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'... und dann sollte ich halt bis 52 Kilo abnehmen'

Essstörungen im Sport – Der Einfluss des sozialen Umfeldes auf die Athleten

Diplomarbeit 2005 114 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Gliederung

1 Überblick

2 Wissenschaftliche Relevanz des Themas und Ziel der Arbeit

3 Die klassischen Essstörungen
3.1 Geschichtliche Entwicklung der Essstörungen innerhalb der Gesellschaft
3.1.1 Magersucht – Anorexia nervosa
3.1.2 Ess-Brech-Sucht – Bulimia nervosa
3.2 Begriffsbestimmung der Anorexia nervosa
3.3 Begriffsbestimmung der Bulimia nervosa

4 Essstörungen im Leistungssport
4.1 Anorexia athletica
4.2 Exzessives Sporttreiben – eine Art Anorexia nervosa?

5 Epidemiologie von Essstörungen in der Gesellschaft
5.1 Alter und Geschlecht
5.2 Soziale Schichten und geographische Verteilung
5.3 Berufsgruppen

6 Ätiologie der Essstörungen
6.1 Soziokulturelle Faktoren
6.1.1 Individualisierung der Gesellschaft
6.1.2 Der zivilisierte Körper
6.1.3 Veränderung der Rolle der Frau
6.2 Psychosoziale und familiäre Faktoren
6.3 Biologische und genetische Faktoren

7 Sport als Auslöser von Essstörungen?
7.1 Mögliche Ursachen bei der Entstehung von Essstörungen im Sport
7.2 Das Ursachen-Wirkungs-Problem bei Essstörungen im Sport
7.3 Auslösende Faktoren aus dem sozialen Umfeld des Athleten
7.4 Einfluss der Medien

8 Methodische Vorgehensweise
8.1 Datenerhebung
8.2 Datenauswertung

9 Kurzdarstellung der Fälle
9.1 Julia (Judo)
9.2 Marco (Ringen)
9.3 Katrin (Volleyball)
9.4 Flo (Judo)
9.5 Britta (Schwimmen)
9.6 Lisa (Gerätturnen)
9.7 Tom (Marathon +American Football)

10 Der Einfluss des sozialen Umfeldes – Darstellung der Ergebnisse
10.1 Rolle des Trainers
10.2 Rolle des Reglements
10.3 Rolle der Leistungssteigerung
10.4 Rolle des Körpers
10.5 Rolle der Familie / Freunde
10.6 Rolle der Medien
10.7 Zusammenfassung

11 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
11.1 Geschlechtsspezifischer Vergleich
11.1.1 Internalisierter Druck
11.1.2 Aussehen
11.2 Sportartspezifischer Vergleich
11.2.1 Gewicht
11.2.2 Essstörungen

12 Fazit und Ausblick

13 Literaturverzeichnis

14 Erklärung zur Urheberschaft

1 Überblick

„Garp klopfte seinem 65-Kilo-Mann auf die Schulter, fragte ihn nach seinem Gewicht, runzelte die Stirn bei der Antwort – die wahrscheinlich eine Lüge war, und trotzdem noch ungefähr zwei Kilo zuviel – und ging, um sich umzuziehen.“ (John Irving: Garp und wie er die Welt sah)

In dem bekannten Buch von John Irving ist Garp, die Hauptperson des Romans, Schriftsteller und betreut nebenbei das Ringerteam eines Colleges. Das Zitat beschreibt eindringlich das Dilemma, in dem sich Trainer und Athleten gewichtsabhängiger Sportarten sehr oft befinden. Gewicht und der Körper spielen in vielen Sportarten eine Rolle. Nicht selten führt die Beschäftigung mit dem Abnehmen den Athleten in eine Essstörung.

Dies ist die brisante Thematik, mit der sich die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt. Nicht nur in Romanen werden Anorexia nervosa und Bulimia nervosa Im Zusammenhang mit Sport thematisiert. Auch die Medien beschäftigen sich immer häufiger mit dem speziellen Problem. Denn Essstörungen im Sport stellen durchaus eine Gefahr dar.

So berichtete im November 2001 der Spiegel in dem neunseitigen Artikel „Locker, Bahne, locker“ über den Ruderer Bahne Rabe, der kurz zuvor an den Folgen der Magersucht gestorben war. Eindrucksvoll beschreibt der Journalist einen der letzten Tage des abgemagerten Hünen, der kurz vor seinem Tod bei einer Größe von 2,03 m nur noch 60 Kilo auf die Waage brachte. In seinem Umfeld mussten alle machtlos zuschauen, wie sich der ehemalige Olympiasieger zu Tode hungerte. Damals, 1988 in Seoul, wog Rabe noch 95 Kilo.

Bahne Rabe war 37 Jahre alt, männlich und im Schwergewichtsrudern im Achter an kein Gewichtslimit gebunden – das alles sind keine typischen Eckdaten von essgestörten Sportlern. Aber er war überaus ehrgeizig, perfektionistisch und leistungsorientiert – durchaus typische Eigenschaften Magersüchtiger. Ein Beweis, dass Essstörungen jeden treffen können?

Der Werdegang von Rabe lenkt die Aufmerksamkeit auf andere Fälle von Spitzensportlern mit Essstörungen. Die deutsche Eiskunstläuferin Eva-Maria Fitze unterbrach ihre Karriere für einen freiwilligen Aufenthalt in der therapeutischen Wohngemeinschaft ANAD in München. Grund war auch bei ihr die Bulimie. Mittlerweile ist sie zurück auf der Eisfläche (KURBJUWEIT 2001). Der deutsche Skispringer Frank Löffler ging vor zwei Jahren an die Öffentlichkeit und machte den deutschen Skiverband für seinen Hungerterror verantwortlich (MÜLLER 2004, GroSSekathöfer/Pfeil 2003). Selbst aus der für Essstörungen eher unbekannten Sportart Golf wurde ein Fall in den Medien bekannt: die Deutsche Martina Eberl unterbrach für eine Bulimie-Therapie ihre Karriere, wagte aber ein Comeback und wurde Europameisterin (KURBJUWEIT 2001). Für Aufsehen sorgte außerdem Franziska van Almsick, die sich nach Karriereende Im Jahr 2004 in ihrem Buch öffentlich über ihr Hungertum äußerte (VAN ALMSICK 2004). Die Liste der bekannten Sportler und Sportlerinnen, deren Essstörungen in den Medien bekannt wurden, ist lang. Doch ist sie nur die Spitze des Eisberges. Wissenschaftler und Ärzte befürchten eine hohe Dunkelziffer, denn die Bereitschaft der Betroffenen für den Gang zum Arzt ist oft nicht vorhanden. Außerdem gibt es viel zu viele Nachwuchssportler, die aufgrund ihrer Essstörung gar nicht mehr bis an ihr Leistungslimit kommen konnten und schon frühzeitig aufgrund mangelnder Leistungsfähigkeit aus den Kadern ausschieden, also in möglichen Statistiken gar nicht mehr vorkommen können.

In der Wissenschaft gibt es kaum Studien, die sich aus soziologischer Sicht mit dem Thema Essstörungen im Sport beschäftigen. Das ist der Grund, weshalb die vorliegende Arbeit mit dem Ziel konzipiert wurde, betroffene Athleten zu interviewen und sie zu ihrem Umfeld zu befragen bzw. sie darüber erzählen zu lassen. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Teilnehmer möglichst unterschiedliche Sportarten vertreten. Insgesamt meldeten sich sieben freiwillige Teilnehmer, wovon am Ende nur sechs ausgewertet wurden. All diese Athleten haben aufgrund ihres Erfolges im Sport auffälliges Essverhalten an den Tag gelegt, bei dreien endete dies in einer Essstörung, die anderen konnten teilweise nach oder noch während der sportlichen Karriere das Essverhalten wieder normalisieren. Diese Arbeit soll nachforschen, was die Athleten dazu gebracht hat, ihren Körper derart zu quälen.

Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Stand der wissenschaftlichen Forschung und legt dar, wie, warum und auf welche Art und Weise Sportler und Nicht-Sportler in eine Essstörung gelangen können. Die geschichtliche Entwicklung und die medizinischen Diagnosekriterien der klassischen Essstörungen Anorexia nervosa und Bulimia nervosa, sowie die der Essstörungen im Sport, werden in den Kapitel 3 und 4 ausführlich dargestellt. Wer, wo und wie viele Personen in unserer Gesellschaft von Essstörungen betroffen sind, damit beschäftigt sich das Kapitel 5.

Doch was ist der Grund, warum Sportler sich in eine Essstörung zurückziehen. Was sind die Ursachen oder die Auslöser? Die vorliegende Arbeit versucht, durch Interviews mit Betroffenen mögliche Faktoren einzugrenzen und aufzuzeigen. Dabei fokussiert sie das soziale Umfeld des Athleten. Dass familiäre Probleme oft als Auslöser gelten, ist bekannt. Für die vorliegende Arbeit viel interessanter ist jedoch das direkte Umfeld des Athleten im Sport, d.h. Trainer, Wettkampfregeln und Medien. Ihr Einfluss auf das Essverhalten des Athleten wird hier untersucht. So ist zum Beispiel wissenschaftlich bereits bewiesen, dass Trainer eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf ihre Schützlinge haben und mit Äußerungen über Leistung oder Figur manchmal mehr schaden als motivieren. Des Weiteren werden in der vorliegenden Arbeit bestimmte Wettkampfregeln, wie zum Beispiel die Gewichtsklasseneinteilung im Judo, beleuchtet und ihre Wirkung auf den Athleten dargestellt. Dass die Medien einen großen Einfluss auf das Rollenverständnis in unserer Gesellschaft haben, ja dieses sogar prägen können, wird in dieser Arbeit ebenso dargestellt wie die Individualisierung unserer Gesellschaft. All diese Einflussfaktoren und gesellschaftlichen Entwicklungen werden zunächst theoretisch in Kapitel 7 aufgezeigt. Im zweiten, empirischen Teil der Arbeit sollen diese dann anhand der beispielhaften Interviews begründet bzw. nachgewiesen werden (Kapitel 9-11).

2 Wissenschaftliche Relevanz des Themas und Ziel der Arbeit

Das Thema Essstörungen wurde in den vergangenen Jahren und wird auch heute noch in den Medien immer wieder aufgegriffen. Auch die Wissenschaft geht seit ca. 15 Jahren vermehrt darauf ein. Begrenzt man das Thema allerdings auf den Bereich Sport, so werden die Literaturlisten kürzer. Und das, obwohl ein Zusammenhang von Essstörungen und Sport auf der Hand liegt.

Die medizinische Fachliteratur, vor allem die Englischsprachige, macht eine Ausnahme, denn dort gibt es ein paar Veröffentlichungen und Zeitschriften, die die Zusammenhänge von Risikosportarten und Essstörungen untersuchen (z.B. International Journal of Eating Disorders, International Journal of Sport Nutrition et al.).

In der Psychologie beschäftigt man sich zwar mit dem Thema Essstörungen, jedoch nicht unbedingt im Sportbereich. Es gibt Diplomarbeiten und Dissertationen, die Sportler oder ihre Trainer befragen (vgl.: BÖS, VON REKOWSKI, Petschnig, Siebrasse, Wittke) oder Studien, die den Zusammenhang zwischen Essstörungen und Sport in Bezug auf Prävalenzen, Risikosportarten und verschiedene Einflussgrößen untersuchen. Hier wird vor allem immer wieder die Studie von SUNDGOT-BORGEN (1993) erwähnt. Weitere Untersuchungen und die Ergebnisse werden in Kapitel 4 dargestellt.

Bei der Durchsicht der Literatur fällt auf, dass vor allem mit Fragebögen gearbeitet und quantitative Studien durchgeführt wurden. Die Dissertation von Annette Bös ist eine von wenigen Untersuchungen, die auf eine qualitative Methode zurückgreift. Es handelt sich dabei allerdings nicht um eine Kategorienanalyse wie in dieser Arbeit sondern um eine Fallanalyse. Da die Ergebnisse trotzdem interessant für diese Arbeit sind, werden sie im Folgenden kurz erläutert.

Bös befragte für ihre sozialwissenschaftliche Doktorarbeit sieben Frauen, die in ihrer Vergangenheit eine oder mehrere anorektische Perioden, gepaart mit einer intensiven sportlichen Betätigung durchlebt haben. In ihren Ergebnissen führt sie Erklärungsansätze auf, die nur als Anhaltspunkte, nicht aber als statisches Schema dienen sollen und dürfen.

1. Das Streben nach Perfektion und Leistung zeigten alle sieben Frauen. Der sportliche Erfolg brachte allen Anerkennung, Beachtung und Bewunderung, was für alle Frauen erstrebenswert war. Diesem Anspruch entsprach auch der athletische, androgyne Körperbau.
2. Eine Ambivalenz zwischen Anpassung und Emanzipation konnte Bös bei einigen Frauen nachweisen. Einerseits wurde sich den gesellschaftlichen Normen angepasst, um auf diesem Weg Anerkennung zu bekommen, andererseits war der Wunsch nach dem Ausbrechen aus dem Wertesystem vorhanden. Dieses Ausbrechen machte den Personen jedoch Angst.
3. Teilweise stellte Bös Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen fest, welche zu den Essstörungen führten. Alle Frauen waren nachweislich harmoniebedürftig.
4. Identitätsproblematik und daraufhin die Flucht in den Sport war bei zwei der Frauen Grund der Essstörung. Der sportliche Erfolg gab einerseits Sicherheit und Selbstbewusstsein, zum anderen war der Sport ein Ventil, wurde also als Druckausgleich genutzt.

Auch BÖS weist darauf hin, dass Essstörungen immer multikausal zu betrachten sind. Ursachen sind ihrer Meinung nach bei der erkrankten Person selber und in ihrer Umwelt zu finden. Nach BÖS kann „von Mitverantwortlichkeit für die Entwicklung einer Magersucht bzw. einer Essstörung, nicht aber von Schuld gesprochen werden“ (BÖS 2003, S. 279).

Ursachen der Entwicklung der Essstörung waren bei BÖS unter anderem Bemerkungen vertrauter Personen bezüglich ihrer Figur oder der Leistungsfähigkeit. Dies macht den starken Einfluss des sozialen Umfeldes auf die Athleten deutlich.

Empirischer Inhalt der vorliegenden Arbeit ist, mit betroffenen Personen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Sportart zu sprechen und sie insbesondere in Bezug auf ihr soziales Umfeld zu befragen. Das Ziel soll sein, bei jedem Teilnehmer/jeder Teilnehmerin den direkten Einfluss des sozialen Umfeldes heraus zu filtern. Dies erfordert eine intensive und multiperspektivische Betrachtung der Gespräche.

Voraussetzung für die Teilnahme an der Untersuchung war, dass für die Sportart, die auf Wettkampfebene ausgeführt und für die regelmäßig trainiert wurde, das Gewicht bzw. der Körper eine wichtige Rolle spielte.

Im Anschluss an die Interviews sollen die Ergebnisse und die Auswirkungen der verschiedenen Sportarten auf das Essverhalten der Sportler verglichen und mögliche Unterschiede in den Sportarten dargestellt werden. Dabei können so genannte „Risikosportarten“ aufgezeigt werden, die die Entstehung einer Essstörung durch bestimmte sportartenspezifische Aspekte fördern.

Diese empirische Diplomarbeit liefert einen kleinen Beitrag zu diesem durchaus heiklen Thema innerhalb der Sportsoziologie.

3 Die klassischen Essstörungen

Zu den klassischen Essstörungen gehören die Anorexia nervosa (Magersucht), die Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) und die Adipositas (Fresssucht). Des Weiteren gibt es die Anorexia athletica, auf die in 4.1 eingegangen wird. In dieser Arbeit geht es um den Zusammenhang von Essstörungen und Sport, die Adipositas spielt in diesem Kontext keine Rolle und wird deshalb außer Acht gelassen.

3.1 Geschichtliche Entwicklung der Essstörungen innerhalb derGesellschaft

3.1.1 Magersucht – Anorexia nervosa

Bereits im ersten Jahrhundert verwendeten Ärzte den Begriff „anorexis“, kurze Zeit später erwähnte Galenus (129 – 200 n. Chr.) den gleichen Begriff und gab ihm die Bedeutung „fehlender Appetit“. Knapp 400 Jahre später befasste sich Alexander von Tralles, ebenfalls ein Mediziner, mit diesem Thema (vgl. VANDEREYCKEN et al. 2003, S.149ff).

Eine erste detaillierte medizinische Beschreibung über die Anorexia verfasste im Jahre 1689 der englische Arzt Richard Morton. In KÖHLE et al. wird diese sogar als bekannteste Erstbeschreibung des Krankheitsbildes erwähnt (vgl. KÖHLE et al. 2003, S.689). Jedoch erst im 19. Jahrhundert begannen Ärzte die Magersucht aus einer anderen Perspektive zu untersuchen bzw. zu entdecken: Die Mediziner William Withey Gull aus England und Ernest-Charles Lasègue aus Frankreich beschäftigten sich unabhängig voneinander wissenschaftlich, d.h. per Beobachtung und Beschreibung, mit dem Krankheitsbild der Anorexia nervosa. Gull war Hofarzt in England und somit sehr prominent. Er entwickelte eine moderne Psychosomatik: Störungen würden durch eine pathogene Kraft im Gehirn ausgelöst. 1868 hielt er einen Vortrag, in dem er behauptete, die extreme Abmagerung einiger Frauen sei nicht, wie damals angenommen, auf eine Darmerkrankung zurückzuführen. Zwanzig Jahre später (1888) veröffentlichte er einen wissenschaftlichen Beitrag über die Anorexie. Sein Kollege, der Franzose Lasègue war ihm dabei zuvor gekommen. 1873 veröffentlichte dieser bereits seine Arbeit: „De l’anorexie hysterique“. Darin bezeichnete er die extreme Abmagerung als eine hysterische Unterernährung. Auch Lasègue bemerkte, dass die Ursachen der heute als Magersucht bekannten Krankheit nicht organisch waren und führte sie auf emotionale Störungen zurück. Die Arbeit, in der er zudem Depressionen, Hauterkrankungen, Amenorrhoe und Verstopfungen als charakteristisches Erscheinungsbild der Krankheit beschreibt, gilt als die erste veröffentlichte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Anorexie (vgl. BÖS 2003, S.25/26).

Beide Mediziner fassten die Erkrankung als eine „psychogene Störung“ (ebd. S. 689) auf.[1] Bei den Merkmalen bzw. Symptomen der Anorexia nervosa waren sich Gull und Lasègue einig. Beiden fielen bei den Betroffenen trotz der Abmagerung und körperlichen Schwäche der Bewegungsdrang und die notorische Unruhe auf. Lasègue beobachtete: „[...], dass die verringerte Nahrungsaufnahme keineswegs die Muskelkraft beeinflusst, sondern sogar die Beweglichkeit steigert.“ (BÖS 2003, S. 205 f). Um die Jahrhundertwende einigte man sich innerhalb der Medizin darauf, dass es sich bei der Anorexia nervosa um eine psychische Störung handelt (vgl. BÖS 2003, S.20).

Nicht nur innerhalb der Medizin kam es im 19. Jahrhundert durch die Psychologie zu einer Wende, auch in der Gesellschaft änderte sich zu der Zeit viel. VANDEREYCKEN, VAN DETH, MEERMANN erwähnen z.B. die „auffallenden Veränderungen in den höheren sozialen Klassen der westeuropäischen und nordamerikanischen Gesellschaft während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert“ (VANDEREYCKEN et al. 2003, S.228). Vor allem fallen darunter die Veränderungen im Familienleben, das veränderte Frauenbild und das veränderte Schönheitsideal. Themen, die auch heute noch durchaus aktuell sind, spielten bereits damals eine Rolle (vgl. VANDEREYCKEN et al. 2003, S. 229). Für VANDEREYCKEN, VAN DETH, MEERMANN wurde durch verschiedene soziokulturelle Veränderungen die „(Ohn-)Macht der idealen Familie“ hervorgerufen. Dazu zählten die „fortschreitende Aushöhlung der traditionellen Werte, die Entstehung des Kapitalismus und [...] die Zunahme des affektiven Individualismus’“ (S. 231)[2]. Auch BÖS sieht in der damaligen gesellschaftlichen Entwicklung den Nährboden für die Entstehung einer solchen Erkrankung wie die Magersucht: „Viele Familientherapeuten sehen in dem gescheiterten Prozeß der idealen Bürgerfamilie grundlegende Wurzeln der modernen Magersucht“ (BÖS 2003, S. 28).

Die „New Woman“, ein Begriff, der Ende des 19. Jahrhunderts geprägt wurde, war selbstbewusst und bestimmt, entschied sich manchmal sogar gegen die Familie und für die berufliche Laufbahn, womit sie sich innerhalb der Gesellschaft Hass und Missachtung erwarb. VandereyCKen et al. schreiben sogar von einem Hass auf die „neuen Frauen“, die „durch ‚ungesunden’ intellektuellen Wehrgeiz ihre ‚Natur’ mißgestalteten“ (VandereyCKen et al. 2003, S. 245).

Was die Rolle des Körpergewichts zu der Zeit anging, so wurde sie nicht nur in der Medizin immer wichtiger. Die Essgewohnheiten und das Gewicht wurden zu einem wichtigen Merkmal der Persönlichkeit (vgl. ebd. S.263). Es entstand ein neues Schönheitsideal. War bis zum 19. Jahrhundert die Fettleibigkeit noch ein Kennzeichen der Oberschicht, so änderte sich dies zur Jahrhundertwende (vgl. BUCHHOLZ 2001, S.25). Weg vom vorher eher molligen und fülligen Körper, der Busen und Po betonte, entstand das noch heute gängige Schönheitsbild der modernen Frau.[3] Mit dem Streben nach körperlicher Bewegung und Sporttreiben, entwickelte sich auch der sportliche Wettkampf, in dem der Körper einfach schlanker werden musste. Die Medien zeigten, wie heute, Modelle und Mittel, wie eine solche Figur zu erreichen ist. Frauen begutachteten sich im Spiegel, das Foto wurde zum stummen Zeugen des Körpers. Im Gegenzug übernahm die Unterschicht, die erstmals ausreichend Nahrungsmittel hatte, die Fettleibigkeit.

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten die Lebensversicherungen den Zusammenhang von Gesundheit und Lebenserwartungen. Sie ließen statistische Gewichtstabellen erstellen und anhand derer das Idealgewicht für die höchste Lebenserwartung ermitteln. Es entstand die Broca-Formel (Körperhöhe in cm minus 100) (vgl. BUCHHOLZ 2001, S.25 ff). Nun hieß es: schlank ist gesund.

Auch bekannte historische Figuren wie die Kaiserin Elisabeth von Österreich, bekannt als „Sissi“, beugten sich dem Schönheitsideal. Mit einer Größe von 1,72 Meter und dem Gewicht von nie mehr als 50 kg hatte Sissi einen BMI (Body-Maß-Index)[4] von 16,9 und war nach heutigen Maßstäben eindeutig untergewichtig (vgl. VANDEREYCKEN et al. 2003, S. 266). VANDEREYCKEN, VAN DETH, MEERMANN bezeichnen ihre Lebensart als eine typisch magersüchtige.[5]

In den zwanziger Jahren des neuen Jahrhunderts wurden in Amerika Kleider mit einheitlichen Konfektionsgrößen entwickelt, um diese in Modehäusern zu etablieren. Die Kleider passten durch ihre einheitliche Passform nicht mehr allen, was zu Frustrationen führte: Dicke konnten nicht mehr mit der Mode gehen (vgl. BRUMBERG 1994, S.209). In Zeitschriften für die Frau wurde das neue Schlankheitsideal propagiert. So erschien 1918 in der Zeitschrift Vogue ein Kommentar, der in dieser Form in der heutigen Zeit wahrscheinlich einen Aufschrei in der Gesellschaft auslösen würde: „Es gibt ein unverzeihliches Verbrechen gegen das moderne Schönheitsideal; man kann guten Gewissens eine beliebige Anzahl kleiner Verbrechen begehen, solange man sich nicht der Sünde schuldig macht, dick zu werden.“ (aus: BRUMBERG 1994, S.209).

Das Schönheitsideal wurde in den folgenden Jahren zum Statussymbol und dadurch gerne von den Medien aufgenommen und vermarktet. In den vierziger Jahren entdeckten die Medien die Jugendlichen als Zielgruppe, quasi die Zukunft der Modeindustrie. Seit den siebziger Jahren hat die Bedeutung von sportlicher Fitness und Sportlichkeit zugenommen. Durch die legendäre Aerobic-Instructerin und Schauspielerin Jane Fonda schwappte der Sportkult auch nach Europa. Jane Fonda litt übrigens auch an Bulimie...

3.1.2 Ess-Brech-Sucht – Bulimia nervosa

Die Bulimia nervosa wurde, obwohl sie ein differenziertes Krankheitsbild zur Anorexia nervosa aufweist, erst vor rund zwanzig Jahren von der Magersucht abgegrenzt (vgl. GERLINGHOFF/BACKMUND 1998, S 9). In der Literatur liest man unterschiedliches. LEBENSTEDT et al. behaupten, bulimisches Verhalten sei schon in der Antike bekannt gewesen. ERPEN erinnert an die Fressgelage der Römer zur Zeit ihres kulturellen Niedergangs, die bekannt dafür waren, sich erst voll zu fressen und zu saufen, um danach alles wieder zu erbrechen (vgl. ERPEN 1990, S. 115).

In der Medizin erschienen die ersten Berichte über die mit der Magersucht verwandte Krankheit erst in den siebziger Jahren. Zunächst ging man davon aus, dass das Erbrechen ein Weg der anorektischen Patienten war, weiter an Gewicht zu verlieren. Es entstand in den achtziger Jahren der Begriff „Bulimarexia“ von Boskind. Die Autorin stellte den Zusammenhang von Magersucht und Ess-Brech-Sucht dar. Ihrer Meinung nach ist die Bulimie eine soziale Neurose, „die durch das Gefühl des Versagens, des Abgelehntwerdens und durch Überanspruchung durch das ideale Bild der Frauenrolle zustande kommt.“ (ERPEN 1990, S.117).

Der entscheidende Unterschied zur Anorexie jedoch war, dass das Gewicht der Betroffenen im Allgemeinen normal war (vgl. FAIRBURN 1991, S.4). 1979 wurde die Bulimia nervosa dann erstmals als eine eigenständige Krankheit von Russel beschrieben, 1980 von der American Psychiatric Association im Katalog psychischer Störungen aufgenommen (vgl. Lebenstedt et al. 2004, S.18, FAIRBURN 1991 S. 4)[6].

3.2 Begriffsbestimmung der Anorexia Nervosa

Der Begriff Anorexia nervosa bezeichnet eine Störung des Essverhaltens. Wörtlich bedeutet der Begriff: „Appetitmangel nervöser Art“. Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend, denn die Betroffenen leiden nicht unter Appetitmangel, sondern unterdrücken bewusst ihren Appetit oder den Hunger, weil sie das Verlangen haben, mager zu sein (vgl. Lebenstedt, Bußmann, Platen, 2004, S. 14). Deshalb ist die deutsche Bezeichnung der Anorexia nervosa, nämlich Magersucht (à Sucht nach einem mageren Körper), bezeichnender.

Bei einer von der Anorexie betroffener Person ist die Beschäftigung mit dem Körpergewicht und dem Hungern zentraler Mittelpunkt im Leben. Dabei erleben die Personen diesen Zustand nicht als krankhaft sondern als normal. Sie erkennen auch nicht den lebensbedrohlich ausgehungerten Körper als dünn. Viel mehr wollen sie immer mehr abnehmen, da sie eine panische Angst vor dem Zunehmen und dem Körperfett haben. Dabei wird nicht selten die 30-Kilo-Marke unterschritten. Diese starke Gewichtsabnahme führt bei bis zu 15% der Betroffenen in den Tod. (KÖHLE et al. 2003, LEBENSTEDT et al. 2004, KLUßMANN 2002).

Um Essstörungen diagnostizieren zu können, wurden bestimmte Kriterien entwickelt, die in zwei international gebräuchlichen Klassifikationssystemen beschrieben werden. Zum einen das Schema der Weltgesundheitsorganisation „International Classification of Diseases“ (ICD), wobei hier die zehnte Fassung in Gebrauch ist (ICD-10). Hier sind alle Krankheiten aufgeführt. Das andere Schema beschränkt sich auf psychische Störungen: „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM), welches mittlerweile in der vierten Fassung erscheint (DSM-IV)[7]. Beide Diagnoseschlüssel entsprechen sich mittlerweile weitgehend (LEBENSTEDT et al. 2004, S.16).

Diagnostische Kriterien der Anorexia nervosa (AN):

- Untergewicht, d.h. weniger als 85% des zu erwartenden alters- und größenadäquaten Gewichts
- Große Angst vor Gewichtszunahme
- Körperschemastörung, d.h. die Wahrnehmung des Körpers ist verzerrt
- Übertriebener Einfluss des Gewichts auf Selbstbewertung
- Krankheitsverleugnung
- Amen-rrh-e, d.h. das Ausbleiben mindestens drei aufeinander f-lgender Menstruati-nszyklen

Abbildung 1: Diagn-stische Kriterien der An-rexia nerv-sa (vgl. Lebenstedt et al. 2004, S.16, GERLINGHOFF/BACKMUND 2000, S.16).

Die magersüchtigen Patienten werden in zwei Typen unterteilt, die sich v-n der Art der Gewichtsredukti-n unterscheiden. Der restriktive Typ erzielt die Gewichtsabnahme durch exzessives Hungern. Dieser Typ ist der ursprünglich reine Typ der Magersucht und ist auch bes-nders hartnäckig entgegen jeglicher fremder Hilfe.

Der Purging-Typ -der Binge-Purging-Typ ist die Weiterentwicklung des restriktiven Typs. Das reine Hungern fällt den Betr-ffenen s- schwer, dass sie zu Heißhungeranfällen neigen. Der Purging-Typ ergänzt das Hungern als- durch selbst induziertes Erbrechen und/-der Missbrauch v-n Diuretika -der Laxanzien (Abführmittel).

LEBENSTEDT et al. weisen darauf hin, dass beide Klassifikati-nsschemata eine gesteigerte körperliche Aktivität der Magersüchtigen nicht als Diagn-sekriterium aufführen, -bw-hl sch-n bei der Erstbeschreibung der Krankheit (siehe Kapitel 3.1) die An-rexie durch zwei Merkmale gekennzeichnet wurde: freiwilliges Hungern und erhöhte körperliche Aktivität (LEBENSTEDT et al. 2004, S. 17). KÖHLE et al. S. 690 weisen auf dieses Thema ges-ndert hin. Hier sind die Patientinnen durch einen ausgeprägten Bewegungsdrang -der sp-rtliche Überaktivität gekennzeichnet, des Weiteren wird ihnen eine -ft ausgeprägte Leistungs-rientiertheit attestiert.

3.3 Begriffsbestimmung der Bulimia nerv-sa

Der Begriff Bulimie bedeutet s-viel wie Stier- -der Ochsenhunger und stammt aus dem Griechischen. Die Betr-ffenen nehmen dabei überdurchschnittlich viel, und meistens h-chkal-rische Nahrungsmengen auf einmal zu sich und erbrechen alles kurze Zeit daraufhin wieder. Zusätzlich -der anstelle des Erbrechens wird zur Gewichtsabnahme -ft übermäßig bis exzessiv Sp-rt getrieben und/-der es k-mmt zum Missbrauch v-n Abführmitteln. GERLINGHOFF berichtet s-gar v-n einer Variante des Erbrechens, dem Kau-Schluck-Syndr-m. Hierbei wird die Nahrung zerkaut, jed-ch nicht geschluckt s-ndern wieder ausgespuckt (vgl. GERLINGHOFF/BACKMUND 1998, S. 19).

Weiterhin ist auffällig, dass die Pers-nen ein unregelmäßiges Essverhalten haben und -ft Diäten durchführen. Das Selbstwertgefühl ist an den Körper und das Gewicht gebunden, weshalb es zu starken Stimmungsschwankungen k-mmen kann.

Nach außen hin ist die Bulimie im Gegensatz zur Magersucht schwer erkennbar, da das Gewicht meistens im N-rmalbereich liegt. Außerdem sind die Sympt-me s- unterschiedlich ausgeprägt, dass Außenstehenden eine Diagn-se fast unmöglich ist. Deshalb ist es für die Betr-ffenen kein Pr-blem, die Krankheit geheim zu halten. Das Erbrechen wird s-gar -ft v-m engsten Familienkreis nicht erkannt -der bemerkt (vgl. VON WIETERSHEIM 2003, S. 708, GERLINGHOFF/BACKMUND 1998, S.18 ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Diagn-stische Kriterien der Bulimia nerv-sa (vgl. VON WIETERSHEIM 2003. S. 709 und GERLINGHOFF/BACKMUND 1998, S. 18)

Auch in der Bulimie k-mmen zwei Subtypen v-r. Zum einen gibt es die Bulimia nerv-sa mit selbst induziertem Erbrechen (Purging Typ), wie in den Diagn-sekriterien der DSM aufgeführt. Der N-n-Purging Typ hingegen erbricht nicht, s-ndern k-mpensiert die Fressanfälle mit Fasten -der exzessivem Sp-rt (vgl. LEBENSTEDT et al. 2004, GERLINGHOFF 1998 und VON WIETERSHEIM 2003).

4 Essstörungen im Leistungssp-rt

Essstörungen spielen im Leistungssp-rt immer mehr eine R-lle. Innerhalb der Medien werden Magersucht und Bulimie nicht mehr selten mit Sp-rt in Zusammenhang gebracht. S-gar die p-pulärwissenschaftliche Zeitschrift „Fit f-r Fun“ brachte einen Artikel über Essstörungen im (Breiten-) Sp-rt heraus, -bw-hl die Zeitschrift eher für die Gl-rifizierung des Körperkults bekannt ist und dementsprechend überwiegend Abnehmtipps und B-dy-W-rk-ut zum Thema macht (vgl. HEIM 2004, S.91). Neben dem Breitensp-rt ist auch der H-chleistungssp-rt betr-ffen: Meldungen über die deutschen Skispringer wie Frank Löffler -der Sven Hannawald in den vergangenen Jahren -der auch das Outing v-n Franziska van Almsick zeigen, dass viele Sp-rtler diese Krankheit durchaus kennen.

Im Leistungs- und H-chleistungssp-rt spielen ök-n-mische und p-litische Interessen eine immer größer werdende R-lle. Der Druck auf die internati-nal erf-lgreichen Athleten durch Medien und Sp-ns-ren, die Erwartungen an sich selbst und/-der die Erwartungen v-n Außenstehenden, sind en-rm. Aber auch im Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssp-rt wird dieser gesellschaftliche Druck größer. Die traditi-nellen Zielsetzungen, wie etwa das Erlernen s-zialen Verhaltens, Fairness -der Abbau v-n Aggressi-nen verschieben sich. Andere Dinge, wie die körperliche Attraktivität, Selbstdarstellung -der einfach die Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit bis an die körperliche Grenze, werden wichtiger. Seit einigen Jahren findet innerhalb der Gesellschaft eine Individualisierung statt (vgl. 7.1.1). Sp-rt stellt in der Gesellschaft einen bes-nderen Bereich dar. Hier können Pers-nen durch Leistung Anerkennung gewinnen, die sie eventuell s-nst nicht bekämen. V-r allem bei Sp-rtlerinnen wirkt sich dieser Druck -ft auf das Essverhalten aus. Es können als- an-rektische -der bulimische Verhaltensweisen bei Sp-rtlern entstehen, die zunächst zwar durch die Gewichtsabnahme die Leistungen steigern, später aber zu einem Leistungsabfall führen, wie auch teilweise die Ergebnisse der Interviewauswertung zeigen werden. Oft ist es schwierig, das -ptimale Verhältnis zwischen Körpergewicht und Leistungsfähigkeit zu erreichen. Es k-mmt dann neben dem nicht erwünschten Leistungsabfall -ft auch zu massiven gesundheitlichen Pr-blemen -der irreversiblen Schäden. In Einzelfällen führen diese s-gar zum T-d (WANKE et al. 2004 S. 288).

Seit den Achtziger Jahren werden Essstörungen im Sp-rt immer häufiger wissenschaftlich untersucht. Jed-ch k-nnten durch die verschiedenen Pr-bandengruppen, Sp-rtarten, Untersuchungsdesigns (nur Frageb-gen, Frageb-gen plus Gespräch) usw. keine übereinstimmenden bzw. allgemein gültigen Ergebnisse herv-rgebracht werden. Dies zeigt auf, dass das Thema sehr k-mplex ist und wissenschaftlich n-ch nicht hinreichend untersucht wurde.

Eine bes-nders h-he Zahl v-n Betr-ffenen AN-Fällen wiesen Untersuchungen im Tanzsp-rt auf. S- stellte Garfinkel 1981 eine erhöhte Inzidenz bei Ballettänzerinnen fest, 1987 zeigten Br--ks-Gun, Warren und Hamilt-n mit dem Frageb-gen zur Erfassung v-n Essstörungen, dem EAT (Eating Attitude Test[8] ), dass 33% einer Ballettgruppe an-rektische -der bulimische Störungen aufwiesen (vgl. Kn-bl-ch et al. 2000, S.198).

SUNDGOT-BORGEN et al. führten 1993 die größte repräsentative Studie zu Essstörungen im Leistungssp-rt durch. Dabei untersuchte die Gruppe 603 Athletinnen aus 35 Sp-rtarten im Alter v-n 15 bis 35 Jahren, die Mitglieder des n-rwegischen Nati-nalkaders, als- durchaus Leistungssp-rtlerinnen waren. Ihnen gegenüber stellte er 522 rand-misierte K-ntr-llpers-nen. Bei einer Rücklaufqu-te v-n 86% gilt die Studie als repräsentativ und bisher auch als einmalig. Resultat der V-runtersuchung (den Pr-bandinnen wurden zwei Fragebögen auf der Grundlage des EDIà“Eating Dis-rder Invent-ry“ v-rgelegt) war, dass 22% der Athletinnen und s-gar 26% der K-ntr-llgruppe als gefährdet eingestuft wurden, eine Essstörung zu entwickeln. Bei den weiteren ausführlichen Interviews rand-misierter Pr-banden wurde bei 18% der Athletinnen eine Essstörung diagn-stiziert, jed-ch nur bei 5% der K-ntr-llgruppe. Bei den Athletinnen galten:

- n= 43 mit der Diagn-se An-rexia athletica
- n=42 mit der Diagn-se Bulimia nerv-sa
- n=7 mit der Diagn-se An-rexia nerv-sa
- n=11 hatten eine nicht klassifizierte Essstörung

(vgl. SUNDGOT-BORGEN 1993, S.33/34, 1993)

VELDE und PLATEN vermuten, dass sich Athleten mit einer ausgeprägten Essstörung nicht lange im Spitzenbereich einer Sp-rtart halten können und s-mit die Prävalenz der Erkrankungen auf niedrigerem Niveau n-ch höher ist als SUNDGOT-BORGEN nachweisen k-nnte. Zudem geben die Aut-rinnen zu bedenken, dass die Rücklaufqu-te zwar insgesamt sehr h-ch, in den Disziplinen aber, w- die größten Esspr-bleme vermutet wurden (z.B. Langstreckenlauf), am niedrigsten war. Sie gehen daher v-n einer h-hen Dunkelziffer aus (vgl. VELDE/PLATEN 1996, S.40).

WANKE et al. 2004 und SCHEK 2002a+b berichten über Ergebnisse verschiedener zwar k-ntr-llierter, aber kleinerer Studien (zwischen 1990 und 2001)[9], die SUNDGOT-BORGENS Ergebnisse bestätigen. Demnach s-llen Essstörungen „unter Sp-rtlern und Sp-rtlerinnen häufiger auftreten als innerhalb der nicht sp-rttreibenden Bevölkerung. [...] Dabei sind - wie in der nicht sp-rttreibenden N-rmalbevölkerung – Sp-rtlerinnen im stärkeren Maße betr-ffen als Sp-rtler“ (WANKE et al. 2004, S.290, vgl. auch PLATEN 2000, S.105/106). SUNDGOT-BORGEN kam zu dem Ergebnis, dass: „a significantly higher number -f female athletes than n-nathletes suffer fr-m ED (Eating Dis-rders) “ (vgl. SUNDGOT-BORGEN 1993, S.38).

Eine aktuelle Studie aus Amerika, deren Ergebnisse im Frühjahr 2005 im J-urnal -f Athletic Training erschienen sind, hat die Aussage v-n Sundg-t-B-rgen erneut bestätigt. Die Aut-ren Reinking und Alexander untersuchten leistungssp-rtlich trainierende C-llege Studentinnen und Nicht-Sp-rtlerinnen der Saint L-uis Universität nach Sympt-men v-n Essstörungen. Außerdem verglichen sie Ausdauersp-rtlerinnen, zu denen sie Schwimmen und Cr-sslaufen zählten, mit Mannschaftssp-rtlerinnen wie Basketball, V-lleyball, S-ftball usw. Insgesamt k-nnten sie bei 7% aller Sp-rtlerinnen Essstörungs-Sympt-me feststellen, s-wie bei 25% der Ausdauersp-rtlerinnen und 13% der Nicht-Sp-rtlerinnen (vgl. REINKING/ALEXANDER 2005). Das würde bedeuten, dass Mannschaftssp-rtarten kaum bis keinen Nährb-den für Essstörungen bieten, was auch die Auswertungen dieser Studie zeigen.

4.1 An-rexia athletica

Der in der Fachliteratur umstrittene Begriff s-ll zeigen, dass die Betr-ffenen Sp-rtler sind und für -der wegen der Sp-rtart ein gestörtes Essverhalten an den Tag legen.

Entstanden ist die An-rexia athletica in den Neunzigern in Anlehnung an die An-rexia nerv-sa. Zunächst untersuchte Smith 1980 mittels einer Einzelfallanalyse das gestörte Essverhalten eines 19jährigen Athleten. Dabei beschrieb und analysierte er das Essverhalten des Sp-rtlers sehr genau und präzise. Ziel v-n Smith war es, die Esspr-blematik v-n Sp-rtlern deutlich zu machen und sie v-r allem im Sp-rt zu begründen (vgl. SMITH 1980). Smith erwähnte aber nie das W-rt „An-rexia athletica“ im speziellen s-ndern sprach v-n einer Art An-rexia nerv-sa unter Sp-rtlern, die Unterschiede aufwies.

Erst Pugliese et al. erwähnten die An-rexia athletica 1983, allerdings mit einem Verweis auf SMITH. Weiter entwickelten PUGLIESE et al. diagn-stische Kriterien der An-rexia athletica, die 1993 v-n Sundg-t-B-rgen m-difiziert, jed-ch nicht in der DSM -der ICD aufgen-mmen wurde. Das heißt, die An-rexia athletica ist keine eigene, medizinisch anerkannte Essstörung. Sie wird teilweise s-gar n-ch v-n Fachleuten abgelehnt und sehr häufig diskutiert (vgl. Lebenstedt et al. 2004, S. 24f, NEUMARKER/BARTSCH 1998, S.247f).

Clasing et al., die in ihrer Veröffentlichung «Die essgestörte Athletin» sehr tief in die Pr-blematik eintauchen, definieren die An-rexia athletica als „eine bewusste Verringerung des Körpergewichts bis zur Grenze des Untergewichts, um eine bestimmte sp-rtliche Leistung zu erreichen und um Anerkennung zu gewinnen“ (vgl. CLASING et al. 1996 (a), S. 15). Der Zusatz „athletica“ s-ll deutlich machen, dass die Essstörung sp-rtinduziert ist.

CLASING et al. entdeckten ein bes-nderes Merkmal der An-rexia athletica, demzuf-lge die Betr-ffenen selbständig in den Trainingspausen und nach Beendigung ihrer sp-rtlichen Laufbahn das gestörte Essverhalten wieder ablegen bzw. die Ernährung wieder umstellen und wieder an Körpergewicht zunehmen (vgl. CLASING et al. 1996(b), S. 15). Auch SMITH hatte dieses Merkmal 1980 bei Sp-rtlern bereits erkannt.[10] Ein weiterer Unterschied zur An-rexia und Bulimia nerv-sa ist die Entstehung bzw. die M-tivati-n der Betr-ffenen zum veränderten Essverhalten: während n-rmal an-rektische Pers-nen eine multifakt-rielle psych-s-ziale und s-zi-kulturelle Genese haben, entstehe der Antrieb zum Gewichtsverlust bei Sp-rtlern überwiegend aus dem Grund der Leistungssteigerung heraus (vgl. Lebenstedt et al. 2004, S.27). Die An-rexia athletica sei deshalb nicht primär eine psychische Erkrankung, sie könne sich jed-ch bei entsprechender Disp-siti-n in eine An-rexia nerv-sa -der eine Bulimia nerv-sa verselbständigen (vgl. Clasing 1996, S.20).

Da insgesamt eine ungenügende Kal-rienmenge, gemessen an dem erhöhten Bedarf der Sp-rtlerin durch körperliche Aktivität, zu sich gen-mmen wird, können schwerwiegende Gesundheitspr-bleme auftreten. S- kann es neben der Essstörung, als- der Mangelernährung, zur Amen-rrh-e (Ausbleiben der Regelblutung) und zur Oste-p-r-se führen. Die drei Krankheitsbilder zusammen werden in der Literatur als Triade -der „the female athlete triade“ bezeichnet (vgl. PLATEN 2000, S. 105).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Kriterien der An-rexia athletica, nach Pugliese et al. (1983) und Sundg-t-B-rgen (1993) in Clasing et al. (1996) (vgl. Lebenstedt et al. 2004 S.26).

NEUMÄRKER/BARTSCH setzen sich in ihrem Artikel «An-rexia nerv-sa und ‚An-rexia athletica’?» ausführlich und sehr kritisch mit dem Begriff auseinander. Sie k-mmen zu dem Schluss, dass die Abgrenzung „An-rexia athletica“ nicht gerechtfertigt sei, da in ihren Untersuchungen keine klinisch-sympt-mat-l-gische Unterschiede v-rgelegt werden k-nnten (vgl. NEUMÄRKER/BARTSCH 1998, S. 249). Sie sind der Meinung, dass extremes Sp-rttreiben -der extremes Trainieren (Excessive Exercise) zu einer An-rexia nerv-sa führen kann und berufen sich dabei auf Untersuchungen v-n Eisler und Le Grange v-n 1990, die der Beziehung v-n Excessive Exercising und An-rexia nerv-sa nachgegangen sind (vgl. Kapitel 4.2). NEUMÄRKER/BARTSCH sehen es deshalb als n-twendig, die Berechnung des BMI nur im Zusammenhang mit der Bestimmung des Körperbaus nach dem Matrix-Index zu betrachten. Der Körperbau kann individuell zu einer Körperwahrnehmungsstörung führen und damit das An-rexie-Risik- steigern. Die Aut-ren wendeten diese Untersuchungskriterien bereits an und kamen zu dem Ergebnis, dass ein „lept-m-rpher[11] Körperbau [...] zu einer inakkuraten Körperwahrnehmung“ prädisp-niere (vgl. NEUMÄRKER/BARTSCH 1998, S.248/249). FRÖHNER/WAGNER hingegen sehen Sp-rtler mit metr-m-rphem[12] Körperbau und einem BMI unter 18 stärker gefährdet, als Sp-rtler mit einem lept-m-rphem Körperbau und ähnlichem BMI (vgl. FRÖHNER/WAGNER 2002, S.38f). Allein dieses Beispiel lässt erkennen, wie k-ntr-vers das Thema Essstörungen im Sp-rt in der Wissenschaft n-ch diskutiert wird.

Auch MIETHLING und SCHIRMER empfinden die Definiti-n der An-rexia athletica v-n CLASING et al. (1996) als bedenklich. Sie halten das bewusste Abnehmen aus Gründen der Anerkennung als Warnsignal einer An-rexia nerv-sa und fürchten, dass durch eine Betitelung wie „An-rexia athletica“ das eigentliche Pr-blem verharml-st wird: nämlich die tiefgehende psych--s-ziale Bedeutung der Krankheit (vgl. MIETHLING/SCHIRMER 1999, S.7).

In dieser Arbeit wird weiterführend der Begriff „An-rexia athletica“ nicht als eigenständige Essstörung, w-hl aber als Essverhaltensstörung verstanden. In den Gesprächen mit Betr-ffenen haben sich Verhaltensweisen heraus kristallisiert, die nicht als eine klassische Essstörung, w-hl aber als Essverhaltensstörung bezeichnet werden können.

4.2 Exzessives Sp-rttreiben – eine Art An-rexia nerv-sa?

Dass An-rexia nerv-sa (AN) Patienten -ft einen stark ausgeprägten Bewegungsdrang haben, bemerkten sch-n die Ärzte Gull und Lasègue im 19. Jahrhundert (vgl. Kapitel 3.1). Kr-n, Katz, G-rzynski und Weiner fanden 1978 bei einer Befragung v-n AN-Patientinnen heraus, dass diese Hyperaktivität zu den frühesten und zu den am spätestens zurückgehenden Anzeichen einer Magersucht gehören (vgl. Kn-bl-ch et al. 2000, S.195). Dies macht den Zusammenhang v-n Essstörungen und Sp-rt sehr stark deutlich.

Auch die Untersuchung v-n KATZ 1986 (vgl. KATZ 1986, S.75-77) verdeutlicht dies. Er be-bachtete zwei Langstreckenläufer, bei denen sich aufgrund Exzessiven Laufens eine An-rexia nerv-sa entwickelt hatte. Nachdem bei beiden eine Verringerung des Laufens erzwungen wurde, flüchteten sie in bulimisches Verhalten und Depressi-nen.

YATES, LEEHEY und SHISSLAK veröffentlichten 1983 den Artikel „Running – An anal-gue -f An-rexia?“ und lösten dadurch laut KNOBLOCH et al. heftige Diskussi-nen aus. Die Aut-ren hatten 60 zwanghafte Läufer interviewt und inf-lgedessen eine Ähnlichkeit dieses Läufertyps mit An-rexie-Patienten festgestellt. Es bestünde bei einigen Merkmalen eine Überlappung, s- zum Beispiel bei der Ign-ranz v-n Schmerzen und Hunger -der dem Streben nach einem bestimmten körperlichen Ideal. Grund sehen die Aut-ren darin, dass beide Typen, als- die extremen Läufer, wie auch die An-rektikerinnen, in der Phase der Pubertät mit gr-ßen Pr-blemen und einem geringen Selbstwertgefühl belastet sind. Für beide stellt das abn-rmale Verhalten ein Pr-blemlösungsversuch dar (vgl. KNOBLOCH et al. 2000, S.195f und KUESEL TRAYNOR/VOLKWEIN-CAPLAN 2000, S.204). F-lgende Untersuchungen anderer Aut-ren relativieren diese Ergebnisse wieder. Es k-nnten keine der An-rexie- -der Bulimie-Patientinnen entsprechenden psych-l-gischen Strukturen bei den Läufern nachgewiesen werden.

Jed-ch ist die Ähnlichkeit zwischen An-rexie-Patientinnen und extremen Läuferinnen nicht v-n der Hand zu weisen. In der Br-schüre „T-- thin t- win“ v-n der Internati-nalen Athletic F-undati-n (1990)[13], schilderten die Aut-ren FOX, TEMPLE &WHIGLEY zwei Lauftypen. Den entscheidenden Unterschied stellten die verschiedenen M-tivati-nsgrundlagen dar. Um dies zu verdeutlichen, wurde eigens für diese Arbeit eine Tabelle erstellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Schönheitsläuferin wird dabei s- definiert, dass sie mit dem Laufen angefangen hat, um einen schlanken Körper zu bek-mmen und es als Mittel zum Zweck nutzt. Wenn allerdings sch-n eine Neigung -der Disp-siti-n zur Magersucht besteht, sehen FOX et al. dies als eine Gefahr an, da zum Teil angegeben wurde, mit dem Sp-rt beg-nnen zu haben, weil d-rt Schlankheit als l-benswert angesehen wird’ (FOX et al., in: Kn-bl-ch et al. 2000, S.197). Die K-nkurrenzläuferin wird dadurch definiert, dass sie sch-n v-r der Gewichtsredukti-n leistungsmäßig Sp-rt getrieben hat und wahrscheinlich v-m Trainer zum Zweck der Leistungssteigerung zur Diät getrieben wurde. Was zudem eine gr-ße R-lle spielt ist laut KNOBLOCH et al. die „überz-gene Kultivierung des Schlankheitsideals im Sp-rt...“ (ebd. S.197).

EISLER und LE GRANGE befassten sich ausführlich mit dem Zusammenhang v-n Exzessivem Sp-rttreiben und An-rexia nerv-sa und stellten in ihrer Arbeit vier M-delle v-r, die diesen Zusammenhang jed-ch eher beschreiben als begründen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Erklärungsm-delle für die Beziehung v-n An-rexia nerv-sa und Exzessivem Sp-rttreiben nach EISLER und LE GRANGE.

Aufgrund der Untersuchungen v-n KATZ und die Einteilung der Läufertypen nach FOX ist w-hl M-dell 2 am ehesten zutreffend. EISLER und LE GRANGE selbst scheinen diesem M-dell zugeneigt, wie aus der abschließenden Diskussi-n ihrer Veröffentlichung erkennbar ist (vgl. EISLER/LE GRANGE 1990, S.381f). Auch NEUMÄRKER /BARTSCH erwähnen die These Nummer zwei v-n EISLER und LE GRANGE als ihren Fav-riten (vgl. NEUMÄRKER/BARTSCH 1998, S.248).

Man kann nach all diesen Ergebnissen den Schluss ziehen, dass Exzessives Sp-rttreiben -der eine s- genannte Sp-rtsucht[14] und An-rexia nerv-sa ins-fern in Beziehung zueinander stehen, als dass sich Verhaltens- und Ernährungsmuster gleichen und s-gar identische Persönlichkeitsmerkmale bei beiden Gruppen zu finden sind.

[...]


[1] VANDEREYCKEN, van Deth und Meermann (2003) gehen sehr speziell auf die beiden Mediziner ein (S.194ff).

[2] VANDEREYCKEN et al. 2003 beschreiben in ihrem Buch (Kapitel 10 „Die vikt-rianischen Wurzeln der Magersucht“) ausführlich den kulturhist-rischen K-ntext zu der Entstehung bzw. Verbreitung der An-rexia nerv-sa im 19. Jahrhundert.

[3] „Während Männer immer n-ch die mütterliche Figur bev-rzugten – bes-nders ihre Busen -, bildeten Frauen sich ein eigenes Schönheitsideal, w-bei alle Hinweise auf Fruchtbarkeit und Mutterschaft abgelegt wurden.“ (VANDEREYCKEN et al. 2003 S. 264).

[4] BMI ist eine allgemein anerkannte F-rmel, nach der das individuelle Gewicht in einen bestimmten Bereich einge-rdnet wird. Sie lautet: (Körpergröße)²/Gewicht. Ein Ergebnis < 18 bedeutet Untergewicht, bis 25 ist n-rmalgewichtig, 25-30 ist übergewichtig und >30 ist adipös. Die F-rmel berücksichtigt allerdings nicht den Anteil der Muskelmasse, weshalb es fraglich ist, -b sie bei Sp-rtlern ebens- gültig ist wie bei Nicht-Sp-rtlern.

[5] Die Aut-ren berichten in dem Buch „Wundermädchen, Hungerkünstler, Magersucht“ über eine Vielzahl bekannter hist-rischer Frauen, die unter der Magersucht litten.

[6] Laut KÖHLE et al. geschah dies erst 1987 (vgl. ebd. 2003, S.708).

[7] In UEXKÜLL et al. 2003 wird in Kapitel 24 genau auf beide Diagn-seschlüssel eingegangen.

[8] Der EAT entstand für eine Studie, in dem GARNER und GARFINKEL Balletttänzerinnen auf Essstörungen untersuchten. Nachzulesen bei GARFINKEL 1981, S.220.

[9] Dabei wurden untersucht: Kunstturnerinnen (n=25), Rhythmische Sp-rtgymnastinnen (n=12), Balletttänzerinnen (n=20), Aer-bic-Instructerinnen (n=30), Skilangläuferinnen (n=91), Langstreckenläuferinnen (n=16), Schwimmerinnen (n=12), Ruderinnen (n=73) und B-dybuilderinnen (n=12) (Zusammenstellung der Resultate bei SCHEK 2002(b), S.25).

[10] „The pr-gn-sis f-r reversing the weight l-ss is usually excellent, c-nsiderably better than that f-r the typical ad-lescent female suffering fr-m an-rexia nerv-sa” (SMITH 1980, S.139).

[11] lept-m-rph=lept-s-m à schlanker Körperbau mit schmalen, längeren, zartkn-chigen Gliedmaßen (DUDEN, Das Fremdwörterbuch 1997, S.471)

[12] metr-m-rph à v-n ausgeglichener [Körper]k-nstituti-n (DUDEN, Das Fremdwörterbuch 1997, S.516)

[13] Diese Br-schüre k-nnte für diese Arbeit leider nicht im Original aufgefunden werden, s-ndern wurde nur im Zitat v-n KNOBLOCH et al. übern-mmen.

[14] KUESEL TRAYNOR und VOLKWEIN-CAPLAN gehen im Jahrbuch des Deutschen Olympischen Instituts (2000) sehr gründlich auf das Phän-men des exercise addicti-n ein.

Details

Seiten
114
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783832499211
Dateigröße
910 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225038
Institution / Hochschule
Technische Universität München – Fakultät für Sportwissenschaften, Sport, Medien und Kommunikation
Note
1,0
Schlagworte
leistungssport bulimie anorexie sportsoziologie anorexia athletica

Autor

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Titel: '... und dann sollte ich halt bis 52 Kilo abnehmen'