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Vergleich der nationalen Forschungs- und Technologiepolitiken in Deutschland und Großbritannien ab 1990

Diplomarbeit 2008 80 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Allgemeines

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Begriffliche Grundlagen
2.1 Forschung und Entwicklung
2.2 Technologie
2.3 Forschungs- und Technologiepolitik

3. Marktversagen und wirtschaftspolitische Ansatzpunkte für die Forschungs- und Technologiepolitik
3.1 Spillover-Effekte in endogenen Wachstumsmodellen
3.1.1 Learning-by-Doing-Modell
3.1.2 Humankapitalmodell
3.1.3 FuE-Modell
3.2 Marktunvollkommenheiten im Außenhandelsmodell
3.3 Unsicherheiten und unvollkommene Kreditmärkte
3.4 Netzwerkeffekte

4. Forschungs- und Technologiepolitik in Deutschland
4.1 Akteure
4.1.1 Ministerien und Gremien
4.1.2 Schulen, Aus- und Weiterbildungseinrichtungen
4.1.3 Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
4.1.4 Forschungsförderungseinrichtungen
4.1.5 Unternehmen
4.1.6 Europäische Union
4.2 Die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands
4.2.1 Entwicklungen seit den 90er Jahren
4.2.2 Inputorientierte FuT-Indikatoren
4.2.3 Outputorientierte FuT-Indikatoren
4.2.4 Marktorientierte FuT-Indikatoren
4.3 Studien zum Innovationssystem und Technologievorschau als Basis für die FuT- Strategie
4.3.1 Studien zum Innovationssystem
4.3.2 Technologievorschau
4.4 FuT-Strategie: Die Hightech-Strategie für Deutschland
4.4.1 Querschnittsaktivitäten zur Innovationsförderung
4.4.2 Forschungsfeldspezifische Innovationsstrategien
4.5 Evaluation
4.5.1 Evaluationsverfahren Drei-Schalenmodell
4.5.2 Evaluation ausgewählter Förderprogramme

5. Nationale Forschungs- und Technologiepolitik in Großbritannien
5.1 Akteure
5.1.1 Ministerien und Gremien
5.1.2 Schulen, Aus- und Weiterbildungseinrichtungen
5.1.3 Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen
5.1.4 Forschungsförderungseinrichtungen
5.1.5 Unternehmen
5.1.4 Europäische Union
5.2 Die technologische Leistungsfähigkeit Großbritanniens
5.2.1 Entwicklung seit den 90er Jahren
5.2.2 Inputorientierte FuT-Indikatoren
5.2.3 Outputorientierte FuT-Indikatoren
5.2.4 Marktorientierte FuT-Indikatoren
5.3 Studien zum Innovationssystem und Technologievorschau als Basis für die FuT-Strategie
5.3.1 Studien zum Innovationssystem
5.3.2 Technologievorschau
5.4 FuT-Strategie: Science and Innovation Investment Framework 2004-
5.4.1 Science and Innovation Investment Framework 2004-
5.4.2 Technology Strategy Board
5.5 Evaluation
5.5.1 Evaluationsverfahren ROAME
5.5.2 Evaluation ausgewählter Förderprogramme

6. Vergleich der FuT-Politiken in Deutschland und Großbritannien
6.1 Vergleich der Forschungsinfrastrukturen
6.2 Vergleich der FuT-Indikatoren
6.3 Vergleich der FuT-Strategien

7. Schlußbemerkungen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: FuE-Gesamtausgaben im Verhältnis zum BIP, Deutschland

Abbildung 2: Inputorientierte FuT-Indikatoren in Deutschland

Abbildung 3: Outputorientierte FuT-Indikatoren für Deutschland

Abbildung 4: Marktorientierte FuT-Indikatoren für Deutschland

Abbildung 5: FuE-Gesamtausgaben im Verhältnis zum BIP, Großbritannien

Abbildung 6: Inputorientierte FuT-Indikatoren in Großbritannien

Abbildung 7: Outputorientierte FuT-Indikatoren für Großbritannien

Abbildung 8: Marktorientierte FuT-Indikatoren für Großbritannien

Abbildung 9: Summary Innovation Index 2005

1. Einleitung

Wirtschaftswachstum bringt den Menschen Wohlstand. Aus den Wachstumsmodellen ist bekannt, dass technischer Fortschritt eine wesentliche Determinante des Wachstums bildet.[1] Technischer Fortschritt entsteht durch die Produktion von Innovationen.[2] Immer neuere Produkte werden hergestellt, die auf der einen Seite eine Konsummöglichkeit darstellen, auf der anderen Seite aber lösen sie auch Veränderungen in der Gesellschaft aus. Es ist zu beobachten, dass im Laufe der Zeit Produkte und Dienstleistungen in doppelter Hinsicht einen steigenden Wissensgrad beanspruchen. Zum einen wird mehr Wissen benötigt, um die Produkte herzustellen. Zum anderen wird auch auf Seiten der Verbraucher mehr Wissen benötigt, um die Produkte nutzen zu können. Es entstehen Wissensökonomien und Wissensgesellschaften. Komplexer werdende Technologien und interdisziplinäre Forschung sagen voraus, dass Wissen auch in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Die neuen Produkte werden nach ihrer Herstellung am Markt gehandelt. In Zeiten der Globalisierung bedeutet das einen weltweiten Marktplatz und internationale Konkurrenz. Daher versucht ein Land seine Innovationen von denen anderer Länder abzuheben. Dies gelingt am besten, wenn die Innovationen eines Landes mit Wissen gekoppelt sind, das anderen Ländern noch nicht verfügbar ist. Da Innovationen im Laufe der Zeit einen steigenden Wissensgrad beanspruchen, wird in die Forschung investiert, um neues Wissen zu produzieren. Dieses Wissen wird dann umgesetzt in innovative Produkte und Dienstleistungen. Die Forschungs- und Technologiepolitik übernimmt diese beiden Aufgaben. Zum einen investiert sie in die Forschung, zum anderen setzt sie sich für die erfolgreiche Umsetzung der Forschungsergebnisse in innovative Produkte ein.

Ziel dieser Arbeit ist es, zunächst herauszustellen, ob staatliche Eingriffe in die Wirtschaft überhaupt gerechtfertigt sind. Dazu werden Formen des Marktversagens untersucht, mit denen staatliche forschungs- und technologiepolitische Maßnahmen begründet werden. Anschließend werden die Forschungs- und Technologiepolitiken von Deutschland und Großbritannien analysiert und schließlich miteinander verglichen.

Zuerst sollen aber einige begriffliche Grundlagen geklärt werden.

2. Begriffliche Grundlagen

2.1 Forschung und Entwicklung

Eine verbreitete Definition von Forschung und Entwicklung (FuE) wurde in einer Veröffentlichung der OECD über Richtlinien und Begriffe für die Messung von Forschungs- und Entwicklungsdaten festgelegt.[3] Demnach wird Forschung und Entwicklung definiert als kreative Arbeit, die auf einer systematischen Basis durchgeführt wird, um den Wissensstand zu erhöhen und die Nutzung des Wissens für die Entwicklung neuer Anwendungen. Weiterhin wird der Begriff unterteilt in die Bereiche Grundlagenforschung, angewandte Forschung und experimentelle Entwicklung. Grundlagenforschung bezieht sich dabei auf theoretische oder experimentelle Arbeiten, die vorzugsweise darauf ausgerichtet sind, grundlegende Erkenntnisse der jeweiligen Forschungsgebiete zu gewinnen, ohne dass diese Erkenntnisse einen praktischen Nutzen haben müssen. Angewandte Forschung richtet sich ebenfalls auf die Schaffung neuen Wissens, allerdings werden hauptsächlich praktische Ziele oder Zwecke verfolgt. Experimentelle Forschung hingegen baut auf existierendem Wissen auf, um neue Produkte, Materialien und Apparate herzustellen, neue Verfahren, Systeme und Dienstleistungen zu installieren bzw. Bestehendes wesentlich zu verbessern.

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sowie auf Branchen- und Unternehmensebene sind Forschung und Entwicklung notwendige Voraussetzungen für die Hervorbringung von Innovationen. Innovationen zählen zu den Erfolgstreibern der Wettbewerbsfähigkeit. Im engeren Sinne versteht man unter Innovation die Einführung neuer oder wesentlich verbesserter Produkte und Verfahren.[4] Dabei können Innovationen die Form von progressiven bis radikalen Innovationen annehmen.[5] Während progressive Innovationen die schrittweise Weiterentwicklung bekannter Produkte und Verfahren sind, besitzen radikale Innovationen einen höheren Neuheitswert sowie das Potential bestehende Märkte zu verdrängen oder neue Märkte zu schaffen. Zeitlich gesehen durchläuft eine Innovation idealtypische Innovationsstadien.[6] Angefangen von einer Idee wird diese weiterentwickelt zur technischen Konzeption, anschließend bei gegebener wirtschaftlicher Rentabilität als Innovation am Markt eingeführt, wo es zur Diffusion kommt und die Innovation schließlich von anderen Unternehmen imitiert werden kann. Die Innovationsstadien können in jeder Phase Rückkopplungen zur Grundlagenforschung, angewandter Forschung, experimenteller Entwicklung oder auch zum bisherigen Wissensvorrat aufweisen. Es hängt dabei von der Problemstellung ab, welcher Forschungsbereich beansprucht werden muss, um entsprechende Lösungen zu erarbeiten.

2.2 Technologie

Technologie bezeichnet das Wissen über die Nutzbarmachung der Naturwissenschaften für den Menschen und umfasst dafür jede zweckmäßige Handlung, Methode und Arbeitsweise.[7] Technik ist demgegenüber die praktische, zielgerichtete Anwendung. Allerdings wird im heutigen Begriffsverständnis auch Technologie für die Bezeichnung praktischer Anwendungen gebraucht, jedoch enthält es gegenüber dem Begriff Technik meistens eine Steigerung, etwa in Form von höherer Komplexität oder größerer Vernetzung in gesellschaftlichen Funktionsbereichen.[8]

Je nach Reifephase können unterschiedliche Arten von Technologien charakterisiert werden.[9] In der Entstehungsphase werden Technologien als Schrittmachertechnologien bezeichnet. Sie befinden sich am Anfang ihres Entwicklungsstadiums und ihre möglichen Einsatzgebiete sind weitgehend unbekannt. Zur weiteren Entwicklung bedürfen sie Investitionen in die Grundlagenforschung. Die Technologien im nächsten Stadium heißen Schlüsseltechnologien. Diese Technologien befinden sich im Wachstum und sind entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung der Zukunft. Sie haben einen maßgeblichen Einfluss auf den technischen Fortschritt und die industriellen Srukturen. Ihre Anwendungsfelder sind branchen- und produktübergreifend, jedoch erfordern sie umfangreiche Investitionen in die anwendungsorientierte Forschung, um ihre genauen Einsatzgebiete zu bestimmen. Technologien in der Reifephase werden Basistechnologien genannt. Sie haben sich in der Wirtschaft etabliert und sind weitgehend erforscht.

Gütergruppen aus der industriellen Produktion können bezüglich ihrer Forschungsintensität in gehobene Gebrauchstechnologien und Spitzentechnologien differenziert werden.[10] Gehobene Gebrauchstechnologien umfassen Gütergruppen, deren Anteil an FuE-Aufwendungen zwischen 2,5% und 7% am Umsatz beträgt, während bei Spitzentechnologien der Anteil an FuE-Aufwendungen oberhalb von 7% des Umsatzes liegt.[11] Beide Bereiche zusammen bilden den forschungsintensiven Sektor der Industrie. Die Zweiteilung soll nicht den Eindruck vermitteln, dass eine Abgrenzung zwischen höherwertigen und minderwertigen Technologien vorgenommen wurde, sondern lediglich eine inputorientierte Abgrenzung nach ihrer Forschungsintensität.

2.3 Forschungs- und Technologiepolitik

Die Forschungs- und Technologiepolitik (FuT-Politik) dient in erster Linie dem wirtschaftlichen Wachstum und damit der Steigerung des gesellschaftlichen Wohlstands. Durch den technischen Fortschritt ergibt sich eine Steigerung der Wissensbindung in Gütern und Diensteleistungen, die einen Strukturwandel hin zu einer Wissensökonomie und Wissensgesellschaft mit sich bringt. Die FuT-Politik dient der Förderung des technischen Fortschritts und der Schaffung von Innovationen, wodurch insbesondere in Zeiten der Globalisierung die eigene Volkswirtschaft gestärkt werden soll. Dabei umfassen die politischen Maßnahmen zur Schaffung und Verbreitung von Innovationen die Förderung durch finanzielle Mittel und die Herstellung ordnungspolitischer Rahmenbedingungen. Die Aufgabenstruktur der FuT-Politik macht es zu einem komplexen Politikbereich mit vielen Schnittstellen zu anderen Politikfeldern, vor allem aber nehmen die Wirtschafts- und Bildungspolitk eine besondere Bedeutung innerhalb der FuT-Politik ein. Aufgabe der Wirtschaftspolitik in dieser Hinsicht ist die Gestaltung innovations- und wachstumsfördernder Rahmenbedingungen für private Unternehmen. Die Bildungspolitik fördert die schulische und berufliche Bildung sowie die Hochschulbildung, welches für die FuT-Entwicklung eine beteutende Rolle spielt.

„Technologiepolitik ist die Gesamtheit der Maßnahmen, mit denen der Staat auf die Erhöhung des technischen Fortschritts in der Wirtschaft abzielt. Dazu zählen Subventionen und Steuervergünstigungen zur Förderung privater Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten; die Bereitstellung wirtschaftlich verwertbaren technischen Wissens durch staatliche Forschungseinrichtungen; die Förderung des Absatzes und der Verwendung technologieintensiver Produkte; der gewerbliche Rechtsschutz, insbesondere der Patentschutz; die Festsetzung von Normen und Standards, soweit damit raschere Verbreitung moderner Technologien bezweckt wird; die Bereitstellung einer innovationsfördernden Infrastruktur; die staatliche Beschaffungspolitik, soweit sie gezielt technologieintensive Güter nachfragt, um die Entwicklung und Verbreitung neuer Technologien zu fördern.“[12]

3. Marktversagen und wirtschaftspolitische Ansatzpunkte für die Forschungs- und Technologiepolitik

Marktversagen tritt auf, wenn es dem Markt nicht gelingt, die Ressourcen gesamtwirtschaftlich optimal zuzuteilen.[13] Es wird hierbei auch vom allokativen Marktversagen gesprochen. Die Folge ist eine niedrigere gesellschaftliche Wohlfahrt, als es im pareto-optimalen Zustand wäre, wenn es kein Marktversagen gäbe. Unter Pareto-Optimum versteht sich ein Zustand, in der keiner besser gestellt werden kann, ohne dass ein anderer schlechter gestellt wird.[14] Das Vorliegen von Marktversagen legitimiert den Staat, durch gezielte wirtschaftspolitische Interventionen zu versuchen, den Ursachen des Marktversagens entgegenzuwirken. Auf diese Weise wird ein höheres gesamtwirtschaftliches Wachstumsniveau angestrebt. Da es dem Staat aber nicht möglich sein wird, die Differenz zwischen Marktversagens und Pareto-Optimum korrekt zu ermitteln und geeignete Instrumente für die Behebung dieser Differenz einzusetzen, spricht man auch von der zweitbesten Lösung.[15]

Aus Sicht der Forschungs- und Technologiepolitik existiert eine Reihe von Faktoren, die die Funktionsfähigkeit des Marktes für ein wohlfahrtsoptimales Wachstum beeinträchtigen. Zu nennen sind positive externe Effekte, auch bekannt als Spillover-Effekte, fehlender Protekionismus im Außenhandel, Unsicherheiten und unvollkommene Kapitalmärkte, Unteilbarkeiten und Größeneffekte sowie Netzwerkeffekte. Im Folgenden werden diese Ursachen des Marktversagens näher betrachtet. Dabei werden für die jeweiligen Probleme entsprechende wirtschaftspolitische Ansatzpunkte vorgeschlagen.

3.1 Spillover-Effekte in endogenen Wachstumsmodellen

Der Beginn der endogenen Wachstumstheorien ist geprägt durch die Arbeiten von Romer (1986, 1990), Lucas (1988) und Rebelo (1991) und wurde vor allem von Grossman/Helpman (1991) weiterentwickelt.[16] In der neoklassischen Wachstumstheorie wurde langfristiges Wachstum mit einem exogen vorgegebenen technischen Fortschritt dargestellt, ohne weitere Erklärungen hinsichtlich seiner Entstehung oder Herkunft. Mit dem Aufkommen der endogenen Wachstumstheorien wird versucht, den technischen Fortschritt aus dem Modell heraus zu erklären. Dabei spielen externe Effekte und öffentliche Güter eine zentrale Rolle.[17]

Positive externe Effekte, auch Spillover-Effekte genannt, entstehen durch die Diffusion von Wissen. Dabei weist hier Wissen die Eigenschaften eines öffentlichen Gutes auf, für welches die Kriterien der Nichtausschließbarkeit und Nichtrivalität gelten.[18] Nichtausschließbarkeit bedeutet, dass die Nutzer des Wissens andere vom gleichzeitigen Gebrauch dieses Wissens nicht ausschließen können, d.h. alle Interessenten können sich dieses Wissen aneignen. Nichtrivalität bedeutet, dass die Nutzung des Wissens ihre Ressource nicht verbraucht und alle gleichermaßen dieses Wissen in Anspruch nehmen können. Wissen als öffentliches Gut unterliegt nicht der Preisbildung im Marktmechanismus und führt daher zu Marktversagen. Forschende Unternehmen bezahlen für neues Wissen, das durch Spillover ohne größere Aufwände anderen Unternehmen bereitgestellt wird. Diesem Umstand wird versucht durch ein funktionsfähiges Patentwesen gerecht zu werden. Auf diese Weise kann zwar die kommerzielle Verwertung des neuen Wissens temporär eingeschränkt werden, die Verbreitung des Wissens wird aber dadurch nicht verhindert und kann Impulse für Innovationen anderer Unternehmen geben.[19] Das wissensproduzierende Unternehmen wird für die eigenen Innovationen vom Markt entgolten, nicht aber für die externen Erträge, die durch Spillover in anderen Unternehmen entstehen und dadurch das gesamtwirtschaftliche Wachstum fördern. Aus Unternehmenssicht besteht daher ein geringeres Anreizkalkül in FuE zu investieren, als gesamtwirtschaftlich gesehen. Daraus ergibt sich, dass die Investitionsquote in FuE in einer Marktwirtschaft suboptimal ist und wohlfahrtsfördernde Staatseingriffe möglich sind, um die externen Effekte durch staatliche FuE-Förderung zu internalisieren.[20]

3.1.1 Learning-by-Doing-Modell

Das von Arrow (1962b) entwickelte Learning-by-Doing-Modell basiert auf Lernprozessen, in denen die Mitarbeiter eines Unternehmens durch die ständige Ausführung ihrer Tätigkeiten Erfahrungen sammeln, mit denen sie im Laufe der Zeit ihre Arbeiten effizienter durchführen können.[21] Produktionsprozesse lassen sich effizienter gestalten, die Arbeitsproduktivität steigt und die Stückkosten der Produktion sinken. Diese aus Lerneffekten entspringenden Vorteile werden auch dynamische Skalenerträge genannt. In umfangreichen empirischen Untersuchungen wurde der Learning-by-Doing-Effekt bestätigt und in Lernkurven abgebildet, wobei sich die Lerngrade allerdings branchenspezifisch unterscheiden.[22]

Die Existenz solcher Lernkurven kann in strategischen Entscheidungen mit berücksichtigt werden.[23] Unternehmen könnten in Erwartung kostensenkender Lerneffekte bei der Einführung eines neuen Produkts mit einer Niedrigpreispolitik am Markt schnelle Produktionserfolge erzielen. Auch in der Außenhandelpolitik kann es sinnvoll sein, die heimische Industrie zeitweilig durch Protektionismus vor der ausländischen Konkurrenz zu schützen, bis sich die Lernerfolge im Inland auf die Kostenstruktur niedergeschlagen haben.

Die Entstehung der Lerneffekte verbindet Arrow mit Investitionen in neues Sachkapital.[24] Mit neuem Sachkapital werden den Arbeitern neue Rahmenbedingungen geschaffen und die Möglichkeit gegeben, im Umgang mit ihnen Erfahrungen zu sammeln, zu Lernen und im Produktionsprozess die Arbeitsproduktivität zu steigern. Die Lern- bzw. Erfahrungseffekte im Produktionsprozess beziehen sich zunächst auf die einzelnen Tätigkeitsfelder eines Individuums. Darüber hinausgehend erfolgt ein Erfahrungsaustausch zwischen Individuen, Gruppen, Institutionen und Branchen.[25] Durch diese Wissens-Spillover erhöht sich die gesamtwirtschaftliche Produktivität. Darüber hinaus wird angenommen, dass die aus Lernprozessen gewonnenen Erkenntnisse auch in die Herstellung neuen Sachkapitals einfließen. Neben der Steigerung der Arbeitseffizienz werden also auch die hergestellten Güter von dem Wissen aus Lernprozessen beeinflusst und in verbesserter Qualität hergestellt. Die neuen Güter bilden widerum die Sachkapitalinvestitionen der nächsten Generation. Diese führen im Laufe des Learning-by-Doing widerum zu Lerneffekten und Wissensakkumulation, welche ständig die Produktion neues Sachkapitals hervorbringt. Der technische Fortschritt wird somit endogen begründet durch Investitionen in Sachkapital.[26] Kapitalakkumulation und Wissensakkumulation stehen in positiver Korrelation und treiben den technischen Wandel voran. Jede Investition schafft neues Wissen. Investitionen als Träger des Wissens weisen dabei einen intertemporalen externen Effekt auf, indem heutige Investitionen das Produktionsniveau der Zukunft erhöhen. Dies impliziert, dass die Entwicklungsfähigkeit einer Volkswirtschaft entscheidend von ihren Sachkapitalinvestitionen abhängt. Das Wissen vermehrt sich durch fortlaufende Investitionen in neue Kapitalgüter, die neue Erfahrungen mit der Produktion möglich machen. Im Learning-by-Doing-Modell wird das langfristige Wachstumsgleichgewicht durch die Dynamik der Wissensakkumulation erklärt, die aus der Sachkapitalakkumulation entsteht.

Die Sachkapitalinvestitionen erhöhen auf der einen Seite durch Spillover-Effekte die gesamtwirtschafltiche Produktivität und tragen auf der anderen Seite zum technischen Fortschritt bei. Da positive externe Effekte jedoch keine Rolle in den Investitionsentscheidungen der Unternehmen spielen, kann davon ausgegangen werden, dass die gesamtwirtschaftlich optimale Investitionsquote zu gering bleibt. In diesem Fall liegt es im Aufgabenbereich des Staates, durch geeignete Interventionen zu versuchen, die privaten Investitionen in Sachkapital zu erhöhen. Prinzipiell könnte der Staat die Sachkapitalinvestitionen subventionieren, um damit die Investitionsentscheidungen der Unternehmen zu beeinflussen. Für einen hohen gesamtwirtschaftlichen Effekt müssten die aus Sachkapitalinvestitionen gewonnenen Erkenntnisse durch Wissens-Spillover diffundieren. Geeignet wären branchenspezifische oder branchenübergreifende neue Technologien, die hohe Lerneffekte und Produktivitätssteigerungen versprechen. Der Einsatz von IuK-Technologien beispielsweise konnte den Unternehmen enorme Produktivitätssteigerungen erbringen. Außerdem bewirken IuK-Technologien Lerneffekte und können Wissens-Spillover auslösen.[27] Natürlich muss darauf geachtet werden, dass keine exzessive Subventionspolitik betrieben wird, die ihrerseites zu einer Fehlallokation der Ressourcen und damit zur Senkung eines wohlfahrtsoptimalen Wachstums führen würde.

3.1.2 Humankapitalmodell

Ausgangspunkt im Humankapitalmodell von Lucas (1988) ist eine Produktionsfunktion mit zwei Sektoren.[28] Im Sachkapitalsektor werden Sachgüter produziert, die für Konsumzwecke oder Sachkapitalinvestitionen genutzt werden können. Im Humankapitalsektor bzw. Bildungssektor entsteht durch den Einsatz von Humankapital neues Humankapital. Das neue Humankapital wird dadurch gebildet, dass Individuen einen Teil ihrer Arbeitszeit für Aus- und Weiterbildungsaktivitäten ausgeben. Während dieser Zeit sind die Personen allerdings an der laufenden Produktion von Sachkapital nicht beteiligt, d.h. die Humankapitalakkumulation entsteht zu Lasten des Sachkapitalsektors. Ein Unternehmen hat also die Wahl, seine Mitarbeiter entweder für die Sachgüterproduktion arbeiten zu lassen, oder sie in die Weiterbildung zu schicken, um dadurch höhere Renditen in der Zukunft erzielen zu können. Gesamtwirtschaftlich gesehen steigt das volkswirtschaftliche Humankapital umso höher, je mehr Menschen im Bildungssektor tätig sind. Der Verzicht auf die Produktion von Sachkapital im Rahmen der Humankapitalinvestitionen im Bildungssektor führt zu einer Erhöhung der Humankapitalausstattung in der Zukunft, mit der dann widerum die Sachgüterproduktion steigt. Der Zuwachs zum Humankapitalbestand einer Volkswirtschaft hängt dabei ab von der Produktivität des Bildungssektors, der Zeit, welche die Individuen für Bildungszwecke aufbringen als auch vom Anfangsbestand an Humankapital.

Das Humankapitalmodell wird auch herangezogen, um unterschiedliche Wachstumsentwicklungen in den Ländern zu erklären.[29] In Ländern mit vergleichsweise hohem Anteil an Humankapitalbestand kann bei Zuführung von Sachkapital mit raschem Wachstum gerechnet werden. Die Einführung der marktwirtschaftlichen Ordnung in manchen Ländern mit hoher Humankapitalausstattung erbrachte diesen Ländern hohe Wachstumsraten. In Ländern mit einer geringen Humankapitalausstattung, etwa in Entwicklungsländern mit niedrigem Bildungsgrad kann die Zufuhr von Sachkapital wenig ausrichten, da hier das Humankapital der Engpassfaktor ist. Daher muss Humankapital aufgebaut werden, welcher in hoher Größenordung nur im Land selbst möglich ist. Durch Aneignung von Wissen können die Arbeiter bzw. die Unternehmen das Sachkapital effizienter einsetzen, indem sie die Nutzung der Technologien verstehen, sich auf Veränderungen anpassen können, ihre Problemlösungskompetenzen steigern und Ideen für neue Produkte entwickeln können. Empirische Untersuchungen in Bezug auf Investitionen in Humankapital gehen von einer generell wachstumsfördernden Wirkung aus, wobei der Sekundärschulbildung eine besondere Bedeutung zugemessen wird.[30]

Am Humankapitalmodell von Lucas wird kritisiert, dass der Bildungssektor nur mit Humankapital produziert.[31] In der Realität ist jedoch für die Herstellung von Humankapital auch der Einsatz von Sachkapital erforderlich, etwa Gebäude- und Laborausstattungen, Maschinen und Apparate sowie Materialien und Werkzeuge.

Im Vergleich zum Learning-by-Doing-Modell von Arrow, bei der Invesitionen in Sachkapital den Motor des technischen Wandels und des Wachstums darstellen, sind es im Modell von Lucas die Humankapitalinvestitionen im Bildungssektor. Widerum wird angenommen, dass bei den Investitionen externe Effekte auftreten.[32] Während die internen Effekte der Humankapitalinvestitionen dem Investor zugute kommen, profitieren von den externen Effekten andere Wirtschaftssubjekte. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum hängt also sowohl vom Humankapitalbestand im Produktionsprozess ab, als auch von den Spillover-Effekten aus der Wissensakkumulation. Die Annahme externer Erträge folgert eine marktwirtschaftliche Wachstumsrate, die hinter der gesamtwirtschaftlich optimalen zurückbleibt. Durch staatliches Eingreifen müsste nun versucht werden, die Investitionen in Humankapital auf die gesamtwirtschafltiche optimale Höhe anzuheben.

Die Allgemeinbildung ist neben der Nützlichkeit für die Wirtschaft vor allem ein klassisches öffentliches Gut, zu dessen Finanzierung sich der Staat im Dienste der Gesellschaft verpflichtet hat. Auch die Lehre an Universitäten passt in dieses Konzept, wobei Universitäten ein höheres Niveau der Humankapitalbildung haben. Damit sich die Individuen für die Weiterbildung oder Hochschulbildung entscheiden, könnte der Staat die Aufgabe übernehmen, entsprechende Anreize dafür zu schaffen, um die Teilnehmerquoten im Bildungssektor zu erhöhen. Außerdem müsste auf eine hohe Qualität der Ausbildung geachtet werden.

3.1.3 FuE-Modell

Bei den FuE-Modellen stehen Innovationen im Vordergrund zur Erklärung des endogenen Wachstums. Es lassen sich dabei zwei unterschiedliche Modellvarianten unterscheiden.[33] Zum einen das Modell der zunehmenden Produktvielfalt von Romer (1990) und zum anderen das Modell der zunehmenden Produktqualität von Aghion/Howitt (1992).

Beim Modell der zunehmenden Produktvielfalt von Romer wird der technische Fortschritt durch die Zunahme der Anzahl unterschiedlicher Güter endogenisiert.[34] Im Romer-Modell existieren die vier Produktionsfaktoren Kapital, Humankapital im Produktionsbereich, Humankapital im FuE-Bereich und Technologieniveau. Das Technologieniveau ist der Stand des Wissens einer Volkswirtschaft. Auf dieses Wissen kann jeder zugreifen, sofern es nicht patentrechtlich geschützt ist. Andernfalls kann das Wissen auch durch Lizenzkauf erworben werden. Die Aufspaltung des Humankapitals in einen Produktionsbereich und FuE-Bereich soll die explizite Berücksichtigung des Forschungssektors ausdrücken. Das Modell besteht aus drei Sektoren. Dem Forschungssektor, dem Kapitalgütersektor und dem Konsumgütersektor. Insgesamt gibt es zwei Arten der Produktion. Wissensproduktion im FuE-Sektor und Güterproduktion im Kapitalgüter- bzw. Konsumgütersektor. Für die Produktion der Konsumgüter werden Humankapital und Kapitalgüter eingesetzt. Die Kapitalgüter müssen aber noch ihrerseites entwickelt werden. Dies geschieht im Forschungssektor, wo unter Einsatz von FuE-Personal und Wissenskapitalstock neue Designs für Kapitalgüter entworfen werden. Dadurch steigt auch die Produkvielfalt an Kapitalgütern. Die Produktivität steigt mit zunehmender Anzahl von verfügbaren Kapitalgütern und der allgemeine Wissenskapitalstock steigt mit der Zunahme an Designs. Die Produktion im Forschungssektor ist dabei durch zwei Eigenschaften charakterisiert. Erstens werden hier neue Designs für Kapitalgüter entworfen, die am Markt gehandelt werden. Die Innovationen werden patentiert und können an Interessenten verkauft werden. Die Käufer sind dabei Kapitalgüterproduzenten, die neben Kapital und Humankapital zusätzlich ein entsprechendes Design für ihre Produktion benötigen. Der Handel mit Wissen führt hier zu einer monopolistischen Konkurrenz. Zweitens entsteht im Forschungssektor auch Wissen, das sich durch Nichtausschließbarkeit und Nichtrivalität kennzeichnet und allen Unternehmen unentgeltlich zur Verfügung steht. Begründet wird dies mit Spillover-Effekten, die sich aus der Zunahme des gesamtwirtschaftlich verfügbaren Bestandes an technischem Wissen ergeben. Die Spillover-Effekte wirken sich bei anderen Unternehmen direkt auf die Produktivität des Forschungssektors und indirekt auf die Produktivität des Konsumgütersektors aus. Somit steigt die gesamtwirtschaftliche Produktivität. Mit den internen und externen Effekten der Leistungen im Forschungssektor wird der technische Fortschritt und langfristites Wachstum erklärt.

Eine andere Art endogener FuE-Modelle ist das Modell der zunehmenden Produktqualität, das auch als Modell der schöpferischen Zerstörung bezeichnet wird.[35] Schumpeter (1934) prägte den Begriff der schöpferischen Zerstörung, bei der durch schöpferische Arbeit neue Produkte erfunden werden, die Substitute zu alten Produkten darstellen und diese vom Markt verdrängen. Im Modell der zunehmenden Produktqualität von Aghion/Howitt leitet sich der technische Fortschritt aus der permanenten Verbesserung der Produktqualität von Kapitalgütern ab, die zur Herstellung von Konsumgütern verwendet werden. Im Gegensatz zum Romer-Modell werden die FuE-Aktivitäten unter Unsicherheit durchgeführt. Dabei wird angenommen, dass die Wahrscheinlichkeit, bei der eine Innovation innerhalb eines bestimmten Zeitraums entworfen wird, einer Poisson-Verteilung unterliegt. Die Verbesserung der Qualität von Kapitalgütern als Ergebnis des Forschungssektors hat zur Folge, dass die bislang verwendeten Kapitalgüter vom Markt verdrängt werden. Dadurch werden dem Innovator vorübergehende Monopolgewinne gesichert, die so lange anhalten, bis widerum neue, verbesserte Erfindungen die Produkte des Innovators verdrängen. Während der Zeit, in der die Innovatoren Angebotsmonopolisten sind, versuchen sie ihre Gewinne zu maximieren. Die produzierenden Unternehmen befinden sich im vollkommenen Wettbewerb. Wie auch im Modell von Romer steigt der Wissenskapitalstock durch die Arbeiten im Forschungssektor. Die externen Effekte haben allerdings unterschiedliche Auswirkungen. Auf der einen Seite bewirken sie das Entstehen von externen Eträgen. Auf der anderen Seite können gerade diese Erträge auch daraus resultieren, dass die Besitzer von alten Produkten vom Markt verdrängt wurden. Insofern handelt es sich dann um negative externe Effekte. Dieser sogenannte Business-Stealing-Effekt wirkt aber innovationsfördernd, da es den Anreiz zum Forschen verstärkt. Die Unternehmen versuchen durch ihre Forschungsergebnisse Innovatorengewinne zu realisieren.

Auch in den FuE-Modellen leiten sich aus den Spillover-Effekten wohlfahrtssteigernde staatliche Interventionen ab.[36] Während im Modell von Arrow Sachkapitalinvestitionen und im Modell von Lucas Humankapitalinvestition den technischen Wandel und das langfristige Wachstum verursachten, sind es bei den FuE-Modellen die Forschungsinvestitionen. Diese können sich sowohl aus Sachkapital- als auch aus Humankapitalinvestitionen zusammensetzen. Die Existenz von Spillover-Effekten führen zu Forschungsinvestitionen, die geringer ausfallen als gesamtwirtschaflich optimal erwünscht. Daher begründen sich staatliche Maßnahmen, die Forschungsinvestitionen auf ein optimales Niveau anzuheben.

Zwar wird im Modell von Aghion/Howitt auch auf das Vorliegen von negativen Effekten hingedeutet, diese sind aber im Verlauf des technischen Fortschritts unvermeidbar, zumal die Marktverdrängung auch auf globaler Ebene stattfindet und es um so mehr ein Anliegen des Staates ist, die Innovationsfähigkeit und die Innovatoren der eigenen Volkswirtschaft zu stärken.

Als wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Anhebung der Forschungsinvestitionen sind verschiedene Ansatzpunkte denkbar. Der Staat könnte öffentliche Forschungseinrichtungen installieren und diese selbst betreiben. Eine weitere Möglichkeit wäre private Forschungseinrichtungen zu subventionieren. Ebenfalls könnten auch Forschungsprojekte und FuE-Personal in Unternehmen subventioniert werden. Bei den Forschungsprojekten sollten vorwiegend solche Innovationsvorhaben unterstützt werden, die einen hohen gesamtwirtschaftlichen Nutzen erwarten. Vor allem sind das Bereiche der Schlüsseltechnologien, die zukünftig wirtschaftliche Erfolge versprechen.[37]

3.2 Marktunvollkommenheiten im Außenhandelsmodell

Eigenschaften des Marktmechanismus, die zu einer suboptimalen Wohlfahrt führen und dadurch die Möglichkeiten zum Eingreifen des Staates eröffnen, bestehen auch im Außenhandelsmodell. Eigentlich ist es keine Funktionsschwäche des Marktes jedoch vermag der Markt allein nicht den inländischen wohlfahrtsoptimalen Wachstum zu sichern. Im Modell von Brander/Spencer (1983) werden in diesem Zusammenhang protektionistische Maßnahmen des Staates empfohlen, die zu einer Wohlfahrtssteigerung der eigenen Volkswirtschaft beitragen.[38] Das Modell geht von einer Oligopolsituation mit zwei Unternehmen aus, wobei das eine im Inland und das andere im Ausland angesiedelt ist. Beide Unternehmen stellen jeweils das gleiche Produkt her. Zur Vereinfachung wird unterstellt, dass die Produktion beider Unternehmen ausschließlich in ein Drittland exportiert wird. Unter Cournot-Bedingungen werden die beiden Unternehmen ihre Produktionsmengen so festsetzen, dass bei gegebener Produktionsmenge des Konkurrenten der eigene Gewinn maximiert wird. Wird aber nun die Produktion des inländischen Unternehmens staatlich subventioniert, kann es die Produktionsmenge ausweiten und seinen Gewinn erhöhen. Gleichzeitig verringert sich dadurch die Produktion und der Gewinn des ausländischen Unternehmens. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um Produktions- oder Exportsubventionen handelt. Wird im Modell aber inländischer Konsum zugelassen, so fällt die Steigerung der inländischen Produzentenrente im Fall einer Produktionssubventionierung höher aus als bei einer Exportsubvention. Die Erhöhung der Produzentenrente im Inland, d.h. der erhöhte Unternehmensgewinn abzüglich der Subventionen, kann gleichgesetzt werden mit der Erhöhung der nationalen Wohlfahrt. Dieser Vorgang wird auch internationales rent-shifting genannt. Neben Produktions und Exportsubventionen lassen sich auch mit Hilfe von Forschungssubventionen die inländische Produzentenrenten erhöhen, wenn die forschungsintensiven Industrien überdurchschnittlich hohe Oligopolgewinne erzielen. Das Entstehen der Oligopolgewinne wird im Modell durch Markteintrittsbarrieren und Grösseneffekten verursacht. Markteintrittsbarrieren entstehen durch irreversible und hohe Kosten, die mit der Entwicklung einer Innovation zusammenhängen. Anlage- und Humankapitalinvestitionen können beispielsweise für ein FuE-Projekt derart spezifisch sein, dass eine spätere Umlenkung in andere Verwendungen nicht möglich ist.[39] Größeneffekte ergeben sich bei der Produktion hoher Stückzahlen durch Kostendegression. Mit steigendem Produktionsvolumen sinken dabei die Stückkosten. Markteintrittsbarrieren und Grösseneffekte bieten etablierten Unternehmen einen gewissen Schutz vor der potentiellen Konkurrenz und bewirken gleichzeitig Oligopolisierungs- bzw. im Extremfall Monopolisierungstendenzen. Schließlich sehen Brander/Spencer staatlichen Protektionismus in Form von Subventionen als eine sinnvolle strategische Maßnahme zur Erhöhung der nationalen Wohlfahrt, die allerdings zu Lasten der ausländischen Wohlfahrt vonstatten geht.

Handelt es sich aber um multinationale Unternehmen, so ist es nicht erkennbar, ob die aus der Subventionspolitik erzielten Erfolge tatsächlich im Inland verbleiben und damit die nationale Wohlfahrt erhöhen oder ob sie ins Ausland übertragen werden.[40] Außerdem kann die strategische Handelspolitik auch durch Vergeltungsmaßnahmen des Auslands beeinträchtigt werden.[41] Fördert in einem Zwei-Länder-Modell das eine Land seine inländischen Unternehmen durch Subventionen, so ist es für das andere Land ratsam, auf gleicherweise eine Subventionspolitik zu betreiben, um den Wohlfahrtsverlusten entgegenzuwirken. Dies führt zu einem Subventionswettlauf der letztendlich die Wohlfahrt beider Länder aufgrund unverhältnismäßig hoher Subventionsausgaben weiter senkt, als es im Falle ohne Subventionsförderungen wäre. Aus diesem Gefangenendilemma können sich die Länder befreien, wenn sie zusammen beschließen, die Subventionen abzubauen.

Eine weitere Form von Protektionmaßnahmen zum Wohl der nationalen Wirtschaft ist die Erhebung von Importzöllen.[42] Begründet wird diese Maßnahme mit der Realisierung von Lerneffekten. Lerneffekte entstehen durch die im Zeitverlauf mit dem Produktionsprozess gemachten Erfahrungen und führen zu einer Steigerung der Arbeitsproduktivität. Diejenigen Unternehmen, die ihre technologische Effizienz und ihr Wissen durch Erfahrungen bei der Produktion eines bestimmten Gutes im Laufe der Zeit steigern konnten, besitzen gegenüber potentiellen Konkurrenten einen Kostenvorteil. Die Lerneffekte bewirken somit eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. In diesem Sinne wäre es möglich, durch den Einsatz eines Importzolls für bestimmte Güter, die entsprechende inländische Industrie zu schützen, bis die Unternehmen durch Lerneffekte ihre Produktionseffizienz verbessern und sich auf den Weltmärkten behaupten können.

Im Außenhandelsmodell von Grossman/Helpman (1990b) wird ebenfalls auf protektionistische Maßnahmen zum Schutz der inländischen Volkswirtschaft hingewiesen.[43] Das Modell geht von zwei Ländern, zwei Faktoren und zwei Sektoren aus. Im High-tech-Sektor wird relativ mehr Humankapital eingesetzt als im Low-tech-Sektor, wobei der High-tech-Sektor bei der Produktion seines Gutes zusätzlich neues Wissen hervorbringt, das die Produktivität in beiden Sektoren erhöht. Internationaler Handel führt dazu, dass sich das humankapitalreichere Land auf High-tech-Produkte spezialisiert und das humankapitalärmere Land auf Low-tech-Produkte. Beide Länder realisieren kurzfristige Handelserfolge durch komparative Kostenvorteile nach dem Ricardo-Modell. Langfristig jedoch verschlechtern sich die Wachstumsbedingungen des auf Low-tech-Produkte spezialisierten Landes, weil sich die Produktion im High-tech-Sektor verringert und damit auch die externen Erträge, die aus der Wissensproduktion des High-tech-Sektors stammen, sinken. Unter diesen Umständen kann es sinnvoll sein, die Produktion von High-tech-Produkten zu subventionieren oder den Import von technologieintensiven Gütern zu beschränken, um so den inländischen High-tech-Sektor zu stärken.

Auf der anderen Seite gibt es auch Meinungen, die eine strikte Ablehnung protektionistischer Maßnahmen fordern.[44] So wird betont, dass die Öffnung der Volkswirtschaften über Skaleneffekte größerer Märkte und internationale Wissens-Spillover aus dem Import von Technologiegütern eher Wachstumswirkungen auf die inländische Wohlfahrt haben, als die Abschottung durch Protektionismus, die letzlich eine Verringerung der Wachstumskräfte in allen beteiligten Volkswirtschaften mit sich bringt. Protektionismus in den Ländern beschränkt hierbei die gegenseitige Erzeugung externer Erträge. In der politischen Realität scheinen dennoch protektionistische Maßnahmen bevorzugt zu werden, da vor allem Güter der Spitzentechnologie vielfach staatlich subventioniert werden oder bestimmten Handelshemmnissen unterliegen.[45]

3.3 Unsicherheiten und unvollkommene Kreditmärkte

Ein besonderes Merkmal der Forschung ist ihre Unsicherheit bezüglich der zu erwartenden Ergebnisse. Je nach Menge und Qualität der verfügbaren Informationen über ein Forschungsprojekt können unterschiedliche Unsicherheitsgrade differenziert werden.[46] Forschungsarbeiten können durchgeführt werden unter starker Unsicherheit, Unsicherheit, Risiko oder Sicherheit, wobei letzteres im Grunde dem Charakter der Forschung widerspricht. Bei starker Unsicherheit sind weder die Ergebnisse der Forschung, noch die Wahrscheinlichkeiten für deren Eintreten bekannt. Bei Unsicherheit sind die möglichen Ergebnisse der Forschung bekannt, nicht aber deren Wahrscheinlichkeiten. Im Falle der Risikosituation sind sowohl die Ergebnisse als auch die Wahrscheinlichkeiten bekannt. Da Unternehmen bei Forschungsarbeiten unter starker Unsicherheit sowie Unsicherheit keine nützlichen Ertragsraten der Forschungsergebnisse vorauskalkulieren können, die bei Investitionsentscheidungen weiterhelfen würden, werden sie eher nach ihrer Finanzstärke einen bestimmten Prozentsatz des Umsatzes in die Forschung investieren.

Im Risikofall hängt es schließlich von der Risikoneigung der Investoren ab, für welche Investitionsalternative sie sich entscheiden.[47] In einer Volkswirtschaft kommt es bei hinreichend großer Anzahl an realisierten Investitionen zu einem weitgehenden Ausgleich der erzielten Erwartungswerte, so dass der im Durchschnitt erwartete Gesamtertrag aller Forschungsprojekte näherungsweise erreicht wird. Geht man jedoch von einem risikoscheuen Verhalten der Investoren aus, so ist dieser Gesamtertrag geringer als bei einer risikoneutralen Annahme. Gesamtwirtschaftlich gesehen bewirkt nur risikoneutrales Verhalten eine effiziente Ressourcenallokation.

Brauchen Unternehmen für ihre Forschungsinvetitionen Fremdkapital, so ergeben sich aufgrund der Unsicherheiten von Forschungsarbeiten Schwierigkeiten bei der Mittelbeschaffung.[48] Kreditgeber haben eine skeptische Haltung gegenüber solchen Investitionen, da die Erbringung der Gegenleistung nicht gewährleistet ist. Kreditnachfrager werden versuchen dem Kreditgeber die Erfolgsaussichten des Forschungsprojektes offenzulegen, ohne dabei Informationen preiszugeben, welche die Kreditgewährung gefährden könnten. Weil Forschungsprojekte aber von einer hohen Erfolgsunsicherheit gekennzeichnet sind und die Kreditgeber aufgrund asymmetrischer Informationen das Ausfallrisiko der Projekte nicht einschätzen können, werden sie Kredite entweder nur gegen Zahlung besonders hoher Zinsen vergeben, was dazu führen würde, dass hauptsächlich Projekte mit hoher Ertragserwartung bevorzugt werden, oder sie werden Sicherheiten verlangen, wovon besonders kleine und junge Unternehmen betroffen sind, da diese meist nicht über Sicherheiten verfügen. Da Forschungsinvestitionen im Wesentlichen Investitionen in Wissen sind, werden kaum pfändbare Sicherheiten hinterlassen. Forschungsinvestitionen unterliegen somit besonderen Fremdkapitalrestriktionen und beeinträchtigen damit vor allem die Innovationsfähigkeit von finanzschwächeren Unternehmen. Die Funktionsschwäche der Kreditmärkte führt zu einer Investitionsquote in Forschungsprojekte, die unterhalb der gesamtwirtschafltich optimalen liegt.

Um dem entgegenzuwirken, könnten an finanzschwächeren innovativen Unternehmen staatliche Eigenkapital- und Kredithilfen gewährt werden.[49] Aus dieser Förderung könnten in erster Linie junge Technologieunternehmen bzw. Neugründungen profitieren. Mit der Eigenkapitalförderung sind Beteiligungen von Investoren gemeint, wodurch sich für das Technologieunternehmen günstigere Finanzierungskonditionen ergeben, als es bei Kreditinstituten der Fall wäre. Im Vergleich zur staatlichen Projektzuschussförderung besteht bei der Kreditgewährung bzw. Eigenkapitalbeteiligung ein höherer Anreiz, die Finanzmittel effizient einzusetzen, um Erfolge zu erzielen.[50]

3.4 Netzwerkeffekte

Eine weitere Form der staatlichen Intervention in das Marktgeschehen, um die gesamtwirtschaftliche Innovationsfähigkeit und das Wachstum zu erhöhen, betrifft die Förderung von Netzwerkbildungen. Das Zustandekommen von Netzwerken ist in erster Linie keine Funktion des Marktmechanismus.[51] Daher können staatliche Interventionen begründet werden, die Anreize schaffen und Maßnahmen ergreifen, um Netzwerkbildungen zu fördern.

Für Sydow stellen Unternehmensnetzwerke „eine auf die Realisierung von Wettbewerbsvorteilen zielende Organisationsform ökonmischer Aktivitäten dar, die sich durch komplex-reziproke, eher kooperative denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbstständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist abhängigen Unternehmungen auszeichnet. Ein derartiges Netzwerk, das entweder in einer oder in mehreren miteinander verflochtenen Branchen agiert, ist das Ergebnis einer Unternehmungsgrenzen übergreifenden Differenzierung und Integration ökonomischer Aktivitäten.“[52] Vor allem für Innovationsprozesse bringen Netzwerke bedeutende Vorteile mit sich.[53] Aus der Zusammenarbeit von Unternehmen in Netzwerken können funktionale Prozesse aufeinander abgestimmt und optimiert werden, wodurch sich die Transaktionskosten verringern. Hohe technische und marktmäßige Unsicherheiten sowie hohe FuE-Aufwendungen sind ebenfalls Gründe, die Unternehmen zum Zusammenschluss von innovationsorientierten Netzwerken bewegen, um die Probleme gemeinsam besser angehen zu können.

Besondere Synergieeffekte ergeben sich bei regionalen Netzwerkbildungen in Form von Innovations-Cluster. Innovations-Cluster sind gekennzeichnet durch „eine geographische Konzentration von Firmen (im produzierenden Gewerbe, in der Forschung, als Dienstleister und Zulieferer) und öffentlichen und privaten Organisationen (Universitäten, Forschungsinstituten, staatliche Förderagenturen, private Netzwerkclubs, etc.), die bei der Initiation und Verbreitung neuer Technologien kooperieren, aber auch miteinander in Konkurrenz stehen, wobei es zu lokalen Wechselwirkungen und positiven Rückkopplungen kommt.“[54] Im Gegensatz zu Unternehmensnetzwerken sind hier auch öffentliche Organisationen am Netzwerk beteiligt. Innovationsorientierte Netzwerke haben durch den kombinierten Einsatz der Netzwerkbeteiligten, durch Ausnutzung von Synergieeffekten und Steigerung iher Produktivität, durch Senkung der Tansaktionskosten und Kosteneinsparungen bezüglich der FuE-Aufwendungen, durch netzwerkinternen Wissensaustauch und Risikoteilung in FuE-Projekten eine bessere Ausgangslage zur Hervorbringung von Innovationen als eigenständig arbeitende Unternehmen. Insbesondere kleine und mittelere Unternehmen (KMU) können aus diesen Netzwerkbeziehungen profitieren. Im Vergleich zu Großunternehmen verfügen KMU oftmals nicht über die notwendigen Informationen oder Managementerfahrungen, um Innovationsprojekte optimal durchführen zu können.[55]

Einen entscheidenden Faktor für die Hervorbringung von Innovationen spielt dabei der Technologietransfer. Während Wissens-Spillover das Potential zur Schaffung von Innovationen erhöhen, ist mit Technologietransfer die gezielte Überführung technologischen Wissens in marktfähige Produkte gemeint. Der Transfer vollzieht sich dabei vertikal zwischen Wissensproduzenten und Wissensnutzern oder horizontal zwischen gleichartigen Forschungseinrichtungen oder Unternehmen.[56] Weil KMU üblicherweise über keine FuE-Abteilungen verfügen, sind sie umso mehr auf den Technologietransfer angewiesen.[57]

Wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Erhöhung der Innovationsfähigkeit betreffen die Förderung des Technologietransfers.[58] Informations- und Beratungszentren können in die Netzwerke integriert werden, um die Unternehmen mit erforderlichem Wissen zu versorgen, beispielsweise mit Informationen zu FuE-Projekten, Managementdienstleistungen oder der Nutzung von Patenten. Die Unternehmen können auch hinsichtlich ihrer Alternativen, Strategien und Ziele beraten werden, etwa über die Beschaffung von finanziellen und personellen FuE-Ressourcen. Über Anwendungszentren kann zur Diffusion von neuen Technologien vorwiegend in KMU beigetragen werden. Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen können zur Zusammenarbeit mit der Wirtschaft angeregt werden. Hierbei können staatliche Fördereinrichtungen die Vermittlerrolle für Kontakte übernehmen. Auch die Förderung von Forschungsprojekten, die eine gezielt verstärkte Zusammenarbeit erfordern, kann zur Netzwerkbildung und zum Technologietransfer beitragen.

Nachdem verschiedene Formen des Marktversagens im Rahmen der Innovationsfähigkeit einer Volkswirtschaft diskutiert und dafür wirtschaftspolitische Ansatzpunkte abgeleitet worden sind, werden im Folgenden die Forschungs- und Technologiepolitik in Deutschland und anschließend in Großbritanntien behandelt, um im letzten Teil der Arbeit miteinander verglichen zu werden.

4. Forschungs- und Technologiepolitik in Deutschland

4.1 Akteure

4.1.1 Ministerien und Gremien

Das wichtigste Ministerium in der deutschen Forschungs- und Technologiepolitik ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Hauptziele des BMBF sind die Förderung eines innovationsorientierten Wachstums, die Stärkung der Forschung und Wissenschaft sowie die Steigerung der Qualität im Bildungssystem. Unter der Koordination des BMBF leitet vor allem das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) wichtige Programme im Rahmen der FuT-Politik. Die Finanzierung zur Forschung und Entwicklung erfolgt zum einen durch zielorientierte Projektförderung und zum anderen durch institutionelle Förderung.[59] Bei der Projektförderung sollen in einem befristeten Zeitraum Forschungseinrichtungen und Unternehmen, dabei insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, bei ihrer FuE-Tätigkeit unterstützt werden, innovative Netzwerke geschaffen und Personalaustausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gefördert werden. Die institutionelle Förderung ist hingegen auf die langfristige Förderung von Forschungseinrichtungen ausgerichtet.

Die Bund-Länder-Kommission (BLK) ist in forschungs- und bildungspolitischen Angelegenheiten zuständig für eine Abstimmung der Zusammenarbeit von Bund und Ländern und gibt Empfehlungen zur gemeinsamen Finanzierung von Forschungsvorhaben und -einrichtungen.[60] Neben zahlreichen Beratungsgremien der einzelnen Ministerien, sind vor allem der seit 1957 gegründete Wissenschaftsrat und die 2007 gegründete Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hervorzuheben. Der Wissenschaftsrat berät die Regierungen von Bund und Ländern bezüglich der Themenbereiche Studium und wissentschaftlicher Nachwuchs, Forschung und Wissenschaft, Leistungsfähigkeit von Forschungseinrichtungen sowie Hochschulstruktur und Rahmenplanung.[61] Zu den Aufgaben der international besetzten EFI gehören die Analyse von Strukturen, Trends, Leistungsfähigkeit des deutschen Forschungs- und Innovationssystems, die Begutachtung zu Schwerpunktthemen des Forschungs- und Innovationssystems und Erarbeitung von Handelsempfehlungen.[62]

4.1.2 Schulen, Aus- und Weiterbildungseinrichtungen

Da Schul-, Aus- und Weiterbildung wichtige Vorstufen für die zukünftige Innovationskraft eines Landes sind, gehören auch diese Systeme in die FuT-Politik. Ein wesentliches Kennzeichen des deutschen Schulsystems ist seine Gliedrigkeit im Sekundärbereich.[63] Nach der Grundschule können die Schüler die Hauptschule, die Realschule oder das Gymnasium besuchen. In einigen Bundesländern gibt es statt des dreigliedrigen Schulsystems die Gesamtschule. Die verschiedenen Schulen führen zu unterschiedlichen Bildungsabschlüssen. Die Hauptschule vermittelt die allgemeine Bildung als Grundlage für eine weiterführende praktische Berufsausbildung. Der mittlere Bildungsabschluss der Realschule, welches auch nach der Hauptschule durch eine zusätzliches Schuljahr oder durch den Besuch anderer Schulformen erlangt werden kann, dient zum einen ebenfalls als Vorbereitung für die praktische Berufsausbildung, zum anderen befähigt sie aber auch den Übergang zu einem Gymnasium, mit dessen Abschluss die Hochschulreife erworben wird, welches zum Studium an Hochschulen und Universitäten berechtigt. Die Bildungshoheit im Schulsystem liegt bei den Bundesländern. Wird eine berufliche Ausbildung angestrebt, so herrscht in Deutschland das duale Ausbildungssystem.[64] Im dualen Ausbildungssystem wird eine standardisierte Schulbildung, bei der überwiegend berufsspezifische Fächer unterrichtet werden, mit einer praktischen Ausbildung im Betrieb kombiniert. Dadurch sollen sich die Auszubildenden mit theoretischen und praktischen Kenntnissen für die jeweilige Berufstätigkeit qualifizieren. Neben der Schul- und Ausbildung gibt es vor allem für Erwachsene Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung.[65] Die berufliche Weiterbildung erfolgt in der Regel nach Aufnahme der Berufstätigkeit und soll die beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten erweitern bzw. den technisch-produktiven Entwicklungen anpassen. Mit dem Abschluss einer berfuflichen Weiterbildung kann auch eine Höherqualifikation erreicht werden, welches die Ausübung weiterer Berufe erlaubt.

4.1.3 Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen

Zu Hochschulen zählen alle staatlich anerkannten Universitäten und Fachhochschulen.[66]

Hochschulen leisten einen essentiellen Beitrag zur Forschung und zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands. Als Forschungsinstitute, Ausbildungsstätten für den wissenschaftlichen Nachwuchs und als Kooperationspartner für die Wirtschaft haben sie eine zentrale Rolle im Innovationssystem. Gleichzeitig sind Hochschulen der am größten öffentlich finanzierte Forschungssektor. Die Aufgaben der Hochschulen sind insbesondere die Lehre und Entwicklung der Wissenschaften und Künste sowie Forschung. Das Spektrum der Forschung reicht von der Grundlagenforschung über anwendungsorientierte Forschung bis hin zu Entwicklungsarbeiten. Neben der Wirtschaft und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bildet die Hochschulforschung den dritten großen Forschungssektor in Deutschland. Im Jahr 2004 betrugen die Ausgaben der Hochschulen für Lehre und Forschung 20,7 Mrd. €, während 97.600 Personen und damit etwa ein Fünftel des gesamten FuE-Personals zum Hochschulsektor gezählt wurden.[67] Neben den Hochschulen finanzieren Bund und Länder gemeinsam eine Reihe von außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die teilweise auch aus Drittmitteln finanziert werden, von denen die wichtigsten im Folgenden kurz vorgestellt werden.

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) unterhält ca. 80 eigene Institute und betreibt hauptsächlich Grundlagenforschung im Bereich der Biologisch-Medizinischen Forschung, Chemisch-Physikalisch-Technischen Forschung sowie der Geisteswissenschaftlichen Forschung.[68] Dabei werden vor allem interdisziplinäre und innovative Forschungsrichtungen aufgegriffen. Wissenschaftler der MPG zählen zu den weltweit am meisten zitierten Wissenschafltern.

Die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. (FhG) betreibt mit 58 Forschungseinrichtungen vornehmlich angewandte Forschung.[69] Ein besonderes Ziel der FhG ist die Umsetzung von Forschungsergebnissen in innovative Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Dabei führt sie Auftragsforschung für die Industrie, Dienstleisungsunternehmen und die öffentliche Hand aus.

Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) verzeichnet über 15 Forschungszentren für naturwissenschaftlich-technische und biologisch-medizinische Forschung.[70] Mit 25.000 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von 2,3 Mrd. € ist sie die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Als Forschungsbereiche sind Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie und Verkehr und Weltraum festgelegt. Zusätzlich widmet sich die HGF der Förderung von wissenschaftlichem Nachwuchs.

Die Leibniz-Gemeinschaft (WGL) führt 84 Forschungseinrichtungen und hat im Vergleich zu den anderen Forschungseinrichtungen eine größere inhaltliche und strukturelle Vielfalt.[71] Mit einem großen Spektrum an Forschungsthemen arbeiten die WGL interdisziplinär und verbindet Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe.

[...]


[1] Vgl. Majer (1998), S.42

[2] Vgl. ebenda, S. 52

[3] Vgl. OECD (2002), S. 30

[4] Vgl. OECD (2005), S. 46

[5] Vgl. Wilhelm (2000), S. 10, Vgl. OECD (2005), S. 58

[6] Vgl. Grupp (1997), S. 23f.

[7] Vgl. Grupp (1997), S. 10

[8] Vgl. Gräb-Schmidt (2002), S. 20f.

[9] Vgl. Vogel (2000), S. 45f., S. 358

[10] Vgl. NIW und ISI (2006), S. 8f.

[11] Vor der Neuabgrenzung der forschungsintensiven Sektoren in 2006, um sie den strukturellen und technologischen Entwicklungen anzupassen, wurden als Bezugswerte 3,5% und 8,5% verwendet. Die Klassifikation entstand aus einer Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) und dem Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI). Dementsprechend wurden die Gütergruppen in NIW/ISI-Listen festgehalten, allerdings nicht nur in Deutschland, da sich die Abgrenzung auch für internationale Vergleiche eignet. Vgl. ebenda

[12] Klodt (1995), S. 121f.

[13] Vgl. Brümmerhoff (2007), S. 56

[14] Vgl. Wiese (2005), S. 271

[15] Vgl. Brümmerhoff (2007), S. 56

[16] Hemmer (1999), S. 25

[17] Vgl. Klodt (1993), S. 205

[18] Vgl. Bretschger (2004), S. 83

[19] Vgl. Hemmer (1999), S. 26

[20] Vgl. Klodt (1993), S. 208

[21] Vgl. Ehrig und Kuhn (2005), S. 62

[22] Vgl. Perlitz (2004), S. 77

[23] Vgl. Ehrig und Kuhn (2005), S. 65f.

[24] Vgl. Walter u.a. (2000), S. 77

[25] Vgl. Göcke (2000), S. 10

[26] Vgl. Ehrig und Kuhn (2005), S. 89f.

[27] Vgl. Welfens u.a. (2005), S. 69

[28] Vgl. Hemmer (1999), S. 206f.

[29] Vgl. ebenda, S. 212

[30] Vgl. Reichel (2002), S. 101

[31] Vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 219

[32] Vgl. Klodt (1993), S. 208f.

[33] Vgl. Bitzer (2003), S. 28

[34] Vgl. Badinger (2003), S. 72ff.

[35] Vgl. Bitzer (2003), S. 39- 47

[36] Vgl. Klodt (1993), S. 209

[37] Vgl. Müller (2002), S. 64

[38] Vgl. Klodt (1993), S. 199ff.

[39] Vgl. Müller (2002), S. 35f.

[40] Vgl. Klodt (1993), S. 204

[41] Vgl. ebenda, S. 203f.

[42] Vgl. ebenda, S. 201f.

[43] Vgl. Klodt (1993), S. 209f.

[44] Vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 300

[45] Vgl. NIW und ISI (2006), S. 9

[46] Vgl. Bretschger (1998), S. 118f.

[47] Vgl. Müller (2002), S. 37

[48] Vgl. ebenda, S. 38f.

[49] Vgl. Müller (2002), S. 66f.

[50] Vgl. ebenda, S. 65

[51] Vgl. Rheinhard (1996), S. 6f.

[52] Sydow (1992), S. 79

[53] Vgl. Rheinhard (1996), S. 7f.

[54] Michler (2005), S. 50

[55] Vgl. DIW (2006a), S. 138

[56] Vgl. Rheinhard (1996), S. 8

[57] Vgl. Wilhelm (2000), S. 113

[58] Vgl. ebenda

[59] Vgl. BMBF (2006a), S. 5

[60] Vgl. ebenda, S. 3

[61] Vgl. ebenda, S. 4

[62] Vgl. EFI (2008), S. 10

[63] Vgl. May und Albers (2005), S. 226f.

[64] Vgl. ebenda

[65] Vgl. Schelten (2004), S. 104f.

[66] Vgl. BMBF (2006a), S. 28

[67] Vgl. ebenda, S. 184ff.

[68] Vgl. ebenda, S. 31

[69] Vgl. ebenda, S. 59

[70] Vgl. BMBF (2006a), S. 79

[71] Vgl. ebenda, S. 84

Details

Seiten
80
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836615365
Dateigröße
638 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225914
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Betriebswirtschaft
Note
2,0
Schlagworte
forschungspolitik technologiepolitik marktversagen deutschland großbritannien

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Titel: Vergleich der nationalen Forschungs- und Technologiepolitiken in Deutschland und Großbritannien ab 1990