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Begräbniszeremonien und Staatlichkeit am Beispiel Karls IV.

Examensarbeit 2001 66 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Quellen zu Tod und Begräbnis Karls IV.

4. Karl IV. und „Staatlichkeit“ am Ende des 14. Jahrhunderts
4.1. Politisch-religiöse Prägung der Jugendjahre
4.2. Erste politische Aktivitäten
4.3. Politische Ziele: Hausmacht und Residenz auf dem Weg zur Staatlichkeit
4.4. Die Goldene Bulle von 1356
4.5. „Corona Bohemiae“
4.6. Die Krönungen Karls
4.7. König „dei gratia“ und Kaiser durch „translatio imperii“
4.8 Testamentarische Verfügungen Karls

5. Eine dynastische Grablege im St. Veitsdom zu Prag
5.1. Kirchenbauten auf dem Prager Burgberg als Grabstätte premyslidischer Herrscher und ihrer Angehörigen
5.2. Die neue St.-Veit-Kathedrale
5.3. Begräbnisstätte von Karls Ehefrauen und die seiner Söhne
5.4. Premyslidisch oder königlich?
5.5. Grab und Grabmal Karls IV.

6. Der Tod Karls IV.

7. Sterbe- und Begräbnisliturgie
7.1. Die Buße
7.2. Die letzte Ölung
7.3. Kommunion
7.4. Waschung und Leichenpflege
7.6. Einbalsamierung
7.7. Ankleidung 37

8. Öffentliche Aufbahrung
8.1. Die Effigies
8.2. Repräsentation
8.3. Der politische Körper Karls IV.

9. Prozession
9.1. Prozessionsteilnehmer
9.2. Prozessionsweg

10. Opfergang

11. Das Begräbnis

12. Gedächtnismesse zum Tode Karls IV.

13. Schlußbemerkungen

Anhang

Quellen und Literaturverzeichnis

a) Quellenverzeichnis

b) Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„In der jarzal unsers herren in dem 1378 jar an sant Andres abent do starb kaiser Karl zu Prag in seiner aigen stat und ward da begraben als hernach geschriben stat.“ [1]

Was der Chronist im Anschluß beschreibt, ist nicht das Begräbnis eines individuellen Menschen, sondern das Begräbnis eines Kaisers und Königs.

Jedes Auftreten eines Königs (auch sein letztes) war ein öffentliches Zurschaustellen der mit seinem Amt verbundenen Würde. Er war nie nur Privatperson, sondern eine Verkörperung des von ihm beherrschten Landes. Für die Person des Königs traf in besonderer Weise zu, was für das Mittelalter ohnehin kennzeichnend war: Die strikte Trennung zwischen öffentlichem und privatem Raum fehlte.[2] Dieser Umstand führte dazu, daß sich das Begräbnis eines Königs nach bestimmten Regeln vollzog, die der Zuschauerschaft in größtenteils nonverbaler Weise ein Bild von der politischen, sozialen und religiösen Ordnung vermitteln sollten. Der Komplex dieser symbolischen Gesten und Rituale ließ die Begräbnisfeierlichkeiten zu einem sogenannten Begräbniszeremoniell werden.[3]

In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwiefern die symbolische Sprache des Begräbniszeremoniells von Karl IV. ein Bild von einer bestimmten Ordnung entwirft.

Friedrich Bruck beschrieb die Einstellung des Menschen zum Tod mit den Worten: „[Wie] die Menschen sich zum Tode einstellen, bestimmt ihre Haltung gegenüber dem Leben“.[4]

Somit läßt sich auch aus dem Begräbnis sehr viel über das Leben des Verstorbenen und seiner Umwelt ablesen. Welche Aussagen werden über „Staat“ und König im Begräbniszeremoniell getroffen? Was soll dem Publikum dieses öffentlichen Ereignisses und der Leserschaft der oben zitierten Aufzeichnungen mitgeteilt werden? Für die Beantwortung dieser Fragen ist die Betrachtung der Grablege Karls IV., der Aufbahrung, des Trauerzuges und des Opferganges bedeutsam. Insbesondere die Rolle von Ort und Wahl der Grablege wird dabei aber nur auf dem Hintergrund des Wissens um Karls Herrschafts- und Traditionsverständnis offenbar werden. Demzufolge soll dieses und das zeitgenössische Verständnis von König und Herrschaft hinführend erörtert werden.

Auch wenn der Charakter eines Zeremoniells vermuten läßt, daß sich daraus allgemeine Aussagen zu Königs-und Kaiserbegräbnisssen machen lassen, soll diese Arbeit nur konkret am Beispiel Karls IV. das Zeremoniell und die Funktion ihrer Bestandteile erschließen.

2. Forschungsstand

Mit dem Buch „L‘homme devant la mort“ wurde der französische Historiker Philipp Ariés zum Vorreiter auf dem mentalitätsgeschichtlichen Gebiet.[5] Etwas später begann auch in der deutschen Geschichtswissenschaft die Erforschung der Einstellungen und Haltungen der Menschen gegenüber dem Tod, auch die des mittelalterlichen Menschen.

Eine repräsentative Auswahl auf diesem Forschungsgebiet stellen die Arbeiten von Arno Borst[6], Peter Dinzelbacher[7], Werner Goez[8], Lothar Kolmer[9], Marianne Mischke[10] und Norbert Ohler[11] dar. Der sich dem Thema Sterben und Tod anschließende Bereich der Memoria hat besonders durch den Sammelband von Karl Schmid und Joachim Wollasch Bekanntheit erlangt.[12]

Die Thematisierung des Todes schließt Aspekte wie die Gestaltung des Begräbnisses und der Feierlichkeiten mit ein. Daher wurde bisher selten das Begräbnis zur separaten Aufgabenstellung von Forschungsarbeiten.

Wolfgang Brückner beschäftigte sich mit der Bedeutung der Effigies, des Reiters und des Pferdes im Leichenzeremoniell.[13] Nikolas Kyll schilderte ausführlich das volkstümliche und christliche Totenbrauchtum des Mittelalters und der Neuzeit in den Trierer Landen und Luxemburg.[14] Andrea Lanzer bietet mit einem Aufsatz einen kurzen Überblick über den „Herrschertod in Brauchtum und Recht“.[15] Den Tod der englischen Könige hat Ernst Kantorowicz in seinem Buch „The King’s Two Bodies - A Study in Mediaeval Political Theology“ betrachtet.[16] Die Studie streift Theologie, Staatsphilosophie, Recht, Politik, Mentalität der Zeit und entwirft eine Entstehungsgeschichte des modernen Staates. Die politisch-theologische Sichtweise auf die Figur des Königs, die dieses Buch eröffnete, war enorm prägend für spätere Arbeiten zum Thema Königsbegräbnis. 1960 erschien das Buch „The Royal Funeral Ceremony in Renaissance France“ von Ralph E. Giesey, einem Schüler (und späteren Assistenten) Kantorowicz‘ an der Universität von Kalifornien. Giesey untersuchte das Begräbniszeremoniell der französischen Könige während des 15. und 16. Jahrhunderts.[17]

Alain Erlande-Brandenburg erforschte in den siebziger Jahren das französische Begräbniszeremoniell für die Zeit der Merowinger, Karolinger und Kapetinger bis zum Ende des 13. Jahrhunderts.[18]

Zu den Herrscherbegräbnissen im Heiligen Römischen Reich liegen nur wenige Einzelbetrachtungen bzw. Teildarstellungen vor. In dem von Lothar Kolmer 1997 herausgegebenen Sammelband mit dem Titel „Der Tod des Mächtigen - Kult und Kultur des Todes spätmittelalterlicher Herrscher“ werden die Begräbnisse mehrerer Herrscher kurzgefaßt dargestellt.[19] Das Werk von Eugen Guglia über die Geburts-, Sterbe-, und Grabstätten der römisch-deutschen Kaiser und Könige umfaßt zwar den Zeitraum von Karl dem Großen bis Franz II., ist aber aufgrund seiner eher erzählerischen Darstellung wenig befriedigend.[20] Peter Aufgebauer schrieb einen Aufsatz über die Bestattungen Otto I. bis Lothar III., thematisiert aber vorwiegend die Konservierungsmethoden.[21] Mit dem Aufsatz „Grablege und Bestattungsbrauch der deutschen Könige im Früh-und Hochmittelalter“ bereicherte Joachim Ehlers die Forschung zu Begräbnissen von Königen im Reich.[22] Das habsburgische Begräbniszeremoniell wurde u.a. von Margarethe Hawlik van de Water untersucht.[23] Die Bestattung Friedrich III. ist Gegenstand der Dissertation von Hans P. Zelfel.[24]

Dem Begräbnis Karls IV. wurde bisher wenig Aufmerksamkeit zuteil. In älteren Arbeiten wie z.B. in jenen von Franz Martin Pelzel[25] und Jirí Spevácek[26] gehört dessen Schilderung zu einer Gesamtdarstellung des Königs und Kaisers. In dem Buch „Am Hofe Karls IV.“ von Frantisek Kavka wird in einem Kapitel auch die Begräbniszeremonie Karls erwähnt.[27] Dieses ist leider ungenau recherchiert und enthält keinen einzigen Quellenbeleg. Sehr ausführlich wird das Leichenzeremoniell bei der Bestattung Karls IV. in dem Buch „Zur politischen Präsentation und Allegorie im 14. und 15. Jahrhundert“ von Frantisek Smahel behandelt.[28] Er geht in erster Linie möglichen Hinweisen nach, die dafür sprechen könnten, daß Karl IV. sein Begräbnis selbst geplant hat. Darüberhinaus bietet seine Arbeit eine umfangreiche Darstellung vom Ablauf des Zeremoniells und dazugehörige Interpretationsansätze. In dem von Lothar Kolmer herausgegebenen Sammelband „Der Tod des Mächtigen - Kult und Kultur des Todes spätmittelalterlicher Herrscher“ ist ein Aufsatz von Marie Bláhová mit dem Titel „Die königlichen Begräbniszeremonien im spätmittelalterlichen Böhmen“ enthalten.

Dieser Aufsatz behandelt ebenso ausführlich das Begräbniszeremoniell Karls IV., orientiert sich allerdings stark an Frantisek Smahel.[29]

Rudolf J. Meyer hat, mit dem Anspruch ein Forschungsdefizit zu beseitigen, erst kürzlich ein Buch zu den Königs- und Kaiserbegräbnissen des Spätmittelalters (von Rudolf von Habsburg bis zu Friedrich III.) vorgelegt. Er stellt die Frage nach einem einheitlichen dynastieübergreifenden deutschen Herrscherbegräbnis und kommt zu folgendem Resultat: „Wenn man die Begräbnisse im Reich (...) vergleicht, dann muß man feststellen, daß insbesondere das französische Begräbniszeremoniell jenseits des liturgischen Rahmens einen rituellen Kern hatte (...). Die Begräbnisse im Reich hatten einen solchen rituellen Kern nicht.“[30] Meyer zieht in seiner Studie diesen Schluß, obwohl er in seinem Katalog der einzelnen Königs- und Kaiserbegräbnisse selbst auf immer „wiederkehrende zeremonielle Elemente“ hingewiesen hatte.[31] Meiner Meinung nach begeht er den Fehler, Liturgie und „rituellen Kern“ trennen zu wollen. Durch die Suche nach einem weltlichen Zeremoniell verstellt er sich aber etliche Türen. Einige wiederkehrende Elemente werden von ihm gar nicht, andere nur unter vorgenannter Prämisse beleuchtet.

Die in tschechischer Sprache verfaßten Arbeiten zu Karl IV., u.a. von Frantisek Smahel[32] und Václav Vladivoj Tomek[33], standen mir aufgrund fehlender Sprachkenntnisse nicht zur Verfügung.

3. Quellen zu Tod und Begräbnis Karls IV.

Von den Hofhistorikern Karls IV. liegen uns keine Angaben über den Tod oder das Begräbnis des Kaisers vor. Zahlreiche böhmische Annalen, so z.B. die sogenannte Breslauer Handschrift, verzeichnen zwar den Tod Karls IV., nennen aber keine weiteren Details. Die Bestattung im Chor des Veitsdoms wird nur kurz erwähnt .[34] Das „Chronicon breve regni Bohemiae“ nennt den Todestag und erwähnt außerdem noch den Brand eines Krankenhauses am selben Tag.[35]

Ein Fragment aus den böhmischen Annalen berichtet dagegen ausführlicher über den Tod und das Begräbnis Karls. Von Smahel wurde es in dem Aufsatz „Spectaculum et pompa funebris - Das Leichenzeremoniell bei der Bestattung Kaiser Karls IV.“ veröffentlicht.

Es handelt sich um die Aufzeichnung eines unbekannten Zeitgenossen in der Handschrift Sign. M II 15 der Universitätsbibliothek von Olomouc.[36] Diese Aufzeichnung enhält sowohl Informationen zum Begräbniszeremoniell Kaisers Karl IV. als auch der Königin Johanna von Niederbayern, der Gemahlin Wenzels IV.

Die bedeutendste Quelle zum Begräbniszeremoniell stellt der Bericht eines unbekannten Augenzeugen dar, dessen Beobachtungen ein Augsburger Chronist, der die Stadtgeschichte der Zeit 1368 bis 1406 notierte, in sein Werk eingliederte. Es kam häufig vor, daß Bürger des Spätmittelalters untereinander über die Ereignisse der Zeit berichteten.[37] Die detaillierte Beschreibung der Zeremonie spricht dafür, daß es sich um einen Augenzeugen handelte. Zudem ist der Gebrauch der für die Augsburger Chronik sonst ungebräuchlichen Bezeichnungen auffällig, wie der Herausgeber der Chronik anmerkt.[38]

Die Handschriften haben die Stadtchronik kaum vollständig überliefert. Die Heidelberger Handschrift (C) und die ihr verwandte Wiener Handschrift (c) beginnen erst im Jahre 1377. Mit der Berliner Handschrift (A) hat sich der älteste und vollständigste, ein der Grundhandschrift sehr nahe stehender Text erhalten. Ein ihr verwandter Text ist die Münchner Handschrift (a).[39] Die Augsburger Chronik hat durch die Publikation einer jüngeren Abschrift durch den Augsburger Burkard Zink Bekanntheit erlangt. Ihm lag eine Handschrift vor, die mit dem Jahr 1368 begann, 1397 schloß und offenbar der Berliner Handschrift (A) sehr verwandt war. Ferdinand Frensdorff hat unter Verwendung aller erreichbaren Handschriften einen Druck der Chronik im Jahre 1865 herausgegeben. Die Augsburger Chronik bildet den vierten Band der deutschen Städtechroniken.

Ich verwende als Grundlage meiner Untersuchungen zum Begräbniszeremoniell die eben genannte Edition von Frensdorff.

Der Gegenstand, dem sich die Chronik vor allem zuwendet, sind die inneren und äußeren Angelegenheiten der Stadt. Das sind Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde, Konflikte mit dem Bischof, die Haltung gegenüber den Juden, Kriegszüge etc. Es wurden aber auch die Beziehungen der Stadt zum Kaiser und Verhandlungen mit Gesandtschaften seines Hofes notiert. „Wenngleich über die Persönlichkeit, der wir eine Thätigkeit wie die geschilderte zuschreiben könnten, keinerlei Nachricht vorliegt“, so schreibt Ferdinand Frensdorff in seiner Einleitung zur Chronik, „ so gestattet doch die Form, derer sich die Chronik bedient, die Sprache, in der sie geschrieben ist, der ganze Charakter ihrer Berichterstattung etwas nähergehende Vermuthung (...).“ Der Schreiber verwende stereotype Formeln, entlehne Termini aus der Urkundensprache und habe einen knappen Schreibstil. Der Inhalt der Berichte zeuge „meistens von einer genauen Kunde der Verhältnisse. (...) Nach all diesen Anzeichen werden wir den Verfasser unter den Männern suchen dürfen, die in den Geschäften bewandert, den leitenden Kreisen der Stadt nahe standen und eine Stellung einnahmen, die ihnen einen freien Blick und ein unbefangenes Urteil verstattete, mögen wir nun an die überlegene Bildung der hervorragenden Stadtschreiber denken oder an die durch die Geburt ausgezeichneten Mitglieder der Geschlechter.“[40] Oftmals werden die augenscheinlich „objektiven“ Schilderungen durch persönliche Urteile des Chronisten ergänzt. Seine Niederschriften erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit der Berichterstattung. Zuweilen erscheint diese sprunghaft und die Berichte willkürlich ausgewählt. Die meisten Aufzeichnungen des Stadtschreibers basieren daher wahrscheinlich eher auf zufällig von außen herangetragene Nachrichten. Eine solche von außen herangetragene Meldung ist wohl auch die ausführliche Beschreibung des Begräbnisses von Kaiser Karl IV.

Die sogenannte Illustrierte Chronik von Böhmen verwende ich in der vorliegenden Arbeit nicht als Quelle. Schon die Bezeichnung der Herausgeber ( „einem Vereine vaterländischer Gelehrter und Künstler“) dieser „Chronik“, läßt auch den Inhalt sehr zweifelhaft erscheinen. Die Passagen zum Begräbniszeremoniell Karls decken sich im übrigen mit dem Bericht der Augsburger Chronik bzw. verfälschen diese glorifizierend.[41]

4. Karl IV. und „Staatlichkeit“ am Ende des 14. Jahrhunderts

Karl IV. beeinflußte die Herausbildung eines spätmittelalterlichen Staates auf nachhaltige Weise. Was zeichnet Regierungspraxis und Herrschaftsverständnis von Karl IV. aus ?

Was macht gerade ihn hinsichtlich der „Staatlichkeit“ so interessant? Seine Politik und sein Selbstverständnis sollen in diesem Kapitel skizziert werden. Nur mit der Kenntnis seines Herrschafts- und Traditionsverständnisses sowie seiner Frömmigkeit wird die Wahl der später zu erläuternden Grablege und die Staatssymbolik im Begräbniszeremoniell an Klarheit gewinnen. Es kommt mir nicht auf eine Herausstellung der hervorragenden Errungenschaften Karls an, auch wenn ich mich der Wirkung manch pathetischer Formulierung, wie man sie in den Arbeiten von Seibt findet, kaum entziehen kann.[42]

Karl IV. regierte als deutscher sowie böhmischer König (seit 1346/1347) und römischer Kaiser (seit 1355) in einer Zeit, die als „Spätmittelalter“[43] bezeichnet, als Krisenzeit charakterisiert[44] wird und die Johan Huizinga „Herbst des Mittelalters“[45] nannte. Diese Schlagworte stehen für die Pest, die nahezu ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffte, für die im Exil residierenden Päpste von Avignon, für das abendländische Schisma, für den Säkularisierungsprozeß, für das machtlose Kaisertum, für die Zersplitterung des Heiligen Römischen Reiches in Territorialstaaten, für das Gegenkönigtum u.ä. Aber das 14. Jahrhundert ist auch eine Zeit des Aufbruchs. Dieses Jahrhundert steht ebenso für die wachsende Bedeutung der städtischen Lebensformen, für ökonomische Wertvorstellungen, für die Einführung der Geldwirtschaft und den Bau von Räderuhren, für bürgerliche Verwaltungspraxis, für die Gründung von Universitäten und letztendlich auch für die Entstehung des „modernen Staates“.[46] Karl IV. hat es vermocht, eine päpstlich anerkannte und stabile kaiserliche Herrschaft aufzubauen, wie es sie seit über hundert Jahren in Europa nicht gegeben hatte. Der Kaiser Karl IV. hob sich von den folgenden ab, weil, „diejenigen, die noch zum Kaiser gekrönt wurden, keine Kaiser mehr, sondern nur noch Träger des Kaisertitels“ waren, so urteilt Percy E. Schramm.[47]

4.1. Politisch-religiöse Prägung der Jugendjahre

Der Politiker Karl IV. ist nur unter Berücksichtigung seiner Frömmigkeit zu verstehen.[48]

Seine Frömmigkeit wiederum manifestiert sich als politische Religiosität.

Karl IV. war einerseits einer pietistischen Frömmigkeit verhaftet, andererseits hat er es verstanden, die politischen Akzente der Religiosität und ihre Nutzbarkeit immer im Auge

zu behalten.[49]

Mit seiner Autobiographie und weiteren von Karl verfaßten Schriften, mit einer Reihe von Geschichtswerken und Predigten von Zeitgenossen sowie mit Kultobjekten und Kunstwerken, die mit seiner Person in Verbindung stehen, liegen Zeugnisse vor, die Karls politisch-religiöse Anschauungen verdeutlichen können. Die sogenannte „Vita Caroli IV. ab eo ipso conscripta“, ist die einzige Autobiographie eines mittelalterlichen deutschen Königs und belegt Karls Selbstverständnis, ein von Gott Auserwählter und Begnadeter zu sein. Größtenteils enthält sie religiös-pädagogische Ermahnungen, die sich an die Nachfolger richten.[50]

Karl wurde am 14. Mai 1316 geboren. Er war der erste Sohn Johanns von Böhmen aus dem Hause Luxemburg (seit 1310/1311 böhmischer König) und Elisabeth, Tochter des letzten männlichen Premysliden (einem alten böhmischen Adelsgeschlecht). Seine Taufe erfolgte auf den böhmischen Königsnamen Wenzel.

Die religiösen und staatsphilosophischen Anschauungen Karls wurden entscheidend in den Jahren seines Aufenthaltes am französischen Hof geprägt, an den ihn sein Vater im Alter von sieben Jahren schickte. Der französische König Karl IV., Charles le Bel (1322- 1328), hatte kurz zuvor die Schwester Johanns geheiratet. Als Neffe der Königin, zählte Wenzel (Karl) zu den nächsten Angehörigen des Königshauses. Seine Bildung orientierte sich wahrscheinlich vor allem an den Werken des Augustinus, des Thomas von Aquin und an der Heiligen Schrift. Seit seiner Jugend hielt Karl IV. wie ein geweihter Kleriker bestimmte religiöse Übungen regelmäßig ein. Für einen Fürsten des Laienstandes war die hohe theologische Bildung ungewöhnlich. Als seine ersten Erzieher sind die Geistlichen Johannes und Huetus von Viviers bekannt. Seit 1328 nahm sich der einflußreiche Benedektinerabt Pierre Roger von Fécamp, der spätere Papst Clemens VI. (1342-1352), des Prinzen an.[51]

1323 gab ihm der französische König, als sein Pate, den Firmnamen Karl, den er bis an sein Lebensende beibehielt. Der Name Wenzel hatte ihn in die premyslidische Tradition gewiesen, der Name Karl wies ihn nun auch in die karolingische. Das Nebeneinander dieser beiden Traditionsstränge wurde bezeichnend für seine Doppelherrschaft als böhmischer König und deutscher König/römischer Kaiser. So läßt sich bei zeitgenössischen Darstellungen neben seiner Person auf der einen Seite das Wappen Böhmens und auf der anderen das des Reiches finden.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß Karl in die Geschichte als „der Vierte“ einging. Auf dem deutschen Thron war er der erste dieses Namens. Dies trifft auch auf den böhmischen Thron zu. Die berühmten Prager Groschen tragen demzufolge die Aufschrift: „Karolus primus“.[52] Wieso ist er also „der Vierte“? Vor Karl war Wenzel III. (1305-1306) der letzte premyslidische König. Ihm folgte der Luxemburger Johann auf den böhmischen Königsstuhl. Von seinem Taufnamen Wenzel ausgehend, ist Karl auf dem diesem Königsstuhl der Vierte. Wenn sich die Zählung trotz der Namensänderung an den Premysliden mit Namen Wenzel orientiert, wäre dies ein wichtiger Hinweis auf sein Traditionsverständnis. Bei Karls Sohn Wenzel setzte sich diese Logik nicht fort.

Er nannte sich Wenzel IV.

Im Februar 1328 wurde Karl in Paris Zeuge der Bestattung seines Onkels Karl (Charles le Bel). Es kann angenommen werden, daß die öffentliche Ausstellung des königlichen Leichnams mit allen Abzeichen seiner Majestät, die Prozession und die dreifache Bestattung auf den Zwölfjährigen großen Eindruck gemacht haben. Es erfolgte bei Charles le Bel eine gesonderte Grablegung des Körpers in St. Denis (der Grablege der französischen Könige), eine Grablegung des Herzens in der Dominikanerkirche und die der Eingeweide in Maubuisson.[53]

Inwieweit die persönlichen Erlebnisse in Frankreich tatsächlichen Einfluß auf eigene Frömmigkeit und Herrschaftsverständnis gehabt haben könnten oder ob eventuell Frankreich für Karl als Vorbild diente, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Seibt warnt sogar davor, die „vielberufenen Einflüsse der französischen Hofkultur“ zu überschätzen.[54]

4.2. Erste politische Aktivitäten

In den Jahren 1331 bis 1333 nahm Karl an dem erfolglosen militärischen Unternehmen seines Vaters teil, Oberitalien unter luxemburgische Herrschaft zu bringen. Die Berichterstattung der Autobiographie ist auch für diese Jahre wieder durch Religiosität geprägt. So betont Karl u.a., daß ihn göttliche Gnade vor dem Tode bewahrt habe und daß auch sie es war, die seinen Truppen zu Siegen verholfen habe.[55]

Die Zeit zwischen der Rückkehr Karls nach Böhmen und dem Beginn des böhmischen Königtums (1347) ist von einer Rivalität zwischen Vater und Sohn bestimmt, so daß man von einer „Doppelregierung“ Böhmens sprechen kann.[56] Um die Landessprache verstehen und sprechen zu können, erlernte Karl das Tschechische. „Aber seine Sprachfürsorge übersteigt doch diesen pragmatischen Bezug; (...) wollte Karl sich nicht einfach verständlich machen, sondern repräsentieren, wenn er das tschechische Kirchenlied in die lateinische Liturgie der Krönungsordnung aufnahm; wenn er zur Pflege der slawischen als einer ursprünglichen Liturgie ein eigenes Kloster in Prag gründete (...); wenn er seine erste Frau Blanca von Valois, kaum ins Land gekommen, veranlaßt, ihr französisches und luxemburgisches Gefolge nach Hause zu schicken und durch Edle aus dem Land zu ersetzen?“[57] Wenn Karl 1346, noch in der Funktion des Markgrafen, vom Papst das Privileg erwirkte, den slawischen Gottesdienst in cyrillo-methodianischer Tradition in Böhmen einzuführen, war das eine enorme Konzession an die tschechische Bevölkerung des zweisprachigen Böhmens.[58]

Seit seinem Herrschaftsantritt in Böhmen hatte Karl sich ebenso eifrig um das Ansehen der böhmischen Kirche bemüht. Die Erhebung Prags zum Erzbistum im Jahre 1344 und einer von Mainz unabhängigen böhmischen Kirchenprovinz war zweifellos sein größter kirchenpolitischer Erfolg.[59] Noch im selben Jahr erhielt der Prager Erzbischof vom Papst das ausschließliche Recht zur Krönung der böhmischen Könige.

In seiner Regierungspraxis setzte Karl auf Personalunionen, Diplomatie, persönliche Gespräche, Gesandtschaftsreisen und Zweckbündnisse. Die Staatsfinanzen hatte er als wirksamen Machtfaktor erkannt. Politik und Wirtschaft konvergierten während seiner Herrschaftszeit sehr viel stärker als bei seinen Vorgängern.[60] Karl IV. verstand sein deutsches Königtum aber auch traditionell als ein Reisekönigtum, das ihn als Herrscher präsent machte. Die Stabilität der Herrschaft hing davon ab, wie konsequent es dem König gelang, in nicht zu langen Abständen und an möglichst vielen Orten präsent zu sein. Dieses Reisekönigtum ist keine institutionelle Form der Herrschaft, sondern sie ist unmittelbar an die Person des Herrschers gebunden.[61] Das Itinerar Karls IV. spiegelt dieses Reisekönigtum wieder. Die räumliche Ausdehnung der Herrschaftsmobilität ist enorm groß. Sie reicht von Rom bis Lübeck, von Paris bis Krakau und Budapest. Augenscheinlich ist darüber hinaus eine überdurchschnittliche Häufung der Aufenthalte in Böhmen. Letzteres ergibt sich nicht nur aus seinem böhmischen Königtum heraus, sondern ist auch Ausdruck seines Strebens nach Herausbildung einer Residenz.[62] Bereits kurze Zeit nach seiner Ankunft in Böhmen begann Karl mit der Restaurierung des 1303 durch Brand zerstörten fürstlichen Palastes auf dem Hradschin in Prag.[63]

4.3. Politische Ziele: Hausmacht und Residenz auf dem Weg zur Staatlichkeit

Seit je her war Königsgut Grundlage und Voraussetzung dafür, daß sich ein Mittelpunkt königlicher Macht entwickeln und behaupten konnte.

Karl gelang es, das Hausmachtgebiet immens zu erweitern. Er erhielt große Teile der territorialen Besitztümer Ludwig des Bayern. Dazu kam wenig später die Mitgift seiner zweiten Frau Anna von der Pfalz (1349). Diese Eheverbindung förderte zugleich den Ausgleich mit Karls stärksten Gegenspielern unter den deutschen Fürsten, den Wittelsbachern. Karl kaufte 1367 die Niederlausitz. 1365 übernahm er die Verwaltung der Mark Brandenburg und erwarb sie 1373. Durch seine dritte Ehe mit Anna von Schweidnitz (1353) vollendete er den Erwerb Schlesiens. Seine vierte Ehe mit Elisabeth von Pommern, der Enkelin des Polenkönigs, schlichtete die Konfrontationen im politischen Gefüge Ostmitteleuropas. Am Ende seines Lebens gehörten etwa ein Viertel des Reichsgebietes zur luxemburgischen Hausmacht.[64] Seine erste Ehe mit der Französin Blanca von Valois hatte noch über ihren Tod hinaus Frankreich als Bündnispartner gesichert.

Böhmens politisches und geistiges Zentrum war schon lange vor Karls Herrschaft die Stadt Prag. Seit der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts war sie der Hauptsitz der Tschechen, des zentralen Stammes der Böhmen, und ihres angestammten Herrschergeschlechtes, der Premysliden. Inmitten der Prager Burg befand sich ein steinerner Herzogstuhl, auf welchem die Premysliden zu Herzögen erhoben wurden.[65]

Karl IV. machte seine Residenzstadt Prag zum politischen und kulturellen Mittelpunkt des Reiches und gründete dort 1348 dessen erste Universität.[66] So sehr auch betont wird, daß Prag unter Karls IV. kaiserliche Residenz war, so fand dort dennoch nie eine Kurfürstenversammlung statt.[67] Aus diesem Grund sind Bezeichnungen Prags, als die

„nach Paris älteste hauptstädtische Residenz Europas“ eher problematisch.[68] Mit der von Karl gegründeten Neustadt wurde Prag allerdings auf fast das Dreifache erweitert und damit zur drittgrößten Stadt Europas (nach Rom und Konstantinopel).[69] Die Prager Neustadt erhielt durch die Einbeziehung der auf dem Areal bereits vorhandenen Kirchen und Stifte sowie durch die neu gegründeten Klöstern, Stiften und Kirchen Karls einen einzigartigen sakralen Charakter. Die Schenkungen und Privilegien, mit denen Karl die Prager Kirchen bedachte, brachten ihm den Ruhm eines Kirchen- und Klosterstifters ein.[70] Schon im Jahre 1338 hatte Karl (noch Markgraf von Mähren) der Allerheiligenkapelle (dem Sitz des Kollegiatkapitels, neben dem Palast des Hradschin) ein neues Kapitel gestiftet. Karl beschenkte die Kapelle neben anderen Reliquien mit einem Partikel der vorgeblichen Dornenkrone Christi.[71] 1348 legte Karl IV. den Grundstein für die Erbauung des Karlsteins. In seiner 1365 geweihten Kreuzkapelle befinden sich auf dem Fonds von vergoldeter Stuckmasse die Initialen „K“ mit der Kaiserkrone und dem Reichsadler als durchlaufendes Ornament schabloniert.[72] Im Karlstein wurden in einem monumentalen Schrein die „Reichsheiltümer“ und Reichsinsignien beherbergt. Vom Aachener Marienstift erhielt die Schatzkammer Karlsreliquien, die Karl IV. in ein goldenes Reliquienkreuz einlegen ließ.[73]

An der Südwand der Katharinenkapelle auf Karlstein ließ Karl die Überreichung von Christusreliquien darstellen. Als „Priesterkönig“ trägt er auf diesem Bild Krone und Mitra, wie auf vielen anderen bildlichen Darstellungen auch. Karl erhält auf jener Abbildung von Peter von Lusignan, dem König von Jerusalem und Zypern, und ebenso von Karl, dem Dauphin von Frankreich, die zwei Dornen aus der Krone Christi und ein Span vom Kreuz. Vom Kaiser werden die Gaben in einem Kreuz vereinigt, dem Krönungskreuz der böhmischen Könige.[74]

4.4. Die Goldene Bulle von 1356

1355 legte Karl der Fürstenversammlung seine reformpolititischen Vorschläge für das Reich vor, dazu gehörte z.B. ein Vorschlag zur Wechselkursregelung der Münzen. Aber nur der geringste Teil der Entwürfe wurde realisiert und fand seinen Niederschlag in der sogennanten Goldenen Bulle von 1356.[75] Petersen widerspricht aus diesem Grunde Zeumer, der die Goldene Bulle „ein Gesetz Karls IV.“ nannte. Stattdessen geht Petersen davon aus, daß dieses Rechtsbuch „bestenfalls eine Kompromißlösung“ zwischen Kaiser und Kurfürsten war.[76] Die Goldenen Bulle verankert letztlich nur, was sich im Verlauf des hohen Mittelalters herausgebildet hatte, den Reichsterritorialismus und das Wahlkönigtum.[77]

Bereits mit einem zwischen 1346 und 1355 erarbeiteten Gesetzesentwurf hatte Karl versucht, aus vielen ungeordneten Einzelbestimmungen, in diesem Fall für Böhmen, eine Art von Landesgesetz zu schaffen und war auch hier am Widerstand der Fürsten und Barone gescheitert. Der Entwurf ist unter dem Namen Maiestas Carolina in die böhmische Verfassungsgeschichte eingegangen und hat trotz fehlender Rechtskraft teilweise Gebrauch gefunden.[78]

Die Goldene Bulle ist dennoch das bedeutendste Gesetz, das während der Regierungszeit Karls IV. erging. Sie hat die Verfassung des Reiches durch seinen fundamentalen Charakter bis ins 19. Jahrhundert geprägt.[79] Karl IV. hatte offensichtlich erkannt, wie notwendig ein Ausgleich zwischen König und Kurfürsten sowie die schriftliche Fixierung der Rechte war. Für das Heilige Römische Reich, als einheitliches Reich, sollte ein Gesetzeswerk kodifiziert werden. Die Goldene Bulle kodifiziert die Ordnung der Königswahl (das Wahlzeremoniell), das Mehrheitsprinzip bei der Wahl, kurfürstliche Rechte, die Unteilbarkeit der Kurlande, die Nachfolgeregelung der Kurfürsten nach dem Erstgeborenenrecht, das Veräußerungsverbot von „Krongut“ u.a. Das Gesetz über die Unteilbarkeit der Kurlande sollte in Zukunft Doppelwahlen ausschließen. Es schuf viele einzelne Erbmonarchien, die zusammen das Wahlreich bildeten. Der Approbationsanspruch des Papstes wurde stillschweigend übergangen und damit faktisch außer Kraft gesetzt.

[...]


[1] Chronik der Stadt Augsburg von 1368-1406. In: Die Chroniken der schwäbischen Städte, Bd. 1, hrsg. von Frensdorff, Ferdinand (=Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, Bd. 4,1). Leipzig 1865, S. 59.

[2] Behr, Hans-Joachim: Öffentlichkeit. In: Sachwörterbuch der Mediavistik, hrsg. von Dinzelbacher, Peter. Stuttgart 1992, S. 595.

[3] Cormick, Michael Mc.: Zeremoniell. Allgemeines. Spätantike, Byzanz und Frühmittelalter. In: Lexikon des Mittelalters 9 (1998), Sp. 546.

[4] Bruck, Eberhard Friedrich: Die Stiftungen für die Toten in Recht, Religion und politischem Denken der Römer. In: Über römisches Recht im Rahmen der Kulturgeschichte, hrsg. von dems.. Berlin/Göttingen, Heidelberg 1954, S. 47.

[5] Ariès, Philipp: L’homme devant la mort. Paris 1977; Übers.: Geschichte des Todes. München/Wien 1980.

[6] Borst, Arno: Tod im Mittelalter. Konstanz 1993.

[7] Dinzelbacher, Peter: Die Präsenz des Todes in der spätmittelalterlichen Mentalität. In: Der Tod des Mächtigen. Kult und Kultur des Todes spätmittelalterlicher Herrscher, hrsg. von Kolmer, Lothar. Paderborn 1997, S. 27–73.

[8] Goez, Werner: Die Einstellung zum Tod im Mittelalter. In: Der Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Vorträge, gehalten auf der Tagung der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften am 9. und 10. Oktober 1975. Göttingen 1976, S. 111-153.

[9] Kolmer, Lothar (Hrsg.): Der Tod des Mächtigen. Kult und Kultur des Todes spätmittelalterlicher Herrscher. Paderborn 1997.

[10] Mischke, Marianne: Der Umgang mit dem Tod. Zum Wandel in der abendländischen Geschichte.

Berlin 1996.

[11] Ohler, Norbert: Sterben und Tod im Mittelalter. München 1990.

[12] Schmid, Karl und Wollasch, Joachim (Hrsg.): Memoria. Der geschichtliche Zeugniswert des liturgischen Gedenkens im Mittelalters (=Münstersche mittelalterliche Schriften 48). München 1984.

[13] Brückner, Wolfgang: Bildnis und Brauch. Studien zur Bildfunktion der Effigies. Berlin 1966.

Ders.: Roß und Reiter im Leichenzeremoniell. Deutungsversuch eines historischen Rechtsbrauches. In: Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde 15/16 (1964/65). S.144-209.

[14] Kyll, Nikolaus: Tod, Grab, Begräbnisplatz, Totenfeier (=Rheinisches Archiv 81). Bonn 1972.

[15] Lanzer, Andrea: Herrschertod in Brauchtum und Recht. In: Forschungen zur Rechtsarchäologie und Rechtlichen Volkskunde 5 (1983), S. 99-133.

[16] Kantorowicz, Ernst H.: The King’s Two Bodies. A Study in Mediaeval Political Theology. Princeton, New York 1957; Übers.: Die zwei Körper des Königs. Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters. München 1990.

[17] Giesey, Ralph G.: The Royal Funeral Ceremony in Renaissance France. Genève 1960.

[18] Erlande – Brandenburg, Alain: Le roi est mort. Paris 1975.

[19] Kolmer, Lothar (Hrsg.): Der Tod des Mächtigen. Kult und Kultur des Todes spätmittelalterlicher Herrscher. Paderborn 1997.

[20] Guglia, Eugen: Die Geburts-,Sterbe- und Grabstättten der römisch-deutschen Kaiser und Könige. Wien 1914.

[21] Aufgebauer, Peter: Der tote König. Grablegen und Bestattungen mittelalterlicher Herrscher (10.- 12. Jahrhundert). In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 45 (1994), S. 680-693.

[22] Ehlers, Joachim: Grablege und Bestattungsbrauch der deutschen Könige im Früh- und Hochmittelalter. In: Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft, Jahrbuch 1989, Göttingen 1990, S. 39-74.

[23] Hawlik van de Water, Magdalena : Der schöne Tod. Zeremonialstrukturen des Wiener Hofes bei Tod und Begräbnis zwischen 1640 und 1740. Wien/Freiburg/Basel 1989.

[24] Zerfel, Hans P.: Ableben und Begräbnis Friedrich III. Wien 1974.

[25] Pelzel, Franz Martin: Kaiser Karl der Vierte, König in Böhmen. 2 Bde., Dresden 2 1783.

[26] Spevácek,Jirí: Karl IV. Wien/Köln/Graz 1978.

[27] Kavka, Frantisek: Am Hofe Karls IV. Leipzig 1989.

[28] Smahel, Frantisek:Spectaculum et pompa funebris. Das Leichenzeremoniell bei der Bestattung Kaiser Karls IV. In: Zur politischen Präsentation und Allegorie im 14. und 15. Jahrhundert, hrsg. von Smahel, Frantisek. München 1994, S 1-33.

[29] Bláhová, Marie: Die königlichen Begräbniszeremonien im spätmittelalterlichen Böhmen. In: Der Tod des Mächtigen. Kult und Kultur des Todes spätmittelalterlicher Herrscher, hrsg. von Kolmer, Lothar. Paderborn 1997, S. 89-112.

[30] Meyer, Rudolf J.: Königs- und Kaiserbegräbnisse im Spätmittelalter. Köln,Weimar,Wien 2000, S. 263.

[31] Ebenda., z.B. S. 110.

[32] Frantisek Smahel: Smutecni ceremonie a rituály pri pohrbu císare Karla IV. In: Ceský casopis historický 91 (1993), S. 401-416.

[33] Tomek, Václav Vladivoj: Dejepis mesta Prahy, Bd. 2, Praha 1871.

[34] Bláhová, Marie: Die königlichen Begräbniszeremonien im spätmittelalterlichen Böhmen, S. 95. Vgl. Staré letopisy ceské z vratislavského rukopisu (Die alten tschechischen Annalen aus der Breslauer Handschrift), hrsg. von Simek, Frantisek. Praha 1937.

[35] Ein „Chronicon breve regni Bohemiae saec. XV.“, hrsg. von Horcicka, Adalbert. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 37 (1899), S. 454-467.

[36] Chronicarum fragmenta cum annotationibus annalisticis. Universitätsbibliothek Olomouc, Hs. M II 15, fol. 3v-4a. In: Zur politischen Präsentation und Allegorie im 14. und 15. Jahrhundert, hrsg. von Smahel, Frantisek. München 1994, S. 34.

[37] Brückner, Wolfgang: Bildnis und Brauch. Studien zur Bildfunktion der Effigies. Berlin 1966. Roß und Reiter, S. 157.

[38] Chronik der Stadt Augsburg von 1368-1406. In: Die Chroniken der schwäbischen Städte, hrsg. von Frensdorff, Ferdinand, Bd. 1 (=Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, Bd. 4,1), Leipzig 1865, S. 59, Anm. 2 und S. 60, Anm.2.

[39] Ebenda, S. 8f.

[40] Ebenda, S. 5f.

[41] Illustrierte Chronik von Böhmen. Ein geschichtliches Nationalwerk, hrsg.von einem Vereine vaterländischer Gelehrter und Künstler, Bd.2, Prag 1854.

[42] Vgl. Seibt, Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346-1378. München 1978

[43] Ein Begriff, den wahrscheinlich der Berliner Kulturhistoriker Kurt Breysig um die Jahrhundertwende prägte. Vgl. Ders.: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346-1378, S. 33.

[44] Seibt, Ferdinand: Probleme eines Profils. In: Kaiser Karl IV. Staatmann und Mäzen, hrsg. von Seibt, Ferdinand. München 1978, S. 20.

[45] Vgl. Huizinga, Johan: Herbst des Mittelalters. Studien über Lebens-und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden. Stuttgart 111975.

[46] Seibt, Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346-1378. München 1978, S. 17ff.

[47] Schramm, Percy E.: Kaiser, Könige und Päpste IV, Bd.1, Stuttgart 1970, S. 188.

[48] Seibt, Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346-1378, S. 377.

[49] Ders.: Probleme eines Profils, S. 21.

[50] Vita Caroli quarti. Einführung, Übersetzung und Kommentar von Hillenbrand, Eugen. Stuttgart 1979. Anzumerken ist noch eine Autobiographie, in katalanischer Volkssprache verfaßt, vom König Jaymes I. von Aragon (1208-1276) und eine aus Byzanz stammende Autobiographie von Johannes VI. Kantakuzenos.

Karls Autobiographie umfaßt lediglich die Zeit seiner Prinzenjahre bis zur Wahl 1346. Die Vita wurde etwa in der Zeit zwischen 1346 und 1350 verfaßt.

[51] Machilek, Franz: Privatfrömmigkeit und Staatsfrömmigkeit. In: Staatsmann und Mäzen, hrsg.von Seibt, Ferdinand. München 1978, S.87f.

[52] Seibt, Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346-1378, S. 440, Anm. 968.

[53] Smahel, Frantisek:Spectaculum et pompa funebris. Das Leichenzeremoniell bei der Bestattung Kaiser Karls IV. In: Zur politischen Präsentation und Allegorie im 14. und 15. Jahrhundert, hrsg. von Smahel, Frantisek. München 1994, S 3.

[54] Seibt, Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346-1378, S. 112.

[55] Machilek, Franz: Privatfrömmigkeit und Staatsfrömmigkeit, S. 88.

[56] Schneider, Reinhard: Karl IV. (1346-1378), S. 259.

[57] Seibt, Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346-1378, S. 175.

[58] Schneider, Reinhard: Karl IV. (1346-1378). In: Kaisergestalten des Mittelalters, hrsg. von Beumann, Helmut. München 31991, S. 260.

[59] Machilek, Franz: Privatfrömmigkeit und Staatsfrömmigkeit, S. 89.

[60] Schneider, Reinhard: Karls IV. Auffassung vom Herrscheramt. In: Historische Zeitschrift, Beiheft (Neue Folge) 2 (1973), S. 137.

[61] Aufgebauer, Peter: Der tote König. Grablegen und Bestattungen mittelalterlicher Herrscher (10.- 12. Jahrhundert). In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 45 (1994), S. 680.

[62] Eberhard, Winfried: Herrschaft und Raum - Zum Itenerar Karls IV. In: Staatsmann und Mäzen, hrsg.von Seibt, Ferdinand. München 1978, S. 102. In der Zeit vor 1376 reichte die Ausdehnung sogar bis Südfrankreich und Litauen.

[63] Kotrbra, Viktor L.: Der Dom zu St. Veit in Prag. In: Bohemia Sacra. Das Christentum in Böhmen 973- 1973, hrsg. von Seibt, Ferdinand. Düsseldorf 1974, S. 523.

[64] Moraw, Peter: Karl IV. In: Lexikon des Mittelalters 5 (1991), München/Zürich, S. 972f.

[65] Kotrbra, Viktor L.: Der Dom zu St. Veit in Prag, S. 511.

[66] In den folgenden Jahren gründete Karl noch weitere Universitäten im Deutschen Reich.

Vgl. Riha, Ortrun: Universität. In: Sachwörterbuch der Mediävistik, hrsg. von Dinzelbacher, Peter. Stuttgart 1992, S. 858f.

[67] Seibt, Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346-1378, S. 176.

[68] Kavka, Frantisek: Am Hofe Karls IV., S. 26.

[69] Seibt, Ferdinand: Karl IV. Ein Kaiser in Europa 1346-1378, S. 176ff.

[70] Machilek, Franz: Privatfrömmigkeit und Staatsfrömmigkeit, S. 89.

[71] Feuchtmüller, Rupert: Die „Imitatio“ Karls IV. in den Stiftungen der Habsburger. In: Staatmann und Mäzen, Staatsmann und Mäzen, hrsg.von Seibt, Ferdinand. München 1978, S. 380.

[72] Herzogenberg, Johanna von: Heiligtümer, Heiltümer und Schätze. In: Bohemia Sacra. Das Christentum in Böhmen 973-1973, hrsg. von Seibt, Ferdinand. Düsseldorf 1974, S. 471.

[73] Machilek, Franz: Privatfrömmigkeit und Staatsfrömmigkeit, S. 89ff.

[74] Herzogenberg, Johanna von: Heiligtümer, Heiltümer und Schätze, S.472.

[75] Schneider, Reinhard: Karls IV. Auffassung vom Herrscheramt, S. 149.

[76] Petersen, Erling Ladewig: Studien zur Goldenen Bulle von 1356. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 22 (1966), S. 227ff.; Vgl. Zeumer, Karl: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV., 2 Bde, Weimar 1908.

[77] Merzbacher, Friedrich: Karl IV. und das Recht, S. 148.

[78] Ebenda, S. 146f.

[79] Schubert, Ernst: Königswahl und Königtum im spätmittelalterlichen Reich. In: Zeitschrift für historische Forschung 4 (1977), S. 286.

Details

Seiten
66
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832496319
ISBN (Buch)
9783838696317
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v224709
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Philosophische Fakultät I, Geschichtswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
begräbnis herrschaftskontinuität rituale effigies kulturgeschichte

Autor

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Titel: Begräbniszeremonien und Staatlichkeit am Beispiel Karls IV.