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Angebote für den Übersee-Incoming-Tourismus am Beispiel der Provinz Western Cape, Südafrika

Diplomarbeit 2006 102 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

1. Fragestellung und Ziel der Examensarbeit

Die Provinz Western Cape in Südafrika hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einer beliebten Urlaubsdestination für Besucher aus Übersee entwickelt. In der vorliegenden Arbeit möchte ich untersuchen, warum das Western Cape gerade für Touristen aus Übersee so attraktiv ist. Die Abhängigkeit der Tourismusbranche von den Übersee-Incoming-Touristen zieht sich dabei in vielerlei Hinsicht wie ein roter Faden durch meine gesamte Arbeit.

In einem ersten Schritt gehe ich auf die Entwicklung des Tourismus im südlichen Afrika im Allgemeinen ein. Zu einem früheren Zeitpunkt habe ich in einer Hausarbeit „Die Entwicklung des Tourismus im südlichen Afrika“ analysiert, so dass ich mich nur im Ansatz mit dieser Thematik befasse. Die Zunahme des Tourismus innerhalb Südafrikas steht im folgenden Kapitel im Vordergrund, bevor ich auf die verschiedenen Tourismusregionen des Landes eingehe. Im Anschluss führe ich in Anlehnung an eine SWOT-Analyse das Potenzial des Western Cape hinsichtlich des Übersee-Incoming-Tourismus auf. SWOT ist die englische Abkürzung für Stärken (S trengths), Schwächen (W eaknesses), Chancen (O pportunities) und Risiken (T hreats).

Der Tourismus im Western Cape zeichnet sich unter anderem durch eine große Anzahl verschiedener Tourismusarten aus, die ich im weiteren Verlauf meiner Ausarbeitung vorstelle. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf dem für diese Provinz sehr bedeutenden Städtetourismus. Innerhalb dieser Tourismusart habe ich eine Auswahl zentraler Sehenswürdigkeiten und Unterkünfte hinsichtlich des Einflusses von Übersee-Incoming-Touristen untersucht. Neben dem Weintourismus stehen des Weiteren die für Besucher aus Übersee relevanten neueren Arten des Tourismus im Western Cape wie etwa der Golf- oder Township-Tourismus im Mittelpunkt.

In einem weiteren Kapitel widme ich mich den Perspektiven dieser Provinz hinsichtlich des Tourismus aus Übersee. Insgesamt hängt die Zukunft des Tourismus von einer Vielzahl von Faktoren ab, die die Entwicklung sowohl positiv als auch negativ beeinflussen können. Dies verdeutlichen verschiedene Krisen- und Entwicklungsszenarien, die unterschiedliche Möglichkeiten hinsichtlich der Entwicklung von Besucherzahlen aus Übersee aufzeigen. Ein Fazit mit einer abschließenden Bewertung bildet den Schlusspunkt dieser Examensarbeit, in der ich die verschiedenen Angebote für den Übersee-Incoming-Tourismus am Beispiel des Western Cape aufzeige.

2. Beschreibung des Tourismus im südlichen Afrika

Für viele Länder des südlichen Afrikas wie etwa Sambia, Mauritius oder Mosambik hat sich der Tourismus während der vergangenen Jahre als ein wichtiger Wirtschaftsfaktor erwiesen. In diesem Zusammenhang spielt besonders der Übersee-Incoming-Tourismus eine große Rolle.

Der internationale Tourismus unterteilt sich in den Auslandstourismus (outgoing tourism) und den Ausländertourismus (incoming tourism), der dadurch gekennzeichnet ist, dass Personen aus anderen Ländern in ein Land reisen (vgl. MUNDT, J. W.: 2001). Die wissenschaftliche Begrifflichkeit von Incoming-Touristen, die ausschließlich aus Übersee stammen, ist in der Fachliteratur nicht genau festgelegt. Die geläufigere Definition der Incoming-Touristen kommt für meine Arbeit nicht in Frage, da sich der Incoming-Tourismus in meinem Fall auch auf Touristen aus afrikanischen Staaten bezieht. Ich begrenze mich jedoch nur auf Touristen aus Übersee und habe mich diesbezüglich mit mehreren Reiseveranstaltern in Verbindung gesetzt, um die Problematik der Begriffsfindung zu erörtern. Der Begriff des Übersee-Incoming-Tourismus ist identisch mit dem interkontinentalen Incoming-Tourismus, dem transkontinentalen Incoming-Tourismus, dem transatlantischen Incoming-Tourismus und dem transozeanischen Incoming-Tourismus. Aufgrund der einfacheren Darstellung habe ich mich schließlich für den Begriff des Übersee-Incoming-Tourismus bzw. der Übersee-Incoming-Touristen entschieden. Aus Gründen der stilistischen Variation findet man im fortlaufenden Text auch häufig die Bezeichnung der Besucher oder Touristen aus Übersee, die mit dem Begriff Übersee-Incoming-Touristen gleichzusetzen ist.

Dieser Übersee-Incoming-Tourismus nimmt in verschiedenen Ländern des afrikanischen Kontinents die unterschiedlichsten Formen an. Während in Sambia ein ausgewogenes Verhältnis von Luxus- und Camping-Touristen aus Übersee Devisen ins Land bringen soll (vgl. STRIGL, E.: 2005), gilt Mauritius als exklusives Urlaubsparadies. Von etwa 100 Hotels auf der Insel zählt knapp die Hälfte zur Luxusklasse (vgl. GERHARD, O.: 2005). Regionale Disparitäten hinsichtlich des Übersee-Incoming-Tourismus und der damit verbundenen wirtschaftlichen Entwicklung sind die Folge.

Insgesamt wird für das südliche Afrika der Tourismus – und dem Übersee-Incoming-Tourismus ist hierbei die größte Bedeutung beizumessen – als eine Lösung im Kampf um bessere Lebensbedingungen gesehen. Damit die durch den Tourismus verbesserten Lebensbedingungen gehalten und langfristig gesichert werden können, sind Länder übergreifende Synergieeffekte und Kooperationen zwischen verschiedenen Staaten notwendig. Als Beispiel dient der Great Limpopo Frontier Park. Es handelt sich dabei um den Zusammenschluss des mosambikanischen Gaza-Wildparks mit dem zimbabwischen Gonarezhou-Nationalpark und dem südafrikanischen Krüger-Park. Mit einer Fläche von mehr als 35.000 Quadratkilometern gilt der Great Limpopo als größter Wildpark der Welt. Aus der südafrikanischen Touristenat-traktion Krüger-Park sollen die Safari-Urlauber ohne zusätzliches Visum die Grenzen zu den beiden Nachbarländern überschreiten können (vgl. GEORGE, R.: 2004 und VOGT, S.: 17.11.2005). Diese zwischenstaatliche Zusammenarbeit im Tourismussektor ist nicht nur wünschenswert, sondern auch Grundlage für eine erfolgreiche Tourismuspolitik vieler afrikanischer Staaten. Allerdings stellt das Finden einer Balance zwischen der Verbesserung der Infrastruktur und der Erhöhung der Bettenzahlen einerseits und den damit verbundenen Umweltbelastungen sowie steigendem Elektrizitäts- und Wasserverbrauch pro Gast andererseits in den kommenden Jahren ein Problem für den Tourismus in diesen Ländern dar.

Auch wenn Tabelle 1 sich nicht ausschließlich auf Besucher aus Übersee, sondern auf sämtliche Incoming-Touristen bezieht, wird die Bedeutung Südafrikas für den Tourismus im südlichen Afrika untermauert.

Tab. 1: Ankünfte von Incoming-Touristen in Südafrika

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach GEORGE, R.: 2004, S. 59

Schon im Jahr 1999 sind 1.491.401 Touristen aus Übersee nach Südafrika gereist (vgl. UNIVERSITY OF STELLENBOSCH, BUREAU FOR ECONOMIC RESEARCH: 2000). Dies bestätigt, dass Südafrika die Tourismus-Region im südlichen Afrika für Übersee-Incoming-Touristen ist.

3. Die Entwicklung des Tourismus in Südafrika

Das mit 46,6 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land des südlichen Afrikas ist durch seine jüngste Vergangenheit sehr geprägt. Die Bevölkerung teilt sich in vier größere ethnische Gruppen (79% schwarz, 9,6% weiß, 8,9% farbig, 2,5% als indisch, asiatisch), deren friedliches Zusammenleben die Basis für ein wirtschaftlich stabiles Südafrika ist. Der Dienstleistungssektor ist mit 64% am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2002 beteiligt. Doch neben einer Vielzahl an Naturschönheiten, der artenreichen Fauna und Flora und den angenehmen klimatischen Bedingungen weist Südafrika auch eine hohe Kriminalitäts- und Arbeitslosenquote auf und kämpft gegen die sich ausbreitende Aids-Epidemie (vgl. JANSEN, J.: 2005 und SOUTH AFRICA AT A GLANCE: 2005).

3.1 Entwicklung vor 1994

Seit dem Ende der 1950er Jahre wurde die Republik Südafrika als eine der ersten afrika-nischen Destinationen vom entstehenden europäischen Fernreisetourismus erschlossen. Nach einem kurzfristigen touristischen Einbruch aufgrund des Soweto-Aufstandes im Jahr 1976 stiegen die Zahlen ausländischer Besucher in den kommenden Jahren etwas an. Im Jahr 1977 reisten erstmals mehr Touristen aus Übersee (294.000) als Touristen aus anderen afrika-nischen Staaten (287.000) ins Land. Heute kommen dagegen auf einen Besucher aus Übersee etwa fünf Touristen vom afrikanischen Kontinent. In den 1980er Jahren stagnierten die Gästezahlen. Als Gründe hierfür sind die wirtschaftliche Rezession in den wichtigsten überseeischen Quellenmärkten, die hohen Preissteigerungsraten innerhalb Südafrikas sowie die Auswirkungen der Boykott-Maßnahmen gegen das Apartheidsregime zu nennen. Nach weiteren Einbrüchen im Tourismussektor in den Jahren 1985 und 1986 kam es im Laufe der nächsten vier Jahre zu einem deutlichen Anstieg der ausländischen Besucherzahlen. Ab dem Jahr 1991, als man den demokratischen Wandel absehen konnte, setzte geradezu ein „logarithmischer Boom“ (DEMHARDT, I. J.: 2003, S. 674) ein. Schon vor dem Ende der Apartheid stammten die meisten der Übersee-Incoming-Touristen aus Großbritannien. Dies ist durch die britische Kolonialherrschaft seit Anfang des 19. Jahrhunderts begründet, die eine tiefe Verwurzelung der Briten mit der Republik Südafrika erklärt (vgl. DEMHARDT, I. J.: 2003 und ROGERSON, CHR. M./VISSER, G.: 2004).

3.2 Entwicklung nach 1994

Nach vier Jahrzehnten wurde 1994 mit dem Ende der ethnischen Segregation der demo-kratische Wandel in Südafrika eingeläutet. „Dieser tiefgreifende und noch fortdauernde sozioökonomische Prozess ermöglichte bereits seit Beginn des Jahrzehnts eine schrittweise Wiedereingliederung der zuvor mehr oder minder boykottierten südafrikanischen Volkswirtschaft in das Weltwirtschaftssystem“ (DEMHARDT, I. J.: 2003, S. 666). Damit verbunden war ein kurzer Wirtschaftsboom, der nicht zuletzt aus dem Aufblühen des internationalen Tourismus nach Südafrika und dessen überaus rascher Entwicklung zu einer beliebten Tourismusdestination resultierte (vgl. DEMHARDT, I. J.: 2003).

Von 1993 bis 1998 stieg in Südafrika die Zahl der Ankünfte ausländischer Besucher von 3,36 Millionen auf 5,9 Millionen also nahezu auf das Doppelte. Bei diesen knapp sechs Millionen Ankünften handelte es sich jedoch nicht ausschließlich um Werte von Incoming-Touristen, sondern ebenfalls um schätzungsweise 250.000 bis 300.000 legale und illegale Arbeitsmigranten, vor allem aus den übrigen Staaten des afrikanischen Kontinents (SMIT, M./Leisure Marketing Coordinator bei Cape Town Routes Unlimited/Informationsgespräch). Damit sei auf das große und bis heute aktuelle Problem der Zuwanderung hingewiesen, auf das ich im weiteren Verlauf meiner Arbeit noch näher eingehen werde.

Die Zahl der Überseebesucher ist von 1995 bis 1999 um 389.502 Touristen gestiegen. Ungefähr zwei Drittel der Übersee-Incoming-Touristen kamen aus Europa, dem mit Abstand größten Quellenmarkt in Übersee (siehe Tab. 2). Großbritannien und Deutschland entsandten gemeinsam mehr als die Hälfte aller Besucher aus Europa. Im Jahr 1995 waren es 624.939 und im Jahr 1999 754.986. Beide Staaten waren zahlenmäßig von größerer Bedeutung als die Kontinente Amerika, Asien und Australien zusammen. Insgesamt sind neben Großbritannien und Deutschland auch Frankreich und die Niederlande weitere wichtige europäische Quellenländer gewesen. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre stammten knapp drei Viertel aller Touristen aus Europa aus den genannten Ländern. Nach Untersuchungen der World Tourism Organisation nahm Südafrika im Jahr 1998 – aufgrund des durch Terrorismus bedingten großen Einbruchs der Tourismuszahlen in Ägypten – erstmals die Führungsposition als meistbesuchte afrikanische Tourismusdestination ein (vgl. UNIVERSITY OF STELLENBOSCH, BUREAU FOR ECONOMIC RESEARCH: 2000).

Tab. 2: Entwicklung der Ankünfte von Übersee-Incoming-Touristen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach UNIVERSITY OF STELLENBOSCH,

BUREAU FOR ECONOMIC RESEARCH: 2000, S. 88

Auch in der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer erzielten die Deutschen und Briten überdurchschnittliche Werte. Während die durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines Touristen aus Übersee bei 16,7 Tagen im (Süd-)Winter und 17,0 Tagen im (Süd-)Sommer lag, wurden bei den Deutschen 20,0 Tage im Winter und 21,9 Tage im Sommer festgestellt. Die Briten kamen sogar auf 21,9 bzw. 21,5 Tage (vgl. DEMHARDT, I. J.: 2003).

Im Vergleich zum Jahr 2000 haben ein Jahr später die Besuche aus Übersee um weitere 2,7% (44.368) auf insgesamt 1.687.619 zugenommen. Dieses Wachstum ist zum großen Teil das Resultat von Werbekampagnen in den wichtigsten vier europäischen Quellenmärkten sowie den Vereinigten Staaten von Amerika gewesen. Besonders mit dem Slogan „The world in one country“ hat man versucht, die Aufmerksamkeit auf dem internationalen Tourismusmarkt auf sich zu ziehen. Allein von Januar bis April 2002 ist die Zahl der Touristen aus Übersee um 13,4% (69.428) im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres auf 589.168 angestiegen (vgl. BOTSCHAFT DER REPUBLIK SÜDAFRIKA: 07.11.2005). Nicht nur der „Mandela-Boom“ liefert jetzt wie Mitte und Ende der 1990er Jahre eine Begründung für die Beliebtheit Südafrikas als Reiseziel, sondern gerade nach den Anschlägen am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten von Amerika und wegen der wachsenden globalen Bedrohung durch den internationalen Terrorismus gilt Südafrika als ein neutrales und relativ sicheres Reiseziel für Übersee-Incoming-Touristen (vgl. ROGERSON, CHR. M./VISSER, G.: 2004). Außerdem präsentierte der Umwelt- und Tourismusminister Valli Moosa im Jahr 2002 Leitlinien für eine verantwortungsvolle Tourismusentwicklung in Südafrika. Bei diesen bis heute gültigen Richtlinien steht nicht nur die Förderung der Tourismusbranche im Vordergrund, sondern vor allem soll die lokale Bevölkerung in die Planung und Entwicklung integriert werden. Man erhofft sich davon eine größere direkte Beteiligung der ärmeren Bevölkerungsgruppen am Tourismus (HAYES, M./Managing Director von African Heartbeat/Informationsgespräch).

Ist Südafrika nach Angaben der World Tourism Organization (WTO) im Jahr 1996 noch auf Rang 50 der beliebtesten Touristen-Destinationen weltweit gewesen, so befindet sich das Land im Jahr 2003 schon unter den ersten 30 Plätzen (vgl. GEORGE, R.: 2004). Im Jahr 2004 kommen erstmals mehr als zwei Millionen Besucher aus Übersee nach Südafrika. Somit hat sich die Zahl der Übersee-Incoming-Touristen im Verlauf der letzten zehn Jahre verdoppelt. Ebenfalls positiv verläuft die Entwicklung des Quellenmarktes Europa, der mit 1.287.057 Besuchern immer noch ungefähr zwei Drittel dieser Besucher ausmacht (vgl. SOUTH AFRICAN TOURISM: 2005).

Südafrika bietet hinsichtlich der Tourismusbranche auch in Zukunft Wachstumspotenzial. Zurzeit arbeiten ungefähr 800.000 Südafrikaner direkt oder indirekt im Tourismusgewerbe. Bis zum Jahr 2010 werden es nach Schätzungen über 1,2 Millionen Menschen sein, die ihr Einkommen durch den Tourismus beziehen (vgl. GOVERNMENT COMMUNICATIONS: 2004 und WORLD TRAVEL AND TOURISM COUNCIL: 2002). Inzwischen ist der Tourismus der am schnellsten wachsende Industriezweig Südafrikas und macht mit 7 Billionen Euro etwa 8% des BIP aus. Im Vergleich dazu liegt der Gold-Export als ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig des Landes mit 4,6 Billionen Euro auf dem zweiten Rang (vgl. SOUTH AFRICA AT A GLANCE: 2005).

Insgesamt wird die enorme Bedeutungszunahme des Übersee-Incoming-Tourismus für Südafrika nach dem Ende der Apartheid deutlich.

4. Die verschiedenen Tourismusregionen in Südafrika

Südafrika ist seit dem Ende der Apartheid in die neun föderalistischen Provinzen Eastern Cape, Free State, Gauteng, KwaZulu-Natal, Mpumalanga, Limpopo, North West, Northern Cape und das Western Cape aufgeteilt.

Eine Befragung der nationalen südafrikanischen Tourismusorganisation SATOUR, die im Jahr 1998 durchgeführt wurde, ergab, dass die Provinzen Western Cape und Gauteng mit deutlichem Abstand über die höchste Anzahl von Übersee-Incoming-Touristen verfügen. Diese Entwicklung hat sich bereits während der gesamten 1990er Jahre beobachten lassen. Die Begründung für den großen Anteil der Besucher aus Übersee im Western Cape in Höhe von 24% im Jahr 2004 im Vergleich zu den übrigen Provinzen liefern die zahlreichen und hochkarätigen Attraktionen der Provinz im Südwesten des Landes (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Hauptattraktionen für Übersee-Incoming-Touristen innerhalb Südafrikas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: ROGERSON, CHR. M./VISSER, G.: 2004, S. 11

Allein fünf der zwölf bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Südafrikas liegen im Western Cape (genaue Lage siehe Seite 93 und 95). Diese fünf Hauptattraktionen sind Robben Island, der Botanische Garten Kirstenbosch, die Victoria & Alfred Waterfront, der Tafelberg und Cape Point. Noch allerdings verfügt Gauteng über einen höheren Anteil von Übersee-Incoming-Touristen. Die Lage des Flughafendrehkreuzes Johannesburg, die Hauptstadt Südafrikas Pretoria, Gold Reef City und Soweto sind nur einige Anziehungspunkte, die dabei eine Rolle spielen (vgl. DEMHARDT, I. J.: 2003).

Der International Airport Cape Town hat im Laufe der letzten Jahre immer weiter an Bedeutung gewonnen. Kapstadt profitiert dabei von mehreren Flugverbindungen von Europa nach Südafrika, die keinen Zwischenstopp mehr in Johannesburg einlegen. Musste bis zum Jahr 2003 aus Gründen der Auslastung auf dem Weg nach Kapstadt noch in Johannesburg zwischengelandet werden, so bietet zum Beispiel Lufthansa seitdem Direktflüge von Europa nach Kapstadt an. Inzwischen fliegen fünfzehn Fluggesellschaften – davon allein sieben europäische – aus Übersee 44 Mal die Woche Kapstadt direkt an. Die gleiche Anzahl von Flügen verlässt wöchentlich den International Airport Cape Town wieder Richtung Übersee (WILSON, G./Greta Wilson Publicity & Events/e-mail). Viele der europäischen Fluglinien haben ihre Direktflüge nach Kapstadt in den letzten Jahren verdoppelt (vgl. YUTAR, D.: 2005).

Insgesamt kann man aus den in diesem Kapitel gewonnenen Erkenntnissen feststellen, dass das Western Cape eine der führenden Tourismus-Regionen innerhalb Südafrikas für Übersee-Incoming-Touristen ist.

5. Geographische Bedingungen und fremdenverkehrsgeographische Entwicklungen des Western Cape dargestellt in Anlehnung an eine SWOT-Analyse

Ungefähr 4,6 Millionen Menschen leben im Western Cape, das eine Fläche von 129.386 km² aufweist. Diese Provinz unterteilt sich wiederum in die sechs Regionen Cape Town, Cape Winelands, Cape Overberg, Cape Garden Route & Klein Karoo, Cape Central Karoo und Cape West Coast & Cederberg. Die Mehrheit der Einwohner ist Afrikaans sprechend (55,3%), während die anderen dominierenden Sprachen Xhosa (23,7%) und Englisch (19,3%) sind. Das Western Cape hat im nationalen Vergleich die höchste Bildungsrate unter Erwachsenen. Nur 5,7% der Menschen, die älter als 20 Jahre sind, besitzen keinen Schulabschluss. Überhaupt gibt es im Western Cape eine hohe Dichte an Bildungseinrichtungen. Auch die offizielle Arbeitslosenquote der Provinz liegt bei 20,6% und somit deutlich unter dem südafrikanischen Durchschnitt von 28,2% (vgl. SOUTH AFRICA AT A GLANCE: 2005). Das Western Cape, das „mit deutlichem Abstand“ (DEMHARDT, I. J.: 2000, S. 176) die am meisten entwickelte Provinz Südafrikas ist, liegt am südwestlichsten Zipfel des afrikanischen Kontinents und weist mit der Kap-Halbinsel ein 75 km langes Vorgebirge auf, das sich vom Kap der Guten Hoffnung und Cape Point nach Norden bis zur Tafelbucht und Kapstadt erstreckt. Diese Provinz Südafrikas, deren Gesamtaufkommen sämtlicher Pflanzenarten die Zahl der vorhandenen Arten allein in Europa um ein Vielfaches übersteigt (vgl. GOVERNMENT COMMUNICATIONS: 2004), ist einerseits ein bergiges Gebiet mit eindrucksvollen Tälern, andererseits zeichnet sie sich durch weite Sandstrände aus. Einerseits finden Besucher saftiges Grün in den Weinregionen, andererseits sind es nur wenige Autostunden bis zur Halbwüste Klein Karoo oder zu Südafrikas einzigem Regenwaldgebiet an der Garden Route. Diese landschaftliche Vielfalt wird besonders in der Provinzhauptstadt Kapstadt deutlich, wo mit der Verbindung von Atlantik und Tafelberg eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen wird. Nur noch in Rio de Janeiro findet man eine solche imposante Kombination aus Meer und Gebirge in direkter Nachbarschaft. Diese Abwechslung in der Landschaft wissen besonders Übersee-Incoming-Touristen zu schätzen, da sie auf relativ kleinem Raum eine Vielzahl von verschiedenen Landschaftsformen vor-finden. Diese geographischen Voraussetzungen haben ebenfalls erheblichen Einfluss auf die unterschiedlichen Arten des Tourismus, die im Western Cape angeboten werden. Auf diese Thematik gehe ich in Kapitel 6 ausführlich ein.

Neben der natürlichen Lage erweisen sich auch die klimatischen Bedingungen als Positivum für die Besucher aus Übersee. Das Western Cape liegt in der Zone der gemäßigten Subtropen und verfügt über ein mediterranes Klima. Die Temperaturen in dieser Provinz fallen auch in den Wintermonaten von Juli bis August selten unter 6 °C. Frost ist aufgrund der Nähe des Meeres praktisch nicht vorhanden, und sogar im Winter erreicht das Thermometer tagsüber Temperaturen über 20 °C. Gleichzeitig dringen im Südwinter mit den jahreszeitlichen Westwinden Tiefdruckgebiete bis ins Kapland vor, die sich am Tafelberg abregnen. Damit ist das westliche Kapland die einzige Region Südafrikas mit einer Winterregenzeit.

Sehr warm wird es in den Monaten von Dezember bis März, in denen Kapstadt einen Durchschnittswert von 25 °C aufweist. Regionen im Landesinneren wie etwa die Central Karoo erreichen in diesem Zeitraum Werte von bis zu 40 °C. Im Sommer erstreckt sich meistens eine ausgedehnte Hochdruckzone vom Atlantischen zum Indischen Ozean, die der Kap-Provinz heißes, trockenes Wetter bringt. In diesen Monaten kommt es auch regelmäßig zum sogenannten Southeaster (Südost-Wind). Dieser warme, kräftige Wind bläst mit einer Geschwindigkeit von teilweise über 120 km/h. Am Tafelberg kondensiert dann die warm-feuchte Luft, so dass über ihm eine Wolkendecke hängt, die als Tischdecke bezeichnet wird. Der Wind sorgt dafür, dass Kapstadt von Abgasen und dem Dunst der Großstadt bereinigt wird. Dieser Eigenschaft verdankt er seinem Beinamen Cape Doctor. Im Inland verliert der Southeaster an Kraft, in den Winelands und in der Klein Karoo ist es wesentlich windstiller.

Dem Touristen aus Übersee bietet sich somit die meiste Zeit des Jahres ein sehr mildes Klima. Weiterhin trägt die Beständigkeit der angenehmen klimatischen Bedingungen, vor allem im südafrikanischen Sommer, zur Beliebtheit der Reisen in dieser Jahreszeit bei. Die über-wiegende Anzahl von Reisen der Übersee-Incoming-Touristen in den Monaten Dezember bis Februar ist mit einem Besuch der zahlreichen Strände verbunden (SMIT, M./Leisure Marketing Coordinator bei Cape Town Routes Unlimited/Informationsgespräch). Für alle weiteren Tourismusarten eignen sich die übrigen Monate, abgesehen von den Regenmonaten Juli und August. In diesen beiden Monaten kann das Thermometer aber auch auf – für die meisten Besucher aus Übersee – angenehme 16°C steigen. Für die Übersee-Incoming-Touristen verfügt das Westen Cape also aufgrund seines angenehmen und beständigen Klimas über einen wichtigen Vorteil gegenüber anderen Regionen.

Eine Einschränkung muss der Tourist jedoch in seinem Badeverhalten hinnehmen, da er nicht überall im Western Cape schwimmen kann. Durch die aus der Antarktis kommende Benguela-Meeresströmung, die eine Geschwindigkeit von 16 bis 40 km pro Tag erreicht und eine Temperatur von 5 °C aufweist, ist der Südatlantik vor Kapstadt recht kühl. An den Stränden der Westküste von Kapstadt hat das Wasser eine Temperatur von 13 bis 15 °C. Das kalte Wasser verdunstet aus dem Meer nur sehr langsam, daher ist die südafrikanische Westküste so regenarm. Diese kalten Wassertemperaturen sind der Grund dafür, dass an dieser Küste des Western Cape nur geringer Badetourismus vorhanden ist. Der Indische Ozean östlich von Kap Agulhas ist wesentlich wärmer als der Südatlantik. Der Mosambik-Agulhas-Strom besitzt eine Geschwindigkeit von 90 bis 230 km pro Tag und ist 20 °C warm. Deswegen ermöglicht er den Touristen aus Übersee ganzjähriges Baden an einem der vielen Strände an der Garden Route (vgl. ONLINE REISEFÜHRER FÜR KAPSTADT UND UMGEBUNG: 03.04.2006).

Positiven Einfluss auf das Reiseverhalten der Touristen hat weiterhin die Tatsache, dass die Provinz geographisch nicht in einer Gegend liegt, in der vermehrt geologisch oder klimatisch bedingte Naturgefahren auftreten. Weder Erdbeben noch schwere Unwetter sorgen für Schlagzeilen (vgl. ALLEN, G./BRENNAN, F.: 2004). Von der teilweise auftretenden Wasserknappheit im Landesinneren und den Bränden am Tafelberg in den südafrikanischen Sommermonaten sind Besucher aus Übersee nur eingeschränkt betroffen. Es kann höchstens geschehen, dass Reisende, die in einer Unterkunft nahe der Klein Karoo untergebracht sind, für einige Stunden auf fließendes Wasser in dieser Jahreszeit verzichten müssen. Außerdem kann es vorkommen, dass aufgrund der Brände am Tafelberg die dortige Seilbahn für einige Tage ihren Betrieb einstellt oder dass durch Tankerhavarien vor der Küste Südafrikas die Strände an der Garden Route für Badegäste gesperrt werden. Die beschriebenen möglichen Gefahren sind im Verlauf der letzten Jahre selten zu verzeichnen gewesen, und im Vergleich zu anderen global auftretenden Wetterphänomenen und Naturgefahren können sich die Besucher im Western Cape in dieser Hinsicht relativ sicher fühlen (vgl. YELD, J.: 2003).

Die für südafrikanische Verhältnisse sehr gut ausgebaute Infrastruktur innerhalb des Western Cape kann als ein weiterer Standortvorteil betrachtet werden. Übersee-Incoming-Touristen kommen fast ausschließlich am Cape Town International Airport an. Eine Alternative ist der George Airport, der aber nicht an internationale Fluglinien angeschlossen ist. Seine Bedeutung für den Übersee-Incoming-Tourismus ist somit zu vernachlässigen. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, in den Häfen von Kapstadt, Mossel Bay oder Saldanha festzumachen. Vor allem die Region Kapstadt verfügt nicht nur über eine gute Anbindung an das globale Fernverkehrsnetzwerk, sondern ebenfalls über ein gut erschlossenes Straßensystem, das dem Besucher in der Regel auf asphaltierten Hauptstraßen eine zügige Fahrt zu weiteren Sehenswürdigkeiten ermöglicht. In Richtung Norden, Nordosten und Osten sorgen darüber hinaus drei Autobahnen dafür, dass Kapstadt und damit das Western Cape infrastrukturell an die weiteren Provinzen Südafrikas angebunden ist.

Ein Schwachpunkt des Western Cape ist der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), der praktisch nicht existiert. Selbst in Kapstadt gibt es nur wenige öffentliche Buslinien, die zwischen vereinzelten Sehenswürdigkeiten pendeln. In der Regel ist der Übersee-Incoming-Tourist als Individualreisender auf einen Mietwagen angewiesen. Bei Pauschalreisen genießt der Besucher die Vorteile eines Reisebusses. Der übrige ÖPNV wird von kleinen VW-Minibussen bewältigt, die morgens in den Townships die Berufstätigen in die Stadt bringen und abends für deren Heimkehr sorgen. Vor dieser sehr preiswerten Mitfahrgelegenheit werden Touristen jedoch gewarnt. Die größte Gefahr besteht nicht darin, Opfer eines Raubdeliktes zu werden, sondern in einen Verkehrsunfall verwickelt zu sein. Aufgrund der hohen Auslastung dieser Minibusse und der hohen Geschwindigkeiten kommt es fast täglich zu schweren Verkehrsunfällen unter Beteiligung von Minibussen.

Mit der Eisenbahn sind auch nur wenige Strecken für Übersee-Incoming-Touristen zurück-zulegen, denn sobald sich der Besucher aus Übersee von Kapstadt aus nach Osten in Richtung Weingebiete begibt, fährt er direkt durch die Townships. Da diese Züge recht preiswert sind und – neben den VW-Minibussen – das bevorzugte Verkehrsmittel der schwarzen Bevölkerung darstellen, kommt eine Benutzung für Besucher aus Übersee nicht in Frage. Vor dem Gebrauch von Eisenbahnen wird öffentlich gewarnt (PUTTER, D./Operations Manager von Magic Mountain Tours Kapstadt/Informationsgespräch).

Besonders im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2010, die in Südafrika ausgetragen wird, ist der ÖPNV ein strittiger Punkt zwischen der Politik und der Tourismusbranche. Es ist noch ungeklärt, wie dieses Problem gelöst werden soll. Vertreter der Tourismusorganisationen sehen dringenden Handlungsbedarf und werfen den Politikern Versagen vor. Die Politik hofft dagegen auf den Faktor Zeit, um Konzepte für einen funktionierenden ÖPNV noch rechtzeitig in die Tat umsetzen zu lassen. Jedem scheint nur bewusst zu sein, dass sich nicht alle Fußballfans ein Auto mieten werden, um von einem Stadion zum anderen zu gelangen (SMIT, M./Leisure Marketing Coordinator bei Cape Town Routes Unlimited/Informationsgespräch). In diesem Punkt sehe ich dringenden Handlungsbedarf. Bisher ist das Nichtvorhandensein eines geregelten ÖPNV im Western Cape durch eine Vielzahl an Gruppenreisen aus Übersee und kurze Wege zum Beispiel innerhalb Kapstadts, die teilweise zu Fuß erledigt werden können, noch überdeckt worden. Ebenfalls ist eine große Klientel an Reisenden vorhanden, die bereit sind, sich für größere Entfernungen ein Auto zu leihen. Allein in Kapstadt beträgt der Anteil an Übersee-Incoming-Touristen, die sich für ihren Aufenthalt einen Mietwagen buchen, 45% (vgl. CITY OF CAPE TOWN: 2002). Die Fußball-Weltmeisterschaft wird jedoch dafür sorgen, dass das Missmanagement der letzten Jahre in Sachen ÖPNV in der gesamten Provinz schonungslos aufgedeckt wird und zu einem großen Problem werden kann.

Nicht nur das aufgrund einer unzureichenden ÖPNV-Anbindung entstehende negative Image könnte im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 für Übersee-Incoming-Touristen weitreichende Folgen haben. Auch die Tourismusbranche befürchtet, dass die Planungen und die Bauarbeiten für neue Stadien nicht rechtzeitig abgeschlossen sein könnten. „Das Einhalten des Zeitplans mit dem Bau neuer Stadien und dem Ausbau der Infrastruktur macht mir die größten Sorgen. Daran sind schon ganz andere Länder fast gescheitert und in Nöten geraten. Athen wäre fast ein Beispiel dafür geworden, dass die Olympischen Spiele 2004 kurzfristig in eine andere Stadt hätten verlegt werden müssen. Warum sollte so etwas nicht auch bei uns passieren? Ich hoffe es natürlich nicht, aber Befürchtungen habe ich in diese Richtung schon“ (VAN DER SPUY, C./Victoria & Alfred Waterfront-Management/Informationsgespräch). Weiterhin wird befürchtet, dass die Kosten die heutigen aktuellen Prognosen bei weitem übersteigen. Auch hier gibt es zahlreiche Beispiele von anderen Großturnieren oder Veranstaltungen. Ein zusätzlicher kritischer Punkt ist in der Angebot- und Nachfrage-Politik gegeben. „Gerade im Western Cape werden eine Menge neue Hotels entstehen. Die Chance besteht, dass dieser Markt sehr schnell zu groß wird und nach der WM kaputt geht, weil langfristig nicht so viele Betten gebraucht werden – selbst dann nicht, wenn sich der Tourismus in dieser Region aus Übersee weiterhin so erfolgreich entwickelt“ (KOZANY, J./Guest Services Desk Manager des Grande Roche Hotels in Paarl/Informationsgespräch).

Es ist sicherlich unbestritten, dass im Zuge der Weltmeisterschaft im Western Cape in verschiedensten Bereichen wie dem Bau- oder Gastronomiegewerbe neue Arbeitsplätze entstehen. Deshalb wird eine noch größere Binnenwanderung als zum jetzigen Zeitpunkt stattfinden und mehr Menschen werden versuchen, nach Südafrika, bzw. ins Western Cape zu gelangen, weil sie für sich eine gute Chance sehen, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Das Problem setzt jedoch nach der Weltmeisterschaft ein, denn die wenigsten Arbeitsplätze, die entstehen, werden nach der Fußball-Weltmeisterschaft noch benötigt. Diese Binnen-wanderung könnte dazu führen, dass die Townships im Osten Kapstadts noch schneller anwachsen, die Armut zunimmt und die Kriminalität ansteigt. Dies könnte sich wiederum negativ auch auf die Übersee-Incoming-Touristen auswirken.

Eine weitere langfristig negative Folgeerscheinung könnte sein, dass viele der Besucher aus Übersee mit den Bedingungen während der Fußball-Weltmeisterschaft nicht zufrieden sind und zum Beispiel neben dem fehlenden ÖPNV auch die im Vergleich zu westlichen Ländern relativ hohe Kriminalitätsrate bemängeln. Die Unzufriedenheit würde Einfluss auf das Reiseverhalten der Besucher nehmen und diese Touristen aus Übersee würden in naher Zukunft nicht ein weiteres Mal ins Western Cape reisen, da sie zunächst negative Erfahrungen gemacht haben.

Doch es gibt nicht nur negative Stimmen in diesem Zusammenhang, auch wenn die Aufbruchstimmung nach der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft im Mai 2004 für das Jahr 2010 in Südafrika inzwischen verflogen scheint. Viele Menschen im Bereich des Tourismus erhoffen sich, dass durch die bevorstehende Weltmeisterschaft noch mehr Touristen das Western Cape besuchen. Die gewünschte Zielgruppe ist hierbei in erster Linie die der Übersee-Incoming-Touristen. „Viele Besucher werden kommen und sich Spiele in einem der dreizehn Stadien anschauen, die noch nie zuvor in Südafrika gewesen sind und die ohne die Fußball-WM auch nie nach Südafrika gereist wären. Davon wird natürlich auch das Western Cape profitieren, und es ist insgesamt positiv zu bewerten” (VAN DER SPUY, C./Victoria & Alfred Waterfront-Management/Informationsgespräch). Neben einer gesunden Portion Skepsis und Misstrauen hört man auch immer wieder Meinungen, die in Bezug auf die Weltmeisterschaft von einem „großen Meilenstein“ für den Tourismus in dieser Provinz im Hinblick auf Übersee-Incoming-Tourismus sprechen. Wenn das gesamte Turnier positiv verläuft und die Besucher aus Übersee einen bleibenden guten Eindruck gewinnen können, wird ein Boom im Bereich des Übersee-Incoming-Tourismus nicht ausgeschlossen. Moeketsi Mosola, Mitglied des WM 2010-Organisationskommitees, erwartet für die sechs Turnier-wochen 1,5 Millionen internationale Besucher in Südafrika (vgl. WALTERS, T: 2005).

Dass das Western Cape – neben der Provinz Gauteng mit den Städten Johannesburg und Pretoria – bei einem positiven Verlauf am meisten vom internationalen Tourismus profitieren wird, gilt als sicher. Denn nicht nur für eine hohe Zahl von Spielen ist Kapstadt als Austragungsort vorgesehen, es gilt ebenso als eher unwahrscheinlich, dass ein Tourist nur für ein Spiel aus Übersee nach Johannesburg geflogen kommt, ohne sich Kapstadt anzuschauen. Einerseits können Gauteng und das Western Cape am meisten von dieser Großveranstaltung profitieren, andererseits gehen diese beiden Provinzen aber auch das größte Risiko ein und können somit sehr viel an guter Reputation verlieren. So könnte Kapstadt zum Beispiel seinen weltweit anerkannten guten Ruf als beliebtes Reiseziel einbüßen. Falls diese Weltmeisterschaft zu einem Misserfolg werden sollte, hätten Gauteng und das Western Cape auch am meisten mit den wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen.

Positiv verläuft die Fußball-WM schon jetzt für das ArabellaSheraton Grand Hotel in Kapstadt, in dem eine Fußball-Nationalmannschaft im Mai 2005 eine gesamte Etage für das Jahr 2010 hat reservieren lassen (OERSEN, J./Guest Relations Manager des ArabellaSheraton Grand Hotels in Kapstadt/Informationsgespräch). Doch nicht für alle Hotels kommt überhaupt eine Beherbergung der Fußballer in Frage: „Die Fußball-Teams an sich haben sehr hohe Anforderungen. Für das Table Bay Hotel sind die Wünsche einer Fußball-Mannschaft sehr schwierig zu erfüllen, da wir sonst den gesamten übrigen Hotel-Komplex schließen müssten” (PRINS, S./Public Relations Manager des Table Bay Hotels in Kapstadt/Informationsgespräch).

Insgesamt bekommt man durch Gespräche mit Einheimischen schnell den Eindruck, dass sich der überwiegende Teil der Bevölkerung in der Provinz sehr auf dieses Großereignis freut, bei dem die ganze Welt für einige Wochen auf ihr Land und somit auch auf das Western Cape schauen wird. Oft wird damit der Wunsch verbunden, die Fußball-Weltmeisterschaft als große Herausforderung anzusehen und die Sehenswürdigkeiten sowie weitere Vorzüge des Western Cape über die Medienpräsenz, die in diesen Wochen sehr groß sein wird, der Welt-öffentlichkeit aufzuzeigen. Nach meiner Einschätzung überwiegen die Chancen, die für das Western Cape mit der Fußball-Weltmeisterschaft verbunden sind. Ebenso wird die Mentalität der einheimischen Fußball begeisterten Bevölkerung dazu beitragen, dass sich das Western Cape als ein würdiger Gastgeber einer stimmungsvollen Weltmeisterschaft präsentiert. Dies könnte auch zu steigenden Zahlen bei den Übersee-Incoming-Touristen führen. Doch bis zum Jahr 2010 gibt es für die Republik Südafrika und das Western Cape noch viel zu tun, um den Anforderungen der Besucher gerecht zu werden.

Hierzu gehört auch der Ausbau der Infrastruktur, um diese den steigenden Touristenzahlen anzupassen. Nicht nur bei Umweltschützern rufen diese Pläne heftige Kritik hervor. Viele der Einheimischen befürchten durch den Neu- oder Ausbau weiterer Verkehrswege und die damit zusammenhängende Zersiedlung eine zu starke Zerstörung der Umwelt. Diese Eingriffe in die Natur und das daraus resultierende negative Image könnten zur Folge haben, dass kurz- und langfristig weniger Touristen aus Übersee ins Western Cape reisen. Gerade die Gruppe der Besucher, die diese Provinz aufgrund ihrer Naturschönheiten so attraktiv findet, könnte ausbleiben. Die besondere Stärke des Western Cape, die sich aus einer abwechslungsreichen und artenreichen Fauna und Flora ergibt, würde dann nicht mehr wahrgenommen werden. Dieses Risiko der Umweltzerstörung ist zwar vorhanden, kann aber als gering eingeschätzt werden, da auch die nationale Tourismuspolitik im Sinne der Nachhaltigkeit ein Interesse hat, dass die Besucherzahlen aus Übersee weiterhin steigen. Deshalb wird auch in Zukunft versucht, den Einklang von Natur und steigenden Tourismuszahlen zu gewährleisten.

Die politische Entwicklung könnte sich aber in anderer Hinsicht negativ entwickeln. Im März 2006 ist der African National Congress (ANC), der schon in der vorangegangenen Legislaturperiode an der Regierung beteiligt gewesen ist, auf Provinz-Ebene als Sieger aus den Wahlen hervorgegangen. Seit April 2004 ist der ANC auf nationaler Ebene mit 69,69% der Stimmen zur Regierungspartei gewählt worden. Diese Zweidrittelmehrheit befähigt die Partei, die kommunistische Inhalte vertritt, bestehende Gesetze zu ändern. Darin liegt es auch begründet, dass einige weiße Einheimische diese Partei als ein Risiko für die zukünftige Entwicklung des Western Cape einschätzen. Extremistische Flügel der Partei fordern immer öfter eine Entschädigung für die jahrelange Unterdrückung der Schwarzen in der Apartheid. Gemäßigte Stimmen der Partei setzen sich dagegen für ein friedliches Miteinander aller Hautfarben in dieser jungen Demokratie ein und möchten eine Konfrontation mit dem rechten Flügel der Partei vermeiden. Es besteht jedenfalls die Gefahr, dass diese Stimmung innerhalb des ANC in kurzer Zeit kippt und aufgrund der Mehrheitsverhältnisse Beschlüsse und Gesetze erlassen werden, die nicht nur kurz- und langfristig dem Tourismus schaden, sondern auch soziale Unruhen hervorrufen könnten (BEHRENS, G./Journalist und Autor sowie ehemaliger Korrespondent der Süddeutschen Zeitung für das Südliche Afrika/Informationsgespräch).

Zwar ist die Republik Südafrika eine der wenigen funktionierenden Demokratien auf dem afrikanischen Kontinent, dennoch würde man ihren Zustand nach europäischen Maßstäben für bedenklich halten. Die übermäßige Dominanz einer Partei spiegelt sich in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens wider und macht eine wirksame Oppositionsarbeit, wie sie durch die Democratic Alliance und die Inkatha Freedom Party gegenwärtig versucht wird, nahezu unmöglich. Erst eine wirkungsvolle Kontrolle der Regierung kann zu einer innenpolitischen Stabilität führen, die sich auch positiv auf die Tourismusbranche auswirken würde.

Auch wenn die politischen Entwicklungen erst abgewartet werden müssen, zählt schon heute eine andere Schwäche zu den negativen Einflüssen auf den Tourismus. Die übermäßige Dominanz des ANC in den verschiedensten Bereichen des Alltages führt zu Korruption, die von den Medien fast täglich in der Tagespresse thematisiert wird. Die negativen Folgen für den Tourismus in dieser Provinz liegen darin, dass aus Habgier und Eigeninteresse persön-liche Bereicherungen mehr im Vordergrund stehen als seriös geplante touristische Projekte. Solche Fälle häufen sich in den letzten Jahren und haben auch das Vertrauen ausländischer Investoren erschüttert. Im südafrikanischen Herbst des Jahres 2005 führten Korruptionsvorwürfe dazu, dass Staatspräsident Thabo Mbeki (ANC) seinen Stellvertreter Jacob Zuma (ANC) entlassen musste. Seit Juni 2005 ist Phumzile Mlambo-Ngcuka (ANC) Nachfolgerin Zumas. Auch Parlamentsabgeordnete auf nationaler und Provinz-Ebene müssen sich immer wieder für die Veruntreuung von Steuergeldern verantworten, wobei es neben den bekannt gewordenen Fällen noch eine recht hohe Dunkelziffer gibt (BEHRENS, G./Journalist und Autor sowie ehemaliger Korrespondent der Süddeutschen Zeitung für das Südliche Afrika/Informationsgespräch).

Obgleich der ungewissen politischen Entwicklung hat der Trend zum Erwerb von Eigentum im Western Cape innerhalb der letzten Jahre trotz steigender Immobilienpreise bei Aus-ländern zugenommen. Meistens hat es Übersee-Incoming-Touristen im Urlaub so gut gefallen, dass sie sich in der Provinz ein festes Feriendomizil gekauft haben. Hierbei ist der Großraum Kapstadt die begehrteste Adresse unter den Interessenten aus Übersee. Darüber hinaus entscheiden sich manche Besucher aus Übersee, ihren Lebensmittelpunkt komplett ins Western Cape zu verlagern. Dies sind überwiegend Menschen, die beruflich im Western Cape arbeiten, die als Aussteiger in diese Provinz gekommen sind oder die ihren Lebensabend in der Kap-Region genießen möchten. Allein die Zahl der Deutschen ist im Großraum Kapstadt in den letzten Jahren stets gestiegen und wird inzwischen mit 20.000 angegeben (WENDT, C./Direktor der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt/Informationsgespräch). Dies ist natürlich auch als ein Beitrag dafür zu werten, dass das Western Cape weiterhin durch ein Nebeneinander verschiedener Kulturen besticht und sich dem Übersee-Incoming-Touristen als weltoffene Metropole mit internationalem Ambiente präsentiert.

Ein weiterer Aspekt, warum Kapstadt und das Western Cape nicht erst durch den Zuzug von Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Erde internationales Flair besitzen, ist durch die Zusammensetzung der Bevölkerung begründet. Eine große Anzahl von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft führt dazu, dass sich das Western Cape durch ein kosmopolitisches Ambiente auszeichnet (vgl. GEORGE, R.: 2004). Dies schlägt sich im demographischen Profil der Einwohner dieser Provinz nieder, welches vom eigentlichen Profil Südafrikas stark abweicht. Im Western Cape leben seit jeher viele Menschen, die ursprünglich aus den Regionen Europa, Süd-Ost-Asien, Indien oder Zentral-Afrika stammen. Die Bevölkerung setzt sich in dieser Provinz aus 54,2% Farbigen, 20,9% Schwarzen und 20,8% Weißen zusammen. Die Gruppe der Inder und Asiaten ist mit etwa 4% im Western Cape nur gering vertreten (vgl. DEMHARDT, I. J.: 2000). Durch diese Internationalität der Bewohner und die über die Jahre gewachsene Mischung der Kulturen ergibt sich eine für das Western Cape ganz eigene aufgeschlossene Art der einheimischen Bevölkerung. Besonders stark kommt diese Aufgeschlossenheit der Bevölkerung in Kapstadt selbst zum Ausdruck, so dass die Stadt für Touristen den Eindruck einer modernen und liberalen Metropole vermittelt. Eigenständig durchgeführte Umfragen unter Touristen aus Übersee an ausgewählten Sehenswürdigkeiten oder in Hotels haben gezeigt, dass die Mentalität der einheimischen Bevölkerung als einer der Hauptgründe für die Beliebtheit dieser Region genannt wird. Auch wenn es sich bei dieser Methode nur um eine Erhebung von Stichproben handelt, deren Aussagekraft nicht repräsentativ ist, spiegeln diese Meinungen ein Stimmungsbild wider, dessen Wahrheitsgehalt ich nach meinem dreimonatigen Aufenthalt im Western Cape durchaus bestätigen kann.

„Für den Tourismus relevant ist […] der Umstand, dass die meisten Einwohner des Western Cape aufgrund dieser ethnischen Mischstruktur traditionell mehrsprachig sind. Neben Afrikaans und Englisch, das eigentlich alle beherrschen, sprechen sehr viele auch noch eine weitere europäische oder einheimische Sprache“ (DEMHARDT, I. J.: 2000, S. 176). Die Heterogenität der Bevölkerung und die größtenteils nicht vorhandenen Sprachbarrieren tragen dazu bei, dass man sich als Übersee-Incoming-Tourist zwar auf dem afrikanischen Kontinent befindet, aber nicht unbedingt Berührungspunkte mit der afrikanischen Kultur haben muss, wenn man diese nicht möchte. Nicht umsonst sprechen einige Einheimische auch von „Klein-Europa“, wenn sie den Großraum Kapstadt beschreiben (SWANEPOEL, G./Inhaberin des Gästehauses Hillcrest Manor in Kapstadt/Informationsgespräch).

Die Heterogenität der Gesellschaft führt auf der anderen Seite auch zu Schwächen der Provinz. Denn selbst nach dem Ende der Apartheid sind einzelne Nachwirkungen noch im Alltag verankert, die teilweise zu sozialen Brennpunkten geworden sind und damit auch eine potenzielle Gefahr für die weitere Entwicklung des internationalen Tourismus darstellen könnten. So ist es zum Beispiel selbstverständlich, dass der Strand im Kapstädter Vorort Clifton fast ausnahmslos von der weißen Bevölkerung genutzt wird. Im wenige Kilometer entfernten Camps Bay dagegen ist die schwarze Bevölkerung in der Mehrheit, wenn auch einige weiße Bewohner des Ortes dort anzutreffen sind.

Ein Mittel, das dazu führen soll, die langfristige Anpassung beider Hautfarben im täglichen Miteinander zu fördern, ist das Black Economic Empowerment. Das auch unter dem Namen „affirmative action“ geläufige Programm ist vor einigen Jahren von der Regierung Südafrikas verabschiedet worden und soll die immer noch vorhandenen Ungleichheiten in der Arbeitswelt beseitigen. Dieses sehr sensible Thema stößt vor allem in der weißen Bevölkerung auf Kritik. Die Beteiligung von Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben nach verschiedenen Verteilungsschlüsseln je nach Branche in Anlehnung an die prozentuale Bevölkerungsstruktur Südafrikas klingt zunächst sinnvoll (vgl. SOUTH AFRICA AT A GLANCE: 2005). Doch durch die zunehmende Diskussion in Südafrika über das Thema lässt sich eine Spaltung innerhalb der Gesellschaft langfristig nicht mehr ausschließen. Weitere Folgen wie soziale Unruhen könnten in einem weiteren Stadium zu einem Risikofaktor für das Reiseziel Western Cape werden. Auch in der Tourismusbranche im Western Cape werden vorrangig weiße Arbeitnehmer beschäftigt. Dies trifft besonders auf gut ausgebildete Arbeitskräfte zu (vgl. ROGERSON, CHR. M.: 2004a). Gerade deshalb ist es wichtig, dass das Black Economic Empowerment vielen Schwarzen die Möglichkeit bietet, Berufe zu erlangen, in die sie ohne dieses Programm nie hätten einsteigen können. Insgesamt besteht somit die Chance, die schwarze Bevölkerung im Bereich des Tourismus zu integrieren und ihnen einen Anteil an diesem zukunftsträchtigen Sektor in einer von Weißen angeführten Branche zu sichern. Doch aufgrund dieser Entwicklung wandern immer mehr junge weiße, qualifizierte Südafrikaner ab. Die Unternehmen sind gehalten, auf eine bestimmte Anzahl Weiße eine vielfache Anzahl von schwarzen Arbeitnehmern einzustellen. Aufgrund der noch jungen Geschichte und des ehemaligen Apartheidsystems können die schwarzen Arbeitnehmer häufig keine adäquate Qualifikation mitbringen und werden dennoch vor dem vielleicht etwas besser qualifizierten weißen Arbeitnehmer bevorzugt. Somit erklärt sich die in den letzten Jahren konstant zunehmende Abwanderung hunderttausender weißer Fachkräfte aus der Republik Südafrika (vgl. PABST, G.: 2005). Die fehlende Fachkenntnis des schwarzen Personals könnte zu einem geringeren Serviceniveau führen. Dies könnte wiederum negative Folgen für die Besucher aus Übersee sowie die gesamte Tourismusbranche im Western Cape haben. Zum jetzigen Zeitpunkt wird zwar besonders von Übersee-Incoming-Touristen der gute Service beispielsweise im gastronomischen Bereich in einer stark ausgeprägten Dienstleistungsgesellschaft gelobt. Doch häufig wird dabei das schlechte Ausbildungsniveau, das Südafrika im internationalen Standard ohnehin schon besitzt, übersehen. Viele Führungspositionen unter anderem in größeren Hotels sind mit Deutschen, Österreichern, Briten, Franzosen oder weißen Südafrikanern besetzt, die ihre Ausbildung im Ausland absolviert haben. Die wenigen Führungspositionen, die die Schwarzen einnehmen, sind oft mit ehemaligen Freiheits-kämpfern besetzt. Deswegen kommt es nicht selten am Arbeitsplatz zu sozialen Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten. Der aus Altersgründen unabwendbare Generationenwechsel wird die Chance bieten, dass sich Menschen in gehobenen Positionen begegnen, die nicht zuvor gegeneinander gekämpft haben (BEHRENS, G./Journalist und Autor sowie ehemaliger Korrespondent der Süddeutschen Zeitung für das Südliche Afrika/Informationsgespräch).

Mit der Heterogenität der Bevölkerung und der daraus resultierenden Ungleichheit der verschiedenen Bevölkerungsgruppen geht auch die hohe Kriminalitätsrate des Western Cape einher. Diese ist auch deswegen besonders hoch, weil die große Anzahl von Übersee-Incoming-Touristen die Klein- und Großkriminellen aus anderen Provinzen oder Nachbarstaaten Südafrikas anlockt. Dennoch zeigt die in Tabelle 3 vom South African Police Service veröffentlichte Kriminalitätsstatistik des Western Cape, dass die besonders schwerwiegenden Gewaltverbrechen wie Mord, versuchter Mord und Einbruch im Laufe der letzten Jahre zurückgegangen sind.

Tab. 3: Kriminalitätsstatistik für das Western Cape

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach SOUTH AFRICAN POLICE SERVICE: 18.04.2006

Im Vergleich zwischen den Zeiträumen April 2001 bis März 2002 und April 2002 bis März 2003 ist sowohl bei den Mordfällen, den versuchten Mordfällen als auch bei Einbrüchen ein Anstieg festzustellen, der sich bei den versuchten Morden am deutlichsten zeigt. Seit dem Zeitraum April 2003 bis März 2004 sind die Zahlen in diesen Breichen rückläufig. Bei den Einbrüchen ist darauf hinzuweisen, dass neben Einbrüchen in private Wohnhäuser oder Wohnungen auch Einbrüche in Büroräume, Lagerhallen, Firmen etc. erfasst werden. Aufgrund der Häufung von Einbrüchen in Appartements innerhalb der letzten Jahre haben einige Führungskräfte der Lufthansa im Kapstädter Stadtteil Green Point nahe der Victoria & Alfred Waterfront im Jahr 2005 ihr festes Feriendomizil aufgegeben (NAUMANN, U./Inhaber der deutschen Buchhandlung in Kapstadt/Informationsgespräch). Insgesamt jedoch ist die Entwicklung im Verlauf der letzten Jahre positiv zu bewerten, weil die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen dazu beitragen, dass die Immobiliennachfrage – wie zuvor beschrieben – bei Ausländern weiterhin steigt.

Die Zahlen in den Bereichen Morde, versuchte Morde und Einbrüche sind zwar bis 2005 deutlich zurückgegangen, aber dennoch erscheint eine Provinz, in der täglich im Durchschnitt neun Menschen umgebracht werden, als gefährlich. Einerseits zeigt der Rückgang, dass einige Konzepte der Provinzregierung wie beispielsweise die Ausweitung privater Sicherheitsdienste aufgegangen sind (vgl. BOTSCHAFT DER REPUBLIK SÜDAFRIKA: 2005), andererseits treten diese Erfolge bei den immer noch sehr hohen Zahlen in der Statistik in den Hintergrund. Die Raubüberfälle bewegen sich mit 6.834 für den Zeitraum April 2004 bis März 2005 auf einem ebenfalls sehr hohen Niveau. Gerade bei den Raubüberfällen und Einbrüchen muss eine erhebliche Dunkelziffer berücksichtigt werden. Selbst wenn Übersee-Incoming-Touristen Opfer eines Raubüberfalls oder Einbruchs in ihr Appartement werden, kommt es häufig gar nicht zur Anzeige bei der Polizei, da die Chancen auf eine Aufklärung des Verbrechens relativ gering sind. Die sehr geringe Bezahlung der Polizisten steht in keinem Verhältnis zur zum Teil großen Gefahr, der sie täglich ausgesetzt sind. Der Anreiz, überhaupt diesen Beruf auszuüben, ist sehr gering, und die gesamte südafrikanische Polizei hat große Nachwuchs-sorgen. In der Republik Südafrika gibt es im Jahr 2005 nur eine im Vergleich zur Kriminalitätsrate geringe Anzahl von etwa 110.00 Polizisten. Die geringe Bezahlung ist nicht selten ein Grund dafür, dass Polizisten mit Kriminellen zusammenarbeiten und ihr Gehalt auf diesem Weg aufbessern (vgl. GRILL, B./MARTIN, L.: 08.08.2005).

Mit den um Kapstadt liegenden Townships ist im Western Cape ein Brennpunkt der Kriminalität ausgemacht. In diesem Zusammenhang muss zwischen der Kriminalität, die sich innerhalb der Townships abspielt, und jener Kriminalität, die zum Beispiel im Zentrum Kapstadts oder an der Victoria & Alfred Waterfront stattfindet, unterschieden werden. Trotzdem könnte sich natürlich eine Ausweitung der Kriminalität innerhalb der Townships auch negativ auf den Tourismus in der gesamten Region auswirken. Von 2.680 Morden im Zeitraum April 2004 bis März 2005 sind allein in den vier Townships Khayelitsha, Nyanga, Guguletu und Langa 677 begangen worden (vgl. SOUTH AFRICAN POLICE SERVICE: 21.04.2006). Mit der Kriminalität innerhalb der Townships haben Besucher aus Übersee in der Regel keine Berührungspunkte. Die Besuche der Townships beschränken sich – wenn überhaupt – auf organisierte Touren der Reiseveranstalter in die Armenviertel. Übergriffe oder gar Mordversuche an Besuchern aus Übersee sind in den Townships bisher nicht vorgekommen (SMIT, M./Leisure Marketing Coordinator bei Cape Town Routes Unlimited/Informationsgespräch).

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Details

Seiten
102
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783832499853
ISBN (Buch)
9783838699851
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v224882
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Geographisches Institut
Note
2,3
Schlagworte
tourismus südafrika städtetourismus swot-analyse kapstadt

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Titel: Angebote für den Übersee-Incoming-Tourismus am Beispiel der Provinz Western Cape, Südafrika