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Frauen im Schwangerschaftskonflikt

Die Rolle der Schwangerschaftskonfliktberatung, die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch und seine Folgen

Diplomarbeit 2003 83 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Konfliktsituation - ungewollt schwanger
2.1 Merkmale eines inneren Konfliktes
2.2 Die psychische Verfassung der Frau im Schwangerschaftskonflikt
2.3 Sinnvolle Strategien bei der Entscheidungsfindung

3. Die Schwangerschaftskonfliktberatung als Entscheidungshilfe
3.1 Gesetzliche Bestimmungen zur Schwangerschaftskonfliktberatung
3.2 Zur Konzeption der Schwangerschaftskonfliktberatung
3.2.1 Die Merkmale der Schwangerschaftskonfliktberatung im Kontext zu ihrem Beratungsansatz
3.2.2 Darstellung des Ablaufs des Beratungsgespräches und seine inhaltlichen Schwerpunkte
3.3 Der Stellenwert der Schwangerschaftskonfliktberatung im Entscheidungsweg und im Hinblick auf die Entscheidungsfindung

4. Die Lösung des Konfliktes durch die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch
4.1 Der Schwangerschaftsabbruch und seine gesetzlichen Rahmenbedingungen der BRD
4.2 Die Motivlage bei der Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch

5. Nach der Entscheidung – Die Folgen des Schwangerschaftsabbruchs
5.1 Mögliche physische Folgen
5.2 Mögliche psychische Folgen
5.3 Mögliche Folgen für soziale Beziehungen

6. Schlußbetrachtung

7. Anhang
7.1 Anhang 1- Protokollbogen: SKB Teil I und Teil II
7.2 Anhang 2- Beratungsbescheinigung

8. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Mein Ausgangspunkt für dieses Thema ist nicht, wie es oft der Fall ist, der Bezug zu einer speziellen Stelle meiner bisherigen Studienpraktika. Ich habe bisher noch nicht in einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle gearbeitet, so daß ich mein Thema daraus abgeleitet hätte. Vielmehr ist es so, daß ich in allen meiner absolvierten Praxisstellen (Allgemeiner Sozialer Dienst im Jugendamt, Mütterhaus und Frauenhaus) immer wieder in irgendeiner Art und Weise mit dem Thema der ungewollten oder ungeplanten Schwangerschaft in Berührung gekommen bin.

Im Jugendamt z. B. kam es durchaus vor, daß ein minderjähriges Mädchen in die Sprechstunde kam und von ihrer ungewollten Schwangerschaft erzählte. Es gab Mädchen, die berichteten von Problemen mit ihren Eltern, die ihr drohten, sie rauszuschmeißen, wenn sie das Kind bekommt. Diese Mädchen wollten sich dann meist informieren, welche Möglichkeiten es gibt, wenn sie das Kind behalten wollen.

Im Mütterhaus, wo minderjährige schwangere Mädchen und Mütter aufgenommen werden, war die Schwangerschaft in den meisten Fällen ungeplant. In diesen Fällen im Mütterhaus war es aber so, daß sie sich für ein Austragen und Behalten des Kindes entschieden und sie auf Grund von z. B. Problemen im Elternhaus in das Mütterhaus zogen.

Im Frauenhaus wiederum habe ich z. B. ein Fall erlebt, in dem ein junge Mutter von zwei kleinen Kindern während des Aufenthaltes im Frauenhaus bemerkte, daß sie zum dritten Mal schwanger ist, ungewollt. Sie hatte sich jedoch gerade von ihrem Mann getrennt und war schon mit der Erziehung der beiden anderen Kinder überfordert. Sie wollte eigentlich kein drittes Kind und zog so eine Abtreibung in Betracht. Bevor sie sich jedoch endgültig entschied, zog sie wieder zu ihrem Mann zurück. Ich kenne also ihre endgültige Entscheidung nicht.

Die oben dargestellten Berührungspunkte mit dem Thema der ungewollten Schwangerschaft und der sich daraus ergebende Konflikte, waren für mich ein Beweggrund mich einmal eingehender mit diesem Thema zu beschäftigen. Ein weiterer Beweggrund ist der, daß ich als Frau auch nicht hundertprozentig sicher davor bin, ungewollt schwanger zu werden.

In der Praxis habe ich erlebt, welche Konflikte und Probleme eine ungewollte Schwangerschaft mit sich bringen kann.

Das hat mich dazu gebracht über dieses Thema nachzudenken. Die Erlebnisse aus der Praxis und mein eigenes allgemeines Interesse an dem Thema haben zu dieser Arbeit geführt.

Mit diesen Vorab - Bemerkungen wollte ich meinen Ausgangspunkt für diese Arbeit erläutern.

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich nun auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema des Schwangerschaftskonfliktes sowie der Entscheidungsfindung der Frau beschäftigen. Auf Grundlage der Literatur zu diesem Thema sowie Auswertung derselben soll es Ziel meiner Arbeit sein, den Entscheidungsweg der ungewollt schwangeren Frau in Bezug auf ihren Schwangerschaftskonflikt darzustellen, mit der schließlich getroffenen Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch und seine Folgen, als Folgen dieser Entscheidung.

Zu Beginn werde ich die Konfliktlage der Schwangeren erläutern. Als Zweites soll die Schwangerschaftskonfliktberatung beleuchtet werden, unter dem Gesichtspunkt, inwieweit sie die Frau beim Finden ihrer Entscheidung unterstützt. Im Anschluß daran werde ich ihre Entscheidung gegen das Kind betrachten. Wobei ich mich hier auf die Darstellung der Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs beschränken möchte. Die beiden anderen Entscheidungsmöglichkeiten, Adoptionsfreigabe oder Behalten des Kindes, werde ich in meiner Arbeit ausklammern, da dies sonst den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Zum Abschluß und als Vervollständigung des Entscheidungsweges werde ich die Folgen nach der Entscheidung, und zwar der Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch, verdeutlichen.

Zur besseren Verdeutlichung des Aufbaus meiner Arbeit werde ich im Folgenden den Inhalt meiner einzelnen Kapitel beschreiben.

2. Kapitel: Ich gehe in meiner Arbeit von einer ungewollten Schwangerschaft aus. Diese kann bei der Schwangeren innere Konflikte auslösen. Diese Konfliktsituation als Ausgangslage der Frau, werde ich in diesem Kapitel untersuchen.

Zum Verständnis der Bedeutung eines inneren Konfliktes, werde ich im ersten Punkt des Kapitels die Merkmale dieser Art eines Konfliktes erläutern, um diese Merkmale gleichzeitig auf die Situation im Schwangerschaftskonflikt zu beziehen.

Im zweiten Punkt werde ich die psychische Situation der Schwangeren in der Konfliktsituation beleuchten. Ich gehe hier von der These aus, daß jede Frau einen Schwangerschaftskonflikt erlebt. Das Ausmaß dieses Konfliktes ist jedoch von Frau zu Frau verschieden. Nach der Untersuchung dieser Annahme werde ich in diesem Punkt darstellen, welche Faktoren die Konfliktsituation negativ beeinflussen können. Diese Faktoren sind: Entscheidungsdruck, Zeitdruck, Informationsdefizit, Geheimhaltungsdruck und die damit verbundene Isolation.

Im letzten Punkt dieses Kapitels sollen sinnvolle Entscheidungsstrategien erörtert werden, die der Schwangeren helfen sollen, ihren Konflikt zu bewältigen und eine Entscheidung zu treffen. Ich werde hier folgende hilfreiche Strategien erläutern: Unterstützung durch eine nahestehende Person, Unterstützung durch eine außenstehende Person (Arzt, Beraterin o. a.), der Faktor Zeit und das Abwägen von Pro und Contra Argumenten.

3. Kapitel: Zuerst werde ich in diesem Kapitel die gesetzlichen Regelungen zur Schwangerschaftskonfliktberatung erklären. Dabei werde ich organisatorische Rahmenbedingungen sowie inhaltliche Bestimmungen berücksichtigen.

Die Konzeption der Schwangerschaftskonfliktberatung ist Gegenstand des zweiten Teilkapitels. Zu Beginn werde ich die Merkmale der Konfliktberatung im Hinblick auf ihren Beratungsansatz untersuchen. Im Anschluß daran werde ich den inhaltlichen Ablauf des Beratungsgespräches nachvollziehen. Ich werde dazu das Beratungsgespräch in Phasen unterteilen und erklären was in diesen einzelnen Phasen passiert. Allerdings ist hier davon auszugehen, daß nicht mit jeder Frau ein Beratungsgespräch zustande kommt.

An welcher Stelle die Konfliktberatung im Entscheidungsweg steht und welche Rolle sie bei der Entscheidungsfindung der Frau spielt, soll im letzten Punkt dieses Kapitels erörtert werden. Ich werde die Einordnung in den idealtypischen Entscheidungsweg vornehmen (nach Grotjahn und Skroch).

Davon ausgehend werde ich beschreiben, inwieweit die Konfliktberatung die Frau beim Finden ihrer Entscheidung unterstützen kann.

4. Kapitel: Im ersten Teilkapitel werde ich den geschichtlichen Hintergrund und die Gesetzmäßigkeiten zum Abbruch beleuchten, um zu zeigen wie sich die gesetzlichen Regelungen in den letzten Jahrzehnten in Deutschland entwickelt haben. Dabei möchte ich beschreiben, welche unterschiedlichen Abtreibungsregelungen es bisher gab (Indikationsmodell der BRD, Fristenmodell in der DDR und die jetzige Beratungsregelung). Im Besonderen möchte ich auf die jetzige Regelung zum Schwangerschaftsabbruch eingehen. Dieses Kapitel ist wichtig, um Einblicke in die gesetzlichen Hintergründe zum Schwangerschaftsabbruch zu geben. Die genaueren gesetzlichen Bestimmungen zur Schwangerschaftskonfliktberatung erläutere ich gesondert bereits im Punkt 3.1. Da ich im dritten Kapitel schon Rolle und Konzeption der Schwangerschaftskonfliktberatung darstelle, ist es notwendig spezielle gesetzliche Bestimmungen im Hinblick auf die Beratung bereits an dieser Stelle aufzuzeigen.

Mit der Motivlage zum Schwangerschaftsabbruch setze ich mich anschließend im Punkt 4.2 auseinander. Dabei befasse ich mich mit der These: „Wenn Frauen sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, dann gibt es dafür oft nicht nur den einen entscheidenden Grund. Meist ist es ein ganzes Bündel von Motiven“ (Langsdorff; 1991; S.30). Ich werde erläutern wie vielschichtig die Gründe für einen Abbruch sind. Sie bilden einen ganzen Komplex von Motiven.

Dabei werde ich insbesondere auf Belastungen im partnerschaftlichen Bereich sowie im beruflichen Bereich als mögliche Motive eingehen. Hier gehe ich davon aus, daß beide Motive einen starken Einfluß auf die Entscheidung zum Abbruch ausüben.

Außerdem werde ich die Fragestellung untersuchen, ob das Zusammentreffen verschiedener Konfliktsituationen in verschiedenen Lebensbereichen als mögliche Motive die Abbruchwahrscheinlichkeit erhöhen.

5. Kapitel: Welche Folgen die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch haben kann, damit werde ich mich in diesem Kapitel auseinandersetzen. Ich unterscheide dabei Folgen in den drei verschiedenen Bereichen: mögliche physische Folgen, psychische Folgen und mögliche Folgen für soziale Beziehungen.

In diesem Kapitel werde ich die These untersuchen: Ein Schwangerschaftsabbruch hat immer Folgen für die betreffende Frau. Diese können sowohl negativ als auch positiv sein.

In Bezug auf die Folgen wird in der Literatur immer wieder das „Post - Abortion - Syndrom“ (PAS) diskutiert. Damit sind traumatische Folgen eines Abbruchs im psychischen Bereich gemeint (vgl. Stiftung „Ja zum Leben – Mütter in Not“ [Hg.]; 1996; S. 9). Ich werde die Merkmale von PAS erklären und die unterschiedlichen Standpunkte der Literatur in diesem Punkt erläutern. Damit werde ich der Frage nachgehen, ob eine Abtreibung immer traumatische Folgen haben muß.

Welche Auswirkungen eine Abtreibung auf die sozialen Beziehungen der Frau haben kann, werde ich im letzten Teilkapitel beschreiben. An dieser Stelle werde ich darstellen, daß der Zusammenhang zwischen Abtreibung und sozialen Beziehungen einen Teufelskreis ergibt. Denn nicht nur die Abtreibung hat Einfluß auf die sozialen Beziehungen der Frau, sondern auch die sozialen Beziehungen beeinflussen die Verarbeitung des Abbruchs.

[...]

Details

Seiten
83
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783832487690
ISBN (Buch)
9783838687698
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v223951
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg – Sozial- und Gesundheitswesen
Note
1,7
Schlagworte
konfliktsituation beratung entscheidungshilfe schwangerschaft frauen

Autor

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Titel: Frauen im Schwangerschaftskonflikt