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Komparativer Vorteil und die Zunahme kapitalintensiver Industrien in China

Diplomarbeit 2008 79 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Der Wandel der chinesischen Wirtschaft
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Volkswirtschaftliche Theorien des internationalen Handels
2.1 Klassische Handelstheorie
2.2 Neoklassische Handelstheorie
2.3 Neue Handelstheorien
2.3.1 Vernons Produktzyklustheorie
2.3.2 Krugmans Neue Ökonomische Geographie
2.4 Handel im Wandel

3 Zahlen und Fakten zu Chinas Handelsbilanz
3.1 Die jüngste Entwicklung der chinesischen Handelsbilanz
3.2 Gründe für den Anstieg des Handelsbilanzüberschusses
3.2.1 Höherwertige Ausfuhren
3.2.2 Importsubstitution
3.3 Von der „Werkbank der Welt“ zur Wirtschaftsmacht

4 Ausländische Unternehmen in China
4.1 Beitrag ausländischer Unternehmen zur Wirtschaftsleistung Chinas
4.2 Finanzierungsformen von ausländischen Unternehmen
4.2.1 Ausländische Direktinvestitionen
4.2.2 Einheimische Finanzierung
4.3 Ausländische Unternehmen und das Wirtschaftswunder Chinas

5 Theorie und Wirklichkeit
5.1 Erklärung durch die klassisch-neoklassische Handelstheorie
5.1.1 Niedrige Produktionskosten
5.1.2 Komparativer Vorteil
5.2 Erklärung durch die neuen Handelstheorien
5.2.1 Produktzyklustheorie
5.2.2 Neue Ökonomische Geographie
5.3 Kapitalintensive Industrien im bevölkerungsreichen China

6 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Außenhandelsvolumen/BIP in Prozent (2000-2006)

Abb. 2: Chinas Handelsbilanz (2000-2006)

Abb. 3: Exportstruktur Chinas nach SITC (2002-2006)

Abb. 4: Durchschnittliche Wachstumsraten p.a. der SITC 7 (2003-2006)

Abb. 5: Prozentuale Anteile der SITC 71-79 am Gesamtexport Chinas (2006)

Abb. 6: Zusammensetzung der chinesischen Außenhandelsbilanz (2002-2006)

Abb. 7: Anzahl registrierter FIEs in China (1994-2005)

Abb. 8: Exporte von FIEs im Vergleich zum Gesamtexport (1986-2006)

Abb. 9: Zufluss von FDI nach China (1980-2007)

Abb. 10: FDI im Verhältnis zum BIP in Prozent (1980-2007)

Abb. 11: Finanzierungsquellen von Anlageinvestitionen (1981-2005)

Abb. 12: Unternehmensprofite in Prozent des BIP (1998-2005)

Abb. 13: Jährliche reale Wachstumsrate des BIP von China (1987-2008)

Abb. 14: Entwicklung des chinesischen BIP (1987-2008)

1 Der Wandel der chinesischen Wirtschaft

La Chine est un lion endormi, le jour où elle se réveillera, la terre tremblera.[1]

Napoléon Bonaparte (1769-1821)

Seit Deng Xiaopeng im Jahr 1978 Wirtschaftsreformen eingeleitet und China sich von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft gewandelt hat, veränderte sich das Land auch von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft mit realen Wachstumsraten von jährlich 10 Prozent. China ist mittlerweile die viertgrößte Wirtschaftsnation gemessen am BIP. Dieses stieg zwischen 1980 und 2006 von 308 Mrd. USD auf 2,65 Billionen USD. Der Handel ist dabei einer der Hauptgründe für das rasante Wirtschaftswachstum und den dadurch geschaffenen Wohlstand. Aufgrund der niedrigen Löhne haben immer mehr Unternehmen v.a. aus den arbeitsintensiven Industriezweigen ihre Produktionsstätten nach China verlagert und ihre dort hergestellten Güter in die heimischen Märkte verschifft. China wurde zur „Werkbank der Welt“ und zum Hauptprofiteur der Globalisierung.

1.1 Problemstellung

Während in den Jahren zuvor hauptsächlich arbeitsintensive Güter wie Bekleidung oder Spielzeug ausgeführt wurden, werden heutzutage zunehmend technologisch ausgereifte und höherwertige Güter produziert und sogar exportiert. Dies geschieht zum überwiegenden Teil durch ausländische Unternehmen, die mittlerweile für mehr als die Hälfte der chinesischen Exporte verantwortlich sind.

Diese Entwicklung widerspricht der klassischen Handelstheorie, nach der China relativ kapitalarm ist und demzufolge einen komparativen Vorteil in der Produktion arbeitsintensiver Güter besitzt. Die Frage ist daher, warum kapitalintensive Industrien gerade nach China gehen, einem Land, das bekannt ist für seine unzähligen billigen Arbeitskräfte.

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

Das Anliegen dieser Arbeit ist es, auf dieses Paradoxon eine Antwort zu finden und die derzeitige Entwicklung mit Hilfe der Handelstheorien zu erklären.

Um Chinas jüngste Handelsstruktur analysieren zu können und zu verstehen, wie internationaler Handel funktioniert und wodurch er bestimmt wird, werden zuerst einige theoretische Kenntnisse benötigt. Die Arbeit gibt daher in Kapitel 2 einen Überblick über die Handelstheorien und wie sie sich im Laufe der Zeit gewandelt haben. Mit der chinesischen Handelsstruktur, den Warenströmen und deren Ursachen für die jüngste Entwicklung beschäftigt sich das Kapitel 3. Im darauffolgenden Kapitel wird der Einfluss der ausländischen Unternehmen auf das Wirtschaftswachstum Chinas untersucht. Dabei wird auch auf die Finanzierungsformen eingegangen. Basierend auf den Erkenntnissen und Überlegungen der vorherigen Kapitel werden in Kapitel 5 die Vorhersagen der Handelstheorien mit den realen Warenströmen und Handelsgütern Chinas verglichen und bewertet. Die Arbeit endet mit einer abschließenden Zusammenfassung sowie einem Ausblick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung Chinas.

2 Volkswirtschaftliche Theorien des internationalen Handels

Handelstheorien haben sich im Laufe der Zeit entwickelt und sind ständig an neue Erkenntnisse und Einsichten angepasst worden. Zurzeit gibt es drei Haupttheorien, die chronologisch nacheinander entstanden sind: Das Kapitel beginnt mit der klassischen Handelstheorie einschließlich ihrer Theorien des absoluten und des komparativen Vorteils und geht dann über zur neoklassischen Handelstheorie in der Form des Heckscher-Ohlin-Modells. Anschließend folgen die neuen Handelstheorien und zum Schluss des Kapitels wird auf die aktuellen Entwicklungen des Handels eingegangen.

Beim Lesen und Verstehen dieser Theorien sollte man nicht vergessen, dass es sich dabei lediglich um Theorien, also abstrakte Modelle, handelt, die mit gewissen Annahmen versuchen, die Realität abzubilden. Daher ist es unerlässlich, nicht nur den logischen Aufbau dieser Modelle zu verstehen, sondern auch deren Einschränkungen zu kennen.[2]

2.1 Klassische Handelstheorie

Einer der ersten Nationalökonomen, der die klassische Handelstheorie entwickelte, war Adam Smith. Nachdem er einige Beobachtungen in einer Fabrik für die Herstellung von Nadeln machte, beschrieb er den vorteilhaften Effekt, der in der Spezialisierung von Arbeitern liegt, nämlich gestiegene Produktivität.[3] So wie z.B. ein Bäcker seine Nadeln von der Fabrik holt und der Fabrikarbeiter sein Brot beim Bäcker, so sollten auch Länder untereinander Handel treiben. Dabei behauptete er, dass freier Handel der ganzen Welt nützen würde, da eine Spezialisierung auf Länderebene – und nicht nur auf Fabrikebene – Produktivität umso mehr steigern könnte. Anstelle von Arbeitern würden sich dann ganze Länder in der Produktion von gewissen Gütern spezialisieren. Eine internationale Arbeitsteilung würde zu einer höheren weltweiten Produktionsleistung führen als es ohne freien Handel möglich wäre.[4] Die Gewinne durch freien Handel würden v.a. Verbraucher durch niedrigere Güterpreise begünstigen.

Nach Adam Smiths Theorie des absoluten Vorteils sollten sich demnach Länder auf die Produktion jener Güter spezialisieren, welche sie am günstigsten produzieren können bzw. für welche sie den weltweit geringsten Kräfte- und Materialeinsatz benötigen.[5] Allerdings übersah er einen wichtigen Aspekt: Was ist, wenn ein Land kein Gut am günstigsten produzieren kann? Werden diese Länder dann überhaupt exportieren und somit vom freien Handel profitieren können?

Dieser Sachverhalt beschäftigte viele Ökonomen. David Ricardo war einer der ersten[6], der eine Lösung zu dieser Problemstellung fand. Seine Theorie des komparativen Vorteils konzentriert sich dabei auf die relativen Unterschiede in den Arbeitskosten. Dazu ein einfaches Beispiel: Angenommen, ein Land hat einen absoluten Vorteil in der Produktion aller Güter. Gleichwohl kann dieses Land einige Güter, z.B. Maschinen, relativ günstiger produzieren als andere Güter, z.B. Kleidung. Dann besitzt dieses Land einen komparativen Vorteil in der Produktion von Maschinen (da es hier einen höheren absoluten Vorteil hat), während ein anderes Land einen komparativen Vorteil in der Produktion von Kleidung besitzt (da es hier einen geringeren absoluten Nachteil hat). Falls sich nun alle Länder in der Herstellung von den Gütern, in deren Produktion sie einen komparativen Vorteil haben, spezialisieren und diese exportieren würden, dann würden alle Länder vom freien Handel profitieren, auch wenn ein Land keinen absoluten Vorteil besitzt.[7]

Die Erkenntnisse aus der klassischen Handelstheorie waren revolutionär, da der freie Handel befürwortet wurde, was der vorherrschenden Praxis des Merkantilismus widersprach. Der Merkantilismus war eine zur Zeit des Absolutismus in Europa verbreitete Wirtschaftspolitik, die stark geprägt war von protektionistischen Maßnahmen. Sie zielte auf den Aufbau der einheimischen Produktion und höhere Steuereinnahmen. Die Hebung des Allgemeinwohls war dagegen kein primäres Ziel des Merkantilismus.

Es gab allerdings viele Vorbehalte, da das klassische Modell in einigen Aspekten unvollständig war. So basiere der Handel auf Produktivitätsunterschieden zwischen den Ländern, aber wie diese zustande kommen, wird nicht in dem Modell erklärt. Weitere Kritikpunkte richten sich gegen die Annahmen des Modells: Länder spezialisieren sich demnach vollständig auf die Produktion von wenigen Gütern und würden diese auch exportieren, während die Produktion von Gütern, die im Wettbewerb mit günstigeren Importen stehen, komplett eingestellt würde. In der Realität produzieren Länder dennoch jene Güter, auch wenn sie sie gleichzeitig importieren.[8] Auch werden ausschließlich konstante Skalenerträge[9] angenommen, welche nach heutigen Erkenntnissen sowohl fallend, konstant als auch steigend sein können. Vorausgesetzt wird auch, dass die Handelsbilanzen der einzelnen Länder ausgeglichen sind. Wäre dies nicht der Fall, so würden Länder auch Güter exportieren, in denen sie keinen komparativen Vorteil haben, da bei Ländern mit Handelsbilanzdefiziten (-überschüssen) eine infolgedessen im Wert fallende (steigende) Währung[10] deren Güterpreise verzerren würde. Implizit wird auch angenommen, dass der komparative Vorteil eines Landes festgesetzt und unveränderlich ist, da Kapital immobil sei, so dass Firmen im Ausland nicht investieren könnten.[11]

2.2 Neoklassische Handelstheorie

Aufgrund der Unzufriedenheit über die Unvollkommenheiten der klassischen Handelstheorie forschten Ökonomen weiter an den Ursachen und Folgen des internationalen Handels. Am Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten die schwedischen Ökonomen Eli Heckscher und Bertil Ohlin schließlich das nach ihnen benannte Heckscher-Ohlin-Theorem (auch Faktorproportionentheorem genannt), welches eine Erklärung liefern konnte, warum Länder komparative Vorteile in verschiedenen Produkten besitzen.[12]

Sie stellten fest, dass die Produktion verschiedener Güter durch die Verwendung von unterschiedlichen Mengenverhältnissen der Produktionsfaktoren wie Arbeit, Land oder Kapital geschieht. Dementsprechend kann die Herstellung eines Produktes, z.B. Kleidung, relativ arbeitsintensiv sein, während ein anderes Produkt, z.B. ein Automobil, relativ viel Kapital zur Herstellung benötigt. Ferner stellten sie fest, dass Länder mit unterschiedlichen Mengen an Produktionsfaktoren ausgestattet sind. So haben einige Länder, z.B. China, einen relativen Überfluss am Produktionsfaktor Arbeit, andere Länder wiederum, z.B. die USA, sind relativ gut versehen mit dem Produktionsfaktor Kapital.[13]

Nach Heckscher und Ohlin bestimmt nun die Faktorausstattung eines Landes unter gewissen Umständen auch dessen komparativen Vorteil und damit dessen Handelsstruktur: Ein Land wird demnach dazu geneigt sein, die Güter zu exportieren, die zur Herstellung relativ große Mengen von dem Produktionsfaktor benötigen, welche das Land im relativen Überfluss hat. Cohen et al. folgern hieraus, dass ein Land wie China, welches relativ gut mit dem Faktor Arbeit ausgestattet ist, vor allem Güter exportieren würde, die relativ arbeitsintensiv in der Herstellung sind.[14]

Wie bei der klassischen Handelstheorie gab es auch bei der neoklassischen Handelstheorie Kritik. So nimmt das Modell an, dass Unterschiede in der relativen Faktorausstattung allein die wirtschaftlichen Unterschiede und somit die Handelsstruktur eines Landes bestimmen. Technologische Fähigkeiten oder Konsumentenpräferenzen spielen hingegen keine Rolle. Auch wird die These konstanter Skalenerträge weiterhin aufrecht gehalten. So sind z.B. steigende Skalenerträge (oder sinkende Grenzkosten) die ökonomische Erklärung für das Phänomen der Massenproduktion.[15] Auch empirisch konnte Wassily Leontief im Jahre 1953 nachweisen, dass das Heckscher-Ohlin-Theorem die Güterströme in der Realität nur unvollständig zu erklären vermag. Mit Hilfe von Input-Output-Tabellen, mit denen er die Handelsströme der USA analysierte, stellte er fest, dass die USA, welche eine relativ gute Ausstattung an Kapital haben, sowohl kapitalintensive Güter importierten, als auch arbeitsintensive Güter exportierten.[16] Diese Erkenntnis ging als „Leontief-Paradoxon" in die Geschichte ein.

2.3 Neue Handelstheorien

Neben der Arbeit von Leontief gab es auch weitere empirische Studien, die nicht im Einklang mit dem Heckscher-Ohlin-Theorem standen.[17] Dies veranlasste Ökonomen auf der ganzen Welt, nach Modifikationen der klassisch-neoklassischen Handelstheorien zu suchen. Die ersten neuen Handelstheorien wurden in den 1960ern entwickelt. Es fällt aber schwer, sie zu einer Theorie zusammenzufassen, da sie breitgefächert und ständigen Änderungen unterworfen sind.[18] Im Folgenden werden daher die für diese Arbeit relevanten neuen Handelstheorien dargestellt. Diese sind Raymond Vernons Produktzyklustheorie und Paul Krugmans Neue Ökonomische Geographie.

2.3.1 Vernons Produktzyklustheorie

Die Studie von Vernon konzentrierte sich auf die Technologien in den jeweiligen Ländern. Heckscher und Ohlin nahmen an, dass alle Länder die gleichen technologischen Fähigkeiten besitzen. Dies ist aber nicht der Fall, was besonders durch Unterschiede in der Produktivität und den Löhnen zwischen reichen und armen Ländern gezeigt werden kann. Aufgrund dieser Tatsache können komparative Vorteile für Industriegüter im Laufe der Zeit von einem Land zum anderen wechseln. Vernon beschrieb hierfür die Produktzyklustheorie als einen Prozess, in dem ein Produkt drei Phasen durchläuft. In der ersten Phase wird das Produkt entwickelt und mehrere Verbesserungen vorgenommen. Dies geschieht in den hochindustrialisierten Ländern, denen die neuesten Technologien und Kenntnisse zur Verfügung stehen. In der zweiten Phase, nachdem das Produkt sich etabliert hat und reift, tritt ein Standardisierungsprozess ein. In dieser Phase verlagert sich die Produktion in andere industrialisierte Länder, die zwar nicht über die Technologie verfügen, ein derartiges Produkt zu entwickeln, aber aufgrund ihrer geringeren Lohnkosten das Produkt günstiger produzieren können als die hochindustrialisierten Länder. In der letzten Phase, wenn die Technologie dann vollständig standardisiert ist, kann die Produktion in weniger entwickelte Länder verlagert werden. Dort sind die Löhne wiederum niedriger und die Kosten können somit auf ein Minimum reduziert werden.[19]

Eine Hauptbedingung für Vernons Theorie ist dabei die Freiheit von Kapitalflüssen, ohne die ausländische Direktinvestitionen und eventuell einhergehende Produktionsverlagerungen nicht durchgeführt werden können.[20]

In der Kritik steht v.a. die begrenzte Anwendbarkeit des Modells. In einer empirischen Studie untersuchten Joseph Gagnon und Andrew Rose die Handelsströme von den USA, Brasilien, Japan, Südkorea, der Türkei und dem Vereinten Königreich in den Jahren 1962 bis 1990. Sie stellten fest, dass die meisten Güter, welche die USA 1962 netto exportierten (bzw. importierten), auch diejenigen waren, die sie am Ende der untersuchten Periode netto exportierten (bzw. importierten). Dieses Ergebnis traf überwiegend auch auf die anderen untersuchten Länder zu.[21] Dies aber widerspricht der Produktzyklustheorie, nach der sich die Nettowarenströme im Laufe der Zeit invertieren sollten.[22]

2.3.2 Krugmans Neue Ökonomische Geographie

Eine weitere neue Handelstheorie ist die von Paul Krugman. Seiner Meinung nach kann die bis dahin vernachlässigte Wirtschaftsgeographie wichtige Erkenntnisse für die Handelstheorie liefern. Er kritisierte v.a. die Annahmen der klassisch-neoklassischen Handelstheorie, wonach Produktionsfaktoren und -ressourcen vollständig immobil sind und keine Kosten für Gütertransporte entstehen.

Krugman beobachtete, dass es so etwas wie eine regionale Spezialisierung gibt, die ohne Handelshemmnisse unabhängig von nationalen Grenzen ist. Hierfür gibt er Beispiele von geographischen Konzentrationen ähnlicher Industrieunternehmen, so z.B. für die IT-Industrie das Silicon Valley in Kalifornien oder für die Schwerindustrie, die sich v.a. in der Mitte Europas in Nordfrankreich, in Belgien und im Ruhrgebiet niedergelassen habe. Seiner Meinung nach seien gerade diese Beispiele ein Hinweis auf die Existenz von steigenden Skalenerträgen.[23] Wegen steigender Skalenerträge nämlich, so Krugman, hätten Unternehmer einen Anreiz, ihre Produktion in einer begrenzten Anzahl von Standorten zu konzentrieren.[24]

Die Möglichkeit, in der Produktion steigende Skalenerträge zu erzielen, gewann immer mehr Anerkennung. Man konnte feststellen, dass es in einigen Industriezweigen pro Einheit gesehen günstiger ist, wenn eine hohe Ausbringungsmenge hergestellt wird.[25] Die klassisch-neoklassische Theorie hatte dagegen nur konstante Skalenerträge angenommen. Deswegen konzentrierte man sich nach Krugmans Meinung seit Ricardo bis in die 1980er zu eingeschränkt auf die Untersuchung komparativer Vorteile, anstatt steigende Skalenerträge als eine Erklärung für Handel in Betracht zu ziehen. Steigende Skalenerträge und nicht exogene Unterschiede in Ressourcen oder der Produktivität werden von ihm als ein Grund für (willkürliche) Spezialisierung und demzufolge auch Handel angesehen.[26] Falls sich nämlich ein Land auf die Produktion von einem Gut spezialisiert, kann es die zusätzlichen Gewinne, die durch die steigenden Skalenerträge entstehen, für den Kauf anderer Güter auf dem Weltmarkt nutzen. Somit gewährt der freie Handel den Ländern die Gelegenheit, ihre Produktion zu erweitern, um zusätzliche Gewinne von steigenden Skalenerträgen zu erwirtschaften[27], was wiederum allen Arbeitern in Form von höheren Reallöhnen zu Gute kommt[28].

Weitere neue Erkenntnisse, die Krugman in seinem Modell verarbeitet hat, sind das Auftreten von unvollständiger Konkurrenz und intrasektoralem Handel.

Interne Skalenerträge, also Skalenerträge innerhalb einer Firma, sind Gründe für die Existenz von unvollständiger Konkurrenz in bestimmten Industrien. Bisher hatten Handelstheorien immer perfekten Wettbewerb angenommen. Bei internen Skalenerträgen würde aber die Unternehmensgröße einen nicht zu verachtenden Wettbewerbsvorteil darstellen, da größere Unternehmen kostengünstiger arbeiten könnten als kleinere Unternehmen. Durch Aufkäufe oder Herausdrängen aus dem Markt könnten so Oligopole oder gar Monopole entstehen.[29]

Intrasektoraler Handel bezeichnet den simultanen Im- und Export von gleichen Produkten, die sich aber hinsichtlich Gestaltung, Marke oder Bauart unterscheiden können. Dies wurde in der klassisch-neoklassischen Handelstheorie ausgeschlossen, da sich hier die Länder lediglich in der Herstellung von verschiedenen Produkten spezialisieren. Unvollständige Konkurrenz oder genauer monopolistische Konkurrenz kann dabei intrasektoralen Handel begründen: Durch Produktdifferenzierung bewirken nämlich die Unternehmen, die einzigen Anbieter ihrer eigenen Marke zu werden und schaffen sich dadurch ihre eigene länderübergreifende Nachfrage. Zugleich stehen sie aber im Wettbewerb mit den Unternehmen ähnlicher Produkte. Intrasektoraler Handel begünstigt aber dennoch die Konsumenten, da diese zwischen einer größeren Vielfalt an Produkten wählen können.[30]

Auch Krugmans Theorie ist vor Kritik nicht gefeit. Eine seiner Annahmen ist nämlich Vollbeschäftigung, ohne die nicht alle Arbeiter von höheren Reallöhnen durch freien Handel profitieren würden. Eine weitere Annahme, die auf Kritik stößt, ist der ungehinderte Zugang zu Märkten für Unternehmen. Da es aber häufig Markteintrittsbarrieren für bestimmte Industrien gibt, entstehen nicht selten Oligopole, bei denen wenige große Unternehmen den Markt beherrschen.[31]

2.4 Handel im Wandel

Volkswirtschaftliche Theorien des internationalen Handels haben sich im Verlauf der Geschichte gewandelt und regelmäßig den realen Gegebenheiten angepasst. Die zuvor beschriebenen Modelle haben gezeigt, dass es gute Ansätze gibt, um die Gründe und das Wesen der internationalen Warenströme zu erklären. Dabei sprechen sich alle Theorien für freien Handel aus.

Dennoch mangelt es aber immer noch an einem konsistenten Modell, welches in Einklang mit der Wirklichkeit steht und diese sinnvoll abbilden kann. Doch ist das keine leichte Aufgabe: Zu komplex ist die Realität, zu schnell ändern sich gerade jetzt zu Zeiten der Globalisierung die äußeren Umstände. Außerdem behindern Zölle und Quoten immer noch den freien Warenverkehr; Handelsblöcke wie die EU oder NAFTA, bilaterale Handelsverträge sowie Exportförderungen durch strategische Handelspolitik verzerren die Güterpreise und somit auch die Warenströme. Nicht genügend disaggregierte Datensätze machen es zusätzlich schwer, ökonomische Modelle empirisch zufriedenstellend zu testen.[32]

Handel wird auch nicht nur – wie von vielen Modellen angenommen – von Ländern betrieben, sondern ein Großteil des weltweiten Frachtaufkommens geht zurück auf multinationale Konzerne, die in mehreren Ländern operierend unternehmensinternen Handel betreiben. Nach einer Schätzung der UNCTAD lag der Anteil des unternehmensinternen Handels im Jahr 1995 schon bei einem Drittel des weltweiten Handelsaufkommens[33] und wird sich in letzter Zeit eher vergrößert haben. Das erhöhte Handelsaufkommen der multinationalen Konzerne lässt sich dabei auf eine höhere Kapitalmobilität zurückführen, welche begünstigt wird durch die Revolution in der Informations- und Kommunikationstechnologie, die zunehmende Privatisierung von Unternehmen und die Liberalisierung der Handels- und Finanzmärkte. Deswegen werden auch ausländische Direktinvestitionen eine immer bedeutendere Rolle bei der Bestimmung von Handelsstrukturen spielen. Denn durch die globale Aufstellung der multinationalen Konzerne und dem damit verbundenen Transfer von Wissen und Technologie werden auch weniger entwickelte Länder in die Lage versetzt, höherwertige Güter herzustellen und ausführen zu können. Beispiele hierfür sind Irland und Singapur, die es innerhalb kürzester Zeit geschafft haben, erfolgreiche Exporteure höherwertiger Güter zu werden, indem sie große Zuflüsse von ausländischen Direktinvestitionen anzogen. Auch die Volksrepublik China wirbt seit ihrer wirtschaftlichen Öffnung im Jahr 1978 massiv um ausländische Investoren und verzeichnet von Jahr zu Jahr einen Anstieg ihrer Handelsbilanz.[34]

In der zuvor dargelegten Ausführung wurde ein kurzer Überblich über die volkswirtschaftlichen Theorien des internationalen Handels gegeben. Diese bilden das nötige Rüstzeug, um die Handelsströme der Volksrepublik China analysieren zu können. Diese werden im folgenden Kapitel behandelt.

3 Zahlen und Fakten zu Chinas Handelsbilanz

In letzter Zeit drehten sich viele Auseinandersetzungen mit China um die jüngste Entwicklung der Handelsbeziehungen. So sind es hauptsächlich Industrienationen wie die USA oder die Länder der EU, deren Handelsbilanzdefizite mit China von Tag zu Tag größer werden und dessen Ausmaße nicht nur Politikern Sorge bereitet.[35]

In diesem Kapitel wird detailliert erläutert, wie sich der Außenhandel und die Handelsbilanz der Volksrepublik China in den letzten Jahren entwickelt haben. Die Ursachen für den jüngsten sprunghaften Anstieg des chinesischen Handelsbilanzüberschusses werden im Anschluss untersucht. Dabei wird insbesondere auf die technologische Entwicklung Chinas eingegangen.

3.1 Die jüngste Entwicklung der chinesischen Handelsbilanz

Die immer größer werdende Bedeutung des Außenhandels für die chinesische Gesamtwirtschaft lässt sich am besten im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt beobachten. Aus der folgenden Grafik wird ersichtlich, dass das Außenhandelsvolumen, die Summe aus Im- und Exporten, im Verhältnis zum BIP stetig zugenommen hat, von ca. 40 Prozent im Jahr 2000 auf knapp 70 Prozent im Jahr 2006 – und das, obwohl das reale BIP in dieser Zeit jährlich um gut 9,5 Prozent gewachsen ist. Dieses Handel/BIP-Verhältnis gilt als Indikator für die Offenheit einer Ökonomie.[36] Dabei legten die Importe in derselben Periode von 18,78 Prozent auf 30,09 Prozent des BIP zu, während sich die Exporte sogar von 20,79 Prozent auf 36,84 Prozent des BIP erhöhten.[37]

Abb. 1: Außenhandelsvolumen/BIP in Prozent (2000-2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: COMTRADE, - Eigene Darstellung

Tatsächlich stiegen chinesische Einfuhren von 225,09 Mrd. USD im Jahr 2000 auf 791,46 Mrd. USD im Jahr 2006 – das entspricht einem Anstieg von 251,61 Prozent. Chinas Ausfuhren stiegen von 249,20 Mrd. USD auf 968,94 Mrd. USD, also sogar ein Anstieg um 288,81 Prozent. Das weltweite Handelsvolumen[38] stieg im selben Zeitraum dagegen nur um 83,16 Prozent.

Das Wachstum der chinesischen Warenströme war von 2001 bis 2006 besonders hoch. Die Importe wuchsen jährlich um 26,90 Prozent und die Exporte um 29,59 Prozent. Infolgedessen löste China Japan im Jahr 2004 als weltweit drittgrößten Exporteur ab und befindet sich nun hinter Deutschland und den USA. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Chinas phänomenales Wirtschaftswachstum zu einem Großteil der Öffnung der chinesischen Märkte zu verdanken ist.

Außerdem lässt sich erkennen, dass die Exporte stärker angestiegen sind als die Importe. Dies wird bestätigt, wenn man sich die folgende Abb. 2 ansieht, die die Entwicklung der internationalen Warenströme Chinas in den Jahren 2000 bis 2006 zeigt. Hier kann man klar erkennen, dass die Exporte exponentiell angestiegen sind, während sich das Wachstum der Importe seit 2005 gemäßigt hat. Zwar schwankten die jährlichen Wachstumsraten der Ein- und Ausfuhren in den Jahren 2003 und 2004 gleichsam um 35 Prozent, doch in den Jahren 2005 und 2006 fiel die jährliche Wachstumsrate der Importe auf ca. 19 Prozent, während die Exporte mit ca. 28 Prozent weiterhin sehr stark wuchsen.

Abb. 2: Chinas Handelsbilanz (2000-2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: COMTRADE, - Eigene Darstellung

Eine direkte Folge dieser jüngsten Entwicklung ist der sprunghaft gestiegene Handelsbilanzüberschuss Chinas, also die Differenz aus Ex- und Importen. Dieser blieb in den Jahren von 2000 bis 2004 auf einem konstanten Level zwischen 22,55 Mrd. USD und 32,10 Mrd. USD (zwischen 1,55 und 2,09 Prozent des BIP), stieg im Jahr 2005 aber sprunghaft auf 102,00 Mrd. USD (4,55 Prozent des BIP) an und im darauffolgenden Jahr auf 177,47 Mrd. USD (6,71 Prozent des BIP). Damit wuchs der Handelsbilanzüberschuss im Jahr 2005 um 217,79 Prozent und im Jahr 2006 immerhin noch um 73,99 Prozent. Für das Jahr 2007 liegen noch keine genauen Zahlen vor, aber es ist abzusehen, dass der Handelsbilanzüberschuss weiter angestiegen ist.

Wie in diesem Abschnitt dargelegt wurde, spielt der Außenhandel für die chinesische Wirtschaft eine immer größere Rolle. Dabei ist zu beobachten, dass sich die Ein- und Ausfuhren Chinas in den letzten beiden Jahren ungleich entwickelten. Bis zum Jahr 2004 schossen beide in einem gleichmäßigen Tempo in die Höhe, doch seit 2005 ließ das Wachstum der chinesischen Importe stark nach, während die Exporte unbeirrt weiter anstiegen. Im nächsten Abschnitt werden die Ursachen für diese unterschiedlichen Entwicklungen untersucht.

3.2 Gründe für den Anstieg des Handelsbilanzüberschusses

Viele Ökonomen haben die Entwicklung des chinesischen Außenhandels verfolgt und zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten darüber veröffentlicht.[39] Dabei kommen sie in den meisten Fällen zu der Erkenntnis, dass sich die chinesische Handelsstruktur extrem gewandelt hat in den letzen Jahren. Ihrer Meinung nach liegen die Ursachen für die jüngste Zunahme des chinesischen Handelsbilanzüberschusses in höherwertigen Ausfuhren und einem rückläufigen Wachstum der Importe. Ersteres könnte den exponentiellen Anstieg der Exporte begründen, letzteres könnte auf Importsubstitutionen zurückführen sein. Im Folgenden wird auf diese beiden Sachverhalte näher eingegangen.

3.2.1 Höherwertige Ausfuhren

In einer Reihe von Untersuchungen verschiedener Ökonomen konnte festgestellt werden, dass chinesische Ausfuhren mittlerweile einen höheren technologischen und wirtschaftlichen Gehalt besitzen als zu vermuten wäre.

Dani Rodrik fand z.B. heraus, dass nicht mehr nur arbeitsintensive Güter (wie Spielzeuge, Kleidung oder einfache Elektronik) Chinas Exportstatistiken dominieren, sondern auch eine große Bandbreite an technologisch hochwertigen Gütern ausgeführt werden. Seinen Berechnungen zufolge gleicht Chinas Exportbündel einem Land, welches ein dreimal höheres BIP pro Kopf aufweist, also wesentlich fortgeschrittener in seiner Entwicklung ist.[40]

Peter K. Schott schreibt, dass Chinas Exportinhalte denen der OECD Länder mehr ähneln als man erwarten würde, selbst wenn man den Entwicklungsstand und die Größe des Landes berücksichtigt. Des Weiteren beobachtete er, dass diese Ähnlichkeit in der untersuchten Periode wesentlich gestiegen ist und weiterhin ansteigt. Dennoch weist er darauf hin, dass die relativen Exportpreise Chinas durchweg niedriger sind als die der OECD Länder, was auf Qualitätsunterschiede hinweisen könnte.[41]

Li Cui und Murtaza Husain Syed bescheinigen China ebenfalls einen höheren technologischen Inhalt seiner Ein- und Ausfuhren und sprechen dabei von einem rasanten Strukturwandel, der derzeit in China stattfinden würde. Zwar importiert das Land immer noch mehr hochentwickelte Güter als es exportiert, doch steigt die technologische Ausgereiftheit der Exporte in einem wesentlich schnelleren Tempo. Der Exportanteil arbeitsintensiver Konsumgüter (wie Kleidung, Spielzeuge usw.), die bislang den Hauptteil der chinesischen Exporte ausmachten, sank ihnen zufolge um mehr als 20 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Hingegen haben Kapital- und Investitionsgüter sowie Bauteile und Komponenten, deren Anteil vor zehn Jahren bei ca. 10-15 Prozent lag, mittlerweile einen Anteil von über 40 Prozent am Gesamtexport Chinas. Dies alles deutet auf eine Verschiebung der Handels- und Produktionsstrukturen hin, weg von arbeitsintensiven Gütern und hin zu kapitalintensiven und technologisch höherwertigen Produkten.[42]

Eine eigenständige Untersuchung über die Entwicklung der chinesischen Exporte bestätigt dies. Die Zahlen, die dazu in dieser Arbeit herangezogen wurden, stammen von der United Nations Commodity Trade Statistics Database (UN COMTRADE).[43] Zur Unterteilung der Produktkategorien wurde die Standard International Trade Classification (SITC)[44] benutzt. Dabei wurden aufgrund ihres minimalen Volumens und ihrer Besonderheit die Produkte der SITC 9 (Waren und Warenverkehrsvorgänge, anderweitig in der SITC nicht erfasst) ausgeschlossen. Weiterhin wurden die SITC 0 bis 4 (u.a. Nahrungsmittel, Getränke, Rohstoffe, Brennstoffe und Öle) wegen ihres geringen Umfanges und ihrer Irrelevanz für die in dieser Arbeit stattfindende Analyse zusammengefasst. Die restlichen Produktkategorien, die näher untersucht werden, sind Chemische Erzeugnisse (SITC 5), Bearbeitete Waren (SITC 6), Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge (SITC 7) sowie Verschiedene Fertigwaren (SITC 8).

Die folgende Abb. 3 stellt die Veränderung der Exportstruktur Chinas (unterteilt in die SITC) in den Jahren 2002 bis 2006 dar.

Abb. 3: Exportstruktur Chinas nach SITC (2002-2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: COMTRADE, - In Anlehnung an Cui und Syed (2007a)

In der untersten Ebene sind die SITC 0 bis 4 zusammengefasst abgebildet. Hier gab es zwar in jeder einzelnen Produktkategorie einen leichten nominellen Anstieg der Ausfuhren, relativ zum Gesamtexportvolumen sank aber der Betrag von 9 Prozent im Jahr 2002 auf 5 Prozent im Jahr 2006. Die SITC 5 und SITC 6 blieben vergleichsweise konstant mit einem Anteil am Gesamtexportvolumen von 4 bis 5 Prozent bzw. 16 bis 18 Prozent in der untersuchten Periode.

Die größte Veränderung gab es dagegen in den beiden oberen Kategorien.

Die SITC 7 stieg in der untersuchten Periode um 8 Prozentpunkte auf knapp die Hälfte der chinesischen Ausfuhren an. Zu dieser Produktkategorie gehören v.a. kapitalintensive Güter. Eine Analyse der Unterklassen SITC 71 bis 79 zeigt, dass bis auf die Kraftmaschinen und Kraftmaschinenausrüstungen (SITC 71) alle Anteile am Gesamtexport in der untersuchten Periode stiegen und die SITC 7 folglich in der Breite wuchs. Dies veranschaulicht die nächste Abb. 4, welche die durchschnittlichen jährlichen Steigerungsraten der Jahre 2003 bis 2006 zeigt.

[...]


[1] China ist ein schlafender Löwe, lasst ihn schlafen! Wenn er aufwacht, verrückt er die Welt!

[2] Vgl. Cohen et al. (2003), S. 49.

[3] Vgl. Smith (1852 [1776]), Buch I, Kap. 1.

[4] Vgl. Smith (1852 [1776]), Buch IV, Kap. 3.

[5] Vgl. ebd., Buch IV, Kap. 2.

[6] Zusammen mit dem englischen Nationalökonom Robert Torrens; allerdings entwickelten sie ihre Theorien unabhängig voneinander.

[7] Vgl. Ricardo (1821 [1817]), Kap. 7.

[8] Vgl. Husted und Melvin (2004), S. 75.

[9] Skalenerträge bezeichnen eine technische Eigenschaft der Produktion, wobei untersucht wird, wie sich die Ausbringungsmenge verändert, wenn proportional mehr Produktionsmittel eingesetzt werden.

[10] Wechselkursänderungen entstehen grundsätzlich durch das Angebots- und Nachfrageverhalten der Marktakteure. Bei einem Handelsbilanzdefizit (-überschuss) gibt es ein hohes (niedriges) Angebot an und eine niedrige (hohe) Nachfrage nach der Währung des Landes.

[11] Vgl. Cohen et al. (2003), S. 54.

[12] Vgl. Husted und Melvin (2004), S. 86.

[13] Vgl. Cohen et al. (2003), S. 55.

[14] Vgl. ebd.

[15] Siehe hierzu auch Kapitel 2.3.2.

[16] Vgl. Leontief (1953).

[17] Siehe z.B. Baldwin (1971) oder Stern und Maskus (1981).

[18] Vgl. Cohen et al. (2003), S. 65.

[19] Vgl. Vernon (1966).

[20] Vgl. Cohen et al. (2003), S. 68f.

[21] Für Südkorea, welches einen rasanten Aufbau von Großindustrien einleitete, und das Vereinte Königreich, welches 1973 der EU beitrat, ergaben sich andere Werte für die untersuchte Periode.

[22] Vgl. Gagnon und Rose (1995). Gagnon und Rose merken aber an, dass einige Industrien sicherlich durch einen Produktzyklus geprägt seien, diese aber keinen großen Anteil am gesamten Handelsvolumen eines Landes zu haben scheinen.

[23] Vgl. Krugman (1997), S. 5 ff. Steigende Skalenerträge seien auch der Grund, warum sich verschiedene Regionen innerhalb eines Landes wirtschaftlich unterschiedlich entwickeln.

[24] Vgl. ebd., S. 98.

[25] Dies hat v.a. in kapitalintensiven Sektoren mit hohen Fixkosten Relevanz, da bei steigender Produktion eine Fixkostendegression eintritt.

[26] Vgl. Krugman (1997), S.7 f. Dabei ist offen, in welche Richtung sich ein Land spezialisieren wird. Krugman vermutet, dass dies durch historische Zufälle geschieht.

[27] Vgl. Husted und Melvin (2004), S. 140 f.

[28] Laut Theorie entspricht im freien Wettbewerb das Grenzprodukt der Arbeit dem realen Lohn. Durch eine Produktivitätssteigerung würden deswegen die realen Löhne steigen.

[29] Vgl. Husted und Melvin (2004), S. 141 f.

[30] Vgl. Cohen et al. (2003), S. 65 f.

[31] Vgl. ebd., S. 66.

[32] Vgl. Husted und Melvin (2004), S. 143 f.

[33] Vgl. UNCTAD (1995), Kap. 1.

[34] Vgl. Cohen et al. (2003), S. 69 f.

[35] Eine Ursache, die dabei angeführt wird, ist die angebliche Unterbewertung der chinesischen Währung Renminbi. Diese ist nämlich größtenteils an den US Dollar gekoppelt, so dass sie bei den derzeitigen Handelsbilanzüberschüssen Chinas nicht genügend aufwerten kann.

[36] Vergleichswerte: USA mit 22,40 Prozent und Deutschland mit 70,11 Prozent (Quellen: COMTRADE, IMF).

[37] Diese Zahlen können irreführend sein. So werden die Im-/Exporte als Gesamtumsätze erfasst, während das BIP in Wertschöpfung gemessen wird. Der Anteil der wertschöpfenden Exporte am BIP liege bei knapp 10 Prozent. Vgl. Anderson (2007). Für die vorliegende Analyse, die das Wachstum des Außenhandels im Vergleich zum BIP darstellen soll, ist dies aber irrelevant.

[38] Im- und Exporte weltweit. Diese Zahlen sind identisch, da alles, was exportiert wird, auch importiert werden muss.

[39] Siehe z.B. Cui und Syed (2007b), Rodrik (2006), Schott (2006), Wang und Wei (2007).

[40] Vgl. Rodrik (2006).

[41] Vgl. Schott (2006). Die Annahme der Qualitätsunterschiede wird von Schott aber selbst in Frage gestellt, da sich diese empirisch nicht eindeutig untersuchen lassen.

[42] Vgl. Cui und Syed (2007b).

[43] Alle Warenpreise wurden von der UN in US Dollar umgerechnet, indem Wechselkurse von den berichtenden Ländern oder monatliche Marktraten benutzt wurden.

[44] Die SITC ist eine Klassifikation von Gütern, die im Rahmen von statistischen Analysen des Außenhandels verwendet wird und von den Vereinten Nationen entwickelt wurde. Sie liegt derzeit in der Revision 3 vor. Die Übersetzung der jeweiligen Produktklassen stammt vom Statistischen Bundesamt. Für eine Aufstellung mit Beispielen siehe Anhang (Tabelle 2).

Details

Seiten
79
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836619295
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226138
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Wirtschaftswissenschaft, Volkswirtschaft am Lateinamerikanischen Institut
Note
2,0
Schlagworte
handelstheorie china ausländische direktinvestitionen handelsbilanzüberschuss komparativer vorteil

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Titel: Komparativer Vorteil und die Zunahme kapitalintensiver Industrien in China