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Behandlungsalternativen von Krankheiten in Uaxactún, Petén, Guatemala

Entscheidungen bei Malaria, Atemwegserkrankungen und Enteroparasiten im Licht soziokultureller Faktoren

Magisterarbeit 2004 145 Seiten

Medizin - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt sverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1. Struktur der Arbeit
1.2. Medizinische Versorgung in Guatemala
1.3. Ethnomedizin in Mesoamerika
1.3.1. Der Nutzen traditioneller Heilpflanzen
1.3.1.1. Ethnopharmakologie und kulturelle Rechte
1.3.1.2. Psychosomatik und alternative Heilmethoden

2. Die Fragestellungen
2.1. Hypothesen
2.2. Warum Uaxactún?
2.2.1. Nachteile
2.2.2. Vorteile

3. Theoriebildung und Untersuchungsmethoden
3.1. Die Grundlagen der kognitiven Anthropologie
3.2. Das Entscheidungsmodell
3.3. Das Beschreibungsmodell und seine Weiterentwicklung: EM und EMIC
3.4. Die Modellanwendung auf Uaxactún
3.5. Die Befragung der Bevölkerung
3.5.1. Die Methodik der Feldforschung und der Interviews
3.5.2. Technik
3.5.3. Interviewthemen
3.5.4. Die Interviewpartner
3.5.4.1. Probleme und Überlegungen bei der Informationsgewinnung
3.5.4.2. Die Rolle des Puesto de Salud und des enfermero

4. Definitionen
4.1. Medizinsysteme
4.1.1. Das westliche Medizinsystem
4.1.1.1. Biomedizin
4.1.2. Traditionelle Medizinsysteme Guatemalas
4.1.3. Populärmedizin
4.2. Gesundheit und Krankheit
4.3. Emische Definitionen in Uaxactún
4.3.1. Krankheitsbezeichnungen
4.3.2. Gesundheit
4.3.3. Remedios caseros
4.3.4. Vertrauen: die Rolle des fe in Gesundheitsfragen

5. Das Dorf
5.1. Geschichtlicher Hintergrund: die wirtschaftliche Bedeutung des Petén
5.1.1. Chicle und Uaxactún
5.2. Geografie: die Lage Uaxactúns im Maya Biosphären Reservat
5.3. Dorfpolitik
5.4. Ethnien, Sprache und Familienstrukturen
5.5. Religion und Glaubensvorstellungen
5.6. Wasserversorgung
5.7. Soziale Verhältnisse: Dorfleben und Infrastruktur
5.8. Weitere ethnografische Daten
5.9. Lebensunterhalt
5.9.1. Feldbau
5.9.2. Waldarbeit
5.9.2.1. Chicle, Xate, Pimienta
5.9.2.2. Spezifische gesundheitliche Risiken bei der Waldarbeit
5.9.3. Weitere Einkunftsmöglichkeiten

6. Die Gesundheitsversorgung
6.1. Schulmedizinisch orientierte Gesundheitszentren
6.2. H´men, Kräuterkundige, Heiler/-innen, Hebammen
6.3. Apotheken
6.4. „Offizielle“ Heilung in Uaxactún
6.4.1. Comadronas
6.4.2. Der Gesundheitsposten

7. Die Krankheiten und ihre Behandlung
7.1. Prä- und postkoloniale Krankheitserreger im mesoamerikanischen Raum unter besonderer Berücksichtigung von Influenza-Viren und Protozoen
7.2. Krankheiten und Heilungsalternativen in Uaxactún
7.2.1. Malaria
7.2.1.1. Heilungsmethoden und -dauer bei Malaria
7.2.1.1.1. Pharmaka
7.2.1.1.2. Heilpflanzen
7.2.2. Durchfallerkrankungen/ Enteroparasiten
7.2.2.1. Heilungsmethoden für Enteroparasiten und Diarrhö
7.2.2.1.1. Pharmaka
7.2.2.1.2. Heilpflanzen
7.2.3. Schwere Atemwegserkrankungen
7.2.3.1. Heilungsmethoden schwere Atemwegserkrankungen
7.2.3.1.1. Pharmaka
7.2.3.1.2. Heilpflanzen
7.2.4. Andere Symptome und Krankheiten

8. Entscheidungen im Krankheitsfall
8.1. Heilung und Entscheidungsfindung: deskriptive Auswertung anhand von Fallbeispielen
8.1.1. Einleitung
8.1.2. Malaria
8.1.3. Grippe/Atemwegserkrankungen
8.1.4. Darmparasiten und empacho
8.1.5. Verbrennung
8.1.6. Schlangenbisse der Bothrops asper
8.1.7. Hautleishmaniose
8.2. Heilung und Entscheidungsfindung: Statistische Auswertung
8.2.1. Die Wahl der Heilmethoden und Entscheidungsfindung
8.2.3. Gründe der Entscheidungen
8.2.1. Informationsquellen des Heilwissens
8.3. Fazit

Schluss und Ausblick

Literaturverzeichnis
Literatur zu Bestimmung und Anwendung der Heilpflanzen (vgl. IV)
Literaturverzeichnis Internet

Anhang
I. Hinweise zur Schreib- und Zitierweise der Arbeit
II. Fragebogen
IIa. Erläuterung der Interviewfragen und Klassifikationen der Antworten
Abb. I: Maya-Biosphärenreservat mit Nationalparks, Biotopen und Schutzzonen
Abb. II: Konzessionsgebiet der OMYC mit Waldcamps der Xateros
Abb III: Karte von Uaxactún mit Häusern der Interviewpartner
Abb. IV + V.: Hauptkrankheiten und -symptome Statistik des Puesto de Salud
IV. Ethnobotanik: Die Krankheiten und ihre pflanzliche Behandlung
IV.a Heilpflanzen Uaxactúns
V. Liste der zitierten und interviewten Personen

Danksagung

Lebenslauf

Liste der Tabellen und Grafiken

Tabelle 1: Umfrageergebnisse über subjektiv empfundene Heilungsdauer von Malaria

Tabellen 2-4: Gründe für die Wahl der Heilmethode in Bezug zur angewandten Heilmethode

Tabellen 5-7: Angewandte Heilmethode in Bezug zur Wissensvermittlung

Tabelle I: Gegenüberstellung von pflanzlicher und synthetischer Medizin

Grafik 1: Vom Gesundheitsposten registrierte Hauptkrankheiten in Uaxactún, April

Grafik 2: Umfrageergebnisse der Behandlungsmethoden für Grippe, Malaria, und Parasiten

Grafik 3: Wissensquelle der angewandten Heilmethode

1. Einleitung

1.1. Struktur der Arbeit

Nach einer allgemeinen Einführung in die Thematik und die ethnologische Relevanz der vorliegenden Arbeit, wird in Kapitel 2. auf die konkreten Fragestellungen und Hypothesen der Untersuchung eingegangen. In diesem Zusammenhang werden auch die Vor- und Nachteile des Untersuchungsraumes dargelegt. Es folgt in Kapitel 3. die Entwicklung der Theoriebildung und Untersuchungsmethoden der Arbeit. Vor diesem Hintergrund werden im Anschluss daran wesentliche Definitionen der in dieser Arbeit gebräuchlichen ethnomedizinischen und ortstypischen Begrifflichkeiten gegeben, um so den Rahmen der Arbeit genauer abzustecken. Anschließend wird in Kapitel 5 eine ethnografische Darstellung der örtlichen Gegebenheiten präsentiert. Mit diesem Vorwissen können die generell vorhandenen Behandlungsalternativen in Kapitel 6. erläutert und in den nationalen bzw. mesoamerikanischen Kontext eingeordnet werden, bevor in Kapitel 7. auf die Krankheiten und ihre speziellen Behandlungsmethoden im Einzelnen eingegangen wird. Im Anschluss daran folgt in Kapitel 8. eine Beschreibung und Evaluation der Entscheidungsfindungsprozesse anhand von Fallbeispielen, nach Krankheiten sortiert. Vor dem Hintergrund der Präsentation der deskriptiven Ergebnisse kann abschließend eine Auswertung der statistisch aufgearbeiteten Resultate erfolgen, um die beschreibende Evaluation zu stützen und zu ordnen. In der Kombination der qualitativen und statistisch-quantitativen Ergebnisse der Feldforschung soll das Thema möglichst umfassend abgehandelt werden. Im Fazit werden die Kernpunkte der Feldforschungsergebnisse zusammengefasst und potenzielle zukünftige Möglichkeiten und Entwicklungen des Gesundheitswesens in Uaxactún aufgezeigt. Hinweise zur Schreib- und Zitierweise der Arbeit finden sich unter Anhang I.

1.2. Medizinische Versorgung in Guatemala

In Guatemala leben etwa 11,5 Millionen Menschen; davon gehören 48% einer der indigenen Bevölkerungsgruppen der Xinca, Garífuna und Maya an, die insgesamt 125 verschiedene Sprachen und Dialekte sprechen[1] und unterschiedliche kulturelle Traditionen und Medizinsysteme bewahren (OPS 2002:318). Die verbleibenden 52% der Bevölkerung verteilen sich auf Ladinos, die ethnische Mischkultur aus den Nachfahren der Spanier und den Angehörigen indigener Gruppen[2]. Der Großteil der Bevölkerung (65%) lebt in ländlichen Gebieten mit beschränktem Zugang zu westlich orientierten Gesundheitseinrichtungen (ibid.). Besonders dort spielen traditionelle Medizinsysteme und Heilpflanzenbenutzung nach wie vor eine übergeordnete Rolle, da sie teilweise die einzige Möglichkeit für die Behandlung im Krankheitsfall bieten. Durch die stetige Entwicklung auf dem Gesundheitssektor ist jedoch in den meisten Gegenden der Effekt des so genannten medizinischen Pluralismus festzustellen, das heißt, es sind sowohl traditionelle indigene als auch westliche Heilmethoden anzutreffen, die auf populärer Ebene keine strikte Trennung erfahren, sondern teilweise gemischt verwendet werden. So formen sie ein neues Medizinsystem, welches sowohl die Methoden als auch die dahinter stehenden Ideologien in sich vereint. Diese populären Heilmethoden lassen sich unter dem Begriff der remedios caseros (Hausmittel) zusammenfassen.

Die Haupt-Todes- und Krankheitsursachen auf nationaler Ebene sind schwere Atemwegs- und Durchfallerkrankungen (ibid.), die durch die Umwelt- und Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung schon seit Jahrhunderten die Liste der Gesundheitsprobleme in Lateinamerika anführen (Kunitz 1993); Krankheitsbilder, die auch im Untersuchungsraum Uaxactún seit Jahren an der Spitze der monatlichen Statistik des örtlichen Gesundheitspostens auftauchen (Feldnotizen: Puesto de Salud). Die medizinische Versorgung mit Einrichtungen des westlichen, schulmedizinisch orientierten Systems führte im Rahmen von nationalen Gesundheitsprojekten und -programmen zu einer stetigen Abnahme der Sterblichkeitsrate infolge dieser Krankheiten[3].

1.3. Ethnomedizin in Mesoamerika

Die Menschheit hat seit jeher mit dem Problem von Krankheiten zu kämpfen und hat je nach soziokulturellem und geografischem Umfeld andere Ätiologien, Heilungsmethoden und damit verbundene, individuelle Überlegungen entwickelt und in den so entstandenen Medizinsystemen definiert und tradiert. Während das so genannte westliche Medizinsystem dabei seine Ätiologien und Behandlungsmethoden traditionell auf physisch-biologische Vorgänge fokussiert (hat), reflektieren traditionelle Medizinsysteme indigener Kulturen Lateinamerikas eine „ganzheitliche“ Sichtweise des Krankheitserlebnisses, welche auch spirituell-emotionale Faktoren und animistische und übernatürliche Einflüsse berücksichtigt (Gubler 2002:63). Damit verbunden sind entsprechende Ätiologien und Behandlungsmethoden, die ein anderes kognitives System als das westliche repräsentieren.

Im Rahmen der Einführung des westlichen Medizinsystems in die Neue Welt durch die Spanier kam es zu einem Aufeinanderprallen verschiedener Vorstellungen und Praktiken bezüglich der Behandlung von Krankheiten. Der so entstandene medizinische Pluralismus[4] stellt heutzutage staatliche Gesundheitsprogramme in allen Ländern Lateinamerikas vor die schwierige Aufgabe, die verschiedenen medizinischen Systeme mit unterschiedlicher, teilweise konträrer Ätiologie und unterschiedlichen Krankheitsbildern, Paradigmen und Behandlungsmethoden zu kombinieren und in der Praxis möglichst effektiv miteinander zu koordinieren. Auf der einen Seite stehen die nach den Prämissen der westlichen Schulmedizin ausgebildeten Vertreter, auf der anderen traditionelle HeilerInnen, SchamanInnen, Kräuterkundige, Hebammen, Knocheneinrenker, Schlangendoktoren und andere Spezialisten.

Die Untersuchung der soziokulturellen Faktoren, welche bei der Wahl der Behandlungsmethode im Krankheitsfall eine Rolle spielen, kann heutzutage daher eine Lücke schließen zwischen dem Anliegen nationaler, westlich orientierter Gesundheitsprogramme und den tatsächlichen, für die indigene Bevölkerung relevanten Überlegungen und Praktiken. Medizinanthropologische bzw. ethnomedizinische Untersuchungen bilden in diesem Zusammenhang ein wichtiges Hilfsmittel, um eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Lagern zu schlagen und die medizinpluralistische Zusammenarbeit zu unterstützen (Cosminsky 1973:11, Kleinman 1978:85f).

Durch ethnografische Methoden gewonnene Ergebnisse einer solchen Gesundheitssystemforschung bieten eine Vergleichsmöglichkeit der prinzipiell vorhandenen Behandlungsalternativen im Krankheitsfall sowie eine Übersicht der dabei relevanten Entscheidungsfindungsprozesse der Individuen und/oder der Dorfgemeinschaft (Young 1982, Pelto und Pelto 1997, Mathews und Hill 1995). Die so gewonnen Informationen können von NGOs[5] und anderen Entwicklungshilfeorganisationen genutzt werden und in der praktischen Realisierung von Gesundheitsprogrammen eine wichtige Mittlerrolle übernehmen (Eder und García Pú 2003:1ff).

Der nicht nur in westlichen Industriestaaten herrschende Absolutheitsanspruch westlicher Schulmedizin, die Unterdrückung autochthoner medizinischer Systeme und dem damit verbundenen indigenen medizinischen Wissen in ehemaligen Kolonialstaaten in Afrika, Asien und Lateinamerika ist bereits oft erklärt und kritisiert worden. Die Integration „unseres“ westlichen Medizinsystems in traditionelle Medizinsysteme weltweit sowie die partnerschaftliche Zusammenarbeit der oft weit auseinanderklaffenden Heilungsansätze in einer medizinpluralistischen Gesellschaft ist eine der aktuellen Hauptproblematiken in der Entwicklungshilfe und der medizinpluralistischen Zusammenarbeit[6]. Traditionelle Heiler sehen meist kein Problem darin, auch synthetische Pharmaka auf der Basis westlicher Ätiologien zu verwenden; schulmedizinisch ausgebildete Ärzte hingegen tun sich wesentlich schwerer mit der Inkorporation fachfremder Medizin-Praktiken, um nicht Gefahr zu laufen, ihren hochgesteckten Anspruch an Wissenschaftlichkeit zu verlieren (García, Sierra und Balám 1999:153, Hudson 1993:45).

Die ethnozentrisch orientierte Überprägung traditioneller medizinischer Praktiken zeigt sich bei den heutigen Nachfahren der Maya besonders deutlich auf dem Bereich der Zusammenarbeit zwischen traditionell orientierten Hebammen (comadronas/parteras) und den Vertretern der modernen westlichen Medizin in Fragen der Geburtsvorsorge und -behandlung (vgl. Hurtado und Sáenz de Tejada 2001, Cosminsky 2001). Dieses Phänomen zieht sich in weniger prägnanter Form auf populärem Level durch alle Bereiche des täglichen Lebens, in denen medizinische Entscheidungen getroffen werden müssen, da die mittlerweile nahezu omnipräsente westliche Gesundheitsversorgung in Form von Apotheken, Ärzten und staatlichen Gesundheitseinrichtungen selbst in entlegenen ländlichen Gegenden oft den überzogenen Anspruch an ihre Alleinherrschaft stellt, obwohl sie bei weitem nicht alle (indigenen) Krankheiten zu heilen weiß (García, Sierra und Balám 1999:152ff, vgl. a. Cosminsky 1973, Bastien 1992). Daher ist es wichtig festzustellen, wie die Menschen innerhalb dieses medizinpluralistischen Systems handeln und welche Faktoren auf populärer Ebene die Entscheidungen im Krankheitsfall lenken. Zu diesem Zweck bietet sich eine anwendungsbezogene Differenzierung der die jeweiligen „offiziellen“ Medizinsysteme repräsentierenden Heilmittel an - also hauptsächlich Pharmaka und Heilpflanzen.

In Mesoamerika stellen seit Jahrhunderten, wenn nicht gar seit Jahrtausenden, vornehmlich Pflanzen die materielle Behandlungsgrundlage traditioneller Vertreter des Gesundheitssystems dar (Cáceres und Girón 1984). Die Pflanzen werden jedoch zunehmend teils mit chemisch-synthetischen Pharmaka, teils mit anderen Zivilisationsprodukten gemischt verwendet, besonders auf der breiten populärmedizinischen Ebene. Eines der Ziele der Untersuchung war es herauszufinden, inwiefern eine traditionelle Sichtweise bezüglich der Pflanzenbenutzung bei den untersuchten Krankheitsbildern anzutreffen war; eine ganzheitlich-kosmologische Sichtweise des Heilungsprozesses droht im Zuge der fortschreitenden Entwicklungen verloren zu gehen (Pöll 1993, Comerford 1996). Daher soll im folgenden Kapitel näher auf den Nutzen der Alternative zu westlichen Behandlungsmethoden, den der Heilpflanzen und deren kulturelle Einbettung in Lateinamerika und Guatemala, eingegangen werden, um so den Rahmen der Arbeit weiter abzustecken.

1.3.1. Der Nutzen traditioneller Heilpflanzen

Eine immer schneller voranschreitende, weltweite Zerstörung natürlicher Urwald-Ressourcen hauptsächlich aus agrar- und forstwirtschaftlichen Gründen macht jedoch auch vor der yukatekischen Halbinsel im Rahmen eines stetigen Bevölkerungswachstums keinen Halt (Schwartz 2002, Arvigo 1995)[7]. Zudem tragen die Urbanisierung und die kulturübergreifenden Einflüsse der Globalisierung[8] zu einem zunehmenden Verlust indigener Medizin-Traditionen bei, und die Nutzung natürlicher, d.h. vornehmlich pflanzlicher Heilmethoden ist daher nicht mehr so ausgeprägt wie früher (Gubler 2002, Arvigo und Balick 1994:11, Escobar 1995:11). Heilpflanzen wurden in indigenen Medizinsystemen Guatemalas bereits vor Ankunft der Spanier verwendet (Ximenez 1857:209, Pöll 1999:1, Escobar 1995) und stellen bis in die Neuzeit ein wichtiges Standbein der medizinischen Versorgung in ländlichen Gegenden dar (Cáceres und Cáceres 1984:270, Cáceres und Girón 1984:284ff). Bestandsaufnahmen über das noch vorhandene indigene Wissen dieser teilweise seit Jahrhunderten mündlich überlieferten Heilmethoden auf Pflanzenbasis sind daher empfehlenswert, um nicht Gefahr zu laufen, ebenjenes kulturelle Wissensgut im Zuge vorgenannter Entwicklungen allmählich zu verlieren (Bichmann 1995:48ff, Gubler 2002:68ff).

Pöll weist darauf hin, dass speziell im Petén ein Großteil der Bevölkerung nach wie vor abhängig ist von pflanzlichen Heilmitteln, da diese oft die einzige Alternative in abgelegenen Gemeinden darstellen, die keinen unmittelbaren Zugang zu Apotheken oder Ärzten haben: Schlangenbisse, gastrointestinale Probleme und die nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen erst von den Europäern mit der Kolonisation Amerikas eingeführte Malaria[9] werden dort seit Jahrhunderten erfolgreich mit Heilpflanzen behandelt. Umfassendes Heilwissen im Nord-Petén ist heutzutage jedoch fast nur noch bei der älteren Bevölkerung anzutreffen und droht im Zuge der Generationenwechsel allmählich verloren zu gehen (1993:93, Escobar 1995:4).

Um diesen Entwicklungen ansatzweise entgegenzuwirken, sind zum einen ethnobotanische Bestandsaufnahmen der relevanten Flora, zum anderen ethnomedizinische Untersuchungen aktueller Behandlungsmethoden und -überlegungen, die zur Nutzung oder Ablehnung von natürlichen Heilmitteln führen, unter der Bevölkerung empfehlenswert (Comerford 1996:325, vgl. Arvigo und Balick 1994).

Das Wissen um pflanzliche Wirkstoffe kann die Schulmedizin um wichtige Aspekte bereichern und gegebenenfalls Anhaltspunkte gegen in unserem Kulturkreis als schwer zu heilende oder bislang unheilbar geltende Krankheiten liefern[10]. Besonders in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kam den Heilpflanzen durch die zunehmende Urbanisierung und den damit aufkommenden, vormals nahezu unbekannten Zivilisationskrankheiten wie zum Beispiel Diabetes[11], eine „modernere“ Bedeutung zu, da sie neu evaluiert und angewendet werden konnten (Feldnotizen: I. Chayax, yerbatera San José). Nahezu losgelöst von ihrem lokalen, traditionell-kulturellen Kontext erfahren die Pflanzen auf diese Weise eine globale Bedeutung.

1.3.1.1. Ethnopharmakologie und kulturelle Rechte

Die Bedeutung der traditionellen Medizin hat besonders in den letzten Jahren im Rahmen der Suche nach neuen Heilverfahren und Wirkstoffen an Einfluss gewonnen und es werden immer mehr Projekte ins Leben gerufen, die traditionelle Heilpflanzen der indigenen Maya-Völker Lateinamerikas auf ihren pharmazeutisch nutzbaren Wert hin untersuchen[12]. In Guatemala ist jedoch gleichzeitig eine Abnahme der Bedeutung der traditionellen Heilkunde und ihrer Vertreter festzustellen (vgl. Eder und García Pú 2003, Orozco García 2000:43). Somit steht zu befürchten, dass auch das Wissen um die Wirksamkeit der Pflanzen nach und nach verloren geht.

Herauszufinden, inwiefern die Pflanzen bzw. die darin enthaltenen aktiven Wirkstoffe wirklich medizinisch wirksam und im Endeffekt für das Gros der Weltbevölkerung nutzbar sind, ist Aufgabe der Ethnopharmakologie. Diese relativ junge Sparte der Ethnologie widmet sich der „Erforschung der Wirkprinzipien traditioneller Materia medica“, wie es Hirschberg im Wörterbuch der Völkerkunde prägnant ausdrückt, wobei diese Nachbardisziplin von Ethnomedizin und Ethnobotanik in einem interdisziplinären Ansatz die Bereiche Pharmakologie, Soziologie, Ethnologie und Psychologie zu vereinen weiß (1999:109).

Um die Heilpflanzen bei so genannten Pflanzen-Screenings[13], die oft im Auftrag großer Pharma-Unternehmen stattfinden, jedoch nicht einfach dem kulturellen Kontext zu entreißen, dem sie entspringen - also hier dem der traditionellen Maya-Heilkunde -, bedarf es sensibler ethnomedizinischer Aufklärungsarbeit[14]. Dies bietet nicht nur den Vorteil einer finanziellen oder wie auch immer gearteten Beteiligung der Einheimischen, zum Beispiel an den Patentrechten eines eventuell daraus resultierenden Medikamentes, sondern liefert gegebenenfalls auch unerlässliche Hinweise auf Aspekte der Handhabung der Pflanze, welche die medizinisch wertvolle Wirksamkeit erst voll zur Entfaltung bringt[15]. Der Ethnologe kann diesbezüglich nicht nur in seiner Funktion als kultureller Übersetzer bei den Wahrungen der Interessen des Volkes und gegebenenfalls der betreffenden Heiler, Schamanen etc. eine Mittlerrolle spielen[16], sondern durch sensible Feldforschung auch Wissen zu Tage fördern, welches bei den auf möglichst hohe Effizienz ausgelegten Screenings mit meist vergleichsweise kurzer Aufenthaltsdauer der Wissenschaftler vor Ort nicht oder nur unzureichend ans Licht gebracht bzw. evaluiert wird (vgl. z.B. Otero el al. 2000).

1.3.1.2. Psychosomatik und alternative Heilmethoden

Betrachtet man die aktuellen Trends auf dem medizinischen Sektor in westlichen Industrienationen, fällt eine zunehmende Verlagerung des öffentlichen und medizinischen Interesses hin zu alternativen Heilmethoden und ethnomedizinischen Interessengebieten auf (Goerke 1999:24, Knipper 2000:16)[17]. Dieser Trend entsprang laut Bastien in den 1970er Jahren aus der New Age-Bewegung, sei aber heutzutage keineswegs nur noch auf diese begrenzt (1992:216ff). Warum diese Abkehr von der vorbehaltlosen Akzeptanz moderner, medizintechnischer Errungenschaften, [CP1] Ideale und Heilmethoden im westlichen Sinne?

Immer mehr Menschen haben (Zivilisations-)Krankheiten, die sich nicht oder nur schwer mit den Methoden der westlichen Schulmedizin heilen lassen. Darunter fallen hauptsächlich chronische und nicht eindeutig diagnostizierbare Beschwerden mit teilweise psychosomatischen Ursachen, die durch einen unausgeglichenen und „schnellen“ Lebensstil, wie ihn die moderne, urbane Gesellschaft fördert, hervorgerufen werden. Symptome wie Stress, Existenzangst und diffuse körperliche Beschwerden werden durch allgemeine Zeit- und Ruhelosigkeit, hohen Leistungsdruck sowie komplexe, oft rein geistige Arbeit begünstigt (Stern 3/2004). Schwartz weist diesbezüglich darauf hin, dass allein in den semiurbanen Besiedlungsräumen des Petén eine Zunahme von Angstattacken, Diabetes und Angina von den Ärzten unter Hinweis auf die zunehmende Komplexität des modernen Lebens in den letzten Jahren festgestellt wurde (2002:164). Alternative, natürliche Heilmethoden bieten hier durch ihren außerhalb dieses kognitiven Zivilisationssystems stehenden Anspruch an Erdverbundenheit, Natürlichkeit, Ruhe und Einfachheit einen wertvollen psychischen Gegenpol, ganz abgesehen von den ganzheitlichen Heilungsansätzen, auf die Heiler, Heilpraktiker und andere, nicht-westlich-schulmedizinisch ausgebildete Vertreter des Gesundheitssystems durch eine holistische Sichtweise des Patienten-Krankheitsverhältnisses zurückzugreifen vermögen (Kaptchuk 1983, Gubler 2002). Die Wirkung der Pflanzen und die dahinter stehende Ideologie basieren auf einer ganzheitlichen Wirkung, d.h. sowohl auf physiologischer wie auf psycho-sozialer Ebene (ibid.:63f). Dies spricht besonders bei schulmedizinisch nicht genau definierbaren -da schwer bis gar nicht lokalisierbaren- Krankheiten (z.B. Allergien und psychosomatische Beschwerden) der Phytotherapie eine neue Bedeutung zu, die diesbezüglich nicht als konkurrierender Gegenpol zur Schulmedizin verstanden werden soll, sondern vielmehr als ergänzender (ibid.:69f, Stern 3/2004)). Die Suche nach Alternativen zur naturwissenschaftlich-rationalen Schulmedizin konzentriert sich daher in westlichen Industriestaaten vermehrt auf traditionelle Heilverfahren anderer Kulturen, vornehmlich die der jahrtausendealten chinesischen Heilkunde (TCM), die eine ganzheitliche Sichtweise des menschlichen Körpers und der persönlichen Umstände des Kranken an den Tag legt; die traditionelle chinesische Medizin weist viele Gemeinsamkeiten mit der traditionellen Maya-Medizin bezüglich Ursachenforschung, Ätiologie und Behandlungsmethodik auf (García, Sierra und Balám 1999, Cáceres und Cáceres 1984)[18].

Die ausnahmslose Bedeutung der psychischen Vorgänge bei der (Selbst-)Heilung von Krankheiten steht vermehrt im wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse westlicher Industriestaaten (vgl. GEO 10/2003). Dieser schwer wissenschaftlich zu fassende Faktor fällt in den Bereich des religiös gefärbten Verständnisses des Begriffes fe[19] im Petén und anderswo in Lateinamerika. Fe war im Rahmen der Befragung eine der Hauptantworten nach dem Grund für die gewählte Heilmethode und wurde gleichsam von den meisten Bewohnern Uaxactúns als die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Heilung ins Feld geführt.

2. Die Fragestellungen

Die vorliegende Arbeit bietet am Beispiel einer ethnologisch orientierten Feldforschung einen theoretischen und praktischen Ansatzpunkt der Untersuchung vorgenannter Problem- und Aufgabenstellungen. Folgende Fragestellungen werden untersucht:

1. Welche Behandlungsalternative wird im Krankheitsfall in Anspruch genommen? Wie werden Krankheiten und Heilmethoden klassifiziert (emische / etische Sichtweise [20] )? Inwieweit gibt es Abstufungen und fließende Übergänge bei der Anwendung moderner und traditioneller bzw. synthetischer und pflanzlicher Heilmittel ?
2. Warum verwenden die Einheimischen diese oder jene Behandlungsmethode? Welche Faktoren spielen bei der Entscheidungsfindung bei der Wahl der Heilmethode eine Rolle? Inwiefern beeinflussen Faktoren wie ethnische Zugehörigkeit, Bildung, Alter, wirtschaftliche Verhältnisse, Religion, Geschlecht, persönliche Definitionen der Krankheitsbilder und soziale Netzwerke die Entscheidung im Risikofall Krankheit?
3. Wie wird das Heilwissen vermittelt? Welche Informationsquellen spielen im soziokulturellen Netzwerk der Dorfgemeinschaft eine Rolle und wie werden sie gewichtet? Wie groß ist die Rolle der intra- und interfamiliären Informationsvermittlung?
Nach Evaluation der vorhandenen Hauptkrankheiten und ihren Behandlungsalternativen vor Ort konnten obige Fragestellungen ergänzt werden und ein Fragenkatalog für die Interviews ausgearbeitet werden (vgl. II):
4. Wie hoch ist die Akzeptanz des örtlichen Gesundheitspostens (Puesto de Salud) unter der einheimischen Bevölkerung?
Inwiefern wird der Posten als Vertreter der westlichen Medizin akzeptiert und in Anspruch genommen? Nach welchen Kriterien beurteilen die Bewohner Uaxactúns Nützlichkeit und Effizienz des Puesto (Personal-Erreichbarkeit, Kompetenz, Medikation)? Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen des Puesto ?
5. Welche Rolle spielen die Heilpflanzen im Vergleich zum Gesundheitsposten?

Mit welchen soziokulturellen Faktoren ist die Verwendung der Heilpflanzen im kulturell stark gemischten und nicht traditionell gewachsenen Uaxactún verknüpft? Wann werden die Heilpflanzen, wann die synthetischen Pharmaka des Postens, des Ladens oder der Apotheke genutzt?

2.1. Hypothesen

Auf der Basis vorangegangener medizinanthropologischer und ethnomedizinischer Untersuchungen[21] werden ansatzweise Hypothesen überprüft, die sich als die entscheidungstragenden Faktoren bei Risikoentscheidungen im Krankheitsfall herauskristallisiert haben. Demnach wird evaluiert, ob die Entscheidungen bei der Wahl der Heilungsmethode hauptsächlich abhängig sind von folgenden Faktoren:

a) Traditionell-ideologische Kriterien, speziell Heiß-Kalt-Dichotomie-Vorstellungen
b) Schwere der Krankheit
c) Kosten der Behandlung
d) Ethnische Zugehörigkeit des konsultierten Gesundheitspersonals / Soziokulturelles Umfeld der Heilmethode [22]
e) Zeitfaktor (Dauer der Behandlung)
f) Verfügbarkeit der Heilungsalternativen
g) Sozialer Einfluss (Peer Pressure o.ä .)
h) Persönliches Heilwissen

2.2. Warum Uaxactún?

In diesem Kapitel sollen die Vor- und Nachteile des Untersuchungsraumes für eine derartige Feldforschung dargelegt und abgewogen werden, denn diese Überlegungen hatten einen wichtigen Einfluss auf die Methodik der Datenerhebung.

2.2.1. Nachteile

Die Nachteile Uaxactúns für die getätigte Untersuchung beinhalten folgende Punkte:

a) Das Fehlen eines ortsansässigen Heilers, Kräuterkundigen oder Schamanen als direkte Vergleichsmöglichkeit des indigenen, traditionellen Medizinsystems mit dem westlichen bzw. dem Puesto de Salud. Es gibt zwar drei Hebammen, die aber einen anderen Status als der enfermero [23] haben, weil sie sich vornehmlich um perinatale Angelegenheiten kümmern, um die sich der Krankenpfleger gar nicht kümmert.

b) Ein praxisrelevanter Nachteil der Feldforschung kristallisierte sich erst nach einiger Zeit vor Ort heraus: Das Dorf war durch seine nahezu einzigartige geografische Lage in der Vergangenheit Ziel etlicher sozial-, agrarwissenschaftlicher und biologischer Untersuchungen gewesen[24] und diente zudem mehrfach als Betätigungsfeld für Entwicklungshilfeprojekte diverser Nicht-Regierungs- und Regierungs-Organisationen sowie im Rahmen der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen auch diverser Organisationen mit rein wirtschaftlichen Interessen (Jatovsky 1998, Feldnotizen). Diese Untersuchungen und Projekte verliefen jedoch nicht immer nach Wunsch, bzw. hinterließen oft nichts als einen bitteren Nachgeschmack bei der Bevölkerung, da sich diese ausgenutzt, übervorteilt oder als Versuchskaninchen missbraucht sah (ibid., Feldnotizen). Zudem waren die individuellen Interessen der NRO´s und Verbände oft konträr, was die Situation verschlimmerte. Besonders die finanziellen Interessen von Privatpersonen und einer nahezu unüberschaubaren Anzahl an Verbänden, Organisationen und Komitees schüren ein Gefühl gegenseitigen Misstrauens unter großen Teilen der Bevölkerung: Man verdächtigt(e) sich vielfach gegenseitig, unlautere Ziele der persönlichen Bereicherung auf Kosten der Dorfgemeinschaft zu verfolgen (ibid.:49, Feldnotizen)[25].

Aufgrund dieser Einflüsse waren die Dorfbewohner zunächst relativ reserviert mir gegenüber. Man wollte erstmal abwarten, was ich für Pläne hatte. So erwies es sich manchmal als schwierig und teilweise sogar als unmöglich, einige Personen innerhalb des kurzen Untersuchungszeitraumes unbefangen zu kontaktieren, geschweige denn tiefergehend zu interviewen, da man mich ebenso verdächtigte, im Auftrag eines nicht näher spezifizierten Interessenverbandes zu handeln. Dies scheint ein gängiges Problem bei Feldforschungen in Guatemala zu sein (vgl. Cosminsky 1973:13/14, Jatovsky 1998:9) und ist vielleicht historisch bedingt (Bürgerkrieg). Einige Menschen von meinen lauteren Absichten zu überzeugen, kostete daher Zeit und Mühe und war in rund zweieinhalb Monaten nicht immer möglich.

2.2.2. Vorteile

a) Uaxactún bietet durch seine einzigartige geografische Lage inmitten des RBM (an der Grenze zwischen bosque und monte, vgl. Schwartz 1999:16f) optimale Voraussetzungen für ethnomedizinische und -botanische Untersuchungen: die große Abundanz natürlich vorkommender Heilpflanzen in direkter Dorfnähe bei gleichzeitiger Präsenz des nach westlichen Methoden arbeitenden Gesundheitspostens bieten optimale Vergleichsmöglichkeiten natürlicher/traditioneller und synthetischer/moderner Behandlungsmethoden von Krankheiten unter der Bevölkerung -vorausgesetzt man benutzt beide Heilungsalternativen.

Im Gegensatz zu vergleichbaren Orten im nördlichen Flachland Peténs, wo in der unmittelbaren Umgebung der Siedlungen durch intensive Abholzung zum Zwecke der Viehzucht und Landwirtschaft kaum noch Heilpflanzen vorkommen (vgl. Arvigo 1995, Comerford 1996, Schwartz 2002, Feldnotizen: I. Chayax, San José), ist in Uaxactún, durch den Lebensunterhalt der Bevölkerung auf Basis einer nachhaltigen natürlichen Ressourcennutzung von Nicht-Nutzholz-Waldprodukten, der Primär- und Sekundärwald samt der darin vorkommenden Heilpflanzen rings um das Dorf herum weitestgehend erhalten geblieben. Viele Heilpflanzen kommen auch im Dorf selbst vor, da viele ungenutzte Flächen vorhanden sind, die das Wachstum einiger Heilpflanzen begünstigen. Somit kann von vornherein ein Faktor abgeschwächt werden, der die Bevorzugung der Behandlung mit Pharmaka begünstigen würde: die Unzugänglichkeit zu Heilpflanzen bzw. ein übermäßiger Zeitaufwand, der zur Beschaffung benötigt wird (vgl. Arvigo 1995).

b) Durch die abgeschiedene Lage mitten im Wald sowie den strikten Zuwanderungsbestimmungen[26] bietet Uaxactún ein überschaubares Untersuchungsgebiet (vgl. Abb. I-III).

c) Die nicht über die Jahrhunderte hinweg traditionell gewachsene Dorfgemeinschaft Uaxactúns[27] [CP2] schließt einen weiteren Faktor aus, der die Entscheidungsfindung im Krankheitsfall in eine bestimmte Richtung lenken könnte: lokale, intrakulturell tradierte Werte bezüglich Ätiologie und Heilungsmethodik, die bei traditionellen Dorfgemeinschaften ein wichtiges Hauptkriterium bei Risikoentscheidungen darstellen (vgl. Young 1982, Logan 1973, Cosminsky 1973, Eder und García Pú 2003). Das tägliche Miteinander der Menschen Nord Peténs und Uaxactúns ist aus historischen Gründen eher von sozialen als von kulturellen Faktoren bestimmt (vgl. Schwartz 2002; Kapitel 5.1.). Das Dorf besteht aus Menschen mit unterschiedlichsten Abstammungen und differenzierten persönlichen Wissenspools bezüglich Heilmethodik und Entscheidungskriterien (vgl. Punkt 3.2.3.). So kann aus einer breit gefächerten Palette möglicher Behandlungsalternativen und Gründen für deren Benutzung geschöpft werden.

3. Theoriebildung und Untersuchungsmethoden

Die Untersuchungsmethoden ethnomedizinischer Feldforschungen stützen sich zu einem großen Teil auf Entscheidungs- und Beschreibungsmodelle. Diese Modelle haben ihre Wurzeln in der kognitiven Anthropologie. In diesem Kapitel wird daher nach einer kurzen Einleitung in die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte dieser Fachrichtung zur Darstellung der Modelle übergeleitet. Abschließend wird evaluiert, inwiefern eine Modellanwendung bei der Feldforschung in Uaxactún angesichts der Fragestellungen von Nutzen ist und angewendet wird.

3.1. Die Grundlagen der kognitiven Anthropologie

Die kognitive Anthropologie entwickelte sich zu einem großen Teil aus der Sprachwissenschaft heraus, und zwar aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten strukturellen System der Kommunikationsanalyse, die vom Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure theoretisiert und vom Prager linguistischen Zirkel in den 1920er Jahren weitergesponnen wurde (vgl. Pelz 1998:57ff, D´Andrade 1995:17). [CP3] Aus dem komplexen de Saussure´schen sprachwissenschaftlichen Strukturalismus möchte ich die Kernidee herausgreifen, welche auf die Ethnografie übertragen besagt, dass erst die Funktion und die Beziehungen der einzelnen sozialen Elemente zueinander ein strukturelles Gesamtbild zu schaffen vermögen[28] (ibid.:17ff, Pelz 1998:62): Für sich allein genommen, fehlt einem einzelnen (sozialen) Element jegliche Bedeutung, da die Vergleichsmöglichkeit mit anderen (sozialen) Elementen fehlt. Man muss es eingebettet in seine Umgebung betrachten und auch diachrone bzw. historische Elemente berücksichtigen, denn die Bedeutung eines (sozialen) Elementes kann selten losgelöst von seiner zeitlichen Einordnung verstanden werden und daher verfälscht erscheinen. Auf die vorliegende Arbeit übertragen bedeutet dies die Notwendigkeit der Berücksichtigung möglichst vieler soziokulturellen Umgebungsvariablen, welche die Entscheidungen im Krankheitsfall beeinflussen. Dazu gehören u.a. die persönlichen Krankengeschichten der Befragten, die Heilwissensvermittlung innerhalb der Dorgemeinschaft, die äußeren Umstände des Untersuchungsraumes etc. (vgl. II)[29].

Lounsbury und Goodenough gelten laut D´Andrade als Vorreiter der kognitiven Entscheidungsmodelle, weil sie erstmals erfolgreich die Untersuchung von Verwandtschaftsbeziehungen der Sprache anpassen konnten, d.h. eine in unserem Sprachgebrauch nicht existierende Verwandtschaftsbezeichnung konnte abstrakt erklärt und grafisch dargestellt werden (D´Andrade 1995:17ff). Es gilt, verschiedenartige „Vorstellungs-Einheiten“ (idea units) einer Gemeinschaft zu untersuchen und deren Zusammenhänge und phänomenologische Struktur darzustellen (ibid.). Dies ist eine Untersuchungsmethode, die nicht nur allein auf Verwandtschaftsbeziehungen, sondern unter anderem auch auf medizinische Überlegungen angewandt werden kann (Cosminsky 1973:6). Goodenough klassifiziert jene „Vorstellungs-Einheiten“ als die (Glaubens-) Vorstellungen, Werte und Prinzipien der Handlungsweisen der Mitglieder einer Gemeinschaft, und die phänomenologische Struktur als das statistische Muster der beobachteten Ereignisse und der Regelmäßigkeiten, die diese Ereignisse an den Tag legen (Goodenough 1964:1). Wichtig für die vorliegende Arbeit ist in diesem Zusammenhang die auf Kenneth Pike zurückgehende Unterscheidung emischer und etischer Begrifflichkeiten, d.h. die in Anlehnung an die sprachwissenschaftliche Unterscheidung der phon emischen und phon etischen Elemente eines Satzes entwickelte Übertragung auf kulturelle Untersuchungsgegenstände der Ethnologie (vgl. D´Andrade 1995:18, Hirschberg 1999). Auf die Krankheiten übertragen bedeutet diese Unterscheidung, dass emische Krankheitsvorstellungen nur in der untersuchten Kultur eine bedeutungsunterscheidende Funktion haben, etische Krankheitsvorstellungen hingegen die vom Forscher eingeführten, analytischen Klassifikationsschemata repräsentieren[30]. Diese Unterscheidung beinhaltet die Ätiologie[31] sowie die damit verbundenen Gründe für die Wahl der Heilmethode. Emisch und etisch sollen jedoch nicht unbedingt als gegensätzlich, sondern eher als sich ergänzendes Paar betrachtet werden. Beide sind notwendig, um die einheimische mit der wissenschaftlichen Sichtweise zu verknüpfen (vgl. Punkt 8).

Auf dem Gebiet der Ethnomedizin entwickelten sich im Laufe des letzten Jahrhunderts eine Reihe von Modellen, die Ordnung in die praktischen Überlegungen betroffener Individuen in bestimmten Ethnien bringen sollten und oft eine Vorhersageintention hatten. Die meisten dieser Modelle erwiesen sich jedoch als zu statisch, da seitens des Forschers oft etische Kategorien in die untersuchten Ethnien eingeführt wurden, welche die tatsächlichen Entscheidungen der Menschen zu sehr schematisierten und auf einen mehr oder weniger abstrakten Nenner zu bringen versuchten, der weit von der emischen Realität vor Ort entfernt war (vgl. Mathews 1982, Quinn 1975). Die ganz persönlichen Entscheidungen im Krankheitsfall jedes Individuums einer Gesellschaft wurden zugunsten eines homogenen Bildes einer gleich denkenden und handelnden Gesellschaft aufgegeben. An diesem Punkt soll im folgenden Kapitel angeknüpft werden, um so zur Anwendung eines Modells auf die Untersuchung in Uaxactún hinzuleiten.

3.2. Das Entscheidungsmodell

Normative Untersuchungsmodelle, die kognitive Ordnungen lediglich im Hinblick auf eine Vorhersage zukünftiger Entscheidungen zu quantifizieren suchen, gelten heutzutage als zu statisch: Wie Mathews feststellt, liegt der Nachteil normativer Untersuchungsmodelle in der ihnen zugrunde liegenden mathematischen Konstruktion, mit der Entscheidungsvorhersagen bei Risikoentscheidungen einer Gemeinschaft getroffen werden (1982:173)[32]. Sie weist unter Berufung auf psychologische Untersuchungen darauf hin, dass sich Menschen bei Risikoentscheidungen eher auf heuristische Überlegungen stützen, die den Entscheidungsfindungsprozess vereinfachen und weniger rational nachvollziehbar gestalten (ibid.). Beschreibende Entscheidungsmodelle, wie sie u.a. James Young bei seiner ethnomedizinischen Feldstudie in Pichataro, Mexiko angewendet hat, seien wesentlich besser geeignet, realitätsnahe Vorhersagen zu generieren (ibid., vgl. Young 1978, 1980, 1981). Die Theorie der beschreibenden Entscheidungsmodelle beruht darauf, die kognitiven Prozesse bei der Entscheidungsfindung einer Ethnie, eines Dorfes o.ä. in ihrem natürlichen Umfeld im Rahmen einer Feldforschung zu untersuchen. Dabei sind nach Young (1981:9,141) folgende Punkte zu untersuchen:

1) Die vorhandenen Alternativen, zwischen denen die untersuchte Gruppe angesichts einer Risikoentscheidung wählen kann bzw. muss.
2) Die Kriterien, nach denen sich für die eine oder andere Methode entschieden wird.
3) Diese Kriterien anschließend zueinander in Beziehung zu setzen und Gesetzmäßigkeiten herauszuarbeiten: Wie findet der Entscheidungsprozess statt? Welche Faktoren müssen erfüllt sein, um die Entscheidung in eine bestimmte Richtung zu lenken?

Auf der Basis dieser, durch ethnografische Interviewmethoden gewonnenen Untersuchungsergebnisse, konstruierte Young in seiner Feldforschung ein Vorhersagemodell: Ist eine bestimmte Kombination von soziokulturellen Faktoren gegeben/nicht gegeben, wird sich die Gemeinschaft bzw. das Individuum für diese oder jene Heilungsalternative entscheiden (vgl. ibid.: 141ff.). Seine Überprüfung des Modells bei vormals noch nicht untersuchten Krankengeschichten im selben Dorf bewies tatsächlich eine Vorhersagegenauigkeit von über 90% (ibid.:162ff). Allerdings liegt eine Schwachstelle seiner Arbeit in dem geografisch und zeitlich begrenzten Wirkungsraum seiner Untersuchung: Eine Feldforschung in einem vergleichbaren Dorf in Costa Rica, die sich zunächst ausschließlich auf Youngs Modell zu stützen versuchte, wurde mit einer äußerst schlechten Vorhersageeffizienz mit hoher Fehlerquote gestraft (vgl. Mathews und Hill 1990:158ff). Denn obwohl Young´s entscheidungstheoretischer Ansatz zeitweise als neuer, revolutionärer Weg im Bereich der medizinischen Sozialwissenschaft galt, weil er den qualitativen Aspekten im natürlichen Umfeld der Untersuchung mehr Bedeutung zumaß (vgl. Garro 1982), so liegt seine Begrenztheit doch in seiner Vorhersageintention begründet, die nur sehr bedingt intrakulturellen Wandel und individuelle, emotional generierte Entscheidungsfindungen berücksichtigen kann, die nicht einer homogenen Dorfmeinung entspringen (Quinn 1975:42, Mathews und Hill 1990:155). Bei wenig homogenen, im stetigen soziokulturellen und ökonomischen Wandel inbegriffenen Gesellschaften, in denen der kulturelle Konsens abnimmt, wird das von Young und seinen Anhängern promovierte Modell in seiner Vorhersagequalität stark eingeschränkt, da die Menschen auf persönlichen Schwerpunktsetzungen und emotionalen Faktoren beruhende Entscheidungen treffen, die sich schlecht verallgemeinbaren lassen (ibid.:166). Mathews und Hill kombinierten daher im weiteren Verlauf ihrer Untersuchungen Young´s Methode der Entscheidungstheorie mit der rein beschreibenden Analysemethode (EM)[33]. Die Anwendung des EM brachte in Kombination mit der quantitativen Stützung der Fallbeispiele mehr Erfolg bezüglich der Vorhersagequalität (ibid.: 164ff)[34].

3.3. Das Beschreibungsmodell und seine Weiterentwicklung: EM und EMIC

Das EM legt mehr Wert auf persönliche, individuelle Überlegungen einzelner Interviewpartner. Das Modell ist von Arthur Kleinman im Hinblick auf die Überbrückung der „fundamentalen Spannungen zwischen medizinischen und anthropologischen Interessen“ entwickelt worden (Kleinman 1978:85). EMs beinhalten Erklärungen folgender fünf Faktoren: Ätiologie, Symptome, Pathophysiologie, Krankheitsverlauf (Schwere und Art der Krankenrolle) und Behandlung (ibid. 1978:87f). Kleinman´s Modell ist jedoch speziell für die anthropologische Sensibilisierung medizinischen Gesundheitspersonals geeignet[35] und kann daher nur bedingt einer realitätsnahen Feldforschung vom ethnologischen Standpunkt aus dienen (Weiss 1997:241). Das Modell wurde von Kleinman selbst später als zu „deterministisch“ verworfen (Kleinman 1995:8, vgl. a. Knipper 2001:22). Es wurde in der Folge vom Medizinanthropologen und Psychiater Mitchell Weiss im so genannten EMIC (Explanatory Model Interview Catalogue) weiterentwickelt: der EMIC beinhaltet sowohl quantitative, als auch qualitative Variablen, die in ihrer Kombination Aufschlüsse über praxisorientierte Entscheidungen im Krankheitsfall geben können (Weiss 1997:235). Die Vorgehensweise des EMIC ist sensibler und variabler als die des EM, da er eine Unterscheidung in emische und etische Kategorien berücksichtigt und mit offener Interviewstruktur arbeitet, die mehr Raum für individuelle Interpretationen und Auslegungen seitens des Befragten zulässt. Bei Mehrfachantworten wird im EMIC nach einer relativen Signifikanzgewichtung seitens der interviewten Person gefragt. Zudem wird auf diachrone Entwicklungen des individuellen Erklärungsmodells der befragten Person eingegangen, also die persönliche (Kranken-) Geschichte berücksichtigt. Dies ist besonders bezüglich des prävalenten Zieles der vorliegenden Arbeit, der Herausarbeitung der Gründe für die Benutzung einer bestimmten Heilmethode, von Bedeutung, da sich diese Meinungsbildung durch persönliche Erfahrung mit Krankheiten im Laufe des Lebens entwickelt hat. Aus der so genannten prose elaboration des EMIC, also der narrativen Struktur der Antworten, können die notwendigen qualitativen und quantitativen Daten gleichsam herausgefiltert werden und gegebenenfalls zur Differenzierung bereits vorhandener Kategorien beitragen (ibid.)

Andere Untersuchungen bestätigen ebenfalls die Nützlichkeit einer Kombination qualitativer und quantitativer Analysemethoden, da je nach Art der methodologischen Befragung bzw. Datenerhebung im Rahmen einer Feldforschung teilweise deutliche Abweichungen bei den Ergebnissen zu erwarten sind (Cosminsky 1977, Pelto und Pelto 1997, Mathews und Hill 1995).

3.4. Die Modellanwendung auf Uaxactún

In Uaxactún ist eine wandlungsfreudige Gesellschaft mit inter- und intrakulturell hoher Fluktuation der äußeren Variablen festzustellen, also derjenigen Faktoren, welche die Entscheidungsfindung der Behandlungsmethode im Krankheitsfall beeinflussen. Die nicht traditionell gewachsene, vergleichsweise junge Gemeinschaft des Dorfes (vgl. Kapitel 5.1.), mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, kulturellen Backgrounds und arbeitstechnisch bedingt unterschiedlichen Einflüssen stellt eine heterogene Mischkultur dar (OMYC 1999, Feldnotizen: R. McNab). Die Ethnizität beruht in Uaxactún daher historisch bedingt eher auf sozialen als kulturellen Faktoren, wie generell im Petén (Schwartz 2002:165, vgl. Punkt 3.1.). Die Überlegungen im Krankheitsfall entspringen somit differenzierten Umgebungsvariablen, die je nach Interviewpartner unterschiedlich gewichtet und definiert werden (vgl. Kapitel 8).

Bei der vorliegenden Untersuchung wird daher die Vorgehensweise und Struktur des EMIC-Modells als konkreter Anhaltspunkt genommen, unter Berücksichtigung der kognitiven Prozesse bei der Entscheidungsfindung, die von Young erwähnt werden. Es wird Wert auf eine individualisierte Auswertung der Befragung gelegt, welche durch statistische Daten gestützt wird, also im Sinne von Goodenoughs Unterscheidung in idea units und den phänomenologischen Ordnungen dieser Einheiten gehandelt.

Es wird bei der Darstellung der Krankheiten in Kapitel 7. und der qualitativen und quantitativen Auswertung in Kapitel 8. nur indirekt eine Unterscheidung nach den infrastrukturellen Behandlungsalternativen Gesundheitsposten, Arzt, Apotheke, Klinik, Hebamme, Heimanwendung, Wald vorgenommen; eine solche Unterteilung erweist sich aufgrund der deutlich überwiegenden Nutzung der Heilmittel in Heimanwendung als unzureichend. Die Befragung ergab, dass Klinik und Ärzte außerhalb Uaxactúns nur in einem Fall für die Behandlung von Enteroparasiten, in einem für schwere Grippe und für Malaria überhaupt nicht benutzt wurden. Erst bei lebensbedrohlichen Zuständen werden die Klinik und Ärzte benutzt, worunter hauptsächlich andere Krankheiten fallen.

Vielmehr erweist sich eine Unterteilung der in Heimanwendung benutzten Mittel in industriell produzierte Pharmaka, Heilpflanzen und eine Kombination aus beiden als sinnvoll. Obwohl die strikte Trennung von synthetischer und pflanzlicher Medikation aus der Sicht des reinen Wirkstoffgehaltes nicht wirklich greift, da viele synthetische Pharmaka auf natürlichen Rohstoffen beruhen[36], so kann doch mit dieser Differenzierung auf den Aspekt der anderen kognitiven Bezugsrahmens der Heilpflanzen auf soziokultureller und historischer Ebene hingewiesen werden (vgl. Stern 3/2004). Pharmaka entspringen einer nicht lokalen Quelle: einer Produktionsstätte an einem anderen Ort, die nicht im Zusammenhang mit einer dorfeigenen Umwelt steht. Sie haben keinen kulturellen Bezugsrahmen, der in direkter Verbindung zu den Bewohnern steht. Pharmaka kosten normalerweise Geld und repräsentieren das westliche kognitive System moderner Zivilisationsgesellschaften (vgl. Kapitel 4.1.1.).

Pflanzennutzung hingegen erfordert zumindest eine Auseinandersetzung mit der natürlichen Umwelt, wenn nicht sogar eine Identifikation des Individuums mit dieser. Man handelt aufgrund des Fehlens eines ortsansässigen Heilers in Uaxactún bei der Suche der richtigen Pflanze und der anschließenden Verarbeitung und wohldosierten und zeitlich abgestimmten Anwendung des korrekten Pflanzenteils völlig eigenverantwortlich. Die Benutzung pharmazeutischer Medikation schließt diese Schritte zu einem großen Teil aus, da man die Verantwortung für diese Faktoren in die Hände des westlichen Medizinsystems legt – sei es nun mit oder ohne Beratung bzw. Behandlung eines seiner offiziellen Vertreter. Man benutzt im Fall der Pflanzen diejenige Heilungsquelle, welche die natürliche Umwelt bietet und wird somit ein Teil von ihr: die Benutzung der Heilpflanzen (und Heiler) bettet das Individuum automatisch in diesen gesamtheitlicheren Kontext lokaler Natur-Ressourcennutzung ein (vgl. García, Sierra und Balám 1999, CARE 1999, Cáceres und Cáceres 1984). Die im Rahmen der Untersuchung gewonnenen Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass es heutzutage nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, ob die Nutzung von Heilpflanzen in einem streng traditionellen (Maya-)Kontext erfolgt; kulturell tradierte Werte spielen im Untersuchungsgebiet Uaxactún und Nord-Petén aufgrund der jungen Geschichte der Besiedlung keine große Rolle (Schwartz 2002). Wichtig sind daher die grundsätzlichen Überlegungen der Menschen bezüglich der Benutzung von synthetischen Pharmaka oder Heilpflanzen, als Repräsentanten des einen oder anderen kognitiven Systems.

3.5. Die Befragung der Bevölkerung

Das Ziel der erfahrungsgestützten Beobachtung und Befragung vor Ort war es, ein möglichst originalgetreues, realitätsnahes Bild der individuellen Überlegungen im Krankheitsfall zu zeichnen; ein Bild, bei dem die befragte Person als Individuum erhalten bleibt, als ein Mensch mit eigenem Charakter, eigenen Ansichten, Problemen, Lebensumständen und ganz persönlicher Geschichte.

Während der gesamten Aufenthaltsdauer fand im Prinzip ein „Einleben“ in Uaxactún statt, im Zuge derer sich tiefere Einblicke in die Dorfstruktur und die vorhandenen Sitten, Gepflogenheiten und Lebensumstände ergaben. Man ließ mich als kurzfristiger Besucher teilhaben an vielen dorfinternen Aktivitäten, persönlichen Überlegungen und tagtäglich anfallenden Aufgaben und Routinen. Dennoch kann innerhalb eines derart kurzen Zeitraumes vor Ort nur ein Bruchteil dessen wahrgenommen werden, was sich bei einer längerfristigen Aufenthaltsdauer im Wechsel der Jahreszeiten und äußeren Umstände erleben lässt. Leider war dies jedoch nicht möglich, daher möge man berücksichtigen, dass unvollständige, fehlende oder verzerrte Angaben der Gegebenheiten vor Ort trotz sorgfältiger Recherche nicht auszuschließen sind.

3.5.1. Die Methodik der Feldforschung und der Interviews

Bezüglich der allgemeinen Vorgehensweise bei der Feldforschung (Frage- und Interviewtechniken, Arbeitsmaterial, Datenverarbeitung) stützte ich mich auf die Werke von Spradley (1979, 1980), Levy und Hollan (1998), Weller (1998) und Bernard (1995, 1998). Tiefere Einsichten und Denkanstösse bezüglich Theoriebildung, Thematik, Methodik, Problematik und Ausarbeitung eines möglichst effizienten Fragenkatalogs verschafften mir hauptsächlich vorangegangene ethnomedizinische Untersuchungen und Modellanwendungen von Goodenough (1964), Cosminsky (1973, 1977), Kleinman (1978, 1995), Young (1978, 1980, 1981), Young und Garro (1982), Garro (1982), Mathews (1982, 1987), Mathews und Hill (1990) sowie Pelto und Pelto (1997) und Weiss (1997).

Die Ergebnisse der Befragungen wurden in einer Kombination aus strukturierten, semi-strukturierten und unstrukturierten, offenen Interviews sowie mittels teilnehmender Beobachtung gewonnen. Die Mehrzahl der Gespräche fanden auf einer möglichst freundschaftlichen, unaufdringlichen Ebene in Form von semi-strukturierten Interviews statt, die sich nach einigen Begegnungen als die lohnenswerteste, d.h. produktivste Art und Weise der Datenerhebung herauskristallisierte (vgl. Weller 1998:365, Cosminsky 1977:331). Es gab aber auch Interview-Partner, bei denen sich bereits nach einigen Minuten zeigte, dass sie die rein strukturierte, auf striktem Frage-Antwort-Prinzip beruhende Interviewmethode bevorzugten und am besten zu beantworten wussten. Insofern musste flexibel vorgegangen werden und das Vorhaben entsprechend angepasst werden, denn eine rigorose Anwendung der einen oder anderen Methode erwies sich unter Umständen als hemmend und somit unproduktiv. Nur solange die Person Interesse und Wohlwollen zeigte, war das Gespräch flüssig und brachte die gewünschten Informationen (vgl. Cosminsky 1977:325f). Man merkte sehr schnell, ob man während des Gespräches in den Augen des Anderen aufdringlich wurde, oder gar einen persönlichen Bereich „betrat“, den der Befragte lieber nicht preisgeben wollte. Dieser Respekt des Gegenübers war für mich von großer Wichtigkeit und daher kam es vor, dass in manchen Interviews bestimmte Fragen gar nicht gestellt oder beantwortet wurden, selbst auf die Gefahr hin, nicht vergleichbares Datenmaterial zu bekommen. Ein etwaiger Datenverlust konnte durch eine weitaus tiefere, persönlichere Darstellung ausgeglichen werden (ibid.:331). Diesbezüglich wurde also das persönliche Wohlbefinden des Interviewten stets über das forscherseitige Interesse der Befragungen gestellt.

In allen Fällen wurden durch die größtenteils offene Interviewstruktur weitaus mehr Fragen gestellt, als auf dem Papier standen. Die Gespräche wurden von gegenseitigem Interesse geleitet, so dass auch sozioökonomische Themen, die Dorfpolitik betreffende Fragen, geschichtliche Hintergrundinformationen und persönliche, nicht unbedingt dem Gesundheitssektor zugehörige Punkte behandelt wurden. Zudem brachte eine möglichst unstrukturierte, d.h. offene und flexible Vorgehensweise bei der Befragung beiden Seiten eine größere Befriedigung. Die Interviewlänge variierte je nach Offenheit, verfügbarer Zeit, persönlichem Interesse, Auskunftsfreudigkeit, Wissenspool und Krankheitsgeschichte des Einzelnen oft erheblich: Im Schnitt dauerte ein Interview etwa 60 Minuten, wobei 30 Minuten das Minimum und ca. vier Stunden das Maximum waren[37].

Zu den Rahmenbedingungen der Interviews ist anzumerken, dass niemand dafür bezahlt wurde. Alle Interviews wurden von den Befragten freiwillig gegeben und man wollte partout kein Geld von mir annehmen, welches ich in den meisten Fällen für die wertvolle Zeit, die man mir widmete, anbot[38]. Dies schuf im Nachhinein eine sehr persönliche, nahezu freundschaftliche Beziehung zu den Menschen, die mir ansatzweise ein Gefühl der Einbettung in ein kognitives System jenseits der üblichen westlichen Sicht einer derartigen Interviewsituation verschaffte, da die Rollenverteilung, die mit einer Bezahlung einhergeht, außer Kraft gesetzt wurde. Man hat generell gerne Zeit für Gespräche und sieht nicht ein bzw. versteht nicht, dafür bezahlt zu werden, solange man nicht körperlich arbeitet, also aktiv etwas für den anderen tut. Die so in meinen Augen entstandene Schuld versuchte ich daher - wenn möglich - durch kleine Gefälligkeiten wie Fotos, Mitbringsel, Hilfe bei anfallenden Arbeiten, Filmvorführungen oder ähnlichem auszugleichen.

3.5.2. Technik

Die Interviews wurden nach Möglichkeit zunächst mit einem MiniDisk-Recorder aufgenommen und anschließend transkribiert. Zu diesem Zweck fragte ich stets die Interviewpartner um Erlaubnis für die Aufnahme. Lehnten sie ab, schrieb ich das Gesagte ausschließlich mit.

Die Methode der Aufnahme bietet folgende Vorteile: Die Aufnahme lässt zum einen den natürlichen Gesprächsfluss nicht abreißen, da man sich voll und ganz auf die Fragen und den (Augen-) Kontakt mit dem Gesprächspartner konzentrieren kann. Zum anderen lässt sich nach dem Interview die Aufnahme in aller Ruhe beliebig oft anhören und man kann mehr Informationen herausfiltern, als bei der alleinigen Mitschreibmethode[39]. Dies ist besonders bezüglich ortstypischer Begrifflichkeiten nützlich, die besonders während der ersten Interviews teilweise nur unzureichend verstanden wurden und eine Nachfrage erforderlich machten. Abgesehen davon eröffnet einem die Aufnahme die Möglichkeit, seine Sprachfertigkeit und Interviewtaktik zu kontrollieren und ggf. zu verbessern (vgl. Levy und Hollan 1998:353ff). Als alleiniger Nachteil der Aufnahme-Methode ist die Abhängigkeit von der Technik zu erwähnen: Funktioniert das Gerät oder der Datenträger aus irgendwelchen unwissentlichen oder unvorhersehbaren Gründen[40] nicht, so hat man nachher kein Audiomaterial in der Hand.

Gleichzeitig wurde während der ganzen Feldforschungszeit ein Feldtagebuch für allgemeine ethnografische Daten, schriftliche Interviews, Film– und MD-Materialordnung etc. geführt; des Weiteren ein persönliches Tagebuch, welches sich als sinnvolle persönliche Analyse der täglichen Arbeiten in Form einer Reflektions- und Ruhequelle außerhalb des arbeitstechnischen Rahmens erwies.

3.5.3. Interviewthemen

Nach einleitenden Fragen zu Alter, Religionszugehörigkeit, Familie, Beruf, Ethnie, Bildung und Zeit in Uaxactún folgten Fragen zu den Krankheiten. Um vergleichbare Daten in einem überschaubaren Rahmen zu bekommen, wurden bei der Auswertung drei der häufigsten Krankheitsbilder im Petén herausgegriffen und in 32 Haushalten in Uaxactún auf die oben aufgeführten Fragestellungen hin untersucht, denn nahezu jeder Interviewpartner wusste dazu etwas aus eigener Erfahrung zu sagen. Bei den Krankheitsbildern handelt es sich um schwere Atemwegserkrankungen (IRA= Infección Respiratoria Aguda), gastrointestinale Probleme, vornehmlich die durch Enteroparasiten hervorgerufenen (Parasitísmo intestinal), und Malaria (Paludismo)[41] (Orozco García 2000, OPS 1991, 1992, 1995, 2002). Dabei konzentrierte sich der Fragebogen zwar auf diese drei Krankheitsbilder, es wurde aber nach der generellen Krankengeschichte eines Haushaltes, inklusive Kindern und Ehepartner, gefragt, um ein umfassendes Bild ortstypischer Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten zu bekommen (vgl. Punkt 7.2.). Sollten die Interviewpartner die Hauptkrankheiten nicht von sich aus nennen, wurde explizit danach gefragt. Für jede der drei Krankheiten wurden so Antworten zu Vorkommen der Krankheit in der persönlichen Krankengeschichte, Heilung, Wissensquelle der Heilmethode und Grund für die Heilung registriert. Abschließend wurde nach der persönlichen Meinung des Befragten über den Puesto de Salud und den enfermero sowie nach einer Klinik- und Arztnutzung in der Vergangenheit gefragt, sofern diese nicht schon genannt worden war (vgl. II).

Es wurde zusätzlich eine Befragung bei einigen weiblichen Teilnehmerinnen der Frageserie über geburtsrelevante Behandlungsmethoden und -überlegungen durchgeführt. Die jeweilige Interview-Situation ließ manchmal eine unbefangene Frage aufgrund der geschlechterspezifischen Rollenverteilung nicht zu, aber einige Frauen sowie eine der Hebammen machten bereitwillig übereinstimmende Angaben, so dass diese Ergebnisse in deskriptiver Form mit aufgeführt werden können (vgl. besonders Kapitel 6.4.1.).

3.5.4. Die Interviewpartner[CP4]

Das Durchschnittsalter der befragten 32 Personen (16 Männer, 16 Frauen) liegt bei 39,3 Jahren, wobei die älteste Teilnehmerin 68 und die jüngste 18 Jahre alt ist. Die Aussagen aller 32 interviewten Personen stehen zwar theoretisch stellvertretend für etwa 132 Gesamtpersonen[42], da vornehmlich die Entscheidungsträger, d.h. die Eltern bzw. Haushaltsvorstände interviewt wurden; es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Kinder anders entscheiden, denn die liberale Erziehung der Kinder in punkto eigener Meinungsbildung schließt ab einem bestimmten Alter nicht unbedingt eine Übertragung der elterlichen Entscheidungsfindung auf die Kinder ein[43]. Sollte das Kind aus irgendeinem Grund die von den Eltern bevorzugte Heilmethode ablehnen, so wurde oft, aber nicht immer, von den Eltern darauf hingewiesen[44]. Aufgrund des potentiellen Fehlerfaktors bezüglich der Stimmenzählung der anderen Haushaltsmitglieder werden daher nur befragten Personen selbst statistisch gewertet. Die größte Familie (die des protestantischen Pastors) hat 13 im Haushalt lebende Kinder, die kleinste (die der Achtzehnjährigen) ein Kind. Drei Singles stehen alleine für ihre Entscheidung. Die ethnische Verteilung der Interviewpartner entspricht einer Dreiviertel-Mehrheit: Es wurden 8 Q´eqchi-Maya, die sich selbst als solche klassifizierten (Sprache und Herkunft/Eltern), und 24 Ladinos befragt.

Um ein breit gestreutes, die Dorfstruktur möglichst realitätsnah wiedergebendes Sample zu bekommen, wurden außerdem Familien mit verschiedenen Einkommens- und Bildungsniveaus befragt. Familien mit durchschnittlichen Lebensverhältnissen machten die Mehrzahl der Befragten aus (vgl. IIa). Ein weiterer Punkt, der bei der Auswahl der Personen von Bedeutung war, war die geografische Lage der Häuser im Dorf. Lokale Konzentrationen von sozialen Netzwerken, Verwandtschaftsverhältnissen oder ähnlichem, welche die Befragung beeinflussten, konnten nicht festgestellt werden (vgl. Abb. III). In drei Fällen werden die Antworten der (Ehe-) Partner[45] sogar getrennt gewertet, da sie völlig unterschiedlicher Natur sind und jeweils individuellen Interviews zugrunde liegen (Feldnotizen: U. Antonio/S. Choc Gualip, G. Belarmino/A. Barrientos, E. Aldana/M. Amparo).

3.5.4.1. Probleme und Überlegungen bei der Informationsgewinnung

Da die Menschen relativ offen und die Hütten und Häuser räumlich gesehen gut zugänglich sind in Uaxactún, ist nahezu jeder ein potentieller Interviewpartner, wobei die Frauen aufgrund der meist vorhandenen Kinder und der damit verbundenen Haushaltstätigkeit tagsüber generell besser erreichbar sind. Das heißt jedoch keinesfalls, dass der weibliche Teil der Bevölkerung mehr freie Zeit hätte -meist ist eher das Gegenteil der Fall- (vgl. Grandia 1999), sondern lediglich, dass die meisten Frauen sich rund um die Uhr im Dorf befinden, wo sie für Interviews eher erreichbar sind, als die meist außerhalb des Dorfes arbeitenden Männer. Die Frauen zeigten sich zudem gesprächiger als die Männer und hatten meist nichts gegen die Aufnahme des Interviews auf MiniDisk einzuwenden, während viele Männer sich skeptisch zeigten und die reine Mitschreibmethode bevorzugten.

Kommt man gegen Abend, also nach der Arbeit, haben die Männer oft keine Lust oder Zeit, sich mit den eigentümlichen Ideen und Ambitionen eines westlichen Ethnologie-Studenten auseinanderzusetzen. Mehrmalige Versuche meinerseits, Termine oder Verabredungen zu vereinbaren, ließen sich nur selten in die Tat umsetzen, da das Eingehen derartiger Verbindlichkeiten in Uaxactún von der aktuellen Gemütsverfassung des Betreffenden abzuhängen scheint. Diese ändert sich jedoch oft binnen weniger Stunden, und so kann es sein, dass man mittags eine Verabredung für den Abend macht, die abends nicht zustande kommt, weil die Person es vergessen hat, gar nicht anwesend ist, oder andere Verbindlichkeiten hat. Der deutsche Ethnologiestudent steht verständlicherweise an letzter Stelle der täglichen Prioritäten. Daher erzielte ich mit wiederholten, spontanen Besuchen die höchste Interview-Erfolgsquote.

Eine rein statistisch-strukturell orientierte Befragung auf unpersönlicher Interview-Ebene wurde selten akzeptiert; es wurde dann oft einfach zunächst abgeblockt, indem das Gesprächsthema auf persönliche Angelegenheiten wie meine Familie, Herkunft o.ä. gelenkt wurde, d.h. der Gesprächspartner versuchte von sich aus, zunächst eine persönliche Ebene herzustellen. Erst nach einem gegenseitigen Kennenlernen und Sich-miteinander-vertraut-machen waren die meisten Befragten bereit, über mein Anliegen zu sprechen und die Fragen zu beantworten. Nachdem man sich sozusagen an mich gewöhnt hatte und ich nicht mehr als „kurzfristiger Tourist“ betrachtet wurde, brachte man mir im öffentlichen Dorfleben eine freundschaftliche Aufmerksamkeit auf Gleichberechtigungsebene zuteil[46]. Auf dieser Basis konnte ich fortan leichter arbeiten, um zu brauchbaren Ergebnissen zu gelangen.

Insgesamt gesehen waren die Bewohner sehr gesprächig, sobald das Interview im Gang war und die Rollen definiert waren. Es ergaben sich besonders im Rahmen unstrukturierter Gespräche sehr fruchtbare und interessante Einsichten in die Lebens- und Denkweisen dieser autarken Dorfgemeinschaft, die weit über das behandelte Thema hinausgingen. Die Schwierigkeit bei den Interviews bestand manchmal darin, eine potenzielle Erwartungshaltung des Befragten bezüglich der Antworten zu antizipieren, d.h. man wollte mir gerne so antworten, wie man dachte, dass ich es hören wolle. In solchen Fällen war eine Erläuterung meiner ethnologisch lauteren, neutralen Beweggründe und persönlichen Umstände hilfreich: Ich erwartete, dass die Menschen sich offen und auskunftsfreudig zeigten, daher konnten die Gegenüber auch das Gleiche von mir erwarten (vgl. Spradley 1979:79ff). Es interessierte sie ebenso sehr, wer ich war, woher ich kam, wie ich dachte und lebte und warum ich das alles wissen wolle.

3.5.4.2. Die Rolle des Puesto de Salud und des enfermero

Der momentane enfermero Hector Caal war für mich die primäre Bezugsperson bezüglich Feststellung der Gesundheitsstatistik und Arbeitsweise seitens des Puesto (vgl. Punkt 6.4.2.) da er der alleinige Leiter war. Durch seine offene, gelassene Art war es mir möglich, auf einer freundschaftlichen Ebene mit ihm zu agieren, die sich über das Forscher-Interviewten-Verhältnis hinaus erstreckte. Hector Caal ist mütterlicherseits Q´eqchi-Maya-Abstammung. Er selbst spricht jedoch die Sprache gar nicht und lebt ein sehr modernes Leben in der Stadt (Feldnotizen: H. Caal). Ich verbrachte viel Zeit im Gesundheitsposten, wo ich im Rahmen vornehmlich unstrukturierter, persönlicher Gespräche und Interviews sowie teilnehmender Beobachtung einen umfassenden Eindruck der tagtäglich anfallenden Aufgaben und Konsultationen seitens der Bevölkerung mitverfolgen und evaluieren konnte. Caal gewährte mir unbeschränkte Einsichten in die Krankengeschichten und Behandlungsmethoden der Bewohner, sowie die von ihm und seinen Vorgängern monatlich erstellten Behandlungsstatistiken auf Formblättern des Gesundheitsministeriums, die teilweise bis in das Jahr 1984 zurückreichten. Die vorhandenen Statistiken sind allerdings unvollständig, da der Posten in der Vergangenheit zeitweise außer Betrieb gewesen war. Zwei dieser Statistiken aus dem Jahr 2002 finden sich im Anhang (Abb. IV.+V.). Sie verschaffen einen exemplarischen Einblick in die monatlichen Konsultationen des Gesundheitspostens. Es muss offiziell genau festgehalten werden, wer, wann, wofür, welche Behandlung bzw. Medikation in Anspruch genommen hat. Die alleinige Kontrolle der Erstellung der Statistiken obliegt Caal, der auch die notwendigen Medikamente in der von ihm als notwendig erachteten Menge bestellt und ohne Berechnung an die Bevölkerung verabreicht.

4. Definitionen[CP5] [CP6]

4.1. Medizinsysteme

In Anlehnung an Beatrix Pfleiderer und Arthur Kleinman möchte ich zunächst das medizinische System als ein soziokulturelles System definieren, welches „Vorstellungen, Theorien, Normen und Werte beinhaltet, sowie ein soziales System, das Rollen, Rollenspiele und Interaktionen vorschreibt und damit auch die Strukturen seiner Institutionen “(Pfleiderer 1995:90)[47].

Im Folgenden sollen nun in Anlehnung an diese Definition die Rollen, Behandlungsmethoden und Ideologien der prinzipiell vorhandenen Medizinsysteme in Guatemala kurz erklärt werden. Anschließend wird auf die Definition der Begriffe „Gesundheit“ und „Krankheit“ allgemein eingegangen, um abschließend emische Vorstellungen und Definitionen in Uaxactún erklären und verstehen zu können.

Es lässt sich zwischen drei grundlegenden Medizinsystemen in Guatemala unterscheiden: dem westlichen, dem rein traditionellen und dem populären System. Diese klare Abgrenzung verläuft in der Realität, das heißt in der direkten Anwendung, oft fließend, da die Menschen größtenteils eher auf pragmatischen Gründen basierte Entscheidungen treffen, welche die zur Verfügung stehenden Mittel nach Effizienz, also dem Kosten-Nutzen-Verhältnis in Anspruch nehmen. Es können durch Definierung jener Unterteilung jedoch Tendenzen und Abhängigkeiten soziokultureller Faktoren herausgearbeitet werden, die bei einer rein beschreibenden, ausschließlich die emische Sichtweise berücksichtigenden Beschreibung nicht zum Tragen kommen. Bei jener Unterteilung spielt die Anwendung der Heilmittel der jeweiligen Systeme, also die der synthetischen Pharmaka und der Heilpflanzen, eine wichtige Rolle.

4.1.1. Das westliche Medizinsystem

Um die Bedeutung des oft in dieser Arbeit benutzten Begriffes „westliche (Schul-)Medizin“ einzugrenzen und für den Leser verständlich zu machen, ist eine Definition unerlässlich. Diese Beschreibung wird jedoch nur einen Teilbereich der umfassenden Bedeutung des Begriffes beleuchten, da sich der Betrachtungswinkel, von dem aus man das westliche Medizinsystem zu erklären sucht, je nach Arbeitsthema ändert und verschiedenen Aspekten eine bedeutungstragende Rolle zuschreibt. Es wird hier insbesondere eine Definition von westlich orientierter Schulmedizin vom ethnologischen Standpunkt aus, d.h. in Abgrenzung zu indigenen Medizinsystemen, vorgenommen.

Das westliche System betrachtet die Krankheiten isolierter als viele traditionelle Systeme: es sucht sie durch Rückführung auf eine Ursache zu verstehen, gleichsam so, als könne man sie vom Rest des Körpers trennen, ohne eine umfassende Einbettung des Individuums in dessen umweltbedingte und persönliche Umstände, seinen Menschentyp, Charakter und Lebensumstände zu berücksichtigen, geschweige denn die emotional-spirituelle oder religiöse Rolle des Glaubens und des Vertrauens beim Heilungsprozess ernsthaft in Betracht zu ziehen (vgl. Hudson 1993:45f). Die westliche Medizin beruht auf der so genannten Keimtheorie von Bakterien, Viren etc. als Ursache-Wirkungsprinzip von Krankheiten (Risse 1993). Sie arbeitet nach den Prämissen der ontologisch-physiologischen Praxis, mit klaren Definitionen von Krankheiten und sie hat einen gewissen Anspruch zu erfüllen: den der rationalen Nachvollziehbarkeit jeglicher Diagnose und Ätiologie auf globaler Ebene, d.h. ein Arzt in Japan weiß genau, was gemeint ist, wenn ein Arzt in Guatemala z.B. muskuläre Dystrophie diagnostiziert (ibid.), ungeachtet jeglicher soziokultureller Faktoren des Patienten und emischen Ätiologien. Insofern repräsentiert das westliche Medizinsystem ein pan-kulturelles[C7] System, welches gemeinhin als ein Statussymbol jeglicher moderner Zivilisation gesehen werden kann. Es richtet seine Funktions- und Hierarchie-Strukturen an den Strukturen der Zivilisationsgesellschaft aus, der es entspringt.

Es gibt in der westlichen Schulmedizin weder Berufungen durch Träume oder übernatürliche Einflüsse, noch Kompetenzzugeständnisse auf der Basis von autodidaktisch erlangten Heilungserfolgen, welche die Aktionsbasis vieler lateinamerikanischer Schamanen, Heiler und Hebammen formen (García, Sierra und Balám 1999).

Die westliche Medizin arbeitet vornehmlich mit synthetisch hergestellten, chemischen Pharmaka, im Gegensatz zu den teils jahrtausendealten Heilmethoden jener Kulturen, die meist holistische Ätiologie-Erklärungen und somit auch Heilungsansätze besitzen und bevorzugt mit phytotherapeutischen Produkten arbeiten. Bekannte Vertreter dieser alternativen Medizinsysteme sind die chinesische Medizin (TCM)(vgl. Kaptchuk 1983), das Ayurveda-Heilwissen (vgl. Lad und Frawley 1991) und die Medizinsysteme der Maya (vgl. García, Sierra und Balám 1999).

Obwohl der Begriff „Pharmaka“ im medizinischen Fachgebrauch jegliche Arzneimittel - auch pflanzliche - umfasst, so wird er im Folgenden aus praktischen Gründen ausschließlich für chemisch synthetisierte Arzneimittel der westlichen Medizin benutzt, in Abgrenzung zu den Heilpflanzen, also den phytotherapeutischen Mitteln.

4.1.1.1. Biomedizin

Bastien weist bezüglich einer klaren Definition unseres Medizinsystems darauf hin, dass die Bezeichnung „westliche“ oder „moderne“ Medizin nicht angebracht sei, da sie nicht auf den westlichen Kulturraum beschränkt ist und durchaus auch als traditionell zu betrachten sei (1992:X). Daher verwendet er ausschließlich den Begriff der biomedicine („Biomedizin“), welcher heutzutage generell in der englischsprachigen medizinethnologischen und -anthropologischen Literatur benutzt wird. Der Begriff ist unter anderen auch von Pfleiderer (1995:90), Bichmann (1995:50), Knipper (2001:16) und Lux (1999) in erwähnter wörtlicher Übersetzung in Deutschland übernommen worden. Da dieser Begrifflichkeit im Deutschen aber eine sehr spezielle Bedeutung zukommt[48] und sie abgesehen davon speziell für die Zwecke dieser Arbeit a) in Anlehnung an die Etymologie des Präfixes „Bio“ (griechisch: bios = lebend) zu unspezifisch wäre, da darunter auch - oder gerade - die Phytotherapie fallen würde[49], b) im Deutschen zur irreführenden Verwechslungsgefahr mit dem Modepräfix „Bio-“ einlädt, welches für auf ökologischer, umweltfreundlicher Basis ohne chemisch-synthetische Mittel hergestellte bzw. gewonnene Produkte steht, wird in dieser Arbeit die Bezeichnung „westliche (Schul-)Medizin“ verwendet.

4.1.2. Traditionelle Medizinsysteme Guatemalas

Als Vertreter der traditionellen indigenen Medizinsysteme Guatemalas[50] gelten hauptsächlich Schamanen (shaman, h´men, bedingt brujos [51] ), Heiler/-innen (curanderos[52] ), Kräuterkundige (hierbateros/yerberos), Hebammen (comadronas/parteras), sowie weitere Spezialisten wie Knocheneinrenker (hueseros / talladores, compone-huesos) und Schlangendoktoren. Die Heilertätigkeit ist heutzutage nicht gezwungenermaßen mit ethnischer Zugehörigkeit verknüpft (Cáceres und Cáceres 1984, Villatoro 1983).

Heutzutage gelten hauptsächlich die Schamanen (H´men / J´meen) auf der yukatekischen Halbinsel als offizielle traditionelle Bewahrer zumindest eines Teils des präkolonialen, an animistischer Weltsicht orientierten, spirituell-magischen Maya-Heilwissens, aber auch sie werden zusammen mit dem Heilpflanzengebrauch durch die zunehmende Überprägung mit westlichen Medizineinrichtungen immer mehr in den Hintergrund verdrängt bzw. durch ein Fehlen an Nachfolgern in ihrem Fortbestand gefährdet (Arvigo 1995, Gubler 2002)[53]. Hebammen, Kräuterkundige und Heiler sind hingegen noch relativ zahlreich vertreten und werden nach wie vor in Anspruch genommen, auch wenn ihnen die westlichen Medizineinrichtungen als primäre Anlaufstelle schon seit Jahrzehnten den Rang abgelaufen haben (Cosminsky 1973, Eder und García Pú 2003, Feldnotizen: I. Chayax).

Bei den indigenen Medizinsystemen ganz Zentral- und Südamerikas liegt oftmals der Schwerpunkt bei der Erklärung der Krankheitsursachen auf spirituell-emotionalen, umweltbedingten und magischen Faktoren. Speziell Angst/Schrecken (susto/espanto), Traurigkeit (tristeza), Zorn (colera), Neid (envidia) sowie hexerische (brujeria, mal hecho) und übernatürliche Einflüsse (mal aire) gelten hier gleichzeitig als Krankheitsursache und Krankheit selbst (Lipp 2001:109ff, Cosminsky 1973:144ff, 1977:326f). Die spezifischen körperlichen Symptome, die mit einer übernatürlich oder emotional verursachten Krankheit einhergehen, sind oft breitgefächert und erscheinen einem westlichen Arzt verwirrend und diffus, da sie sich für diesen nicht einer bestimmten Ursache zuordnen lassen[54]. Die Jahreszeiten (tiempos) und die damit verbundenen Faktoren Regen, Sonne, Winde (aires), sind in traditionellen Medizinsystemen Guatemalas jedoch als Hauptverursacher der meisten Krankheiten auszumachen[55]. Die diesen Faktoren zugeordneten humoralen Qualitäten im Sinne der so genannten Heiß-Kalt-Dichotomie, die mit Ankunft der Spanier aufkam[56], waren über Jahrhunderte hinweg der ausschlaggebende Faktor bei der Erklärung und Behandlung von Krankheiten in Lateinamerika (ibid., García, Sierra und Balám 1999:42f). Vereinfacht dargestellt besagt die Humoralpathologie, dass eine Heiße[57] Krankheit mit Kalten Mitteln geheilt werden muss und umgekehrt. Alle Heilmittel besitzen entsprechende humorale Qualitäten, die es zu kennen und richtig anzuwenden gilt (Hernandez Sáenz und Foster 2001). Die Übergänge zwischen den Qualitäten sind in der Praxis fließend und sehr genau definiert; sie erfordern daher einen sensiblen Umgang mit den Mitteln (vgl. Cosminsky 1973). Es war bei der vorliegenden Arbeit unter anderem wichtig herauszufinden, inwieweit derartige humoralpathologische Ätiologien in Uaxactún präsent sind und von den Menschen als vornehmliche Ursachen der Krankheiten genannt werden (vgl. Kapitel 2.1.).

[...]


[1] Andere Quellen gehen von allein 20 Maya-Sprachen in Guatemala aus, wobei rund 70% der guatemaltekischen Maya lediglich vier Sprachen sprechen: K´iche´, Mam, Q´eqchi´, Kaqchikel (Allebrand 1997:73f).

[2] Lindig und Münzel gehen davon aus, dass die Maya in Guatemala die „Hauptmasse der Bevölkerung“ bilden (1978:24). Allebrand weist darauf hin, dass der „indianische Anteil …für gewöhnlich mit rund 60% einer Gesamtbevölkerung von derzeit 10,6 Millionen angenommen“ wird, dass aber je nach zugrunde liegender Quelle diese Angaben „zwischen Extremwerten von lediglich 35 bis zu 85 Prozent“ schwanken können (1997:71). Fest steht wohl, dass die Maya in Guatemala, wie in keinem anderen Land, einen signifikanten Bevölkerungsanteil ausmachen und ihre Kulturen und Traditionen lebendiger sind als anderswo. Trotzdem werden sie nach wie vor von offizieller Seite größtenteils als unmündige Minderheit dargestellt (vgl. Allebrand 1997).

[3] 1987 lag die nationale Kindersterblichkeitsrate noch bei 73 toten Kindern pro 1000 Einwohner, bis 1998 reduzierte sie sich durch verbesserte medizinische Versorgung auf 45 Tote/1000 Einwohner (OPS 2002:321).

[4] Nach Pfleiderer definiert sich medizinischer Pluralismus als das „historische Produkt kultureller und sozialer Entwicklungen in seinen institutionalisierten Formen der medizinischen Versorgung“, welches aus dem „Nebeneinander der bestehenden medizinischen Systeme einer Gesellschaft innerhalb eines […] Gesundheitssystems“ entstanden ist (1995:86).

[5] Non-Governmental Organization = Nicht-Regierungsorganisation (NRO).

[6] Vgl. u.a. Bastien 1992, Bichmann 1995, Eder und García Pú 2003, García, Sierra und Balám 1999, Harrison 2001, Keller 1993/94, Pfleiderer 1993, Sandstrom 2001.

[7] Allein im Petén wuchs die Bevölkerung zwischen 1980 und 2002 von 130.000 auf rund 370.000 Bewohner (INE 2003:27), also eine fast dreifache Zunahme an Menschen innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit. James Nations, Richard Primack und David Bray rechnen vor, dass jährlich etwa 80.000 ha Wald auf der yukatekischen Halbinsel verloren gehen (Nations et al. 1998:XVI)

[8] Hier besonders auf den Sektoren der Wirtschaft, Telekommunikation [z.B. Internet] und Migration. Damit einhergehend ist ein „schnellerer“, an westliche Vorbilder angepasster Lebensstil, wo traditionelle Werte zu touristischen Anziehungspunkten konvertiert werden; aber immerhin werden sie so teilweise erhalten (Schwartz 2002).

[9] Vgl. Dunn (1993:860f), s. Punkt 7.1.

[10] So erfuhr ich im Rahmen der Feldforschung von angeblich wirksamen Pflanzenextrakten unter anderem gegen Krebs, Diabetes, Malaria und Nierenentzündungen; Pflanzen, die teilweise erst im Rahmen der Besiedlung der Neuen Welt aus der Alten Welt eingeführt wurden und auch in indigene Medizinsysteme des Distriktes Petén integriert wurden (vgl. Comerford 1996).

[11] Schwartz 2002:164.

[12] Vgl. Arvigo und Balick 1995:240ff, Berger und Cáceres 1999, Cáceres 1996, Comerford1996, Nigh 2002, Villatoro 1984:44, General-Anzeiger (GA) 26.8.2003.

[13] wörtl.: „Überprüfung“. Man untersucht weltweit bei den verschiedensten Ethnien und traditionellen Gesellschaften deren Wissenspool bezüglich Heilpflanzenanwendung und sammelt Spezimen zur labortechnischen Untersuchung, um so eventuell noch nicht erforschte oder bekannte chemische Wirkstoffe hauptsächlich gegen moderne Zivilisationskrankheiten (s.o.) zu entdecken und letztendlich zu vermarkten. U.a. im Journal of Ethnopharmacology werden regelmäßig die neuesten weltweit gesammelten wissenschaftlichen Untersuchungen und Ergebnisse präsentiert.

[14] Nigh drückt es etwas direkter aus: “The search for raw materials for the production of universal medical technology results in symbolic violence to the cultural logic of the Maya peoples. Only the full recognition of Maya peoples´collective rights to territory and respect for their local common-resource institutions will provide ultimate protection for their cultural and natural patrimony“ [“Die Suche nach Rohmaterialien für die Produktion weltweiter medizinischer Technolgie resultiert in symbolischer Gewaltanwendung gegenüber der kulturellen Logik der Maya-Völker. Nur die volle Anerkennung der Kollektivrechte aller Maya-Völker an ihrem Territorium sowie Respekt gegenüber ihren lokalen, gemeinsamen Ressourcen-Einrichtungen wird absoluten Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes gewährleisten“] (2002:451).

[15] So berichtet eine Studie von einem Pflanzen-Screening-Projekt der Uni Bonn in Mexiko über eine angeblich wirksame Pflanze gegen Diabetes, die sich aber erst nach ausgiebigen Informationen des ortsansässigen Schamanen zu ihrer Verwendung als „wirksam“ erwies: man muss die Pflanze während der Zubereitung mit einem Katalysator wie z.B. Mais mischen, damit die aktiven Wirkstoffe auf molekularer Basis überhaupt freigesetzt werden können (GA vom 26.8.2003).

[16] Vgl. u.a. Bastien 1992, Cosminsky 1973, Eder und García Pú 2003, Huber 2001.

[17] Auf dem medizinischen Sektor werden hierzulande immer öfter „sanftere“ Methoden verlangt, und Pharmaprodukte aus reinen Pflanzenextrakten stehen daher vermehrt im öffentlichen Interesse sowie in den Regalen der Apotheken (vgl. Stern 3/2004).

[18] Zu einer umfassenden Darstellung der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sei auf das Standardwerk Kaptchuks (1993) verweisen, der in einer Synthese der westlichen und östlichen Medizintheorie und -praxis die Unterschiede in Ätiologie und Behandlung der beiden Systeme anhand von praktischen Fallbeispielen sehr gut verständlich macht. García, Sierra und Baláms Arbeit bietet einen umfassenden, anwendungsbezogenen Vergleich der traditionellen Medizinsysteme der Maya- curanderos Yukatans und Campeches mit den Behandlungsmethoden der TCM.

[19] Eine Mischung aus Vertrauen und Glaube, s. Kapitel 4.3.4.

[20] Vgl. Kapitel 3.1.

[21] Logan 1973, Cosminsky 1973, Young 1978, 1981, Garro 1982, Mathews und Hill 1990, Waxler-Morrison 1988, Foster 1994, Hurtado und Sáenz de Tejada 2001, Eder und García Pú 2003.

[22] Dies bedeutet zum einen, dass sich für eine bestimmte Behandlungsalternative entschieden wird, weil deren offizieller Vertreter dem gleichen soziokulturellen Umfeld entspringt oder weil er zur gleichen ethnischen Gruppe gehört (Mathews und Hill 1990:162ff). Diese Hypothese bedeutet zum anderen aber auch, das „moderne“ westliche Heilmethoden benutzt werden, weil das „Statussymbol westliche Medizin“ die Menschen anzieht, also gerade weil der Vertreter bzw. die Heilmittel ein anderes soziokulturelles Umfeld repräsentieren (Waxler-Morrison 1988:542).

[23] So wird die krankenpflegerische Hilfskraft (Hector Caal), die den Gesundheitsposten leitet, allgemein bezeichnet. Der Authentizität und Einfachheit halber wird in der Folge größtenteils weiterhin dieser Begriff verwendet.

[24] U.a. Aragon Barrios 1990, Bamaca Figueroa 2000, Beavers 1996, Con-Am 1999, Escobar de McVean 1995, Deller und Schröder 1996, Jatovsky 1998, Litow 2000, McNab 1997, Marroquin Morales 1993, Mutchnik und McCarthy 1997, Sandoval Cumes 1998.

[25] Selbst nützliche Projekte, wie die Installation der Pumpstation, hinterlassen bei Teilen der Bevölkerung ein Gefühl der latenten Unmündigkeit, welches prinzipiell dem Dorf eine eigenverantwortliche Autonomie abspricht: man macht den Bewohnern Glauben, dass sie auf Entwicklungshilfe angewiesen seien und ohne fremde Hilfe nur unzureichend in Einklang mit ihrer natürlichen Umwelt leben könnten. Die künstliche Wasserversorgung und die vom Dorf gepachtete Waldnutzungs-Konzession der Regierung sind die größten Streitpunkte unter der Bevölkerung (vgl. Punkt 3.2.). Zudem bringen diese Projekte natürlich auch externe Einflüsse in das Dorf, welche das soziale Leben entscheidend beeinflussen. Der Gesundheitsposten stellt ein solches Projekt dar, welches die für diese Arbeit wichtigen Entscheidungen im Krankheitsfall maßgeblich beeinflusst (hat). Er wird jedoch von den meisten Bewohnern gutgeheißen.

[26] Seit 1990 dürfen nur noch unter strengen Auflagen Familien nach Uaxactún immigrieren, um die Dorfgröße und die damit verbundenen umweltschädigenden anthropogenen Einflüsse auf das empfindliche natürliche Gleichgewicht des Regenwaldes möglichst gering zu halten (Feldnotizen OMYC, Con-Am 1999:22).

[27] Vgl. Kapitel 5.1.

[28] So, wie es sich in der Linguistik mit den einzelnen semantischen Teilen eines Satzes verhält.

[29] Lévi-Strauss führte den Strukturalismus als einer der erfolgreichsten europäischen Vertreter in die Ethnologie ein. Er glaubte, eine schematisierte strukturelle Matrix über die von ihm untersuchten kognitiven Systeme (Verwandtschaftsbeziehungen, Magie, Mythen und Denkstrukturen) legen zu können, die in Form eines nach abstrakt-absoluten Sinnzusammenhängen strebenden Modells alles erklärt und systematisch ordnet, ohne jedoch dabei diachrone bzw. geschichtliche Entwicklungen, persönliche Lebensumstände und nicht rationale, auf Emotionen basierte Entscheidungen der untersuchten Menschen selbst zu berücksichtigen (D´Andrade 1995:19, Hirschberg:233, vgl. a. Lévi-Strauss 1999:183ff). Daher wirken seine Darstellungen in einem westlichen Sinn philosophisch-abstrakt: sie vermögen nur bedingt emische Strukturen wiederzugeben (s. nächste Seite).

[30] Zum Beispiel: García, Sierra und Balám weisen auf verschiedene Arten von Kopfschmerzen in Campeche, Mexiko hin (kinan pool, chiba pool, kinan pach ka, jolon al), deren emische Bedeutungsunterscheidung auf die jeweilige Ursache zurückzuführen ist (u.a. mit warmem Kopf das Haus verlassen, bei Nieselregen auf dem Feld arbeiten, in der Sonne arbeiten, Baden, ohne den Kopf nass zu machen) und entsprechend anders behandelt werden muss (García, Sierra und Balám 1999:42). Die alleinige etische Kategorie „Kopfschmerzen“ erfährt also hier eine Differenzierung in emische Krankheiten.

[31] Die Lehre der Ursache von Krankheiten.

[32] Kunstadter kommt bei seiner Untersuchung über Entscheidungen zu Behandlungsalternativen in Nord-Thailand zum gleichen Ergebnis: intellektualisierte Entscheidungstheorien entsprechen nicht den wahren Gegebenheiten vor Ort in der fremden Kultur, da die Entscheidungen mehr auf pragmatischen als auf ideologischen Beweggründen basieren (1975, bei Young und Garro 1982:1463).

[33] Im englischsprachigen Raum wird ausschließlich das Kürzel EM (Explanatory Model) für die deutsche Bezeichnung „Beschreibungsmodell“ benutzt, so wie es von Kleinman (1978) definiert wurde. Aus Gründen der Einfachheit wird daher im Folgenden ebenfalls nur noch „EM“ benutzt.

[34] Für Vorraussagen der Wahl der Behandlungsmethoden innerhalb eines großen, repräsentativen Samples ist laut Weller, Ruebush und Klein heutzutage das so genannte SBM (Sociobehavioral Model) unerlässlich (1997). Da jedoch in der vorliegenden Arbeit aus zeitlichen Gründen weder ein großes Sample benutzt werden konnte, noch konkrete Vorraussagen getroffen werden sollen, sei nur der Vollständigkeit halber darauf verwiesen (vgl. a. Cosminsky 1977).

[35] Das Kleinman´sche EM arbeitet mit vollstrukturierten Fragemethoden, die vom schulmedizinisch-klinischen Standpunkt aus gestellt werden (ibid.:245).

[36] Escobar de McVean weist darauf hin, dass ein Viertel aller in den USA vertriebenen Pharmaka auf pflanzlichen Wirkstoffen beruht (1995:4); der Stern berichtet, dass 2002 ein Drittel aller in Deutschland in Apotheken verkauften Produkte natürlichen Ursprungs ist (3/2004).

[37] Es kam daher auch gelegentlich vor, dass aus diversen Gründen die Befragung auf mehrere Sitzungen verteilt wurde. Dazu gehörten hauptsächlich unvorhersehbare, plötzlich eintretende Ereignisse höherer Priorität, die den Interviewpartner zwangen, das Interview spontan abzubrechen: Kinder mussten betreut werden, wichtige Besorgungen oder Haushaltsarbeiten mussten getätigt werden oder andere Termine überlagerten sich mit der Interviewzeit. In diesen Fällen konnte ich manchmal vor Ort warten, bis z.B. die Kinder versorgt waren. Manchmal jedoch gab der Interviewpartner von sich aus zu verstehen, dass er die Befragung lieber zu einem anderen Zeitpunkt fortführen wolle.

[38] In einigen Fällen bot ich das Geld vorher an, man stimmte schweigend zu, wollte aber dann nach Abschluss der Befragung das Geld nicht annehmen. In anderen Fällen bot ich daher das Geld erst im Anschluss an, was aber auch abgewiesen wurde, trotz meiner Beteuerung, ich würde sehr gerne bezahlen und man solle es ruhig annehmen, denn schließlich hätte man wertvolle Zeit für mich geopfert. Die westliche Sichtweise „Zeit ist Geld“ war offensichtlich ohne Bedeutung und einige Bewohner zeigten sich sogar leicht beleidigt. Die Führer, welche mir im Rahmen der Pflanzensuche und -bestimmung halfen, wurden hingegen gerne bezahlt.

[39] Abgesehen von hervorragender, bis zu fünfstündiger Aufnahmequalität und Bedienfreundlichkeit, wirkt der MD-Recorder durch seine geringen Ausmaße, die etwa der Größe einer Zigarettenschachtel entsprechen, sehr unaufdringlich und so sprach der Interviewte spätestens nach einigen Minuten sehr frei und offen, weil das Gerät fast vergessen wurde.

[40] Batterien, Klima o.ä. Speziell bei dem von mir benutzten Mikrofon war ein Nachteil die extreme Windanfälligkeit, welches beim späteren Anhören die Textpassagen mancher Interviews schwer verständlich machte.

[41] Anämie ist in der Gesamtstatistik Peténs ebenfalls unter den häufigsten Krankheiten anzutreffen, in Uaxactún jedoch seit etwa 2 Jahren durch verbesserte Lebensbedingungen kaum noch aufgetreten (Feldnotizen: Statistik Puesto de Salud). Mit Malaria verhält es sich ähnlich: Da seitens der Regierung in der Vergangenheit mit Erfolg umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung der Überträger-Mücke Anopheles sp. durchgeführt wurden, tritt Malaria heutzutage nur noch selten auf (vgl. Punkt 7.2.1.). Da die Bekämpfung von Malaria besonders im Licht eines weltweiten Interesses nach alternativen Heil- und Präventivmethoden ein wichtiger Punkt ist, wurde diese Krankheit mit aufgenommen. In Uaxactún ist das während der Zeit von 1920 bis heute angesammelte Wissen über natürliche Malaria-Heilmethoden aufgrund der Waldarbeit weitab jeglicher moderner Behandlungsalternativen sehr umfassend.

[42] Dies umfasst die zum jeweiligen Haushalt gehörigen Kinder, Lebenspartner und in drei Fällen ein Eltern- bzw. Großelternteil, der nicht mehr für sich selbst sorgen konnte.

[43] Es war eine äußerst autonome und selbstständige Haltung selbst kleinster Kinder festzustellen, die bei uns in dieser Form selten anzutreffen ist. Die Eltern gestehen der persönlichen Meinung und Entwicklung ihrer Kinder von klein auf den nötigen Freiraum und vor allem Wert zu, indem man ihre Bemerkungen, Ängste und Wünsche respektiert und als ebenso wichtig erachtet, wie die eigenen. Die Kinder werden daher viel mündiger behandelt als bei uns und oft mit Haushaltstätigkeiten und kleinen Arbeiten betreut, so dass sie schon sehr früh vergleichsweise selbstständig agieren und entscheiden können .

[44] Einige Eltern gaben an, dass ihre Kinder Pharmaka bevorzugen, wegen des unangenehmen, meist bitteren Geschmacks der pflanzlichen Alternative (Feldnotizen: U. Antonio, M. Amparo, N. Herrera).

[45] Nur wenige Bewohner sind offiziell verheiratet.

[46] Diesen Respekt erntete ich hauptsächlich durch aktive Mithilfe bei allen möglichen kleinen und großen Dorfangelegenheiten, sei es nun im Interesse der Gemeinschaft oder eines Einzelnen. So half ich beim Löschen der durch die extreme Trockenheit im April und Mai hervorgerufenen Busch- und Hüttenfeuer, managte das Hotel bei Nerias Abwesenheit, unterhielt die Kinder und Erwachsenen mit Film- und Jonglagevorführungen und half gerne bei anfallenden Haushaltsarbeiten wie Wasserholen, Waschen und Kochen. Bei alldem redete ich viel mit den Leuten über ihre persönlichen Probleme, Erfahrungen und allgemeinen Lebensumstände, ohne mich ausschließlich auf die für meine Untersuchung wichtigen Daten zu konzentrieren. Mit anderen Worten, ich versuchte mich so gut wie möglich in das Dorfleben zu integrieren und gleichzeitig die Rolle des teilnehmenden Beobachters im Rahmen meiner wissenschaftlichen Tätigkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Dabei jedem gerecht zu werden, erwies sich oft als delikate Gratwanderung (vgl. Spradley 1980:20/21). Ein gutes Beispiel hierfür ist meine Einstellung und aktive Haltung gegenüber den zwei verschiedenen Kirchen, deren Machteinfluss so stark war, dass sie das Dorf im Prinzip in zwei Lager zu spalten vermochten: Besuchte ich den culto einer der zwei evangelistischen Kirchen, so wurde ich von den katholischen Bewohnern mit Missgunst betrachtet, ging ich zur katholischen Messe, war es umgekehrt. Die Frage nach meiner Konfession war ein interessantes Thema für die Bewohner. Ich gab wahrheitsgemäß an, dass ich zwar an Gott glaube, aber keiner Religion angehöre. So wurde ich zum Ziel verschiedener Konvertierungsversuche, hauptsächlich seitens der evangélicos, und es passierte gelegentlich, dass meine Intention, ein Interview über Krankheitsentscheidungen zu führen, dem Konvertierungsanliegen des Interviewten zum Opfer fiel und ich stundenlange -durchaus sehr interessante- evangelistische Bibelauslegungen und Lebensregeln vermittelt bekam.

[47] Kleinman weist in seiner Abhandlung über die Modellbildung zur Vergleichsmöglichkeit medizinischer Systeme als kulturelle Systeme explizit darauf hin, dass medizinische Systeme sowohl soziale als auch kulturelle Systeme sind: „That is, they are not simply systems of meaning and behavioral norms, but those meanings and norms are attached to particular social relationships and institutional settings“[„Das heißt, sie sind nicht einfach Systeme der Bedeutung und behavioristischen Normen, sondern jene Bedeutungen und Normen sind mit bestimmten sozialen Beziehungsmustern und institutionellen Umgebungsvariablen verknüpft“](1978:85).

[48] Mit „Biomedizin“ wird im Deutschen eine Fachrichtung bezeichnet, die an verschiedenen Hochschulen studiert werden kann: „Die Biomedizin ist die Wissenschaft im Grenzbereich von Medizin und Biologie. Sie ist ein neues, interdisziplinäres Fachgebiet, das die Inhalte und Fragestellungen der experimentellen Medizin mit den Methoden der Molekularbiologie und der Zellbiologie verbindet. Im Mittelpunkt stehen die molekularen und zellbiologischen Grundlagen des Lebens und seiner krankhaften Veränderungen“, heißt es auf der Homepage der Universität Würzburg zur Definition des Faches. Mehrere befragte Klinik-Ärzte kannten diesen Begriff überhaupt nicht. Sie verwiesen auf den hierzulande gebräuchlichen Begriff der „Humanmedizin“ in Abgrenzung ihres Medizinsystems zu anderen Medizinsystemen weltweit (Feldnotizen: Dr. R. Vorwerk/Uni-Klinik Bonn, S. Oessenich/Krankenhaus Neuwied, Dr. J. Fliessbach/St.Josef-Hospital Troisdorf, Oktober 2003); „Humanmedizin“ ist ein Begriff, der durch seinen ethnozentrischen Charakter für diese Arbeit ungeeignet erscheint, daher wird weiterhin vom „westlichen Medizinsystem“ die Rede sein.

[49] Die Pflanzenheilkunde arbeitet nicht nur am lebenden Objekt (dem Menschen), sondern auch mit lebenden Objekten (den Pflanzen), deren Ernte einen wichtigen Teil der traditionellen Heilung ausmacht (Feldnotizen: A. Herrera: „Man muss sich beim Baum entschuldigen, wenn man ihn verletzt und benutzt“, vgl. a. Arvigo 1995).

[50] Speziell Mexiko, Belize und Guatemala.

[51] Es gibt „gute“ und „schlechte“brujos (Hexer, Zauberer), die sich jedoch beide weniger mit heilerischen, als mit spirituell-magischen Aktionen beschäftigen, mal zum Schaden, mal zu Abwendung desselben beim verhexten Menschen (vgl. Arvigo 1995, Feldnotizen: I. Chayax).

[52] Viesca Treviño weist auf die breit gefächerte Bedeutung des Begriffes curandero hin, unter den alle möglichen Spezialisten indigener Kulturen Mesoamerikas fallen (2001:47).

[53] Dow unterscheidet in Lateinamerika zudem zwischen traditionellen Schamanen und Heiler-Schamanen (2001:69).

[54] Gubler (2002:63), Knipper (2001:89ff), Feldnotizen: I. Chayax.

[55] Foster 1994, García, Sierra und Balám 1999, Cosminsky 1973, Logan 1973 [Bei den drei Letztgenannten Autoren findet sich eine Liste der humoralen Qualitäten pharmazeutischer und pflanzlicher Heilmittel].

[56] Eventuell wurden schon in vorspanischer Zeit die Krankheiten in ein ähnliches Heiß-Kalt-System wie das der humoralen hippokratischen Medizin eingeteilt; dies kann aber nicht eindeutig belegt werden und ist Gegenstand vieler Diskussionen (vgl. Foster 1994).

[57] Diese Qualitäten werden in Anlehnung an die vorhandene Literatur zur humoralpathologischen Erklärungsweise mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben, um sie von den thermischen Qualitäten, mit denen sie nicht unbedingt verknüpft sind, zu differenzieren (vgl. Hernández Sáenz und Foster 2001:20).

Details

Seiten
145
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783832480523
ISBN (Buch)
9783838680521
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v223285
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Philosophische Fakultät
Note
1,1
Schlagworte
ethnomedizin ethnobotanik pharmaka maya-biosphären-reservat medizin

Autor

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Titel: Behandlungsalternativen von Krankheiten in Uaxactún, Petén, Guatemala