Lade Inhalt...

Die wirtschaftliche Entwicklung des Odenwaldes

Aufgezeigt anhand ausgewählter Städte

Diplomarbeit 2006 134 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Gliederung:

1 Einleitender Teil

2 Allgemeiner Teil
2.1 Die naturräumlichen Grundlagen
2.1.1 Abgrenzung des Odenwaldes:
2.1.1.1 Abgrenzung auf Grund des inneren Baus und der Bodengestalt:
2.1.2 Naturräumliche Einheiten des Odenwaldes:
2.1.2.1 Kristalliner Odenwald:
2.1.2.2 Buntsandstein- Odenwald:
2.1.2.3 Kleiner Odenwald (siehe Abb.1:V):
2.1.2.4 Zentraler Buntsandstein Odenwald (VI):
2.1.2.5 Hinterer Buntsandstein Odenwald (VII):
2.1.3 Gewässernetz:
2.1.4 Klima
2.1.5 Pflanzenwelt:
2.2 Die siedlungsgeographischen Verhältnisse
2.2.1 Gang der Besiedlung
2.2.1.1 Vorgeschichtliche Zeit
2.2.1.2 Römische Besiedlung
2.2.1.3 Alemannisch-fränkische Landnahme
2.2.1.4 Zeit der Rodungen
2.2.2 Geschichte und Administration des Odenwaldes seit 1806
2.2.3 Genese des Siedlungsbildes bis zum Beginn des 20.Jh:
2.2.3.1 Die Siedlungsdichte
2.2.3.2 Historisch gewachsene Siedlungsformen:
2.2.3.3 Haupttypen ländlicher Siedlung
2.2.3.4 Städte
2.2.3.5 Verkehr:

3 Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Odenwaldes (exemplarisch betrachtet am Beispiel der Städte Buchen, Beerfelden, Erbach und Miltenberg, sowie der Gemeinde Mudau)
3.1 Kriterien zur Auswahl der Kreise
3.2 Die Landwirtschaft
3.2.1 Flächennutzung
3.2.2 Besitzverhältnisse und Betriebsweisen:
3.2.3 Bodennutzung
3.2.4 Viehwirtschaft
3.2.5 Forstwirtschaft:
3.3 Bodenschätze und ihre Verwertung:
3.3.1 Bergbau
3.3.2 Industrie der Steine und Erden
3.4 Handwerk
3.5 Anfänge der industriellen Entwicklung
3.5.1 Darstellung der dominierenden Industriezweige des Odenwaldes (bis Ende der 20er Jahre)
3.5.2 Entwicklung der Industriezweige bis 1970
3.5.3 Einfluss von Handel und Gewerbe auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Standortes
3.6 Entwicklung der Standorte Erbach, Beerfelden, Miltenberg, Buchen bis 2005
3.6.1 Bevölkerungsentwicklung
3.6.2 Wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Buchen:
3.6.2.1 Entwicklung der Industrie und Gewerbegebiete in Buchen von 1981 bis 2005
3.6.2.2 Expansion der Wohnbauflächen:
3.6.2.3 Veränderung der Industrie- und Gewerbegebiete:
3.6.3 Wirtschaftliche Entwicklung der Städte Beerfelden und Erbach
3.6.3.1 Industrie und Gewerbegebiete in Beerfelden
3.6.3.2 Industrie und Gewerbegebiete in Erbach
3.6.4 Wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Miltenberg
3.6.4.1 Industrie und Gewerbegebiete in Miltenberg
3.6.4.2 Bedeutung des Tourismus’ für die Stadt Miltenberg

4 Schlussbetrachtung:

Einleitender Teil

Die Intention der hier vorliegenden Arbeit besteht darin, die wirtschaftsgeographische Entwicklung des Odenwalds darzustellen. Auf Grund der Größe dieser Mittelgebirgslandschaft und des politisch-administrativen Wechselspiels der Verwaltungszuständigkeit innerhalb des Odenwaldes ist es jedoch nur schwer möglich diese Genese raumgreifend für den gesamten Odenwald aufzuzeigen.

Die Arbeit gliedert sich deshalb in zwei Großbereiche. Dies ist zum einen ein „Allgemeiner Teil“, der die naturräumlichen Grundlagen und die siedlungsgeographischen Verhältnisse für den gesamten Odenwald zu erfassen versucht. In diesem Teil soll untersucht werden, was den Odenwald zu einer „Naturräumlichen Einheit“ werden lässt und inwiefern innerhalb dieser eine Binnengliederung sinnvoll erscheint.

Im zweiten Abschnitt - einem wirtschaftsgeographischen Teil - werden dann die wirtschaftlichen Verhältnisse des Odenwaldes exemplarisch an Hand ausgewählter Städte und Gemeinden beleuchtet. Soweit es die Datenlage und deren valide Vergleichbarkeit zulässt, erfolgt die Betrachtung auch innerhalb dieses Kapitels nach wie vor weiträumig.

Den Schwerpunkt dieses Abschnitts stellt jedoch der beispielhafte Vergleich der Wirtschaftsstandorte Buchen, Beerfelden, Erbach und Miltenberg dar.

Die unter anderem im Rahmen umfangreicher geographischer Feldarbeit vor Ort gewonnen Erkenntnisse sollen die Unterschiedlichkeit dieser Standort aufzeigen. In einem zweiten Schritt gilt es dann diese verschiedenartige Entwicklung zu eruieren, um am Ende der Arbeit mögliche Rückschlüsse auf das Chancenpotential des „Wirtschaftsstandortes Odenwald“ anzureißen.

2 Allgemeiner Teil

2.1 Die naturräumlichen Grundlagen

2.1.1 Abgrenzung des Odenwaldes:

Der Odenwald gilt als Teil des oberrheinischen Gebirgssystems, das in seinem derzeitigen Erscheinungsbild nachhaltig durch den Einbruch des Oberrheingrabens im Tertiär und der gleichzeitigen Heraushebung seiner Randgebirge geprägt wurde. Entlang dieser grabentektonischen Hauptverwerfungslinie gerät der Odenwald in Grabenrandposition. So bildet heute auch nur der Westrand des Odenwaldes eine scharfe (52km lange) Grenzlinie. Die anderen Abgrenzungen erfolgen zum Teil willkürlich (so bildet der Spessart geologisch betrachtet eigentlich eine naturräumliche Einheit mit dem Odenwald, der durch das Erosionstal des Mains keineswegs stärker getrennt wird als im Süden der durch den Neckar abgetrennte „Kleine Odenwald“). Der Übergang des Odenwaldes zu den benachbarten Großräumen erfolgt meist in breiten Streifen so wie die Übergangszone des Odenwalds zum Kraichgau im Süden oder zum Bauland im Osten.

2.1.1.1 Abgrenzung auf Grund des inneren Baus und der Bodengestalt:

Nordgrenze:

Die nördliche Grenze des Odenwaldes folgt der Abgrenzung des Rotliegenden (dieses ist vor allem im Spendlingerhorst anzutreffen, wo es zum Teil mit einer Mächtigkeit von 260m den Granit bedeckt[1] ) im Übergang zu den pleistozänen (siehe Abb.1: Geologische Karte (A)) sowie pliozänen (B) Schotterablagerungen der Mainebene zusammen.

Zur weiteren Abgrenzung des Odenwaldes gilt der Übergang zum Reinheimer Hügelland. Hier wählt Rittmayer als natürliche Grenzlinie die Gersprenz von Dieburg bis zur Mainmündung sowie den Verlauf des Untermains bis Freudenberg. Bei genauer Betrachtung der geologischen Karte ist die Grenze jedoch deutlich südlicher dieser Linie anzusiedeln, nämlich am Übergang Mittlerer Buntsandstein zum Löß der Reinheimer Bucht[2] (dessen Mächtigkeit beträgt im Mittel zehn Meter (vgl.: Nickel, E: S.178) (C) sowie am Übergang der Granitausläufer zum Löß im Bereich des von SW nach NE verlaufenden Störungssystems (D).

Ostgrenze:

Die Abgrenzung des Odenwaldes zum Spessart hin erfolgte, wie bereits eingangs erwähnt, eher beliebig. So hat es sich eingebürgert den antezedenten Maindurchbruch als „Odenwald-Spessart-Schwelle“ zu bezeichnen (Meynen, E.; Schmithüsen, J. (Hrsg): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands; Bad Godesberg 1962; S.237). Zwischen Großostheim und Obernburg sieht man zwar deutlich den Mittleren Buntsandstein mit scharfem Bruchrand zur Untermainebene abbrechen und unter pleistozänem Schotter verschwinden (E), „wo das Maintal zwischen Obernburg und Miltenberg sich allerdings verengt, wird die Grenze zwischen Spessart und Odenwald problematisch.“ (Meynen, E.; Schmithüsen, J.; S.236) (F). Deutlicher hingegen ist die Grenze zum Bauland, wo die Plattensandsteine des Oberen Buntsandsteins unter die Wellenkalke und Wellendolomite des unteren Muschelkalk untertauchen. Obwohl diese Übergangszone mit dem etwas steileren südöstlich/südsüdöstlichen Einfallen der weit verbreiteten Rottöne (mit einer Mächtigkeit bis zu 30Meter[3] ) unter den Muschelkalk, an der so genannten Odenwaldflexur (G), recht markant erscheinen mag, so ist diese geologische Grenze doch eine 3 km breite Übergangszone. Sie stellt gleichzeitig die Grenze zwischen Alt- und Jungsiedelland und somit eine deutliche Kulturlandschaftsgrenze dar.

Südgrenze:

Die geologische Südgrenze des Odenwaldes folgt der nördlichen Begrenzung der Kraichgau- Senke, sie ist somit die Grenzlinie zwischen Oberem Buntsandstein und Wellengebirge[4]. Diese Grenze trennt den Kleinen Odenwald vom Kraichgau. Etwas unterschiedlich erscheint die Zuordnung der nördlichen Wellenkalkhöhen (Lohrbacher Vorstufen (H)). E. Schmitt rechnet diese Stufe noch zur Abdachung des Sandstein-Odenwaldes (vgl.: Meynen, E.; Schmithüsen, J.; S.237). E. Reinhardt folgt bei seiner Abgrenzung des Kleinen Odenwalds zum Kraichgau beziehungsweise zum Bauland exakter den geologischen Schichtstufen und rechnet somit die dort anzutreffenden Wellenkalkhöhen nicht mehr zum Odenwald dazugehörig.

Im unteren Neckargebiet ist die Grenze zum Unteren Muschelkalk meist unscharf „und wird an der Basis der geschlossenen Karbobatfolge gezogen“ (Bachmann, G. H. und Brunner, H.: Nordwürttemberg (aus der Reihe Sammlung geologischer Führer; Band 90); Suttgart 1998; S.12). Der genaue Übergang erfolgt von dem im südlichen Odenwald 4-10m mächtigen Rötquarzit (dem so genannten „Fränkische Chirotheriensandstein“), der meist noch von Rottönen überlagert wird, zum Grenzgelbkalk des Unteren Muschelkalkes („Perm-Trias-Subkommission“ (Bachmann, G. H. und Brunner, H.; S.16)).

Nach Rittmayer verläuft demnach die Südgrenze des Odenwaldes von Buchen über Rittersbach, Dallau, Binau, Unterschwarzach, Reichertshausen, Bammental nach Nussloch - wobei hier anzumerken ist, dass die westlich des Königstuhls anzutreffende Gaisbergsscholle bereits Verkarstungserscheinungen aufzeigt. Im Bereich des Speyererhofes sind somit die nördlichsten Vorboten des muschelkalkgeprägten Kraichgaus zu finden (siehe Abb.1: Geologische Karte). Der südliche Grenzbereich des Odenwalds besteht weitgehend aus dem lößlehmbedeckten Oberen Buntsandstein. Mehrere Einzelerhebungen (Buntsandsteinberge) ragen dennoch südöstlich von Neckargemünd hervor. Diese wurden durch alte Neckarschlingen voneinander getrennt (I). Morphologisch lassen sich nur zum Neckartal hin schärfere Mittelgebirgsformen erkennen, die sich dann rasch zu den leicht gewellten Hügeln des Kraichgaus hin neigen.

Westgrenze:

Wie bereits eingangs erwähnt, bricht der Odenwald mit einer sehr eindrucksvollen Steilstufe unvermittelt zur Rheinebene ab. Im Bereich der Bergstraße wird die exakte Grenze zwischen Ebene und Gebirge durch Schotter- und Schwemmlößmassen der den Gebirgsrand säumenden Schwemmkegel etwas verwischt. An die Schwemmkegel schließen dann nach oben die Gebiete mit Primärlöß an. Dieser verhüllt in der Regel die unteren Teile der Westhänge mit einer 2-12m mächtigen Schicht. Dennoch erscheint der Odenwaldanstieg vom Westen gesehen recht deutlich, da die Odenwaldberge trotz der geringen Erhebung über dem Meeresspiegel - im Gegensatz zum Schwarzwald, dem eine Hügelzone vorgelagert ist - unmittelbar aus der Rheinebene ansteigen. „Der Gegensatz zwischen Ebene und Gebirge wird selten derart deutlich (…), nirgends in einer deutschen Landschaft prägt aber der Aufbau die Oberflächenformen wie hier. Eine solche scharfe Begrenzung gibt es allerdings nur im Westen, (…)“ (Bolbach, L.: Aufbau und Werden (Beitrag in: Der Odenwald; Land zwischen Rhein, Main, Neckar (Hrsg.: Dr. Winter; H.); Essen; 1959); S.21). Die Rücken und Kuppen des kristallinen Odenwaldes klingen nach Norden in den Höhen des Reinheimer Hügellandes aus. Den wuchtigsten Eckpfeiler der Westflanke stellt der „Hohe Malchen“ (Melibokus) mit 517m dar. Er ist gleichzeitig der westlichste Punkt des Mittelgebirges (J).

2.1.2 Naturräumliche Einheiten des Odenwaldes:

Die populärste Unterscheidung ist die des Vorderen Odenwaldes vom Hinteren Odenwald. Das entspricht dem Gegensatz vom Kristallinen oder Grundgebirgsodenwald und Buntdandstein-Odenwald. Diese geologische Grobgliederung zeigt sich auch sehr deutlich im morphologischen Erscheinungsbild der Haupteinheiten. Eine dritte Hauptregion, wenn auch flächenmäßig unbedeutender und geologisch dem Buntdandstein-Odenwald zuzurechnen, ist der Kleine Odenwald. Geologisch ist noch ein vierter Bereich abzugrenzen, es handelt sich hierbei um den Sprendlinger Horst, der vom Rotliegenden zugedeckt ist. Im Folgenden gilt es diese Einheiten differenzierter zu untergliedern und geologisch beziehungsweise naturräumlich voneinander abzugrenzen.

2.1.2.1 Kristalliner Odenwald:

Zwischen Dossenheim und Eberstadt bei Darmstadt erheben sich die Kuppen des freigelegten karbonischen Grundgebirges. Durch Taleinschnitte ist die Vorderseite des Gebirges lebhaft gegliedert und bricht scharf zur Rheinebene ab.

Petrographisch gliedert sich der Vordere Odenwald in drei Bereiche. Den ersten Bereich bildet der Bergsträßer Odenwald (I), der im Karbon von Magmatiten durchsetzt wurde. Er ist erzgebirgisch streichend, sein Westrand wird morphologisch von den Randverwerfungen des Oberrheintalgrabens gebildet. Die östliche Grenze wird vom Böllsteiner- („Otzbergzone“) sowie vom Buntsandstein-Odenwald markiert. Die zweite Einheit formt die ebenfalls erzgebirgisch streichende, schmale Zwischenzone (II), in der der Hornblendengneis das überwiegende Gestein darstellt. (vgl. Nickel, E.: S.36). Schließlich ist als dritter Bereich der Böllsteiner Odenwald (III) zu nennen, der als „resistenter Block (…) bei der karbonischen Faltung umgangen wurde“ (Nickel, E.: S.9) und somit der Prävariszischen Ära zuzuordnen ist.

Die vierte Einheit ist als nordwestlicher Ausläufer des Odenwaldes der Sprendlinger Horst (IV). Er erstreckt sich nördlich der Linie Darmstadt-Reinheim. Hier verschwindet das kristalline Gebirge unter der Decke von Rotliegendem. Es handelt sich dabei um ein morphologisch wenig heraustretendes Plateau, das neben Rotliegend-Sandstein durch Melaphyrdecken und einige alttertiäre und frühmiozäne Vulkanite geprägt ist. Während des Eozäns führten in diesem Gebiet orogene Vorgänge zum Absinken einzelner Teile der Landoberfläche. In den entstanden Senken bildeten sich zu dieser Zeit unter anderem die bekannten Ölschiefer von Messel. „Diese Ölschiefer sind die ältesten Ablagerungen des Odenwaldes“ (Bolbach, L.: Aufbau und Werden (Beitrag in: Der Odenwald; Land zwischen Rhein, Main, Neckar (Hrsg.: Dr. Winter; H.); Essen; 1959); S.17). Charakteristische Formen fehlen diesem nordwestlichen Ausläufer des Odenwaldes, und „daher kommt auch eine gewisse Eintönigkeit der flachhügeligen Oberfläche dieser Gegend“ (Rittmayer, O.: Die siedlungs- und wirtschaftsgeographischen Verhältnisse im Odenwald; Karlsruhe 1928; S.6)

Zienert teilt den Kristallinen Odenwald noch in verschiedene Kleinformen auf. Diese sind die Juhöhenscholle, die „mit einer rund 150m hohen Bruchstufe zum Oberrheingraben“ abfällt und auf Grund des engmaschigen Gewässernetzes durch ihre starke Zertalung geprägt ist (Zienert, A.: Oberflächenformen; Beitrag in: Die Stadt und die Landkreise Heidelberg und Mannheim; Die Stadt- und Landkreis in Baden- Württemberg, Mannheim/ Heidelberg 1966; S.33). Es schließt sich ohne scharfe Grenze im Osten die Weschnitzsenke an. In Folge starker Verwitterung hat sich aus dem großen „granodiotitschen Weschnitzpluton“ (Nickel, E.: S.14) kein Gebirgsmassiv, sondern eine konkave Struktur gebildet, in der nur gegen den Rheingraben höhere Berge erhalten geblieben sind. Östlich der Weschnitzsenke schließt sich die Tromm an. Diese bildete einen von N nach S verlaufenden Bergrücken, der sich nach Süden verbreitet und im Norden an die Zwischenzone angrenzt. Nickel gliedert den kristallinen Odenwald in drei Großregionen: den Bergsträßer Odenwald mit den erzgebirgisch streichenden Metamorphitzonen (von S nach N: Schollenagglomerat (a); Hauptschieferzug Heppenheim (b); Zug Bensheim- Groß Bieberau (c); Rahmen des Frankensteinmassivs (d); und Schieferregion SE von Darmstadt (e)) und eingedrungnen Magmatiten (von S nach N: Heidelberger Granit (f); Trommgranit (g); Weschnitzpluton (h); Hauptdioritzug (i); Flasergranitoidzone E Bensheim (j); Malschenmassiv/ Neutscher Komplex (k); Frankensteinpluton (l) und Raum Darmstadt (m)), die Zwischenzone mit der Otzberstörung und die Böllsteinkuppel. (vgl. Nickel, E.: S.3ff)

2.1.2.2 Buntsandstein- Odenwald:

Der Buntdandstein-Odenwald nimmt etwa zwei Drittel des Mittelgebirges ein. Er beginnt an der auf dem Grundgebirge beziehungsweise dem Rotliegenden auflagernden Buntsandsteinstufe. Die Grenze zum Kristallinen Odenwald entfernt sich nördlich des Weißensteins (Dossenheim) vom Gebirgsrand und zieht als markante Schichtstufe in nord-nordöstliche Richtung. Im Gegensatz zum Kristallinen Odenwald bestimmen hier überwiegend Hochflächen den Charakter des Gebirges. Diese Stufe weist eine recht unterschiedliche Mächtigkeit auf und ist im Allgemeinen an den vorderen Sporen am niedrigsten. Selbstverständlich bringt der unterschiedliche Gesteinshorizont auch vielfältige Änderung in Bezug auf die Morphologie und das Landschaftsgepräge mit sich. So bewirkt der Spaltenreichtum des Buntsandsteins eine große Wasserdurchlässigkeit und somit ein weitmaschiges Entwässerungsnetz. Die Täler sind meist tief eingeschnitten (bis zu 450m) und schmal und geben Siedlungen und Anbau wenig Raum. An den steilen Talhängen findet man eine „Blockstreu aus Bruchstücken besonders harter Partien des Buntsandsteins, z. T. in Form regelrechter Felsenmeere“ (Zienert, A.: S.37)

Zum Entstehen dieser Oberflächengestalt hat vor allem die ausgeprägte Frostverwitterung während des Pleistozän sowie die hier häufig anzutreffende hohe Reliefenergie an den Talflanken beigetragen.

Die gesteins- und brockenreichen Sandsteinverwitterungsböden sind häufig nährstoffarm und flachgründig. Eine genauere Darstellung der pedographischen und anthropographischen Auswirkungen sollen jedoch zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert werden (Kap.3.2.2 „Bodennutzung).

Geologisch-naturräumlich lässt sich der Buntdandstein-Odenwald nochmals in drei Gebirgsteile untergliedern: den durch das Neckartal abgetrennten Kleinen Odenwald, den Zentralen Buntdandstein-Odenwald und den Hinteren Buntdandstein-Odenwald.

Auch diese drei Einheiten sollen nun differenzierter betrachtet und geologisch beziehungsweise naturräumlich voneinander abgrenzt werden:

2.1.2.3 Kleiner Odenwald (siehe Abb.1:V):

Wie bereits eingangs erwähnt stellt das antezedente Neckartal die Grenze zwischen Buntdandstein-Odenwald und Kleinem Odenwald dar. Somit ist im Kleinen Odenwald auch deutlich die geologische Fortsetzung des mittleren beziehungsweise oberen Buntsandsteindeckgebirges zu erkennen. Er bildet die Fortsetzung des Winterhauchs südlich des Neckars und wird durch das Pleutersbachtal in zwei Gebiete geteilt. Der östliche Kleine Odenwald (siehe Abb.1: Va) schließt sich an die oberen Hochflächen östlich vom Gammelbachtal (nordwestlich von Eberbach) an. Es finden sich hier, im rasch nach Süden absinkenden Buntsandstein-Riedel, Erhebungen bis 516m (Hebert südlich von Neckarwimmersbach). Der westliche Kleine Odenwald (siehe Abb.1: Vb) schließt sich an die tiefer liegenden Flächen des Westteils nördlich vom Neckar an. Zwischen den beiden Bereichen befindet sich, wie nördlich des Neckars, eine Bruchstufe, die dann im südlichen Kleinen Odenwald ausklingt. Eine Besonderheit des Kleinen Odenwaldes sind die alten Umlaufberge, die der Neckar durch seine Flussbettverlagerung geschaffen hat. Der bekannteste ist der „Hollmuth- Mäander“, da man hier in einer Sandgrube bei Mauer Überreste des homo heidelbergensis gefunden hat (Sauerwein, F.: Die erdgeschichtliche Entstehung des Rhein-Neckar-Raums und seine morphologische Überformung (Beitrag in: Das Land zwischen Rhein und Odenwald (Hrsg.: Uffelmann, U.);Villingen-Schwennigen 1987); S.40). Begrenzt wird der Kleine Odenwald im Westen von der Königstuhlscholle, ein im Nordwesten deutlich herausgehobener Block, der im Norden und Westen durch Verwerfungen begrenzt wird.

2.1.2.4 Zentraler Buntsandstein Odenwald (VI):

Der Zentrale Buntsandstein Odenwald ist überwiegend aus Schichten des Hauptbuntsandsteins aufgebaut. Morphologische Kennzeichen sind lang gestreckte Rücken oder ein in Flächen und Kuppen aufgelöstes Relief. In Grabenzonen erheben sich teilweise in Reliefumkehr bis zu 500m hohe Plateaus, wie zum Beispiel das Würzberg-Vielbrunner-Plateau. In breiten Talsenken, die den tektonischen Einbruch erkennen lassen, finden sich noch Gesteine des Oberen Buntsandsteins. „Im Mümling-Graben liegen auf der am tiefsten eingebrochenen Scholle bei Michelstadt-Erbach sogar noch Reste des Wellenkalkes“ (Meynen, E.; Schmithüsen, J. (Hrsg): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands; Bad Godesberg 1962; S.237). Das weitmaschige Gewässernetz zieht sich überwiegend parallel der oberrheinischen ziehenden Randverwerfungen von Nord nach Süd.

2.1.2.5 Hinterer Buntsandstein Odenwald (VII):

Kennzeichen des östlichen Odenwaldbereiches ist die Verbreitung des Oberen Buntsandsteins und das Schichtfallen der Abdachung nach O und SO. Die Westgrenze stellt die Itter-Mud-Furche da, eine von Itter und Mudbach durchzogene Talzone vom Eberbacher Neckarknie bis zum Miltenberger Mainviereck. Insgesamt wirkt das Oberflächenbild des Hinteren Odenwalds gleichförmiger als das des Zentralen Odenwaldes. Weite Hochflächen wie der Winterhauch (520-580m) erreicht man über schluchtartige Täler und steile Klingen. Westlich des Winterhauchs erhebt sich über die Hochfläche des Oberen Buntsandsteins die flache Kuppel des Katzbuckels. Der 626m hohe Härtling stellt gleichzeitig die höchste Erhebung des gesamten Odenwaldes dar. An seinem alttertiären Vulkanschlot von etwa 1000m Durchmesser lassen sich eine Reihe älterer Sedimenteinschlüsse (Buntsandstein, jüngere Triasgesteine, Lias und Opalinustone) finden. „Sie geben wichtige Aufschlüsse über die weitere geologische Geschichte des Odenwaldes“ (Bolbach, L.: S.15). Das Vorkommen beweist gleichzeitig, dass zur Zeit der Tätigkeit des Vulkans (vor etwa 65-55Mio Jahren) das Deckgebirge noch bis zum brauen Jura erhalten war. Ein weiteres Charakteristikum des Hinteren Odenwaldes ist die stärkere Zertalung der zum Main hin entwässernden Landschaftsteile - vor allem die dem System des Mudbachs angehörenden Bereiche.

2.1.3 Gewässernetz:

Wie bereits im vorangegangen Kapitel erwähnt, korreliert die Ausprägung des Gewässernetzes sehr stark mit dem anzutreffenden Gesteinshorizont. Nach Reinhardt ist es durchaus möglich eine Einteilung des Odenwaldes nach Gewässertypus vorzunehmen, der fast deckungsgleich mit der geologischen Gliederung ist. Allgemeines Kennzeichen des Buntdandstein-Odenwaldes sind meist tiefe Kerb- und Kerbsohlentäler mit „100-200m hohen, meist 20° und 35° steil geneigten Talhängen“ (Reinhard, E.: Der Neckar-Odenwald-Kreis- Kreisbeschreibungen des Landes Baden- Württemberg; Band I; Sigmaringen; 1992; S.22). Der Grund hierfür liegt in dem fast unlöslichen Buntsandstein, der oberflächenhaften Abfluss fördert. Weiterhin kommt es zu einer raschen Wasserkonzentration in Tälern, was wiederum die Zertalung der Hochflächen weitgehend verhindert. Häufig enden die Bäche des Buntsandsteins in einem steilen Talschluss. Eine reizvolle Besonderheit ist darin zu sehen, dass die vorhandenen Kerbtäler verschiedenen süddeutschen Abflusssystemen angehören. Eine Wasserscheide, die die Abflusssysteme des Mains von denen des Neckar trennt verläuft durch Würzberg, über den Roten Buckel (540m) und Schlossau nach Buchen (siehe Abb.1.: W1). In Schlossau selbst ist die Wasserscheide ein scharf ausgeprägter Grad von nicht mal 10m Breite. Auffallend an dieser Wasserscheide ist, dass die Täler, die zum Main (also nach Norden) hin entwässern, wesentlich stärker eingesägt sind als die Täler, die zum Neckar hin entwässern. Prototypisch hierfür ist die Elz (Elzbach), deren Oberläufe breit und flachwannig sind. Erst im mittleren und unteren Talabschnitt erhält das Tal schmalen Sohlental-Charakter. Eine Ausnahme stellen die Neckarzuflüsse dar -deren Ausmündung im Bereich übersteiler Neckarprallhänge liegt.

Eine zweite Wasserscheide (W2) verläuft von West nach Ost mit einem leichten Südknick. Diese trennt ebenfalls die im Neckar entwässernden Zuflüsse von denen, dem Main zulaufenden Wasseradern. Die Linie läuft (im Westen beginnend) vom Kahlberg (521m; südlich von Ostern) über den Dachsberg (482m), über den odenwälder „Spessartkopf“ (548m), knickt dann nach Südosten ab und passiert Beerfelden (mit dem Mümlingquelltopf). Anschließend verläuft die Wasserscheide in nordöstliche Richtung über den Krähberg (555m) nach Würzberg. Eine Besonderheit der zum Neckar hin entwässernden Flussläufe Itter, Gammelsbach und Finkenbach sind deren relativ starkes Gefälle (das der Gammelsbach liegt bei 20/00[5] ). Dieses Gefälle machte man sich bereits in früheren Jahrhunderten für Mühlzwecke verschiedenster Art sowie zur Brennholzflößerei zu Nutze. Somit entstanden hier schon recht früh Entwicklungsachsen der industriellen Nutzung sowie Verkehrsleitlinien des hessischen Odenwaldkreises.

Die dritte Wasserscheide (W3) trennt nun die Neckarzuflüsse von den zum Rhein hin entwässernden Flussläufen. Der Verlauf dieser Wasserscheide steht zudem in deutlicher Beziehung zur Trennungslinie zwischen dem Kristallinen und dem Buntdandstein-Odenwald. Sie beginnt im Nordosten von Schriesheim, verläuft in nordöstlicher Richtung über den Eichelberg (526m) nach Oberabtsteinach und von dort aus über Siedelbrunn nach Norden über die Tromm. Westlich von Ostern geht diese Wasserscheide mit einem Nordwest-Knick in die vierte Odenwaldwasserscheide (W4) - nämlich der Trennlinie der Rheinzuläufe von den Mainzuflüssen - über. Diese passiert in ihrem nordwestlichen Verlauf den Schenkenberg (480m), die Neunkircher Höhe (605m), verläuft dann nach Norden über Lützelbach, den Johannesberg (383m) und über Ober-Ramstadt nach Roßdorf (südöstlich von Darmstadt). Besonders niedrig erscheint diese Wasserscheide östlich von Lindenfels- dort befindet sich die Trennlinie der Gersprenz / Weschnitz- Zuläufe auf gerade mal 284m Höhe (NN)

Betrachtet man die Taldichte des Odenwaldes, so fällt auf, dass diese im Hinteren Odenwald als deutlich weitmaschiger in Erscheinung tritt. „Auf 1km2 kommen dort nur 0,6-0,7km fließende Gewässer“ (Reinhard, E; S.26)

Aufgrund der wasserundurchlässigen kristallinen Gesteine entstand im Kristallinen Odenwald ein engmaschiges Gewässernetz mit vielen Quellen (hier liegen unterschiedliche Angaben vor: 1,52/km²[6] bzw. 2,5/km²[7] ). Dies wirkte sich natürlich positiv auf die Besiedlung aus, da die Höfe zum einen von der guten Wasserversorgung profitieren und zum anderen aus der guten Wasserqualität (viel Natron und Kali) ihren Nutzen ziehen können.

Es sind dort überwiegend breite Mulden- und Sohlentäler mit geräumigen und somit siedlungsfreundlichen Talauen anzutreffen.

Das Buntsandsteingebiet ist als quellenarm zu bezeichnen. Der Grund hierfür liegt in der Wasserdurchlässigkeit der Buntsandsteinbänke. Diese lassen auf Grund ihrer Risse und der zum Teil porösen, körnigen Struktur das Wasser leichter versickern. Die Wasser stauenden tonigen Schieferletten der unteren Buntsandsteinserie hingegen bilden gute Quellhorizonte. In diesem Bereich sind deshalb häufig Schichtquellen anzutreffen, ansonsten ist Buntsandstein jedoch quellenarm, deshalb haben die Quellen im Buntsandstein ein großes Einzugsgebiet und fördern eine große Wassermenge zu Tage (0,7 Quellen/ km2; im Bereich des Rotliegenden sogar nur 0,27 Quellen/km2).

2.1.4 Klima

Das Klima des Odenwaldes ist entsprechend seiner Reliefenergie und der Luv- beziehungsweise Lee- Lage seiner Gebirge als recht heterogen zu bezeichnen. Selbst für kleinere räumliche Einheiten lässt sich auf Grund der dort divergierenden Naturfaktoren nur schwerlich von einem einheitlichen Klima sprechen.

Im Allgemeinen lässt sich der östlichen Buntdandstein-Odenwald dem Ozeanischfeuchtes Mittelgebirgsklima zu ordnen. In den Talbereichen bis 200m NN herrscht dort ein Jahresmittel der Temperatur von 8,5°C. Für den Januar wurde im Mittel der letzten 30 Jahre eine Durchschnittstemperatur von 0°C berechnet, die mittlere Julitemperatur lag bei 17,5°C (Absolutes Tmin: -28°C; Tmax: 37°C). In den Hangbereichen des Oberen Buntsandsteins (200-400m NN) fällt das Jahresmittel der Temperatur mit 8°C entsprechend niedriger aus. Gleiches gilt für das Januarmittel mit -1°C und das Julimittel mit 16,5°C. (Absolutes Tmin: -25°C; Tmax: 35°C). Auf den Hochflächen des Hinteren Buntdandstein-Odenwalds (550m NN) beträgt das Jahresmittel der Temperatur nur noch 7,5°C. Im Januar sind dort entsprechend der Hochlage nur durchschnittliche Temperaturwerte von -1,5°C zu erwarten. Die Julitemperatur lag im rechnerischen Mittel bei 16°C (Absolutes Tmin: -25°C; Tmax: 34°C)[8]. Naturräumlich besonders benachteiligt ist hier der Winterhauch. Bezeichnend hierfür ist der kurze Sommer mit nur 10-20 Tagen über 25°C und „eine verhältnismäßig kurze Vegetationsperiode, die mit der Schneeglöckchenblüte erst zwischen dem 11. und 21.März (…) einsetzt“ (Reinhard, E.; S.31). Der mittlere Beginn der Apfelblüte liegt beim 15.Mai und somit 10 Tage später als im nahe gelegenen Neckartal. Ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zu dem eher kontinental bestimmten und trockeneren Baulandklima zeigt sich auch in der Anzahl der Nebeltage. In den Höhen des Winterhauchs und des Mudauer Odenwaldes werden bis zu 60 Nebeltage im Jahr gezählt. Dies sind mehr als doppelt soviel wie im Neckartal. Dennoch nehmen die Odenwaldhöhen bei winterlichen Hochdrucklagen eine Vorzugsstellung ein. Tagelange Inversionswetterlagen bescheren den Höhenlagen winterliche Sonnenscheinperioden, während die absinkende feuchte Kaltluft im Neckartal dann eine dichte Nebeldecke bewirkt.

An durchschnittlich 60 Tagen im Jahr ist auf den genannten Hochflächen mit Schneefall zu rechnen – dies sind in etwa doppelt soviel Tagen wie im Neckartal.

Betrachtet man die klimatischen Rahmendaten im Gersprenztal beziehungsweise im unteren Mümlingtal, so ist hier mit einem deutlich früheren Frühlingsbeginn zu rechnen. Dieser fällt auf den Zeitraum zwischen dem 30. April und dem fünften Mai. Im Oberen Mümlingtal ist mit dem Anfang der Apfelblüte vom 5-10.Mai zurechnen. Auf der Beerfeldener Hochfläche beginnt der Frühling erst zwischen dem 20. und dem 15. Mai, „(…)auf dem Würzberg-Hesselbacher Höhenrücken sogar erst nach dem 15. Mai“ (Sauerwein, F.:S.19).

Auch im Gebiet des zentralen Buntdandstein-Odenwaldes korreliert die Jahresdurchschnittstemperatur mit der unterschiedlichen Höhenlage der Orte. So weisen Eberbach und Michelstadt eine Jahresdurchschnittstemperatur von 8,9°C[9] auf, wohingegen Beerfelden nur 8,3°C30 (8,0°C[10] ) im Jahresmittel vorzuweisen hat. Gleiches gilt für den Januar - in Beerfelden ist hier mit einer Durchschnittstemperatur von -0,2°C30 (-1,2°C31) zu rechnen, wohingegen Michelstadt und Eberbach bei 0,5°C30 (0,1°C31) liegen. Im Bereich des zentralen Buntdandstein-Odenwaldes fällt die Amplitude der Temperatur-Extremwerte noch ein stückweit extremer aus als im hinteren Buntdandstein-Odenwald. So liegt in Kirch-Brombach die niedrigste gemessene Temperatur bei -33,4°C und die höchste Jahrestemperatur bei +36,8°C. Beerfelden hingegen weist eine um 10,2°C niedrigere Amplitude (von -24,8°C bis + 35,2°C) auf. Der Grund hierfür liegt auch hier in der häufig auftretenden Inversionswetterlage auf den Höhenrücken. Diese verhindert, vorzugsweise in windstillen Nächten, ein Abfließen der angesammelten kalten Luft aus den Tälern. Ein weiters Indiz hierfür ist die Anzahl der frostfreien Tage. Hier ist Beerfelden mit 182 frostfreien Tagen deutlich begünstigter als Michelstadt (150 frostfreie Tage) oder Kirch-Brombach (163 frostfreie Tage) (Quelle: Sauerwein, F.: S.21). Die Auswirkungen dessen machen sich unter anderem im besseren Gedeihen von Obstbäumen oder Edelkastanien auf den Höhen bemerkbar.

Eine beachtliche Differenzierung ist im Jahresmittel der Niederschläge zu beobachten. Dieses fällt ebenfalls in der Folge der Höhenlage der Orte und deren Exposition nach Luv- und Leeseite im Gebirge sehr unterschiedlich aus. Der niederschlagsreichste Ort des gesamten Odenwaldes ist mit 1089mm in der Jahressumme Reichelsheim; mit ebenfalls hohen Niederschlägen ist in Beerfelden (1065mm) und Eberbach (1036mm) zu rechnen. Die sich im Regenschatten befindlichen Gebiete weisen deutlich niedrigere Niederschlagswerte auf. So fallen in Michelstadt 868mm und in Breitenbrunn „nur“ 757mm Niederschläge im Jahr. (Quelle: Sauerwein, F.: S.21)

Insgesamt betrachtet bilden im Odenwald die Höhen die niederschlagsreichsten Gebiete. Diese verlaufen von Neunkirchen südöstlich über Lindenfels, die Tromm und Beerfelden bis zum Katzenbuckel (Winterhauch). Der Hintere Odenwald liegt meist im Regenschatten und ist darum weniger regenreich. Die hier auftretenden Luftströme haben bereits einen Grossteil ihrer Feuchtigkeit an den vorgelagerten Steilhängen im Westen des Mittelgebirges abgegeben.

2.1.5 Pflanzenwelt:

Die lang gezogenen Buntsandsteinrücken des Hinteren Odenwaldes sind dicht bewaldet. Dies liegt nach Rittmayer nicht nur an der Nährstoffarmut der Böden, die eine kulturlandschaftliche Nutzung erschwert und zum Teil unmöglich erscheinen lässt, sondern auch daran, dass dieser Teil des Mittelgebirges „geradezu für den Wald prädestiniert (…)“erscheint (Rittmayer, O.: S15). So sei dem Wald das komplette Kulturland durch Rodung abgenommen worden - und dies selbst an den großen, lösbedeckten Rodungsinseln (Kohlhof, Gaiberg, Unter- und Oberhaag, Reichertshausen, Schwanheim u.a.) an der Südflanke des Odenwaldes. Untermauert wird diese Annahme wenn man die Orts- und Flurnamen mit heranzieht. Sehr häufig finden sich in heute kulturlandschaftlich genutzten Gebieten des Odenwaldes Orte mit den Endungen –rode; -roth; -hagen; -schwend; -hardt; -hain; -loh; -kirchen; -zell und andere. Diese Endungen deuten auf Orte hin, die von Kirchen, Klöstern und Gaugrafschaften erst ab dem 11. Jh. gerodet und anschließend besiedelt wurden. Untersuchungen von Metz und Rudolf konnten zudem zeigen, dass der Wald auch heute jede offene, brachliegende Fläche sehr rasch mit Waldvegetation überziehen würde (vgl.: Metz, F.: Die Oberrheinlande; Breslau 1925; Rudolph, M.: Die Rheinebene um Mannheim und Heidelberg; Heidelberg 1925). Im Hinteren Odenwald sind vorzugsweise Nadelwälder anzutreffen, im südlichen Teil auch Eichen. Die anzutreffenden Fichtenbestände wie auch die Lärche und die Weißtanne sind jedoch künstlich angepflanzt. Nach R. Gradmann ist selbst die Kiefer nicht von Natur aus im Odenwald anzutreffen, sie ist im angrenzenden Löß-Muschelkalkgebiet heimisch und von dort aus in den Odenwald vorgedrungen. Auf dem Waldboden ist vielfach Heidekraut und Heidelbeergesträuch vorzufinden. Kennzeichnend für den Buntdandstein-Odenwald ist alles in allem seine artenarme Flora und ein deutlich geringer Anteil an Laubwald. Bereits im Jahr 1883 war der Nadelwaldanteil mit 31.7% größer als der Laubwaldanteil (Hochwald) mit 20,2%. Für das gleiche Jahr beziffert Scherer den Nadelwaldanteil im Kristallinen Odenwald auf 24,5% - dem hingegen stehen 65,7% Laubwald (vgl. Scherer, H.: Geographie und Statistik des Gr. Hessen; Gießen; 1883). Die einstige Zusammensetzung des Baumbestandes kann man am ehesten aus den Orts-, Flur- und Waldnamen schließen. Hier zeigt sich, dass Buchen und Eichen wesentlich zahlreicher vorkommen als jede andere Baumart. Der Häufigkeit nach folgen Birken, Erlen und Eschen. Dass der Odenwald früher ein fast reines Laubholzgebiet war, lässt sich zudem an Hand vorhandener Waldkarten aus den Jahren 1790 und 1900 von H. Hausrath ablesen. Die Veränderung der Bestockung im Odenwald veranschaulicht das folgende Diagramm[11]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4 : Veränderung der Bestockung des "Pfälzer Odenwaldes" (in Prozent)

Rittmayer begründet die Veränderung des Waldbestandes pedographisch. Eine Bepflanzung mit Nadelhölzern war auf dem im Buntsandsteingebiet zum Teil ausgelaugten Boden deutlich leichter und von größerem forstwirtschaftlichem Nutzen als mit Laubhölzern.

Dies führt inzwischen dazu, dass heute der Laubwaldanteil stark hinter den Nadelwaldanteil zurückgetreten ist. So betrug der Flächenanteil der Laubbäume im Neckar-Odenwaldkreis im Jahr 1965 nur noch 35%. Zusätzlich wird dieser Anteil noch dadurch beschönigt, dass hier Gemarkungen des Kraichgaus mit einbezogen sind, welche über 85% Laubbaumanteil haben. Auf der Odenwaldhochfläche finden sich einige Gemarkungen, bei denen der Anteil der Laubbaumarten inzwischen unter 15% gesunken ist.

2.2 Die siedlungsgeographischen Verhältnisse

2.2.1 Gang der Besiedlung

2.2.1.1 Vorgeschichtliche Zeit

Als eine der bedeutendsten historischen Quellen gilt der durch Daniel Hartmann in den alten Neckarsanden bei Mauer gefundene Unterkiefer des Homo Heidelbergensis. Diese Ausgrabung vom 21. Oktober 1907 wird als „ein Jahrhundertfund (...) von herausragender Bedeutung für die menschliche Stammesgeschichte“ deklariert (Adam, K.- D.: Der Urmenschen-Fund von Mauer an der Elsenz im Jahre 1907 (http://www.homoheidelbergensis.de/fund.html; Zugriff: 5.09.2005).

Die Besonderheit des Fundes liegt in der evidenten Ambivalenz des Knochenbaus, der auf Grund seiner massig wirkenden Knochen dem Schimpansen vergleichbar erscheint, zum anderen aber dank der menschlichen Ausbildung des Gebisses der Gruppe der vorzeitlichen Humanoiden zuzuordnen ist. Weiterhin gelang es den Paläontologen des Geologisch-Paläontologischen Institutes der Universität Heidelberg, angesichts des umfänglichen gewonnen Fundgutes nun verifizierte und gesicherte Rückschlüsse auf die einstige Umwelt des Pithecanthropus erectus während der „paläolithischen Periode“ zu ziehen. Der in 24 Meter Tiefe ergrabene, ausnehmend gut erhaltene Unterkiefer galt als der älteste Fund unter Europas Urmenschen-Belegen. Demnach lebte der Homo Heidelbergensis als Sammler - „ob und inwieweit der durch den Fossilreichtum der Mauerer Sande bezeugte Wildbestand einstens bejagt wurde, bleibt eine offene Frage (...)“

(http://www.homoheidelbergensis.de/fund.html; Zugriff: 5.09.2005).

Seit der jüngeren Steinzeit, so zeigen Funde, lässt sich bereits ein Gegensatz von bewohnten und unbewohnten Flächen erkennen. Nach Gradmann korrelieren die Fundorte mit dem Verbreitungsgebiet der Steppeheideformation. Der Mensch bevorzugte demnach offene, steppenartige, waldfreie Gebiete. Diese decken sich mit den bereits beschriebenen Lößgebieten. Rittmayer zieht hieraus den Analogieschluss, dass das alte Kulturgebiet mit dem Lößgebiet zusammenfallen muss. Bekräftigt wird diese Annahme durch eine Vielzahl an Fundstücken neolitischer Siedlungsreste im Kraichgau, dem Bauland, in der Rheinebene und in der Gersprenzsenke, dem Nordrand des Odenwaldes. Von einer kontinuierlichen Besiedlung kann erst seit der Jungsteinzeit gesprochen werden. Davon zeugen steinzeitliche Funde im Mümlingtal sowie in dessen Seitentälern bis Michelstadt. Selbst in weiten Teilen des höheren Odenwalds (Böllsteiner Höhe, Nordende der Mümlinghöhe) zeugen Funde steinzeitlicher Waffen und Geräte von einer Besiedlung seit der jüngeren Steinzeit. Es ist davon auszugehen, dass die jungsteinzeitliche Besiedlung überwiegend von Norden über die siedlungsfreundlichen, sich trichterförmig zur Ebene hin öffnenden Täler der Gersprenz und Mümling hin erfolgte. H. Weber geht davon aus, dass „die Randhöhen (…) zu Leitlinien der Besiedlung“ wurden (Weber, H-H.: Frühe Geschichte (Beitrag in: Der Odenwald; Land zwischen Rhein, Main, Neckar (Hrsg.: Dr. Winter; H.); Essen; 1959); S.43). Entlang dieser Leitlinie konnte eine große Zahl historischer Artefakte aufgefunden werden, die Rückschlüsse auf eine Besiedlung der „aus dem Donauraum stammenden Bandkeramiker und der mitteldeutschen Rössener wie auf die der südwestdeutschen Michelsberger, der Thüringer (…) der norddeutschen Schnurkeramiker, der westdeutschen Becher- und der südwesteuropäischen Glockenbecherleute“ ziehen lässt (Weber, H-H.: S.43). Nördlicher der Linie Heppenheim – Michelstadt darf nach E. Anthes „kein Teil des Odenwaldes als vollkommen frei von Steingeräten bezeichnet werden“ (Rittmayer, O.: S.23). Man kann auf Grund der ausgegrabenen Artefakte jedoch keine Rückschlüsse auf das Vorhandsein ehemaliger Siedlungen ziehen - die Funde bezeugen nur, dass in diesen Gebieten steinzeitliche Jäger unterwegs waren. Östlich der Linie Eberbach – Amorbach und nördlich von Amorbach – Erbach – Bensheim fanden sich keinerlei Besiedlungsspuren. Somit ist davon auszugehen ist, dass das Buntsandsteingebiet von vorgeschichtlichen Siedlungen gemieden wurde.

Auch zur Bronze- und La-Tene-Zeit finden sich nur in den erwähnten Randgebieten des Odenwaldes Spuren dichter Besiedlung. Der Buntdandstein-Odenwald wurde nach Rittmayer erst zu Beginn des Mittelalters gerodet und bevölkert. Weber weist jedoch darauf hin, dass während der Epoche der süddeutschen Hügelgräberbronzezeit eine länger anhaltende Trockenperiode nachzuweisen ist, die die Viehzüchter in die niederschlagsreiche Hochebene des Winterhauchs übersiedeln lies. Nach der Umstellung von der Viehzucht auf den Ackerbau während der Urnenfelderbronzezeit zogen sich die Siedler wieder in die begünstigten Randlandschaften des Odenwaldes zurück.

Zur Steppenzeit gab es einige waldfreie Gebiete, die wohl besiedelt waren. Der erste Volkstamm des Odenwaldes waren die Kelten. Hiervon zeugen eine Reihe aufgefundener Siedlungsspuren, sowie keltische Sprachreste in vielen Fluss- und Ortsnamen.

Die Kelten galten als Träger einer fortschrittlichen Kultur- sie verbesserten sowohl den Ackerbau als auch die Viehzucht. Zudem schufen sie erste signifikante infrastrukturelle Verbesserungen, wie den Ausbau des Wegesystems (meist auf Höhenrücken). Eine weitere Errungenschaft war die Anlage der Ringwälle, die vorzugsweise am Westrand des Odenwaldes anzutreffen sind (Rippenweiher, Oberflockenbach, Schriesheim auf dem Heiligenberg bei Heidelberg). H.Weber sieht die Ringwälle in ihrer „Bedeutung als geschichtliche Mittelpunkte“ sowie „raumbedingte Wahrzeichen“ ihrer Zeit und dem Drang „die günstigen Wirtschaftsräume zu beherrschen“ (Weber, H-H.: S.46). In Kriegszeiten dienten diese Wälle meist als Fliehburgen. Auf Grund der physiognomischen Ausdehnungen dieser Refugien lassen sich Rückschlüsse auf die dichte Besiedlung der anliegenden Ebenen zu dieser Zeit herstellen.

2.2.1.2 Römische Besiedlung

Eine wesentliche Veränderung erfuhr das Siedlungsbild des Odenwaldes durch die Inbesitznahme des Mittelgebirges durch die Römer. Es kam während dieser Periode zur Erschließung des bis dahin gemiedenen inneren Teils des Gebirges. So entstanden zum einen zur militärischen Grenzsicherung entsprechende Grenzanlagen, die in nordsüdlicher Richtung den Odenwald durchzogen[12]. Außerdem planten und realisierten die Römer neue Verkehrswege und -mittelpunkte, wofür der Limes anfangs noch konzipiert war. Zunächst war dieser „nur“ ein Pfad im Wald, der von Groß-Krotzenburg bis Wörth dem Mainlauf folgte und sich dann auf den Höhenrücken östlich des Mümlingtals (Eulbach, Würzberg, Hesselbach, Schlossau) entlang zog. Die Verbindung des Mainlimes mit dem Neckarlimes wurde bis ca. 100 n.Chr. durch die Anlage des Odenwaldlimes geschlossen.

Unter Kaiser Hadrian wurde der Limes mit einem durchlaufenden Palisadenzaun versehen. Im Jahr 145/146 n. Chr. erfolgte der Ausbau der Holzpalisaden und Wachtürme am Odenwaldlimes zu Steinmauern bzw. Steintürmen. Die genaue Datierung lässt sich auf Grund erhaltener Bauinschriften rekonstruieren. Die Erbauer dieser Werke waren die Brittonen, die „wahrscheinlich von den Römern nach den Kämpfen in Britannien im Jahre 142 n. Chr. in den Odenwald an die stille, ruhige Grenze als Besatzung verschickt wurden“ (Mössinger, F.: Römisches (Beitrag in: Der Odenwald; Land zwischen Rhein, Main, Neckar (Hrsg.: Dr. Winter; H.); Essen; 1959); S.51). Bereits 10 Jahre nach der Erbauung des Odenwaldlimes schoben die Römer die Grenze der Provinz "Obergermanien" weiter nach Osten zum Main hin auf die Linie Miltenberg – Walldürn – Osterburken – Jagsthausen – Lorch an der Rems. Auf Grund der zunehmenden Grenzunsicherheit wurde der Limes durch die zusätzliche Anlage von Wällen und Gräben hinter dem Palisadenzaun ansteigend stärker befestigt. Entlang der Grenze errichteten die Römer Kohortenkastelle, die alle jeweils etwa vier Stunden voneinander entfernt waren. Hinzu kamen, im Abstand von ca. 500- 800m, dazwischen liegende Wachtürme (siehe folgende Abbildung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5 : Gang der römischen Besiedlung; entnommen der Kartenbeilage „Der Neckar-Odenwald-Kreis“- Amtliche Kreisbeschreibung des Landes Baden-Württemberg; Sigmaringen 1992

In Mainz war Ende des 1. Jh. das Standquartier, von wo aus der Odenwald besetzt wurde. Der Großteil der römischen Hilfstruppen im Odenwald waren zwangsangesiedelte Brittonen. Miltenberg und Schlossau wurde von den Sequanern besetzt; das Oberschneidtal von Dalmatinern und Raurakern (aus der Gegend von Basel).

Im 2. Jh. folgten der Besetzung erste bürgerliche Niederlassungen römischer Veteranen in Form erster bäuerlicher Einzelhöfe, die sich auf Grund ihrer Streulage jedoch nicht zu Weilern zusammenschlossen. Die Existenz römischer Gutshöfe ist im Odenwald nur partiell nachweisbar (bei Grumbach, Langenelz und zahlreicher im Mümlingtal südlich von Erbach). Im Bereich der Kastelle gab es vereinzelt geschlossene Dörfer, deren Einfluss auf die Orts-Physiognomie sowie die Straßenführung nachweislich noch heute zu erkennen ist. Zu nennen sind hier die ehemaligen Kastelle Groß-Krotzenburg, Oberschneidtal und Neckarburken.

Das römische Wegesystem war eng gekoppelt an das militärische Grenzsicherheitsnetz und fand sich vorzugsweise auf den Höhen. Entlang der Reichgrenze dienten Kolonnenwege als Marschstraßen für die stationierten militärischen Verbände. Zudem fanden sich im Bereich der Grenzkastelle Heerstraßen, die eine rasche Truppenversorgung aus den nahe gelegenen Kastellen und Garnisionsstädten gewährleisten sollten.

Erwiesene Querverbindungen von Osten nach Westen finden sich im Odenwald keine. Nachgewiesen sind diese nur im nördlichen sowie im südlichen Grenzbereich des Mittelgebirges.

Römische Siedlungen mit bedeutenderen Verkehrsmittelpunkten fanden sich meist an den Schnittpunkten der Querstraßen mit der Bergstraße. Zudem zeugen Funde zahlreicher römischer Relikte in Neustadt, Oberklingen, Großbieberau, Steinbach, Amorbach, Mudau, u.a. davon, dass in mehreren Orten römische Ansiedler vorzufinden waren. Gradmann weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass von einer systematischen Rodung und Kolonisierung des Odenwaldes im Entferntesten keine Rede ist (Gradmann, R.: Süddeutschland II; Darmstadt 1964; S. 97).

Auch nach Meinung Rittmayers ist der römischen Besiedlung keine zu große Bedeutung für die Folgezeit und das heutige Siedlungsbild beizumessen. Zum einen waren die römischen Siedlungen vornehmlich von militärischem Interesse; es existierten nicht die naturräumlichen Gegebenheiten, die Voraussetzung für das Entstehen von Dorf- und Stadtanlagen sind. Zum anderen fehlte fast allen Siedlungen eine durchgängige Siedlungskontinuität. Mit Ausnahme von Lohrbach (nördlich von Mosbach) wird im Buntdandstein-Odenwald kein ehemals römischer Ort vor Ende des 13. Jh. urkundlich erwähnt. Es ist demnach davon auszugehen, dass es kaum eine Besiedlungskontinuität zwischen der Römerzeit und dem Frühmittelalter im hinteren Odenwald gab.

2.2.1.3 Alemannisch-fränkische Landnahme

Zu Beginn des 3. Jahrhunderts geriet die Vormachtstellung des Römischen Reiches zunehmend unter Druck. Im Jahre 231 n.Chr. erschienen die Alemannen erstmals am Limes. Nach dem Jahr 233 scheint es an mehreren Stellen am nördlichen vorderen Limes zu Alemanneneinfällen gekommen zu sein. Brandspuren im Lagerdorf des Kastells Walldürn scheinen nach Schallmayer damit in Verbindung zu stehen (vgl. Schallmayer, E: Geschichtliche Grundlagen; in Der Neckar-Odenwald-Kreis- Kreisbeschreibungen des Landes Baden- Württemberg; Band I; Sigmaringen; 1992; S.49). Mit dem Limesfall im Jahre 260 endete auch die römische Besatzung entlang der beiden Limeslinien im Odenwald. Etwa zeitgleich mit den Alemannen fielen die Burgunder am Rhein ein, deren Gebiet die heutigen Provinzen Starkenburg und Rheinhessen umfasste. 436 haben die Hunnen (unter Attlia) die Burgunder besiegt und diese Richtung Genf zurückgedrängt. Es ist davon auszugehen, dass die Alemannen von ihren rheinischen Gauen Besitz nahmen und den Odenwald „nur“ als Zufluchtsgebiet nutzten und nicht durch Siedlungsgründungen prägten. Nach der Niederlage gegen die Franken in der Schlacht von Zülpich (496/97) wurden die Alemannen schließlich gezwungen, die nördlich der Murg gelegen Landesteile an die fränkischen Siedler zu übergeben.

Entsprechend der beschrieben Siedlungsgenese ist „der Odenwälder“ mehreren Volksstämmen zuzuordnen. Dies ist zum einen die Zugehörigkeit zu dem fränkischen Volksstamm, aber auch eine bestehende Verwandtschaft zu „(…) der unter die fremde Herrschaft gekommenen Alemannen nebst den Überresten der früheren römisch-gallischen Bevölkerung (…)“ (Rittmayer, O.: S.30).

Trotz dieser stammesgeschichtlichen Verwurzelung ist die „Konstanz der Siedlungen“, wie sie Dopsch im Jahre 1920 formuliert, eindeutig in Frage zu stellen und gilt als falsifiziert (vgl. Dopsch, A.: Wirtschaftliche und soziale Grundlagen der europäischen Kulturentwicklung I.1918; II. 1920; Wien). Da die Besiedlung im Hinteren Odenwald erst im Hochmittelalter einsetzt, ist diese Mittelgebirgslandschaft als klares Jungsiedelland zu klassifizieren.

Für den gesamten Odenwald gilt, dass fast keine der heutigen Siedlungen auf römischen Trümmern errichtet wurde. Deren Nähe zu römischen Siedlungen erklärt sich zum Teil aus dem Bedürfnis nach Baumaterial heraus. Als bekanntes Beispiel ist hier das Kloster Lorsch zu nennen, das sich „in römischen Ruinen einnistete“ (Rittmayer, O.: S.30) und die vorhandenen Anbauflächen rekultivierte.

Die Annahme, Ortsendungen (-ingen und –heim) sind die ältesten Siedlungen und Hofformen seien ein valides Kriterium zur Differenzierung der Stammeszugehörigkeit vorhandener Siedlungen, ist ebenfalls zurück zu weisen. Würde man die im Odenwald mehrheitlich vorkommenden Ortsendungen (-bach, -feld, -berg, -heim, -dorf, -hausen und -scheid) bestimmten vorherrschenden Stämmen zuordnen, so wäre fast der ganze Odenwald fränkisches Siedlungsgebiet. Gleiches gilt für die Hofformen. Die fränkische Hofanlage deutet nicht auf eine rein fränkische Stammeszugehörigkeit hin - sie ist vielmehr Ausdruck eines vermögenderen Gehöftes, das überwiegend in den fruchtbaren Gegenden aufzufinden ist. Reziprokes gilt für das alemannische Einheitshaus, das eher auf den unfruchtbaren Buntsandstein-Hochflächen Einzug gehalten hat.

Anhaltspunkte für die Beurteilung des früheren Siedlungswesens sieht Rittmayer in den Gemarkungsverhältnissen. So korrelieren große, fruchtbare Gemarkungsflächen mit überwiegend fränkischen Siedlungsspuren, wohingegen kleine Gemarkungsflächen alemannischen Ursprungs sein dürften. Unbestritten ist, dass die Ortsendungen auf -heim und -ingen zu den ältesten Ansiedlungen gehören - dies bezeugen aufgefundenen Reihengräber in den entsprechenden Orten. Im gesamten Odenwald ist jedoch nur ein einziger Ort, der auf -ingen endet - dies ist Scheringen im Elztal bei Limbach. Das heutige Buchen (Buchenheim) gilt als eine der ersten bäuerlichen Ansiedlungen im Hinteren Odenwald. Ein pragmatisches Kennzeichen der Besiedlung durch die Franken und Alemannen ist, dass beide Volksgruppen aus pragmatischen Gründen die schon besiedelten und fruchtbaren Gebiete der Ebenen und des Gebirgsrandes bevorzugten. Die Erschließung der Waldgebiete erfolgte erst auf Grund der zunehmenden Überbevölkerung in den Gunsträumen.

Die vorhanden Weiler (Weilbach; Katzenweiler, Rippenweier, u.a.) sind aller Wahrscheinlichkeit nach Ausbauorte, die den vorgelagerten -heim und -ingen-Orten räumlich und zeitlich sehr nahe stehen. Diese Orte sind zum einen landschaftlich meist an den Rändern alter Siedlungsräume anzutreffen - zum anderen sind in diesen Orten kaum fränkische Funde gemacht worden.

Anhand der Ortsnamen lassen sich eine weitere Volksgruppe und deren Einfluss auf das heutige Siedlungsgefüge nachweisen. Es handelt sich hierbei um zwangsangesiedelte Friesen, die unter Pipin im Jahre 733 und 734 verschleppt und in Frankreich angesiedelt wurden. In diesem Zusammenhang könnte auch die Gründung des Friesenberges bei Heidelberg stehen, wobei der Einfluss friesischer Kaufleute auf die Namensgebung als viabler anzunehmen ist. Umfangreicher ist die Völkerverpflanzung durch Karl den Großen (im Jahre 779) nach den erfolgten Sachenkriegen. Zu nennen sind in diesem Kontext die Zwangsansiedlungen Großsachen, Lützelsachsen und Hohensachsen am Westrand des Mittelgebirges, südlich von Weinheim.

2.2.1.4 Zeit der Rodungen
2.2.1.4.1 Kirchen und Klöster

Den weiträumigsten Einfluss auf die Besiedlung und das Siedlungsgefüge zur Zeit der fränkisch-allemannischen Landnahme ist der Christianisierung zuzuschreiben. Die herausragende Stellung hat in diesem Zusammenhang das Kloster Lorsch, das Dank seiner Befehlsgewalt tiefgreifend die Besiedlung des Odenwaldes vorangetrieben hat.

Betrachtet man die Lage der frühen Zellen, Kirchen und Klöster, so lässt sich feststellen, dass deren Gründung in keinster Weise an beliebigen Stellen, sondern stets an strategisch markanten Orten erfolgte. Einerseits wurden altheidnische Kultstätten (wie auf dem Heiligenberg bei Heidelberg) ausgewählt, mit der Intension, deren Einfluss zu dezimieren und zu nivellieren. Des Weiteren wurden natürlich dichtere Siedlungsräume gewählt, da hier die christliche Botschaft am raschesten Verbreitung fand, und schließlich fiel die Wahl der Gründung geistlicher Zentren auf bisher öde Orte. Anhand der Kirchennamen lässt sich meist deren Gründungintention erkennen. So findet man Michaeliskirchen vorwiegend auf Höhenrücken, die der Absicht dienten die beschriebenen heidnischen Opferplätze abzulösen. Wallfahrtskapellen führten den meist heidnischen Mythos der Quellenverehrung fort und sind dementsprechend an den heidnisch gewidmeten Kulturorten errichtet worden. Martinskirchen sind meist in dichter bevölkerten Ebenen angesiedelt und beruhen auf fränkischer Neugründung.

Insgesamt wurde vier Benediktinerklöstern von der fränkischen Zentralgewalt der Karolinger die Aufgabe zugeschrieben, das bis dato größtenteils unbesiedelte Waldgebiet des Odenwaldes zu erschließen. Weiterhin galt es, das Christentum im ostfränkischen Raum zu vertiefen, um dadurch den fränkischen Reichsgedanken zu fördern. Demnach war das Kloster Lorsch primär für die Besiedlung von Westen her zuständig, das Kloster Fulda von Norden, das Kloster Amorbach von Osten und das Kloster Mosbach von Süden. Der Einfluss der 976 gegründeten Klosterniederlassung Mosbach ist in dem Quartett eher als zweitrangig einzustufen, zumal es eine Tochtergründung des Michaelsklosters darstellt, das wiederum auf die Benediktinerabtei von Lorsch zurückzuführen ist. Das Kloster Amorbach, dessen Gründung auf das Jahr 734 datiert wird (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Amorbach; Zugriff: 19.09.2005), hatte sehr große Bedeutung für die kirchliche, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Hinteren Buntsandstein Odenwaldes - es war der Ausgangspunkt seiner Kultivierung.

Die herausragende Stellung hat in diesem Zusammenhang das 764 gegründete Kloster Lorsch, das Dank seiner Befehlsgewalt nachhaltig die Besiedlung des Odenwaldes vorangetrieben hat.

Die Abtei lag seit 771 unter dem Schutz Karl des Großen. Sie erhielt damit das Recht ihre Äbte frei zu wählen, wodurch die eigene Immunität garantiert war. Auf Grund zahlreicher Schenkungen, die im Wesentlichen von den umliegenden Gauen stammten, dehnte sich die Abtei in den folgenden Jahrhunderten kräftig aus. Im Jahre 1012 erhielt die Benediktinerabtei Lorsch die „Übertragung der Forsthoheit“ (Becher, W.: Im Spannungsfeld der mittelalterlichen Geschichte; Beitrag in: Der Odenwald; Land zwischen Rhein, Main, Neckar (Hrsg.: Dr. Winter; H.); Essen; 1959); S.51) und somit das Recht, Wald roden zulassen, wodurch die Kolonisation des Odenwaldes stark vorangetrieben wurde (. Die Hochphase der Rodung des Vorderen Odenwaldes und die anschließende Besiedlung fand nach Becher demnach im 10. und 11. Jahrhundert statt und ist „mit dem Ende dieses Zeitabschnittes auch im Wesentlichen vollendet gewesen (…)“ (Becher, W.: S.59). Kennzeichnend für diese Epoche war die Gründung zahlreicher Rodungsklöster, deren Leistung überwiegend im Bereich der inneren Kolonisation lag. Eine Errungenschaft der Rodungsklöster war das Urbarmachen des Landes, der Ausbau des Wegenetzes, die Verbesserung von Wein-, Acker-, Garten-, Wiesenbau und die infrastrukturelle Anlage von Meierhöfen und Weilern. Anhand der Ortsendungen lässt sich auch hier häufig deren Genese in den hier beschriebenen Zusammenhang einbetten.

Die Ortsnamen mit den Endungen -kirchen, -kappel, und -zell weisen auf eine Entstehung hin, die im Zusammenhang mit einer dort vorhanden Kirche, einem Kloster oder einer Zelle steht. Die Ortsendungen -rode, -schwand und -hagen deuten auf die Art der Rodung hin. Siedlungen mit der Endung -schwand, -schwend oder -brand legen die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um Ansiedlungen auf Brandrodungsflächen handelt. Die vom Kloster Lorsch ausgehende Rodung findet ihr naturlandschaftlich bedingtes Ostende an dem unfruchtbaren Sandsteingebiet des Mittleren und Hinteren Buntdandstein-Odenwaldes. Dieser Umstand begünstigt somit eine „ungestörtere“ Kultivierung des Hintern Odenwaldes durch das Benediktinerkloster Amorbach.

Somit ist auch kulturgeographisch zu begründen, dass die Besiedlung des Vorderen Odenwaldes früher begonnen hat und als dichter anzusehen ist. Die Tatsache der vielen kleinen Siedlungen begründet Rittmayer naturräumlich mit der hohen Quantität an Quellen, aber deren niedrigen Ergiebigkeit.

Ein Großteil der Rodungen im Hinteren Odenwald beginnt erst mit dem 13. Jahrhundert. Selbstverständlicherweise oblag die Wahl der Rodungsflächen auch den vorgegebenen naturräumlicher Gegebenheiten. Zunächst einmal wurden Ertrag versprechende Parzellen im Gebirge gerodet, so beispielsweise die Lößflächen am Königstuhl, die Bruchränder der Odenwaldscholle entlang der Rheinebene und die ehemaligen Waldflächen der Weschnitzsenke. Als siedlungsarm gelten nach wie vor die engen Täler. Weiterhin weisen vor allem die Buntsandsteinhochflächen verhältnismäßig wenige Rodungsflächen auf - diese blieben lange Zeit unbesiedelt. Größere Teile der Rodungsflächen gehen auf die Rodetätigkeit der Pottaschensieder, Köhler und Glasmacher zurück. Es liegt nahe, dass die erwähnten Handwerksinnungen auf die Ressource Holz angewiesen waren. Auch hier besteht ein Kausalzusammenhang zwischen den jeweiligen Ortsnamen und der Historie der Siedlungen. In diesem Zusammenhang sind mehrere Kohlhöfe zu nennen: ein so genannter Weiler am Fuße des Weißensteins, einer bei Mosbach sowie ein Kohlhof auf dem Königstuhl, welcher heute ein großes Klinikum beherbergt. Siedlungen, die ihre Gründung der Glasmacherinnung verdanken, ist beispielsweise die Ortschaft Glashofen bei Buchen oder das heutige Peterstal, dessen historische Ortsbezeichnung Glashütte war. Ein Großteil der Besiedlungsgenese ist dem Lorscher Codex zu entnehmen. So finden sich in dieser akribisch genau geführten Quelle auch Niederschriften über die Besiedlung des Winterhauchs, die von der Standesherrschaft Zwingenberg durchgeführt wurde. Trotz der klimatischen Ungunst dieses Raums bewog der große Reichtum an Oberflächenwasser die Standesherrschaft diese raue Gegend zu besiedeln. Für die Rodungen südlich von Buchen ist, wie oben erwähnter Quelle zu entnehmen ist, Rüdt von Collenberg verantwortlich.

Ortsnamen, die auf -burg, -berg, -stein oder -eck enden haben ihren Ursprung meist in dem, erst am Ende der Karolingerzeit stattfindenen Burgenbau.

2.2.1.4.2 Burgen und Schlösser:

Der Entstehungsschwerpunkt der Ritterburgen ist überwiegend dem 12. und 13. Jh. zuzuordnen. Obwohl der heutige Zustand der ehemaligen Wehrfestungen im Allgemeinen als ruinenhaft zu bezeichnen ist, lohnt sich meines Erachtens dennoch eine historische Betrachtung, da sie im Siedlungsbild eine bedeutende anthropogeographische Erscheinung darstellen.

Der Zweck dieser mittelalterlichen Befestigungsanlagen war die Verteidigung der fürstlichen Territorien, überwiegend in der Anfangszeit der fränkischen Besitzergreifung. Von militärischer Bedeutung war vor allem der Schutz verkehrsreicher Haupttäler, wie dem Neckartal oder inmitten von Städten. Weiterhin sind Burgen häufig in der Nähe von Zollstätten anzutreffen. Die Lage von Burgen ist eng gekoppelt an die jeweiligen topographischen Verhältnisse, das Bodenrelief und die geologischen Gegebenheiten. So befindet sich deren Anlage häufig an gut einsehbaren Gabelungen oder Passübergängen, aber auch an Talausgängen. Im Schutz der Festungen entstanden häufig Siedlungen. Zu nennen ist hier beispielsweise Neckarsteinach, das umgeben von drei Burgen ist, aber auch Weinheim mit der Burg Windeck (1110), Dossenheim im Schutz der Schauenburg (1130) oder Schriesheim in der Obhut der Strahlenburg (1174). Als Schutzfeste des Klosters Lorsch gilt die von weitem zu bestaunende Starkenburg, die erstmals im Jahre 1267 erwähnt wird, wohl aber älteren Datums ist. Selbstverständlich bietet auch der innere Odenwald eine große Anzahl an ehemaligen Schutzfestungen. Anzusprechen sind an dieser Stelle beispielsweise die Reichenburg (1307) bei Reichelsheim im Gersprenztal, die Burg Breuberg (1200) hoch über Neustadt oder die Wildenburg im Hinteren Odenwald. Kennzeichend für den Odenwald im 13. Jh. war dessen Lage „mitten im Reibungsbereich der beiden mächtigen Kurstaaten Mainz und Pfalz (Becher, W.: S.64). Eine besonders einschneidende Konsequenz dieses Spannungsverhältnisses erfuhren die Schenken von Erbach 1307. In diesem Jahr rückte der Pfalzgraf Rudolf ins Mümlingtal vor. Er verbrannte Michelstadt und seine dazugehörige Burg. Zudem zwang er die Erbacher, ihren gesamten Besitz der pfälzischen Hoheit zu unterwerfen. Nachdem im 14. Jh. die Rivalität der beiden mächtigen Kurstaaten abzuebben begann, startete der Aufstieg der Erbacher, begeleitet von einer zunehmenden Festigung ihres Territoriums. Die zweite größere Herrschaft im zentralen Odenwald war die der Breuberger, die jedoch zur gleichen Zeit gegen den eignen Zerfall kämpfen mussten. Als die Besitztümer des breubergischen Geschlechtes durch Einheirat in die wohlhabenden Hände der Grafen von Wertheim gelang, folgte „die systematische Durchorganisation des kleinen Landes“ (Becher, W.: S.65). Eine Errungenschaft war die Neugründung des heutigen Städtchens Neustadt, als Verwaltung und Wirtschaftsmittelpunkt. Eine herausragende Rolle spielt die Vielzahl an mittelalterlichen Burgruinen und Schlösser heute vor allem für den Wirtschaftsfaktor Tourismus.

[...]


[1] Nickel, E.: Odenwald- Vorderer Odenwald zwischen Darmstadt und Heidelberg (Sammlung Geologischer Führer; Band 65); Stuttgart 1985; S.168

[2] Unabhängig der geologischen Gliederung kommt hier noch ein besiedlungsgeschichtlicher Faktor hinzu. Das Reinheimer Hügelland ist aufgrund seiner fruchtbaren Lössböden schon mindestens seit der Jungsteinzeit durchgehend bis heute besiedelt. Gegenüber dem Reinheimer Hügelland und der Untermainebene als "Altsiedelland" ist der Odenwald "Jungsiedelland". (vgl. Landschaftsplan zur Entwicklung von Groß Umstadt 2001; Büro für Landschaftsökologie (BfL)).

[3] anzutreffen auf den Abdachungsflächen nördlich von Hardheim; vgl. Reinhard, E.: Der Neckar-Odenwald-Kreis- Kreisbeschreibungen des Landes Baden- Württemberg; Band I; Sigmaringen; 1992; S.13

[4] andere Bezeichnung: „Mikrit“ (mikrokristalliner Kalk, dessen Oberfläche meist uneben und wellig ist)

[5] Sauerwein, F.:S.17

[6] Rittmayer, O.:S.9

[7] Sauerwein, F.:S.16

[8] die angegeben Klimawerte des Hinteren Buntdandstein-Odenwaldes sind dem Beitrag von Reinhard, E. aus zuvor zitiertet Kreisbeschreibung entnommen

[9] http://www.klimadigramme.de

[10] Sauerwein, F.: S.20

[11] Die prozentualen Angaben beziehen sich auf den „Pfälzer Odenwald“. Dieses Gebiet entspricht heute dem badischen Anteil am Odenwald, der bis 1802 noch kurpfälzisch war.

[12] Das Welterbekomitee der UNESCO hat auf seiner 29. Tagung vom 10. bis 17. Juli 2005 in Durban, Südafrika, den Obergermanisch-Rätischen Limes in die Liste des Welterbes aufgenommen (http://www.unesco-heute.de/0805/limes.htm)

Details

Seiten
134
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783832498801
ISBN (Buch)
9783838698809
Dateigröße
10.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v224997
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg – Geographie
Note
1,0
Schlagworte
wirtschaftsstandort naturraum siedlungsgeographie entwicklung landwirtschaft

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die wirtschaftliche Entwicklung des Odenwaldes