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Meinungsforschungsinstitute in der Wahlumfrageberichterstattung

Eine Analyse überregionaler Qualitätszeitungen vor den Bundestagswahlen 1980 - 2005

Diplomarbeit 2007 133 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problembeschreibung
1.2 Forschungsfragen und Aufbau der Arbeit

2. Demoskopie und Massenmedien
2.1 Politische Meinungsforschung
2.1.1 Geschichte der Demoskopie
2.1.2 Die „moderne“ Meinungsforschung
2.1.3 Politische Meinungsforschung in Deutschland
2.1.4 Die Institute im Überblick
2.1.5 Trends und Probleme
2.2 Umfrageergebnisse als Nachrichten
2.2.1 Theorien und Ansätze der Nachrichtenauswahl-Forschun g
2.2.2 Der Nachrichtenwert von Umfragedaten
2.2.3 Instrumentelle Aktualisierung von Umfrageergebnissen
2.2.4 Normen und Standards
2.2.5 Das Verhältnis zwischen Journalismus und Demoskopie
2.2.6 Precision-Journalism
2.3 Umfrageinstitute und Massenmedien
2.3.1 Ökonomische Verknüpfungen
2.3.2 Auftragsvergabe und Auswahl der Institute
2.4 Berichterstattung über Wahlumfragen
2.4.1 Quantität der Wahlumfrageberichterstattung
2.4.2 Inhaltliche und formale Qualität
2.4.3 Wahrnehmung und Wirkung publizierter Wahlumfragen
2.5 Zusammenfassung

3. Meinungsforschungsinstitute in der Umfrageberichterstattung
3.1 Anlage der empirischen Untersuchung
3.1.1 Methodik, Untersuchungszeitraum und Datenbasis
3.1.2 Hypothesen und Operationalisierung
3.1.3 Kategorienschema und Reliabilität
3.2 Darstellung der Ergebnisse
3.2.1 Umfrageberichterstattung über Meinungsforschungsinstitut e
3.2.2 Effekte durch Kooperationspartnerschaften
3.2.3 Bewertung der Institute

4. Fazit
4.1 Zusammenfassung und Diskussion
4.2 Mögliche Anschlussuntersuchungen

Literaturverzeichnis

Anhang

A) Codebuch

B) Codebogen der Inhaltsanalyse

C) Untersuchte Artikel der Inhaltsanalyse

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1 Die letzten Umfragen zur Bundestagswahl 2005

Tabelle 2 Namentliche Nennung von Meinungsforschungsinstituten

Tabelle 3 Artikel, in denen Umfrageinstitute genannt werden, nach Mediu m

Tabelle 4 Namentliche Nennung von Meinungsforschungsinstituten nach

Tabelle 5 Namentliche Nennung von Meinungsforschungsinstituten in den vier Medien

Tabelle 6 Namentliche Nennung von Meinungsforschungsinstituten in den Wahljahren 2002 – 2005 in den vier Medien

Tabelle 7 Äußerungen über Meinungsforschungsinstitute in den vier Medie n

Tabelle 8 Bewertung der Meinungsforschungsinstitute in den vier Medien

Tabelle 9 Bewertung der Institute nach Medien, Urhebern und Jahren

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1 Häufigkeit der Umfrageberichterstattung vor den Bundestagswahlen 1980 –2002

Abbildung 2 Formale Qualität der Umfrageberichterstattung vor den BTW 1980 –2002

Abbildung 3 Häufigkeit der Umfrageberichterstattung vor den Bundestagswahlen 1980 –2002

Abbildung 4 Namentliche Nennung der Meinungsforschungsinstitute vor den Bundestagswahlen

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten*

1. Einleitung

1.1 Problembeschreibung

Im Nachgang zur Bundestagswahl 2005 war nicht nur von einem Desaster für die großen Volksparteien, sondern auch von einem „Wahldebakel von Medien und De­moskopen“ die Rede. Die Meinungsforscher [1] erlebten geradezu ein Vorhersagefi­asko. Die Prognosen für die Unionsparteien wichen im Mittel bei allen großen Insti­tuten um mehr als sechs Prozentpunkte vom tatsächlichen Wahlergebnis ab – für eine Branche, die mit Zahlen handelt, nicht gerade ein Ruhmesblatt.

Dabei waren die Wahlberechtigten doch im Vorfeld dieser Wahl fortwährend von den Meinungsforschungsinstituten zu ihren Wahlabsichten befragt worden. Kurz vor dem Urnengang schrieb die Zeit:

„Noch nie wurden vor einer Bundestagswahl so viele Umfragen veröf­fentlicht wie in diesem Sommer. Allensbach, Emnid, Forsa, Infratest und die Forschungsgruppe Wahlen fragen und forschen im Stunden­takt. Wer ist der beliebteste Politiker im Land? Wem trauen Sie am ehesten zu, die Arbeitslosigkeit zu senken? Welche Partei würden sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre? Kaum ein Tag vergeht ohne neue Zahlen. Und ohne neue Interpretationen. [...] Für Abwechslung sorgen auf jeden Fall die Demoskopen. Sie sind einflussreich wie selten zuvor.“ [2]

Dieser tatsächliche oder vielleicht auch nur vermeintliche Einfluss bietet immer wie­der Anlass zur Kritik an den Meinungsforschern. Im Vorfeld der vergangen Bundes­tagswahl 2005 stellte Bundeskanzler Schröder fest: „Irgendetwas ist falsch mit der Umfragerei“ (SZ, 13.9.2005). Er zog das Fazit: „An den schlechten Meinungsumfra­gen kann etwas nicht stimmen“ (FR, 16.9.2005). An der Demoskopie scheiden sich seit jeher die Geister. Es ist schon fast ein Ritual, dass Meinungsumfragen vor Bun­destagswahlen kritisiert werden. So sah vor der Bundestagswahl 1980 der SPD-Po­litiker Wischnewski die Gefahr von „mehr oder minder offenen Manipulationsversu­chen“ durch veröffentlichte Wahlumfragen (FAZ, 28.7.1980), und vor der Wahl 1983 sprach der damalige CSU-Generalsekretär Stoiber von „nach Manipulation riechen­den demoskopischen Ergebnissen“ (SZ, 5.2.1983). Vor der Wahl 1990 warnte der SPD-Ehrenvorsitzende Brandt davor, „sich durch demoskopische Prognosen ver­rückt machen zu lassen“ (FAZ, 28.9.1990). Vier Jahre später übernahm dann Bun­deskanzler Kohl die Rolle des Mahners und warnte „vor den Tücken der Demosko­pie, deren Indikatoren wechselten wie die Wasserstandsmeldungen vom Rhein“ (SZ, 29.8.1994), und 1998 gaben gleich mehrere CDU-Vorstandsmitglieder „ihre Befürchtung zu erkennen, die Erfolgsaussichten der CDU könnten durch die Veröf­fentlichung von demoskopischen Ergebnissen geschmälert werden“ (FAZ, 15.9. 1998). 2002 beklagte dann der FDP-Vorsitzende Westerwelle „mit Umfragen werde in der letzten Woche vor der Bundestagswahl Politik gemacht“ (SZ, 17.9.2002). [3]

Die Kritik an der Demoskopie ist so alt wie sie selbst. Regelmäßig kommt es zu dem Vorwurf, durch die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen vor Wahlen kön­ne das Wahlergebnis manipuliert werden. So stehen sich hinsichtlich des Umgangs mit den Ergebnissen von Wahlumfragen, grob gesagt, zwei Lager gegenüber:

- Die einen fordern ein, zumindest zeitlich befristetes, gesetzliches Veröffentli­chungsverbot, um eine Beeinflussung der Meinungsbildung der Wähler durch publizierte Wahlumfragen auszuschließen. Denn im Gegensatz zu vielen ande­ren Ländern ist in Deutschland die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen rechtlich nicht beschränkt. [4]
- Die anderen sehen in veröffentlichten Umfrageergebnissen die Möglichkeit, den Wählern wichtige Informationen zukommen zu lassen. Vor allem in der Gruppe der politisch interessierten und formal besser gebildeten Wähler fördern Wahl­umfragen das rationale und taktische Verhalten, gerade unter den Bedingungen eines Mehrparteiensystems mit Fünf-Prozent-Sperrklausel wie in Deutschland.

Neu an der Demoskopie-Kritik im Jahr 2005 war, dass auch die Medien mit einbe­zogen wurden. Schröder sprach mehrfach von einer „unheiligen Allianz“ zwischen Meinungsforschern und Medien, die versuche, durch voreilige Festlegungen die Wahlen als schon gelaufen darzustellen (FAZ, 1.9.2005, WELT, 13.9.2005, FR, 16.9.2005). Sein Parteigenosse Clement erkannte wenige Tage nach der Wahl: „Beide Berufsgruppen [Demoskopie und Publizistik/d. Verf.], sich wechselseitig auf­einander berufend, hätten im Publikum eine Erwartungshaltung geweckt und ein Meinungsklima geschaffen, ,das in seiner Falschheit ohne Beispiel ist'.“ [5] Der Philo­soph Sloterdijk forderte überdies ein Gesetz zur Eindämmung der Meinungsfor­schung. Auch er kritisiert den engen Verbund zwischen Demoskopie und Medien und erkennt darin „die Gefahr einer ,außerparlamentarischen Herrschaftsinstanz'. Ja er spricht sogar von einer ,unlegitimierten Meinungsdiktatur'.“ [6]

Manipulationsvorwürfe gegenüber der politischen Meinungsforschung sind freilich nur dann gerechtfertigt, wenn die Wähler mit gefälschten, einseitig verkürzten oder verzerrt wiedergegebenen Umfragedaten vorsätzlich getäuscht werden. Um be­wusste oder unbewusste Verfälschungen und Verzerrungen ausschließen zu kön­nen, ist die Qualität der Umfrageergebnisse entscheidend. Eine hohe Qualität ist am ehesten durch einen offenen Zugang zu angewandten Verfahren, Instrumenten und Ergebnissen zu gewährleisten. Die Daten müssen nicht nur nach gewissen Normen und Standards erhoben, sondern auch nach diesen veröffentlicht werden. Darüber hinaus ist noch eine zusätzliche Einflussgröße zu beachten: Denn gleich­falls entscheidend ist, dass es sich bei dem Markt der Meinungsforscher um einen pluralen Markt handelt. Es muss sichergestellt sein, dass Wettbewerb besteht. Nur die Konkurrenz der zur Zeit in Deutschland tätigen Umfrageinstitute stellt sicher, dass die Umfrageergebnisse nicht monopolisiert und damit manipuliert werden kön­nen. [7] Durch den Wettbewerb einer Vielzahl von Anbietern ist es unwahrscheinlich, dass gegenseitige Absprachen in Bezug auf Umfrageergebnisse getroffen und Zah­len manipuliert werden

Hinsichtlich der Veröffentlichung stellt die Medienberichterstattung den Stimulus für die Bevölkerung dar. Die Ergebnisse von Wahlumfragen erfahren die Bürger in der Regel über die Massenmedien. Dabei ist zu bedenken, dass die veröffentlichten Umfrageergebnisse eine wichtige Rolle im Meinungsbildungsprozess der Rezipien­ten spielen können. Um hier Manipulationen auszuschließen, muss auch auf dem Medienmarkt Pluralität gewährleistet sein. Davon ist in Deutschland angesichts der Vielfalt sowohl im intramedieären als auch im intermediären Bereich zwar auszuge­hen, doch darf nicht vergessen werden, dass der Wettbewerb der Meinungsfor­schungsinstitute untereinander systemimmanent zu wirtschaftlichen Konzentrati­onsprozessen und strategischen Allianzen mit Auftraggebern führt. Da die Massen­medien mittlerweile der größte Auftraggeber von Wahlumfragen sind, besteht die Gefahr, dass in der Berichterstattung nur die Ergebnisse von Meinungsforschungs­instituten veröffentlicht werden, die exklusive Kooperationsabkommen mit den ent­sprechenden Verlagen abgeschlossen haben. Bestehen solche Allianzen, können Manipulationen nur ausgeschlossen werden, wenn nicht nur Daten der Kooperati­onspartner, sondern gleichfalls die Ergebnisse der Konkurrenzinstitute Eingang in die massenmediale Berichterstattung finden.

1.2 Forschungsfragen und Aufbau der Arbeit

Dem Thema Demoskopie und Massenmedien widmen sich in der deutschsprachi­gen Kommunikationswissenschaft bislang vergleichsweise wenige empirische Stu­dien. Diese konzentrieren sich vor allem auf die Quantität und Qualität der Bericht­erstattung über Wahlumfragen. Darüber, welche Stellung dabei speziell die Mei­nungsforschungsinstitute einnehmen, liegen fast keine empirische Daten vor. An diesem Punkt setzt die vorliegende Studie an. Ziel der Untersuchung ist es, die Rolle der Meinungsforschungsinstitute in der Wahlberichterstattung über einen län­geren Zeitraum systematisch zu rekonstruieren und festzustellen, ob die oben ge­nannten Manipulationsvorwürfe angesichts einer vermuteten Vielfalt von Umfrage­instituten sowie pluraler Berichterstattung in der überregionalen Tagespresse be­rechtigt sind.

Zu diesem Zweck wird eine Medieninhaltsanalyse der Wahlumfrageberichterstat­tung der deutschen Qualitätszeitungen vor den vergangenen acht Bundestagswah­len von 1980 bis 2005 durchgeführt. Dabei ergeben sich hinsichtlich der Bezugnah­men auf Meinungsforschungsinstitute in der Umfrageberichterstattung folgende For­schungsfragen:

1. Welches sind die in der Wahlumfrageberichterstattung vor Bundestagswahlen am häufigsten genannten Meinungsforschungsinstitute?
2. Wie werden die Umfrageinstitute in der Berichterstattung über Wahlumfragen dargestellt?
3. Welche Auswirkungen haben Kooperationsabkommen zwischen bestimmten Ta­geszeitungen und Meinungsforschungsinstituten auf die Berichterstattung?

Diese drei Forschungsfragen können weitgehend als empirisch offen bezeichnet werden und sollen anhand der vorliegenden Langzeitstudie beantwortet werden. Sie knüpft an die Forschung zur Quantität und Qualität der massenmedialen Berichter­stattung über Wahlumfragen an. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle der Meinungsforschungsinstitute. Damit soll die Studie den bestehenden For­schungsstand aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ergänzen.

Die Begriffe Meinungs-, Wahl- und Umfrageforschung sowie Demoskopie werden im Folgenden synonym verwendet. Diese Termini beziehen sich nachstehend auf die politische Meinungsforschung im engeren Sinne, die hauptsächlich von Politik und Medien in Auftrag gegeben wird. In dieser Untersuchung geht es ausschließlich um die kommerzielle Meinungsforschung, die akademische Wahlforschung wird außer Acht gelassen. Unter Wahlumfragen werden hier sowohl Ergebnisse von Befragungen verstanden, die eine Momentaufnahme der Verteilung der Wahlab­sichten in der Bevölkerung darstellen, wie sie etwa mit der so genannten Sonntags­frage („Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre?“) ermittelt werden, als auch aufwändige Trendexplorationen, die versuchen, den Ausgang von Wahlentscheidungen vorherzusagen. [8]

Die Arbeit gliedert sich in vier Kapitel. Nach der Einleitung (Kapitel 1) werden zu­nächst wichtige theoretische Grundlagen hinsichtlich der Stellung der Meinungsfor­schungsinstitute und ihrer Beziehung zu den Massenmedien aufgezeigt sowie der Stand der Forschung in Bezug auf die Berichterstattung über Wahlumfragen darge­stellt (Kapitel 2). Dabei werden auch hier schon neuere Entwicklungen und Proble­me der Branche der Meinungsforscher herausgearbeitet und referiert. Im nächsten Schritt werden aus den theoretischen Überlegungen und bisherigen empirischen Befunden das Forschungsdesign, die Hypothesen und das Kategorienschema für die Untersuchung abgeleitet (Kapitel 3.1). An die Darstellung der verwendeten Un­tersuchungsmethode schließt sich der Ergebnisteil der inhaltsanalytischen Untersu­chung an (Kapitel 3.2). Abschließend werden die Befunde zusammengefasst und diskutiert (Kapitel 4). Dabei wird auch ein Ausblick versucht, welche weitergehen­den Forschungsfragen sich aus den vorliegenden Ergebnissen ableiten lassen.

2. Demoskopie und Massenmedien

In diesem Kapitel sollen für das bessere Verständnis der Untersuchungsbefunde zunächst wichtige theoretische Grundlagen herausgearbeitet und der bisherige Stand der Forschung dargestellt werden. Politische Meinungsforschung ist ange­wandte Forschung, die in nicht geringem Maße von wirtschaftlichen und politischen Interessen geleitet wird. Dabei sind die Auftrags- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Politik, Medien und den Umfrageinstituten historisch gewachsen. [9] Daher wird im ersten Abschnitt dieses Kapitels zunächst darauf eingegangen, wie sich die Meinungsforschung seit ihren Anfängen entwickelt hat, wobei die für diese Studie „wichtigsten“ deutschen Umfrageinstitute im Mittelpunkt stehen. Mit dem nicht im­mer spannungsfreien Umgang der Massenmedien mit den Ergebnissen der Umfra­geforschung beschäftigt sich der zweite Abschnitt und im dritten Abschnitt werden bestehende ökonomischen Verbindungen zwischen Meinungsforschung und Mas­senmedien aufgezeigt. Der vierte Abschnitt gibt einen Abriss über die bisherigen Untersuchungen hinsichtlich der Berichterstattung über Wahlumfragen und im letz­ten Abschnitt erfolgt dann eine kurze Kapitelzusammenfassung.

2.1 Politische Meinungsforschung

Der Begriff Demoskopie ist ein Kunstwort, das erst 1946 durch den amerikanischen Soziologen Stuart C. Dodd geschaffen wurde. Er leitete diese Bezeichnung von den griechischen Vokabeln „demos“ (das Volk) und „skopein“ (betrachten) ab und brachte sie als Synonym für Umfrageforschung in die Diskussion. In weiten Teilen Europas verbreitete sich diese Wortschöpfung recht schnell und findet heute unter anderem in Deutschland, Frankreich, Italien und Polen Verwendung. Im englisch­sprachigen Raum konnte sich der Begriff allerdings nicht durchsetzten. Hier wird meist von „public opinion research“ oder „survey research“ gesprochen. [10]

2.1.1 Geschichte der Demoskopie

Auch wenn sich die Geschichte der Demoskopie im engeren Sinne auf den Zeit­raum nach dem Ende des Ersten Weltkrieges beschränkt, lassen sich die Anfänge der Meinungsforschung bis ins Altertum zurückverfolgen. Schon in der Antike wur­den in den damals fortschrittlichen Kulturen erste Volkszählungen durchgeführt. Im Römischen Reich wurde etwa alle fünf Jahre der so genannte Census erhoben. Diese ersten statistischen Erhebungen dienten in erster Linie dazu, die Wehrfähig­keit und die Steuerkraft der Bevölkerung festzustellen. Im Mittelalter wurden selte­ner regelmäßige Zählungen veranstaltet. Doch bei den „Inventarien“ zur Zeit Karls des Großen wurden nach heutigem Wissensstand erstmals Fragebögen einge­setzt. [11]

Im Laufe des 17. Jahrhundert entwickelte sich dann in England die „politische Arith­metik“, mit der etwa nach statistischen Gesetzmäßigkeiten in der Bevölkerungsent­wicklung geforscht wurde. [12] Die Ende des 18. Jahrhunderts beginnende industrielle Revolution und die damit einhergehende Veränderung der Sozialstruktur der Bevöl­kerung ließen das Interesse an empirischen Zahlen weiter anwachsen. So wurden im 19. Jahrhundert zahlreiche Untersuchungen zur sozialen Lage der Landbevölke­rung und der Industriearbeiter mit Methoden der frühen empirischen Sozialfor­schung durchgeführt. In Deutschland wurden etwa durch den 1872 gegründeten „Verein für Socialpolitik“, meist unter Anleitung von Max Weber, zahlreiche Untersu­chungen zur sozialen Lage der Bevölkerung ausgeführt. [13]

Trotz aller Fortschritte in der Umfrageforschung mangelte es den vorgelegten Studi­en aber allesamt an der Repräsentativität. Es fehlte an einer zuverlässigen Zufalls­stichprobe. Dies änderte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Londo­ner Wirtschaftsstatistiker Arthur L. Bowley in den Jahren 1912 und 1913 die erste repräsentative Umfrage durchführte. Bei einer Armutsstudie wandte er erstmals das Verfahren einer zufälligen Stichprobe (Random-Verfahren) an und veröffentlichte deren Ergebnisse 1915 unter dem Titel „Livelyhood and Poverty“. Doch es sollte noch bis Mitte der 1930er Jahre dauern, bis sich das Stichprobenverfahren durch­setzte. [14]

2.1.2 Die „moderne“ Meinungsforschung

Der Durchbruch der „modernen“ Meinungsforschung ist eng mit dem Namen von George H. Gallup und seiner Vorhersage des Wahlausgangs der amerikanischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 1936 verknüpft. Ihm gelang es – im Gegensatz zur Zeitschrift „Literary Digest“, die seinerzeit seit Jahren als Institution für zuverlässige Prognosen galt – auf der Grundlage der Befragung eines kleinen, aber repräsentati­ven Querschnitts von wenigen tausend Personen den Ausgang der Wahl richtig vor­herzusagen. Das damals renommierte Magazin hatte nach Versendung von mehr als 10 Millionen Fragebögen und Auswertung des Rücklaufs von 2,3 Millionen be­antworteter Vordrucke den Sieg des Republikaners Alfred Landon mit einem Stim­menanteil von 57 Prozent vorausgesagt. Die Wahl gewann aber – wie von Gallup prognostiziert – der Demokrat Franklin D. Roosevelt. Auf Landon entfielen gerade einmal 37,5 Prozent der Stimmen. [15] Gallup hatte mit seinem 1935 gegründeten American Institute of Public Opinion (AIPO) nicht nur das Wahlergebnis richtig vo­rausgesagt, sondern auch die zu erwartende Fehleinschätzung des „Literary Digest“. [16] Das von Gallup angewandte vergleichsweise preisgünstige Verfahren hat­te sich sich den Massenbefragungen der Zeitungen und Zeitschriften überlegen ge­zeigt und löste in der Folge die seit Anfang des 19. Jahrhunderts in den USA ver­breiteten Leserumfragen zur Wahlabsicht, die so genannten straw polls, ab. [17]

Noelle-Neumann und Petersen weisen darauf hin, dass Gallup streng genommen die repräsentative Umfrageforschung nicht erfunden habe (s. o.). Aber durch den großen Stellenwert, den er den Wahlprognosen beimaß, habe er das weltweite Interesse und Vertrauen in die Meinungsforschung begründet. [18] „Kein Name ist bis heute – besonders in der englischsprachigen Welt – so eng mit der Demoskopie verbunden wie der Gallups. ,Gallup poll' ist im Englischen inzwischen ein Gattungs­begriff, der nicht ausschließlich die Umfragen der Gallup-Institute, sondern eine Repräsentativbefragung im allgemeinen bezeichnet.“ [19] Mit Gallups Aufsehen erre­gender Wahlprognose 1936 hatte der Siegeszug der Demoskopie begonnen. Zwar gab es gelegentliche Rückschlage, wie etwa der durch sein Institut falsch voraus­gesagte Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 1948, doch tat diese Fehlprognose der weltweiten Ausbreitung der Meinungsforschung keinen Abbruch. Die politische Umfrageforschung etablierte sich zusehends. [20]

2.1.3 Politische Meinungsforschung in Deutschland

Auch wenn Anfänge der Marktforschung bis in die 1920er Jahre zurückreichen, war die Meinungsforschung in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges weitgehend unbekannt. Abgesehen von wenigen Ansätzen, besonders im wirt­schaftswissenschaftliche Bereich, wie etwa dem Vorläufer der Gesellschaft für Kon­sumforschung (GfK), gab es kaum entsprechenden Beobachtungsformen. [21] Einer der Hauptgründe hierfür ist sicherlich, dass durch die Emigration vieler Sozialfor­scher nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten die sozialwissenschaftliche Entwicklung in Deutschland weitgehend zum Erliegen kam. Stellvertretend für alle nennt Eberlein hierfür Namen wie Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Paul F. Lazarsfeld, Friedrich Pollock, Ferdinand Tönnies und Hans Zeisel, die in den USA ihre Arbeit zwar fortsetzten, jedoch aus der Geschichte der deutschen Meinungsfor­schung ausschieden. Lediglich Adorno und Horkheimer kehrten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurück. [22] Im nationalsozialistischen Deutschland wur­den auch Umfragen durchgeführt, aber eine repräsentative Meinungsforschung fand nicht statt. Bedingt durch diese Zäsur „entwickelte sich die politische Mei­nungsforschung in Deutschland somit später als in den USA (1936), Großbritannien (1937) und Frankreich (1938).“ [23]

Nach Kriegsende wurden die ersten Meinungsumfragen in Deutschland von den westlichen Alliierten initiiertet. Den Militärbehörden ging es vor allem darum, welche Einstellung die Bevölkerung zu den Besatzern hatte und wie demokratische Werte und Verhaltensnormen verinnerlicht wurden. [24] Erst nach und nach wurden auch deutsche Stellen mit der Durchführung der Interviews betraut, wovon sich die Alli­ierten offenere Antworten der Befragten versprachen. Nachdem dann im Laufe der Zeit oftmals die gesamte Verantwortung an deutsche Projektleiter übergegangen war, wurden noch in den 1940er Jahren die ersten Meinungsforschungsinstitute als eigenständige Unternehmen ins Leben gerufen. [25] Das 1945 von Karl-Georg Graf von Stackelberg in Bielefeld gegründete Institut Emnid begann seine Umfragearbei­ten zunächst für die britische Militärverwaltung und das Rote Kreuz. Mit französi­scher Hilfe wurde Anfang 1947 durch das Ehepaar Elisabeth Noelle-Neumann und Erich Peter Neumann in Allensbach das Institut für Demoskopie aus der Taufe ge­hoben, das seine ersten Umfragen für die französische Besatzungsmacht unter­nahm. Ebenfalls 1947 wurde an der Universität München das Institut zur Erfor­schung der Wirkung publizistischer Mittel gegründet, aus dem – nachdem es durch die beiden Gründungsmitglieder Lena-Renate und Wolfgang Ernst aus der Universi­tät herausgelöst worden war – 1955 das Institut Infratest hervorging. [26]

Nach dieser ersten Gründungsphase, die bis etwa Mitte der 1950er Jahre andauer­te, gab es in Westdeutschland 15 Umfrageinstitute. Was sich In der Folge aller­dings rasch ändern sollte: Bis zum Ende der 1970er Jahre gab es einen regelrech­ten Boom in der Branche der Meinungsforscher mit zahlreichen Institutsneugrün­dungen. [27] Für den Bereich der Wahlforschung hervorzuheben sind dabei das 1959 in Bonn/Bad Godesberg durch Klaus Liepelt errichtete Infas-Institut und die 1974 in Mannheim gegründete Forschungsgruppe Wahlen, die als einziges Institut auf die­sem Gebiet als gemeinnütziger Verein organisiert ist. [28] In den 1980er Jahren konso­lidierte sich dann der politische Meinungsforschungsmarkt weitgehend. Von späte­ren Neugründungen konnte sich lediglich das 1984 in Köln von Manfred Güllner ins Leben gerufene Institut Forsa in nennenswertem Rahmen auf diesem Feld etablie­ren.

2.1.4 Die Institute im Überblick

Nach Angaben des Arbeitskreises Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute (ADM) gab es im Jahr 2006 in Deutschland 176 Markt- und Meinungsforschungsin­stitute. [29] Davon arbeitet aber nur ein Bruchteil in der Politik- und Wahlforschung. Die genaue Anzahl ist schwierig zu ermitteln. Nach Decker/Zadra ist eine Branchen­übersicht der Anbieter demoskopischer Leistungen nur als Momentaufnahme denk­bar. „Das liegt vor allem daran, dass die Institute privatwirtschaftlich organisiert sind, das heißt anders als universitäre Einrichtungen den Gesetzen des Marktes ge­horchen müssen. Im Zweifelsfall nimmt ein Institut aus unternehmerischen Gründen eben auch politische bzw. Wahlumfragen in seinen Leistungskatalog mit auf.“ [30] Das führte dazu, dass sich, wie oben beschrieben, immer wieder neue Institute in der politischen Meinungsforschung etablieren konnten, andere in diesem Bereich aber wieder von der Bildfläche verschwanden.

Für letzteren Fall ist das bekannteste Beispiel sicherlich das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (Infas). Da es bei fünf der acht Bundestagswahlen im Untersu­chungszeitraum in der Berichterstattung über Wahlumfragen eine große Rolle spiel­te, soll hier noch einmal kurz auf dieses Institut eingegangen werden. Infas wurde 1959 von einem Team junger Wissenschaftler um Klaus Liepelt, die zuvor bereits für die SPD als Meinungsforscher tätig gewesen waren, gegründet. [31] Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Infas am Abend der Bundestagswahl 1965, als es in der ARD-Wahlberichterstattung die erste computergestützte Hochrechnung präsen­tierte, die beinahe präzise das amtliche Endergebnis der Bundestagswahl vorweg­nahm. [32] Anfang der 1970er Jahre wurde ebenfalls durch Infas die Wanderungsana­lyse entwickelt, die noch heute, zum Teil in abgewandelter Form, zum Standardre­pertoire jeder Wahlberichterstattung gehört. [33] Nach einer vom Brancheninformati­onsdienst Context veröffentlichten repräsentativen Bevölkerungsumfrage war Infas 1991 mit einem Bekanntheitsgrad von 79 Prozent das bekannteste deutsche Mei­nungsforschungsinstitut, weit vor Infratest (61 Prozent), Allensbach (54 Prozent) und Emnid (25 Prozent). [34] 1996 verlor das Institut dann wegen interner Querelen und drohender Zahlungsunfähigkeit den Auftrag zur Wahlberichterstattung für die ARD und stellte daraufhin die Politik- und Wahlforschung ein. [35] 1998 wurde Infas zu 85 Prozent von der Hunzinger Information AG (2004 umbenannt in Action Press Holding AG) übernommen und ist seitdem vor allem in der Sozial-, Verkehrs- und Marketingforschung tätig. [36]

Auch für die heute noch in der politischen Meinungsforschung tätigen Umfrageinsti­tute stellt die kommerzielle Marktforschung das mit Abstand profitabelste Geschäft dar. Für die Mitgliedsinstitute des ADM liegt der Anteil der Auftraggeber aus Kon­sum- und Gebrauchsgüterindustrie (inklusive der Pharmakonzerne) bei ungefähr 70 Prozent. [37] „Politische Meinungsforschung und Wahlforschung sind nur ,nebenbei'-

Geschäfte“. [38] Der genaue Anteil am Umsatz oder dem Arbeitsaufkommen lässt sich aus diesen Zahlen nicht ermitteln und man ist auf die oftmals ungenauen und un­vollständigen Informationen aus den Instituten selbst angewiesen. Decker/Zadra brachten für das Jahr 1999 in Erfahrung, dass der Anteil der politischen Meinungs­forschung bei Allensbach zwölf Prozent, bei Forsa 15 und bei Emnid zwischen zehn und 15 Prozent des Gesamtumsatzes betrug. Bei Infratest dimap und der FG Wah­len, die beide durch langfristige Verträge mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen abgesichert sind, machte dieser Anteil 90 bzw. 100 Prozent aus. [39] Nach neuesten Erkenntnissen von Raupp beträgt der Anteil der Politikforschung „bei Emnid gar nur noch sieben Prozent.“ [40]

Mit der politischen Meinungsforschung allein ist in Deutschland kein Geld zu verdie­nen. Es handelt sich um einen weitgehend geschlossenen Markt mit nur wenigen Auftraggebern wie etwa Parteien, Fernsehsendern und Printmedien. Stattdessen setzen die Meinungsforscher auf die Werbewirkung der Wahlforschung und hoffen dadurch auf neue Aufträge aus der Wirtschaft. Denn eine geringe Abweichung zwi­schen Umfrageergebnis und tatsächlichem Wahlausgang lässt potenzielle Auftrag­geber auf ähnlich präzise Ergebnisse bei anderen Untersuchungen spekulieren.

Die derzeit fünf „wichtigsten Meinungsforschungsinstitute“ [41] auf dem Feld der poli­tischen Meinungsforschung werden im Folgenden kurz vorgestellt:

Allensbach

Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) wurde 1947 durch die Eheleute Elisa­beth Noelle-Neumann und Erich Peter Neumann in Allensbach am Bodensee ge­gründet. Nach eigener Darstellung hatte Noelle-Neumann bereits 1945 in Tübingen versucht, eine Erlaubnis zu bekommen, um Umfragen zu organisieren. Doch dies wurde durch die amerikanischen Besatzungstruppen abgelehnt, die vermuteten, sie versuche „auf diese Weise eine Organisation von ,Werwölfen' – der Ausdruck für Widerstandskämpfer – aufzubauen.“ [42] Der zweite Versuch war dann erfolgreich. Auch wenn dieser Umstand nach Noelle-Neumanns Worten einem großen Zufall geschuldet war. In der französischen Besatzungszone stieß ein Oberst der Militärre­gierung auf der Suche nach Literatur über Umfragen auf Noelle-Neumanns Disser­tation über Meinungs- und Massenforschung in den USA. Er bat einen Mitarbeiter, diese Frau ausfindig zu machen. Was für diesen ein Leichtes war, denn die Ge­suchte war Mieterin in seinem Haus in Allensbach. So kam es, dass 1947 im Auf­trag der französischen Militärregierung die ersten Interviews durch Noelle-Neumann und ihren Mann stattfanden. [43]

Heute wird das Institut für Demoskopie Allensbach Gesellschaft zum Studium der öffentlichen Meinung mbH mit Elisabeth Noelle-Neumann und Renate Köcher von zwei Geschäftsführerinnen geleitet. Es befindet sich seit 1996 im Besitz der Stiftung Demoskopie Allensbach, der Noelle-Neumann 99 Prozent ihres Alleinbesitzes am IfD übertrug. [44] Im Jahr 2002 beschäftigte es 100 feste Mitarbeiter und der Umsatz lag bei 8,5 Millionen Euro. [45]

Während die anderen Institute ihre Daten hauptsächlich durch computergestützte Telefoninterviews (CATI) erheben, nimmt das IfD in der politischen Meinungsfor­schung eine Sonderstellung ein, da es als einziges Institut noch immer überwiegend mit persönlichen face-to-face-Befragungen arbeitet. Dafür ist das Institut in den zu­rückliegenden Jahren teilweise deutlich kritisiert worden, auch von Mitstreitern aus der Meinungsforschungsbranche, die Allensbach veraltete Methoden vorwerfen. Trotz solcher Kritik hält das traditionsbewusste IfD bislang aber standhaft an diesem Umfrageverfahren fest.

Emnid

Bereits 1945 wurde von Karl-Georg Graf von Stackelberg in Bielefeld das Institut Emnid gegründet, das zunächst Sekundärmaterial sammelte und aufbereitete. Ab 1948 wurden ein Interviewstab aufgebaut und erste Befragungen für die britische Militärverwaltung und das Rote Kreuz durchgeführt. [46] Die Abkürzung Emnid steht laut Emnid-Almanach 1971 für „Erforschung der öffentlichen Meinung, Marktfor­schung, Nachrichten über die Wirtschaftslage, Informations-Dienste“. [47] Ende der 1950er Jahre expandierte Emnid und eröffnete weitere Institute in Berlin, Bonn, Frankfurt, Hamburg und München. [48] Von 1995 an hatte Emnid auf dem Nachrich­tensender n-tv eine eigene Sendung, bei der aktuelle Umfrageergebnisse präsen­tiert wurden. Nach der Übernahme von n-tv durch die RTL-Gruppe wurde die Sen­dung 2004 eingestellt, da der Sender fortan mit Forsa kooperierte. [49]

Zwischen 1990 und 1997 gehörte das Unternehmen mehrheitlich der französischen Sofres-Gruppe. Durch deren Zusammenschluss mit dem britischen Marktfor­schungsinstitut Taylor Nelson AGB im Jahr 1997 wurde Emnid Teil des Konzerns Taylor Nelson Sofres (TNS), der viertgrößten Marktforschungsgruppe weltweit. [50] Seit 2005 ist Emnid mit Infratest, das ebenfalls zur TNS-Gruppe gehört, vereint und beide tragen den Namen TNS Infratest. Von der Umbenennung ausgenommen sind die Medien-, Politik- und Sozialforschung, die weiterhin getrennt unter den bisheri­gen Namen TNS Infratest und TNS Emnid operieren. [51]

Die TNS Emnid Politik und Sozialforschung hat ihren Sitz immer noch in Bielefeld. Geschäftsführer ist Klaus-Peter Schöppner. [52] 2002 hatte das Unternehmen 321 Mit­arbeiter, die im gleichen Jahr einen Umsatz von 43,5 Millionen Euro erwirtschafte­ten. [53]

Priorität-Streit

Aus der Konkurrenz zwischen den Meinungsforschungsinstituten entwickelten sich in den Anfangsjahren regelrechte Feindschaften wie die zwischen Noelle-Neumann und von Stackelberg. [54] So tobte über Jahre hinweg zwischen Allensbach und Emnid der so genannte Priorität-Streit. Heftig umstritten war, welches der beiden Institute das erste war. Eberlein kommt zu dem Ergebnis, dass Emnid wohl früher gegründet wurde, aber Allensbach „anscheinend früher Meinungsumfragen nach der Methode der modernen Meinungsforschung durchgeführt“ hat. [55]

Forsa

Die Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse mbH wurde 1984 in Köln durch Manfred Güllner, der auch heute noch Geschäftsführer ist, gegründet. Derzeit arbeiten mehr als 60 fest angestellte Mitarbeiter für das Institut, das mittlerweile seinen Hauptsitz in Berlin und Niederlassungen in Dortmund und Riga hat. [56] Der Umsatz belief sich im Jahr 2002 auf circa 9 Millionen Euro. [57]

Als einziges der „wichtigen“ Meinungsforschungsinstitute führt Forsa mit omniTel® eine tägliche Mehrthemenumfrage durch. Dafür werden, außer an Wochenenden und Feiertagen, bundesweit jeden Tag 1.000 repräsentativ ausgewählte Personen befragt. [58] Seit 2004 hat Forsa auf dem Nachrichtenkanal n-tv mit n-tv forsa ein eige­nes wöchentliches Umfragemagazin, bei dem die vom Institut vorher ermittelten „Ansichten der Deutschen zu politischen und gesellschaftlichen Themen“ aufberei­tet werden. [59]

In der Branche der Meinungsforscher gelten Forsa, und insbesondere dessen Leiter Güllner, als Außenseiter. So distanzierten sich vor der Bundestagswahl 1994 die Kollegen anderer Umfrageinstitute, darunter Emnid, FGW und IfD, öffentlich von Güllners Voraussage, die FDP werde an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Und auch die aktuellen Zahlen des Berliner Instituts sind nicht unumstritten. Laut Spiegel vom 6. August 2007 meiden die Konkurrenten Güllner „und wundern sich über seine Daten. 'Die Hexenküche des Herrn Güllner erschließt sich nicht für Außen­stehende', sagt der Chef der Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, Klaus-Peter Schöppner.“ [60]

Forschungsgruppe Wahlen

Die Forschungsgruppe Wahlen e. v. (FGW), Institut für Wahlanalysen und Gesell­schaftsbeobachtung, wurde 1974 von wissenschaftlichen Mitarbeitern der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Mannheim gegründet. Zuvor waren die drei Gründungsvorstände Manfred Berger, Wolfgang Gibowski und Dieter Roth Mitarbei­ter des Mannheimer Wahlforschungsteams um den Wahlsoziologen Rudolf Wilden­mann gewesen, das schon seit 1965 Hochrechnungen und Prognosen für das ZDF durchgeführt hatte. [61] Nachdem sich die FG Wahlen kurze Zeit später als Verein aus der Universität ausgliedert hatte, errichtete Wildenmann das stärker wissenschaft­lich ausgerichtete Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA). [62]

Die als Non-Profit-Institut organisierte FGW arbeitet auf Kostenerstattungsbasis ausnahmslos für das ZDF als einzigen Auftraggeber. [63] Seit 1977 wird von der FGW das Politbarometer erhoben und im ZDF veröffentlicht. Zunächst monatlich, mittler­weile mindestens 18-mal im Jahr werden mit dem Politbarometer die politische Stimmung und andere Einstellungen und Meinungen in Politik und Gesellschaft erfasst. Diese und alle weiteren von der FGW erhobenen Daten stehen der wissen­schaftlichen Öffentlichkeit über das Zentralarchiv für empirische Sozialforschung an der Universität Köln für Analysezwecke zur Verfügung. [64]

Die Forschungsgruppe Wahlen e. V. hat ihren Sitz in Mannheim und wird von einem dreiköpfigen Vorstand geleitet, dem Matthias Jung als Sprecher sowie Claus Laem­merhold und Andrea Wolf angehören. Im Jahr 2002 wurde von 29 fest angestellten Mitarbeitern ein Umsatz von 2,8 Millionen Euro erwirtschaftet. [65] Allerdings arbeitet die FGW keineswegs nur als reine Non-Profit-Organisation. Da der Name For­schungsgruppe Wahlen e. V. vertraglich exklusiv für das ZDF reserviert ist, unter­hält die FGW mit dem Institut für praxisorientierte Sozialforschung (ipos) einen pri­vatwirtschaftlichen Arm, der Forschungsarbeiten für andere Auftraggeber über­nimmt. Ipos wurde 1973 gegründet und ist ein privates Einzelunternehmen von Matthias Jung, der auch Vorstand der FGW ist. [66] Darüber hinaus gruppieren sich noch zwei weitere Gesellschaften um den eingetragenen Verein. 1994 wurde die Umfrageabteilung der FGW in eine eigenständige Firma ausgegliedert. Seither ist die Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH für alle Umfragen der FGW und ipos zuständig. Anfang 2000 wurde die Forschungsgruppe Wahlen Online GmbH gegründet, die umfassende Untersuchungen im Internet, wie etwa das Deutsche-Internet-Barometer ™, anbietet . [67]

Infratest / Infratest dimap

1947 wurde am zeitungswissenschaftlichen Seminar der Universität München von einer Gruppe junger Studenten das Institut zur Erforschung der Wirkung publizisti­scher Mittel gegründet. Nachdem zwischenzeitlich einzelne Abteilungen aus der Universität herausgelöst worden waren, wurde das Institut 1955 durch zwei Grün­dungsmitglieder, die Eheleute Lena-Renate und Wolfgang Ernst, komplett ausge­gliedert und in Infratest Marktforschung und Sozialforschung KG umbenannt. Ab dem Ende der 1950er Jahre betrieb das Institut eine intensive Expansionspolitik, aus der in der Folgezeit zahlreiche Tochterfirmen mit unterschiedlichen Ausrichtun­gen, wie etwa die politische Demoskopie, hervorgingen. [68] In den 1980er Jahren richtete sich Infas international aus und kaufte die europäischen Gesellschaften des US-Marktforschungsinstituts Burke. 1998 erwarb NFO Worldwide das Institut. Nachdem NFO 2003 durch den Konzerns Taylor Nelson Sofres (TNS) aufgekauft wurde, ist Infratest Teil der weltweit tätigen TNS-Gruppe, zu der auch Emnid gehört. Wie bereits unter Emnid geschildert sind beide Institute seit 2005 unter dem Namen TNS Infratest vereint. Ausgenommen davon sind die Medien-, Politik- und Sozialfor­schung, die weiterhin getrennt unter den bisherigen Namen TNS Infratest und TNS Emnid operieren. [69]

Eine eigene Sparte bildet Infratest dimap. 1990 gründete Infratest in Berlin das Institut Infratest Burke Berlin, um das Zusammenwachsen der alten und neuen Bun­desländer wissenschaftlich zu untersuchen. Seit 1991 wurde dort auch Politk- und Wahlforschung betrieben. Das Berliner Infratest-Institut erhielt im Herbst 1996 ge­meinsam mit dem Institut dimap aus Bonn von der ARD den Auftrag für die Wahl­forschung im Rahmen der ARD-Wahlberichterstattung. Sie gründeten die gemein­same Gesellschaft Infratest dimap und lösten Infas bei der ARD-Wahlberichterstat­tung ab. Infratest dimap ist eine Tochtergesellschaft der TNS Infratest München, die mit 74 Prozent Mehrheitsgesellschafterin ist, die restlichen 26 Prozent der Anteile hält dimap Bonn. Beide Gesellschaften betreiben in verschiedenen Feldern weiter­hin eine eigene Politikforschung. [70]

Für die Infratest dimap Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung mbH mit Sitz in Berlin arbeiten derzeit 20 fest angestellte Mitarbeiter. Geschäftsführer ist Richard Hilmer. [71] Im Jahr 2002 betrug der Umsatz 4,6 Millionen Euro. [72] Seit 1997 ermitteln die Berliner Meinungsforscher im Auftrag der ARD und derzeit sieben Tageszeitun­gen monatlich den ARD-Deutschlandtrend. Neben Meinungen zu aktuellen Themen werden politische Trends wie die Sonntagsfrage erfragt. Vor Bundestagswahlen wird der Deutschlandtrend häufiger erhoben. [73]

Durch die Muttergesellschaft TNS Infratest Sozialforschung München wird auch der ebenfalls in Berlin ansässige Bereich Politikforschung unterhalten, der nach eige­nen Angaben mit Infratest dimap eng zusammenarbeitet. [74] Angesichts der engen Zusammenarbeit und der gemeinsamen Dachmarke werden Infratest und Infratest dimap bei der folgenden Untersuchung zusammengefasst.

2.1.5 Trends und Probleme

An den vorgestellten Meinungsforschungsinstituten kann gut der Strukturwandel abgelesen werden, dem die Branche unterworfen ist. Lange Jahre gaben kleine und mittelständische Unternehmen den Ton an, die von der Aura ihrer Gründer und Inhaber geprägt waren. Im Laufe der 1980er Jahre übernahm dann eine neue Ge­neration von Geschäftsführern die Institute und „an die Stelle der Inhaber trat nun ein effizientes Management.“ [75] Ein weiter Facette sind die Internationalisierungs- und Konzentrationsprozesse innerhalb der Branche. Wie das Beispiel von Emnid und Infratest zeigt, gehört Inzwischen ein großer Teil der Institute zu weltweit agie­renden Konzernen. Nur noch wenige Umfrageinstitute, wie etwa Forsa und das IfD Allensbach, behaupten sich als mittelgroße Unternehmen auf dem Markt, [76] wobei auch sie mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben bzw. hatten. So schildert Noelle-Neumann in ihren Erinnerungen, dass im Jahr 1987 „das Allensbacher Insti­tut nahezu bankrott“ gewesen sei. [77] Und Forsa-Chef Güllner befürchtet, „daß ange­sichts der wachsenden Größe der großen Marktforscher die kleineren Anbieter in die Enge getrieben werden.“ [78]

Ein anderes Problem der deutschen Meinungsforschungsinstitute ist ihre vermeint­liche Parteinähe. Der Geschäftsführer der Niederlassung von Gallup in Deutsch­land, Gerald Wood, sah angesichts des „Prognosedebakels“ zur Bundestagswahl 2005 in der Parteinähe der deutschen Umfrageinstitute ein „ernsthaftes Problem“. [79] Und Raupp kommt zu dem Ergebnis: „Von Beginn an war die Meinungsforschung ein parteinahes Geschäft; die Beziehungen zwischen den Auftraggebern aus der Politik und einzelnen Meinungsforschern waren sehr eng.“ [80] Zwar kann keines der Umfrageinstitute eindeutig einer bestimmten Partei oder Richtung zugeordnet wer­den, doch eine gewisse Nähe ist bei einigen nicht zu übersehen. [81] Denn auch bei allerbesten Absichten ist es für die Demoskopen nicht leicht, ein parteinahes Ge­schäft wie die Meinungsforschung parteiunabhängig zu betreiben. So versorgt etwa das Allensbacher Institut schon seit Anfang der 1950er Jahre die Union mit Umfra­gedaten und Noelle-Neumann bezeichnet sich selbst als Freundin Helmut Kohls. [82] Dagegen arbeitete die SPD vorwiegend mit Infas und später mit Forsa zusammen, [83] wobei sich das Verhältnis zwischen Forsa-Leiter Güllner und den Sozialdemokraten in den vergangenen Monaten merklich abgekühlt hat.

Doch an der These der Parteinähe als Ursache für falsche Prognosen sind Zweifel angebracht. Denn durch „manipulierte“ Umfrageergebnisse würden sich die Institute selbst schaden. Spätestens mit Bekanntgabe des Wahlergebnisses sind die Zahlen vergleichbar und eine fortwährende deutliche Abweichung zwischen ermittelten Umfrageergebnissen und tatsächlichem Wahlausgang würde die oben beschriebe­ne Werbewirkung ins Gegenteil verkehren. Auf Dauer könnte es sich also kein Umfrageinstitut leisten, seine Zahlen in die eine oder andere Richtung zu „frisieren“. Freilich kann einigen Instituten eine gewisse Nähe zu bestimmten Politikern und Parteien nicht gänzlich abgesprochen werden.

Unabhängig von der Diskussion über Parteinähe und persönliche Freundschaften dürften sich für alle Institute die enormen Abweichungen der ermittelten Umfrage­daten vom tatsächlichen Wahlergebnis bei der vergangenen Bundestagswahl im September 2005 nicht gerade positiv auf ihr Prestige ausgewirkt haben. Zwar hatte es auch in der Vergangenheit immer wieder Differenzen gegeben, doch diesmal lag der Abstand zwischen Umfrageergebnissen und amtlichem Zweitstimmenergebnis besonders weit auseinander. Gerade die Prognosen für die Unionsparteien wichen im Mittel bei allen großen Instituten um mehr als sechs Prozentpunkte vom amtli­chen Endergebnis ab (vgl. Tabelle 1). In seinem Heft vom 6. Februar 2006 stellte der Spiegel fest, die Meinungsforscher würden sich immer häufiger irren. „Ihre Prognosen stimmen nicht mehr, die Zahlen sind zu hoch oder zu niedrig, und für jemanden, der mit Zahlen handelt, ist das unangenehm.“ [84]

Tabelle 1: Die letzten Umfragen zur Bundestagswahl

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an http://www.wahlrecht.de/umfragen/archiv/2005.htm, zugegriffen am 10.09.2007.

Das Vorhersagedebakel bei der vergangen Bundestagswahl hat die Branche nach­haltig verunsichert. Das größte Problem für die Demoskopen ist die immer größer werdende Zahl der unentschlossenen Wähler. Nach Holtz-Bacha dürften die Unsi­cherheiten der Demoskopie neben den spezifischen Bedingungen der Wahlen auf allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen zurückzuführen sein. Es gebe vermehrt Anzeichen, dass die in Deutschland traditionell hohe Parteibindung lockerer und so­mit die Wahlentscheidungen schwankender werden. Immer mehr Wähler seien selbst in der heißen Wahlkampfphase noch unentschlossen und würden ihre Ent­scheidung erst sehr spät treffen. [85] An ihren Methoden zweifeln die Meinungsforscher indes nicht. Güllner sagt etwa im Spiegel: „Unser Handwerkszeug werden wir gar nicht ändern. Das ist seit Jahren ausgereift. Die Interpretation ist das Entscheiden­de.“ [86]

Auch wenn es die Meinungsforscher nicht gerne hören, das ein oder andere metho­dische Problem müssen sie sich wohl doch eingestehen. So gibt es etwa neben den Wählern, die bei Meinungsumfragen ihre tatsächlichen Absichten verbergen und nicht die Wahrheit sagen, wie es oft bei Anhängern extremer Parteien vorkommt, ein neues Phänomen: Die Abtastlücke. Dieser Begriff aus der Physik umschreibt das Problem der Meinungsforscher, dass bei Telefonumfragen all diejenigen aus der Stichprobe fallen, die über keinen Festnetzanschluss verfügen. Und diese Zahl steigt. Immer mehr Menschen in Deutschland verzichten auf ihren Festnetzan­schluss und sind nur noch über Handy zu erreichen. Laut tagesschau.de verab­schieden sich jeden Monat bundesweit mehr als 125.000 Menschen von ihrem Festnetzanschluss, die meisten benutzen danach ausschließlich ihr Mobiltelefon. Infratest dimap-Geschäftsführer Hilmer sieht zwar die Vorteile telefonischer Umfra­geverfahren immer noch weitaus größer als dessen Nachteile. „Aber langfristig sei es sicherlich notwendig, diese ,Erhebungsmethode durch andere zu ergänzen, um bestimmte Bevölkerungsgruppen weiter zu erreichen'.“ [87]

Ob die Demoskopen bei kommenden Wahlen mit ihren Vorhersagen wieder näher am tatsächlichen Wahlergebnis liegen, wird abzuwarten bleiben. N achdem die Ent­wicklung der Demoskopie und besonders die deutschen Umfrageinstitute samt ihrer Probleme näher beschrieben wurden, soll nun die Verwendung ihrer Ergebnisse in den Massenmedien näher beleuchtet werden. Dabei wird auch auf das nicht immer spannungsfreie Verhältnis zwischen Journalismus und Demoskopie eingegangen.

2.2 Umfrageergebnisse als Nachrichten

Meinungsumfragen stoßen in den Massenmedien auf eine rege Nachfrage. Ihre Verwendung gehört heute unzweifelhaft zur normalen journalistischen Praxis. Frankovic stellt fest: „Polls are not only part of the news today, they are news.“ [88] Warum dies so ist, soll im Folgenden herausgearbeitet werden. Dazu wird zunächst ein kurzer Überblick über die verschiedenen Theorien und Ansätze der Nachrichten­auswahl-Forschung gegeben, im Anschluss daran folgen einige grundsätzliche Aus­sagen über das Verhältnis zwischen Journalismus und Demoskopie.

2.2.1 Theorien und Ansätze der Nachrichtenauswahl-Forschung

Warum berichten die Massenmedien über bestimmte Themen und Ereignisse und über andere nicht? Mit dieser Fragestellung beschäftigen sich schon seit Jahrzehn­ten mehrere Forschungsansätze in der Publizistikwissenschaft. Kepplinger unter­scheidet die klassischen Forschungsrichtungen in drei Ansätze: den Gatekeeper-Ansatz, den News-Bias-Ansatz und die Nachrichtenwert-Theorie. [89]

Der Gatekeeper-Ansatz stellt den Journalisten in den Mittelpunkt der Untersuchun­gen. Die Rolle des Journalisten wird mit der eines Schleusenwärters oder Torhüters verglichen. Dieser „Gatekeeper“ entscheidet darüber, wer oder was das Tor passie­ren darf. [90] Der Ansatz geht auf die 1950 von White veröffentlichte Einzelfallstudie „The ,Gate Keeper': A Case Study in Selection of News“ zurück. White ergründete, welche Nachrichten vom wire-editor einer kleinen amerikanischen Zeitungsredakti­on, den er „Mr. Gates“ nannte, für die Zeitung verwendet bzw. nicht verwendet wur­den. Er konnte zwei Klassen von Selektionskriterien ausmachen: Einerseits kann das Ereignis selbst aus meist subjektiven Gründen nicht berichtenswert sein und andererseits kann es dem „technischen“ Selektionszwang zum Opfer fallen, d. h. die Nachricht ist etwa zu lang oder zu spät eingetroffen. [91] Die Gatekeeper-For­schung ging zunächst davon aus, dass mehr oder weniger subjektive Kriterien die Nachrichtenauswahl beeinflussen und der wire-editor als eher passiver Gatekeeper agiert. [92] Die journalistischen Produkte, also die Berichterstattung, oder das soziale Umfeld des Journalisten, wie medieninterne Produktionsbedingungen oder institu­tionelle Dispositionen, wurden kaum berücksichtigt. Der Ansatz beruht auf dem Stimulus-Response-Modell, wobei die Ereignisse als Stimuli, die journalistische Selektionsentscheidung als intervenierende Variable und die Veröffentlichung schließlich als Response angesehen werden. [93]

Der News-Bias-Ansatz beschäftigt sich vor allem mit den persönlichen Überzeugun­gen der Journalisten und deren Einfluss auf die Nachrichtenauswahl. Dieser For­schungszweig versucht den Zusammenhang von individuellen Einstellungen und Werthaltungen der Journalisten und nicht-individualistischen Einflüssen, wie einer­seits die redaktionelle Linie und andererseits Merkmale der Berichterstattung, zu erklären. So stellten Klein und Maccoby eindeutige Mängel hinsichtlich der Objekti­vität der Berichterstattung über den amerikanischen Wahlkampf im Jahr 1952 fest. [94] Auch durch nachfolgende Studien wurden unter bestimmten Bedingungen Einseitig­keiten der Berichterstattung nachgewiesen. Flegel und Chaffee etwa konnten einen deutlichen Einfluss der Ansichten von Journalisten auf die Berichterstattung über konflikthaltige Themen nachweisen. [95]

Die Nachrichtenwert-Theorie konzentriert sich vor allem auf die Merkmale von Er­eignissen, über die berichtete wird. Der Nachrichtenwert wird einer Nachricht durch entsprechende Nachrichtenfaktoren verliehen, die als Eigenschaften von Ereignis­sen verstanden werden. Im Kern geht die Nachrichtenwert-Theorie davon aus, dass Ereignisse, auf die mehrere Nachrichtenfaktoren in hohem Maße zutreffen, eher beachtet und zur Veröffentlichung ausgewählt werden. Bereits 1922 identifizierte Lippmann spezifische Ereignismerkmale, von denen er annahm, dass sie die Publi­kationswahrscheinlichkeit erhöhen. [96] Im Laufe der Zeit wurde die Nachrichtwert-Theorie immer weiter entwickelt. In den 1960er Jahren stellten die norwegischen Friedensforscher Östgaard und Galtung/Ruge Kataloge von Ereignismerkmalen auf, die Journalisten für besonders berichtenswert halten. Östgard kam zu dem Schluss, dass in erster Linie die drei Kriterien Vereinfachung, Identifikation und Sensationalismus die Berichterstattung bestimmen. [97] Galtung/Ruge entwickelten ei­nen Katalog von zwölf Faktoren für den Nachrichtenwert, welche die Auswahl der Journalisten bestimmen, wie etwa Bedeutsamkeit (kulturelle Nähe/Betroffenheit), Konsonanz, Überraschung, Personalisierung und Negativismus. [98] Neuere Studien belegen, dass die einzelnen Nachrichtenfaktoren einen gattungsspezifisch unter­schiedlichen Nachrichtenwert besitzen. Kepplinger/Bastian stellten anhand einer Regressionsgleichung den Einfluss der Nachrichtenfaktoren sowie ihres jeweiligen Nachrichtenwertes auf den Umfang bzw. die Platzierung von Meldungen fest. Mit durch die Reggressionsgleichung ermittelten Indizes können empirisch prüfbare Prognosen ermöglicht werden. [99]

Nach Kepplinger lassen sich aus den drei genannten Ansätzen der Nachrichtenaus­wahl-Forschung neun für die journalistische Selektionsentscheidung ausschlagge­bende Einflussfaktoren unterscheiden:

1. Objektive Ereigniseigenschaften (z. B. Dauer, Distanz, Anzahl der beteiligten Personen),
2. Subjektiv zugewiesene Ereigniseigenschaften (z. B. kulturelle Nähe, Prominenz, Schaden),
3. Objektive Nachrichtenmerkmale (z. B. Länge, Zeitpunkt der Verfügbarkeit, sach­liche Richtigkeit),
4. Subjektiv zugewiesene Nachrichtenmerkmale (z. B. Verständlichkeit, Prägnanz der Formulierung),
5. Subjektive Werte und Ziele der Journalisten (z. B. politische Einstellungen, indivi­duelle Karrieremotive),
6. Formelle Verhaltenserwartungen an Journalisten (z. B. Presserecht, Presse­kodex),
7. Informelle Verhaltenserwartungen an Journalisten(z. B. sozialer Druck),
8. Formelle Weisungen an Journalisten (z. B. Richtlinienkompetenz von Verleger und Chefredakteur),

9. Organisatorische Zwänge (z. B. Technik, Zeit, Platz). [100]

Die sich vor diesem Hintergrund stellende Frage, welche dieser Einflussfaktoren von Bedeutung sind, Wahlumfrageergebnisse zu Nachrichten werden zu lassen, soll im Folgenden betrachtet werden.

2.2.2 Der Nachrichtenwert von Umfragedaten

Hinsichtlich des Nachrichtenwertes von Umfragen stellt Hardmeier fest, „dass mit Befragungen vor allem mediale Ereignisse und Schlagzeilen kreiert werden. Weil Befragungen zahlreiche Nachrichtenfaktoren erfüllen können, zum Unterhaltungs­wert oder zur Erzeugung von Spannung beitragen und unabhängig von äußeren Ereignissen von den Medienschaffenden selbst einsetzbar sind, sind sie bei den Medien so beliebt.“ [101] Wahlumfragen gelten als besonders berichterstattenswert. Oder wie Paletz und Kollegen formulieren: „Polls are newsworthy: they are topical, relate directly to issues in the news, are up to the moment.“ [102]

Weil Wahlen als der bedeutendste Ausdruck öffentlicher Meinung gelten und unmit­telbaren Einfluss auf das politische Geschehen haben, steht nach Crespi die Wahl­berichterstattung an der Spitze der politischen Berichterstattung. [103] Die Möglichkeit, den Ausgang von Wahlen mittels Umfragedaten als aktuell geäußerte Wahlabsicht oder als Trendexploration voraussagen zu können, entspricht dem journalistischem Aktualitätskriterium: „News is what is happening now, or is about to happen, not was what happened last week – or even yesterday.“ [104] Laut Donsbach gelten Wahl­umfrageergebnisse somit als eine Nachrichtenart, „die einen extrem hohen Informa­tionswert besitzt: bereits Wochen vor einer Wahl zu wissen, wer der Sieger sein wird.“ [105]

Bis vor wenigen Jahren nahm bei repräsentativen Umfragen die Datenerhebung und deren Auswertung lange Zeit in Anspruch und kollidierte oftmals mit den jour­nalistischen Aktualitätsanforderungen. Doch durch technische Weiterentwicklungen, wie etwa computergestützte Telefoninterviews (CATI), können Umfragen immer schneller durchgeführt werden. Mittlerweile ist es möglich, innerhalb weniger Stun­den Befragungen zu aktuellen Themen vorzunehmen und deren Ergebnisse aufzu­bereiten. Wenngleich die Daten solcher over-night-polls oder anderer Blitzumfragen mit Vorsicht zu genießen sind. Sowohl Brettschneider als auch Donovitz weisen auf die Gefahr der Fehlinterpretation der Daten hin, da es sich lediglich um Momentauf­nahmen und nicht um gefestigte, langfristige Meinungen der Befragten handelt. [106]

Die Berichterstattung über Wahlumfragen kann, je nach deren Ergebnis, auch die Kriterien Überraschung oder Konsonanz erfüllen. Überraschende Umfrageergeb­nisse können ebenso zur Nachricht werden wie eine Bestätigung der bisherigen Zahlen. Hinzu kann der Faktor Negativismus kommen, wenn sich etwa die Umfra­gewerte für eine Partei oder einen Kandidaten verschlechtern. Und dem Faktor Personalisierung kommen die Demoskopen mit dem Abfragen der Beliebtheit oder der Kompetenz einzelner Politiker in immer größerem Maße entgegen.

Wahlumfragen sind auch deshalb berichtenswert, weil viele Rezipienten ein Interes­se an der Meinung ihrer Mitmenschen haben. Aus Isolationsfurcht beobachten sie ihre Umwelt, um das Meinungsklima abzuschätzen und mit der eigenen Meinung zu vergleichen. [107] Raupp beschreibt: „Zu den vornehmlichen Aufgaben der Medien gehört das ,reporting on the public mind', und Umfragen messen Meinungsvertei­lungen in der Bevölkerung, die gemeinhin als öffentliche Meinung interpretiert wer­den.“ [108] Durch die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen wird es den Rezipien­ten also ermöglicht, sich über die Meinung anderer einen Überblick zu verschaffen oder die eigenen Ansichten mit denen anderer zu vergleichen.

Nach Donsbach/Weisbach haben Umfrageergebnisse „für die Medien aus ver­schiedenen Gründen einen hohen Nachrichtenwert: Sie sind konkret, lassen sich anschaulich darstellen und spitzen das Thema Wahlkampf auf ein einfaches Wett­rennen (,horse race') zu.“ [109] Wahlumfragen werden also in vielfacher Hinsicht den journalistischen Selektionskriterien gerecht und es ist eine hohe Publikationswahr­scheinlichkeit zu erwarten. Darüber hinaus wird sich der zur Verfügung stehende Platz bzw. die zur Verfügung stehende Sendezeit auf die Veröffentlichung von Um­fragen auswirken. Donovitz schlussfolgert: „Stehen den Journalisten Wahlumfrage­ergebnisse erst einmal [...] zur Verfügung, ist ihrer Veröffentlichung nachrichtenfak­toriell gesehen sehr wahrscheinlich.“ Durch ökonomische Allianzen sei eine Veröf­fentlichung in vielen Fällen geradezu zwingend. [110]

2.2.3 Instrumentelle Aktualisierung von Umfrageergebnissen

Neben den objektiven und subjektiv zugewiesenen Ereigniseigenschaften und Nachrichtenmerkmalen können die subjektiven Wert- und Zielvorstellungen der Journalisten ein weiterer Einflussfaktor für die Auswahlentscheidung sein.

Kepplinger weist in seiner Theorie der instrumentellen Aktualisierung nach, dass gerade westdeutsche Journalisten unter bestimmten Umständen Informationen, die sie in ihren Veröffentlichungen verwenden, bewusst oder unbewusst gemäß ihrer eigenen Konfliktsicht auswählen. Bei politisch kontroversen Themen spielen Journalisten diejenigen Ereignisse hoch, die ihrer Konfliktsicht entsprechen, während sie konträre Ereignisse herunterspielen. Sie sprechen also solchen Informationen, die ihren Konfliktstand stützen, einen höheren Nachrichtenwert zu als Informationen, die ihrem persönlichen Standpunkt zuwiderlaufen. [111] Auch werden Quellen, wie etwa Expertenaussagen, häufig in Übereinstimmung mit der eigenen Meinung aus­gewählt und zitiert. Hagen nennt diese Quellen „opportune Zeugen“. [112] Eine interna­tional vergleichende Studie von Nachrichtenjournalisten ergab, „dass der Zusam­menhang zwischen eigener Meinung und Nachrichtenentscheidung bei deutschen Journalisten besonders ausgeprägt ist. [113]

[...]


* Von 1968 bis 2001 wurden die Abkürzungsbuchstaben der Freien Demokratischen Partei durch so genannte "werbliche Stopper", die Pünktchen, getrennt. Seit 2001 verzichtet die FDP auf das „Pünktchen-Logo“, weil die Punkte nicht im Internet verwendet werden konnten und dieses Medium bei künftigen Wahlkämpfen ein Schlüsselmedium sein soll. (Quelle: http://www.fdp-bundesverband.de/webcom/show_ article.php/_c-512/_nr-1/i.html, zugegriffen am 14.08.2007).

[1] Um der Kürze und Übersichtlichkeit Willen werden in dieser Arbeit nicht beide geschlechtsspezifi­schen Bezeichnungen verwendet. Ich bitte die Leserinnen, sich trotzdem stets angesprochen zu füh­len.

[2] Die Zeit: Wahlen nach Zahlen. In: Die Zeit 33/2005, S. 4.

[3] Vgl. Verzeichnis der untersuchten Artikel der Inhaltsanalyse im Anhang dieser Arbeit.

[4] Vgl. Spangenberg, Frits (Foundation for Information): The Freedom to Publish Opinion Polls. Report on a Worldwide Update. ESOMAR/WAPOR, Amsterdam, Lincoln 2003 und Donsbach, Wolfgang: Public Opinion Polls: Legal Regulation. In: The International Encyclopedia of Elections. Washington, D.C. 2000, S. 246 f.

[5] Süddeutsche Zeitung: Die mit dem Schepperle. In: Süddeutsche Zeitung vom 23.09.2005, S. 39.

[6] Frankfurter Allgemeine Zeitung: Demokratie dank Demoskopie: Mehrheit als Meinung. In: Frank­furter Allgemeine Zeitung vom 26.9.2005, S. 37.

[7] Vgl. Kaase, Max: Politische Meinungsforschung in der Bundesrepublik Deutschland. In: Politi-sche Vierteljahresschrift 18 (1977), S. 471. (im Folgenden zit. als Kaase, Politische Meinungs-forschung, 1977).

[8] Vgl. Raupp, Juliana: Politische Meinungsforschung. Die Verwendung von Umfragen in der politi­schen Kommunikation. Konstanz 2007, S. 14 f. (im Folgenden zit. als Raupp, Politische Meinungs­forschung, 2007). Solche Trendexplorationen werden auf der Grundlage der Momentaufnahmen unter Berücksichtigung weiterer Variablen vorgenommen. Diese Trendberechnungen sind jedoch im Unterschied zu den Ergebnissen über momentane Wählermeinungen sehr selten und stehen nur dem Auftraggeber (in der Regel den politischen Parteien) zur Verfügung. Oft werden diese Daten wissenschaftstheoretisch ungenau als „Wahlprognosen“ bezeichnet. Vgl. dazu Eberlein, Klaus D.: Möglichkeiten und Grenzen der Meinungsforschung. Kritische Betrachtungen zu Geschichte, Methoden und Interpretationsweisen. Berlin 2001, S. 85 ff. (im Folgenden zit. als Eberlein, Meinungsforschung, 2001).

[9] Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 117.

[10] Gallus, Alexander und Lühe, Marion: Öffentliche Meinung und Demoskopie. Opladen 1998, S. 7 (im Folgenden zit . als Gallus/Lühe, Öffentliche Meinung, 1998).

[11] Ebd., S. 50 f.

[12] Ebd., S. 51 ff.

[13] Ebd., S. 56 ff.

[14] Ebd., S. 61 f.

[15] Rosenberger, Sieglinde K. und Seeber, Gilg: Kopf an Kopf. Meinungsforschung im Medienwahl­kampf. Wien 2003, S. 36 f.

[16] Gallus, Alexander: Demoskopie in Zeiten des Wahlkampfs. „Wirkliche Macht“ oder „Faktor ohne politische Bedeutung“?. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 15-16 ( 2002), S. 29 (im Folgenden zit . als Gallus, Demoskopie, 2002).

[17] Kruke, Anja: Demoskopie in der Bundesrepublik Deutschland. Meinungsforschung, Parteien und Medien 1949 – 1990. Düsseldorf 2007, S. 33 (im Folgenden zit. als Kruke, Demoskopie, 2007).

[18] Noelle-Neumann, Elisabeth und Petersen, Thomas: Alle, nicht jeder. Einführung in die Methoden der Demoskopie. Berlin u. a. 2000, S. 209.

[19] Gallus/Lühe, Öffentliche Meinung, 1998, S. 64.

[20] Gallus, Demoskopie, 2002, S. 29.

[21] Kruke, Demoskopie, 2007, S. 31.

[22] Eberlein, Meinungsforschung, 2001, S. 70.

[23] Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 118 f.

[24] Decker, Frank und Zadra, Dirk: Politische Meinungsforschung in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz nach 50 Jahren. In: Zeitschrift für Politikwissenschaft 11 (2001), S. 37 (im Folgenden zit. als Decker/Zadra, Politische Meinungsforschung, 2001).

[25] Ebd.

[26] Vgl. Kruke, Demoskopie, 2007, S. 44 ff., Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 119 f. und Decker/Zadra, Politische Meinungsforschung, 2001, S. 37.

[27] Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 125.

[28] Vgl. Decker/Zadra, Politische Meinungsforschung, 2001, S. 37 und Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 129.

[29] ADM Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e. v.: Zahlen. Die Entwicklung der Marktforschung in Deutschland.

[30] Decker/Zadra, Politische Meinungsforschung, 2001, S. 38.

[31] Vgl. Kruke, Demoskopie, 2007, S. 198 ff. und Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007,

S. 123 f.

[32] Infas Institut für angewandte Sozialwissenschaften GmbH: 25 Jahre Wahlberichterstattung für die ARD. Bonn-Bad Godesberg 1990, S. 5 ff. (im Folgenden zit. als Infas, 25 Jahre,1990).

[33] Vgl. Infas, 25 Jahre, 1990, S. 20 ff. und Decker/Zadra, Politische Meinungsforschung, 2001, S. 49.

[34] Context 8, 1991, zit. nach Gellner, Winand: Demoskopie, Politik, Medien. Anmerkungen zu einem problematischen Verhältnis. In: Jarren, Ottfried; Schatz, Heribert; Weßler, Hartmut (Hrsg.): Medien und politischer Prozeß. Politische Öffentlichkeit und massenmediale Politikvermittlung im Wandel. Opladen 1996, S. 175.

[35] Decker/Zadra, Politische Meinungsforschung, 2001, S. 41 und I nfas Institut für angewandte Sozialwissenschaften GmbH: ÜBER infas / GESCHICHTE. In: http://www.infas.de/.

[36] Vgl. I nfas Institut für angewandte Sozialwissenschaften GmbH: ÜBER infas / GESCHICHTE. In: http://www.infas.de/, Hunzinger, Moritz. In: http://www.hunzinger.de/home2/deutsch1.htm und Action Press Holding AG: Investor Relations. In: http://www.actionpressholdingag.de/site/

investor_relations/organigramme/ap_holding.pdf.

[37] Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 132 und ADM Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e. v.: Jahresbericht 2005, S. 7.

[38] Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 132.

[39] Decker/Zadra, Politische Meinungsforschung, 2001, S. 39.

[40] Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 133.

[41] Decker/Zadra, Politische Meinungsforschung, 2001, S. 39.

[42] Noelle-Neumann, Elisabeth: Die Erinnerungen. München 2006, S. 151 (im Folgenden zit. als Noelle-Neumann, Erinnerungen, 2006).

[43] Ebd., S. 151 f.

[44] Stiftung Demoskopie Allensbach: Stiftungszweck. In: http://www.stiftung-demoskopie.de/.

[45] Lianos, Manuel: Wahlen nach Zahlen. Wo steht die Demoskopie? Eine Bestandsaufnahme. In: Politik & Kommunikation 7 (2003), S. 20 (im Folgenden zit. als Lianos, Wahlen nach Zahlen, 2003).

[46] Vgl. Eberlein, Meinungsforschung, 2001, S. 103 und Kruke, Demoskopie, 2007, S. 44.

[47] Emnid-Almanach, 1971, zit. nach Eberlein, Meinungsforschung, 2001, S. 102 f.

[48] Vgl. Eberlein, Meinungsforschung, 2001, S. 101.

[49] n-tv: Neues Meinungsmagazin. n-tv Zusammenarbeit mit Forsa. (Mitteilung vom 16.09.2004). In: http://www.n-tv.de/317046.html.

[50] Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 132.

[51] TNS Infratest: 60 Jahre Marktforschung, Meinungsforschung, Marketingberatung. In: http://www.

tns-infratest.com/00_firma/00_003_Firmengeschichte.asp.

[52] TNS Emnid: Political & Social. In: http://www.tns-emnid.com/04_political-social/political-

social.asp.

[53] Lianos, Wahlen nach Zahlen, 2003, S. 20.

[54] Kruke, Demoskopie, 2007, S. 47.

[55] Eberlein, Meinungsforschung, 2001, S. 101 ff.

[56] Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse mbH: über forsa. In: http://www.

forsa.de/.

[57] Lianos, Wahlen nach Zahlen, 2003, S. 20.

[58] Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse mbH: methoden. OmniTel. In: http://www.forsa.de/.

[59] n-tv: n-tv forsa. In: http://www.n-tv.de/427.html.

[60] Der Spiegel: Zahlen aus der Hexenküche. In: Der Spiegel 32/2007, S. 37.

[61] Forschungsgruppe Wahlen: Unternehmen. Forschungsgruppe Wahlen e. V., In: http://www.for-schungsgruppe.de/Unternehmen/Forschungsgruppe_Wahlen_e.V./ (im Folgenden zit. als FGW, Unternehmen, FGW e. V.).

[62] Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 129.

[63] Roth, Dieter: Empirische Wahlforschung. Ursprung, Theorien, Instrumente und Methoden. Opladen 1998, S. 170.

[64] FGW, Unternehmen, FGW e. V.

[65] Lianos, Wahlen nach Zahlen, 2003, S. 20.

[66] Forschungsgruppe Wahlen: Unternehmen. Partner. In: http://forschungsgruppe.de/ Unternehmen/Partner/.

[67] FGW, Unternehmen, FGW e. V.

[68] Vgl. Kruke, Demoskopie, 2007, S. 46f

[69] TNS Infratest: 60 Jahre Marktforschung, Meinungsforschung, Marketingberatung. In: http://www.tns-infratest.com/00_firma/00_003_Firmengeschichte.asp.

[70] Infratest dimap. Experten für die Wahl- und Politikforschung. In: http://www.infratest-dimap.de/?id=5.

[71] Ebd.

[72] Lianos, Wahlen nach Zahlen, 2003, S. 20.

[73] Infratest dimap. ARD-Deutschlandtrend August 2007. In: http://www.infratest-dimap.de/download/

dt0708.pdf (im folgenden zit. als Infratest dimap, Deutschlandtrend). Bei den sieben Tageszeitun­gen handelt es sich um Die Rheinpfalz, Die Welt, Frankfurter Rundschau, Kölner-Stadt-Anzeiger, Sächsische Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Thüringer Allgemeine.

[74] TNS Infratest Sozialforschung: Das Institut. In:http://www.tns-infratest-sofo.com/institut/

index.html.

[75] Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 131.

[76] Ebd., S. 132.

[77] Noelle-Neumann, Erinnerungen, 2006, S. 301.

[78] Frankfurter Allgemeine Zeitung: Meinungs- und Marktforscher in der Kritik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.09.2005, S. 22.

[79] FAZ.NET: Gallup-Institut kritisiert deutsche Wahlforscher. In: FAZ.NET vom 20.9.2005, http://

www.faz.net/s/RubAC861D48C098406D9675C0E8CE355498/Doc~EDC5D3E7E46454D15BE

00F46E95E25A9F~ATpl~Ecommon~Scontent.html.

[80] Raupp, Politische Meinungsforschung, 2007, S. 133.

[81] Decker/Zadra, Politische Meinungsforschung, 2001, S. 39.

[82] Noelle-Neumann, Erinnerungen, 2006, S. 224.

[83] Decker/Zadra, Politische Meinungsforschung, 2001, S. 39.

[84] Der Spiegel: Der Merkel-Malus. In: Der Spiegel 6/2006, S. 67.

[85] Holtz-Bacha, Christina: Bundestagswahl 2005 – die Überraschungswahl. In: Holtz-Bacha, Christi­na (Hrsg.): Die Massenmedien im Wahlkampf. Die Bundestagswahl 2005. Wiesbaden 2006, S. 8 f.

[86] Der Spiegel: Der Merkel-Malus. In: Der Spiegel 6/2006, S. 67.

[87] tagesschau.de: Der junge Mann als blinder Fleck. Probleme bei der Meinungsforschung. In: http://www.tagesschau.de/inland/meldung97582.html.

[88] Frankovic, Kathleen A.: Public Opinion and Polling. In: Graber, Doris; McQuail Denis; Norris, Pippa (Hrsg.): The Politics of News. The News of Politics. Washington, D.C. 1998, S. 150 (im Folgenden zit. als Frankovic, Public Opinion and Polling, 1998).

[89] Kepplinger, Hans Matthias: Theorien der Nachrichtenauswahl als Theorien der Realität. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 15 (1989), S. 3 (im Folgenden zit. als Kepplinger, Theorien der Nachrichtenauswahl, 1989).

[90] Schulz, Winfried: Nachricht. In: Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried; Wilke, Jürgen (Hrsg.): Publizistik. Massenkommunikation. Frankfurt am Main 2002, S. 353 f.

[91] White, David Manning: The „Gate Keeper“: A Case Study in the Selection of News. In: Journalism Quarterly 27 (1950), S. 383 ff.

[92] Vgl. Gieber, Walter: Across the Desk: A Study of 16 Telegraph Editors. In: Journalism Quarterly 33 (1956), S. 423 ff..

[93] Brettschneider, Frank: Wahlumfragen. Empirische Befunde zur Darstellung in den Medien und zum Einfluß auf das Wahlverhalten in der Bundesrepublik Deutschland und den USA. München 1991, S. 13 (im Folgenden zit. als Brettschneider, Wahlumfragen, 1991).

[94] Klein, Malcom W. und Maccoby Nathan: Newspaper Objectivity in the 1952 Campaign. In: Journalism Quarterly 31 (1954), S. 285 ff.

[95] Flegel , Ruth C. und Chaffee, Steven H.: Influence of Editors, Readers, and Personal Opinions on Reporters. In: Journalism Quarterly 48 (1971), S. 645 ff.

[96] Vgl. Lippmann, Walter: Public Opinion. New York 1922.

[97] Vgl. Östgaard, Einar: Factors Influencing the Flow of News. In: Journal of Peace Research 2 (1965), S. 39 ff.

[98] Vgl. Galtung, Johann und Ruge, Mari Holmboe: The Structure of Foreign News. The Presentation of the Congo, Cuba and Cybris Crisis in Four Foreign Newspapers. In Journal of Peace Research 2 (1965), S. 64 ff.

[99] Vgl. Kepplinger, Hans Matthias und Bastian, Rouwen: Der prognostische Gehalt der Nachrichten­wert-Theorie. In: Publizistik 45 (2000), S. 462 ff.

[100] Vgl. Kepplinger, Theorien der Nachrichtenauswahl, 1989, S. 6 f.

[101] Hardmeier, Sibylle: Meinungsumfragen im Journalismus: Nachrichtenwert, Präzision und Publikum. In: Medien & Kommunikationswissenschaft 48 (2000), S. 372.

[102] Paletz, David L. u. a.: Polls in the Media: Content, Credibility, and Consequences. In: Public Opinion Quarterly 44 (1980), S. 496 (Im Folgenden zit. als Paletz, Polls in the Media, 1980).

[103] Vgl. Crespi, Irving: Polls as Journalism. In: Public Opinion Quarterly 44 (1980), S. 462 ff.

[104] Ebd., S. 466.

[105] Donsbach, Wolfgang: Die Rolle der Demoskopie in der Wahlkampf-Kommunikation. Empirische und normative Aspekte der Hypothese über den Einfluß der Meinungsforschung auf die Wählermeinung. In: Zeitschrift für Politik 31 (1984), S. 388.

[106] Brettschneider, Wahlumfragen, 1991, S. 16 und Donovitz, Frank: Journalismus und Demoskopie. Wahlumfragen in den Medien. Berlin 1999, S. 50 (im Folgenden zit. als Donovitz, Journalismus und Demoskopie, 1999).

[107] Vgl. Noelle-Neumann, Elisabeth: Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung – unsere soziale Haut. 6. erweiterte Neuauflage, München 2001 (im Folgenden zit. als Noelle-Neumann, Schweigespirale, 2001).

[108] Raupp, Juliana: Information, Instrumentalisierung, Reflexion: Die widerspruchsvolle Verwendung von Umfragen in der Wahlberichterstattung. In: Holtz-Bacha, Christina (Hrsg.): Die Massenme­dien im Wahlkampf. Die Bundestagswahl 2002. Wiesbaden 2003, S. 117.

[109] Donsbach, Wolfgang und Weisbach, Kerstin: Kampf um das Meinungsklima. Quellen und Inhalte der Aussagen über den möglichen Wahlausgang. In: Noelle-Neumann, Elisabeth; Donsbach, Wolf­gang; Kepplinger, Hans Matthias und Mitarbeiter (Hrsg.): Wählerstimmungen in der Mediendemo­kratie. Analysen auf der Basis des Bundestagswahlkampfs 2002. Freiburg, München 2005, S. 108 (im Folgenden zit. als Donsbach/Weisbach, Kampf um das Meinungsklima, 2005).

[110] Donovitz, Journalismus und Demoskopie, 1999, S. 51.

[111] Kepplinger, Theorien der Nachrichtenauswahl, 1989, S. 11 ff. und Kepplinger, Hans Matthias: Instrumentelle Aktualisierung. Grundlagen einer Theorie publizistischer Konflikte. In: Kaase, Max und Schulz, Winfried (Hrsg.): Massenkommunikation. Theorien, Methoden, Befunde. Opladen 1989, S. 199 ff.

[112] Hagen, Lutz M.: Die opportunen Zeugen. Konstruktionsmechanismen von Bias in der Zeitungsberichterstattung über die Volkszählungsdiskussion. In: Publizistik 37 (1992), S. 444 ff.

[113] Donsbach, Wolfgang: Journalist. In: Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried; Wilke, Jürgen (Hrsg.): Publizistik. Massenkommunikation. Frankfurt am Main 2002, S. 114 (im Folgenden zit. als Donsbach, Journalist, 2002).

Details

Seiten
133
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783836608077
Dateigröße
801 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225496
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Kommunikationswissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
meinungsforschung wahlumfrage bundestagswahlen qualitätspresse meinungsforschungsinstitut

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Titel: Meinungsforschungsinstitute in der Wahlumfrageberichterstattung