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Usability Analyse des Internetauftritts der Firma MAFI Transport-Systeme GmbH

Anhand der DIN EN ISO 9241

Diplomarbeit 2007 59 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in Usability
2.1 Entstehung von Usability
2.2 Definition von Usability
2.3 Faktoren der Gebrauchstauglichkeit
2.4 Methoden der Usability Evaluation
2.4.1 Formal-analytische Verfahren
2.4.2 Usability Tests
2.4.3 Fragebogen
2.4.4 „Experten-Walkthrough“

3 Wirtschaftliche Aspekte
3.1 Traditionelles Marketing
3.2 Kommunikation mit der Öffentlichkeit

4 Ergonomische Grundlagen für die Erstellung von Software und Websites
4.1 Software-Ergonomie
4.2 Ergonomische Gestaltung von Websites

5 DIN EN ISO 9241 – Ergonomie Mensch System Interaktion
5.1 Entwicklung und Bedeutung der Normenreihe
5.2 Überblick der DIN 9241
5.3 Grundsätze der Dialoggestaltung nach DIN ISO EN 9241-110

6 Internetauftritt der Firma MAFI Transport-Systeme GmbH
6.1 Firmenportrait
6.2 Ziele und Aufgaben der Website
6.3 Untersuchung der Website
6.3.1 Usability nach DIN ISO EN 9241-11
6.3.2 Dialoggestaltung nach DIN ISO EN 9241-110
6.3.3 Die Ergonomie der Website
6.3.3.1 Gestaltung und Konsistenz
6.3.3.2 Bedienung und Navigation
6.3.3.3 Texte
6.3.3.4 Lesbarkeit und Typographie
6.3.3.5 Grafiken und Multimedia
6.3.3.6 Browserkompatibilität und Hardware Unterschiede
6.4 Zusammenfassung der Untersuchung

7. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Zusammenhang von Faktoren der Gebrauchstauglichkeit

Abb. 2: Aufbau eines Usability-Labors

Abb. 3: Die EU- Bildschirmrichtlinie und ihre deutsche Umsetzung

Abb. 4: Aufbau der Vorschriften der Software-Ergonomie

Abb. 5: Normenteile die sich auf Software Ergonomie beziehen

Abb. 6: Kontaktformular

Abb. 7: Startseite MAFI Transport-Systeme GmbH

Abb. 8: Primäre Struktur der Website von MAFI

Abb. 9: Sekundäre Navigation mit „Pull-Down-Menü“

Abb. 10: Sekundäre Navigation bei Auswahl aus dem „Pull-Down-Menü“

Abb. 11: Begrüßung auf der Startseite

Abb. 12: Beschreibung des MT 25 YT

Abb. 13: Navigation der Website von MAFI

Abb. 14: Trends der Bildschirmauflösungen

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Reihenfolge für die ergonomische Gestaltung von Websites

Tab. 2: Anforderungen an die Ergonomie der Website

Tab. 3: Überblick der DIN ISO EN 9241

Tab. 4: Besuchergruppen und ihre Ziele auf der Website von MAFI

Tab. 5: Grundregeln der Bedienung und Navigation

Tab. 6: Sechs Grundregeln zum Schriftbild

Tab. 7: Downloads der Website von MAFI

Tab. 8: Anteile der unterschiedlichen Browser der Website von MAFI

Tab. 9: Bewertung der Ergonomie der Website von MAFI

Tab. 10: Bewertung der Usability der Website von MAFI

1 Einleitung

Das Internet hat sich in einigen Branchen als wichtiger Vertriebskanal etabliert und stellt somit ein nicht zu vernachlässigenden Anteil am Umsatz dar. Der Kunde möchte die vereinfachten Entscheidungsprozesse durch das Internet nutzen, um sein gewünschtes Ziel schneller und effektiver zu erreichen. An dieser Stelle wird die Gebrauchstauglichkeit von Websites immer wichtiger.[1] Wenn der Besucher sein gewünschtes Ziel innerhalb kürzester Zeit nicht erreicht, bricht er den Surfvorgang ab. Selbst bei Websites, die nicht als Vertriebskanal konzipiert sind, kann das den Unmut des Kunden auf das Unternehmen ziehen.

Deshalb besteht die Zielsetzung dieser Arbeit primär darin zu beurteilen, ob die Website der Firma MAFI Transport-Systeme GmbH den Anforderungen der DIN EN ISO 9241 entspricht und aktuellen Richtlinien der Usability standhalten kann. Dabei stehen Teil 11 und 110 der Norm im Mittelpunkt. Ergänzend werden Untersuchungen aus der Fachliteratur von Usability Experten herangezogen, da die verwendete DIN sehr allgemein formuliert ist. Diese Norm wurde ursprünglich für Software entwickelt und ist nicht vollständig auf Websites übertragbar.

In den folgenden Kapiteln wird erst die Gebrauchstauglichkeit bzw. Usability definiert und auf ihre Entstehung eingegangen. Anschließend werden verschiedene Methoden der Evaluation von Usability beschrieben. In Kapitel 4 werden die Gemeinsamkeiten der Ergonomie für Software und Websites erläutert und spezielle ergonomische Anforderung für Internetauftritte herausgearbeitet. Kapitel 5 beschreibt DIN EN ISO 9241 näher. Im praktischen Teil der Arbeit, welcher mit Kapitel 6 beginnt, wird die Website mit der ISO Norm bzw. ergonomische Anforderungen an Websites untersucht und abschließend mit einem „Scoring-Modell“ bewertet.

In dieser Arbeit wird nur am Rande auf die Programmierung bzw. die technische Realisierung von Websites eingegangen. Außerdem ist in der Fachliteratur oft die psychologische Wahrnehmung ein ausführlich behandeltes Thema, was nicht näher erläutert wird. Die Barrierefreiheit, womit die behindertengerechte Ausrichtung von Software gemeint ist, wird ebenso wenig Gegenstand dieser Arbeit sein.

2 Einführung in Usability

2.1 Entstehung von Usability

Das Thema Usability kommt traditionell aus dem Computerumfeld und der Informatik. Usability tauchte erstmals in den siebziger Jahren auf. Mit der Zielsetzung Dialogsysteme effizienter zu gestalten, untersuchten Psychologen, was in den Köpfen der Benutzer vorgeht, wenn sie mit Dialogsystemen arbeiten. Bei dieser Untersuchung stand nicht der Benutzer im Mittelpunkt, sondern das Dialogsystem. Daraus resultierte dann die „Artificial-Intelligence-Bewegung“. Eine Splittergruppe dieser Bewegung hatte als Schwerpunkt die einfache Bedienung interaktiver Systeme um die Computer kleiner zu machen, so dass sie in jeden Haushalt passen. Diese Forschungen und Entwicklungen führten zum Apple Macintosh, während Bill Gates noch an seinem ersten Betriebssystem MS-DOS programmierte.[2]

Am Beispiel der CHI Konferenz (Computer Human Interface), die 1982 begann lässt sich am besten sehen wie sich durch die wachsende Zahl von Computern und Internetnutzern, die Usability entwickelt hat. Zu Beginn war es ein Treffen von einigen wenigen Experten und zählt nun fünftausend Teilnehmer (Stand 2007). Auf der CHI werden klassische Themen aus der Psychologie, die Integration von Chips in alltägliche Geräte, Gestaltung von Software für kleine Displays, Schwierigkeiten beim Testen von Software für das Web und die Gestaltung von gebrauchstauglichen Websites erörtert.[3]

2.2 Definition von Usability

Es ist nicht einfach eine Definition von Usability zu finden, da es sehr viele verschiedene Interpretationen in der Wissenschaft von diesem Begriff gibt und auch keine Einigkeit herrscht. In der DIN EN ISO 9241-11 findet sich ein Versuch der Definition:

„Usability ist die Effektivität, Effizienz und das Ausmaß der Zufriedenheit, mit denen bestimmte Benutzer spezifizierte Ziele in vorgegebener Umgebung erreichen.“[4]

Usability ist nicht zwingend mit Software in Verbindung zu bringen, sondern könnte genauso auf alltägliche Gebrauchsgegenstände angewandt werden und bedarf nicht eines Computers. Usability zu deutsch Gebrauchstauglichkeit bedeutet, das Gegenstände intuitiv bedienbar sein sollen, wie z.B. ein Schalter, der zum Umlegen einlädt oder runde Knöpfe, die den Benutzer dazu verführen, sie zu drehen. Dieses Beispiel verdeutlicht am besten was mit dem Begriff Usability gemeint ist. Bezogen auf Websites bedeutet das, dass die Benutzer auf Basis ihrer bisher gemachten Erfahrungen und durch bereits bekannte Konzepte diese intuitiv bedienen können.[5]

Einer der aktuelleren Definitionen von Usability beschreibt Jakob Nielsen als ein Qualitätsmerkmal, wie leicht etwas zu benutzen ist und wie schnell ein Mensch die Benutzung eines Gegenstandes erlernen kann. Wobei hier wichtig ist, wie fehleranfällig ein Gegenstand ist und ob der Benutzer sein Ziel damit erreicht, da er sonst auf ihn verzichten kann.[6]

2.3 Faktoren der Gebrauchstauglichkeit

Wie bereits im vorangegangen Kapitel erwähnt spielen bei Software, insbesondere in dieser Arbeit bei Websites folgende Faktoren der Gebrauchstauglichkeit (Usability) eine wichtige Rolle:

Effektivität

Damit ist gemeint, ob ein Benutzer sein Ziel auf einer Website erreicht hat. Beispielsweise der erfolgreiche Kauf eines Buches bei Amazon.[7]

Effizienz

Beschreibt den Aufwand, der notwenig ist, um ein Ziel zu erreichen. Wenn Kundendaten (Name, Rechnungsadresse, Lieferadresse, etc.) bei einem Bestellprozess vorliegen, ist es ineffizient wenn der Kunde seine bereits eingegeben Daten mehrmals angeben muss.[8]

Zufriedenheit

Das abschließende Kriterium Zufriedenheit, umfasst ausschließlich subjektive Komponenten. Denn ob ein Kunde zufrieden ist oder nicht, hängt immer von seinen Bedürfnissen, Vorlieben und Zielen ab. Die jeweilige Software, in diesem Fall die Website, muss immer zielgruppengerecht ausgerichtet sein, damit der Kunde möglichst effektiv und effizient zu seinem Ziel geführt wird.[9]

In Abb. 1 ist der Zusammenhang zwischen den Faktoren der Gebrauchstauglichkeit grafisch aufbereitet, wobei in dieser Abbildung Produkt mit Website oder Software gleich zu setzen ist. Wie aber bereits in der Definition zu Usability erläutert ist, könnte auch ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand verwendet werden wie z. B. ein Knopf der intuitiv gedreht wird mit dem Ziel die Lautstärke des Radios zu verändern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Zusammenhang von Faktoren der Gebrauchstauglichkeit

Quelle: Vgl. DIN Deutsches Institut für Normung e. V., ISO 9241-11, 1998.

2.4 Methoden der Usability Evaluation

Da die Usability einer Website nur durch Tests ermittelt werden kann, geht der Autor hier auf die verschiedenen Testmethoden ein. Hierzu ist festzuhalten, dass aus Kostengründen kein klassischer Usability Test (siehe Kapitel 2.4.2) durchgeführt wurde. Es sind Untersuchungen aus der Fachliteratur auf die zurückgegriffen wurde bzw. auf Expertenleitfäden und Ergebnisse aus Usability Tests von anerkannten Experten. Da es eine Vielzahl von Testmethoden gibt, wird nur auf die Testmethoden eingegangen, die sich auf die DIN EN ISO 9241 beziehen bzw. auf die Usability Analyse von Websites.

2.4.1 Formal-analytische Verfahren

Das formal-analytische Verfahren unterscheidet sich in aufgabenanalytisches Verfahren und in Expertenleitfäden. Hierbei analysieren und beschreiben Usability Experten die Benutzerschnittstellen anhand von festgelegten Formalismen.

Aufgabenanalytisches Verfahren:

Bei diesem Verfahren wird die Aufgabe des Systems betrachtet. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, dass Experten diese Aufgaben in mehrere Teile aufschlüsseln, vergleichbar mit einem Lastenheft. Es wird z.B. gemessen wie lange ein Nutzer für eine bestimmte Aktion mit der Maus benötigt. Es gibt eine Vielzahl von Testmethoden wie beispielsweise das „Keystroke-Level-Modell“. Hierzu ist ein ausführliches Beispiel ist im Anhang (Anlage 1) dokumentiert.[10]

Expertenleitfäden:

Expertenleitfäden sind leitfadenorintierte Prüfverfahren von Fachleuten, die auf Software- oder Web-Ergonomie spezialisiert sind. Diese Leitfäden bestehen aus Fragen bzw. Aussagen über die Gestaltung von Benutzerschnittstellen. Sie werden während der Entwicklungen von Systemen verwendet, um Mängel allgemeiner Art festzustellen (z. B. fehlende Hilfefunktion oder Suchfunktionen). Die Prüfverfahren beruhen auf Erfahrungswerten und Fehlern, die bei früheren Entwicklungen aufgetreten sind. Die Expertenleitfäden orientieren sich stark an der DIN EN ISO 9241.[11]

Diese zwei Testmethoden (Expertenleitfäden und Aufgabenanalytisches Verfahren) finden ohne den Einfluss von Nutzern statt, weshalb sie auch nicht repräsentativ und allein nicht aussagefähig sind. Sie können ergänzend bzw. bei der Entwicklung von Websites genutzt werden, um grundsätzliche Fehler zu vermeiden, doch sie werden keinesfalls empirische Evaluation mit Nutzern ersetzen.

2.4.2 Usability Tests

Usability Tests sind die bekannteste Methode, um die Gebrauchstauglichkeit von Websites zu untersuchen. Es wird mit realistischen Aufgaben getestet. Wie beispielsweise das Suchen spezifischer Informationen auf Websites. Dabei werden die Nutzer beobachtet und ihr Verhalten bzw. ihre Äußerungen dokumentiert. Unter Umständen auch Messung wie lange sie für ihre Aufgaben (z. B. Zeitdauer für die Suche nach Kontaktdaten eines Unternehmens) benötigt haben. Danach erfolgen Interviews mit den Nutzern. Aus den Ergebnissen der Interviews lassen sich dann Verbesserungsvorschläge entwickeln, welche die Website optimieren bzw. auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichtet.[12]

Eine wichtige Grundlage beim Usability Test besteht in der Auswahl der Testpersonen, da hier die Repräsentativität von großer Bedeutung ist. Bei diesen Tests reichen fünf bis sechs Testpersonen um ca. 80% der Benutzbarkeitsprobleme aufzudecken. Die Untersuchungen werden in einem Usability-Labor durchgeführt. Dieses Labor ist ausgestattet mit Videokameras und Mikrofonen. Es werden die Bildschirmsignale aufgezeichnet um den Weg der Maus zu verfolgen damit genauere Analysen durchgeführt werden können. Häufig sind „Eyetracker“ für die Aufzeichnung der Blickbewegungen des Nutzers, im Einsatz. Das sind Tests mit so genannten Blickverfolgungskameras‚ die registrieren wie lange die Testperson bestimmte Bereiche des Bildschirms betrachtet.[13] Eine kombinierte Auswertung von Beobachtungs- und Befragungsergebnissen ermöglicht die Schwächen beider Erhebungsformen zu reduzieren. Die Probanden sollen bei dieser Methode auch laut denken, somit können alle Bemerkungen durch einen Versuchsleiter aufgezeichnet werden. Abb. 2 zeigt den Aufbau eines Usability-Labors.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Aufbau eines Usability-Labors

Quelle: Vgl. Universität des Saarlandes, Usability-Labor, Abfrage v. 17.07.07.

Diese Testmethode ist am Effektivsten, da hier das Nutzerverhalten analysiert wird. Die Bedürfnisse, Probleme und Ziele der Nutzer sind so genau festzustellen und es kann entsprechend der vorliegenden Ergebnisse reagiert werden. Bei eventuellen Unklarheiten können die Probanden nochmals befragt werden. Durch Verbesserungs-vorschläge kann unmittelbar ein Erfolg erzielt werden. Falls ein Kunde mit der Abwicklung von einem Bestellvorgang Probleme hat und diesen abbricht, wird er es sehr wahrscheinlich nicht ein zweites Mal probieren. Wenn durch einen Usability Test dieses Problem beseitigt ist, erhöht das unmittelbar den Umsatz eines „Online-Shops“, denn der Kunde kauft und kommt wieder.

2.4.3 Fragebogen

Ein Fragebogen wird häufig verwendet, um quantitative Aussagen der Nutzer zu erheben. Es besteht die Möglichkeit den Fragebogen in die sieben Gestaltungsanforderungen nach DIN EN ISO 9241-110 (siehe Kapitel 5.3) zu unterteilen. Die möglichen Antworten können in Form von „Multiple-Choice“ oder als eine bipolare Einschätzung („trifft zu“ bis „trifft nicht zu“) formuliert werden. Vorteile des Fragebogens sind, dass der Nutzer kaum durch Dritte beeinflusst wird oder eine Onlineerhebung um eine kostengünstige Stichprobe durchzuführen. Risiken bestehen, wenn das Verfahren zu strukturiert aufgebaut ist und somit kein Freiraum für die Beurteilung durch die Nutzer bleibt.[15]

Wobei es beim Nutzen der Fragebögen unterschiedliche Ansichten gibt, wie effektiv sie tatsächlich sind. Manhartsberger bewertet aus folgenden Gründen den Nutzen des Fragebogens negativ:

„Die Bewertung eines interaktiven Systems durch Benutzer selbst funktioniert nicht: Ein Benutzer kann nicht, während er am Computer agiert und eine Aufgabe löst, gleichzeitig seine Handlungen analysieren.“[16]

Trotz der negativen Äußerungen von Manhartsberger, sollten Fragebögen die Grundlage für einen Usability Test bilden, weil Fragebögen zum einen kostengünstig und mit einer großen Zielgruppe durchführbar sind. Wenn eine Umfrage mit einem Fragebogen sehr negativ ausfällt, besteht Handlungsbedarf. Es ist zu überlegen, wie dieses Problem zu lösen ist und warum es auftritt. Dies ist am besten durch einen Usability Test erkennbar, da bei diesem Verfahren unbewusste Handlungsweisen der Probanden dokumentiert werden, die durch Fragebögen schlecht ermittelt werden können.

2.4.4 „Experten-Walkthrough“

Ein „Experten-Walkthrough“ ist ein Test, bei dem ein erfahrener Profi die Website auf Fehler in der Gestaltung, Konsistenz, Inhalt, Länge der Dokumente, Bedienung, Navigation, Lesbarkeit und Typographie durchsucht. Dieser wird durchgeführt, auf Grundlage von Normen (z. B. DIN EN ISO 9241), Richtlinien und Ergebnisse von empirischen Erkenntnissen aus der Wissenschaft. Es wird hier von einer heuristischen Evaluation gesprochen. Bei dieser Testmethode werden konkrete Handlungsmöglichkeiten zu Beseitigung von Fehlern vorgeschlagen.[17] Der Vorteil dieser Testmethode besteht darin, dass die einzelnen Usability Mängel an der Website untersucht werden und sinnvolle Vorschläge für die Verbesserung gemacht werden. Die Mängel werden dann in Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber im Rahmen einer Gruppensitzung diskutiert und mögliche Verbesserungen aufgezeigt. Diese Testmethode wird in der Regel gemeinsam mit den Entwicklern, durch vorher festgelegte Aufgaben überprüft. Es werden mögliche Aufgaben der Besucher angenommen und überprüft, ob die Besucher diese auch lösen können.[18]

3 Wirtschaftliche Aspekte

Viele Websites sind dafür da, um damit Umsatz zu erzielen. Nicht selten sind sie die einzigen Vertriebskanäle eines Unternehmens, wie bei Amazon oder Google. Der Internet-Boom nimmt immer mehr Platz bei Überlegungen von Unternehmen ein und muss klar definiert sein, was mit dem Internetauftritt bewirkt werden soll. In den folgenden Kapiteln wird erläutert, wie ein gebrauchstauglicher Internetauftritt das traditionelle Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen kann.

3.1 Traditionelles Marketing

Das Internet ermöglicht dem Unternehmen, durch seine technischen Innovationen völlig neue Wege, um den Kunden zu binden und zu erreichen. Durch immer mehr Breitbandzugänge sind aufwendige und umfangreiche Websites möglich. Die Funktionen der Websites nehmen immer mehr zu. Es besteht die Möglichkeit der Erhebung von Daten durch eine Registrierung der Benutzer, welche unter Umständen sehr wertvoll für das Unternehmen sein können, da hier Bedürfnisse und Interessen durch den personalisierten Zugang abgefragt und das Kaufverhalten ausgewertet wird. Die Etablierung einer virtuellen Gemeinschaft ermöglicht es beispielsweise die Glaubwürdigkeit des Unternehmens zu erhöhen, generiert gleichzeitig Marktforschungsdaten, ermöglicht den Einsatz kundenspezifischer Werbung, die Verbesserung des Kundenservices, eine Erhöhung der Kundenbindung und des Umsatzes.[19]

Dies sind nur einige Beispiele wie eine Website das traditionelle Marketing unterstützen kann. Doch diese Vorteile sind nur von Nutzen, wenn sie durch einen gebrauchstauglichen Internetauftritt vermittelt werden können. Niemand hat einen Vorteil wenn nur die Möglichkeit besteht, die eben angesprochen Funktionen zu nutzen, aber der Kunde entnervt aufgibt, weil er sich nicht registrieren kann oder er den Anmeldeprozess für einen personalisierten Zugang nicht findet.

3.2 Kommunikation mit der Öffentlichkeit

Bei der Öffentlichkeitsarbeit spielt die Positionierung des Unternehmensbildes in der Öffentlichkeit („Guter Ruf“), das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit bei der entsprechenden Zielgruppe zu gewinnen, eine sehr große Rolle. Ein positives Image führt zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen bei Kunden, Banken und Lieferanten. Nun stellt sich die Frage wie gute Usability von Webauftritten dazu beitragen kann? Angenommen ein Unternehmen betreibt eine Website mit dem Zweck das Unternehmen bekannt zu machen und möchte damit ihre Imagewerte verstärken und dem Nutzer eine virtuelle „Visitenkarte“ geben. Diese Seiten sind nicht leicht zu gestalten, da die zentrale Frage darin besteht zu verdeutlichen für was ein Unternehmen steht. Der Benutzer möchte darüber hinaus noch andere Informationen einholen. Er will wissen was für Produkte angeboten werden, welche freien Stellen zu besetzen sind oder eine Anfahrtsbeschreibung. Unter Umständen ist für Banken oder Analysten ein Jahresbericht von großem Interesse. Besonders wichtig ist an dieser Stelle noch zu erwähnen das Journalisten Pressematerial erhalten, da sie maßgeblich an dem Bild in der Öffentlichkeit Anteil haben. Wenn die Gebrauchstauglichkeit der Website nicht gewährleistet ist, fällt das auf das Unternehmen zurück und kann zu einem negativen Image führen und den Nutzer verärgern. Heutzutage ist es einer der ersten Schritte den Weg ins Internet zu suchen, um sich nach interessanten Arbeitgebern umzusehen. So könnten unter Umständen wichtige Fachkräfte verloren gehen, da es mittlerweile als selbstverständlich gilt, Informationen für Bewerber zur Verfügung zu stellen.[20]

4 Ergonomische Grundlagen für die Erstellung von Software und Websites

4.1 Software-Ergonomie

Entsprechend der internationalen Normung ist Ergonomie eine wissenschaftliche Disziplin bei der die Wechselwirkung zwischen menschlichen und anderen Elementen eines Systems im Mittelpunkt steht, mit dem Ziel das Wohlbefinden des Menschen und die Leistung des Gesamtsystems zu optimieren.[21] Software-Ergonomie befasst sich mit der Gestaltung und Entwicklung von Dialogsystemen und bildet somit die Basis für die in Kapitel 2 definierte Usability. Sie reicht über Software-Ergonomie hinaus und beschreibt die Anforderungen exakter. In dieser Arbeit wird nicht zwischen klassischer Software-Ergonomie und Usability unterschieden, da mittlerweile die Grenzen zwischen Anwendungssoftware und webbasierten Anwendungen verschwimmen. Mit zunehmenden technischen Möglichkeiten wird es einfacher Interface-Elemente aus klassischer Software für Websites zu übernehmen. Technologien wie „.NET“ von Microsoft zeigen, dass klassische Applikationen und webbasierte Anwendungen zusammenwachsen.[22] Balzert unterscheidet zwischen Software- und Webergonomie mit der Begründung, dass es bei Websites völlige Freiheit bei der Gestaltung gibt.[23] Wobei diese Begründung nicht plausibel erscheint, da bei klassischer Software zwar „Styleguides“ existieren, diese aber nicht bindend sind. Programmierer sind nicht gezwungen sich danach zu richten, es sei denn sie sind Entwickler bei Microsoft. Die DIN EN ISO 9241 (s. Kapitel 5) unterscheidet nicht zwischen klassischer Software-Ergonomie und Usability für Websites, vielmehr gilt die Norm für Beide und wird von Usability Experten, welche sich auf das Web konzentriert haben, zitiert.

4.2 Ergonomische Gestaltung von Websites

In dieser Arbeit wird die Ergonomie speziell auf Websites erläutert, die Web-Ergonomie. Diese befasst sich mit der menschengerechten Gestaltung von Websites und Web-Anwendungen. Die wichtigsten Elemente einer Website sind Navigation, Inhalt, Design und Technik auf die in diesem Kapitel eingegangen wird.[24] Für eine gut funktionierende Website muss die Reihenfolge Funktionalität – Web Ergonomie – Webdesign eingehalten (Erläuterung s. Tab. 1) werden, dabei sollten Anforderungen auf die Ergonomie wie in Tab. 2 beschrieben, näher untersucht werden. Die Grundsätze der Dialoggestaltung stehen dabei im Mittelpunkt. Diese Prinzipien werden an der Website der Firma MAFI analysiert, wobei das Leitziel jeder Software, in diesem Fall Website, immer die Gebrauchstauglichkeit sein muss.

[...]


[1] Vgl. Manhartsberger, M., Usability Galileo, 2001, S. 17f.

[2] Vgl. Manhartsberger, M., Usability Galileo, 2001, S. 33f.

[3] Vgl. ACM SIGCHI, conference, Abfrage 13.07.07.

[4] DIN Deutsches Institut für Normung e. V., ISO 9241-11, 1998.

[5] Vgl. Manhartsberger, M., Usability Galileo, 2001, S. 38.

[6] Vgl. Nielsen, J., Web Usability, 2006, S. XVI.

[7] Vgl. Heinsen, S., Usability praktisch, 2003, S. 3.

[8] Vgl. Heinsen, S., Usability praktisch, 2003, S. 3.

[9] Vgl. Heinsen, S., Usability praktisch, 2003, S. 3.

[10] Vgl. Sarodnick, F., Usability Evaluation, 2006, S. 124ff.

[11] Vgl. Wiegand, D., Benutzeroberfläche, 2003, S. 4ff.

[12] Vgl. Wiegand, D., Benutzeroberfläche, 2003, S. 4ff.

[13] Vgl. Sarodnick, F., Usability Evaluation, 2006, S. 159f.

[14] Vgl. Stoessel, S., Testing Usability, 2002, S. 83f.

[15] Vgl. Sarodnick, F., Usability Evaluation, 2006, S. 169f.

[16] Manhartsberger, M., Usability Galileo, 2001, S. 330.

[17] Vgl. o. V., Walkthrough, 2002, S. 4.

[18] Vgl. Universität des Saarlandes, Experten Methode, Abfrage v. 23.08.2007.

[19] Vgl. Wolf, V., Marketing, 2006, S. 10ff.

[20] Vgl. Manhartsberger, M., Usability Galileo, 2001, S. 301ff.

[21] Vgl. DIN Deutsches Institut für Normung e. V., ISO 6385, 2004.

[22] Vgl. Heinsen, S., Usability praktisch, 2003, S. 235.

[23] Vgl. Balzert, H., Web Design, 2004, S. 7.

[24] Vgl. Schweizer, P., Webgestaltung, 2003, S. 19.

Details

Seiten
59
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783836612555
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225752
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden Württemberg Mosbach – Betriebswirtschaft, E-Business
Note
1,6
Schlagworte
usability ergonomie nutzerfreundlichkeit internetauftritt

Autor

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Titel: Usability Analyse des Internetauftritts der Firma MAFI Transport-Systeme GmbH