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Die Geschichte der Oguzen

Zur Bedeutung der heutigen Oguzen in der aktuellen Weltpolitik

Diplomarbeit 2005 74 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

A. Einleitung

B. Hauptteil

I. Herkunft der türkischen Völker
I.1. Oğuzhan
I.1.1. Aus der Sicht von M. Orhan Bayrak S.14
I.1.2. Aus der Sicht von Y ılmaz Öztuna
I.1.3. Aus der Sicht von Ra šid Ad-Din
I.14. Aus der Sicht von S. Türkmenba ş y S.21

II. Die Seldschuken
II.1. Die Großseldschuken
II.1.1. Arslan Bey
II.1.2. Tu ğrul und Ҫa ğr ı
II.1.3. Tuğrul
II.1.4. Alparslan
II.1.5. Malazgirt
II.1.6. Melik ş ah
II.1.7. Muhammed und Sencer
II.2. Die Rumseldschuken
II.2.1. Süleyman şah
II.2.2. K ılı ҫ Arslan S.37
Exkurs: Der erste Kreuzzug S. 38
II.2.3. Kudbeddin Melik şah S. 39
II.2.4. Rükneddin Mesud S. 40
II.2.5. K ı l ı ҫ Arslan II. S. 41
Exkurs: Der dritte Kreuzzug
II.2.6. G ıyaseddin KeyhüsrevI. S. 43
II.2.7. Rükneddin Süleyman şah II. S. 44
II.2.8. Izeddin K ıl ıҫ Arslan III. S. 44
II.2.9. G ıyaseddin Keyhüsrev II. S. 45
II.2.10. Izeddin Keykavus I. S. 45
II.2.11. Alaaddin Keykübat I.
II.2.12. G ıyaseddin Keyhüsrev II.
II.3. Die Kirman Seldschuken
II.4. Die Syrien Seldschuken
II.5. Die Irak Seldschuken S. 52
II.6. Das Reich der Harezm şah

III. Die Entwicklung der Geschichte der Oguzen bis 1991
III.1. Turkmenistan
III.2. Aserbaidschan
III.3. Die Türkei

IV. Die Entwicklung der oguzischen Staaten seit 1991
IV.1. Turkmenistan
Exkurs: Ruhnama
IV.1.1. Parteien
IV.1.2. Wirtschaft
IV.2. Aserbaidschan
IV.2.1. Parteien
IV.2.2. Wirtschaft
IV.3. Türkei
IV.3.1. Parteien
IV.3.2. Wirtschaft

V. Die Beziehungen zwischen den oguz. Staaten S.74
Exkurs: Panturkismus

VI. Great Game

C. Schlussbetrachtung

D. Anhang

- Literaturverzeichnis

- Lebenslauf

A. Einleitung

„Das neue große Spiel“[1] ist ausschlaggebend für das Interesse der Welt an der Geschichte des Landes der Oguzen: Zentralasien.

Der Grund für das Interesse an Zentralasien sind sie Bodenschätze in dieser Region, die für die Machtstellung der Weltmächte entscheidend sind.

Nach dem Fall der Mauer in Berlin 1989 und dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991, erklären die zentralasiatischen Turkrepubliken ihre Unabhängigkeit. Als Startschuss für „das neue große Spiel“ gilt der Untergang der Weltmacht Sowjetunion.

Die neuen souveränen Staaten Zentralasiens versuchen sich im Schatten Russlands zu entwickeln. Neben Russland sind die an dem „neuen großen Spiel“ teilnehmenden Akteure USA, China und die EU von großer Bedeutung. Außerdem spielen die Türkei und der Iran, als Regionalmacht, eine wichtige Rolle.

Es dauert bis zum 11. September 2001 bis einer dieser Akteure „das Spiel“ für sich entscheiden kann. An diesem Tag wird das World Trade Center zum Ziel terroristischer Anschläge. Die Terroristen handeln im Namen des Islams und sind Mitglieder einer Organisation Namens: Al Kaida.

Al Kaida und deren Anführer Osama bin Laden operieren von Afganistan aus, wo sie von den Taliban unterstützt werden, die mit Hilfe der USA das Land vor der sowjetischen Besatzung gerettet haben.

Den entscheidenden Schritt machen die USA im Oktober 2001, als sie den Taliban und Al Kaida den Krieg erklären. Während die USA gegen die Taliban kämpfen, finden sie in Kasachstan und Usbekistan neue Verbündete. In diesen Ländern werden Stützpunkte für den Krieg gegen den Terrorismus aufgebaut, welche es den USA außerdem erlauben, die Energiequellen in dieser Region sicherzustellen bzw. unter ihre Kontrolle zu bringen.

„Das Spiel“ um die Vorherrschaft in Zentralasien ist bis heute noch nicht beendet. Deswegen ist es sehr wichtig, sich mit der Geschichte des Zentralasiens zu beschäftigen, insbesondere mit den Ländern der Oguzen, die die Vorfahren der Turkmenen waren.

Auf die wichtige Bedeutung der Geschichte Turkmenistans werden die Turkmenen von Saparmyrat Niyazov Türkmenbaşy hingewiesen. Der Führer aller Turkmenen beschreibt in seinem „Ruhnama“ (Geistesführer) sehr ausführlich die Geschichte der Oguzen, weil „ die Wurzeln des turkmenischen Volkes ... bis auf fünftausend Jahre, auf Oguz Khan, den Gründer des turkmenischen Volkes zurück“ (Fußnote!) gehen.

An dieser Stelle soll hervorgehoben werden, dass in dieser Arbeit nicht nur die Geschichte der Oguzen beleuchtet wird, sondern auch ihre Bedeutung für die aktuelle Politik eine wichtige Rolle spielt.

Es ist zu bedauern, dass bis heute nur sehr wenige Untersuchungen über die Geschichte der Oguzen angestellt worden sind. Die existierenden Werke sind entweder zwecks Legitimierung einer bestimmten Politik geschrieben worden oder aber zu Heldengeschichten hochstilisiert worden, so dass sie nicht mehr als wissenschaftlich zu bewerten sind.

Als Grundlage für diese Arbeit soll insbesondere das Werk des Türkmenbaşy, dem bereits zitierten politischen Oberhaupts Turkmenistans, dienen. Diese Quelle bietet grundlegende Informationen, , die für die Politik Turkmenistans von Bedeutung sind.

Um die Frage nach einer Politisierung der Geschichte Turkmenistans zu beantworten, werden an ausgewählten Stellen der Arbeit unterschiedlichste Darstellungen der Geschichte oder einzelner Personen aufgezeigt.

In der vorgelegten Arbeit soll also versucht werden, die Geschichte der Oguzen von den „Prototürken“ bis zu den heutigen Turkmenen darzustellen.

Die Arbeit ist in sechs Hauptteile gegliedert. Der erste Hauptteil wiederum besteht aus zwei Unterkapiteln.

Mit der Erklärung des Begriffes „Türk" beginnt der erste Bereich des ersten Teils (I.). Eine kurze Darstellung über die Herkunft der türkischen Völkerschaften soll als Einleitung zum zweiten Bereich des ersten Teils dienen. Hierbei ist es wichtig, die gemeinsame Herkunft vieler Turkvölker zu aufzuzeigen.

Im zweiten Teil des ersten Unterkapitel(I.1.) wird die Person Oguzhan vorgestellt. Oguzhan regierte zwischen 220 v.Chr. und 174 v.Chr. und war der erste Großherrscher der Türken. Bis heute sind die Heldensagen über seine Person unübertroffen. In diesem Teil der Arbeit soll versucht werden, die Wichtigkeit seiner Person auch im Zusammenhang mit der heutigen Politik darzulegen.

Zu diesem Zweck werden verschiedene Aussagen über Oguzhan detailliert aufgezeigt, wobei die Darstellungen von Türkmenbaşy und Rašid Ad-Din dabei im Vordergrund stehen.

Der zweite Hauptteil(II.) der Arbeit setzt sich mit der Geschichte der Seldschuken auseinander. In vier verschiedenen Abschnitten wird die Geschichte der Oguzvölker vorgestellt.

Im ersten Abschnitt (II.1.) wird die Geschichte von Seldschuk bis zum Zusammenbruch des Großseldschukischen Reiches beleuchtet. Dieser Abschnitt der Geschichte ist der wichtigste Gegenstand der Untersuchungen moderner Historiker. Sowohl die „Türkei-Türken“ als auch die „Turkmenistan-Türken“ sehen in den Seldschuken ihre direkten Vorfahren, so dass die Zeit zwischen den Seldschuken bis zum letzten Jahrhundert nicht von großer Interesse ist.

Vom XI Jahrhundert an sind die Seldchuken eine Großmacht, welche die Grenzen des Oströmischen Reiches erreicht. Die Zeit zwischen Tugrul und Ҫagrı bis zur Herrschaft der Mongolen über die Seldschuken wird hier detailliert dargelegt.

Rumseldschuken werden im dritten Hauptteil(II.2.) vorgestellt, die von den „Türkei-Türken“ als „Anatolienseldschuken“ bezeichnet werden. In diesem Teil werden insbesondere die Kreuzzüge und die Kämpfe zwischen Kreuzfahrern und den Türken im Zusammenhang mit der seldschukischen Politik gezeigt.

Außerdem werden Kirman Seldschuken, Irak Seldschuken und Syrien Seldschuken kurz vorgestellt. Die Vorstellung dieser Fürstentümer sind unter den Punkten II.3-II.6. zu finden. Da eine detaillierte Darstellung in diesem Abschnitt den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werden Kleine Fürstentümer (Beylik) tabellarisch erwähnt.

Im dritten Hauptteil (III.) wird die Entwicklung der Geschichte der Oguzen bis 1991 dargelegt. Dabei werden die Staaten Turkmenistan, Aserbaidschan und die Türkei als Nachfolger der Oguzen beobachtet, weil diese Staaten in den Seldschuken ihre direkten Vorfahren sehen.

Hierbei werden nur die wichtigsten Daten erwähnt. Turkmenistan und Aserbaidschan als Sowjetrepubliken und deren kulturelle Veränderung werden Gegenstand der Untersuchung sein.

Eine Darstellung der Geschichte des Osmanischen Reiches soll für das Verständnis der Geschichte der Türkei helfen.

Turkmenistan und Aserbaidschan als unabhängige Republiken sowie die Entwicklungen seit 1991 sind Objekt der Untersuchung des vierten Abschnitts (IV) des Hauptteils. Wichtig für die Arbeit ist die Wiederentdeckung der Vorfahren, hauptsächlich die neue Darstellung der Geschichte.

Im fünften Unterkapitel des Hauptteils (V.) wird die Beziehung zwischen den oguzischen Staaten untereinander untersucht. Eine Erklärung des Begriffes „Great Game“ findet sich im sechsten Kapitel (VI.) des Hauptteils, damit die Wichtigkeit dieser Region auch historisch betrachtet wird.

Im letzten Teil (C.) der Arbeit findet eine Schlussbetrachtung statt, in der versucht wird die Frage zu beantworten, ob die Geschichte der Oguzen für die Weltpolitik wichtig ist und welche Rolle die heutigen Oguzen in der Weltpolitik spielen.

Zur Literatur:

Da die Arbeit sich mit der Geschichte der Türken auseinandersetzt, stammt die verwendete Literatur zum größten Teil aus der Türkei. Grundlage der Arbeit bildet außerdem das wichtigste Werk Turkmenistans, der Ruhnama

Durch verschiedene Schreibweisen in der Literatur ist eine Vereinheitlichung der Regeln vonnöten. So werden die türkischen Schreibweisen der Eigennamen benutzt. Ausnahme bilden Worte oder Eigennamen, die in der deutschen Sprache und Literatur schon bekannt sind, wie z.B. Seldschuken, Rašid Ad- Din oder Turkmenbaşy.

Bei folgenden Lauten wird diese Regel eingehalten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Außerdem wird der türkische Vokal „ı – I“ benutzt, welcher dem deutschen „e“ (wie bei geh e n) entspricht.

Im Anhang befindet sich ein Glossar für die fremden Begriffe und Bezeichnungen, die in der Arbeit benutzt werden.

B. Hauptteil

I. Herkunft der türkischen Völker

Über die Herkunft der Türken oder Turkvölker gibt es wenige Quellen, die uns konkrete Antworten geben können. Der Bergriff „Türk“ selbst ist ein Rätsel, da keine genaue Bedeutung für dieses Wort angegeben werden kann.

Was bedeutet „Türk“:

Yilmaz Öztuna[2] erklärt, dass das Wort „Türk“ oder „Türük“ mit dem heutigen Begriff „stark“ übersetzt werden kann.

In seinem Werk „Ruhnama“ erläutert Saparmyrat Türkmenbaşı, dass „Türk“ Stamm bedeutet. Er verbindet den Begriff „Türk“ mit dem Wort „Iman“ und spricht von dem „Türk Iman“, welches ein Synonym für „Türkmen“ ist. Weiterhin sagt er:

Türk Iman bzw. Turkmen bedeutet danach aus dem Licht bzw. aus der Erleuchtung stammend.[3]

Es gibt viele andere Schriftsteller, die das Wort mit „schön“ oder „kräftig“ übersetzen. Die genaue Bedeutung ist nicht zuverlässig geklärt. Man begegnet zum ersten Mal im 6. Jh. n.Chr. in Zentralasien, in den sogenannten türkischen Runeninschriften, einem Volk, welches Türkisch spricht, über die in den chinesischen Analen berichtet wird.

„Tu-kiu“ ist das Wort, welches in den chinesischen Analen anzutreffen ist. „ ...ein Wort, das sicher eine Transkription des Namens „Türk“ darstellt. Diese Türken setzen sich aus Stämmen nomadisierender Viehzüchter zusammen.“ [4] In den chinesischen Analen kann man diese Türken bis 2400 v. Chr. antreffen.[5]

Neben der Viehzucht bilden Ackerbau und Fischfang die Lebensgrundlage der Türken. Nach Karl Jettmar „ überschneidet sich die Stammesorganisation der Türken in charakteristischer Weise mit einem Feudalsystem.[6]

Das erste nennenswerte türkische Reich entsteht nach einem großen Aufstand im 3.Jh. v. Chr. Es ist das Reich der Hunnen. Diese Türken nennen sich selbst „Kun“. In den chinesischen Quellen spricht man von den „Hiun-nu“, und im Westen sind sie unter dem Namen der „Hun“ oder „Hunnen“ bekannt. Das Großhunnische Reich entsteht im Jahre 220 v.Chr. und endet im Jahre 216 n. Chr..

Seit dem hunnischen Reich entsteht ein neuer Führungsstil, wobei sich die türkischen Reiche immer in zwei Parts teilen. Es gibt ein Ostreich und ein Westreich. In einigen türkischen Quellen spricht man von Nord- und Südreich, wobei Nord dem Westen und Süd dem Osten entspricht.

Obwohl die chinesischen Quellen bis 1000 Jahre v. Chr. von den Hunnen sprechen, gilt Teoman als Gründer des Hunnischen Reiches, welcher bei den Türken auch als Tuman bekannt ist. Er unterwirft alle Stämme im Norden und greift dann das chinesische Reich an. Der Krieg dauert von 215 v. Chr. bis 212 v. Chr., den die Chinesen gewinnen und die Hunnen nach Norden verjagen. In den chinesischen Analen wird erklärt, dass diese Türken für den Bau der chinesischen Mauer Anlass gegeben haben, welche im Jahre 210 v. Chr. fertiggestellt wird. Ein Jahr später 209 v. Chr. stirbt der erste große türkische Herrscher, der uns bekannt ist.

I.1. Oğuzhan

Es gibt verschiedene Darstellungen der Person Oğuzhans. Hier sollen vier Versionen vorgestellt werden. Die ersten zwei Versionen sind der modernen türkischen Literatur entnommen. Die dritte Version entspringt den Werken des bekannten Historikers Rašid Ad- Din, der im 13.-14. Jh. lebte. Von Türkmenbaşy stammt die letzte Darstellung der Person von Oğuz, welche für die Politik die größte Rolle spielt.

I.1.1. Aus der Sicht von M. Orhan Bayrak

Mete, der Sohn Teomans übernimmt (nach dessen Tod?) die Führung des Reiches und herrscht 35 Jahre lang über die Hunnen. Unter dem Namen Oğuzhan geht er in die Geschichte ein. [7] :

Als erstes greift Oğuzhan die Proto-Mongul Stämme im Osten an und unterwirft sie. Somit eint er die Altaistämme unter seiner Herrschaft. Alle Stämme müssen dem Herrscher in Form von Tieren, Nahrung oder Sklaven Steuern bezahlen. Seinen zweiten Krieg führt Oğuzhan im Westen, den er ebenso mit Erfolg beendet.

Nachdem Oğuzhan einige Länder und Stämme unterwirft, fühlt er sich stark genug gegen die Chinesen vorgehen zu können. Im Jahre 202 v.Chr. greift er China zum ersten Mal an, so dass er alle Ländereien, die sein Vater gegen die Chinesen verloren hatte, wieder erobert. Ein Jahr später startet er die zweite Offensive gegen China. Über diesen Krieg gibt es verschiedene Aussagen, wobei Oğuzhan immer als Gewinner hervortritt.

Bis zu seinem Tod 174 v. Chr. führt er Kriege und unterwirft 36 Stämme, die neben den Chinesen ihm Steuern zahlen. Oğuzhan war der größte türkische Herrscher in Zentralasien.

I.1.2. Aus der Sicht von Y ılmaz Öztuna:

Öztuna stellt die Person von Oğuzhan in der Traditon der türkischen Heldensagen vor. [8]

Mete lebte 2200 Jahre vor unserer Zeit. Er wird „Oğuz Kağan“ oder „Oğuz Han“ genannt. Bei seiner Geburt hat er schwarzes Haar, schwarze Augenbrauen und ist ein sehr schönes Kind. Als Säugling trinkt er nur ein einziges Mal Muttermilch. Er beginnt recht früh zu reden und verlangt Fleisch und Wein. Nach vierzig Tagen kann Mete laufen, spielen, reiten und jagen.

Eines Tages als Oğuzhan Gott anfleht, erscheint ein Licht, welches heller ist als der Mond und die Sonne. In diesem Licht sieht er ein sehr hübsches Mädchen. Er verliebt sich und heiratet dieses Mädchen. Die beiden bekommen drei Söhne und nennen sie:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Zeit vergeht ohne erwähnenswerten Vorfälle bis Oğuzhan eines Tages zur Jagd geht . Während er jagt sieht er wiederum ein wunderschönes Mädchen, in das er sich verliebt. Drei Söhne schenkt dieses Mädchen dem großen Herrscher, die sie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In diesen Tagen bekommt Oğuzhan viele Geschenke von einem König, den man „Altın Han“ (Goldener König) nennt. Altın Han erklärt sich bereit, Steuern zu bezahlen, wenn Oğuzhan nicht in sein Reich einfällt. Oğuzhan ist mit den Geschenken zufrieden und geht mit seinen Soldaten nach Norden, wo die Eisberge liegen.

Vor den Eisbergen erscheint dem Han ein graublauer, männlicher Wolf, welcher ihm sagt:

O ğuz, ab jetzt werde ich vor dir gehen.“[9]

Ab diesem Tag führt der Wolf die Armeen von Oğuzhan, der alle Kriege gewann, die er führte.

Oğuzhan hatt einen Berater, den man „Uluğ Türk“ nennt. Dieser erzählt dem Herrscher, dass er geträumt habe, dass Oğuzhan sein Reich zwischen seinen Söhnen aufteilen müsse. Der Herrscher hört auf seinen Berater und teilt sein Reich zunächst in zwei Teile auf. Die älteren Söhne teilen sich den einen Teil, die jüngeren Söhne den anderen Teil des Reiches. Nach der Verteilung des Landes stirbt der größte Herrscher der türkischen Geschichte.

I.1.3. Aus der Sicht von Ra š id Ad- Din:

Obwohl die Geschichte der Oguzen des Rašid Ad-Din eine Heldensage ist, welche in Form eines Märchen geschrieben ist, stellt sie viele Informationen zur Verfügung.[10]

Der Prophet Noah verteilt unter seinen Söhnen die bewohnten Ländereien der Welt. Sein ältester Sohn Japhet bekommt den Osten samt Turkestan. Japhet wir von den Türken „Ulğay-Han“ genannt. Dieser hat einen Sohn Namens „Dib Jawqu- Han“[11], welcher wiederum vier Söhne hat:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als Dib Jawqu-Han stirbt, wird Qara-Han Thronfolger. Nachdem Qara-Han die Macht übernimmt, wird sein Sohn geboren, welcher drei Tage lang keine Muttermilch trinkt, so dass seine Mutter sich Sorgen um seine Gesundheit machen muss. In der dritten Nacht träumt die Frau von Qara-Han, dass ihr Sohn zu ihr spricht. Der Neugeborene sagt:

Wenn du willst, daß ich Milch trinken soll, dann bekenne dich zum alleinigen Gott und befolge seine Gebote.“ [12]

Sie träumt drei Nächte hintereinander den gleichen Traum und bekennt sich zu Gott, was sie aber vor den anderen geheim hält, weil die Türken Ungläubige sind. Sie betet Gott an: „ Oh Herr, mach die Mlich von mir armer Frau für den Gaumen dieses Kindes schmackhaft!“ [13] Darauf trinkt das Kind die Milch seiner Mutter und sagt:

Da ich in einem Palast geboren wurde, soll man mich O ğuz nennen“ [14] .

Oğuz verhält sich von seiner m Kindheit an so, wie es sich für einen Gläubigen gehört. Als sein Vater ihn verheiraten will, entstehen Probleme, da er von den Gattinnen erwartet, dass sie an Gott glauben. Da die ersten zwei Kandidatinnen sich weigern, an einen Gott zu glauben, wendet er sich von ihnen ab. Er heiratet letztendlich eine dritte Kandidatin, die bereit ist an Gott zu glauben.

Währenddessen verbreiten die anderen, dass Oğuz an einen Gott glaubt und nicht an die bekannten Götter der Türken. Als Qara-Han davon hört, beschließt er mit seinen Brüdern Oğuz zu töten.

Oğuz kann sich jedoch retten und kämpft gegen seinen Vater und dessen Verbündete. Im Kampf werden sein Vater Qara-Han und Gür-Han getötet. Gegen seine eigene Sippe kämpft er noch weitere 75 Jahre bis er sie alle unterwirft. Er verjagt sie alle nach Osten.

Nach Ansicht der Türkmenen stammen die Mongolen, die sich im Osten niedergelassen haben, von Or-Han, Gürhan und Kür-han ab.“ [15]

Nachdem Oğuz die Herrschaft an sich reist, wird er Oğuzhan genannt. Er erobert viele Länder und bekommt von noch mehr Ländern Tribut.

„O ğuz starb als er das Alter von tausend Jahren erreicht hatte.“ [16]

Oğuzhans Sohn Kün-Han besteigt nach dem Tod seines Vaters den Thron im Alter von siebzig Jahren und regiert siebzig Jahre lang. Kün-Han lässt sich von einem weisen Mann beraten, den sein Vater zum Gouverneur von Jengi-Kent gemacht hatte. Der Name dieses Mannes ist İrqil-Hoğa (oder Erqil-Hoğa).

Eines Tages spricht İrqil Hoğa zu Kün-Han:

Ihr seid sechs Söhne des Oğuz , vierundzwanzig männliche Nachkommen...Gott behüte, daß ihr miteinander in Streit geratet! Darum ist es am besten, dass der Rang, die Funktion und der Titel jedes einzelnen gesondert fest gestellt werde...“ [17]

Die drei älteren Söhne von Oğuzhan werden Boz Ok ( Bozuq) und die drei jüngeren Söhne Üҫ Ok (Üc Oq) genannt. Diese werden mit deren Söhnen folgendermaßen aufgeteilt: (?)

Die Bozok:

a. Kün-Han, der älteste Sohn des Oğuzhan
- Kayı (Qajı)
- Bayat (Bajat)
- Alka Evli (Alqarauli)
- Kara Evli (Qara Iwli)

b. Ay-Han, der zweite Sohn des Oğuzhan
- Yazır(Jazır)
- Döger(Dukar)
- Dodurga(Durdurgıh)
- Yapurlu(Japurli)

c. Julduz-Han, der drittälteste Sohn des Oğuzhan
- Avşar (Awšar)
- Kızık(Qızıq)
- Beğdili(Bik-Dili)
- Karkın(Qarqır)

Die drei jüngeren Söhne von Oğuzhan, die man Üҫ Ok nennt , haben genauso wie die älteren Brüder jeweils vier Söhne. Nach Rašid Ad-Din werden sie von İrqil-Hoğa wie folgt benannt:

a. Kök-Han
- Bayundur(Bajındur)
- Beҫene(Bıgınıh)
- Ҫavudur(Ҫawuldur)
- Ҫepni(Ҫıbnı)

b. Taq-Han
- Salur
- Eymür(Imur)
- Ala-Yuntlu(Ala-Juntlı)
- Üregir(ürükür)

c. Denkiz-Han
- İgdir(Igdür)
- Beğdüz(Bikdüz)
- Yıva(Yıwıh)
- Kınık(Qınıq)

Diese Aufteilung spielt eine große Rolle bei der Verteilung der Macht. Die Bozok haben in der Geschichte der Oguzen die politische Macht in ihrer Hand. Gesamtherrscher der Oguzen kommen von den Stämmen der Bozok.

I.1.4. Aus der Sicht von Saparmyrat Türkmenba şy:

„So wie die großen Flüsse aus kleinen Quellen entstehen, so beginnt auch die Geschichte eines jeden VolkesOguz Khan stand am Anfang der Geschichte...“ [18]

Oğuzhan ist der Ahnvater und der „ nationale Prophet“ [19] der Turkmenen, weil Oğuzhan die Welt nicht mit dem Schwert, sondern mit den Worten Gottes eroberte.

Oğuzhans Bedeutung ist Himmel und Erde. „Die Namen seiner sechs Söhne sind die Namen der sechs großen Dinge oder Ereignisse der Welt.“ [20]

Oğuzhan ist der Gründer aller großen Imperien, die von den Turkmenen gegründet wurden. Sein Leben ist Beispielhaft für alle. Er ist die „ Quelle der Kultur und Lebensform“ [21] der turkmenischen Nation.

Nach dem Tod von Oğuzhan wird eine große Versammlung zusammen gerufen, in der die Aufgaben der Regierung besprochen werden. Erkil Hodscha (İrqil Hoğa oder Irkıl Ata) lässt die Ergebnisse der Versammlung festhalten. Die wichtigste Entscheidung ist, dass es einen Großherrscher geben soll, der von den Bozok stammt.

Folgende Fürstentümer werden von den Nachkommen des Oğuzhan gegründet[22]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es gibt viele andere, kleine Fürstentümer, die von den Oguzen abstammen, welche aber keine große Rolle in der Weltpolitik gespielt haben.[23]

Fazit:

Obwohl nur die Version von M. Orhan Bayrak wissenschaftlich und realistisch annehmbar ist, bieten die anderen drei Versionen sehr viele Informationen, die auch heute nachvollziehbar sind.

Aus diesen Stämmen gehen zwei große Weltmächte hervor:

- die Seldschuken
- die Osmanen

Im Anschluß wird nun die Geschichte der Seldschuken behandelt, welche als Vorfahren aller Oguzvölker gelten, die heute noch existieren. Sowohl die „Türkei-Türken“ , die Aserbaidschaner als auch die Turkmenen sehen in den Seldschuken ihre Vorfahren.

[...]


[1] Das große neue Spiel: eine ausführliche Erklärung ist unter dem Punkt VI. Great Game zu finden

[2] Öztuna, Yilmaz: Türkler, Babıali Kültür Yayıncılığı: 59, Istanbul 2004, S. 29

[3] Türkmenbaşı, Saparmyrat: Ruhnama, Aschchabad (Verlag und Erscheinungsjahr sind nicht angegeben) S. 10

[4] Jettmar, Karl: Zur Herkunft der türkischen Völkerschaften , in : Archiv für Völkerkunde Band III, Universitäts- Verlag Wien 1948, S. 9

[5] Für die Erklärung des Wortes „Türk“ gibt es eine ausführliche Darstellung im Buch von Scharlipp, Wolfgang Ekkehard: Die frühen Türken in Zentralasien, Wissenschaftliche Buchverlag Darmstadt, 1992, S. 13-18

[6] Jettmar, Karl: Zur Herkunft der türkischen Völkerschaften , in : Archiv für Völkerkunde Band III, Universitäts- Verlag Wien 1948, S. 9

[7] Bayrak, M.Orhan: Türk İmparatorlukları Tarihi, Bilge Karınca Yayınları, Istanbul 2002, S. 23-30

[8] Öztuna, Yilmaz: Türkler, Babıali Kültür Yayıncılığı: 59,Istanbul 2004,S. 22-26

[9] Öztuna, Yilmaz: Türkler, Babıali Kültür Yayıncılığı: 59, Istanbul 2004, S. 23 (Orginal: „ Ey Oğuz, artık ben önünde yürüyeceğim!“)

[10] Jahn, Karl: Die Geschichte der Oguzen des Rašid Ad-Din, Kommissionsverlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien 1969

[11] Dib: Thron, Jawqu: Anführer des Volkes aus: Jahn, Karl: Die Geschichte der Oguzen des Rašid Ad-Din, Kommissionsverlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien 1969, S. 18

[12] Jahn, Karl: Die Geschichte der Oguzen des Rašid Ad-Din, Kommissionsverlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien 1969, S. 18

[13] Jahn, Karl: Die Geschichte der Oguzen des Rašid Ad-Din, Kommissionsverlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien 1969, S. 18

[14] Jahn, Karl: Die Geschichte der Oguzen des Rašid Ad-Din, Kommissionsverlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien 1969, S. 18

[15] Jahn, Karl: Die Geschichte der Oguzen des Rašid Ad-Din, Kommissionsverlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien 1969, S. 20

[16] Jahn, Karl: Die Geschichte der Oguzen des Rašid Ad-Din, Kommissionsverlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien 1969, S. 44

[17] Jahn, Karl: Die Geschichte der Oguzen des Rašid Ad-Din, Kommissionsverlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien 1969, S.45

[18] Türkmenbaşı, Saparmyrat: Ruhnama, Aschchabad, S. 101

[19] Türkmenbaşı, Saparmyrat: Ruhnama, Aschchabad, S. 102

[20] Türkmenbaşı, Saparmyrat: Ruhnama, Aschchabad, S. 106

[21] Türkmenbaşı, Saparmyrat: Ruhnama, Aschchabad, S. 108

[22] Türkmenbaşı, Saparmyrat: Ruhnama, Aschchabad, S. 120

[23] Weiter Informationen und Tabellen, die die Fürstentümer darstellen im Anhang

Details

Seiten
74
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783836606356
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225426
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Philosophische Fakultät, Regionalwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
aserbaidschan turkmenistan türkei seldschuken oguzen

Autor

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