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Die Bedeutung weicher Standortfaktoren bei Auslandsinvestitionen mit besonderer Berücksichtigung des Fallbeispiels Thailand

Doktorarbeit / Dissertation 2001 358 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

INHALTSÜBERSICHT

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Hinführung und Begründung der Themenwahl
1.2 Ausgangsfragen und Aufbau der Arbeit

2 GRUNDLAGEN UND STAND DER FORSCHUNG
2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Arbeitsdefinition weicher Standortfaktoren
2.1.2 Zum Begriff der Auslandsinvestition
2.1.3 Definition weiterer Begriffe
2.2 Das Forschungsgebiet „weiche Standortfaktoren“
2.2.1 Die Untersuchung von Grabow
2.2.2 Die Untersuchung von Diller
2.2.3 Weitere empirische und theoretische Beiträge
2.3 Ansätze der internationalen Standortwahl
2.3.1 Von der nationalen zur internationalen Standorttheorie
2.3.3 Der Ansatz von Goette
2.3.5 Der Ansatz von Tesch
2.3.6 Der Ansatz von Sabathil
2.4 Zwischenergebnis

3 THESEN, BEZUGSRAHMEN UND METHODIK
3.1 Thesen
3.2 Bezugsrahmen
3.2.1 Zielsysteme und Zielhierarchien
3.2.2 Unternehmensbezogene Oberziele der Auslandsinvestition
3.2.2.1 Gewinn, Unternehmenssicherung und Unternehmenswachstum
3.2.2.2 Alternative Oberziele
3.2.3 Unternehmensbezogene Bereichsziele der Auslandsinvestition
3.2.3.1 Absatzmarktorientierte Ziele
3.2.3.2 Produktionsorientierte Ziele
3.2.3.3 Beschaffungsorientierte Ziele
3.2.3.4 Finanzwirtschaftliche Ziele
3.2.4 Personenbezogene Ziele der Auslandsinvestition
3.2.5 Zusammenhang zwischen Zielen und Standortfaktoren
3.2.6 Zusammenhang zwischen harten und weichen Standortfaktoren
3.2.7 Zusammenspiel von Zielen, Alternativen und Umwelteinflüssen
3.2.8 Entscheidungsprozesse
3.3 Forschungskonzeption und -methodik

4 EINFLUSS DER STANDORTBEDINGUNGEN AUF DIE STANDORTFAKTOREN
4.1 Systematik der Standortbedingungen
4.2 Wirtschaftliche Standortbedingungen
4.2.1 Allgemeine Wirtschaftsentwicklung
4.2.2 Absatzmarkt
4.2.3 Arbeitsmarkt
4.2.4 Infrastruktur
4.1.5 Bedeutung als Standortfaktor
4.3 Politisch-rechtliche Standortbedingungen
4.3.1 Politische Grundordnung und Rechtssystem
4.3.2 Steuer- und Devisenrecht sowie gewerblicher Rechtschutz
4.3.3 Rechte ausländischer Investoren
4.3.4 Investitionsanreize
4.2.5 Bedeutung als Standortfaktor
4.4 Natürlich-geographische Standortbedingungen
4.4.1 Geographische Daten
4.4.2 Klima
4.4.3 Flora und Fauna
4.3.4 Bedeutung als Standortfaktor
4.5 Geschichtliche Standortbedingungen
4.5.1 Historischer Überblick
4.5.2 Politische Geschichte
4.5.3 Monarchie und Königshaus
4.5.4 Nationale Identität
4.5.5 Bedeutung als Standortfaktor
4.6 Soziokulturelle Standortbedingungen
4.6.1 Sprache
4.6.1.1 Die thailändische Sprache
4.6.1.2 Fremdsprachendichte
4.6.1.3 Bedeutung als Standortfaktor
4.6.2 Religion
4.6.2.1 Grundlagen des Buddhismus
4.6.2.2 Der Buddhismus in Thailand
4.6.2.3 Bedeutung als Standortfaktor
4.6.3 Soziokulturelles Umfeld
4.6.3.1 Gesicht und Harmonie
4.6.3.2 Hierarchie und Status
4.6.3.3 Zeitverständnis
4.6.3.4 Nonverbale Kommunikation
4.6.3.5 Soziokulturelles Umfeld als Ganzes
4.6.3.6 Bedeutung als Standortfaktor
4.7 Zwischenergebnis

5 EINFLUSS DES EntscheidungsprozeSSES AUF DIE STANDORTFAKTOREN
5.1 Phasenmodelle der Standortwahl
5.2 Impuls zur Auslandsinvestition
5.2.1 Bedeutung des Impulses
5.2.2 Herkunft des Impulses
5.2.3 Einfluß bisheriger Auslandserfahrungen
5.2.4 Bedeutung weicher Faktoren
5.3 Konzeptphase
5.3.1 Die Standortwahl als Teil der Gesamtstrategie
5.3.2 Die Form der Auslandsinvestition
5.3.2.1 Tiefekriterium
5.3.2.2 Einflußkriterium
5.3.2.3 Bestandskriterium
5.3.3 Bedeutung weicher Faktoren
5.4 Ländervorauswahl
5.4.1 Eingrenzung des Suchraumes
5.4.2 K.O.-Faktoren
5.4.3 Bedeutung weicher Faktoren
5.5 Grob- und Feinanalyse
5.5.1 Untersuchungskriterien
5.5.2 Informationen
5.5.3 Analytische Bewertungsverfahren
5.5.4 Bedeutung weicher Faktoren
5.6 Entscheidung
5.6.1 Organisation der Entscheidung
5.6.2 Entscheidungsfindung
5.6.3 Umwelteinflüsse
5.6.4 Standortbezogene Einflüsse
5.6.5 Subjektive Einflüsse
5.6.6 Bedeutung weicher Faktoren
5.7 Implementation
5.7.1 Realisation der Standortentscheidung
5.7.2 Bedeutung weicher Faktoren
5.8 Zwischenergebnis

6 SYSTEMATIK WEICHER STANDORTFAKTOREN
6.1 Reduktion auf Metafaktoren
6.2 Investitionsklima
6.3 Arbeits- und Geschäftskultur
6.4 Lebensqualität
6.5 Image
6.6 Persönliche Präferenzen
6.7 Zwischenergebnis

7 DISKUSSION DER ERGEBNISSE UND KRITISCHE WÜRDIGUNG

8 ZUSAMMENFASSUNG

Anhang
A Liste der Interviews
B Statistiken und Ländervergleiche
B.1 Wirtschaftsindikatoren ausgewählter asiatischer Länder
B.2 Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Südostasien und weltweit
B.3 Regionalstruktur der deutschen Direktinvestitionen im Ausland 1982-1997
B.4 Kenngrößen der deutschen Unternehmen in Thailand
B.5 Investitionsbedingungen ausgewählter ASEAN-Länder im Vergleich

LITERATURVERZEICHNIS

„Die Zeit des Daseins ist uns bestimmt, seinen Ort zu wählen aber sind wir weithin frei. Den rechten Stand­ort finden, gehört mit zu einem gelungenen Leben, - aber auch mit zu einer geglückten Unternehmung.“

August Lösch

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Begriffspaare von Stand­ortfaktoren

Tabelle 2: Stand­ortfaktoren nach Grabow im Überblick

Tabelle 3: Relevanz einiger weicher Faktoren nach Stufen der Stand­ortwahl

Tabelle 4: Merkmale der weichen, harten und unsicheren Faktoren

Tabelle 5: Ziele für die Vornahme von Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen

Tabelle 6: Vergleich verschiedener Gliederungsansätze für die Stand­ortbedingungen

Tabelle 7: Wirtschaftliche Prognose für Thailand

Tabelle 8: Nettozuflüsse von Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen nach Thailand

Tabelle 9: Einkommenswachstum in Asien 1965-1990

Tabelle 10: Thailändischer Außenhandel nach Ländern

Tabelle 11: Thailändische Durchschnittslöhne

Tabelle 12: Wirtschaftliche Stand­ortbedingungen als Stand­ortfaktor

Tabelle 13: Investitionsbedingungen ausgewählter ASEAN- Staaten im Vergleich Seite 144f.

Tabelle 14: Politisch-rechtliche Stand­ortbedingungen als Stand­ortfaktor

Tabelle 15: Natürlich-geographische Stand­ortbedingungen als Stand­ortfaktor

Tabelle 16: Geschichtliche Stand­ortbedingungen als Stand­ortfaktor

Tabelle 17: Sprache als Stand­ortfaktor

Tabelle 18: Religion als Stand­ortfaktor

Tabelle 19: Soziokulturelles Umfeld als Stand­ortfaktor

Tabelle 20: Verschiedene Phasenmodelle des Stand­ortent- scheidungsprozesses

Tabelle 21: Bedeutung weicher Stand­ortfaktoren in der Impulsphase

Tabelle 22: Dimensionen von Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen

Tabelle 23: Bedeutung weicher Stand­ortfaktoren in der Konzeptphase

Tabelle 24: Bedeutung weicher Stand­ortfaktoren in der Phase der Ländervorauswahl

Tabelle 25: Kriterienraster für die Makroanalyse im Rahmen der Stand­ortwahl

Tabelle 26: Bedeutung weicher Stand­ortfaktoren in der Phase der Grob- und Feinanalyse

Tabelle 27: Bedeutung weicher Stand­ortfaktoren in der Entscheidungsphase

Tabelle 28: Bedeutung weicher Stand­ortfaktoren in der Implementationsphase

Tabelle 29: Die gebildeten Metafaktoren und die subsumierten Einzelfaktoren Seite 269f.

Tabelle 30: Kennzahlen zur Lebensqualität in Thailand

Tabelle 31: Tourismus in Thailand: Einreisestatistik nach Ländern 1998

Tabelle 32: Charakteristik der weichen Stand­ortfaktoren Thailands

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wachstumsaussichten und Länderrisiken

Abbildung 2: Problemfenster der vorliegenden Arbeit

Abbildung 3: Weiche Stand­ortfaktoren und angrenzende Begriffe

Abbildung 4: Bedeutung weicher Stand­ortfaktoren in unterschiedlichen Phasen

Abbildung 5: Gewicht harter und weicher Faktoren nach Grabow

Abbildung 6: Stand­ortfaktoren-Rangplätze im produzierenden Gewerbe nach Diller

Abbildung 7: Nationale und regional-lokale Komponenten von Standortbedingungen im Modell von Tesch

Abbildung 8: Zielbeziehungen bei Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen

Abbildung 9: Hierarchische Zielstrukturierung zur Ermittlung eines operationalen Zielkatalogs

Abbildung 10: Das Zielsystem bei Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen

Abbildung 11: Kontinuum der harten und weichen Stand­ortfaktoren

Abbildung 12: Gegenseitige Beeinflussung der Teilmodelle des Entscheidungsproblems

Abbildung 13: Trichtermodell der Stand­ortentscheidung

Abbildung 14: Thailand im Mittelpunkt der ASEAN-Region

Abbildung 15: Polarisierung der Häufigkeitsverteilung weicher und harter Stand­ortfaktoren

Abbildung 16: Einfluß unterschiedlicher Unter­neh­mens- organisationen auf die Stand­ortentscheidung

Abbildung 17: Einfluß weicher Stand­ortfaktoren im Entschei- dungsprozeß

Abbildung 18: Komponenten des Investitionsklimas

Abbildung 19: Kurve der kulturellen Anpassung

Abbildung 20: Spektrum der Haltungen gegenüber persönlichen Präferenzen und ihrer Entscheidungsrelevanz

Abbildung 21: Der Beitrag harter und weicher Stand­ortfaktoren zur Zielerreichung der Auslandsinvestition

1 Einleitung

„Investieren im Ausland ist wirtschaftlicher und sozialer Prozeß zugleich.“[1]

1.1 Hinführung und Begründung der Themenwahl

Die Internationalisierung des Geschäfts ist ein langfristiger, dynamischer Prozeß, der für Unter­neh­men mit erfolgreichen Produkten nicht aufzuhalten ist.[2] Seit den siebziger Jahren sind internationale Investitionen immer mehr als Alter­native zum Handel in Erscheinung getreten.[3] Nach den USA und Groß­britannien ist Deutsch­land noch vor Japan und Frankreich der weltweit dritt­größte Auslandsinvestor.[4] Mit rund 58 Mrd. DM im Jahre 1997 haben sich die deutschen Direktinvesti­tionen im Ausland innerhalb von zehn Jahren fast ver­drei­facht.[5] Gemäß einer Umfrage des DIHT planten 1993 rund 30% aller west­deutschen Industrieunter­neh­men eine Verlagerung von Produktionsstätten ins Aus­land.[6] Die gestiegene Bedeutung der Globalisierung für die Geschäfts­tätigkeit zeigt sich aber nicht nur in der Praxis, sondern auch in der ein­schlägi­gen Literatur. Als Folge der Aus­landstätigkeit von Großunter­neh­men kam es regelrecht zu einem Wandel der betriebswirtschaftlichen Probleme.[7]

Aus der Internationalisierung ergeben sich für das Management neue Probleme und Heraus­forderungen, mit denen sich rein national agierende Firmen nicht konfron­tiert sehen.[8] Die Vielzahl fremdartiger Kulturen und die unter­schied­lichen natürlichen, ökonomischen, politischen und rechtlichen Umwelten erhö­hen die Komplexität unternehmerischer Aktivitäten. Soziokulturelle Rahmen­be­dingungen wie Sprachbarrieren, Fremdenfeindlichkeit, Tradition und Ge­schich­te, Religionen und deren Einfluß auf das Arbeitsverhalten sowie das Verhält­nis zu Geld, soziale Bindungen, Arbeitsmoral, Korruptionsverbreitung und Zah­lungs­sitten stellen weiche Stand­ortfaktoren dar, die zu berücksichtigen sind. Eine Auslands­investi­tion birgt neben vielen Chancen auch zahlreiche Risiken.[9] So kann eine falsche Stand­ortwahl, insbesondere bei kleinen Firmen, die zukünftige Unter­neh­mensent­wicklung beeinflussen.[10] Deshalb kommt gerade dem Entscheidungsprozeß bei Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen eine strategisch wichtige Rolle zu. Dabei sind jedoch nicht nur quantitative, sondern auch zahlreiche quali­tative Faktoren zu berück­sichti­gen.[11] Es ist betriebswirtschaftlicher Diskus­sions­stand, daß Firmen ganz allgemein in zunehmenden Maße mit weichen Daten umgehen müssen.[12] Immer häufiger werden in letzter Zeit auch die außer­gewöhn­lichen Bedingungen, unter denen Auslands­engagements stattfinden, erkannt.[13] Der Begriff der „weichen Stand­ort­faktoren“ verkörpert „schillernde Inhalte, über deren Kern es allenfalls still­schwei­gende Vereinbarungen gibt“.[14] Weiche Faktoren erklären, „warum Stand­ort­entscheidungen wider Erwarten anders ausfallen, als angenommen, also doch nicht allein auf der Grundlage von traditionellen ‚harten‘ Faktoren“.[15]

Nicht nur Berichte in der Fachpresse, sondern auch vereinzelte wissen­schaft­liche Fallstudien[16] deuten an, daß Investitionen meist unzureichend in die lang­fris­tige, strategische Unter­neh­mens­planung integriert sind. Unsystematisch ver­laufen­de Entscheidungsprozesse sind durchaus anzutreffen. Investi­tions­rech­nun­gen werden entweder erst gar nicht vorgenommen oder die Ergebnisse werden nicht beachtet. Intuition und die Initiative einzelner Führungskräfte stellen oft die Basis der Auslandsinvestitionsentscheidung dar. Trotzdem wird dieses Phänomen[17] in der Literatur zur internationalen Unter­neh­menstätigkeit so gut wie gar nicht berück­sichtigt. Hypothesen über die Auswirkungen nicht „lehr­buch­gemäßer“ Entschei­dungsverläufe auf den Erfolg der Inter­natio­nali­sie­rung liegen nicht vor.[18] Es wird in der Literatur akzeptiert, daß allgemeine wirt­schaft­liche Bedingungen auf das geschäftliche Verhalten einwirken. Den Autoren ist jedoch viel weniger bewußt, daß auch soziale Einflüsse von Bedeu­tung sind.[19] Kompensationsmöglichkeiten zwischen positiven und negativen Fak­toren eines Stand­ortes, persönliche Präfe­renzen[20] und das Risikoverhalten wurden bisher nicht untersucht.[21] Nur wenige Autoren stehen der klassischen Auf­fassung bezüglich des Entscheidungsverlaufs bei Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen kritisch gegenüber.[22] Dabei ist die Problematik seit langem bekannt.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Asien hat in den neunziger Jahren stark von ausländischen Investitionen profitiert. Die Region wird als „power-house“ und „Wachstumsmotor“ der Welt­wirtschaft bezeichnet (vgl. Abbildung 1).[24] Auch die deutschen Unter­neh­men wollen ihre Präsenz auf diesen Märkten verstärken.[25] Aufgrund der deut­lichen kulturellen Distanz zu westlichen Ländern ist gerade Südostasien ein Muster­beispiel für die Erklärung weicher Faktoren.[26] Insbesondere am Beispiel Thailands, das in der Region mit den anderen Tigerstaaten[27] um die Gunst aus­län­discher Investoren wirbt, lassen sich besondere Bestimmungsgründe der Stand­ort­wahl zeigen. Zwischen den ASEAN[28] -Ländern bestehen dabei größere Unter­schiede bezüglich der politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmen­bedingungen als angesichts der oft pauschalen Betrachtung der Region zu vermuten wäre.[29] Eine Rangfolge der Länder bezüglich der Beliebtheit als In­ves­titionsstandort kann nicht aufgestellt werden, da die Unter­neh­men den ver­schie­denen Stand­ortfaktoren eine unterschiedliche Bedeutung beimessen. Thailand wird in der vorliegenden Arbeit hauptsächlich Malaysia, Indonesien und den Philippinen gegenübergestellt, die von ihrem Entwicklungsstand her als alter­native Stand­orte für ausländische Firmen anzusehen sind.[30] Die thai­län­dische Investitionsförderbehörde, das Board of Investment (BoI), selbst sieht Malaysia als den stärkste Konkurrent im Wettbe­werb um ausländische Unter­neh­men, gefolgt von Indonesien und den Philippi­nen.[31]

Die vorliegende Dissertation entstand vor dem Hintergrund der Asienkrise, die Mitte 1997 in Thailand begann und sich danach auf den gesamten Kontinent aus­breitete. Ihre Folgen waren auch im Jahr 2001 noch zu spüren. Hierdurch wurden die Rahmenbedingungen für Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen deutlich verändert. Bezüg­lich des Engagements deutscher Firmen in der Region lassen sich zwei Ten­denzen erkennen. Zum einen ein gestiegenes Interesse, daß sich auf die „Gunst der Stunde“ mit vorteilhaften Währungsparitäten und mehr Zugeständ­nissen an ausländische Unter­neh­men zurückführen läßt.[32] Zum anderen eine Stra­tegie des Abwartens und Zurückstellens bereits geplanter Projekte. Gerade die weichen Faktoren sind angesichts dieser Entwicklungen noch bedeutender gewor­den als zuvor.[33] Dies zeigt sich unter anderem an der Veränderung der relativen Stand­ortqualitäten im Bereich der ASEAN. War Indonesien aufgrund des größten Marktes in Südostasien früher ein sehr beliebter Stand­ort gewesen, so zeigten die ethnischen Auseinandersetzungen seit 1998, wie wichtig die soziale Stabilität eines Landes für Auslandsinvestoren ist. In diesem Sinne haben weiche Faktoren eine größere Bedeutung als harte. Am Beispiel von Firmen, die trotz des wirtschaftlichen Rückgangs ihre neu geplanten In­vesti­tions­projekte zum Abschluß geführt haben, zeigt sich andererseits, daß nicht immer rein ökonomische Überlegungen dominierend sind. Es stellt sich deshalb die Frage, warum deutsche Unter­neh­men scheinbar mehr Kapital in Thailand ange­legt haben als aufgrund der negativen Rahmenbedingungen zu erwarten war.[34] Insgesamt sind die ausländi­schen Investitionen in Thailand selbst in der gegen­wärtigen Krisenzeit von 4,7 Mrd. US$ 1997 auf 6,9 Mrd. US$ Ende 1998 gestiegen.[35] Eine Umfrage des BoI zeigte, daß 45% der in Thailand aktiven aus­län­dischen Firmen 1999 Er­wei­terungs­investi­tio­nen planten.[36]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Problemfenster der vorliegenden Arbeit liegt die einführenden Über­legun­gen zu­sam­menfassend im Schnittpunkt dreier Themenbereiche: Das thematische Um­feld der Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen, der Globalisierung und der multinationalen Unter­neh­men, das Erscheinungsbild oder das „Phänomen“ der weichen Stand­ort­faktoren und dem Königreich Thailand als Fallbeispiel eines Inves­ti­tions­standorts. In Abbildung 2, Seite 23, wird dieser Zusammenhang graphisch dar­gestellt. Gerade in der Schnittmenge der drei Bereiche besteht, wie sich in Kapitel 2 zeigen wird, eine Erkenntnislücke.[37] Aus ihr heraus begründet sich die Themen­wahl der vorliegenden Arbeit.

Das gewählte Thema kann dabei leicht zu der Auffassung führen, daß die iso­lierte Betrachtung der „soft factors“ herausgelöst aus der gesamten Stand­ort­proble­matik, die mehrdimensionaler Natur ist, weder möglich noch sinnvoll sei. Darüber hinaus sind die weichen Eigenschaften eines Landes ja auch mit den harten, ökonomischen Qualitäten verwoben. Dazu ist zum einen anzumerken, daß die Multikausalität der Stand­ortproblematik nicht die Existenz von durch weiche Faktoren dominierten Entscheidungen widerlegt, ebenso wie es Fälle gibt, die vor allem durch harte bestimmt werden. Zum anderen impliziert eine Beschäf­tigung mit weichen Aspekten ja nicht, daß die Querbeziehungen und Inter­aktionen mit anderen, namentlich „harten“ Stand­ortfaktoren außer Acht gelas­sen werden. In der Tat sind viele Entscheidungen nur aus einer derartigen, integrier­ten Sichtweise heraus erklärbar. Es wird hier deshalb von einem Plädoyer für die Integration subjektiver Daten in die Stand­ortlehre ausge­gan­gen.[38]

1.2 Ausgangsfragen und Aufbau der Arbeit

Aus der gewählten Themenstellung ergeben sich eine Reihe von Aus­gangs­fra­gen: Welche weichen Faktoren treten speziell bei Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen auf? Wie wirken sie sich auf die Entscheidungsfindung aus? Was weiß man aus der Litera­tur dazu und was nicht? Inwieweit läßt sich vom Fallbeispiel Thailand abstra­hieren und auf den Allgemeinfall schließen? Die Beantwortung dieser Fragen, die sich im Verlauf der Untersuchung weiter konkretisieren werden, ist das Ziel der vorliegenden Arbeit. Aus den Antworten werden sich dabei zum Teil neue Fragen ergeben. Beispielsweise resultiert aus den in der Literatur vor­han­denen Wissenslücken der Wunsch nach neuen Erkenntnissen. Aus der fest­gestel­lten Wirkung weicher Faktoren auf die Entscheidungsfindung ergibt sich die Frage, wie ein zu großer Einfluß verhindert werden kann.

Das folgende Kapitel 2 wird die Frage nach dem gegenwärtigen Stand der For­schung auf dem Gebiet der weichen Stand­ortfaktoren im allgemeinen und bei Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen im besonderen beantworten. Da zum engeren Thema der Arbeit tatsächlich nur wenige Beiträge existieren, ist es entsprechend kurz gehalten. In Kapitel 3 wird zunächst eine Reihe von Thesen aufgestellt, die sich zum einen aus der Literatur ableiten lassen und zum anderen eine didaktische Vorwe­gnahme der eigenen empirischen Erkenntnisse darstellen. Des weiteren wird ein Bezugsrahmen entwickelt, der die Grundlage der eigenen Unter­suchung bildet. Abschließend wird die verfolgte Forschungsmethodik disku­tiert. Kapitel 4 beschreibt die Stand­ortbedingungen Thailands und untersucht die Frage, inwieweit sie mit den Zielen der Auslandsinvestoren zusam­men­hängen. Dabei werden erste Erkenntnisse gewonnen, die die im vorausgehenden Kapitel postulierten Thesen unterstützen. Es wird sich aber ebenfalls zeigen, daß zur vollständigen Erklärung weicher Stand­ortfaktoren auch der Ent­schei­dungs­prozeß zu betrachten ist. Dies geschieht in Kapitel 5. Kapitel 6 trägt die Ergeb­nisse der beiden vorangegangenen Kapitel zusammen und stellt sie aus einer anderen Sichtweise dar. Aus den zuvor identifizierten, weichen Stand­ortfak­toren werden fünf Metafaktoren gebildet, die auch über den Stand­ort Thailand hinaus eine mehr oder weniger allgemeine Gültigkeit aufweisen. Die Arbeit schließt mit der kritischen Würdigung bzw. Diskussion der Ergebnisse (Kapitel 7) und einer Zusammenfassung (Kapitel 8) ab.[39]

2 GRUNDLAGEN UND STAND DER FORSCHUNG

„Alles, was mit einiger Sicherheit gesagt werden kann ist, daß sie bei der Stand­ortentscheidung in irgendeiner Form berücksichtigt werden“.[40]

Im vorliegenden Kapitel wird untersucht wie der Stand der Forschung speziell zur Bedeutung weicher Faktoren bei Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen ist.[41] Teilkapitel 2.1 legt die für der Leser nötigen Grundlagen durch die Definition zentraler Begriffe. Danach wird in Teilkapitel 2.2 das Forschungsgebiet der weichen Stand­ort­faktoren beschrieben. Letzteres beschäftigt sich bisher fast aus­schließ­lich mit inländischen Investitionsentscheidungen. Die Theorie der inter­natio­nalen Stand­ortwahl, soweit man überhaupt schon von einem eigenständigen Forschungs­gebiet sprechen kann, stellt eine Weiterführung der klassischen Stand­orttheorie dar und ist Gegenstand von Teilkapitel 2.3. Das vorliegende Kapitel schließt mit dem Zwischenergebnis (Teilkapitel 2.4) ab.

Das hier bearbeitete Thema berührt auch Fragestellungen, die in den For­schungs­bereich anderer Theorien fallen, etwa entscheidungstheoretische, ver­hal­tens­theoretische, motivationstheoretische, kulturbasierte und psychologi­sche An­sätze. Dies liegt daran, daß die Bedeutungsentfaltung weicher Stand­ort­fakt­oren in besonderem Maße von den Beteiligten der Stand­ortwahl, dem zugrundeliegendem Entscheidungsprozeß und dem kulturellen Umfeld im bzw. der kulturellen Distanz zum Investitionsland abhängt. Da vor allem auch verhal­tens­wissenschaftliche Aspekte im Entscheidungsprozeß eine große Rolle spielen, erfordert die Beschäftigung mit weichen Stand­ortfaktoren ein interdis­zipli­näres forschungsmethodisches Vorgehen.[42] Eine derart breite Fundierung der Prämissen des Unternehmerverhaltens scheint notwendig, da der Mensch nicht aufteilbar ist „in einen wirtschaftlichen Menschen und einen solchen, der sich in dieser oder jener anderen Sphäre betätigt. Überall steht er in seiner Ganz­heit.[43] “ „Da Wirtschaften menschliches Handeln, menschliches Handeln aber keines­wegs nur das Wirtschaften ist“[44], sollten zur Erklärung alle übrigen Wis­sen­schaften, die sich mit dem menschlichen Verhalten befassen, mit ein­be­zo­gen werden.

Ins­besondere die vereinfachenden Annahmen der klassischen, ökonomischen Theorie weichen zum Teil so stark von der Realität ab, daß diese einen ineffi­zien­ten Bezugsrahmen für die Betrachtung von Investitionsentscheidungen dar­stellt.[45] In der vorliegenden Arbeit sollen deshalb in der Literatur bestehende An­nah­men kritisch überprüft und das Problem der internationalen Stand­ortwahl als Ganzes betrachtet werden. Die oben genannten Ansätze aus anderen For­schungs­richtungen werden an einzelnen Stellen, sofern nötig, zur Erklärung der em­pirischen Ergebnisse herangezogen. Ein Einbezug in die theoretischen Grund­überlegungen des vorliegenden Kapitels würde jedoch zu weit führen.

2.1 Begriffsdefinitionen

2.1.1 Arbeitsdefinition weicher Stand­ortfaktoren

Alfred Weber prägte bereits 1909 den Begriff des Stand­ortfaktors als „einen seiner Art nach scharf abgegrenzten Vorteil, der für eine wirtschaftliche Tätig­keit dann eintritt, wenn sie sich an einem bestimmten Ort oder auch generell an Plätz­en bestimmter Art vollzieht“.[46] Der Begriff des weichen Stand­ortfaktors hin­gegen ist eine Neuschöpfung aus den achtziger Jahren.[47] Neben den kul­turel­len und gesellschaftlichen Besonderheiten eines Stand­ortes, dem Verhalten der Ver­waltung und der politischen Entscheidungsträger, dem Wirtschafts- und Inve­stitionsklima und der Lebensqualität, umfaßt er auch persönliche Prä­fe­renzen, Zufälle und sonstige, vermeintlich „irrationale“ Faktoren der Stand­ort­wahl. Ähnliche Inhalte verbergen sich hinter Bezeichnungen wie „sanfte Stand­ortfak­toren“[48], „außerökonomische Faktoren“[49], „investor-spezifische Einflüsse“[50], „private Faktoren“[51] oder „kulturelle Stand­ortfaktoren“.[52] Anstelle des Begriffs des weichen Faktors werden auch die Bezeichnungen „nichtquantifizierbare Fakt­oren“, „qualitative Kriterien“ und „qualitative Zielsetzungen“ verwendet.[53] Die englischsprachige Literatur spricht von „soft factors“ oder „soft facts“.[54] Dziembowska-Kowalska et al. unterscheiden dabei zwischen „soft“ und „quasi-soft“ factors.[55] Haigh definiert „nonquantifiable , subjective factors“ als Teil­menge der „non-cost factors“ der Stand­ortwahl.[56] Azani und Khorramshagol sprechen von „intangible criteria“.[57] Diller sieht den begrifflichen Vorläufer weicher Faktoren in den sogenannten „mittelbar betriebsbezogenen Faktoren“.[58] Abbil­dung 3, Seite 29, versucht, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Be­grif­fen anhand von Teilmengen darzustellen.

Die Analyse der einschlägigen Literatur zeigt, daß weiche Faktoren oft anhand von Begriffspaaren definiert bzw. erklärt werden. Hummel unterscheidet zwischen konventionellen und weichen Stand­ortfaktoren.[59] Bullinger und

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Meinecke trennen in subjektive und objektive Faktoren.[60] Hummel unterscheidet Ent­schei­dungsfaktoren prinzipiell in quantitative und qualitative.[61] Rüschen­pöhler spricht im gleichen Zusammenhang von rechenhaften und nicht rechen­haften Faktoren.[62] Weber unterscheidet Stand­ortfaktoren allgemein in natür­lich-tech­nische und gesellschaftlich-kulturelle.[63] Oft wird gemäß der his­to­ri­schen Ent­wick­lung der Bedeutung von Stand­ortfaktoren in klassische Fak­toren (z.B. Ferti­gungs­material, Arbeitskraft, Abgaben, Energie) und moderne Fak­toren (z.B. Kommunalpolitik, Wirtschaftsklima, Forschung/Wissenschaft, Lebens­qualität) unterschieden.[64]

Bindlingmaier unterteilt die Nebenbedingungen der Stand­ortwahl in ökono­mische und außerökonomische.[65] Unter ökonomischen Nebenbedingungen versteht er dabei beispielsweise die Maximierung von Umsatz und Marktanteil, die Beschäf­tigung der Arbeiter, eine optimale Kapazitätsauslastung und größtmögliches Wachstum. Außerökonomische Nebenbedingungen liegen im Bereich Sicherheit, Machtstreben, Wahrung der Selbständigkeit, Gerechtigkeit, usw.

Jahreiß unterscheidet zwischen ökonomischen und metaökonomischen Stand­ort­fak­toren.[66] Der Begriff des metaökonomischen Faktors ist dabei weitgefaßt und ist am besten mit dem Begriff des Investitionsklimas zu beschreiben. Dadurch wird deutlich, daß nicht nur Kosten und Erlöse, sondern auch soziale und kultu­relle Faktoren die Stand­ortentscheidung bestimmen. Adebahr unterscheidet spezielle und generelle Faktoren der Auslandsinvestition. Spezielle Faktoren sind absatz- oder beschaffungsorientiert. Sie stellen die Voraussetzung für eine Inve­sti­tion dar. Die generellen Faktoren beziehen sich auf die politische Stabili­tät, das Rechtssystem, die Infrastruktur und staatliche Förderungsmaßnahmen.[67] Kreuter und Hansmeyer et al. fassen diese Begriffe etwas anders:[68] Generelle Fak­toren stellen eine „conditio sine qua non“ dar; ein Stand­ort kommt über­haupt nur dann in die engere Wahl, wenn diese Faktoren einem gewissen An­spruchs­niveau genügen. Spezielle Stand­ortfaktoren sind dagegen bei der Aus­wahl von potentiellen Stand­orten maßgebend. Inhaltlich weitgehend identisch ist die Zweiteilung in „ substitutionale “ und „ komplementäre “ bzw. „ limita­tionale “ Faktoren. Die komplementären Faktoren verkörpern dabei Mindest­anfor­derungen. Sie sind eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Attraktivität eines Stand­ortes. Umgekehrt sind substitutionale Faktoren gegen­einander aufrechenbar. Ein einzelner Faktor stellt keine unabdingbare Vor­aus­setzung dar, eine Steigerung ihrer Qualität insgesamt aber führt kon­tinu­ierlich zu einer Erhöhung der regionalen Attraktivität.[69]

Tabelle 1, Seite 31, faßt die Vielfalt der Begriffspaare rund um weiche und harte Stand­ortfaktoren zusammen. Ein Teil der Begriffe ist aus der Literatur entnom­men, der Rest entstammt der eigenen Unter­neh­mensbefragung.

Tabelle 1: Begriffspaare von Stand­ortfaktoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der vorliegenden Arbeit wird ein Stand­ortfaktor als „weich“ bezeichnet, wenn er entweder schwer quantifizierbar[71] bzw. meßbar ist, oder trotz be­ste­hender Fakten auf der Basis von subjektiven Einschätzungen[72] beurteilt wird. Im Gegensatz zu einem harten besteht ein weicher Stand­ortfaktor aus physischen und psychischen Komponenten, wobei letztere praktisch die exter­nen Effekte der Investition darstellen. Die Subjektivität ist somit das wesentliche Element der Definition, da sie in beiden Fällen eine Rolle spielt. Weiche Stand­ort­faktoren haben dabei entweder direkte Auswirkungen auf die Unter­neh­mens­tätig­keit (weiche unter­neh­mensbezogene Faktoren) oder sind primär für die Ent­schei­dungsträger relevant (weiche personenbezogene Faktoren).[73]

Diese von Grabow vorgeschlagene Unterteilung widerspricht der in der Literatur und von Praktikern häufig vertretenen Auffassung, weiche Stand­ort­fak­toren seien wirtschaftlich irrelevant und rein persönlicher Natur. Der häufigen Gleichsetzung von „weich“ mit „unwichtig“ wird sich auch in der vor­liegen­den Arbeit nicht angeschlossen. Eine weitere Eigenschaft weicher Fak­toren besteht in der Schwierigkeit, ihren Einfluß auf die Stand­ortentscheidung eines Unter­neh­mens im Nachhinein zu bestimmen. Selbst vermeintlich harte Kriterien können teilweise subjektiven Einschätzungen unterliegen.[74] Ins­be­son­dere die häufig anzutreffende Definition weicher Faktoren auf der Grundlage des Rationalitätsbegriffs wird hier nicht gewählt. Interessant ist hingegen die Defini­tion über ihre Rechenbarkeit bei Diller.[75] Weiche Faktoren sind demnach solche, die sich der betrieblichen Kostenrechnung grundsätzlich entziehen. Dziembowska-Kowalska et al. unterscheiden zwischen hart und weich aufgrund der direkten oder indirekten Wirkung auf den Unter­neh­mensgewinn.[76] Er­wäh­nens­wert ist auch Kunzmann, der von nicht genau meßbaren Faktoren, die erklä­ren sollen, „warum Stand­ortentscheidungen wider Erwarten anders aus­fal­len, als angenommen“ spricht.[77]

2.1.2 Zum Begriff der Auslandsinvestition

Unter einer Auslandsinvestition im weiteren Sinne versteht man ganz allgemein eine Kapitalanlage außerhalb der Staatsgrenze des Investors. In §55 der Außen­wirt­schaftsordnung[78] wird sie als „Leistungen Gebietsansässiger, welche die An­lage von Vermögen in fremden Wirtschaftsgebieten zur Schaffung dauerhafter Wirt­schafts­beziehungen bezwecken“ definiert. Es kann zwischen privaten Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen und solchen der öffentlichen Hand unterschieden werden.

Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen werden hier als Kapitalanlagen im Ausland definiert, die zum Zwecke der unternehmerischen Betätigung durchgeführt werden, bei der eine direkte Einflußnahme auf die Geschäftstätigkeit gegeben ist. Nach diesem Ver­ständ­nis fallen nicht nur Tochtergesellschaften, sondern auch Betriebs­stätten, Niederlassungen, Representative Offices und Equity Joint Ventures unter den Begriff. Hauptkriterium für die Definition im Rahmen dieser Arbeit ist der Kapitaleinsatz im Ausland, der über die alternativen Formen der inter­natio­nalen Unter­neh­menstätigkeit, wie Export und vertragliche Kooperation (Non-Equity Joint Ventures, Contractual Joint Ventures, Lizenzvergaben, Techno­logie­transfer) hinausgeht. Auch letztere Betätigungsformen gehören zum Ober­begriff der investiven Internationalisierung, die zwei Formen hat:

- Kapitalgebundene Investition (equity investment)
- Kapitallose Investition (non-equity investment)

Die kapitalgebundene Form ist die Auslandsinvestition im engeren Sinne. Da bei der kapitallosen Form zwar kein Geld, jedoch Arbeitszeit und Know-how „inves­tiert“ werden, stellt diese eine Auslandsinvestition im weiteren Sinne dar.[79] Es werden in der Literatur zwei Formen von kapitalgebundenen Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen unterschieden:

- Direktinvestitionen
- Portfolioinvestitionen

Beiden gemeinsam ist das Ertragsmotiv. Wesentliches Unter­schei­dungs­kri­te­rium ist das bei der Direktinvestition vorhandene Kontrollmotiv . [80] Während bei der Portfolioinvestition[81] lediglich Anteile an ausländischen Unter­neh­men erwor­ben werden, soll bei einer Direkt investition ein direkter Einfluß auf die Ge­schäfts­tätigkeit des betreffenden Unter­neh­mens ausgeübt werden.[82] Portfolio­inve­stitionen sind tendenziell kurzfristig angelegt, womit dem Verhältnis von Ren­dite zu Risiko eine höhere Bedeutung zukommt. Über die Frage nach der erfor­derlichen Mindestkontrolle, um von einer Direktinvestition sprechen zu kön­nen, besteht in der Literatur keine Einigkeit. Für unsere Zwecke erscheint die Abgrenzung von Jahreiß sinnvoll, der allein das Vorliegen einer Kontroll­ absicht als entscheidendes Kriterium verwendet.[83]

Oft werden die Begriffe Direktinvestition und Auslandsinvestition einfach gleich­gesetzt.[84] Während in der makroökonomisch orientierten Literatur der Begriff der ausländischen Direktinvestition dominiert, wird in mikroökono­mischen Veröffentlichungen bevorzugt von Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen gesprochen, wobei der gleiche Sachverhalt gemeint ist. Da die vorliegende Arbeit betriebs­wirt­schaftlich orientiert ist, wurde der Begriff der Auslandsinvestition gewählt. Um sprachliche Monotonien zu vermeiden, wird in Folge aber teilweise auch von Direktinvestitionen gesprochen. Ein großer Teil der begrifflichen Ver­wir­rungen resultiert wohl aus eben dieser Vermeidung von häufigen Wieder­ho­lungen desselben Begriffs in längeren Abhandlungen.

Eine einheitliche Begriffsdefinition der Auslandsinvestition läßt sich in der Lite­ra­tur nicht finden.[85] Allgemein einheitlich ist lediglich die Unterscheidung in eine direkte und eine indirekte Form. Glaum sieht Direktinvestitionen als „Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen mit unternehmerischer Zielsetzung“ an.[86] Buckley spricht sogar von „real investments“, um die Direktinvestition von der Portfolio­inve­sti­tion abzugrenzen.[87] Die bekannteste und am häufigsten zitierte Begriffs­definition stammt von der Deutschen Bundesbank, die solche Kapitalanlagen als Direkt­in­ve­stitionen bezeichnet, die vom Investor „in der Absicht vorgenommen werden, einen unmittelbaren Einfluß auf die kapitalnehmenden Unter­neh­men zu gewin­nen“, wobei eine Beteiligung von 25% als maßgeblich gilt.[88]

Die obige Definition ist auf die Bedürfnisse der volkswirtschaftlichen Gesamt­rech­nung zugeschnitten, die Aussagen über Kapitalströme und Bestände deut-scher Investitionen im Ausland machen will. Gerade deshalb ist sie aber nicht geeignet, das Engagement deutscher Unter­neh­men im Ausland vollständig zu be­schrei­ben. Auch die Erschließung eines Exportmarktes kann einen beträcht­lichen Kapitalaufwand im Ausland erfordern. Um Investitionen, die der Er­schließung, Erhaltung und Ausweitung von Auslandsmärkten[89] dienen, zu erfas­sen, ist es also notwendig, den Direktinvestitionsbegriff zu erweitern. Dabei ist für eine Unternehmung, die zum ersten Mal daran denkt, ihre Produkte im Aus­land abzusetzen, bereits die Informationsbeschaffung eine erste Investition. Diese Aufwendungen werden dem Auslandsmarkt zugerechnet und müssen durch Erträge von dort gedeckt werden. Somit handelt es sich um eine Inve­stition in den Markt.[90] Das gleiche gilt für den Aufbau eines Außendienstes, die Errich­tung von Verkaufsniederlassungen und Repräsentanten und die Schaffung einer Marktposi­tion, bzw. eines Good-Wills durch Werbung, Verkaufsförderung oder persönliche Akquisition. Unter dem Aspekt der langfristigen Nutzung haben die dabei entstehenden Kosten Investitionscharakter.[91]

2.1.3 Definition weiterer Begriffe

Der Begriff des Ziels wird definiert als ein vorgestellter, verbal oder numerisch umschriebener, bewußt erstrebter sowie einen Wert darstellender Zustand.[92] Motive sind innere Beweggründe menschlichen Handelns und somit der Zielsetzung unmittelbar vorgelagert.[93] In zahlreichen Untersuchungen zur Er­klä­rung von Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen wird anstelle einer Betrachtung von Zielen oder Motiven nach den Determinanten der Direktinvestition gefragt.[94] Eine klare Ab­grenzung zu den vorgenannten Begriffen läßt sich nicht finden.[95] Oft werden diese drei Begriffe auch einfach synonym verwendet.[96] Um sprachliche Monoto­nien zu vermeiden wird sich dieser Praxis trotz bestehender Kritik ange­schlos­sen.[97]

Präferenzen sind Einstellungen des Entscheiders zu Konsequenzen oder zu Hand­lungs­ alternativen.[98] Letztere werden synonym auch als Optionen oder Strate­gien bezeichnet. Unter einer Entscheidung soll die bewußte Auswahl einer Aktion aus einer Menge verfügbarer Maßnahmen unter Berücksichtigung mög­licher Umweltzustände verstanden werden.[99] Umwelteinflüsse sind Ereignisse oder Zustände der Umwelt, die auf das Ergebnis der Entscheidung einen Einfluß haben, aber vom Entscheider nur teilweise oder gar nicht beeinflußt werden können.[100] Die Definition von Rationalität bringt einige Probleme mit sich. Es handelt sich nicht um eine objektive, beweisbare Eigenschaft, da man nur schwer feststellen kann, wie gut oder schlecht eine bestimmte Entscheidung ist. Deshalb kann man auch nicht von „irrational“ sprechen, sondern nur von „mehr oder weniger rational“.[101]

Der Stand­ort ist der geographische Ort, an dem das Unter­neh­men Produktions­fak­toren zur teilweisen oder vollständigen betrieblichen Leistungs­erstellung einsetzt. Stand­ortfaktoren sind alle Gegebenheiten eines Ortes, die seine Eig­nung für den Leistungsprozeß eines Betriebes bestimmen.[102] Aus dieser Defini­tion läßt sich ein direkter Zusammenhang zwischen Stand­ortfaktoren und Zielen der Unternehmung erkennen. Stand­ortbedingungen sind im Vergleich dazu ledig­lich die (unbewerteten) Gegebenheiten eines Ortes.

Als Abgrenzung von der internationalen sollen die intranationale und die natio­nale Stand­ortwahl unterschieden werden. Von intranationaler Stand­ort­wahl wird gesprochen, wenn es um die Wahl des inländischen Stand­ortes, d.h. des Mikrostandortes, an einem ausländischen Stand­ort geht. Die nationale Stand­ort­wahl bezieht sich auf die klassische Ressourcenallokation im Heimat­land des betroffenen Unter­neh­mens ohne Betrachtung des Auslands.

2.2 Das Forschungsgebiet „weiche Stand­ortfaktoren“

2.2.1 Die Untersuchung von Grabow

Die Untersuchung von Grabow aus dem Jahr 1995 kann als das momentane Standard­werk im deutschsprachigen Raum zur Thematik weicher Stand­ortfak­toren bezeichnet werden.[103] Es setzt an der Erkenntnislücke an, die sich aus den um­fang­reichen Aktivitäten der Kommunen zur Verbesserung ihres Images und anderen „weichen“ Qualitäten und den im Gegensatz dazu wenig fundierten Er­kennt­nissen zu diesem Thema ergibt. Dabei werden vier Ausgangshypothesen formu­liert: Weiche Faktoren werden zum einen in ihrer globalen Bedeutung -bezo­gen auf die Stand­ortwahl von Unter­neh­men - in der fachöffentlichen Diskus­sion deutlich überschätzt. Es gibt jedoch bestimmte Unter­neh­men oder Betriebe, unterscheidet man nach Branche, Betriebstypus, Größe des Betriebes oder Qualifikation der Beschäftigten, für die weiche Stand­ortbedingungen eine erheb­liche Rolle spielen. Weiche Stand­ortfaktoren haben in unterschiedlichen Typen von Städten - z.B. Groß- oder Mittelstädten, Städten mit guten oder schlech­ten „weichen Qualitäten“ - unterschiedlichen Bedeutungsgehalt. Die Wir­kung weicher Stand­ortbedingungen im Zusammenhang mit der Bestands­entwick­lung der Unter­neh­men wird bei weitem unterschätzt, insbesondere im Ver­gleich zur Wirkung in bezug auf die Ansiedlung von Unter­neh­men und Betrieben.

Nahezu alle grundsätzlich wichtigen Stand­ortbedingungen - Transport, Arbeits­markt, Verfügbarkeit von Fläche und Kapital - haben mit einer Veränderung der Produk­tionsbedingungen, der Markteinzugsbereiche, der Tertiärisierung sowie dem technischen und gesellschaftlichen Wandel eine Veränderung ihres Bedeu­tungs­gehaltes erfahren. Auch bei den weichen Stand­ortfaktoren ist der Bedeu­tungs­wandel offensichtlich. Als Beispiele führt Grabow die Nachfrage nach bestim­mten Formen von Kultur oder Freizeiteinrichtungen und die Anfor­derungen an das Wohnen an, die sich im Laufe der Jahrzehnte beträchtlich gewan­delt hätten.

Zwei Befragungen bei insgesamt über 2000 Unter­neh­men und etwa 100 Exper­ten­gespräche mit kommunalen Akteuren und Unter­neh­mensvertretern bilden die Grund­lage der Aussagen Grabows zur Bedeutung harter und weicher Stand­ort­fak­toren. Sie machen es dem Autor zufolge möglich, beispielsweise nach Branchen und Betriebstypen zu differenzieren. Am Beispiel von neun Fall­studien­städten (Berlin, München, Wien, Augsburg, Würzburg, Ingostadt, Schwein­furt, Herne und Wolfsburg) wurden die Erkenntnisse über die Bedeu­tung weicher Stand­ortfaktoren, über die Zufriedenheit mit Stand­ortbedingungen und über kommunale Handlungsfelder konkretisiert.[104] Innerhalb seiner theo­re­tischen Überlegungen räumt Grabow der Rolle von Bildern oder Images ein ent­sprechen­des Gewicht ein. Die einzelnen Facetten des Themas „Bilder“ werden aus­führlich betrachtet und eine Systematisierung oder Typologie verschiedener „Bild­bestand­teile“ vorgestellt. In folge beschäftigt sich Grabow mit Aspekten, die zum Verständnis des Zustandekommens und der Bedeutung von Stand­ort­ent­schei­dungen wichtig sind. Der Autor beschreibt die unterschiedlichen Formen von Stand­ortentscheidungen, die weit mehr ausmachen als Stand­ort­ver­la­gerungen und Neugründungen, und das Ausmaß der Stand­ortdynamik in Deutschland. Der Prozeß betrieblicher Entscheidungs­findung im Hinblick auf die Stand­ortwahl wird als betriebswirtschaftliches, organisations­soziologisches und organisations­psy­cho­logisches Thema behandelt, leider jedoch nur kur­sorisch, wie der Autor selbst eingesteht.[105] Neben der Präsentation der eigenen em­pirischen Ergebnisse, die hier in folge kurz zusammengefaßt wiedergegeben werden, setzt sich Grabow auch eingehend mit Städtetests und „Städtehitlisten“ aus­einander, da deren Breiten- und Öffentlichkeits­wirkung sehr groß ist und Hilfe­stel­lungen zu deren Aus­sage­gehalt nötig sind.

Subjektive Präferenzen der Verantwortlichen für die Stand­ortwahl haben, so ein Ergeb­nis der Untersuchung von Grabow, große Bedeutung. Sie spielen bei fast jeder zweiten Stand­ortentscheidung eine erhebliche Rolle. Für ein Drittel der Befrag­ten gehen die Stand­ortwünsche wichtiger Mitarbeiter des Unter­neh­mens in die Stand­ortüberlegungen ein. Dies gilt vor allem für Branchen, in denen weiche Faktoren eine besonders wichtige Rolle spielen, und für kleine Unter­neh­men. In großen Unter­neh­men werden zwar häufiger als in kleinen forma­lisierte Verfahren der Stand­ortwahl (z.B. Operations-Research-Methoden) einge­setzt. Dies geschieht aber auch nur teilweise; in den entsprechenden Fällen sind sie nur ein Baustein bei der Vorbereitung der Entscheidung. Letztlich spielen auch bei der Einbeziehung solcher Verfahren vielfach subjektive Elemen­te eine wesentliche Rolle. Stand­ortentscheidungen in Mehr­be­trieb­unter­neh­men werden meist in den Zentralen und nicht an den betroffenen Stand­orten gefällt. Daraus wird der begrenzte Handlungsspielraum der Kommunen in solchen Fällen deutlich.[106]

Die Bedeutung weicher Stand­ortfaktoren ist in den einzelnen Phasen der Ent­schei­dungs­prozesse unterschiedlich (vgl. Abbildung 4, Seite 40): In der Phase der Vorauswahl von Stand­ortalternativen spielen Bilder und Vorstellungen von Städten und Regionen - also weiche Stand­ortfaktoren - eine vergleichsweise wichtige Rolle. Dies gelte Grabow zufolge insbesondere für die Stand­ortwahl im überregionalen oder internationalen Maßstab, wird von ihm aber nicht empirisch begründet. In der Phase der Analyse und des Vergleichs der in die Betrach­tung einbezogenen Stand­orte treten harte Faktoren in den Vordergrund. Bei der letztlichen Entscheidung können weiche Faktoren - ausgedrückt durch subjek­tive Präferenzen - wieder stärker ins Gewicht fallen. So ist die unein­heit­liche Bedeutung, die weichen Stand­ortfaktoren in unterschiedlichen Unter­su­chun­gen beigemessen wird, teilweise darauf zurückzuführen, daß die Untersuchungen jeweils verschiedene Phasen des Entscheidungsprozesses ins Blick­feld nahmen. Grabow kommt zu der Erkenntnis, daß den weichen Faktoren in Zusammenhang mit konkreten Stand­ortentscheidungen eine deutlich gerin­gere Bedeutung einge­räumt wird als in „unverbindlichen“ Aussagen oder all­ge­meinen Einschät­zun­gen, bei denen zu den wichtigsten Stand­ortfaktoren auch einzelne weiche gerechnet werden. Die wirkliche Bedeutung der weichen Fak­toren liegt Grabow zufolge vermut­lich zwischen diesen beiden Polen und hängt, wie bereits erwähnt, von der Ent­schei­dungs­phase ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5, Seite 41, zeigt die unterschiedliche Gewichtung harter und weicher Faktoren bei konkreten Stand­ortentscheidungen. Weiche Stand­ort­fak­toren spielen demnach für 19% der Unternehmer eine nennenswerte Rolle bei Stand­ortent­scheidungen. Sie haben unter anderem deswegen Bedeutung, weil für viele Entscheider harte Stand­ortfaktoren an sehr vielen Stand­orten gleicher­maßen gut vorhanden sind. Für einen erheblichen Teil der Befragten können weiche Faktoren sogar Mängel bei harten Stand­ortfaktoren überspielen. Insgesamt spielen weiche Stand­ortfaktoren aber nur in den seltensten Fällen die allein ausschlaggebende Rolle bei Stand­ortentscheidungen; meist sind sie nur in Zusam­men­hang mit „harten“ Qualitäten zu sehen; wenn überhaupt sind weiche unter­neh­mensbe­zogene Faktoren wichtiger als personenbezogene.

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Weiche Stand­ortfaktoren sind eher Pull- als Push-Faktoren: Sie spielen als anziehen­de Faktoren (bzw. als nicht-attrahierende Faktoren bei schlechten weichen Qualitäten) eine wesentlich größere Rolle denn als „treibende“ Fak­toren für eine Stand­ortaufgabe oder -schrumpfung.[107] Weiche Faktoren spielen bei Entscheidungen „am Stand­ort“ (Ausbau, Schrumpfung, Bleibe­ent­schei­dung) eine überdurchschnittlich wichtige Rolle. Bei Verlagerungen über große Ent­fer­nungen oder Gründungen von Niederlassungen an entfernteren (neuen) Stand­orten wird das Image in bestimmten Branchen oder bei bestim­mten Betriebs­typen zu einem wichtigen weichen Faktor.

Die wichtigsten Stand­ortfaktoren sind die „harten“: Die Verkehrsanbindung, Flächen und Büros sowie der Arbeitsmarkt. Die wichtigsten weichen Stand­ortfak­toren sind Wohnen und Wohnumfeld (auch: die Umweltqualität), sowie das Wirtschaftsklima in der Stadt und im Bundesland. Viele andere weiche personen­bezogene Faktoren, unter anderem auch der in der öffentlichen Diskus­sion häufig angesprochene Bereich der Kultur, finden sich auf den letzten Plätzen in Grabows Bedeutungshierarchie von Stand­ortfaktoren wieder. Es lassen sich typische Einschätzungsmuster erkennen und damit Gruppen von Befrag­ten, die jeweils ein bestimmtes Profil von Stand­ortansprüchen haben. Dazu gehören beispielsweise solche Unternehmer, für die fast nur bestimmte harte Faktoren wichtig sind, andere, die durchgängig nur geringe Stand­ort­an­for­derungen haben, und wieder andere, die in ihren Anforderungen sehr polarisiert sind. Manche dieser Einschätzungsmuster sind für bestimmte Branchen, Betriebs­größen usw. ganz typisch. Die größten Unterschiede bezüglich der Bedeu­tung von harten und weichen Faktoren bestehen Grabow zufolge zwischen den Branchen.

Jede genauere Analyse der Bedeutung von harten und weichen Stand­ort­fak­toren, so die Schlußfolgerung von Grabow, erfordert eine differenzierte Be­trach­tung nach verschiedenen betrieblichen und räumlichen Kategorien, bei­spiels­weise nach dem Typus der Stand­ortwahl, der Branche, dem funktionalen Be­triebs­typus (Verwaltung, FuE-Abteilungen oder Produktionsbereiche), der Unter­neh­mens­ oder Betriebsgröße, der Stadtgröße oder dem Stadttyp. Teilweise zeigten sich erhebliche Unterschiede je nach Kategorie, sowohl in bezug auf die Wichtig­keit von Faktoren wie auch auf die Zufriedenheit mit den jeweiligen Stand­ort­bedingungen. Tabelle 2, Seite 43f., zeigt die Stand­ortfaktoren nach Grabow im Überblick.

Tabelle 2: Stand­ortfaktoren nach Grabow im Überblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Grabow, Stand­ortfaktoren, 1995, S.68f.

2.2.2 Die Untersuchung von Diller

Die Untersuchung von Diller aus dem Jahr 1991 ist die erste umfangreiche Veröf­fentlichung im deutschsprachigen Raum, die sich ausschließlich dem Thema weicher Stand­ort­faktoren annimmt. Ausgangspunkt ist die ökonomische und soziale Polari­sierung der deutschen Stadtstruktur, die häufig unter dem Schlag­wort des „Nord-Süd-Gefälles“ diskutiert wird. Diller überprüft in seiner empi­rischen Unter­suchung den hypothesenartig ausgeführten Erklärungsansatz, der die Entwicklungs­unterschiede der Räume auch als Resultat unter­schied­licher Qualitäten der weichen Stand­ortfaktoren sieht. Im zentralen Kapitel der Arbeit wird das räumliche Verhalten der Hauptakteure des vermuteten Bedeu­tungs­gewinns der weichen Stand­ortfaktoren untersucht: Die Stand­ortwahl des zukunfts­trächtigen Betriebs und das Freizeitverhalten sowie die Wohnortwahl der hochqualifizierten Arbeitskraft. Weiche Qualitäten eines Stand­ortes bestim­men dessen Attraktivität zunächst für die Beschäftigten und daraus abgeleitet auch für die Betriebe, die ihre Investitionsentscheidung an den für sie not­wendigen Arbeitskräften und deren Präferenzen ausrichten. Diller verdeutlicht, daß dieses Erklärungs­muster auf unüberprüften „Klischees“ basiert und dem­zufolge auch kontrovers und eher in Form bloßer Statements diskutiert wird. Obwohl die Wissenschaft sich noch nicht über die tatsächliche Bedeutung der weichen Stand­ortfaktoren eines Raumes für seine ökonomische Entwicklung einig ist, zeigt sich aber bereits eine Reaktion der Kommunen auf den vermute­ten Trend: Die Konkurrenz um die Entwicklung weicher Stand­ortfaktoren.[108]

[...]


[1] Kortüm, Entscheidungsprozeß, 1972, S.7.

[2] Bierich, Fertigungsstandorte, 1988, S.825.

[3] Gab es Ende der sechziger Jahre noch 7.000 multinationale Unter­neh­men, so waren es 1994 schon gut 37.000 mit insgesamt über 200.000 Tochtergesellschaften und Niederlassungen. Siehe UNCTAD, Investment, 1996, S.2ff.

[4] Gesamtbestandsdaten (outward direct investment position) der ausländischen Direktinvesti­tionen von 1996. Siehe OECD, National, 1999, S.5ff. Betrachtet man die in 1997 neuge­tätigten Direktinvestitionen (direct investment outflow), so liegt Deutschland hinter Frank­reich auf dem 4. Platz. Ein ganz anderes Bild ergibt sich jedoch, wenn man die Direkt­in­vestit­ionen prozentual auf das Bruttosozialprodukt bezogen betrachtet. Nach den Outflow-Daten von 1997 liegt Deutschland mit 1,59% nur an 14. Stelle der OECD-Länder, u.a. hinter der Schweiz (5,69%), Holland (5,55%), Schweden (5%), Großbritannien (4,55%), Finnland (3,68%), Luxemburg (2,77%) und Belgien (2,77%). Allerdings schneiden die USA mit 1,46% und Japan mit 0,62% noch schlechter ab.

[5] BDI, Mittelstandsinformationen, 1999, S.10. Den Daten der OECD, National, 1999, S.15f., zufolge haben sich die deutschen Direktinvestitionsbestände im Ausland zwischen 1986 bis 1996 sogar mehr als verfünffacht.

[6] Befragt wurden 10.000 Unter­neh­men in den alten Bundesländern. Siehe Zentes, Wettbe­werbs­strategien, 1995, S.19f. Asien befand sich 1993 auf dem Höhepunkt seines wirtschaft­lichen Booms. 1999 dürfte die Zahl deshalb nicht mehr so hoch liegen. So stehen einer eigenen Befragung des Referatsleiters Asien der BfAI zufolge die deutschen Unter­neh­men 1999 Asien „abwartend“ gegenüber und überlegen neue Engagements „sehr sehr sorgfältig“.

[7] Günther, Wandel, 1975, S.220ff.

[8] Vgl. Scholl, Internationalisierungsstrategien, 1989, Sp.984.

[9] Zu den Chancen siehe Colberg, Präsenzstrategien, 1989, S.78f., zu den Risiken Raffee; Kreutzer, Länderrisiken, 1984, S.44.

[10] Siehe Hack, Process, 1984, S.33, und Pierdzioch, Investitionstheorie, 1998, S.187. Eine der Grund­annahmen neuerer Ansätze der Investitionstheorie ist die Tatsache, daß viele Inves­ti­tions­entscheidungen nur unter Hinnahme hoher Kosten wieder rückgängig gemacht werden können.

[11] Vgl. Döpper; Eversheim, Globalisierung, 1993, S.375.

[12] Siehe Pfriem, Überlegungen, 1994, S.125, und Hummel, Stand­ortentscheidung, 1996, S.18f.

[13] Maisch, Beurteilungskriterien, 1996, S.215.

[14] Vgl. Grabow, Stand­ortfaktoren, 1995, S.63. Schönbrodt, Bedeutung, 1996, S.33, benützt das Bild einer Sahnetorte, die die Gesamtheit aller Stand­ortfaktoren darstellt. „Unten ist der Kuchen, sozusagen die harten Stand­ortfaktoren. Und oben, die weiche Sahne, sind die weichen Stand­ortfaktoren, die der Torte die gewisse Attraktivität verleihen“.

[15] Kunzmann, Kultur, 1992, S.5.

[16] Neben Aharoni, Decision, 1996, auch Bower, Allocation, 1970, Mintzberg et al., Structure, 1976, Barton et al., Management, 1992, und Doz; Prahalad, Corporations, 1988.

[17] Glaum, Unter­neh­menserfolg, 1995, S.3, spricht vom Phänomen der „Verhaltensabhängigkeit von Auslandsinvestitionsentscheidungen“.

[18] Glaum, Unter­neh­menserfolg, 1995, S.3.

[19] Eine Ausnahme stellt Kortüm, Entscheidungsprozeß, 1972, S.7, dar, der zu Anfang des aktu­ellen Kapitels einleitend zitiert wurde.

[20] Persönliche Präferenzen sind, wie auch die oft erwähnten „soziokulturellen“ Faktoren, Spezial­fälle von weichen Faktoren. In Kapitel 6 wird sich zeigen, daß die persönlichen Präfe­renzen sogar als eine eigenständige Kategorie („Metafaktor“) weicher Faktoren auf­ge­faßt wer­den können.

[21] Fürst, Stand­ortwahl, 1971, S.190.

[22] Beispielhaft sei hier die Arbeit von Glaum, Unter­neh­menserfolg, 1995, erwähnt.

[23] Schon 1928 schrieb Salin, daß Industriestandorte „in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Fälle mehr traditional als rational zu erklären sind“. Salin, Stand­ortverschiebungen, 1928, S.79.

[24] BMWi, Wirtschaftsbeziehungen, 1997, S.3.

[25] BMWi, Asien-Pazifik-Handel, 1999, o.S.

[26] Im Gegensatz zu Lateinamerika, wo eine regelrechte Tradition deutscher Investitionen be­steht, ist Asien für deutsche Unter­neh­men noch regelrecht „Neuland“.

[27] Als „kleine Tigerstaaten“ werden Indonesien, Malaysia, Thailand und die Philippinen bezeich­net. Die „klassischen“ Tigerstaaten sind Hongkong, Singapur, Taiwan und Südkorea.

[28] Association of South-East Asian Nations.

[29] Vgl. Jungnickel, Investitionsbedingungen, 1986, S.305, und Lim et al., Investment, 1991, S.19.

[30] Dies spiegelt sich auch in vergleichenden Arbeiten wider. Wagner et al., Investitions­strate­gien, 1985, betrachten Thailand, Malaysia, Indonesien und die Philippinen als „süd­ost­asia­tischen Raum“. Einem Expertengespräch mit der Firma Baker&McKenzie zufolge betrachten Inves­toren die Philippinen teilweise noch auf einer Ebene unter Thailand, Malaysia und Indo­nesien. Malaysia hingegen wird gemäß BMWi teilweise bereits der „Liga“ von Taiwan und Singapur zugeordnet, und somit vor Thailand eingestuft. Siehe BMWi, Wirt­schafts­be­zie­hungen, 1997, S.3.

[31] Dies ist auf übereinstimmende Aussagen mehrerer im Rahmen der eigenen Untersuchung befrag­ter BoI-Büros in Europa und Thailand zurückzuführen. Auch bei anderen Autoren finden sich entsprechende Hinweise. Bei der Entscheidung für den Stand­ort des BMW Regio­na­loffice in Südostasien etwa waren die drei Alternativen Singapur, Kuala Lumpur und Bangkok in der Endauswahl. Siehe Breuer, Singapur, 1994, S.227.

[32] Zahlreiche Delegationen westlicher Wirtschaftsvertreter kamen gerade aufgrund der Krise nach Thailand, um Investitionschancen zu untersuchen. Siehe Post, Baht, 1998, o.S.

[33] Diese Meinung wurde auch von einer befragten Expertin der Firma Baker&McKenzie in Bangkok geäußert.

[34] Von der gleichen Fragestellung in bezug auf amerikanische Investitionen in Israel geht 1966 Aharonis Dissertation „The Foreign Investment Decision Process“ an der Harvard University aus.

[35] Zahlen des BoI aus Post, Technology, 1999, o.S. Es handelt sich bei dem Anstieg der Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen jedoch überwiegend um Mergers und Acquisitions im „corporate sector“ und weniger um Re-investitionen in Schlüsselindustrien.

[36] Post, Recovery, 1999, o.S.

[37] Die Problemfelder sind isoliert betrachtet durchaus zufriedenstellend thematisiert worden. Zu Thailand als Investitionsstandort besteht zahlreiches, einschlägiges Informationsmaterial, in der Regel in der Form von sogenannten „Investitionsführern“, siehe etwa Barta, Koopera­tions­führer, 1997.

[38] Das gleiche Plädoyer vertreten Bullinger; Meinecke, Stand­ortentscheidungen, 1985, S.413.

[39] Der Aufbau der Arbeit wird hier aus didaktischen Gründen vorweggenommen. Er läßt sich an dieser Stelle noch nicht begründen. Dazu ist erst die Präzisierung der Problemstellung in Kapitel 3 erforderlich.

[40] Fürst, Stand­ortwahl, 1971, S.204, zur Bedeutung weicher Stand­ortfaktoren.

[41] Dabei wird versucht, die hypothetische Frage zu beantworten, was man ohne die vorliegende Arbeit über die Bedeutung weicher Faktoren bei Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen wissen würde.

[42] Eine Reihe von Autoren sprechen sich gegen eine Beschränkung auf das rein Ökonomische in der Wirtschaftstheorie aus und befürworteten ein interdisziplinäres Vorgehen. Vgl. Schmöl­ders, Volkswirtschaftslehre, 1962, S.205, sowie Krelle, Verhaltensweisen, 1953, S.9f., und Kantona, Verhalten, 1960, S.3f.

[43] Vershofen, Rechnen, 1942, S.198.

[44] Schmölders, Volkswirtschaftslehre, 1962, S.205. Vgl. auch Marshall, Economics, 1925, S.14, der schreibt: „Economics is a study of men as they live and move and think in the ordinary business of life“.

[45] Aharoni, Decision, 1966, Vorwort, S.ix.

[46] Weber, Stand­ort, 1909, S.16.

[47] Vgl. Grabow, Stand­ortfaktoren, 1995, S.63. Grabow, Stand­ortfaktoren, 1995, S.41, zufolge wird dieser Terminus allerdings nur in Deutschland so eindeutig verwendet. In Österreich und der Schweiz werden andere Begriffe benutzt.

[48] Fees-Dörr et al., Stand­ortentscheidungen, 1988, S.21.

[49] Bindlingmaier, Unternehmerziele, 1964, S.103. In den Unter­neh­mensbefragungen zur vorlie­genden Arbeit sprachen die Befragten selbst teilweise von „außergewöhnlichen“ Faktoren.

[50] Kortüm, Entscheidungsprozeß, 1972, S.186.

[51] Siehe Kreuter, Stand­ortaffinität, 1974, S.6ff.

[52] Siehe Goette, Stand­ortpolitik, 1994, S.233ff.

[53] Siehe Wandersleb, Berücksichtigung, 1985, S.59, der aus verschiedenen Literaturangaben entnommene Begriffe aufzählt.

[54] Siehe Goette, Stand­ortpolitik, 1994, S.234. Grabow, Stand­ortfaktoren, 1995, S.41, zufolge wirft die Übersetzung des „weichen“ Stand­ortfaktors häufig große Probleme auf. Grabow selbst übersetzt auf Seite 28 ins Englische mit „soft locational factor“.

[55] Dziembowska-Kowalska et al., Kulturtage, 1995, S.2.

[56] Haigh, Strategies, 1987, S.7.

[57] Vgl. Azani; Khorramshagol, Delphi, 1990, S.23. Zu den intangible factors gehören auch emo­tionelle Einflüsse: „Location decisions are based on multiple criteria at least some of which are intangible, even emotional“.

[58] Diller, Stand­ortfaktoren, 1991, S1.

[59] Vgl. Hummel, Stand­ortfaktor, 1990, S.5. Zu den konventionellen Faktoren gehören die Nähe zu Kunden und Lieferanten, die Verkehrs- und Kommunikationsmöglichkeiten, das Angebot an Arbeitskräften und die Wirtschaftsförderung um nur einige zu nennen. Zu den weichen Faktoren, d.h. Faktoren, die sich nicht unmittelbar im Unter­neh­menskalkül niederschlagen, werden soziale Einrichtungen, das Angebot an Wohnraum, das Image der Region sowie das Kultur- und Freizeitangebot gezählt.

[60] Bullinger; Meinecke, Stand­ortentscheidungen, 1985, S.407f.

[61] Hummel, Beispiel, 1990, S.20.

[62] Rüschenpöhler, Stand­ort, 1958, S.65, spricht von „rechenhaften“ und „nicht rechenhaften“ Faktoren.

[63] Die gleiche Gliederung übernimmt auch Förtsch, Verhaltenstheorie, 1973, S.24. Weitere Begriffspaare zur Unterteilung von Stand­ortfaktoren sind „generell“ und „speziell“ sowie „agglomerativ“ und „deglomerativ“.

[64] Autschbach, Stand­ortwahl, 1997, S.143.

[65] Bindlingmaier, Unternehmerziele, 1964, S.103.

[66] Vgl. Jahreiß, Direktinvestitionen, 1984, S.130 und S.143. Statt von „metaökonomischen“ spricht er auch von „politischen“ Stand­ortfaktoren.

[67] Adebahr, Direktinvestitionen, 1981, S.34, bezeichnet die generellen Faktoren auch allgemein als „Investitionsklima“.

[68] Vgl. Kreuter, Stand­ortaffinität, 1974, S.81, und Hansmeyer et al., Stand­ortentscheidungen, 1975, S.139.

[69] Vgl. Diller, Stand­ortfaktoren, 1991, S.40.

[70] Kaiser, Betriebstypenbildung, 1977, S.176, stellt die Investitionsentscheidung im ständigen Wech­selspiel von Deliberanten und Determinanten dar. Dem Duden Fremdwörterbuch zu­fol­ge bedeutet Deliberation soviel wie Beratschlagung, Überlegung.

[71] Gann, Investitionsentscheidungen, 1996, S.38, definiert weiche Faktoren als nicht­quanti­fi­zier­bare Einflußfaktoren für Investitionsentscheidungen.

[72] Grabow, Stand­ortfaktoren, 1995, S.66, nennt als Beispiel eines zwar meßbaren, aber durch Ein­schätzungen überlagerten Stand­ortfaktors die Grünflächen einer Stadt. Deren Anzahl kann zwar bestimmt werden, entscheidend ist jedoch die Meinung über deren Umfang und Quali­tät. Kolde, International, 1968, S.308f., führt an, daß Investoren Länder präferieren, die ihrem Heimatland in bezug auf den Lebensstandard, den kulturellen Hintergrund, das soziale Verhal­ten und das gängige Rechtssystem am ähnlichsten sind.

[73] Siehe Grabow, Stand­ortfaktoren, 1995, S.64. Die von uns vertretene Sichtweise, nach der einzelne weiche Faktoren gleichzeitig eine personenbezogene und eine unter­neh­mens­bezoge­ne Komponente haben können, wird bei Grabow jedoch nicht thematisiert. Der Faktor „Reli­gion“ etwa kann unter­neh­mensbezogen sein in dem Sinne, daß die Religion beispiels­weise durch den Freitag im Islam, eine direkte Auswirkung auf die Tätigkeit des Unter­neh­mens an einem ausländischen Stand­ort hat. Gleichzeitig besteht eine personenbezogene Kompo­nente, falls eine persönliche Abneigung oder Zuneigung des Entscheidungsträgers zu einzel­nen Religionsgruppen besteht.

[74] Die Entfernung der Philippinen von Europa wurde in den durchgeführten Unter­neh­mens­befragungen im Vergleich zu der Indonesiens oft überschätzt.

[75] Siehe Diller, Stand­ortfaktoren, 1991, S.28.

[76] Dziembowska-Kowalska et al., location factor,1998, S.3f.

[77] Vgl. den bereits in Kapitel 1.1 zitierten Beitrag von Kunzmann, Stand­ortfaktor, 1992, S.5.

[78] Vgl. §55 Abs. 1 der Verordnung zur Durchführung des Außenwirtschaftsgesetzes vom 20. Dezember 1966 in der Neufassung vom 31. Dezember 1973 (BGB l. I, S.1070).

[79] Borrmann, Unter­neh­men, 1996, S.7, zufolge sind 71% der deutschen Unter­neh­men in Asien über sogenannte non-equity investments, d.h. kapitallose Formen der Internationalisierung aktiv.

[80] Hymer, International, 1976, S.1, faßt knapp zusammen: „If the investor controls the foreign enter­prise, his investment is called a direct investment. If he does not control it, his invest­ment is a portfolio investment.“

[81] Teilweise wird auch von „Portfeuille-Investition“ gesprochen, vgl. Meyer; Rühmann, Direkt­in­ve­stitionen, 1993, S.62.

[82] Vgl. Jahreiß, Direktinvestitionen, 1984, S.25, und Buckley, Multinational, 1997, S.187.

[83] Jahreiß, Direktinvestitionen, 1984, S.26.

[84] Vgl. Pausenberger, Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen, 1980, S.1022ff., und Kortüm, Entscheidungspro­zeß, 1972, S.13.ff.

[85] Vgl. Braun, Direktinvestition, 1988, S.7ff., sowie Pausenberger, Aus­lands­in­ve­sti­tio­nen, 1980, S.1022ff., und Jahreiß, Direktinvestitionen, 1984, S.25ff.

[86] Glaum, Unter­neh­menserfolg, 1995, S.29.

[87] Vgl. Buckley, Multinational, 1997, S.186. Portfolioinvestitionen werden im Englischen als financial investment bezeichnet.

[88] Bundesbank, Direktinvestitionen, 1965, S.19.

[89] Bernkopf, Strategien, 1980, S.14, spricht von „absatzwirtschaftlichen Direktinvestitionen“. Bennet; Green, Instability, 1972, S.182, sprechen von „foreign investment in marketing“. Diese machen angeblich 49% aller Direktinvestitionen von US-Unter­neh­men aus.

[90] Bernkopf, Strategien, 1980, S.14.

[91] Ebenda, S.15.

[92] Vgl. auch Hauschildt, Entscheidungsziele, 1977, S.9, der Ziele als „Aussagen mit norma­tivem Charakter, die einen von einem Entscheidungsträger gewünschten, von ihm oder anderen anzustrebenden, auf jeden Fall zukünftigen Zustand der Realität beschreiben“ und Kappler, Zieldurchsetzungsplanung, 1975, S.82ff., der Ziele als gewünschte Zustände, mittels deren Hilfe sich Kriterien zur Normierung und Messung von Verhaltensweisen bzw. Konse­quenzen dieser Verhaltensweisen ableiten lassen definiert.

[93] Siehe Kortüm, Entscheidungsprozeß, 1972, S.10.

[94] Vgl. etwa Jungnickel, Direktinvestitionen, 1993, S.322-324, sowie Beyfuß; Kitterer, Direkt­inve­stitionen, 1990, S.41-53 und Al-Ani, Direktinvestition, 1969, S.203-206, um nur einige zu nennen.

[95] Versuche finden sich bei Bernkopf, Strategien, 1980, S.3, sowie bei Scherhorn, Bedürfnis, 1959, S.86ff. und Bindlingmaier, Unternehmerziele, 1973, S.85-89.

[96] Siehe etwa Kantona, Verhalten, 1960, S.231ff.

[97] Dunning, Determinants, 1973, zitiert bei Gilroy, Enterprises, 1989, S.18, kritisiert beispiels­weise die oft unterlassene Unterscheidung zwischen Motiven und Determinanten.

[98] Eisenführ; Weber, Entscheiden, 1999, S.31.

[99] Siehe Gabler, Wirtschafts-Lexikon, 1993, S.968. Geißler, Fehlentscheidungen, 1986, S.10, defi­niert folgendermaßen: „Eine Entscheidung ist eine zielbeeinflußte, bewußte und selbst­ver­pflichtende Wahl einer Alternative aus mehreren Verhaltensmöglichkeiten, die das zu­künf­tige Verhalten bestimmt.“

[100] Eisenführ; Weber, Entscheiden, 1999, S.16.

[101] Ebenda, S.4f.

[102] Vgl. Behrens, Stand­ortbestimmungslehre, 1971, S.48.

[103] Deshalb wird es hier noch vor Dillers Untersuchung besprochen, obwohl diese zeitlich davor liegt.

[104] Grabow, Stand­ortfaktoren, 1995, S.15.

[105] Grabow, Stand­ortfaktoren, 1995, S.61.

[106] Ebenda, S.17.

[107] Grabow, Stand­ortfaktoren, 1995, S.18f.

[108] Diller, Stand­ortfaktoren, 1991, S.107 und S.1f.

Details

Seiten
358
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832495909
ISBN (Buch)
9783838695907
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v224498
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Wirtschaftswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
investition management entscheidungstheorie ausland

Autor

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Titel: Die Bedeutung weicher Standortfaktoren bei Auslandsinvestitionen mit besonderer Berücksichtigung des Fallbeispiels Thailand