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Städtetourismus in Freiburg

Positive Impulse durch Kooperation mit dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald?

Diplomarbeit 2004 194 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Methodik
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Städtetourismus – eine theoretisch konzeptionelle Übersicht
2.1 Forschungsgegenstand und Begriffsbestimmung des Städtetourismus
2.2 Historische Entwicklung des Städtetourismus
2.3 Charakteristika des Städtetourismus
2.4 Datengrundlage und Erfassungsprobleme des Städtetourismus
2.5 Die aktuelle Situation des Städtetourismus in Deutschland und zukünftige Trends
2.6 Einflussgrößen, Effekte und Auswirkungen im Städtetourismus
2.6.1 Demografische Einflüsse
2.6.2 Soziodemografische Merkmale privater und beruflicher Kurz- und Städtereisender im Tages- und Übernachtungstourismus
2.6.3 Abhängigkeit des Ausgabeverhaltens vom Reiseanlass
2.6.3.1 Ausgabenhöhe und - struktur in Abhängigkeit vom Reiseanlass
2.6.3.2 Altersstruktur und Ausgabeverhalten in Abhängigkeit vom Ortstyp
2.6.3.3 Tagesausgaben der Übernachtungsgäste in Baden-Württemberg
2.6.3.4 Ausgaben der privaten Tagesausflugsgäste in den Großstädten Baden- Württembergs
2.6.3.5 Tagesausgaben im geschäftlich motivierten Reiseverkehr
2.7 Ökonomische Effekte des Städtetourismus
2.8 Beschäftigungseffekte des Fremdenverkehrs
2.8.1 Wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs für Freiburg
2.8.2 Schätzung der tourismusbedingten Wertschöpfung in Freiburg
2.9 Das städtetouristische Angebot
2.9.1 Überblick und Systematisierung
2.9.2 Das abgeleitete Angebot

3 Das Angebotspotenzial des Untersuchungsraums
3.1 Das ursprüngliche Angebot – naturräumliche Übersicht der Stadt Freiburg
3.1.1 Exkurs: Historische und stadtgeografische Entwicklung Freiburgs
3.1.2 Bevölkerungsentwicklung in Freiburg seit 1950
3.1.3 Wirtschaftsstruktur
3.1.4 Flächennutzung und Bevölkerungsdichte
3.1.5 Verkehrserschließung
3.1.6 Öffentlicher Personennahverkehr
3.1.7 Verkehrspolitik und –konzepte der Stadt
3.1.8 Der Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF)
3.2 Das abgeleitete touristische Angebot der Stadt Freiburg
3.2.1 Messe- und Kongresstourismus – die „Neue Messe Freiburg“
3.2.2 Das Zeltmusikfestival (ZMF)
3.2.3 Der Sport-Club Freiburg als Wirtschafts- und Tourismusfaktor
3.3 Das Beherbergungsangebot der Stadt Freiburg
3.4 Gastronomie
3.5 Marketing der Freiburg Wirtschaft und Touristik GmbH – Freiburg ohne Konzept?
3.6 Bessere Vermarktungschancen für die Stadt Freiburg durch die Mitgliedschaft in Werbegemeinschaften?
3.7 Das Angebotspotenzial des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald
3.7.1 Exkurs: Historie des Landkreises
3.7.2 Natürliche Angebotsfaktoren des Landkreises
3.7.3 Verkehrserschließung
3.7.4 Größe und Einwohnerzahl
3.7.5 Flächennutzung
3.7.6 Wirtschaftsstruktur des Landkreises
3.8 Abgeleitete Angebotsfaktoren
3.9 Marketing der Landkreisgemeinden
3.9.1 Breisach
3.9.2 Titisee-Neustadt
3.9.3 Schluchsee
3.9.4 Badenweiler
3.9.5 Bad Krozingen
3.9.6 Feldberg
3.9.7 Lenzkirch
3.9.8 Glottertal
3.9.9 Hinterzarten

4 Die Nachfrageentwicklung des Tourismus in Freiburg und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
4.1 Die touristische Nachfrage in Freiburg – Gäste- und Übernachtungszahlen
4.1.1 Die Nachfrage in den Freiburger Beherbergungsbetrieben
4.1.2 Soziodemografie und Ausgabeverhalten der Freiburger Städtetouristen
4.1.3 Soziodemografische Unterschiede in der Gästestruktur zwischen der Stadt Freiburg und dem Umland
4.1.4 Räumliches Aktivitätenmuster der Freiburger Städtetouristen
4.2 Vergleich der Angebots- und Nachfrageentwicklung der Stadt Freiburg mit Heidelberg
4.3 Die touristische Nachfrageentwicklung im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und im Südlichen Schwarzwald
4.4 Räumliche Verteilung der Übernachtungsgäste im Umland

5 Positive Impulse für den Städtetourismus in Freiburg durch Kooperation mit dem Umland?
5.1 Die Freiburger Sichtweise
5.2 Die Sichtweise der Gemeinden
5.2.1 Breisach
5.2.2 Titisee-Neustadt
5.2.3 Schluchsee
5.2.4 Badenweiler
5.2.5 Bad Krozingen
5.2.6 Feldberg
5.2.7 Lenzkirch
5.2.8 Glottertal
5.2.9 Hinterzarten
5.3 Trends und Zukunftsperspektiven für den Tourismus im Untersuchungsgebiet
5.3.1 Die Stadt Freiburg
5.3.2 Trends und Perspektiven für den Landkreis

6 Handlungsempfehlungen für die zukünftige Tourismuspolitik in Freiburg und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

7 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Erklärung

Vorwort

Diese Diplomarbeit wäre ohne die Mithilfe verschiedener Personen in der vorliegenden Form nicht zu realisieren gewesen.

Zunächst möchte ich mich daher bei allen Gesprächspartnern in Freiburg und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald bedanken, die mir für die Expertengespräche mit Ihrer Auskunftsfreude und Ihrer großen Kooperationsbereitschaft zur Verfügung standen. Mein persönlicher Dank gilt Herrn Christoph Heller von der Freiburg Wirtschaft und Touristik GmbH, der mir mit zahlreichen Informationen stets eine große Hilfe war.

Darüber hinaus gilt mein Dank Herrn Prof. Dr. Ingo Eberle für die Übernahme der Erst-korrektur und die wertvollen Anregungen während der letzten Monate. Ferner möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr. Christoph Becker für die Übernahme der Zweitkorrektur bedanken.

Mein ganz besonders herzlicher Dank gilt allen Freunden, die mir beim Korrekturlesen und bei technischen Fragen mit Rat und Tat zur Seite standen. Namentlich erwähnt seien Frau Andrea Köhler, Frau Karin Kolz, Herr Paulo Pais und Frau Katrin Munsch.

Mein großer Dank gebührt nicht zuletzt meinen Eltern, ohne deren langjährige und liebevolle Unterstützung dieses Studium nicht möglich gewesen wäre.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Veränderungsraten der Übernachtungen im deutschen Städtetourismus gegenüber dem Vorjahr

Abbildung 2: Arten von Kurzurlaubsreisen 2001 (in % der Reisenden)

Abbildung 3: Kurzurlaubsreiseintensität 1970-1999 in % mit Trendlinie bis 2020

Abbildung 4: Wachstumspotenziale einzelner Urlaubsformen

Abbildung 5: Ausgaben der Übernachtungsgäste in Deutschland in gewerblichen Betrieben über 8 Betten nach Altersgruppen – Ø Abweichung in % -

Abbildung 6: Die Ausgabenhöhe in Abhängigkeit vom Ortstyp - Abweichungen bei Gästen in gewerblichen Betrieben in % - (Ø Abweichung )

Abbildung 7: Struktur der Ø Tagesausgaben pro Übernachtungsgast in Freiburg (2000):

Abbildung 8: Prozentuale Verteilung der Ø Tagesausgaben pro Tagesbesucher in Freiburg im Jahr 2000 (gesamt: 23,60 €)

Abbildung 9: Durchschnittliche Tagesausgaben von Geschäftsreisenden

Abbildung 10: Die Entwicklung der amtlichen Bevölkerungszahl Freiburgs seit 1950

Abbildung 11: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Freiburg im Jahr 2000 nach Wirtschaftsbereichen

Abbildung 12: Einwohner je km2 Siedlungs- und Verkehrsfläche 1990 und 2000

Abbildung 13: Die Entwicklung der Fahrgastzahlen der VAG von 1980 bis 2002 (Angaben in Mio. Fahrgäste)

Abbildung 14: Tourist-Info als Ansprechpartner oder Infoquelle der Erstbesucher? (N=52; n=52)

Abbildung 15: Zufriedenheit mit dem Service der Freiburger Tourist-Info? (N=61;n=61)

Abbildung 16: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte des Landkreises

Abbildung 17: Entwicklung der Übernachtungszahlen in Freiburg seit 1950

Abbildung 18: Aufenthaltsdauer der Übernachtungsgäste in Freiburg (N=47;n=47)

Abbildung 19: Art der Unterkunft; Angaben in % aller Befragten (N=72;n=72)

Abbildung 20: Die Entwicklung der Übernachtungszahlen in den (gewerblichen) Freiburger Beherbergungsbetrieben (1990-2002)

Abbildung 21: Auslandsgäste in Freiburg im Jahr 2000 nach den wichtigsten Herkunftsländern (in %, gerundet)

Abbildung 22: Auslandsgäste nach Herkunftsländern im Befragungszeitraum (N=34; n=34)

Abbildung 23: Herkunftsländer aller Gäste in Freiburg im Befragungszeitraum (N=102;n=102)

Abbildung 24: Herkunft der deutschen Gäste nach Bundesländern (N=67;n=67)

Abbildung 25: Mit wie viel Personen besuchen Sie die Stadt? (N=102;n=102)

Abbildung 26: Wie sind Sie auf Freiburg aufmerksam geworden? (N=134; n=102, Mehrfachnennungen)

Abbildung 27: Nettoeinkommen und Bildungsgrad der Freiburger Städtetouristen (N=80;n=102)

Abbildung 28: Ausgabeverhalten und Bildungsgrad der Freiburger Gäste (N=101; n=102)

Abbildung 29: Berufsgruppen der Freiburger Städtetouristen (N=102;n=102)

Abbildung 30: Alter der Gäste (N=102;n=102)

Abbildung 31: Tagesausgaben in Abhängigkeit vom Alter der Gäste (N=102;n=102)

Abbildung 32: Ausgabeverhalten von Geschäftsreisenden in Freiburg (N=28;n=28)

Abbildung 33: Ausgabeverhalten Urlaubsreisender in Freiburg (N=48;n=48)

Abbildung 34: Verkehrsmittelwahl der Freiburg-Touristen in Abhängigkeit vom Alter (N=102;n=102)

Abbildung 35: Anzahl der Tages- und Übernachtungsgäste in Freiburg sowie Anzahl der Übernachtungsgäste im Umland (N=102, n=102)

Abbildung 36: Nettoeinkommen und Übernachtungsort (N=75;n=102)

Abbildung 37: Übernachtungsorte der Berufsgruppen (N=102,n=102)

Abbildung 38: Aktivitäten der Freiburger Gäste (N=206;n=102, Mehrfachnennungen)

Abbildung 39: Welche Sehenswürdigkeiten schauen Sie sich an und in welcher Reihenfolge? (N=260;n=102, Mehrfachnennungen)

Abbildung 40: Räumliches Verhalten der Freiburger Gäste (N=260;n=102)

Abbildung 41: Zufriedenheit mit dem touristischen Angebot in Freiburg (N=432;n=102, Mehrfachnennungen)

Abbildung 42: Welchen Eindruck haben Sie als Erstbesucher von Freiburg? (N=52;n=52)

Abbildung 43: Organigramm des Baden-Württemberg-Tourismus

Abbildung 44: Die räumliche Verteilung der Übernachtungsgäste im Umland (N=35;n=35)

Abbildung 45: Gründe für die Umlandsübernachtung (N=48; n=35; Mehrfachnennungen)

Abbildung 46: Besuchsanlässe der Freiburger Übernachtungsgäste (N=59,n=47) (Mehrfachnennungen)

Abbildung 47: Besuchsanlässe der Tagesgäste in Freiburg (N=27;n=20, Mehrfachnennungen)

Abbildung 48: Besuchsanlässe der Freiburger Gäste, die im Umland übernachten (N=49; n=35, Mehrfachnennungen)

Abbildung 49: Aktivitäten der Freiburger Übernachtungsgäste (N=89; n=47, Mehrfachnennungen)

Abbildung 50: Assoziation des Begriffs „Breisgau-Hochschwarzwald“ (N=202; n=102, Mehrfachnennungen)

Abbildung 51: Gemeinsamer Werbeauftritt von Stadt und Landkreis? (N=89; n=102)

Abbildung 52: Gemeinschaftswerbung gewünscht, Begründung? (N=89; n=102)

Abbildung 53: Beherbergung im Reiseverkehr im Jahr 2002 in den ausgewählten Orten des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Städtetourismusarten

Tabelle 2: Entwicklung der Städtereisen von 1997 bis 2002

Tabelle 3: Entwicklung des Kurzreisemarkes:

Tabelle 4: Ausgewählte soziodemografische Merkmale von Kurzurlaubsreisenden im Jahr 2001

Tabelle 5: Struktur der Ø Tagesausgaben pro Übernachtungsgast in gewerblichen Betrieben über 8 Betten im Reisegebiet Südlicher Schwarzwald (=93,20€)

Tabelle 6: Struktur der Tagesausgaben bei Ausflügen in großstädtische Zielgebiete in Baden-Württemberg (über 100.000 Einwohner, gerundet in €)

Tabelle 7: Systematisierung des städtetouristischen Angebots

Tabelle 8: Beherbergungsbetriebe mit mehr als 9 Betten nach Betriebsarten (jeweils am Jahresende)

Tabelle 9: Beherbergungsbetriebe nach Betriebsgrößenklassen (jew. am Jahresende)

Tabelle 10: Vergleich der Angebotsentwicklung in Beherbergungsstätten 2001 und 2002 in Freiburg und Heidelberg

Tabelle 11: Vergleich der Nachfrageentwicklung in Freiburg und Heidelberg 2001-2002

Tabelle 12: Vergleich der Nachfrageentwicklung in Freiburg und Heidelberg 2001-2002 im Segment Ausländerübernachtungen und -ankünfte

Tabelle 13: Tourismusintensität der gewerblichen Betriebe

Tabelle 14: Tourismusintensität in Baden-Württemberg

Tabelle 15: Touristische Umsätze im Südlichen Schwarzwald

Anhangsverzeichnis

Anhang I: Karte der Verwaltungsgrenzen des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald (mit Freiburg im Breisgau)

Anhang II: Gesprächsleitfaden Expertengespräche

Anhang III: Abschrift der Expertengespräche in der Woche vom 04.-08.08.03

Anhang IV: Fragebogen Freiburg Tages- und Übernachtungsgäste

Anhang V, 1: Übernachtungen im Reiseverkehr im deutschen Städtetourismus

Anhang V, 2: Soziodemografische Merkmale Städtereisender im Jahr 2000

Anhang V, 3: Bettenangebot und -auslastung in Freiburgs gewerblichen Beherbergungsbetrieben

Anhang V, 4: Von 100 Übernachtungen in den Jahren 1990 bis 2002 entfielen auf:

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Tourismusbranche wird ungeachtet derzeitiger Absatzprobleme nach wie vor von vielen Fachleuten als der Wirtschaftszweig mit der größten Entwicklungschance in der Zukunft gesehen. Dies lenkt gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten große Aufmerksamkeit auf den Tourismus, insbesondere deshalb, weil er als Hoffnungsträger des Dienstleistungssektors die - ökonomisch notwendige - Schwerpunktverlagerung von der Dominanz des sekundären hin zum tertiären Sektor fördert. Über die gesamtwirtschaftliche Funktion des Tourismus hinaus wird in letzter Zeit allerdings verstärkt seine gesellschaftliche, soziokulturelle und soziodemografische Komponente in den Vordergrund gerückt (vgl. JENTSCH 1996, S.1).

Dieser Bedeutungswandel förderte in den letzten Jahren vermehrt die Entstehung zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen zum Tourismus im Allgemeinen. Im Gegensatz dazu wurde und wird dem Städtetourismus[1] nach wie vor kein besonderes Interesse der interdisziplinären Freizeit- und Tourismusforschung entgegengebracht (vgl. MEIER 1994, S. 104). Lediglich für bestimmte Segmente, wie zum Beispiel für die touristische Analyse von Kleinstädten, oder die Untersuchung ökonomischer Effekte des Städtetourismus wurden diverse Studien erstellt (vgl. MEIER 1994, S. 105). Analysen, die sämtliche Erscheinungsformen des städtischen Fremdenverkehrs berücksichtigen, sind für kaum eine deutsche Großstadt verfügbar (vgl. JENTSCH 1996, S. 1).

Diese mangelnde Aufmerksamkeit erscheint vor dem Hintergrund der quantitativen Bedeutung der Städtereise unverständlich, waren doch allein im Jahr 1999 nahezu ein Viertel aller Deutschlandreisen Städtereisen[2] und damit das mit Abstand wichtigste Marktsegment im Deutschlandtourismus (vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND ARBEIT 2000, S. 2).

Im Jahr 2001 wurden nun erstmals seit 1993 - nach Jahren des überdurchschnittlichen Wachstums - wieder rückläufige Übernachtungszahlen in den deutschen Großstädten verzeichnet. So sank die Zahl der Übernachtungen gegenüber dem Jahr 2000 um 1,3% (vgl. SPÖREL 2003, S. 44).

Angesichts dieser sich abzeichnenden Stagnationstendenzen im deutschen Städtetourismus stehen immer mehr Großstädte vor bislang unbekannten Problemen und neuen Herausforderungen. Ein kritischeres Verbraucherverhalten, eine insgesamt größere Mobilität und ein sich veränderndes Wertebewusstsein führen zu einer zunehmenden Verschiebung vom Verkäufermarkt zum Käufermarkt ( vgl. FREYER 2001, S. 209 ff.). Das wiederum bedeutet für die touristisch Verantwortlichen der Städte, die Nachfrage zukünftig ganz grundsätzlich sicherzustellen, während es bislang eher darum ging, die Distribution einzelner Angebote oder Segmente zu gewährleisten (vgl. JENTSCH 1996, S. 4). Die Kenntnis der soziodemografischen Struktur ihrer Gäste ist daher von zentraler Bedeutung für die Städte, um auf diese veränderten Rahmenbedingungen mit den richtigen auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnittenen Konzepten reagieren zu können.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Für den Städtetourismus wird es also zukünftig noch mehr als bislang darauf ankommen, das Angebotspotenzial einer Stadt in den Vordergrund zu rücken. Die touristischen Akteure der Städte sind in Kenntnis dessen aufgerufen, ihre bisherigen Marketingkonzepte zu überprüfen. Es wird daher in der touristischen Praxis zunehmend diskutiert und teilweise auch schon praktiziert, in Kooperation mit dem Umland und seinen Attraktionen am Markt zu agieren bzw. gemeinsam mit der umliegenden Region zu werben (vgl. JENTSCH 1996, S. 97).

Ziel der vorliegenden Arbeit ist daher vor allem:

- die aktuelle Situation und zukünftige Entwicklung des Städtetourismus in Deutschland ausführlich darzustellen und zu prognostizieren sowie das Angebotspotenzial von Städten im Allgemeinen zu untersuchen,
- das touristische Angebots- und Nachfragepotenzial der Stadt Freiburg und des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald[3] zu eruieren,
- die Marketingkonzepte der Stadt Freiburg und des Landkreises aufzuzeigen und zu bewerten,
- die soziodemografischen Merkmale der Gäste in Freiburg und im Landkreis[4] zu analysieren und deren mögliche Unterschiede aufzuzeigen,
- das Verhältnis zwischen Stadt und Landkreis im Hinblick auf Kooperation bzw. Konkurrenz zu untersuchen,
- die Impulse des Landkreises für den Städtetourismus in Freiburg herauszuarbeiten und
- Handlungsempfehlungen für die zukünftige Tourismuspolitik in Freiburg und im Landkreis auszusprechen.

1.2 Methodik

In der nachfolgenden Ausarbeitung kamen als Verfahrensweisen der empirischen Sozialforschung sowohl die Primär- als auch die Sekundärerhebung zur Anwendung. Die Sekundärerhebung bestand größtenteils aus der Auswertung amtlicher und nicht amtlicher Statistiken, wobei primär die touristisch relevanten Aspekte, wie zum Beispiel die Anzahl der Übernachtungsgäste, im Vordergrund standen.

Da es nur von begrenzter Aussagekraft ist, die Bedeutung des Städtetourismus allein anhand sekundärstatistischer Materialien festzumachen, wurden im Rahmen der Primärerhebungen Gästebefragungen in der Stadt Freiburg und Expertengespräche sowohl bei der dafür verantwortlichen Institution in Freiburg (Freiburg Wirtschaft und Touristik GmbH, FWT) als auch in ausgewählten Ortschaften des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald durchgeführt.

Die Expertengespräche wurden in Form der offenen, halbstrukturierten Befragung geführt. Dabei wurden die drei Prinzipien der Problemzentrierung, der Gegenstandsorientierung und der Prozessorientierung (vgl. MAYRING 1996, S. 52) berücksichtigt. Das bedeutet, dass Fragenkomplexe behandelt wurden, deren Aspekte vom Verfasser bereits vor den Gesprächsrunden erarbeitet wurden, und dass die Interviews auf den spezifischen Gegenstand, in diesem Fall die zu eruierenden Impulse des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald für den Städtetourismus in Freiburg durch interkommunale Kooperation, ausgerichtet waren. Die Durchführung der Expertengespräche erfolgte anhand eines vorher erstellten und variabel handhabbaren Gesprächsleitfadens für die Stadt und die Landkreisgemeinden[5] (Gesprächsleitfaden im Anhang II und Gesprächsprotokolle im Anhang III).

Bei den Fragen handelte es sich zum einen um „Leitfadenfragen“, d.h. um diejenigen Themen, die als wesentliche Fragestellungen im Interviewleitfaden festgehalten wurden, aber auch um so genannte, aus der Gesprächssituation entstandene „ad-hoc-Fragen“ (vgl. MAYRING 1996, S. 52). Um eine bessere Vergleichbarkeit zu ermöglichen, wurden die Expertengespräche mit den jeweiligen Geschäftsführern, Kurdirektoren oder Marketingleitern der Tourist-Informationen und der Freiburg Wirtschaft und Touristik GmbH geführt, unter Zuhilfenahme eines Tonbandgeräts aufgezeichnet und anschließend in nahezu wörtlicher Form transkribiert. Die Gesprächsergebnisse wurden dabei qualitativ analysiert und in die vorliegende Ausarbeitung integriert.

Die telefonische Kontaktaufnahme erfolgte zunächst mit insgesamt 10 Tourist-Informationen, davon konnten letztlich neun Termine im mündlichen Gespräch realisiert werden; die Tourist-Info Hinterzarten beteiligte sich in schriftlicher Form (mit beantwortetem Fragebogen). Die Befragungen sollten zum einen den jeweiligen Ist-Zustand des Ortes, seine touristischen Strukturen, die Perspektiven und Trends und zum anderen die Kooperationsformen sowie die Verflechtungen mit der Stadt Freiburg widerspiegeln. Darüber hinaus ging es darum, die Impulse des Landkreises für den Freiburger Städtetourismus zu eruieren. Zu diesem Zweck wurden in der Woche vom 04.-08.August 2003 folgende Personen befragt, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit als Experten für den Tourismus im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gelten:

- Frau Annette Senn, Geschäftsführerin der Breisach-Touristik
- Herr Hartmut Märtin, Kurdirektor Titisee-Neustadt
- Herr Norbert Göppard, Geschäftsführer der Tourist-Information Schluchsee
- Herr Jörg Maier, Marketingleiter der Tourist-Information Bad Krozingen
- Herr Volker Haselbacher, Kurdirektor Feldberg
- Herr Otto-Richard Bauder, Kurgeschäftsführer Lenzkirch
- Frau Andrea Würzburger, Marketingleiterin der Tourist-Information Glottertal
- Frau Sabine Weber, Werbeleiterin, Herr Christoph Heller (Öffentlichkeitsarbeit), Herr Wolfgang Schwehr (Verkehrsdirektor) der Freiburg Wirtschaft und Touristik (FWT)

Die mündliche Befragung der Tages- und Übernachtungstouristen wurde mittels standardisierter Fragebögen (vgl. Anhang IV) in Form des so genannten „face-to-face-Interviews“ im Altstadtbereich Freiburgs durchgeführt. Der Befragungszeitraum erstreckte sich auf das letzte Augustwochenende (30.-31.08.03). Der Stichprobenumfang umfasste insgesamt 102 Gäste (n=102)[6]. Die anschließende Auswertung wurde mittels des SPSS-Statistik-Programms (Version 12.0) vorgenommen, um die Häufigkeitsverteilungen in grafischer Form darzustellen. Der so genannte „pre-test“ zur Verständnis-Überprüfung des Fragebogens wurde anhand zehn zufällig ausgewählter Probanden im Vorfeld zwei Wochen vor Beginn der Befragung durchgeführt. Die Auswertung der Gästebefragung wurde mittels erstellter Diagramme des Microsoft-EXCEL-Programms in die Ausarbeitung integriert, beschrieben und analysiert, um Rückschlüsse zu den theoretischen Darstellungen zu ermöglichen.

1.3 Aufbau der Arbeit

Nach einer einführenden Begriffsklärung zum Untersuchungsgegenstand des Städtetourismus (Kapitel 2.1) sollen zunächst dessen historische Entwicklung (Kapitel 2.2), die Charakteristika (Kapitel 2.3) sowie die allgemeinen Datengrundlagen und dessen Erfassungsprobleme einer näheren Betrachtung unterzogen werden (Kapitel 2.4). Die aktuelle Situation des Städtetourismus in Deutschland sowie die zukünftigen prognostizierten Entwicklungen und Trends werden daran anschließend ausführlicher behandelt (Kapitel 2.5), bevor das Spektrum der Einflussgrößen auf den Städtetourismus näher analysiert wird (Kapitel 2.6). Die soziodemografischen Merkmale privater und geschäftlicher Städtereisender sowie deren Ausgabeverhalten werden dabei im Mittelpunkt der Untersuchung stehen. Im Anschluss daran erfolgt die Darstellung ökonomischer Effekte des Städtetourismus (Kapitel 2.7) sowie eine Beispielrechnung für die touristische Wertschöpfung der Stadt Freiburg (Kapitel 2.8) und ein Gesamtüberblick über das städtetouristische Angebot (Kapitel 2.9).

Darauf aufbauend beschäftigt sich die Arbeit mit dem gesamten ursprünglichen und abgeleiteten Potenzial des Untersuchungsraums [7] - der Stadt Freiburg im Breisgau und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald - (Kapitel 3 ) sowie den dortigen Marketingkonzepten (Kapitel 3.5 u 3.9).

Die Nachfrageentwicklung des Übernachtungstourismus in Freiburg stellt einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit dar (Kapitel 4). Insbesondere die soziodemografischen Merkmale der Freiburger Städtetouristen sollen dabei einer vergleichenden Analyse mit den allgemeinen soziodemografischen Merkmalen von Städtetouristen unterzogen werden. Eine vergleichende Untersuchung soll die möglichen Unterschiede in der Gästestruktur zwischen Stadt und Landkreis aufzeigen. Mögliche Impulse und Synergieeffekte für den Freiburger Städtetourismus durch den Einfluss des Landkreises sollen daran anschließend die touristische Bedeutung des Umlands für die Stadt Freiburg veranschaulichen (Kapitel 5). Die zukünftigen touristischen Trends im Untersuchungsgebiet (Kapitel 5.3) werden diese Untersuchung vervollständigen, bevor abschließend Handlungsempfehlungen für die zukünftige Tourismuspolitik in Freiburg und den Landkreis ausgesprochen werden (Kapitel 6) und eine Schlussbetrachtung vorgenommen wird (Kapitel 7).

2 Städtetourismus – eine theoretisch konzeptionelle Übersicht

Um einen besseren Zugang zum städtetouristischen Themenkomplex zu bekommen, sind zunächst einige Begriffsklärungen vorzunehmen.

Nach weithin verbreiteter Auffassung sind die Begriffe Tourismus und Fremdenverkehr synonym zu verwenden (vgl. FREYER 2001, S. 406).

Als allgemein anerkannte Definition dient die Auslegung von KASPAR (1982, S. 18). Er stellt den Begriff Fremdenverkehr bzw. Tourismus als

„die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen dar, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist.“

Diese Definition soll als Bezugsgrundlage für den nachfolgend zu analysierenden Forschungsgegenstand des Städte tourismus Verwendung finden.

2.1 Forschungsgegenstand und Begriffsbestimmung des Städtetourismus

In einer ersten Klassifizierung (vgl. EBERHARD 1974, S. 6 f.) wurden städtetouristische Erscheinungsformen differenziert nach Städtetourismus im engeren Sinn, Kongreß- und Konferenzreiseverkehr, Geschäftsreiseverkehr, Tagesveranstaltungsverkehr, Einkaufs-verkehr, Abendbesuchsverkehr und Verwandten- und Bekanntenbesuchen.

In Anlehnung an eine Definition von SCHREIBER (1990, S. 22) umfasst Städtetourismus:

„die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus Reise und Aufenthalt von beruflich oder privat motivierten Personen ergeben, die für weniger oder mehr als 24 Stunden in Städte (...) reisen, welche für sie weder Aufenthaltsorte (...) noch hauptsächliche Arbeits- bzw. Wohnorte sind.“

BLEILE (1983, S. 24) erweitert den Kreis der Städtetouristen ebenso wie SCHREIBER um den Kreis der Tagesgäste; ADERHOLD (1976, S. 9) hingegen fordert einen Mindestaufenthalt von 24 Stunden als Abgrenzungskriterium des Städtetourismus.

Die Berücksichtigung des Tagestourismus ist allerdings als ganz entscheidend zu bewerten, denn gerade die Tagesgäste stellen für die Städte in Volumen und Umsatz oftmals eine wichtigere Größe als der Übernachtungsgast dar (vgl. BLEILE 1988, S. 11 ff.).

Einige Vertreter in der Literatur stufen hingegen nicht die Übernachtung, sondern die Herkunft der Besucher als entscheidendes Kriterium für die Einordnung als Städtetouristen ein (vgl. JENTSCH 1996, S. 2).

BECKER (1984, S. 7) nimmt ebenso wie STEINBACH (1998, S. 16) mit dem Hinweis auf die Zugehörigkeit des Umlands zum „zentralörtlichen Bereich“ bzw. zum „zentralörtlichen Freizeitverkehr“ den Tagesgeschäfts-, Veranstaltungs-, Einkaufs- und Abendbesuchsverkehr aus dem Definitionsbereich des Städtetourismus heraus[8]. Eine weitere Variante des Städtetourismus stellt der Großstadttourismus dar, der nach verschiedenen Autoren als „Häufung von Ortsfremden mit begrenzter Aufenthaltsdauer in einer Großstadt[9] bezeichnet werden kann, wobei sich Interdependenzen verschiedenster Art zwischen Fremden und Großstadtbevölkerung ergeben.“ (VETTER 1986, S. 26)

Eine weitere Spielart des Städtetourismus stellt die so genannte Städtekurzreise dar, die ADERHOLD (1976, S. 15) definiert als:

eine Reise, die über das (verlängerte) Wochenende oder die Feiertage zusätzlich zur Urlaubsreise außerhalb der Urlaubsreisezeit zwischendurch, ohne lange Planung und Überlegung unternommen wird und die vornehmlich den Charakter einer Erlebnis- und/oder Bildungsreise hat.“

Weitere Charakteristika der Städtekurzreisen sind darüber hinaus:

- eine weniger stark ausgeprägte Saisonalität der Stadt im Vergleich zu Erholungsorten aufgrund einer relativen Witterungsunabhängigkeit;
- ein oftmals hoher Übernachtungsanteil von Geschäftsreisenden;
- Saisonspitzenwerte finden sich eher im Herbst und Frühjahr als zur Haupturlaubszeit;
- der Geschäftsreiseverkehr ist vorwiegend auf die Wochentage konzentriert, die Städtekurzreise hingegen wird meist am Wochenende durchgeführt wird (vgl. MEIER 1994, S. 23).

Die Aufzählung der vermeintlich typischen Merkmale (vgl. nachfolgende Tabelle 1) des Städtetourismus zeigt die Schwierigkeiten, eine einheitliche Systematik des Begriffs herzustellen. Weitgehende Übereinstimmung herrscht in der Literatur jedoch zumindest dahin gehend, den Städtereisenden – gewissermaßen als „kleinsten gemeinsamen Nenner“ - nach Reisemotiven zu gliedern und zwar in privat oder beruflich motivierten Tourismus mit dem Ziel Großstadt (vgl. JENTSCH 1996, S. 2). Unter Berücksichtigung der Kriterien Aufenthaltsdauer und Reisemotiv können die Erscheinungsformen des Städtetourismus folgendermaßen systematisiert werden.

Tabelle 1: Städtetourismusarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: nach MEIER 1994, S. 8; SCHREIBER 1990, S. 20; EBERHARD 1974, S. 20 ff.)

Problematisch an der obigen Darstellung ist jedoch, dass die Kur- und Bäderreisen als spezielle Segmente des Gesundheitstourismus nicht aufgeführt werden, da die dementsprechenden Voraussetzungen nicht in jeder Stadt gewährleistet sind. Die strenge Unterteilung ist darüber hinaus für die Praxis nur bedingt brauchbar und durchaus umstritten, weil sie zu stark auf Einzelmotive abzielt (vgl. QUACK/WACHOWIAK 1997, S. 85).

In Bezug auf die obige Einteilung versteht HENSEL unter Städtetouristen all diejenigen Personen, „ die sich als Ortsfremde für bestimmte Zeit – also vorübergehend – in einer Stadt aufhalten. Dieser vorübergehende Aufenthalt kann berufliche Ursachen haben (Geschäfts-, Dienst-, Kongreß-, Messe- und Tagungsreiseverkehr) oder auf private Motivation zurückgeführt werden.“ ( HENSEL 1990, S. 77)

MICHAELIS konkretisiert die Definition insofern, als Pendler und Zweitwohnungsbesitzer nicht zu den Ortsfremden gezählt werden. Darüber hinaus müssten „ die Reisearten (...) nicht grundsätzlich mit Übernachtungen verbunden sein. “ (MICHAELIS 1982, S.20)

In jüngster Zeit wurde vor allem von Seiten der touristischen Praxis eine Veränderung der als überwiegend zu statisch angesehenen Definitionen dahingehend vorgenommen, dass weniger einzelne Motive oder Segmente des Städtetourismus im Vordergrund stehen, sondern der Gesamterlebniswert einer Stadt. Der Städtetourismus sei mit jeder Form eines Aufenthaltes von Fremden in einer Stadt verbunden, „die das Gesamterlebnis Stadt zum hauptsächlichen Ziel hat, ob mit oder ohne Übernachtung. “ (PÜRSCHEL/ROMEISS-STRACKE 1991, S. 10)

Der Kulturtourismus ist dem städtetouristischen Spektrum als wichtige Sonderkategorie zuzuordnen, denn er stellt einen nicht unerheblichen Teil des städtetouristischen Nachfragesegments dar. Der weit gefasste Begriff des Kulturtourismus wird nachfolgend an die Definition von BECKER angelehnt:

„Der Kulturtourismus nutzt Bauten, Relikte und Bräuche in der Landschaft, in Orten und Gebäuden, um dem Besucher die Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsentwicklung des jeweiligen Gebietes durch Pauschalangebote, Führungen, Besichtigungsmöglichkeiten und spezifisches Informationsmaterial nahe zu bringen. Auch kulturelle Veranstaltungen dienen häufig dem Kulturtourismus.“ (BECKER 1993, S. 8)

Das kulturtouristische Potenzial von Städten besteht unter anderem aus folgenden Bestandteilen:

- bauliches und kulturräumliches Potenzial: Bauwerke (einzeln und in Ensembles) sowie regionstypische Baustile;
- geschichtliche Kulturerzeugnisse und Lebensweisen: Musik, Lyrik, Dialekte, Museen, Feste und Märkte;
- gegenwärtige Alltagskultur und Lebensweisen: zeitgenössische Kunst in Malerei, Bildhauerei, Architektur, Theater usw.; individuelle Entwicklung und Arbeitstechniken (vgl. WEISSENBORN 1997, S. 41).

Zur Nachfrageseite zählen unter anderem Bildungs- und Studienreisen, Besichtigungsreisen (z.B. die „klassische“ Busreise), Reisen mit dem Hauptmotiv Kultur sowie Bildungsreisen im Hinblick auf die eigene Weiter- und Fortbildung (vgl. SMERAL 1994, S.258).

Nach STEINECKE ist der „typische“ Kulturreisende relativ jung, gebildet und konsumfreudig. Weitere allgemeine Merkmale seien Mobilität und Auslandsorientierung, hoher kultureller Neigungsgrad – insbesondere in Städten - sowie die Tätigung relativ hoher Reiseausgaben (vgl. STEINECKE 1993, S. 9). Nach BECKER sind Kulturtouristen anspruchsvolle Urlauber, die ein attraktives touristisches Produkt erwarten, das sich aus Kultur-, Konsum-, Erlebnis- und Gourmet-Elementen zusammensetzt (vgl. BECKER 1993, S. 9). Nach SMERAL wird die Nachfrage nach Kulturgütern auch zukünftig kräftig steigen, was zum einen mit dem verstärkten Bedarf nach so genannten „immateriellen Gütern“ zusammenhängt, zum anderen wird sich die veränderte demografische Entwicklung hin zu einer stark wachsenden älteren Bevölkerung positiv auf den Kulturtourismus auswirken, da insbesondere ältere Menschen mehr Geld für Kultur, Bildung und Reisen zur Verfügung haben (vgl. SMERAL 1994, S. 257).

Letztlich existiert bis heute keine einheitliche Definition des Städtetourismus. Die Streubreite umfasst – wie zurückliegend aufgezeigt wurde - in erster Linie die gesamte raum-zeitliche Komponente, so dass alle Publikationen der zurückliegenden Jahrzehnte zu diesem Themenkomplex nur bedingt miteinander vergleichbar sind. Der privat und geschäftlich motivierte städtische Übernachtungs- und Tagestourismus als Untersuchungs-gegenstand dieser Arbeit ist jedoch in der Mehrzahl der Definitionen enthalten, so dass eine weitere Problematisierung hier nicht erforderlich ist. Der Verfasser bevorzugt daher die Definition von SCHREIBER (vgl. Kapitel 2.1, S. 6), die diesen multiplen Erfordernissen Rechnung trägt und daher im weiteren Verlauf der Arbeit als ständige Bezugsgrundlage dienen soll.

2.2 Historische Entwicklung des Städtetourismus

Die Städtereise kann auch als die „Urform des Reisens“ bezeichnet werden. Schon in der Antike reisten die Griechen und später die Bewohner des römischen Imperiums aus politischen und gesellschaftlichen Gründen, oder weil sie durch besondere Veranstaltungen (z.B. Olympische Spiele), Baudenkmäler und Kultstätten animiert wurden, in Städte. Bereits zu römischer Zeit hatte sowohl der Erholungs- und Gelegenheits- als auch der Geschäftsreiseverkehr schon bemerkenswerte Ausmaße erreicht (vgl. MEIER 1994, S. 13).

Die Geschichte des europäischen Reiseverkehrs steht in untrennbarem Zusammenhang mit der Entwicklung des Stadtwesens. Die ersten Reisenden waren Händler, dazu kam im späten Mittelalter ein reger Geschäftsreiseverkehr auf; daneben entwickelten sich die Städte auch zu Zielen von Pilgerreisen, wie zum Beispiel im späten Mittelalter die Stadt Köln (vgl. ZIMMERS 1995, S. 1).

Private Reisen waren bis Ende des 19. Jahrhunderts nahezu unbekannt. Die so genannte „Grand Tour“ junger Adliger, die der (Aus-) Bildung, Erziehung und Vorbereitung auf das spätere Leben und auch dem Vergnügen dienen sollte, stellte ab dem 17. Jahrhundert eine exklusive Reiseform dar, die insbesondere die Städte mit ihren reichen Kulturschätzen zum Ziel hatte. Die Anfangsphase des im 19. Jahrhundert beginnenden neuzeitlichen Tourismus basierte auf drei Grundvoraussetzungen: ausreichend Finanzmittel, bezahlter Urlaub und der Entwicklung des Verkehrswesens (v.a. dem Ausbau des europäischen Schienennetzes). Damit gewannen auch die Städte als Reiseziele vermehrt an Bedeutung (vgl. ZIMMERS 1995, S. 2).

Das Reisen breiter Bevölkerungsmassen in der heutigen Form setzte erst mit dem beginnenden wirtschaftlichen Aufschwung in Europa und Deutschland nach den beiden Weltkriegen ein. Höhere Einkommen, mehr Freizeit und sich entwickelnde Kommunikations- und Transportmittel waren wichtige Voraussetzungen. Anfänglich überwogen Bus- und Bahnreisen, später nahm der Autotourismus stark zu (vgl. FREYER 2001, S. 10).

Die Städte konnten von dieser Entwicklung in besonderem Maß profitieren: Kontinuierliche Steigerungen der Gästezahlen waren bis zum Jahr 2000 stets der Regelfall. Die sich abzeichnende negative Trendwende im Zusammenhang mit den Terroranschlägen des 11. September 2001 und die ungünstige weltwirtschaftliche Gesamtsituation markierten jedoch eine zum Teil empfindliche Zäsur für den Tourismus im Allgemeinen und damit auch für den Städtetourismus. Die Situation in Deutschland wird in Kapitel 2.5 einer näheren Betrachtung unterzogen.

2.3 Charakteristika des Städtetourismus

Oftmals ist eine konkrete Einordnung des Städtetourismus in nur eine Kategorie schwierig, da das spezifische Charakteristikum des Städtetourismus gerade darin liegt, dass es sich um komplexe Motive handeln kann, dergestalt, dass eine Mischform zwischen den Urlaubs- und Vergnügungsmotiven einerseits sowie den Kultur- und Bildungsmotiven, aber auch geschäftlichen und dienstlichen Motiven andererseits vorliegt, wobei ein bestimmtes – eben städtisches – Zielgebiet angesteuert wird (vgl. QUACK/WACHOWIAK 1997, S. 85).

Städtereisen werden zum Großteil als Kurzreisen[11] mit höchstens drei Übernachtungen durchgeführt (vgl. FORSCHUNGSGEMEINSCHAFT URLAUB UND REISEN, F.U.R., 2003, S. 4). Nach einer anderen Definition ist nicht die Anzahl der Übernachtungen, sondern die der Aufenthaltstage relevant, die i.d.R. vier nicht überschreitet (vgl. OPASCHOWSKI 2001, S.99). Dieser Unterschied ist durchaus relevant, denn der Tagestourismus stellt ein wesentliches Segment des Städtetourismus dar (vgl. Kapitel 2.1).

Nach STEINBACH (1998, S. 16 ff.) beinhaltet der Städtetourismus „charakteristische Aktivitätenmuster“, die sich in Haupt- und Folgeaktivitäten gliedern lassen. Bei den Hauptaktivitäten können wiederum zwei Gruppen unterschieden werden. Dabei handelt es sich zum einen um Aktivitäten, deren Ausübung im Prinzip während der gesamten Saison möglich ist, z.B. die Besichtigung von Bau- und Kunstwerken, der Besuch von Museen, Galerien sowie Stadtrundgängen bzw. das Erlebnis von „Urbanität“. Zum anderen handelt es sich dabei um Aktivitäten mit singulärem oder temporärem Charakter. Dies trifft

typischerweise auf nur einmal oder mehrmals in der Saison abgehaltene, in Niveau und Attraktivität herausragende Veranstaltungen des kulturellen, Unterhaltungs- oder Sportbereichs, auf Festspiele oder Festivals, größere Märkte oder Messeveranstaltungen zu.

Zu den wichtigsten Nebenaktivitäten zählen bei dieser Systematik der Besuch von gastronomischen Einrichtungen, Unterhaltungsveranstaltungen des kulturellen Angebots (Konzerte, Theateraufführungen etc.). Entscheidenden Einfluss auf die Attraktivität des Städtetourismus hat die Intensität des Gesamterlebnisses. Nach STEINBACH ergibt erst die Summe der einzelnen Erlebnisse einen Mehrwert für den Städtereisenden (vgl. STEINBACH 1988, S. 16 ff.).

2.4 Datengrundlage und Erfassungsprobleme des Städtetourismus

Die Entwicklung des Städtetourismus wird i.d.R. anhand der Übernachtungszahlen amtlicher Statistiken (Statistisches Bundesamt, Landesämter, Statistikämter der Städte) dargestellt, obwohl die Mängel (hohe Dunkelziffer, Nichterfassung der Kleinbetriebe unter 9 Betten und der Tagesbesucher sowie Nichterfassung privater Übernachtungen) allseits bekannt sind (vgl. MEIER 1994, S. 15). Zur Beschreibung der städtetouristischen Entwicklung werden als Indikator oftmals die Übernachtungszahlen in Großstädten - mit mehr als 100.000 Einwohnern - herangezogen (vgl. SPÖREL 2003, S. 44).

Die Ermittlung der Anzahl der Tagestouristen gestaltet sich insgesamt sehr schwierig und ist bislang nur grob geschätzt worden. Auch Primärerhebungen oder die Auswertung von sekundärstatistischen Materialien können hierbei nur Anhaltspunkte liefern.[12] Zwar wurde das Besucheraufkommen bundesweit nach Fremdenverkehrsgebieten aufgeschlüsselt,[13] dennoch fehlen bislang Untersuchungen über das Tagestourismusaufkommen in großen Städten. Teilweise sind Analysen auf der Basis von Schätzungen und Hochrechnungen durchgeführt worden, allerdings nur für wenige Städte. Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Sichtweise zu diesem Thema uneinheitlich. Bei den meisten Autoren erschöpft sich der Begriff des Tagestourismus in einer Aufzählung seiner Erscheinungsformen. In der vorliegenden Ausarbeitung wird der Übersichtlichkeit halber unter Tagestourismus jeder „nicht übernachtungswirksame, stundenweise Aufenthalt verstanden, unabhängig davon, ob dieser privat oder beruflich motiviert ist.“ (JENTSCH 1996, S. 170)

Der privat motivierte Tagesausflugsverkehr[14] ist dabei in den Städten, je nach Stadttyp und Nachfragestruktur variierend, von insgesamt hoher Bedeutung. Zurückliegende Studien zum Tagesreiseverhalten der Deutschen gingen bereits Mitte der 90er Jahre davon aus, dass das Gesamtvolumen der privat motivierten Ausflüge vom Wohnort in Städte – also des primären Ausflugsverkehrs[15] - bei über 2 Milliarden lag, davon allein ca. 805 Millionen in die Großstädte (vgl. HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 27).

Der Gesamtumfang des Tagesausflugsverkehrs lässt sich dabei mit Hilfe der beiden Werte Ausflugsintensität[16] und Ausflugshäufigkeit[17] sowie der amtlichen Bevölkerungsstatistik erfassen. Die Ausflugsintensität lag Mitte der 90er Jahre bei ca. 86%, die Ausflugshäufigkeit bei 30,6 pro Ausflügler und Kalenderjahr (vgl. HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 25).

Ein weiteres Problem stellt die Erfassung der bei Verwandten und Bekannten übernachtenden Städtetouristen dar. Nach unterschiedlichen Ansichten in der Literatur schwankt die Dunkelziffer der nicht offiziell erfassten Touristen von ca. einem Drittel bis hin zu weit über 50% (vgl. MEIER 1994, S.18). In diesem Bereich bestehen also nach wie vor ganz offensichtlich Forschungsdefizite.

2.5 Die aktuelle Situation des Städtetourismus in Deutschland und zukünftige Trends

Der Umfang des Segments Städtereisen[18] wuchs in Deutschland in den 90er Jahren kontinuierlich, abgesehen von einem - konjunkturell bedingten - etwas schwächeren Jahr 1996. Im Jahr 2001 wurde dieser Trend erstmals seit 1993 wieder unterbrochen. So sank die Zahl der Übernachtungen in Großstädten um 1,3%; damit war die Entwicklung im Städtetourismus in diesem Jahr schlechter als die Gesamtentwicklung in allen Gemeinden. Hierbei ist allerdings darauf hinzuweisen, dass die Städtereisen in Deutschland im Jahr 2000 mit einem Plus von 8,9% den höchsten Zuwachs der letzten zehn Jahre verbuchen konnten (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Veränderungsraten der Übernachtungen im deutschen Städtetourismus gegenüber dem Vorjahr

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: SPÖREL 2003, S. 44)

Der ökonomische Stellenwert des Städtetourismus in Deutschland wurde bereits im Jahr 1998 anhand einer Grundlagenuntersuchung analysiert. Demnach entfielen auf den Städtetourismus:

- rund 45% aller touristischen Umsätze (28,7 von insgesamt ca. 64 Mrd. €),
- 30% aller Umsätze im Übernachtungsreiseverkehr (ca. 6,5 Mrd. €),
- 50% der Umsätze aus dem Tagesausflugsverkehr (ca. 19 Mrd. €) und
- 67% der aus dem Tagesgeschäftsreiseverkehr entstehenden Umsätze (vgl. GRUNER+JAHR & CO 1998, S. 47).

Nach allgemeiner Überzeugung wird der Städtetourismus in den nächsten Jahren als Wachstumsmarkt – vorbehaltlich einer wirtschaftlichen Gesundung – wieder verstärkt an Bedeutung gewinnen (vgl. F.U.R., 2003, S. 26).

Die nachfolgende Tabelle 2 zeigt, dass man die Städtereisen insgesamt als ein stabiles Marktsegment betrachten kann. Städtereisen haben eine konstant hohe Bedeutung. Das Interesse an der Urlaubsform „Städtereise“ hat allerdings gegenüber 1997 etwas nachgelassen. Das bedeutet, dass Städtereisen weiterhin gut am Markt positioniert sind, ein Fortbestehen dieser günstigen Marktposition aber durchaus kein „Selbstläufer“ ist (vgl. F.U.R. 2003, S. 10).

Tabelle 2: Entwicklung der Städtereisen von 1997 bis 2002

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: F.U.R 2003, S. 10)

Der zurückliegende Boom des Städtetourismus ist neben einem herausragenden kulturellen Angebot vor allem in den Events[19] jeglicher Art zu sehen, die eine Städtereise lohnenswert und reizvoll machen. Das Spektrum reicht von Musicals über sportliche Großveranstaltungen wie Marathonläufe, Spiele der Fußball-Bundesliga oder Radsportveranstaltungen (z.B. Etappenankünfte der „Tour de France“ in Deutschland), Kunstausstellungen, Theaterfestivals bis hin zur „Loveparade“ in Berlin (vgl. OPASCHWSKI 2003, S. 9).

Städtereisen werden grundsätzlich bei den Deutschen immer beliebter. Wie erstmals die Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse (AWA) Mitte der 80er Jahre ermittelte, besuchten 1986 lediglich sechs Prozent der Bundesbürger mindestens einmal jährlich eine deutsche Stadt. Bis Ende der 90er Jahre hat sich der Anteil der Städtetouristen verdoppelt. Beinahe die Hälfte der Befragten innerhalb der Reiseanalyse 2002 gaben als Kurzurlaubsreiseart die „Städtereise“ (vgl. F.U.R. 2003, S.9 f.) an. Eine Übersicht über die Arten der unternommenen Kurzurlaubsreisen gibt die nachfolgende Abbildung 2.

Abbildung 2: Arten von Kurzurlaubsreisen 2001 (in % der Reisenden)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: F.U.R. 2003, S. 9)

Die Prozentzahlen in der Abbildung ergeben aufgrund von Mehrfachnennungen in der Summe mehr als Einhundert. Überschneidungen, z.B. eine Kultur- oder Verwandten/Bekanntenreise, die typischerweise auch als Städtereise durchgeführt wird, und Mehrfach(kurz-)reisen konnten so mit erfasst werden (vgl. F.U.R. 2003, S. 9). Rechnet man die Überschneidungen aus anderen Kurzreisearten (z.B. Busreise, Kulturreise, Studienreise) hinzu, ergibt sich, dass etwa zwei Drittel aller Kurzurlaubsreisen in Städte führen, die wiederum zu 84% im Inland liegen (vgl. F.U.R. 2003, S. 26). Auffallend ist, dass die Deutschen als Ziel ihrer Städtereisen oft Großstädte bzw. Kulturmetropolen wählen. Dabei haben Städte in den neuen Bundesländern wie Dresden oder Leipzig in der Beliebtheitsskala mittlerweile zu vielen westdeutschen Metropolen wie Köln, Nürnberg, Hannover oder Frankfurt nahezu aufgeschlossen (vgl. OPASCHOWSKI 2001, S. 100). Die meistbesuchten deutschen Städte waren im Jahr 2002 Berlin (35%), München (24%), Hamburg (23%) und Dresden (21%). Bei den Städtereisen ins Ausland favorisierten die Deutschen Wien (16%), Prag und Paris (beide 15%), London und Venedig (beide je 11%)[20] (vgl. OPASCHOWSKI 2003, S. 9).

Die Hauptmotivatoren für private Städtereisen können dabei wie folgt gegliedert werden:

- Städtereisende wollen „Sehenswürdiges und Erlebniswertes“ genießen;
- Sie wollen „in Atmosphäre baden“ und in angenehmem Ambiente ein wenig das Zeitgefühl verlieren;
- Sie wollen „bummeln und flanieren gehen und mehr Gefühle als Waren kaufen und dabei Einkäufe beinahe nebenbei erledigen.“ (OPASCHOWSKI 2003, S. 9)

Mit dem Interesse der Bevölkerung an Kurzurlaubsreisen werde – nach OPASCHOWSKI - auch die Bedeutung von Städtereisen weiter zunehmen. Die Gründe seien vor allem darin zu sehen, dass die Reisenden des 21. Jahrhunderts in wenigen Tagen möglichst viel erleben wollten. Herausragend seien dabei vor allem kulturelle Angebote wie Theaterfestivals, Opernpremieren, Kunst- und Museumsausstellungen. Zu den weiteren Gründen für Kurzurlaubsreisen im Inland gehörten der Besuch von Verwandten und Freunden, Abwechslung bzw. Unternehmungslust und der Wunsch, Städte kennen zu lernen. Das Erholungsmotiv, an erster Stelle bei längeren Urlaubsreisen, trete bei den Kurzurlaubsreisen in den Hintergrund (vgl. OPASCHOWSKI 2003, S. 15).

Die Kurzurlaubsreiseintensität, also der Anteil der Bevölkerung, der Kurzurlaubsreisen unternommen hat, ist in den letzen dreißig Jahren von 25% auf 38% angestiegen, was einem Plus von über 50% entspricht. Im Gegensatz zur Urlaubsreiseintensität, die seit einigen Jahren auf hohem Niveau stagniert, ist durchaus mit einem weiteren Wachstum der Kurzurlaubsreiseintensität zu rechnen (vgl. F.U.R. 2003, S. 6). Prognostiziert wird ein Anstieg der Kurzurlaubsreiseintensität auf ca. 45-55% (vgl. Tabelle 3). Bei einer Kurzreise-Häufigkeit von 2,5 entspräche dies einer Zunahme der Zahl der Kurzurlaubsreisen um 33-48%, was die nachfolgende Abbildung 3 veranschaulichen soll.

Abbildung 3: Kurzurlaubsreiseintensität 1970-1999 in % mit Trendlinie bis 2020

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE : leicht verändert nach F.U.R. 2000a, S. 44)

Tabelle 3: Entwicklung des Kurzreisemarkes:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: F.U.R. 2000b, S. 26)

Zweifellos sind es mehrere Faktoren, die dem Städtetourismus auch zukünftig zugute kommen werden. Zum einen spiegelt er eine neue Ausprägung des verfügbaren Zeitbudgets der Menschen wider, bei dem die Arbeits- und Freizeitwelt in einem allgemeinen Prozess der Mobilisierung der Menschen verflochten seien . Zum anderen sei der Städtetourismus eingebunden in das wachsende Interesse am historischen Erbe der Städte (vgl. CAZES 2000, S. 46 f.).

Die folgende Graphik soll die Marktanteile einiger Urlaubsformen im Jahr 2000 und die Wachstumspotentiale (in Mio.) für die nächsten 10-20 Jahre veranschaulichen. Hier wird deutlich, dass der Städtetourismus – voraussichtlich - noch erhebliche Reserven mobilisieren kann.

Abbildung 4: Wachstumspotenziale einzelner Urlaubsformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: F.U.R. 2000a, S. 7.)

Die Städtereise kann demnach mit einem Wachstum im zweistelligen Prozentbereich sowie in absoluten Zahlen von ca. 7-8 Mio. Menschen rechnen. Die zunehmende Inwertsetzung bzw. Sanierung der historischen Altstädte, die Diversifizierung kultureller Aktivitäten, das zunehmende Interesse des Reisenden an Bau- und Kulturdenkmälern sowie der Wunsch nach Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten werden diese Entwicklung zusätzlich flankieren (vgl. EUROPÄISCHE KOMMISSION 2000, S. 4).

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass zum Zeitpunkt der Erstellung der Prognose im Jahr 2000 weder die Anschläge des 11. September 2001 mit allen negativen – touristischen - Konsequenzen noch eine derart ungünstige konjunkturelle Entwicklung, wie sie sich derzeit vor allem in Deutschland darstellt, abzusehen waren, so dass diese Einschätzung unter Vorbehalt zu verstehen ist.

Der zurückliegende Boom des Städtetourismus muss auch vor dem Hintergrund der Freizeit- und Wohlstandsentwicklung der letzten Jahre gesehen werden. Hier war zunächst ein Nachholbedarf der ostdeutschen Bevölkerung zu verzeichnen, die deutlich mehr (42%) als Westdeutsche (33%) das Kennenlernen einer Stadt als Grund für eine private Reise nennen. Andererseits setzt das allgemein knapper werdende vorhandene Budget dem Drang nach einer Städtereise enge Grenzen (vgl. EUROPÄISCHE KOMMISSION 2000, S.4).

Nach OPASCHOWSKI werde ein zukünftiger Trend im Städtetourismus in Richtung einer klaren qualitativen Angebotsprofilierung zu suchen sein. Das bedeute z.B. für eine Stadt wie Hamburg, dass die Kulturvielfalt mittlerweile mehr Übernachtungsgäste anziehe als das Image von der „grünen“ oder „weltoffenen“ Stadt. Es werde also eine Kombination von „Sightseeing“ und „Lifeseeing“ sein, die wesentlich zur Attraktivitätssteigerung beitrage und eine Stadt zum „ urbanen Erlebnisraum “ mache. Die Zukunft werde dem „Erlebnisland Deutschland“ gehören; Großveranstaltungen bzw. Mega-Events würden eine noch größere Rolle als bisher spielen, kulturelle Großveranstaltungen würden von Touristikkonzernen organisiert werden, weil von ihnen Professionalität und Kompetenz zu erwarten sei. Wochenendreisen würden zu Erlebnisparks angeboten, Kurzurlaubsarrangements inklusive Dinner-Buffets zu mehrtätigen Sport-Events konzipiert oder Tagesfahrten zu außergewöhnlichen Kunstausstellungen organisiert (vgl. OPASCHOWSKI 2003, S. 11). Diese Aussagen sollen im weiteren Verlauf der Arbeit noch einer Überprüfung hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit der Stadt Freiburg unterzogen werden (vgl. Kapitel 5.3.1).

Der zukünftige Anstieg der Städtereisen wird sich darüber hinaus durch Veränderungen in der demografischen Entwicklung ergeben, welche die Nachfrage nach Städtereisen zugunsten des stark wachsenden Segments der Senioren (vgl. dazu auch Kapitel 2.6.1) verlagern werden (vgl. F.U.R. 2000b, S. 26).

2.6 Einflussgrößen, Effekte und Auswirkungen im Städtetourismus

Die städtetouristische Entwicklung wird in vielfältiger Weise durch unterschiedliche sozio-demografische, politische, technische, ökologische, ökonomische, sozio-ökonomische und nicht-ökonomische Faktoren determiniert. Zu den nicht-ökonomischen Faktoren zählen vor allem die Imageeffekte [21] , die auf den Entscheidungsprozess für eine Städtereise in psychologischer Hinsicht fördernd oder hemmend einwirken können (vgl. JENTSCH 1996, S. 41). Das Image einer Stadt ist jedoch stark subjektiv und bei Fremden mehr vom Hörensagen als durch objektives Wissen geprägt (vgl. JENTSCH 1996, S. 5).

Um bestimmte Erscheinungen analysieren und künftige Tendenzen sowie Handlungsempfehlungen für den Städtetourismus ableiten zu können, müssen diese Einflussgrößen berücksichtigt und daraus die dementsprechenden Schlussfolgerungen gezogen werden. Vor allem die (sozio-)demografischen und ökonomischen Aspekte sollen aufgrund ihrer besonderen Bedeutung nachfolgend näher betrachtet werden.

2.6.1 Demografische Einflüsse

Einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung im Tourismus hat die Altersstruktur der Bevölkerung. In Deutschland liegt die Lebenserwartung von männlichen Neugeborenen bei derzeit 74,4 Jahren, die von Mädchen bei 80,5 Jahren (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2002a, S. 33).

Die gegenwärtige Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland (derzeit 82,5 Mio. Einwohner) (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2003b, o.S.) wird sich in den nächsten Jahrzehnten erheblich verändern. Häufig spricht man bei grafischer Darstellung von einer Bevölkerungspyramide, bei der - idealtypisch - die neugeborenen Kinder den stärksten Jahrgang stellen und sich mit zunehmendem Alter - als Folge der Sterblichkeit - die Besetzungszahlen der Jahrgänge verringern. Der Altersaufbau im Deutschland um 1910 ergab eine solche Pyramide. Infolge zweier Weltkriege erinnert der Altersaufbau in Deutschland heute nicht mehr an eine Pyramide, sondern eher an einen „zerzausten Tannenbaum“ (vgl. STATISTSICHES BUNDESAMT 2000, S. 13).

Derzeit stellen die Mitte 30-Jährigen die am stärksten besetzte Altersgruppe. Die aktuellen Vorausberechnungen – bei konstant niedrigen Geburtenraten, steigender Lebenserwartung und einem positiven Zuwanderungssaldo – gehen davon aus, dass in etwa 30 Jahren eine starke Gruppe von Personen über 60 Jahren einer relativ schwach besetzten Gruppe jüngerer Personen gegenüber stehen. Der sogenannte „Altersquotient“, also die Relation von 100 Menschen im Erwerbsalter zwischen 20 und 59 Jahren zu jenen ab 60 Jahren, wird sich in den nächsten Jahrzehnten erheblich verändern. Noch vor wenigen Jahren lag dieser Quotient bei 36, heute bereits bei 40. Die Berechnungsmodelle gehen davon aus, dass sich diese Relation in Deutschland dahingehend verschieben könnte, dass im Jahr 2050 bereits 80 Menschen über 60 Jahre auf 100 Menschen zwischen 20 und 59 Jahren kämen (vgl. STATISTSICHES BUNDESAMT 2000, S. 15).

Diese prognostizierte Entwicklung bestätigen auch die neuesten Zahlen des STATISTISCHEN JAHRBUCHS 2003. Danach sind derzeit 24% (=20,1 Mio. Menschen) über 60 Jahre alt und 4% (=3,4 Mio.) 80 Jahre und älter. In den nächsten Jahrzehnten werde sich zusätzlich zur Schrumpfung die bereits angesprochene Alterung dergestalt auswirken, dass sich diese Anteile im Jahr 2050 auf 37% (=27,6 Mio.) bzw. 12% (=9,1 Mio.) erhöhen könnten (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2003b, o.S.).

Ungeachtet aller damit einhergehenden gravierenden sozialen und politischen Konsequenzen werden ältere Menschen damit ein immer wichtigeres Segment für den Tourismus - und damit auch für den Städtetourismus - darstellen, insbesondere weil sie gleichzeitig mehrheitlich noch sehr aktiv und mobil sind. Die Senioren werden damit der „touristische Wachstumsmotor“ der Zukunft sein (vgl. F.U.R. 2003, S. 26). Damit einher gehen aber gleichzeitig auch vielfältigere und differenzierte Ansprüche der älteren Generation (vgl. MARX 2003, S. 16 f.). Auf diese Erfordernisse einzugehen und die touristischen Angebotskomponenten der Stadt (vgl. Kapitel 2.9) darauf abzustimmen, sei die zentrale Herausforderung des Städtetourismus der Zukunft.

Die Überprüfung dieser Prognose aus Sicht der Stadt Freiburg soll im späteren Verlauf der Ausarbeitung vorgenommen werden (vgl. Kapitel 3.5).

2.6.2 Soziodemografische Merkmale privater und beruflicher Kurz- und Städtereisender im Tages- und Übernachtungstourismus

Wie bereits erwähnt (vgl. Kapitel 2.3), handelt es sich laut Definition bei den Städtetouristen um typische Kurzurlaubsreisende, also um diejenigen Personen, die sich für eine bestimmte Zeit und vorübergehend in einer Stadt aufhalten. Von weiterem Interesse sind darüber hinaus Fragen, die sich mit den Merkmalen der Gruppe der Städtetouristen auseinandersetzen, sofern sich diese überhaupt auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Aufgrund der Vielzahl der Motive, die Anlass für eine Städtereise sein können (vgl. Tabelle 1), ist es geboten, die Vielschichtigkeit der Beweggründe eines Städtetouristen und seine soziodemografischen Merkmale näher zu untersuchen (vgl. nachfolgende Tabelle 4).

Tabelle 4: Ausgewählte soziodemografische Merkmale von Kurzurlaubsreisenden im Jahr 2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: F.U.R. 2003, S. 19)

Wie die Abbildung zeigt, werden Kurzurlaubsreisen in jedem Alter durchgeführt. Die Verteilung auf die einzelnen Altersgruppen ist relativ einheitlich. Die Altersstruktur der Reisenden entspricht heute weitgehend derjenigen der Gesamtbevölkerung (vgl. F.U.R. 2003, S. 19 ff.).

In punkto Einkommen sind Reisende mit hohem Salär wirtschaftlich besonders attraktive Gäste. 43% haben ein Haushaltsnettoeinkommen von 1.500-2.500 €. Nur ca. ein Fünftel verfügt über ein Einkommen, das darunter liegt; etwa ein Drittel hat mehr Geld zur Verfügung. Allgemein lässt sich konstatieren, dass Kurzurlaubsreisende im Mittel eine höhere formale Schulbildung als der Durchschnitt der Bevölkerung aufweisen. Der Anteil von Personen mit Realschulabschluss, Abitur bzw. Universitäts- oder Fachhochschulabschluss ist gegenüber dem Bevölkerungsdurchschnitt erhöht (vgl. F.U.R. 2003, S. 19 ff.).

Zu den häufigen Besuchern von Städten gehören Singles bzw. so genannte „Mixed-Singles“, also junge Leute, die zu zweit reisen ohne dabei in privater oder finanzieller Sicht als Paar definiert zu werden. Das Angebot der Städte mit einer reichhaltigen Abwechselung steht hier genau für die Bedürfnisse, die von diesen Gruppen gesucht werden. Eine weitere wichtige Gruppe sind die so genannten “DINKS“ (“Double Income No Kids”) und “DCCs” (“Double Career Couples”) (vgl. OBIER/BAAKE 2000, S. 119). Diese Paare mit doppeltem Einkommen ohne Kinder bzw. Paare, bei denen beide Partner eine berufliche Karriere verfolgen, finden in den Städten das richtige Angebot an Kultur-, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten. Beide genannten Strukturformen werden in den folgenden Jahren vermutlich an Bedeutung gewinnen (vgl. OBIER/BAAKE 2000, S. 119).

Das Institut für Demoskopie in Allensbach legte 2001 eine exakte Analyse zum Städtereiseverhalten der Deutschen vor (vgl. INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH 2001, S. 64 ff.). Auf der Basis des Bevölkerungsanteils ab 14 Jahren wurde die Bevölkerung in Deutschland West und Ost getrennt befragt, um mögliche Unterschiede im Reiseverhalten elf Jahre nach der staatlichen Einheit festzustellen. Erfasst wurden jene Reisen, die in den letzten zwölf Monaten durchgeführt wurden (vgl. Tabelle 2, Anhang V).

Bei der Analyse der tabellarischen Darstellung sind mehrere Dinge signifikant: Zum einen fällt der überdurchschnittlich hohe Wert (17,8%) bei den 20- bis 29-Jährigen auf, die ihre Städtereise selbst organisiert hatten und gleichzeitig mit dem Auto angereist waren (14,2%). Dies scheint für ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Unabhängigkeit in dieser Altersgruppe zu sprechen. Generell waren Reisende im Alter von 20 bis 39 Jahren stark vertreten (40,8%), ebenso die Gruppe im „ mittleren Alter“ von 40 bis 59 Jahren (44,8%).

Ganz im Gegensatz dazu zeichneten sich die 60- bis 69-Jährigen durch verstärkte Inanspruchnahme eines Reisemittlers oder -veranstalters aus (12,3%). Auffallend war ferner der hohe Anteil der Städtetouristen mit Abitur, Universitäts- bzw. Fachhochschulabschluss (30,2%), komplementär dazu der unterdurchschnittliche Anteil der Reisenden mit Volks- oder Hauptschulabschluss ohne Lehre (12,4%). Die Städtereisenden mit einem Haushaltsnettoeinkommen >6.000 DM stellten mit einem Anteil von 29,1% am Gesamtreiseaufkommen die größte Gruppe dar, gefolgt von der Einkommensstufe 5.001-6.000 DM (=23,8%). Städtetouristen mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen waren insgesamt auch dementsprechend in geringerer Anzahl vertreten. Damit zeigt sich nach dieser Erhebung, dass Städtereisen in der Mehrzahl von Menschen mit hohem bis sehr hohem Einkommen durchgeführt werden. Bezüglich möglicher noch existierender Unterschiede im Reiseverhalten Deutschland West/Ost waren keine gravierenden Abweichungen mehr festzustellen (vgl. Tabelle 2, Anhang V).

Weitere Bestandteile der Untersuchung des Instituts waren die Determinanten frei verfügbares Geld, gesellschaftlich-wirtschaftlicher Status und Berufskreise. Im Ergebnis war der Anteil der Städtereisenden mit einem freiverfügbaren Einkommen bis 1.000 DM (20,8%) bzw. über 1.000-2.000 DM (25,7%) am Gesamtstädtereiseaufkommen am höchsten. Befragt nach ihrem gesellschaftlich-wirtschaftlichen Status gaben exakt 50,0% der Reisenden an, ihr Status sei als „mittel“ bzw. „hoch“ einzustufen. Nur 11,7% bezeichneten diesen als „niedrig“. Abschließend wurde nach dem Berufskreis gefragt. Hier ergab sich folgendes Bild: Angestellte/Beamte bzw. Leitende Angestellte und Beamte stellten 50% am Gesamtreiseaufkommen, Freiberufler und Selbstständige noch einmal 24,3% (zusammen 74,3%), Arbeiter und Facharbeiter hingegen waren unterrepräsentiert Aus diesen zitierten Minima/Maxima lässt sich - analog zum Typus des Kurzurlaubers – der Städtetourist in ähnlicher Weise beschreiben: tendenziell jung, gebildet, über ein überdurchschnittlich hohes Einkommen verfügend, in leitender oder führender beruflicher Position und damit einem mittleren bis hohen gesellschaftlich-wirtschaftlichem Status angehörend (vgl. INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH 2001, S. 64 ff.).

2.6.3 Abhängigkeit des Ausgabeverhaltens vom Reiseanlass

Das DWIF hat in zwei Studien das Ausgabeverhalten der Übernachtungs- (DWIF 2002) und der Tagesgäste (DWIF 1995) analysiert. Die Untersuchung aus dem Jahr 1995 bedarf jedoch wegen des großen zeitlichen Abstands einer kritischen Betrachtungsweise. Mangels Verfügbarkeit aktuellerer Literatur[22] ist diese Untersuchung zumindest als Basis für die wirtschaftlichen Effekte des Städtetourismus, die aus dem Ausgabeverhalten resultieren, weiterhin brauchbar.

Grundsätzlich ist bei der Ausgabeneigung – unabhängig von städtischem oder nicht städtischem Reiseziel – zwischen den Hauptmotiven geschäftlich und privat sowie Übernachtungs- und Tagesgästen zu differenzieren (vgl. HARRER/SCHERR 2002, S. 106).

2.6.3.1 Ausgabenhöhe und - struktur in Abhängigkeit vom Reiseanlass

Nach einer Analyse des DWIF zeigt die Ausgabenhöhe[23] eine klare Rangfolge:

- Geschäftsreisende geben mit Abstand am meisten Geld pro Tag aus;
- Mit größerem Abstand folgen Kurzurlauber (vor allem Städtetouristen) noch vor Kurgästen und schließlich

- Erholungsurlaubern.[24]

Die Geschäftsreisenden übernachten dabei tendenziell eher in Betrieben der gehobenen Kategorie als Kurz- und Erholungsurlauber. Bei Städtereisen sind die Übernachtungskosten grundsätzlich höher als in ländlich geprägten Gebieten, zudem werden oftmals Ausgaben für Eintritte (z.B. Musical, Museen) fällig (vgl. HARRER/SCHERR 2002, S.106).

2.6.3.2 Altersstruktur und Ausgabeverhalten in Abhängigkeit vom Ortstyp

Das Alter der Reisenden hat grundsätzlich einen starken Einfluss auf deren Ausgabeverhalten (vgl. HARRER/SCHERR 2002, S. 113 f.). Nachfolgend sollen daher die privaten und geschäftlichen Übernachtungsreisenden in Bezug auf deren Alter und Ausgabenneigung analysiert werden.[25] Aus Gründen der größeren Übersichtlichkeit werden dabei vier Altersgruppen zum Vergleich herangezogen (vgl. auch nachfolgende Abbildung 5):

- Übernachtungsgäste bis 30 Jahre sind am sparsamsten und geben mit Abstand am wenigsten Geld in den Zielgebieten aus. Geschäftliche Motive sind eher selten, so dass die Reiseausgaben meist unter dem Durchschnitt liegen.
- Die Ausgaben der 31- bis 45-Jährigen liegen allerdings bereits deutlich höher als jene der jungen Zielgruppe. Allerdings ist hier eine Differenzierung vorzunehmen:
- Zum einen gehören Familien (mit Kindern) hierzu. In diesem Alterssegment sind die Ausgaben relativ gering.
- Zum anderen sind vielfach auch Doppelverdiener oder Geschäftsreisende in dieser Gruppe anzutreffen, die vergleichsweise hohe Tagesausgaben haben.
- Mit Abstand am teuersten wird der Reisetag pro Kopf bei den 46- bis 60-Jährigen. In dieser Altersgruppe ist oftmals ein ausreichend großes finanzielles Polster vorhanden, Kinder – falls vorhanden – sind meist schon erwachsen und finanziell unabhängig, so dass bei Privatreisen die liquiden Mittel keinen limitierenden Faktor darstellen. Darüber hinaus sind in dieser Altersgruppe Geschäftsreisen von nicht unerheblicher Bedeutung. Die gehobenen Ansprüche an die Qualität der Unterkunft trägt maßgeblich zu den höheren Ausgaben bei.
- Bei den älteren Übernachtungsgästen ab 61 Jahren werden die durchschnittlichen Ausgaben aller Übernachtungsgäste schließlich nicht mehr erreicht. Geschäftsreisen, bei denen hohe Ausgaben anfallen (z.B. Unterbringung in Zentrumsnähe, Gebühren für Tagungen) sind nicht mehr von übergeordneter Bedeutung (vgl. HARRER/SCHERR 2002, S. 114).

Abbildung 5: Ausgaben der Übernachtungsgäste in Deutschland in gewerblichen Betrieben über 8 Betten nach Altersgruppen – Ø Abweichung in % -

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: HARRER/SCHERR 2002, S. 114)

Bei näherer Betrachtung der unterschiedlichen Betriebsarten zeigt sich, dass beispielsweise in preiswerteren Quartieren (z.B. Ferienwohnungen, Campingplätze), aber auch in Pensionen oder Gasthöfen diese altersspezifische Abhängigkeit der Ausgaben kaum gegeben ist. Erst mit zunehmender Ausgabenhöhe, also in qualitativ höherwertigen Quartieren, sind diese Unterschiede stärker ausgeprägt. In Bezug auf die Ausgabenhöhe in Abhängigkeit vom Ortstyp ergibt sich folgendes Bild.

Abbildung 6: Die Ausgabenhöhe in Abhängigkeit vom Ortstyp - Abweichungen bei Gästen in gewerblichen Betrieben in % - (Ø Abweichung )

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: HARRER/SCHERR 2002, S. 124)

Es wird ersichtlich, dass in den Großstädten ab 100.000 Einwohnern die Ausgaben der Übernachtungsgäste - unabhängig vom Reisemotiv - am größten sind (Ø Abweichung =28%). In Heilbädern, anderen prädikatisierten Orten und sonstigen Gemeinden unterscheidet sich die – unterdurchschnittliche - Ausgabenhöhe kaum.

2.6.3.3 Tagesausgaben der Übernachtungsgäste in Baden-Württemberg

Mit Bezug auf das Reisegebiet Baden-Württemberg wurden die Tagesausgaben pro Gast in gewerblichen Quartieren (Hotels, Hotels garni, Pensionen, Gasthöfen, Sanatorien) ermittelt. Demnach gab ein Kurzurlaubsgast im Fremdenverkehrsgebiet Südlicher Schwarzwald im Jahr 2001 pro Tag durchschnittlich 93,20 € aus. Die Ausgaben teilten sich wie folgt auf.

Tabelle 5: Struktur der Ø Tagesausgaben pro Übernachtungsgast in gewerblichen Betrieben über 8 Betten im Reisegebiet Südlicher Schwarzwald (=93,20€)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: HARRER/SCHERR 2002, S. 83)

Die größten Anteile der Übernachtungsausgaben entfielen demnach auf die Unterkunft (29,2% der Gesamtausgaben) und den Verpflegungsanteil (29,6%), gefolgt vom Einzelhandel (11,9%), dem Freizeit- und Unterhaltungsbereich (3,43%) sowie dem lokalen Transport (1,18%). Insbesondere die sonstigen Dienstleistungen (24,7%) erhielten einen hohen Anteil der Gesamtausgaben, wobei hierunter z.B. Parkgebühren, Kurtaxe sowie Kongress- und Tagungsgebühren zu subsumieren sind (vgl. HARRER/SCHERR 2002, S. 17).

Für die Stadt Freiburg ergab sich im Jahr 2000 eine durchschnittliche Pro-Kopf-Ausgabe eines Übernachtungsgastes von 120,50 €, die sich wie folgt aufteilte.

Abbildung 7: Struktur der Ø Tagesausgaben pro Übernachtungsgast in Freiburg (2000):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: DWIF 2001, S. 1)

Der größte Anteil entfiel auch hier auf das Gastgewerbe (92,20€), gefolgt vom Dienstleistungssektor (16,30 €) und dem Einzelhandel (12 €). Damit zeigt sich, dass die in Kapitel 2.6.3.2 getroffene Aussage, wonach die durchschnittlichen Ausgaben in Großstädten (=Freiburg) von denen in eher ländlichen Gebieten (=Südlicher Schwarzwald) nach oben abweichen, durch die Erhebung des DWIF für Freiburg bestätigt werden konnte.

2.6.3.4 Ausgaben der privaten Tagesausflugsgäste in den Großstädten Baden- Württembergs

In der Grundlagenuntersuchung des DWIF von 1995[26] ermittelte das Institut das Ausgabeverhalten der privaten Tagesausflügler in großstädtische Zielgebiete. Hierbei ergab sich für ganz Baden-Württemberg ein Betrag von 37,30 DM (=ca.18,65 €). Für das gesamte Fremdenverkehrsgebiet „Südlicher Schwarzwald“ (vgl. dazu näher Kapitel 4.3) ermittelte das DWIF einen Betrag von 37,20 DM (=ca.18,60 €). In den Großstädten des Landes lagen die Ausgaben - auch im Bereich der Tagesgäste - mit 48,80 DM (= ca. 24,40 €) deutlich höher. Die Ausgabenstruktur stellte sich dort wie folgt dar.

Tabelle 6: Struktur der Tagesausgaben bei Ausflügen in großstädtische Zielgebiete in Baden-Württemberg (über 100.000 Einwohner, gerundet in €)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 75)

Von den Tagesgästen wurden demnach 56,1% der Ausgaben im Einzelhandel getätigt, 26,7% entfielen auf die Gastronomie. Im Bereich Unterhaltung/Sport wurden 6,5% aller Ausgaben getätigt, gefolgt vom lokalen Transport (0,7%) und Sonstigem (10,1%).

Das DWIF ermittelte für die Stadt Freiburg im Jahr 2000 einen Wert von 23,60 € als durchschnittliche Tagesausgabe pro Kopf. Legt man den Wert von 1995 zugrunde (24,40 €), so hat sich keine gravierende Veränderung im Ausgabenverhalten ergeben. Auch in Freiburg entfiel der größte Anteil auf den Einzelhandel (10,20 €), gefolgt vom Gastgewerbe (9,60 €) und dem Dienstleistungsbereich (3,80 €). Dies zeigt die nachfolgende Abbildung 8.

Abbildung 8: Prozentuale Verteilung der Ø Tagesausgaben pro Tagesbesucher in Freiburg im Jahr 2000 (gesamt: 23,60 €)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: DWIF 2001, S. 1)

Signifikante Unterschiede im Ausgabeverhalten der Tagesausflügler im Vergleich zu denen der Übernachtungsgäste ergaben sich im Bereich des Einzelhandels. Daraus ist zu folgern, dass Großstädte ganz offensichtlich eine hohe Attraktivität für privat motivierte Tagestouristen im Bereich des privaten Einkaufsverkehrs besitzen und im Umkehrschluss dieser Aspekt für Übernachtungsgäste eine weitaus geringere Rolle spielt. Hier sind ganz offenbar andere Faktoren von Belang (vgl. auch Abbildung 7), wie zum Beispiel Unterkunft und Verpflegung (vgl. DWIF 2001, S.1).

2.6.3.5 Tagesausgaben im geschäftlich motivierten Reiseverkehr

Die Tagesgeschäftsreiseintensität wird analog zur Tagesausflugsintensität ermittelt und definiert.[27] Demnach lag diese im Jahr 1995 in Deutschland[28] bei ca. 14%, was einem Gesamtvolumen von ca. 9,3 Millionen Tagesgeschäftsreisenden entsprach (vgl. HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 95). Dabei zeigte sich, dass Tagesgeschäftsreisen am häufigsten von Personen im Alter zwischen 40 und 55 Jahren durchgeführt und in dieser Altersgruppe gleichzeitig die höchsten Ausgaben getätigt wurden (vgl. HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 95), allerdings wurde von Seiten des DWIF nicht weiter zwischen Messe-, Tagungs- oder Kongressreisenden unterschieden. Im Jahr 1993 betrug die Durchschnittsausgabe pro Tagesgeschäftsreisendem 52,80 DM (=ca. 26,40 €). Die Ausgabenstruktur stellte sich folgendermaßen dar.

Abbildung 9: Durchschnittliche Tagesausgaben von Geschäftsreisenden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 135)

Die Übersicht zeigt, dass der größte Teil der Ausgaben dem Gastgewerbe zufloss (55%), gefolgt vom Einzelhandel (insgesamt 26%) und den sonstigen touristisch relevanten Dienstleistungsbereichen (zusammen=19%). Das bedeutet, dass die Geschäftsreisenden eine weitaus geringere Einkaufsneigung als die privaten Tagesausflügler zeigen, vielmehr spielt hier das Verpflegungsmotiv – auch in Form von Geschäftsessen - eine größere Rolle (vgl. HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 135).

2.7 Ökonomische Effekte des Städtetourismus

Es bleibt nachfolgend zu hinterfragen, ob und inwieweit sich die Ausgaben der Tages- und Übernachtungstouristen auf die Wirtschaftskraft einer Großstadt im Allgemeinen auswirken und welche Effekte dabei erzielt werden. Nachfolgend sollen daher die ökonomischen Auswirkungen und Effekte des Städtetourismus modellhaft unter Zuhilfenahme einiger wesentlicher Merkmale vorgenommen werden, bevor eine Beispielrechung der touristischen Wertschöpfung der Stadt Freiburg erfolgt.

Für die Berechnung des aus dem Fremdenverkehr resultierenden Umsatzes ist es zunächst notwendig, den Nachfrageumfang, das heißt die Anzahl der Tagesgäste bzw. der Übernachtungen sowie die Ausgaben der Gäste pro Kopf und Tag zu ermitteln. Hierbei stellt der Besucherverkehr bei Einheimischen eine durchaus wichtige Größe dar, die jedoch aufgrund ihrer schweren Erfassbarkeit in keine offizielle Statistik einfließt (vgl. Kapitel 2.4). Der Bruttoumsatz ergibt sich durch Multiplikation des Nachfrageumfangs mit den durchschnittlichen Tagesausgaben. Nach Abzug der Mehrwertsteuer erhält man dann den Nettoumsatz. Nach Hochrechnung des DWIF erhält eine Stadt zwischen 2,5 und 3% der Netto-Umsätze aus dem Tourismussektor in Form von Steuereinnahmen [29] (vgl. HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 109).

Von den erwirtschafteten Umsätzen profitieren zahlreiche Unternehmen und Branchen. Tagesbesucher sind in erster Linie für den Einzelhandel sowie Verpflegungsbetriebe von ökonomischem Vorteil, während bei Übernachtungen etwa 80% der Umsätze dem Gastgewerbe zufließen (vgl. Kapitel 2.6.3.3).

Mit Hilfe der Nettowertschöpfungsquote[30] schließlich lässt sich bestimmen, wie viel Prozent des Nettoumsatzes zu direkten Einkommen führen. Anhand der Wertschöpfung lassen sich des weiteren die durch den Tourismus induzierten volkswirtschaftlich wichtigen Beschäftigungseffekte ableiten (vgl. HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 166).

2.8 Beschäftigungseffekte des Fremdenverkehrs

Die Berechnung der Beschäftigungseffekte durch den Tourismus erweist sich als schwierig. Aufgrund fehlender Verfügbarkeit amtlicher statistischer Angaben über tourismusbedingte Beschäftigtenzahlen wird nachfolgend auf eine Modellrechnung des Deutschen Fremdenverkehrsverbandes (DFV) aus dem Jahr 1995 zurückgegriffen. Demnach wird das Einkommen aus der 1. Umsatzstufe (vgl. dazu auch Kapitel 2.8.2) durch ein durch-schnittliches Einkommen eines Beschäftigten (ca. 30.000 €) geteilt. Berücksichtigt man darüber hinaus auch die Wertschöpfung der 2. Umsatzstufe (vgl. Kapitel 2.8.2), so ergibt sich daraus die Gesamt-Beschäftigtenzahl im Tourismus (vgl. DFV 1995, S. 103 ff.).

Die sich daraus ergebende abstrakte Größe ist jedoch eine rein rechnerische Vollbeschäftigtenzahl, die auf den Städtetourismus nicht ohne weiteres zu übertragen ist. In der Regel sind hier noch mehr Menschen auf diesen Sektor angewiesen, da viele „Mini-Jobs“ sowie helfende Familienangehörige nicht mit eingerechnet sind (vgl. MEIER 1994, S. 87).

2.8.1 Wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs für Freiburg

Die Modellrechnungen können nunmehr anhand der Schätzung des DWIF aus dem Jahr 2000 unmittelbar auf die Stadt Freiburg übertragen werden. Demnach ergaben sich folgende Brutto-Umsatzzahlen:

- Tagesreisen: 10,3 Mio. x ØTagesausgaben (23,60 €) = 243,1 Mio.€
- Übernachtungen in Betrieben: 1,154 Mio. x ØTagesausgaben (120,50 €) = 139,1 Mio.€
- Privater Besuchsverkehr: 1,174 Mio. x ØTagesausgaben = 27,7 Mio. €

Aufenthalte gesamt: 12,628 Mio. Summe Bruttoumsatz: = 409,9 Mio.€

Legt man nun einen pauschalen Mehrwertsteuersatz von 16% zu Grunde, so ergab sich für die Stadt ein Netto-Umsatz von 357,8 Mio. € im touristischen Bereich, allerdings blieben in dieser Berechnung die Umsätze aus den Betrieben mit weniger als neun Betten unberücksichtigt (vgl. DWIF 2001, S. 1).

2.8.2 Schätzung der tourismusbedingten Wertschöpfung in Freiburg

Nur ein Teil des touristisch erwirtschafteten Umsatzes verbleibt als Gewinn, Lohn oder Gehalt in der Stadt. Aus diesem Grund werden im nächsten Schritt auf Basis des Umsatzes die Einkommenseffekte ermittelt. Die größten Einkommenswirkungen werden aus der 1.Umsatzstufe (=Wertschöpfung) erzielt, d.h. es werden nur jene Beträge berücksichtigt, die direkt als fremdenverkehrsrelevante Einnahmen erzielt wurden (Unterkunft, Gastronomie, Einkäufe, Dienstleistungen usw.). Die Umsätze der 2. Umsatzstufe, auch Multiplikatoreffekte[31] genannt, sind hierbei noch nicht eingerechnet. Diese Umsätze können als indirekt durch den Tourismus induziert angesehen werden[32] (vgl. DFV 1995, S. 106).

Für die Stadt Freiburg wurde im Jahr 2000 vom DWIF folgender touristischer Einkommens-beitrag ermittelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der touristische Einkommensbeitrag entspricht einem Äquivalent von rund 7.240 Personen (inklusive nicht erwerbstätiger, aber mit zu versorgender Haushaltsmitglieder), die - rein rechnerisch - ihren Lebensunterhalt durch den Tourismus bestreiten könnten. Darüber hinaus wurden durch den Tourismus in Freiburg im Jahr 2000 ca. 357, 8 Mio. € generiert, wovon als Steueraufkommen ca. 9 Mio. € an die Stadt zurückflossen (vgl. DWIF 2001, S. 2).

Zusammenfassend sind demnach durch den Städtetourismus neben den indirekten Effekten in Form von Imageverbesserungen (vgl. Kapitel 2.6) oder Standortvorteilen vor allem direkte ökonomische Auswirkungen, wie Einkommens- und Beschäftigungseffekte, zu konstatieren, darüber hinaus sind infolgedessen beträchtliche Steuereinnahmen im kommunalen Etat zu verzeichnen, die den weiteren Ausbau der touristischen Angebots-Infrastruktur sinnvoll erscheinen lassen (vgl. auch EISENSTEIN 1995, S. 17 ff.).

2.9 Das städtetouristische Angebot

Für eine städtetouristische Destination[33] ist es grundsätzlich von Bedeutung, sich über ihr Angebotspotenzial gegenüber den Mitbewerber-Städten zu profilieren. Die meisten deutschen Städte verfügen dabei aufgrund ihrer bewegten Geschichte und Kultur über ein sehr umfangreiches touristisch relevantes Angebot. Vor einer näheren Betrachtung der Elemente des Untersuchungsgebiets soll zunächst eine allgemeine systematisierende Einführung in die städtetouristischen Angebotskomponenten erfolgen.

2.9.1 Überblick und Systematisierung

Aus den in Kapitel 2.1 genannten Erscheinungsformen und Zielgruppen des Städtetourismus lassen sich jene Angebotskomponenten ableiten, die für eine Stadt von touristisch elementarer Bedeutung sind. Zunächst ist – unabhängig vom privaten oder geschäftlichen Anlass der Reise - neben der landschaftlichen Lage und den naturgeografischen Gegebenheiten, die Erreichbarkeit, also die verkehrsinfrastrukturelle Anbindung auf regionaler und überregionaler Ebene sowie die innerörtliche Verkehrserschließung und die Wirtschaftsstruktu r einer Stadt von Bedeutung.[34] Die architektonische Stadtgestalt und ein ansprechendes Stadtbild gehören ebenso zum wesentlichen Angebot im Städtetourismus wie die kulturelle und sportliche Infrastruktur sowie die Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten. Unter ökonomischen Gesichtspunkten relevant ist die Stadt vor allem im Hinblick auf den Messe-, Geschäfts-, Kongress- und Tagungstourismus. Für den Geschäftsreisenden sind hierbei vor allem das Wirtschafts- und Dienstleistungspotenzial stärker von Bedeutung als für den Privatreisenden (vgl. SCHREIBER 1990, S. 17). Darüber hinaus runden die Hotellerie und Gastronomie als Kontaktpunkte zwischen Gast und gastgebender Stadt, der vorhandene Service, ein eventuelles Betreuungsprogramm sowie die einheimische Bevölkerung als Gastgeber die Palette der tourismusrelevanten Einflussgrößen ab (vgl. JENTSCH 1996, S. 4).

Die nachfolgende Tabelle soll die zugrunde liegende Systematik besser veranschaulichen.

Tabelle 7: Systematisierung des städtetouristischen Angebots

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: verändert nach KASPAR 1982, S. 64, FREYER 2001, S. 179)

Die natürlichen Gegebenheiten, die allgemeine Basisinfrastruktur[35] sowie die Soziokultur (=ursprüngliches Angebot) haben keinen direkten Bezug zum Tourismus. Das abgeleitete Angebot hingegen[36] weist durchaus solche Bezüge auf. Dies ist allerdings nur ein Systematisierungsversuch, denn die Abgrenzung der einzelnen Angebotselemente voneinander ist nicht immer zweifelsfrei möglich, und Überschneidungen sind nicht zu vermeiden. Schwierigkeiten entstehen insbesondere zwischen der allgemeinen Infrastruktur (=ursprüngliches Angebot) und der touristischen Infrastruktur im engeren Sinn (=abgeleitetes Angebot). So sind Schwimmbäder beispielsweise der touristischen Infrastruktur zuzurechnen, weil sie nicht nur der einheimischen Bevölkerung dienlich sind (vgl. KASPAR 1982, S. 63). Zur touristischen Infrastruktur müssen darüber hinaus auch die Informations- und Betreuungsdienste einer Stadt gezählt werden, die dazu beitragen können, den Städtetouristen fachlich fundierte Einblicke und Eindrücke von geschulten Stadtführern und Mitarbeitern zu vermitteln, die zum noch besseren Kennenlernen der Stadt beitragen können. Fraglich ist jedoch, inwieweit es sich dabei nicht auch gleichzeitig um Einrichtungen handelt, die im Rahmen der allgemeinen Infrastruktur den Bewohnern der Stadt die „Entfaltung gemeinschaftlicher Aktivitäten“ ermöglichen. Probleme gleicher Art entstehen bei kulturellen Einrichtungen wie Kinos, Museen, Theatern und baulichen Gegebenheiten, zu denen vor allem die touristischen Sehenswürdigkeiten einer Stadt zu rechnen sind. Sie sind oftmals wesentliche Bestandteile der touristischen Infrastruktur (=abgeleitetes Angebot) und damit des Angebotspotenzials, wenngleich sie für die Bewohner der Stadt zur allgemeinen Infrastruktur, also zum ursprünglichen Angebot, zählen (vgl. KASPAR 1982, S.63).

Der Verfasser schließt sich in diesem Zusammenhang der Ansicht STEINECKES an, wonach das kulturelle und bauliche Angebot zum abgeleiteten Angebot zu rechnen ist (vgl. STEINECKE 1993, S. 9 f.). Dies erscheint deshalb plausibel, weil ohne diese Infrastruktur das Angebotspotenzial der Stadt für den Besucher in erheblichem Maß reduziert wäre.

2.9.2 Das abgeleitete Angebot

Das abgeleitete Angebot einer Stadt umfasst folglich ein breites Spektrum an kulturellen Einrichtungen, Veranstaltungen und Gegebenheiten. Hierunter fallen unter anderem die Museen und Galerien, Theater- und Opernhäuser, Aufführungen, Festivals und Festspiele, sowie das bauliche Potenzial (vgl. Tabelle 7). Insbesondere dem baulichen Potenzial historisch gewachsener Städte kommt dabei eine ganz besondere Bedeutung zu. Es stellt schließlich den Gegensatz zu den künstlichen Freizeitwelten dar (vgl. STEINECKE 1993, S. 9 f.). Historische Stadtkerne und deren Sehenswürdigkeiten üben dabei auf die Besucher eine große Anziehungskraft aus.[37] Zusätzlich zu den historischen können auch moderne Bauten und sogar Industrieanlagen durch gezielte touristische Inwertsetzung zu besonderen städtetouristischen Attraktionen werden. Dies zeigt die zunehmende Zahl von Industrie­denkmälern[38] und ihren Besuchern (vgl. GAEBE 1993, S. 64 ff.). Einzelstudien zeigten nach GRAEBE jedoch auch, dass moderne Stadtarchitektur allein nicht ausreiche, um Touristen für die Stadt zu interessieren. Es gehe vielmehr um das Gesamterlebnis Stadt (vgl. auch Kapitel 2.5), um eine Symbiose aus unterschiedlichen Angebotskomponenten (vgl. GAEBE 1993, S. 67 ff.). Die ausführliche Darstellung des Angebotspotenzials der Stadt Freiburg soll daher im Mittelpunkt des nun folgenden Kapitels stehen.

3 Das Angebotspotenzial des Untersuchungsraums

Ausgehend von der dargestellten Systematisierung (vgl. Tabelle 7) erfolgt zunächst eine Einführung in das ursprüngliche Angebot des (Teil-) Untersuchungsraums [39] Freiburg sowie ein kurzer historischer und stadtgeografischer Exkurs . Aufgrund der zentralen Bedeutung der Stadt Freiburg für die weitere Ausarbeitung steht im Anschluss daran die ausführliche Beschreibung des abgeleiteten touristischen Angebotspotenzials der Stadt im Mittelpunkt der Betrachtung. Der Landkreis wird – dem Titel der Arbeit entsprechend – nach ähnlicher Systematik behandelt und komprimiert in die Betrachtung mit einbezogen.

3.1 Das ursprüngliche Angebot – naturräumliche Übersicht der Stadt Freiburg

Die Stadt Freiburg im Breisgau erstreckt sich vom tertiären Grabenbruch der Oberrheinischen Tiefebene im Westen, begrenzt durch die überwiegend mit Reben bewachsenen Bergländer des Kaiserstuhls und des Tunibergs, bis zu den Höhen und Tälern des Hochschwarzwalds, der eine nach ostwärts geneigte Pultscholle mit einem Steilabfall zum Oberrhein darstellt und bereits unmittelbar hinter der Stadtgrenze im Osten eine natürliche städtische Siedlungsbarriere bildet. Im Süden und Norden reichen die Obst- und Weingärten der fruchtbaren Vorhügelzone bis an den Stadtkern heran (vgl. KULLEN 1989, S. 191). Das Stadtgebiet liegt auf einem Höhenniveau zwischen 196m (Waltershofen) und dem Schauinsland (1284m), zugleich einer der höchsten Berge des Schwarzwalds, und weist damit eine Höhendifferenz von über 1000m auf (vgl. STADT FREIBURG IM BREISGAU, AMT FÜR STATISTIK UND EINWOHNERWESEN, ZAHLENSPIEGEL 2002c, o.S.).

Das Klima wird in erster Linie durch die Lage Baden-Württembergs zwischen dem Nordatlantik und den europäischen Festlandsmassen sowie durch die Höhengliederung des Landes bestimmt. Die ozeanischen Klimaeinflüsse überwiegen infolge der ganzjährigen Zugehörigkeit zur außertropischen Westwindzone im jährlichen Witterungsverlauf. Die vorherrschenden Westwinde bringen reichlich Niederschläge, mildern die Winter und kühlen die Sommer. Allerdings können polare Luftmassen während des ganzen Jahres auch bis zum Oberrhein vordringen und dort für empfindliche Kühle sorgen. Im Winter können sich von Zeit zu Zeit ost- und nordeuropäische Kältehochdruckgebiete auf das Wettergeschehen auswirken (vgl. KULLEN 1989, S. 74).

Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 10,80 Celsius und damit im obersten Bereich der deutschen Städte, ebenso wie die Sonnenscheindauer von ca. 1890 Std. im Jahr 2001. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in Freiburg lag im Jahr 2000 bei etwa 890 mm, im direkten Windschatten des Kaiserstuhls allerdings wurden nur etwa 600mm Niederschlag (im Vergleich dazu: Stadt Trier=ca.750mm, Anm. d. Verf.) gemessen (vgl. STADT FREIBURG IM BREISGAU, AMT FÜR STATISTIK UND EINWOHNERWESEN 2002a, S. 11).

Insgesamt gesehen befindet sich Baden-Württemberg – und damit auch Freiburg – in einem Übergangsgebiet zwischen dem Seeklima im Westen Europas und dem Kontinentalklima im Osten, wobei innerhalb des Landes der maritime Einfluss deutlich in den östlichen Landesteilen abnimmt (vgl. KULLEN 1989, S. 74).

Eine Besonderheit Freiburgs ist das ausgesprochene - und mit Städten wie Trier vergleichbare - „Kesselklima“, das die Sommer oft drückend schwül und unangenehm heiß erscheinen lässt. Als lokales Phänomen gilt der „ Höllentäler“, ein kalter Fallwind, der vom frühen Abend an durchs Dreisamtal in Richtung Freiburg weht und selbst im Hochsommer für empfindlich kühle abendliche Temperaturen sorgen kann (vgl. STADT FREIBURG IM BREISGAU 2003, o.S.).

3.1.1 Exkurs: Historische und stadtgeografische Entwicklung Freiburgs

Die Gründung der Stadt Freiburg im Breisgau geht auf das Jahr 1120 zurück. Konrad von Zähringen erbaute die Stadt - aus verkehrsgeografischer Sicht günstig gelegen - an der Talpforte der Dreisam, die zugleich den Zugang zum Schwarzwald eröffnet. Die Stadt liegt am Schnittpunkt der alten Handelswege nach Burgund, der Schweiz und dem Elsass. Diese verkehrsgünstige Position, die Marktrechte und die reichen Silbervorkommen des nahen Schwarzwaldes führten während des Mittelalters zu einem raschen Aufblühen des städtischen Gemeinwesens, das bald eine dominierende Stellung im gesamten Breisgau erlangte. Die Stadt war im Laufe der Geschichte sowohl unter habsburgischer als auch unter französischer Herrschaft, von denen es 1677 erobert und bis 1697 von Vauban zur Festungsanlage ausgebaut wurde. Im Jahr 1745 schleiften die abziehenden Franzosen die Festungsanlangen und Freiburg sank zu einer unbedeutenden Amtsstadt in Vorderösterreich (mit ca. 3000 Einw.) mit verarmtem Bürgertum herab (vgl. KULLEN 1989, S. 191).

Erst der Anschluss an das Großherzogtum Baden (1806) brachte die Wende: Freiburg wurde zur erzbischöflichen Residenz; die im Jahr 1457 gegründete Universität erlangte mehr und mehr an Bedeutung; Handel und Gewerbe nahmen an der ausgesprochen liberalen wirtschaftlichen Entwicklung des neuen Oberrheinstaates teil. Bedingt durch die allgemein einsetzende Industrialisierung etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Stadt rasch an. Viele Bewohner des landwirtschaftlichen Umlands zogen nun nach und nach in die Stadt. In dieser Phase wurden zahlreiche Neubauten errichtet, darüber hinaus fanden erste Eingemeindungen der umliegenden dörflichen Siedlungen statt. Der zunehmende Fremdenverkehr, die wachsende industrielle Bedeutung und der Bedeutungsgewinn der Universität gehören zweifellos zu den Gründen des Stadtwachstums zwischen den beiden Weltkriegen. Am Vorabend des zweiten Weltkriegs zählte Freiburg bereits um die 100.000 Einwohner. Eine jähe Unterbrechung der städtischen Entwicklung bedeutete der verheerende Luftangriff vom 27. November 1944, bei dem fast die gesamte historische Altstadt dem alliierten Bombardement zum Opfer fiel. Bei Kriegende lebten deshalb nur noch ca. 60.000 Menschen in der Stadt (vgl. KULLEN 1989, S. 192).

Der Wiederaufbau nach dem Krieg erfolgte weitestgehend unter Wahrung des historischen Stadtbildes. Nach dem Krieg erlebte Freiburg eine außerordentliche Expansion des Stadtgebiets, die bis zur heutigen Zeit andauert und mit einem erheblichen Bedarf an Wohnraum verknüpft ist. Die großen Stadterweiterungen der 70er Jahre in Weingarten und Landwasser im Westen der Stadt nahmen trabantenstadtähnliche Züge an (vgl. KULLEN 1989, S. 192). In dieselbe Zeit fallen zahlreiche Eingemeindungen bislang selbstständiger Gemeinden wie Waltershofen, Lehen oder Betzenhausen. Die Stadtteile Rieselfeld sowie das Quartier Vauban“ – auf einer militärischen Konversionsfläche errichtet – sind die aktuellen Siedlungserweiterungen im Südwesten und Süden des Stadtgebiets. Die Gemarkungsgröße wird derzeit mit 15.306 ha beziffert, bei einer Nord-Süd-Ausdehnung von 18,6 km und einer Ost-West-Erstreckung von 20,0 km. (vgl. STADT FREIBURG IM BREISGAU, AMT FÜR STATISTIK 2002b, S. 3).

3.1.2 Bevölkerungsentwicklung in Freiburg seit 1950

Seit dem Volkszählungsjahr 1950 bis zum 1.1.2002 stieg die Bevölkerungszahl nahezu um das Doppelte auf 208.294 Einwohner an (vgl. Abbildung 10). Schaut man sich allerdings die Daten der kleinräumigen Bevölkerungsvorausberechung[40] für Freiburg bis zum Jahr 2010 an, so ergibt sich, dass sich der kontinuierliche Bevölkerungsanstieg, der seit 1950 anhielt, in Zukunft - entsprechend dem gesamtdeutschen Trend (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2000, S. 18) - nicht mehr fortsetzen wird. Die Gesamtbevölkerungszahl wird zunächst stagnieren, um dann bis zum Jahr 2010 um rund 2.500 Personen abzunehmen. Verantwortlich für den Rückgang der nächsten Jahre werden sowohl die nachlassenden Zuzüge aus dem Ausland als auch aus Deutschland sein. Der zweite Grund sind die Wanderungsverluste der Deutschen mit dem näheren Umland, die nicht mehr durch Zuwanderung ausgeglichen werden (vgl. STADT FREIBURG; AMT FÜR STATISTIK UND EINWOHNERWESEN 1999, S. 49). Der landläufigen Meinung, Freiburg sei als Altersruhesitz von Pensionären und Rentnern sehr gefragt, steht die Auswertung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg entgegen. Hier wurde festgestellt, dass der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre in Freiburg – gemessen an der Gesamtbevölkerung - zu den geringsten der baden-württembergischen Stadtkreise zählt. So gibt es auf 1.000 Einwohner 150 Personen über 65 Jahre. Damit liegt Freiburg zusammen mit Heidelberg am unteren Ende der Skala (vgl. STADT FREIBURG IM BREISGAU, AMT FÜR STATISTIK UND EINWOHNERWESEN 2002a, S. 7).

Abbildung 10: Die Entwicklung der amtlichen Bevölkerungszahl Freiburgs seit 1950

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: STADT FREIBURG IM BREISGAU; AMT FÜR STATISTIK UND EINWOHNERWESEN 2002a, S. 11)

3.1.3 Wirtschaftsstruktur

Freiburg besitzt als Oberzentrum große Strahlkraft für die gesamte Region. Die 2002 gemeldeten rund 95.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (davon männlich: 50,5%; weiblich: 49,5%) setzten sich mehrheitlich (50.563) aus Berufseinpendlern (darunter 1.494 aus dem Elsass und 29 aus der Schweiz) zusammen. Der Auspendleranteil lag bei 13.622 Beschäftigten (vgl. STADT FREIBURG IM BREISGAU, AMT FÜR STATISTIK 2002a, S. 10).

Der Dienstleistungssektor dominiert ganz eindeutig (vgl. Abbildung 11). Durch die Nähe zur Universität haben sich Unternehmen aus den Bereichen Solarenergie, Informations- und Medientechnologie sowie Medizintechnik und Biotechnologie angesiedelt. Größter Arbeitgeber Freiburgs und Südbadens ist die Universität mit ihren ca. 13.000 Arbeitsplätzen einschließlich des Klinikums (vgl. WIKIPEDIA 2003, o.S.).

Die Arbeitslosenquote im Arbeitsamtbezirk Freiburg[41] belief sich im September 2003 auf 6,2% (zum Vergleich: Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg=6,0%) (vgl. LANDESARBEITSAMT BADEN-WÜRTTEMBERG 2003, o.S.)

Abbildung 11: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Freiburg im Jahr 2000 nach Wirtschaftsbereichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: STADT FREIBURG, AMT FÜR STATISTIK UND EINWOHNERWESEN 2002a, S. 69)

Die Wirtschaftsleistung der Stadt Freiburg liegt bei derzeit ca. 45.000 € (gemessen als Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem). Im landesweiten Vergleich belegt damit die Stadt einen Platz im Mittelfeld.[42] Städte im Rhein-Neckar-Agglomerationsraum wie Mannheim, Heidelberg, Rastatt und Karlsruhe liegen aufgrund ihrer stärkeren Dominanz des industriellen Angebots (z.B. Maschinenbau, Elektronik oder Druck- und Verlagswesen) eindeutig vor Freiburg (vgl. STATISTSICHES LANDESAMT BADEN-WÜRRTEMBERG 2002, S. 264).

3.1.4 Flächennutzung und Bevölkerungsdichte

Im Vergleich zu den Großstädten Stuttgart, Mannheim/Heidelberg und Karlsruhe hat Freiburg einen wesentlich geringeren Anteil an überbauter Fläche (30,2%). In diesen Städten beträgt die Siedlungs- und Verkehrsfläche schon über 40% der gesamten Fläche[43] und dementsprechend ist durch die Suburbanisierung in den großstadtnahen Landkreisen dieser Anteil relativ hoch. Die Aufteilung der Freiburger Gesamtfläche von 15.306 ha stellt sich folgendermaßen dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. STADT FREIBURG, AMT FÜR STATISTIK UND EINWOHNERWESEN 2002 c)

Nach Stuttgart hat die Stadt Freiburg die höchste Bevölkerungsdichte Baden-Württembergs; daraus ergibt sich der relativ geringe Wert der Siedlungs- und Verkehrsfläche. Die Region Freiburg hingegen ist relativ gering verstädtert, die Bevölkerungsdichte daher im Freiburger Umland dementsprechend geringer (vgl. Abbildung 12).

Abbildung 12: Einwohner je km2 Siedlungs- und Verkehrsfläche 1990 und 2000

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(QUELLE: STADT FREIBURG, AMT FÜR STATISTIK UND EINWOHNERWESEN2002b, S. 22)

Die obige Abbildung zeigt, dass die Bevölkerungsdichte in Freiburg abgenommen, in der übrigen Region dagegen zugenommen hat. Dabei vollzog sich die Abnahme in Freiburg zwischen 1995 und 2000, während die Zunahme im Umland weitestgehend in den Jahren 1990 bis 1995 erfolgte. Bezogen auf die Gebietstypen nimmt die Dichte mit zunehmender Distanz zu Freiburg ab; die Dichte in Freiburg liegt zugleich um mehr als 50% über der im engeren Verflechtungsbereich (vgl. STADT FREIBURG, AMT FÜR STATISTIK UND EINWOHNERWESEN 2002b, S. 22).

3.1.5 Verkehrserschließung

Die Attraktivität einer Touristenstadt wie Freiburg wird maßgeblich durch ihre Verkehrsinfrastruktur beeinflusst (vgl. Kapitel 2.9.1). Insbesondere im Großstadttourismus fördert eine gute Verkehrsanbindung den Kongress- Tagungs-, Messe- und Besichtigungsreiseverkehr, da deren potentielle Nachfrager ihre Standortwahl bzw. Reiseentscheidung oftmals von der Erreichbarkeit der Stadt und ihrer Verkehrsanbindung abhängig machen (vgl. JENSTCH 1996, S. 17).

[...]


[1] Zur ausführlichen Begriffsklärung vgl. Kapitel 2.1.

[2] Insgesamt unternahmen 18% der Deutschen im Jahr 2001 eine Städtekurzreise (vgl. FORSCHUNGSGEMEINSCHAFT URLAUB UND REISEN, F.U.R., 2003, S. 10).

[3] Nachfolgend ist, soweit nicht anders gekennzeichnet, bei dem Begriff „Landkreis“ stets der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gemeint.

[4] Die Begriffe „Landkreis“ und „Umland“ werden nachfolgend synonym verwendet.

[5] Siehe zur Lage der Landkreisgemeinden: Karte im Anhang I.

[6] Davon 48 weibliche (=47,1%) und 54 männliche (=52,9%) Probanden.

[7] Siehe auch Übersichtskarte im Anhang I.

[8] Dem ist nach Ansicht des Verfassers schon allein vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Bedeutung des Tagesausflugs- und Geschäftsreiseverkehrs für den Städtetourismus nicht zuzustimmen [(vgl. hierzu das Grundlagenwerk von HARRER/ZEINER/MASCHKE (1995)].

[9] Zugrunde liegt hier der statistische Stadtbegriff, der z.B. durch das Statistische Bundesamt verwendet wird und als „Großstadt“ jede Stadt bezeichnet, die zwischen 100.000-1.000.000 Einwohner zählt.

[10] Unter „Incentives“ werden im allgemeinen solche Reisen verstanden, die von Firmen und Institutionen als Belohnung an besonders verdienstvolle Mitarbeiter vergeben werden (vgl. JENTSCH 1996, S. 3).

[11] Die Kurzreise ist definiert als “Reise mit mindestens einer und höchstens 3 Übernachtungen.“ ( F.U.R 2003, S. 4)

[12] Mit Hilfe von „Zielgebietsanalysen“ können genauere Aussagen über Angebots- und Nutzungsstrukturen, Herkunft der Tagestouristen sowie Angaben zum Ausgabeverhalten in Zielgebieten ermittelt werden; dies erfolgt meist in ausgewählten Freizeiteinrichtungen. Der Nachteil liegt darin, dass weder alle Freizeitaktivitäten noch – einrichtungen bestimmt werden können. Darüber hinaus variieren die Erfassungs- und Erhebungsmethoden, so dass die Vergleichbarkeit der Daten nur sehr bedingt gewährleistet ist (vgl. JENTSCH 1996, S. 168).

[13] So zum Beispiel vom DEUTSCHEN WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHEN INSTITUT FÜR FREMDENVERKEHR (DWIF) im Jahr 1995.

14 Als Tagesausflug wird jedes Verlassen des Wohnumfeldes bezeichnet, mit dem keine Übernachtung verbunden ist und welcher nicht zu schulischen oder beruflichen Zwecken durchgeführt wird, darüber hinaus keinen „Einkaufscharakter“ aufweist und nicht einer gewissen Routine oder Regelmäßigkeit unterliegt (vgl. HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 2).

[15] Der so genannte Begriff des „sekundären Ausflugsverkehrs“ ist in der Literatur definitorisch nicht eindeutig festgelegt. Eingehende Recherchen des Verfassers erbrachten hier kein befriedigendes Ergebnis. Der Begriff wird daher auch keine weitere Verwendung finden. Plausibler ist der Begriff des „ Urlauberlokalverkehrs“ (vgl. SCHWEHR, Anhang I,9), der für jene Gäste verwendet wird, die vom Urlaubsort Ausflüge in die Stadt bzw. das Umland unternehmen. Der Verfasser schließt sich dieser Bezeichnung an.

[16] Die Ausflugsintensität benennt den Anteil der Bevölkerung über 14 Jahre, die im Kalenderjahr mindestens einen Ausflug unternommen hat (vgl. HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 11).

[17] Die Ausflugshäufigkeit untersucht das „wie oft“ der unternommenen Tagesausflüge im Kalenderjahr.

[18] Einbezogen sind sowohl die privat motivierten als auch die geschäftlich bedingten Städtereisen.

[19] „Events“ werden i.A. als „besondere Veranstaltungen und Ereignisse“ bezeichnet, bei denen die Besucher an einen bestimmten Ort zu einem bestimmten Zweck kommen (vgl. FREYER 1998, S. 18).

[20] Basis: Alle Befragten, die in den letzten Jahren zumindest eine Städtereise unternommen haben (n=1.315) (vgl. OPASCHOWSKI 2003, S. 9).

[21] Das Image lässt sich als „Gesamtheit der persönlichen Einstellungen, Kenntnisse, Erfahrungswerte und Gefühlshaltungen (...) z.B. zu einer Stadt oder einem Reiseziel“ beschreiben. (JENTSCH 1996, S. 41).

[22] Die letztmalige Erhebung des DWIF zum Tagestourismus wurde in diesem Jahr durchgeführt. Aktuellere Zahlen sind nicht verfügbar. Dies ergab auch ein Briefwechsel des Verfassers mit Herrn Dr. Harrer vom DWIF. Erhebungen anderer Institute zu diesem Komplex konnten trotz intensiver Recherche nicht ermittelt werden.

[23] In gewerblichen Übernachtungsbetrieben (ab 9 Betten).

[24] Kurgäste und Erholungsurlauber sollen an dieser Stelle keiner weiteren Betrachtung unterzogen werden.

[25] Das Ausgabeverhalten ist lediglich für einige wenige deutsche Großstädte ermittelt worden. Die Vergleichbarkeit ist aber aufgrund unterschiedlicher Erhebungsmethoden kaum gegeben.

[26] Zeitpunkt der letztmaligen Veröffentlichung.

[27] Als Tagesgeschäftsreise zählen alle Ortsveränderungen, die zur Wahrnehmung geschäftlicher Aufgaben über die Gemeindegrenze, in der sich der ständige Arbeitsplatz des Betroffenen befindet, hinausführen (vgl. HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 3).

[28] Für Freiburg liegen keine Zahlen für den geschäftlich motivierten Tourismus vor, deswegen erfolgt diese allgemeine Übersicht.

[29] Die Einnahmen stammen v.a. aus Gewerbesteuern sowie anteiliger Lohn- und Einkommensteuer.

[30] Die Wertschöpfungsquoten werden aus Betriebsvergleichen abgeleitet und „geben an, wie viel Prozent des Nettoumsatzes unmittelbar zu Löhnen, Gehältern und Gewinnen, also zu Einkommen werden.“ (HARRER/ZEINER/MASCHKE 1995, S. 166.)

[31] Dies sind Einkommenswirkungen, die im Rahmen von Vorleistungen und Abschreibungen entstehen und auf die touristische Nachfrage zurückzuführen sind (vgl. DFV 1995, S. 106).

[32] Vgl. ausführlich zum Multiplikatoreffekt: BECKER (1988), S. 373-397. Kritisch zur Wirkung des Multiplikator-Effekts: KESENNE (1999), S. 342.

[33] Vgl. zum Destinationsbegriff Kapitel 3.5.

[34] In einer Repräsentativbefragung im Auftrag des DFV gaben 85% aller Befragten an, sie hielten eine gute Verkehrsanbindung für ihre Entscheidung zu einer Städtereise für wichtig (vgl. DFV 1995, S. 70).

[35] Unter „Infrastruktur“ wird in der Volkswirtschaft die „Gesamtheit der materiellen, institutionellen und personellen Anlagen, Einrichtungen und Gegebenheiten, die den Wirtschaftseinheiten im Rahmen einer arbeitsteiligen Wirtschaft zur Verfügung stehen“, verstanden (JOCHIMSEN 1966, S. 103).

[36] Dazu zählen u.a.: Beherbergungs-, Verpflegungs- und Unterhaltungsbetriebe (Theater, Kinos, Museen etc.) sowie Einrichtungen, die der Ortsveränderung, der Erholung, dem Sport oder der wirtschaftlichen Betätigung dienen (vgl. KASPAR 1982, S. 64).

[37] Nach der Reiseanalyse 2002 gaben 22,9 % der deutschen Bevölkerung über 14 Jahren im Urlaub in Deutschland als Gründe für ihren Urlaub an „die Stadt erleben und kennen lernen“ sowie 13,3% Museen, (historische) Bauwerke und Sehenswürdigkeiten besichtigen“ (vgl. F.U.R Reiseanalyse 2002, S. 15).

[38] Wie z.B. die „Alte Völklinger Hütte“ in Völklingen (Saar), die auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht und einen touristischen Attraktivitätsfaktor für das Saarland darstellt.

[39] siehe auch Übersichtskarte im Anhang I.

[40] Es handelt sich hierbei um die kleinräumige Vorausberechnung des AMTES FÜR STATISTIK UND EINWOHNERWESEN der Stadt Freiburg aus dem Jahr 1999.

[41] Der Arbeitsamtbezirk umfasst den Stadtkreis Freiburg, den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald sowie den angrenzenden Landkreis Emmendingen.

[42] Der gesamte Agglomerationsraum Stuttgart erwirtschaftet aufgrund seines ausgeprägten Maschinen- und Fahrzeugbausektors ein Bruttoinlandsprodukt von weit über 60.000 € pro Erwerbstätigem.

[43] Zum Vergleich: Stuttgart=49,2%; Mannheim/Heidelberg=43,3%, Karlsruhe=44,4% (vgl. STADT FREIBURG, AMT FÜR STATISTIK 2002a, S.21).

Details

Seiten
194
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783832491871
ISBN (Buch)
9783838691879
Dateigröße
4.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v224312
Institution / Hochschule
Universität Trier – Geographie/Geowissenschaften FB VI
Note
2,0
Schlagworte
geografie tourismus fremdenverkehr marketing effekte

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Titel: Städtetourismus in Freiburg