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Faszination filmischer Gewalt

Diplomarbeit 2007 153 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Abbildungsverzeichnis

3. Einleitung
3.1. Untersuchungsvorhaben
3.2. Struktur
3.3. Methodik
3.4. Gütekriterien der empirischen Arbeiten

4. Definitionen
4.1. Faszination
4.2. Film
4.3. Gewalt

5. Personaler Kontext
5.1. Historische Komponente
5.1.1. Allgemeine Erläuterung
5.1.2. Wandel der Gewalt
5.1.3. Fazit bezüglich der rudimentären Gewaltdisposition
5.2. Psychosoziale Komponente
5.2.1. Allgemeines zu Giddens Konzept der Selbstidentität
5.2.1.1. Konzepte der Ängstlichkeit und Folgen der Rezeption
5.2.1.1.1. Entstehung der Ängstlichkeit
5.2.1.1.1.1. Mangelhaftes Urvertrauen
5.2.1.1.1.2. Krise als Ursache der Ängstlichkeit
5.2.1.1.1.3. Risikokultur als Ursache der Ängstlichkeit
5.2.1.1.1.3.1. Klima des Risikos
5.2.1.1.2. Folgen der Ängstlichkeit
5.2.1.1.2.1. Untermauerung der Ansätze durch Werner Frühs Studie
5.2.1.1.2.2. Bezug zu Gewalt
5.2.1.1.3. Zusammenfassung
5.2.1.2. Gefestigtes Urvertrauen und potentielle Rezeptionsgründe
5.2.1.2.1. Bewusste Manipulation der Angstgrenze
5.2.1.2.2. Umkodierung der Angstaffekte zu Mut
5.2.1.2.3. Daten zur Unterstützung der Theorie
5.2.1.2.4. Sensation-seeking als Weiterführung Giddens Ansatz zum risk-taking
5.2.1.2.5. Persönlichkeitsdispositionen
5.2.1.2.6. Zusammenfassung
5.3. Soziale Komponente
5.3.1. Erlebnisgesellschaft nach Schulze
5.3.2. Grundlegende Einteilung des sozialen Raums in der Erlebnisgesellschaft
5.3.3. Charakteristiken verschiedener Stiltypen der Erlebnisgesellschaft
5.3.4. Auswertung der Daten der Umfrage
5.3.4.1. Vorüberlegungen
5.3.4.2. Methodik
5.3.4.3. Ergebnisse
5.3.4.3.1. Milieueinordnungen
5.3.4.3.1.1. Niveaumilieu
5.3.4.3.1.1.1. Präferenzen der Darstellungen
5.3.4.3.1.1.2. Bewertung einzelner Gewaltdarstellungen
5.3.4.3.1.1.3. Bewertung der Gewaltdarstellungen allgemein
5.3.4.3.1.1.4. Vergleich mit Schulze und Zusammenhänge
5.3.4.3.1.1.5. Fazit
5.3.4.3.1.2. Integrationsmilieu
5.3.4.3.1.2.1. Präferenzen der Darstellungen
5.3.4.3.1.2.2. Bewertung einzelner Gewaltdarstellungen
5.3.4.3.1.2.3. Bewertung der Gewaltdarstellungen allgemein
5.3.4.3.1.2.4. Vergleich mit Schulze und Zusammenhänge
5.3.4.3.1.2.5. Fazit
5.3.4.3.1.3. Harmoniemilieu
5.3.4.3.1.3.1. Präferenzen der Darstellungen
5.3.4.3.1.3.2. Bewertung einzelner Gewaltdarstellungen
5.3.4.3.1.3.3. Bewertung der Gewaltdarstellungen allgemein
5.3.4.3.1.3.4. Vergleich mit Schulze und Zusammenhänge
5.3.4.3.1.3.5. Fazit
5.3.4.3.1.4. Selbstverwirklichungsmilieu
5.3.4.3.1.4.1. Präferenzen der Darstellungen
5.3.4.3.1.4.2. Bewertung einzelner Gewaltdarstellungen
5.3.4.3.1.4.3. Bewertung der Gewaltdarstellungen allgemein
5.3.4.3.1.4.4. Vergleich mit Schulze und Zusammenhänge
5.3.4.3.1.4.5. Fazit
5.3.4.3.1.5. Unterhaltungsmilieu
5.3.4.3.1.5.1. Präferenzen der Darstellungen
5.3.4.3.1.5.2. Bewertung einzelner Gewaltdarstellungen
5.3.4.3.1.5.3. Bewertung der Gewaltdarstellungen allgemein
5.3.4.3.1.5.4. Vergleich mit Schulze und Zusammenhänge
5.3.4.3.1.5.5. Fazit
5.3.4.3.2. Abschließende Bemerkung zur sozialen Komponente

6. Gesamtfazit und Zusammenfassung

7. Anhang
7.1. Tabellenband
7.1.1. Abbildung 7-I: Vergleichende Betrachtung von Frauen u. Männern
7.1.2. Abbildungen 7-II: Diagramme zu allgemeinen vertikalen und horizontalen Tendenzen
7.1.2.1. Allein vertikale Trends (Bildungstrends)
7.1.2.2. Allein horizontale Trends (Alterstrends)
7.1.2.3. Gemeinsame Trends (vertikal und horizontal (Bildung und Alter))
7.1.3. Abbildung 7-III: Streudiagramm Präferenzen und Alter
7.1.4. Abbildung 7-IV: Regressionsplot Niveaumilieu: Bewertung übertrieben actionreicher Darstellung und Präferenz für übertriebene Darstellungen
7.1.5. Abbildungen 7-V: milieuspezifische Kreuztabellen
7.2. Begriffsdefinitionen

8. Quellenangaben

2. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 3-I: Übersicht zur Struktur

Abbildung 4-I: Tabelle: Gewalteinteilungen

Abbildung 5-I: Tabelle: Eigenschaften von Vielsehern, externer Kontrollüberzeugung und gelernter Hilflosigkeit

Abbildung 5-II: Typen der defensiven Angstbewältigung nach Vitouch, 1993, S. 178

Abbildung 5-III: Entstehung der Makroemotion Unterhaltung, Früh, 2002, S. 222

Abbildung 5-IV: Grundlegende Dimensionen des sozialen Raums, Schulze, 1996, S. 255

Abbildung 5-V: Tabelle: Dimensionen nach Schulze

Abbildung 5-VI: Milieus und Schemata im zweidimensionalen Raum

Abbildung 5-VII: Varianten der Erlebnisorientierung nach Schulze

Abbildung 5-VIII: Milieuspezifische existentielle Anschauungsweisen im semantischen Raum

Abbildung 5-IX: Einteilung des sozialen Raums nach Alter und Bildung in Analogie zu Schulze, 1996, S. 694

Abbildung 5-X: Diagramm Niveaumilieu: Präferenz bezüglich Lautstärke der Darstellung

Abbildung 5-XI: Diagramm Niveaumilieu: Bewertung übertrieben actionreicher Darstellungen

Abbildung 5-XII: Diagramm Niveaumilieu: Bewertung der Abhängigkeit von Gewaltdarstellung und Normenverdeutlichung

Abbildung 5-XIII: Streudiagramm Niveaumilieu: Schaulust und Notwendigkeit der Gewaltdarstellung für den Spannungsaufbau

Abbildung 5-XIV: Korrespondenzplot Niveaumilieu: Präferenz für Action und Abhängigkeit der Spannung von Gewaltdarstellung

Abbildung 5-XV: Diagramm Integrationsmilieu: Filmrezeptionshäufigkeit

Abbildung 5-XVI: Diagramm Integrationsmilieu: Präferenz visueller Effekte

Abbildung 5-XVII: Diagramm Integrationsmilieu: Präferenz blutiger Darstellung

Abbildung 5-XVIII: Streudiagramm Integrationsmilieu: Alter und Präferenz für blutige Darstellungen

Abbildung 5-XIX: Diagramm Integrationsmilieu: Bewertung übertrieben actionreicher Darstellungen

Abbildung 5-XX: Diagramm Integrationsmilieu: Bewertung der Abhängigkeit von Inhalt und Gewaltdarstellung

Abbildung 5-XXII: Diagramm Harmoniemilieu: Präferenz visueller Effekte

Abbildung 5-XXIII: Diagramm Harmoniemilieu: Bewertung realistischer Gewaltdarstellungen

Abbildung 5-XXIV: Streudiagramm Harmoniemilieu: Alter und Bewertung ästhetischer Gewaltdarstellungen

Abbildung 5-XXV: Diagramm Harmoniemilieu: Notwendigkeit der Gewaltdarstellung für Normenverdeutlichung

Abbildung 5-XXVI: Diagramm Harmoniemilieu: Notwendigkeit der Gewaltdarstellung für den Inhalt

Abbildung 5-XXVII: Korrespondenzanalyseplot Harmoniemilieu: Filmrezeptionshäufigkeit und Bewertung der Notwendigkeit der Gewaltdarstellung für Spannung

Abbildung 5-XXVIII: Diagramm Selbstverwirklichungsmilieu: Präferenz actionreicher Darstellung

Abbildung 5-XXIX: Diagramm Selbstverwirklichungsmilieu: Präferenz für reale oder unreale Darstellungen

Abbildung 5-XXX: Diagramm Selbstverwirklichungsmilieu: Präferenz der Lautstärke der Darstellung

Abbildung 5-XXXI: Korrespondenzanalyseplot Selbstverwirklichungsmilieu: Filmrezeptionshäufigkeit und Präferenz für blutige Darstellungen selektiert nach jünger und niedriger gebildet

Abbildung 5-XXXII: Korrespondenzanalyseplot Selbstverwirklichungsmilieu: Schaulust und Präferenz für blutige Darstellungen

Abbildung 5-XXXIII: Diagramm Selbstverwirklichungsmilieu: Bewertung ästhetischer Gewaltdarstellungen

Abbildung 5-XXXIV: Diagramm Selbstverwirklichungsmilieu: Bewertung übertrieben actionreicher Darstellungen

Abbildung 5-XXXV: Diagramm Selbstverwirklichungsmilieu: Bewertung der Notwendigkeit der Gewaltdarstellung für Spannung

Abbildung 5-XXXVI: Diagramm Unterhaltungsmilieu: Präferenz blutiger Darstellung

Abbildung 5-XXXVII: Diagramm Unterhaltungsmilieu: Bewertung realistischer Gewaltdarstellungen

Abbildung 5-XXXVIII: Diagramm Unterhaltungsmilieu: Bewertung der Notwendigkeit der Gewaltdarstellungen für den Inhalt

Abbildung 5-XXXIX: Diagramm Unterhaltungsmilieu: Bewertung der Notwendigkeit der Gewaltdarstellungen für die Spannung

7.1.1. Abbildung 7-I: Vergleichende Betrachtung von Frauen u. Männern

7.1.2. Abbildungen 7-II: Diagramme zu allgemeinen vertikalen und horizontalen Tendenzen

7.1.3. Abbildung 7-III: Streudiagramm Präferenzen und Alter

7.1.4. Abbildung 7-IV: Regressionsplot Niveaumilieu: Bewertung übertrieben actionreicher Darstellung und Präferenz für übertriebene Darstellungen

7.1.5. Abbildungen 7-V: milieuspezifische Kreuztabellen

3. Einleitung

3.1. Untersuchungsvorhaben

Wenn man Personen befragt, was sie zu filmische Gewalt sagen bzw. warum sie sich Gewaltdarstellungen in Film und Fernsehen anschauen, erhält man meist keine konkreten Antworten. So groß wie das Interesse am Thema ist, auch wenn die Möglichkeit der Beeinflussung durch die Medien nicht verleugnet werden kann[1], so gering ist die Klarheit über die Gründe für diese Faszination. Diese Auseinandersetzung mit der Thematik „Faszination filmischer Gewalt“ soll dementsprechend klären, aus welchen Gründen heraus sich Personen Gewaltdarstellungen in Filmen ansehen, was im Allgemeinen den Reiz solcher Darstellungen ausmacht, ob es milieuspezifische Unterschiede gibt und ob bzw. welche Einflussfaktoren bezüglich unterschiedlichen Rezeptionsverhaltens es geben könnte. Um diese Fragen beantworten zu können, werden theoretische Ausarbeitungen, sowie milieuspezifische Untersuchungen einer 2006 durchgeführten quantitativen Befragung[2] herangezogen.

Die Medienwirkungsfrage wird allerdings innerhalb der gesamten Abhandlung unberücksichtigt bleiben.

3.2. Struktur

Die Thematik ‚Gewalt als Medienprozess’ wird von verschiedenen Seiten beleuchtet. In unterschiedlichen Quellen (z.B. Früh 2001, 2002; Rathmayer 1995; Mikos 2000; Kunczik/Zipfel 2004 u.a.) wurden mehrere wichtige Komponenten benannt: Das Verhältnis des Rezipienten zum TV, Kommunikationsstrukturen, psychische Prozesse, physische Prozesse, soziale oder situative Prozesse und nicht zuletzt historische Abläufe - um nur einige Wichtige genannt zu haben. In der Quintessenz bedeutet dies, dass das Individuum in seiner Faszination an der medial übermittelten Gewalt nicht isoliert betrachtet werden kann. Es würde allerdings den Rahmen dieser Arbeit sprengen all jene Elemente zum Bestandteil der Untersuchung zu machen. Daher wird hier im Einzelnen auf historische, psychosoziale und soziale (milieuspezifische) Komponenten eingegangen.

Den Kern der Untersuchung des historischen Segments bildet die Theorie von Norbert Elias zum Zivilisationsprozess. Er zeigte, dass historische Prozesse eine wichtige Rolle bei aktuellen sozialen Gefügen spielen. Ebenfalls wurde auf die Thematik der Entstehung von Gewaltmonopolen und der Internalisierung gesellschaftlicher Normen bezüglich der Auslebung physischer Gewaltakte eingegangen (vgl. Elias, 1992, S. 412 ff.).

Ein wichtiger weiterer Untersuchungsschritt war die Betrachtung des Individuums in seinem psychischen und sozialen Kontext, da eine Erläuterung des Verhaltens zu medialer Gewalt nur durch die Vermutung eines Einflusses historischer Prozesse nicht erbracht werden kann.

Die psychische oder auch psychosoziale Komponente wird durch Faktoren wie das Urvertrauen, dem daraus resultierenden „protective cocoon“ und dem Sicherheitsgefüge (vgl. Giddens, 1991, S. 32 ff.), aber auch durch kognitive Komponenten, wie Vorwissen, Erwartungen, Erfahrungen und den Persönlichkeitsdispositionen bestimmt. Nach dem Vorbild Giddens wird von zwei grundlegenden Situationen ausgegangen. Die erste Konstellation erklärt die Ursachen und Folgen einer möglichen Unsicherheit und Ängstlichkeit bezüglich der Rezeption gewalthaltiger Darstellungen. Die zweite Position erläutert verschiedene Zuwendungsgründe zu Gewaltpräsentationen von Personen ohne diese grundlegende Unsicherheit. Die Ausarbeitungen hierzu bilden nach den Betrachtungen des historischen Kontexts den zweiten Teil der Untersuchungen.

Der soziale Kontext wird bestimmt durch Internalisierung der gesellschaftlichen Normen und eine Anpassung an die Milieustruktur. Welche Milieus sich im Einzelnen zeigen und welche konkreten - auf die Filmrezeption gewalthaltiger Darstellungen bezogenen - Vorlieben sich bilden, wird anhand der Daten aus der quantitativen Onlinebefragung von 2006 erläutert. In der vergleichenden Analyse der Daten aus jener Onlinebefragung und einer milieuspezifischen Untersuchung der Erlebnisgesellschaft von Gerhard Schulze[3] werden Zusammenhänge zu einzelnen psychosozialen Theorien hergestellt.

Die hier vorgenommenen Kategorisierungen sollen eine Orientierung und grobe Einordnung ermöglichen. Überschneidungen beziehungsweise Wiederholungen werden nicht ganz zu vermeiden sein, und im Sinne einer Übersichtlichkeit und besseren Verständlichkeit akzeptiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3-I: Übersicht zur Struktur

3.3. Methodik

Die Diplomarbeit wurde mittels verschiedener methodischer Herangehensweisen erstellt. Als Vorarbeit aus vergangenen Semestern konnte auf eine explorative qualitative Untersuchung von erschiedenen Kinobesuchern aus dem Jahr 2005 zurückgegriffen werden. Aus dieser qualitativen Arbeit entstand 2006 mittels einer induktiven Hypothesengenerierung von Alltagserfahrungen oder Theoriebruchstücken eine ebenfalls explorative quantitative Onlinebefragung. Diese beiden Analysen werden jedoch nicht vollständig miteinbezogen, da sie zum Teil methodische Mängel hinsichtlich einiger Gütekriterien aufweisen. Im folgenden Unterpunkt 3.4 ‚Gütekriterien der empirischen Arbeiten’ wird auf diese Schwierigkeiten eingegangen und die aus der Bearbeitung ausgeschlossenen Segmente werden benannt.

Neben dem empirischen Vorgehen erfolgten ausgiebige Literaturrecherchen, welche nicht allein rezeptiv bleiben werden, sondern zudem in Anlehnung an die logische Konsistenz der jeweiligen Autoren zur Hypothesengenerierung verwendet werden. Die Erarbeitung der Thematik erfolgt, wie in dem Abschnitt 3.2 zur Strukturierung bereits angesprochen, anhand isolierter Betrachtungen der einzelner Kontextsegmente.

Da die generierten Hypothesen in der jetzigen Arbeit jedoch aus Zeitmangel nicht empirisch überprüft werden können, wird der Status der Untersuchungen ein explorativer bleiben.

3.4. Gütekriterien der empirischen Arbeiten

Wie bereits angesprochen wurde, bestehen bezüglich der Befragungen einige Schwierigkeiten. Daher sind diverse Untersuchungsteile nicht oder nur eingeschränkt verwendbar.

Einerseits bestehen die für Befragungen oder Interviews typischen Einschränkungen der Reliabilität (Zuverlässigkeit). In der qualitativen Untersuchung hat „nicht nur die Art des persönlichen Kontakts mit dem Interviewer […] Einfluss auf das Antwortverhalten, sondern auch die unabhängig davon gegebene jeweilige Stimmung der Befragten, ja selbst so äußerliche Gegebenheiten wie das Wetter bleiben nicht ohne Auswirkungen auf den Inhalt der Antworten“[4]. Die Stabilität der Messergebnisse ist daher eingeschränkt (vgl. Kromrey, 2002, S. 394). Besonders die qualitative explorative Befragung wird aufgrund dessen nur an einigen wenigen Stellen Verwendung finden.

Andererseits gab es Einschränkungen innerhalb der Validität (Gültigkeit). Die Verfälschung der Antworten aufgrund sozialer Erwünschtheit und der so genannte ‚third person effekt’ (‚Andere-Leute-Effekt’)[5] erschweren das Messen der Merkmale, welche man zu erfahren beansprucht. Um den Effekt der sozialen Erwünschtheit zumindest zum Teil herausfiltern zu können, wurde die Frage, ob die jeweilige Person sich allein im Raum befindet, eingefügt. Problematische Formulierungen bezüglich der Erfragung der Gewöhnung an die Gewaltdarstellungen verursachen allerdings eine mangelhafte Gültigkeit hinsichtlich der Gewöhnung selbst. Jener Bestandteil der Arbeit wird dementsprechend nicht herangezogen.

Ein weiteres generelles Problem bei der Befragung war die Tatsache, dass die angesprochenen Personen ungefragt auf die Medienwirkung anstelle der Begründung der eigenen Faszination an filmischer Gewalt eingingen. Zu großen Teilen konnten oder wollten sie keine Auskunft über ihr Interesse an den Gewaltdarstellungen offenbaren. Dies wurde in meiner ersten explorativen qualitativen Befragung von Kinobesuchern aus dem Jahr 2005 deutlich.[6] Innerhalb der quantitativen Untersuchung wurde dementsprechend auf diese Erfahrung reagiert. Es wurde angenommen, dass ein großes Interesse an Gewaltdarstellungen und damit einhergehend eine gewisse Faszination besteht, wenn die Personen besonders extreme Gewaltdarstellungen präferieren (blutig, laut, möglichst realistisch etc.) oder Gewalt eher unkritisch in den einzelnen Darstellungen bzw. im Allgemeinen sehen. In der späteren Untersuchung der Daten wird daher kontinuierlich auf die Angabe der eigenen Präferenzen, Bewertungen und Einschätzungen bezüglich der Gewaltdarstellungen im Einzelnen und Allgemeinen als Indikatoren der Faszination an filmischer Gewalt eingegangen. Zusätzlich wurden die demographischen Faktoren und Indikatoren für schaulustiges oder voyeuristisches Verhalten aufgenommen. Diese stellen mögliche Faktoren dar, deren spezifische Einflüsse auf die Faszination an filmischer Gewalt mit Hilfe der Untersuchung ermittelt werden können.

4. Definitionen

4.1. Faszination

Bei dem Begriff Faszination, wie in der Einleitung im Punkt ‚Untersuchungsvorhaben’ (vgl. 3.1.) bereits beschrieben wurde, geht es hier nicht um die Frage der Medienwirkungen. Auch ein wissenschaftliches Interesse an der Thematik wird als Untersuchungsgegenstand ausgeklammert.

Wenn man Synonyme für diesen Begriff sucht, erhält man folgende Auswahlmöglichkeiten: Anziehende Wirkung, Anziehungskraft, Attraktivität, bezaubernde Ausstrahlung, Charme, fesselnde Wirkung, Reiz, Verzauberung, Zauber, Zugkraft; (bildungssprachlich): Appeal, Attraktion.[7]

Faszination ist also in diesem Sinne die Frage nach Rezeptionsbegründung, -motiven und -zusammenhängen mit weiteren Einflussfaktoren. Es geht um die Erklärung der fesselnden Wirkung von Gewaltdarstellungen auf Rezipienten und deren begeisterter Nachfrage.

4.2. Film

Diese Arbeit beschränkt sich lediglich auf den Kontext des Filmes als Unterhaltungsmedium. Diese Eingrenzung hat folgenden Hintergrund: Nachrichten, Informationssendungen, Dokumentationen etc. haben nicht den vorrangigen Zweck der Unterhaltung.[8] Sie sollen informieren, auf dem Laufenden halten, einen Einblick verschaffen oder weiterbilden. Zusammengefasst nach Mikos bilden sie den „nonfiktionalen Erzählkontext“[9], welcher nicht Teil der Untersuchung werden soll. Der Vorteil dieser Einschränkung liegt in der Ausgrenzung von Faktoren, wie der Akzeptanz von Gewaltdarstellungen aus Gründen des Realismus, der Notwendigkeit zur Illustration bzw. der Legitimation der Gewaltdarstellung aus Gründen der Abhängigkeit von dem real gegebenen Kontext. Wenn der Zuschauer allerdings lediglich aus Gründen der persönlichen Unterhaltung Gewalt in Filmen konsumiert und diese innerhalb seiner „Welt der Imagination“ (vgl. Luhmann, 2004, S. 99) akzeptiert, sind es deutlicher psychologische oder soziale Determinanten, die als Einflussfaktoren relevant werden. Eben jene psychosozialen oder sozialen Effekte stellen den Fokus des angesprochenen Untersuchungsinteresses (vgl. Punkt 3.1) dar.

Die formale Gestaltung, der Inhalt und die Gattung der Filme sind zweitrangig und werden nicht eingeschränkt, solange der Zweck der Unterhaltung im Vordergrund steht.

4.3. Gewalt

Die Definition des Begriffs der Gewalt im Sinne von „Gewalttätigkeit“ (nicht bezogen auf „Macht“)[10] ist problematischer. Es gibt in der Forschungslandschaft verschiedene Definitionen, die mit divergierenden Untersuchungsinteressen verbunden sind.[11] Unterschiedliche Beispiele sind in einem Berichtband der Bundesanstalt für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über Gewalt in Medien (Kunczik/Zipfel, 2004) zu finden. Es wird vorgeschlagen, aufgrund des Mangels an Eindimensionalität des Gewaltbegriffs auf Dichotomisierungen zurückzugreifen (vgl. Kunczik/Zipfel, 2004, S. 10). Die innerhalb des Berichtbands aufgezählten Unterscheidungen werden im Folgenden mittels der nachstehenden Tabelle verdeutlicht.

Abbildung 4-I: Tabelle: Gewalteinteilungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der für diese Diplomarbeit relevanten Definition des Gewaltbegriffes wird lediglich die personelle (direkte) Gewaltdarstellung eine Rolle spielen. Die übrigen vorgenommenen Dichotomisierungen zeigen die Vielfältigkeit der Darstellungsmöglichkeiten und werden nur bedingt weiter selektiert.

Zur ergänzenden Begriffsbestimmung des Gewaltterminus scheint es sinnvoll, sich an Werner Frühs Vorstellungen zu orientieren. Er postuliert in seinem Werk „Gewaltpotentiale des Fernsehangebots“[14] einen sehr differenzierten Blick auf den Gewaltansatz. Allem voran steht das grundlegendste Menschenrecht: Der Mensch hat Anspruch auf das Leben, körperliche und geistige Unversehrtheit.[15] Dabei werden verschiedene Opfertypen kategorisiert. für Menschen gilt das eben genannte Postulat, für höher entwickelte Tiere fällt lediglich der Anspruch auf geistige Unversehrtheit weg und für sonstige Tiere, Pflanzen und Sachen besteht der ethische Grundwert des Bestands der Art (vgl. Früh, Werner, 2001, S. 58). Neben diesem Grundpostulat geht Früh von folgender Definition aus: „Wenn ein Täter Menschen, Systeme, Tiere, Pflanzen oder Sachen bewusst und mit aggressiver Intention schädigen will, dann ist das immer Gewalt. Ist dem Täter die Schädigung nicht bewusst, weil es sich um Verhaltensroutinen handelt, die im jeweiligen sozialen System als „normal“ gelten, dann handelt es sich nur um Gewalt, wenn elementare Grundwerte verletzt werden.“[16] Was aus dieser Definition nicht sofort ersichtlich ist: Auch unterlassene Hilfeleistung oder Inkaufnahme der Schädigung des Anderen zählt zur Intention des Täters. Aufgrund des täterzentrierten Blickwinkels wird ebenfalls eine schädigende Absicht ohne Schädigungen zum Beispiel missglückter Mordversuch, als Gewalt gewertet. „Gewalt ist die realisierte oder beabsichtigte, bewusste (nicht unbedingt geplante) Schädigung von Personen, Tieren, Pflanzen oder Sachen.“[17]

Wenn in dieser Arbeit von Gewalt die Rede ist, werden jedoch nicht alle von Früh beschriebenen Gewalttypologien miteinbezogen. Institutionelle oder strukturelle Gewalt (zum Beispiel: soziale Ungleichheiten) gehören nicht zu den bereits eingeschränkten personellen Darstellungen. Weiterhin geht es vorrangig um die physische Schädigung von Opfern. Die Identität der Täter ist dabei zweitrangig. Es können sowohl einzelne Menschen als auch Gruppen sein. Auch die Identität der Opfer wird mit diesem Gewaltbegriff nicht eingeschränkt. Es muss lediglich klargestellt werden, dass die letztendliche Wirkung auf den Rezipienten beziehungsweise dessen Wahrnehmung der Gewalt voraussichtlich je nach Opfertypologien verschieden sein wird.

5. Personaler Kontext

5.1. Historische Komponente

Bei der Frage, warum sich Menschen Gewalt im Fernsehen oder in Filmen anschauen, stößt man auf die Vermutung, dass der Mensch von seiner Natur her eine Art Veranlagung, eine Disposition oder wie Ernst Federn es nennt: „einen rudimentären Gewaltbedarf“[18] besitzt. Auch wenn man die Personen nach ihrer Meinung bezüglich dieser Theorie befragt erhält man wenig ablehnende Reaktionen. In der Onlinebefragung, welche 2006 durchgeführt wurde, antworteten beispielsweise insgesamt nur 34,9 % der 689 Befragten, dass sie sich die Theorie rudimentären Gewaltbedarfs auf keinen Fall vorstellen könnten oder Schwierigkeiten hätten, diese als zutreffend zu akzeptieren. Alle Anderen waren der Meinung, die Theorie könnte zusammen mit anderen Faktoren zutreffen (58,2 %) oder sie stimmten ihr sogar gänzlich zu (6,8 %).[19]

Eine überaus klare Argumentationsstruktur für den Ansatz der rudimentären Gewaltdisposition des Menschen findet man bei Norbert Elias. Er erläutert in seiner Arbeit „Über den Prozess der Zivilisation“[20], wie die Einstellung zur direkten physischen Gewaltausübung über die Internalisierung gesellschaftlicher Normen verändert und verinnerlicht wird.

Elias verbindet die Denkansätze der Menschheitsgeschichte (Huizunga), des Menschen und seiner individuellen Entwicklung (Freud) und der gesellschaftsabhängigen Phasen (Weber). Geschichte, Psychologie und Soziologie werden in einen wechselseitigen Zusammenhang gesetzt (vgl. Goudsblom, 1984, S. 129-145).

5.1.1. Allgemeine Erläuterung

Gesellschaften sind nach Norbert Elias Figurationen („Beziehungsgeflechte“[21] ) beziehungsweise Funktionszusammenhänge interdependenter Individuen mit mehr oder weniger stabilen Machtbalancen (vgl. Elias, 1996, S. 12).

Elias Grundlage zur Annahme des Zivilisationsprozesses ist eine steigende Zahl interdependent verbundener Menschen innerhalb eines Raumes. Daraus resultiert ein Druck zur Organisation, zur steigenden Funktionalisierung und Spezialisierung. Die Abhängigkeiten zwischen Funktionsteilungen großer Menschenräume werden stärker (soziale Abhängigkeiten steigen). „Je dichter das Interdependenzgeflecht wird, in das der Einzelne mit der fortschreitenden Funktionsteilung versponnen ist, je größer die Menschenräume sind, über die sich dieses Geflecht erstreckt, und die sich mit dieser Verflechtung, sei es funktionell, sei es institutionell, zu einer Einheit zusammenschließen, desto mehr ist der Einzelne in seiner sozialen Existenz bedroht, der spontanen Wallungen und Leidenschaften nachgibt; desto mehr ist derjenige gesellschaftlich im Vorteil, der seine Affekte zu dämpfen vermag, und desto stärker wird jeder Einzelne auch von klein auf dazu gedrängt, die Wirkung seiner Handlungen oder die Wirkung der Handlungen von Anderen über eine ganze Reihe von Kettengliedern hinweg zu bedenken“[22]. Zusammengefasst bedeutet diese Aussage, dass die zunehmenden interdependenten Bindungen der Menschen zu einem größeren Druck zur Zurückhaltung der Affekte führen. „Der Einzelne wird gezwungen, sein Verhalten immer differenzierter, immer gleichmäßiger und stabiler zu regulieren“[23]. Es entstehen genaue Triebregelungen mit relativ geordnetem Triebverzicht. Als Reglementierungen des Verhaltens Einzelner in Abhängigkeit der funktionellen Interdependenzen entstehen gesellschaftliche Normen, welche einen gewissen Sicherheitsstandard schaffen (vgl. Elias, Band 2, 1992, S. 316 ff.). Der steigende Konkurrenzdruck unter den verschieden gesellschaftlich positionierten Menschen führt zu einer wachsenden gegenseitigen differenzierten Beobachtung.

Ängste - beispielsweise vor sozialer Degradierung - bilden hierbei die Verbindungswege zur Übertragung der Normen der Gesellschaft auf individuelle psychische Funktionen. Sie sind das psychische Gegenstück der Zwänge, die Menschen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Abhängigkeiten aufeinander ausüben. Die Stärke, Art und Struktur der Ängste ist allerdings abhängig von der Geschichte, den aktuellen Interdependenzen zwischen den Menschen und der Struktur der Gesellschaft (vgl. Elias, Band 2, 1992, S. 446 ff.).

Generell ist der Wandel der Affekte ein Prozess der Rationalisierung bzw. psychogenetischer Veränderungen. Die Psychogenese ist die Modifikation des psychischen Habitus. Elias zählt die Psychologisierung, die Körperdisziplin und die Affektregelung zu dieser Entwicklung. Die Rationalisierung korrespondiert mit dem Wandel der Triebstrukturen. Es ist der Übergang von „weniger rationalen zu rationaleren Denk- und Verhaltensweisen.“[24] „Erst wenn sich im Laufe der Menschheitsgeschichte oder im Laufe eines individuellen Zivilisationsprozesses die Ich- oder Überichsteuerung auf der einen Seite, die Triebsteuerung auf der anderen Seite stärker und stärker voneinander differenzieren, erst mit der Herausbildung von weniger triebdurchlässigen Bewußtseinsfunktionen erhalten die Triebautomatismen mehr und mehr jenen Charakter, den man ihnen heute gewöhnlich als eine geschichtslose, eine rein ‚naturale’ Eigentümlichkeit zuschreibt, den Charakter des ‚Unbewußten’. Und im Zuge der gleichen Transformation wandelt sich das Bewusstsein selbst in der Richtung einer zunehmenden ‚Rationalisierung’: Erst mit dieser stärkeren und stabileren Differenzierung des Seelenhaushalts nehmen die unmittelbar nach außen gerichteten, psychischen Funktionen den Charakter eines relativ trieb- und affektfreien, eines rationaler funktionierenden Bewusstseins an.“[25]

Die Langfristigkeit des historischen Wandels der Affektregulierung basiert, wie bereits angesprochen wurde, unter Anderem auf der sich ändernden Erziehung der Kinder. Die Internalisierung und Bildung des Über-Ichs in der Kindheit erfolgt aufgrund einer Angst vor Liebesentzug oder Bestrafung. Gesellschaftliche Zwänge werden so allmählich zu Selbstzwängen. „Die Erwachsenen erzeugen teils automatisch, teils ganz bewusst durch ihre Verhaltensweisen und Gewohnheiten entsprechende Verhaltensweisen und Gewohnheiten bei den Kindern; der Einzelne wird bereits von der frühesten Jugend an auf jene beständige Zurückhaltung und Langsicht abgestimmt, die er für die Erwachsenenfunktionen braucht; diese Zurückhaltung, diese Regelung seines Verhaltens und seines Triebhaushalts wird ihm von klein auf so zur Gewohnheit gemacht, dass sich in ihm, gleichsam als eine Relaisstation der gesellschaftlichen Standards, eine automatische Selbstüberwachung der Triebe im Sinne der jeweiligen gesellschaftsüblichen Schemata und Modelle, eine ‚Vernunft’, ein differenziertes und stabileres ‚Über-Ich’ herausbildet, und dass ein Teil der zurückgehaltenen Triebregungen und Neigungen ihm überhaupt nicht mehr unmittelbar zum Bewusstsein kommt.“[26]

Der letzte Punkt innerhalb der allgemeinen Erläuterungen Elias Zivilisationsansatzes ist, dass es im Rahmen der erreichten Verhaltensstandards auch zu Lockerungen der Normen kommen kann. Die heutige Zeit ist dafür ein gutes Beispiel. „Auch in den Wehen anderer Aufstiegsschübe wurde der zuvor herrschende Verhaltensstandard der Oberschichten am Ende mehr oder weniger aufgelockert. Der Festigung eines neuen Standards voraus ging eine Zeit der Erschütterung. Verhaltensweisen übertrugen sich nicht nur von oben nach unten, sondern, entsprechend der Verlagerung der sozialen Gewichte, auch von unten nach oben. […] Die Umgangs- und Geselligkeitsformen wurden lockerer und vergröberten sich zum Teil. […] Bis schließlich mit dem Verschwinden dieser Spannungsbalance, im Hin und Her von Auflockerung und Straffung […] Elemente des Verhaltensschemas beider Schichten von neuem zu einem festeren Verhaltenscode zusammenschmolzen. Die Auftriebswellen, in deren Mitte wir leben, sind von allen früheren ihrer Struktur nach verschieden, so gewiß sie diese früheren Bewegungen weiterführen und auf ihnen aufbauen. Aber bestimmten strukturähnlichen Erscheinungen, wie dort, begegnet man auch in unserer eigenen Zeit. Auch hier findet man eine gewisse Lockerung des herkömmlichen Verhaltensschemas, einen Auftrieb bestimmter Verhaltensweisen von unten, eine stärkere Durchdringung von Verhaltensweisen verschiedener Schichten; man sieht eine Straffung weiterer Verhaltenssphären und eine gewisse Vergröberung in anderen.“[27]

5.1.2. Wandel der Gewalt

Die Auslöser „kriegerische Aktionen [oder] unmittelbarer Anwendungen von körperlicher Gewalt“[28] waren beispielsweise in Europa im frühen Mittelalter soziale Spannungen, welche Ängste (beispielsweise des Verlusts der sozialen Position, der Unterlegenheit etc.) verursachen. Der Kampf bestimmte das Leben und Vergnügen. „Die Freude am Quälen und Töten Anderer war groß, und es war eine gesellschaftlich erlaubte Freude. […] Die stärkere Affektivität des Verhaltens war bis zu einem gewissen Grade gesellschaftlich notwendig. Man verhielt sich gesellschaftlich zweckmäßig und fand seine Lust dabei.“[29] Die Gewalt wurde auf einer rein physischen Ebene ausgelebt, als erlebenswerte positive Angriffslust (vgl. Rathmayr, 1996, S. 39, 40). Zu dieser Zeit gab es keine „Zentralgewalt, die mächtig genug ist, um die Menschen zur Zurückhaltung zu zwingen. Und wenn in diesem oder jenem Gebiet die Macht einer Zentralgewalt wächst, wenn über ein größeres oder kleineres Gebiet hin die Menschen gezwungen werden, miteinander in Frieden zu leben, dann ändert sich auch ganz allmählich die Affektmodellierung und der Standard des Triebhaushalts. Dann schreitet […] langsam die relative Zurückhaltung und die ‚Rücksicht der Menschen aufeinander’ zunächst im Alltag, im normalen gesellschaftlichen Leben fort.“[30]

Aufgrund der wachsenden Funktionszusammenhänge und Abhängigkeiten sind verstärkte Trieb-, Affektregelungen und korrespondierende „Veränderungen in der Organisation der physischen Gewalt“[31] zugunsten einer rationalen Handlungsweise notwendig. Die Voraussetzung dafür ist der „Anstieg des Lebensstandards und der Sicherheit, einem größeren Schutz vor der physischen Überwältigung oder Vernichtung und damit vor dem Einbruch jener irregulierbaren Ängste, die in Gesellschaft mit weniger stabilen Gewaltmonopolen und geringerer Funktionsteilung das Dasein des Einzelnen weit stärker und weit häufiger durchsetzen.“[32] Durch die sich zunehmend stabilisierenden Gewaltmonopole wird die Gewaltausübung stärker berechenbar (vgl. Elias, Band 2, 1992, S. 444).

Die durch sich verändernde Interdependenzstrukturen beständiger werdenden Spannungen tragen sich nur noch an Kulminations- oder Umschlagspunkten durch unmittelbare körperliche Gewaltanwendung aus. Die Fähigkeiten der Zurückhaltung und Rücksichtnahme wurden zur allgemeinen Anforderung. Der Teil der Spannungen und Leidenschaften, der unmittelbar im Kampf zwischen Menschen zum Ausdruck beziehungsweise zum Austragen kam, musste nun der Mensch „in sich selbst verarbeiten“[33]. Selbstbeherrschung wurde mittels der individuellen Kontrollinstanz des Über­­-Ichs gesellschaftlich etabliert.

Mit dem zunehmenden Druck der Affektregelung ändert sich gleichermaßen der Charakter der Ängste der Menschen. Direkte Ängste vor Bedrohung oder Überwältigung verringern sich, innere automatische Ängste verstärken sich (vgl. Elias, Band 2, 1992, S. 445).

Als historischer Wandel ebnete besonders die Verhöflichung der Krieger den Prozess der Minderung der physischen Gewalttätigkeit. Durch steigende Abhängigkeiten zwischen Adel und König bzw. durch die Konkurrenz des aufstrebenden Bürgertums intendierte der Adel eine Distanzierung zu den unteren Schichten beziehungsweise eine Integration innerhalb seiner eigenen Schicht (vgl. Elias, Band 2, 1992, S. 364, 365). Er vermied jede Aktion, welche der hohen Scham- und Peinlichkeitsgrenze vulgär oder roh erschien und wurde empfindlicher gegenüber allem, was an einen Angriff erinnerte (vgl. Elias, Band 2, 1992, S. 359). „Die körperliche Auseinandersetzung, die Kriege und Fehden verringern sich, und was nur irgend an sie erinnert, selbst das Zerlegen toter Tiere und der Gebrauch des Messers bei Tisch, wird zurückgedrängt oder mindestens einer immer genaueren, gesellschaftlichen Regelung unterworfen.“[34]

5.1.3. Fazit bezüglich der rudimentären Gewaltdisposition

Innerhalb des Prozesses der Zivilisation sind mehrere Aspekte entscheidend bei der Auseinandersetzung mit der rudimentären Gewaltdisposition des Menschen.

Einerseits spricht Elias von einer Lockerung der Normen in der heutigen Zeit innerhalb eines erreichten Standards. Dies könnte erklären, weshalb zwar eine überwiegende Ablehnung der gewalthaltigen Medieninhalte besteht (vgl. Kunczik/Zipfel, 2004, S. 6), eine entsprechende Nutzung und Nachfrage jedoch ebenfalls nicht verleugnet werden kann. Die Internalisierung der Normen ist immer noch stark genug, dass die Mehrzahl der Personen im Gespräch sogar dargestellte fiktive Gewalt in einem negativen Konsens sieht. Innerhalb des erreichten Standards der Verhaltensweisen wurden die Normen jedoch soweit gelockert, dass weder das Ansehen im filmischen Kontext, noch das gezielte Auswählen von gewalthaltigen Filmen mit negativen Gefühlen belegt sind.

Des Weiteren findet nach Elias ein Wandel der sozialen Ängste statt: Sie „verlieren mit dieser Transformation der gesellschaftlichen Beziehungen langsam den Charakter der Flammen“ (schnell auflodernd, brennend, auflösend, leicht zu entzünden) und entwickeln sich „zum glimmenden schwelenden Feuer“, bei welchem die Flamme verdeckt ist, welche daher selten unmittelbar nach außen dringt.[35] Elias meint damit, dass die Ängste und die damit verbundenen Affekte nicht mehr spontan ausbrechen, sondern unterdrückt werden und seltener nach außen drängen. Soziale Ängste, welche in ihrer Intensität durch direkte Gewaltauslebung abgebaut wurden, bestehen in der heutigen Zeit in einer anderen Form fort. Sie existieren weiterhin als unter der Oberfläche des rational handelnden Menschen unterdrückte, unbewusste Ängste. Dementsprechend könnte auch eine unterdrückte, unbewusste Gewaltdisposition zum Abbau dieser Ängste durch das Sehen von Gewalt innerhalb von Identifikationsprozessen[36] mit filmischen Figuren bestehen.

Dies leitet direkt zum letzten Ansatz über, der in diesem Zusammenhang erwähnt werden muss. Möglicherweise können Affekte durch das Zusehen ausgelebt werden. Es besteht eine „Verwandlung dessen, was ursprünglich als aktive, oft aggressive Lustäußerung auftritt, in die passivere, gesittetere Lust am Zusehen, also eine bloße Augenlust“[37]. Diese These unterstützend stellt Giddens ähnliche Zusammenhänge fest. Er verweist auf aus dem Alltag ausgeschlossene Erfahrungen, wie physische und psychische Krankheit, Kriminalität, Sexualität, Natur und Tod. Diese Ausgrenzungen in separierende Institutionen (Krankenhaus, Psychiatrie, Gefängnis etc.) verhindern den routinierten Umgang mit jener Gruppe moralischer und existenzieller Bestandteile des menschlichen Lebens. Ursache für diese Genese ist die Entwicklung moderner Einrichtungen, welche für eine größere Verhältnissicherheit entstanden (vgl. Giddens 1991, S. 67 ff.). Giddens verweist darauf, dass in den Medien eben diese ausgeschlossenen Erfahrungen verstärkt präsentiert werden. Besonders Themen wie Gewalt, Tod oder Sterben werden aufgegriffen. Teilweise können die vom alltäglichen Leben ausgeschlossenen Erfahrungen durch die mediale Präsentation übermittelt werden (vgl. Giddens, 1991, S. 168-169). Die Parallele zu Elias wird deutlich. Die ausgeschlossenen Erfahrungen und die damit zusammenhängenden Affekte verschwinden nicht, sondern werden anders ausgelebt, z. B. stellvertretend mittels der medial dargebrachten Inhalte. „Man schafft sich für das, was im Alltag fehlt, im Traum, in Büchern und Bildern einen Ersatz: […] so sieht der Bürger Gewalttat und Liebesleidenschaft im Film.“[38] Eine Frau aus der qualitativen Umfrage von 2005 meinte zu dieser Thematik passend: „Wenn ich ganz ehrlich bin, gucke ich mir sogar Horrorfilme an, weil, wenn ich mir das angucke, ist mein Gewaltpotential ausgelotet und dann brauch’ ich Niemandem mehr was tun“.

5.2. Psychosoziale Komponente

Die Selbstidentität und die Folgen bezüglich der filmischen Gewalt sind gleichermaßen psychosozialer Natur. Im Unterschied zu Freud basiert die folgende Erklärung der psychologischen Komponenten von Giddens nicht allein auf dem psychischen Apparat von ‚Ich’, ‚Es’ und ‚Über-Ich’. Er kritisiert Ungenauigkeiten in der Konstitution von ‚Triebhaushalt’ und ‚Internalisierung gesellschaftlicher Normen’. Auch dass ‚Ich’ kann nicht isoliert als Schlichter zwischen den übrigen psychologischen Komponenten gesehen werden. Nach Giddens erfolgt die Konstituierung des ‚Ichs’ nur über den „ Diskurs des anderen“[39] (vgl. Giddens, 1997, S. 91 ff.). Das heißt sowohl psychische als auch soziale Faktoren beeinflussen die Persönlichkeitsbildung und letztendlich auch die Einstellungen bzw. Faszination bezüglich der Gewaltdarstellungen.

Wie in der Einleitung bereits kurz erwähnt wurde, wird innerhalb dieses Kapitels nach unterschiedlicher Selbstidentität separiert. Nach der Erläuterung des Konzepts der Selbstidentität von Giddens werden Unsicherheit bzw. Ängstlichkeit und Selbstsicherheit differenziert in Bezug auf ihre Auswirkung hinsichtlich der Zuwendung zu filmischer Gewalt betrachtet.

5.2.1. Allgemeines zu Giddens Konzept der Selbstidentität

Das menschliche Subjekt ist per Definition als Akteur beziehungsweise Wahrnehmender[40] und Handelnder charakterisiert, welcher „in seinem Körper raum-zeitlich wirkliche Existenz gewinnt.“[41] Das ‚Ich’ wird dementsprechend als Handelnder, wie er sich selbst sieht, typisiert (vgl. Giddens, 1997, S. 101). ‚Selbst’ stellt in diesem Zusammenhang „die Summe jener Formen der Erinnerungen[42] dar, mit denen der Handelnde in reflexiver Weise bestimmt, ‚was’ seinem Handeln zu Grunde liegt.“[43] Der Akteur besitzt, ähnlich wie bei Freuds Definition, auch innerhalb der Deskription Giddens verschiedene Bewusstseinsstufen: Das Bewusste[44], das Vorbewusste[45] und das Unbewusste[46] (vgl. Giddens, 1997, S. 36).

Bei der Entstehung der Selbstidentität und des zusammenhängenden psychischen Konzepts sind eben jene Faktoren des Akteurs in ihrer Genese beschrieben. Giddens verwendet hauptsächlich die Thesen Erik Eriksons um Fragen der psychosozialen Entwicklung des Akteurs, seines ‚Ichs’, seines ‚Selbst’ und der entsprechenden Bewusstseinsstufen zu erklären.

Begonnen werden die Erläuterungen mit der Entstehung der Seinsgewissheit als Ursprung der Angstkontrolle, des Autonomiezuwachses, des Bewusstwerdens des ‚Selbst’ und der Routinisierung bestimmten Handelns. Das Gefühl des Vertrauens ist ein tief sitzendes Element des grundlegenden Sicherheitssystems, der rudimentären Seinsgewissheit. Es besteht eine klare Abhängigkeit zu den voraussagbaren fürsorglichen Routinen der Eltern. Wenn die körperlichen Bedürfnisse des Kindes im Säuglingsalter durch die Bezugspersonen kontinuierlich befriedigt werden, entsteht eine innere Gewissheit, eine Voraussagbarkeit, Kontinuität und Gleichartigkeit von den zuverlässig zu erwartenden äußeren Erscheinungen (vgl. Giddens, 1997, S.110 ff.). Dieser Glaube an die Verlässlichkeit und Integrität Anderer ermöglicht ein stabiles Bild der externen Welt (vgl. Giddens, 1991, S. 54). Weiterhin ist das Vertrauen, welches der Säugling in den Beschützer setzt, wichtig gegen existenzielle Ängste. Es ist der essenziellste emotionale Beitrag des Schutzes, den alle normalen Menschen mit sich tragen. Giddens bezeichnet ihn als ‚protective cocoon’. Negative Möglichkeiten werden durch generalisierte Hoffnungen bezogen vom Urvertrauen geblockt. Das bedeutet Menschen haben einen natürlichen Schutz vor dem Infragestellen von der Realität und dem eigenen Selbst (vgl. Giddens, 1991, S. 40).

Durch jenen, bereits angesprochenen, mittels Routinen entstandenen Glauben an die Verlässlichkeit der externen Welt und ein entsprechendes Urvertrauen werden erst eine Differenzierung zwischen dem eigenen Selbst und Umwelt und eine kognitive Entwicklung bzw. Exploration realisierbar. Die Formen der Beherrschung und Routinen ermöglichen eine emotionale Akzeptanz der Realität der externen Welt. Das bedeutet, wenn etwas immer wieder passiert oder regelmäßig erscheint, wie zum Beispiel ein Elternteil, wenn das Kind schreit, oder wenn immer ein und derselbe Gegenstand eine identische Bezeichnung und Funktion erhält, so entsteht eine Akzeptanz dieser Abläufe, Regeln aber auch Personen oder Objekte als real. Das Erlernen der externen Realität hängt von den vermittelten Erfahrungen ab. Das Kind lernt, durch eben jene Routinen ebenfalls zwischen sich selbst und der Umwelt zu differenzieren (vgl. Giddens, S. 42 ff.). Wie bereits angesprochen wurde, bedarf die kognitive Entwicklung ebenfalls der Notwendigkeit von Urvertrauen und Routinen. Sie gehen dem Automatismus der Kreativität voraus. Innovatives Denken, welches entscheidend für die weitere Entfaltung ist, basiert auf einem voretablierten Modus der Aktivität und des Urvertrauens. Aber auch die Angst vor dem Verlust geht mit der Etablierung der Seinsgewissheit mit einher. Im Entwicklungsprozess muss die emotionale Komponente (Urvertrauen vs. Anstrengung produzierende Verlustangst) mit kognitiver Arbeit möglichst routiniert verknüpft werden. Das Vertrauen wird Mittel zur Bewältigung des Explorationsspielraums (vgl. Giddens, 1991, S. 41).

„I have argued in the preceding section that acquired routines, and forms of mastery associated with them, in the early life of the human being, are much more than just modes of adjusting to a pre-given world of persons and objects. They are constitutive of an emotional acceptance of the reality of the ‘external world’ without which a secure human existence is impossible. Such acceptance is at the same time the origin of self-identity through the learning of what is not-me.“[47] Die Seinsgewissheit wird - nach Giddens zusammen mit der durch die Routinen gewonnene Akzeptanz der externen Welt als ‚Nicht-Ich’ - Bedingung für die Ausarbeitung der Selbstidentität und der Identität anderer Personen bzw. Objekte (vgl. Giddens, 1991, S. 42). „Self-identity, in other words, is not something that is just given, as a result of the continuities of the individual‘s action-system, but something that has to be routinely created and sustained in the reflexive activities of the individual.”[48] Normale Gefühle der Selbstidentität sind dabei a) ein kontinuierliches Gefühl zur eigenen Biografie, was diskursiv bewusst ist, b) die durch frühere Vertrauensbeziehungen etablierten Schutzmechanismen, welche zum Teil im praktischen Bewusstsein verankert sind, wie der „protecting cocoon“ und c) das erstrebenswerte Betrachten der eigenen Identität. Resultat dieser drei Faktoren ist ein hinreichender Selbstschutzmechanismus (vgl. Giddens, 1991, S. 54).

5.2.1.1. Konzepte der Ängstlichkeit und Folgen der Rezeption

Wenn man diese Aspekte der Selbstidentität unter dem Blickwinkel des Verhältnisses zur medial repräsentierten Gewalt sieht, könnte man verschiedene Ansätze logisch anknüpfen. Einerseits könnte eine Ängstlichkeit der Rezipienten eine wichtige Rolle bei der Hinwendung zu gewalthaltigen Darstellungsweisen und Inhalten spielen. Zur besseren Verständlichkeit werden die einzelnen Aspekte getrennt vorgestellt. Im folgenden Punkt (inkl. dessen Unterpunkte) werden vorerst verschiedene Mechanismen einer möglichen Angstentstehung erläutert. Im Anschluss wird dargestellt, welche Folgen der Ängstlichkeit sich hinsichtlich der Rezeption zeigen könnten. Der dort erläuterte Ansatz kann teilweise mit Daten aus Werner Frühs Untersuchung zu den ‚Gewaltpotentialen des Fernsehangebots’[49] untermauert werden. Der Bezug zur Gewalt wird mittels weiterer Daten aus der Studie hergestellt. In der Zusammenfassung wird abschließend der lange Argumentationsstrang simplifiziert.

Andererseits muss nicht immer eine Ängstlichkeit bestehen. Welche Rezeptionsmotive in diesen Fällen zum Tragen kommen, wird in den darauf folgenden Punkten referiert.

5.2.1.1.1. Entstehung der Ängstlichkeit

Im Folgenden werden verschiedene Optionen für das Entstehen einer Unsicherheit oder Ängstlichkeit erläutert. Mögliche Ursachen bestehen in einem mangelhaften Urvertrauen, in durch Krisen ausgelösten Ängsten und in der Problematik der Risikokultur.

5.2.1.1.1.1. Mangelhaftes Urvertrauen

Nach Erik Erikson führt eine mangelhafte Befriedigung der Grundbedürfnisse des Kindes nicht zu einem stabilen Sicherheitsbewusstsein oder dem Urvertrauen, wie es auch Giddens konzipiert hat. Das Kind lernt zu misstrauen. Die Folgen sind Angst und Unsicherheit. Ein weiterer wichtiger Punkt, den auch Giddens mit einfließen lässt, ist, dass eine nächst höhere Entwicklungsstufe erst mit der hinreichenden Bewältigung der vorherigen Stufe zu bewerkstelligen ist. Das bedeutet, ohne angemessenes Urvertrauen wird auch die nächste Krise zwischen Autonomie und Selbstzweifel eher zu einem „Zweifel an der eigenen Fähigkeit zur Kontrolle von Ereignissen“[50] führen. Die letzte Stufe der primären Entwicklung, der auch Giddens zustimmt, ist die des Gegensatzes zwischen Initiative und Schuld. Die problematische Entwicklung würde in Richtung eines Gefühls des mangelhaften oder fehlenden Selbstwertes tendieren (vgl. Zimbardo, 1995, S. 90, Tabelle 2.5). Giddens bezeichnet sie als ‚Gefühle der persönlichen Unzulänglichkeit’[51], welche auf die Integrität des Selbst bezogen sind. Er weist darauf hin, dass diese mit Scham - nicht mit der Schuld[52] - gleich zu setzen sind. Ständige Unsicherheit oder Ängstlichkeit gegenüber seinen eigenen Fähigkeiten aber auch Misstrauen gegenüber anderen Personen wären eine Folge.

5.2.1.1.1.2. Krise als Ursache der Ängstlichkeit

Es ist aber auch eine Entwicklung denkbar, in der die Selbstintegrität durch Krisen[53] in Frage gestellt wird. Normalerweise werden ‚unwahrscheinliche Eventualitäten’ abgeschirmt und damit die Reduzierung der Lebensplanung auf lenkbare Verhältnisse ermöglicht. ‚Das Durchsickern’ und ‚Blocken’ bestimmter Reize ist Aufgabe des ‚protective cocoon’. Die Grenze zwischen ‚wohlbegründetem Vertrauen’ und wenig sicheren Angstreizen ist problematisch. Insbesondere wenn der Sinn für Vertrauen nicht eminent stabil ist, kann das Risiko schon bei kleinen Wagnissen - in erster Linie bei individuell sehr wichtigen Zielen - als untragbar empfunden werden (vgl. Giddens, 1991, S. 182 f.). Ein Beispiel für solche kritischen Lebensabschnitte ist der schicksalhafte Moment. Das sind nicht nur individuell wichtige, sondern auch für das spätere Leben folgenreiche Entscheidungen. ‚Schicksalhafte Momente bedrohen den Schutzkokon, der das ontologische Sicherheitssystem der Personen verteidigt, weil die Routine-Einstellung, die für den Kokon überaus wichtig ist, durchbrochen wird.’[54] Besonders innerhalb dieser Momente könnte mit der Bildung neuer innerhalb von Krisen entwickelter Routinen eine stärkere Unsicherheit aufkommen, welche deutlicher auf dem Misstrauen gegenüber Anderen und einem selbst basiert.

5.2.1.1.1.3. Risikokultur als Ursache der Ängstlichkeit

Giddens beschreibt die Selbstidentität auch mit Bezug auf die Veränderungen in der späten Moderne. „Mod­ernity radically alters the nature of day-to-day social life and affects the most personal aspects of our experience“[55]. Der Einfachheit halber wird in diesem Abschnitt nicht nochmals gesondert auf das Urvertrauen und den Schutzkokon eingegangen, da diese psychischen Komponenten immer ähnliche Rollen bezüglich des Verhaltens, wie es schon in Kapitel „5.2.1.1.1.1 Mangelhaftes Urvertrauen“ und „5.2.1.1.1.2 Krise als Ursache der Ängstlichkeit“ angesprochen wurde, spielen. Es wird von den gleichen Mechanismen ausgegangen: Je weniger Urvertrauen vorhanden bzw. je durchlässiger der individuelle Schutzkokon ist, desto unsicherer und ängstlicher reagiert die Person auf die Komponenten der Risikokultur. Im nächsten Unterpunkt wird daher erläutert inwieweit die Entwicklungskomponenten der Moderne ein ‚Klima des Risikos’[56] schaffen, welches eine weitere gute Erklärung für eine gewisse grundlegende Unsicherheit oder Ängstlichkeit sein könnte.

5.2.1.1.1.3.1. Klima des Risikos

Giddens erläutert, wie sich durch die Dynamiken der Moderne sowohl das Vertrauen als auch das Verhältnis zur Risikobewertung verändert. Infolge gesellschaftlicher Variation wird (ähnlich wie bei Elias) auf die Veränderung der Form und des Inhalts der Ängste verwiesen.

Besonders entscheidend innerhalb der späten Moderne scheint die Offenheit der Dinge, die Schnelllebigkeit der sozialen und technischen Welt und die Fähigkeit der Menschen ihre Umwelt zu beeinflussen. Traditioneller Umgang mit Situationen und Schicksalsbegründungen fehlen. „In milieu from which fate has disappeared, all action, even that which sticks to strongly established patterns, is in principle ‘calculable‘ in terms of risk — some sort of overall assessment of likely risks can be made for virtually all habits and activities, in respect of specific outcomes. The intrusion of abstract systems into day-to-day life, coupled with the dynamic nature of knowledge, means that awareness of risk seeps into the actions of almost everyone.”[57]

Vereinfacht stellt sich die Situation wie folgt dar: Die Entflechtenden Mechanismen[58] sorgen einerseits durch das technische Eingreifen in die Natur als Form der Entwicklung von abstrakten Systemen für das Eingrenzen von lebensbedrohlichen Naturgefahren und Krankheiten. “There are still dangers constituted outside the reflexively infused spheres of action (for instance, from earthquakes or natural disasters), but most are filtered, and to some degree actively produced, by those spheres of action.”[59] Der technologische Fortschritt hat aber andererseits nicht nur Vorteile, sondern birgt ebenfalls Risiken. Dies sind meist Risiken hoher Folge[60], welche auf Grund mangelhafter Erfahrungen mit der jeweiligen Problematik schwer kalkulierbare Konsequenzen bergen und für besonders viele Menschen bedrohlich sind. Die Globalisierung als Effekt des Verschwindens des Raum-Zeit-Bezugs[61] steuert ihren Teil durch „globale Risiken des Atomkriegs oder der ökologischen Katastrophe“[62] bei (vgl. Giddens, 1991, S. 114). Durch die bereits angesprochene Unvorhersagbarkeit der Folgen kommt es auch innerhalb der Expertensysteme zu unterschiedlichen und sich teilweise widersprechenden Meinungen, welche verunsichernd wirken (vgl. Giddens, 1991, S. 123).

Hinzu kommen institutionalisierte Risikoumgebungen, welche individuelle und kollektive Risiken auf viele Weisen verbinden. Giddens gibt das Beispiel des Konnexes der individuellen Lebenschancen an die globale kapitalistische Wirtschaft. In diesem Fall wird bereits klar, wie wichtig die reflexive Betrachtung des Risikos für die weitere Lebensplanung der Individuen in der späten Moderne ist. Risikoprofile, welche von Experten entwickelt werden, fließen als ständige Wechselwirkung zwischen Expertensystemen und dem eigenen Verhalten in Bezug auf das Risiko mit in die Planung der Zukunft ein (vgl. Giddens, 1991, S. 117 ff.).

Additional zu diesen allgemeinen Risiken werden durch bestimmte Lebensplanungen spezifische Pakete von Risiken in Kauf genommen. Das Eingehen bestimmter Risiken in einem gegebenen Lebensstil wird von den Individuen akzeptiert, solange sie sich innerhalb ‚erträglicher Grenzen’ bewegen (vgl. Giddens, 1991, S. 125).

Zusammenfassend kann man sagen: Die Risiken in Bezug auf die Lebenserwartungen haben abgenommen. Die meisten Personen leben sicherer als in vorhergehenden Zeiten. Allerdings sind auch neue Risiken durch technologischen Fortschritt entstanden oder erst bewusst geworden. Die Hauptbeschäftigung mit dem Risiko im modernen Sozialleben hat aber nichts direkt mit dem wirklichen Vorherrschen von lebensbedrohenden Gefahren zu tun (vgl. Giddens, 1991, S. 114). In Hinsicht auf das Klima des Risikos sind die reflexiven Betrachtungsweisen der Menschen entscheidend. In ihrer Auseinandersetzung mit den Meinungen der Experten entsteht ein Bewusstsein des Risikos, was in die Lebens- und Zukunftskalkulation des Einzelnen mit einfließt. Es entsteht ein instabiles ‚Klima des Risikos’ (vgl. Giddens, 1991, S. 123), welches nicht nur Notwendigkeiten der Kalkulation bietet, sondern auch Unsicherheiten auf Grund verschiedener Wahrscheinlichkeiten von Risiken verursacht. Diese sind dann besonders in Hinsicht auf schicksalhafte Momente problematisch und könnten sich von einer Unsicherheit zu einer Ängstlichkeit entwickeln.

5.2.1.1.2. Folgen der Ängstlichkeit

Bei solchen Konstellationen der Ängstlichkeit wäre unter Anderem ein Eskapismus-Ansatz durchaus denkbar. Dabei handelt es sich um ein Konzept, welches Fernsehen oder Filmrezeption als Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag oder der momentanen Gefühlslage darstellt[63]. Vitouch geht in seinem Buch „Fernsehen und Angstbewältigung“[64] sogar soweit, dass er Fernsehen als „Copingmöglichkeit“[65] darstellt. Er verbindet im Verlauf seiner Argumentationsstruktur den Eskapismusansatz mit Gerbners Kultivierungshypothese[66]. Auch wenn Gerbners Ansatz umstritten ist, kann man ihn ohne die entsprechende problematischste Komponente der unterstellten Kausalität in anderem Kontext verwenden[67] (vgl. Kleiter, 1997, S. 116 ff.).

Vitouch geht davon aus, dass der Zusammenhang zwischen Ängstlichkeit und TV-Nutzung aufgrund der ungeklärten Wirkungsrichtung ebenfalls umgekehrt interpretiert werden könnte. Er erkennt das Paradoxon, dass Personen mit Angstverarbeitungsproblemen teilweise eine Affinität zu angsterregenden Programmen haben (vgl. Vitouch, 1993, S. 131). Des Weiteren fallen ihm Parallelen verschiedener Verhaltensmuster innerhalb diverser Angstkonzepte auf. Er führt die ‚locus of control’-Überlegungen[68] von Julian B. Rotter und das Konzept der gelernten Hilflosigkeit[69] (Seligmann) zusammen mit dem Vielsehersyndrom[70] (Gerbner) auf und verweist auf ähnliche Eigenschaften der Personen, wie Passivität, Konformität, Ängstlichkeit, Angsttendenz, Pessimismus oder negative Gefühle (vgl. Vitouch, 1993, S. 55, Tabelle 2).

Abbildung 5-I: Tabelle: Eigenschaften von Vielsehern, externer Kontrollüberzeugung und gelernter Hilflosigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es zeigt sich, dass das ‚locus of control’ - Konzept ähnliche Entstehungsmechanismen wie das von Erikson und Giddens verwendete Konzept des Urvertrauens und dessen folgenden Entwicklungsstufen aufweist. Dementsprechend ist eine hohe Selbstverantwortlichkeit, die auf einem Vertrauen von vorhersagbaren Routinen und internalisierten Normen basiert, ausschlaggebend für die ‚interne Kontrollüberzeugung’[71]. Die anfänglich beschriebenen negativen Konsequenzen eines Mangels an Urvertrauen oder wie bei dem ‚locus of control’-Konzept einem hohen Maß an familiärer Kontrolle führen zu einer ‚externen Kontrollüberzeugung’[72], welche keine Möglichkeit des eigenen Kompetenzerwerbs bietet. Diese mangelhafte interne Kontrollüberzeugung oder die übrigen angesprochenen Konzepte von Ängstlichkeit und Unsicherheit erhöhen den Fernsehkonsum, da dort eine gewisse Vorhersagbarkeit und Sicherheit beispielsweise durch stereotype Darstellungen gegeben, ist (vgl. Vitouch, 1993, S. 114). „Der Faktor Angst bzw. Ängstlichkeit ist mit dem Fernsehkonsum (Vielsehersyndrom) generell und auch der Auswahl spezifischer Programmformen im Speziellen verbunden.“[73] Innerhalb der defensiven Angstbewältigung durch die Nutzung von TV, welche nur bei Personen mit bereits im Vorfeld erhöhter Unsicherheit und Ängstlichkeit beobachtet wurde, unterscheidet Vitouch zwei Bewältigungsstrategien (Vitouch, 1993, S. 179).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5-II: Typen der defensiven Angstbewältigung nach Vitouch, 1993, S. 178

Anwender des ersten Angstbewältigungsstils mittels einer Unterdrückung von Gefahren- und Angstreizen nennt Vitouch Represser. Sie konsumieren vorrangig ‚heile Welt Sendungen’ und Unterhaltung als Kompensation für eine beängstigende Umwelt. Eine Affinität zu fiktionalen und spannenden Unterhaltungsprogrammen besteht eher bei stereotyper Darstellung von Form und Inhalt (vgl. Vitouch, 1993, S. 180). „Der dominante Konsum der erwähnten Programmeinheiten kann als Wirkung die weitere Verdeckung von Konflikten sowie permanente Vermeidung der Konfrontation mit Angst nach sich ziehen. Dies muss jedoch dazu führen, dass beim Auftauchen realer (oder medial vermittelter realer) Bedrohung keine Verhaltenssequenzen zum effektiven Umgang mit diesen Gefahrensituationen zur Verfügung stehen, was in der aktuellen Situation zu Hilflosigkeitserleben führen muss. Damit wird der zirkuläre Prozess beschleunigt, da vermutlich die fiktionalen „Angstvermeidungsangebote“ des Fernsehens in stärkerem Maße zur Kompensation angenommen werden.“[74]

Der Angstbewältigungsstil der Sensibilisierer (Anwender des zweiten Coping-Stils) ist der gegenteilige Umgang mit Angst- und Gefahrenreizen. Die Neigungen zu jenen Stimuli wird sowohl im Zusammenhang mit Nachrichten als auch Unterhaltungsinhalten gezeigt, wobei die sensationelle Aufmachung, die auf simplem konzeptuellen Niveau transportiert wird, wichtig scheint und eine Vorliebe bezüglich dargestellter Klischees existiert (vgl. Vitouch, 1993, S. 180 f.).

Leider erwähnt Vitouch in seinen Ausarbeitungen die kognitive Auseinandersetzung der Rezipienten mit den Medieninhalten nur peripher. Die Identifikation[75] beispielsweise wird lediglich in Zusammenhang mit einem Kontrollverlust durch stellvertretende Erfahrungen erwähnt (vgl. Vitouch, 1993, S. 113). Da Angst im Argumentationssinn von Vitouch ein negativer Affekt ist, kann man wenig nachvollziehen, warum sich Personen mit erhöhtem Angstniveau einem gewalthaltigen und furchteinflößenden Programm hingeben.

Klarer wird die Argumentation, wenn man Identifikationsprozesse und Angst auslösende Mechanismen differenzierter betrachtet. Identifikation mit einem Filmhelden dürfte im Sinne der vermittelten Erfahrungen von Giddens, aber auch nach Früh’s Konzept der aktiven Souveränität[76], durchaus positive Gefühle fördern. Der Zuschauer kann frei wählen in welche Rolle er sich hineinversetzen möchte. Innerhalb dieser virtuellen Rollen können Tabus uneingeschränkt gebrochen werden, risikoreiche oder extreme Handlungsweisen vermittelt erlebt werden und Eigenschaften frei definiert bzw. beliebig gewechselt werden. Einerseits führt dies zu einem Bewusstsein unbegrenzter Möglichkeiten ohne Zwänge, was ein angenehmes positives Gefühl vermittelt. Andererseits kann die innerhalb der virtuellen Rolle vermittelte Erfahrung (beispielsweise der Beherrschung einer schwierigen, angsterregenden oder gefahrenreichen Situation[77] ) und der anschließende positive Ausgang für den Filmhelden eben dieses positive Gefühl (bspw. der Souveränität) verstärken (vgl. Früh, 2002, S. 108)[78].

Diese Zuwendung zu gewalthaltigen und angstauslösenden Medieninhalten bleibt jedoch nicht ohne Folge. Gerbners Ansatz der Kultivierung erklärt, wie durch den verstärkten TV-Konsum das von den Medien gezeichnete Bild der Realität, welches weitaus gewalthaltiger und angsteinflößender ist als die Realität an sich zur eigenen Realitätsüberzeugung mutiert. Auch Giddens Analyse der Medieneffekte unterstützt diese Annahmen. Der erste Effekt ist ein Collageeffekt. Dieser entsteht durch das Koexistieren verschiedener Meldungen und separater Geschichten. Einzelne, sich unterscheidende oder sich widersprechende Expertenmeldungen[79] zu einem gewissen Themenkomplex sind ein gutes Beispiel. Der zweite Effekt ist der des von Mc-Luhan beschriebenen globalen Dorfs[80]. Giddens weist auf Störungen von entfernten Events hin, welche in das alltägliche Bewusstsein eindringen. Viele Nachrichten, welche uns nicht betreffen, fließen so routiniert in unsere täglichen Tätigkeiten und unser Bewusstsein mit ein. Durch die vermittelte Erfahrung der erzeugten Vertrautheit kann es zu einem Gefühl der ‚Realitätsinversion’ kommen. Echte, eigene Erfahrungen scheinen weniger konkret zu sein als ihre Repräsentation in den Medien. Wie auch Gerbner innerhalb seiner Studie zur Kultivierungshypothese feststellte, werden seltenere Erfahrungen des täglichen Lebens in den Medien routiniert wiedergegeben. Gemeint sind hier insbesondere Themen wie Gewalt, Tod oder Sterben[81]. Medien geben also nicht die Realität als Spiegelbild wieder, sondern beeinflussen sie in einer Art und Weise (vgl. Giddens, 1991, S. 26 ff.). Gerbners Hypothese der Vielseher folgend führt ein erhöhter Fernsehkonsum mit diesen verzerrten Realitätsbildern zu einer weiter verstärkten Ängstlichkeit der Rezipienten, weil sie durch die vermittelten Erfahrungen z. B. von einer stärker kriminalisierten Welt ausgehen.

An dieser Stelle wird klar, wie es möglich ist, dass ein Teil der ängstlichen Personen (Sensibilisierer) sich, aufgrund der durch Identifikation und Souveränität vermittelten positiven Gefühle, stärker dem Konsum gewalthaltiger - von Vitouch als angstauslösend bezeichneten - Inhalte hingeben, obwohl sie durch die Verzerrung der Realität in Richtung der Medienrealität eine höhere Ängstlichkeit der Rezipienten verursachen.

5.2.1.1.2.1. Untermauerung der Ansätze durch Werner Frühs Studie

In Bezug auf die speziellen Reize der Gewaltdarstellungen ist in der bereits erwähnten Studie von Werner Früh „Gewaltpotentiale des Fernsehangebots“[82] der affektive und kognitive Gehalt einzelner im Fernsehen auftretender Gewaltvarianten[83] durch eine unmittelbar nach der Rezeption durchgeführte Befragung[84] der Versuchspersonen gemessen worden.

Früh entdeckt unter anderem einen Trend des Alters. Sowohl die kognitive Komponente der Gewaltszenenerkennung als auch das affektive Element der Angst durch die Rezeption steigen, je älter die Personen werden. Er vermutet einen Kohorten- oder Entwicklungsaspekt, was sich allerdings an Hand der Daten nicht nachweisen lässt.

Ähnlich ist es bei den nun anschließenden Schlussfolgerungen bezüglich des Angstkontextes. Die Ergebnisse sind in Richtung der Kultivierungs- oder Eskapismusthese mit Sicht auf das Urvertrauen und den Schutzkokon interpretierbar. Das bedeutet, dass eine gewisse grundlegende Ängstlichkeit, deren Entstehung auf vier Wegen denkbar ist, zu einem erhöhten Fernsehkonsum besonders in Bezug auf die defensive Angstbewältigung führt.

Die vier erwähnten Möglichkeiten der Steigerung des Angstpotenzials sind erstens durch das im Punkt 5.2.1.1.1.1 benannte mangelhafte Urvertrauen, zweitens durch das im Punkt 5.2.1.1.1.2 angesprochene Problem der Ängstlichkeit durch Krisen, drittens durch jenes im Punkt 5.2.1.1.1.3 dargestellte Phänomen des Klimas des Risikos und viertens einer Eventualität, der im Alter zunehmenden Unsicherheit zu erklären. Es wäre möglich, dass durch zusammenströmende negative Erfahrungen oder Krisen beziehungsweise einer erhöhten Verletzlichkeit und Empfindsamkeit des Körpers mit fortschreitendem Alter das Gefühl der Unverwundbarkeit durch den protective cocoon nicht mehr aufrechterhalten werden kann und somit die Ängstlichkeit und Sensibilität für Gewalt steigen.

Diese Ängstlichkeit führt sowohl bei Repressern als auch bei Sensibilisierern zu einem erhöhten Nutzen und einer Belohnung durch das Fernsehen, welches seinerseits jedoch die Angst erhöht und die Hilflosigkeit steigert. Dieser sich selbst steigernde Kreislauf könnte aber, wie bereits gesagt wurde, nur eine potentielle Erklärung für das Ansteigen der kognitiven und affektiven Gewaltbewertung bzw. Ängstlichkeit in Bezug auf dargestellte Gewalt im Alter sein. Einen direkten Beleg bietet diese Untersuchung nicht.

5.2.1.1.2.2. Bezug zu Gewalt

Nun ist die gesamte Zeit lediglich von angsterregenden Fernsehinhalten die Rede. Eine direkte Verbindung zu gewalthaltigen Inhalten liegt bis her nicht vor. An Hand derselben Untersuchung von Werner Früh zeigt sich, dass diese Verbindung jedoch definitiv besteht. Die Befragten, die Szenen als überaus gewalthaltig einschätzten, empfanden besonders viel Angst. Allerdings lässt sich diese Tatsache nicht pauschalisieren. Denn nicht alle als Gewalt identifizierten Szenen lösten Angst aus. Ebenfalls wurden nicht alle angstauslösenden Gewaltszenen als Gewalt empfunden (vgl. Früh, 2001, S. 101 ff.). Eine direkte Kausalität kann daher nicht unterstellt werden. „Der wirksame Stimulus ist immer nur das wahrgenommene bzw. interpretierte Medienangebot. Dieser individuell bestimmte Gewaltstimulus erzeugt sozusagen als ‚Koppelprodukt’ bestimmte Begleiteffekte. So wie die kognitive Identifikation von Gewalt gleichzeitig auch eine affektive Reaktion hervorruft, so könnte man auch sagen, dass eine spontane Angstreaktion simultan oder nachträglich zu einer kognitiven Rationalisierung geführt hat, die sich im Urteil ‚gewalthaltig’ ausdrückt. Beide Aspekte gehören wohl zusammen und dürften sich gegenseitig-simultan, also transaktional verstärken.“[85]

Beispiele für unterschiedliche Zusammenhänge zwischen der kognitiven Komponente der Gewaltidentifizierung und des Angstaffekts sind verschiedene Kontexte der Gewaltdarstellung, wie Humor oder gesetzliche Legitimation bzw. variierende Darstellungsintensitäten: „In insgesamt lustigem Kontext fehlt das Mitgefühl mit dem Opfer fast ganz […] und auch in ansonsten ernsthaftem Kontext erreicht es […] nur ein minimales Ausmaß“[86]. Andererseits werden durch innerhalb gesetzlicher und konventioneller Legitimation agierende Täter, welche mit unerlaubten und überzogenen Mitteln vorgehend gezeigt werden, deutlich gesteigerte Angstgefühle beziehungsweise Hilflosigkeits- und Ohnmachtgefühle ausgelöst (vgl. Früh, 2001, S. 102). Weitere besonders angstauslösende Inhalte sind direkt sichtbare Darstellungen von physischer Gewalt, welche gegen ein oder sogar mehrere Andere, allgemein wehrlose Personen gerichtet ist. Dabei ist die Tötung mehrerer Personen die am schlimmsten vorstellbare Folge der Gewalteinwirkung. Je realistischer der dargestellte Kontext zu sein scheint, desto höher ist das Angstpotential (vgl. Früh, 2001, S. 144 ff.).

5.2.1.1.3. Zusammenfassung

Zusammenfassend könnte man also die Ursache der Gewaltzuwendung in einem erhöhten Angstpotential sehen. Die Ängstlichkeit könnte sich in Folge eines mangelhaften Urvertrauens bzw. eines zu durchlässigen Schutzkokons (seit Kindheit oder im Laufe des Lebens im Alter entstanden) oder aufgrund einer Krise bzw. des Risikoklimas entwickelt haben. Die Gewaltrezeption dient in diesem Fall der Angstbewältigung. Einerseits werden durch Identifikationsprozesse positive Gefühle der Souveränität erzeugt. Andererseits kann bei Vielsehern durch die Übernahme der durch die Medien verzerrten Realität erneut Angst ausgelöst werden. Daher verstärken sich die Zuwendungsgründe zu gewalthaltigen und angsteinflößenden Inhalten voraussichtlich. Diese Art des Rezeptionsmotivs erklärt allerdings nur einen geringen Teil der unbewussten und bewussten Faszination an filmischer Gewalt.

5.2.1.2. Gefestigtes Urvertrauen und potentielle Rezeptionsgründe

Wie bereits häufiger angesprochen wurde, kann nicht davon ausgegangen werden, dass es nur ängstliche oder verunsicherte Personen sind, die von filmischer Gewalt fasziniert sind. Die möglichen Zuwendungsgründe all jener Menschen, welche ein gefestigtes Urvertrauen und einen stabilen ‚protective cocoon’ besitzen, werden im Folgenden erläutert.

5.2.1.2.1. Bewusste Manipulation der Angstgrenze

Die Grenze zwischen Angst und Vertrauen kann in Form von „risk-taking“[87] bewusst manipuliert werden, um den Zustand der Erregung zu erreichen. Die Risikoeinnahme kann beispielsweise indirekt durch die Fernsehrezeption stattfinden. Giddens gibt das Exempel der Sportübertragung, welche kein Risiko für das eigene Leben darstellt, aber durch die vorgetäuschte Bedrohung ein aufregendes Erlebnis von Risiko vermittelt. An Stelle der Sportübertragung könnte jedoch auch eine Gewaltdarstellung, welche die Identifikationsfigur des Rezipienten innerhalb eines Filmes ausübt oder erleiden muss, den entsprechenden Nervenkitzel auslösen. „The thrill of risk-taking activities, as Balint says, involves several discerni­ble attitudes: awareness of exposure to danger, a voluntary exposure to such danger, and the more or less confident expecta­tion of overcoming it.”[88] Auch in anderen Situationen kann das kontrollierte Schaffen von Verhältnissen der Unklarheit eine Erregung kreieren. Früh konstatiert ebenfalls in seinem Werk „Unterhaltung durch das Fernsehen“ die Variable der Spannung, die zur Unterhaltung führen kann. Dabei ist die „Stärke des kognitiven Konflikts und die Intensität des emotionalen Engagements für die Stärke der Spannung verantwortlich“[89]. Kognitive Konflikte werden mit zunehmender Anzahl möglicher Problemlösungen und der entsprechenden subjektiv oder objektiv wahrgenommenen Wahrscheinlichkeit, mit der eine bestimmte Problemlösung erwartet wird, gesteigert. Das emotionale Engagement hingegen ist „dann am intensivsten und damit der Unterhaltungsgenuss am größten, wenn es dem Zuschauer gelingt, die Kontrolle der Vermitteltheit auf ein gerade noch hinreichendes Maß zu reduzieren, um im Gegenzug eine größtmögliche Involviertheit zuzulassen, die das Geschehen möglichst „echt“ und damit intensiv erlebbar macht“[90]. Die kultivierte Risikoeinnahme ist ein Experiment mit dem Urvertrauen. Denn bei der Beobachtung einer Folge eines eingenommenen Risikos entsteht ein Gefühl der Verletzlichkeit, weil in diesem Moment der individuelle Schutzkokon zerrissen wird. Giddens gibt hier das Beispiel eines beobachteten Verkehrsunfalls, welches den Augenzeugen daran erinnert, dass auch ihm ein solches Unglück hätte passieren können. Mit zunehmendem Abstand zur kritischen Situation entsteht aber langsam wieder ein Gefühl der Unverwundbarkeit. Ähnlich wie real erlebte Situationen könnten vermittelte Erfahrungen wirken, obwohl man die Intensität des Erlebens je nach emotionaler Involviertheit dezimiert betrachten muss.

[...]


[1] Damit ist die verstärkte Thematisierung der Medien-Wirkungsfrage innerhalb der Medien selbst, aufgrund von Ereignissen, wie beispielsweise dem Erfurter Schulmassaker, gemeint. Dennoch steht fest, dass das Problem der Medienwirkung, „so die „Allensbacher Berichte“ (Nr. 12, 2002), […] nicht erst nach dem Amoklauf von Erfurt entdeckt [wurde], „sondern […] die allgegenwärtige Gewalt in den Medien schon sehr lange für hochgradig bedenklich und gefährlich [gehalten wird]“. So forderten in einer fast ein Jahrzehnt früher durchgeführten Umfrage 72 % der Bevölkerung ein Verbot bzw. eine Einschränkung von Mediengewalt. In der Umfrage 2002 zweifelte kaum einer der Befragten daran, dass die Medien für Gewalttaten in hohem Maße Mitverantwortung tragen. 78 % der Bevölkerung waren dieser Ansicht; lediglich 15 % meinten, dass dies nicht zutreffe.“ (vgl. Medien und Gewalt, Befunde der Forschung seit 1998, Kunczik/Zipfel, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Juli 2004)

[2] Der Fragebogen zur Onlinebefragung befindet sich auf der beigefügten DVD.

[3] Schulze, Gerhard; Die Erlebnisgesellschaft, Franfurt / New York, Campus Verlag, 1996

[4] Kromrey, Helmut; Empirische Sozialforschung, 10. Auflage, Opladen, Verlag Leske + Budrich, 2002, S. 394

[5] Er bezeichnet das Phänomen, dass sich die Überzeugung von der Gefährlichkeit der Medien nicht auf die eigene Person bezieht, sondern es lediglich „die Anderen“ sind, die als höchst gefährdet betrachtet werden. Der ‚third person effekt’ thematisiert das spezielle Verhalten der Befragten in Bezug auf Medienwirkung oder Rezeptionsmotive. Die befragten Personen sehen demzufolge die Gewaltrezeption und deren Wirkung nur bei Anderen, nicht bei sich selbst (vgl. Kunczik/Zipfel, Medien und Gewalt, 2004)

[6] Die DVD für einen kurzen Einblick in die Ergebnisse dieser explorativen qualitativen Untersuchung wurde beigelegt.

[7] Duden - Das Synonymwörterbuch, 4. Aufl., Mannheim 2007 [CD-ROM]

[8] Zu erkennen ist diese Differenzierung unter anderem bei Luhmann, Niklas; Die Realität der Massenmedien, 3. Auflage, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 2004: Er beschreibt in Kapitel 5 (S. 53) und Kapitel 8 (S.96) die jeweiligen Medienformen der Nachrichten und der Unterhaltung getrennt. Nachrichten werden umschrieben als realitätsbezogene nach Überraschung, Aktualität, Konflikten, Quantität, lokalen Bezügen, Normverstößen bzw. Skandalen selektierte Informationen, welche für breite Empfängerkreise eine möglichst leichte Verständlichkeit aufweisen sollten (vgl. Luhmann, 2004, S. 58 ff.). Unterhaltung hingegen schafft hingegen eine „Welt der Imagination“ (S. 99) „Hier wird das Medium der narrativen Fiktionalität gewählt, um Motivlagen zu individualisieren.“ (S. 132)

[9] „Lothar Mikos (2000, S. 64f.) […] spricht in Bezug auf fiktionale Erzählkontexte wie Spielfilme oder Fernsehserien von medial inszenierter Gewalt, in Bezug auf nonfiktionale Kontexte wie Nachrichten, Reportagen und Dokumentationen von medial bearbeiteter Gewalt.“ Unter inszenierter Gewalt wird dabei “ein reales oder fiktives Geschehen, bei dem die Gewalthandlung einer mehr oder weniger absichtsvollen, auf ein (potenzielles) Publikum ausgerichteten Choreographie unterliegt“ verstanden. (vgl. Medien und Gewalt, Befunde der Forschung seit 1998, Kunczik/Zipfel, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Juli 2004)

[10] vgl. Mikos, 2000, S. 62-64

[11] „Die Begriffe „Aggression“ und „Gewalt“ werden in der Diskussion um mögliche Effekte massenmedialer Gewaltdarstellungen häufig sehr unterschiedlich definiert oder gar ohne Definition verwandt. Dies ist insofern problematisch, als die Vielfalt der Begriffsverständnisse auch zu höchst unterschiedlichen Operationalisierungen von Gewalt führt und die Vergleichbarkeit von Forschungsbefunden erschwert (vgl. Kapitel 3.1.1)“ (vgl. Kunczik, 2004, S.10)

[12] http://www.bpb.de/methodik/J4836V,0,0,Wie_wirkt_medial_dargestellte_Gewalt.html

[13] „’Beziehungsaggression’ bzw. ‚Relational Aggression’ kann definiert werden als ‚behaviors that harm others through damage (or the threat of damage) to relationships or feelings of acceptance, friendship, or group inclusion’ (Crick 1996)“ (vgl. Kunczik/Zipfel; Medien und Gewalt, Befunde der Forschung seit 1998, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Juli 2004)

[14] Früh, Werner; Gewaltpotentiale des Fernsehangebots, 1. Auflage, Wiesbaden, Westdeutscher Verlag GmbH, 2001,

[15] Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Artikel 4: Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel in allen ihren Formen sind verboten. Artikel 5: Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden. (Resolution 217 A (III) der Generalversammlung vom 10.12.1948, Übersetzung deutscher Übersetzungsdienst, Vereinten Nationen, New York; Quelle:www.unric.org)

[16] Früh, Werner: Gewaltpotentiale des Fernsehangebots, 1. Auflage, Wiesbaden, Westdeutscher Verlag GmbH, 2001, S. 57

[17] Früh, Werner: Gewaltpotentiale des Fernsehangebots, 1. Auflage, Wiesbaden, Westdeutscher Verlag GmbH, 2001, S. 39

[18] „Der Mensch ist das bösartigste und gewaltsamste Wesen, das auf dieser Erde zu finden ist. Er ist vor allem das einzige Wesen, das an der Anwendung der Gewalt größte Freude empfindet, so großes Vergnügen in der Tat, dass er lange und mühevolle Gedankenarbeit nur dazu verwendet, wie Gewalt besser, länger, vergnüglicher und vor allem wirksamer angewendet werden kann.“ (vgl. http://www.fsf.de/fsf2/publikationen/publikationen.php?mode=3&id_lit=59&order=ASC , Seite 2)

[19] Die Frage lautete: Es gibt eine Theorie, nach welcher Menschen immer nur durch gewaltsame Auseinandersetzungen, durch den Kampf überleben konnten. Heute, da wir das Glück haben in einer (zumindest in Deutschland) körperlich kampflosen Gesellschaft leben zu dürfen, haben wir keinen Grund mehr unser Gewaltpotential zu aktivieren. Der Bedarf nach Gewalt soll aber, laut Theorie, bestehen bleiben. Wie schätzen Sie diese Theorie ein? Die Antworten lauteten: ich kann mir auf keinen Fall vorstellen, dass diese Theorie wahr ist / ich habe Schwierigkeiten, diese Theorie als wahr zu akzeptieren / ich glaube dieser Ansatz könnte, zusammen mit weiteren Faktoren, wahr sein / ich stimme der Theorie vollkommen zu – Mit dieser Frage kann zwar nicht erfragt werden, ob die angesprochene Person selbst eine rudimentäre Gewaltdisposition besitzt, aber man kann ihre Einstellung bzw. Akzeptanz bezüglich des theoretischen Ansatzes erfahren, welcher in diesem Zusammenhang das einzig Rrelevante ist.

[20] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band I+II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992

[21] „Figurationen sind Beziehungsgeflechte von Menschen, die mit der wachsenden gegenseitigen Abhängigkeit der Menschen untereinander immer komplexer werden. Die Mitglieder einer Figuration sind durch viele solcher gegenseitiger Abhängigkeiten (Interdependenzketten) aneinander gebunden. Figurationen sind soziale Prozessmodelle“ (vgl. Treibel, Annette; Einführung in die soziologische Theorie der Gegenwart, 4. Auflage, Opladen, Leske + Budrich, 1997, S. 181)

[22] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 322

[23] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 317

[24] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 386

[25] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 391

[26] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 329

[27] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 442

[28] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 412

[29] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band I, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 268, 269

[30] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, Band, Basel, Haus zum Falken, 1939, S, 278

[31] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 444

[32] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 444

[33] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, Seite 413

[34] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, Seite 330

[35] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band I+II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, Seite 413

[36] Definition Identifikation: Psychoanalytisch: „Die Tendenz eines Individuums, Einstellungen, Wertorientierungen, Gesten und andere Attribute eines anderen Individuums so zu assimilieren bzw. sich zu Eigen zu machen, daß es sich vollständig oder teilweise nach diesem Vorbild umwandelt.“ (vgl. http://www.medpsych.uni-freiburg.de) „Die Identifikation kann mit dem guten, erfolgreichen Helden eines violenten Films, der alle Gefahren überwindet und über das Böse triumphiert, einen Beitrag zur Angstbewältigung und zur Steigerung des Selbstbewusstseins leisten“ (vgl. Kunczik/Zipfel, Medien und Gewalt, Befunde der Forschung seit 1998, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Juli 2004, S. 61)

[37] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band I, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 280

[38] Elias, Norbert; Über den Prozess der Zivilisation, soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Band II, 17. Auflage, Frankfurt am Main, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1992, S. 330

[39] Giddens, Anthony; Konstitution der Gesellschaft, 3. Auflage, Frankfurt / New York, Campus Verlag, 1997, S. 93

[40] Wahrnehmung hängt „von räumlicher und zeitlicher Kontinuität ab“. Das bedeutet die verschiedenen Sinne sind miteinander verbunden und werden „als solche vom Wahrnehmenden aktiv organisiert“. Der Hauptbezugspunkt ist dementsprechend „der Körper in der aktiven Auseinandersetzung mit der materiellen und sozialen Welt“ innerhalb der „Zeitlichkeit der Erfahrungen“. „Diese Verarbeitung kann man wiederum als integral mit der reflexiven Steuerung des Handelns im allgemeinen verbunden betrachten.“ D. h. sie ist Teil des diskursiven Bewusstseins (vgl. Giddens, 1997, S. 97).

[41] Giddens, Anthony; Konstitution der Gesellschaft, 3. Auflage, Frankfurt / New York, Campus Verlag, 1997, S.101

[42] Die fortwährend verarbeiteten Erfahrungen werden im Gedächtnis als Form der Bewusstheit der Akteure gespeichert. Die Erinnerung wird zum „Mittel der Rekapitulierung vergangener Erfahrungen in der Weise, dass sie in den Mittelpunkt der Kontinuität des Handelns treten“. Somit wird das Gedächtnis Grundlage des diskursiven und praktischen Bewusstseins (vgl. Giddens, 1997, S. 99).

[43] Giddens, Anthony; Konstitution der Gesellschaft, 3. Auflage, Frankfurt / New York, Campus Verlag, 1997, S. 101

[44] Per Definition ist das diskursive Bewusstsein die Summe jener „Erinnerungsformen, die der Handelnde sprachlich zum Ausdruck bringen kann“ (vgl. Giddens, 1997, S. 99 f.).

[45] Jener Erinnerungen, die dem Handelnden in der Dureé (dem kontinuierlichen Verhaltensstrom) über ihr Handeln oder ihre Handlungsgründe zugänglich sind, ohne dass er sie benennen können muss, gehören zum praktischen Bewusstsein (vgl. Giddens, 1997, S. 36).

[46] Das Unbewusste ist die Summe der Erinnerungsweisen, auf die der Handelnde keinen direkten Zugriff hat. Negative Barrieren verhindern, dass die Inhalte in das diskursive Bewusstsein vordringen. Giddens gibt zwei mögliche Quellen für diese Blockaden an. Einerseits werden früheste Erfahrungen des Kleinkinds ohne Sprachkompetenz gewonnen (hierzu zählen die Erfahrungen des grundlegenden Sicherheitssystems), wodurch diese daher außerhalb des diskursiven Bewusstseins bleiben. Andererseits bietet er auch die Möglichkeit der Verdrängung (vgl. Giddens, 1997, S. 100).

[47] Giddens, Anthony; Modernity and Self-Identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 42

[48] Giddens, Anthony; Modernity and Self-Identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 52

[49] Früh, Werner; Gewaltpotentiale des Fernsehangebots, 1. Auflage, Wiesbaden, Westdeutscher Verlag GmbH, 2001

[50] Zimbardo, Philip G.; Psychologie, 6. Auflage, Berlin / Heidelberg /New York, Springer-Verlag, 1995, S. 90, Tabelle 2.5

[51] Giddens, Anthony; Modernity and Self-Identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 63

[52] dem Gefühl der Kriminalität, welches durch die ‚Angst vor der Übertretung normativer Erwartungen durch Gedanken oder Tätigkeiten entsteht’ (vgl. Giddens, 1991, S. 63)

[53] ‚Eine Krise besteht, wenn wichtige Tätigkeiten mit wichtigen Absichten im Leben einer Person plötzlich unzulänglich scheinen’ (vgl. Giddens, 1991, S. 184).

[54] Giddens, Anthony; Modernity and Self-Identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 114

[55] Giddens, Anthony; Modernity and Self-Identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 1

[56] Giddens, Anthony; Modernity and Self-Identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 114

[57] Giddens, Anthony; Modernity and Self-Identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 112

[58] „’Entflechten’ bedeutet das Herauslösen sozialer Beziehungen aus konkreten räumlichen Gegebenheiten und ihre Rekombination über unbestimmte Zeit-Raum-Distanzen. Entflechtende Mechanismen [disembedding mechanism] umfassen symbolische Medien (wie Geld) und das was ich abstrakte Systeme nenne - kodifizierte Formen von Experteninformationen, die aus "lokalem Wissen" herausgelöst werden“(vgl. Giddens, 1992, S. 26). Die entflechtenden Mechanismen können jedoch nur auf Grund von Vertrauen existieren und funktionieren. Das Vereinfachen des täglichen Lebens durch diese Mechanismen führt jedoch zu einer Entfremdung. “Alienating, because of the intrusion of abstract systems, especially expert systems, into all aspects of day-to-day life undermines pre-existing forms of local control.” (vgl. Giddens, Anthony, modernity and self-identity, Stanford California, Stanford university press, 1991, S. 137)

[59] Giddens, Anthony; Modernity and Self-Identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 31 f.

[60] Risiken hoher Folge betreffen besonders viele Personen auf potentiell lebensbedrohliche Art und Weise und sind schwer kalkulierbar bzw. vorhersehbar: Je katastrophaler die Gefahren sind, desto weniger echte Erfahrungen bezüglich unseres Risikos haben wir. Wenn Dinge schief gehen ist es meist zu spät zum Handeln. Beispiele sind Klimakatastrophen, Atomunfall (z. B. Chernobyl) (vgl. Giddens, 1991, S. 112 ff.)

[61] Eine weitere dynamische Veränderung in der Moderne neben den entflechtenden Mechanismen ist die Trennung von Raum und Zeit. Früher waren Zeit und Raum verbunden durch die Situativität (situatedness) von Orten. Kalender, Uhren und Zeitzonen standardisieren Vergangenheit und Zukunft. (vgl. Giddens, 1991, S. 16 ff.)

[62] Giddens, Anthony; Modernity and Self-Identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 22

[63] „Wurden für diesen [Flucht-]Wunsch zunächst die unbefriedigenden Lebensumstände breiter Bevölkerungsteile verantwortlich gemacht, hat sich mit dem Wohlstandsschub in der westlichen Welt die Vermutung durchgesetzt, es handele sich hierbei um ein menschliches Grundbedürfnis. Auf ein theoretisches Konzept kann sich die Eskapismusthese jedoch nicht stützen“ (Meyen, Michael; Medien, Nutzer und Gewohnheiten; Über Medien und ihren Gebrauch im Alltag, Artikel aus Hans-Dieter Kübler / Elmar Elling (Hrsg.), Wissensgesellschaft, Neue Medien und ihre Konsequenzen, Bonn, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 2004)

[64] Vitouch, Peter; Fernsehen und Angstbewältigung, Opladen, westdeutscher Verlag, 1993

[65] Coping-Strategien sind Bewältigungsmöglichkeiten bei Stress oder in Lebensphasen (wie z.B. der Adoleszenz), die bedeutend für die Individuen sind. „Es gibt eine Vielzahl von Konzepten für Coping […]. Von besonderer Bedeutung ist dabei einerseits, welche Coping-Strategien erfolgreich sind - insbesondere psychoanalytische Konzepte nennen nur "reife" Strategien "Coping" (z. B. Haan, 1977), während Lazarus keine Coping-Formen für a priori überlegen hält und auf einer „ergebnisneutralen" Definition besteht - und andererseits, ob Coping nur als situationsbezogener Prozess erfassbar ist oder ob es generelle, personentypische "Bewältigungsziele" gibt.“ Musikhören wurde beispielsweise von Miller (1980) als Ablenkungsstrategie gegenüber der Aufmerksamkeitsstrategie bei mildem aber zugleich unvermeidbarem Stressor definiert (vgl. Wenninger / Asanger; 1999, S. 747)

[66] Die Kultivierungshypothese beschreibt, dass Vielseher (Personen, die mehr als 4 h pro Tag fernsehen) eine verzerrte Vorstellung der gesellschaftlichen Realität in Richtung der „dargestellten Fernsehwelt“ besitzen. Die stark gewaltgeprägten Inhalte führen zu einer Ängstlichkeit der Rezipienten. (vgl. Vitouch, 1993, S. 17 ff.)

[67] Weitere Probleme diese Ansatzes sind nach Grimm: Operationalisierung von „Gewalt“, Vernachlässigung der Nicht-Seher, Wirkungsbegriff des frühen S-R-Modells (Inhalt = Wirkung, kumulative Effekte) (Grimm, Vorlesung 4: Einführung in die Kommunikationsforschung, SS 2005, Geschichte der Medienforschung)

[68] „Rotter geht es um die Frage, wie ein Individuum zwischen verschiedenen Verhaltensweisen des eigenen Verhaltensrepertoires in spezifischen Situationen auswählt. Er unterscheidet zwischen spezifischen und generalisierten Erwartungen. Spezifische Erwartungen sind situationsbezogene Erwartungen, die durch entsprechende Lernprozesse entstanden sind. Mit dem Begriff der generalisierten Erwartung ist gemeint, dass eine Person in einer Situation Erwartungen über Zusammenhänge zwischen Verhalten und Verhaltenskonsequenzen entwickelt, die i. S. der lerntheoretischen Grundannahmen generalisiert werden. In einer völlig neuen Situation wird daher das Verhalten ausschließlich von generalisierten Erwartungen abhängen. […] Das Persönlichkeitsmerkmal der Kontrollüberzeugungen steht mit dem Situationsmerkmal der Kontrollierbarkeit in Wechselwirkung.“ (vgl. Ahle, Maria Elisabeth; Dissertation: Elterliche Überzeugungen und Beurteilung des Fehlverhaltens gesunder und atopisch kranker Kinder, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Freie Universität Berlin, 2003, S. 32)

[69] „Seligman: Erlernte Hilflosigkeit. – Das Konzept der Erlernten Hilflosigkeit wurde aufgrund von Tierexperimenten entwickelt. Ein Tier zeigt dann Hilflosigkeitssymptome, wenn es erfahren hat, dass keine Beziehung zwischen seinen Reaktionen und nachfolgenden Konsequenzen besteht. Bei Menschen, die Ereignissen ausgesetzt sind, die sie nicht kontrollieren können […] treten Veränderungen im motivationalen und den Selbstwert betreffenden Bereich ein, die mit der depressiven Symptomatik vergleichbar sind“. (vgl. Wenninger/Asanger; Handwörterbuch Psychologie, Weinheim, Psychologie Verlagsunion, 1999, S. 105)

[70] Vgl. Fußnote 66 oder die Erklärung zur Kultivierungshypothese im Glossar

[71] „Erlebt eine Person Ereignisse als Konsequenzen ihres eigenen Verhaltens spricht man von interner Kontrolle“. (vgl. Ahle, Maria Elisabeth; Dissertation: Elterliche Überzeugungen und Beurteilung des Fehlverhaltens gesunder und atopisch kranker Kinder, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Freie Universität Berlin, 2003, S. 33)

[72] „Wird das Geschehen auf Schicksals- oder Zufallsumstände oder andere Personen zurückgeführt, die außerhalb des Einflusses der Person liegen, erlebt diese eine externale Kontrolle. Die Ausprägung dieses Merkmals hat Einfluss auf die Art der Wahrnehmung und im Weiteren auf das Verhalten“. (vgl. Ahle, Maria Elisabeth; Dissertation: Elterliche Überzeugungen und Beurteilung des Fehlverhaltens gesunder und atopisch kranker Kinder, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Freie Universität Berlin, 2003, S. 33)

[73] Vitouch, Peter; Fernsehen und Angstbewältigung, Opladen, Westdeutscher Verlag, 1993, S. 177

[74] Vitouch, Peter; Fernsehen und Angstbewältigung, Opladen, westdeutscher Verlag, 1993, S. 180

[75] Definition Identifikation: Psychoanalytisch: „Die Tendenz eines Individuums, Einstellungen, Wertorientierungen, Gesten und andere Attribute eines anderen Individuums so zu assimilieren bzw. sich zu eigen zu machen, daß es sich vollständig oder teilweise nach diesem Vorbild umwandelt“ (vgl. http://www.medpsych.uni-freiburg.de).

[76] Unter Souveränität versteht Früh die Selbstbestimmung. Einerseits spielt er auf die Dispositionsfreiheit bezüglich ungehinderter Programmwahl an, andererseits erwähnt er den „Eindruck, sich auf risikoreiche oder extreme Handlungsweisen zumindest virtuell einlassen zu können; darüber hinaus können ungestraft Tabus verletzt und die eigenen virtuellen Rollen und Eigenschaften frei definiert und beliebig gewechselt werden“ (vgl. Früh, 2002, S. 108). Diese kann von passiv-defensiv (habituell oder intrinsisch motiviert etwas erdulden, auf etwas verzichten, etwas unterlassen, etwas nicht riskieren) bis hin zu aktiv-initiativ (habituell oder intrinsisch etwas tun, ermöglichen, wählen, Anforderungen stellen, Maßstäbe definieren, sich etwas erlauben etc.) variieren (vgl. Früh, 2002, S. 100).

[77] Die Identifikation kann mit dem guten, erfolgreichen Helden eines violenten Films, der alle Gefahren überwindet und über das Böse triumphiert, einen Beitrag zur Angstbewältigung und zur Steigerung des Selbstbewusstseins leisten (vgl. Kunczik/Zipfel; Medien und Gewalt, Befunde der Forschung seit 1998, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Juli 2004, S. 61)

[78] Früh, Werner; Unterhaltung durch das Fernsehen, Konstanz, UVK Verlagsgesellschaft, 2002

[79] Die Folgen sich widersprechender Expertenmeldungen sind wie im Kapitel zum ‚Klima des Risikos’ (5.2.1.1.1.3.1) angesprochen wurde: Unsicherheit und Ängstlichkeit

[80] „1964 beschrieb McLuhan in seiner Analyse „Understanding Media“ die moderne Welt, in der sich die Kommunikationsmittel Telefon und Fernsehen zu erweiterten Ohren und Augen des Benutzers entwickelt hatten. Vor dem Medienzeitalter konnte man nur das hören und sehen, was im Mikrokosmos des eigenen Dorfes geschah. Plötzlich war Sprechen und Gehörtwerden im weltweiten Maßstab zeitgleich möglich. Die Menschheit wurde so leicht erreichbar wie der Nachbar im eigenen Dorf. Der Begriff „global village“ trägt aber zugleich eine zweite Bedeutung in sich. Durch die weltweite Vernetzung wird der Einzelne Teil der globalen Gemeinschaft und übernimmt Verantwortung für die Information, die er aussendet und die ihn erreicht.“ (vgl. http://www.internationalepolitik.de)

[81] Giddens spricht von einem Ausschluss der Erfahrungen, welche teilweise durch die Medien verstärkt vermittelt werden. In der Realität findet eine Unterdrückung einer Gruppe von grundlegenden moralischen und existenziellen Bestandteilen des menschlichen Lebens statt, welche zu Gunsten einer größeren Verhältnissicherheit als eine unbeabsichtigte Folge der Entwicklung von modernen Einrichtungen entsteht (vgl. Giddens 1991, S. 167 ff.). Giddens definiert: „Sequestration of experience: the separation of day-to-day life from contact with experiences which raise potentially disturbing existential questions — particularly experiences to do with sickness, madness, criminality, sexuality and death” (vgl. Giddens, 1991, S. 244)

[82] Früh, Werner; Gewaltpotentiale des Fernsehangebots, Wiesbaden, Westdeutscher Verlag, 2001

[83] „Mit einer einzigen Gewalthandlung (Gewalttat) können mehrere Gewaltvarianten gleichzeitig ausgeübt werden, so etwa wenn es verschiedene Opfer gibt oder Personen oder Sachen gleichzeitig geschädigt werden; auch Bedrohung, Nötigung (psychische Gewalt) und direkte, physische Gewalt können mit einer einzigen Handlung gleichzeitig ausgeführt werden. Die Kombinationsmöglichkeiten sind sehr vielfältig und lassen sich hier nicht alle einzeln beschreiben. Formal ausgedrückt, sind Gewaltvarianten alle denkbaren Kombinationsmöglichkeiten der oben dargestellten Bestimmungsmerkmale, vom Gewaltobjekt über den Realitätsbezug, die Stärke und Intensität der Gewalt bis hin zu den diversen Legitimationsmechanismen" (vgl. Früh, 2001, S. 73).

[84] Befragungskategorien: kognitive Komponente der Gewaltidentifizierung, affektive Komponente der Angsterregung, affektive Komponente der Faszination, affektive Komponente der Empathie, kognitiv-affektive Komponente des Interesses (vgl. Früh, 2001, S. 87, 104, 114, 123, 131)

[85] Früh, Werner; Gewaltpotentiale des Fernsehangebots, Wiesbaden, Westdeutscher Verlag, 2001, S. 101 f.

[86] Früh, Werner; Gewaltpotentiale des Fernsehangebots, Wiesbaden, Westdeutscher Verlag, 2001, S. 103

[87] Giddens, Anthony; Modernity and self-identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 132

[88] Giddens, Anthony; Modernity and self-identity, Stanford California, Stanford University Press, 1991, S. 132

[89] Früh, Werner; Unterhaltung durch das Fernsehen, Konstanz, UVK Verlag, 2002, S. 201

[90] Früh, Werner; Unterhaltung durch das Fernsehen, Konstanz, UVK Verlag, 2002, S. 125

Details

Seiten
153
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783836612579
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225754
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Politik- und Sozialwissenschaften, Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
gewalt medientheorien erlebnisgesellschaft zivilisationsprozess giddens

Autor

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Titel: Faszination filmischer Gewalt