Lade Inhalt...

Motivationale Aspekte in der Bewegungstherapie und im Rehabilitationssport

Doktorarbeit / Dissertation 2005 169 Seiten

Medizin - Chirurgie, Unfall-, Sportmedizin

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen

1 Querschnittlähmung
1.1 Definition
1.1.1 Ursachen der Querschnittlähmung
1.1.2 Neurologische Topographie der Tetraplegie und der Paraplegie
1.1.3 Erscheinungsformen der Querschnittlähmung Klinischer Befund
1.2.1 Der spinale Schock
1.2.2 Motorische Konsequenzen der Querschnittlähmung
1.2.3 Nicht-Motorische Konsequenzen der Querschnittlähmung

2 Der WHO-Ansatz: Die Verbindung vom ICD zur ICIDH-2 bzw. zur ICF
2.1 Das ICIDH-Modell
2.1.1 Exemplarische Anwendung der ICIDH
2.1.1.1 1. Ebene: Der Schaden („Impairment“)
2.1.1.2 2. Ebene: Die funktionelle Einschränkung („Disability“)
2.1.1.3 3. Ebene: Die soziale Beeinträchtigung („Handicap“)
2.2 Das ICIDH-Modell-2 bzw. das ICF- Modell
2.2.1 Exemplarische Anwendung der ICF
2.2.1.1 1. Ebene: Der Schaden und die verbliebenen Funktionen bzw. der allgemeinen Zustand
2.2.1.2 2. Ebene: Aktivität
2.2.1.3 3. Ebene: Partizipation
2.3 Wirkung des ICF-Modells auf die Bewertung der Reha- Kette
2.4 Charakteristika des ICD-, ICIDH- und des ICF-Modells der WHO

3 Bewegungstherapie und Rehabilitationssport
3.1 Gesundheitliche Effekte von Bewegung und Sport
3.2 Zweifel an den positiven Effekten von Bewegung und Sport
3.3 Begrifliche Widersprüche
3.4 Therapie
3.4.1 Bewegungstherapie
3.4.1.1 Charakteristika der Bewegungstherapie
3.4.1.2 Physiotherapie
3.4.1.2.1 Charakteristika der Physiotherapie
3.4.1.2.2 Beispiel des Behandlungsverlaufs einesLphysiotherapeutischen Programms
3.4.1.2.3 Vorteile der Physiotherapie
3.4.1.3 Sporttherapie
3.4.1.3.1 Charakteristika der Sporttherapie
3.4.1.3.2 Vorteile der Sporttherapie
3.4.1.4 Ergotherapie Rehabilitation
3.5.1 Charakteristika der Rehabilitation
3.5.2 Die Rehabilitationskette
3.5.3 Rehabilitationssport
3.5.3.1 Charakteristika des Rehabilitationssports

4 Motivation
4.1 Motive und Motivation
4.1.1 Leistungsmotivation
4.1.1.1 Leistungsmotiv
4.1.1.2 Erwartung über den Handlungsausgang
4.1.1.3LAnreizwert der zu bewältigenden Aufgabe
4.2 Bezugsnorm-Orientierung
4.3 Anspruchsniveausetzung
4.4 Kausalattribuierung

5 Verhalten und Behinderungsverarbeitung
5.1 Verhalten
5.1.1 Das Verhalten des Betroffenen
5.1.1.1 Selbstkonzept
5.1.1.2 Befindlichkeit
5.2 Behinderungsverarbeitung
5.2.1 Krisenverarbeitung nach Schuchardt
5.2.2 Bewegungstherapie und Rehabilitationssport als Mittel zur Behinderungsverarbeitung
5.2.3 Aspekte der Motivationspsychologie als Hilfe zur Behinderungsverarbeitung
5.2.3.1 Dimensionen der Behinderungsverarbeitung in Bewegungstherapie und Rehabilitationssport
5.2.3.2 Methodik zur Beeinflussung der Behinderungsverarbeitung bzw. der Befindlichkeit mit Hilfe der Bewegungstherapie und des Rehabilitationssports
5.2.3.2.1 „Assessment” aus dem Bereich der Bewegungstherapie und des Rehabilitationssports in Anlehnung an die ICF
5.2.3.2.2 Ausgewählte Tätigkeiten aus dem Bereich Aktivität und Partizipation
5.2.3.2.3 Vergleich
5.2.3.2.4 Strukturierung des Programms unter Berücksichtigung leistungsmotivationaler Aspekte
5.2.3.2.5 Erstes Ziel: Restrukturierung der Bezugsnormen
5.2.3.2.6 Zweites Ziel: Entwicklung einer adäquaten Anspruchsniveausetzung
5.2.3.2.7 Drittes Ziel: Entwicklung eines selbstbekräftigenden Kausalattribuierungsmusters
5.2.3.2.8 Viertes Ziel: Förderung eines solidarischen Verhaltens
5.2.3.2.9 Reihenfolge der Ziele
5.2.3.2.10 Erneute Durchführung des „Assessments”
5.2.3.2.11 Weitere Empfehlungen zur Beeinflussung des Motivationsprozesses bzw. der Befindlichkeit in Bewegungstherapie und Rehabilitationssport

Schlussfolgerung

Zusammenfassung

Literatur

Verzeichnis der Abkürzungen im Text

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verzeichnis der Abbildungen im Text

Abb. 1: Krisenverarbeitung als Lernprozess nach SCHUCHARDT (1993a)

Abb. 2: Graphische Darstellung der Didaktik des Modells zur Behinderungsverarbeitung und zur Beeinflussung der Befindlichkeit in Anlehnung an die Motivationspsychologie .…...

Abb. 3: Beispiel einer Variante der Zielreihenfolge des Modells zur Behinderungsverarbeitung in Anlehnung an die Motivationspsychologie

Abb. 4: Erneute Durchführung des „Assessments“ aus dem Bereich der Bewegungstherapie bzw. des Rehabilitationssports

Verzeichnis der Tabellen im Text

Tab. 1: Neurologische Topographie der Tetraplegie und der Paraplegie

Tab. 2: Signifikante Unterschiede zwischen schlaffer und spastischer Lähmung

Tab. 3: Topographie der spastischen und schlaffen Formen der Querschnittlähmung

Tab. 4: Beispiele nicht-motorisch Konsequenzen der Querschnittlähmung

Tab. 5: Charakteristika des ICD-Modells der WHO

Tab. 6: Charakteristika des ICIDH-Modells der WHO

Tab. 7: Charakteristika des ICF-Modells der WHO

Tab. 8: Beispiele von Zielen der Bewegungstherapie

Tab. 9: Unterteilung der Ziele der Bewegungstherapie

Tab. 10: Beispiel des Behandlungsverlaufs eines physiotherapeutischen Programms

Tab. 11: Vorteile der Sporttherapie

Tab. 12: Weitere Vorteile der Sporttherapie

Tab. 13: Die Rehabilitationskette

Tab. 14a: Rangfolge der von Patienten als besonders hilfreich bewerteten Faktoren zur Behinderungsbewältigung

Tab. 14b: Faktoren, die von Patienten als weniger hilfreich bewertet werden

Tab. 15: Stadien der Krisenverarbeitung als Lernprozess (SCHUCHARDT 1993a)

Tab. 16: Komponenten der Methodik zur Behinderungsverarbeitung durch Bewegungstherapie und Rehabilitationssport

Tab. 17: Methodik zur Beeinflussung der Behinderungsverarbeitung bzw. der Befindlichkeit durch Bewegungstherapie und Rehabilitationssport

Tab. 18: Weitere Empfehlungen zur Beeinflussung der Behinderungsverarbeitung bzw. der Befindlichkeit mit Hilfe der Bewegungstherapie und des Rehabilitationssports

Vorbemerkungen

Der Eintritt einer Behinderung wird häufig mit Emotionszuständen, wie Depression, Aggression, ungewisser Zukunft, Verzweiflung, Resignation, Schuldgefühlen, Abhängigkeit, einem niedrigen Selbstwertgefühl, verminderter Lebenszufriedenheit, dem Nicht-bewältigen-können der Behinderung und dem Abgeschrieben-Sein, assoziiert.

Wenn man jedoch Tetraplegiker bei einem Rollstuhlrugby-Spiel erlebt, entsteht nicht selten ein sehr positives Gefühl: „Sie sind keine Invaliden, sie sind ja Kämpfer“!

Anhand des Beispiels der Querschnittlähmung wird hier die neurologische, psychologische und soziale Lage des Betroffenen erläutert.

Die Behinderungsverarbeitung ist seit geraumer Zeit ein wichtiges Bestreben, jedoch ist der Weg dorthin immer noch unbekannt.

Wie können die Bewegungstherapeuten aus der Verzweiflung, aus der Resignation, aus der Ausweglosigkeit, usw., den Behinderten dazu verhelfen, sie zu ausgeglichenen, wieder aktiv an dem Gesellschaftsleben teilhabenden Menschen zu machen?

Das Studium der Motivationspsychologie zeigt, dass es solch einen Weg bis heute immer noch nicht gibt. Die Motivationstheorie, trotz ihres grossen Beitrags zum Verständnis und zur Förderung des Menschen, beantwortet immer noch nicht die Frage, wie die Therapeuten innerhalb der Bewegungstherapie und des Rehabilitationssports den Betroffenen bei der Überwindung solch schwieriger Lebenszustände helfen können.

Unter Zuhilfenahme verschiedener Theorien liegt in dieser Abhandlung der Versuch vor, diese zur positiven Beeinflussung der Befindlichkeit und zur Behinderungsverarbeitung adäquat anzuwenden bzw. anzupassen. Damit wird erhofft, dass den Bewegungstherapeuten auf diese Weise eine theoretisch fundierte Basis zur positiven Förderung der Befindlichkeit und zur Behinderungsverarbeitung zur Verfügung gestellt werden kann. Unter solche Theorien fallen:

1. Die ICF („International Classification of Functioning, Disability and Health“) der WHO;
2. das Spiralmodell zur Krisenverarbeitung als Lernprozess von SCHUCHARDT (1993a und 1993b);
3. Aspekte der Motivationspsychologie.

Es wurde entweder die weibliche oder die männliche Bezeichnung zur besseren Lesbarkeit benutzt. Sollte nun die Wahl auf eine der beiden Formen fallen, so sind jedoch stets beide Geschlechter gemeint.

1 Querschnittlähmung

In Kapitel 1 (Querschnittlähmung) werden die Definitionen, Ursachen, neurologische Topographie, Erscheinungsformen bzw. klinischer Befund sowie motorische und nicht-motorische Konsequenzen der Querschnittlähmung erarbeitet.

Ein ägyptischer Militärarzt beschreibt im Jahr 2.600 vor Christus die Halsmarklähmung als „ein Leiden, das nicht behandelt werden kann. Man muss den Kranken seinem Schicksal überlassen“ (vgl. u.a. STAUFER und MacMILLAN 1993, 1283; STOCK 1980, 9). Mit anderen Worten bedeutet das „den Kranken sterben lassen“.

Bis in die Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts führte noch in der überwiegenden Zahl eine Querschnittlähmung wenn nicht zum baldigen Tod, so doch zu hoffnungslosem Dasein bei totaler und permanenter Pflegebedürftigkeit des Betroffenen (PAPE und PAESLACK 1997, 305).

Die meisten Querschnittlähmungen oberhalb des 3. Halswirbels sind immer noch tödlich, da die Innervation der Atemmuskulatur (N. phrenicus und Interkostalnerven) unterbrochen wird.

Heutzutage hat ein Mensch mit einer Querschnittlähmung nicht nur die Chance das Schädigungsereignis zu überleben sondern trotz bleibender Schädigung ein hohes Mass an Lebensqualität zu erreichen.

Dies wird durch die heutigen Behandlungsmassnahmen in spezialisierten Paraplegiker-Zentren möglich. Hier werden die Betroffenen innerhalb eines überschaubaren Zeitraums von ca. 5 bis 6 Monaten in die Lage versetzt die Klinik zu verlassen, wieder eine aktive Stellung in der Gesellschaft einzunehmen und sogar am Arbeitsmarkt teil zu haben.

Auch im Bereich der Freizeitgestaltung bieten sich dem Geschädigten immer vielfältigere Möglichkeiten. So wird heute schon Rollstuhl-Rugby auf internationaler Ebene von Tetraplegikern gespielt.

1.1 Definition

Als Querschnittlähmung im engeren Sinne wird ein aus einer Schädigung des Rückenmarkquerschnitts und der aus dem Rückenmark austretenden, im Wirbelkanal verlaufenden Anteile des peripheren Nervensystems (Cauda equina) resultierendes Lähmungsbild bezeichnet. Die Querschnittlähmung manifestiert sich in einer Trias von motorischen, sensiblen und vegetativen Ausfällen bzw. Beeinträchtigungen (vgl. u.a. PAPE und PAESLACK 1997, 306; GERNER 1992, 3).

Wenn die Rückenmarksbahnen vollständig unterbrochen sind, resultiert daraus eine komplette Querschnittlähmung, die als Tetraplegie bzw. Paraplegie diagnostiziert wird. Dies hängt von der Höhe der Schädigung ab.

Die Segmenthöhe der Schädigung wird anhand der Ausfälle und Störungen der beeinträchtigten Funktionen festgelegt.

Als Tetraplegie werden die Folgen von Schädigungen im Bereich des Halsmarks und des obersten Anteils des Brustmarks (C1-Th1 einschliesslich) definiert.

Als Paraplegie wird der Zustand nach Rückenmarskläsionen unterhalb des 1. Brustmarksegments (Th1) bezeichnet.

Bei einer diskreten Schwächung spricht man von Parese bzw. Tetraparese oder Paraparese, je nachdem ob die vier Gliedmassen und der Rumpf betroffen sind (Tetraparese), oder ob nur die Beine leicht betroffen sind (Paraparese).

Bezüglich des Unterschieds zwischen Quadriplegie und Tetraplegie sind STIENS et al. (2000, 313) der Ansicht, dass dies ein Thema der medizinischen Ethymologie ist. Quadra ist eine lateinische Wurzel, die vier bedeutet. Tetra (vier) und Plegie (plege bedeutet Paralyse) sind griechische Wurzeln. Das zusammengestellte Wort Tetraplegie wäre korrekter, da hier nicht griechische und lateinische Wurzeln vermischt werden.

Da ausschliesslich den Medizinern das Recht eine Diagnose zu erstellen zusteht, sollen die Nicht-Mediziner einfach in der Lage sein die Ethymologie und Bedeutung dieser beiden Termini zu erkennen.

1.1.1 Ursachen der Querschnittlähmung

Eine Schädigung des Rückenmarks wird bei schweren Wirbelsäulenverletzungen mit ausgeprägt instabilen Brüchen von Wirbelkörpern, Verlagerung von Bruchstücken in den Markkanal, durch ausgedehnte Hämatome, durch Luxationen und Luxationsbrüche sowie durch Fehlbildungen der Wirbelsäule verursacht (HEIPERTZ 1997; DUUS 1995; DELANK und GEHLEN 1999).

Bei traumatischen Läsionen der Wirbelsäule wird die folgende Klassifizierung angewandt:

1. Osteoartikuläre Läsion ohne neurologische Beeinträchtigung;
2. Neurologische Läsion ohne osteoartikuläre Beeinträchtigung;
3. Läsion sowohl mit neurologischer als auch mit osteoartikulärer Beeinträchtigung.

Zu den wichtigsten Ursachen der Rückenmarkschädigung zählen die im Folgenden genannten:

Traumatismen (es lassen sich bei den traumatischen Rückenmarkschäden offene und gedeckte Verletzungen sowie eine Commotio, Contusio und Compressio spinalis unterscheiden. Gedeckte Rückenmarkverletzungen sind häufig mit Frakturen und Luxationen der Wirbelsäule verbunden, kommen aber auch ohne diese vor).

In Anlehung an DELANK und GEHLEN (1999, 347) wird die Commotio, die Contusio und die Compressio spinalis wie folgt charakterisiert:

Bei der Commotio spinalis sind die spinalen Ausfallerscheinungen nur temporär. Sie bilden sich innerhalb von Stunden vollständig zurück und entsprechen in ihrem Erscheinungsbild einem spinalen Schocksyndrom (siehe noch dazu 1.2.1 „Der spinale Schock“).

Die Contusio spinalis bezeichnet die Kontusion des Rückenmarks. Unter den Spätfolgen der Contusio spinalis, die wesentlich das Schicksal der Patienten mitbestimmen, sind neben dem neurologischen Defektsyndrom zu erwähnen: Dekubitalgeschwüre, Harnwegsinfektionen, Kontrakturen, Osteoporosen und periartikuläre Ossifikationen, usw.

Die Compressio spinalis kann durch die andauernde Druckwirkung von dislozierten Knochenfragmenten, vor allem aber durch ein epidurales spinales Hämatom hervorgerufen werden.

Raumfordernde intraspinale Prozesse (intramedulläre Tumoren, juxtamedulläre, d.h. intradural-extramedulläre Tumoren, und extradurale Tumoren, sowie nicht-tumoröse Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle, Zysten, Hämatome und epidurale Abszesse, usw.;

Vaskuläre Dysfunktionen und Gefässmissbildungen;

Infektionen (man spricht z.B. von Myelitis transversa, wobei ein entzündliches Geschehen im Rückenmark überwiegend transversal lokalisiert ist und zu einem entsprechenden Querschnittsyndrom führt).

Degenerative Prozesse wie bei Multipler Sklerose.

Fehlbildungen (Spina bifida occulta, Spina bifida aperta).

Spina bifida occulta: Sie ist fast bei einem Fünftel der Bevölkerung zu beobachten (vgl. DELANK und GEHLEN 1999, 333). Bei ihr ist lediglich die Verschmelzung der beiden Wirbelbogenhälften ausgeblieben. Die Spina bifida dorsalis occulta hat in den meisten Fällen keine klinische Bedeutung, da nur selten neurologische Begleitsymptome auftreten.

DELANK und GEHLEN (1999, 333) machen darauf aumerksam, dass bei Bettnässern stets auch an eine Spina bifida occulta zu denken ist.

Spina bifida aperta: Bei der Spina bifida aperta ist die hintere Wirbelspalte mit einer gradweise abgestuften Entwicklungsstörung des Rückenmarks einschliesslich seiner Häute und Nerven (Meningozele, Myelomeningozele, Myelomeningozystozele, vollständige Rhachischisis) verbunden.

Andere Anomalien wie z.B. die zervikale Instabilität beim Down-Syndrom.

Die komplette Querschnittlähmung wird zumeist traumatisch, seltener entzündlich (Querschnittmyelitis), verursacht.

1.1.2 Neurologische Topographie der Tetraplegie und der Paraplegie

Zervikale Rückenmarksläsionen bzw. Rückenmarksläsionen bis zur Th1-Höhe werden als Tetraplegie bezeichnet und als Paraplegie werden Rückenmarksläsionen unterhalb Th1 definiert (Tab. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Neurologische Topographie der Tetraplegie und der Paraplegie

1.1.3 Erscheinungsformen der Querschnittlähmung

Die Erscheinungsformen der Querschnittlähmung werden in die spastischen und die schlaffen Formen unterteilt (Tab. 2 u. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Signifikante Unterschiede zwischen schlaffer und spastischer Lähmung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Topographie der spastischen und schlaffen Formen der Querschnittlähmung (DUUS 1995, 48 und 64; PSCHYREMBEL 1982, 650).

1.2 Klinischer Befund

Die Querschnittlähmung manifestiert sich, wie vorne erwähnt, in einer Trias von motorischen, sensiblen und vegetativen Ausfällen bzw. Beeinträchtigungen.

1.2.1 Der spinale Schock

Unter dem Begriff des spinalen Schocks werden die Ausfallerscheinungen der Rückenmarksfunktionen genannt, die unmittelbar nach Eintritt der Querschnittläsion unterhalb der Schädigungsstelle eintreten.

Bei dem spinalen Schock sind u.a. folgende Erscheinungsformen unterhalb der Querschnittläsion zu beobachten:

- Komplette schlaffe Lähmung der Muskulatur;
- Sensibilitätsausfall;
- Ausfall der Blasen- und Mastdarmfunktion;
- Beeinträchtigung der Thermoregulation;
- Fehlen der Gefässkontrolle;
- Ausfall der Fremd- und Eigenreflexe;
- Herabsetzung des Gefässwiderstandes;
- Tendenz zu Dekubitalgeschwüren.

Die Entstehung des spinalen Schocks ist nicht sicher geklärt. Man führt ihn u.a. darauf zurück, „dass alle zentralen erregenden Impulse, die kontinuierlich dem Eigenapparat des Rückenmarks zufliessen und tonisieren, wegfallen“ (vgl. u.a. DUUS 1995, 79). Der spinale Schock tritt ausschliesslich im Falle einer plötzlichen Querschnittläsion ein.

Die Traumatismen der Halswirbelsäule erfordern eine entsprechende Notfall-Versorgung. Dadurch kann determinierend einem Halsmarksyndrom entgegengewirkt und somit sich später auswirkende Beeinträchtigungen verringert werden (OLIVEIRA, BARROS und BARROS 1998, 464).

Nach Tagen bis zu acht Wochen gewinnen die spinalen Neurone allmählich ihre Funktionen zumindest teilweise wieder und es kommt zu einem Abklingen des spinalen Schocks. Es treten dann die sogenannten spinalen Automatismen auf, wie z.B. bei der Funktion von Blase und Darm.

Die „automatische“ Blase entsteht dadurch, dass es bei einem bestimmten Füllungsgrad reflektorisch zu einer spontanen Entleerung kommt.

Nach und nach kehrt der Tonus der Muskulatur wieder zurück, es kommt zu Spasmen, mit Ausnahme der Conus-Cauda-Läsionen. Die Kreislaufreflexe und die Blutgefässkontrollen stellen sich wieder ein.

Die Reflexe werden nach Abklingen des spinalen Schocks sogar unter Umständen übererregbar. Die Potenz bleibt jedoch erloschen.

1.2.2 Motorische Konsequenzen der Querschnittlähmung

Die wichtigste Folge der kompletten Querschnittläsion ist die motorische Lähmung mit Verlust der Gehfähigkeit.

Bei einer partiellen Querschnittlähmung werden die Beine zunächst angezogen, dann aber wieder in die frühere Lage zurückgeführt. Erfolgt die Querschnittlähmung nicht plötzlich, sondern allmählich wie z.B. durch einen wachsenden Tumor, kommt es nicht zum spinalen Schock. Es handelt sich dabei zumeist auch um eine partielle d.h. inkomplette Querschnittlähmung, bei der noch gewisse sensible Qualitäten mehr oder weniger erhalten sind (DUUS 1995, 80f).

Eine Querschnittlähmung im unteren Bereich des Halsmarks bedingt eine Parese der Interkostalmuskulatur. Dadurch ist die Atmung unzureichend und der Betroffene befindet sich dementsprechend in Lebensgefahr. Die Arme und der Rumpf sind teilweise mitbetroffen.

Eine Schädigung im unteren Bereich des Thorakalmarks verschont die Atemmuskulatur.

Die Störungen können alle Schweregrade umfassen. Sie variieren von diskreter Schwächung der neurologischen Qualitäten bis hin zum völligen Funktionsverlust.

1.2.3 Nicht-Motorische Konsequenzen der

Querschnittlähmnung

Neben der Beeinträchtigung der motorischen Funktionen werden die Sensibilität, die Reflexe, das sympathisch-parasympathische System mit den Sphinkteren ebenfalls betroffen. D.h. es werden auch nicht-motorische Funktionen mitbetroffen.

Unter den nicht-motorischen Konsequenzen der Querschnittlähmung sind die im Tabelle 4 angegebenen Aspekte zu berücksichtigen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Beispiele nicht-motorischer Konsequenzen der Querschnittlähmung

In diesem Kapitel wurden lediglich die funktionellen Aspekte der Querschnittlähmung beschrieben. Das nächste Kapitel beschreibt mit dem ICF-Modell alle weiteren Aspekte einer Querschnittlähmung, womit zu einem besseren Verständnis von neurologischen und sozialen Beeinträchtigungen wie auch der medizinischen Intervention bzw. bewegungstherapeutischen Massnahmen beigetragen wird.

2 Der WHO-Ansatz: Die Verbindung vom ICD zur ICIDH-2 bzw. zur ICF

Die WHO („World Health Organization“) versucht die gesundheitlichen Massnahmen auf internationaler Ebene zu standardisieren, damit eine bessere Qualität gewährleistet und die Aktionen zugunsten der Gesundheit in verschiedenen Ländern normiert werden können. Aus diesem Grund hat die WHO im Laufe der Zeit verschiedene Klassifikationen strukturiert. Hier sind zu erwähnen:

a) Die ICD-10 („International Classification of Diseases, tent revision“ - WHO);
b) Die ICF („International Classification of Functioning, Disability and Health“).

Die „International Classification of Diseases“ (ICD) berücksichtigt drei Komponenten bei der Diagnose einer Gesundheitsstörung:

1) Die Ursache (Ätiologie),
2) die Entstehung (Pathogenese) und
3) die Ausprägung (Manifestation).

Diese Komponenten der Diagnose geben allerdings sowohl über den Schweregrad einer Behinderung als auch über das Rehabilitationspotential des Betroffenen zu wenige Hinweise. Infolgedessen führte die Weltgesundheitsorganisation 1980 ein zusätzliches Konzept der Klassifizierung von Krankheitsfolgezuständen ein, die ICIDH („International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps“ - Internationale Klassifizierung von Schädigung, Fähigkeitsstörung und soziale Beeinträchtigung).

Die ICIDH war jedoch über einen theoretischen Ansatz hinaus in der Praxis kaum aufgefallen. So wurde das ICIDH-Modell zum ICIDH-2 geändert, wobei diese zweite Version der ICIDH im Rehabilitationskontext die ICD ergänzen bzw. aktualisieren soll.

Im Jahr 2001 änderte die „Resolution of the World Health Assembly“ die zweite Edition der ICIDH, die als „International Classification of Functioning, Disability and Health“ umbenannt und als ICF abgekürzt wird.

Die ICF wäre in der Lage einen wichtigen Beitrag in Bezug auf die Änderungen des persönlichen und sachlichen Lebenshintergrundes des Betroffenen zu leisten, wobei Themen bzw. Wirkfaktoren wie Aktivität und gesellschaftliche Integration, Hilfsmittelversorgung, Barrierefreiheit usw., sehr zur Verbesserung der Lebensqualität und des Rehabilitationsprozesses beitragen könnten.

Von diesen Überlegungen ausgehend, wird dieses ICF-Kapitel und der WHO-Ansatz begründet: Die Verbindung vom ICD zur ICIDH-2 bzw. zur ICF ist in dieser Abhandlung als ein Kapitel integriert.

2.1 Das ICIDH-Modell

Die ICIDH („International Classification of Impairments, Disabilities und Handicaps“ - Internationale Klassifizierung von Schädigung, Fähigkeitsstörung und soziale Beeinträchtigung) geht von den Folgen oder Konsequenzen einer im ICD diagnostizierten Krankheit von drei Ebenen aus (vgl. u.a. SCHÜLE und JOCHHEIM 2000, 50):

1. Ebene: Schädigung („Impairment“), d.h. die Störung der biologischen und/oder psychischen Struktur und Funktion;
2. Ebene: Funktionelle Einschränkung („disability“), d.h. Störung der Fähigkeiten der betroffenen Person zur Ausführung zweckgerichteter Handlungen;
3. Ebene: Die soziale Beeinträchtigung („Handicap“), d.h. die soziale Stellung oder die Rolle der betroffenen Person und ihrer Fähigkeiten zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

2.1.1 Exemplarische Anwendung der ICIDH

Am Beispiel einer Querschnittlähmung bzw. Tetraplegie wird im Folgenden versucht, das ICIDH-Modell auf die Rehabilitation mit Berücksichtigung der Sporttherapie und des Reha-Sports zu beziehen.

Der Fall: Der Betroffene erlitt eine Halsmarkläsion aufgrund eines Autounfalls.

2.1.1.1 1. Ebene: Der Schaden

(„Impairment“)

Die Schädigung besteht z.B. in einer Halsmarkläsion mit instabilen Brüchen von Wirbelkörpern und einer Verlagerung von Bruchstücken in den Markkanal, sowie ausgedehnten Hämatomen.

Intervention:

a) Die medizinische Intervention in der Akut- bzw. Frühbehandlung einer Halsmarkläsion befasst sich mit der Diagnosestellung (z.B. Ursachen und Folgen einer Verletzung) und ihrer therapeutischen Behandlung (siehe unten).

2.1.1.2 2. Ebene: Die funktionelle Einschränkung („Disability“)

Diese Ebene berücksichtigt die in Folge einer Querschnittlähmung entstandenen Beeinträchtigungen, wie Paralyse, d.h. Verlust der Gehfähigkeit, oder Parese der Beine, Sensibilitätsverluste (wie z.B. der Schmerz-, Kälte- und Wärmeperzeption), Beeinträchtigung der Thermoregulation, Tendenz zum Dekubitus, sowie die Blaseninkontinenz und die Tendenz zur Osteoporose.

Intervention:

a) Die medizinische Intervention in der Akut- bzw. Frühbehandlung überprüft u.a. die vitalen Funktionen, gegebenenfalls wird die erforderliche Therapie eingeleitet. Es wird untersucht, ob neurologische Beeinträchtigungen entstanden sind, wie sensible und motorische Lähmung, sowie das Vorliegen von Begleitverletzungen. Hinzu kommen noch die Verhütung oder Behandlung der Frühkomplikationen, der Begleitverletzungen oder Begleitbeeinträchtigungen und die Stabilisierung des Frakturbereichs.

Die Durchführung der diagnostischen und therapeutischen Massnahmen gehören in die Verantwortung des Arztes.

b) Die bewegungstherapeutischen Massnahmen in der Akut- bzw. Frühbehandlung konzentrieren sich überwiegend auf die physiotherapeutische Intervention. Sie beinhaltet u.a. statische und dynamische Muskeltätigkeit, Atemtherapie und Umlagerung. Zu den Aufgaben der Physiotherapie zählen ausserdem: Elektrotherapie, allgemeine Aktivierung der Betroffenen während der Bettlägerigkeit, Beibringen der Handhabung des Rollstuhls, Geschicklichkeitstraining und Vorbereitung für die weitere bzw. intensivere Aktivierung durch den Sporttherapeuten.

2.1.1.3 3. Ebene: Die soziale Beeinträchtigung („Handicap“)

Das soziale Leben wird sowohl im Bereich der Partnerschaft, der beruflichen als auch freizeitlichen und täglichen Partizipation beeinträchtigt.

Der Tetraplegiker wird meistens frühzeitig berentet, verliert möglicherweise den Kontakt mit seinen Arbeitskollegen, sowie mit seinen Freunden. Es können Schwierigkeiten aufgrund der psychischen Konfrontation mit der Behinderung auftreten und durch Beeinträchtigung der sexuellen Funktion Eheprobleme entstehen.

Wegen der Rollstuhlgebundenheit ist der Betroffene in seiner Mobilität, in Beruf und Freizeit eingeschränkt.

Intervention:

Das bewegungstherapeutische Team (Physio- und Sporttherapeut) versucht die physische, psychische und soziale Lage des Betroffenen zu verbessern. Die Rollstuhlfahr-Techniken werden durch Mobilitätstraining verfeinert, mit kleinen Rollstuhlfahrer-Gruppen werden Kleine bzw. Grosse Spiele ausprobiert, wie z.B. Rollstuhlrugby, sowie Ausflüge werden in Rollstuhlfahrer-Gruppen realisiert, um ihn/sie auf eine spätere Reha- bzw. Behindertensportgruppe sowie für die Freizeitgestaltung vorzubereiten.

Vom Sozialarbeiter werden u.a. Massnahmen für die zukünftige Aufnahme einer Arbeitsstelle, sowie für das selbständige Autofahren empfohlen bzw. unterstützt.

2.2 Das ICIDH-Modell-2 bzw. das ICF-Modell

Das Modell ICIDH-2 bzw. das ICF-Modell soll sowohl die Dimension der verbliebenen als auch der beeinträchtigten Funktionen bzw. Behinderungen erfassen. Damit wurde eine Erweiterung um die Dimension der Funktionsfähigkeit und der Beeinträchtigung der Behinderung durch die Adaption des ICIDH-2-Ansatzes erreicht.

Das ICIDH-2-Modell bzw. das Modell ICF erkennt als „Nebenwirkung“ einerseits eine Beeinträchtigung, andererseits die Möglichkeit für die Betroffenen im Rehabilitationskontext Verbesserungen zu erschaffen. Es soll die Perzeption der Betroffenen in dem Sinne gefördert werden, sich selbst als Verursacher der Erfolge zu sehen, da dies für die Strukturierung der Kausalattribuierung bzw. für die Motivation des Betroffenen im Rehabilitationsprozess entscheidend ist und im Kontext der emotionalen Krisenverarbeitung eine sehr wichtige Rolle spielt.

Das Modell ICF erlaubt es sowohl die beeinträchtigten als auch die vorhandenen Funktionen zu berücksichtigen und somit das Rehabilitationspotential des Betroffenen aus einer breiteren Perspektive zu prognostizieren. Dementsprechend sollen sowohl die medizinischen Massnahmen als auch bestimmte Rehabilitationsberufe, wie die der Physiotherapie, Ergotherapie, Sporttherapie und des Rehabilitationssports, sowie professionalisierende Massnahmen bzw. Ausbildungen, validiert werden.

Die ICF („International Classification of Functioning, Disability and Health“) erleichtert die Validierung bewegungstherapeutischer Fragestellungen, die gemeinsam im Rehabilitations-Team zu planen und zu lösen sind.

Wichtig sind neben den persönlichen auch noch die umweltlichen Kontextfaktoren, wie behindertengerechte Einrichtungen, Verkehrsanbindung, Hilfsmittel, etc., die wesentlich zur späteren Partizipation beitragen können.

2.2.1 Exemplarische Anwendung der ICF

2.2.1.1 1. Ebene: Der Schaden und die verbliebenen Funktionen bzw. der allgemeine Zustand

Die Schädigung („Impairment“) besteht in einer Halsmarkläsion mit instabilen Brüchen von Wirbelkörpern und einer Verlagerung von Bruchstücken in den Markkanal, sowie ausgedehnten Hämatomen und Dekubiti. Einhergehen können Atemlähmungen und ausgedehnte Bewegungseinschränkungen der oberen Extremität. D.h. mit dem Begriff „Impairment“ wird die Schädigung der Struktur und der Funktion bezeichnet.

Intervention:

a) Die medizinische Intervention sollte sich einerseits durch die Anwendung von bisher üblichen Massnahmen auszeichnen, die die Manifestation und notwendige Therapie charakterisieren bzw. determinieren; andererseits sollte sich die medizinische Intervention aber auch auf die Aufklärung des Patienten über seine verbliebenen sozialen, beruflichen, sportlichen, freizeitlichen Möglichkeiten konzentrieren, mit dem Ziel eine etwas bessere zukünftige Perspektive voraussagen zu können und den Betroffenen zur Krisenverarbeitung zu ermutigen;

b) Die physiotherapeutische Intervention erstreckt sich von der Akut-Phase bis zur Rehabilitationsnachsorge und klärt den Patienten über den Wert der weiteren Behandlung auf, sei es als therapeutische, rehabilitative oder auch als sekundärpräventive Massnahme, und soll ihn zum aktiven Leben stimulieren.

2.2.1.2 2. Ebene: Aktivität

Unter Aktivität soll die Dimension der selbständigen Handlungsmöglichkeiten des Betroffenen sowie seiner/ihrer Aktivitätsbegrenzungen verstanden werden.

Bestimmte Berufe, Freizeitaktivitäten und Sporttätigkeiten zeigen sich adäquat bzw. nicht anwendbar. Dementsprechend soll der Betroffene allmählich aktiviert werden, um sich in Zukunft in der Lage zu fühlen, wieder bestimmte Funktionen in der Gesellschaft ausüben zu können.

Intervention:

a) Die physiotherapeutische Intervention konzentriert sich weiter sowohl auf statische und dynamische Muskeltätigkeit, Erarbeitung von Lagewechsel, Umlagerung und aktives Bewegen, die u.a. zur Dekubitus-Prophylaxe gehören, passive und aktive Gelenkbewegungen (zur Kontrakturverhütung), Hydrotherapie und Geschicklichkeitstraining.

b) Mit Berücksichtigung der Lähmung und der verbliebenen Funktionen wählt der Sporttherapeut adäquate Mittel des Sports mit dem Ziel Einschränkungen auszugleichen, die physischen Fähigkeiten zu erhöhen, die Autonomie zu verbessern, Freizeitmöglichkeiten beizubringen, sekundären Beeinträchtigungen, wie z.B. der sozialen Isolation und der Depression vorzubeugen, und ein partizipatives und ausgeglichenes Verhalten zu fördern. Die Betroffenen werden vom Sporttherapeuten zu einer relativen Unabhängigkeit in der Zukunft angeregt und sowohl auf das Einzel Trainig als auch das Trainieren in Gruppen vorbereitet. Die graduelle Erhöhung der psychischen, sozialen und physischen bzw. sportlichen Leistungsfähigkeit wird angestrebt und stimuliert, sowie die Erkennung der vorhandenen Funktionen bzw. Stärken, mit ihrer Akzentuierung, als auch die ansprechbaren Beeinträchtigungen.

2.2.1.3 3. Ebene: Partizipation

Mit Partizipation soll als Dimension sowohl das Recht auf als auch die Möglichkeit bzw. Einschränkung an Lebensbereichen beschrieben werden.

Unter Partizipation wären u.a. Überlegungen bzw. Lösungen für Situationen oder Notwendigkeiten des sozialen Lebens, wie die Arbeitschancen bzw. -bedingungen des Betroffenen, Finanzierungsaspekte, ihre Anteilnahme bei den Entscheidungsmöglichkeiten im familiären Milieu und der Umwelt, Fragen über die freizeitliche Gestaltung, das solidare Verhalten des Betroffenen gegenüber den Verwandten, Mitbewohnern oder in der Gesellschaft; Benutzung der öffentlichen Dienste, Selbstpflege, Möglichkeiten zur Teilnahme am sozialen Leben der Familie und der Gesellschaft, Selbstwertgefühl, Respekt der Familie und Gesellschaft gegenüber dem Betroffenen, zu berücksichtigen.

Intervention:

Auf dieser Ebene gewinnen die Aktionen von Selbsthilfe- und Sportgruppen sowie des Sporttherapeuten bzw. Sportlehrers im Rehabilitationsprozess an Bedeutung. Den Betroffenen soll die Möglichkeit gegeben werden, wieder partizipativ am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Die vorhandenen Funktionen werden benutzt, um die Reintegration des Betroffenen zu ermöglichen und seine Lebensqualität und das Wohlbefinden zu verbessern.

Die Adaption des ICF-Ansatzes kann durch die Erweiterung der Dimension der Funktionsfähigkeit vermehrte psychische, soziale, freizeitliche und berufliche Möglichkeiten des Betroffenen bedingen, was zu einer Motivänderung führen kann. Dementsprechend können sowohl die Rehabilitationschancen des Betroffenen (mehr als vor der Anwendung des ICF-Modells) als auch die Berufsperspektiven bzw. die Berufseinschätzungen durch den Physiotherapeuten, Sporttherapeuten und Sportlehrer an Stellenwert gewinnen.

Durch das Erkennen und Verändern der persönlichen Situation des Betroffenen tragen die Sozialarbeiter/In zum Heilungsprozess bei, indem sie praktische Lösungen bei sozialen Notlagen und Konfliktsituationen aufzeigen, Hilfen vermitteln und vorbeugende Massnahmen ergreifen. Die Mitarbeiter der Sozialverwaltungen leisten auch einen wesentlichen Beitrag auf dem Gebiet der Rehabilitation (vgl. u.a. SCHOLZ 1975, Bd. I, 282f).

Die Ergotherapie bezweckt die Funktionswiederherstellung bzw.

-erhaltung, die Berufsvorbereitung für die Weiterbeschäftigung sowie die Vorbereitung auf das sozialen Leben und die Beziehungen zu Mitmenschen (siehe noch dazu 3.4.1.4 Ergotherapie).

Nach Eintritt einer Querschnittlähmung benötigen viele Betroffene adäquate Weiterbeschäftigungen bzw. angemessene Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz. Die Berufsberater sind unter solchen Bedingungen das zuständige Personal, das sich sowohl mit den fachlichen Aspekten der beruflichen Förderung Behinderter als auch mit der eigentlichen Beratung und mit der Bildungs- bzw. Weiterbildungsvermittlung des Betroffenen unter arbeitsmedizinischen, soziologischen, gesetzlichen und psychologischen Gesichtspunkten beschäftigt.

Zu den Kontextfaktoren gehören die Planung und Durchführung öffentlicher und privater Bauten. Bei der Modernisierung und Ausgestaltung des Verkehrswesen sollen den Bedürfnissen der Behinderten Rechnung getragen werden (z.B. Rampen, Aufzüge, etc.). Mit solchen Massnahmen befassen sich Architekten, Bauingenieure, die Verantwortlichen der Bauämter, Landesplaner u.ä. (vgl. u.a. SCHOLZ 1975, Bd. I, 284).

Weitere Fördermöglichkeiten müssen natürlich im Sinne der Beschaffung adäquater Bedingungen zur Partizipation am sozialen Leben eingesetzt werden, bei denen die Hilfsmittelversorgung und die Barrierefreiheit zum Alltag gehören, wobei sowohl die Familie des Betroffenen als auch die Freunde bzw. die Gesellschaft darauf vorbereitet werden sollen mit dem Behinderten zu leben.

Ausserdem erweisst es sich als notwendig die Fachkräfte der Rehabilitation und des schulischen Bereiches, des beruflichen Sektors, des Sozialen und des Freizeitbereichs in der Weise zu befähigen, dass eine adäquate Förderung des Betroffenen hinsichtlich seiner Partizipation im Sinne des ICF möglich ist.

Unter dem Titel „Die Rehabilitationskette“ werden weiteren Angaben zu Intervention des Physiotherapeuten, des Ergotherapeuten und des Sporttherapeuten gegeben (siehe dazu 3.5.2).

2.3 Wirkung des ICF-Modells auf die Bewertung der Reha-Kette

Die weltweite Adaption des ICF-Modells könnte auf Dauer eine Umbewertung bestimmter Berufe des Rehabilitationsteams (besonders des Physiotherapeuten, des Beschäftigungstherapeuten, des Sporttherapeuten und des Psychologen), im Vergleich zur heutigen Bewertung, aber auch psycho-sozialer und pädagogischer Beratungsberufe, bewirken, ausgehend von dem Prinzip dass, wenn eine neurologische Lähmung unheilbar ist, die psychische Krisenverarbeitung an Wert gewinnen sollte. Weitere Ziele sind eine Verbesserung des Wohlbefindens, das Erlernen eines Berufs, die Ausübung einer Freizeittätigkeit bzw. die Betätigung einer Sportart oder das Angehören einer sozialen Gruppe.

2.4 Charakteristika des ICD-, ICIDH-, und des ICF- Modells der WHO

Die nachfolgenden Tabellen (Tab. 5-7) sollen die Unterschiede bzw. Erweiterungen des WHO-Ansatzes darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Charakteristika des ICD-Modells der WHO

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Charakteristika des ICIDH-Modells der WHO

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 7: Charakteristika des ICF-Modells der WHO

3 Bewegungstherapie und Rehabilitationssport

Das Kapitel 3 (Bewegungstherapie und Rehabilitationssport) befasst sich mit den gesundheitlichen Effekten von Bewegung und Sport, mit den Definitionen und Charakteristika von Bewegungstherapie bzw. der Physiotherapie und der Sporttherapie; mit der Arbeit verschiedener Berufsgruppen und mit den Zielen der Bewegungstherapie sowie mit den Vorteilen der Sporttherapie. Zusätzlich werden Definitionen und Charakteristika von Rehabilitation, der Rehabilitationskette und des Rehabilitationssports ausgearbeitet.

Die früher vorwiegend statisch, mechanisch und apparativ ausgerichteten Behandlungsmethoden der Querschnittlähmungen wurden durch verbesserte medizinische Behandlungsmöglichkeiten, der Entwicklung eines umfassenden und konsequenten pflegerischen Systems und dem frühstmöglichen Einsetzen von speziell auf die Bedürfnisse des Rückenmarkgeschädigten hin entwickelten Methoden der Physiotherapie, der Sporttherapie und der Beschäftigungstherapie, abgelöst (PAESLACK, PAPE und WITT 1983, 130f).

Die Behandlung und Rehabilitation verletzter Menschen wird heutzutage in der Regel von einem Behandlungsteam übernommen. Neben Ärzten, Krankenschwestern, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten zählen dazu immer mehr die Sporttherapeuten.

„Ein koordiniertes Vorgehen des gesamten Rehabilitationsteams ist dabei unerlässlich, wobei sich die Aufgabenfelder der Beschäftigungstherapie, Krankengymnastik und von Bewegung ... und Sport häufig überschneiden und ergänzen“ (SCHÜLE und FROBÖSE 1990, 673).

Sobald der akutmedizinische Prozess und die Frühmobilisation abgeschlossen sind, kann bereits während der rehabilitationsklinischen Phase mit bewegungs- und sportspezifischen Massnahmen auf den weiteren Rehabilitationsprozess sowie auf die aus der Schädigung resultierenden Einschränkungen, Störungen und Beeinträchtigungen Einfluss genommen werden. Die Auswahl, Reihenfolge und Gewichtung der einzelnen Massnahmen bzw. Methoden ist von den im Einzellfall gegebenen Bedingungen und Zielsetzungen abhängig. Begonnen wird entsprechend dem Rehabilitationskontext der Querschnittlähmung mit physiotherapeutischen Massnahmen. Nach und nach wird die Physiotherapie durch andere Methoden ergänzt (FROBÖSE und SCHÜLE 1990b, 702; FROBÖSE 1990a, 251).

Innerhalb der Bewegungstherapie und des Rehabilitationssports, werden während der akuten oder der chronischen Phase der Behandlung Massnahmen, Techniken bzw. Methoden eingesetzt, die der momentanen Charakteristika des Behandlungsverlaufs entsprechen.

Bevor auf Bewegungstherapie und Rehabilitationssport eingegangen wird, werden zusammenfassend verschiedene Aspekte des gesundheitlichen Effektes, der Therapie und der Rehabilitation durch Bewegung bzw. Sport erläutert, sowie der Unterschied zwischen Therapie und Rehabilitation dargestellt.

3.1 Gesundheitliche Effekte von Bewegung und Sport

Historisch gesehen wird Bewegung und Sport seit dem Altertum als Rehabilitationsmittel angewandt. Bereits vor ca. 5.000 Jahren wurde Sport bzw. die chinesische Heilgymnastik zur Rehabilitation angewandt.

Obwohl Yoga nicht als Sport gesehen wird, kann die indische Yoga-Lehre auf Grund ihrer Philosophie und Methodik als klassisches Beispiel für die Anwendung körperlicher Aktivität im Kontext der Gesundheitserziehung bzw. -pflege genannt werden (LAGERSTRÖM 1996; LAGERSTRÖM 1994; LAGERSTRÖM 1987; RIEDER 1988).

Die positiven Effekte von Bewegung und Sport werden im Folgenden anhand verschiedener Körperfunktionen, der Therapie von Körperfunktionsmängeln und der Prophylaxe gegen Krankheiten dokumentiert. Viele angesehene Untersuchungen können kritisiert werden, da sie häufig:

1. Eine Unterscheidung zwischen Massnahmen der Physiotherapie, Aktivitäten des Alltags bzw. der Ergotherapie oder der Sporttherapie nicht erlauben;
2. Nicht über die genaue Dosierung der Aktivitäten bzw. des Trainings informieren;
3. Keine einheitliche Trainingshäufigkeit zwischen den zu vergleichenden Untersuchungen aufweisen;
4. Nicht über die Trainingsintensität informieren;
5. Keine Rückschlüsse über die maximale Zeit zur Erreichung der Ergebnisse erlauben.

Trotzdem ist zu beachten, dass bei der Mehrzahl der Untersuchungen positive Wirkungen von Bewegung und Sport bestätigt bzw. suggeriert werden.

CURTIS et col. (1996, zit. in COOPER et al. 2001, 391) verglichen Rollstuhlsportler mit nicht trainierten Rollstuhlfahrern und kamen zu der Erkenntnis, dass Rollstuhlsportler weniger Ärztbesuche, Gesundheitskomplikationen und Rehospitalisierungen als inaktive Rollstuhlfahrer aufweisen.

LACOURSE et al. (2001, 253) zitieren Untersuchungen (FAGHRI et al., 1992; KIM et al., 1993; RAGNARSSON, 1988) die andeuten, dass bei Querschnittgelähmten der maximale systolische Blutdruck durch ein Training über mindestens fünf Wochen reduziert werden konnte. Sie zitieren auch Untersuchungen (FAGHRI et al., 1992; POLLACK et al., 1989; RAGNARSSON 1988) die aufzeigen, dass auch der maximale diastolische Blutdruck während des Trainings reduziert wurde.

Nach BRENER et al. (1986, zit. in LACOURSE et al. 2001, 256) weisen männliche Athleten mit Querschnittlähmung höhere HDL-Spiegel und niedrigere Gesamtcholesterinwerte als untrainierte Männer mit Querschnittlähmung auf. Dennoch war das HDL-Niveau der nichtbehinderten Kontrollgruppe im Durchschnitt höher als das der Athleten mit Querschnittlähmung.

LACOURSE et al. (2001, 248) zitieren Untersuchungen (ABRAMSON et DELAGI, 1961; GARLAND et al., 1992; HANGARTNER et al., 1994; KAPLAN et al., 1978; KAPLAN et al., 1981; LEW, 1987), die dafür sprechen, dass die regelmässige, selbsttätige Aktivität oder auch elektrische Stimulierung die Demineralisierung der Knochen reduzieren können.

NADEAU, PERONNET et al. (1985) kamen trotz der geringen Anzahl von Daten die ihnen zur Verfügung standen zu dem Ergebnis, dass intensives Sporttraining bei Paraplegikern die Thermoregulationsprozesse positiv beeinflussen.

Im Falle von Arthritis zitieren IVERSEN, LIANG und BAE (2001, 218f) eine Vielzahl von klinischen randomisierten Untersuchungen (MACHOVER et SAPECKY 1966; EKBLOM et al., 1975; WESSEL et QUINNEY, 1984; HARKCOM et al., 1985; LINDBERG et al., 1988; MINOR et al., 1989; PERLMANN et al., 1990; EKDAHL et al., 1990; BRIGHTON et al., 1993; BASLUND et al., 1993; HANSEN et al., 1993; LYNGBERG et al., 1994; HAKKINEN et al., 1994; EKDAHL et al., 1994; HALL et al., 1996; STENSTROM et al., 1996; RALL et al., 1996; Van den ENDE et al., 1996; SENSTROM et al., 1997), wobei ca. 900 Patienten unterschiedliche körperliche Aktivitäten, kombiniert mit Übungen aus dem Bereich der Physiotherapie zu verschiedenen Untersuchungszeiten ausübten. Alle Gruppen bzw. Untersuchten präsentieren positive Anpassungen, wie z.B. Erhöhung der Muskelkraft und der Sauerstoffaufnahme; Reduzierung von Unruhe-, Schmerzzuständen und Depression, und es zeigten sich keine negativen Nebenwirkungen im Bereich der Gelenke.

PU et NELSON (2001, 360ff) zitieren randomisierte Untersuchungen (CHARETTE et. al., 1991; MEREDITH et al., 1992; NICHOLS et al., 1993; MENKES et al., 1993, CAMPBELL et al., 1994; FIATARONE et al., 1994; PYKA et al., 1994; NELSON et. al., 1994; SKELTON et al., 1995; MORGANTI et al., 1995; McCARTNEY et al., 1995; JETTE et al., 1996; ADES et al., 1996; CRILLY et al., 1989; JUDGE et al., 1993; BUCHNER et al., 1996; WOLFSON et al., 1996; WOLF et al., 1996; ROOKS et al., 1997), in denen an ca. 1.200 Senioren, ergänzend dazu den Kontrollgruppen, positive Effekte des körperlichen Trainings, wie z.B. Erhöhung der Kraft, Vegrösserung der Muskelfasern des trainierten Muskels, Fettreduzierung, besseres Gleichgewicht und geringeres Fallrisiko, zu beobachten waren. Das körperliche Training wurde je nach Gruppe sehr variiert, wo das Angebot von aeroben Aktivitäten über Krafttraining bis zu Tai chi chuan reichte. Die Trainigshäufigkeit lag zwischen zwei und drei Mal pro Woche, die Trainingsintensität dagegen variierte von „niedrig“ bis „hoch“. Das Training dauerte je nach Untersuchung zwischen 30 und 60 Minuten.

Randomisierte Langzeituntersuchungen bei jüngeren Studentinnen und Frauen kurz vor Beginn der Wechseljahre (SNOW-HARTER et al., 1992; BASSEY et RAMSDALE, 1994; FRIEDLANDER et col., 1995; HEINONEN et col., 1996; LOHMAN et col., 1995; zit. in SLOVIK 2001, 291) sprechen für einer positive Wirkung gegen Osteoporose durch körperliches Training, besonders im Bereich direkt stimulierter Knochen.

Laut CELLI (2001, 188) stellt für Patienten mit symptomatischen Erkrankungen der Atmemwege das körperliche Training den wichtigsten Therapiebestandteil in der Rehabilitation dar. CELLI (2001, 190) nennt einige Studien (wie BEAUMONT et al., 1985; CHRISTIE, 1968; HUGHES et DAVISON, 1983; MOSER et al., 1980; PAEZ et al., 1967), die Erfolge mittels eines körperlichen Trainings bei Patienten mit chronischen Krankheiten des respiratorischen Apparats bestätigen.

HORTON (2001, 205) nennt eine Vielzahl durchgeführter Studien (HELMRICH et al., 1991; KRISKA et al., 1991; MANSON et al., 1992), die belegen, dass die regelmässige körperliche Betätigung das Entstehungsrisiko von Diabetes Typ 2 vermindert.

LAGERSTRÖM (1996, 265) zeigt, dass gezielte körperliche Aktivitäten die Inzidenzrate gegenüber koronaren Herzkrankheiten deutlich senken.

Körperliche Aktivität wird häufig mit einer reduzierten Krebsmortalitätsrate assoziiert. WANNAMETHE et col. (1993, zit. in CRESPO 2001, 159) berichten von einer Untersuchung (British Regional Heart Study) über den Zusammenhang zwischen Ruheherzfrequenz, physischer Aktivität und Krebsmortalität bei 7.735 Männer. Die Probanden wurden während eines Zeitraumes von 9,6 Jahren untersucht und in drei Kategorien physischer Aktivität gegliedert. Die Ruheherzfrequenz gab den Ausschlag für eine Unterteilung in fünf Kategorien: weniger als 60, 60 bis 69, 70 bis 79, 80 bis 89 und mehr als 90 Schläge pro Minute. Die niedrigen Ruheherzfrequenzen korrelierten mit hohem Niveau körperlicher Aktivität und niedriger Krebsmortalitätsrate. CRESPO (2001, 159f) zitiert noch Untersuchungen von GERHARDSSON et al. (1990) mit 189 Frauen und 163 Männern, sowie einer Untersuchung von GIOVANNUCCI et col. (1995), der 47.723 Männer im Alter zwischen 40 bis 75 Jahre zu Studienzwecken herbei rief. Beide Untersuchungen zeigen deutliche Anzeichen für den negativen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Krebsinzidenz.

LACOURSE et al. (2001, 246f) stellen als „sehr bekannt“ heraus, dass Inaktivität über einen langen Zeitraum entkräftigt und sogar die Morbidität und die Mortalität bei Nichtkranken erhöht.

Bei depressiven Personen vermögen Bewegung und Sport wenigstens kurzfristig „das gedankliche Verhaftet-Sein in der Depression unterbrechen und den Patienten abzulenken“. Solche Patienten sollten, unabhängig von der Ursache und Erscheinungsform der Depression, frühzeitig zu bewegungs- und sportspezifischen Aktivitäten ermutigt werden (DEIMEL 1990a, 980).

Kontraindiziert sind Bewegungen, Sportdisziplinen und Aktivitäten mit höheren Anforderungen, wie z.B. hoher psycho-physischen Belastung, hohen technischen oder taktischen Beanspruchungen. Dies gilt auch für die Unterforderung. Ebenso müssen Nebenwirkungen der antidepressiven Medikamente bedacht und einkalkuliert werden.

Bewegungs- und sportspezifische Massnahmen wirken insgesamt über Funktionen und Prozesse der Motorik, Aktivierung, Emotion und Motivation, Kognition sowie der Kommunikation und sozialen Interaktion. Dies ist zu beobachten bei dem infantilen Cerebralparesen, bei Erkrankungen der Herz-Kreislauf-Funktion, Erkrankungen im Bereich von Atmung, endokrinem System, Leber, Blut und blutbildenden Organen und Stoffwechselerkrankungen, sowie im Falle psychischer Störungen (ALBRIGHT 1997, 95; FRANKLIN 1997a, 20; FRANKLIN 1997b, 27; GORDON 1997, 60; BAUER 1990, 507; DEIMEL 1990b, 1012; FROBÖSE 1990b, 558; INNENMOSER 1990, 354; ROST 1990a, 731; ROST 1990b, 801).

Erklärungsansätze für psychologische Effekte von Bewegung und Sport werden zwischen physiologischen, psychologischen und anthropologischen Modellen, sowie Kombinationen dieser Hypothesen bzw. Modellen, die sogenannten Mischmodelle, unterschieden (vgl. u.a. KNOBLOCH und FRITZ 1988, 59-70; SCHWENKMEZGER 1993, 216-218).

Bei den physiologischen Hypothesen wird zwischen einer allgemeinen physiologischen Aktivierungshypothese, der Katecholamin- und der Endorphinhypothese differenziert.

Die Thermoregulationshypothese stellt einen Teil der allgemeinen physiologischen Aktivierungshypothese dar und geht davon aus, dass das Wohlbefinden nach sportlichem Training durch eine erhöhte Körpertemperatur ausgelöst wird.

Eine besonders limitierte Thermoregulation ist bei Tetra- bzw. hochgeschädigten Paraplegikern wegen des neuralen Schadens jedoch zu erwarten. Diese Tatsache wirft die Frage auf, inwieweit die Thermoregulationshypothese auf diese Personen anzuwenden wäre.

Zu beachten ist aber auch, dass trotz der Schädigung des Rückenmarks, die zu einer Dysfunktion des Thermoregulationssystems führt, viele Tetraplegiker die Marathonstrecke im Rollstuhl (42,195 Km) trotz Hitze fahren.

Die Katecholaminhypothese sagt aus, dass negative Stimmungszustände bzw. Depressionen in Zusammenhang mit einem absoluten oder relativen Mangel an biogenen Aminen (Katecholamin und seinen Stoffwechselprodukten Dopamin, Serotonin und Norepinephrin) stehen. Die Aminkonzentration wird durch das Ausdauertraining erhöht und führt dadurch zu einem Zustand des Wohlbefindens. Bei höheren Thorakalschädigungen und besonders bei Tetraplegikern ist wegen der Beeinträchtigung der Muskulatur und anderer wichtiger Körperfunktionen, das Ausdauertraining von den meisten Betroffenen kaum durchführbar. Somit sind die o.g. Effekte nur von einer begrenzten Zahl von hochgeschädigten Querschnittgelähmten zu erreichen. Anzumerken ist, dass bei den Paralympics, Weltmeisterschaften usw. hochgeschädigte Querschnittgelähmte in der Lage sind, trotz Rückenmarksläsion und Hitze über längere Strecke höhere Leistungen zu bringen. Sehr nennenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Rollstuhlrugby, eine Sportdisziplin, die besonders von und für schwer betroffene Personen entwickelt wurde.

Die Endorphinhypothese erklärt das Erreichen des Wohlbefindens während und nach körperlicher Aktivität. Durch die Körperaktivität wird Endorphin produziert. Endorphin, besonders Beta-Endorphin, ist sowohl für die Kontrolle motivationaler und emotionaler Prozesse, z.B. für das Gefühl des Wohlbefindens, als auch für die Schmerzrezeption mitverantwortlich, wodurch es hier zu einer Reduzierung der Schmerzen kommt.

Die Produktion von Katecholamin und Endorphin setzt aber in beiden Fällen voraus, dass die körperliche Aktivität ein bestimmtes Belastungsvolumen von ca. 30 Minuten erreicht. Eine solche Belastbarkeit wäre bei Querschnittgelämten besonders nach der Entlassung aus dem Krankenhaus im Rahmen des Rehabilitations- oder des Behindertensports zu erreichen.

Im Rahmen der psychologischen Erklärungsmodelle werden z.B. die Selbstwirksamkeits- und die Ablenkungshypothese angeführt.

Bei der Selbstwirksamkeitshypothese geht man davon aus, dass das Realisieren künstlerischer, beruflicher oder sportlicher Aktivitäten den Betroffenen das Gefühl der Selbstkompetenz, des positiven Selbstkonzeptes, vermittelt. Das sich in der Lage fühlen etwas Positives zugunsten von sich selbst oder zugunsten von anderen Personen zu produzieren bzw. zu realisieren verstärkt das Gefühl der eigenen Fähigkeiten bzw. Effektivität.

Dazu passt „der Vorschlag von FOLKINS/SIME (1981), psychische Veränderungen aufgrund eines Fitnesstrainings im Sinne des Modells von Lazarus (1975) zu interpretieren“ (nach KNOBLOCH und FRITZ 1993, 65), bei dem die subjektive Bewertung der eigenen Trainingsleistung danach Gefühle der Stressbewältigung und der erhöhten Selbstwirksamkeit auslöst.

Die Ablenkungshypothese verteidigt das Konzept, dass durch verschiedene Beschäftigungen, wie z.B. durch die Sporttätigkeiten, die Betroffenen zumindest für bestimmte Zeit von dem gedanklichen Verhaftet-Sein in der Unzufriedenheit mit der eigenen Lage, von Aggressionstendenzen, von der Depression oder von negativen Gedanken, befreit würden.

Die psychologischen Erklärungsmodelle gehen davon aus, dass köperliche Aktivitäten bzw. Sport im Sinne eines somatopsychischen Zusammenspiels über somatische Veränderungen positive psychische Verhaltensweisen hervorrufen.

Beachtenswert ist, dass bei den Erklärungsansätzen für psychologische Effekte von Bewegung und Sport keine Verbindung mit der Motivationspsychologie hergestellt wird und die Theorie der Motivation bzw. die Motivationspsychologie sich nicht direkt mit den Fragen der Behinderungsverarbeitung bzw. der Rehabilitationsmotivation beschäftigt.

So gesehen stehen die Diskussionen im Kapitel 5 (Verhalten und Behinderungsverarbeitung) für die Anwendung der Motivationspsychologie als Hilfe zur Verarbeitung von Behinderung.

Der anthropologische Erklärungsansatz basiert auf der Annahme einer vollständigen Verschaltung bzw. Einheit der somatischen und psychischen Prozesse beim Individuum. Dies kommt auch in dem bekannten Axiom zum Ausdruck, dass der „Mensch nicht nur einen Körper hat bzw. besitzt“, sondern auch „sein Leib ist“ (vgl. u.a. PETZOLD 1977, nach KNOBLOCH und FRITZ 1988, 65; BLANKENBURG und HALTENHOF 1993, 36ff; KLEIN 1993, 85; SCHÜSSLER und LEIBING 1994, 9-16).

Dabei ist sehr entscheidend, ob ein gelingender oder ein misslingender Dialog zwischen Selbst und Leib präsentiert wird.

Die Mischmodelle kombinieren z.B. physiologische und psychologische Wirkmechanismen. In der Hypothese von der Akumulation spezifischer Effekte wird angenommen, dass eine Kombination mehrerer Wirkmechanismen eine Wohlbefindenssteigerung auslöst oder zu besserer Stressresistenz usw. führt.

Allen Modellen kommt eine theoretische Plausibilität zu, obwohl eine umfassende empirische Bewährung der Erklärungsansätze noch aussteht.

RABAIOLI (1987, 151) stellt fest, dass bei vielen Untersuchungen nicht klar ableitbar ist, ob die verbesserte emotionale Stabilität der Versuchspersonen nach der Teilnahme an Sportprogrammen direkt auf die Sportprogramme zurückzuführen ist. Es könnten auch andere Variablen, wie etwa die intensive persönliche Betreuung der Klienten im Bewegungsprogramm verantwortlich gemacht werden. Rabaioli geht davon aus, dass entscheidend an jeder Methode die Qualifikation und das Engagement des Therapeuten ist, und nicht unbedingt und ausschliesslich die Methode an sich.

Hier muss angeführt werden, dass viele Verfechter der Sporttherapie und des Rehabilitationssports vorschnell und verallgemeinend und häufig ohne wissenschaftlich fundierte Basis positive therapeutische bzw. rehabilitative Ergebnisse als erwiesen darstellen. Dies bestärkt die Gegner der wissenschaftlichen Anerkennung der Sporttherapie und des Rehabilitationssports.

3.2 Zweifel an den positiven Effekten von Bewegung und Sport

Trotz der o.g. allgemein anerkannten positiven Wirkungen der bewegungs- und sportlichen Aktivitäten zweifeln viele Autoren solche Effekte oder die wissenschaftliche Qualität der Untersuchungen bzw. Behauptungen an.

Diese Autoren tendierten häufig dazu bei ihren Untersuchungen bestimmte Details zu übersehen.

Untersuchungen, die in solche Richtung tendieren sind kritisch zu beurteilen, da:

1. Die Untersucher häufig übersehen, dass der menschliche Organismus unter einer Krankheit, wie z.B. Diabetes mellitus oder bei einer Behinderung, wie z.B. einer neuralen Läsion, anders als Nicht-Behinderte oder Nicht-Kranke bei körperlichen Aktivitäten reagieren können;
2. Die körperlichen bzw. sportlichen Aktivitäten unter bestimmten Bedingungen, wie z.B. Krankheit, Hitze, höherer Querschnittlähmung, Alter usw. spezifische Sicherheitsmassnahmen benötigen. Bei den Untersuchungen, die negative Auswirkungen der Aktivitäten beweisen sollten bzw. bewiesen haben, wurde die Anwendung solcher Sicherheitsmassnahmen bzw- -methodologien kaum berücksichtigt.

SLOAN et col. (1994, zit. in LACOURSE et al. 2001, 251) fanden bei Personen mit inkompletten Querschnittläsionen, die vor mehr als vier Jahren eintraten, keine positive Änderung der Knochenstruktur durch körperliches Training.

HORTON (2001, 206) warnt davor, dass körperliche Aktivität den Glukose-Spiegel stark reduzieren und die Insulinsensibilität erhöhen kann. Einige Studien (WALLBERG-HENRIKSON et al., 1986; ZINMAN et al., 1977; zit. nach HORTON 2001) könnten keinen positiven Effekt durch regelmässige körperliche Aktivität bei langzeitiger Glykämiekontrolle bei Patienten mit Diabetes Typ 1 beweisen. Andere Studien demonstrieren ebenfalls (MARRERO et al., 1988; STRATTON et al., 1987; zit. nach HORTON 2001), dass ein regelmässiges Aktivitätsprogramm nicht unbedingt auch eine bessere Glukosekontrolle impliziert.

HORTON (2001, 206) warnt vor den Risiken bei Typ 1 Diabetikern, wie z.B. Angina pectoris, Herzinfarkt, Herzarrythmie, etc., die sportliche Übungen hervorrufen können, wenn neben Diabetes noch kardiovaskuläre Begleiterkrankungen bestehen.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren führte MacDONALD (1987, zit. in HORTON 2001, 209) Studien an 300 jugendlichen Typ 1 Diabetikern durch. 16% präsentierten eine Hypoglykämie nach Übungen, die gegen Tagesende durchgeführt wurden. Allgemein trat die Hypoglykämie abends auf, 6 bis 15 Stunden nach der Beendigung besonders anstrengender Übungen oder Spiele.

KLEINE (1992, 151) bezweifelt die Sicherung und Verfügbarkeit der psychosozialen Effekte des Sports zum Zweck der Prävention und Rehabilitation, „da eine bewährte Erkenntnisbasis noch nicht vorliegt. Dazu weisen allein die vorliegenden Studien bis heute zu gravierend Methodenmängel auf“.

KLEINE fügt hinzu, dass Modelle, die beobachtbaren Effekte tatsächlich erklären, noch nicht existieren, „so dass die Erstellung theoriegeleiteter, sportpraktischer Massnahmen nicht möglich ist“; und dass „eine der vordringlichsten Aufgaben jedoch vorerst darin liegen wird, die Diffusität und Widersprüchlichkeit des gegenwärtigen ‚Kenntnisstandes‘ zu registrieren und zu verarbeiten ... um zukünftig überzogenen Erwartungen an einen Gesundheitssport entgegenzuwirken“. KLEINE macht jedoch eine Ausnahme, nämlich die subjektive Wahrnehmung der Befindlichkeit.

NEUHÄUSER (1988, 9) versucht solche Streitigkeiten mit dem Argument zu erklären, dass manche Widersprüche in der Literatur auf Missverständnisse zurückzuführen sein dürften, „weil einmal die Analyse des Bewegungsverhaltens nur unter dem Entwicklungsaspekt gesehen werden kann, während zum anderen die Lokalisation des neurologischen Syndroms und die pathogenetische Klärung ganz im Vordergrund stehen“.

Die o.g. Widersprüche stehen sicherlich in vielen Fällen auch in engem Zusammenhang mit der mangelnden Qualität der wissenschaftlichen Abhandlungen.

KLEINE (1992, 154) warnt vor der Gefahr die beruflichen Grenzen der Sportwissenschaft zu überschreiten, bei der Anwendung von Massnahmen, „die in die Fachzuständigkeit der Medizin oder Psychologie, nicht aber in die der Sportwissenschaft gehören“.

Vielleicht geht Kleine hier davon aus, dass die Sportwissenschaft doch in der Lage wäre sowohl physische als auch psychische Wirkungen zu erreichen. Das wäre aber seiner Meinung nach nicht ihr Arbeitsfeld.

Wie bekannnt ist, sind die Arbeitsfelder des Mediziners, des Psychologen, des Physiotherapeuten, des Beschäftigungstherapeuten und des Sporttherapeuten definiert und manchmal sehr detalliert bzw. abgegrenzt, was gegen solche Argumente spricht.

KLEINE (1992, 143f) beschäftigte sich mit den Fragen: „Mit oder ohne Sport gesund?“ und „mit oder ohne Sport krank?“, und konstatiert, dass die Vorstellung einer durch Sport provozierbaren ‚Spitzengesundheit‘ zumindest aus zwei Gründen wenig überzeugend wirkt:

1. „Sie ist bewährter wissenschaftlicher Methodik nicht zugänglich und damit ... als real existent nicht fixierbar, ausgenommen als subjektive Funktion;
2. Ihr widerspricht die Tatsache, dass völlig unsportliche Menschen ein Leben in Gesundheit führen und zu einer gesundheitserhaltenden Lebensgestaltung befähigt sind. Der Quell einer anhaltenden gesunden Befindlichkeit des Menschen kann nicht allein in einem gezielten sportiven Aktivsein gefunden werden und schon gar nicht in einem Sport, der als Provokator von ‚Spitzengesundheit‘ aufgefasst und betrieben wird“.

KLEINE übersah hierbei wahrscheinlich die positive oder negative genetische Prädisposition bzw. das genetische Erbe des Menschen, welches determiniert, ob jemand dazu tendiert an Krebs oder Diabetes mellitus zu erkranken.

Nach DEIMEL (1988, 87) sind psychosoziale Auswirkungen des Sports und Wirkungszusammenhänge „in geringerem Umfang abgesichert“.

Es wird jedoch deutlich, „dass bis heute noch kein theoretisches Rahmenkonzept existiert, welches die verschiedenen physischen, psychischen und psychosozialen Effekte integriert oder gar erklärt. So fehlt z.B. eine auf breiter Front akzeptierte Theorie, die die psychischen Aspekte des Sports fundieren kann ... Die Präzisierung eines theoretischen Rahmenkonzeptes würde für die konzeptionelle Weiterentwicklung und wissenschaftliche Überprüfung des Sports mit Sondergruppen einige wichtige und unverzichtbare Funktionen erfüllen“ (HUBER 1996, 96).

An diesem Punkt müssen die wissenschaftlich fundierten Theoriker mit den in der Praxis tätigen Therapeuten der Bewegungstherapie, des Behindertensports und des Rehabilitationssports zugunsten der Betroffenen zusammenarbeiten. Auf diese Weise können beide Seiten zu einer positiven Entwicklung beitragen.

Die Verknüpfung von aktualisierten wissenschaftlichen Kenntnissen mit der Erfahrung der Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis und Kreativität würde zur Entwicklung einer praxisbezogenen Wissenschaft beitragen.

3.3 Begriffliche Widersprüche

Nach SCHWENKMEZGER (1993, 205) führt der Ausdruck Gesundheitssport zwei Begriffe zusammen, von denen jeder Einzelne schon schwierig genug zu erfassen ist.

Dies ist beim Rehabilitationssport nicht anders. Eine solche Auseinandersetzung mit den Begriffen, die die Arbeit während der Internation oder nach der Entlassung aus den Krankenhäusern, sowie die sportliche Tätigkeit mit Behinderten bezeichnen soll, ist nicht neu. LORENZEN (1961, 1) sprach schon vor ca. 40 Jahren über das Unglück bei der damaligen „Neuschöpfung“ der Wortbildung „Versehrtensport“, die „weder ethymologisch noch terminologisch sich eine stichhaltige Definition des Doppelwortes Versehrtensport gewinnen lässt“.

Nach BRACKHANE (1987, 134) sind Sport und Bewegungstherapie trotz der Nähe und Ähnlichkeit der Gebiete nicht einfach nur zwei Begriffe für eine Sache, sondern aus psychologischer Sicht verkörpern sie recht unterschiedliche Aspekte. „Geht es nämlich in der eigentlichen Bewegungstherapie vornehmlich von Rückgewinnung und Üben einzelner Bewegungsfunktionen, so stellt der Sport gleichsam eine unmittelbare Nutzanwendung dar: Der Klient erlebt nicht nur, dass er trotz seiner Behinderung mit seinem Körper eine frei von ihm bestimmte sinnvolle Leistung vollbringen kann, sondern er hat aufgrund dieser Erfahrung auch die Möglichkeit, mehr Selbständigkeit, Selbstsicherheit und Selbstvertrauen zu entwickeln, womit die Therapie über den körperlichen Bereich weit hinausgreift“.

[...]

Details

Seiten
169
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783832489960
ISBN (Buch)
9783838689968
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v224155
Institution / Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln – Medizin und Rehabilitation, Rehabilitation und Behindertensport
Note
2,0
Schlagworte
querschnittslähmung behinderung motivation behinderte behindertensport

Autor

Zurück

Titel: Motivationale Aspekte in der Bewegungstherapie und im Rehabilitationssport