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Der wirtschaftspolitische Transformationsprozess in Russland

Magisterarbeit 2005 157 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

0. Einführung

0.1 Einblick in die aktuelle ökonomische und politische Lage Russlands

Trotz der langfristigen instabilen Entwicklung ist Russland aus dem internationalen Kontext nicht wegzudenken. Der Staat, der sich auf 4000 Kilometer vom Norden nach Süden und 9000 Kilometer vom Westen nach Osten erstreckt, und ungeachtet des Zusammenbruchs der Sowjetunion immer noch das größte Land der Erde ist, kann nicht als ‚kranker Bär’, gebrochene Großmacht und Opfer des 70-jährigen Sozialismus in Vergessenheit geraten und von der Weltgemeinschaft nicht berücksichtigt werden. Ein großes ökonomisches und politisches Potential verbirgt sich in dem Staat mit 147 Millionen Einwohnern, die sich zum Teil in der europäischen und zum Teil in der asiatischen Hälfte der Erde zu Hause fühlen.

Nicht umsonst gehört Russland zu den so genannten „Big Five“-Nationen. Neben China, Indien, Brasilien und Indonesien ist Russland eines der bevölkerungsreichsten und somit attraktivsten Schwellenländer der Erde. Außerdem offenbart sich das Land der Dichter und Denker, aber auch der Revolutionäre und Forscher unter Berücksichtigung mehrerer Besonderheiten, aber auch nicht zuletzt aufgrund seiner geografischen Lage und Geschichte als kultureller Mittler zwischen der östlichen und der westlichen Welt. „Bei aller Skepsis gegenüber klaren Prognosen für Russland sollte die positive Dynamik nicht unterschätzt werden. (…) Das heutige Russland ist schon meilenweit entfernt von seinen ersten chaotischen Erfahrungen im Übergang vom Sowjetsystem zur Demokratie und von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft “[1], – fasst Margareta Mommsen, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität München die Meinungen vieler Russlandforscher zusammen.

Die wirtschaftlichen Transformationsprozesse in Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion können nicht getrennt von den Veränderungen im Rechts- und Sozialsystem und in dem kulturellen Leben der Russen betrachtet werden. Der wirtschaftliche Wandel in der Russischen Föderation muss unter der Berücksichtigung der Umgestaltung in der russischen Politik untersucht werden.

0.2 Das wissenschaftliche und ökonomische Interesse an der russischen Problematik

Bei der Analyse der Literaturquellen zur aktuellen Entwicklung Russlands und insbesondere zum wirtschaftspolitischen Transformationsprozess in Russland lässt sich ein gestiegenes Interesse an der russischen Problematik von Seiten der Wissenschaftler und der Presse feststellen. Es werden jeden Tag mehrere Zeitungsartikel, Fernsehreportagen und Radioberichte über Russland rund um den Globus veröffentlicht. Viele ausländische Unternehmen wagen die ehemalige kommunistische Bastion als einen attraktiven Investitionsstandort für sich in Betracht zu ziehen. Viele von ihnen sprechen von Russland als von einem „gelobten Land“ für ihre Kapitalanlagen.

Dabei ist die beeindruckende Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft zu Russland keine Selbstverständlichkeit. Das Forschungsinteresse in Bezug auf Russland wurde in den letzten Jahren durch die negativen Ereignisse im Land mehrfach unterbrochen. Den Anfang des Misstrauens schaffte die russische Finanzkrise von 1998. Dieses Ereignis verursachte einzelwirtschaftlich mehrere Schicksalsschläge. „Die Finanzkrise offenbarte alle Facetten des chaotischen und kriminellen Kapitalismus in Russland. (…) Neben staatlichen Devisenreserven flossen dabei 3,8 Milliarden Dollar aus dem letzten IWF-Kredit in undurchsichtige Kanäle. Die Rückzahlung geht zu Lasten gesetzestreuer Bürger und Betriebsdirektoren.“[2], - berichtet M. Huber über die damalige Situation. Es wurde dadurch die Existenz sozial schwacher Bevölkerungsschichten und des Kleinunternehmersektors in Russland bedroht. Gesamtwirtschaftlich machte die Krise aber die russischen Exportgüter durch die Rubelabwertung wieder attraktiv und sorgte für die Verbesserung der außenwirtschaftlichen Leistungsbilanz.

Nach dem Abtreten von Präsident Boris Jelzin verbreitete sich ein Misstrauen bezüglich des neuen politischen und wirtschaftlichen Kurses in Russland. Die Skepsis gegenüber dem politischen Neuling Wladimir Putin, den niemand kannte und niemand offiziell gewählt hatte, wurde durch sein am Anfang nicht ausgereiftes Führungsverhalten in verschiedenen Bereichen und insbesondere im Bereich der Außenpolitik unterstützt. „Da Putin urplötzlich vom ‚bescheidenen Beamten’ zum Spitzenpolitiker avanciert wurde, konnte er nur sehr begrenzt aus Erfahrungen schöpfen. Tatsächlich veränderten sich seine Positionsbestimmungen im Zeitraum von Ende 1999 bis Ende 2001 zum größten Teil grundlegend. Deshalb galt auch für die Bestimmung des außenpolitischen Kurses eine ganze Weile das geflügelte Wort vom ‚Rätsel Putin’.“[3] Aber auch das mit Mühe gewonnene Vertrauen lies nach der Teilnahme im Tschetschenienkrieg und den Vorgängen gegen die russischen Oligarchen nach.

0.3 Bewertung der relevanten Literaturquellen

Zwar kann man nicht behaupten, dass die Vorsicht gegenüber der russischen Machtwillkür und der Unbestimmtheit des russischen Entwicklungskurses überwunden ist. Das Interesse an dem russischen Staat, seiner Ökonomie und Politik ist aber offensichtlich wieder gestiegen. Sowohl im englischsprachigen Raum, insbesondere in den USA, als auch in Europa, scheint ein neues Russland auf dem Reformweg großes Interesse bei den Wissenschaftlern zu wecken. Dies kommt nicht zuletzt durch die Erkennung der positiven Entwicklungstendenzen im russischen Staat zu Stande. So berichtet H. Clement von der aktuellen Schaffung „der wichtigsten Voraussetzungen für einen deutlichen Aufschwung und ein nachhaltiges Wachstum“[4], die „trotz bestehender Mängel“ mit der neuen Politik von Putin verbunden werden.

Auch andere Wissenschaftler schenken den Transformationsprozessen in Russland große Aufmerksamkeit. Von den aktuellsten Erscheinungen sind insbesondere die regelmäßigen Veröffentlichungen der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen und der deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde[5] zu erwähnen. Nicht zu vergessen sind auch die von der oben genannten Forschungsstelle Osteuropa und der Otto-Wolff-Stiftung finanzierten Russlandanalysen[6], die sich sowohl mit der Politik als auch mit der Ökonomik in der russischen Föderation beschäftigen.

Als schwierig erwies sich die Suche nach den aktuellen wissenschaftlichen Quellen über die Beziehung der ausländischen Unternehmen zu den ökonomischen Veränderungen in Russland. Die meisten solchen Quellen stammen aus der Zeit vor der russischen Finanzkrise von 1998, da die internationalen Handelsbeziehungen mit Russland in dem Zeitraum sich verstärkten. Wenn man die nachfolgenden Reformen im finanz- und wirtschaftspolitischen Sektor in Russland berücksichtigt, kann man die Mehrzahl solcher Quellen als veraltet betrachten. So verweist z.B. das Buch von Andreas Fischer „Westliche Investitionen in Russland“[7] auf Besonderheiten dieses Landes bald nach dem Ende der Sowjetunion, ist aber für die heutige Lage unzeitgemäß. In dieser Hinsicht bietet sich die Beschäftigung mit den Online-Zeitungen und Zeitschriften, wie „Russland aktuell“[8], Working und Reseach Paper der Deutschen[9] und Dresdner Bank[10], Veröffentlichungen des Vereines der deutschen und russischen Ökonomen „Dialog“ in Tübingen[11], Jahresbericht 2004 des Verbandes der deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation[12] an.

Die russischen wissenschaftlichen Quellen liefern zwar aktuelle Informationen „über die Lage der Nation“, einige von ihnen sind aber politisch beeinflusst, aus diesem Grund vorschnell, unzuverlässig. Um dieser Tendenz entgegen zu wirken, aber auch um dem Interesse nach den aktuellen Entwicklungen auf dem russischen Arbeitsmarkt nachzugehen, wurden von der Autorin dieser Magisterarbeit eine Befragung der russischen Arbeitnehmer und einige Interviews mit ausländischen Spezialisten in Russland initiiert. Sie dienen dem Ziel die vor Ort entstehenden Informationen eigenständig zu sammeln und zu bewerten und eine eigene Beurteilungsgrundlage für die Konkretisierung der Erfolge des wirtschaftspolitischen Transformationsprozesses auf dem Arbeitsmarkt in Russland zu schaffen.

Außerdem existieren trotz der Vielfalt der Berichte über Transformationsprozesse in Russland zurzeit nicht viele aktuelle Quellen, die sich im Rahmen einer Arbeit mit beiden Forschungsgegenständen, der ökonomischen und der politischen Dimension in der modernen Entwicklung Russlands, beschäftigen, was die Vorbereitung dieser Magisterarbeit wesentlich erschwerte. Aus diesem Grund war die Beschäftigung mit den theoretischen Basisquellen wie W. Merkel „Systemtransformation“[13], G. Dieckheuer „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“[14], H. Meffert „Internationales Marketing-Management“[15], S. Schoppe „Kompendium der internationalen Betriebswirtschaftslehre“[16] und D. Cassel „Wirtschaftssysteme im Umbruch“[17] von großem Nutzen.

Einige interessante Erkenntnisse liefern die Dokumentationen des 45. Münsteraner Führungsgespräches der wissenschaftlichen Gesellschaft für Marketing und Unternehmungsführung e.V. zum Thema „Strategien für den Markteintritt und die Marktbearbeitung in Osteuropa“[18], die zur Formung des Interesses der Autorin an den internationalen wirtschaftspolitischen Transformationsprozessen und zur Formulierung des Themas der vorliegenden Arbeit beitrugen.

0.4 Aufbau der Magisterarbeit

Die Wahl des Themas für die vorliegende Magisterarbeit fiel auf den wirtschaftspolitischen Transformationsprozess in Russland, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann, durch die Finanzkrise im August 1998 unterbrochen wurde und danach einen neuen politischen Kurs angenommen hat. Den Schwerpunkt ihrer Magisterarbeit sieht die Autorin in der Aufzeichnung der konkreten Umsetzung der wirtschaftspolitischen Transformation in ihrer Heimat in dem oben genannten Zeitraum, aber auch insbesondere nach der Finanzkrise von 1998. Die Untersuchung des russischen Arbeitsmarktes allgemein und speziell in der Region Wolgograd (Südrussland) hilft ihr dabei, die Konkretisierung transformatorischer Vorgänge nachzuvollziehen.

Im ersten Kapitel beschäftigt sich die Autorin mit der theoretischen Grundlage der Transformation. Es wird die Entstehung und die verschiedene Auslegung dieses Begriffes erklärt und die Unterscheidung zwischen verschiedenen Transformationsformen vorgenommen. Außerdem werden die Determinanten von Transformationsprozessen wie Intention, Modellübertragung, Eigendynamik, Akzeptanz und Umsetzung besprochen. Die Rolle der politischen Führung und der Einfluss der exogenen und endogenen Transformationsanstöße kommen auch im Rahmen des ersten Kapitels zum Tragen. Die Zugehörigkeit der russischen Transformation zu den klassischen Mischformtransformationen wird festgestellt und an aktuellen Beispielen bewiesen.

Ein großer Teil des ersten Kapitels ist den existierenden Transformationstheorien oder den Theorien, die einige Aspekte der wirtschaftspolitischen Transformation zu erklären helfen, gewidmet. Bei der Betrachtung der so genanten transformationsrelevanten Theorien bedient man sich einiger betriebs- und volkswirtschaftlicher Hypothesen. Dabei werden folgende Theorien bezüglich ihrer Relevanz für den Fall Russlands analysiert: die soziologische Systemtheorie, die Autopoiesistheorie, die Dependencia-Theorie, die neoklassische Transformationstheorie, die bargaining approach Theorie, die strukturalistische Transformationstheorie, die Theorie der ausländischen Direktinvestitionen, die Theorien der internationalen Unternehmertätigkeit, die Außenhandelstheorien.

Im zweiten Kapitel werden die Besonderheiten der russischen Transformation besprochen. Als solche werden die Reformlast als ein gewichtiger Störfaktor, Erfüllung der klassischen Kriterien einer Transformationsökonomie und nur teilweise Ähnlichkeit der russischen Wirtschaftsentwicklung mit der der postsozialistischen Ökonomien Osteuropas genannt. Die möglichen Misserfolge der Transformation in Russland werden mit der fehlenden Nachhaltigkeit der russischen Reformen in Verbindung gebracht. Es wird zwischen verschiedenen Transformationsinstrumenten wie Big bang, Gradualismus oder Status-quo-Orientierung in Bezug auf Russland abgewogen. Protektionistische Tendenzen werden bezüglich ihrer negativen Rolle im russischen Transformationsprozess bewertet und an aktuellen russischen Beispielen erklärt. Die Notwendigkeit eines spezifischen russischen Weges wird unter Berücksichtigung der abrupten Entmachtung des russischen Staates nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, der Größe und Heterogenität des modernen russischen Staates und mangelnder Demokratietradition begründet.

Im dritten Kapitel steht die Beurteilung des aktuellen Wirtschaftswachstums in Russland im Vordergrund. Es wird eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Wachstumsfaktoren und ihrer Relevanz für die russische Wirtschaft stattfinden. Es werden universale Erfolgsrezepte für ein Wirtschaftswachstum kritisch beurteilt. Das russische Wirtschaftswachstum wird mit Hilfe der exogenen und endogenen Voraussetzungen erklärt und bewertet. Am Ende des dritten Kapitels werden die wichtigsten russischen Reformen in der Gesetzgebung wie das Boden- und Steuergesetz, die Liberalisierung des Devisenmarktes und die Flexibilisierung des Arbeitsrechtes zensiert.

Das vierte Kapitel widmet sich dem russischen Arbeitsmarkt (hauptsächlich am Beispiel der Region Wolgograd), den die Autorin als einen wichtigen Indikator für die Umsetzung der Transformationsprozesse betrachtet. Die Änderungen der Einstellungen der russischen Arbeitnehmer stellen für sie eine interne Reaktion auf die Wandlungen der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in Russland dar. Es wird unter anderem das Phänomen der russischen Arbeitsmoral[19] besprochen. Der Wert der russischen Arbeitnehmer für potentielle ausländische Arbeitgeber wird als ein wichtiger Faktor für die Steigerung der ausländischen Investitionen in Russland gesehen, die wiederum eine Voraussetzung für die erfolgreiche Transformation in Russland darstellen. Die Beurteilung des Informations- und Qualifikationsstandes der russischen Arbeitnehmer wird mit Hilfe der Befragung ermöglicht, die von der Autorin im europäischen Teil Russlands (hauptsächlich das Wolgograder Gebiet) eigenständig durchgeführt wurde. Die Gespräche mit den ausländischen Arbeitgebern, die über berufliche Erfahrung in Russland verfügen, werden die Ergebnisse der Umfrage umranden.

1. Der wirtschaftspolitische Transformationsprozess

1.1 Der Begriff der Transformation

Bevor es zur Erklärung der Transformationsprozesse in Russland übergegangen wird, sollte eine Auseinandersetzung mit dem dehnbaren Begriff der Transformation stattfinden.

1.1.1 Transformation als mehrdimensionale systemische Änderungen

In Bezug auf den Terminus Transformation sind in der politischen und wirtschaftspolitischen wissenschaftlichen Literatur unterschiedliche Definitionen vorhanden. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass mit der Auflösung der sozialistischen Welt und insbesondere der Sowjetunion ein Wandel in der sich damit befassenden Wissenschaft stattgefunden hat. Der Grund dafür war, dass niemand aus der Forschung mit so einem abrupten Ende des Sozialismus gerechnet hat. Keine der bis jetzt bekannten Theorien konnte dieses Ende vorhersehen und begründen. Man sprach von dem Phänomen einer neuen „Forschungssituation“[20], die eine Herausforderung und einen ungewöhnlichen Untersuchungsgegenstand für die Wissenschaft darstellte. Beyme beschreibt die damalige Lage folgendermaßen: „Mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Systems trat eine beispiellose Orientierungslosigkeit in der Sozialanalyse zutage. (…) Eine hektische Rezeptionsliteratur in sozialwissenschaftlichen Zeitschriften führte zur Polarisierung. Als Gegenschlag gegen die Übermacht der westlichen Soziologie wurden neue geopolitische Diskussionen zwischen Atlantikern und Eurasiern ausgetragen. Debatten, die an die Kontroversen der politischen Soziologie im zaristischen Russland zwischen Westlern und Slawophilen erinnerten, lebten wieder auf.“[21]

Das allen aufgefallene Problem bestand darin, dass es noch kein geeignetes Instrument für die Untersuchung dieser Art von Transformation gab. Im Gegenteil, alle bis dahin vorhandenen Hypothesen setzten auf eine Reorganisation der alten Systeme, auf einen Systemwandel. Der Untergang der Sowjetunion und mit ihr der anderen sozialistischen Staaten stellte aber eine Systemabschaffung, bzw. einen Systemwechsel dar. In einer solchen Situation plädierten einige Theoretiker dafür, die alte Lehre für gescheitert zu erklären. Andere sprachen von einer strukturellen Beschränkung der Forschung des Totalitarismus und einer Unmöglichkeit der Prognose revolutionärer Umwandlungen aufgrund von Multikausalität, Nichtlinearität und Interferenz der Entwicklungen.

Das Buch „Systemtransformation“ von Wolfgang Merkel weist darauf hin, dass der Transformationsbegriff keine eng ausgelegte Bedeutung besitzt, sondern „als Oberbegriff für alle Formen, Zeitstrukturen und Aspekte des Systemwandels, Systemwechsels und Transition benutzt wird“.[22] Die Teilbegriffe der Transformation stellen verschiedene Abweichungen ihres Ablaufs dar. So könnte von einem Systemwandel im Rahmen einer Transformation gesprochen werden, wenn grundlegende Strukturen und Funktionsweisen eines Systems sich evolutionär, also langsam und schrittweise ändern würden. Dabei bleibe der Ausgang eines solchen Wandels ex ante offen.[23] Dagegen stehe ein Systemwechsel für eine Änderung mit einem klaren vorher bestimmten Ziel. Ein Systemwechsel gelte als durchgesetzt, wenn der Herrschaftszugang, die Herrschaftsstruktur, der Herrschaftsanspruch und die Herrschaftsweise eines Systems sich geändert haben.[24] Mit dem Begriff Transition bezeichne man den Spezialfall einer Transformation – den Übergang von einem autokratischen zu einem demokratischen System. Dabei seien im Rahmen einer Transitionforschung, die zum erstem Mal Mitte der 80er Jahre in Bezug auf die Demokratisierungsprozesse in Südeuropa und Lateinamerika unternommen wurde, die Voraussetzungen, Ursachen, Verlaufsmuster und Bedeutung dieses Übergangs analysiert.[25] In der Realität sind die oben genannten Transformationsformen selten in ihrer reinen Gestalt vorhanden. Vielmehr begegnet man ihren Mischformen.

Das Innovationskolleg an der Europa-Universität Viadrina gab folgende Definition für die Transformation eines Staates: „Transformation ist eine bewusste Umgestaltung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung“[26]. Weiterhin kann dieser Begriff erweitert und vervollständigt werden, wenn man verschiedene Aspekte der Transformation in Betracht zieht.

So spricht man von dem Transformationsbegriff als von den „vergleichsweise diskontinuierlichen, parallelen wie seriellen Änderungen […] mit ihren oftmals drastischen und tief greifenden Wechselwirkungen“[27]. Dabei unterstreichen die Anhänger dieser Definition, dass eine Transformation durchaus widersprüchliche Schwankungen beinhalten kann, die wiederum eine Vorhersage der Entwicklung wesentlich erschweren. Außerdem birgt der Begriff „Wechselwirkungen“, den die Wissenschaftler des Innovationskollegs für eine Transformation als bestimmend betrachten, die Gefahr, dass die bereits erreichten Fortschritte durch die nachfolgenden Entscheidungen abgeschafft werden. Denn diese Entscheidung könnte mit den nachfolgenden Maßnahmen unter den Bedingungen eines Übergangsregimes möglicherweise unkonform sein. Übertragen auf die Transformationsländer erklärt so ein Transformationsverständnis die Etablierung des Images eines Übergangslandes als eines labilen unbeständigen unzuverlässigen Gebildes, das sich in einem ständigen Änderungsprozess befindet und für jegliche Kooperation kein argloser Partner ist.

1.1.2 Determinanten von Transformationsprozessen: Intention, Modellübertragung, Eigendynamik

Intention ist ein wichtiger Faktor einer systemischen Umwandlung. Seine Erfassung ist aber sehr schwierig in der Praxis. Denn, wie oben schon erwähnt, verfügen die meisten Transformationsgesellschaften über keine ausreichende Stabilität ihrer Systeme. Daher ist die Formulierung der Ziele erschwert. Die Wissenschaftler Rolf Reißig[28] und Max Kaase[29] bringen die Überlegungen über die Intention der Handlungen in den Transformationsbegriff ein. Sie erfassen die Transformation als eine intendierte Umstrukturierung des institutionellen Gefüges und Funktionierens von Gesellschaften. Wenn man die Betonung auf „intendiert“ setzt, eröffnet sich eine andere Dimension der staatlichen Umwandlung. Diese Umwandlung soll nach Meinung der oben genannten Gelehrten immer absichtlich und geplant erfolgen. Es wird aber von den Wissenschaftlern nichts darüber gesagt, ob der erste Anstoß zur Transformation schon absichtlich ist oder auch zufällig sein kann. Außerdem bleibt ungeklärt, ob die Eingangspläne in den späteren Transformationsphasen bestehen bleiben oder sich radikal ändern. Fraglich ist auch, wer den ersten Anstoß zum staatlichen Wandel gibt. Lassen sich die Transformationspläne aus den Ressourcen des jeweiligen Landes schmieden oder sind sie das Ergebnis der Einflussnahme von außen?

Als Beispiel eines umfassenden Transformationsprozesses könnte man, z.B. einen Transformationsvorgang, die Einführung der privaten Unternehmen in Russland, genauer unter die Lupe nehmen. Nachdem die Maßnahme, die das private Unternehmertum in Russland zuließ, juristisch in Kraft trat, zeigten sich die Unterschiede bei ihrer Umsetzung. Einerseits spalteten sich die Ergebnisse der Durchführung der Maßnahme in verschiedenen Regionen Russlands (die Hauptstadt und Umgebung machten schnell von der Neuerung Gebrauch, während die Peripherien nicht über die notwendigen Informationen und Mittel verfügten). Andererseits stieß die Maßnahme in der Gesellschaft wegen der fehlenden Tradition der privaten Unternehmerschaft auf Widerstand, so dass die Umsetzung oft nicht nach Plan, also nicht ordnungsgemäß und nur verlangsamt ablaufen musste.

Eine andere Frage: kann man die Erfolge oder Misserfolge einer Transformation messen? Der Wissenschaftler Kloten behauptet, dass eine Transformation in Bezug auf die ökonomischen Prozesse immer einen qualitativen Sprung bedeutet: „Transformation von Wirtschaftssystemen soll jener durch politischen Gestaltungswillen und politisches Handeln ausgelöste Prozess heißen, der durch eine Substitution gegebener und ordnungskonstituierender Merkmale durch andere einen qualitativen Sprung derart bewirkt, dass es zu einer Ablösung des alten Systems durch ein neues kommt.“[30] Dabei erläutert er nicht weiter, ob der qualitative Sprung immer eine positive Änderung, sprich einen Fortschritt bedeutet, oder auch einen Rückstand mit sich bringen kann. Problematisch ist dabei auch das Verständnis des Begriffes „politischer Wille“. In den klassischen Demokratien verbindet man damit einen ungestörten Willensbildungsprozess, der durch ein funktionierendes Rechts- und Parteiensystem die Meinung der Mehrheit zum Ausdruck bringt. Die autoritären Systeme verfügen in der Regel weder über ein gerechtes Justizsystem, noch über eine ausgereifte Parteienlandschaft. Daher ist in ihnen jeglicher Ausdruck des politischen Willens wesentlich erschwert. Die Medien werden zensiert, Meinungen manipuliert. Die der offiziellen Linie widersprechenden Aussagen werden nicht veröffentlicht. Ausschließlich die Ideologie der politischen Elite kommt zu Wort.

Gemeinsam an den oben genannten unterschiedlichen Definitionen des Transformationsbegriffes ist das Merkmal einer Transformation als eines bewussten, zwar in seinen späteren Phasen intendierten, aber nicht unbedingt von Anfang an absichtlichen Prozesses mit klaren Endzielen. Die Gelehrten weisen nicht darauf hin, was den Anstoß zur Transformation bestimmt, da solcher zum Teil zufällig sein kann. Der letzte Anstoß vor dem eigentlichen Transformationsbeginn in einem auf eine Änderung ausgerichteten Staat, der letzte Tropfen also, der sprichwörtlich „ein Fass zum Überlaufen bringt“, kann durchaus zufällig sein. Zum Beispiel war der Zugang einiger russischer Bürger zu den westlichen Massenmedien und Kino, die das schöne Leben der kapitalistischen Welt darstellten, zum Teil für die Formung der Vorliebe der russischen Gesellschaft gegenüber dem „Paradies“ (westliches)-Ausland und dem späteren Wunsch eine Marktwirtschaft „wie im Westen“ zu bauen verantwortlich.

Trotz der teilweisen intentionalen Anlage einer Transformation kann man aber nicht behaupten, dass sie eine Modelübertragung bedeutet. So eine wirtschaftspolitische Änderung erfolgt nicht nach einer Schablone, nach einem Kopieren eines Vorbilds eines anderen schon existierten und erprobten Systems. Der Wissenschaftler Rolf Reißig bestätigt diesen Gedanken in seinem Artikel über die modernen Transformationsprozesse und die DDR-Umgestaltung wie die Problematik der Planung und der Umsetzung der politischen und wirtschaftlichen Umwandlung: „Die Transformation (in Deutschland nach der Wiedervereinigung – Anmerkung der Autorin) erwies sich am Ende weniger als im Mainstream angenommen linearer Angleichungsprozess, vielmehr als historisch voraussetzungsvoll, komplex strukturiert, variabel und partiell offen.“[31] Er betont, dass selbst der besondere und privilegierte Fall von Ostdeutschland jede Annahme der Transformation als einer Modellübertragung und eines Masterplanes leugnet. Denn „Transformation ist ein zwar intendierter, aber zugleich ein eigendynamischer Wandlungsprozess, in dem Besonderes, Eigenes und Neues entsteht.“[32]

Damit zerstört der Wissenschaftler den alten Glauben nach der Existenz eines allgemein gültigen Rezeptes der Transformation, das man je nach Bedarf für alle umwandlungsfähigen und -willigen Länder anwenden kann. Solch ein „Allheilmittel“ gibt es nicht, leider oder zum Glück, je nachdem. Eine Transformation sei weder eine einfache Übertragung des Wissens und der Erfahrungen der Vergangenheit, noch ein bestimmtes geordnetes Modell. Es sei eher ein komplizierter Wandlungsvorgang, der von mehreren Subjekten und Ereignissen beeinflusst wird und dessen Ablauf wegen dieser Multikausalität und Nichtlinearität nur schwer zu prognostizieren sei.

1.1.3 Die Rolle der politischen Führung

Die Rolle der politischen Führung kann in jedem anderen Land unterschiedlich stark sein. Selbst wenn die politische Elite die Transformation nicht plant und nicht anspornt, wird sie sich mitten im Transformationsprozess sowohl bewusst der Veränderungen sein, als auch versuchen ihre Pläne umzusetzen. Wichtig ist, dass ein Staat, sprich seine Regierung und Bürger, sich bewusst sind, dass sie sich in einer Umbruchphase befinden, unabhängig davon, ob dieser Umbruch beabsichtigt war oder nicht. Und selbst wenn ein Umbruch geplant war, ist noch nicht klar, ob er in der beabsichtigten Form auch tatsächlich umgesetzt wurde.

Solch ein Verständnis der Transformation lässt sich durchaus mit der russischen Realität verbinden. Und zwar weist die russische Entwicklung nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zahlreiche Widersprüche auf, die zum einen auf die Unklarheit der politischen Pläne und, zum anderen auf die „Unerfahrenheit“ der neuen Generation der russischen Politiker im Umgang mit der Gestaltung eines nichtsozialistischen Staates zurückzuführen sind. Den Staatsmännern fehlte damals eine gewisse Selbstsicherheit und Routine.

Die russische Geschichte der 90er Jahre demonstriert auch die Spontaneität und Abruptheit vieler politischer Entscheidungen. So wusste man nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion z.B. nichts über den weiteren Ausbau der Beziehungen zwischen den Ländern „der erneuerten Sowjetunion“ (so nannte man am Anfang das Staatengebilde, das aus den unabhängig gewordenen Sowjetrepubliken bestand). Nur wenige Politiker konnten sich schon 1990 vorstellen, dass das Ganze ein endgültiges Ende der Sowjetunion bedeutete und dass russische Bürger irgendwann ein Einreisevisum für das benachbarte Weißrussland oder Lettland brauchen würden. Außerdem zeigen zahlreiche Änderungen der Gesetzte, öffentliche Diskussionen und politische Debatten über bestimmte Themen der neuen Zeit, dass die zu Stande gekommenen Veränderungen selten nach Plan abliefen und nicht immer die gewünschten Ergebnisse mit sich brachten.

„Was gemeinhin als Transformation bezeichnet wird, ist weder das Wirken ‚unsichtbarer Hände’, noch die unmittelbare Folge von Entscheidungen, die allein durch gesellschaftliche Eliten vorgenommen werden, sondern vielmehr ein Muster von menschlichen Handlungen, welches jenseits aller Intentionalität Wirkungen entfaltet,“[33] - erwidert der Meinung aller Transformationstheoretiker, die jeder Transformation eine Intention unterstellen, der Soziologe Michael Bayer. Aus dem Stichwort Handlungsmuster könnte aber folgen, dass die Umbruchgesellschaften in gewisser Weise auf die für eine Transformation typischen Konflikte vorbereitet sind oder sie, zumindest bis zu einem gewissen Grad, in Kauf nehmen sollen, da sie sich auf bestimmte Präzedenzfälle stützen können. Die Praxis beweist aber das Gegenteil: ausgerechnet die Transformationsgesellschaften haben mit den Dilemmata zu tun, auf die sie nicht vorbereitet sind.

Die Voraussetzung einer Transformation ist, dass sie von den Mitgliedern der Transformationsgesellschaft und ihren Beobachtern als solche aufgenommen wird. Dies bedeutet wiederum, dass die aktuelle Transformationsgesellschaft sich an die vergangene Lage erinnert, sie mit der neuen Lage vergleicht und letztere als eine Modifikation der ersten auffasst. „Es bedarf dazu immer auch Handlungen unterschiedlicher Akteure wie etwa Regimeeliten, der Opposition oder der breiten Bevölkerung. Zum einen sind diese Handlungen Reaktionen auf Veränderungen in der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Sphäre. Zum anderen sind aber auch die strukturellen Veränderungen ihrerseits häufig das Ergebnis von bestimmten Handlungen bzw. unterlassenen Handlungen der autokratischen Regimeeliten“[34] – so Merkel.

1.1.4 Endogene und exogene Transformation

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der so genannten exogenen und endogenen Transformation. Die endogene Transformation ist das Ergebnis der im jeweiligen System wirkenden Kräfte, die zum Einsatz kommen und eine Neuerung bestimmen. Hier spricht man von den „systeminternen Ursachen“[35] einer Transformation. Zu solchen gehören laut Merkel die Legitimitätskrise aufgrund ökonomischer Ineffizienz oder Effizienz (im ersten Fall wird das System durch die Steigung der gesellschaftlichen Unzufriedenheit abgelöst, im zweiten Fall trägt das Wirtschaftswachstum zu einer steigenden Artikulation der Bürger, die ein Regimewechsel zu verlangen wagen) und die Legitimitätskrise aufgrund politischer Schlüsselereignisse (z.B. Tod eines Diktators).[36] Das Beispiel einer endogenen Transformation wäre die russische Revolution von 1917, die durch eine politische, aus dem russischen Staat stammende Bevölkerungsgruppe vorbereitet und im russischen Staat umgesetzt wurde. Ihre Umsetzung war aber nur möglich, weil die Stimmung und der Zustand in der Bevölkerung eine ähnliche Richtung anschlugen. Übertragen auf die aktuelle Situation in Russland könnte man wiederum viele Parallelen zur endogenen Transformation finden.

Die exogene Transformation wird von außen angestoßen und ist auf die Ereignisse, Standards oder Anforderungen zurückzuführen, die außerhalb des jeweiligen Landes existieren und zu einer systemischen Änderung führen. Hier kommen „die systemexternen Ursachen“[37] zum Tragen. Sie können laut Merkel die Form einer Kriegsniederlage annehmen, den Wegfall einer externen Unterstützung bedeuten (z.B. der Zusammenbruch der Sowjetunion) oder einen so genannten Dominoeffekt auslösen. Der letztere versteht sich als „ein Verstärkungs- oder Ansteckungseffekt“[38], eine Kettenreaktion verschiedener Ländersysteme auf die Transformationsprozesse in dem Land-Initiator. Als Beispiel für die exogene Transformation könnte man die Angleichung der neuen Beitrittsländer an die allgemeinen EU-Kriterien nennen, die für die Beitrittsländer zuerst eine auswärtige Bedingung darstellten.

Bei der Frage nach dem Anstoß zu einer Transformation ist es wichtig zu erwähnen, dass demokratische Systeme einen so genannten Selbstregulierungsmechanismus beinhalten, der eine politische Stagnation ausschließt. Autokratische Systeme versuchen dagegen jeden Anstoß zur Änderung zu vermeiden und plädieren daher für ein isolierendes Führungssystem mit möglichst geringer Bürgerbeteiligung. „Demokratien verfügen gegenüber autokratischen Systemen über einen herausragenden Vorteil: Sie haben mit den allgemeinen und freien Wahlen einen feed back-Mechanismus institutionalisiert (…), der sie in erheblichem Maße zu kontinuierlichen Lernprozessen zwingt.“[39] Laut Merkel setzen diese Lernprozesse Flexibilität, Adaptionsfähigkeit und Innovation der politischen Systeme in der Demokratie voraus.

1.1.5 Russische Transformation als eine gemischte Form der Transformation

In der Realität sind oft gemischte Formen der Transformation zu beobachten, die sowohl endogene, als auch exogene Merkmale beinhalten. Das russische Beispiel der 90er Jahre, die Entwicklung des russischen Staates nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion könnte man als eine gemischte Transformationsform auffassen. Zwar kam der Anstoß zur Umstrukturierung von innen, von den Handlungen der russischen Politiker (jedem russischen Bürger fallen in diesem Zusammenhang die Namen von Gorbatschow und Jelzin ein), und die Grundstimmung der russischen Bevölkerung verlangte die Transformation (endogene Bestimmungsfaktoren); der Orientierung, dem Vorbild der strukturellen Bemühungen verdankte man aber den Kontakten und der Zusammenarbeit mit den westlichen Industrienationen. Die Errungenschaften der letzteren wurden zunehmend mit der Pressefreiheit und Demokratisierung in Russland zugänglich. Sie motivierten die politische Basis in Russland sich für die marktwirtschaftliche Reformen einzusetzen und die politische Elite in diese Richtung zu bewegen. In der wissenschaftlichen Literatur existieren bezüglich dieser Annahme sogar Hypothesen, die Entstehung der ersten Joint Venture Betriebe in der Sowjetunion in den 90er Jahren für die spätere Reformationsphase verantwortlich zu machen, da sie neue Technologien, Qualitätsniveaus und damit auch ein neues Lebensverständnis mit sich brachten. Fischer schreibt den in der Sowjetunion eröffneten westlichen Unternehmen zahlreiche strukturelle Wirkungen zu: Akzelerationswirkung, die die Gründung weiterer Joint Ventures in den vor- und nachgelagerten Bereichen bewirke; Kommunikations- und Informationsimpulse, die durch den bloßen Informationen- und Erfahrungsaustausch der westlichen und der sowjetischen Unternehmen entstehe; und außerökonomische Impulse, die „in Form eines Vertrauensvorschusses für den russischen Reformprozess eintritt, der dann wiederum neuen Kapitaltransfer nach sich zieht.“[40]

Viele andere Politikwissenschaftler verfolgen die Ansicht, dass die Umsetzung der Transformation in der Wirklichkeit gemischte, endogen-exogene Formen annimmt. Die Vorstellung von Rolf Reißig bezüglich der Transformation in der DDR könnte auch in Bezug auf Russland treffend sein. Er versucht einen adäquaten Ausdruck für die Typisierung der historisch-politischen Ereignisse von 1989/90 zu finden und analysiert die Begriffe Wende, Implosion, Zusammenbruch und Revolution auf ihre Treffsicherheit. Er kommt zu dem Schluss, dass alle oben genannten Begriffe bis auf „Revolution“ wegen ihrer Verallgemeinerung und Unschärfe ausscheiden, während die letzte Bezeichnung korrekt ist und bloß durch die Adjektive ‚friedlich’ und ‚politisch’ ergänzt werden sollte. Er behauptet ferner, dass so eine Revolution endogen induziert, aber später exogen gesteuert wurde. „In diesen Umwälzungen treten alle relevanten Merkmale einer politischen Revolution zutage: Korrektur bzw. Abbruch einer langfristigen Entwicklung; Agonie bzw. Reformunfähigkeit oben sowie Massenbewegungen und Gegeneliten unten; schnelle, überraschende politische und soziale Veränderungen; Wechsel der politischen Ordnung und ihrer Institutionen; Eröffnung neuer gesellschaftlicher Entwicklungsoptionen.“[41]

Nachträglich ergänzt der Wissenschaftler, dass der Systemzusammenbruch im Sozialismus sowjetischen Typs weder zufällig noch zwingend war. Er ficht die Behauptungen solcher Theoretiker an, die die einzige Erklärung für den Zusammenbruch der Sowjetunion in den ökonomischen Widersprüchen sehen. Reißig schlägt dagegen vor, die Ursache der politischen Revolution durch einen Komplex von Konflikten und Krisenfaktoren zu sehen, die zur Systemkrise führten. „Es war ein plötzliches, überraschendes und nicht vorhergesehenes Ereignis, das dennoch seine spezifische Vorgeschichte hatte und in diesem Sinne einen Prozesscharakter trug. Die Strukturen, die Institutionen und das Reflexionsvermögen waren so beschaffen, dass die Voraussetzungen für wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Fortschritt versiegt bzw. zerstört waren oder zum Teil nie wirklich existiert hatten. Die strukturelle und kulturelle Reform- und Innovationsblockade einerseits und das Handeln der Menschen ‚von unten’ andererseits sprengten das System von innen.“[42]

Zagorskij sucht in seinem Aufsatz nach den Ursachen für die spätere Finanzkrise 1998 in Russland. Er neigt zwar dazu, die internen Ursachen für die danach folgende Transformation in Russland verantwortlich zu machen, bemerkt aber, dass diese internen Motive nicht ohne den Einfluss von außen zu einer Änderung der Wirtschaftspolitik geführt hätten: „Trotz der weit verbreiteten politisch motivierten Spekulationen in Russland über die negativen Auswirkungen der IWF-Politik gibt der Jahresbericht 1998 des russischen Finanzministeriums schlüssige Antworten auf die Frage nach den Ursachen der jüngsten Krise. Zusammenfassend kann man daraus schließen: Es war die interne Finanzpolitik Russlands, die diese Krise maßgeblich verursacht hat. Die externe Verschuldung hat ihre gravierenden Ausmaße erst infolge der tiefen Finanzkrise angenommen und ist danach zum gewichtigen Strukturproblem geworden.“[43]

1.2 Transformationstheorien

In Bezug auf systemische Transformationsprozesse existieren verschiedene Theorien. Man kann die bestehenden Theorien in vier Richtungen aufteilen: System-, Kultur-, Struktur- und Akteurstheorien. Je nach Richtung erforschen diese Theorien in verschiedenen Feldern nach den Erfolgen oder Misserfolgen einer Transformation.

Probleme der Transformation, die beim Übergang von der Kommando- zur Marktwirtschaft entstehen, betrachten die Theorien der wirtschaftlichen Transformation. Ihre Aufgabe ist es, die Vollziehung der wichtigsten wirtschaftlichen Reformen zu kontrollieren und die Nichteinhaltung dieser Reformen aus der politischen und ökonomischen Sicht zu erklären.

Bevor man zu der eigentlichen Analyse der wirtschaftspolitischen Transformation in Russland übergeht, sollten einige Transformationstheorien dargestellt werden.

1.2.1 Die soziologische Systemtheorie

Die soziologische Systemtheorie erklärt die Entwicklung der Systeme von den traditionellen zu modernen mithilfe zweier Teilssysteme – Gesellschaft und Wirtschaft. Sie plädiert für eine Modernisierung der Gesellschaft auf der Grundlage einer demokratischen Ordnung, die eine Transformation ohne Zwang, aber durch die kontinuierliche Änderung der Werte verursacht. Merkel erklärt die Notwendigkeit der Modernisierungsvoraussetzungen, wie ein funktionierendes Demokratiesystem, freie Wahlen etc, „denn im Zuge ihrer Modernisierung lassen sich komplexe Gesellschaften nicht durch die rein autoritäre Oktroyierung sozialer Normen integrieren. Der moderne Integrationsmodus (…) basiert deshalb nicht mehr primär auf Zwang, sondern auf der reflektierten Anerkennung der Werte und ihrer Internationalisierung durch die Gesellschaftsmitglieder.“[44] Ein Zwang, der für totalitäre Systeme typisch ist, kann eine Modernisierung behindern und eine Integration verlangsamen, obwohl der Kontrollmechanismus in solchen autokratischen Systemen zentralisiert ist.

1.2.2 Die Autopoiesis-Schule

In Bezug auf die Transformationsprozesse behaupten die Anhänger der Autopoiesisschule, dass die sozialistischen Länder transformationswillig gewesen sind, weil sie vom Erfolg der führenden Nationen beeinflusst waren, denn „fast alle erfolgreichen und wohlhabenden Nationen dieser Erde verfügen über demokratische und marktwirtschaftliche Systeme.“[45] A. Fischer fragt unter anderem, „ob das Schicksal dieser Nationen (des sozialistischen Systems – Anmerkung der Autorin) nicht damit zu tun hat, dass das Kapital der ‚wohlhabenden und erfolgreichen Nationen’ in ihnen seine Wirkung tut, dass sie also die Kehrseite erfolgreicher westlich-unternehmerischer Tätigkeit zu spüren bekommen.“[46]

Die autopoietische These begründet eine Systemumwandlung für alle sozialistischen Staaten, weil diese sich als äußerst instabil erweisen. Fraglich ist nur, welche Richtung dieser Wandel nimmt: eine demokratische oder eine noch mehr autoritäre. Laut Parsons können die kommunistischen Systeme zwischen den „Anpassungen in Richtung auf die Wahlrechtsdemokratie und ein pluralistisches Parteiensystem“ wählen oder sich „in weniger entwickelte und politisch weniger effektive Organisationsformen“ verwandeln.[47] Alle kommunistischen Systeme erweisen früher oder später starke Unvollkommenheiten und Effizienzverluste, weil sie über keinen Selbstregulierungsmechanismus verfügen, der durch alle Teilsysteme verläuft. Im Gegensatz dazu überlassen sie der politischen Führung die alleinige Lenkungsrolle. Als erste unter den so gesteuerten Teilsystemen versagt die sozialistische Wirtschaft. „Durch die künstliche und gewaltsame Installierung des Staates als die allzuständige Spitze der Gesellschaft, wurden deren Teilsysteme zu eng an die Politik gekoppelt. Effizienzverluste und Funktionskrisen in den Teilsystemen, insbesondere der Wirtschaft, schlugen deshalb auf das politische System durch. Nach dem Freiheitsverlust ging auch die Garantie einer ausreichenden und ansteigenden materiellen Versorgung verloren.“[48] – behauptet Merkel.

1.2.3 Die Konvergenztheorie

Die Konvergenztheorie beinhaltet ein „Denkmodell, das von ökonomischen und soziokulturellen Tendenzen der ‚gegenseitigen Angleichung’ (Konvergenz) zwischen kapitalistischen und sozialistischen Gesellschaftsordnungen ausgeht.“[49] Durch den Prozess der „wechselseitigen Annäherung zwischen Kapitalismus und Sozialismus“[50] würden die beiden Systeme immer mehr ihre ursprünglichen Eigenschaften verlieren und schließlich in eine einheitliche „modernisierte Industriegesellschaft“ münden,[51] - so die Konvergenztheoretiker. Die Realität zeigte aber, dass eine solche Annäherung nicht langsam und kontinuierlich verläuft, sondern auch abrupt, revolutionär zu Stande kommen kann. Der Zusammenbruch der Sowjetunion lieferte ein Beispiel dafür. Als Gegenreaktion auf diesen abrupten Systemwechsel entstand der Glaube an einer genauso schnellen Verbesserung der gesellschaftlichen Lage. In der Wissenschaft wie auch in der Gesellschaft waren zu der Zeit die Kreise vertreten, die an eine sofortige Berichtigung des ökonomischen und politischen Systems in Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geglaubt haben. Dass es für viele sozial schwache Gesellschaftsschichten - Rentner, Studenten, Arbeitslose – besonders am Anfang massenhafte Nachteile mit sich bringen wird, hat man in den ersten Transformationsphasen nicht eingesehen. Der Wissenschaftler Beyme übt die Kritik an den Konvergenztheoretikern: „Wenn vermutlich nach dem Übergang vieler Länder zu Demokratie und Pluralismus - ähnlich wie in der Dritten Welt - nicht alle Blütenträume reifen und nach ein paar Jahren sichtbar wird, dass es doch auch politikunabhängige, schwer zu beeinflussende Variablen der Entwicklung gibt, wird sich diese Übertreibung auf ein differenziertes Betrachtungsniveau wieder einpendeln. Der sozioökonomische Determinismus der Konvergenztheoretiker hatte nicht wenig mit dem von ihnen methodisch bekämpften Marxisten gemein.“[52]

1.2.4 Die Dependencia-Theorie

Einen interessanten Standpunkt vertritt die Dependencia-Theorie, die ihren Leitbegriff, die Abhängigkeit (Dependencia), zum Schlüssel für die Erklärung der Unterentwicklung macht.[53] Die Dependencia-Theorie geht von dem Objekt der Transformation in Form eines Entwicklungslandes aus. Ihre Relevanz für die Transformation in Russland erklärt sich dadurch, dass die Sowjetunion vor dem Zerfall die Merkmale einer Unterentwicklung wie Rückständigkeit der Produktivität und der Technologie, rohstofforientierter Export, Konsumgüterimport usw. erfüllte, obwohl die UdSSR definitionsgemäß keineswegs ein Entwicklungsland darstellte.

Es wird oft vor einer zu schnellen Einbeziehung der wirtschaftlich rückständigen Systeme in die Kooperation mit den Industrienationen gewarnt, um noch stärkere Ungleichgewichte zu vermeiden und eine totale Abhängigkeit der Entwicklungs- oder Transformationsländer zu verhindern. Man kann aber unmöglich die Wirtschaftssouveränität eines Landes fördern, in dem man es vom internationalen Handel abhält. „Die Frage, mit der sich Dependencia-Schule und neoklassische Theorie beschäftigen, ist, ob diese Ungleichgewichtigkeit durch einen Schutz vor dem Weltmarkt und den Mechanismen der Marktwirtschaft soweit aufgehoben werden kann, dass eine Heranführung an das Niveau des Weltmarktes erreicht wird, oder ob nicht umgekehrt gerade das Geltenlassen der überlegenen ausländischen Kapitalproduktivität, die bewusste Einladung von ADI (Ausländische Direktinvestitionen – Anmerkung der Autorin), erst diese Heranführung leisten kann.“[54]

1.2.5 Die neoklassische Theorie

Die neoklassische Theorie sieht den Grund für eine systemische Änderung in der Entscheidung des Staates sich dem Weltmarkt zu öffnen, das heißt, internationalen Handel zu betreiben, das ausländische Kapital zu sich einzuladen und den heimischen Markt den internationalen Anforderungen anzupassen. Dabei lässt die neoklassische Theorie die Frage offen, ob die Entscheidung, die Autarkie aufzuheben, „von oben“ durch die entsprechende Gesetzgebung oder „von unten“ durch unternehmerische Praxis initiiert wird. Nicht geklärt bleibt auch die Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz der Transformationsprozesse, also ob die friedliche ökonomische und politische Revolution von den breiten Bevölkerungsmassen überhaupt gewollt ist.

1.2.6 Die bargaining approach und die strukturalistische Theorien

Die „bargaining approach“ und die strukturalistische Theorie setzen die Gedanken der oben genannten Theorien - der neoklassischen und der Dependencia-Theorie - fort. Während die Strukturalisten von der Vertiefung der Abhängigkeit von den Industrieländern durch den internationalen Handel ausgehen, empfiehlt die „bargaining approach“-Theorie, die die Marktwirtschaftsthese der Neoklassiker weiterverfolgt, eine freie Entwicklung der Marktwirtschaft sowie des internationalen Handels und die Kooperation zuzulassen. „Der ‚bargaining approach’ geht hingegen von einer eher wachsenden Souveränität der nationalen Führung aus dem Maße, wie ausländisches Kapital herangezogen werden kann, es sich also erweist, dass das Zusammenspiel von Staat und Auslandskapital erfolgreich ist.“[55] Der Staat übernimmt laut des „bargaining approach“ die Steuerrolle bei der Korrektur der marktwirtschaftlichen Freiheit. Seine Aufgabe sei laut Fischer das ausländische Kapital je nach Bedarf unterschiedlich zu dosieren. Wichtig sei nur, dass darauf geachtet wird, dass beide Kooperationsländer von Markttransaktionen in gleicher Weise profitieren.

1.2.7 Die Theorie der ausländischen Investitionen (ADI)

Unter der Investitionen- oder Theorie der Ausländischen Direktinvestitionen (ADI-Theorie) kann man die Behauptungen derjenigen Wissenschaftler zusammenfassen, die die Ursache der Transformationsprozesse im kontinuierlichen Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen sehen. Diese Theorie könnte auf die Situation in Russland in den 90er Jahren und seine aktuelle Situation anwendbar sein. Fischer findet aber, dass diese Unterstellung zu weit geht. Er bezweifelt eine Übertragung marktwirtschaftlicher Gesetze und Verhaltensweisen und markwirtschaftlich positiver Wirkungen auf Menschen und Verhältnisse durch den bloßen unmittelbaren Kontakt mit den westlichen Unternehmen und „ihre reine Anwesenheit“[56]. Fischer sieht sich durch die Ansichten eines anderen Wissenschaftlers Clement unterstützt, der die Meinung vertritt, von den Joint Venture könnte kein Demonstrationseffekt ausgehen, da ihre fortschrittliche und innovative Tätigkeit nur auf das eigene Potential beschränkt bleibe.[57] Zusätzlich führt Clement den Begriff der kritischen Masse der ausländischen Direktinvestitionen, deren Nichterreichung als Grund für das Ausbleiben der positiven ökonomischen Effekte der ausländischen ADI gesehen werden kann. Die Problematik der kritischen Masse besteht aber darin, dass ihr Wert für jedes Land ein anderer ist und dass er außerdem nur schwer messbar ist.

Die beiden Gelehrten sind also der Ansicht, die Joint Venture können zwar eine marktwirtschaftliche Insel in Russland schaffen, verbreiten aber ihr Wissen nicht unbedingt an die anderen Unternehmen, Mitarbeiter und Wirtschaftszweige. Die beiden Systeme - der westliche und der russische Marktstil - existieren somit nebeneinander: der westliche Führungsstil ist auf ausländische Unternehmen zugeschnitten und somit in den rein russischen Betrieben fehl am Platze, der russische Marktstil ist dagegen im westlichen Unternehmen überflüssig und eventuell sogar schädlich. Diese Nichtkompatibilität der beiden Marktführungsmethoden ist die Hauptkritik an der Investitionstheorie, die den ausländischen Direktinvestitionen eine viel zu große Rolle zuspricht. Die Befragungen der russischen Arbeitnehmer und Interviews mit den ausländischen Arbeitgebern in Russland, die diese Magisterarbeit beinhaltet, bezwecken unter anderem, die Fragen nach der Kompatibilität des russischen und europäischen Führungsstils zu lösen.

1.2.8 Die Assimilationstheorie

Die Imitations- oder Assimilationstheorie begründet genauso wie die ADI-Theorie die positive Rolle der ausländischen Investitionen. Extreme Anhänger dieser Theorie wollen aber in den ausländischen Direktinvestitionen den Wunsch der westlichen Unternehmen an einem Aufbau der Marktwirtschaft im Osten sehen und nicht den Hauptgrund jedes ökonomischen Handelns, das Streben nach eigenen Profiten erkennen. Sie begründen die positive Rolle der ADI durch ihre Universalfunktion im Osten. Laut dieser Theoretiker seien die ausländischen Unternehmen in Osteuropa und in Russland die Träger der neuen Arbeits- und Lebensphilosophie und freiwillige Helfer beim Wideraufbau: „Manche östliche Stellungnahmen gehen soweit, sämtliche Kapitaltransfers aus dem Westen mit ‚Hilfs’leistungen zu identifizieren, wobei es nicht interessiert, ob es sich um Nahrungsmittelhilfe, Kredite oder direkt investiertes produktives Kapital handelt. Die Tatsache, dass investiertes Kapital Eigentum eines Unternehmens ist und sich gemäß den Sachnotwendigkeiten der Kapitalvermehrung zu bewegen hat, scheint manchmal vergessen (…); als handele es sich hier um einen sachlich-technischen ‚Beitrag’ zum Aufbau einer Ökonomie, um ein quasi planbares Element der noch zu entwickelnden nationalen Produktion.“[58]

Der Wissenschaftler Christian Meier weist in seinem Aufsatz „Sowjetische Joint Ventures mit westlichen Partnern“ darauf hin, dass Joint Ventures unter anderem auch positive Schulungswirkungen auf russische Mitarbeiter und Konkurrenzbetriebe hätten, indem sie musterhafte Betriebsabläufe und westliches Geschäftstempo präsentierten.[59] Eine Übertreibung der Rolle der westlichen Joint Ventures im russischen Transformationsprozess, die dank einiger Auslegungen der Assimilationstheorie zum Ausdruck kommt, kann aber nicht übersehen werden. A. Fischer erklärt dieses unbegründete Vertrauen der postsowjetischen Ökonomie in die westlichen Unternehmen durch die von Gorbatschow initiierte „System-Selbstkritik“[60].

Dabei war die gutgläubige Einstellung der postsowjetischen Unternehmer in den ersten Phasen der Transformation vielleicht durch das mangelnde Wissen über die Funktionsweise westlicher Systeme bedingt. Sie vertraten oft die Ansicht, die westlichen Kapitalgeber müssen Russland als eine Art Entwicklungsland wirtschaftliche Hilfe leisten und nicht in erster Linie am Eigenprofit interessiert sein. Der heutige stellvertretende Leiter der Administration von Putin Surkow erinnert sich an diese Zeit: „Natürlich waren wir der Auffassung, dass der Westen uns liebt, uns hilft und wir in zehn Jahren so leben werden wie Europäer.“[61] Somit zeigten die Anhänger dieser Idee ihre damalige Inkompetenz bezüglich des wichtigen marktwirtschaftlichen Prinzips: der Gewinn orientierten Natur der Investitionen und des Kapitals, die das Hauptbewegungsimpuls jedes Unternehmens ist. Diese Inkompetenz ist unter anderem auf die Ablehnung des marktwirtschaftlichen Denkens in der früheren Sowjetunion und die lange Tradition der Planwirtschaft in diesem Land zurückzuführen.

Die Kritik an der Imitationstheorie und dem übertriebenen Glauben an einer fortschrittlichen Universalrolle der ausländischen Investitionen kann fortgesetzt werden, wenn man mit bedenkt, dass ausländische Unternehmer ihrer Natur nach risikoscheu sind und daher keine neuesten Technologien, Geräte und Know-hows nach Russland bringen, sondern eher solche, die in Europa schon Auslaufmodelle sind oder nicht mehr benötigt werden. So wird die Übertriebenheit des Vertrauens der russischen Imitationstheoretiker an dem immer besser wissenden Westen deutlicher.[62]

Außerdem überschätzen einige Anhänger der Assimilationstheorie die Bedeutung des Managements allgemein und der westlichen Managementstrategien insbesondere in ihrem Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg im Osten. Die für die westlichen Industrien gültige Reihenfolge der Erfolgsfaktoren, die ihrer Wichtigkeit nach erstens das Kapital, zweitens die Technologie und drittens das Management nennt, wird in Russland mit Vorrang des Managements korrigiert. Die voreilige Überzeugung, mit gutem Management kann man aus nichts ein Gewinn bringendes Unternehmen aufbauen, ist besonders für die erste Phase der postsowjetischen Ökonomie charakteristisch. In dieser Phase entstanden zahlreiche Firmen-Blindgänger, die meistens nur kurze Zeit existierten und wegen einer inkompetenten Geschäftsführung, fehlender Erfahrung und dem Nichtwissen marktwirtschaftlicher Zusammenhänge scheiterten.

1.3 Theorien der internationalen Unternehmenstätigkeit

Das Verhalten der ausländischen Unternehmen aus der ökonomischen Sicht erklären die Theorien der internationalen Unternehmenstätigkeit. Ihre Relevanz für diese Magisterarbeit, die sich mit dem wirtschaftspolitischen Transformationsprozess in Russland befasst, begründet sich dadurch, dass Einführung ausländischer Investitionen im postsowjetischen Russland als Folge der Öffnung der russischen Wirtschaft nach außen einen wichtigen Teil der russischen Transformation darstellt. Zu den Theorien, die das Verhalten der Wirtschaftssubjekte im internationalen Kontext beeinflussen, gehören die Außenhandelstheorien (Smith, Ricardo, Heckscher/Ohlin und Leontief), die Handelsvorteile durch die Kostenersparnisse im Freihandel und in Kooperation erklären (eine Auseinandersetzung mit diesen Theorien wird der Rahmen der Magisterarbeit sprengen); die Theorien der multinationalen Unternehmung[63], die sich mit den Kultur bedingten Schwierigkeiten in einem grenzüberschreitenden Unternehmen und Vor- und Nachteilen einer Produktionsverlagerung beschäftigen; und die Theorien der ausländischen Direktinvestitionen, die Vor- und Nachteile einer Produktionsverlagerung ansprechen.

Die Motive der ausländischen Unternehmen, die im Ausland und konkret in Russland investieren wollen, erklärt die schon oben angesprochene ADI-Theorie wiederum mit Hilfe einiger ihrer Untertheorien, die aus verschiedenen Bereichen der Volkswirtschaftslehre stammten. Am wichtigsten sind nach Meinung der Autorin vier folgende Theorien: die Produktlebenszyklus-Theorie, die Behavioristische Theorie (die Internalisierungstheorie von Aharoni), die mit ihr verbundene Imperialismus-Theorie und die Monopoltheorie.

1.3.1 Die Produktlebenszyklus-Theorie

Die Produktlebenszyklus-Theorie[64] stammt aus der Betriebswirtschaftlehre und hilft das Verhalten der Unternehmen zu verstehen, die im Ausland investieren.[65] Sie ist ein betriebswirtschaftliches Konzept, das innerhalb der Produktpolitik des Marketings die einzelnen Phasen der Marktteilnahme eines Angebotes in Abhängigkeit von statischen und dynamischen Einflussgrößen beschreibt. Sie geht von der Grundannahme aus, dass jedes Produkt in seiner Entwicklung verschiedene Phasen und Entwicklungsstadien hinsichtlich seiner Produktions- und Absatzbedingungen durchläuft: die Entwicklungsphase, die Wachstumsphase, die Reife, die Marktsättigung und den Rückgang.[66] In der Entwicklungsperiode hat ein Unternehmen die Konsumenten durch Werbung und Public Relations schon auf das Produkt aufmerksam gemacht. Mit Beginn der Wachstumsphase werden erstmalig Gewinne erzielt. Die Produktreife ist durch eine Unmöglichkeit der erforderlichen Nachfragesteigerung und der Senkung der Produktionskosten gekennzeichnet. Wenn ein westliches Unternehmen ein Produkt produziert, das sich in der dritten Entwicklungsphase befindet, lohnt es sich dieses Produkt auf dem ausländischen Markt anzubieten, der über potentielle Stärke der Konsumnachfrage, Kaufkraft und geringere Lohn- und/oder Ressourcenkosten verfügt.

Die Produktlebenszyklustheorie als ökonomische Theorie der ADI umfasst unterschiedliche Kostenstrukturen und Ertragsaussichten, die in das unternehmerische Kalkül miteinbezogen werden. Dabei steht im Zentrum des Produktionsprozesses die Erzielung von Massenproduktionsvorteilen (economies of scale). Die Nachfragepräferenzen werden in allen Ländern als ähnlich angenommen, sie unterscheiden sich nur nach ihren Entwicklungsphasen, die wiederum von der Entwicklung des Einkommens abhängen. Es wird angenommen, dass jedes multinationale Unternehmen ähnliche Entwicklungsphasen durchläuft[67]:

1. Die Innovationsphase
2. Die Exportphase
3. Die Direktinvestitionsphase
4. Die Reimportphase

In der Innovationsphase erreicht das Unternehmen durch die Entwicklung eines neuen Produktes eine Monopolstellung. Die heimische Nachfrage wird wegen Neuartigkeit des Produktes am Anfang als wenig preiselastisch angenommen, dabei können die Gewinne durch die für die Massenproduktion typischen Kostendegressionsvorteile und Preiserhöhungen gesteigert werden. So lange das Produktionsfaktorenpotential im Ursprungsland nicht ausgeschöpft ist, wird das ausländische Unternehmen für die weitere Produktion zu Hause plädieren. Die Exportphase begründet sich durch die Entstehung der so genannten Innovationslücke, die das ursprüngliche Produktionsland gegenüber anderen Industrie- und Entwicklungsländern besitzt. Wenn diese Länder das jeweilige Gut haben wollen, die Produktionstechnologie aber nicht besitzen, wird das Gut zuerst exportiert. Dafür muss es aber im vornherein einen Bekanntheitsgrad in diesen Ländern erreichen. In der Direktinvestitionsphase steigt die Exportnachfrage wegen der Bekanntheit und Konsumentenpräferenzen des Produktes so stark, dass sie durch die Produktion im Inland nicht mehr befriedigt werden kann. Jetzt ist es also günstiger, die Produktion in das importierende Land zu verlagern, um an den Transport-, Rohstoff- und möglicherweise Personalkosten zu sparen. Die Kostenersparnisse werden dabei möglich, da das Produkt schon einen hohen Standardisierungsgrad, sprich Bekanntheitsgrad besitzt und eine Massenproduktion möglich ist. Die Personalkosten können wiederum gespart werden, da eine Massenproduktion keine hoch qualifizierten Mitarbeiter und höhere Löhne erfordert. Der Verlagerung eines Teils der Produktion für die Befriedigung der Auslandsnachfrage in das importierende Land steht ab dem Zeitpunkt nichts mehr im Wege. Die letzte Reimportphase ist durch die Senkung der Inlands- hinter die Auslandsnachfrage (Sättigung) und durch Etablierung des Produktionsstandortes zum wichtigsten Wettbewerbsfaktor charakterisiert. Die vollständige Produktionsverlagerung ins Ausland und die Bedienung der Inlandsnachfrage durch Reimporte ist typisch für diese Phase.

Die Vorteile der Produktlebenszyklustheorie bestehen darin, dass sie eine klare Struktur für die multinationalen Unternehmen bei der Erschließung der neuen Märkte vorgibt. Sie hilft mögliche Fehler im Auslandsstandort zu vermeiden. Die Relevanz der Produktlebenszyklustheorie ist aber auf mittelständische Unternehmen mit geringem Internationalisierungsgrad und auf technologische Innovationen mit hoher Komplexität eingeschränkt. Sie lässt sich außerdem wegen der länderspezifischen Unterschiede nur für Ex post Analysen anwenden und vernachlässigt die Tatsache, dass der Lebenszyklus eines Produktes eine exogene, also von außen beeinflussbare Größe ist.

1.3.2 Die Internationalisierungstheorie von Aharoni

Die oben erwähnte grundsätzliche Risikoaversion der ausländischen Direktinvestoren kann durch die Theorie der Internationalisierung von Aharoni[68] erklärt werden. Diese verhaltensorientierte Theorie, die psychologische und lerntheoretische Erklärungen in den Vordergrund stellt, besagt, dass in einem Unternehmen aufgrund unvollkommener Informationen und begrenzter Informationsverarbeitungs- und Problemlösungskapazitäten oft nicht rationale, also ökonomisch suboptimale Entscheidungen getroffen werden.[69] Laut Aharoni reiche eine positive Gewinnprognose für eine Investitionsentscheidung nicht aus, da international unerfahrene Unternehmer nicht als homo oeconomici, sondern als unstimmige Koalitionen von Organisationsmitgliedern handeln würden, die die Risiken über- und den Nutzen unterschätzen. Dagegen kann vorgegangen werden, wenn darauf geachtet wird, dass die Top-Manager einer Unternehmung über zahlreiche Auslandserfahrungen verfügen. Außerdem solle man bei der anfänglichen Standortanalyse den Zustand der Initialkräfte berücksichtigen.[70] Unter den letzteren werden Bedrohungen von Auslandsmärkten, Mitläufereffekte, Kreuzinvestitionenbedarf usw. verstanden. Eine Produktionsstätte weit der Heimat des multinationalen Unternehmens lohnt sich immer, wenn die Initialkräfte für Direktinvestitionen sprechen.

1.3.3 Die monopolistische Vorteilstheorie von Hymer und Kindleberger und die Internationalisierungstheorie von Buckley/Casson

Die Monopol-Theorie oder die monopolistische Vorteilstheorie von Hymer und Kindleberger[71] stellt ein großes Unternehmen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Sie erklärt, warum die starken Unternehmen, die in dem zu investierenden Land über eine Monopolstellung verfügen, gute Chance bei den Investitionen in diesem Land haben. Sie würden quasi Monopolgewinne abschöpfen, weil sie in vielen Bereichen einen Vorsprung besitzen würden. Das würde sich in einer durchdachten Organisation, steigenden Skalenerträgen, Vielfalt der angebotenen Produkte, Kapitalabsicherung, Qualität der Ware, einem Technologiefortschritt oder einer erstklassigen Führung äußern.[72]

Die angenommene Abneigung der ausländischen Unternehmen gegenüber den Investitionen im Ausland kann die Monopolistische Vorteilstheorie von Hymer und Kindleberger auf ihre Weise begründen. Die Gelehrten gehen davon aus, dass ausländische Firmen zahlreiche Wettbewerbsnachteile gegenüber ihren Partnern im Inland verzeichnen würden.[73] Diese Nachteile würden entstehen wegen mangelnder Kenntnisse der Gesetzgebung, Sprache, Kultur, Wirtschaft und daraus folgender Unsicherheit und hoher Informationskosten; diskriminierender Praktiken der Konsumenten, Lieferanten oder der Regierungen in Bezug auf steuer-, arbeits- oder devisenrechtliche Bestimmungen; Wechselkursrisiken; und hoher Koordinationskosten wegen geografischer Entfernung vom Hauptsitz der Firma. Diese Nachteile könnten laut der Vorteilstheorie mit einer Vorherrschaft des potentialen Investors in Sachen Organisation, Ertragsgröße, Produktvielfalt, Kapitalabsicherung, Güterqualität, Management- oder Technologiefortschritt und daraus folgender Monopolstellung überwunden werden.[74] Die russische Realität bestätigt einige der oben genannten Vorteilspunkte der ausländischen Investoren: Unternehmungen aus Industrieländern verfügen häufig über ein überlegenes (vielfach patentiertes) Technologie- und Management-Know-how, auf das russische Unternehmen keinen Zugriff haben. Außerdem besitzen die ersteren bestimmte Imagevorteile und eine höhere Marktmacht, die die Durchsetzung günstigerer Preise auf Absatz- und Beschaffungsmärkten ermöglichen. Aber die Anpassungskosten solcher Monopole müssen auch mitkalkuliert werden. Sie sind grade in solchen Ländern wie Russland, die keine ausreichende Stabilität in der Entwicklung verzeichnen, ex ante schwer zu bestimmen und können zahlreiche Vorteile übersteigen.

Laut der Internationalisierungstheorie von Buckley/Casson[75] müssen in diesem Zusammenhang auch die Transaktionskosten für die Anbahnung, Formulierung, Schließung, Überwachung, Durchsetzung und Anpassung von Verträgen miteinbezogen werden.[76] Die immateriellen Ressourcen wie Informationen, Patente und Know-how seien dabei wichtig. Sie müssten entsprechend geschützt werden, da ihr Wert sich auf Null minimiere, sobald das Kopieren frei zugänglich gemacht werde. Dabei würden die Kosten der internen Transaktion im Falle einer Direktinvestition steigen. Wenn man stattdessen aber einen ausländischen Lizenznehmer einsetze, würden die internen Kosten der Überwindung der Landesgrenzen und wirtschaftliche und politische Risiken für die Mutterunternehmung ausfallen.

1.3.4 Sonstige transformationsrelevante Theorien

Erst mit der Schaffung gesetzlicher Begünstigungen wird die Option der Investitionen im Ausland und konkret in Russland attraktiv, setzt die Imperialismus-Theorie den Gedanken der Behavioristischen Theorie fort. Die Imperialismus-Theorie besagt, dass die Gesetze im Westen auf die Ziele und Vorhaben der heimischen Großunternehmen ausgerichtet sind, so dass sie den Wunsch der internationalen Konzerne Direktinvestitionen im Ausland zu tätigen in die herrschende Rechtsordnung implementieren und somit den Investitionsprozess im Ausland verträglicher machen.

Andere Theorien wie die eklektische Theorie der internationalen Produktion von Dunning[77], die die Vorteile der oben genannten Theorien vereint,[78] die Theorie des globalen Wettbewerbs von Porter[79], die sich auf reife Märkte mit einer gefestigten Branchenstruktur bezieht, die Theorie der internationalen Flexibilität von Kogut[80], die von der zunehmenden Unsicherheit, Varianz und Diskontinuität von Umweltentwicklungen ausgeht, lassen sich weniger für den russischen Markt anwenden.

[...]


[1] Mommsen, M. Wer herrscht in Russland? - der Kreml und die Schatten der Macht, München, 2003, S. 14.

[2] Huber, M. Die Finanzkrise vom 17. August 1998, in: Nußberger, A., Mommsen, M. (Hg.) Krise in Russland - politische und sozialrechtliche Lösungsansätze, Berlin, S. 202.

[3] Mommsen, M. (Wer herrscht in Russland), S. 198.

[4] Clement, H., Wirtschaftswachstum in Russland und der Ukraine: Stand und Perspektiven, München, S. 9.

[5] http://www.forschungsstelle-osteuropa.de/html/index.htm.

[6] http://www.forschungsstelle-osteuropa.de/html/04_publikationen/0405_russlandanalysen/index.

[7] Fischer, A. Westliche Investitionen in Russland- ein Beitrag zur Systemtransformation, Frankfurt am Main, 1995.

[8] www.aktuell.ru, abgerufen am 10.03.05, 12:45.

[9] Bergheim, S. Globale Wachstumszentren, in: Deutsche Bank Research, 9. Februar 2005, N 313, http://www.dbresearch.de/PROD/DBR_INTERNET_DE-PROD/PROD0000000000188568.pdf.

[10] Eder, G. Russland: Der Aufschwung und seine Väter, in.: Working Paper. Economic Research. Allianz Group/Dresdner Bank, N 7, 02.03.2004, www.allianzgroup.com/Az_Cnt/az/_any/cma/contents/282000/saObj_282226_Russland_working_paper_deutsch.pdf.

[11] http://www.dialog-ev.de/deutschland/tuebingen/index.html.

[12] Wachstumsmarkt Russland – die Zukunft hat begonnen, in: http://www.vdw.ru/dbw/public_vdw/Deliverables/File/A91A7EA72F6FE43FC3256FCC0021F78B/VDW_Jahresbericht_2004_vollfarbe.pdf?name=VDW_Jahresbericht_2004_vollfarbe.pdf, abgerufen am 13.06.05, 15:06.

[13] Merkel, W. Systemtransformation, Hagen, 1998.

[14] Dieckheuer, G. Internationale Wirtschaftsbeziehungen, München, 2001.

[15] Meffert, H., Bolz, J. (Hg.) Internationales Marketing-Management, Stuttgart, 1998.

[16] Schoppe, S. (Hg.), Kompendium der internationalen Betriebswirtschaftslehre, München, 1998.

[17] Cassel, D. (Hg.), Wirtschaftssysteme im Umbruch - Sowjetunion, China und industrialisierte Marktwirtschaften zwischen internationalem Anpassungszwang und nationalem Reformbedarf, München, 1990.

[18] Meffert, H. (Hg.), Strategien für den Markteintritt und Marktbearbeitung in Osteuropa- Dokumentationen des 45. Münsteraner Führungsgespräches vom 22./23. Oktober 2003, Münster, 2004.

[19] Der Autorin fällt eine gewisse negative ideologische Färbung dieses Begriffes auf, die auf eine angenommene Rückständigkeit der Arbeitsweise in der Sowjetunion zurück zu führen ist, sie benutzt ihn aber, um die aktuellen Besonderheiten der russischen Arbeitsweise, des Verhaltens am Arbeitsplatz, zusammenzufassen.

[20] Reißig, R. Überraschungseffekt und frühe Reaktions- und Deutungsmuster, in: 1989, die Transformation und die deutschen Sozialwissenschaften, Berliner Debatte INITIAL 11, N2, 2000, S. 9.

[21] Beyme, K. v. Sozialer Wandel und politische Krise in Russland, in: Nußberger, A., Mommsen, M. (Hg.), (Krise), Berlin, 1999, S.167f.

[22] Merkel, W. Systemtransformation - Dreifachkurseinheit, Hagen, 1998, S. 52.

[23] Merkel, W. Systemtransformation - eine Einführung in die Theorie und Empirie der Transformationsforschung, Opladen, 1999, S. 74.

[24] Merkel, W. (Systemtransformation, 1999), S. 75.

[25] s. o., S. 75.

[26] Kalthoff, H., Wagener, H.-J. Die Analyse der Transformation in Mittel- und Osteuropa. Innovative, Interdisziplinäre und internationale Forschungskultur, in: Die Transformation von Wirtschaftssystemen und die Neuordnung der Gesellschaften Mittel- und Osteuropas. Abschlussbericht des Innovationskollegs INK 19, S. 5, http://fit.euv-frankfurt-o.de/Veroeffentlichungen/Abschlussbericht_sicher.pdf, abgerufen am 12.04.05, 23:51.

[27] S.o., S. 5ff.

[28] Reißig, R. Transformation – Theoretisch-konzeptionelle Ansätze und Erklärungsversuche, Berliner Journal für Soziologie, 4.Jg./3, 1994, S. 323-344.

[29] Eisen, A., Kaase, M. Transformation und Transition - zur politikwissenschaftlichen Analyse des Prozesses der deutschen Vereinigung. Politisches System. Opladen, 1996, S. 5-46.

[30] Kloten, N. Die Transformation von Wirtschaftsordnungen - theoretische, phänotypische und politische Aspekte, Tübingen, 1991, S.8, zit. nach: Fischer, A. (Westliche Investitionen), S. 9.

[31] Reißig, R. Systemtransformation als Objekt sozialwissenschaftlicher Reflexion, in: 1989, die Transformation und die deutschen Sozialwissenschaften, Berliner Debatte INITIAL 11, N2, 2000, S. 12.

[32] s. o., S.12.

[33] Bayer, M. Was ist die russische Transformation? - machttheoretische Analysen transformatorischer Praxis im post-sowjetischen Russland, Frankfurt am Main, 2002, S. 8.

[34] Merkel, W. (Systemtransformation, 1998), S. 57.

[35] Merkel, W. (Systemtransformation, 1999), S. 125.

[36] s. o., S. 125ff.

[37] Merkel, W. (Systemtransformation, 1999), S. 127ff.

[38] s. o., S.129.

[39] s. o., S. 61.

[40] Fischer, A. (Westliche Investitionen), S. 27.

[41] Reißig, R. Die Ereignisse 1989/90 und zeitgenössische Deutungen, in: 1989, die Transformation und die deutschen Sozialwissenschaften, Berliner Debatte INITIAL 11, N2, 2000, S. 15.

[42] Reißig, R. (Ereignisse), S. 14.

[43] Zagorskij, A. Stabilisierungspolitik von außen, in: Nußberger, A., Mommsen, M. (Hg.), (Krise), Berlin, 1999, S. 220.

[44] Merkel, W. (Systemtransformation, 1999), S. 79.

[45] Pelda, K. Die Glaubwürdigkeit als vernachlässigtes Problem des Systemwandels, in: Neue Züricher Zeitung, Zürich, 26.05.1993, zit. nach: Fischer, A. (Westliche Investitionen), Frankfurt am Main, S. 16.

[46] Fischer, A. (Westliche Investitionen), S. 16.

[47] Parsons, T. Evolutionäre Universalien der Gesellschaft, in: Zapf, W. (Hg.), Theorien des sozialen Wandels, Köln/Berlin, S. 70, zit. nach: Merkel, W. (Systemtransformation, 1999), S. 80.

[48] Merkel, W. (Systemtransformation, 1999), S. 82.

[49] Brockhausenzyklopädie, Band 12, Mannheim, 1990, S. 320.

[50] Drechsler, H., Hilligen, W., Neumann F. (Hg.), Gesellschaft und Staat. Lexikon der Politik, München, 2003, S. 576.

[51] Drechsler, H., Hilligen, W., Neumann F. (Hg.), (Lexikon), S. 576.

[52] Beyme, K. v. Die vergleichende Politikwissenschaft und der Paradigmenwechsel in der politischen Theorie, in: PVS (Politische Vierteljahresschrift), 1990, N31, Heft 3, S. 462f., zit. nach: Fischer, A. (Westliche Investitionen), S. 15-16.

[53] Die Dependencia-Schule, Begriffserklärung, www.lateinamerika-studien.at/content/geschichtepolitik/geschichte/geschichte-173.html, abgerufen am 7.04.05, um 00:31.

[54] Fischer, A. (Westliche Investitionen), S. 19.

[55] Fischer, A. (Westliche Investitionen), S. 21.

[56] s. o, S. 24.

[57] Clement, H. Joint Ventures und Technologietransfer - welcher Wachstumsbeitrag ist zu erwarten, in: Oppenländer, K. (Hg.) Aktuelle Probleme beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft, IFO-Studien zur Ostforschung, N. 6, München, 1992, S. 229-245, zit. Nach: Fischer, A. (Westliche Investitionen), S. 24.

[58] Fischer, A. (Westliche Investitionen), S. 29f.

[59] Meier, C. Sowjetische Joint Ventures mit westlichen Partnern: Konzepte, Implementierung und Perspektiven, BIOST 71-1988, Köln, 1988, S. 2, zit. nach: Fischer, A. (Westliche Investitionen), S. 29.

[60] Fischer, A. (Westliche Investitionen), S. 29.

[61] Klußmann, U., Mayr, W. Der Westen muss uns lieben, Interview mit W. Surkow, in: Spiegel, N. 25, 2005, S. 124.

[62] Die Gründe für das risikoscheue Verhalten ausländischer Unternehmen erklären die Monopolistische und die Internationalisierungstheorie, die einen weiteren Punkt dieses Kapitels darstellen.

[63] Stein, I. Die Theorien der Multinationalen Unternehmung, in: Schoppe, S. (Hg.), Kompendium der internationalen Betriebswirtschaftslehre, Oldenburg, 1998, S. 35ff.

[64] Schoppe, S. (Hg.), (Kompendium, 1998), S. 62ff.

[65] Die Kooperation mit den Unternehmen aus klassischen Industriegesellschaften spielt eine gewisse, aber nicht universale Rolle in der Beschleunigung der Transformationsprozesse in den postsozialistischen Systemen.

[66] Rürup, B. Fischer Wirtschaftslexikon, Frankfurt am Main, 1999, S. 230.

[67] Schoppe, S. (Hg.), (Kompendium, 1998), S. 505.

[68] Aharoni, Y. The Foreign Direct Investment Decision Process, Boston, 1966.

[69] Stein, I. Die behaiviouristische Theorie der Direktinvestition, in: Schoppe, S. (Hg.), (Kompendium, 1998), S. 110ff.

[70] s. o., S. 112.

[71] Stein, I. Die Grundgedanken von Hymer und Kindleberger, in: Schoppe, S. (Hg.), (Kompendium, 1998), S. 43ff.

[72] s. o.

[73] s. o., S. 46.

[74] s. o., S. 46f.

[75] Buckley, P., Casson, M. The Future of the Multinational Enterprise, London, 1976.

[76] Stein, I. Die Long-Run-Theory von Buckley und Casson, in: Schoppe, S. (Hg.), (Kompendium, 1998), S. 93f.

[77] Dunning, J. Explaining Changing Patterns of International Production: In Defence of the Eclectic Theory, in: Oxford Bulletin of Economics and Statistics, Vol. 41, 1979, S. 269ff, zit. nach: Schoppe, S. (Hg.), (Kompendium, 1998).

[78] Stein, I. Die eklektische Theorie von Dunning, in: Schoppe, S. (Hg.), (Kompendium, 1998), S. 140ff.

[79] Porter, M. Globaler Wettbewerb. Strategien der neuen Internalisierung, Wiesbaden, 1989, zit. nach: Schoppe, S. (Hg.), (Kompendium, 1998).

[80] Kogut, B. Designing Global Strategies: Profiting from Operational Flexibility, in: Sloan Management Review, vol. 27, 1985, Nr. 1, S. 27ff, zit. nach: Schoppe, S. (Hg.), (Kompendium, 1998).

Details

Seiten
157
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783832495442
Dateigröße
947 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v224670
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Philosophische Fakultät, Politikwissenschaft
Note
2,15
Schlagworte
arbeitsmarktpolitik systemtransformation osteuropa wirtschaftspolitik jahre

Autor

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Titel: Der wirtschaftspolitische Transformationsprozess in Russland