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Unternehmenswachstum, optimale Unternehmensgröße und Effizienz

Diplomarbeit 2004 77 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unternehmen, Unternehmenswachstum und Unternehmensgröße

3. Messung des Unternehmenswachstums

4. Triebkräfte des Wachstums
4.1. Produktionstheoretische Aspekte
4.2. Organisationstheoretische Aspekte
4.3. Innovationstheoretische Aspekte
4.4. Finanztheoretische Aspekte
4.5. Machtaspekte

5. Dimensionen des Wachstums
5.1. Wachstumsarten
5.1.1. Internes Wachstum
5.1.2. Externes Wachstum
5.2. Wachstumsrichtungen
5.2.1. Horizontales Wachstum
5.2.2. Vertikales Wachstum
5.2.3. Diagonales Wachstum
5.2.4. Diversifikation
5.2.5. Beurteilung
5.3. Empirisches Untersuchungsergebnis

6. Optimale Unternehmensgröße und Effizienz
6.1. Begriff und Bestimmung der optimalen Unternehmensgröße
6.2. Vorteile kleiner Unternehmensgrößen
6.2. Nachteile großer Unternehmensgrößen
6.3. Empirische Untersuchungen
6.3.1. Untersuchungsergebnisse von Hüttinger
6.3.2. Untersuchungsergebnisse von Schmidt
6.3.3. Untersuchungsergebnisse von Simon
6.4. Gutachten der Monopolkommission

7. Wachstumsschwellen und Wachstumskrisen
7.1. Ursachen der kritischen Wachstumsschwellen
7.2. Untersuchung von Albach
7.2.1. Entwicklungstypen von Unternehmen
7.2.2. Ergebnisse der Untersuchung
7.3. Weitere Arten von Wachstumskrisen

8. Die Bewältigung von Wachstumskrisen
8.1. Strategien der Krisenbewältigung
8.2. Krisenfrühwarnung
8.3. Erfolgsfaktoren des Wachstums

9. Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

Unternehmenswachstum wurde in der Vergangenheit von zahlreichen Vorständen und Unternehmern als die einzige Kennzahl betrachtet, die ein erfolgreiches Unternehmen ausmacht.[1] Unternehmensstrategien wurden ausschließlich auf Wachstum ausgerichtet, ob dies nun realisierbar und zweckmäßig war oder auch nicht. Erst die Erfahrungen der Vergangenheit haben gelehrt, dass Wachstum um jeden Preis nicht immer erstrebenswert ist, schon gar nicht, wenn Wachstum erzwungen werden soll.[2]

In der vorliegenden Arbeit zum Thema "Unternehmenswachstum, optimale Unternehmensgröße und Effizienz" liegt der Schwerpunkt auf dem Phänomen des dynamischen Unternehmenswachstums.

Das nachfolgende Kapitel 2 liefert Erklärungen zu den Begriffen Unternehmen, Unternehmenswachstum und Unternehmensgröße.

Kapitel 3 beschäftigt sich mit den Problemen, die mit der Messung des Unternehmenswachstums verbunden sind und zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Maßgrößen auf.

Im Abschnitt 4 werden die verschiedenen Triebkräfte des Unternehmenswachstums betrachtet. Hier wurde eine Unterteilung in produktionstheoretische, organisationstheoretische, innovationstheoretische, finanztheoretische Aspekte und Aspekte der Macht vorgenommen.

Das Kapitel 5 beinhaltet mögliche Dimensionen des Wachstums, die man einerseits in Wachstumsarten, andererseits in Wachstumsrichtungen unterscheiden kann. Abschließend erfolgt die Betrachtung einer empirischen Untersuchung der Wachstumsdimensionen.

Abschnitt 6 betrachtet den Zusammenhang zwischen Effizienz und Unternehmensgröße und stellt die optimale Unternehmensgröße dar. Drei empirische Analysen und das Gutachten der Monopolkommission beurteilen anschließend die Effizienz unterschiedlicher Unternehmensgrößen.

Im Kapitel 7 werden die Ursachen von Wachstumsschwellen in der Unternehmensentwicklung herausgestellt und kritisch untersucht. Weiterhin wird auf die Thematik der Wachstumskrisen eingegangen.

Der Abschnitt 8 zeigt mögliche Ansätze der Bewältigung von Wachstumskrisen auf und beurteilt die Erfolgsfaktoren des Wachstums.

In der Schlussbetrachtung werden die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit kurz zusammengefasst.

2. Unternehmen, Unternehmenswachstum und Unternehmensgröße

Unter einem Unternehmen versteht man eine rechtliche und wirtschaftliche Einheit, die in allen Außenbeziehungen selbständig auftritt und selbst bilanziert.[3] In Unternehmen findet die Produktion von Gütern und Dienstleistungen statt, deren Endprodukte nach erfolgter Herstellung auf dem Gütermarkt angeboten werden.[4]

Ein Betrieb ist eine Einheit, der in der Regel an einem Standort zusammengefasst ist, in dem Produktionsaufgaben durchgeführt werden.[5]

Der Unternehmensbegriff ist dem Betriebsbegriff übergeordnet, da unter dem Begriff Unternehmen nicht nur innerbetriebliche Vorgänge, sondern auch Wettbewerbs- und Marktvorgänge zuzuordnen sind.[6]

Der Wachstumsbegriff findet seinen Ursprung in der Naturwissenschaft und wurde auf dem Weg der Analogie auf bestimmte Vorgänge in der Wirtschaftswissenschaft übertragen. Mit dieser Übertragung ging ebenfalls eine Veränderung der Begriffsdefinition einher.[7] Im Laufe der Entwicklung traten dabei drei Kategorien des Wachstumsbegriffes auf.[8]

Die beiden Ansätze, Wachstum als einen primär mechanistischen oder organischen Prozess zu betrachten, haben in der heutigen Zeit nur noch historische Bedeutung. Die Richtung und die Geschwindigkeit des Wachstums werden wesentlich von unternehmerischen Entscheidungen beeinflusst. Wachstum aus der heutigen Sicht ist demnach als eine Folge von Entscheidungen anzusehen.[9]

Eine einheitliche Definition des Unternehmenswachstums ist in der Literatur nicht auszumachen. Jäger stellt das Unternehmenswachstum als einen langfristigen Prozess dar, der durch Entscheidungsträger ausgelöst, gesteuert und aufrechterhalten wird. Die durch das Zielsystem festgelegten Komponenten des wachstumsrelevanten Merkmalsvektors sollen gegenüber einem früheren Zeitpunkt von einem tieferen auf ein höheres Anspruchsniveau steigen.[10]

Nach Kieser lässt sich Wachstum als eine Realisation der gesetzten Erfolgsziele auf höherer Ebene unter Berücksichtigung der Umwelteinflüsse oder als eine, in subjektiver sich der Unternehmensführung verbesserte Anpassung an die Umwelt definieren.[11]

Kürpick legt den Begriff des Unternehmenswachstums als eine im Zeitablauf eintretende, auf Dauer angelegte quantitative und/oder qualitative Veränderung des betrieblichen Leistungspotentials dar.[12]

Aufgrund der unterschiedlichen Definitionen kann man den Begriff des Unternehmenswachstums nur anhand von formalen Merkmalen beschreiben: Wachstum ist die dauerhafte, positive Veränderung der Unternehmensgröße. Der Wachstumsbegriff ist daher zielbezogen auf das Unternehmenszielsystem und die Wachstumsmotive, zeitraumbezogen aufgrund der Veränderung einer Zielgröße zwischen Beginn und Ende einer betrachteten Periode und langfristig, da die Vorstellung einer Dauerhaftigkeit des Unternehmenswachstums vorliegt.[13]

Eine Abgrenzung nach definierten Unternehmensgrößenklassen sucht man in der Literatur vergebens.

Im allgemeinen Sprachgebrauch, in dem man ohne bestimmte Kriterien und Abgrenzungen auskommt, wird in der Regel zwischen Klein-, Mittel- und Großunternehmen unterschieden. Kleine und mittlere Unternehmensgrößen werden häufig unter dem Begriff des Mittelstandes zusammengefasst.[14]

Auch in den volks- und betriebswirtschaftlichen Schriften ist zu erkennen, dass das Problem der Auswahl eines allgemeingültigen Abgrenzungskriteriums noch nicht gelöst ist. Als Begründungen dafür wird zum einen die Komplexität des zu messenden Gegenstandes aufgeführt, zum anderen hängt die Auswahl der geeigneten Abgrenzungskriterien entscheidend vom jeweiligen Zweck der wissenschaftlichen Untersuchung ab.[15]

Nach diesen Erläuterungen zum Unternehmenswachstum stellt sich nun die Frage, wie das Wachstum eines Unternehmens gemessen werden kann. Darüber soll das Kapitel 3 Aufschluss geben.

3. Messung des Unternehmenswachstums

In der wirtschaftswissenschaftlichen Wachstumsdiskussion wird häufig von Unternehmenswachstum gesprochen, ohne dass erklärt wird, was darunter genau verstanden wird und wie gegebenenfalls diese Erscheinung gemessen werden kann.[16] Im Folgenden soll ein Überblick über die in der Literatur häufig anzutreffenden Wachstumsmaße und deren Vor- und Nachteile gegeben werden.

Das Wachstum einer Unternehmung ist ohne eine Beziehung zur Unternehmensgröße nicht erfassbar, so dass letztendlich ein Maß für die Unternehmensgröße selbst zu finden ist.[17]

Es sind zwei Arten von Maßen, Wertgrößen und Mengengrößen zu unterscheiden. Wertgrößen hängen im Gegensatz zu Mengengrößen von einer Bewertung ab, was die Handhabung unter Umständen erschweren kann. Sowohl die Wert- als auch die Mengengröße kann wiederum differenziert werden in Bestandsgrößen und Strömungsgrößen. Bestandsgrößen charakterisieren den Zustand eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitpunkt. Strömungsgrößen hingegen beschreiben ein wertmäßiges Ergebnis.[18]

Zu den Mengengrößen zählen z.B. die Anzahl der Beschäftigten oder die Produktionskapazität, zu den Wertgrößen nennt man oftmals das Anlagevermögen, den Umsatz, den Börsenkurs, das Eigenkapital oder die Wertschöpfung.[19]

Den Vorteil, die Anzahl der Beschäftigten als Maßstab für eine Wachstumsmessung heranzuziehen, liegt in der leichten Erfassbarkeit dieser Maßgröße. Es gilt als unumstritten, dass die Veränderung der Mitarbeiterzahl als ein Indiz für das Wachstum des Leistungspotentials eines Unternehmens herangezogen werden kann. Ein Kritikpunkt an dieser Maßgröße ist, dass qualitatives Unternehmenswachstum, wie es durch den Ablauf von internen Lernprozessen hervorgerufen werden kann, sich nicht in der Veränderung der Kennzahl äußert. Dies gilt auch für das quantitative Wachstum des Unternehmens durch die Veränderung der Kombinationen der Produktionsfaktoren. Wird die Arbeitsleistung aufgrund kapitalintensiverer Verfahren vermindert, so ist dies nicht gleichbedeutend mit Wachstum.[20]

Das Anlagevermögen oder das eingesetzte Kapital ist ebenfalls eine Maßzahl, die zur Wachstumsmessung eingesetzt werden kann. Diese Kennzahl ist leicht zu erfassen und kann aus der Bilanz eines Unternehmens abgelesen werden. Der negative Aspekt dieser Kennzahl ist in den unterschiedlichen Bewertungs- und Abschreibungsmethoden der Unternehmen begründet.[21]

Der Umsatz als eine mögliche Maßgröße des Unternehmenswachstums heranzuziehen hat den Vorteil der leichten Erfassbarkeit dieser Größe. Den Nachteil sieht Kürpick darin, dass der Umsatz als Kenngröße nicht die mögliche Erhöhung oder Verminderung der Produktionstiefe, also das Hinzufügen oder den Wegfall von Produktionsstufen, berücksichtigt.[22] Die Bruttowertschöpfung als Wachstumsmaßgröße heranzuziehen ist nach Kürpick deshalb besonders empfehlenswert, da sie im Gegenteil zum Umsatz, auch die Messung des vertikalen Wachstums erlaubt. Der Nachteil dieser Wachstumsmaßgröße ist jedoch die Schwierigkeit der Erfassung.[23]

In der heutigen Zeit wird vielfach der subjektive Gesamtwert eines Unternehmens als Maßgröße benutzt. Diese so genannten "Shareholder Value-Konzepte" sollen dem Eigenkapitalgeber dienen, der ein Unternehmen als Investitionsobjekt betrachtet. Jede Investition in ein Unternehmen bedeutet für den Aktionär ein höheres Risiko als die Investition in eine sichere Anlagenalternaive auf dem Kapitalmarkt. Der Kapitalgeber erwartet deshalb eine bessere Verzinsung des eingesetzten Kapitals, um das erhöhte Risiko auszugleichen. Die höhere Verzinsung setzt sich auf der Einnahmenseite zusammen aus der Summe der Steigerung des Aktienkurses und der Höhe der Dividendenzahlung. Abzuziehen sind die Auszahlungen, die für die Aufrechterhaltung des Engagements notwendig sind. Das "Shareholder Value-Konzept" betrachtet also den Barwert des Saldos zukünftiger Aus- bzw. Einzahlungen.[24]

Die Probleme dieser Kennzahl liegen in der subjektiven Schätzung der zukünftigen Gewinne und an externen Einflüssen. Diese Kennzahl orientiert sich an zukünftigen Schätzungen, im Gegensatz zu den konventionellen Maßgrößen, die sich auf Daten der Vergangenheit oder Gegenwart stützen.[25]

Die Ausführungen machen deutlich, dass Wachstum als ein Prozess aufgefasst werden muss, der ohne die Beziehung zur Größe eines Unternehmens nicht festzustellen ist. Es ist generell nicht möglich, sich auf die eine oder andere Maßgröße zur Bewertung des Unternehmenswachstums festzulegen. Die Eignung eines Maßstabes hängt zu stark vom Zweck der Größenmessung und der spezifischen Unternehmenssituation ab. Dabei spielen sowohl branchenspezifische als auch unternehmensspezifische Unterschiede eine Rolle.

Vergleicht man ein Handelsunternehmen mit einem Industrieunternehmen, ist die Problematik des geeigneten Maßstabs leicht nachzuvollziehen. Ein Handelsunternehmen kann im Vergleich mit wenigen Mitarbeitern einen großen Umsatz erwirtschaften, da die Kernkompetenz im Verkauf und nicht in der Produktion liegt. Aber auch die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen der gleichen Branche kann sich als schwierig erweisen. Vergleicht man einen Anlagenbauer mit einem Hersteller von Massenprodukten, so ist es leicht nachvollziehbar, dass der Anlagenbau sich als Personalintensiv, die Massenproduktion sich als Kapitalintensiv herausstellen wird.[26]

Die Wachstumsrate kann anhand der Unternehmensgröße beschrieben werden. Unter der Wachstumsrate soll die Veränderung des Wachstumsmaßstabes, bezogen auf seine Größe in Vergleichszeitpunkt verstanden werden. Die Wachstumsrate kann sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen dargestellt werden und drückt so das geplante oder erfolgte Wachstum zwischen zwei Vergleichszuständen einer Unternehmung aus.[27]

Um die Realität in einer Unternehmung besser abbilden zu können, kann anstatt eines eindimensionalen Maßstabes auch ein Vektor von Maßzahlen verwendet werden. Durch die Erfassung von zwei oder mehr Maßzahlen kann das Unternehmenswachstum besser erfasst und genauer umschrieben werden, es stellt sich aber die Frage der Gewichtung der Einzelfaktoren.[28] Entscheidet man sich für zwei oder mehr Maßzahlen, dürfen diese untereinander nicht korrelieren.[29]

"Operationalität und Praktikabilität erfordern eine Wachstumszahl, die in ihrer Eigenschaft als Planungs- und Kontrollgröße rational nachvollziehbar und realitätsnah ist."[30]

Das nachfolgende Kapitel 4 soll die Begründung für das Streben eines Unternehmens nach Wachstum erörtern.

4. Triebkräfte des Wachstums

Die Tatsache, dass sich Unternehmen vergrößern, führt zwangsläufig zu der Frage nach den Ursachen dieses dynamischen Prozesses. Die Erklärungsversuche für das Unternehmenswachstum haben sich im Laufe der Zeit verändert.[31]

Kieser weist darauf hin, dass Wachstum kein Zufall ist, sondern nur dann entsteht, wenn es zur Zielerreichung des Unternehmens in einer positiven Beziehung steht.[32] Wachstum ist oftmals aber kein eigenständiges Ziel einer Unternehmung, sondern ein Mittel zur Erreichung anderer Erfolgsziele, wie z.B. Umsatz oder Marktanteile.[33]

4.1. Produktionstheoretische Aspekte

Häufig wird Wachstum mit den Kostenvorteilen der Unternehmensgröße in Verbindung gebracht. Die Tatsache, dass die Stückkosten mit steigender Produktionsmenge bzw. mit der Unternehmensgröße sinken, wird als das Gesetz der Massenproduktion bezeichnet.[34] Die Kostenvorteile von großen Unternehmen im Bereich der Produktion in Form von steigender Produktionsmenge mit gleichzeitig fallenden Durchschnittskosten lassen sich aus der Produktionsfunktion ableiten.[35]

Für dieses Phänomen hat sich seit einigen Jahren in der deutschsprachigen Literatur der Begriff "economies of scale" durchgesetzt. Dieser Begriff muss als ein komplexer Oberbegriff für eine Anzahl von Einzelerscheinungen gesehen werden, die zu einer unternehmensgrößenabhängigen Kostendegression führen können.[36]

Schmalenbach unterscheidet daher zwischen Größen-, Beschäftigungs- und Auflagendegression.[37]

Unter Größendegression wird die Abnahme der relativen Betriebskosten pro Einheit der Ausbringungsmenge einer Maschine mit zunehmender Größe und Leistungsfähigkeit verstanden. Schmalenbach verdeutlicht dieses am Beispiel von Dampfmaschinen mit unterschiedlicher Leistung. Er kommt zu der Feststellung, dass der Energiebedarf je PS-Stunde mit zunehmender PS-Zahl der Dampfmaschine sinkt.[38]

Die Beschäftigungsdegression beruht auf der Tatsache, dass die relativen Betriebskosten für eine Maschine mit zunehmender Auslastung abnehmen.[39] Je höher die Auslastung eines Betriebsmittels ist, desto geringer sind die fixen Kosten pro hergestellte Einheit.

Bei jedem Sorten- oder Serienwechsel müssen Betriebsmittel wie Anlagen oder Maschinen in der Regel neu eingerichtet werden, um die neue Sorte oder Serie herstellen zu können. Hierbei entstehen Rüstkosten oder Sortenwechsellasten. Da diese Kosten unabhängig von der Größe des Auftrages anfallen, haben sie den Charakter von fixen Kosten. Sie werden daher auch als auflagenfixe Kosten bezeichnet. Je größer die zu produzierende Serie ist, desto mehr werden die auflagenfixen Kosten auf die Gesamtstückzahl verteilt. Daher versteht man unter Auflagendegression die abnehmenden Kosten bei zunehmender Auftragsgröße.[40]

Gelingt es einem Unternehmen mehrere sorten- oder serienspezifische Fertigungsstraßen oder -inseln parallel zu betreiben, so sinken auch die Sortenwechsellasten. So schafft die Unternehmensgröße selbst die Möglichkeit, die Höhe der fixen Kosten zu reduzieren.[41]

In der Literatur werden darüber hinaus weitere Degressionseffekte beschrieben, die ebenfalls den "economies of scale" zugeordnet werden können. Hierzu zählen unter anderem, die mit der Unternehmensgröße wachsenden Möglichkeiten der Automation von Herstellungsprozessen und der Tatsache von Unteilbarkeiten oder Mindestgrößen von Produktionsanlagen. Weiterhin wird auf den unterproportional steigenden Lagerbestand bei wachsender Produktionsmenge und die sinkenden Transportkosten je Einheit bei zunehmendem Transportvolumen hingewiesen. Diese Größenvorteile erscheinen zum Teil unter Begrifflichkeiten wie "economies of stock" oder "economies of transportation.[42]

Auch der Begriff der "Zwei-Drittel-Regel" wird häufig in der Diskussion um die mit wachsender Unternehmensgröße abnehmenden Durchschnittskosten verwendet. Hierunter versteht man den mathematischen Zusammenhang zwischen der Berechnung der Oberfläche und des Volumens eines Körpers. Die Oberfläche eines Körpers nimmt mit dem Quadrat seiner Länge bzw. seines Radius zu, das Volumen des Körpers vergrößert sich hingegen mit der dritten Potenz.[43] Für ein sich vergrößerndes Unternehmen sind also beispielsweise nur Investitionen mit einer Potenz von zwei Dritteln für eine Kapazitätserweiterung aufzubringen.

Im Bereich der Beschaffung können ebenfalls Degressionseffekte beobachtet werden.[44] So können mit zunehmendem Beschaffungsvolumen entweder günstigere Preise pro Beschaffungseinheit erzielt werden, oder es können andere günstigere Konditionen, wie beispielsweise eine verbesserte Qualität des beschafften Gutes bei gleichem Preis oder schnellere und flexiblere Lieferzeiten verhandelt werden. Die Personalkosten für die Auswahl der Lieferanten und die Vertragsverhandlungen und -abschlüsse, sowie die Kosten für Kommunikation lassen sich ebenfalls auf größere Bestellvolumen kostengünstiger verteilen. Analog können diese Degressionseffekte auch für den Vertrieb eines Unternehmens angesehen werden.

Einen weiteren Fall der Kostendegression stellt die so genannte Erfahrungskurve dar.[45] Demnach sind zwischen 20 und 30 Prozent geringere Stückkosten bei einer Verdoppelung der Produktionsmenge zu erwarten, was auf die Erfahrung in der Herstellung eines bestimmten Produktes zurückzuführen ist. Voraussetzung für diesen Degressionseffekt ist aber die vorherige Ausschöpfung aller dispositiven und produktiven Kostensenkungsmöglichkeiten. Dieser Kostendegressionseffekt hängt somit nicht nur von der produzierten Menge, sondern auch von einem Zeitraum der Produktionserfahrung ab.

Große Unternehmen haben weiterhin einen Vorteil bei der Informationsbeschaffung, da im Gegensatz zu kleinen Unternehmen so genannte Stabsstellen zur Beschaffung relevanter Informationen eingerichtet werden können. Dieses ist besonders in der heutigen Zeit der globalen Märkte ein wichtiger Aspekt.[46]

4.2. Organisationstheoretische Aspekte

Es hängt entscheidend von der Organisationsstruktur eines Unternehmens ab, wie schnell und flexibel auf Veränderungen im Unternehmensumfeld reagiert werden kann, zudem kann eine effiziente Unternehmensorganisation Kosteneinsparungen in den Bereichen Unternehmenskommunikation und -koordination bedeuten.[47]

Die Effizienz einer Organisationsstruktur jedoch messbar zu machen ist sowohl mit praktischen als auch mit theoretischen Problemen verbunden und konnte bisher von der Organisationsforschung nicht gelöst werden.[48] Somit können, anders als bei den produktionstheoretischen Aspekten, auch keine eindeutigen Degressionseffekte für große Unternehmen nachgewiesen werden.

In der Literatur werden daher theoretische Überlegungen diskutiert, die Anlass dazu geben, das Vor- und Nachteile für bestimmte Unternehmensgrößen existent sind.[49]

Eine zunehmende Unternehmensgröße geht einher mit der zunehmenden Gleichartigkeit von Koordinations- und Leitungsaufgaben.[50] Diese Gleichartigkeit der Aufgaben ermöglicht es, dass einem Vorgesetzten eine größere Anzahl an Mitarbeitern unterstellt wird.

Die Degressionseffekte, die im Produktionsbereich zu beobachten sind, können analog auf den Organisationsbereich übertragen werden.[51]

4.3. Innovationstheoretische Aspekte

Als eine entscheidende Triebfeder für das Wachstum wird die überlegene Innovationskraft großer Unternehmungen angesehen, die in der Literatur vielfach als die "Schumpeter-Hypothese" diskutiert wird.[52]

Der Vorteil von großen Unternehmen im Innovationsprozess wird demnach im Wesentlichen auf zwei Ebenen gesehen. Es wird zum einen davon ausgegangen, dass große Unternehmen im Forschungs- und Entwicklungsprozess Skalenvorteile gegenüber kleinen Unternehmen realisieren können, zum anderen fördert die Unternehmensgröße die Funktionsfähigkeit des innovativen Wettbewerbs.[53]

Die These, dass Großunternehmen im Forschungs- und Entwicklungsbereich Skalenvorteile realisieren, lässt sich durch den produktiveren Forschungsprozess bei verstärkter Arbeitsteilung und der dadurch erworbenen Spezialkenntnisse der Mitarbeiter begründen.[54] So kann ständig auf die Erfahrungen und Kenntnisse von Mitarbeitern zurückgegriffen werden, die Meinungen lassen sich bündeln und effektiver verarbeiten.

Ein Großunternehmen ist zudem besser in der Lage, die Ergebnisse der Forschungs- und Entwicklungsarbeit anzuwenden und zu adaptieren. Große Unternehmen werden eher in der Lage sein, ein neuartiges oder unvorhergesehenes Produkt auf den Markt zu platzieren, da der Markteintritt für ein solches Unternehmen aufgrund des Bekanntheitsgrades wesentlich einfacher ist.[55]

Kleine Unternehmen haben weiterhin den Nachteil der Unteilbarkeiten, der in bestimmten Bereichen der Forschung und Entwicklung zu beobachten ist, als Beispiele können hier die Anschaffung eines Forschungslabors und der zugehörigen Ausstattung oder die Mindestgröße eines aus Spezialisten bestehenden Forschungsteams genannt werden.[56] Die Überwindung dieser Unteilbarkeiten führt zu hohen sprungfixen Kosten.[57]

In den Zeiten rascher Veränderung, in denen der Unternehmenserfolg von der Fähigkeit zur Hervorbringung von Innovationen und zur schnellen Anpassung bestimmt ist, werden Hochqualifizierte Mitarbeiter aufgrund der demografischen Entwicklung in den Industriestaaten immer häufiger zu einem limitierenden Faktor für Unternehmen, besonders in den Bereichen Forschung und Entwicklung.[58] Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass für diese Personengruppe wachsende Unternehmen anziehender als Arbeitgeber wirken, als stagnierende oder schrumpfende Unternehmen.[59]

4.4. Finanztheoretische Aspekte

Von erheblicher Bedeutung für die Rentabilität eines Unternehmens ist die Verfügbarkeit von liquiden Mitteln, wie beispielsweise Kredite, und die Höhe des dafür zu zahlenden Zinssatzes.[60]

Es gibt eindeutige Hinweise dafür, dass große Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland für Fremdkapital günstigere Kreditkonditionen erhalten als vergleichsweise kleinere Unternehmen.[61]

Als ein Grund dafür sind die Kostendegression durch die höhere Nachfrage eines Großunternehmens nach Fremdkapital und den dadurch geringeren Transaktionskosten anzusehen, ein weitaus wichtigeres Argument sind die Verhandlungsvorteile, die ein großes Unternehmen gegenüber den Banken besitzt.[62]

Ein weiteres Argument für große Unternehmen ist das meist höhere Alter. Das Risiko des Ausscheidens aus dem Markt ist bei kleineren, meist jungen Unternehmen größer. Daher erweist sich für Kleinunternehmen die Beschaffung von Fremdkapital in angespannten wirtschaftlichen Zeiten als schwierig.[63] Den Preis für diese Tatsache zahlen kleine Unternehmen häufiger mit höheren Fremdkapitalzinsen, die mit einem Risikoaufschlag behaftet sind, dadurch wird ihre Liquidität und Rentabilität verringert.

Unternehmen mit einer großen Mitarbeiteranzahl können steuerliche und finanzwirtschaftliche Vorteile über Pensionsrückstellungen ausschöpfen.[64] Die Zuführung zu den Pensionsrückstellungen schmälert als Betreibsausgabe zunächst den Gewinn und führt in der Regel erst nach etwa 20 bis 30 Jahren zu entsprechenden Auszahlungen.

[...]


[1] Vgl. Funkhouser, G. / Rothberg, R. (1989): Das Dogma vom Wachstum; S. 5.

[2] Vgl. Funkhouser, G. / Rothberg, R. (1989): Das Dogma vom Wachstum; S. 5.

[3] Vgl. Kuchenbecker, H. (1976): "Unternehmung"; Sp. 3685.

[4] Vgl. Gabisch, G. (2003): Haushalte und Unternehmen; S. 30.

[5] Vgl. Jüttner-Kramny, L. (1975): Unternehmensgröße, Unternehmenskonzentration und technologische Entwicklung; S. 17.

[6] Vgl. Jüttner-Kramny, L. (1975): Unternehmensgröße, Unternehmenskonzentration und technologische Entwicklung; S. 17.

[7] Vgl. Kürpick, H. (1981): Das Unternehmenswachstum als betriebswirtschaftliches Problem; S. 20.

[8] Vgl. Ludwig, T. (1978): Optimale Expansionspfade der Unternehmung; S. 14.

[9] Vgl. Ludwig, T. (1978): Optimale Expansionspfade der Unternehmung; S. 14f.

[10] Vgl. Jäger, H. (1974): Modell zur Formulierung der Wachstumspolitik einer industriellen Unternehmung; S. 38.

[11] Vgl. Kieser, A. (1970): Unternehmungswachstum und Produktinnovation; S. 19.

[12] Vgl. Kürpick, H. (1981): Das Unternehmenswachstum als betriebswirtschaftliches Problem; S. 27.

[13] Vgl. Kieser, A. (1976): "Unternehmungswachstum"; Sp. 4301.

[14] Vgl. Jüttner-Kramny, L. (1975): Unternehmensgröße, Unternehmenskonzentration und technologische Entwicklung; S. 18.

[15] Vgl. Jüttner-Kramny, L. (1975): Unternehmensgröße, Unternehmenskonzentration und technologische Entwicklung; S. 18f.

[16] Vgl. Kürpick, H. (1981): Das Unternehmenswachstum als betriebswirtschaftliches Problem; S. 28.

[17] Vgl. Ludwig, T. (1978): Optimale Expansionspfade der Unternehmung; S. 19.

[18] Vgl. Ludwig, T. (1978): Optimale Expansionspfade der Unternehmung; S. 19f.

[19] Vgl. Ludwig, T. (1978): Optimale Expansionspfade der Unternehmung; S. 21.

[20] Vgl. Kürpick, H. (1981): Das Unternehmenswachstum als betriebswirtschaftliches Problem; S. 36f.

[21] Vgl. Kürpick, H. (1981): Das Unternehmenswachstum als betriebswirtschaftliches Problem; S. 35f.

[22] Vgl. Kürpick, H. (1981): Das Unternehmenswachstum als betriebswirtschaftliches Problem; S. 38f.

[23] Vgl. Kürpick, H. (1981): Das Unternehmenswachstum als betriebswirtschaftliches Problem; S. 46f.

[24] Vgl. Schmid, T. (1993): Wachstumskrisen-Management; S. 40f.

[25] Vgl. Schmid, T. (1993): Wachstumskrisen-Management; S. 41.

[26] In Anlehnung an Schmid, T. (1993): Wachstumskrisen-Management; S. 42.

[27] Vgl. Kürpick, H. (1981): Das Unternehmenswachstum als betriebswirtschaftliches Problem; S. 80.

[28] Vgl. Ludwig, T. (1978): Optimale Expansionspfade der Unternehmung; S. 21f.

[29] Vgl. Lohstöter, H. (1978): Planung des einzelwitschaftlichen Wachstums; S. 14.

[30] Lohstöter, H. (1978): Planung des einzelwitschaftlichen Wachstums; S. 12.

[31] Vgl. Abschnitt 2.

[32] Vgl. Kieser, A. (1970): Unternehmungswachstum und Produktinnovation; S. 23.

[33] Vgl. Kieser, A. (1970): Unternehmungswachstum und Produktinnovation; S. 23.

[34] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 14.

[35] Vgl. Ellinger, T. / Haupt, R. (1982): Produktions- und Kostentheorie; S. 12.

[36] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 14.

[37] Vgl. Schmalenbach, E. (1963): Kostenrechnung und Preispolitik. S. 100.

[38] Vgl. Schmalenbach, E. (1963): Kostenrechnung und Preispolitik. S. 100.

[39] Vgl. Schmalenbach, E. (1963): Kostenrechnung und Preispolitik. S. 100.

[40] Vgl. Schmalenbach, E. (1963): Kostenrechnung und Preispolitik. S. 114f.

[41] Vgl. Schmalenbach, E. (1963): Kostenrechnung und Preispolitik. S. 118.

[42] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 18.

[43] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 18.

[44] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 18f.

[45] Vgl. Kloock, J. / Sabel, H. (1993): Economies and savings als grundlegende Konzepte …; S. 209f.

[46] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 19.

[47] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 30.

[48] Vgl. Frese, E. (1988): Grundlagen der Organisation; S. 454.

[49] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 30.

[50] Vgl. Kieser, A. (1970): Unternehmungswachstum und Produktinnovation; S. 28.

[51] Vgl. Kieser, A. (1970): Unternehmungswachstum und Produktinnovation; S. 28.

[52] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 40.

[53] Vgl. Hüttinger, K. (1984): Unternehmensgröße und Wirtschaftsdynamik; S. 19.

[54] Vgl. Hüttinger, K. (1984): Unternehmensgröße und Wirtschaftsdynamik; S. 20.

[55] Vgl. Hüttinger, K. (1984): Unternehmensgröße und Wirtschaftsdynamik; S. 20.

[56] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 40.

[57] Vgl. Michel, R., et al. (1992): Grundlagen der Kostenrechnung; S. 55.

[58] Vgl. Rall, W. (2002): Internes versus externes Wachstum; S. 5.

[59] Vgl. Rall, W. (2002): Internes versus externes Wachstum; S. 5.

[60] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 52.

[61] Vgl. Deutsche Bundesbank (2002): Internetseite

[62] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 52.

[63] Vgl. Kieser, A. (1970): Unternehmungswachstum und Produktinnovation; S. 28.

[64] Vgl. Schmidt, A. (1995): Der Einfluß der Unternehmensgröße auf die Rentabilität …; S. 53f.

Details

Seiten
77
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783956362309
ISBN (Buch)
9783836603072
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225259
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund – Wirtschaft, Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen
Note
1,3
Schlagworte
unternehmenswachstum produktionstheorie wachstumsschwelle entwicklungstyp wirtschaftsingenieurwesen

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Titel: Unternehmenswachstum, optimale Unternehmensgröße und Effizienz