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Beschäftigungspotentiale einer ökologischen Modernisierung der Volkswirtschaft

Diplomarbeit 2005 81 Seiten

Umweltwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I Grundlagen
1. Der Umweltschutz in der Volkswirtschaft
2. Umweltschutz und Beschäftigung
3. Ökologische Modernisierung als wichtiger Strategieansatz unserer Wirtschaftspolitik

II Beschäftigungspotentiale durch ökologische Modernisierung in den Handlungsfeldern
1 Klimaschutz und Energiepolitik
1.1 Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und rationellen Energienutzung
1.1.1 Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung
1.1.2 Einsatz von Erdgas
1.1.3 Gebäudesanierung und energiesparendes Bauen
1.1.4 Einsatz von energieeffizienten Geräten und Produkten
1.2 Ausbau der erneuerbaren Energien
1.2.1 Windenergie
1.2.2 Wasserkraft
1.2.3 Photovoltaik
1.2.4 Solarthermie
1.2.5 Biomasse
1.2.6 Geothermie
1.3 Beschäftigungswirkungen der Nutzung erneuerbarer Energien und einer nachhaltigen Klimaschutzpolitik
2. Nachhaltige Mobilität
2.1 Verkehrspolitische und planerische Leitbilder
2.2 Maßnahmen zur Förderung des umweltverträglichen Verkehrs
2.3 Auswirkungen einer nachhaltigen Mobilitätspolitik
2.3.1 Nach Umweltbundesamt (UBA)
2.3.2 Nach M. Cames
2.3.3 Nach Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
3. Abfallpolitik 37 4. Entwicklung des ländlichen Raumes
4.1 Neuorientierung ländlich geprägter Räume
4.2 Ökolandbau
4.3 Vermarktung von Bioprodukten
4.4 Produzierendes und dienstleistendes Gewerbe
5. Umweltorientierte Dienstleistungen
5.1 Energie- und Gebäudemanagement
5.2 Beratungsdienstleistungen
5.3 Sonstige Dienstleistungen
5.4 Car – Sharing
6. Ökotourismus

III Bedingungen und Möglichkeiten der Realisierung von Beschäftigungseffekten
1. Zur Ermittlung der Beschäftigungszahlen in der Literatur
2. Bewertung der untersuchten Handlungsfelder
3. Beschäftigungspotentiale durch Export von Umweltschutzgütern
4. Ökonomische Rahmenbedingungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen
4.1 Ökologisierung des Finanzsystems
4.2 Beschäftigungswirkungen durch Förderprogramme

Fazit

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

Abbildungen:

Abbildung 1: Reserven aller nicht-erneuerbaren Energieträger

Abbildung 2: Jährliche Wärmeverluste bei einem Einfamilienhaus

ohne bzw. mit Wärmedämmung

Abbildung 3: Entwicklung des Anteils EE in Deutschland von 1998 bis 1. Halbjahr 2004

Abbildung 4: Ausbau der Windenergie in Deutschland

Abbildung 5: Beschäftigungswirkungen durch Nutzung erneuerbarer Energien

Abbildung 6: Durchschnittliche jährliche Auswirkung des MOVE- Szenarios auf die einzelnen Sektoren der Volkswirtschaft

Abbildung 7: Funktionsprinzip des Energieliefer - Contracting

Abbildung 8: Beschäftigungseffekte in der Literatur

Tabellen:

Tabelle 1: Erwerbstätige im Umweltschutz 1998 und 2002

Tabelle 2: Solar market in Germany to 2020

Tabelle 3: Verteilung des Personenverkehrsaufwands auf die motorisierten Verkehrsträger 1960 und 1999

Tabelle 4: Verteilung des Güterverkehrsaufwands auf die Verkehrsträger 1960 und 1999

Tabelle 5: Landwirtschaftliche Fläche, Produktivität und Beschäftigte im konventionellen und ökologischen Landbau

Tabelle 6: Beschäftigte durch Personalaufwendungen und Dienstleistungen im Umweltschutz im Jahr 2002

Tabelle 7: Abschätzung des Beschäftigungspotentials bis 2010

Tabelle 8: Beschäftigungs- und Umsatzvergleich 2004

Verzeichnis der Abkürzungen und verwendeten Einheiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Arbeit und Umwelt gehören in unserer Gegenwart mit zu den wichtigsten Themen, die unser Handeln und gleichzeitiges Suchen nach zukunftsfähigen Lösungen bestimmen, um das Wirtschaftswachstum zu fördern und gleichzeitig die weitere einseitige Verschwendung des Naturraumes, der natürlichen Ressourcen und somit unserer Lebensgrundlagen verhindern. Die Bedeutung des Schutzes der Umwelt und ihrer natürlichen Regeneration hat hinsichtlich seiner globalen und nachhaltigen Bedeutung zunehmend auch weltweit an Beachtung gewonnen. Dies findet seinen Niederschlag in vielfältigen Absichtserklärungen, Plänen und Maßnahmen. Die Frage dabei ist, was unter Berücksichtigung der politischen, technischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen unmittelbar und mittelbar zu tun ist und was zielgerichtet und schrittweise auch realisiert werden kann. Der Anteil der in der Volkswirtschaft für den Umweltschutz Tätigen wird sich dann auch folgerichtig kontinuierlich weiter erhöhen.

Das Anliegen dieser Arbeit ist es zu untersuchen, inwieweit und welche Beschäftigungspotentiale bestehen oder neu entstehen, wenn auf der Grundlage des derzeitigen Erkenntnisstandes die Möglichkeiten der Umweltentlastung durch eine ökologische Modernisierung genutzt und ausgeschöpft werden. Es wird zugrundegelegt, dass jede Maßnahme der ökologischen Modernisierung direkt oder indirekt Möglichkeiten der Beschäftigung in sich birgt. Schon die innovative Auseinandersetzung mit der Thematik, das Herausarbeiten der Problemstellung und der Lösungsansätze erwecken und beanspruchen menschliche, geistige und körperliche Aktivitäten. Das setzt sich fort, wenn die Aufgabenstellung vorbereitet, daran gearbeitet und diese dann schließlich umgesetzt wird. Ihren Anteil daran haben nicht nur die Forscher und Erfinder, die eine Innovation auslösen und zum Tragen bringen, sondern begleitend und in der Folge eine Vielzahl von Beschäftigten verschiedener Qualifikation und Wirtschaftsbereiche. Die Vorhaben müssen schließlich geplant, durchgeführt, verwaltet und letztlich stabilisiert und betrieben werden.

Der Umweltschutz hat Querschnittscharakter. Nahezu alle wirtschaftlichen Bereiche haben irgendeinen Bezug zum Umweltschutz. Es ist sehr problematisch, die für den Umweltschutz Tätigen durchgehend als solche zu identifizieren, abzugrenzen und in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung einzuordnen. Daraus erklärt sich, dass die Aussagekraft der Statistik dahingehend noch sehr unzureichend ist. Der Umweltschutz hat auch in der Literatur entsprechend den in den letzten Jahrzehnten zugenommenen Erkenntnissen, Einsichten und bedeutenden nachhaltigen Aktivitäten in einer Vielzahl von Beiträgen Berücksichtigung gefunden. Diese Beiträge enthalten eine Fülle von Angaben mit Analysen und vor allem Ermittlungen, wie sie weiträumig und vom Aufwand her nur von einschlägigen Institutionen dargelegt werden können. Damit steht aus den verschiedensten Quellen wohl umfangreiches Zahlenmaterial zur Verfügung, wenn auch mit dem Nachteil, dass dieses häufig nicht oder nur bedingt vergleichbar ist. Auf einige Gründe, worauf dieses zurückzuführen ist, werde ich im Rahmen dieser Arbeit eingehen. Auf diese Zahlen muss ich mich aber stützen; eigene Erhebungen, Ermittlungen bzw. Befragungen sind selbstverständlich schon aus zeitlichen Gründen nicht möglich.

Nach der Darlegung der Grundlagen werde ich auf die einzelnen Handlungsfelder der ökologischen Modernisierung eingehen. Schwerpunkt ist dabei der Energiesektor. Die Mobilität, die Abfallwirtschaft, die Entwicklung des ländlichen Raumes sowie die umweltorientierten Dienstleistungen und der ökologischer Tourismus werden als weitere Ausgangsbasen für Innovationen und Beschäftigungseffekte abgehandelt. Im letzten Abschnitt werden die aufgefundenen Beschäftigungszahlen auf ihre Aussagefähigkeit hin kritisch untersucht. Anschließend werden die Beschäftigungspotentiale aus ökologischer Modernisierung in den Handlungsfeldern hinsichtlich ihrer Chancen und Hemmnisse beurteilt. Gesondert ausgewiesen wird der Export von Umweltschutzgütern.

Das weite Handlungsfeld der politischen und ökonomischen Einflussnahme und deren Auswirkungen auf die Beschäftigung sind für die Entstehung von Beschäftigungspotentialen von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang werden die Rahmenbedingungen der Ökologisierung des Finanzsystems sowie einige Förderprogramme angeführt. Ein näheres und gründliches Eingehen auf diesen Komplex ist sehr anspruchsvoll und übersteigt die im Rahmen dieser Arbeit gegebenen Möglichkeiten.

I Grundlagen

1. Der Umweltschutz in der Volkswirtschaft

Unter Umweltschutz verstehen wir die Gesamtheit aller Maßnahmen, womit die Umwelt vor allen nachteiligen Veränderungen, die aus der Tätigkeit der Menschen und deren Verhalten überhaupt entstehen oder entstehen können, geschützt werden sollen. Das sind der Schutz der Landschaft und des Landschaftshaushaltes, der Schutz des Bodens, der Gewässerschutz, der Schutz der Luft vor Verunreinigungen, die Behandlung von Abfällen, der Strahlenschutz, der Lärmschutz sowie der Schutz der Organismen vor der Ausrottung durch den Menschen. Umweltmaßnahmen kommen auch dann zum Tragen, wenn verursachte bzw. bisher vernachlässigte Schäden wieder beseitigt werden sollen, wie zum Beispiel die Verfüllung von Tagebaustätten und die Entseuchung vergifteter Industriengebiete. Weitere Maßnahmen sind solche, die die natürlichen Ressourcen nur noch in dem Maße in Anspruch nehmen, wie ihre natürliche Regeneration sichergestellt ist.[1] Gezielte Umweltpolitik wird eigentlich erst seit den siebziger Jahren betrieben. Man wurde sich immer deutlicher dessen bewusst, dass die Errungenschaften der Entwicklung und des Fortschrittes bis zur Industriegesellschaft, die sich vordergründig als Wirtschaftswachstum, erhöhte Technisierung und Wohlstand darstellen, immer weiter zunehmend mit der Verschwendung der natürlichen Ressourcen einhergehen. Viele Veränderungen in der Atmosphäre, in Böden, in Gewässern, in der Tier- und Pflanzenwelt beweisen, dass nunmehr weitgreifende Maßnahmen erforderlich sind.

Dies ist inzwischen weltweit erkannt worden; die Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro war ein wesentlicher Schritt, sich mit der Lösung wichtiger Umwelt- und Entwicklungsprobleme zu beschäftigen. In der Folge wurde das sogenannte Kyoto - Protokoll zum Schutz des Klimas vereinbart.

Die Konferenz 2002 in Johannesburg für nachhaltige Entwicklung stellte u.a. die Notwendigkeit heraus, dass die Wirtschaft ihre Unternehmenspolitik an den Umwelterfordernissen ausrichten muss. Das dies im Zeitalter der Globalisierung ein langer, schwieriger Weg sein wird, sollte nicht verkannt werden. Aber die Anfänge wurden gemacht. In Deutschland sind die Grundlagen des Umweltschutzes durch verschiedenen Gesetze, Verordnungen und Vorschriften geregelt. Das sind u.a. das Atomgesetz, das Bundesemissionsgesetz, das Bundesnaturschutzgesetz, die Klärschlammverordnung, die Smogverordnung. Auch im Strafgesetzbuch hat der Umweltschutz Eingang gefunden, mit der Androhung von drastischen Sanktionen bei Verstößen.

2. Umweltschutz und Beschäftigung

Umweltschutz und Beschäftigung sind eigenständige politische Aufgaben. Zwischen beiden bestehen jedoch vielfältige Wechselbeziehungen. Angesichts von derzeit weit über 4 Millionen Arbeitslosen hat die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der politischen und wirtschaftlichen Diskussion den Vorrang und der Abbau der Arbeitslosigkeit dürfte auch das oberste Ziel der Bundesregierung sein. Der Umweltschutz kann dabei nicht das entscheidende beschäftigungspolitische Instrument sein, aber andererseits bedeuten Umweltschutzmaßnahmen vordergründig Investitionen, auf die auch in der gegenwärtigen Situation und trotz des angespannten Staatshaushaltes unbedingt bestanden werden muss. Es ist unverzichtbar, dass der eingeschlagene Weg der nachhaltigen Entwicklung und ökologischen Modernisierung der Volkswirtschaft konsequent fortgesetzt wird.

Im Jahr 2002 waren fast 1,5 Millionen Erwerbstätige im Umweltschutz beschäftigt. Das sind etwa 4% aller Beschäftigten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Quelle: (BMU) Umwelt und Beschäftigung (2005) S.7

Die Tabelle zeigt, dass sich in der Gesamtheit zwischen 1998 und 2002 keine wesentliche Veränderung ergeben hat. Den größten Anteil nimmt der Sektor Dienstleistung ein, allerdings ohne nennenswerte Steigerung. Eine Zunahme ist zu verzeichnen bei den erneuerbaren Energien sowie beim Export von Umweltschutzgütern, eine Verringerung bei den Investitionen für den Umweltschutz. Letzteres ist zurückzuführen auf einen Einbruch der Investitionen seitens der Gebietskörperschaften um ein Drittel im Zeitraum 1998 bis 2002. Den Rückgang bezüglich der Wärmedämmung kann man so deuten, dass die Programme zurückgefahren wurden. Das entspricht dem wirtschaftlichen Gesamtbild, das allgemein wahrnehmbar ist. Die angeführten Beschäftigungszahlen sind Orientierungsgrößen, die zumindest belegen, dass der Umweltschutz in der Volkswirtschaft eine feste Ausgangsbasis gefunden hat und von dessen Wachstum maßgeblich beeinflusst wird.

Aus den vielen und umfangreichen Beiträgen in der einschlägigen Literatur, die den Umweltschutz nicht nur qualitativ, sonders auch quantitativ werten, ist zu entnehmen, dass es gegenwärtig noch keine zuverlässigen Angaben, sondern lediglich Schätzungen über die zurechenbare Anzahl der Arbeitsplätze im Umweltschutz gibt. Auch die Statistiken, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht, werden als Schätzungen gewertet, denn sie basieren lediglich auf Erhebungen zum Umsatz von Waren sowie Bau- und Dienstleistungen und darüber hinaus auf den Erhebungen über Investitionen für den Umweltschutz, wozu Daten bei maximal 5.000 repräsentativ ausgewählten Unternehmen erhoben werden. Die Liste der Waren und Dienstleistungen berücksichtigt nicht, dass heute nahezu alle wirtschaftlichen Bereiche einen Bezug zum Umweltschutz haben. Mit dieser Erhebung wird also die ganze Breite des Umweltschutzbegriffes noch nicht erfasst.

Zu bemängeln ist u.a. auch, dass Technologien zu Nutzung regenerativer Energien und Klimaschutztechnologien nicht aufgezeichnet werden und ebenso wenig umweltrelevante Dienstleistungen und integrierte Umweltschutztechnologien.[2] Während der sogenannte additive Umweltschutz („end-of-pipe“) deutlich nachweisbar ist, indem dieser erst am Ende des Produktionsprozesses als Umweltschutzmaßnahme deklariert wird (Beispiel Luftfilter), ist der „integrierte“ Umweltschutz schwerer zuzuordnen. Denn inwieweit der Umweltschutz und die durch induzierten Beschäftigungswirkungen in technischen Anlagen und Produkten integriert sind, bleibt statistisch schwer belegbar. Der „integrierte“ Umweltschutz wird in Zukunft weiter zunehmen und der Nachweis von Arbeitsplätzen im Umweltschutzbereich wird damit nicht einfacher.[3] Es kann auch sein, dass bei einzelnen Maßnahmen der ökologischen Modernisierung Beschäftigte an anderer Stelle, zum Beispiel bei abgelösten Verfahrenstechniken, freigesetzt werden. Dies ist der sogenannte Nettoeffekt, der sich nur aufgrund einer umfassenden Bilanz der positiven und negativen, direkten und indirekten, kurz- und langfristigen Beschäftigungseffekte feststellen lässt. Eine derartige Ermittlung ist methodisch sehr kompliziert, und auch nicht unmittelbarer Gegenstand dieses Themas.

3. Ökologische Modernisierung als wichtiger Strategieansatz unserer Wirtschaftspolitik

Um von der momentanen Praxis des überwiegend nachsorgeorientierten Umweltschutzes mittel- und langfristig zu einer dauerhaft aufrechterhaltbaren Entwicklung innerhalb der Grenzen des Umweltraumes zu gelangen, bedarf es einer umfassenden ökologischen Modernisierung der Volkswirtschaft in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern. Dies soll insbesondere durch Innovationen im Bereich der Dienstleistungen sowie bei der Herstellung (Verfahren/Materialien) von Produkten erreicht werden. Dabei werden technische Neuerungen bzw. Veränderungen danach bewertet, inwieweit sie einen Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten können. Hier steht der effizientere Umgang mit den natürlichen Ressourcen im Vordergrund, deren Einsparung der Finanzierung des technischen Fortschritts dient.[4] Ökologische Modernisierung ist eine Herausforderung an Politik, Wirtschaft und Verbraucher. Innovationspotentiale stecken in neuen Technologien und Verfahren, in der Ökologisierung der Produkte, in der Entwicklung neuer Dienstleistungen, des Vertriebsbereiches, in der Erschließung neuer Absatzwege, neuer Rohstoffquellen und Informationssysteme. Viele Unternehmen haben dies erkannt, haben sich entsprechend eingestellt und im Ergebnis bewiesen, dass Ökologische Modernisierung und Ökonomie nicht im Widerspruch stehen müssen. Und so nimmt Deutschland seit Jahren auf dem internationalen Markt im Bereich des Exportes von umweltorientierten Waren und Dienstleistungen, nur übertroffen von den USA, eine Spitzenposition ein. Die Politik hat besonders in den letzten Jahren nachhaltig auf diese Entwicklung Einfluss genommen. Mit der Gesetzgebung zum Umweltschutz ist für die bereits eingeleiteten und noch anstehenden Maßnahmen in Richtung ökologische Modernisierung eine gute, zukunftsträchtige Ausgangsbasis geschaffen und auf politisch-gesellschaftlicher Ebene der Bedeutung des Umweltschutzes national und international Rechnung getragen. Ein formuliertes wichtiges Ziel der ökologischen Modernisierung ist die Verbindung von Arbeit und Umwelt, womit sowohl ein Beitrag zur Entlastung der Umwelt als auch zur Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze geleistet werden kann.[5]

II Beschäftigungspotentiale durch ökologische Modernisierung in den Handlungsfeldern

1. Klimaschutz und Energiepolitik

Das wichtigste Handlungsfeld der ökologischen Modernisierung der Volkswirtschaft mit nicht zu unterschätzenden Beschäftigungspotential ist die Energiepolitik. Die langfristigen Folgen des Klimawandels einhergehend mit der Zunahme globaler Katastrophen führen dem Betrachter vor Augen, wie wichtig eine nachhaltige Klimapolitik in Kombination mit einer dauerhaft aufrechterhaltbaren Energieerzeugung ist. Besonders das Problem der Erderwärmung durch die Emission von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2), als auch die absehbare Erschöpfung der fossilen Energieträger zeigt, das es keine Alternative zu einer radikalen Umsteuerung in Richtung einer neuen Energiepolitik geben kann, die wenig oder in Zukunft gar nicht abhängig von herkömmlichen Energieträgern ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Quelle: (BPA): Perspektiven für Deutschland (2003) S.4

Bereits 1992 wurde auf dem Erdgipfel in Rio in der sogenannten Klimarahmenkonvention die weltweite Stabilisierung der klimarelevanten Treibhausgase vereinbart. Im Jahr 1997 einigte sich die 3. Vertragsstaatenkonferenz im japanischen Kyoto auf das sogenannte „Kyoto - Protokoll“ mit dem Ziel, die Treibhausgasemissionen der teilnehmenden Industriestaaten zwischen 2008 bis 2012 um 5 % gegenüber 1990 zu senken.

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich dabei das Ziel gesetzt, bis 2012 den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase um 21% gegenüber 1990 zu verringern.[6] Darüber hinaus ist der Deutsche Bundestag mehrfach fraktionsübergreifend zu der Feststellung gelangt, dass es notwendig ist, den Kohlendioxidausstoß bis 2020 um 40 % und bis 2050 um 80 % (jeweils gegenüber 1990) zu senken.[7] Wie ich im Folgenden zeige, lassen sich die Ziele einer neuen Energiepolitik und die Erschließung neuer Beschäftigungspotentiale durchaus sehr gut miteinander vereinbaren.

Neben der Erreichung der Klimaschutzziele sorgt auch der vereinbarte Ausstieg aus der Atomenergie für einen hohen Bedarf an alternativen und effizienten Technologien zur Energiegewinnung. Die noch ungeklärte Frage der Entsorgung sowie das Gefährdungspotential radioaktiver Brennelemente (Wiederaufbereitung, AKW-Anschlag, Plutoniumhandel etc.) machten diesen Schritt unumgänglich. Im Übrigen ist auch Uranerz nicht unbegrenzt vorhanden.

Nach Jänicke ist das Ziel der ökologischen Modernisierung bezüglich der Energiepolitik: weniger Endenergie mit viel weniger Primärenergie [8] bei einem weitaus höheren Anteil an erneuerbaren bzw. CO2- armen Energieträgern zu erzeugen.[9] Maßnahmen, die Beschäftigungspotentiale induzieren, müssen somit in ihrer strategischen Ausrichtung energieeffizient, sparsam und von nachhaltiger Auswirkung sein.

1.1 Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und rationellen Energienutzung

1.1.1 Ausbau der Kraft - Wärme - Kopplung

Einen wesentlichen Anteil am Ausbau der Energieeffizienz und der Verbesserung des Wirkungsgrades von Kraftwerken hat die Kraft - Wärme - Kopplung (KWK). KWK bezeichnet die gleichzeitige Umwandlung von eingesetzter Energie in mechanische oder elektrische Energie und Nutzwärme. Sie ist das effizienteste Prinzip zur energetischen Nutzung von Brennstoffen (fossil und erneuerbar). Die produzierte Wärme wird vorzugsweise entweder vor Ort genutzt oder durch Nah- und teilweise auch über Fernwärmenetze verteilt.[10]

Neben Heizkraftwerken, die für die großflächige Wärmeversorgung eingesetzt werden, gibt es die kleinen und kompakten Blockheizkraftwerke (BHKW´s). Diese werden entweder über einen Motor oder eine Gasturbine angetrieben. Ihr Einsatz erfolgt zentral und dezentral, indem sie die Versorgung von ganzen Häusern bzw. Häuserblocks, zusammenhängende Wohngebiete, Gewerbeparks usw. über ein gemeinsames Leitungsnetz sicherstellen. Kleine BHKW´s gibt es für einzelne Gebäude oder andere Objekte (Kliniken oder Schwimmbäder).

Heutzutage gibt es KWK - Anlagen für alle Größenklassen und Einsatzgebiete:

- Motor - BHKW´s ab 2 kW elektrischer und 6 kW thermischer Leistung
- Gasturbinen KWK für Temperaturen über 500 °C
- Dampfturbinenanlagen für den mehrfachen Megawattbereich
- kombinierte Gas- und Dampfturbinen - Anlagen (GuD)

Neuere Technologien, wie die mit Brennstoffzellen betriebenen KWK´s sind voraussichtlich in einigen Jahren für den Markt verfügbar.

Am Ende des Jahres 2004 gab es in Deutschland ca. 12.000 installierte Anlagen, darunter allein ca. 8.500 Mikro - KWK - Anlagen bis 15 kW elektrischer Leistung. Die elektrische Gesamtleistung aller Anlagen betrug dabei 19 GW.

Pro Jahr werden 61 TWh Strom und 126 TWh Wärme erzeugt. Zur Anwendung kommen hierbei fossile Energieträger (Erdgas, Kohle, Heizöl, Abfälle etc.) oder aber erneuerbare Energiequellen (Biomasse, Biogas und Geothermie). Durch die Anwendung der KWK - Technologie kann die Verwendung von fossilen Energieträgern stark reduziert werden. Dementsprechend verringert sich der Ausstoß an Treibhausgasen (v.a. CO2). Nach Jänicke ist der Ausbau von KWK bis 2020 auf 30 % denkbar (Nahwärme und industrielle KWK)[11]. Damit wäre eine effiziente Energie- und Wärmeerzeugung sichergestellt. Da eine große Menge an Ressourcen eingespart werden können, können Energieimporte zurückgefahren werden. Der Einsatz von investitionsintensiven Techniken mit niedrigen Betriebskosten bewirkt eine Belebung des Binnenmarktes.

Heute arbeiten im Umfeld der Kraft-Wärme-Kopplung schon ungefähr 40.000 Mitarbeiter inklusive den Beschäftigten bei den Energieversorgern, der Industrie und dem Gewerbe, den Herstellern, in Planungsbüros, bei Installationsunternehmen und bei Servicefirmen. Bei einem konsequentem KWK - Ausbau könnte nach Ansicht des Bundesverbandes KWK e.V. die Zahl der Arbeitsplätze auf 100.000 steigen in erster Linie verursacht durch die Substitution von Energieimporten und durch die heimische Wertschöpfung. Martin Cames kommt in seinem Forschungsbericht zu dem Ergebnis, dass derzeit im Bereich der KWK - Stromerzeugung dem engeren Kreis 5.000 bis 5.500 Beschäftigte zuzurechnen sind, davon ca. 3.300 im Geltungsbereich des KWK - Gesetzes. Er rechnet mit einer Stabilisierung der Beschäftigung bei etwa 5.500 Arbeitskräften, wenn das geplante CO2-Ziel im Bereich der KWK umgesetzt würde. Als Gesamteffekt (direkt und indirekt geschaffene bzw. gesicherte Arbeitsplätze) über den Zeitraum bis zum Jahr 2010 prognostiziert er 12.000 Arbeitskräfte (brutto). Für den systematischen KWK - Ausbau ermittelt er als gesamten Bruttobeschäftigungseffekt 15.000 Arbeitskräfte. Hinsichtlich der Qualifikationsstruktur beim Betrieb der KWK - Anlagen sowie der anlagenbauenden Industrie ergibt sich ein Anteil von 38% der Beschäftigten mit Universitätsabschluss, 26% mit Fachhochschulabschluss, 11% mit Meister- oder Technikerausbildung, 23% mit Lehr- und Anlernausbildung und 2% Ungelernte.

Damit ergibt sich ein ähnliches Bild wie im Bereich der erneuerbaren Energien.[12] Weitere Vorteile eines KWK - Ausbaus sind eine höhere Versorgungssicherheit sowie die Energiekostenentlastung durch die parallele Erzeugung von Strom und Wärme. Es werden deutlich weniger Netzkapazitäten benötigt, da die Energieversorgung vor Ort stattfindet, damit entfallen die Netzdurchleitungskosten.

Die KWK - Technologie ist erweiterungsfähig, da in den Jahren 2005 bis 2015 die meisten europäischen Kraftwerke erneuert werden müssen.[13] Bis 2030 könnte etwa die Hälfte des gesamten Stroms in Deutschland mittels KWK erzeugt werden, heute sind es 11 Prozent. Das gesamte KWK Potential wird auf bis zu 380 TWh beziffert, das sind mehr als 70% des gesamten heutigen Stromverbrauches.

In der Vergangenheit zeigte sich nach Liberalisierung der Energiemärkte eine gebremste Entwicklung.[14] Dass das Potential enorm hoch ist, zeigen die Länder Dänemark, Niederlande und Finnland, wo der KWK - Anteil bei 35 - 50% liegt. Die Kraft - Wärme - Kopplung kann zukünftig somit zu einer der wirksamsten Maßnahmen für Klima- und Ressourcenschutz werden.

1.1.2 Einsatz von Erdgas

Von allen fossilen Brennstoffen hat Erdgas aufgrund des geringen Kohlenstoffgehaltes die geringsten Auswirkungen auf unser Ökosystem. Es ist langfristig verfügbar, strategisch gut erreichbar und Grundlage für die Entwicklung vieler neuer Energiesysteme und damit auch Grundlage von Beschäftigungsmöglichkeiten. Dabei ist von Vorteil, dass die Versorgungsstruktur offen ist für neue Produktions- und Anwendungstechnologien. Erdgas kann somit dazu beitragen, die spezifischen CO2-Emissionen zu senken.[15] Auf dem Weg zu einer ökologischen Modernisierung der Volkswirtschaft soll die verstärkte Nutzung von Erdgas eine „Brücke“ bilden zu einer wirklich nachhaltigen Energiewirtschaft; streng nach dem Motto: wenn schon fossil, dann Erdgas. Dies kann insbesondere hinsichtlich der Heiztechnik mit einer forcierten Durchsetzung der Energiesparverordnung erreicht werden, die bereits einen Austausch von Heizungsanlagen vorschreibt, die vor 1978 gebaut wurden.

Weitläufig existiert die Vision, die ganze Energieversorgung, insbesondere bei Häusern, nur mit Hilfe regenerativer Energien (Sonnen- und Umweltwärme) abzudecken und dort, wo dies nicht zu hundert Prozent erreichbar ist, kommt Erdgas zum Einsatz. Mitunter denken Zukunftsforscher schon an erdgasbetriebene Wäschetrockner. Heizungskessel, Minikraftwerke und Erdgasfahrzeuge hingegen sind längst schon Realität. Gerade der fossile Brennstoff Erdgas bietet ideale Kombinationsmöglichkeiten mit erneuerbaren Energien. Hier seien besonders erdgasbetriebene KWK - Anlagen, aber auch die Brennstoffzelle genannt, die sehr wenige Schadstoffe produziert.[16]

Die Marktpotentiale für die Erdgasanwendung liegen sowohl im Haushalt- und Kleinverbrauch, sowie bei den Kraftwerken und der Industrie. Durch einen verstärkten Einsatz von Erdgas böten sich Beschäftigungsmöglichkeiten vor allem beim Bau von Off-shore - Förderanlagen, Rohrleitungen und bei Ferngasleitungen.[17]

Angaben zu Beschäftigungspotentialen konnten aus der Studie „Volkswirtschaftliche Bedeutung des Energieträgers Erdgas im Großraum Linz unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte“ von Prof. Friedrich Schneider entnommen werden. Im Vergleich zu anderen Fossilen Brennstoffen (Heizöl, Kohle) erfolgt durch die Verwendung des Energieträgers Erdgas eine deutliche Reduktion der Emissionen von Luftschadstoffen. Im Großraum Linz ist es in diesem Zusammenhang auch gelungen, 40.000 Arbeitsplätze zu sichern und auch in ökologischer Hinsicht einen wertvollen Beitrag zu leisten.[18]

Erdgas findet zunehmend Beachtung bei der Entwicklung von Brennstoffzellen, Anwendungsgebiete werden auch in der Gasanwendung bei GuD - Kraftwerken gesehen. Auch der Gaserzeugung aus Biomasse wird zukünftig noch viel stärkere Bedeutung beigemessen werden.[19]

1.1.3 Gebäudesanierungen und energiesparendes Bauen

Im Jahr 2000 entfielen auf die Raumwärmeerzeugung ca. 30% des gesamten Endenergieverbrauches und davon wiederum hatten die privaten Haushalte mit insgesamt 38,4 Mio. Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden einen Anteil von 75%. Die CO2 - Emissionen aus der Raumwärmeerzeugung betrugen ca. 180 Mio. Tonnen bzw. etwa 22% des gesamten energiebedingten CO2 - Ausstoßes. Steigende Heizkosten sind eine Belastung für Hauseigentümer und Mieter gleichermaßen und müssen daher zu einem Umdenken bei den Akteuren führen mit dem Ziel, die Energiebilanz von Gebäuden zu verbessern (moderne Heiz- und Dämmtechniken sind bereits heute Standard).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Quelle: (BPA): Perspektiven für Deutschland (2003) S. 12

Bis zum Jahr 2006 müssen ca. 2 Millionen veraltete Heizkessel in Altbauten erneuert werden.[20]

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind zwei Drittel aller Wohnungen in der Bundesrepublik Deutschland vor dem Jahr 1978 erbaut worden. Demzufolge genügen diese Bauten schon längst nicht mehr den heutigen Ansprüchen in punkto Heizungssysteme. Wärmedämmung und Wohnkomfort. Diese Gebäude haben somit einen sehr hohen Energiebedarf. Es lässt sich aber durch den entsprechenden Einsatz von Wärmedämmassnahmen und Heizungserneuerungen Energieeinsparungen von über 70% erzielen. Die konsequente Senkung des Energieverbrauches ist nur denkbar, wenn man in gleichem Zuge alte Gebäude abreißt. Da dies jedoch nur sehr langsam geschehen kann, hat die Wärmeschutzsanierung der bestehenden Bauten enorme Bedeutung.[21]

Auch deshalb, weil 80% des gesamten Energiebedarfs eines Hauses für die Raumwärme benötigt wird.[22] Konkret bestehen die Maßnahmen der Wärmeschutzsanierung im Einsatz einer Wärmedämmung (Wände, Fenster, Türen, Dach, Keller), im Wechsel von Heizöl zu Erdgas und im verstärkten Einsatz von Brennwertkesseln mit einem hohen Wirkungsgrad.[23] Das Ziel bei älteren Gebäuden muss der Niedrigenergiehaus - Standard sein, mit einem Primärenergiebedarf (= Heizungsbedarf, Warmwasserbereitung, Energieverluste des Warmwasserversorgungssystems und Hilfsenergiebedarf für Heizung und Warmwasserbereitung) von unter 60 kWh/m2 im Jahr.[24]

Für Neubauten gewinnt das Energiekonzept des Passivhauses an Interesse. Bei einer dichten, gedämmten Gebäudehülle wird die in der Abluft enthaltene Wärme über einen Wärmetauscher der Zuluft zugeführt. Das verspricht niedrige Heiz- und Warmwasserkosten. Die Nachfrage nach entsprechender Gebäudeausrüstung (kompakte Wärmepumpen, Lüftungsgeräte und Passivhausfenster) wird steigen.[25]

Die umfassende Wärmeschutzsanierung von Gebäuden bewirkt eine deutliche Verringerung der Energiekosten, die die einzelnen Investitionen schnell amortisieren. Die einzelnen Maßnahmen haben ein langgestrecktes Investitionsvolumen und damit positive Auswirkungen auf die Baukonjunktur. Außerdem bringen sie Innovationen bei Produkt- und Technologieentwicklungen und schaffen so Arbeitsplätze in der Bauindustrie. Bis zum Jahr 2020 können mit solchen Investitionen 100.000 bis 200.000 Arbeitsplätze geschaffen werden, der hohe Stand der Arbeitslosigkeit im Baugewerbe verringert und vor allem kleine und mittelständische Unternehmen in der Region unterstützt werden.[26]

Anlässlich des Kongresses vom 21. Oktober 1999 – Bündnis für Arbeit und Umwelt / Ein Beitrag zur ökologischen Modernisierung und zur Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze – wurden Berechnungen der IG Bauen – Agrar – Umwelt zitiert, wonach im Baugewerbe durch die Verschärfung der Wärmeschutzverordnung 80.000 Jobs entstehen könnten.[27] Laut Bundesminister Manfred Stolpe (SPD) können pro investierte Milliarde Euro etwa 26.000 Arbeitsplätze für die Dauer eines Jahres geschaffen werden. Auch deshalb, weil Wärmedämmmaßnahmen sehr arbeitsintensiv sind - zwei Drittel der Kosten entfallen bei Altbauten auf den Faktor Arbeit; im Neubau rund ein Drittel - und besonders die Sanierung bestehender Gebäude vor allem eine Domäne des traditionellen Handwerks ist. Laut einer Studie des Wuppertaler Instituts von 1999 ließen sich mit einer anspruchsvollen energetischen Gebäudesanierung im Jahr 2005 388.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Für das Jahr 2020 gehen Prognosen von 430.000 aus, unter der Bedingung, dass das Ziel mit aller Kraft verfolgt wird.

Neben der Fülle der arbeitsintensiven Tätigkeiten sorgt auch der hohe Materialbedarf für diese optimistischen Angaben. Dieser induziert auch eine höhere Güternachfrage in anderen Bereichen. Die nötigen Investitionen lösen wiederum Steuerzahlungen aus, die letztendlich zu einer Nettoentlastung des Staatshaushaltes führen.[28] Um die Beschäftigungspotentiale auch richtig auszuschöpfen, müssen die finanziellen Anreizprogramme (z.B. Förderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)) im Vergleich zum heutigen Stand um den Faktor 10 bis 15 erhöht werden. Auch Maßnahmen für die Steigerung der Energieeffizienz, die zur Entwicklung von umweltorientierten Dienstleistungen (z.B. Contracting) führen können, sind sehr hilfreich. Zudem müssen Informationsdefizite abgebaut werden durch eine Erhöhung der Markttransparenz hinsichtlich des Energieverbrauches von Immobilien.

Dies kann durch eine geeignete Zertifizierung sowie durch die Einführung eines ökologischen Mietspiegels erreicht werden, um Energieeffizienz als Wettbewerbsvorteil auf den Wohnungsmärkten zu nutzen.[29] Im Bereich der oben genannten umweltorientierten Dienstleistungen bildet sich seit einiger Zeit das Berufsfeld des Facility - Managers heraus, der den gesamten Lebenszyklus (Planung, Errichtung, Betrieb, Abriss und Entsorgung) eines Gebäudes im Blickfeld hat und der sich für die Analyse und Optimierung aller kostenrelevanten Vorgänge verantwortlich zeigt. Sein Aufgabenbereich umfasst sowohl technische als auch kaufmännische Aspekte.[30]

Höhere Kosten erzwingen auch ein Umdenken in der Bevölkerung: Viele Hausbesitzer machen sich Sorgen um die weitere Entwicklung der Energiepreise und versuchen mit Modernisierungsmaßnahmen den ständig steigenden Ausgaben entgegenzuwirken. Nach einer Umfrage haben seit dem Jahr 1990 93,6 % der Befragten Hauseigentümer in eine effizientere Heizungsanlage investiert und 85,4 % in neue Fenster. Die Heizölverteuerung im Winter 2004/05 betrug im Vergleich zum Vorjahr 27 %.[31]

1.1.4 Einsatz von energieeffizienten Geräten und Produkten

Der Kauf und die Nutzung energieeffizienter Produkte liegt aufgrund der oft langfristigen Wirtschaftlichkeit im Interesse aller Verbraucher. Trotzdem ist das Kriterium der Energieeffizienz bei Kauf- und Investitionsentscheidungen eher noch untergeordneter Bedeutung. Häufig wird bei der Anschaffung von energieintensiven Geräten den Anschaffungskosten höhere Aufmerksamkeit geschenkt, als den Betriebskosten. Die Energieeffizienzeigenschaften stehen im Gegensatz zu den deutlicher erkennbaren Produkteigenschaften (Marke, Design, Funktionen) vielfach im Hintergrund. Deshalb dürfen energieeffiziente Produkte den herkömmlichen Produkten in diesem Bereich in nichts nachstehen. Durch eine entsprechende Unterstreichung der wirtschaftlichen Vorzüge, z.B. durch Energie - Labels, kann der Verkauf unterstützt werden.[32] Dabei bedeutet eine Steigerung der Energieeffizienz einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern, da zukünftig mit weiter steigenden Energiekosten zu rechnen ist. Die eingesparten Kosten können an anderer Stelle für Investitionen eingesetzt werden. Meines Erachtens ist auch von der Verbraucherseite ein Umdenken in der Wahl energieeffizienter Produkte seit einiger Zeit zu beobachten.

Der Ausbau von Beschäftigungspotentialen wird damit nur Unternehmen gelingen, die energiesparende Geräte zu niedrigen Preisen anbieten können, vorausgesetzt die Strompreise steigen weiter und die Gesellschaft verfolgt konsequent die gesetzten Ziele des Umweltschutzes. Nach Jänicke sollten strengere Höchstverbrauchstandards definiert werden und Elektrogeräte strenger nach ihrem Energieverbrauch klassifiziert werden.[33] Hier ist in erster Linie Wissenschaft und Technik gefragt. In der Literatur sind daher keine Angaben zum Beschäftigungspotential auffindbar.

1.2 Ausbau der erneuerbaren Energien

Der Bereich der erneuerbaren bzw. regenerativen Energien (REG) bildet den Schwerpunkt einer nachhaltigen Energiepolitik. Die deutsche Bundesregierung beabsichtigt, den REG - Anteil am Primärenergieverbrauch von heute 3,5 % (2004) auf 4,2 % bis zum Jahr 2010 zu erhöhen. Der Anteil am Bruttostromverbrauch soll von 9,9 % im Jahr 2004 auf 12,5 % im Jahr 2010 steigen.[34] [35]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Quelle: (BMU): EE in Zahlen (2004) S.6

1.2.1 Windenergie

Die Windenergie in Deutschland leistete im Jahr 2003 einen Stromertrag von 18,5 TWh, was 3% der gesamten Stromerzeugung entspricht. Damit wurde Kohlendioxid in Höhe von ca. 16 Mio. Tonnen vermieden. Die Bundesrepublik Deutschland betreibt die höchste Anzahl an Windkraftanlagen weltweit. Dabei befindet sich mehr als 50% der gesamten Energieleistung in den windreichen Küstenländern, z.B. in Schleswig - Holstein und Mecklenburg - Vorpommern, die etwa ein Viertel seines Strombedarfs mit Hilfe der Windenergie decken. Bis Ende 2003 existierten ca. 15.400 Anlagen in Deutschland mit einer Gesamtenergieleistung von 14.600 MW. Die Windenergie hat ein sehr großes Potential. So könnte alleine die Windkraft an Land ca. 10% des gesamten Strombedarfs Deutschlands abdecken, was einer Leistung von 50 TWh/Jahr entspricht. Noch vielversprechender sind sogenannte Offshore - Windparks (Ausbau der Windenergienutzung auf See), deren Leistung auf schätzungsweise 110 TWh/Jahr ausgebaut werden könnte, womit insgesamt ca. 30% der gegenwärtigen Stromerzeugung durch Windkraft ersetzt werden könnte. Nach Meinung der Bundesregierung könnten bis zum Jahr 2010 3.000 MW an Windenergie Offshore erzeugt werden. In Deutschland muss bis zum Jahr 2020 eine Kraftwerksleistung von ca. 40.000 MW aus Altersgründen bzw. durch den Ausstiegsbeschluss aus der Kernenergie ersetzt werden. Alleine mit Hilfe der Offshore - Windkraft könnten 25.000 MW erzeugt werden.[36] [37]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Quelle: (BPA): Perspektiven für Deutschland (2003) S. 8

Im Jahr 1998 beschäftigte die Windbranche ca. 15.600 Arbeitskräfte, vier Jahre später bereits 53.200.[38] Nach einer Meldung der Berliner Zeitung vom 07.04.2005 wurde der Bau des ersten Windparks in der deutschen Ostsee vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie aufgrund eines Antrages der Firma Offshore Ostsee Wind AG genehmigt. Die Anlage soll nach Angaben des Ministerpräsidenten von Mecklenburg - Vorpommern Harald Ringstorff (SPD) 30 Kilometer vor der Küste Rügens entstehen.

1.2.2 Wasserkraft

Die Wasserkraft ist die ausgereifteste Technologie der erneuerbaren Energien und liefert deren größten Beitrag zur Stromversorgung. Sie hat einen Anteil von 3,5% an der gesamten Stromerzeugung in Deutschland. In der Region Bayern und Baden - Württemberg werden fast 90 % des Wasserkraftstroms erzeugt. Es existieren in der Bundesrepublik ca. 5.500 kleine Anlagen mit einer Leistung von unter 1 MW. Mehr als 90 % des Stroms aus Wasserkraft wird jedoch in den 400 Wasserkraftanlagen mit einer Leistung von > 1 MW erzeugt. Im Jahr 2003 gab es eine Kraftwerksleistung in der Größenordnung von 4.600 MW, was einer Stromproduktion von 20,4 TWh entspricht. Die Wasserkraft bedeutet einen Eingriff in die Ökologie eines Gewässers, der jedoch durch strenge ökologische Auflagen eingeschränkt werden kann. Das Wasserkraftpotential wird in Deutschland auf ca. 25,5 TWh pro Jahr beziffert, zusätzlich besteht Potential durch eine stetige technische Verbesserung der existierenden Kraftwerke. Die Beschäftigung im Bereich der Wasserkraft veränderte sich im Jahr 2002 im Vergleich zum Jahr 1998 kaum und lag bei 8.400 Beschäftigten.[39] [40]

[...]


[1] Vgl. „Umweltschutz“ in Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2004 DVD , Microsoft Corporation 2003.

[2] Vgl. Cames, Martin et. al.: Innovative Ansätze zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Umweltschutz, Berlin (2004) S.6.

[3] Vgl. BUND (Hrsg.): Umwelt und Beschäftigung, Berlin (2004) S. 5.

[4] Vgl. Rogall, H.: Ökonomie der Nachhaltigkeit, Wiesbaden (2004) S. 192 f.

[5] Vgl. Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Leitprojekt ökologische Modernisierung http://www.gruene-partei.de 12.04.2005, Download vom 10.06.2005.

[6] Vgl. (BMU): Kurzinfo Klimaschutz http://www.bmu.de/klimaschutz/kurzinfo/doc/4021.php, Download vom 27.04.2005.

[7] Vgl. B90´/Die Grünen: Pressemitteilung Nr. 495 http://www.gruene-fraktion.de/cms/presse/dok/15/15512.htm, Download vom 27.04.2005.

[8] Primärenergie (Rohenergie) ist der Energieinhalt von Energieträgern, die noch keiner Umwandlung unterworfen sind, z.B. fossile Brennstoffe wie Stein- und Braunkohle, Erdöl und –gas, Kernbrennstoffe, erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Sonnenenergie, Windkraft, Erdwärme aus (BMU): Erneuerbare Energien, Berlin (2004) S. 126.

[9] Vgl. Jänicke, Martin/Volkery, Axel: Agenda 2002 ff.: Perspektiven und Zielvorgaben nachhaltiger Entwicklung für die nächste Legislaturperiode (2002).

[10] Vgl. Bundesverband Kraft – Wärme – Kopplung e.V.: Fakten zur KWK, 26.01.2005 http://www.bkwk.de/aktuelles/presse/Fakten, Download vom 11.05.2005

[11] Vgl. Jänicke, M./Volkery,Axel: Agenda 2002 ff. (2002) S. 21

[12] Vgl. Cames, Martin et. al.: Innovative Ansätze zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Umweltschutz UBA, Berlin (2004) S. 45 ff.

[13] Vgl. Rogall, H.: Ökonomie der Nachhaltigkeit, Wiesbaden (2003) S. 104.

[14] Vgl. Cames, Martin et. al.: Innovative Ansätze zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Umweltschutz UBA, Berlin (2004) S. 37.

[15] Vgl. Wolfrum, Jürgen/Wittig, Sigmar (Hrsg.): Energie und Umwelt, Berlin Heidelberg (2000) S. 91 f. u. S. 97.

[16] Vgl. Wolfrum, Jürgen et. al.: a.a.O. S. 88.

[17] Vgl. Wolfrum, Jürgen/Wittig, Sigmar (Hrsg.): Energie und Umwelt, Berlin Heidelberg (2000) S. 85.

[18] Vgl. Schneider, Friedrich Prof.: Volkswirtschaftliche Bedeutung des Energieträgers Erdgas..., http://www.ooeferngas.at/documents/Studie_Schneider.pdf, Download vom 23.06.2005.

[19] Vgl. Wolfrum, Jürgen/Wittig, Sigmar (Hrsg.): Energie und Umwelt, Berlin Heidelberg (2000) S. 91 f.

[20] Vgl. Cames, Martin et. al.: Innovative Ansätze zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Umweltschutz UBA, Berlin 2004 S. 75 ff.

[21] Vgl. Rogall, H.: Ökonomie der Nachhaltigkeit, Wiesbaden (2004) S. 106.

[22] Vgl. NABU: Gebäudesanierung schafft Arbeitsplätze http://www.nabu.de/m01/m01_01/02216.html, Download vom 09.05.2005, S. 1f.

[23] Vgl. Prognos (Hrsg.): Klimaschutz und Arbeitsplätze, Frankfurt a. M. (2001) S. 133.

[24] Vgl. BPA (Hrsg.): Perspektiven für Deutschland (2003) S.12.

[25] Vgl. Jirka, O.: „Passive Bauweise spart“, ZuHaus Beilage der Berliner Zeitung vom 09.06.2005 S.8

[26] Vgl. BMU (Hrsg.): Umwelt und Beschäftigung, Berlin (2005) S. 18 ff.

[27] Vgl. Schneider, Werner (Hrsg.) et. al.: Bündnis für Arbeit, Bonn (2000) S. 17.

[28] Vgl. NABU: Gebäudesanierung schafft Arbeitsplätze http://www.nabu.de/m01/m01_01/02216.html, Download vom 09.05.2005, S. 1 f.

[29] Vgl. Cames, Martin et. al.: Innovative Ansätze zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Umweltschutz UBA, Berlin (2004) S. 101 f.

[30] Vgl. BMU (Hrsg.): Umwelt und Beschäftigung, Berlin (2005) S. 18 f.

[31] Vgl. Berliner Zeitung vom 07./08.05.2005: „Besorgnis über Energiekosten“ S. W1.

[32] Vgl. Rat für Nachhaltige Entwicklung (Hrsg.): Effizienz und Energieforschung als Bausteine einer konsistenten Energiepolitik, Berlin (2004) S. 12 f.

[33] Vgl. Jänicke, M./Volkery, Axel: Agenda 2002 ff. (2002) S. 22.

[34] Vgl. BPA (Hrsg.): Perspektiven für Deutschland (2003) S.4.

[35] Vgl. BMU (Hrsg.): Umweltpolitik – Erneuerbare Energien in Zahlen – nationale und internationale Entwicklung, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Berlin (2004) S. 6.

[36] Vgl. BMU (Hrsg.): Erneuerbare Energien – Innovationen für die Zukunft, Berlin (2004) S.29.

[37] Vgl. BPA (Hrsg.): Perspektiven für Deutschland (2003) S.8.

[38] Beschäftigte durch Nutzung erneuerbarer Energien: http://www.env-it.de/umweltdaten/jsp/index.jsp Download vom 23.06.2005.

[39] Vgl. BMU (Hrsg.): Erneuerbare Energien – Innovationen für die Zukunft, Berlin (2004) S. 31.

[40] Beschäftigte durch Nutzung erneuerbarer Energien: http://www.env-it.de/umweltdaten/jsp/index.jsp Download vom 23.06.2005.

Details

Seiten
81
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783836612845
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225771
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin – Wirtschaftswissenschaften I
Note
1,3
Schlagworte
umweltökonomie arbeit umwelt beschäftigung ökologie

Autor

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Titel: Beschäftigungspotentiale einer ökologischen Modernisierung der Volkswirtschaft