelbar braucht. Er sieht, wo der Mensch seine Not hat, holt ihn dort ab – auch wenn er weiß, daß das wahre Bedürfnis dahinter eigentlich ein anderes ist. – Er bekleidet ihn. Er deckt seine Blöße zu. Um seine „hier und jetzt Not“ zu lindern.

Er hält ihm nicht lange kluge Reden über verlorenes Vertrauen und wie dieses wieder zu gewinnen sei.

Hier lernen wir von Gott die Fürsorge für den ganzen Menschen – gerade auch für seine leiblichen und gefühlsmäßigen Bedürfnisse. Für Gott sind diese nicht nachrangig.

ER sorgt für näphäsh, für die den Lebensvorgang gestaltende Kraft.

Gottes Fürsorge für dieses sich von ihm abgewandtes Geschöpf zieht sich durch die ganze Schrift. Die Bibel ist das Geschichtenbuch der Seelsorge Gottes für den von ihm entfremdeten, ausgesetzten, entblößten, hilfsbedürftigen, gefährdeten Menschen.

Gottes Sorge um den Menschen personifiziert:

Johannes 19,28 : „Mich dürstet!“ (Psalm 22,16)

Gott enthüllt sich als der, der ein Bedürftiger unter Bedürftigen wird, der ein Leidender unter Leidenden wird. ER ist nicht jenseits, ER hat sich mitten unter uns begeben und so sein zutiefst seelsorgerliches Wesen offenbar gemacht.

Mt 12,18 „Siehe, mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen gefunden hat * [a]; ich werde meinen Geist auf ihn legen[b], und er wird den Nationen Recht[A] verkünden. A) o. Gericht“ a) Kap. 3,17 b) Jes 11,2; 61, 1 * = hier spricht Gott von seiner eigenen Seele

„Seelsorge ist die Begegnung Gottes mit dem bedürftigen Menschen“, formuliert M. Seitz, geschehend als Gespräch, als Eingreifen, als Unterstützung, in dem das Zeugnis von der Sorge Gottes und von Jesus, dem Helfer, zum Glauben und dadurch zum Leben inmitten aller Nöte hilft.“ In der Bibel wird vergangene Seelsorge Gottes bezeugt in der Verheißung auf zukünftige Seelsorge.

H. Ta name="_ftnref11" title="">[11] „Das seelsorgerliche Potential biblischer Geschichte liegt in den Verheißungen Gottes, die sich noch nicht erfüllt haben. Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende, sie hat offene Ränder. Darum tragen sie Seelsorge auch in unser Leben.“

Ich lese also die Geschichten von der Seelsorge Jesu in der gespannten Erwartung, wie Jesus heute in einer ganz anderen Situation sich als der erweist, der er immer schon war: der Arzt, Heiland, Menschensohn.

Hiob 2,10: „Er aber sagte zu ihr: Wie eine der Törinnen[A] redet, so redest auch du. Das Gute nehmen wir von Gott an, da sollten wir das Böse nicht auch annehmen[a]? Bei alldem sündigte Hiob nicht mit seinen Lippen[b].“ A) o. Gott-losen; o. Gottleugner; vgl. Ps 14,1; 53,2 a) Pred 7,14; Kla 3,37.38 b) Kap.1,22; Ps 39,10

Hiob macht uns hier vor, wie wir dem Dualismus wehren können, der die Wirklichkeit aufspaltet in Gut und Böse. Die Lösung heißt: „Sich in Gottes Hand hingeben, die Fülle annehmen heißt, das ganze Spektrum zwischen Lust und Leid annehmen.“

Aber: Wer tröstet und dabei das Klagen verbieten will, macht es dem Leidenden noch schwerer. (Hiob 16,2) Vor Gott gebrachte Klage sucht durch sein zeitweilig abweisend verborgenes Antlitz hindurch seine gnädige Zuwendung, das wiederkehrende Lächeln, die Freundlichkeit auf seinem Antlitz. Sucht, durch sein bedrängendes, leidvolles Zulassen IHN als Erlöser und Befreier; gibt die Hoffnung und das Vertrauen nicht auf, IHN durch Klagen und Anflehen umzustimmen.

Und in aller Seelsorge der Gemeinden soll diese Bewegung weitergehen.

Seelsorge von Menschen ausgeübt, verhilft dem anderen ehrlich zu werden vor dem Mensch gewordenen und Menschen suchenden Gott. Seelsorger sein, heißt Mund und Hand Gottes zu sein. Nicht zuletzt sehe ich auch die Entwicklung der Psychologie als Wissenschaft von der Seele und Lernmethoden verschiedener Psychotherapien als von Gott zugelassene Mittel, Menschen zu helfen, wieder in dieses Gespräch mit dem lebendigen Gott zu kommen und durch die Begegnung mit ihm heiler und heilig werden zu können.

2.2 SEELSORGE

Seelsorge heißt: EHRLICH werden vor Gott. Was ist wirklich in meinem Herzen los ? (Psalm 42) Das weiß jeder nur selber ganz genau; wenn er es nicht weiß, darf er Gott danach fragen und auf IHN hören. Wenn es um lebenswesentliche Dinge geht, stehen wir allein vor Gott und sind zur Ver-ant-wort-ung gerufen. Aber Veränderung hat seinen Preis.

Not und Krise sind oft Sprungbretter in eine neue Wirklichkeit. Wer nicht ausweicht und sich stellt, den Schmerz über die eigene Unzulänglichkeit oder die der anderen aushaltet, reift, findet Durchbruch: kann die Schattenseiten integrieren. Da geschieht Heilwerdung. Wer mit Gott gerungen hat, wird ein Anderer: Identitätswechsel

Veränderung ist oft Kampf und bringt Schmerzen. Neuwerden hat seinen Preis.

Im Kampf verwundet, lädiert, hinkend, ist er nicht mehr wie vorher; er ist sicher bedächtiger. Aber es lohnt sich. „ Ich bin Gott begegnet und bin verändert mit meinem Leben davon gekommen. Diese Begegnung wird mir zum größten Segen“. (Jakob - Israel)

EHRLICH werden vor GOTT, ehrlich werden vor sich selber und seinem Nächsten; Dies ist ein Prozeß, der ein Leben lang dauert.

- ICH WERDE ERKANNT UND DARF IN MEINEM SO SEIN bestehen
- ich gebe mich zu erkennen und erlebe, daß ich nicht sofort tot umfalle
- ich wage es, oder es wird mir geschenkt, mich selber hinter meinen Verhaltens-zwiebelschalen, Abwehr und Schutzfunktionen, Blend- und Machwerk, anzuschauen, augenblicks- und bruchstückhaft – und erlebe, daß Gott anwesend ist, daß er nicht wegzumachen ist, erlebe, wie Gottes Augen mir gütig zuschauen, aber das ist nicht beängstigend sondern seltsamerweise tröstlich, erlebe, daß diese warmen gütigen Augen nicht wegschauen, nicht strafend, nicht vorwurfsvoll schauen, sondern aushaltend, geduldig und langmütig: ich darf sein, ich werde erkannt und darf sein.

Eines der wesentlichen Grundbedürfnisse des Menschen: erkannt zu werden.

Rainer Maria Rilke:[12] „... und sehne mich nach einem Bande, nach einem einigen Verstande, der mich wie ein Ding überschaut, nach deines Herzens großen Händen – ich zähle mich, mein Gott, und DU, DU hast das Recht mich zu verschwenden.“

Ich darf sein, ich darf so vorkommen, wie ich bin; angreifbar und verletzbar, fehlerhaft und doch vertrauend, darf ich an der Hand meines Vaters mein Leben lang auf IHN zu gehen.“ Denn ER weiß, was für ein Gemächte wir sind“ Psalm 103,14; Jh 8,31

Wenn ich das erlebe, kann ich zu mir stehen, kann die „Ver-ant-wort-ung“ für mich übernehmen, in dieser Geborgenheit in Gott kann ich meine Kleinheit und Schwachheit, mein Fehlverhalten anerkennen und beginnen, damit zu arbeiten.

Wer seine Lebensträume, seine verzerrte Wahrnehmung von sich selber einmal durchschaut hat, wird nie mehr so schauen können wie vorher, denn Erkenntnis ist nicht rückgängig zu machen.

Dann muß ich mich nicht mehr so anstrengen, muß mir selber nichts mehr vormachen, darf klein sein und mich an den Gaben freuen, die ich wirklich habe.

DIE WAHRHEIT WIRD EUCH FREI MACHEN

Joh.8.31 : „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger 32 und ihr werdet die Wahrheit erkennen[a], und die Wahrheit wird euch frei machen“[b]. a) 2Jo 1 b) Jak 1,25

Wann ist Näfäsh krank ? Prof. Dieterich formuliert: bei Entropiezunahme = Tendenz zum Chaos (2.Hauptsatz der Wärmelehre „ein geschlossenes System, an dem man nichts tut, sinkt von selber zurück ins Chaos = universelles Naturgesetz.)

Entropiegesetz = Gesetz des Durcheinanders = gr. diabollo (der Durcheinanderwerfer)

das Prinzip der Welt ohne Gott; der „Diabollo“ kann nichts neues schaffen, er kann nur was ist durcheinanderwerfen ) Alles fällt zurück ins Chaos, Haushalt, Garten, Leib Seele und Geist, wenn wir nicht etwas für die Ordnung tun. Ein Mensch wird dann gestört, wenn er nichts für den Erhalt seines Systems tut: er gerät in Unordnung

THERAPIE kann als Entropieverkleinerung verstanden werden, als eine Arbeit des Ordnung schaffens in Gedanken, Gefühlen, Körper, Geist. Ordnung braucht System, Kategorien.

WIE GEWINNT DER MENSCH ERKENNTNIS ?

Durch Erfahrung – wie es Gott ihn lehrt: am Gegenstand lernen. Schöpfungsweisheit, die sich über die Jahrtausende bewährt und bestätigt hat. Die Erkenntnistheoretischen Methoden, die dazu empfohlen werden: Hören nach innen, empfinden mit allen Sinnen, fragen, bitten, vertrauen, sich hingeben, erfahren, danken, denken, umdenken, loben.

Jer 33,3: „ Rufe mich an, dann will ich dir antworten[a] und will dir Großes und Unfaßbares[A] mitteilen, das du nicht kennst[b]. A) w. Unzugängliches

Jes 28,23 „Horcht auf und hört meine Stimme! Gebt acht und hört meine Rede [a]! a) Ps 81,9; Mt 11,15; 24 Pflügt denn der Pflüger den ganzen Tag, um zu säen? Bricht er ‹nur› um und eggt ‹den ganzen Tag› sein Ackerland?[a] a) Pred 3,2; 25 Ist es nicht so: Wenn er dessen Fläche geebnet hat, streut er Dill und sät Kümmel, er wirft Weizen, Hirse und Gerste auf das abgesteckte Stück[A] und das Korn[B] an seinen Rand 26 So unterwies ihn sein Gott zum richtigen Verfahren, er belehrte ihn.[a] a) Hi 32,8; 27 Denn Dill wird nicht mit dem Dreschschlitten ausgedroschen und das Wagenrad nicht über Kümmel gerollt, sondern Dill wird mit dem Stab ausgeschlagen und Kümmel mit dem Stock. 28 Wird Brotkorn zermalmt? Nein, nicht unaufhörlich drischt es der Drescher[A]. Und wenn er das Rad seines Wagens und seine Pferde ‹darüber› treibt, zermalmt er es ‹doch› nicht[a 29 Auch dies geht aus vom HERRN der Heerscharen[a]. Er führt seinen Plan wunderbar aus, ‹seine› Weisheit[A] läßt er groß sein[b ].“ A) o. seine Rettung a) Kap. 41,20; Ps 118,23 b) Ps 92,6; Jer 32,19

2.3 Biblisch Therapeutische Seelsorge

Wenn man „Psychotherapie“ aus dem griechischen übersetzt, kommt man zu dem deutschen Wort „Seelsorge“. Als Christen können wir die Definition der Seele nach biblischen Maßstäben vornehmen.

Ähnlich wie Seitz (1985) bzw. Wolff (1984) verwenden wir hier das hebräische Wort „näfäsh“ für Seele, d.h. einen sehr weiten und ganzheitlichen Begriff, der die Körperlichkeit (Somatik), das Denken (Kognitionen), die Gefühle (Affekte) und Aspekte des Glaubens (geistliches Erleben) in seinen Zusammenhängen (Interdependenzen) beinhaltet. Deutlich wird durch diese Definition, daß ausschließlich empirische Zugänge in der Begegnung mit Menschen kaum hinreichend sein können. Ebenso wird auch eine, nur auf die Glaubensdimension beschränkte Seelsorge, verkürzt sein.[13]

1. ANTHROPOLOGIE:

Auf der Ebene des Heils: Menschen sind das Ebenbild Gottes, zu ihm hin geschaffen. Durch das Heraustreten aus der Vertrauensbeziehung zu Gott (Sünden- fall) unterliegt er den Bedingungen der gefallenen Welt, der Angst, dem Mißtrauen, den verschiedenen Strebungen und dem Tod.

Auf der Ebene der Schöpfung: Als Geschöpfe Gottes sind alle Menschen begabt, zu denken, zu fühlen, zu handeln und zu glauben. Diese verschiedenen Aspekte interagieren miteinander.

2. PSYCHOPATHOLOGIE:

Die Ebene des Heils: Bezogen auf das Verhältnis zu Gott sind Menschen ohne lebendige Beziehung zu Jesus Christus getrennt von Gott und damit erlösungsbedürftig, d.h. sie brauchen die Versöhnung mit Gott.

Die Ebene der Schöpfung: Durch körperliche Defekte oder entsprechende Lernprozesse von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter kann das Denken, Fühlen und Handeln sich dermaßen gestalten, daß es krank macht.

3. THERAPIE bzw. SEELSORGE:

Grundsätzlich möchte ich 3 Möglichkeiten unterscheiden, um seelische Störungen zu behandeln: medikamentös, durch Lernprozesse und durch Hilfestellungen im Glauben. Jede Art von Störung verlangt den jeweils angemessenen Weg:

a) Die Ebene der Schöpfung: Bei Störungen mit überwiegend somatischem Hintergrund (z.B. Psychosen, endogene Depressionen) können Medikamente helfen.

Bei Störungen, die durch Lernprozesse entstanden sind (neurotische Zustände, Ängste, exogene Depressionen usw.) kann mit Methodenschritten aus verschiedenen Psychotherapien geholfen werden, d.h. mit didaktischen Varianten verschiedener Formen des Lernens.

[...]


[1] Vgl. HELLENSCHMIDT, H.: „Die Schöpfungstheologie“ in: Theologische Auseinandersetzung mit dem Denken unserer Zeit, Band 2, S.30 ff, 1984, Hänssler - Verlag, Stuttgart; ISBN 3-7751-08

[2] In diesem Zusammenhang empfehle ich: SÖLLE, Dorothee; „Lieben und arbeiten“ , Kreuz- Verlag, Stuttgart, 1985

[3] 5.Mose 30,15-19. „Siehe, das Leben und den Tod habe ich euch vorgelegt, den Segen und den Fluch: so wähle das Leben, auf daß du lebest, du und deine Nachkommen.“

[4] Im Wesentlichen nach: KETTLING, Siegfried: Wer bist du, Adam ? Brockhaus Verlag, Wuppertal 1978, S. 1-33

[6] Exkurs: (aus: KELLER, H.: „Die Rolle der Frau“, Seminararbeit; Sozak, Bregenz, 1997: Daß die Frau aus der Rippe (oder Seite) des Adams gebaut wurde, soll vor allem verdeutlichen, daß sie „wesenseins“ mit ihm ist und ihm zugehörig und nicht etwas ihm „Fremdes“. Die frauenfeindliche Exegese von GENESIS 1-3, Schöpfung und Sündenfall, die sich durch die ganze PATRISTIK zieht, kann „in ihrer das Menschenbild prägenden Bedeutung gar nicht überschätzt werden. Die Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes wird nicht im Sinne von Gleichwertigkeit und allerengster Zusammengehörigkeit verstanden, sondern als hierarchische Beziehung aufgrund zeitlicher Abfolge des Erschaffenwerdens. Die Aufklärung richtete sich u.a. gegen die Leibfeindlichkeit der Kirchen. Eine solche Leibfeindlichkeit entspricht nicht der biblischen Auffassung - sie ist Folge der Vermählung des katholischen mit dem griechischen Denken, genauer dem platonischen Denken: Dort ist das Geistige, das Höhere (das männliche)das alleinig Gute und erstrebenswerte; das Körperlich - Materielle, Sexualität das Niedere, (das weibliche) das nach unten zieht. Das biblische Denken kennt diese Scheidung in Geist und Materie nicht; der Mensch steht als Ganzer - also auch mit seiner Sexualität - unter dem „und siehe, es war sehr gut“ (1.Mose 1,31)

[7] WOLFF, Hans-Walter: Anthropologie des Alten Testaments“, S.26

[8] weitere Ausführungen in Anlehnung an: Lexikon zur Bibel, Rienecker, Brockhaus, 1981 und Prof. Dr. M. Herbst, Schriften des Hochschulinstituts f. Psychologie und Seelsorge, Freudenstadt, 1998

[9] Dichotomie: gr.: Zweigliederung eines Gattungsbegriffs

[10] Anthropologie: gr.:Menschenkunde

[11] TACKE, H.: zitiert aus Schriften des Hochschulinstituts für Psychologie und Seelsorge, Freudenstadt 1998/99

[12] RILKE, Rainer Maria: Das Stundenbuch, S. 59

[13] In diesem Abschnitt halte ich mich im wesentlichen an eine Veröffentlichung von Michael Dieterich in „BTS- aktuell“ Nr. 39 / 1998, Seite 3

Details

Seiten
78
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783836619349
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226143
Institution / Hochschule
Biblisch-Therapeutische Seelsorge Schweiz Stäfa – Integrative Seelsorge
Note
1
Schlagworte
therapiemethoden bibel hilfe kunsttherapie seelsorge

Autor

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Titel: Kreative Therapiemethoden im Rahmen einer Biblisch Therapeutischen Seelsorge