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Der Ruf der Psychologie

Eine Imageanalyse zur Einstellung zur Wissenschaft in Österreich

Diplomarbeit 2005 121 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Wissenschaftsbegriff
2.1 Definition
2.2 Entstehung von Wissen
2.3 Anfängliche Unterscheidung der Wissenschaften
2.4 Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften
2.4.1 Naturwissenschaften
2.4.2 Geisteswissenschaften
2.4.3 Sozialwissenschaften
2.5 Zusammenführung

3 Wissenschaft Psychologie
3.1 Definition
3.2 Aufgaben der Psychologie
3.3 Rahmenbedingungen der Wissenschaft am Weg zur Aufgabenerfüllung

4 Image und Einstellungen
4.1 Definition
4.1.1 Einstellungen
4.1.2 Image
4.2 Entstehung und Veränderung von Einstellungen

5 Ruf der Psychologie
5.1 Grundlegende Bemerkungen
5.2 Ausgewählte Studien und Umfragen zum Image der Psychologie
5.3 Die aktuelle Ausbildungssituation

6 Probleme der Psychologie
6.1 Grundlegende Problembereiche
6.2 Besondere Problembereiche
6.2.1 Probleme der Selbstdarstellung der Psychologie

7 Kritik an der Psychologie

8 Das Versuchsdesign
8.1 Allgemeines zur Untersuchung
8.2 Variablen
8.2.1 Abhängige, unabhängige Variable(n)
8.3 Operationalisierung
8.4 Versuchsdesign im Detail
8.5 Die Stichprobe
8.5.1 Aufteilung nach Geschlecht
8.5.2 Aufteilung nach Alter
8.5.3 Aufteilung nach Schulbildung
8.5.4 Aufteilung nach Journal, Interesse und Einstellung

9 Berechnungen
9.1 Reliabilität
9.2 Faktorenanalyse über die 14 Items zur Skalenbeschreibung
9.2.1 Genetik
9.2.2 Physik
9.2.3 Neurowissenschaften
9.2.4 Psychologie
9.2.5 Mathematik
9.2.6 Philosophie
9.2.7 Soziologie
9.2.8 Rechtswissenschaften
9.3 Weiterführende Gedanken
9.4 Korrelationen
9.5 Die einzelnen Wissenschaften im Vergleich
9.6 Varianzanalyse
9.6.1 Signifikante Ergebnisse im Detail
9.6.1.1 Psychologie
9.6.1.2 Physik
9.6.1.3 Philosophie
9.6.1.4 Mathematik
9.7 Faktorenanalyse
9.8 Fehlende Werte
9.8.1 Sympathie
9.8.2 Bewertung der Wissenschaften
9.8.3 Psychologie Profildiagramm
9.9 Definitionsanalyse – offene Frage
9.9.1 Gegenstand
9.9.1.1 Auswertung der Gesamtstichprobe
9.9.1.2 Auswertung der Stichprobe nach Geschlecht
9.9.2 Aufgaben der Psychologie
9.9.2.1 Auswertung der Gesamtstichprobe
9.9.2.2 Auswertung der Stichprobe nach Geschlecht
9.9.3 Sonstiges
9.9.3.1 Auswertung der Stichprobe nach Geschlecht
9.9.3.2 Auswertung der Stichprobe nach Altersklassen
9.9.3.3 Auswertung der Stichprobe nach Bildung
9.9.3.4 Auswertung der Stichprobe nach Interesse
9.10 Zusammenfassung wesentlicher Unterschiede

10 Zusammenfassung und Vergleich der Forschungsergebnisse

11 Persönliche Ideen zur Imageverbesserung

12 Literaturverzeichnis

13 Abbildungsverzeichnis

14 Anhang
14.1 Der Fragebogen
14.2 Berechnungen
14.2.1 Deskriptive Statistik – Wissenschaften im Vergleich
14.2.2 Korrelationen
14.2.3 Faktorenanalyse – Skalen der Wissenschaften
14.2.3.1 Genetik
14.2.3.2 Physik
14.2.3.3 Neurowissenschaften
14.2.3.4 Psychologie
14.2.3.5 Mathematik
14.2.3.6 Philosophie
14.2.3.7 Soziologie
14.2.3.8 Rechtswissenschaften
14.3 Lebenslauf

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit fand ihren Ursprung im Zuge des im Sommersemester 2003 durchgeführten Planungspraktikums bei Dr. Dipl. Ing. Pantelis Christodoulides an der Universität Wien. Zielsetzung meiner Diplomarbeit ist es, Erkenntnisse in Bezug auf den „Ruf der Psychologie und anderen Wissenschaften in Österreich“ zu gewinnen. Es soll die Stellung der Wissenschaft Psychologie im Feld weiterer Natur- Geistes- und Sozialwissenschaften untersucht werden. Dabei habe ich es mir zum Ziel gemacht, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Einstellung der Österreicher den einzelnen Wissenschaften gegenüber herauszuarbeiten –in der Hoffnung, Anregungen zu finden, mittels derer allfällige Missstände im Image der psychologischen Wissenschaft bereinigt werden können.

Im ersten Teil dieser Arbeit (theoretischer Teil) wird ein Überblick dargeboten, der sowohl als begriffliche als auch inhaltliche Grundlage für den zweiten (praktischen) Teil und der Beantwortung der Forschungsfrage dienen soll.

Der Aufbau der vorliegenden Diplomarbeit lässt sich in der Folge wie folgt beschreiben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufbau der Diplomarbeit

Im theoretischen Teil werden der Begriff der Wissenschaft, eine Unterscheidung unterschiedlicher Wissenschaften sowie die Wissenschaft „Psychologie“ auf der einen Seite dargestellt. Auf der anderen Seite die Begriffe Image, Einstellung und Ruf und daraus abgeleitet der Ruf der Psychologie aus zahlreichen Studien erhoben.

Der praktische Teil liefert nach einer Erhebung ebenfalls den Ruf der Psychologie, der mit dem der Literatur verglichen werden soll.

2 Der Wissenschaftsbegriff

2.1 Definition

Bevor die wissenschaftliche Stellung der Psychologie behandelt werden kann, stellt sich die Frage, was der Begriff „ Wissenschaft “ bedeutet, wofür Wissenschaft im Allgemeinen steht. Zur Beantwortung dieser Frage soll auf Theimer zurückgegriffen werden (Theimer, 1985).

Das Wort „Wissenschaft“ steht in engem Zusammenhang mit dem Begriff „Wissen“ bzw. enthält diesen. Wissen steht für jegliche Art von „Haben“, das nicht von unmittelbar materiellem Charakter ist. Man unterscheidet zwischen praktischem Alltagswissen, emotionaler Gefühlsgewissheit und theoretischem, eigentlichem Wissen. Der Begriff der Wissenschaft baut auf dem des Wissens auf.

Wissenschaft beschäftigt sich mit Wissen - die grundlegenden Kriterien der Wissenschaft dabei sind Systematik und Methodik. Die Wissenschaft sammelt Tatsachen und organisiert sie zu Systemen, dabei folgt sie anerkannten methodischen Regeln. Die Einhaltung dieser Regeln unterscheidet die wissenschaftliche Aussage von der unwissenschaftlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Verbindung Wissenschaft - Wissen

Unwissenschaftlichkeit bedeutet, dass die Regeln der Wissenschaftlichkeit nicht eingehalten werden während es sich bei der Nichtwissenschaft um all das handelt, was außerhalb des Wissenschaftsbereichs liegt.

Etwas aktueller (wenn auch dadurch nicht „besser“ sondern schlichtweg „anders“) die Definition des Brockhaus (Brockhaus, 1999): Wissenschaft ist das System des durch Forschung, Lehre und überlieferte Literatur gebildeten, geordneten und begründeten Wissens einer Zeit.

Wissenschaft nach Falkenburg zielt auf Modelle ab (Falkenburg, 1997). Sie versucht, einen bestimmten Ausschnitt der Welt zu erfassen und diesen in gewissem Maße zu gestalten. Aufgrund der angestrebten (und auch zugrunde gelegten) Modellbildung werden Wissenschaften geeint, unterscheiden sich aber gleichzeitig auch in der Art des Modells, in der Art des Teils der Welt, den sie betrachten und zu einem anderen in Beziehung setzen, voneinander.

Anhand dieser drei Definitionen konnte ein kurzer Überblick über das gegeben werden, was wir heute unter Wissenschaft verstehen.

2.2 Entstehung von Wissen

Wissenschaft entsteht indem sie Wissen „kreiert“. Diese Entstehung von Wissen folgt bestimmten Regeln (Theimer, 1985):

- Es soll ausreichendes Tatsachenmaterial gesammelt werden ohne eine einseitige Vorauswahl zu treffen. Damit verbunden stehen die Ansprüche auf Sachlichkeit, Objektivität, sowie auf Freiheit von Emotionen und Vorurteilen, die an eine Wissenschaft gestellt werden.
- Wissenschaft muss eine Unterscheidung zwischen Daten und Datenverarbeitung (Tatsachen und deren Deutung) erlauben und berücksichtigen. Deutung, welche der Datensammlung angeschlossen ist, führt zur Bildung von Theorien und Hypothesen.
- Wissenschaft muss sich stets von Spekulation abgrenzen, eine klare Trennung zwischen Wissenschaft und ideologischem Glauben muss erfolgen. Dieser Umstand stellt eine Grundvoraussetzung für die Objektivität der Beobachtung dar.
- Wissenschaft ruht auf der Logik. Aussagen müssen logisch miteinander verbunden sein, dürfen einander nicht widersprechen. Aussagen und Gesetze müssen dem Prinzip der Eindeutigkeit genügen.
- Wissenschaft darf nicht dogmatisch sein. Sie muss stets in der Lage sein, Aussagen zu revidieren, auf Kritik eine sachliche Antwort zu finden denn letztlich ist Kritik eine Möglichkeit zu Fortschritt und Weiterentwicklung – Kriterien denen Wissenschaft Folge leisten muss.

Trotz einheitlicher Kriterien unterscheiden sich Wissenschaften auf verschiedene Arten und Weisen – dies soll im nachfolgenden Kapitel deutlich gemacht werden.

2.3 Anfängliche Unterscheidung der Wissenschaften

Bis ins 18. Jahrhundert wurde kaum eine Unterscheidung in den Wissenschaften getroffen- erst danach erfolgte eine Einteilung der Wissenschaft nach verschiedenen Gesichtspunkten (Brockhaus, 1999).

Entsprechend dem Ziel, welches die Wissenschaft verfolgt, ist die betreffende Wissenschaft entweder zu den theoretischen oder den angewandten Wissenschaften zu zählen.

Dem Gegenstand nach, mit dem sich die betreffende Wissenschaft beschäftigt, wird am häufigsten zwischen Naturwissenschaften und Geistes- und Sozialwissenschaften unterschieden.

Abhängig von der Methode, mittels derer die jeweilige Wissenschaft ihre Erkenntnisse gewinnt, findet sich die Dreiteilung zwischen empirischer / Erfahrungswissenschaft (Erkenntnisgewinnung ist durch planmäßige Beobachtung, Hypothesenbildung und Experiment gekennzeichnet), axiomatischer / rationaler Wissenschaft (z.B. Mathematik, Logik) und Geisteswissenschaft (Erkenntnisgewinnung erfolgt mittels der Deutung individueller Phänomene, Bedeutungszuweisung und Sinnverstehen).

Fraglich ist, ob die Wissenschaften tatsächlich so klar voneinander zu trennen sind oder ob nicht vielmehr jede Wissenschaft sowohl der Grundlagen als auch der angewandten Forschung dienen muss und auch tut.

Des Weiteren ist nicht genau geklärt, ob einzelne Wissenschaften nicht viel eher auch einzelne Methoden der Erkenntnisgewinnung benötigen und damit die Wissenschaft an sich auch die Methode der Erkenntnis bedingt.

Im Folgenden soll auf die wesentlichste und auch gängigste Unterscheidung zwischen Wissenschaften aufgebaut werden: auf die Unterscheidung zwischen Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften.

2.4 Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften

2.4.1 Naturwissenschaften

„Naturwissenschaft“ ist der Oberbegriff für die empirischen Wissenschaften, die sich mit der systematischen Erforschung der Natur und dem Erkennen der Naturgesetze befassen. (Brockhaus, 1999)

Die Naturwissenschaften werden entsprechend der belebten und der unbelebten Natur in die exakten Naturwissenschaften

- Physik
- Chemie
- Geologie
- Mathematik, etc.

und die biologischen Naturwissenschaften

- Biologie
- Genetik
- Neurowissenschaft, etc.

eingeteilt.

Die Aufgabe der Naturwissenschaften besteht einerseits darin, die Vorgänge in der Natur mittels geeigneter Experimente zu ergründen bzw. mithilfe naturwissenschaftlicher Theorien zu beschreiben und andererseits darin, diese Erkenntnisse im Rahmen der angewandten Naturwissenschaften dem Menschen allgemein nutzbar zu machen. Die Naturwissenschaften zählen zu den nomoethischen Wissenschaften da sie auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten gerichtet sind.

Nach Wohlgenannt ist das Ziel der Naturwissenschaft, die Erkenntnis der äußeren Wirklichkeit, wobei das, was als Natur gilt, ebenfalls von unserer Einstellung abhängig ist (Wohlgenannt, 1969).

2.4.2 Geisteswissenschaften

Unter Geisteswissenschaften werden jene Wissenschaften verstanden, die die Ordnungen des Lebens in Staat, Gesellschaft, Recht, Sitte und Erziehung zum Inhalt haben. (Brockhaus, 1999).

Als idiographische Wissenschaften sind die Geisteswissenschaften auf das einmalige Ereignis gerichtet.

Die Geisteswissenschaften sind nach Wohlgenannt bestrebt, zu einem Zusammenhang von Erkenntnissen oder wahren Aussagen über den menschlichen Geist und dessen Schöpfungen zu kommen (Wohlgenannt, 1969).

2.4.3 Sozialwissenschaften

Die Sozialwissenschaften umfassen die Gesamtheit der Wissenschaften, die das Verhältnis von Mensch und Gesellschaft zum Gegenstand ihrer Untersuchungen haben (Brockhaus, 1999).

Die Sozialwissenschaften stehen im Gegensatz zu den Naturwissenschaften. Die Abgrenzung gegenüber den Geisteswissenschaften ist bislang verschwommen, sodass sich unter den Sozialwissenschaften ganz oder teilweise folgende Wissenschaften zusammenfassen lassen:

- Soziologie
- Politikwissenschaft
- Anthropologie
- Geschichte
- Psychologie
- Philosophie
- Sprachwissenschaft
- Rechtswissenschaft
- Wirtschaftswissenschaft

Die Aufgabe der Sozialwissenschaft ist nach Wohlgenannt, Wissen über den Menschen und die Gesellschaft zu erlangen (Wohlgenannt, 1969).

Als Überblick über Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften dient folgende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Gegenüberstellung der Wissenschaften I

2.5 Zusammenführung

Aufgrund der teilweise schwierigen Unterscheidung zwischen Sozial- und Geisteswissenschaften werden diese im Folgenden zusammengefasst und den Naturwissenschaften gegenüber gestellt.

Zwischen den Naturwissenschaften einerseits und den Geistes- und Sozialwissenschaften andererseits findet sich ein Unterschied im allgemeinen Theorien- und Methodenpluralismus, den die Naturwissenschaften - im Gegensatz zu anderen beiden - nicht kennen (Theimer, 1985).

Vergleicht man die Wissenschaften miteinander, so hat es die Naturwissenschaft mit verhältnismäßig einfachen Vorgängen zu tun. Sie bildet rationale Systeme mittels rationaler Gesetze ab. Die Theorien beruhen meist auf Experiment und Beobachtung. Für die Planung eines Experiments existieren genaue Regeln, die Ergebnisse finden im Regelfall hohe und breit gestreute Anerkennung. Die Zahl der Variablen ist in den Naturwissenschaften begrenzt – mit der Zahl der beteiligten Faktoren wachsen die Möglichkeit der Kombination und die Schwierigkeit, sie voneinander zu unterscheiden.

Dilthey (1833-1911) meinte: „Die Naturvorgänge erklären wir, indem wir sie auf einfache Gesetze zurückführen. Die Kulturvorgänge verstehen wir, indem wir ihren Sinngehalt erfassen.“ (Theimer, 1985).

Die für die weitere Arbeit bedeutendsten Unterschiede in den Wissenschaften werden nachfolgend dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Gegenüberstellung der Wissenschaften II

Im Alltag wird man oft mit Skepsis den Geistes- und Sozialwissenschaften gegenüber konfrontiert. Diese Skepsis bezieht sich auf Methoden, Zugang und Erkenntnisgewinnung dieser Wissenschaften. Naturwissenschaften gegenüber hingegen ist man positiver eingestellt – so scheint es zumindest, wenn man sich von Erfahrungen des Alltags leiten lässt.

Tatsächlich ist der Zugang der Geistes- und Sozialwissenschaften im Vergleich zu denen der Naturwissenschaften ein anderer. Während erstere Einzelfälle und Individuen beobachten um letztlich auf größere Zusammenhänge zu schließen, erfolgt Theoriebildung bei den Naturwissenschaften auf genau umgekehrtem Weg. Hierbei werden Gesamtzusammenhänge gesehen, erfasst und anhand derer das Einzelne erklärt.

Schenkt man gängigen Kommentaren und Alltagsmeinungen Glauben, so dürfte letztere Methode, letzterer Zugang mehr Vertrauen einflößen. Es scheint zuverlässiger zu sein, einzelne Phänomene zu erklären indem man eine große Zahl an Fällen im Hintergrund als Dokumentationsmaterial aufweisen kann als an einzelnen Fällen eine ganze Theorie aufzumachen.

Objektiv betrachtet sind dieser Betrachtungsunterschied und eine mit diesem verbundene Wertung jedoch höchst unwissenschaftlich und in keiner Art und Weise haltbar. Tatsächlich ist der Weg, den die unterschiedlichen Wissenschaftsrichtungen gehen nicht so verschieden wie auf erstem Wege vermutet.

Sowohl Geistes- und Sozialwissenschaften als auch Naturwissenschaften bilden Theorien – Theorien die das Ziel jeglicher Wissenschaft darstellen und damit am Ende eines Wissenschaftsprozesses stehen. Alle zwei / drei Wissenschaftsrichtungen gelangen zu diesen Theorien über Hypothesen, die sie überprüfen und bei allen zwei / drei Wissenschaftsrichtungen muss man sich der Tatsache bewusst sein, dass die erlangten Theorien nur Wahrscheinlichkeiten darstellen und jederzeit falsifiziert werden können wenn auch die Wahrscheinlichkeit der Falsifizierung mit der Zahl der überprüften -und die Theorie bestätigenden- Fälle immer geringer wird. Die Methoden zur Überprüfung der Theorien können vielfältig sein. Sie reichen von statistischen und mathematischen Auswertungen bis hin zu qualitativen Methoden.

Man sieht also, der Weg zur Erkenntnis ist in den verschiedenen Wissenschaften nicht so verschieden wie vermutet- die Frage ist nur, ob wir Theorien, die auf der Beobachtung von (zahlreichen) Einzelfällen gewonnen wurden oder welchen, die auf der Beobachtung eines Gesamten gewonnen wurden, mehr Glauben schenken wollen bzw. wie wir die den einzelnen Wissenschaften entsprungenen Theorien bewerten.

Was verbinden wir mit Wissenschaften, die vom Besonderen auf das Allgemeine schließen und welche Assoziationen erzeugen Wissenschaften in uns, die mithilfe des Allgemeinen das Besondere zu erklären versuchen?

Mit diesem Kurzüberblick soll im folgenden Kapitel das Hauptaugenmerk auf die Wissenschaft Psychologie und deren Ruf gelegt werden.

3 Wissenschaft Psychologie

3.1 Definition

Unter der Wissenschaft Psychologie versteht man die Wissenschaft, die sich mit den Formen und Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Erlebens und Verhaltens beschäftigt. (Brockhaus, 1999)

Nach Zimbardo sind Verhalten, Erleben und Bewusstsein des Menschen, deren Entwicklung über die Lebensspanne und deren innere und äußere Bedingungen und Ursachen Gegenstand der Psychologie (Zimbardo & Gerrig, 1999).

Rohracher definiert Psychologie als die Wissenschaft, welche die bewussten Vorgänge und Zustände, deren Wirkungen und Ursachen untersucht (Rohracher, 1988).

Dörner & Selg erklären, dass alles zum Gegenstand der Psychologie werden kann, was erlebbar ist und / oder sich im Verhalten äußert (Dörner & Selg, 1996). Ihnen ist dies aber als Definition nicht genug. Die Psychologie wird in der Folge als die Wissenschaft von den offenen oder variablen Regulationen betrachtet. Unter einer offenen Regulation verstehen sie eine Steuerung, die in ihrer Form nicht genau festgelegt ist. Während bei niederen Lebewesen eben diese Mechanismen durch fixe „Programme“ gesteuert werden und ablaufen, ist der Mensch variabler in der Steuerung seiner Prozesse.

Was Psychologie ist, weiß man allenfalls, wenn man alle ihre Bereiche kennen gelernt hat; aber dann lässt es sich nicht mehr knapp sagen.“

Alleine dieser Auszug aus Definitionen zeigt, dass die Psychologie ein weites Feld ist – ein Feld, das aber schon in den Gegenständen, die die Wissenschaft untersucht, als abstrakter als das anderer Wissenschaften (vor allen Dingen das einzelner Naturwissenschaften) erscheint. Mitunter mag dies ein Grund für die Kritik sein, die der Wissenschaft Psychologie immer wieder entgegen gebracht wird.

3.2 Aufgaben der Psychologie

Entsprechend dem Feld, das die Psychologie umfasst, sind auch ihre Aufgaben vielfältig und weit gestreut.

Über die Untersuchungsgegenstandsdefinition gelangt man zu vier Aufgaben der Psychologie (Ulich, 1993; Zimbardo,1996).

- Beschreiben: Die elementarste Aufgabe der Psychologie ist das Sammeln relevanter Daten (Beobachtung). Erfassen, festhalten und registrieren von psychischen Sachverhalten, Zuständen oder Vorgängen sowie das Sammeln von Verhaltensdaten und den Bedingungen, unter denen es auftritt, gehört zum Gegenstand der Beschreibung. Dieser Vorgang erfolgt systematisch und theoriegeleitet. Instrumente sind Kategoriensysteme, Beobachtungsbogen, Fragebogen und Tests.

Die Beobachtung, und in der Folge die Beschreibung von Daten, kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen – bedeutend ist in jedem Fall die Objektivität. Die gewonnen Daten sollen dabei nicht durch Erwartungen des Beobachters verzerrt und beeinflusst werden sondern objektiv Fakten widerspiegeln.

- Erklären: Erklären bedeutet die Frage nach dem Zustandekommen von Zuständen, Merkmalen und Fähigkeiten zu beantworten. Es soll geklärt werden, welche Bedingungen zu welchen Folgen führen. Oft wird die Erklärung durch die untersuchte Verknüpfung von Reiz und Reaktion gefunden.

Probleme dabei bilden angenommene Kausalanalysen (Ursache-, Wirkungszusammenhänge). Dabei besteht die Gefahr des Einflusses von Drittvariablen, die den eigentlichen Zusammenhang ausmachen in der Erklärung jedoch keine Berücksichtigung finden.

- Prognose: Die Frage, die es im Rahmen der Prognose zu beantworten gilt lautet: „Was wird geschehen, wenn….“. Vorhersagen sind Aussagen über die künftige Auftretenswahrscheinlichkeit von Ereignissen bzw. Zusammenhängen.

Voraussetzung zur Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen sind Kenntnis um Ausgangsbedingungen, Zusammenhänge und momentane Gegebenheiten. Die Prognose erlaubt, Verhalten und Veränderung vorherzusagen.

Währenddessen sich die Erklärung auf die Beantwortung der „Warum-Frage“ konzentriert sagt uns die Prognose, was passieren wird. Insofern kann die Prognose als in die Zukunft gerichteter Schritt bezeichnet werden, während die Erklärung Vorgänge in der Vergangenheit untersucht.

- Veränderung: Veränderung wird im Sinne einer eingreifenden Tätigkeit verstanden und kann auf unterschiedliche Arten erfolgen. Die Kontrolle oder Veränderung des Verhaltens schließt ein, Verhalten herbeizuführen, es auszulösen, aufrechtzuerhalten oder zu beenden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Aufgaben der Psychologie

Betrachtet man obige Aufgaben der Psychologie, so stellt sich die Frage, inwiefern diese Aufgaben einzig von der psychologischen Wissenschaft verfolgt und erfüllt werden sollen bzw. in wie weit sie nicht auch für andere Wissenschaften gelten. Immerhin muss jede Wissenschaft Kriterien erfüllen, um dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit gerecht zu werden. Es mag jedoch sein, dass verschiedene Wissenschaften unterschiedliche Schwerpunkte setzen und auch setzen müssen.

Während die Wissenschaft Psychologie darauf abzielt einerseits zu erklären ist es im Rahmen ihrer Tätigkeit andererseits besonders wichtig, Veränderungen im Menschen oder dessen Umfeld zu bewirken. Dies mag einen Unterschied zu z.B. manchen Naturwissenschaften darstellen. Diese setzen aufgrund ihrer Beschaffenheit Schwerpunkte in der Beschreibung und Erklärung bzw. der Vorhersage – weniger aber in der Veränderung.

3.3 Rahmenbedingungen der Wissenschaft am Weg zur Aufgabenerfüllung

Im Rahmen der psychologischen Datenerhebung und Interpretation stehen das Bewahren von Objektivität, Reliabilität und Validität im Mittelpunkt. Objektivität als Nachvollziehbarkeit durch andere Forscher, Reliabilität als Genauigkeit der Messung und Validität als die Gültigkeit, das Vorgegebene tatsächlich zu messen.

Zimbardo sieht Psychologie -unter dem Anwendungsaspekt betrachtet- mit dem Ziel, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern. Sei dies indem sie hilft, von einem Laster fort zu kommen oder aber auch indem sie ihr Wissen zur Verfügung stellt und Erklärungen für Geschehnisse des Alltags bietet (Zimbardo, 1996).

Auf dem Weg zur Zielerreichung der Wissenschaftsziele finden sich Kriterien der Wissenschaftlichkeit, an die sich der Wissenschafter und damit auch „seine“ Wissenschaft halten müssen. Diese können wie folgt zusammengefasst werden (Bourne & Ekstrand, 1992):

- Die untersuchten Sachverhalte müssen tatsächlich vorhanden und beobachtbar sein
- Die aus dem Sachverhalt abgeleiteten Hypothesen müssen überprüfbar und falsifizierbar sein.
- Die Aussagen, die aus dem Sachverhalt getroffen werden, müssen ein weitgehend widerspruchsfreies System bilden
- Das Aussagensystem muss die Möglichkeit zulassen, Verallgemeinerungen daraus zu schließen und nicht nur Einzelfälle zu beschreiben.

Abschließend soll erwähnt werden, dass obige Kriterien der Wissenschaft natürlich für alle Wissenschaften gelten. In Bezug auf die Wissenschaft Psychologie ist es mir jedoch ein Anliegen, sie gesondert zu erwähnen, um im Vorfeld den tatsächlichen Wissenschaftsgehalt der Psychologie (der ihr im Alltag oft abgesprochen wird, Anmerkung) zu unterstreichen.

4 Image und Einstellungen

In einem ersten Schritt wurde in den vergangenen Kapiteln im Allgemeinen dargestellt, wodurch eine Wissenschaft gekennzeichnet ist, und im Speziellen dargelegt, welche Bedeutung diese Kriterien in Bezug auf die Wissenschaft Psychologie haben.

Damit ist ein wesentlicher Grundlagenteil, der auf die Forschungsfrage der vorliegenden Diplomarbeit einwirkt, - zumindest ansatzweise - dargestellt. Der zweite wesentliche Teil umfasst die Themengebiete „Image“ und „Einstellung“.

Im Wesentlichen stellt sich die Frage, nach dem „Was?“ und dem „Wie?“.

Genauer und ausführlicher formuliert lauten die Fragen, die im Folgenden beantwortet werden sollen:

Was sind „Einstellungen“? Was steckt hinter dem Begriff „Image“?

Wie entstehen Einstellungen und wodurch werden bereits gebildete Einstellungen beeinflusst oder verändert?

4.1 Definition

4.1.1 Einstellungen

Laut Herkner ist die Einstellung einer Person zu einem Objekt ihre (subjektive) Bewertung dieses Objekts (Herkner, 2003). Als Einstellungsobjekte können Reize, Verhaltensweisen oder Begriffe und Begriffsysteme gelten. Die Einstellung zu einem Einstellungsobjekt fällt für unterschiedliche Personen unterschiedlich aus. Sie kann negativ, positiv oder neutral sein. Einstellungsobjekte einer Person sind weder isoliert noch von anderen Einstellungsobjekten unabhängig, sondern stehen zum Großteil miteinander in Verbindung (Relationen). Eine positive Relation zwischen Einstellungsobjekten herrscht immer dann vor, wenn diese durch die Relation verbunden werden. Das bedeutet, dass sie gut zueinander passen, das eine ein Teil des anderen ist, dieses bedingt oder von ihm bedungen wird. Negative Relationen hingegen bedeuten, dass die Objekte einander „nicht vertragen“. Sie passen nicht zueinander, schließen sich gegenseitig aus, stehen mit dem anderen in einem Konkurrenzverhältnis, etc.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Einstellungsobjekt und Einstellungskomponenten

In den meisten Fällen interessiert jedoch nicht nur, in welche Richtung die Einstellung / Meinung einer Person einem Einstellungsobjekt gegenüber gefärbt ist, sondern auch, wie stark die Überzeugung, die die Person dem Einstellungsobjekt entgegen bringt, ist (Herkner, 2003).

Um diese Frage beantworten zu können, ist es notwendig, Einstellungen genau messen zu können. In der Psychologie misst man diese über Einstellungsskalen, die zum Beispiel auf Guttmann, Likert oder Thurstone zurückgehen.

Im Rahmen eben dieser Einstellungsskalen werden die Items ( Aussagen) auf formal statistische Kriterien hin überprüft, in der Folge die unbrauchbaren Items ( Aussagen) aus dem Versuchsdesign genommen und mittels der verbleibenden Aussagen eine Einstellungsskala zur Messung der Einstellung zum untersuchten Objekt erstellt. Im Rahmen der Einstellungsmessung ist es notwendig, dass alle Versuchspersonen alle Fragen der Skala beantworten.

Da dieses Verfahren höchst aufwendig ist, ging man in den vergangenen Jahren dazu über, das untersuchte Objekt von den Personen auf einigen Dimensionen, von denen man annimmt, dass sie für die Bewertung des Objekts wesentlich sind, einstufen zu lassen – sozusagen ein verkürztes semantisches Differential zu bilden (Herkner, 2003).

Die Auswahl der einzelnen Items ist mittels dieser Methode oft weder so genau wie in obigen, „traditionellen“ Einstellungsskalen üblich noch Grundvoraussetzung – nichtsdestotrotz sind vergleichende Aussagen zwischen den Befragten als auch zwischen Objekten, die mithilfe derselben Skala gemessen wurden, möglich und nützlich. Die Einstellung der Person zum Einstellungsobjekt ergibt sich aus dem Mittelwert der Bewertungen der einzelnen Items. Zuletzt erwähnte und vereinfachte Form der Einstellungsmessung ist weit ökonomischer da Vorarbeiten entfallen und die Methode immer anwendbar ist.

Aus meinem persönlichen Empfinden heraus gesprochen möchte ich jedoch kritisch anmerken, dass obige (zuletzt genannte) „einfache“ Methode meiner Meinung nach sehr stark vom Wissen der Person abhängt, die die betreffende Skala erstellt. Wählt die Person nicht passende Items und Begrifft aus, kann die Einstellung zum betreffenden Objekt auch nicht einwandfrei gemessen werden. Hingegen zeigen statistische Vortestungen über Alphawerte sehr gut, ob die ausgewählten Items das Einstellungsobjekt beschreiben und messen oder aber ob dies nicht der Fall ist. In der Folge bin ich etwas skeptisch ob die aufwendigere und umfassendere Vorarbeit der traditionellen Einstellungsmethode nicht die vorangegangene Mühe mit ihren Ergebnissen rechtfertigt.

4.1.2 Image

Images sind seit den frühen 50-er Jahren ein wichtiges Konstrukt im Rahmen der Konsumverhaltensforschung (Mayerhofer, 1995). Ursprünglich geht der Begriff des Images auf einen Artikel aus dem Jahre 1955 zurück. Im Rahmen dessen wurde bemerkt, dass Produkte abgesehen von ihrer rein physikalischen Natur auch soziale und psychologische Aspekte aufweisen.

Laut Kotler wird unter Image die Gesamtheit der Meinungen, die eine Person oder eine Gruppe in Bezug auf ein Objekt vertritt, verstanden (Kotler, 1989).

Folgt man dieser Definition so sind die Begriffe „Einstellung eines Menschen zu einem Einstellungsobjekt“ und „Image des Imageträgers beim betreffenden Menschen“ einander gleich zu setzen – wenn gleich es im Laufe der Jahre andererseits auch zahlreiche Autoren gab, die einen Unterschied zwischen Einstellung und Image postulierten. Eine klare Einigung auf Kriterien, die diese Erklärung erlauben, konnte jedoch bislang nicht getroffen werden (Mayerhofer, 1995).

Eine Abgrenzung findet man jedoch zwischen folgenden Begriffen (Merten, 1992):

- Image und Meinung: Image bildet sozusagen den Überbegriff zur Meinung. Viele Meinungen bedingen das Image.
- Image und Ruf: Der Ruf gilt als Vorläufer der Images und signalisiert den Einfluss der Medien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Meinung - Image - Einstellung - Ruf

In Anlehnung an Mayerhofer sollen im Weiteren der Begriff „Image“ und „Einstellung“ in ähnlicher Weise verwendet werden. Als Messmodelle für Einstellungen / Images können freie Assoziationen, Gruppendiskussionen oder Tiefeninterviews genannt werden. Ein klassisches Messinstrument ist das Semantische Differential, welches mithilfe multivariater Analysemethoden die Analyse möglich macht.

4.2 Entstehung und Veränderung von Einstellungen

Die Einstellung zu einem Objekt – i.e. seine Bewertung durch die jeweilige Person – hängt von den Meinungen ab, die mit dem Einstellungsobjekt verbunden sind (Herkner, 2003). In der Folge entsteht eine Einstellung einerseits mit einer Meinung und wird andererseits durch diese verändert.

Eine Einstellung entsteht dadurch, dass Beziehungen zwischen dem Einstellungsobjekt (EO) und einer oder mehreren EOi hergestellt werden – ein Einstellungsobjekt wird aufgrund seiner Komponenten, die es ausmachen und bedingen, bewertet.

Die Änderung einer Einstellung kann wiederum auf zwei Arten erfolgen. Entweder indem neue Informationen aufgenommen werden (ähnlich der Entstehung von Einstellungen) oder aber indem alte Informationen neu bewertet werden.

Unterhält eine Person einem Objekt gegenüber zum Beispiel hauptsächlich positive Meinungen, so ist die Einstellung diesem gegenüber auch positiv gefärbt. Nimmt die Person in weiterer Folge aber Meinungen zu demselben Objekt an, die negativ gefärbt sind, so fällt die Wertung für das Einstellungsobjekt negativer aus als im ersten Fall.

So kann es dazu kommen, dass positive Einstellungen neutral oder im Extremfall sogar sich ins negative drehen.

Für das Beispiel der Wissenschaften und der Einstellung zur Wissenschaft kann dies viel bedeuten.

Einerseits haben Menschen Einstellungen zur Wichtigkeit (Bedeutung) der Wissenschaft im Allgemeinen.

Menschen, die „Wissenschaft“ an sich für wichtig halten werden auch die einzelnen Wissenschaften für bedeutend halten. Im Speziellen kann sich eine solche Meinung bestätigen (in dem man zum Beispiel die Bedeutung der Psychologen in Krisensituationen erkennt und die Wissenschaft Psychologie in der Folge als nützlich bewertet. Nützlichkeit ist in der Regel ein positiv besetzter Begriff, die positive Einstellung zur Wissenschaft Psychologie würde damit für den betreffenden Menschen bestätigt werden).

Andererseits kann dieselbe Kette jedoch auch in die Gegenrichtung wirken indem der Psychologie etwas abgesprochen wird, das man für wichtig und (falls vorhanden) positiv hält oder aber indem man neue Informationen erhält, die der Psychologie als Wissenschaft einen negativen Beigeschmack verleihen.

In dieser Hinsicht mag auch die Unterscheidung zwischen kognitiv und affektiv fundierten Einstellungen bedeutend sein (Wilson, 1989). Denn es bedeutet etwas komplett anderes ob die Einstellung eines Menschen zu einem Objekt auf einem stabilen und differenzierten kognitiven Meinungssystem oder auf Gefühlen beruht.

Während affektiv „fundierte“ Einstellungen veränderbarer und instabiler sind, erweisen sich kognitiv fundierte Einstellungen eher als konstant.

Im ersten Fall wirken Effekte wie der Sättigungs- oder der Deprivationseffekt – abhängig von den Rahmenbedingungen ändern sich auch die affektiv fundierten Einstellungen. Hinzu kommen die beiden Faktoren Homogenität und Komplexität. Ist eine Einstellung komplex (das heißt sie besteht aus vielen Einzelkomponenten) so hat die Veränderung einer dieser Einzelkomponenten eine geringe Wirkung auf die Gesamteinstellung zum Einstellungsobjekt. Selbiges gilt für eine homogene Einstellung (das heißt die Einzelkomponenten sind durchwegs positiv oder negativ definiert) – Situationsfaktoren können die Gesamteinstellung weniger leicht in die eine oder andere Richtung verschieben.

In Bezug auf Einstellungsänderungen können zahlreiche (psychologische) Mechanismen genannt werden – stellvertretend sollen einige aus der langen Liste gegriffen werden (Herkner, 2003):

- Klassisches Konditionieren: Indem ein neutraler Reiz mehrmals gleichzeitig oder in unmittelbarer Nähe zu einem reflexauslösenden Reiz dargeboten wird, werden die anfangs nur vom reflexauslösenden Reiz erzeugten Reaktionen auf den neutralen Reiz übertragen. Tritt also zum Beispiel eine Wissenschaft immerzu mit negativen Begriffen auf (wie gefährlich, unnütz, etc.) so übertragen sich diese Assoziationen nach einiger Zeit auf die vormals neutrale Wissenschaft.
- Beobachtung und Kommunikation: Lernen durch Beobachtung und Kommunikation ist eine gängige Methode. Beobachtet man jemanden, der von einem Einstellungsobjekt spricht, so kann es sein, dass man von Empathie geleitet die Einstellung des anderen annimmt – im Gegenzug kann dieser Mechanismus jedoch auch in die Gegenrichtung stattfinden (von Antipathie geleitet, Anmerkung).

Ausschlaggebend für den Effekt der Einstellungsänderung durch Kommunikation (und wohl auch durch Beobachtung) ist die Bewertung des Senders. Wird dieser positiv bewertet (sei es aus Ähnlichkeit zu einem selbst, aus dem Gedanken der Glaubwürdigkeit oder seiner Macht) ist eine Übernahme seiner Einstellung für den Empfänger wahrscheinlicher als im Fall einer negativen Bewertung. Hinzuzufügen ist diesem Phänomen, dass besonders Einstellungen, die aufgrund eines Senders entstanden sind, der einem ähnlich oder glaubwürdig erscheint, langfristiger und stabiler sind als diejenigen, die aufgrund eines Machtgefühls entstanden sind.

- Generalisation: Wie anfangs schon erwähnt stehen Einstellungen nicht für sich alleine, sondern werden durch andere bedingt und beeinflussen im Gegenzug andere. In Bezug auf Wissenschaft wäre daher eine ähnliche Einstellung einer Person zu Wissenschaften, die einander ähnlich sind, nahe liegend. Im konkreten liegt der Verdacht nahe, dass zum Beispiel einzelne Geisteswissenschaften einander ähnlicher beurteilt werden als eine Geistes- und eine Naturwissenschaft.

Anhand der folgenden Darstellung sollen kognitiv und affektiv fundierte Einstellungen einander gegenüber gestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Kognitiv und Affektiv fundierte Einstellung

5 Ruf der Psychologie

5.1 Grundlegende Bemerkungen

Laut Gastel gilt Wissenschaft im Allgemeinen als ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur (Gastel, 1983).

Das Gallup Institut zeigt in einer Repräsentativstudie aus dem Jahr 1995 auf, dass ein Viertel der österreichischen Bevölkerung großes Interesse an Wissenschaft und deren Bereichen zeigt. Gleichzeitig geben jedoch auch 28% der österreichischen Bevölkerung an, dass in Österreich zu wenig über Wissenschaft berichtet würde. Laut eben dieser Studie gibt es Themen und Wissenschaftsbereiche, die die Österreicher besonders interessieren. Zu diesen zählen Gesundheit, Umwelt, Medizin und Ernährung.

Dieses Bild mag etwas verzerren.

Laut Gastel hängt das Interesse der Bevölkerung für einen bestimmten Wissenschaftsbereich mit dem Informationsgehalt, den sie über die betreffende Wissenschaft besitzt, zusammen (Gastel, 1983).

Die Informationen, die die österreichische Bevölkerung über die Wissenschaft Psychologie haben, scheinen nicht zufriedenstellend zu sein– schenkt man nachfolgendem Zitat (als Vertreter zahlreicher ähnlich lautender Zitate) Bedeutung.

Wood et al. betonen: „However, the public has virtually no understanding of the impact of psychology on their lives.“ (Wood, Jones & Benjamin, 1986).

Dieser Mangel steht in einem starken Zusammenhang mit der Berichterstattung der Medien.

Laut Benjamin (Wood, Jones & Benjamin, 1986) entspricht das von den Medien seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert gezeichnete Bild der Wissenschaft Psychologie nicht dem Idealbild der Wissenschaft. Mitunter wurde zwar verstärkt über psychologische wissenschaftliche Erkenntnisse berichtet – gleichzeitig konnte (entsprechend der Theorie Gastels) ein verstärktes Interesse der Bevölkerung für die Wissenschaft Psychologie wahrgenommen werden. Zugleich wurde der Psychologie durch mediale Berichterstattung aber auch immer wieder „fehlende Problemlösekompetenz“ zugeschrieben (und damit waren ein einerseits abklingendes Interesse aber auch ein negatives Image der Wissenschaft verbunden).

Da diese Einführung in das Interesse für eine Wissenschaft bedeutend ist, soll sie zum Abschluss nachfolgend graphisch erklärt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Modell Gastel, eigene Darstellung

Durch die mediale Berichterstattung erhält die Person Informationen (in diesem speziellen Fall über die Wissenschaft Psychologie). Der Informationsstand beeinflusst wiederum die Aufmerksamkeit, das Interesse für die Wissenschaft. Der Umstand sich für etwas zu interessieren, bewirkt, sich darüber eine Meinung zu bilden. Die Meinung wird demnach einerseits durch das Interesse und die Aufmerksamkeit gegenüber Inhalten, die die Wissenschaft betreffen, andererseits aber auch direkt über die Informationen, die die Person über die Medien erhält, gebildet.

Einen Einfluss auf die Meinung, die im Kopf der betreffenden Person entstanden ist, hat zusätzlich auch die individuelle Vorerfahrung des Menschen. Hat dieser zum Beispiel positive Erfahrung mit der Wissenschaft Psychologie gemacht, wird die Meinung über bzw. das Image der Wissenschaft anders gefärbt sein als im umgekehrten Fall. Der Einfluss der Information, die über die Medien aufgenommen wird, ist sowohl im Fall der positiven als auch der negativen Vorerfahrung geringer als im Fall der fehlenden Vorerfahrung auf dem Gebiet der Wissenschaft.

5.2 Ausgewählte Studien und Umfragen zum Image der Psychologie

Unabhängig von der Erfahrung in persönlichen Gesprächen existieren Quellen, laut derer die Wissenschaft Psychologie sich keineswegs des Rufes einer angesehenen Wissenschaft erfreuen kann.

Laut einer Umfrage der Zeitschrift „Psychologie Heute“ aus dem Jahre 1987 (Psychologie Heute, Juli 1987), an der 1794 Personen teilnahmen, fällt das Bild, das die Öffentlichkeit von der Wissenschaft Psychologie hat, nicht allzu gut aus. Der Fragebogen enthält einen Abschnitt, in dem die Befragten anhand einer 4-stufigen Skala ihre Zustimmung oder Ablehnung zu typischen Klischees kundtun können. An dieser Stelle sollen die am stärksten ausgefallenen Negativurteile ausgeführt werden:

- Die Wissenschaft wird von Menschen betrieben, die mit sich selbst nicht klar kommen (69%)
- Die Psychologie möchte Menschen durchschauen und mit deren Problemen viel Geld verdienen (62%)
- 72% der Befragten wünschen sich mehr Kritik von Seiten der Wissenschaft.

Es wird deutlich, dass sowohl den Psychologen als auch der Wissenschaft Psychologie kritisch – geradezu ablehnend – begegnet wird.

Selbst wenn besagte Zeitschrift nicht unbedingt die Wissenschaftskriterien erfüllt, soll sie in diesem Fall als Orientierung herangezogen werden. Immerhin ist es Ziel der vorliegenden Diplomarbeit, das Bild der Wissenschaft Psychologie in der Bevölkerung zu erheben – und diese ist letztlich auch Zielgruppe der populär wissenschaftlichen Zeitschrift Psychologie heute. Dahinter steht die Annahme, wissenschaftliche Journale werden vom durchschnittlichen Bürger eher selten bis kaum gelesen.

Auch Friedlmayer und Rössler haben Untersuchungen zum Thema Psychologie durchgeführt (Friedlmayer & Rössler, 1995). Als Ergebnis wurde die psychologische Disziplin als eine Wissenschaft mit einer zu engen Sichtweise und dem Behandeln von Problemen, denen eine individuelle Ursache zugrunde liegt, beschrieben. Die Psychologie wird als zu wissenschaftlich und zu weit von der Realität entfernt beschrieben.

Interessant scheinen darauf aufbauende Untersuchungsergebnisse.

Friedlmayer und Rössler haben auf die allgemeinen Vorurteile, die der Wissenschaft Psychologie entgegen gebracht werden, zwei Befragungen durchführen lassen (Friedlmayer & Rössler, 1995). Eine davon im Setting eines Beratungszentrums, bei dem vor dem Erstinterview mit einem Psychologen, Klienten befragt wurden (N = 60) – die zweite von einem Marktforschungsinstitut als repräsentative Zufallsstichprobe (N=300). Im Rahmen der ersten Untersuchung wurde das Vertrauen in die Wissenschaft größer eingestuft als im Zuge der zweiten Untersuchung.

[...]


[1] Die Einordnung der Genetik ist unterschiedlich. Sie dürfte zwischen den Natur- und Geistes- und Sozialwissenschaften stehen.

Details

Seiten
121
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783832494292
ISBN (Buch)
9783838694290
Dateigröße
858 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v224562
Institution / Hochschule
Universität Wien – Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
wissenschaftsvergleich wissenschaftskritik naturwissenschaften geisteswissenschaften sozialwissenschaften imageverbesserung rahmenbedingungen

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Titel: Der Ruf der Psychologie