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Private Equity: Fluch oder Segen?

Eine empirische Analyse

Bachelorarbeit 2008 106 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Gliederung

Kurzfassung

Abstract

Schlüsselwörter

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 EinLEITUNG
1.1 MOTIVATION DER ARBEIT
1.2 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG
1.3 PROBLEMABGRENZUNG
1.4 AUFBAU DER ARBEIT

2 PRIVATE EQUITY - Allgemeines
2.1 EINFÜHRUNG
2.2 BEGRIFFSDEFINITION "PRIVATE EQUITY"
2.2.1 Abgrenzung zu Venture Capital
2.3 BEWEGGRÜNDE FÜR PE-INVESTITIONEN
2.4 VOLKSWIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN VON PRIVATE EQUITY

3 PRIVATE EQUITY - charakteristika
3.1 EINFÜHRUNG
3.2 DIE ANLAGESTRATEGIE VON PE-BETEILIGUNGSGESELLSCHAFTEN
3.3 PE-SEGMENTE & DAS PE-GESCHÄFTSMODELL
3.4 DIE UNTERSCHIEDLICHEN STUFEN EINER PE-FINANZIERUNG
3.5 BETEILIGUNGSFORMEN AN PRIVATE EQUITY
4 DIE EMPIRISCHE ANALYSE
4.1 EINFÜHRUNG, AUSGANGSSITUATION & BERECHNUNGSKENNZAHLEN
4.2 EMPIRISCHE ANALYSE DES PE-INDIZES "LPX 50®"
4.3 EMPIRISCHE ANALYSE DES PE-INDIZES "LPX® BUYOUT"
4.4 EMPIRISCHE ANALYSE DES PE-INDIZES "LPX MAJOR MARKET®"
4.5 EMPIRISCHE ANALYSE DES PE-INDIZES "LPX® EUROPE"
4.6 EMPIRISCHE ANALYSE DES PE-INDIZES "LPX® AMERICA"
4.7 EMPIRISCHE ANALYSE DES PE-INDIZES "LPX® VENTURE"
4.8 EMPIRISCHE ANALYSE "AKTIEN- UND BONDBENCHMARK"
4.8.1 MSCI World Aktienbenchmark
4.8.2 WGBI Euro Bondbenchmark
4.9 RESÜMEE DER EMPIRISCHEN ANALYSE

5 DIE PORTFOLIOOPTIMIERUNG
5.1 EINFÜHRUNG
5.2 ERWARTETE RENDITE EINES PORTFOLIOS
5.3 ERWARTETES RISIKO EINES PORTFOLIOS
5.4 KOVARIANZ, KORRELATION UND PORTFOLIODIVERSIFIKATION
5.5 DIE EFFIZIENZGRENZE (MARKOWITZ) & KAPITALMARKTLINIE (TOBIN)
5.6 BESTIMMUNG DER OPTIMALEN PORTFOLIOZUSAMMENSETZUNG
5.6.1 Optimal Risky Portfolio (LPX 50 ® - MSCI - WGBI)
5.6.2 Optimal Risky Portfolio (LPX ® Buyout - MSCI - WGBI)
5.6.3 Optimal Risky Portfolio (LPX Major Market ® - MSCI - WGBI)
5.6.4 Optimal Risky Portfolio (LPX ® Europe - MSCI - WGBI)
5.6.5 Optimal Risky Portfolio (LPX ® America - MSCI - WGBI)
5.6.6 Optimal Risky Portfolio (LPX ® Venture - MSCI - WGBI)
5.7 ERKENNTNISSE AUS DER PORTFOLIOOPTIMIERUNG

6 FAZIT UND AUSBLICK

Quellenverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 2.1: Private Equity Renditenvergleich

Abb. 3.1: Private Equity Segmente

Abb. 3.2: Private Equity Geschäftsmodell

Abb. 3.3: Unternehmensentwicklungsmodell

Abb. 3.4: Private Equity Beteiligungsformen

Abb. 3.5: Risikostreuung bei Dachfonds

Abb. 4.1: Indexcharakteristika des LPX 50®

Abb. 4.2: LPX 50® „Total Return Index“ Entwicklung

Abb. 4.3: Indexcharakteristika des LPX® Buyout

Abb. 4.4: LPX® Buyout „Total Return Index“ Entwicklung

Abb. 4.5: Indexcharakteristika des LPX Major Market®

Abb. 4.6: LPX Major Market® „Total Return Index“ Entwicklung

Abb. 4.7: Indexcharakteristika des LPX® Europe

Abb. 4.8: Index Vergleich LPX® Europe vs. Major Market Indizes

Abb. 4.9: LPX® Europe „Total Return Index“ Entwicklung

Abb. 4.10: LPX® America „Total Return Index“ Entwicklung

Abb. 4.11: LPX® Venture „Total Return Index“ Entwicklung

Abb. 4.12: MSCI World “Total Return Index” Entwicklung

Abb. 4.13: WGBI Euro “Total Return Index” Entwicklung

Abb. 4.14: LPX® Venture „Total Return Index“ Entwicklung (NEU)

Abb. 5.1: Risiko / Rendite Schema eines Portfolios

Abb. 5.2: Korrelationsmöglichkeiten

Abb. 5.3: Die Effizienzgrenze nach Markowitz

Abb. 5.4: Die Kapitalmarktlinie nach Tobin

Abb. 5.5: Korrelationsgraphik LPX 50® / MSCI World

Abb. 5.6: Korrelationsgraphik LPX 50® / WGBI Euro

Abb. 5.7: Korrelationsgraphik LPX® Buyout / MSCI World

Abb. 5.8: Korrelationsgraphik LPX® Buyout / WGBI Euro

Abb. 5.9: Korrelationsgraphik LPX Major Market® / MSCI World

Abb. 5.10: Korrelationsgraphik LPX Major Market® / WGBI Euro

Abb. 5.11: Korrelationsgraphik LPX® Europe / MSCI World

Abb. 5.12: Korrelationsgraphik LPX® Europe / WGBI Euro

Abb. 5.13: Korrelationsgraphik LPX® America / MSCI World

Abb. 5.14: Korrelationsgraphik LPX® America / WGBI Euro

Abb. 5.15: Korrelationsgraphik LPX® Venture / MSCI World

Abb. 5.16: Korrelationsgraphik LPX® Venture / WGBI Euro

Abb. 6.1: Portfoliostruktur bei Beimischung von Private Equity

Tabellenverzeichnis

Tab. 2.1: Abgrenzung Private Equity und Venture Capital

Tab. 4.1: Empirische Analyse Ergebnisse des LPX 50®

Tab. 4.2: Empirische Analyse Ergebnisse des LPX® Buyout

Tab. 4.3: Empirische Analyse Ergebnisse des LPX Major Market®

Tab. 4.4: Empirische Analyse Ergebnisse des LPX® Europe

Tab. 4.5: Empirische Analyse Ergebnisse des LPX® America

Tab. 4.6: Empirische Analyse Ergebnisse des LPX® Venture

Tab. 4.7: Empirische Analyse Ergebnisse des MSCI World

Tab. 4.8: Empirische Analyse Ergebnisse des WGBI Euro

Tab. 4.9: Empirische Analyse Ergebnisse des LPX® Venture (NEU)

Tab. 5.1: Systematisches Risiko vs. Unsystematisches Risiko

Tab. 5.2: LPX 50® - Berechnungskennzahlen zur Portfoliooptimierung

Tab. 5.3: LPX 50® - Ergebnisse der Portfoliooptimierung

Tab. 5.4: LPX® Buyout - Berechnungskennzahlen zur Portfoliooptimierung

Tab. 5.5: LPX® Buyout - Ergebnisse der Portfoliooptimierung

Tab. 5.6: LPX Major Market® - Berechnungskennzahlen zur Portfoliooptimierung

Tab. 5.7: LPX Major Market® - Ergebnisse der Portfoliooptimierung

Tab. 5.8: LPX® Europe - Berechnungskennzahlen zur Portfoliooptimierung

Tab. 5.9: LPX® Europe - Ergebnisse der Portfoliooptimierung

Tab. 5.10: LPX® America - Berechnungskennzahlen zur Portfoliooptimierung

Tab. 5.11: LPX® America - Ergebnisse der Portfoliooptimierung

Tab. 5.12: LPX® Venture - Berechnungskennzahlen zur Portfoliooptimierung

Tab. 5.13: LPX® Venture - Ergebnisse der Portfoliooptimierung

Abkürzung sverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kurzfassung

In der vorliegenden Thesis wird dem „angeblichen“ Schrecken des Kapitalmarktes und gleichzeitigen Rendite-Phänomen „Private Equity“ explizit und auf wissenschaftlicher Basis auf den Grund gegangen. Neben einer ausführlichen Begriffsdefinition und Einführung in die Thematik, der umfangreichen Darlegung aller typischen Charakteristika sowie den volkswirtschaftlichen Auswirkungen, wird anhand einer empirischen Analyse sowie Portfoliooptimierung dargestellt, welche Auswirkungen PE-Anlagen - im Vergleich zum Aktien- und Bondbenchmark - im Portfolio eines Investors haben. Im abschliessenden Fazit und Ausblick wird die Forschungsfrage der Arbeit nochmals repetiert und resümierend festgehalten, welchen Stellenwert Private Equity mittlerweile in der modernen Wirtschaftswelt innehat.

Abstract

In the presented paper the so called scare of the capital market and the, at the same time, occurring phenomenon of "Private Equity" are being explicit and scientifically investigated. Besides a clear definition and introduction to the subject, a detailed explanation of the typical characteristics and investigation about the economical consequences, an empirical analysis and following portfolio optimisation will give a clear statement of how PE-investments affect the portfolio of an investor compared to the stock and bond benchmark. In the final conclusion and outlook the research question will be repeated and a summarizing statement will present the importance of Private Equity in the modern world of economy.

Schlüsselwörter

Private Equity – Heuschreckendebatte – Risiko / Rendite Relation – Beteiligungsgesellschaft – Anlagestrategie – Beteiligungsmöglichkeiten – Empirische Analyse – PE-Indizes – Benchmark – Diversifikation – Korrelation – Portfoliooptimierung – Assetklassen – Charakteristika

1 Einleitung

1.1 Motivation der Arbeit

„Wir müssen denjenigen Unternehmern, die die Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen und die Interessen ihrer Arbeitnehmer im Blick haben, helfen gegen die verantwortungslosen Heuschreckenschwärme, die im Vierteljahrestakt Erfolg messen, Substanz absaugen und Unternehmen kaputtgehen lassen, wenn sie sie abgefressen haben. Kapitalismus ist keine Sache aus dem Museum, sondern brandaktuell.“ [1]

Mit dieser Aussage während eines öffentlichen Vortages im November 2004, brachte der ehemalige deutsche Bundesarbeitsminister, Franz Müntefering (Sozialdemokratische Partei Deutschlands), erstmals „indirekt“ den Begriff von „Private Equity“ in den Fokus der breiten Öffentlichkeit. Die daraufhin entfachte „Heuschreckendebatte“ führte über Monate hinweg zu heftigen Kontroversen zwischen Befürwortern und Gegnern. Auf Seiten der Medien blieb die Äusserung weitestgehend unangetastet und wurde nur in Einzelfällen kritisch hinterfragt.

Repräsentativ für diese Haltung war auch eine infas-Umfrage die zu Tage befördert hat, dass nur 13% aller Befragten angaben, schon einmal vom Begriff „Private Equity“ gehört zu haben. Von dieser Personengruppe konnten in Folge dann aber nur 55% dem Begriff auch die richtige Definition zuordnen. Die restlichen 87% der „Unwissenden“ gaben nach einer kurzen Definitionserklärung zu verstehen, dass sie basierend auf den ganzen Heuschrecken-Diskussionen, die Politiker vom Zaun gebrochen haben, nun vor allem Angst um ihre Arbeitsplätze sowie dem Einfluss fremder Investoren hätten. Weiters führte der überwiegende Grossteil dieses Personenkreises an, dass bei Finanzproblemen mittelständischer Unternehmen der Staat oder Banken aushelfen müssen, da andere Alternativen, respektive Optionen nicht vorhanden sind. Diese

erschreckende Unwissenheit dürfte ein typisches Phänomen im deutschsprachigen Raum sein und den noch immer vorhandenen, enormen Staatseinfluss widerspiegeln.[2]

Auf wirklich ernsthafte Kritik und entsprechende Gegenwehr ist Münteferings Äusserung im Inland eigentlich nur bei renommierten Wirtschaftswissenschaftlern sowie Teilen der deutschen Wirtschaft gestossen. Hier war der Aufschrei der Entrüstung jedoch besonders laut da befürchtet wurde, dass eine solche in der Öffentlichkeit geführte Diskussion nachhaltig den Wirtschaftsstandort uninteressant macht und somit in letzter Konsequenz auch der deutschen Wirtschaft massiven Schaden zufügen könnte. In diesem Kontext beeilte sich damals auch sein SPD-Parteikollege und ehemalige Bundesfinanzminister, Hans Eichel, in mehreren offiziellen Erklärungen die Wogen zu glätten und entsprechend zu erklären, dass alle internationalen Investoren selbstredend jederzeit in Deutschland willkommen seien.

Wie diese Reaktion zeigte, hatte die ganze Diskussion zwischenzeitlich bereits internationale Dimensionen angenommen und Deutschland wurde auf internationalem Parkett von vielen Seiten heftig kritisiert. Vor allem der ehemalige US-Finanzminister, John Snow, hat sich damals mit heftiger Kritik an seinem deutschen Ministerkollegen ausgezeichnet. „Ich denke nicht in diesen Begriffen, Kapital ist eine Quelle des Wachstums und es gibt keinen Konflikt zwischen Kapital und Jobs“[3] war seine unmissverständliche Botschaft in Richtung Deutschland. In diesem Kontext ist vielleicht interessant zu erwähnen, dass just jener John Snow, heute Chairman bei „Cerberus Capital Management L.P.“ ist, - einem der weltweit grössten PE-Investmentunternehmen.

Handelte es sich somit hier um eine pure Demagogie Münteferings, die auf

den Beifall der vom Arbeitsplatzverlust betroffenen Menschen zielt oder steckt tatsächlich mehr hinter solch öffentlich publizierten Thesen?

Realität ist, dass der globale PE-Boom zwischenzeitlich längst auch bei uns angekommen ist und stetig weiter im Wachsen begriffen ist. Deutlich wird dieser Trend anhand folgender Fakten:

- Das in Deutschland investierte PE-Kapital betrug im Jahre 2002 ca. 6,90 Milliarden Euro – zwei Jahre später waren es bereits 22,5 Milliarden Euro
- Der weltweite Anteil von PE-Gesellschaften bei Unternehmenskäufen lag im Jahr 2000 bei 3% - 2004 waren es 14% und hatte ein Volumen von 294 Milliarden US-Dollar erreicht
- Global wurde für Ende 2007 mit dem Abschluss eines Fondsvolumen von 450 - 500 Milliarden US-Dollar gerechnet[4]

Die Erkenntnis, dass innovative Entwicklungen wie beispielsweise das Internet sowie andere zukunftsweisenden Technologien erst durch die Bereitstellung von wagemutigen Risikokapitalgebern realisierbar wurden, gelangt mittlerweile auch in Europa immer stärker in das Bewusstsein der Mainstream-Investoren. Private Equity wird in Folge dessen auch bei uns vermehrt als grosses Chancenpotential für die Wirtschaft wahrgenommen.

Nicht zuletzt auch aufgrund dieser Entwicklung, gilt Private Equity aktuell als das am stärksten wachsende Segment auf dem internationalen Finanzmarkt. Dies bewegt dazu der Frage nachzugehen, welche Chancen und Risiken sich aus PE-Investitionen für Anleger im Rahmen ihres persönlichen Portfoliomanagements darstellen, sowie die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Private Equity kurz im Gesamtkontext entsprechend zu analysieren.

1.2 Problemstellung und Zielsetzung

PE-Gesellschaften beherrschen zunehmend die globale Wirtschaft und „grasen“ dabei sprichwörtlich den ganzen Erdball nach lukrativen Beteiligungsmöglichkeiten ab.

Finanzinvestoren dieser Art sind in den letzten Jahren auch zunehmend stark in Europa aktiv. Da PE-Investments, im Gegensatz zu den USA bzw. England, bei uns jedoch erst seit geraumer Zeit in den Fokus der Privatanleger sowie hiesigen Mainstream-Investoren gerückt ist, sind die Einflüsse auf das eigene Portfoliomanagement aktuell noch nicht gänzlich zufriedenstellend erforscht. Hinsichtlich des Wachstumspotentials des Marktes und des damit stetig steigenden Angebotes bei dieser alternativen Assetklasse, stellt Private Equity, neben institutionellen Anlegern, auch für immer mehr Privatinvestoren eine interessante Anlagemöglichkeit dar. Im Rahmen der Investmententscheidung ist es für potentielle Anleger von essentieller Bedeutung, dass auch die Einflüsse dieser (neuen) alternativen Assetklassen auf das eigene Portfolio, zumindest in gewissem Masse einschätzbar, respektive kalkulierbar sind.

Das Ziel dieser Arbeit besteht somit darin, die Chancen und Risiken für Investoren bei PE-Investitionen in sechs global bedeutende PE-Indizes anhand einer empirischen Analyse, respektive fundierter Kennzahlberechnungen entsprechend zu messen. Zudem sollen durch empirische Vergleiche mit zwei der weltweit bedeutendsten Benchmarks (MSCI World und WGBI Euro) Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie sich die Risiko / Rendite Relation im Verhältnis zu diesen darstellt. Im ausgewählten Beobachtungszeitraum 01.01.1998 – 01.01.2008 werden die einzelnen Indizes in puncto Rendite, Volatilität sowie Sharpe Ratio miteinander verglichen. Basierend darauf wird in Folge eine Portfoliooptimierung durchgeführt, welche die Auswirkungen von PE-Anlagen im eigenen Portfolio neben oben erwähntem Aktien- und Bondbenchmark analysieren soll.

1.3 Problemabgrenzung

Im Praxisteil der vorliegenden Arbeit wird ausschliesslich anhand vorliegender, empirischer Daten- und Zeitreihen von Thomson –„Datastream Advance“ bzw. dadurch möglicher Kennzahlberechnungen dargestellt, wie sich der „Total Return Index“ einzelner PE-Indizes im Verlauf der letzten 10 Jahre entwickelt hat, welche Renditen hieraus generiert werden konnten und wie sich die jeweilige Risiko / Rendite Relation im empirischen Vergleich mit dem MSCI World Aktien- und WGBI Euro Bondbenchmark dargestellt hat. Zudem wird analysiert, welche Auswirkungen solche PE-Investitionen in Kombination mit oben erwähnten Benchmarks im eigenen Portfolio haben. Daraus jedoch eine direkte Anlageempfehlung für potentielle Investoren abzuleiten bzw. etwaige Trends und Prognosen für die Zukunft herauszulesen, ist nicht Sinn und Zweck dieser Arbeit.

Bei der Betrachtung der volkswirtschaftlichen Auswirkungen von PE-Investitionen werden lediglich gegebene und nachweisbare „Ist-Zustände“ anhand vorliegender Statistiken dargestellt und entsprechend interpretiert. Daraus resultierend soll der Leser im Anschluss selbst in der Lage sein, das Potenzial von PE-Investitionen für allgemeines Wirtschaftswachstum, Arbeitsplatzbeschaffung, Strukturwandel, Ausbau von Forschung & Entwicklung etc.. in der heutigen, globalisierten Wirtschaftswelt zu erkennen, respektive richtig einzuordnen.

Es erfolgen in der Arbeit keine volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Analysen auf wissenschaftlicher Basis, keine ethischen bzw. moralischen Betrachtungen oder Fragen über die Notwendig- oder Sinnhaftigkeit von PE-Beteiligungsgesellschaften. Es wird lediglich vor Augen geführt, was für einen Impact „Private Equity“ für die volkswirtschaftliche Gesamtentwicklung leisten kann sowie welche Rahmenbedingungen seitens der Politik – im Sinne einer funktionierenden Gesellschaft - hierfür geschaffen werden müssen.

1.4 Aufbau der Arbeit

Zu Beginn dieser vorliegenden Thesis wird in Kapitel II: „Private Equity – Allgemeines“ der Fokus auf eine genaue Begriffsdefinition sowie die Abgrenzung zur verwandten Assetklasse des „Venture Capital“ gelegt. Im Anschluss daran werden die Beweggründe für PE-Investitionen näher erläutert, wobei in diesem Kontext sowohl die Entscheidungsmotive seitens der PE-Beteiligungsgesellschaften als auch jene der übernommenen Unternehmen betrachtet werden. Basierend darauf folgt dann eine kurze Analyse über die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Private Equity, um zumindest eine ansatzweise Antwort auf die Fragestellung zu erhalten, ob es sich bei PE-Gesellschaften tatsächlich um die vielzitierten Heuschrecken der Volkswirtschaft handelt oder ob sie gänzlich konträr dazu doch ehender als Honigbienen der modernen Wirtschaftswelt zu bezeichnen sind. In Kapitel III: „Private Equity – Charakteristika“ werden zunächst die vier Hauptcharakteristika von Private Equity zur Unterscheidung von traditionellen Assetklassen dargestellt. Im Anschluss daran wird die Anlagestrategie von PE-Beteiligungsgesellschaften erläutert sowie das PE-Geschäftsmodell und die einzelnen PE-Segmente näher betrachtet. In weiterer Folge werden dann noch die einzelnen Stufen der PE-Finanzierung sowie die unterschiedlichen Beteiligungsformen an Private Equity ausführlich erklärt. In Kapitel IV: „Die empirische Analyse“ werden sechs global bedeutende PE-Indizes in einem 10-Jahresvergleich in puncto Rendite, Volatilität und Sharpe Ratio mit dem Aktienbenchmark „MSCI World“ sowie dem Bondbenchmark „WGBI Euro“ miteinander verglichen. In Kapitel V: „Die Portfoliooptimierung“ folgt als Einführung zunächst ein theoretischer Rekurs und die schrittweise Erklärung der einzelnen Bausteine der Modell-Konzeption gemäss „Markowitz und Tobin“. Im Anschluss daran werden sechs so genannte „optimal risky portfolios“ berechnet um darzustellen, was für Auswirkungen PE-Anlagen in Kombination mit oben erwähnten Benchmarks im eigenen Portfolio haben. Im Fazit der Thesis wird die Forschungsfrage nochmals repetiert und auf Tendenzen hingewiesen.

2 Private Equity - Allgemeines

2.1 Einführung

„Bescheidenheit ist nicht die Stärke der Private-Equity-Branche. «Super Return» heisst die Konferenz, zu der sich die Elite der Finanzinvestoren jährlich ihr Stelldichein gibt. In diesem Jahr sprechen David Rubinstein, Gründer der Carlyle Group, und David Bonderman von der Texas Pacific Group zu den 1500 Gästen in München. Auf dem Höhepunkt des Buyout-Booms wurde die Konferenz ihrem Namen durchaus gerecht. Gemäss dem Datenanbieter Bloomberg schlossen Private-Equity-Firmen im ersten Halbjahr 2007 Unternehmens-Übernahmen im Wert von 537 Mrd. $ ab.“ [5]

Der globale Boom auf dem Sektor „Private Equity“ hält unvermindert an und es werden mittlerweile bereits fast wöchentlich Abschlüsse in Milliardenhöhe bekannt gegeben. Im Sommer 2007 machte hierbei vor allem die bekannte US-Beteiligungsgesellschaft „Blackstone“ von sich reden, in dem weltweit via Medien die Übernahme der Hilton Hotelgruppe für knapp 26 Milliarden US-Dollar angekündigt wurde. Erst kürzlich hat auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, in einem TV-Interview durchblicken lassen, dass unternehmensintern ähnliche Überlegungen wie seinerzeit bei der Deutschen Telekom im Gange seien, welche 2006 trotz heftiger politischer Interventionen 4,5% ihrer Anteile an „Blackstone“ veräusserte. In diesem Kontext sowie der weithin verbreiteten Befürchtung vom grossflächigen Verlust von Arbeitsplätzen, ist der Begriff „Private Equity“ auch bei uns in aller Munde und die Thematik aktueller denn je.

Was steckt wirklich hinter dem vermeintlichen Schrecken der Finanzwelt? Private Equity dient als Überbegriff für den gesamten Markt der privaten Unternehmensfinanzierungen als Gegenstück zum Public Market. Aus der Sicht Kapital suchender Unternehmen ist es ein flexibles Finanzierungsinstrument, aus der Sicht der Investoren eine interessante Anlage- bzw. Investitionskategorie. Durch die Bereitstellung von entsprechendem Kapital nehmen PE-Gesellschaften eine immer wichtiger werdende Rolle in der Wirtschaft, respektive der volkswirtschaftlichen Entwicklung ein. Das zur Verfügung gestellte Kapital dient einer nachhaltigen Entwicklung eines Unternehmens sowie der Sicherung, respektive Schaffung von (zusätzlichen) Arbeitsplätzen.[6]

2.2 Begriffsdefinition „Private Equity“

Für Unternehmen gibt es grundsätzlich zwei Varianten, sich Kapital zu verschaffen. Zum einen als Fremdkapital, beispielsweise durch Kredite, Darlehen oder Kapitalmarktanleihen und zum anderen als Eigenkapital wie etwa durch Haftungseinlagen der Gesellschafter, gezeichnetes Eigenkapital oder eben Private Equity. In diesem Sinne bezeichnet Private Equity haftendes Eigenkapital, mit dem sich private Investoren an einem Unternehmen für einen beschränkten Zeitraum mit dem Ziel der Wertsteigerung beteiligen. Dies geschieht zumeist, indem PE- Gesellschaften das Geld ihrer Anleger (Banken, Versicherungen, Pensionskassen, Privatanleger etc…) sammeln und nach geeigneten Beteiligungsmöglichkeiten suchen. Interessant ist das Private Equity Angebot insbesondere für Unternehmen, denen aufgrund ihres Entwicklungszyklus anderweitige Massnahmen der Kapitalbeschaffung erschwert sind.[7]

Im Rahmen dieser Thesis soll folgende Definition gelten:

„Private Equity ist die mittel- bis langfristige Finanzierung von nicht börsennotierten Unternehmen in einer entscheidenden Phase ihrer Entwicklung mit Eigenkapital oder eigenkapitalähnlichen Mitteln (Mezzanine-Kapital). Bei Bedarf wird für das finanzierte Unternehmen Managementunterstützung zur Verfügung gestellt. Das Ziel der Investoren ist es, den Wert des Unternehmens zu steigern und somit einen dem Risiko entsprechenden Gewinn, der durch die von vornherein geplante Veräußerung der Beteiligung entsteht, zu realisieren.“ [8]

2.2.1 Abgrenzung zu Venture Capital

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.1: Abgrenzung Private Equity und Venture Capital[9]

Eine exakte Abgrenzung ist in der Realität schwer durchzuführen, da sie de facto fliessend verläuft. Es lässt sich jedoch festhalten, dass das von PE-Gesellschaften aufgebrachte Finanzierungsvolumen, üblicherweise in einer Bandbreite von ca. 250.000 EUR bis 20 Millionen EUR liegt.

2.3 Beweggründe für PE-Investitionen

Private Equity gilt in der Öffentlichkeit als eine Finanzierungsform mit hoher Renditewahrscheinlichkeit und wird oftmals anderen Anlageformen gegenüber als überlegen bezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1: Private Equity Renditenvergleich[10]

Solche wie eben in Abbildung Nr. 2.1 illustrierten Renditevergleiche sind in der Praxis jedoch stets mit entsprechender Vorsicht zu geniessen. Für „Laien“ werden bei Graphiken dieser Art nämlich vielfach ganz bewusst keinerlei Hinweise über den Beobachtungszeitraum der erzielten Renditen sowie das vorhandene Risiko gegeben. Im Zuge der in dieser Thesis noch folgenden empirischen Analyse, wird dem angeblichen Rendite-Phänomen „Private Equity“ jedoch noch explizit auf den Grund gegangen und auf wissenschaftlicher Basis, die entsprechende Risiko / Rendite Relation für den interessierten Anleger untersucht.

Um sich näher mit der Frage zu beschäftigen, ob PE-Gesellschaften nun tatsächlich die Heuschrecken der Volkswirtschaft darstellen oder gänzlich konträr dazu doch etwa als Honigbienen der modernen Wirtschaftswelt zu bezeichnen sind, muss zunächst einmal den Motivationsgründen von solchen Beteiligungsgesellschaften nachgegangen werden.

Folgende Beweggründe können in diesem Kontext genannt werden:

- Gestaltung einer optimalen Finanzstruktur im Zielunternehmen
- Implementierung von Know-How und Netzwerken
- Nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes
- Äusserst lukrative Gewinnperspektiven nach erfolgreichem Exit
- Hebelwirkung der Finanzierungskosten des Fremdkapitals (Leverage Effekt) sowie steuerliche Begünstigung (Tax-shield)
- Aktive Unterstützung der Wirtschaft
- Beitrag zu F&E (Forschung & Entwicklung) und Strukturwandel

Als weiteres Kriterium können – bezogen auf den deutschen PE-Markt – auch die veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen genannt werden. So besteht z.B. seit dem 01.01.2002 eine Steuerfreiheit bei der Veräusserung von Unternehmensbeteiligungen. Der Erlass dieser Steuer stellt für PE-Gesellschaften eine Entlastung dahingehend dar, dass beim weiteren Verkauf (Exit) durch die ausfallenden Zahlungen eine grössere Rendite erwirtschaftet wird. Eine weitere Entlastung stellt auch das ebenfalls seit 2002 geltende „Squeeze-out“ Verfahren dar. Bei einem 95%-igen Anteil der PE-Gesellschaften, können diese Kleinaktionäre jetzt bequem und unbürokratisch aus dem Unternehmen hinausdrängen. Diese (neuen) gesetzlichen Rahmenbedingungen haben zweifelsohne auch zu einer deutlich gestiegenen Bedeutung von Private Equity geführt.[11]

Wenn man konträr dazu nun den Fokus auf die Motive der übernommenen Unternehmen lenkt, ergeben sich folgende Entscheidungsmotive:

- Durch Missmanagement können Unternehmen schnell in die Situation geraten, dass Marktanteile verloren gehen und in letzter Konsequenz somit das gesamte Unternehmen auf dem Spiel steht. Neben finanzieller Unterstützung werden meistens auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse benötigt, um dem drohenden Insolvenzverfahren noch rechtzeitig zu entgehen. PE-Gesellschaften können hierbei oft eine entscheidende Rolle spielen und den Anforderungen gerecht werden. Als aktuelles Beispiel aus der Praxis kann hierbei das weltbekannte deutsche Unternehmen Märklin (Hersteller von Modelleisenbahnen) herangezogen werden, bei welchem sich laut TV-Berichten sogar der eigene Betriebsrat dafür einsetzte, dass die Gesellschafter ihre Anteile an eine britische PE-Beteiligungsgesellschaft verkaufen. Erst nach dieser Massnahme waren Banken wieder bereit, entsprechende Überbrückungskredite zu gewähren. Selbst PE-Kritiker sprachen hierbei im Anschluss von einer „freundlichen Heuschrecke“, welche Märklin den Hals rettete.
- Im Zuge der internationalen Globalisierungswelle sind viele Unternehmen gezwungen, sich nur noch auf die eigentlichen Kernkompetenzen zu konzentrieren, um in Folge auch weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Aus diesem Grund werden häufig vielversprechende Abteilungen, die aufgrund ihrer Nebenrolle nie ihr Potenzial entwickeln konnten, einfach durch entsprechende Verkäufe abgestossen. Solche M&A (Mergers & Acquisitions) Transaktionen sind in letzter Zeit auch zunehmend bei mittelständischen Unternehmen zu beobachten. Dank der hohen Wertsteigerungsmöglichkeit sind Beteiligungsgesellschaften natürlich sehr an Aufkäufen dieser Art interessiert. Eine weitere Problematik stellt sich für viele Unternehmen auch bei der Nachfolgeregelung im Unternehmen dar. Aber auch hier können PE-Beteiligungsgesellschaften mit den nötigen finanziellen Mitteln und erforderlichem Wissen über Unternehmensstrukturen entsprechend auf den Plan treten und ideale Abnehmer darstellen.[12]
- Die wohl wichtigste Motivation für PE-Beteiligungen aus Sichtweise der Unternehmen, stellt jedoch zweifelsohne die durch Basel II erschwerte Kreditvergabemöglichkeit dar. Eine entscheidende Richtlinie hierbei besagt, dass mit Risiko behaftete Kredite zukünftig mit mehr Eigenkapital seitens der Bank abgesichert werden müssen. Basierend darauf sind Unternehmen gezwungen, entsprechend höhere Sicherheiten vorzuweisen als bisher. In Zukunft stellt sich somit primär nicht mehr die Frage zu welchen Konditionen ein Kredit vergeben wird, sondern vielmehr ob überhaupt noch ein solcher gestattet wird. Da vor allem jedoch für mittelständische Unternehmen ein Börsengang nicht in Frage kommt, fehlen somit oftmals die überlebensnotwendigen Kapitalgeber. Diese „Marktlücke“ kann ebenfalls durch Private Equity ersetzt werden[13]

2.4 Volkswirtschaftliche Auswirkungen von Private Equity

Die Kontroversen ob der Notwendig- oder Sinnhaftigkeit von PE-Gesellschaften halten schon seit mehreren Jahren unvermindert an und haben bis heute nichts an Brisanz verloren. Auf der einen Seite stehen renommierte Wirtschaftswissenschaftler, die stets anhand vorliegender Studien den positiven Aspekt von PE-Investitionen hervorheben. Immer wieder wird in diesem Kontext argumentiert, dass hierdurch in der Vergangenheit bereits viele Unternehmen kurzfristig umgebaut und für den Wettbewerb fit gemacht wurden, wodurch langfristig auch Arbeitsplätze entsprechend gesichert wurden. Dem gegenüber stehen hartnäckige Kritiker, die den PE-Beteiligungsgesellschaften reine Profitgier und eine kurzfristige Gewinnmaximierung als einziges Unternehmensziel unterstellen. Die Wahrheit ist wie so oft irgendwo in der Mitte zu finden. Auf der einen Seite liegen bereits etliche Statistiken vor, die eindeutig belegen, dass bei Unternehmen mit entsprechender PE-Beteiligung das Wachstum, die Gehälter sowie in letzter Konsequenz auch die Anzahl der Arbeitsplätze gestiegen sind. Andererseits gibt es jedoch natürlich auch genügend Fälle, bei denen nach der Übernahme aus Rentabilitätsgründen komplette Produktionsstätten ins Ausland verlagert wurden, wovon wiederum zahlreiche Arbeitsplätze in der jeweiligen Region betroffen waren.

Die Problematik einer seriösen, wissenschaftlichen Untersuchung dieser Thematik basiert auf mehreren Faktoren. Zum einen muss beachtet werden, dass die vorliegenden Statistiken grösstenteils allesamt von Unternehmen in Auftrag gegeben wurden, welche gleichzeitig auch als Interessensvertreter von PE-Gesellschaften fungieren müssen. Weiters ist es nahezu unmöglich, Einblick in die tatsächlichen Leistungsbilanzen der jeweiligen Unternehmen zu erhalten. Hauptargument der fehlenden Transparenz seitens der Investoren ist der Einwand, dass bei Offenlegung aller relevanten Unternehmensdaten ein gewinnbringender Verkauf nur noch schwer zu realisieren wäre. Zudem ist in diesem Kontext kritisch anzumerken, dass alle Angaben von PE-Gesellschaften stets auf gänzlich freiwilliger Basis erfolgen und deren Wahrheitsgehalt unüberprüft bleibt.

- Arbeitsplätze
- Eine in Auftrag gegebene Studie seitens des BVK (Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften) sowie der PwC AG (PricewaterhouseCoopers) aus dem Jahre 2005 hat ergeben, dass im Zeitraum 2002 - 2004 die Anzahl der Arbeitsplätze bei PE-investierten Unternehmen in Deutschland um über 20% gestiegen ist. (Bundesdurchschnitt: – 5,7%)
- Arbeitseinkommen
- Laut einer Umfrage bei 300 Führungskräften seitens der EVCA (European Venture Capital Association), sind bei 60% der kontaktierten Unternehmen, die individuellen Gehälter im Beobachtungszeitraum gestiegen
- Wachstum
- Gemäss der neoklassischen Produktionsfunktion ist Wachstum eine abhängige Konstante von den Faktoren Kapital und Arbeit. So kann man in der Theorie folgern, dass durch intensive Kapitalzufuhr – wie beispielsweise bei Private Equity der Fall – entsprechendes Wachstum entsteht. Laut der bereits oben erwähnten Studie seitens der PwC AG und dem BVK betrugen die durchschnittlichen Umsatzsteigerungen bei PE-investierten Unternehmen in Deutschland 10,9%. (Bundesdurchschnitt: - 0,1%)[14]

Alle diese vorliegenden Daten sind jedoch aus den bereits zu Beginn erwähnten Gründen mit entsprechender Vorsicht zu geniessen, da eine repräsentative Aussagekraft schlichtweg nicht gegeben ist.

So muss z.B. bezüglich der Studie über Arbeitsplätze beachtet werden, dass gesamthaft nur 128 verwertbare Datensätze ausgefüllt wurden. Eine bescheidene Anzahl, vergleicht man diese mit – nach eigenen Angaben von PwC und BVK – insgesamt 5500 Partnerunternehmen[15]

Auch die Ergebnisse in puncto Arbeitseinkommen müssen zumindest etwas hinterfragt werden, da PE-Gesellschaften in der Regel die erwirtschafteten Gewinne wohl lieber selbst einstreichen, als diese an das Unternehmen, geschweige denn an die Mitarbeiter weiterzugeben.

Als eine der positivsten und zugleich unbestrittenen Nebenerscheinungen von PE-Investitionen gelten die regionalen Aspekte sowie der daraus resultierende Strukturwandel. Als Paradebeispiel kann in diesem Zusammenhang das Silicon Valley im US-Bundesstaat Kalifornien genannt werden. Dank enormer PE / Venture-Capital Investitionen entstand dort innerhalb der letzten 60 Jahre das mittlerweile grösste Hightech-Zentrum der Welt. Seit Mitte der 50´er Jahre wurden über 3000 Firmenneugründungen registriert und im Jahre 1984 konnten bereits über 750.000 Beschäftigte gezählt werden. Ab diesem Zeitpunkt wurden bis heute in Folge jährlich etwa 40.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.[16]

„Alle Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Private Equity-finanzierte Unternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmen schneller wachsen, mehr Arbeitsplätze schaffen und exportorientierter ausgerichtet sind und damit einen beträchtlichen Volkswirtschaftlichen Impuls geben. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Studien ausschließlich die direkten Effekte einer Private Equity-Investition auf der Ebene der finanzierten Unternehmen betrachten. Ebenso bedeutend sind allerdings die ausgelösten Multiplikatoreffekte, die von der Private Equity-Industrie und den von ihr finanzierten Unternehmen auf verbundene Unternehmen bzw. Branchen ausgelöst werden. Dazu gehören in erster Linie alle Unternehmen, für die Private Equity-finanzierten Unternehmen entweder Anbieter oder Nachfrager von Leistungen darstellen, z. B. Zulieferer und Kunden.“ [17]

Wie im bisherigen Verlauf dieses Abschnittes eindrucksvoll ersichtlich wurde, gibt es eine Vielzahl an Faktoren, welche den volkswirtschaftlichen Impact von Private Equity aufzeigen können. Resümierend kann auf jeden Fall festgehalten werden, dass Private Equity mittlerweile eine essentielle Rolle als Finanzintermediär innehat und speziell für den Mittelstand von immer grösser werdender Bedeutung ist. Trotz aller zum Teil berechtigter Kritik und den mit Sicherheit auch vorhandenen, schwarzen Schafen in der Branche wäre es wahrscheinlich dennoch zu einfach, allgemeine makroökonomische Problematiken wie z.B. die Arbeitslosigkeit den global operierenden PE-Gesellschaften in die Schuhe zu schieben. Solche Unmutsäusserungen aus Teilen der Politik spiegelt vielmehr eine Suche nach Schuldigen ausserhalb der eigenen Erkenntnissphäre wider, um den eigentlichen strukturellen Problemen aus dem Weg zu gehen.[18]

Unterstrichen wird diese These durch folgendes Zitat aus der Neuen Zürcher Zeitung, welches wohl auch die hartnäckigsten PE-Gegner in entsprechende Argumentationsnot bringen würde:

„Wenn «Heuschrecken» bei Kauf, Zerschlagung und Verkauf verdienen, so handelt es sich offensichtlich um Unternehmen mit einem negativen Firmenwert, wo Produktivitätsreserven nicht ausgeschöpft werden, Unternehmensteile nicht zueinanderpassen oder in Kombination mit anderen Unternehmen eine höhere Wertschöpfung erbringen. Ob Gewinnsucht die Hedge-Funds treibt, ist gesamtwirtschaftlich nicht relevant. Entscheidend ist, dass Unternehmen unter einer neuen Führung, in einer anderen unternehmerischen Konstellation oder als Einzelfirmen profitabler arbeiten. So gesehen lassen die Heuschrecken keine kahlgefressenen Landschaften zurück, sondern leisten ihren Beitrag zu einer höheren gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung.“ [19]

Konträr dazu kann jedoch eine aktuelle Studie von Josh Lerner (Harvard Business School) sowie Anuradha Gurung (Weltwirtschaftsforum) angesehen werden, welche gemeinsam eine Analyse über mehr als 21.000 PE-Transaktionen zwischen 1970 bis 2007 durchführten. Auf der einen Seite gab es zwar - ähnlich der PwC / BKV Studie - klare Tendenzen von gestiegenem Wachstum bei den untersuchten Unternehmen, auf der anderen Seite musste jedoch auch festgestellt werden, dass innerhalb von zwei Jahren nach dem „Buy-out“, im Durchschnitt ca. 7% aller Jobs verloren gingen. Dieses Defizit konnte auch nur teilweise mittels neuer Arbeitsplatzschaffungen in den Folgejahren kompensiert werden.[20]

Als Fazit kann festgehalten werden, dass es wohl keine allgemein gültige These zur Thematik gibt und sowohl Befürworter als auch Gegner immer passende Argumente finden werden. Grundsätzlich verhält es sich mit dem Phänomen „Private Equity“ ähnlich wie seinerzeit mit der internationalen Globalisierungswelle. Multinationale Grosskonzerne, Aussenhandel, Expansion, Outsourcing, Standortverlagerungen usw… waren vor Jahren noch Schlagworte, die zu einem globalen Aufschrei der Entrüstung führten. Heute sind diese Punkte allesamt aus der Weltwirtschaft längst nicht mehr wegzudenken und praktisch als gegeben hingenommen worden. Die Aufgabe der Politik muss es einfach sein, in bestimmten Härtefällen zum Schutze der Arbeitnehmer sowie der Region reglementierend einzugreifen, um so schwarzen Schafen der Branche einen Riegel vorzuschieben. Weiters muss sie aber auch vor allem entsprechende, gesetzliche Rahmenbedingungen für Private Equity schaffen, die allen Beteiligten eine internationale Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht. So wird beispielsweise in Deutschland Private Equity noch immer sowohl auf Fonds als auch Anlegerebene besteuert. Weiters verhält es sich so, dass ausländische Investoren in Deutschland ihre gewerblichen Einkünfte versteuern müssen, während sie in ihrem Heimatland steuerfrei gestellt sind. Solche Punkte gilt es zukünftig zu regeln, denn ein Abzug der Investoren samt Milliardenkapital hätte – langfristig betrachtet - für den gesamten Wirtschaftsstandort nicht auszudenkende Konsequenzen.

3 Private Equity - Charakteristika

3.1 Einführung

Private Equity gehört zur Anlagegruppe der alternativen Investments, die sich von den traditionellen Assetklassen wie beispielsweise fest-ferzinslichen Wertpapieren, Aktien oder Immobilien durch eigenständige Merkmale und Charakteristika unterscheiden.[21]

Laut Friedrich[22] zeichnet sich die Assetklasse „Private Equity“ durch folgende vier Hauptcharakteristika aus:

- Eigenkapitalfinanzierung
- Minderheitsbeteiligung
- Zeitlich limitierte Beteiligung zur Renditemaximierung
- Kontroll- und Mitspracherechte sowie Managementunterstützung

In den folgenden Abschnitten werden nun im Anschluss die wesentlichsten Merkmale im Zusammenhang mit PE-Geschäften näher vorgestellt bzw. entsprechend illustriert.

3.2 Die Anlagestrategie von PE-Beteiligungsgesellschaften

PE-Gesellschaften sammeln Ihre finanzielle Mittel vornehmend bei institutionellen Anlegern wie beispielsweise Banken oder Versicherungen. In letzter Zeit ist jedoch vermehrt auch ein gewisser Trend dahingehend zu verfolgen, dass dies zunehmend auch direkt bei vermögenden Privatpersonen erfolgt.

Sobald im Anschluss an solche Transaktionen ein genügend grosses Fondsvolumen generiert werden konnte, werden in nächster Konsequenz gezielt Unternehmen ausgesucht, welche stabile Cash-Flows aufweisen können. Idealerweise verfügen die anvisierten Zielunternehmen zusätzlich auch über einen bereits etablierten Markennamen mit entsprechendem Wachstumspotential für deren Produkt- oder Dienstleistungssortiment.

Das wesentlichste Kriterium für eine Beteiligung stellt jedoch meistens die eigenkapitaldominierte Kapitalstruktur des Zielunternehmens dar. Übernahmen, respektive Beteiligungen dieser Art werden in der Wirtschaft als LBO (Leveraged-Buy-Out) bezeichnet und das Konzept basiert hierbei auf dem Erwerb von Unternehmen bzw. Unternehmensteilen mit hohem Anteil an Fremdkapital.

Erklärbar ist diese Vorgehensweise aufgrund zweier ökonomischer Wirkungszusammenhängen, - dem „Leverage Effekt“ sowie „Tax-Shield“.

- Der optimale Marktwert des Eigenkapitals wird durch die Aufnahme von zusätzlichem Fremdkapital bzw. durch den Tausch von Eigen- kapital gegen Fremdkapital hergestellt, bis die durchschnittlichen Gesamtkosten minimal sind. Wird nach der Transaktion eine Gesamtkapitalrendite erzielt, die über dem FK-Zinssatz liegt, wird ein positiver Leverage Effekt erreicht.[23]
- Als Tax-Shield kann der steuermindernde Effekt gezahlter Fremdkapitalzinsen oder der Wertbeitrag durch Steuereinflüsse an den Unternehmenswert bezeichnet werden. Zahlt beispielsweise ein Unternehmen, das einem Steuersatz von 40% unterliegt, einen FK-Zinssatz von 8%, so spart jeder Euro gezahlter Zinsen 40 Cent Steuern und reduziert damit den Nachsteuergewinn nur um 60 Cent. Damit beträgt die Belastung schlussendlich nicht 8%, sondern lediglich 4,8% (0,08 x (1-0,40 = 0,048). Diese Reduktion der FK-Kosten ist das Tax-Shield.[24]

3.3 PE-Segmente & das PE-Geschäftsmodell

Die Bezeichnung „Private Equity“ kann auch als Oberbegriff für vorbörsliches Beteiligungskapital verstanden werden, das je nach Reifegrad der Unternehmung, in die investiert wird, weiter unterteilt wird. Die beiden Hauptgruppen bilden Venture Capital und Buyout mit ihren entsprechenden Unterausprägungen, wie in Abbildung Nr. 3.1 detailliert ersichtlich ist.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.1: Private Equity Segmente

Die Unterteilung im Bereich Venture Capital erfolgt anhand der Lebens-zyklusmodelle der Gründungsfinanzierung[26], welche in späterer Folge noch gesondert erläutert werden.

Für die zwei Unterkategorien „Buyout“ und „Sonstige“ gelten in dieser Thesis folgende Definitionen:

1. Buyout ist der Oberbegriff für die Finanzierung von Unternehmensübernahmen und wird seinerseits nach der Grössenklasse der Transaktionen wie folgt weiter unterteilt:

- Small Buyout steht für den Bereich bis ca. 50 Mio. €
- Midcap Buyout steht für den Bereich bis bis ca. 250 Mio. €
- Large Buyout reicht bis etwa 1 Mrd. €
- Mega Buyout ist der Bereich ab etwa 1 Mrd. €

2. In der Gruppe Sonstige werden drei weitere Untersegmente mit unterschiedlichen Schwerpunkten zusammengefasst

- Turnaround Fonds investieren in Unternehmen, die aktuell in Schwierigkeiten und dadurch günstig bewertet sind, aber eine gute Turnaround Chance haben
- Mezzanine Kapital stellt eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital dar und kann dadurch für das finanzierte Unternehmen günstiger sein. Es bedarf aber gewisser Sicherheiten
- Secondaries Fonds kaufen Anteile an Primärfonds am Zweitmarkt mit in der Regel einem gewissen Discount von Investoren, die ihre Anteile verkaufen wollen[27]

Grundsätzlich sieht das Geschäftsmodell von Private Equity vor, dass Investoren in Branchen bzw. Unternehmen investieren, mit denen sich gemessen am Einsatz von Eigenkapital, Renditen von 20 Prozent und mehr pro Jahr generieren lassen. In der folgenden Abbildung Nr. 3.2 wird nun anschaulich illustriert, wie ein solches Geschäftsmodell von Private Equity in der Praxis funktioniert.

[...]


[1] SPD Programmheft I (2005), S. 18

[2] Vgl. LexisNexis University (04.11.2006)

[3] Vgl. NETZEITUNG.DE (16.06.2005)

[4] Vgl. Henning (28.07.2007)

[5] Ferber (26.02.2008), S. 28

[6] Vgl. Fondsvermittlung24.DE (2008)

[7] Vgl. Wülfing (11/2005)

[8] Diller (2007), S. 5

[9] Vgl. Unternehmensfinanzierung.at (2008)

[10] De Luxe Investments AG (2007)

[11] Vgl. Dolatschko (2006), S. 11

[12] Vgl. Böttger (2005), S. 43

[13] Vgl. Frommann / Dahmann (2005), S. 68

[14] Vgl. Dolatschko (2006), S. 13 ff.

[15] Vgl. Suhl / Weber (2005), S. 6

[16] Vgl. Bygrave / Timmons (1992), S. 237

[17] BVK (2005), S. 34

[18] Vgl. Dolatschko (2006), S. 21

[19] Starbatty (15.05.2007), S. 19

[20] Vgl. The Economist Newspaper Ltd. (15.03.2008), S. 102

[21] Vgl. Schönefeld (2007), S. 1

[22] Vgl. Friedrich (2005), S. 12

[23] Vgl. Kemper (2007), S. 68

[24] Vgl. Hölscher / Nestler / Otto (2007), S. 334

[25] Vgl. MFonds AG (2007)

[26] Vgl. Tudini (2004), S. 4f.

[27] Vgl. MFonds AG (2007)

Details

Seiten
106
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836615549
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225921
Institution / Hochschule
Hochschule Liechtenstein – Wirtschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
private equity portfolio portfoliooptimierung heuschreckendebatte anlagestrategie

Autor

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Titel: Private Equity: Fluch oder Segen?