Lade Inhalt...

Das Bild der 'Neuen Frau' im Frühwerk Irmgard Keuns

Magisterarbeit 2007 124 Seiten

Literaturwissenschaft - Allgemeines

Leseprobe

1. Einleitung: zum Thema und zur Anlage der Arbeit

[…] Der Typ der modernen Frau, die ganz selbständig sein will, zeichnet sich immer mehr ab. Die kurzen Haare, der kurze Rock sind nur Symptome, die bessere Bildung erzeugt ein neues Selbstgefühl. […] Der moderne Frauentypus ist keine Schöpfung einiger Libertins, […] sondern ein unwiderrufliches Kind unserer Zeit. Wer unsere Zeit bejaht, muß auch die moderne Frau bejahen. […][1]

Richard Huelsenbeck lieferte mit dem 1929 veröffentlichten Essay seinen Beitrag zur Beschreibung eines Phänomens, das zum Leitbild einer ganzen Generation von Frauen werden sollte und Ausdruck der modernen, demokratischen Ära der Weimarer Republik war: die Neue Frau. Der Erste Weltkrieg war bereits ausschlaggebend für Veränderungen im Alltag der Frauen, die, auf sich allein gestellt und auf Erwerbsarbeit angewiesen, in ehemalige Männerdomänen eindrangen und in der Rüstungsindustrie tätig wurden. Mit Beginn der Weimarer Republik erfolgte die lang herbeigesehnte gesetzliche Gleichstellung der Frau mit dem Mann. Frauen erhielten außerdem das aktive und passive Wahlrecht. Zum Studium waren sie bereits seit 1908 zugelassen. Zudem gab es durch Erweiterung des Dienstleistungs- und Verwaltungssektors einen enormen Zuwachs an weiblichen Angestellten. Diese prägten durch ihre Berufstätigkeit, ihren bequem-lockeren, aber weiblichen Kleidungsstil, ihr meist jugendliches Alter und ihre vor allem in den Großstädten ausgeprägte Freizeitkultur maßgeblich den Typ der Neuen Frau.

Der Trend zur Visualisierung, ausgelöst durch die Verbreitung der modernen Bildmedien wie Fotografie und Film, unterstützte die äußere Typisierung des neuen Weiblichkeitsideals, das so zu einem Massenphänomen wurde. Die Neuen Frauen in den Medien waren schlank und sportlich mit Bubikopf, trugen leichte, schlichte und kurze Kostüme beziehungsweise Röcke, die die Beine betonten, gaben sich selbstbewusst und aufgeschlossen. Durch dieses Auftreten wurden sie in der Öffentlichkeit auch als sexuell freizügig wahrgenommen. Freies Ausleben der Sexualität rundete die allgemeine Vorstellung von der emanzipierten, unabhängigen Frau ab und wurde im Medienleitbild des großstädtischen Girls verkörpert, dem viele junge Frauen nacheiferten. Besonders Film und Revue konnten die verführerische Erotik Beine schwingender Tänzerinnen und den Reiz lasziver Weiblichkeit in Gestalt des Vamps zu Kassenschlagern machen.

Die Weimarer Republik schien also endlich verwirklicht zu haben, wofür die bürgerliche Frauenbewegung seit Mitte des 19. Jahrhunderts gekämpft hatte: die Möglichkeit einer unabhängigen, selbstbestimmten Lebensgestaltung, die auch eine freizügigere, emanzipierte Einstellung zur Sexualität beinhaltete, gesetzliche Gleichberechtigung und politisches Stimmrecht.[2]

Aber genauso häufig wie die Neue Frau in der Öffentlichkeit propagiert wurde, wurde ihre Existenz von kritischen Stimmen angezweifelt. Walther von Hollander setzte den emanzipatorischen Aufbrüchen der Weimarer Republik die Jahrtausende alten Geschlechterrollen entgegen. Von der Suche nach Vollendung im Mann und im Kind, die nur durch Selbstaufgabe möglich sei, könne die Frau nur schwer zu heilen sein: […] stärkster Gegner ist das weibliche Minderwertigkeitsgefühl, das Gefühl, an sich nichts zu sein, sondern erst durch Mann und Kind. […][3]

Alice Rühle-Gerstel veröffentlichte 1932 eine sozialpsychologische Studie, in der sie die verschiedenen Lebensbereiche der Frau untersuchte, ihre private und öffentlich-rechtliche Stellung sowie den Bereich der weiblichen Sexualität. Ihre Bilanz der Weiblichkeit fiel nicht so extrem aus, wie die Position Walther von Hollanders, aber auch sie sah die Neue Frau eher als Vorbotin des Morgen:

[…] Sie ist noch kein neuer Typ; sie hat gewisse Lebensformen ausgebildet, die den Rahmen für einen neuen Typ abgeben können. […] Und feindselig, kalt, in schweigendem Warten stehn um sie die Mauern der Vorurteile, die Geschlechtslegende von gestern, die ökonomische, soziale und geistige Rangordnung, die den Frauen den unteren Rang zuweist. […] Heute steht das weibliche Geschlecht an einer Umbruchstelle seiner Entwicklung. Der Übergang von der alten zur neuen Weiblichkeit vollzieht sich nicht geradlinig und scheitert zuweilen an den Klippen der Männlichkeit.[4]

Deutlich wird schon in dieser Bilanz am Ende der Weimarer Republik, dass die in der Gesellschaft fest verankerten Rollenzuweisungen wie auch die Skepsis der Männer und die patriarchalischen sozialen Strukturen der weiblichen Emanzipation noch hinderlich waren. Der von Rühle-Gerstel treffend beschriebenen Übergangsphase von alter zu neuer Weiblichkeit wurde schon ein Jahr später durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten ein Ende gesetzt. Adolf Hitler verwies die Frauen zurück in ihre angestammten Aufgabenbereiche in Ehe und Familie. Erst die Ehe mache die Frau zur deutschen Bürgerin, betonte Hitler in Mein Kampf. Dem Führer Kinder zu schenken war ihre höchste Aufgabe. Der Begriff der Emanzipation war laut Hitler von den Juden erfunden worden, und so wurden die Frauen aus den Parlamenten und Universitäten wieder verdrängt, hatten sich voll und ganz ihrem Ehemann, dem Haushalt und den Kindern zu widmen.[5]

In den Jahren 1931 und 1932, der krisenhaften Endphase der Weimarer Republik, wurden die Debütromane Gilgi – eine von uns und Das kunstseidene Mädchen der jungen Irmgard Keun zu Bestsellern. Ihre Protagonistinnen trafen den Nerv der Zeit, indem sie durch Anpassung an das Modeideal und in ihrem anfänglich stark ausgeprägten Streben nach Selbständigkeit den Typ der Neuen Frau verkörperten. Weil sie thematisch Bezüge zur gesellschaftlichen Realität der Weimarer Republik herstellen, gelten diese Werke als Zeitromane. Irmgard Keun formulierte mit den Erlebnissen ihrer Heldinnen Gilgi und Doris, beide Stenotypistinnen, die Sehnsüchte und Aufstiegsphantasien der kleinen Angestellten. Keuns Heldinnen sind zunächst - ganz dem neuen Weiblichkeitsideal entsprechend - selbstbewusst und kess, streben nach Karriere, sind optimistisch und aktiv. In Beziehungsfragen geben sie sich erfahren bis abgeklärt, bestehen selbstverständlich auf ihrem Recht, sexuelle Erfahrungen außerhalb einer Ehe zu sammeln. Gilgi und Doris machen aber im Verlauf der jeweiligen Romanhandlung einen Entwicklungsprozess durch, der sie ihre anfänglichen unbekümmert-idealistischen Aufstiegsträume und Selbständigkeitswünsche kritisch reflektieren lässt. Daher stellt sich die Frage, inwieweit die Romanfiguren dem Typ der Neuen Frau tatsächlich entsprechen beziehungsweise inwiefern und aus welchen Gründen Irmgard Keun mit ihren Protagonistinnen von diesem Frauenbild abweicht.

Das wissenschaftliche Interesse an Irmgard Keun begann Ende der siebziger/Anfang der achtziger Jahre mit der Wiederauflage ihrer Romane. 1985 erschien die erste Dissertation, die fünf Romane Keuns mit Werken Anna Seghers´ verglich. Die Autorin Irene Lorisika neigte jedoch zur Überbewertung des emanzipatorischen Gehaltes der Romane, die der kritischen Aussageabsicht der Romane nicht gerecht wird. Eine umfangreiche und sehr hilfreiche Untersuchung, die dem Leser die zeitgeschichtlichen Hintergründe der Werke Keuns erschließt, legte Doris Rosenstein 1991 vor. Sie untersuchte Keuns Romane der dreißiger Jahre unter verschiedenen sozialgeschichtlichen Aspekten. Im selben Jahr veröffentlichte Gabriele Kreis die erste `Biographie` über Irmgard Keun, in der sie allerdings oft die Protagonistinnen mit der Autorin Keun identifiziert. Auch wechselt Kreis in ihrem Werk beständig zwischen autobiographischem Bericht, Nacherzählung der Interviewsituation mit Irmgard Keun und Versatzstücken aus Keuns Romanen. Dieses wenngleich unterhaltsame Schreibverfahren wird dem Faktizitätsanspruch einer Biographie nicht immer gerecht. Ingrid Marchlewitz brachte 1999 mit ihrer Biographie Keuns neue Fakten und erkannte interessante biographische Parallelen in den bis dahin wenig beachteten Nebenfiguren der Romane. Darüber hinaus lieferte Marchlewitz eine neue Interpretation der ihrer Ansicht nach nicht leicht zu erschließenden Erzählhaltung im kunstseidenen Mädchen.

Neuere Untersuchungen von Irmgard Keuns Werk - wie die von Liane Schüller, Kerstin Barndt oder Stephanie Bender - sind vorwiegend vergleichende Analysen, die sich auf das Gesamtwerk Keuns oder andere Romane der Weimarer Republik beziehen, welche den Typ der Neuen Frau zum Gegenstand haben. Im Jahr 2005 erschien zum 100. Geburtstag Irmgard Keuns außerdem der Band Irmgard Keun 1905/2005 mit Aufsätzen zum Gesamtwerk und wichtigen Rezensionen. Dass Keuns Debütromane noch immer aktuell sind, beweist auch Margret Karschs Artikel in der Zeit anlässlich des Weltfrauentages am 08.03.2007. Sie verweist auf die zum Teil noch immer bestehenden Rollenklischees und Grenzen der Emanzipation in Deutschland wie europaweit, die etwa verantwortlich sind für Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen, und die Frage der Kinderbetreuung. Im Zusammenhang mit der Umbruchzeit der Geschlechterverhältnisse in der Weimarer Republik würdigt die Autorin Keuns Erstlinge, welche die Beziehungen zwischen Frauen und Männern so scharfsinnig wie humorvoll durchleuchteten.[6]

Diese Arbeit soll aufzeigen, wie Irmgard Keun in ihrem Frühwerk den Typ der Neuen Frau darstellt. Um die Lebensverhältnisse der Protagonistinnen, ihre Träume und Ziele nachvollziehbar zu machen und um zu zeigen, auf welche realgeschichtlichen Umstände sich der Begriff der Neuen Frau gründet, wird zunächst in Kapitel 2 die gesellschaftliche Stellung der Frau in der Weimarer Republik dargelegt. Hierbei sollen in kritischer Darstellung der rechtlichen Verbesserungen und der noch bestehenden Hürden in den Bereichen Politik, Beruf und Privatbereich die Lebensverhältnisse der Frauen nachgezeichnet werden. In den Kapiteln 3.1 bis 3.3 wird gezeigt, wie zeitgenössische Medien das Bild der Neuen Frau vermarkteten und inwieweit sich diese Mediendarstellung mit den realen Lebensbedingungen der Frauen deckte. Mit diesem Hintergrundwissen aus der Zeitgeschichte wird Irmgard Keuns Figurendarstellung und damit ihre Wertung der Neuen Frau nachvollziehbar. Kapitel 3.3 stellt zudem die literarische Strömung der Neuen Sachlichkeit und das in diesem Kontext bedeutsame Genre des Zeitromans vor, dem die Romane Irmgard Keuns zuzuordnen sind. Dies erfolgt unter kurzer Bezugnahme auf andere berühmte Zeitromane, die die Neue Frau thematisieren. Weil eine vergleichende Analyse mit anderen Romanen nicht Ziel dieser Arbeit ist, werden in diesem Kapitel lediglich die prägnantesten inhaltlichen wie stilistischen Gemeinsamkeiten beziehungsweise Unterschiede zu den Werken Keuns dargelegt. Diese literarhistorische Einordnung liefert so die Grundlage für die Analyse der Erzähltechniken in den Kapiteln 5.6 und 6.5 sowie für den die Romananalyse zusammenfassenden Punkt Neue Frauen?, der gegebenenfalls vergleichend auf Punkt 3.3 zurückgreift. Damit dient die Untersuchung der Erzähltechniken auch der Beantwortung der Fragestellung dieser Arbeit. Die inhaltliche Romananalyse in den Kapiteln 5-6 wird von biographischen Aspekten, die im Zusammenhang mit Keuns schriftstellerischem Debüt wichtig sind, und ausgewählten Rezensionen eingeleitet (Kapitel 4). Der Hauptteil der Analyse konzentriert sich hauptsächlich – nach einer jeweils kurzen Vorbemerkung zum Aufbau, zu der erzählten Zeit und Erzählhaltung der behandelten Romane – auf den Entwicklungsprozess und die persönliche Veränderung der Protagonistinnen, die für die Fragestellung von grundlegender Bedeutung ist. Verschiedene Interpretationsansätze aus der Sekundärliteratur finden in der inhaltlichen Analyse Beachtung und dienen zur Unterstützung oder Widerlegung der Untersuchungsergebnisse. Kapitel 7 fasst die Ergebnisse der Arbeit bewertend zusammen und geht abschließend – unter kurzer Bezugnahme der heutigen gesellschaftlichen Stellung der Frau - erneut auf die Aktualität der untersuchten Werke ein.

2. Die gesellschaftliche Stellung der Frau in der Weimarer Republik

2.1 Die öffentlich-rechtliche Stellung der Frau: Gleichberechtigung und Politik

Die Gleichberechtigung der Geschlechter wurde in Artikel 109 der Weimarer Reichsverfassung vom 11.08.1919 verankert.[7] Diese war Grundvoraussetzung für die verfassungsrechtlichen und sozialen Veränderungen, die im Frauenleben der Weimarer Republik stattfinden sollten. Absatz II des Artikels 109 lautete: Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.[8] Diese durch den Zusatz grundsätzlich einschränkende Lesart des Grundrechts wurde selbst vom Bund Deutscher Frauen (BDF) gebilligt, der darauf hinwies, dass Frauen und Männer durch prinzipiell verschiedene Interessen zwar gleichwertig, aber nicht gleichartig seien. Durch solche natürliche Geschlechterdifferenz gab sich die Frauenbewegung eine politische Programmatik und Daseinsberechtigung auch nach der verfassungsrechtlichen Gleichstellung. Man wollte weibliche Werte in die Gesellschaft hineintragen und mütterlich-menschlich wirken in einer männlich-versachlichten und technisierten Welt. Allerdings wurde die Frauenbewegung ihrem ehrgeizigen Vorhaben im Verlauf der Weimarer Republik nicht gerecht, sondern beschränkte sich vornehmlich auf Mitgliederwerbung und sozialpolitisches Engagement, zum Beispiel durch Gründung der AWO im Jahr 1919.[9]

Artikel 22 der Reichsverfassung beinhaltete das allgemeine Frauenwahlrecht - ein wichtiger Schritt aus dem bisherigen Zustand politischer Unmündigkeit.[10]

Nachdem der Wahltermin zu einer ersten verfassungsgebenden Versammlung der Weimarer Republik auf den 19.01.1919 festgesetzt worden war, richteten sich verschiedene Werbekampagnen der Parteien an die weibliche Wählerschaft. Frauenorganisationen und der BDF bildeten einen Ausschuss zur Vorbereitung der Frauen für die Nationalversammlung, potentielle Kandidatinnen wurden gesucht, Aufklärungsarbeit wurde geleistet. Doch schon während der Revolutionszeit waren Frauen verstärkt politisch interessiert, ließen sich anstecken von der allgemeinen Umbruchstimmung, was sich durch Teilnahme an politischen Versammlungen oder Mitgliedschaft in Parteien und Gewerkschaften äußerte. Im Rätesystem zuvor hatten Frauen hingegen weder Sitz noch Stimme. Bei den Wahlen zur 1. Weimarer Nationalversammlung lag die weibliche Wahlbeteiligung bei nahezu 90%; eine derart hohe Beteiligung wurde allerdings in den Jahren der Weimarer Republik nie wieder erreicht. Vor allem die Nachkriegserfahrungen und die damit verbundenen neuen Freiheiten und Verpflichtungen sowie die politische Krisensituation trugen verstärkt zur Politisierung der Frauen bei.[11]

Schließlich zogen insgesamt 41 Frauen und damit 9.6% weibliche Abgeordnete in die Nationalversammlung ein, damals weltweit einmalig. Erst im Jahre 1983 sollte es in der Bundesrepublik wieder eine solch starke Frauenvertretung geben.[12] Die meisten der Parlamentarierinnen waren SPD-Mitglieder, je sechs gehörten dem katholischen Zentrum und der liberal-bürgerlichen Deutsch-Demokratischen Partei (DDP) an, drei der Deutsch-Nationalen Volkspartei (DNVP), nur eine der Partei der rechten Nationalliberalen, der Deutschen Volkspartei (DVP). Viele der weiblichen Abgeordneten waren zuvor in der organisierten Frauenbewegung aktiv, zum Beispiel Gertrud Bäumer und Marie-Elisabeth Lüders (beide DDP), die sich vor allem im Bereich der Familienpolitik engagierten. Auffallend ist, dass alle Parlamentarierinnen ausschließlich in frauen- und familienpolitischen Bereichen, in der Sozial-, Schul- und Gesundheitspolitik tätig waren. Wirtschafts- und Finanzpolitik blieben nach wie vor Männerressorts, teils durch die Selbstbeschränkung der Frauen auf die genannten Bereiche, teils durch Ausgrenzung männlicher Eliten. So konnte der einstige Anspruch der bürgerlichen Frauenbewegung, eine Humanisierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik durch geistige Mütterlichkeit zu erreichen, im parlamentarischen Alltag nicht verwirklicht werden.[13]

Im Bereich der frauenspezifischen Sozialpolitik wurden allerdings einige wichtige Gesetze geschaffen, beispielsweise das Gesetz über die Zulassung der Frauen zu den Ämtern und Berufen der Rechtspflege (1922), wodurch es die ersten deutschen Richterinnen und Rechtsanwältinnen gab, das Hausgehilfinnengesetz (1930), welches Rechtsansprüche der Hausangestellten sicherte, oder das Gesetz zum Schutz der Frau vor und nach der Niederkunft (1927) zur Erweiterung des Mutterschutzes, wovon aber die Hausgehilfinnen und landwirtschaftlichen Arbeiterinnen ausgenommen waren.[14]

Im Verlauf der zwanziger Jahre hielt das parteipolitische Werben um weibliche Wählerinnen an, weibliche Mandatsträger wurden jedoch in den wichtigen politischen Bereichen von den männlichen Abgeordneten weiterhin kaum akzeptiert. Dies hatte zur Folge, dass Frauen bei Wahlen immer weniger sichere Listenplätze erhielten und der Anteil der weiblichen Abgeordneten bis zum Jahr 1930 auf 7% sank.[15]

Allgemein schien auch im Laufe der Jahre das anfänglich starke Interesse der Frauen an politischer Beteiligung zurückgegangen zu sein, bei manchen sogar in dem Maße, dass sie auf ihre so mühsam errungenen Rechte wieder verzichten konnten: Politik ist Männersache. Wir beteiligen uns nicht an der unfruchtbaren Parteipolitik der Männer heißt es in dem Artikel Aus Frauenkreisen der Vossischen Zeitung aus dem Jahr 1931.[16] Alice Rühle-Gerstel stellte in ihrer eingangs erwähnten Studie die These auf, dass die Wahlentscheidung bei den meisten Frauen nicht Ausdruck einer eigenen politischen Haltung gewesen sei, sondern Ergebnis des Einflusses ihrer Ehemänner, Eltern, Lehrer oder Vorgesetzten: hilflos, unorientiert und uninteressiert steht die Frau vor den großen sozialen Fragen.[17] Diese recht extreme Position untermauerte Rühle-Gerstel mit den Ergebnissen ihrer Enquete über das Frauenleben, in der sie 155 Besucherinnen von Volkshochschul- und anderen Erwachsenenbildungskursen nach bestimmten Lebensbereichen befragt hatte. Demnach beantworteten 57 der Frauen die Frage Ist Ihrer Meinung nach die Frau weniger begabt für Politik? mit einem klaren Ja, 37 weitere bejahten diese mit der Begründung mangelnder Schulbildung und Aufklärung. Nur 29 der Befragten gestanden der Frau im Vergleich zum Mann Ebenbürtigkeit in politischen Fähigkeiten zu.[18]

Betrachtet man die Parteipräferenzen weiblicher Wähler, so lässt sich in den Anfängen der Republik, unmittelbar nach Ende des Kaiserreichs, ein Linkstrend ausmachen, der sich auch auf die Freien Gewerkschaften und sozialistischen Berufsverbände auswirkte, die sich steigender Mitgliederzahlen erfreuten. Besonders die Angestelltenverbände verzeichneten regen weiblichen Zulauf. Jedoch nahm die Organisationsbereitschaft von Frauen in den zwanziger Jahren wieder stark ab. Bis 1925 war die Zahl weiblicher ZdA-Mitglieder um 60% gesunken, und auch der Frauenanteil des ADGB verringerte sich von 27.7% (1920) auf 16% (1931). Ebenso war der Linksruck der weiblichen Wählerschaft nur von kurzer Dauer: Wahlstatistiken belegen später eine weibliche Präferenz für rechtskonservative Parteien: Zentrum, DNVP und DVP, allerdings mit lokalen Unterschieden, da eine konservative weibliche Wählerschaft in katholischen, ländlichen Gegenden und in Bayern besonders ausgeprägt war. Eine deutliche Ausnahme bildete das weibliche Wahlverhalten in Berlin in den Jahren 1928 und 1930, in denen mehr Frauen als Männer die SPD wählten. So drückte sich in der Abwendung von linken Parteien und Organisationen die allgemeine Enttäuschung über den politischen und ökonomischen Alltag aus, der in den Krisenjahren der Republik die Hoffnungen auf Verbesserung zunichte machte. Verstärkt kam es zu politischen Krisen durch mehrmals im Jahr wechselnde Regierungskoalitionen, Kanzler und Minister sowie durch Putschversuche und Bestechungsskandale. Von dem erhofften kontinuierlichen wirtschaftlichen Aufschwung konnte zudem keine Rede sein. Die erste wirtschaftliche Krise gab es mit der Inflation 1923, hauptsächlich zu Lasten des Bürgertums und der Arbeiter. Vor allem die Arbeiterfrauen hatten es in dieser Situation hoher Preise und niedriger Löhne schwer, ihre Familien zu versorgen. Allerdings fällt die kommunalpolitische Bilanz der Weimarer Republik positiver aus, und auch materiell gab es viele Fortschritte für die Bevölkerung, da vor allem im Bereich des Wohnungsbaus oder der medizinischen Versorgung viele Verbesserungen vorhanden waren. Ein wirtschaftlich enorm wichtiger Faktor war die boomende Vergnügungsindustrie, die den Begriff der Goldenen Zwanziger Jahre entscheidend prägte. Kinos, Theater, Tanzpaläste und Revuen erfreuten sich besonders bei der weiblichen Bevölkerung großer Beliebtheit.[19]

Die größte Zielgruppe dieses Wirtschaftszweiges waren die Angestellten, die typischste Berufsgruppe der Weimarer Republik. Das Besondere dieser Bevölkerungsschicht, die einen ganzen Frauentyp prägen sollte, wird im Folgenden zu untersuchen sein. Zuvor jedoch müssen die verschiedenen Bereiche weiblicher Berufstätigkeit im Allgemeinen aufgezeigt werden, um einen Gesamtüberblick über die Veränderungen in der Frauenerwerbstätigkeit zu erhalten.

2.2 Frauen im Beruf

2.2.1 Allgemeines

Der Erste Weltkrieg erwies sich als eine bedeutsame Voraussetzung zur Schaffung neuer Erwerbszweige für Frauen, insofern da weibliche Arbeitskraft in den Kriegsjahren verstärkt genutzt wurde, um Männer in kriegswichtigen Betrieben zu ersetzen und diese für die Front freizustellen. Die Frauen waren durch hohe Löhne für unqualifizierte oder nur angelernte Arbeit, zusätzliche Naturalhilfen und drohenden Entzug der Kriegsunterstützung hinreichend motiviert, in der Rüstungsindustrie tätig zu werden. In diesem Industriezweig versechsfachte sich der Frauenanteil zwischen 1913 und 1917 auf 700 000. So veränderte sich der Charakter der Frauenarbeit unter dem Einfluss des Krieges, da mehr Frauen in ehemaligen Männerberufen tätig waren.

Jedoch gab es auch schon vor dem Krieg mehr weibliche Beschäftigte in Handel und Industrie, während der Frauenerwerbsanteil in der Landwirtschaft zurückging, begründet durch den Strukturwandel hin zu einem modernen Wirtschaftssystem. Dieser Trend begann um die Jahrhundertwende, setzte sich im Krieg mit der boomenden Rüstungsindustrie und auch während der Weimarer Republik fort.[20] Von 1907 bis 1933 sank der Anteil weiblicher Erwerbsarbeit in der Landwirtschaft von 49,8% auf 40,5%, hingegen stieg er in der Industrie von 19,5% auf 23.6%, im Dienstleistungsbereich sogar von 14,6 auf 25,6%.[21]

Obwohl der Frauenanteil in der Industrie zunahm, verschlechterten sich die soziale Lage der Arbeiterinnen und ihre Arbeitsbedingungen während der Weimarer Republik. Die Löhne waren niedrig (in den meisten Industriezweigen unter 30 RM wöchentlich), die Doppelbelastung von Beruf und Haushalt und lange Arbeitszeiten führten zu Überbeanspruchung, Ermüdungserscheinungen und psychischer Abstumpfung. Aufgrund der Haushaltsführung hatten Frauen noch länger als ihre männlichen Kollegen zu arbeiten, ein 16-18 Stunden-Tag war der Regelfall für verheiratete Arbeiterinnen.

Die meisten Arbeitgeber waren wenig besorgt um den Gesundheitszustand ihrer Arbeitskräfte. Anfang der zwanziger Jahre befanden sich die Betriebe und Arbeitsplätze aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit allgemein in einem schlechten Zustand. Investitionen für bessere betriebstechnische und arbeitshygienische Verhältnisse wurden vermieden, da hauptsächlich zu Spekulationszwecken produziert wurde. Wegen fehlender Entstaubungs- und Entlüftungsanlagen gab es kaum ausreichend helle und saubere, geschweige denn sichere Arbeitsplätze.

Während der Rationalisierungsphase Ende der zwanziger Jahre wurden in den größeren Industriebetrieben Tempo und Gleichförmigkeit der Arbeit noch gesteigert, Akkordarbeit führte oft zur völligen Erschöpfung. So kam es Ende der zwanziger/Anfang der dreißiger Jahre vermehrt zu Streiks für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn. 1932 gab es die meisten Streikenden in der Textilindustrie, der so genannten Frauenindustrie.[22]

Diese bittere Arbeitsrealität der Industriearbeiter stellt eine der Schattenseiten der Goldenen Zwanziger Jahre dar, ebenso die hohe Arbeitslosigkeit nach Einsetzen der Wirtschaftskrise im Jahr 1929 und der Abbau von Sozialleistungen.

Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise stieg die Arbeitslosigkeit bis 1932 stetig an: bei den weiblichen Gewerkschaftsmitgliedern im Dezember 1932 auf 31,6 %, bei den männlichen auf 47,3%. Jedoch waren arbeitslose Arbeiterinnen stärker benachteiligt als Arbeiter, da viele von ihnen von der Arbeitslosenversicherungspflicht entweder aufgrund besonders niedriger Löhne (weniger als 10 Mark pro Woche) oder wegen Kurzarbeit ausgenommen waren. Diese Gruppe wuchs durch wiederholte Lohnsenkungen während der Wirtschaftskrise ständig. Bei Entlassung meldeten sich die Frauen in der Regel nicht arbeitslos, weil sie keine Unterstützung erwarten konnten. So lag die offizielle Ziffer weiblicher Arbeitsloser niedriger als die tatsächliche. Auch Arbeiterinnen unter 18 erhielten keine Arbeitslosenunterstützung und tauchten in der Statistik nicht auf, da vorausgesetzt wurde, sie könnten von Angehörigen versorgt werden beziehungsweise Hilfsarbeitertätigkeiten in Haushalten oder in der Landwirtschaft erhalten. Durch das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (AVAVG) von 1928 waren weibliche Arbeitnehmer erheblich benachteiligt: 64,12% erhielten eine niedrigere Unterstützung als vorher, verheirateten Frauen wurde die Unterstützung ganz verweigert, denn diese konnten schließlich durch ihren Mann versorgt werden. So unterlagen verheiratete Frauen zwar der Beitragspflicht, hatten aber keinerlei Ansprüche daraus.[23] Die im Verlauf der Wirtschaftskrise geführte Doppelverdienerkampagne bewies einmal mehr das gesellschaftliche und politische Festhalten an alten Geschlechtsrollenmustern und am patriarchalischen Eherecht. Doppelverdienern, also Frauen, die verheiratet waren und gleichzeitig einer Erwerbsarbeit nachgingen, sollte nach der Forderung konservativer Parteien zu Beginn der Wirtschaftskrise gekündigt werden. Mittels dieser Maßnahme erhoffte man sich sowohl eine Entlastung des Arbeitsmarktes zugunsten arbeitsloser Familienväter als auch eine Stärkung der Familie. 1932 schlug sich die Doppelverdienerkampagne in Form des Gesetzes über die Rechtsstellung der weiblichen Beamten nieder, das die Entlassung verheirateter Reichsbeamtinnen regelte. Abgesehen von diesem Gesetz wurde letztgenannten schon 1923 im Zuge von Sparmaßnahmen des öffentlichen Dienstes gekündigt. Ute Frevert betonte vor allem die ideologische Bedeutung dieser Maßnahmen, verweigerte man doch auf diese Weise den Frauen eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Weibliche Berufstätigkeit war nur so lange geduldet, bis die Ehe mit dem Ernährer geschlossen wurde.[24] Eine derartige Einstellung zu weiblicher Erwerbstätigkeit teilten auch die konservativen Frauenverbände, wie die Hausfrauenverbände oder die Vereine kirchlicher Trägerschaft. Solche, der DNVP nahe stehenden Frauenvereine sahen sich, besonders in den letzten Krisenjahren der Republik, als Vorkämpferinnen einer neuen völkischen Ordnung, in der Frauen sich wieder ausschließlich als Ehefrauen und Mütter definieren konnten und nicht mit Männern um knappe Arbeitsplätze und politischen Einfluß wetteifern mussten.[25]

Hierin lassen sich bereits ideologische Parallelen zum nationalsozialistischen Frauenbild ausmachen, nach dem die Frau einzig für die Familie da zu sein hatte. Schon in den Jahren vor der Machtübernahme Hitlers befürchteten linksliberale Frauen das Ende der mühsam errungenen, wenn auch oft nur formal bestehenden geschlechtlichen Gleichberechtigung im Falle eines Wahlsieges der NSDAP. Diese Vermutung wurde durch die NSDAP-Ideologie genährt, die die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau rückgängig machen wollte.[26]

In den Anfangsjahren der Weimarer Republik gab es zunächst aber, durch die Umstrukturierung zur modernen Dienstleistungsgesellschaft, positive Veränderungen für weibliche Erwerbstätige. 1925 beschäftigte der tertiäre Sektor der Dienstleistungen ein Drittel aller Erwerbstätigen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine Neuverteilung der Arbeitskräfte ein: Der Anteil der Angestellten und Beamten erhöhte sich auf fast 20% im Jahr 1933 (1882 waren es nur 6%). Die Anzahl der Selbständigen ging im selben Zeitraum von 28% auf 13% zurück, die Arbeiterschaft verringerte sich um ein Zehntel auf 45%.[27]

In der ersten Hälfte der zwanziger Jahre wurden durch die Reichsübernahme des Verkehrswesens (Bahn, Post, Telegraphie), den Ausbau des Verwaltungssektors und die Erweiterung des staatlichen Gesundheits- und Erziehungswesens neue Arbeitsplätze für Frauen geschaffen - durch Orientierung am Gleichberechtigungsgrundsatz. Beispielsweise trat bei der Post am 01.07.1922 eine Personalneuregelung in Kraft, durch die Tätigkeit und Verbeamtung der Frauen festgelegt wurden: Aufstieg in höhere Laufbahnen und Verbeamtung nach 5 Dienstjahren sollten hiernach möglich sein. In der Praxis wurde aber im Laufe der Zeit und besonders angesichts der Doppelverdienerkampagne die beamtenrechtliche Gleichheit durch Abfindungsregelungen für die Frauen und spezielle Kündigungsklauseln umgangen. So ging der Anteil weiblicher Postbeamter von 20% im Jahr 1923 bis 1932 auf 16% zurück.[28]

Auch im sozialpolitischen Bereich wurden zahlreiche Frauen tätig, zum Beispiel Sozialbeamtinnen in der öffentlichen Wohlfahrtspflege, Kindergärtnerinnen oder Jugendleiterinnen. Auch gab es immer mehr Lehrerinnen: 1921 betrug der weibliche Anteil der Volksschullehrer schon 25%. Allerdings waren die Aufstiegsmöglichkeiten, beispielsweise in Konrektorstellen, trotz genereller Berechtigung der Frauen den männlichen Kollegen vorbehalten. Höhere Besoldung sollte eher dem Familienvater als der ledigen Lehrerin zustehen. Im höheren Schuldienst und der höheren Verwaltung war die Anzahl weiblicher Lehrkräfte ebenfalls gering. In Preußen gab es 10 422 männliche fest angestellte Oberstudienräte und Direktoren, aber nur 1024 weibliche.[29]

Der Anteil weiblicher Studenten in der Weimarer Republik stieg im Wintersemester 1931/32 auf 16%, der Anteil der Frauen in akademischen Berufen von 7000 (1925) auf 12 468 im Jahr 1933. Jedoch waren diese einem harten Konkurrenzkampf mit männlichen Kollegen ausgesetzt. Oft mussten die Studienrätinnen, Ärztinnen, Hochschullehrerinnen, Richterinnen etc. erheblich bessere Leistungen erbringen, um sich gegenüber männlichen Mitbewerbern behaupten zu können.[30] Alice Rühle-Gerstel stellte in ihrer oben zitierten Studie allgemein ein männliches Misstrauen, Berufsneid und Konkurrenzkampf in Akademikerkreisen fest: Die männlichen Kollegen treten der Frau misstrauisch, gereizt, erbost oder ängstlich gegenüber.[31]

Immerhin waren die Akademikerinnen und Beamtinnen in leitenden Stellungen beim Gehalt den Männern gleichgestellt. Jedoch hatten sie dafür mit anderen Nachteilen zu rechnen: Oft war ihre Anstellung nicht gesichert, da der Arbeitgeber nicht von geringen Lohnkosten profitierte.[32]

Diese hingegen betrafen die Frauen im ständig wachsenden Dienstleistungssektor, der auch den größten Frauenzuwachs in der Weimarer Republik verzeichnete.

2.2.2 Die weiblichen Angestellten

Die Strukturwandlungen, die seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in Handel und Industrie eingesetzt hatten, bedurften neuer Produktionstechniken und Rationalisierungsmaßnahmen, um den beginnenden Massenkonsum zu befriedigen. Dadurch gab es verstärkten Bedarf an kaufmännischen Arbeitskräften. Die Verwaltungsapparate wurden durch Rationalisierung in den Firmen erweitert und umfassten Kontrolle, Planung, Konstruktion und Organisation der Produktions- und Absatzbedingungen. In diesem Prozess spielten die Angestellten eine maßgebliche Rolle.[33] Für die Unternehmer gab es vielfältige Gründe, Frauen für kaufmännische Tätigkeiten einzustellen. Zum einen war laut Tarifvertrag ein Gehaltsabzug von 10-20% vereinbart. Beispielsweise lag das Durchschnittsgehalt einer 25-jährigen weiblichen Angestellten bei 163 Mark, ein männlicher Kollege im selben Alter verdiente 206 Mark. Frauen erreichten die höheren Gehälter über 250 Mark überhaupt nicht, während das Gehalt bei über 29 Jahre alten Männern über dem Maximalgehalt für Frauen jeden Alters lag.[34]

Neben den geringeren Lohnkosten galten weibliche Angestellte zudem als unempfindlicher monotoner Arbeit gegenüber und weniger konfliktfähig. Außerdem ließen sich die Ansprüche älterer Angestellter auf Einkommensprogression und Unkündbarkeit umgehen, da Frauen durch Heirat oft nicht lange im Beruf blieben. Die soziale Identität der Frau war nach wie vor die der Ehefrau und Mutter, auf dem Arbeitsmarkt behielt sie, wie in Kapitel 2.2.1 bereits dargelegt wurde, noch einen Reservestatus. So bildeten sich geschlechtsspezifische Berufsunterschiede, die den kaufmännischen Arbeitsmarkt in zwei Bereiche teilten: Frauen waren als Stenotypisten und Kontoristen tätig und erledigten Korrespondenztätigkeiten; für Männer hingegen waren die höheren und komplexeren Positionen vorgesehen, da sie auch eine mehrjährige Ausbildung absolvierten, während Frauen allenfalls ein Jahr lang die Handelsschule besuchten. Weder Unternehmer noch männliche Angestellte bemühten sich, solche Geschlechterdifferenzen aufzuheben, denn die Besetzung höherer Positionen kam dem Standesbedürfnis der Männer nach.[35]

Durch Einführung von Schreibmaschine, Telefon und Stenographie gab es schon lange vor dem Krieg einen Zustrom an Stenotypistinnen. Ihr Einsatz war flexibel, die Möglichkeit des Branchenwechsels groß. Am Arbeitsplatz hatten diese Angestellten stets Umgang mit Kollegen höheren Rangs, arbeiteten für die Vorgesetzten, was Selbstbewusstsein und Haltung der Frauen beeinflusste. Etwaige Spannungen zum Kollegen wurden durch den Geschlechtsunterschied, also auf erotische Weise kompensiert.[36] Der Einsatz weiblicher Reize und eine erotische Atmosphäre galten nach Ansicht Rühle-Gerstels als berufstypisch. Die Frauen, oft motiviert durch romantische Heiratswünsche im Blick auf Vorgesetzte, legten großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Schönheit galt als natürliches Attribut und natürliche Tugend.[37]

Von solchen - eher geringen - Heiratsmöglichkeiten abgesehen gab es für weibliche Angestellte nur wenige Aussichten auf Aufstieg im Betrieb; für Kontoristinnen und Behördenangestellte waren sie besonders gering. Immerhin bestand für Verkäuferinnen vereinzelt die Möglichkeit, Filialleiterin zu werden, und Stenotypistinnen bürgerlicher Herkunft konnten zur Privatsekretärin aufsteigen.[38]

Der Arbeitsalltag war besonders für Stenotypistinnen monoton, geistlos und sehr anstrengend. Nach einer Erhebung des Allgemeinen Freien Angestelltenbundes (Afa-Bund) waren nervöse Beschwerden typisch, hervorgerufen durch die Arbeit an der Schreibmaschine. Laut einer Umfrage des Zentralverbandes der Angestellten (ZdA) von 1930 machte rund die Hälfte von 5630 weiblichen Angestellten Überstunden, 42% von ihnen jünger als 20 Jahre. Vom schematisierten Arbeitsalltag waren besonders auch die unteren kaufmännischen Angestellten in Großbetrieben betroffen. Nach 1925 setzte eine verstärkte Rationalisierung in den Firmen ein, durch die vermehrt Büromaschinen wie Buchungsmaschinen, Frankierungsmaschinen oder Rohrpostanlagen eingeführt wurden. Durch Spezialisierung wurde Arbeit allgemein schematisiert, so dass sie planmäßiger und wirtschaftlicher wurde. Die negativen Folgen für den einzelnen Angestellten liegen auf der Hand: Die Tätigkeit war monoton und geistig abstumpfend, innerbetriebliche Beziehungen verarmten. So verlor die Individualität des Angestellten an Bedeutung, es dominierte das Kollektiv. Jedes Mitglied hatte einzelne begrenzte Tätigkeiten in ständiger Wiederholung zu verrichten.[39]

Dennoch erfreute sich der Angestelltenberuf gerade bei Arbeitertöchtern großer Beliebtheit. Schon vor dem 1. Weltkrieg war der Zulauf der Arbeiterkinder in die kaufmännische Angestelltenschaft größer als in technische Berufe. Diese Tendenz setzte sich fort, so dass 1929 von 100 weiblichen kaufmännischen Angestellten bereits 28,6 aus der Arbeiterschaft stammten.[40] In der Beliebtheitsskala rangierten Sekretärinnen und Kontoristinnen an erster Stelle, gefolgt von Verkäuferinnen. Fabrikarbeiterinnen lagen an letzter Stelle. Arbeitertöchter schätzten am Angestelltenberuf vor allem das höhere soziale Ansehen. Fabrikarbeiterinnen verdienten zwar oft mehr, kaufmännische Angestellte aber hatten Kontakt zu Kunden aus besseren Kreisen, konnten gepflegte Kleidung tragen und an einem relativ sauberen Arbeitsplatz tätig sein. Zudem waren für sie Benimm und Ausdrucksweise wichtig.

Die Medien waren, bedingt durch den enormen Zuwachs in dieser Berufsgruppe, eifrig damit beschäftigt, den Typ der weiblichen Angestellten als Prototyp der Neuen Frau zu propagieren: Diese stand selbstbewusst und gleichberechtigt im Berufsleben - mit den Markenzeichen des Bubikopfes, salopper Mode und Zigarette. Das Kino als wichtiges Instrument der öffentlichen Meinungsbildung vermittelte zum Beispiel mit dem Film Arm wie eine Kirchenmaus (1930) eine attraktive Aufstiegsbotschaft: Chef heiratet seine Sekretärin in Anerkennung ihrer beruflichen Leistung. Besonders kleine Angestellte waren eifrige Kinogänger und dankbare Rezipienten solcher Wunschbotschaften; oft entschied sich die Berufswahl daher auch im Kino. Tatsächlich heiratete aber die Mehrzahl weiblicher Angestellter einen Kollegen aus der gleichen sozialen Schicht, nur jede vierte wurde die Ehefrau eines Selbständigen. Ebenso reagierten die Printmedien auf den modernen Angestelltentyp, da das neue, fortschrittliche Frauenbild verkaufsstrategisch wichtig war. Es diente als Folie etlicher Mode-, Kosmetik- und Freizeittipps. Mit der Realität hatten diese Mediendarstellungen weiblicher Sehnsüchte natürlich wenig zu tun, waren aber angesichts der Arbeits- und Lebensverhältnisse der Zielgruppe durchaus verständlich.

Vor der Heirat lebten die meisten Mädchen bei ihren Eltern, da eine eigene Wohnung oder ein eigenes Zimmer für viele unerschwinglich war. Zu den beruflichen kamen häufig noch die häuslichen Verpflichtungen, denen auch nach einem 8-Stunden-Tag nachgegangen werden musste.[41] Die starke Familienbindung ist nicht verwunderlich, denn 93,6% der weiblichen Angestellten waren 1925 unverheiratet, zwei Drittel jünger als 25 Jahre.

Für viele junge Frauen war die gleichförmige, gering vergütete und nervlich belastende Bürotätigkeit nur dadurch erträglich, dass deren Ende durch eine Heirat absehbar war. So äußerte sich ein 17-jähriges Lehrmädchen im Jahr 1932:

Auch denke ich daran, wenn der richtige Mann kommen würde, würde ich ihm meine Hand reichen und ein eigenes Heim gründen. Es ist dies wohl der Wunsch eines jeden Mädchens, einmal raus aus dem Beruf und sein eigener Herr zu sein.[42]

Der Beruf war somit oft nicht Selbstzweck, diente nicht der Selbstverwirklichung, sondern nur als Mittel zur Erfüllung von Ehe- oder Aufstiegswünschen; letztere blieben meist Utopie. Diese fehlende Befriedigung im Beruf kompensierten die Frauen wiederum durch verstärkte Betonung ihrer äußerlichen Attraktivität und eine ausgeprägte Freizeitkultur, die neben dem Kinobesuch auch regelmäßige Tanzbar- und Cafébesuche sowie sportliche Aktivitäten umfasste. Solche Vorliebe für Vergnügen, Mode und Glamour war eine Form des Protests gegen den Berufsalltag und wirkte überdies identitätsstiftend. Allerdings wurde der Wunsch zu gefallen auch oft von den Vorgesetzten ausgenutzt: Junge, attraktive Frauen stellte man bevorzugt ein. Im Chef vereinigten sich häufig die natürliche Autorität der Vaterfigur und der Liebhaber. Die Frauen passten sich dem aus der Familie bekannten Autoritätsmuster an: Sie übernahmen den gehorchenden, der Chef den befehlenden Part. Aufgrund der Bevorzugung attraktiver Mitarbeiterinnen konkurrierte man untereinander um Privilegien wie Gehaltserhöhung oder Urlaubsverlängerung, die aus einer sexuellen Beziehung resultierten. Viele Frauen stellten die ihnen so zugewiesene Objektrolle nicht infrage.[43]

Somit blieben geschlechtsspezifische Rollenmuster bis in den Berufsalltag hinein stabil, denn noch waren die alten patriarchalischen Strukturen schwer aufzubrechen. Obwohl der Angestelltenberuf erheblich dazu beitrug, weibliche Erwerbstätigkeit auch über die Arbeiterklasse hinaus gesellschaftsfähig zu machen, galt er doch nur als Aufbewahrungshort bis zur Ehe; fast alle weiblichen Angestellten waren denn auch ledig und unter 25 Jahre alt (siehe oben). Als öffentliche Meinung galt, dass die Frau in der Übergangszeit zwischen Schule und Ehe arbeiten und sich ihre Aussteuer verdienen durfte. Von verheirateten Frauen erwartete man nach wie vor die ausschließliche Konzentration auf Ehemann, Haushalt und Kinder. Die Neue Frau der Angestelltenkultur kann daher, wie Ute Frevert konstatiert, vorwiegend als eine aus Furcht oder aus übersteigertem Fortschrittsbewusstsein entstandene Projektion einiger Männer bezeichnet werde sowie auch als ein gut zu vermarktendes Medienprodukt. Der emanzipatorische Aspekt der Frauenerwerbstätigkeit lag vor allem in der Selbstverständlichkeit der Unabhängigkeit in der meist kurzen vorehelichen Phase.[44]

Alice Rühle-Gerstels Kommentar aus dem Jahr 1932 ist ein treffendes Fazit des Dilemmas weiblicher Angestellter in der Weimarer Republik:

Ein halbseidener Beruf, halbseiden wie die Strümpfe und Hemdchen der Ladenfräuleins, halbseiden wie ihr Gemüt und ihre Gedankenwelt. […] Ihrer wirtschaftlichen Situation gemäß Proletarierin, ihrer Ideologie nach bürgerlich, ihrem Arbeitsfeld zufolge männlich, ihrer Arbeitsgesinnung nach weiblich. Schillernde Gestalten, von schillerndem Reiz oft, ebenso oft von schillernder Fragwürdigkeit, auf alle Fälle von schillernder Sicherheit ihres sozialen und seelischen Daseins.[45]

2.3 Frauen im Privatbereich: Sexualität, Ehe, Familie

Obwohl das traditionelle Rollenverhalten der Geschlechter insbesondere in der Ehe noch immer weithin erwartet wurde, gab es dennoch Veränderungen zwischen Mann und Frau in der Sexualität.

Diese fanden vor allem zwischen jungen Leuten statt, von denen viele aus kleinbürgerlichen, patriarchalisch organisierten familiären Bindungen in die Städte abwanderten und eine neue Einstellung zu Freizeit und Vergnügen entwickelten. Filmkultur und Kabarett in den Metropolen wie Berlin popularisierten weibliche Leitbilder wie das Girl oder den Vamp, Typen der emanzipierten femme fatale und femme enfant, die das bürgerliche Liebesleben in Frage stellten. Sie verkörperten sachliche Lässigkeit in Beziehungsfragen, Geselligkeit und Genuss ohne Gemeinschaftlichkeit und Bindung. Flirt, Abwechslung und Vergnügen war ihnen wichtiger als Liebe. Diese Leitbilder wurden von der städtischen Freizeitkultur übernommen. Bürgerliche Werte wie Treue, Liebe und Verbundenheit galten als veraltet oder peinlich. Man wollte keine seelischen Sentimentalitäten mehr, sondern sachlich das Körperliche in den Vordergrund stellen.[46]

J. R. Spinner diagnostizierte 1932 eine Umorientierung in Fragen der Ehe, Scheidung, Empfängnisverhütung und der freien Liebe, die er mit der Umwertung sexueller Moral seit dem 1. Weltkrieg in Zusammenhang brachte. Diese Umorientierung betraf laut Spinner zuerst Frauen, die durch kriegsbedingte neue Selbständigkeit selbstbewusster und in sexueller Hinsicht experimentierfreudiger wurden. Langsam entwickelte sich so bis in die zwanziger Jahre eine neue sexuelle Liberalität bei beiden Geschlechtern: Die neue Geschlechtsmoral hat die „Rationalisierung“ des Geschlechtstriebes ermöglicht.[47] Diese Rationalisierung war Spinner zufolge Hauptursache für die Anwendung von Empfängnis verhütenden Mitteln und die steigende Zahl der Abtreibungen, vorwiegend in den unteren sozialen Schichten, die sich keine weiteren Kinder leisten konnten.[48]

Daher war auch die Familie von dieser modernen Einstellung zur Sexualität betroffen. Zwar blieb das patriarchalische Familienrecht bestehen, strukturelle Veränderungen waren aber unvermeidbar. So wurde innerhalb der Sozial- und Kulturpolitik in den zwanziger Jahren schon die Krise der Familie diskutiert, hervorgerufen durch sinkende Geburtenraten, steigende Abtreibungs- und Scheidungsraten und freies Ausleben der Sexualität. Die Ursache sah man in den steigenden Erwerbsquoten der Frauen, die man des Egoismus beschuldigte, weil sie ihrer natürlichen Bestimmung des Mutter-Daseins nicht mehr nachkämen. Der Trend ging auch in Arbeiterkreisen zur Kleinfamilie: In den zwischen 1925 und 1929 geschlossenen Ehen kamen durchschnittlich nur 1,98 Kinder zur Welt, die Zwei-Kinder-Familie wurde zur Regel. Die Angestellten des neuen Mittelstandes bekamen häufig lediglich ein Kind.

Verhütung war meistens Frauensache, wobei aber die Kenntnisse auf diesem Gebiet sehr beschränkt waren. Weil Kondome für viele noch zu teuer oder unbekannt waren, behalf man sich oft mit Ausspülungen oder dem Coitus interruptus. Im schlimmsten Fall kam nur noch die Abtreibung in Frage, 1931 schätzungsweise eine Million Mal.[49] Da der Schwangerschaftsabbruch mit Gefängnis von bis zu 5 Jahren bestraft wurde, kam es zu vielen illegalen Abtreibungen und einer damit verbundenen größeren Sterblichkeit unter den betroffenen Frauen. Für die Frauen der Unterschicht, die sich weder Verhütungsmittel noch Familienzuwachs leisten konnten, blieb nur der Weg zu den so genannten Engelmacherinnen - eine euphemistische Bezeichnung für jene Frauen, die privat, unprofessionell und meist unter nicht ausreichend hygienischen Bedingungen Schwangerschaftsabbrüche vornahmen. Nach Angaben Spinners aus dem Jahr 1932 starben in den zwanziger Jahren 25 000 Frauen infolge solcher Abtreibungen, 250 000 trugen lebenslange Erkrankungen davon.[50]

1931 gab es Massenproteste für die Streichung des § 218 und die Straffreiheit von Abtreibungen, initiiert von Sexualreformern, Sozialdemokraten und Feministinnen; jedoch fanden diese Reformwünsche keine Mehrheit im Parlament.[51]

Angesichts solcher Verhältnisse war das Bedürfnis nach Aufklärung und Enttabuisierung sexueller Fragen groß. Der freie und öffentliche Diskurs über Verhütung und Geburtenregelung stellte eine geradezu revolutionäre Neuerung dar. Insbesondere in großen Städten wie Berlin wurden die Sexual- und Eheberatungsstellen erweitert, die auch Verhütungsmittel ausgaben. Aufklärungsarbeit leisteten darüber hinaus Apotheken, Ärzte, Familienzeitschriften oder Hersteller von Verhütungsmitteln. Sehr beliebt waren auch Schriften wie Van de Veldes Die vollkommene Ehe von 1926 oder Die Erotik in der Ehe von 1928.

Die Sexualreformbewegung gestand den Frauen gleiche sexuelle Bedürfnisse wie Männern zu, wich somit von dem alten Bild der Frau als einem scham- und tugendhaften Wesen ab. Ziel war die erfüllte und harmonische Ehe mit rationalisierter, perfekter Sexualität, was viele Frauen, die ja noch völlig anders erzogen waren, schlichtweg überforderte. Die moderne Frau wurde so gesehen: ihren Haushalt rational organisierend, ihrem Mann gegenüber sexuell aufgeschlossen und anpassungsbereit.

Ein harmonisches Sexualleben wurde als Garant für einen ausgeglichenen Gefühls- und Hormonhaushalt gepriesen. Unter Bezug auf die Naturwissenschaften galt Sexualität als natürlich und wesenseigen. Die Psychoanalyse verbreitete die Ansicht, dass sexuelle Verdrängung zu psychischen und physischen Störungen führen könne. Dabei sollten diese Reformbemühungen in erster Linie der Familie zugute kommen. Angesichts des Geburtenrückgangs, der für die damalige Zeit hohen Scheidungshäufigkeit (1921/25 kamen auf 1000 Eheschließungen 62 Scheidungen) und des für Frauen offenen Arbeitsmarktes wollte man die Ehe modernisieren und so attraktiv erhalten.[52]

Von einer Modernisierung der Ehe kann aber in rechtlicher Hinsicht nicht gesprochen werden, betrachtet man das nach wie vor patriarchalisch organisierte Eherecht. Demnach war die Frau mit der Heirat vollständig abhängig von ihrem Mann: Sie konnte ohne seine Zustimmung keinen Beruf ausüben, nicht verreisen, Erbschaften antreten, Bankkonten eröffnen oder Grundeigentum erwerben. Der Ehemann bestimmte Name, Wohnsitz, Staatsangehörigkeit seiner Frau und hatte Verfügungsrecht über ihr Vermögen sowie das Entscheidungsrecht in allen Angelegenheiten des Ehelebens. Faktisch bedeutete das, dass die Ehefrau ihrem Mann zu gehorchen hatte. Das Bürgerliche Gesetzbuch verankerte außerdem die Verpflichtung der Ehefrau, den Haushalt zu leiten und im Betrieb des Mannes zu helfen.[53]

Detlev J. K. Peukert konstatiert im Sexualitätsdiskurs der Weimarer Republik eine Ambivalenz der Enttabuisierung und Aufklärungsbemühungen: Zum einen wurden die breite Bevölkerung und besonders liberale Großstädter angesprochen, zum anderen aber auch die konservativen Lager der Kirchen und des Bürgertums provoziert. Im Bereich der öffentlichen Moral und der Justiz gab es Liberalisierungen, denen zufolge beispielsweise Homosexualität vor allem in den Metropolen wie Berlin geduldet wurde, Abtreibungen aber strafbar blieben. So bilanziert Peukert starke traditionalistische Vorbehalte und Irritationen gegenüber Ansätzen zu sexueller Emanzipation und rationalem Sexualverhalten.[54]

Diese Einschätzung fügt sich in das Bild widersprüchlicher öffentlicher Einstellungen gegenüber modernen Geschlechterverhältnissen und Emanzipationsbestrebungen der Frauen in der Weimarer Republik, wie es in Kapitel 2.2 entworfen wurde. Demnach befand sich die Mehrzahl der Frauen in einem Stadium zwischen modernen und traditionellen Rollenmustern, obwohl sich größere politische und berufliche Handlungsspielräume ergeben hatten. Denn trotz der Eroberung vieler Berufszweige, vor allem im Dienstleistungsbereich, waren die Arbeitsbedingungen (zum Beispiel in Bezug auf Lohn, Aufstiegsmöglichkeiten, Konkurrenz mit männlichen Kollegen, Absicherung bei Arbeitslosigkeit) oft nicht befriedigend; der Wunsch vieler Frauen nach sozialer Absicherung durch eine Ehe war daher verständlich. Zudem galt die weibliche Berufstätigkeit allgemeiner gesellschaftlicher Ansicht nach ohnehin noch immer nur als eine Art voreheliches Zwischenstadium. Den rechtlichen Neuerungen, die auf den ersten Blick Ansätze zur Emanzipation darstellten, standen bürgerliche Konventionen gegenüber, die der Frau ihren angestammten Platz in Ehe und Familie zuwiesen. Dies geschah besonders während der nach der Wirtschaftskrise geführten Doppelverdienerkampagne. Auch die sexuelle Befreiung der Frau sollte, wie schon oben deutlich wurde, hauptsächlich dazu dienen, Ehe und Familie für die Frau weiterhin attraktiv zu erhalten. Das freizügige, großstädtische Girl, das wechselnde Männerbekanntschaften und einen lockeren, offenen Umgang mit Sexualität der Ehe vorzog, war dennoch das Leitbild vieler junger Frauen. Verbreitet wurde es vor allem durch Kino und Revue.

3. Die Darstellung der Neuen Frau in den Medien

3.1 Film und Revue

Das Kino war eine der wichtigsten kulturellen Einrichtungen der Weimarer Republik und beeinflusste nahezu alle Lebensbereiche wie Lifestyle und Mode, Sexualität und Geschlechterverhältnisse, Kunst und Politik: […] der Film hat sie alle geprägt, indem er Bilder von Luxus, Tempo und Freiheit vorgaukelte, provinziell deutsche Denkschemata mit Bildern aus der weiten Welt konfrontierte, Tabus brach und Mode und Massenkonsum beeinflusste.[55] Anton Kaes gibt dem Kino der jungen deutschen Demokratie daher sogar den Status eines Motors der Moderne.[56]

Um zum drittgrößten deutschen Industriezweig zu werden, bedurfte die Kinoindustrie einer ständigen Expansion. So wurden jährlich im Durchschnitt 200-500 Filme produziert, begünstigt auch durch die Einfuhrkontrolle ausländischer Filme, die nur nach Entstehung eines deutschen Films gezeigt werden durften. Mit diesem 1926/27 eingeführten Kompensationssystem wollte man dem mächtigen Konkurrenten Amerika entgegenwirken. Die Ufa, größte Produktionsgesellschaft, war hauptsächlich verantwortlich für eine regelrechte Fließbandproduktion von Genre- und Serienfilmen, die vornehmlich der Unterhaltung dienen sollten.[57]

Die Filmindustrie reagierte auf die Veränderungen im Frauenalltag und auf weibliche Berufstätigkeit recht trivial. Hauptsächlich Anfang der dreißiger Jahre war der Typus der kleinen Angestellten im schweren Arbeitsalltag Gegenstand einiger Filme, die aber oft eine stereotype Dramaturgie aufwiesen, in der die Heirat mit dem Vorgesetzten das Ergebnis war, zum Beispiel Wilhelm Thieles Die Privatsekretärin (1931). Charaktere und Handlungsmuster entsprachen den Wunschvorstellungen vieler weiblicher Berufstätiger am Ende der Weimarer Republik. Die Filme antworteten auf die unbefriedigenden Arbeitsbedingungen und beruflichen Aussichten von Frauen, indem sie gezielt deren Zukunftswünsche nach beruflichem Aufstieg beziehungsweise - im Anschluss daran – nach einer lukrativen Ehe bedienten. Ziel war das Aufgreifen von Sehnsüchten als Ersatz für Entbehrungen des Alltags und damit Verflüchtigung im Sinne einer kurzfristigen Befriedigung in der Illusion.[58] In der Privatsekretärin etwa wehrt eine strebsam tugendhafte Stenotypistin, Angestellte einer Großbank, die Annäherungen des ihr unsympathischen Personalchefs erfolgreich ab. Die unablässigen Avancen des Bankdirektors lassen die Hauptdarstellerin aber bald ihren beruflichen Ehrgeiz vergessen, so dass das Happy End in einer versorgten Ehe gesichert ist. Weil dieser Film populäre, aber, wie Kapitel 2 gezeigt hat, unrealistische weibliche Sehnsüchte bediente wie förderte, wurde die dargestellte Wirklichkeit in der zeitgenössischen Kritik als euphemistisch[59] bezeichnet. Eine ähnliche Dramaturgie und Personenkonstellation weist auch Richard Oswalds Arm wie eine Kirchenmaus aus demselben Jahr auf: Stenotypistin aus ärmlichen Verhältnissen begeistert ihren Chef, den Generaldirektor einer Bank, mit ihrem Arbeitseifer; erreicht so den Aufstieg zur vertrauten Mitarbeiterin und wird am Ende seine Frau. Andere Filme nach diesem Muster folgten, etwa Fräulein – falsch verbunden (1932) oder Kleines Mädel – großes Glück (1933). Abgesehen von ihrer Berufstätigkeit verkörperten die Hauptdarstellerinnen aber wenige Merkmale neuer Weiblichkeit. Vielmehr wurden in solchen kurzweiligen Komödien – wenn auch teilweise indirekt - das Fortbestehen alter Geschlechterrollen und die Abhängigkeit weiblicher Angestellten von diesen thematisiert.

Die gelockerte Sexualmoral hingegen wurde im Weimarer Kino häufiger verarbeitet, ganz nach dem Geschmack eines unterhaltungs- und sensationsbedürftigen Publikums. Mit Schaffung und Popularisierung von Typen wie dem Girl oder Vamp (vgl. Kapitel 2.3) festigte man das Selbstverständnis moderner Frauen und Mädchen besonders in großstädtischer, freizügiger Umgebung und befriedigte männliche Sehnsüchte.

Häufigster Frauentyp im Kino der Zwanziger Jahre war der Vamp. Dessen Vorläufer, die femme fatale, galt in der europäischen Kunst und Literatur der Jahrhundertwende als Gegenpart zum vorherrschenden weichen, passiven Männertyp der Dekadenzliteratur. Frank Wedekinds Lulu wurde in seinen Dramen Der Erdgeist (1895) und Die Büchse der Pandora (1902) zum Prototyp der femme fatale, die durch Repräsentation des Geschlechtstriebes die Männer ruiniert. Im Gegensatz zum Vamp war die femme fatale jedoch auch Opfer ihrer Freizügigkeit und richtete sich ebenso zugrunde.

Erste Vertreterinnen des Vamps, die Filmgeschichte schrieben, waren Theda Bara in den USA und Asta Nielsen in Deutschland. Theda Bara wurde zum Star durch A Fool There Was von 1914, eine Verfilmung von Rudyard Kiplings The Vampire, in der sie einen gutbürgerlichen Familienvater in den Tod treibt. Mit diesem Film wurde der Begriff des Vamps populär. Außerdem spielte sie unter anderem Oscar Wildes Salome im Jahr 1918, einen Klassiker der femme fatale.[60]

Asta Nielsen trat in Deutschland als femme fatale schon früher in Erscheinung. 1910 wurde sie von Urban Gad für die Rolle eines Bürgermädchens engagiert, das zum Zirkus geht und auf die schiefe Bahn gerät: Abgründe hieß dieser Film, der Nielsen zum Stummfilmstar machte. Ähnliche Rollen als Mondäne, Ausgestoßene, Lasterhafte, Emanzipierte in Verfilmungen von Werken Shakespeares, Strindbergs, Wedekinds und anderer Autoren folgten. Prägend für Nielsens Karriere waren aber auch die Straßenfilme G.W. Pabsts und Bruno Rahns Mitte und Ende der zwanziger Jahre.[61] Dieses Genre verbreitete die femme fatale und den Vamp in deutschen Kinos; letzterer wurde Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre vor allem durch Greta Garbo und Marlene Dietrich verkörpert. Der Vamp kann als Weiterentwicklung der femme fatale angesehen werden, insofern er für die Freiheit einer emanzipierten Sexualität nicht mit Leben, Ruin oder Neurose bezahlt. Die Frauen dieses Typs kehrten in ihren Filmrollen oft die klassischen Funktionen von Mann und Frau um und gaben sich betont männlich dominierend. Die Männer hingegen wurden zu ihren willenlosen Opfern.[62]

Zunächst aber zum Weimarer Straßenfilm, in dem die Frauen meist eher dem Typ der femme fatale zuzuordnen waren, den Mann zwar auch verführten, aber nicht so emanzipiert wie spätere Vamps auftraten. Oft in der Rolle der Prostituierten, waren diese Frauen nicht so selbstbestimmt und frei, litten unter Armut und wurden von den Männern, die ihnen verfielen, in der Regel wieder verlassen.

Der Straßenfilm antwortete auf die zunehmende Urbanisierung Anfang der zwanziger Jahre, indem er den Reiz des Anderen, fernab vom kleinbürgerlichen Milieu, aber auch die potentiellen Gefahren der Großstadt in der Figur der femme fatale manifestierte. Als Gegenbild fungierte die brave und fleißige Ehefrau oder Mutter, Verkörperung reizloser Gleichförmigkeit und wenig aufregender Sicherheit der häuslichen Atmosphäre und ländlichen Umgebung. Die Straße war der Ort der Kriminalität und Verlockungen, verkörpert unter anderem in der femme fatale, die das kleinbürgerliche Idyll eines Mannes zu zerstören drohte. Erster Film dieses Genres war Karl Grunes Die Straße von 1923, dessen Handlung das Muster für viele weitere Straßenfilme lieferte: Der männliche Protagonist mittelständischer Herkunft wird in die verführerische Welt der Straße gelockt, kehrt aber, nachdem er Gefahren ausgesetzt war und Enttäuschungen hat erleben müssen, reumütig nach Hause zurück.

[...]


[1] Richard Huelsenbeck: Bejahung der modernen Frau. In: F.M. Huebner (Hrsg.): Die Frau von morgen wie wir sie wünschen. Eine Essaysammlung aus dem Jahre 1929. Frankfurt a. M. 1990, S. 34+36.

[2] Vgl. Ute Frevert: Frauen-Geschichte. Zwischen Bürgerlicher Verbesserung und Neuer Weiblichkeit. Frankfurt a. M. 1986, S. 72-80.

[3] Walther von Hollander: Autonomie der Frau. In: F.M. Huebner 1990, S. 39 + 43.

[4] Alice Rühle-Gerstel: Das Frauenproblem der Gegenwart. Eine psychologische Bilanz. Leipzig 1932, S. 408-409.

[5] Vgl. Dem Führer ein Kind schenken. Mutterkult im Nationalsozialismus. In: Maruta Schmidt/Gabi Dietz (Hrsg.): Frauen unterm Hakenkreuz. Berlin 1983, S. 74-76.

[6] Margret Karsch: „Demontage der Klischees“. In: ZEIT Online. 08.03.2007.

[7] Vgl. Emma Oekinghaus: Die gesellschaftliche und rechtliche Stellung der deutschen Frau. Jena 1925,

S. 123-125.

[8] Ebd., S. 125.

[9] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 166-167.

[10] Vgl. Emma Oekinghaus 1925, S. 125.

[11] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 164-165.

[12] Vgl. Ute Gerhard: Unerhört. Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung. Hamburg 1990, S. 333.

[13] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 165-166.

[14] Vgl. Ute Gerhard 1990, S. 342-343.

[15] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 167.

[16] Vossische Zeitung: 14.07.1931, zit. n.: Alice Rühle-Gerstel 1932, S. 390.

[17] Ebd.

[18] Vgl. Alice Rühle-Gerstel 1932, S. 391.

[19] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 167-171.

[20] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 146, 151-152.

[21] Vgl. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Vierter Band. Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten. 1914-1949. München 2003, S. 237.

[22] Vgl. Stefan Bajohr: Die Hälfte der Fabrik. Geschichte der Frauenarbeit in Deutschland 1914-1945. Marburg 1979, S. 189-202.

[23] Vgl. ebd., S. 168-175.

[24] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 192-193.

[25] Ebd., S. 202.

[26] Vgl. ebd., S. 200-201.

[27] Vgl. Hans-Ulrich Wehler 2003, S. 237.

[28] Vgl. Claudia Hahn: Der öffentliche Dienst und die Frauen – Beamtinnen in der Weimarer Republik. In: dies.: Mutterkreuz und Arbeitsbuch. Zur Geschichte der Frauen in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Frankfurt a. M. 1981, S.59-60.

[29] Vgl. ebd., S. 60-63.

[30] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 192.

[31] Alice Rühle-Gerstel 1932, S. 308.

[32] Vgl. ebd., S. 310.

[33] Vgl. Ute Frevert: Vom Klavier zur Schreibmaschine - Weiblicher Arbeitsmarkt und Rollenzuweisungen am Beispiel der weiblichen Angestellten in der Weimarer Republik. In: Annette Kuhn/Gerhard Schneider (Hrsg.): Frauen in der Geschichte. Düsseldorf 1979, S. 85-90.

[34] Vgl. Hans Speier: Die Angestellten vor dem Nationalsozialismus. Zur deutschen Sozialstruktur 1918-1933. Frankfurt a. M. 1989, S. 78.

[35] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 173.

[36] Vgl. Hans Speier 1989, S. 50-51.

[37] Vgl. Alice Rühle-Gerstel 1932, S. 293-295.

[38] Vgl. Hans Speier 1989, S. 70-71.

[39] Vgl. Hans Speier 1989, S. 48-51.

[40] Vgl. ebd., S. 56-60.

[41] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 176-179.

[42] Vgl. Fritz Urbschat: Das Seelenleben der kaufmännisch tätigen Jugendlichen. Langensalza 1932, S. 77, zit. n.: Ute Frevert 1979, S. 99-100.

[43] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 94-102.

[44] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 174 + 180.

[45] Alice Rühle-Gerstel 1932, S. 299-300.

[46] Vgl. Jost Hermand, Frank Trommler: Die Kultur der Weimarer Republik. Frankfurt a. M. 1988, S. 80-84.

[47] J. R. Spinner: Ehekrisen und Ehereform (1932). In: Frauenalltag und Frauenbewegung im 20. Jahrhundert. Bd. II. Frauenbewegung und die „Neue Frau“ 1890-1933. Frankfurt a. M. 1980, S. 111-116.

[48] Vgl. ebd., S. 116-117.

[49] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 180-182.

[50] Vgl. J.R. Spinner 1932, S. 118-119.

[51] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 182.

[52] Vgl. Ute Frevert 1986, S. 184-188.

[53] Vgl. Emma Oekinghaus 1935, S. 134-141.

[54] Vgl. Detlev J.K. Peukert: Die Weimarer Republik. Frankfurt a. M. 1987, S. 109.

[55] Anton Kaes: Film in der Weimarer Republik. Motor der Moderne. In: ders., Wolfgang Jacobsen, Hans Helmut Prinzler (Hrsg.): Geschichte des deutschen Films. Stuttgart 1993, S. 100.

[56] Vgl. ebd.

[57] Vgl. ebd., S. 39, 46, 71.

[58] Helmut Korte: Der Spielfilm und das Ende der Weimarer Republik. Göttingen 1998, S. 349.

[59] Helmut Korte 1998, S. 349.

[60] Vgl. Enno Patalas: Sozialgeschichte der Stars. Hamburg 1963, S. 50-55.

[61] Vgl. ebd. und Renate Seydel: Stars der Zwanziger. In: Kristine von Soden, Maruta Schmidt (Hrsg.): Neue Frauen. Die zwanziger Jahre. Berlin 1988, S. 138-139.

[62] Vgl. ebd., S. 131-132.

Details

Seiten
124
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783836615891
Dateigröße
703 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225947
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Sprach- und Literaturwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
neue frau irmgard keun emanzipation weimarer republik frauenroman

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Das Bild der 'Neuen Frau' im Frühwerk Irmgard Keuns