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Die Josefserzählung in rabbinischer und islamischer Tradition

Diplomarbeit 2004 255 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Josefserzählung in der Tora und im Koran
1.1 Kapitel [1]:Die Josefserzählung in der Tora
1.1.1 Die Geschichte im Überblick:
1.1.2 Josef in Kanaan:
1.1.2.1 Josef und seine Brüder: (Gen. 37,1-36)
1.1.2.2 Josefs Traumvisionen:
1.1.2.3 Der Verkauf Josefs:
1.1.2.4 Das Hemd des Blutes:
1.1.3 Josef in Ägypten:
1.1.3.1 Josef bei Potifar: (Gen. 39,1-23)
1.1.3.2 Josef und seine Herrin:
1.1.3.3 Josef im Gefängnis: (Gen.40,1-23)
1.1.3.4 Pharaos Traumvision: (Gen.41,1-57)
1.1.3.4.1 Die Vorbereitungen für die kommende Krise, wie Josef sie vorschlägt:
1.1.3.4.2 Der Pharaoh ernennt Josef als seinen Stellvertreter:
1.1.3.4.3 Josef, der Ägypter:
1.1.3.5 Die Hungerjahre:
1.1.3.6 Jakob schickt seine Söhne um Getreide zu kaufen(Gen.42, 1-38)
1.1.3.7 Benjamin in Ägypten: (Gen.43,1-34)
1.1.3.8 Josef gibt sich zu erkennen: (Gen.45, 1-28)
1.1.3.9 Israel reist nach Ägypten: (Gen.46, 1-34)
1.1.3.10 Die Hungersnot verschärft sich: (Gen.47, 1-31)
1.1.3.11 Jakob in seinen letzten Tagen: (Gen.48,1-22; 49,1-28)
1.1.3.12 Jakobs Tod:
1.1.3.13 Josefs Tod: (Gen.50,1-26)
1.1.4 Eine Gliederung der Erzählung im Überblick
1.1.5 Zusammenfassung:
1.2 Kapitel [2]:Die Josefserzählung im Koran
1.2.1 Die allgemeine Vorstellung der Josefserzählung
1.2.2 Die Darstellung der Josefserzählung im Koran:
1.2.3 Blicke auf die koranische Geschichte
1.2.3.1 Die künstlerische Darstellung in Josefs Sure:
1.2.3.1.1 Die Einleitung:
1.2.3.1.2 Die Ereignisse und die Szenen der Geschichte:
1.2.3.1.3 Der Schluss:
1.2.3.2 Die Hauptereignisse der Geschichte:
1.2.3.2.1 Die drei Träume:
1.2.3.2.2 Die drei Plagen:
1.2.3.2.3 Die drei Gewänder(Hemden):
1.2.3.2.4 Die drei Reisen:
1.2.3.3 Die Rollen, und die Darstellung der Figuren in der Koranischen Geschichte:
1.2.3.3.1 Die Figur Josefs:
1.2.3.3.2 Die Figur Jakobs:
1.2.3.3.3 Die Figuren der Brüder Josefs:
1.2.3.3.4 Die Figur des ägyptischen Herrn:
1.2.3.3.5 Die Figur der Herrin:
1.2.3.3.6 Die Figur des Königs:
1.2.4 Parallelen in der Geschichte:
1.2.5 Der Unterschied zwischen dem Koran und der Tora
1.2.6 Zusammenfassung:
1.3 Zusammenfassung

2. Die Josefserzählung in rabbinischer Tradition
2.1 Kapitel [1]: Die Josefserzählung in Genesis Rabba
2.1.1 Josef und Jakob:
2.1.1.1 Parallelen zwischen Jakob und Josef:
2.1.1.2 Die Vorliebe Jakobs für Josef:
2.1.1.3 Der zweite Traum Josefs:
2.1.1.4 Der Gehorsam Josefs:
2.1.1.5 Die Trauer Jakobs:
2.1.1.6 Josef achtet die Abwesenheit seines Vaters:
2.1.1.7 Jakob lehrte Josef die noachidische Gebote:
2.1.1.8 Josef, der Erstgeborene Jakobs:
2.1.2 Josef und seine Brüder:
2.1.2.1 Josef bringt üble Nachrede:
2.1.2.2 Der Hass der Brüder:
2.1.2.3 Die Verschwörung:
2.1.3 Josef in Ägypten:
2.1.3.1 Josef in Potifars Haus:
2.1.3.2 Josef an der Macht:
2.1.3.3 Die Reisen der Brüder nach Ägypten:
2.1.3.4 Josef und Juda:
2.1.4 Zusammenfassung:
2.2 Kapitel [2]: Die Josefserzählung in Midrasch Tanchuma
2.2.1 Josef und Jakob:
2.2.1.1 Der Erstgeborene Jakobs:
2.2.1.2 Die besondere Beziehung zwischen Jakob und Josef :
2.2.2 Josef und seine Brüder:
2.2.2.1 Josef und Gabriel:
2.2.2.2 Josefs Traum:
2.2.2.3 Der Verkauf Josefs:
2.2.3 Josef in Ägypten:
2.2.3.1 Josef und seine Herrin:
2.2.3.1.1 Josefs Tugendhaftigkeit:
2.2.3.2 Josefs Fähigkeiten:
2.2.3.3 Die Begegnung mit den Brüdern in Ägypten:
2.2.4 Zusammenfassung:
2.3 Kapitel [3]: Die Josefserzählung in Midrasch Ha-Gadol
2.3.1 Josef und Jakob:
2.3.2 Josef in Ägypten:
2.3.2.1 Josef und Potifar:
2.3.2.2 Josef und seine Herrin
2.3.2.2.1 Die Verführung:
2.3.2.3 Die ägyptischen Frauen:
2.3.2.4 Josef im Gefängnis:
2.3.2.5 Josef und Pharao:
2.3.3 Josef und seine Brüder:
2.3.3.1 Josef und Benjamin:
2.3.3.2 Josef und Juda:
2.3.4 Der Sarg Josefs:
2.3.5 Zusammenfassung:
2.3.6 Die Josefserzählung im Vergleich
2.4 Zusammenfassung

3. Die Josefserzählung in islamischer Tradition
3.1 Kapitel [1]: Die Auslegung des Propheten Muhammad für Josefs Figur
3.1.1 Die Patriarchen und Moses in der Überlieferung des Propheten:
3.1.1.1 Abraham in der Überlieferung des Propheten:
3.1.1.2 Jakob in der Überlieferung des Propheten:
3.1.1.3 Moses in der Überlieferung des Propheten:
3.1.2 Josef in der Überlieferung des Propheten:
3.1.3 Die schwachen Hadithen:
3.1.3.1 Josefs Geduld:
3.1.3.2 Josef verlangt die Rangstelle:
3.1.3.3 Josef zieht nicht Gottes Willen vor:
3.1.4 Hadithen über die Sure Yusuf:
3.1.4.1 Der Anlass der Offenbarung:
3.1.4.2 Die Belohnung, die Sure Yusuf zu lernen:
3.1.4.3 Ein astronomisches Rätsel über die Planeten, die Josef in seiner Vision sah:
3.1.5 Hadithen verdeutlichen Jakobs Haltungen in der Geschichte:
3.1.5.1 Jakob erblindet:
3.1.5.2 Jakobs Trauer und die Belohnung:
3.1.5.3 Wann bittet Jakob Gott um Verzeihung (für seine Söhne):
3.1.6 Zusammenfassung:
3.2 Kapitel [2]:Die israelitischen Tafeln nach der Zeit des Propheten
3.2.1 Die islamische Hermeneutik:
3.2.1.1 Die ersten Verfasser der Auslegungsbücher:
3.2.1.2 Die Verfasser der ersten Enzyklopädien:
3.2.2 Die israelitischen Tafeln in der Interpretation:
3.2.2.1 Die Kategorien der israelitischen Tafeln:
3.2.2.2 Das Ziel der Kommentatoren:
3.2.2.3 Die Kommentatoren und die Sure-Yusuf:
3.2.3 Zusammenfassung:
3.3 Kapitel [3]:Die Josefserzählung bei Muqatil ibn Sulaiman
3.3.1 Muqatil b. Sulaiman (Leben und Werke):
3.3.2 Warum Muqatil Ibn Sulaiman:
3.3.3 Muqatils Interpretationsmethode in der Sure Yusuf:
3.3.3.1 Namen, die bei Muqatil nicht erwähnt wurden:
3.3.3.2 Die Orte, die Entfernungen, die Zahlen und die Zeitspannen:
3.3.3.3 Muqatil führt die Hadithen ohne Überlieferungskette „Isnad“ an:
3.3.3.4 Die islamischen rechtswissenschaftliche Fragen:
3.3.3.5 Die Geschichten bei Muqatil:
3.3.3.5.1 Die Geschichte des Bechers:
3.3.3.5.2 Einen Brief von Jakob an den ägyptischen Herrn:
3.3.3.5.3 Eine mündliche Botschaft von Josef an seinen Vater:
3.3.3.5.4 Zwei Geschichten über den Engel Gabriel mit Josef:
3.3.3.5.5 Die Geschichte des Diebstahls:
3.3.4 Zusammenfassung:
3.4 Kapitel [4]: Die Josefserzählung bei AlQurtobi
3.4.1 Seine Voraussetzungen für die Auslegung :
3.4.2 Warum AlQurtobi:
3.4.3 Die Methode AlQurtobi im Kommentar der Sure Yusuf:
3.4.4 Anwendungen auf die Methode AlQurtobi aus seinem Kommentar:
3.4.4.1 Die sprachliche Darstellung:
3.4.4.2 Ein Beispiel aus den koranischen Lesarten:
3.4.4.3 Die Anführung der verschiedenen Meinungen:
3.4.4.4 Erzählungen und Meinungen, die AlQurtobi ihren Quellen nicht erwähnt:
3.4.4.5 Die Teilung des Kommentars in Aspekte:
3.4.4.5.1 Die Fiqh-Aspekte:
3.4.4.6 Neuartige Erzählungen statt der historischen Ereignisse:
3.4.4.6.1 Der Kaufvertrag Josefs:
3.4.4.6.2 Josef war der erste, der auf Blätter schreibt:
3.4.4.6.3 Das Bild Josefs auf die Geldmünzen:
3.4.4.6.4 Der Sarg Josefs:
3.4.4.7 Die Verbreitung der Gespräche in die Ereignisse:
3.4.4.7.1 Das Gespräch Jakobs mit dem Wolf:
3.4.4.8 Vielzahl der erklärenden Geschichten:
3.4.4.8.1 Vereitelung der Versuch von Juda, Benjamin zu befreien:
3.4.4.9 Die Zahlen bei AlQurtobi:
3.4.4.9.1 Die Zahl der Israeliten, als sie aus Ägypten auszogen:
3.4.5 Zusammenfassung:
3.5 Zusammenfassung
3.6 Die Josefserzählung im Judentum und im Islam

4. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
4.1 Die ganze Arbeit im Überblick
4.2 Die Ergebnisse:

5. Literatur Liste
5.1 Die Quellen
5.2 Lexika und Wörterbücher:
5.3 Zitierte Literatur:

6. Anhänge
6.1 Anhang [1]: Gen. 37-50 [ohne Kapitel 38] (Hebräisch)
בראשית 37-50
בראשית פרק לז
בראשית פרק לט
בראשית פרק מ
בראשית פרק מא
בראשית פרק מב
בראשית פרק מג
בראשית פרק מד
בראשית פרק מה
בראשית פרק מו
בראשית פרק מז
בראשית פרק מח
בראשית פרק מט
בראשית פרק נ
6.2 Anhang [2]: Gen. 37-50 [ohne Kapitel 38] (Deutsch)
6.3 Anhang [3]: Die Sure Yusuf (Arabisch)
6.4 Anhang [4]: Die Sure Josef (Deutsch) [die ägyptische- und Paret Übersetzungen]

1. Die Josefserzählung in der Tora und im Koran

1.1 Kapitel [1]:Die Josefserzählung in der Tora

1.1.1 Die Geschichte im Überblick:

Die Josefserzählung findet sich in der Bibel in Genesis 37-50. Aber nicht alle diese Kapitel gehören zur Josefsgeschichte. Die Ausleger sind sich darin einig, dass Gen. 38 (Die Geschichte von Juda und Tamar) und Gen.49,1-28 (Die Stammessprüche) erst später in den Zusammenhang der Josefsgeschichte eingefügt wurden. [1]

Josef, zweitjüngster Sohn des Jakob, begegnet uns [2] in der biblischen Josefserzählung [3] als Siebzehnjähriger. Wegen der Bevorzugung durch den Vater und auch wegen seiner Träume, die einen Vorrang vor seinen Brüdern ausdrücken, erregt er den Hass seiner Brüder. Die Absicht der Brüder, ihn zu töten, wird wegen des Einspruches von Ruben, dem Ältesten bzw. von Juda nicht ausgeführt. Er wird aber als Sklave an eine ismaelitische bzw. midianitische Karawane und durch diese nach Ägypten verkauft. Dem Vater wird der Tod durch ein wildes Tier vorgetäuscht. Josef kommt zu Potifar, einem hochgestellten Ägypter, dessen Haus durch Josefs Anwesenheit gesegnet wird. Josef steigt zu höchster Vertrauensstellung im Haus auf. Weil er der Verführung durch Potifars Frau nicht folgt, wird er umgekehrt von ihr beschuldigt und kommt ins Gefängnis. Nach längerer Zeit hat er Gelegenheit, zwei Gefangenen, der Obermundschenk und der Bäcker des Pharao, ihre Träume auszulegen. Die Auslegung bewahrheitet sich. Wieder nach längerer Zeit hat der Pharao den Traum von den sieben fetten und den sieben mageren Kühen, die die fetten verschlingen, und von den sieben grünen und den verdorrten Ähren. Während alle Wahrsager und Weisen Ägyptens den Traum nicht deuten können, erinnert sich der Mundschenk an Josef. Dieser wird geholt, er kann die Träume deuten und zugleich einen Rat zur Bewältigung der bevorstehenden Hungersnot geben. Josef erhält wiederum die zweithöchste Stelle in Ägypten, diesmal nach dem Pharao. In der Zeit der Hungersnot, die sich auch auf Kanaan erstreckt, kommen Josefs Brüder nach Ägypten, um Nahrung zu besorgen. Josef erkennt sie, sie ihn aber nicht. Er verdächtigt sie als Spione, verlangt zum Beweis für ihre Unschuld, dass sie ihren jüngeren Bruder Benjamin mitbringen. Auf der zweiten Reise werden die Brüder nochmals in schwere Bedrängnis gebracht, dann aber von Josef freundlich begrüßt. Nach einer weiteren Prüfung erkennt Josef die geänderte Haltung seiner Brüder und gibt sich ihnen zu erkennen. Hier erfahren nun die verwickelten Geschehnisse ihre erste Deutung: „Gott hat mich vor euch herabgesandt, um euer Leben zu erhalten“ (45,7). In diesem Sinn wird dann Jakob samt seiner ganzen Familie zur Übersiedlung nach Ägypten eingeladen und im Land Goschen angesiedelt. Die weitere Erzählung wendet sich dem Jakob zu. Dieser wird als Josefs Vater vom Pharao geehrt. Es folgen noch der Segen über Josefs Söhne (48) und über Jakobs Söhne, die zugleich die Ahnherren der 12 Stämme Israels darstellen (49). In einem abschließenden Rückblick nach Jakobs und vor Josefs Tod werden die Ereignisse nochmals zusammenfassend beurteilt: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk“ (50,22).

1.1.2 Josef in Kanaan:

1.1.2.1 Josef und seine Brüder: (Gen. 37,1-36)

Die Tora beginnt die Josefserzählung mit יוסף בן שבע עשרה, diese Altersangabe bildet mit den beiden folgenden Sätzen die Erläuterung [4] , ohne irgendetwas von der Kindheit Josefs zu erzählen. So kann man diesen Vers als selbständigen Eingang einer Erzählung betrachten, die über eine Entzweiung von Josef und seinen Brüdern berichtet. [5] Es wird aber die Art seiner Arbeit erwähnt (היה רועה את אחיו בצון), und er wurde bei den Kindern von Bilha und Silpa erzogen, weil seine Mutter gestorben ist, als er noch ein Kind war.

In der Tora wird eine weitere Eigenschaft von Josef erwähnt: „Josef hinterbrachte ihrem Vater, was die Brüder Böses taten“ Gen. 37, 3. Aber die Art dieser Nachrede taucht im Laufe der Geschichte nicht auf. Die üble Nachrede bezieht sich nicht auf alle Brüder, sondern nur auf die vier Kinder der Mägde, die Nebenfrauen des Jakob.

Der Erzähler bricht die Geschichte mit den Brüdern ab und zeigt die warme und ewige Beziehung zwischen Jakob [6] und Josef, und begründet die Vorliebe für Josef mit dem Satz: Weil er זקונים בן war. Das handelt davon, dass jeder Greis sich mit Vorliebe und Vorsorge um seine jüngsten Kinder und ihr zukünftiges Leben kümmern muss.

Als Merkmal für Jakobs eigentliche Vorliebe für Josef macht er ihm ein schönes Kleid. “Er ließ ihm einen Ärmelrock (פסים כטנת) machen”(3).

Westermann interpretiert das Wort „פסים כטנת“ als „Ärmelkleid oder Ärmelrock“ und sagt: „Nach 2 Sam. 13, 18, wo derselbe Ausdruck die Tracht einer Prinzessin bezeichnet, steht fest, dass es ein auszeichnendes Kleidungsstück ist [...]“. In der Josefserzählung wird auch angenommen, dass Jakob seinem Sohn nicht nur ein schönes Geschenk machte, sondern dass er ihn dadurch von seinen Brüdern hinaushebt. [7] Von daher zeigt die Tora, dass seine Brüder ihn wegen der Vorliebe Jakobs hassten. לא יכלו דברו לשלום bedeutet, dass dieses Gefühl zum Vorschein kommt. Es fällt hier auf, dass die Brüder ihren Hass nicht auf Jakob werfen, sondern auf den jungen Bruder. Der Erzähler, laut Westermann, berührt damit eine Erfahrung, die bei den Hörern voraussetzen kann: „Der Hass des Zurückgesetzten richtet sich oft nicht gegen den ungerecht Vorziehenden, sondern gegen den Vorgezogenen. Kain wirft seinen Hass nicht auf Gott, sondern auf Abel, seinen Bruder, hinter dem er zurückgesetzt wurde“ [8] .

Es entsteht zu diesen Punkten der erste Hass auf Josef von Seiten seiner Brüder. „Als seine Brüder sahen, dass ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine Brüder, haßten sie ihn und konnten nicht, mit ihm ein gutes Wort mehr reden“(4). Sie äußerten ihre Hassgefühle durch grobe Redewendungen.

1.1.2.2 Josefs Traumvisionen:

Diese Träume gelten als Anstoß für die beginnenden Ärgernisse mit Josef “...Hassten se ihn noch mehr” (5). Josef sagt zu seinen Brüdern: “Hört doch, was ich geträumt habe“(6): „Wir banden Garben mitten auf dem Feld, meine Garbe richtete sich auf und blieb auch stehen. Eure Garben umringten sie und neigten sich tief vor meiner Garbe“(7). Und als bekannt offenbart sich, dass sich die Sonne, der Mond und elf Planeten ausschließlich vor ihm verbeugen wollen (9). Nachdem Josef seinen Brüdern den Traum erzählte, meint sein Vater, dass dieser Traum der Grund für den Ärger der Brüder sei. Deshalb rügt er ihn; dann fragt er ihn, ob er sich vorstellen wollte “sollen wir vielleicht, ich, deine Mutter und deine Brüder, kommen und uns vor dir zur Erde niederwerfen?”(10). Es wird in dieser Stelle eine neue Eigenschaft der Brüder erwähnt: „Seine Brüder waren eifersüchtig auf ihn, und sein Vater behält sich die Sache“(11). Neben der Eifersucht der Brüder, betont der Erzähler, dass die Vision in der Zukunft geschehen wird. Er weist auf den Fortgang der Geschichte, aber er lässt die Spannung weiter entwickeln. Er führt auch diese zweite Traumvision kürzer als die erste an, weil sie nur steigernde Ergänzung zum ersten ist, daher erscheint sie viel kürzer. [9] Diese beiden Träume sind einfach zu deuten, deswegen finden die Brüder keine Schwierigkeit sie zu verstehen, im Gegensatz zu den Träumen der Gefängnisgenossen und des Pharao, die einen erfahrenen Menschen brauchen um sie zu deuten.

In einer weiteren Szene schickt Jakob seinen Sohn Josef zu seinen Brüdern, um die Schafherde zu hüten. Er schickt ihn gerade nach Sichem, um sicher zu sein, dass seine Brüder und ihre Schafherde wohlauf sind. (12-14). Der Erzähler will Josef allein zu seinen Brüdern gehen lassen, damit der Hass der Brüder zur Tat werden kann. Wie es im Kapitel angedeutet wird, muss Josef gerade irregehen. Doch wird er danach von einem Mann in Dothan zu seinen Brüdern geleitet. Er wendet sich ihnen dabei zu ( 16-17). Bei dieser Erwägung handelt es sich, wie vorher, um die Unerfahrenheit Josefs, er will dieses Land und die Umgebung seiner Mitbewohner nicht zur Kenntnis nehmen. Mit dieser Zwischenszene zeigt der Erzähler, wie hilflos Josef ist, als er fern von seinem Vater ist. Die Ortsangabe hier ist sehr auffällig; Hebron liegt weit von Sichem, und diese Entfernung lässt die Forscher vermuten, dass Vers 14 eine vorher selbständige Literarangabe ist, die dem Zusammenhang nicht angehörte. [10]

1.1.2.3 Der Verkauf Josefs:

Die Brüder sehen Josef kommen und planen einen Mordanschlag gegen ihn (18-20). Um diesen Anschlag zu verhindern und Josef zu retten, beschwört Ruben die Brüder, ihn nicht zu töten, sondern ihn in eine Grube zu werfen (21-22). Der Erzähler versteht, dass das gewaltsam vergossene Blut eines Menschen zum Himmel um Rache schreit [11] , wie es in Gen. 4, 10 heißt: „Der Herr sprach: was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden“ [12] . Deshalb erscheint Ruben als der Retter Josefs und auch der Retter seiner Brüder, er nimmt die Funktion des Ältesten wahr. Sowie Josef ankommt, ergreifen die Brüder ihn, ziehen ihm das verhasste Kleid aus, werfen ihn in eine Grube und setzen sich zum Essen nieder. Während sie beim Essen sind, kommen midianitische Kaufleute vorüber, die Josef aus der Grube ziehen und ihn nach Ägypten bringen (28). Danach geht Ruben zu der Grube zurück und findet Josef nicht mehr vor. Das ist eine einheitliche und in sich geschlossene Szene. In den Versen 25, 26, 27 und 28 ist eine Variante gefügt: die Brüder sehen eine ismaelitische Karawane kommen (25). Da gibt Juda den Brüdern den Rat, Josef an die Karawane zu verkaufen, um zu verhindern, dass sie einen Mord an ihrem Bruder begehen (26-27). Hier erscheint Juda als der älteste der Brüder, der Josef aus dem Schicksal retten will. Seine Brüder hören auf ihn und verkaufen Josef für zwanzig Silberstücke an die Ismaeliter, (ca.230 g Silber, der übliche Preis für eine männliche Person zwischen fünf und zwanzig Jahren (Lv 27,5) [13] ). Hierin (25, 26, 27 und 28) liegt eine Erzählvariante vor. Es ist scheinbar Absicht des Erzählers, seinen Hörern zu erkennen zu geben, dass ihm zwei Versionen davon, wie Josef nach Ägypten kam, vorgegeben sind, und dass er beide zu Wort kommen lassen will.

Man merkt die beiden Textvarianten; die Ruben- Midaniter Variante und die Juda-Ismaeliter Variante. Es ist hier deutlich, dass es sich um zwei Darstellungen handelt.

1.1.2.4 Das Hemd des Blutes:

Die Brüder wollen jetzt ihre Tat verdecken. Diese Szene scheint, im Gegensatz zu der obigen, ganz einheitlich, es gibt keine Textvarianten, sondern nur eine Erzählung, die den zweiten Plan der Brüder beschreibt.

Als die Brüder Josefs Verlust schon zur Kenntnis genommen haben, versuchen sie ihren Vater dadurch arglistig zu täuschen, dass sie Josefs Hemd in das Blut eines von ihnen geschlachteten Ziegenbockes tauchen (31). Hier scheinen alle Brüder einig zu sein, keiner von ihnen hat diese Tat vorgeschlagen. Es scheint, dass der Erzähler die Tat selbst betonen will, im Gegensatz zum ersten Plan, wo zwei Personen den Vorschlag machten. Sie bringen das Hemd zu ihrem Vater. Dabei zeigt sich ihre Nervenstärke darin, ihr Gefühl zurückzuhalten, als ihr Vater feststellen will, ob das Kleid seinem Sohn gehöre. Jakob zerriss seine Kleidung; er war über den Verlust seines Sohnes für viele Tage(39) so tief traurig, dass seine Söhne und Töchter ihn zu trösten versuchten. Doch er lehnte ab und sagte: “Ich will trauernd zu meinen Sohn in die Unterwelt hinabsteigen” (35). Der Erzähler bringt wieder das Motiv des Kleids her, das in dieser Szene in einem traurigen Rahmen angeführt wird, und als Höhepunkt der Szene scheint Jakob sehr traurig, ohne daran zu zweifeln, dass sein Lieblingssohn gefressen wurde. Der Erzähler betont hier, dass das Ziel der Brüder unerreichbar ist. Die Brüder wollten Josef beseitigen, um die Liebe des Vaters nur für sich zu haben, aber Jakob enttäuscht sie mit seiner Trauer. Sie haben weder die Liebe des Vaters gewonnen, noch innere Zufriedenheit erreicht. Der Friede in der Familie Jakobs ist zerbrochen, niemand von der Familie ist zufrieden, und das Schicksal des Josef bleibt offen. Der Erzähler erhöht zum Schluss des Kapitels den Spannungsbogen, und erwähnt, dass Josef in Ägypten ankommt, wo er als Sklave verkauft wird.

Man kann die Ereignisse des Kapitel wie folgt einteilen: 1- Einleitung zur Josefserzählung, und die Träume des Josef, 2- Die Tat der Brüder gegen Josef 3- die Trauer Jakobs und das Zerbrechen des Friedens in der Familie. Durch diese Einleitung versucht der Erzähler die Jakobserzählung mit der Josefserzählung zu verbinden, um den Hörern die Ähnlichkeit zwischen Jakob und Josef im Bezug auf die Lebensereignisse zu verdeutlichen. Der Erzähler führt verschiedene Textvarianten an, einerseits um die Rolle der Brüder (Ruben und Juda) zu verdeutlichen, anderseits um die Spannung in der Geschichte zu erhöhen. Als verborgene Erziehungslehre begründet der Erzähler den Hass der Brüder mit der Vorliebe des Vaters für den jungen Sohn.

1.1.3 Josef in Ägypten:

Vermerk: Im Laufe des 38. Kapitels führt man, von den Berichten über Josef abweichend, einen neuen, mit der Geschichte Josefs zusammenfallenden Tatbestand aus. So kann man sagen “und jene Zeit verließ Juda seine Brüder und begab sich hinunter zu einem Mann...”(1), Das bedeutet, dass sich Juda von seinem Vater und seinen Brüdern getrennt hatte, und an einen anderen Ort ausgewandert war. Erst bei seiner Trennung, wie das Kapitel erklärt, handelt es sich schon um eine Auslegung und ein Ziel, nach dem Juda strebt. Allerdings weist das nicht mehr auf den Verkauf Josefs als Ursache hin. Verständlicherweise befasst sich das Kapitel mit den beiden Fristen in Josefs Leben mit seiner Familie in Kanaan und seinem Alleinleben in Ägypten.

Zur Sklavenfrage wird mitgeteilt, dass Sklaven im eigentlichen Sinne als Sache und Ware in Ägypten kaum vor dem neuen Reich nachzuweisen sind und, dass sie dann auf dem Wege über Kriege und Kriegsgefangenschaft ins historische Bild treten. Aufgrund der Feldzüge der Pharaonen in Syrien ist es kein Zufall, wenn ägyptische Sklaven besonders aus syrischer Provenienz zu sein scheinen. [14]

1.1.3.1 Josef bei Potifar: (Gen. 39,1-23)

Mit dem Kapitel 39 beginnen neue Perspektiven im Leben Josefs, und eine neue Epoche in der Josefserzählung. Diese Geschichte ist eine Erzählung über den Aufstieg Josefs in Ägypten, der als Sklave verkauft wurde, und im Laufe der Geschichte besitzt er eine hohe Stellung am Hof des Pharao. Abweichend vom Textablauf im Kapitel 38 fügen die Berichte über die Geschichte von Josef am Anfang des Kapitels 39 neulich wieder hinzu, dass Potifar, der Eunuch des Pharao סריס [15] Josef von den Ismailiten kaufte(1). Eine Begründung dieses Berichts wirkt sich hier bereits als Auseinandersetzung mit den ihn Verkaufenden aus. Zuerst wurde im Kapitel 37 erzählt, dass die Ismailiten Josef nach Ägypten holen. Dennoch wird im vorliegenden Kapitel angeführt, dass die Medianiten allein ihn an Potifar verkauften. Gewiss wird am Anfang des Kapitels 39 erzählt, dass Potifar ihn von den Ismailiten kaufte. Der Erzähler meint sicher, dass es eine Verwechslung (zwischen den Midianiten und den Ismailiten) gibt, aber er begründet sie nicht. Man kann behaupten, dass er diese Szene als weitere Erklärung für 37,28 sieht, wo die Ismailiten ihn von den Medianiten gekauft haben.

Zum ersten Mal deutet das Kapitel - vom Anfang der Josefs Geschichte an - auf die Vorsehung Gottes mit Josef hin, sodass er immer erfolgreicher ist, wie Potifar das selbst erkennen konnte: “Sein Herr sah, dass der Ewige mit Josef war und dass der Ewige alles was er unternahm, unter seinen Händen gelingen [16] ließ. So fand Josef sein Wohlwollen, und er durfte ihn bedienen.“ (3-4). Es ist hier anzumerken, dass die überwiegenden Motive in den anderen Erzählungen der Patriarchen die Auserwählung, der Segen und der Besitz des Landes sind, aber als Motiv hier erscheint die göttliche Vorsehung. Man findet hier keine göttliche Erscheinung mehr, bei denen Gott unmittelbar in die Ereignisse einwirkt, wie noch in die Geschichten der Patriarchen, wo Gott immer erscheint, zum Beispiel als rauchender Ofen, Feuerfackeln (Gen.15,17), als Ringkämpfer (Gen.32,25-33) oder als Fremdling (Gen.18,1-16) [17] . In der Josefserzählung aber wirkt Gott auf Abstand, er greift nicht ein, lenkt aber die Ereignisse [18] . Gott kommt in der Josefserzählung nur mehr in interpretativen Sätzen vor, wie z.B.: Gen.39,9; 41,38; 42,28, so man kann diese Erzählung als menschliche Geschichte betrachten. Rüdiger Lux sagt, dass Josef eine andere Tradition und andere Religion in Ägypten traf, wo es verschiedene und fremde Götter gab. Deshalb betont die Geschichte mit dem Eintritt Josefs in das Haus Potifars: „Der Ewige war mit Josef...“ (39,2). [19] Hinsichtlich der Einstellung Potifars zu Josef, was Gottes Vorsehung betrifft, kann man verstehen, dass Potifar wirklich an Gott glaubte. Ferner muss aus dieser gläubigen Formulierung auf die glückliche Einstellung Josefs geschlossen werden, wobei das in keinem Bezug zum Glauben Potifars steht. Somit erhebt sich sein Rang. Josef übernimmt schließlich alle Sache in Potifars Palast und „Er ließ seinen ganzen Besitz in Josefs Hand und kümmerte sich, wenn Josef da war, um nichts als nur um sein Essen“ (6). Dieses Vertrauen darf sich auf die Segnungen, Gnaden und Wohltaten für sein Haus, Heimat, Äcker und Ernte beziehen. Es ist für den Erzähler eine selbstverständliche Sache, dass der Segen von dem, mit dem Gott ist, überströmen kann auf den einem fremden Volk und einer fremden Religion Angehörenden um dessentwillen, mit dem Gott ist. [20]

Der erste Aufstieg im Leben Josef ist schon geschehen, und der Erzähler beendet diese Szene mit der Betonung auf Gottes Fürsorge für Josef, der nun eine „Pause“ haben kann bis die zweite kritische Situation kommt.

1.1.3.2 Josef und seine Herrin:

Der Bibeltext leitet dieses Thema ein, indem es die folgende Stelle ausführt: “Josef war schön von Gestalt und Ansehen“ (6). Das gilt als Grund, dass seine Herrin ihn liebte. Diese Liebe führte fast zur Hurerei, indem sie ihn zur Unzucht verleiten wollte “lege dich zu mir” (7). Begrifflich kann man in der Erzählungsabkürzung keine Initiative für eine Tändelei oder Liebschaft mit Josef bemerken. Für die Herrin dürfte es unnötig sein, sich für eine Verdrängung der Liebschaft zu begeistern, sondern sich einfach einer Sklavenperson gegenüber zu äußern. Deswegen hatte sie ihn zum Beischlaf befohlen, und er musste ihren Befehl durchaus einhalten. In dieser Lage ist er für die liebevollen und zärtlichen Empfindungen nicht zugänglich, die sich in einem sklavischen Diener offensichtlich äußern. Josef aber widersetzt sich dieser Verführung der Frau seines Herrn. Er erinnert sie an seinen Rang vor seinem Herrn, der ihm keine Vergünstigungen entzog, indem er ihm all seine Palastsachen zur Verfügung stellte. Wie sollte er ihn verraten? Wie durfte er sich Gott gegenüber ungehorsam verhalten? Oder wie er sagte: „Wie könnte ich ein so großes Unrecht begehen und gegen Gott sündigen?“ (9). Er ist hier mit einer Gottesfurcht dafür ausgestattet worden, sich nicht gegen Gottesrecht zu vergehen. Erst bei dieser ehrfürchtigen Handlung handelt es sich gerade um den Glauben des Josef. Bei einer Gelegenheit versucht seine Herrin einmal Josef ihre unzüchtige Lust aufzuzwingen. Sie ergreift ihn an seinem Kleid und sagt: “lege dich zu mir”. Er kann ihrem Griffe entfliehen und sein Kleid in ihrer Hand lassen. Plötzlich findet sie es in ihrer Hand und fürchtet sich vor einer Beschuldigung. Sie ruft ihre Familienmitglieder zusammen und sagte mit einer lauten, klingenden Stimme: “Seht ihr das, ein Hebräer kam herein, uns zu verspotten. Als er meine laute und schreiende Stimme gehört hatte, ließ er sein Kleid liegen und entfloh plötzlich“ (12-15). Zur stärksten Beschuldigung Josefs legt sie sein Kleid neben sich, selbst als sein Herr ankommt (16-17). Es wird erwähnt, dass die Frau Josef verführen will und dabei kein Mensch zu Hause ist, gleichzeitig hebt der Bericht jedoch hervor wie die Frau ihren Haushalt mit Schreien zusammenruft. Diesbezüglich darf darüber nachgedacht werden, ob das Haus im ersten Absatz ihr Schlafgemach oder das Schloss bedeutet, das damals aus vielen Häusern, aber hauptsächlich aus der Wohnung des Palastherrn besteht; und darum gab es verschiedene Gebäude für Diener und Gäste. Folglich kann man die Leute des Hauses als Diener und Gefolgschaft verstehen.

Mit dem Kleid, das Josef fallen lässt, als er flieht, ersinnt sie falscher Weise in ihrer betrügerischen Verschwörung eine Evidenz für die Beschuldigung gegen ihn. Selbstverständlich erzürnt das seinen Herren sehr heftig (19). Er will ihn dafür bestrafen, weil er seine Unschuld nicht erkennen kann. Tatsächlich fällt dabei auf, dass man die Frau nicht mehr als seine Ehefrau beschreibt. So ist in der Geschichte nicht nur vom Titel “die Ehefrau des Potifar“, sondern bloß von „der Frau” die Rede. Damit kann man begreifen dass seine Frau womöglich selbst der sklavischen Herkunft entstammte, obwohl sie schon eine Hauptfrau im Palast wurde.

Dass Potifar als Eunuch bekannt war, braucht eine sorgfältige Auslegung, indem man versteht, dass ein Eunuch nicht heiraten kann... Mit dem Zorn des Potifar wegen der Verleumdung seiner Frau, wird Josef ungerecht ins Gefängnis gebracht, wo die Häftlinge des Königs inhaftiert werden (20). Das bedeutet, dass Josef als Häftling des Königs verhaftet wird.

Zum zweiten Mal kommt die Gottesvorsehung mit einer fürsorglichen Einstellung zum Vorschein, indem der Gefängnisvorsteher Josef die Aufsicht über die Häftlinge anvertraut. “Der Gefängnisleiter vertraute Josef alle Gefangenen im Kerker an. Alles was dort zu besorgen war, musste er tun“ (23). Die göttliche Vorsehung bestimmt es, dass Potifar ihm alle seine häuslichen Angelegenheiten, und dieses Mal, dass der Gefängnisvorgesetzte ihm auch alle Angelegenheiten der Gefangenen anvertraut hatte.

Von der Szene mit der Frau kann man behaupten, dass der Erzähler die Geschichte von den zwei Brüdern [21] kannte und daraus ein eigenständiges Kunstwerk machte. Laut Westermann hat der Erzähler in der Josefsgeschichte die ägyptische Erzählung zu einer eigenständigen Episode abgewandelt und sie seiner größeren Erzählung als ein Glied eingefügt. [22]

1.1.3.3 Josef im Gefängnis: (Gen.40,1-23)

Kapitel 40 beginnt mit dem Königszorn über seinen Obermundschenk und seinen Bäcker wegen ihrer Übeltaten. „Pharaoh ärgerte sich über seine Eunuchen, den Mundschenk und den Bäcker, und ließ sie in der Haft der Wächter des Hauptmannes, im Gefängnis, wo Josef eingesperrt war, wo er nun immer mehr zu ihrem Bedienten ernannt wurde“ (1-4). Zwar ist in dieser Geschichte vom königlichen Zorn über seine Gefolgschaft die Rede, aber nicht von ihrem Vergehen. Freilich hat man den Wortausdruck “Eunuch” für eine Nennung der beiden zur Verwendung. So kann man fragen, ob alle in der Palastmannschaft nur Verschnittene waren. Vielleicht, aber wahrscheinlich dürfte dieser Wortausdruck eine andere Bedeutung haben. Dass man auf den Obersten der Wache ohne seinen Namen hinweist, macht es verständlich, dass Potifar Josef im Gefängnis beobachtete, weil er ihn mit den beiden Häftlingen verhaftete. Erst im wichtigsten Teil der Erzählung berücksichtigte der „Polizeivorgesetzte“ nochmals die Angelegenheit des Josef, indem er ihn zur Bedienung der beiden Gefangenen einsetzte. So wird angedeutet, dass jeder von ihnen einen höheren Rang als er hatte. Trotzdem bleibt ihre Anklage noch immer unklar. Doch pflegt er Josef zu ihrem Bedienen zu bestellen. Der Erzähler bereitet mit dieser Szene einen neuen Aufstieg für Josef vor, nach seinem Sturz. Er bringt Nebenfiguren, die als Hilfsmittel zu sehen sind, Josef aus dem Gefängnis zu entlassen. Eines Morgens kommt Josef zu dem Bäcker und dem Mundschenk und findet sie beklemmt und betrübt (6). Da fragt er sie nach der Ursache ihrer Beklemmtheit. Sie sagen, dass sie einen Traum hatten und einen finden wollten, der ihn richtig auslegen könne (8). Er bittet um eine Schilderung der Träume, damit Gott ihn etwa zur Traumdeutung erleuchten wolle. Der Mundschenk erzählt seinen Traum wie folgt: „Ein Weinstock mit drei Ästen, und er, wie er grünte, trieb er Blüten, und dessen Trauben reifen zugleich aus. Er pflückt und keltert die Trauben, und der Saft im Kelch wird dem Pharaoh serviert. Der Kelch steckt in seiner Hand. Josef deutet die drei Äste als drei Tage, nach deren Ablauf er aus dem Gefängnis entlassen werde. Und seine Arbeitstätigkeiten wieder wie zuvor ausführen könne. Er bittet den Mundschenken, ihn danach vor dem Pharaoh zu erwähnen, damit er aus dem Gefängnis, aus seiner ungerechten Haft entlassen wird, da er aus dem Land der Hebräer entführt worden war.“ (Zusammenfassung der Verse 9-15). Auffällig erklärt der Erzähler über Josef sicher und gewiss, dass er aus dem Land der Hebräer entführt wurde, während die Geschichte damit anfängt, dass sich Jakob in einem fremden Land Kanaan” aufhält (K37). Das Land ist wirklich Kanaan, wie kann man dann sagen, dass es ein Land der Hebräer sei?

Der Bäcker bewundert die Traumdeutung des Josef als gute Nachricht und erzählt ihm daher seinen Traum wie folgt: Er trägt auf seinem Kopf drei Körbe, die je mit seinen gebackenen Broten des Pharaos voll sind, „Im obersten Korb war allerlei Backwerk für die Tafel des Pharao” (Gen. 40,17). Josef deutet die drei Körbe als drei Tage, nach deren Ablauf er aus dem Gefängnis entlassen, wird doch an einem Balken aufgehängt wird so dass die Vögel sein Fleisch auffressen können. Zu beobachten ist hier, dass sich die beiden Träume in einer Nacht abgespielt haben und Josef ihre Deutung am nächsten Morgen versucht. Folglich dient der dritte Tage dem Mundschenken zum Wohlergehen und Segen, jedoch gleichzeitig dem Bäcker zur Trübsal und Beklemmtheit. Bei der Ähnlichkeit der Träume handelt es sich sicher um eine einzige Deutung, die nur auf die Fähigkeit und meisterhafte Leistung des Traumdeuters zurückzuführen ist. Es ist hier anzumerken, dass die Träume in 37Kapitel ganz deutlich waren, und keiner Deutung bedurften, aber die Träume der Hofbeamten scheinen eine Deutung zu erfordern. Hier geht der Erzähler Schritt für Schritt mit dem Wuchs der Fähigkeit Josef die Träume zu deuten, und bereitet den Weg, um den wichtigen und den schwersten Traum des Pharao zu deuten. Bei der Begehung des Geburtstages des Pharao, am dritten Tage, nachdem Josef seine Traumdeutung machte, hält der Pharao ein Gelage für seine Untertanen (20). Zugleich bewahrheitet sich die Vorhersage des Josef, dass der Mundschenk wieder seine vorherige Stelle einnehmen könne und der Bäcker sich hoch zur Kreuzigung aufhängen lassen musste.

1.1.3.4 Pharaos Traumvision: (Gen.41,1-57)

Kapitel 41 beginnt mit dem Traum des Pharao, zwei Jahre nach der Verwirklichung der früheren Träume, indem der Pharaoh einen Traum sieht, in dem er auf am Nil, steht, als sieben Kühe aus dem Wasser steigen...bis zum Ende des Traums. Dann wacht er auf (4) und schläft wieder ein. Dieses Mal sieht er in einem anderen Traum (5), dass sieben Ähren wachsen...bis zum Ende des Traums. “ Das stört ihn als er aufsteht. Er ruft alle Weisen und Traumdeuter Ägyptens zusammen um seine beiden Träume zu deuten. Jedoch kann sie keiner auslegen.” (8).

In diesem Kapitel zeigt sich, dass die Steigerung des Erzählungsbogen eindeutig ist: Der König hat zwei Träume, die niemand aus seinem Gefolge zu deuten vermag, bis sich der Mundschenk an Josef, der im Gefängnis ist, erinnert und dem Pharao von dessen Fähigkeiten erzählt (9-12). Dann wird Josef zum König geführt, dem er die Träume des Pharao deutet (14-16), gleichzeitig erteilt er Ratschläge, um den Folgen der Hungersnot abzuhelfen [23] . Josef erklärt dem Pharaoh seinen Traum als einen einzigen Traum. Er schiebt das Deutungsvermögen Gott zu: „Gott sagt dem Pharao an, was er vorhat” (25). Wie bekannt legt er den Traum mit einer Begründung der zweimaligen Ansicht aus: “dass aber der Pharao gleich zweimal träumte, bedeutet: die Sache steht bei Gott fest, und Gott wird sie bald ausführen” (32). Der Erzähler legt diese Szene im Rahmen des Glaubens, besonders vor dem Pharao, aus, da er einmal sagt, dass Gott dem Pharaoh weissagen wolle. So vertrauensvoll sagt er: „Gott bestimme es“, „Alles spielt sich danach ab, wie ich berichtete. Gott werde schnell seine Zielsetzung verwirklichen“. Dieses Wegweisen von Josef auf Gott zeigt das erzählende dargestellte Gotteslob, das Gott die Ehre gibt in seinem Wirken an den Menschen; er ist es, der die verworrenen und verkehrten Wege der Menschen zu einem guten Ziel bringt [24] . Die zentrale Botschaft dieser Kapitel ist, dass nur Gott die wahren Deutungen der Träume eingeben kann, und zwar mittels charismatischer, inspirierter Menschen, deren Amt dem der Propheten ähnlich ist [25] .

1.1.3.4.1 Die Vorbereitungen für die kommende Krise, wie Josef sie vorschlägt:

Die Deutung der Träume ist, wie in der Bibel dargestellt, Gotteswort. Josef betont, dass er nur mit Gotteshilfe die Träume deuten kann. Diesen theologische Rahmen findet man nicht in der Szene, in der Josef die Vorschläge gegen die Hungersnot erwähnt, sondern dieser Teil von der Erzählung gehört zum menschlichen Bereich, [26] wo die Weisung, die Josef an den Pharao gibt, nicht mehr Gotteswort, sondern menschliche Überlegung ist. Josef schlägt vor: “...Nun sehe sich der Pharao nach einem klugen, weisen Mann um und setze ihn über Ägypten. Der Pharao möge handeln: Er bestelle Bevollmächtigte über das Land und besteuere Ägypten mit einem Fünftel in den sieben Jahren des Überflusses. Die Bevollmächtigten sollen alles Brotgetreide der kommenden guten Jahre sammeln und auf Weisung des Pharao Korn aufspeichern; das Brotgetreide sollen sie in den Städten sicherstellen. Das Brotgetreide soll dem Land als Rücklage dienen für die sieben Jahre der Hungersnot, die über Ägypten kommen werden. Dann wird das Land nicht an Hunger zugrunde gehen.“ (33-36).

Josef schlug vor, dass ein weiser Mann als Beauftragter ernannt werden müsse, den Ackerbau und die Ernte zu überwachen. Allerdings meint er nicht, dass nur er der Einzige für diese Funktion sei.

Josef schlägt es auch als sinnvoll vor, dass manche Assistenten als Hilfen zur Aufsicht der Ackerangelegenheiten bestellt werden sollten. So darf man es als selbstverständlich annehmen, dass der Beauftragte nicht mehr ganz allein überall seine Berufspflichten leisten konnte.

Wie er dazu geraten hatte, sollte man ein Fünftel der Weizenernte sparen und vier Fünftel könnte man dem jährlichen Verbrauch im Allgemeinen zuweisen.

Die Aufspeicherung sollte besonders in den Städten empfohlen werden, weil man hier die Kontrolle hat, ihre Verwaltung gut durchzuführen. Dabei wäre es allen Leuten möglich, sich Getreidekaufstellen zuzuwenden oder sie vom Staat als Gabe anzunehmen.

1.1.3.4.2 Der Pharaoh ernennt Josef als seinen Stellvertreter:

Der Pharaoh bewundert die Aufspeicherungsordnung des Josef und lobt ihn vor seinen Knechten als er sagt: ”Finden wir einen Mann wie diesen hier, einen, in dem der Geist Gottes wohnt?“ (38). Dann sagt er dem Josef: “Nachdem Gott dich all das hat wissen lassen, gibt es niemand, der so klug und weise wäre wie du“ (39). “Du sollst über meinem Hause stehen, und deinem Wort soll sich mein ganzes Volk beugen.“ (40). Während seinem Gespräch mit Josef beschließt er, ihn als Hauptmann im Palast einzusetzen (41-44). Dass er ihm bereits über das ganze Land von Ägypten gebieten lässt, bedeutet, dass er als Regierungsstellvertreter eingestellt wurde. Dadurch gesteht er Josef als Machthaber einen weiteren Befehl zu, dem alle Ägypter zu befolgen haben, wie Pharao sagt: ”Ohne dich soll niemand seine Hand oder seinen Fuß regen in ganz Ägypten.“ Es ist hier merkwürdig, dass der Pharao an die Ausdeutung der Träume glaubt, ohne zu warten bis sie wahr werden. Aber man kann vermuten, dass die Träume den Pharao sehr aufregten, bis er alle Deutungen annehmen kann, insbesondere die ausführliche und klare Deutung Josefs.

Hayes & Miller meinen, dass man alle Träume, die in den alten Geschichten des Nahen Osten und im Alten Testament vorkommen, immer als selbstverständlich betrachtete. Deswegen lässt der Erzähler in der Josefsgeschichte den Pharao die Deutung als Wahrsagen betrachten [27] . Und als zeremonielle Verehrung wird der hochrangige Machthaber durch einen königlichen Gruß ehrwürdig behandelt, indem sich alle Leute bei Vorbeifahren seines Gefährtes vor Josef verbeugen müssen.

1.1.3.4.3 Josef, der Ägypter:

Die Notwendigkeit, Josef zu ägyptisieren, besteht freilich in seinem hochrangigen Amt als Stellvertreter des Pharao, welcher ausschließlich nur den ägyptischen Hochbeamten angehören darf. Damit nennt ihn der Pharaoh mit einem neuen Namen als צפנת פעניח und gibt ihm אסנת = (Der Göttin Neith zugehörig), die Tochter von פוטי פרע = (Der, den Re gab) [28] zur Ehefrau(45). Manche Forscher sehen den neuen Namen “צפנת פעניח“ als keinen ägyptischen Namen an. Jedoch halten ihn die die Wissenschaftler für eine Umstellung der ägyptischen Bildung “Gad Pant Rauf Ankh“, welche “Der Herr sagt, dass er leben müsse” bedeutet [29] , wohingegen die europäischer Forscher meinen, dass dieser Name nur bedeutet: „Gott spricht und er lebt“. Diese Deutung ist fast allgemein angenommen worden. [30] Dass der Pharao Josef mit Asnath, der Tochter von פוטי פרע, dem Priester von On verheiratet, betont sicherlich eine starke Gemeinsamkeit der Staatsmacht und der klerikalen Macht im Hause Josefs. Wahrscheinlich will der Pharao der geistlichen und theologischen Eigenschaft Josefs Aufmerksamkeit schenken.

Andere Forscher halten „פוטי פרע“ als ägyptischen Namen für eine Umstellung der ägyptischen Bildung “Pa Di Pa Raa”, welche “Raa Geschenk” meint.

Merkwürdig ist hier, dass eine starke Analogie des Namens ”Potifar“, des früheren Polizeivorgesetzten, und seines vorherigen Herrn mit der umgestellten Aussprache פוטי פרע zu bestehen scheint. Allerdings es wird in der Tora betont, dass den Namen der Beiden eine verschiedene Bildung zugrunde liegt.

1.1.3.5 Die Hungerjahre:

Der Erzähler verkürzt die Zeit, um sein Ziel zu erreichen. Er lässt Josef, gerade nach der Szene des Heirat, zwei Kinder haben, deren Namen im Volk Israel einen hohen Klang erhalten sollten: Ephraim und Manasse [31] , die eponymen Helden der beiden Hauptstämme des Nordens [32] . Die Deutungen, die Josef den Namen seiner Kinder gibt, sind von deren Wortsinn weit entfernt, sodass sie nicht als Erklärungen der Namen gelten können. Der Erzähler will durch diese Deutung der Namen sagen, was seine Kinder ihm bedeuten. Josef verbindet damit Gotteslob und die Ereignissen seines Lebens [33] . In den beiden Namen wird Gott als Retter aus der Not und als der Segnend-Mehrende [34] gelobt.

Nach Ablauf der Jahre des Wohlstands kommen die sieben Hungerjahre, wie Josef weissagte, und die tödliche Dürre überfällt die Nachbarländer, so dass das Volk mürrisch und verdrießlich in Aufruhr steht. Dennoch hat Ägypten übermäßig Brot. Deshalb wird es kaum von der Dürre berührt. Somit befiehlt der Pharao dem Volk sich Josef zuzuwenden. Er öffnet die Kornspeicher, um den Ägyptern Nahrung zu verkaufen. Mit der andauernden Hungersnot brechen die Leute aus allen Ländern nach Ägypten auf, um bei Josef Getreide zu kaufen. (Gen. 41,57). Die Erzählung des 41. Kapitels beschließt die Berichte über die Schwierigkeiten verschaffende Hungersnot und Josefs Handlungen zur Krisenerleichterung für die Ägypter.

1.1.3.6 Jakob schickt seine Söhne um Getreide zu kaufen(Gen.42, 1-38)

Kapitel 42 beginnt mit dem folgenden Bericht: Als Jakob keine Nahrung mehr hat, trägt er seinen Söhnen auf, nach Ägypten zu reisen (V.1). So kommen nur seine 10 Söhne ohne Benjamin. Die Söhne Israels kommen aus dem Lande Kanaan mit anderen nach Ägypten, um einen Ort der Rettung aus der Dürre zu finden. Da Josef der Machthaber für Speisen ist, müssen sie selbstverständlich vor ihn treten. “Sie warfen sich vor ihm mit dem Gesicht zur Erde nieder”. Josef erkennt sie, obzwar sie ihn nicht erkennen können. “Er fuhr sie barsch an” (7). Josef erinnert sich an das, was er von ihnen geträumt hatte. (9) Er beschuldigt seine Brüder als Spione, aber sie verneinen das und sagen: ”Ihre Knechte sind keine Kundschafter” (11). Er beharrte zähe auf seiner Beschuldigung. Sie erzählen ihm von ihrer Lebenslage, dass sie 12 Brüder eines einzigen Vaters seien (13). „Wir haben einen kleinen Bruder bei unserem Vater und einen anderen verlorenen Bruder.“ Über Maßen hinaus besteht Josef auf ihren Ausspähungsplänen und fordert ihre Überprüfung. Jetzt besteht eine mögliche Gelegenheit für eine Forderung, Benjamin herbeizuholen. Wie er sagt: “Beim Leben des Pharao! Ihr sollt von hier nicht eher loskommen, bis auch euer jüngster Bruder da ist“ (15). Um ihre Wahrhaftigkeit zu ermitteln, braucht er nur einen zu verhaften, als Sicherheit, dass sie Benjamin herbeiholen.

Mit der Begegnung der Brüder in Ägypten kommt die Geschichte zu einem ihrer Höhepunkte: der Kreis, der in Kapitel 37 mit dem Verkauf Josefs geöffnet wurde, schließt sich hier zum ersten Mal [35] . Es ist auch zu merken, dass die Brüder Josefs ihn nicht erkennen, weil er sich jetzt mit einer Tracht des ägyptischen Hochadels bekleidet. Wahrscheinlich redet man ihn mit seinem ägyptischen Name an. Wie könnten sie ihren Bruder Josef erkennen, dessen Hemd zerrissen und der in den Schacht geworfen wurde? Durch eine List lässt er sie ihre Lebensgeschichte erzählen und seine Spähbeschuldigung rührt sie peinlich an. Folglich wird er über ihre Anzahl und ihren verlorenen Bruder informiert. Jetzt hat er einen Beweis für ihre Wahrhaftigkeit und eine Garantie, dass sie Benjamin herbeiholen. Josef kommt seinen Brüdern nach Simeons Verhaftung bei Erfüllung ihrer Getreidebestellung entgegen. Er befiehlt, ihr Silbergeld zurückzugeben und sie mit Reiseproviant auszustatten (25). Dann laden sie das Getreide auf ihre Esel und ziehen nach Kanaan weiter. Bei ihrer Heimkehr finden sie ihr Silbergeld, erschrecken darüber und bekommen Furcht. Ferner müssen sie sich bei der Rückkehr aus Ägypten vor Zurechtweisung fürchten, da sie den Getreidekaufpreis nicht erstatteten. “Während sie nun ihre Säcke leerten, stellten sich fest: jeder hatte seinen Geldbeutel im Sack. Als sie und ihr Vater ihre Geldbeutel sahen, bekamen sie Angst.“ (35)

Das deutet Silbermünzen als Geldmittel und den Esel als Transportmittel an, der er dabei von ihnen gebraucht wurde, um einen Abstand von mehr als hundert Meilen zurückzulegen. Natürlich gab es damals Raststationen auf diesem langen Weg. In diesem Zusammenhang spiegelt die biblische Geschichte auch eine Situation wider, die um die Zeit der Herrschaft des Ramses liegen kann. Esel waren zu dieser Zeit als Transportmittel bekannt, wie im Chnumhotep-Grab in Bani Hassan dargestellt wird, wie Syro- Palästinensische Nomaden ihre Ware auf Eseln abtransportieren. [36]

1.1.3.7 Benjamin in Ägypten: (Gen.43,1-34)

Anfänglich wird in Kapitel 43 über die sich sehr verschärfende Hungersnot gesprochen. Das von den Söhnen Jakobs in Ägypten besorgte Getreide erschöpft sich. Da spricht ihr Vater zu ihnen, wieder nach Ägypten zurückzukehren, um Speisen zu kaufen. Allerdings fordern sie ihn auf, Benjamin nach Ägypten mitzuschicken. “Der Mann hat uns gesagt: kommt mir ja nicht mehr unter die Augen, wenn ihr nicht euren Bruder mitbringt” (5). Israel tadelt sie dafür, dass sie diesen Mann über Benjamin informierten. Aber Juda sagt: “Ich verbürge mich für ihn; aus meiner Hand magst du ihn zurückfordern.” (9). Die Söhne Jakobs kommen nach Ägypten mit ihren Geschenken, Benjamin und dem doppelten Silbergeld und treten vor Josef hin. Nachdem er Benjamin sah, befiehlt er seinem Hausaufseher, sie eintreten zu lassen und anzuordnen, dass für ein Mittagessen mit ihm geschlachtet werde. Doch sie fürchten sich wegen Schimons Einsperrung davor. Als sie dem Aufseher ihre Sache erklären, holt er Schimon heraus. Als Josef hereingekommen war, bringen sie die Geschenke dar und beugen sich vor ihm nieder. Er fragt sie nach ihrem Vater. Sie sagen: “Unserem Vater geht es gut.” (28). Er erblickt Benjamin und fragt nach ihm. Folglich sagt er: “Gottes Gnade sei mit dir, mein Sohn.” (29). Dennoch überwältigt ihn das Weinen. ”Er zog sich in die Kammer zurück, um sich dort auszuweinen.“ (30). Er kommt danach wieder herein und fordert seine Diener auf, ihnen jedoch allein, getrennt von den Ägyptern, eine Mahlspeise darzubringen, weil es bei den Ägyptern als unschicklich gilt, mit den Hebräer zu essen (32). Aus diesem Kapitel kann man über die Ernte des Lands Kanaan Bescheid wissen; wie etwa über Honig, Pistazien und Mandeln, die nicht überall in Ägypten bekannt waren. So gaben sie sie Josef als Geschenke. Die anderen Produkte: Harz, Gummi und Ladanum sind nicht gängige Produkte Palästinas, darum werden sie mitgeführt von einer Ismailitenkarawane (Araber). [37]

Zu Anfang des Kapitels 44 befiehlt Josef seinem Hausaufseher, in ihre Säcke Getreide einzufüllen und ihr Silbergeld zurückzugeben. Zugleich befiehlt er ihm auch, seinen Silberkelch in den Sack seines Bruders Benjamin hineinzustecken. Beim Untersuchungsvorgang des Benjaminssackes in der letzten Reihe wird der Becher darin gefunden: ”Der Becher fand sich im Sack Benjamins.” (12). Sie kehren deswegen in die Stadt zurück, und Juda und seine Brüder treten vor Josef hin: “Sie fielen vor ihm zur Erde nieder.“ (14). Dabei erklärt Juda dem Josef die Geschichte Benjamins seit ihrem Anfang und die Gesinnung ihres Vaters zu ihm. So könnten sie keineswegs ohne ihn heimkehren “Komme ich an meinen Vater ohne ihn an, wird er sterben (20-21). Dafür schlägt Juda vor, anstelle Benjamins ihn einzusperren. ”lass deinen Sklaven anstelle seiner einsperren und ihn mit seinen Brüdern heimkehren. Sonst muss das unseren Vater, den Sklaven meines Herrn, tödlich schockieren“ (23-24). Hier wird klar geschildert, wie sorgfältig Josef seine Planung ausgedacht hatte, um seinen Bruder Benjamin einzusperren. Sie kommt wirklich der ersten Planung, ihn hinzubringen, als zweite hinzu. Wie es die Schilderung durch die Anrede ”Mein Herr” an Josef und seinen Hausaufseher, und sich selbst als ”dein Sklave oder deine Sklaven” deutlich ausführt, ergeben sie sich dem Josef bei der Verbeugung untertänig und fügsam. Wenn Juda die Wendung ”mein Vater als dein Sklave” gebraucht, darf man das für dieses Zeitalter als konventionelle Redensart der Untertänigen und als fügsame Haltung bezeichnen.

1.1.3.8 Josef gibt sich zu erkennen: (Gen.45, 1-28)

Erst in Kapitel 45 wird die Haltung Josefs in diesem rührenden Ereignis geschildert: ”Josef vermochte sich... nicht mehr halten und rief: Schaft mir alle Leute hinaus. Die Ägypter hörten sein weinendes Geschrei, während er zu seinen Brüdern sagte: “Ich bin Josef, lebt mein Vater noch” (2-3)- überraschend versetzt das seine Brüder in Erschrecken. Sogleich mahnt er sie an ihre sündige Tat, da sie ihn verkauften. Doch sie bereuten sie. Das war eine Vorsehung Gottes, um ihr Leben bei Errettung aus der Hungersnot zu erhalten. Er gedenkt der Gottesgnade: “Er hat mich zum Vater für den Pharao gemacht, zum Herrn für sein ganzes Haus und zum Gebieter über ganz Ägypten.“ (8). Er befiehlt ihnen, zu ihren Vater zurückzukehren und ihm mitzuteilen, dass Gott ihn als einen Vorherrscher über ganz Ägypten bestimmte. So sollten sie ihm mit der Zunge Josefs eine Nachricht übermitteln, “Komm hierher in meiner Nähe mit deinen Söhnen, Enkeln, Schafen und Viehes in Goschen, weil fünf Hungerjahre kommen werden“ (9-11). Dann bittet er seine Brüder, sich so schnell wie möglich nach Ägypten zu begeben.

Darf man nun über die Aussage des Josef: ”Er hat mich zum Vater für den Pharao gemacht“ nachdenken, so gibt es drei Standpunkte; Erstens, dass der Pharaoh damals noch jung war. Zweitens: Dabei handelt es sich gewiss um eine geistige Vaterschaft als Folge seiner königlichen Traumdeutung. Freilich war Josef ein geistiger und gesegneter Mann. Drittens kann die Vaterschaft auf eine Eigenschaft eines königlichen Kanzlers hinweisen, indem der König sich an Josef um Beratung in allen Sachen wandte. Morenz meint, dass es sich um eine Wiedergabe des ägyptischen Wortes „it netar“, „Vater des Gottes“ handelt und der hebräische Interpret mit seiner Fassung den göttlichen Charakter des Pharao für sich gewidmet und die Anstößigkeit einer wörtlichen Übersetzung für seine Landsleute vermeiden wollte. Überdies meint „Gottesvater des Gottes XY“ tatsächlich „Vater des Königs“, zugehörig zur Priesterschaft des Gottes XY. Der Titel selbst wird an hohe Beamte ebenso wie an obere Priester vergeben und darf daher als Ehrenprädikat angesehen werden. Möglicherweise plante Josef im Voraus die Provinz Goschen als Ansiedlung für seine Familie, weil er sie als geeignet ansah. An seiner so sicheren Äußerung kann man erkennen, dass seine feste Machtstellung sich gerade als stabil erwies, und so konnte er sich nach seinem Willen verhalten.

Die Brüder Josefs reisen zu ihrem Vater, der sich über das Überleben des Sohnes Josef freut. Diese Überraschung rührt ihn so, dass er ihnen nicht glaubt. (26) Da beginnen seine Brüder, ihm die Geschichte zu erzählen. Sie erwähnen ihren Auftrag mit ihm nach Ägypten auszureisen, ‎wie Josef es ihnen aufgetragen hat (27), während er die jetzt von Josef geschenkten Gefährte sah. Dass er die evidenten Beweisführungen betrachten kann, erfrischt seine Seele. „Da sagte Israel: Genug! Mein Sohn Josef lebt noch. Ich will hingehen und ihn sehen, bevor ich sterbe.” (28). Als Jakob sich wieder von der schockierenden Überraschung erholt hat, interessiert ihn nichts mehr als die Nachricht von seinem überlebenden Josef, und sein Wunsch, dass er seinen Sohn sehen kann, bevor er sterben würde. Folglich kommentiert er nicht die Aussage, dass sein Josef die Vorherrschaft über Ägypten übernommen hätte.

1.1.3.9 Israel reist nach Ägypten: (Gen.46, 1-34)

Das Kapitel 46 schildert am Anfang, wie Jakob alle Reisemaßnahmen getroffen hat, mit seiner Familie nach Ägypten zu reisen. “Israel und seine Familie gingen nach באר שבע und Jakob brachte dem Gott seines Vaters Issak ein Opfertier am Altar dar (1). Bei dieser zeremoniellen Handlung, handelt es sich um eine Bereitstellung für eine Gottesoffenbarung: ”Gott sprach in einer nächtlichen Version zu Israel: Jakob, Jakob! Hier bin ich! antwortete er. Gott sprach: Ich bin Gott, der Gott deines Vaters. Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen, denn zu einem großen Volk mache ich dich dort.“ (2-4).

Der Ort באר שבע gibt einen inhaltlichen Hinweis auf der Versuchung Abrahams, seinen Sohn Gott als Opfer darzubringen. Gott jedoch löste ihn aus. So galt er schon als Ort der Segnung. Der Erzähler verbindet diese Szene mit der Vätergeschichte in Gen.12-36. Es ist auch deutlich, dass man die Elemente in dieser Szene nicht in der ganzen Josefserzählung findet, wo Gott nie als sprechend scheint; auch das Darbringen des Opfers ist ein Bestandteil der Vätererzählungen.

Selbstverständlich darf über den Ablauf der Ereignisse nachgedacht werden, darüber, dass Pharao die Ankunft der Familie Josefs als willkommen betrachtet. Folglich musste er als König des Landes viel von den Nachbarn aus den östlichen Ländern lernen, weil viele von ihren Söhnen nach Ägypten kamen.

Allerdings handelt es sich schon beim letzten Bericht um die Mahnung Josefs an seine Brüder, sich vor dem Pharao als Eigentümer von Viehherden vorzustellen. Wie könnte der Pharaoh nichts davon wissen, obwohl die Staatsmänner doch alles gründlich wussten? Möglicherweise hätte Josef schon alle Leitungsfunktionen und die Hohen Beamten beherrschen können, so dass der Pharaoh nichts mehr davon ohne Josef gewusst hätte.

Für die Ägypter setzt man als bekannt voraus, dass sie Schafhirten als Schmach empfinden. Wie die altägyptischen Inschriften zeigen, waren Schafherden auf Grabwänden bekannt. Die Wandmalerei machte bereits klar, wie viele Schafhirten der Verstorbene zum Genuss im Jenseits besitzt. Beispielsweise finden wir, dass ein Edelmann im alten Reich die Summe von 2235 Ziegen und 974 Schafe besaß [38] . Selbstverständlich müssten diese Herden Hirten besitzen, doch mit einem niedrigeren Stand als der Eigentümer der Viehherden.

1.1.3.10 Die Hungersnot verschärft sich: (Gen.47, 1-31)

Wie Kapitel 47 berichtet, lässt Josef den Pharaoh davon unterrichten, dass sein Vater und seine Brüder sich in Goschen niederlassen. Er wählt fünf von seinen Brüdern aus, vor dem Pharaoh zu treten. Hätte er sie nach ihrer Erwerbstätigkeit gefragt, dann sollten sie ihm antworten” Hirten von Schafen und Ziegen sind deine Knechte; wir sind es, und unsere Väter waren es auch schon.” (3).

Bei der Verschärfung der Hungersnot verkauft Josef den Ägyptern Getreide gegen Silberstücke. Damit kann er alle Silberstücke in Ägypten und Kanaan sammeln und dem Haus des Pharao abliefern...(14).

Anlässlich einer Brotnot wegen Gelderschöpfung verkauft Josef den Ägyptern Getreide gegen ihr Vieh, Pferde, Schafe, Kühe und Eseln. Im nächsten Jahre verkauft er ihnen Getreide gegen ihren Grundbesitz. Folglich geraten viele in den Besitz des Pharao. Das nötigt alle Leute, ihr Land zu verlassen und sich in die Städte zu begeben. Also hatten die Bauern nun selbst den Grundbesitz des Pharao. Aber von den Ernten zu ihrem Lebensunterhalt müssen sie dem Pharao ein Fünftel abliefern. „So verfügt Josef als gültiges Recht bis auf den heutigen Tag, dass das Ackerland Ägyptens zugunsten des Pharao mit einem Fünftel zu besteuern ist. Nur die Äcker der Priester wurden nicht Eigentum des Pharao.“ (26). Josef zieht den Leuten die Silberstücke ein. Deswegen besitzen sie keine Geldstücke mehr.

Wie kann man dann eine ganze Nation ohne Geldstücke halten? Dies bezüglich darf man eine Frage stellen: Konnte man je für den Silbervorrat einen wirtschaftlichen Wert finden? Bei rücksichtslosem Privateigentum, wobei Josef das ganze Land, alle Pferde, Kühe, Schafe und Eseln aufgekauft hat, kann man sich da einen Staat ohne einen Eigentümer vorstellen, oder soll man diese Tatsache nur aus theoretischer Sicht verstehen?

1.1.3.11 Jakob in seinen letzten Tagen: (Gen.48,1-22; 49,1-28)

Das Kapitel 48 beginnt mit einem Bericht über Jakobs Krankheit, wobei Josef mit seinen Söhnen Manasse und Ephraim ihn aufsucht. Jakob teilt Josef mit, dass Gott sich ihm in Lus, in Kanaan, offenbaren und ihm versprechen wird, dieses Land seinen Nachkommen als ewige Erbschaft zu schenken.

Bei der Segnung legt Jakob seine rechte Hand auf Ephraim, den Jüngeren, und seine linke Hand auf das Haupt Manasse, den Älteren. Da wendet Josef eine Verbesserung ein. Jakob lehnt das ab und sagt: „Ich weiß, mein Sohn, ich weiß, auch er wird zu einem Volk, auch er wird groß sein“.

Anfänglich erkennt Jakob dem Jungen Ephraim eine vorzüglichere Segnung als seinem älteren Bruder Manasse zu. Das zeigt eine Berechtigungshandlung einer vorzüglichen Überlegenheit, wie das in der Geschichte von Jakob und seinem Bruder Esau ausführlich im Kapitel 27 erzählt wird.

1.1.3.12 Jakobs Tod:

Am Beginn des 49. Kapitels ruft Jakob seine Söhne zur Weissagung über ihr zukünftiges Schicksal und das des Josef in einer rhetorischen Satzstruktur von 27 Versen zusammen [39] .

Als Folge der Segnungen [40] für seine Söhne beauftragt er sie, ihn gemäß seinem letzten Willen bei seinen Vätern zu begraben. Am deutlichsten bestimmt er den Beerdigungsort, insbesondere die Höhle auf dem Feld המכפילה, welche Abraham von dem עפרון החתי als Grabstätte für seine Familie kaufte. Dort wurden Abraham, Isaak, seine Frau Rebekka und auch Lea begraben.” ( 28-32)

Am Anfang geht das 50. Kapitel auf die Trauer Josefs ein, indem er über seinem Vater weint, sein Gesicht küsst und danach die Ärzte seinen Leichnam einbalsamieren lässt. Das dauert vierzig Tage. ”Die Ägypter beweinten ihn siebzig Tage lang.“ (50, 3). Nach der Trauer von siebzig Tagen, wendet sich Josef an den Pharao, um ihm die Erlaubnis abzuringen, nach Kanaan ausreisen zu dürfen, um den Leichnam seines Vaters testamentarisch dort in Kanaan begraben zu lassen. Danach werde er wieder nach Ägypten zurückkehren.

1.1.3.13 Josefs Tod: (Gen.50,1-26)

Das Kapitel 50 schließt die Josefserzählung ab und berichtet von seinen einhundertzehn Jahren in Ägypten. Er sieht sein drittes Enkelgeschlecht durch Ephraim und Enkelkinder des Manasse. Bei seinem Tod beschwört er seine Sippe testamentarisch, seinen Leichnam bei ihrer Heimkehr ins Gelobte Land, das Gott Abraham, Isaak und Jakob versprochen hatte, mitzunehmen.

“Josef starb im Alter von hundertzehn Jahren. Man balsamierte ihn ein und legte ihn in Ägypten in einen Sarg.”(25). Es wird in der Erzählung erwähnt, dass Jakob, gemäß der ägyptischen Tradition, einbalsamiert wurde, und dass das Einbalsamieren 40 Tage lang dauerte. Die erste Stufe des Einbalsamierens dauert aber 70 Tage, sie betrifft aber nur die Könige [41] .

Warum nahmen die Kinder Israels die Maßnahme des Balsamieren für Jakob und Josef an? Der Grund dafür ist, dass das Einbalsamieren den Leichnam haltbar macht. Und das war sehr wichtig im Bezug auf Jakob, der in Kanaan beerdigt werden wollte. Um seinen Willen zu erfüllen, musste man seinen Leichnam nach der ägyptischen Tradition einbalsamieren. Josef wollte auch im Lande seiner Väter beerdigt werden (Gen.50, 24-25). In diesem Fall gab es nur eine einzige Lösung, um den Leichnam in gutem Zustand zu halten: das Einbalsamieren [42] .

1.1.4 Eine Gliederung der Erzählung im Überblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.1.5 Zusammenfassung:

Mit dem 37. Kapitel verbindet der Erzähler in der Tora die Jakobsgeschichte mit der Josefsgeschichte und legt die beiden in den Rahmen einer Familienerzählung, in der die Liebe des Vaters, der Hass der Brüder und das Verkauf Josefs erscheinen.[43]

Josef wird in Ägypten als Sklave wieder verkauft, und steigt im Hause seines Herrn auf. Seine Herrin aber verursacht seinen zweiten Sturz, indem er ins Gefängnis geschickt wird.

Die Gottesvorsehung lässt Josef wieder aufsteigen, und er wird der zweite Mann in Ägypten. Das Gespräch zwischen Josef und dem Pharao bezeichnet den Höhepunkt der Josefserzählung, indem Josef auf das Wirken Gottes weist, und Pharao die in der Weisheit Josefs wirkende Kraft Gottes anerkannt.

Die Hungersnot ist das Verbindungsmotiv zwischen Josef und seiner Familie, er versöhnt die Tat der Brüder und lässt die ganze Familie Jakobs in Ägypten niederlassen.

1.2 Kapitel [2]:Die Josefserzählung im Koran

1.2.1 Die allgemeine Vorstellung der Josefserzählung

Der Josefserzählung wurde eine ganze Sure, die ihren Namen trägt, gewidmet. Diese 111 Verse zählende Sure wurde in Mekka [44] offenbart. Im Koran ist sie nach der 11. Sure Hūd zu finden. Die Offenbarung dieser Sure stammt aus einer harten Zeit im Leben Mohammads, nach dem Tod seiner Frau Khadiga und seines Onkels Abutaleb. Sie gehört also zu den Mekkanischen Suren [45] . Zu dieser Zeit hat man den Muslimen stark zugesetzt, sie wurden mehr als sonst gequält. Man nannte deswegen dieses Jahr „Das Jahr der Traurigkeit“ ﻥﺰﺤﻠﺍ ﻢﺎﻋ. Die Offenbarung der Sure Josef war eine Art Schmerzlinderung, wobei die Geschichten der anderen Propheten als Mittel dienten. Die Josefserzählung, die das an Erlebnissen reiche Leben Josefs schildert, war als Beruhigung gedacht und als Versicherung, dass nach jeder Bedrücktheit und Sorge Erleichterung und Entspannung eintreten wird [46] . Sie war also eine Aufforderung, Geduld zu bewahren und den Weg der Propheten und der Gesandten Gottes zu gehen. Zu beobachten ist, dass die Josefserzählung, obwohl Josef in zwei anderen Suren erwähnt wird [47] , als einzige im Koran ganz und ohne Verkürzung vorgestellt wird.

Die Sure beginnt mit einer Einleitung, die aus drei kurzen Versen besteht. Die Verse beginnen mit den drei einzelnen Buchstaben (Alif-lam-raa), die von einigen Interpreten als Ich bin Gott, sehe und höre, was ihr macht [48] interpretiert worden sind. Danach kommt dies sind die Verse des eindeutigen, klaren Buches. Wir haben es auf Arabisch offenbart, damit ihr es versteht. Dann beginnt der dritte Vers: wir erzählen dir die schönsten Geschichten in diesem Koran, den wir dir offenbaren. du wusstest vorher nichts davon.

Die Sure Yusuf wird als die schönste der Geschichten bezeichnet, weil sie die ausführlichste aller Geschichten im Koran ist. Sie ist auch voller Wechselfälle des menschlichen Lebens und hat daher Männer und Frauen aller Gesellschaftsschichten angesprochen. Die Sure gibt auf lebhafte Weise die verschiedensten Aspekte des Lebens mit ihren geistigen Auswirkungen wieder: das hohe Alter des Propheten (Jakob) und sein besonderes Vertrauensverhältnis zu seinem Lieblingssohn (Josef), die Eifersucht der älteren Brüder gegenüber diesem Sohn, ihre Verschwörung und die Trauer des Vaters, der Verkauf Josefs in die Sklaverei für ein paar Silberstücke, eigennützige Liebe im Gegensatz zu Keuschheit, falsche Anklagen, Gefängnisaufenthalt, die Deutung von Träumen, niedriges und hohes Leben, Aufstieg der Unschuld zur Ehre, wichtige Angelegenheiten von Satan und in der Verwaltung, Demut in einer hohen Position, Treue des Sohnes zu seinem Vater und die Schönheit von Gottesfurcht und Wahrhaftigkeit.

Die Geschichte ist der biblischen Geschichte ähnlich, aber nicht gleich. Die biblische Geschichte ist eine Volkserzählung. Sie dient dazu, die Kinder Israels gegenüber den Ägyptern hervorzuheben, sowie einige ethnische Besonderheiten in der späteren Geschichte des Judentums zu erklären. Die koranische Geschichte ist demgegenüber weniger eine Erzählung als eine geistige Predigt oder Allegorie, in der die scheinbaren Widersprüche im Leben erklärt werden, das dauerhafte Wesen der Tugend in einer ständig sich verändernden Welt, und das wunderbare Wirken des göttlichen Willens, der seinen Plan vor uns in der Geschichte zur Entfaltung bringt.

In der koranische Geschichte ist festzustellen, dass das Eingreifen Gottes in das Geschehen im Koran sehr viel deutlicher und massiver dargestellt ist als in der biblischen Erzählung. Besonders ausführlich ist die Verführungsszene geschildert. Mit Gottes Hilfe übersteht Josef die Versuchung [49] .

Es ist auch anzumerken, dass Jakob und Josef in der koranischen Erzählung als Propheten dargestellt werden, denen Offenbarungen über kommendes Geschehen zuteil wird. Im Gefängnis wird Josef gegenüber den beiden Mitgefangenen zum Prediger, der ihnen den einen Gott verkündigt und sie zur Annahme des rechten Glaubens auffordert. Das sind Gedanken, die der biblischen Josefserzählung fremd sind, und so stellt uns die koranische Geschichte eine andersartige Josefsgeschichte vor Augen. [50]

In der koranischen Josefserzählung kommen verschiedene Elemente zum Ausdruck:

Die väterliche Liebe zu Josef und seinem jüngeren Bruder einerseits und zu den anderen Brüdern andererseits. Die Eifersucht und der Neid zwischen den Brüdern. List in verschiedenen Formen, und die Leidenschaft und ihre Ausbrüche.

1.2.2 Die Darstellung der Josefserzählung im Koran:

Im Prolog der Sure Yusuf (1-3) wird der Offenbarungscharakter der Botschaft des Propheten Mohammad betont. Darauf folgt die eigentliche Erzählung (4-101). Im Epilog (102-111) weist Gott in seinem Buch auf den göttlichen Ursprung der Verkündigung des Propheten hin. Die Josefserzählung im Koran hat folgenden Inhalt: Josef berichtet seinem Vater, er habe im Traum gesehen, wie sich die Sonne, der Mond und elf Planeten vor ihm niederwarfen. Jakob warnt ihn, diesen Traum seinen Brüdern zu erzählen. Er erklärt, Gott werde Josef erwählen, ihn die Deutung von Träumen lehren und seine Gnade an ihm und an der Sippe Jakobs vollenden. Die Brüder beschließen, Josef in die Grube zu werfen, weil der Vater ihn und dessen Bruder bevorzugt. Sie bitten den Vater, Josef mit ihnen ziehen zu lassen, damit er sich vergnüge. Der Vater äußert seine Befürchtung, der Wolf werde Josef fressen, lässt Josef aber dennoch mitziehen, weil seine Söhne ihm versprechen, sie werden gut auf ihn aufpassen. Als die Brüder ihren Plan verwirklicht haben, offenbart Gott Josef, er werde ihnen später ihre Tat vorhalten, während sie ihn nicht erkennen würden. Am Abend kehren die Söhne weinend heim und sagen, indem sie Josefs mit falschem Blut besprengtes Kleid vorzeigen, der Wolf habe ihn gefressen. Aber der Vater glaubt ihnen nicht. Der Wasserträger einer Karawane entdeckt Josef, er wird als Ware versteckt und in Ägypten für einen ganz geringen Preis verkauft.

Der ägyptische Käufer ermahnt seine Frau, Josef freundlich im Haushalt aufzunehmen. Josef weist den Versuch der Herrin, ihn zu verführen, aus Furcht vor der göttlichen Strafe ab. Ein Zeichen Gottes hat ihm dazu die Kraft gegeben. Die Frau zerreißt von hinten das Hemd des fliehenden Josef. Sie beschuldigt vor ihrem Mann Josef, wird aber der Lüge überführt, weil nach dem Zeugnis eines Familienangehörigen der Frau der Riss im Rückenteil des Hemdes Josefs Unschuld erweist. Der Herrscher fordert, seine Frau solle Gott um Verzeihung bitten und Josef sich von der Sache abwenden. Die Affäre wird zum Stadtgespräch der Frauen. Die Herrin lädt die Frauen der Stadt zu einem Gelage ein, damit sie den sehen sollen, um dessentwillen sie die Gastgeberin getadelt haben. Als Josef den Raum betritt, sind die Frauen von seiner Schönheit so geblendet, dass sie, statt in die Früchte, heftig in ihre Hände schneiden. Die Herrin versucht nun mit Unterstützung der geladenen Damen, sich Josef gefügig zu machen, hat aber trotz Drohungen keinen Erfolg. Josef will lieber gefangen gesetzt werden als den Frauen zu Willen sein. Er bittet Gott, die Versuchung von ihm abzuwenden, und Gott erhört sein Gebet. Daraufhin kommt Josef ins Gefängnis, und dort deutet er den beiden Hofbeamten ihre Träume, nachdem er ihnen dargelegt hat, dass es nur einen Gott gebe, dem allein man dienen müsse. Weil Josef den einen der beiden Gefangenen, der freigelassen werden soll, um Fürsprache bittet, statt Gott um Hilfe anzurufen, muss er noch einige Jahre im Gefängnis bleiben. Der Freigekommene bittet, als niemand die Träume des Königs deuten kann, zu Josef gesandt zu werden. Dieser erklärt vom Kerker aus die Träume. Hierauf soll ein Bote auf Geheiß des Königs Josef aus dem Gefängnis herbeiholen. Dieser schickt den Boten zum König zurück und fordert, dass zuvor die Frauen vor dem König seine Unschuld bezeugen. Erst als dies geschehen ist, verlässt Josef das Gefängnis. Er bittet den König, ihn über die Vorräte des Landes zu setzen. Der König tut dies, und so empfängt Josef von Gott seinen Lohn.

Als die Brüder bei Josef erschienen, verlangt er, sie sollten künftig einen Bruder väterlicherseits mitbringen, da sie sonst kein Getreide mehr bekämen. Vor der zweiten Reise lässt Jakob die Söhne schwören, für die Sicherheit ihres mit ihnen ziehenden Bruders ihr Äußerstes zu tun, und gebietet ihnen, in die Stadt durch verschiedene Tore auf getrennten Wegen einzuziehen. Josef gibt sich seinem Bruder zu erkennen. Er lässt den Becher in dessen Kamelsattel legen. Beim Auszug werden die Männer bezichtigt, den Becher des Königs gestohlen zu haben. Die Brüder fordern, der Dieb sollte als Sklave büßen. Durch das von Gott bewirkte Anerbieten der Söhne Jakobs kann Josef seinen Bruder als Sklaven beanspruchen, was er nach dem Gesetz des Königs nicht gedurft hätte. Dadurch hat Gott Josef einen höheren Rang verliehen. Die Brüder sind über den Diebstahl des einen von ihnen nicht erstaunt, da, wie sie sagen, dessen Bruder früher auch schon gestohlen habe. Josef lässt den scheinbar des Diebstahls Überführten nicht durch einen seiner Brüder auslösen.

Einer der Brüder erinnert sie an ihr dem Vater gegebenes Versprechen und ihre Verschuldung gegenüber Josef und entschließt sich, das Land nicht eher zu verlassen, als sein Vater es ihm erlaubt oder Gott für ihn eine Entscheidung trifft. Jakob glaubt seinen Söhnen nicht, dass der eine von ihnen gestohlen habe. Er grämt sich um Josef so sehr, dass er erblindet. Er weist den Tadel der Söhne, dass er immer nur von Josef rede, zurück und erklärt, Gott habe ihn etwas Besonderes wissen lassen. Er gebietet den Söhnen, nach Josef und seinem Bruder zu forschen und die Hoffnung nicht aufzugeben. Er schickt seine Söhne zum dritten Mal nach Ägypten. Als sie Josef gegenüberstehen, fragt er sie, ob sie nicht mehr wüssten, was sie damals mit Josef und seinem Bruder getan hätten. Auf ihre erstaunte Frage, ob er etwa Josef sei, gibt er sich ihnen zu erkennen und sagt, Gott habe sich um ihn und seinen Bruder verdient gemacht.

Die Brüder bezeugen, dass Gott Josef vor ihnen ausgezeichnet habe. Josef sagt, Gott werde ihnen vergeben. Er schickt sie zum Vater zurück, damit sie Josefs Kleid auf das Gesicht des Vaters legen, um ihn zu heilen. Schon beim Aufbruch der Karawane aus Ägypten nimmt der Vater den Geruch Josefs wahr. Als das Kleid Josefs auf Jakobs Gesicht gelegt wird, vermag er wieder zu sehen. Jakob erinnert die Söhne an seine frühere Äußerung, dass Gott ihn etwas Besonderes habe wissen lassen. Josef lässt seine Eltern in Ägypten wohnen. Er erhebt sie zu sich auf den Thron. Eltern und Brüder fallen ehrfürchtig vor Josef nieder. Josef erklärt, dies sei die Deutung seines Traumgesichtes von früher. Er dankt Gott für alle Wohltaten und bittet, als Muslim sterben zu dürfen.

Auf die entmutigenden Verhältnisse, unter denen die Sure Yusuf entstanden ist, weist sie uns selbst hin. Im Epilog sagt Gott zum Propheten: „Die meisten Menschen werden nicht glauben, auch wenn du dir die größte Mühe geben würdest“ [51] . Die schwere Spannung zwischen dem geoffenbarten Wort und einer Wirklichkeit, die ihm durchaus nicht entsprach, hatten auch schon die Vorgänger des Propheten zu ertragen. Gott tröstet im Epilog den Prophet mit den Worten: „Erst wenn die Gesandten schließlich die Hoffnung aufgeben und annehmen, dass sie widerlegt worden sind, kommt ihnen unsere Hilfe zum Sieg. Wir retten, wen wir wollen, und unsere den Frevlern geltende Strafe vermag niemand abzuwenden“ [52] . Dem Propheten war zur Zeit der Offenbarung dieser Sure der Durchbruch zur Anerkennung als Prophet Gottes bei den Bewohnern Mekkas noch nicht gelungen. Sie waren noch immer nicht bereit, ihren alten Glauben zugunsten der von dem Prophet Mohammad neu gebrachten Offenbarung abzulegen.

[...]


[1] Hans Jochen Boecker: Die Josefsgeschichte (mit einem Anhang über die Geschichte der Tamar und die Stammessprüche), Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2003, S.6.

[2] Siegfried Kreuzer: Internet Seite www.bautz.de/bbkl/j/josef.shtml.

[3] Die Josefserzählung in der Tora war die Basis für die Volksgeschichten, insbesondere in hebräischsprachigen Theaterstücken und Romanen wie z.B. „יוסף שפיעל“ eines von den ersten Theaterstücken auf Hebräisch und Yiddisch u.ä. אנציקלופדיה של היהדות, Bd.1, רמת גן, S.809.

[4] Claus Westermann: Genesis, Neukirchen-Vluyn: Neukirchner Verlag, (Biblischer Kommentar; Bd. I), Teilbd. 3. Genesis 37-50.- 1982.- S.26.

[5] C. Westermann: Die Joseph - Erzählung (Elf Bibelarbeiten zu Genesis 37-50), Stuttgart 1990, S.18.

[6] Merkwürdig ist hier, dass Jakob in dieser Überlieferung auf seine Titulatur von Israel verweist. G. W. Coats meint, dass der Name Israel nur verwendet wird, wenn es einen Wendepunkt in der Geschichte gibt: From Canaan to Egypt, (CBQ.MS 4) 1974, S.70. Willi Plein aber sagt, dass der Name Jakob sich auf Familien Beziehungen bezieht, und der Name Israel auf stammesgeschichtliche Akzente: Historiographische Aspekte der Josefsgeschichte, Henoch I, 1979, S.319.

[7] C. Westermann: Die Joseph - Erzählung, ebd., S.21; u.a. Ders.: Am Anfang 1. Mose (Genesis), Teil II, Neukirchen- Vluyn 1986, S.379.

[8] C. Westermann: Genesis, ebd., S.28.

[9] C. Westermann: Am Anfang, ebd., S.381.

[10] C. Westermann: Genesis, ebd., S.31.

[11] Othmar Keel / Max Küchler: Synoptische Texte aus der Genesis, Verlag Schweizerisches katholisches Bibelwerk, Fribourg, 1971, S.170.

[12] Siehe auch Gen 9,6; Hi 16,18 und Is 26,21.

[13] O. Keel / M. Küchler: ebd., S.170.

[14] Siegfried Morenz: Josef in Ägypten, ThLZ 84, 1959, 401-416, S. 404.

[15] Bei Zunz: „ein Hofbedienter Pharao“Gen.39,1. Aber die hebräische Bedeutung lautet: Eunuch; Hofbeamter; Visier. Im Laufen der Geschichte sieht man, dass „Eunuch“ die passende Bedeutung ist. Das Wort סריס wird im Alten Testament öfters erwähnt, wie in Est.1, 10; 1,15; 2, 3 und Dan.1, 8-18. Zur Bedeutung dieses Wort siehe: S. Morenz: ebd., S.406, und Ludwig A. Rosenthal: Die Josefsgeschichte, mit den Büchern Ester und Daniel verglichen, ZWA 15, 1895, S.279.

[16] Vgl. Jakob bei Laban Gen.30-32.

[17] O. Keel / M. Küchler: ebd., S.178.

[18] Van Trigt: die Geschichte der Patriarchen, Mattias-Grünwald Verlag, Mainz, 1963, S.120-121.

[19] Rüdiger Lux: Josef, der Auserwählte unter seinen Brüdern, (Biblische Gestalten), Leipzig 2001, S.95.

[20] C. Westermann: Genesis, ebd., S.59.

[21] Zwei Brüder lebten zusammen, der ältere, der Anpu hieß, hatte ein Haus und eine Frau, der Jüngere, Batu, diente ihm auf dem Feld. Eines Tages betritt Batu das Haus, um Saatgut für das Säen zu holen, und wird von der Frau seines Bruders zum Beischlaf aufgefordert. Sehr böse, weist er ihre Versuche zurück, aus Treue zu seinem Bruder, der wie ein Vater zu ihm gewesen war, und drückt seinen Abscheu aus vor der großen Sünde, die sie begehen wollte. Er verspricht zu schweigen und kehrt zu seinem Bruder zurück. Am Abend kommt Anpu heim und findet seine Frau vor, bedeckt mit selbstbeigebrachten Wunden, und hört auf einen Bericht, der eine falsche Anklage gegen den Bruder beschreibt. Anpu versucht seinen Bruder zu töten, wird aber schließlich von dessen Unschuld überzeugt und tötet stattdessen seine Frau. (C. Westermann: Genesis, Neukirchen-Vluyn: Neukirchner Verlag, (Biblischer Kommentar; Bd. I), Teilbd. 3. Genesis 37-50.- 1982.- S.61; und das Vergleich zwischen der Josefserzählung und der ägyptische Geschichte siehe Shalom Goldman: The Wiles of Women / The Wiles of Men: Joseph and Potiphar’s wife in ancient Near Eastern, Jewish, and Islamic folklore, State University of New York, 1995, S.33-37).

[22] C. Westermann: Genesis, ebd., S.61.

[23] Jan Alberto Soggin: Das Buch Genesis: Kommentar, [Aus dem Ital. übers. von Thomas Frauenlob...], Darmstadt: Wiss. Buchges., 1997, S.470.

[24] C. Westermann: Die Joseph-Erzählung, ebd., S.57.

[25] J.A. Soggin: ebd., S.479.

[26] C. Westermann: Die Joseph-Erzählung, ebd., S.63.

[27] John H. Hayes & J. Maxwell Miller: Israelite and Judaean History (Old Testament Library), SCM Press ltd., London 1977, S. 189.

[28] C. Westermann: Genesis, S 100.

[29] Ahmed Abdel Hamied Yusuf: Misr fi Alkoran wa AlSunnah, Dar Alschuruq Verlag, Kairo 2001, S.73.

[30] C. Westermann: Genesis, S.99, zitiert von G. Steindorff: der Name Josefs Saphenat-Pa’neach, ÄZ 37,1898, S 41.

[31] W. Dietrich: Die Josefserzählung als Novelle und Geschichtsschreibung, (Biblische- theologische Studien; 14), Neukirchen-Vluyn, 1989, S. 33.

[32] J.A. Soggin: ebd. S. 481.

[33] Theo L. Hettema: Reading for God, Narrative Theology and Ethics in the Joseph Story from the Prespective of Riceure’s Hermeneutics, Kok Pharaos, Kampen, 1996, S.191.

[34] C. Westermann: Die Joseph - Erzählung, ebd., S.67.

[35] J.A. Soggin: ebd., S.487.

[36] Siegfried Morenz: ebd., S. 404.

[37] Walter Dietrich: ebd., S.34f.

[38] Selim Hassan: Misr AlQadimah, Bd.2, Kairo 2002, S.108.

[39] Vgl. mit Sure2, 13 u. Sure 40, 32-34, wo Jakobs Tod und Vermächtnis in Einzelheiten erwähnt wurde. Dazu siehe: Johann- Dietrich Thyen: Bibel und Koran, Böhlau Verlag, Köln 1989 (Kölner Veröffentlichungen zur Religionsgeschichte, Bd.19) , S.97-99.

[40] K. Galling: Josef; Die Religion in Geschichte und Gegenwart (Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft), Bd.3, Stuttgart 1959³, S.958: „Der Jakobs Segen ist ein Einschub, und die Segnung der Josefssöhne durch Jakob nimmt mit ihrer stammesgeschichtlichen Orientierung eine letztlich Palästinensische Sonderstellung ein.“

[41] Pieter Montieh: AlHayah AlYawmiyah fi ‘Ahd AlRa’amisa, übersetzt von Asis Morkos Mansur, Kairo ohne Datum, S.431-432.

[42] Rainer Kessler: Die Ägyptenbilder der Hebräischen Bibel, Stuttgarter Bibelstudien 197, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2002, S.138.

[43] Rüdiger Lux: ebd., S.63-64. [44] Die Zahl der Worte der Josefssure beträgt 1776 Worte und die Buchstaben sind 7196. Diese Zahl findet sich in “Tanwir AlMiqbas fi Tafsir Ibn Abbas“, (Dar Alkutub Alelmeyah)Verlag, Beirut, Libanon, 2000¹ (n.Chr.), S.246.

[45] Schehata, Abd Allah: Ulum AlTafsir wa AlKoran, S.54 Kairo Universität Verlag, Kairo, 1983²

Wie bezeichnet man die mekkanischen Suren?

1- jede Sure, in der das Wort „ﻼﻜ“ Nein, steht.

2- jede Sure, in der Oh, ihr Menschen “ﺲﺎﻧﻠﺍﺎﻬﻳﺃﺎﻴ“ und nicht Oh, ihr Gläubigen “ﺍﻮﻧﻤﺁﻦﻳﺬﻠﺍﺎﻫﻳﺃﺍﻴ“ steht.

3- jede Sure enthält die Geschichten der Propheten und die früheren Nationen, außer die 2. Sure.

4- jede Sure erzählt die Geschichte Adams und des Satan, außer Sure 2.

5- jede Sure fängt mit den geteilten Buchstaben an, außer die Suren 2, 3.

6- jede Sure, in der ein Beugungszeichen gibt.

- Theodor Nöldeke charakterisiert die Suren der dritten mekkanischen Periode (M3), zu der die Sure Yusuf gehört, wie folgt: „Was sich im zweiten Zeitraum an Stil, Sprache und Behandlung der Gegenstände allmählich ausbildet, das tritt in der dritten fertig hervor. Die Sprache wird gedehnt, matt und prosaisch...“ Die Geschichte des Qorans, Bd.1, Leipzig 1938, S.152.

- Nach der Meinung Rudi Parets: man muss die größte Zahl der koranischen Versstellen, die biblischen Gestalten gewidmet sind, der zweiten und dritten mekkanischen Periode zurechnen. Mohammed und der Koran, (Geschichte und Verkündigung des arabischen Propheten), Stuttgart, Kohlhammer, 1957, S. 84.

- „Die europäische Islamwissenschaft hat die Zeit in Mekka in drei Perioden eingeteilt und dafür den Inhalt der Suren als Maßstab und Leitfaden benutzt. Die Suren der ersten mekkanischen Periode (M1) sind meistens sehr kurz und beginnen des Öfteren mit Schwurformeln. Die Suren der zweiten Periode (M2) bringen zusätzlich Beispiele und Illustrationen aus Natur und Geschichte... Infolgedessen werden die Suren länger... Kennzeichen für die dritte Periode (M3) ist, dass die prophetischen Geschichten aus der jüdischen- und christlichen Tradition nach Form und Inhalt ausführlich werden“. Bouman, Johan: Der Koran und die Juden: Die Geschichte einer Tragödie, Darmstadt 1990, S.22-23.

- Über die gesamte Epochen der koranischen Verkündigung siehe auch: Johann- Dietrich Thyen: Bibel und Koran, S.XIX-XX, Böhlau Verlag, Köln 1989 (Kölner Veröffentlichungen zur Religionsgeschichte, Bd.19).

[46] AlSabouny, Mohammad Ali: Safwat AlTafasier, bd.2, Kairo 1997¹, S.35-37.

[47] Nämlich Alan‘am v.84 und Ghafir v.34.

[48] Tanwir AlMiqbas: S.246 und siehe auch den Anhang (der geteilten Buchstaben).

[49] H.J. Boecker: ebd., S.5.

[50] H.J. Boecker: ebd., S.6.

[51] Sure Yusuf, 103.

[52] Sure Yusuf, 110.

Details

Seiten
255
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783832482565
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v223455
Institution / Hochschule
Universität Wien – Geistes- und Kulturwissenschaftliche Fakultät
Note
3
Schlagworte
judentum islam theologie erzählung

Autor

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Titel: Die Josefserzählung in rabbinischer und islamischer Tradition