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Zur Bedeutung der spanischen Integration in Europa für die verschiedenen Nationalismen Spaniens

Magisterarbeit 2003 104 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

1. Einleitung

Spanien ist heute ein plurinationaler Staat, in dem sich verschiedene Gruppen der Gesellschaft einer anderen Nation zugehörig fühlen als der spanischen. Die Koexistenz der verschiedener Nationalismen trat zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich zum Vorschein und führte im Verlauf des Jahrhunderts zu zahlreichen Konflikten. Diese Problematik wird unter dem Namen der so genannten „nationalen Frage“, der cuestión nacional zusammengefasst: Der Frage nach dem nationalen Charakter des spanischen Staates, nach der Anerkennung der verschiedenen Nationen und nationalen Identitäten und der politischen Lösung ihrer Koexistenz. In Spanien gibt es drei starke Nationalismen ohne Staat: Den katalanischen, den baskischen und den galizischen. Daneben existieren einige schwächere und instabilere Nationalismen und regionalistische Bewegungen (wie z.B. in Andalusien), die jedoch, im Gegensatz zu den oben genannten Nationalismen, die spanische Nation in ihrer substanziellen Definition nicht in Frage stellen.

Die „nationale Frage“ Spaniens und die Ideen und Handlungsweisen der verschiedenen Nationalismen wurden vor allem während des letzten Jahrhunderts durch die europäische Realität und die europäischen Ideen mit beeinflusst. Dabei wurde Europa mit unterschiedlichen Ideen und Zielen assoziiert. Nachdem die Diktatur Francos über lange Jahre die Integration Spaniens in das neu entstehende Europa blockierte, war einer der ersten Schritte der Demokratie, diese Integration in die Wege zu leiten, die sich 1986 vollzog.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Bedeutung die Integration Spaniens in die Europäische Gemeinschaft (EG) für die verschiedenen spanischen Nationalismen besaß, und welchen Einfluss die Europäisierung des Landes und der Prozess der europäischen Integration insgesamt auf die Nationalismen und die cuestión nacional hatte. Als die spanischen Nationalismen werden hierbei alle Nationalismen betrachtet, die sich seit dem 19. Jahrhundert innerhalb des spanischen Staates entwickelten. Diese unterteilen sich in den spanischen Nationalismus und in die zu diesem alternativen Nationalismen und unterscheiden sich vor allem darin, dass der erste die fundamentale legitimierende Unterstützung eines Staates besitzt, die den alternativen Nationalismen fehlt.[1] Untersucht werden im Folgenden der spanische Nationalismus sowie der katalanische und

baskische Nationalismus. Der galizische Nationalismus wird in die Untersuchung nicht eingeschlossen, obwohl auch er sich im 19. Jahrhundert entwickelte. Die Gründe hierfür liegen zum einen in dem begrenzten Umfang der Arbeit, zum anderen aber auch darin, dass sich der galizische Nationalismus über lange Zeit schwächer als die beiden anderen Nationalismen entwickelte. Zudem sind gerade der katalanische und der baskische Nationalismus hinsichtlich der Fragestellung interessant, da sich in ihrer Entwicklung zwar einige Parallelen finden lassen, sie im europäischen Kontext jedoch nach der Integration in die EG unterschiedliche Strategien verfolgten.

Den eigentlichen Ausgangspunkt für die Untersuchungen stellen die Jahre der spanischen Transición, des politischen Übergangs von der Diktatur zur Demokratie dar, während der Spanien sein Beitrittsgesuch zur EG einreichte. Die konfliktreiche Existenz der verschiedenen Nationalismen sowie auch der Einfluss Europas auf die spanischen Nationalismen, ihre Ideen und Ziele bestanden jedoch schon weitaus früher. Da beide Aspekte die aktuellen Entwicklungen entscheidend bedingten, werden im ersten Kapitel der Arbeit die Entstehung und Entwicklung der verschiedenen Nationalismen im 19. und 20. Jahrhundert, das Auftreten der „nationalen Frage“ und die Versuche, diese zu lösen, beschrieben. Im zweiten Kapitel wird die Beziehung zwischen Spanien und Europa und die Haltung der verschiedenen Nationalismen zu Europa bis zum Beitritt Spaniens zur EG betrachtet. Im letzten Teil der Arbeit wird untersucht, wie sich die verschiedenen Nationalismen seit dem Beitritt Spaniens zur EG gegenüber Europa verhielten, und welche Bedeutung die spanische Integration in die Gemeinschaft in diesem Zusammenhang gewann. Dabei wird in einem ersten Teil betrachtet, welche Auswirkungen und Folgen die auf den Beitritt folgende Europäisierung Spaniens und auch der fortschreitende Prozess der europäischen Konstruktion für die nationalen Probleme Spaniens mit sich brachte. In den folgenden Teilen wird untersucht, wie die unterschiedlichen Nationalismen mit der neuen Situation umgingen, indem ihre Handlungen und ihre Politik auf europäischer Ebene betrachtet werden. In der Untersuchung der alternativen Nationalismen wird hier vor allem auf den katalanischen Nationalismus ausführlicher eingegangen, da die Literatur hinsichtlich der Auswirkungen der europäischen Integration auf Katalonien, seiner Europapolitik und seiner Aktivitäten in Europa weitaus größer ist als die für das Baskenland. Zudem würde eine ausführliche Untersuchungen der baskischen Politik, die sich auch aufgrund der größeren Gespaltenheit des Nationalismus als weitaus komplexer zeigt als die katalanische, den Rahmen der Arbeit überschreiten.

Das Hauptaugenmerk der Forschung zu den spanischen Nationalismen lag bis Mitte der 1990er Jahre auf den peripheren Nationalismen. Besonders nach 1975 entstand eine Vielzahl von Untersuchungen, die sich mit den alternativen nationalen und regionalen Identitäten innerhalb des spanischen Staates und ihrer Geschichte beschäftigten, und die intensive Forschung in diesem Bereich hielt bis heute an. Studien zu dem spanischen Nationalismus an sich entstanden dagegen erst in den letzten Jahren. Dies lässt sich zum einen daraus erklären, dass die Forschung nach dem Zweiten Weltkrieg bis Mitte der 60er Jahre das Thema des Nationalismus an sich eher nebensächlich behandelte. Zum anderen wurde in Spanien eine Untersuchung des spanischen Nationalismus, der während der Diktatur in den Dienst des Staates gestellt worden und über Jahrzehnte vom Regime propagiert worden war, und der mit den anti-demokratischen Tendenzen assoziiert wurde, in den ersten Jahren, die der Diktatur Francos folgten, vermieden. Erst Mitte der 90er Jahre, als der Nationalismus an sich als ein bedeutendes politisches Phänomen wieder zum Vorschein trat und in diesem Zusammenhang zu einem wichtigen Thema der wissenschaftlichen Forschung wurde, schlossen die entstehenden Studien auch den spanischen Nationalismus ein.[2]

In Hinblick auf die Bedeutung der Integration Spaniens in Europa für die unterschiedlichen Nationalismen und ihre Haltung zu Europa, gibt es bislang wenig Untersuchungen. Dies ist selbstverständlich, bedenkt man, dass sich die europäische Integration vor allem auf den wirtschaftlichen Bereich beschränkte. Erst in den letzten Jahren, in denen die Frage nach einer weiterreichenden Integration Europas und nach der Entstehung einer europäischen Identität und Kultur an zunehmender Beachtung gewannen, und in denen nationalistische Bestrebungen wieder deutlicher in Europa zum Vorschein traten, widmete sich die Forschung zunehmend der Beziehung der europäischen Nationalismen zu und ihrem Verhalten in Europa. Zudem entstanden im Zusammenhang mit den Regionalisierungstendenzen, die sich ab Ende 80er Jahre in Europa zeigten, verschiedene Studien zu den Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die europäischen Regionen und damit auch auf die staatenlosen Nationalismen.[3] Die einzigen Studien im Rahmen meiner Literaturrecherche, die sich explizit mit dem Thema der spanischen Nationalismen in Europa beschäftigen, stellen der Beitrag von Justo G. Beramendi “Los Nacionalismos Hispánicos y Europa. 1975-2000.” zum „Colloquium Europa Mundi” in Santiago de Compostela aus dem Jahr 2000 dar, der den Einfluss der europäischen Realität und des Prozesses der Bildung der Europäischen Union (EU) auf die spanischen Nationalismen ausführlich untersucht, und der Artikel von Joan Botella “Las Españas en Europa”, der die Auswirkungen der spanischen Integration in die EG und der seitdem stattfindenden Entwicklungen Europas auf die spanischen Nationalismen betrachtet.[4]

Um die Bedeutung der spanischen Integration für die unterschiedlichen Nationalismen und ihre Haltung zu Europa festzumachen, wird im letzten Kapitel der Arbeit deswegen vor allem auf die Europapolitik Spaniens, Kataloniens und des Baskenlands, und auf ihre Aktivitäten in Europa eingegangen. Die Untersuchungen zum spanischen Nationalismus basieren dabei zu großen Teilen auf den Beiträgen zu Spanien im Jahrbuch der Europäischen Integration, das – einmal jährlich erscheinend – ein Kapitel der Europapolitik der einzelnen Mitgliedstaaten der EU widmet und die aktuellen Ereignisse und Entwicklungen aufführt.[5] In Hinblick auf die alternativen Nationalismen wird aufgrund der Literaturlage vor allem die katalanische Europapolitik und die Aktivitäten Kataloniens in Europa betrachtet, da es zum Baskenland kaum entsprechende Untersuchungen gibt. Um die aktuelle Politik und Haltung der verschiedenen politischen Akteure darzustellen, werden zudem die Wahlprogramme der großen Parteien (der PP und der PSOE für den spanischen, der CiU für den katalanischen und der PNV für den baskischen Nationalismus) für die letzten allgemeinen Wahlen, die 2000 in Spanien stattfanden, in die Betrachtung mit einbezogen.

2. Die spanischen Nationalismen: Entstehung, Entwicklung und Konflikte

„Spain today is a state for all spaniards, a nation state for a large part of the population, and only a state, but not a nation for important minorities.“[6]

Spanien, das während der letzten fünf Jahrhunderte seine territoriale Integrität fast unversehrt bewahrte, war Anfang des 19. Jahrhunderts zu Beginn des so genannten „Zeitalters der Nationalismen“ eine der ältesten politischen Einheiten Europas.[7] Die staatliche Kontinuität und die Tatsache, dass das Land bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts einem der großen Weltimperien vorstand, hatten während des 18. Jahrhunderts zu der Entstehung eines klaren Proto-Nationalismus geführt. Dieser bildete einen wesentlichen Faktor des Zusammenhaltes in dem ethnisch und institutionell heterogenen Land. Paradoxer Weise blieb das Land jedoch in der Epoche, in der sich die europäischen Nationalstaaten konsolidierten, bezüglich seiner Umwandlung in einen Nationalstaat zurück. Die liberale Revolution zu Beginn des 19. Jahrhunderts wandelte den existenten Proto-Nationalismus zwar in den spanischen Nationalismus um, jedoch zeigte sich Spanien im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts als pluri-nationaler Staat, in dem sich bedeutende Anteile der Gesellschaft einer alternativen Nation zugehörig fühlten, und sich verschiedene nationale Identitäten gegenüber standen.[8] Die sich hieraus ergebenden nationalen Konflikte bestimmten die spanische Geschichte bis heute mit.

Um zu erklären, warum sich in Spanien die alternativen Nationalismen in solcher Stärke bilden konnten, müsste der Prozess der spanischen Nationsbildung und seine spezifischen Charakteristiken genau untersucht werden, was im Rahmen dieser Arbeit nicht zu leisten ist. In einem kurzen Überblick sollen jedoch im ersten Teil dieses Kapitels Entstehung und Entwicklung der verschiedenen Nationalismen bis zum Beginn des

20. Jahrhunderts beschrieben werden. Im zweiten Teil des Kapitels wird die Entwicklung der Nationalismen und der nationalen Konflikte vom Beginn des 20. Jahrhunderts, in dem die „nationale Frage“ als ein Konfliktbereich des zeitgenössischen Spaniens auftrat, bis zum Ende der Diktatur Francos untersucht. Im letzten Teil des Kapitels wird die Entwicklung der verschiedenen Nationalismen und der „nationalen Frage“ seit dem Ende des franquistischen Regimes betrachtet. Dabei wird auch näher auf das staatliche System des „Staates der Autonomien“ (Estado de las Autonomías) eingegangen, das die Verfassung von 1978 einsetzte, und das einen Versuch darstellte, die nationalen Konflikte zu lösen und die Bestrebungen nach Autonomie und Selbstregierung der alternativen Nationalismen zumindest teilweise zu befriedigen.

2.1. Die Entstehung und Entwicklung der spanischen Nationalismen im 19. Jahrhundert

Seit Ende des 15. Jahrhunderts hatte sich in Spanien aufgrund der inneren und äußeren Handlungen des imperialen Staates eine deutliche pre-nationale Identität herausgebildet.[9] Im Innern führten diese Handlungen zur Verbreitung und Konsolidierung vereinheitlichender Elemente, die zumeist auf der Ethnizität und den Institutionen Kastiliens basierten. Im Bereich der äußeren Aktivitäten brachten die kontinuierlichen Konfrontationen mit anderen Staaten, Kulturen und Religionen die Entstehung und Verbreitung pre-nationaler Stereotype mit sich, die diese Identität förderten und festigten. Die Entwicklungen des Staates während des 18. Jahrhunderts führten im Folgenden zumindest innerhalb der Reform-Eliten, die durch die neuen Ideen in Europa beeinflusst wurden, zu der Herausbildung eines klaren spanischen Proto-Nationalismus.

Neben der kastilisch geprägten Identität existierten in verschiedenen Gebieten Spaniens weitere Identitäten.[10] Dies hatte vor allem zwei Gründe: Zum einen die große ethnische Vielfalt innerhalb des Staates (neben der katholischen Religion, die in Spanien den Einigungsfaktor par excellence darstellte, gab es eine komplexe Vielfalt an unterschiedlichen ethnischen Faktoren, wie z.B. die Sprache), zum anderen die Vielfalt der innerstaatlichen Institutionen. Da erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts in Spanien bedeutendere Versuche der Zentralisierung unternommen wurden, konnten sich diese differenzierenden Faktoren über lange Zeit erhalten. Dabei stellte Spanien mit der parallelen Existenz verschiedener ethnischer Identitäten innerhalb des Staates zu Beginn des 19. Jahrhunderts keinen Sonderfall dar. Der Unterschied zu anderen europäischen Staaten zeigte sich in der Intensität, mit der einige dieser alternativen Identitäten fortbestanden.

Wie auch in anderen Ländern Europas schuf die liberale Revolution in Spanien die Bedingungen für das Auftreten einer nationalen Identität und verwandelte den existenten Proto-Nationalismus in den spanischen Nationalismus, der während fast des gesamten 19. Jahrhunderts der einzige in Spanien existente Nationalismus blieb.[11] Dieser wies wie alle staatlichen Nationalismen eine starke ideologische Heterogenität auf. Auch die neue Definition der nationalen Identität war innerlich geteilt und konfliktreich. So wurden die politischen Entwicklungen in Spanien zwischen 1808-40 durch die Konfrontation einer reaktionären und einer eher nach Modernität strebenden Identität bestimmt, und auch nachdem sich die absolutistische Gegenrevolution 1840 als unfähig erwies, die Liberalisierung rückgängig zu machen, blieben viele der traditionellen Komponenten der spanischen Identität erhalten. Die Kernidee, die die verschiedenen Ideologien und Identitäten verband, bestand jedoch in der Überzeugung, dass die spanische Nation (die als die Gesamtheit aller Bewohner des Staates angesehen wurde) das legitime Objekt der Souveränität darstellte.

Mit der Konsolidierung des liberal moderaten Staates zwischen 1840 und 1880 und als Ergebnis der Mechanismen der Nationsbildung, die allen liberalen Revolutionen gemein waren (Erziehungswesen, Presse, Armee, politische Organisationen etc.), gewann die spanische nationale Identität an Stärke und sozialer Verbreitung über die Eliten hinaus. Obwohl sie im Folgenden scheinbar ein Monopol innerhalb des Staates besaß, gelang es ihr jedoch nicht, die anderen ethnischen Identitäten zu marginalisieren. Die kulturellen regionalen Charakteristiken (z.B. die weite Verbreitung der regionalen Sprachen) bewahrten sich in verschiedenen Gebieten des Staates, im Baskenland und in Navarra bewahrten sich auch die substaatlichen Institutionen der Selbstregierung. So bestand weiterhin eine ethnische Pluralität innerhalb des Staates, die zur politische Aktivierung fähig war.[12]

Der starke Fortbestand der ethnischen Pluralität in Spanien lässt sich – wenn auch nicht ausschließlich – mit der wahrscheinlich schon von Anfang an bestehenden Schwäche der liberalen Revolution als Ursprung des ersten Nationalismus und der Nation und mit den Mängeln des neuen Staates und seiner Verwaltung als Agenten der Nationalisierung erklären.[13] Über die Faktoren, die dieses „Scheitern“ der spanischen Nationalisierung bedingten, ist die Diskussion innerhalb der Geschichtsforschung offen. Sicher ist, dass ein großes Missverhältnis zwischen dem nationalistischen Diskurs einer intellektuellen Elite und der geringen Möglichkeiten und Disposition des Staates bestand, dieses „nationale“ Programm durchzuführen. Es gelang nicht, ein Zughörigkeitsgefühl zu einer politischen, mit dem spanischen Staat identischen Nation zu verbreiten, das ausreichend starke soziale Verbindungen hätte schaffen können, um die alternativen nationalistischen Bewegungen an den Rand zu drängen.[14] Sicher ist auch, dass die Schwäche des modernen spanischen Nationalismus und die günstigen Vorbedingungen für das Auftreten von alternativen Nationalismen und Identitäten zusätzlich durch die Kombination verschiedener Faktoren bedingt wurden.[15] Einige dieser Faktoren waren z.B.:

- Die sozioökonomische Unterentwicklung Spaniens, die zu einer Wechselbeziehung der politischen Kräfte führte, welche nicht die innovativsten Sektoren förderte. Sie machte Kompromisse zwischen Tradition und Modernität unvermeidbar, und trug so zu der moderaten Natur des spanischen Liberalismus und seines Bezugs auf verschiedene traditionelle Werte und Institutionen bei.
- Die schwache und zudem territorial sehr unterschiedliche Industrialisierung, die sich vor allem in Katalonien, dem Baskenland und Asturien vollzog. Sie führte zu einem Ungleichgewicht zwischen den Zentren der politischen und denen der entstehenden wirtschaftlichen Macht und verhinderte, dass der spanische Nationalismus an ausreichender sozialer Akzeptanz gewann, um eine einzige, innerhalb des gesamten Staates gültige nationale Identität herauszubilden. Zusätzlich bedingte die schwache Industrialisierung die Stärke der antimodernen gesellschaftlichen Sektoren und ihre Möglichkeiten zur Reaktion.
- Die internen politischen Kontroversen, welche den Konstruktionsprozess des liberalen Staates begleiteten.
- Die operative Schwäche und damit karge Resultate der Elemente und Instrumente der Nationalisierung.
- Der frühe Verlust des alten Imperiums und die Unfähigkeit, ein neues zu erschaffen.

Dem liberalen spanischen Staat gelang es weder, einen großen Teil der Intelligenz an sein Projekt zu binden, noch den Großteil der untergeordneter Klassen in die konservativ-liberale Konzeption der Nation zu integrieren. So entstanden in Spanien zahlreiche ideologische Konzepte, die die zentralistisch liberale Vision des Staates in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts herausforderten. Die verschiedenen regionalen historischen Erinnerungen und Traditionen boten darüber hinaus einen fruchtbaren Boden für die Entwicklung einer eigenen kulturellen Produktion und eigener Mythen.[16]

Diese Situation bildete zusammen mit dem Einfluss der Romantik auf Spanien eine bedeutende Bedingung dafür, dass ab Mitte des 19. Jahrhunderts alternative intellektuelle Bewegungen auftraten (der katalanische und galizische Regionalismus und der baskische Fuerismo), die sich die Förderung der regionalen Kulturen und Sprachen zum Ziel setzten.[17] Die regionalen Bewegungen wurden bis zum Ende des Jahrhunderts stärker. Für ihre Umwandlung in Nationalismen war jedoch vor allem das so genannte „Desaster von 1898“ und seine unmittelbaren Konsequenzen entscheidend: Der Verlust der letzten bedeutenden Kolonien des alten Imperiums hob das Unvermögen des spanischen Staates auf internationaler Ebene hervor, und die Kritik am Staat als uneffektives und im wesentlichen undemokratisches politisches System wurde lauter. In diesem Zusammenhang kam es zu einem Umbruch in dem spanischen nationalen Bewusstsein. In Katalonien, dem Baskenland und Galizien konvertierten die existenten Regionalismen in zum spanischen Nationalismus alternative Nationalismen, zusätzlich entstanden kleinere Regionalismen in weiteren Regionen Spaniens.[18]

Auch der spanische Nationalismus durchlief in dieser Periode eine Evolution: Nachdem es im 19. Jahrhundert zahlreiche Projekte bezüglich der spanischen Nationsbildung gegeben hatte, führte die Krise von 1898 und die Entstehung alternativer Nationalismen zu Veränderungen in seiner internen Dynamik. Die wichtigste Manifestation dieser Entwicklung stellte der Regeneracionismo dar.[19] Dieser vertrat eine nationalistische Haltung und setzte sich für die Werte der spanischen Tradition ein. Gleichzeitig kritisierte er jedoch die nationale Dekadenz und die spanische Vergangenheit, die er als Ursache dieser Dekadenz ansah. Daraus folgten seine Bestrebungen nach Erneuerung (regeneración) und die Frage nach der nationalen spanischen Identität. Der Regeneracionismo vertrat unter anderen Aspekten – und teilweise als Reaktion auf das Auftreten der alternativen Nationalismen – die erneute Beteuerung eines organischen „Spaniertums“ (Españolismo), durch das die geschwächte nationale Identität neu formuliert werden sollte. Die Ideen des Regeneracionismo beinhalteten ideologisch unterschiedliche Facetten. Sie inspirierten verschiedene politische Tendenzen und verschiedene Wege der Modernisierung. Die demokratische und die autoritäre „Regeneration“ wurden dabei die beiden fundamentalen Tendenzen des spanischen Nationalismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts.[20]

Die Entstehung der Nationalismen in Katalonien und dem Baskenland

In Katalonien bildete sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine kulturelle Renaissancebewegung, die Renaixença.[21] Diese entdeckte die lange Zeit vernachlässigten eigenen kulturellen und ethnischen Merkmalen wieder und glorifizierte und mythologisierte die Vergangenheit der Region. Eine große Anzahl der katalanischen Intellektuellen engagierten sich in der Förderung und Verbreitung der eigenen Sprache, Geschichte und Traditionen, und es entstand ein regionaler Diskurs, der zunächst jedoch nur eine geringe Verbreitung in der Gesellschaft fand. Die Renaixença stand in einem engen Zusammenhang zu der wirtschaftlichen Entwicklung Kataloniens.[22] Die Veränderungen im Bereich der Landwirtschaft und die zunehmende Industrialisierung, die sich hier schneller als in den anderen Regionen Spaniens vollzogen, förderten das Selbstbewusstsein der Region. Sie führten auch dazu, dass sich zum ersten Mal in Spanien die charakteristische Struktur der modernen Industriegesellschaft herausbildete, und dass sich die katalanische Gesellschaft so qualitativ von der Gesellschaft der anderen spanischen Regionen unterschied. Die lokale Bourgeoisie, die neben Künstlern und Intellektuellen die zentrale Trägergruppe des Katalanismus in seiner Entstehungsphase darstellte, konnte aufgrund ihrer zunehmenden wirtschaftlichen, sozialen und machtpolitischen Bedeutung den Katalanismus im Folgenden in eine breite Volksbewegung umwandeln. Eine weitere Konsequenz der wirtschaftlichen Entwicklungen bestand auch darin, dass Katalonien schnell einen hohen Grad an Informationsnetzwerken und politischer Sozialisation besaß, die wichtige Faktoren für die Bildung eines starken Nationalismus darstellten.[23]

Bedeutend für die Transformation des katalanischen Regionalismus in einen Nationalismus war die Politisierung der Ethnizität und der Wandel des nationalen Bezugspunktes innerhalb der Bourgeoisie, die sich Ende des Jahrhunderts ergaben.[24] Der Verlust der Kolonien 1898, der auch den Verlust eines beträchtlichen Anteil der katalanischen Märkte mit sich brachte, führte dazu, dass das Vertrauen gegenüber der spanischen Nation, die durch den Staat verkörpert wurde, schwand. Im Zusammenhang mit diesem Vertrauensverlust und in dem Wunsch, die eigenen Interessen besser zu verteidigen und durchzusetzen, veränderte sich der nationale Bezugspunkt der katalanischen Bourgeoisie. Diese berief sich im Folgenden auf die katalanische Nation und deren politische Bewegung die konservative und stark durch die Eliten beeinflusste katalanische Partei Lliga de Catalunya. So gewann die katalanische Kulturbewegung vor allem nach 1900 eine deutlich politische Komponente, die in verschiedenen Forderungen nach regionaler Autonomie mündete.

Die nationalistische Bewegung in Katalonien, die zunächst nur geringe soziopolitische Stärke besaß, wandelte sich in kurzer Zeit in die vorherrschende politische Bewegung Kataloniens. Das Parteiensystem, das sich während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts in Katalonien bildete, wurde im Folgenden von katalanistischen Organisationen dominiert, und es vollzog sich ein rascher Prozess der katalanischen Nationsbildung, der ein weit verbreitetes und fest verwurzeltes nationales Bewusstsein schuf:

„The Catalan nation ceased to be the ‘imagined community’ of a handful of middle class intellectuals and minority groups, and became a viable reality as the majority of the population became convinced of its existence.“[25]

Der baskische Nationalismus unterschied sich in seinen Ursprüngen deutlich vom katalanischen: Er entwickelte sich nicht auf der Grundlage eines gesteigerten Selbstbewusstseins sondern als Reaktion auf eine tief greifende Struktur- und Identitätskrise.[26] Diese Krise hatte sich schon während des 19. Jahrhunderts mit den Zerfallserscheinungen der traditionellen Gesellschaftsordnung angebahnt. Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnten die baskischen Provinzen jedoch ihre Fueros, ein ausgedehntes System der politischen und finanziellen Selbstregierung, bewahren, die den politischen Einfluss der agrarischen Eliten und die traditionelle Gesellschaftsordnung sicherten. Diese Rechte wurden nach den liberalen Siegen in den karlistischen Kriegen (1833-39, 1872-76) aufgehoben. Als Antwort darauf entwickelte sich der baskische Karlismus, dem die führenden sozialen Gruppen des Ancien Régime im Baskenland angehörten, zu der regionalen Bewegung des Fuerismo, der die Wiedereinsetzung der traditionellen Rechte forderte.[27] Auf der kulturellen und ideologischen Ebene entstand im Baskenland entsprechend der Bewegung der Renaixença die Literatur des Fuerismo (litartura fuerista). Diese griff die regionalen Mythen auf, hob die Besonderheit der baskischen Rasse und ihre spezifischen Charakteristiken hervor und legte die Basis für einen zukünftigen ethno-kulturellen Nationalismus.[28] Dabei basierte die entstehende nationale Identität im Baskenland im Gegensatz zu Katalonien stärker auf der Verteidigung der regionalen Institutionen und der Mythisierung der eigenen Ursprünge als auf der Politisierung der Ethnizität.[29] Der Fuerismo, der schon bald große Teile der Gesellschaft durchdrang, förderte die Entwicklung eines nationalen Bewusstseins und schuf eine politische und gesellschaftliche Atmosphäre, die der Zentralregierung feindlich gegenüberstand.[30]

Die Umwandlung der baskischen regionalistischen in eine nationalistische Bewegung vollzog sich vor allem im Zusammenhang mit der rapiden Industrialisierung des Baskenlands – besonders Vizcayas – Ende des 19. Jahrhunderts.[31] Die Entstehung eines neuen wirtschaftlichen Systems und neuer sozialer Klassen führten zu einer radikalen Veränderung und Bedrohung der traditionellen ruralen baskischen Gesellschaft und ihrer Werte. Auf der einen Seite erforderte die neue Industrie eine große Anzahl an Arbeitskräften, die im allgemeinen von außerhalb in die Region kamen (Vizcaya wurde – ähnlich wie Katalonien – als industrieller Wachstumspol zum Anziehungspunkt für Zuwanderer aus anderen Teilen Spaniens). Auf der anderen Seite tendierte die neue baskische Mittel- und Arbeiterklasse dazu, die spanische Identität anzunehmen und neue Ideologien und Werte zu vertreten, die in Widerspruch zu denen der baskischen regionalen Identität standen. Diese Entwicklungen zusammen mit dem Verlust der regionalen Institutionen und Rechte förderten die Entstehung eines reaktionären, sich der Modernisierung widersetzenden baskischen Nationalismus.[32]

Die Reaktion gegen die fortschreitende Veränderung der baskischen Gesellschaft zeigte sich deutlich in der katholisch-traditionalistischen, rassistischen, anti-indus-triellen und anti-liberalen Ideologie Sabino de Arana y Goiris, der Mitte der 1890er die baskisch nationalistische Partei, Partido Nacionalista Vasco (PNV) gründete. Für Arana lag die Lösung aller Probleme des Baskenlandes in zwei Aspekten begründet: Zum einen in der Wiederbehauptung der eigenen Geschichte, Kultur und Rasse und in der Ablehnung von allem, was nicht dieser Tradition entsprach; zum anderen in der Wiederherstellung der Foralrechte und damit der traditionellen baskischen Unabhängigkeit. Dabei forderte er die vollkommene Unabhängigkeit vom spanischen Staat, da er die baskische Nation der spanischen als entgegengesetzt betrachtete.[33]

Der reaktionäre baskische Nationalismus der PNV verbreitete sich zunächst innerhalb der alten Mittelklasse, weitete sich ab der Jahrhundertwende aber auch auf andere Gruppen der baskischen Gesellschaft aus.[34] Seine Radikalität verhinderte jedoch eine allgemeine Verbreitung in der Gesellschaft: Der Großteil der neuen baskischen Bourgeoisie so wie auch die neue Arbeiterklasse, die zum großen Teil aus anderen Regionen Spaniens stammte, stellte sich gegen den neuen Nationalismus und behielt eine pro-spanische Haltung bei. So spaltete sich die baskische Gesellschaft in zwei nationale Gemeinschaften, die einander gegenüber standen. Der baskische Nationalismus gewann zwar an ausreichender Stärke, um eine nationale baskische Identität zu erzeugen. Er erreichte jedoch nicht die politische Vormachtstellung, die der Nationalismus in Katalonien erlangte. Und während der katalanische Nationalismus schon im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts eine ernstzunehmende Herausforderung für den spanischen Staat darstellte, gewann der baskische Nationalismus erst während der Jahre des Ersten Weltkrieges an größerer Bedeutung, in denen er sich in eine Massenbewegung wandelte.[35]

Mit der Ausbreitung der alternativen Nationalismen vollzog sich im Folgenden auch die Förderung eigener nationaler Identitäten durch den Entwurf, bzw. die Wiederbelebung eigener Kulturen und Traditionen, die sich von den spanischen absetzten.[36] Für den Katalanismus war dabei von Anfang an die Sprache das wichtigste Merkmal der Eigenständigkeit der katalanischen Kultur, für den baskischen Nationalismus stellte – entsprechend der Ideologie Aranas – die Rasse das Hauptmerkmal zur Definition des authentisch Baskischen dar.[37] In der Beziehung zum spanischen Staat zeigte sich der Katalanismus insgesamt eher föderalistisch als separatistisch. Die Loyalität gegenüber der Nation wurde zumeist als vereinbar mit anderen Bindungen – wie der zum Zentralstaat – betrachtet. Der baskische Nationalismus vertrat demgegenüber (als einziger der alternative Nationalismen) von Anfang an eine eindeutig separatistische Haltung. Doch zeigten sich auch hier moderatere Strömungen, die eine Autonomie des Baskenlands innerhalb des spanischen Staates anstrebten. So bewegte sich der baskische Nationalismus im Folgenden zwischen einem separatistischen Radikalismus und einer autonomistischen Anpassung, der Opposition zum und der Einfügung in den spanischen Staat.[38]

Die alternativen nationalistischen Bewegungen waren – wie der spanische Nationalismus – weder in politischer noch in kultureller Hinsicht statisch. Das nationale Gedankengut wurde im Folgenden sowohl auf den traditionalistischen als auch auf den liberalen politischen Diskurs übertragen, wobei im frühen 20. Jahrhundert gerade im Baskenland die traditionalistischen Tendenzen vorherrschten. Im Katalanismus überwogen insgesamt jedoch die progressiven Akzente (Forderungen nach Modernisierung, Liberalisierung, Demokratisierung und nach einer republikanisch-laizistischen Gesellschaft), während der baskische Nationalismus zunächst eine eher rückwärts gerichtete und die Vergangenheit verklärende Vorstellung vertrat.[39] Im Verlauf des Jahrhunderts bewegten sich die peripheren Nationalismen weiter in die politisch linke Richtung.[40]

Insgesamt gelang es aber auch den alternativen Nationalismen nicht, eine nationale Einheit herzustellen. Die katalanischen und baskischen Nationalismen konkurrierten mit spanischen republikanisch-nationalistischen Bewegungen und sahen sich besonders ab 1914 mit der Konsolidierung einer unabhängigen Arbeiterbewegung unter sozialistischer und anarchistischer Vorherrschaft konfrontiert. Dieses Problem zeigte sich am deutlichsten im Baskenland, wo die sozialistischen Bewegungen in Hinblick auf die rassistische Rhetorik der PNV stark gegen den baskischen Nationalismus eingestellt waren, doch auch in Katalonien bestand bis zu einem gewissen Grad eine ähnliche Problemkonstellation.[41]

2.2. Die spanischen Nationalismen im 20. Jahrhundert: Das Auftreten und die Entwicklung der „nationalen Frage“ bis zum Ende der Diktatur Francos

Mit den Entwicklungen, die in Spanien Ende des 19. Jahrhunderts einsetzen, begann die konfliktreiche Koexistenz von vier Nationalismen innerhalb des Staates, von denen sich jeder auf eine andere Nation berief: Spanien, Katalonien, das Baskenland und Galizien. Die einzelnen Nationen ließen sich in Hinblick auf ihre gesellschaftliche Akzeptanz auf keine klar definierten Gebiete oder ethnische Zonen festlegen. Sie korrespondierten jedoch mit verschiedenen Anteilen der Gesellschaft, die an die Existenz der einzelnen Nationen glaubten und politisch in Übereinstimmung mit diesem Glauben handelten:

„Thus, the Spanish nation comprised not only almost all inhabitants of the linguistic-ethnic area Castilian, but also a considerable minority of Catalans, approximately half the Basques and a majority of Galicians“.[42]

Auf diese Weise fügte sich die „nationale Frage“ zu den beiden anderen großen Konfliktbereichen des zeitgenössischen Spaniens: Der Konfrontationen bezüglich des politischen Systems des spanischen Staates (ein Großteil der alternativen nationalistischen Bewegungen übte z.B. wachsenden Druck aus, um eine Demokratisierung und Föderalisierung durchzusetzen) und der Konflikte in Hinblick auf die veralteten sozioökonomischen Strukturen, die in großen Teilen des Landes herrschten, und die daraus folgenden Differenzen. Diese drei Dimensionen des soziopolitischen Bruchs trafen mit gleicher Intensität zum ersten Mal 1917 zusammen, als die angestauten Spannungen zu der zweiten großen Krise der Restauration (1917-23) führten.[43]

Als Reaktion auf den Liberalismus wuchs ab der Jahrhundertwende ein reaktionärer und autoritärer spanischer Nationalismus an.[44] Dieser berief sich auf den katholischen Traditionalismus des 19. Jahrhunderts, in den er später das faschistische Gedankengut des 20. Jahrhunderts integrierte. Er betonte, dass Spanien nur durch die Wiederherstellung seines „essentiellen katholischen Selbst“ den vergangenen Ruhm (der mit der spanischen Wiedereroberung im 15. Jahrhundert, der Reconquista, und der Eroberung Amerikas gleichgesetzt wurde) wiedererlangen könne, und widersetze sich allem, was die Einheit des Staates auch nur annähernd in Frage stellte.[45] Seinen ersten großen Triumph feierte der autoritäre spanische Nationalismus mit der Diktatur Primo de Riveras (1923-30). Diese versuchte, eine spanische „Renationalisierung“ durchzuführen und verbot die Manifestationen der alternativen Nationalismen. So gelang es ihr, die nationalen, politischen und sozialen Probleme Spaniens für eine kurze Zeit niederzuhalten, doch löste sie keines von ihnen. Die Probleme verschärften sich vielmehr: Nach der erzwungenen Abdankung de Riveras traten die alternativen Nationalismen deutlicher und radikaler als zuvor zum Vorschein, die politisch Linke der Arbeiterklasse gewann an Unterstützung und das Modell des liberal-konservativen Staates war für keine der Gruppen mehr eine gültige Option für die Gestaltung des Staates.[46]

Nach dem Ende der Diktatur de Riveras trat der autoritäre Nationalismus zeitweise in den Hintergrund, und die folgende Zweite Republik Spaniens (Segunda República, 1931-36) basierte auf einem Bündnis zwischen dem demokratischen spanischen Nationalismus, der Arbeiterbewegung und den alternativen Nationalismen.[47] Dieses Bündnis verfolgte das Ziel, ein demokratisches System zu etablieren, das auch die „nationale Frage“ lösen und den Forderungen nach einer Veränderung des staatlichen Systems nachkommen sollte. Die Verfassung von 1931 setzte den so genannten „integralen Staat“ (Estado Integral) ein, der einen Kompromiss zwischen dem bis dahin gültigen Zentralismus und einem föderalen System bildete: Er erlaubte eine begrenzte politische Dezentralisierung und gewährte den Regionen, die deutlich ihren autonomen Willen zeigten (1931-1936 waren das Katalonien, das Baskenland und Galizien) ein Autonomiestatut.

Die halb-föderale Lösung des Estado Integral hatte in Bezug auf die „nationale Frage“ jedoch widersprüchliche Konsequenzen. Einerseits verminderte sie die nationalen Spannungen und den Radikalismus der alternativen Nationalismen, da sie zumindest einen Teil ihrer Forderungen berücksichtigte. Selbst der baskische Nationalismus fing an, seinen radikalen, anti-modernen und separatistischen Standpunkt zu revidieren und beteiligte sich schließlich in den Institutionen der Republik.[48] Auf der anderen Seite brachte der Estado Integral aber auch die institutionelle Anerkennung der alternativen nationalen Identitäten durch den spanischen Nationalismus mit sich. Zusätzlich half er durch die Schaffung von sub-staatlichen Institutionen der Selbstregierung deren Sozialisation zu beschleunigen. Diese Entwicklung trug nicht nur dazu bei, dass die Existenz der alternativen Nationalismen nicht mehr umzukehren war, sie führte auch zu der Entstehung regionaler Identitäten in weiteren Gebieten Spaniens, die bis dahin ausschließlich die spanische Identität besessen hatten.[49]

Die dezentralisierenden Zugeständnisse des demokratischen spanischen Nationalismus verstärkten die Feindseligkeit des reaktionären spanischen Nationalismus gegenüber dem republikanische Regime im Allgemeinen.[50] Die Diktatur Francos (1939-1975), der nach dem spanischen Bürgerkrieg die Macht übernahm, bildete dabei den Gipfelpunkt des katholisch-traditionalistischen Projekts des reaktionären Nationalismus. Sie versuchte, einen katholischen Einheitsstaat zu schaffen (der vor allem mit Kastilien assoziiert wurden), und vertrat ein extremes „Spaniertum“, das hochgradig ausschließend war:

„The Franco dictatorship [...] consecrated the hegemony of a Catholic and traditionalist version of Spanish nationalism (National-Catholicism), which centred its nationalist discourse around the essentialist affirmation of a Catholic Spain basically identified with Castile. It argued that Spanish history had produced a Volksgeist [sic!] whose best complementary expression was the myth of ‘Hispanity’ (Hispanidad).”[51]

Wie die Diktatur de Riveras bemühte sich das franquistische Regime, eine staatliche „Renationalisierung“ durchzuführen.[52] Es hob die „typisch nationalen spanischen“ Charakteristiken, Symbole und Traditionen hervor und versuchte, jegliche alternative nationalistische Manifestation (z.B. die regionalen Sprachen) so wie auch die Autonomie der alternativen Nationalismen radikal zu unterdrücken. Der Franquismus wendete sich ebenso auch gegen die Arbeiterbewegung und verschiedene demokratische Varianten des spanischen Nationalismus. Den Höhepunkt erreichte diese Unterdrückung in den ersten Jahren der Diktatur, in denen die Autarkie des Staates verbunden mit der institutionalisierten Gewalt dazu genutzt wurden, Spanien von den „dekadenten, ausländischen Einflüssen zu reinigen“ und die Basis für seine „triumphale Wiedergeburt [...] als einen machtvollen und geeinigten katholischen Staat“ zu legen.[53]

Die Unterdrückung der alternativen Nationalismen führte jedoch zu keinem Abbruch der peripheren nationalistischen Bestrebungen und Identitäten. Sie brachte diese zwar während der 1940er und 50er Jahre zum Schweigen, die soziale und politische Kohäsion der katalanischen und baskischen Gemeinschaften wuchs jedoch an, und es entstand eine hartnäckige kulturelle Resistenz gegenüber dem Regime.[54] Zudem verstärkten sich die extremen Tendenzen der alternativen Nationalismen, und die erneute Konsolidierung der Gegenkultur wurde ab dem Ende der 50er Jahre von der Entstehung politisch linker nationalistischer Projekte begleitet (im Baskenland entstand die ETA (Euskadi Ta Askatasuna), in Katalonien die PSAN (Partit Socialista d‘ Alliberament Nacional dels Països Catalans)).[55] In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts traten die alternativen Nationalismen unter einer neuen Form und mit neuen Ideologien wieder auf.[56] In den letzten Jahren der Diktatur und in den Jahren der Transición, des Übergangs zur Demokratie, zeigten sie sich – entsprechend der Situation während der Zweiten Republik – stärker als 1936 und gleichzeitig radikaler in Bezug auf ihre grundlegenden Ideologien und ihre Bestrebungen nach Autonomie: Der unterdrückende Zentralismus des Franquismus, der gerade in Katalonien und im Baskenland als eine Art „spanische Okkupation“ betrachtet wurde, führte dazu, dass die Forderung nach Autonomie und der Anerkennung der eigenen Sprache und Kultur als wesentlicher Bestandteil der Demokratisierung des spanischen Staates angesehen wurden.[57]

Die Aneignung und Monopolisierung des spanisch nationalistischen Diskurs durch den Franquismus und den anti-demokratischen rechten Flügel hatte auch einen bedeutenden Einfluss auf den gesamten spanischen Nationalismus.[58] Die explizite Behauptung des spanischen Nationalismus wurde außer von konservativer Seite unweigerlich mit der Diktatur Francos und mit dem imperialistischen und autoritären System gleichgesetzt. Die linke Opposition nahm demgegenüber eine föderalistische Position ein und akzeptierte viele der Forderungen der alternativen Nationalisten. So verwendete z.B. die sozialistische Partei Spaniens (Partido Socialista Obrero Español (PSOE)) in den frühen 70er Jahren ein nationalistisches Vokabular, dass sich gegen den Staat wendete, und vertrat das Recht zur Selbstbestimmung der „iberischen Nationalitäten“ im Rahmen eines föderalen Staates.[59]

2.3. Die spanische Transición, die Verfassung von 1978 und der Staat der Autonomien

Nach dem Tod Francos am 20. November 1975 trat die ungelöste nationale Frage verbunden mit der Frage nach der territorialen Artikulation des Staates als einer der Faktoren auf, die den Prozess der spanischen Transición, des politischen Übergangs zur Demokratie, im Folgenden am stärksten beeinflussten. Auch die politische Frage nach der Fortsetzung oder Veränderung des Regimes bedurften ohne die Möglichkeit eines Aufschubs einer Lösung:

„Together with the constitution, the [...] demand for self government and, in general, the problem of power-sharing between the central state and the different regions and nations within it was at the top of the agenda of post-francoist policy-makers. There was no doubt that it would be very unlikely to recover and consolidate democracy unless this problem was solved. On the other hand, it was also evident that, for the most reactionary sectors of the regime, too radical a decentralization could easily be considered as a challenge to the unity of the Spanish nation, which since the 1936 putsch had been guarded and enforced by the army.“[60]

Bezüglich dieser Fragen standen sich drei Hauptpositionen gegenüber: Die Falangistas, der größte Teil des hohen Offizierkorps, vertrat eine pure Fortsetzung der Diktatur. Die politisch linken spanischen Parteien sowie alle alternativen Nationalismen forderten einen vollkommenen Bruch mit dem Regime und einen neuen verfassungsgebenden Prozess, der eine dezentralisierte Demokratie einsetzen sollte. Bezüglich der nationalen Frage vertrat dieser Block das Recht der Selbstbestimmung der „iberischen Nationalitäten“. Dabei verteidigte die spanische Linke und ein Teil des katalanischen und baskischen Nationalismus eine föderale Lösung, während die stärker radikalen Sektoren dieser Nationalismen eine Konföderation anstrebten. Die wirklich nach Unabhängigkeit strebenden Haltungen blieben vollkommen marginal.[61] Die reformatorischen Sektoren des Franquismus, der größte Teil des Unternehmertums und der Kirche, Teile des Militärs und die liberal-demokratischen spanischen Parteien unterstützten eine profunde Reform. Diese sollte die eigene Legalität des Franquismus nutzen und auf jede Bestrafung der Verbrechen der Diktatur verzichten, um auf dieser Basis ein demokratisches und an Europa angepasstes System zu schaffen. Diese letzte Position wurde von der Mehrheit der Parteien und auch der spanischen Bevölkerung akzeptiert, und die Verfassung von 1978 und das staatliche System, das sie einsetzte, entstanden auf der Basis einer Übereinkunft zwischen einem Großteil der verschiedenen politischen Akteuren.[62]

[...]


[1] Justo G. Beramendi: Los Nacionalismos Hispánicos y Europa. 1975-2000. Präsentiertes Paper beim “Colloquium Europa Mundi”, V. Sektion: “Democracia, Nacionalismo e Europeísmo”, Santiago de Compostela 2000.

[2] Z.B. M.K. Flynn: Constructed Identities and Iberia, in: Ethnic and Racial Studies 2001, Vol. 24, Nr. 5, S. 703-718, hier S. 706ff. Xosé-Manoel Nuñez: What is Spanish nationalism today? From legitimacy crisis to unfulfilled renovation (1975-2000), in: Ethnic and Racial Studies 2001, Vol. 24, Nr. 5, S. 719-725, hier S. 719.

[3] In diesem Zusammenhang entstanden Studien wie z.B. Antonio V. Menéndez Alarcón: National Identity, Nationalism, and the Organization of the European Union, in: International Journal of Contemporary Sociology 1998, Vol. 35, Nr. 1, S. 57-74; Juan Díez Medrano/ Paula Gutiérrez: Nested identities: national and European identity in Spain, in: Ethnic and Racial Studies 2001, Vol. 24, Nr. 5, S. 753-779; Klaus-Jürgen Nagel: The „Europe of the Regions“ and the identity politics of nations without states, in: Scottish Affairs 2001, Nr. 36, S. 48-72.

[4] Beramendi, ebd.; Joan Botella: Las Españas, en Europa, in: Revista de Occidente 2000, Nr. 229, S. 83-95.

[5] Wolfgang Weidenfeld/ Werner Wessels (Hrsg.): Jahrbuch der Europäischen Integration, Bonn 1981-1999/ Berlin 2000-2001, im Folgenden JEI. Die Angaben zu den Autoren der Beiträge sind in der Bibliographie vermerkt, die Seitenangaben der einzelnen Beiträge werden im Folgenden in den Fußnoten angegeben.

[6] J. Linz: Early State-building and Late Peripheral Nationalism against the State: The Case of Spain, in: S. N. Eisenstadt/ S. Rokkan (Hrsg.): Building State and Nations, Vol. II, Beverly Hills/ London 1973, S. 32-116, hier S. 93, zitiert nach Clare Mar-Molinero: The Role of Language in Spanish Nation-Building, in: Clare Mar-Molinero/ Angel Smith (Hrsg.): Nationalism and the Nation in the Iberian Peninsula: Competing and Conflicting Identities, Oxford 1996, S. 69-87, hier S. 85f.

[7] Hier wird von der in der Forschung überwiegenden Position ausgegangen, dass sich die Nationen und Nationalismen im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts aus den liberalen Revolutionen und den Reaktionen auf diese entwickelten. Z.B. Xosé-Manoel Nuñez: Los nacionalismos en la España contemporánea (siglos XIX y XX), Barcelona 1999, S. 11. Zu den Angaben auch José Alvarez Junco: The Nation-Building Process in Nineteenth-Century Spain, in: Mar-Molinero/ Smith: Nationalism and the Nation in the Iberian Peninsula, S. 89-106, hier S. 89.

[8] Der so genannte spanische „Unabhängigkeitskrieg“ (Guerra de Independencia) gegen die Truppen Napoleons 1808-14 wird meistens als Beginn der liberalen Revolution in Spanien und als Geburtsstunde des zeitgenössischen spanischen Nationalismus angesehen. Z.B. Alvarez Junco, S. 91.

[9] Die spanische Identität vor dem 19. Jahrhundert wird in der Literatur oft in die „pre-nationalen Identität“ und den mit dem 18. Jahrhundert entstehenden „Proto-Nationalismus“ unterteilt. Die „pre-nationale Identität“ basierte auf dem Selbstbildnis der Gesellschaft des Ancien Régime, das dazu beitrug, die eigene Staatsbildung zu rechtfertigen. Die souveräne Gewalt beruhte dabei auf den premodernen legitimierenden Prinzipien. Der „Proto-Nationalismus“ beinhaltete eine Ideologie, die stärker auf der Loyalität gegenüber dem absolutistischen Staat und der pre-nationalen Identität als auf der Loyalität gegenüber der Figur des Souveräns basierte. Justo G. Beramendi: Identity, Ethnicity and State in Spain: 19th and 20th Centuries, in: Nationalism and Ethnic Politics 1999, Vol. 5, T. 3/ 4, S. 79-100, hier S. 80f./ 99. Zu den folgenden Angaben ebd. S. 80ff.; Nuñez, ebd., S. 14ff.

[10] Hierzu Beramendi, ebd., S. 81. Angel Smith/ Clare Mar-Molinero: The Myths and Realities of Nation-Building in the Iberian Peninsula, in: Mar-Molinero/ Smith: Nationalism and the Nation in the Iberian Peninsula, S. 1-30, hier S. 2/ 12f.; Nuñez, ebd., S. 15.

[11] Zu dem entstehenden Nationalismus Nuñez, ebd., S. 18; Beramendi, ebd., S. 83f; Beramendi: Los Nacionalismos Hispánicos.

[12] Hierzu Beramendi: Identity, Ethnicity and State in Spain, S. 88; Nuñez, ebd., S. 31.

[13] Nuñez, ebd., S. 13/ 21; Borja de Riquer: Nacionalidades y regiones. Problemas y líneas de investigación en torno a la débil nacionalización española del siglo XIX, in: Antonio Morales Moya/ Mariano Esteban de Vega (Hrsg.): La historia contamporánea en España, Salamanca 1992, S. 73-89, hier S. 74.

[14] Hierzu Nuñez, ebd., S. 21; Alvarez Junco, S. 96ff.; Smith/ Mar-Molinero, S. 3.

[15] Zu diesen Angaben Alvarez Junco, S. 98ff; Nuñez, ebd., S. 21-29; Ludger Mees: Between votes and bullets. Conflicting ethnic identities in the Basque Country, in: Ethnic and Racial Studies 2001, Vol. 24, Nr. 5, S. 798-827, hier S. 800; de Riquer, S. 75ff.

[16] Beramendi, ebd., S. 92; Smith/ Mar-Molinero, S. 7.

[17] Nuñez, ebd., S. 31; Smith/ Mar-Molinero, S. 6; Beramendi, ebd., S. 84.

[18] Jede der Regionen, in denen sich die alternativen Nationalismen herausbildeten, wies eine spezifische Ethnizität auf, Katalonien und das Baskenland besaßen darüber hinaus eigene Institutionen der Selbstverwaltung, die später zur Unterstützung nationalistischer Forderungen herangezogen werden konnten. Beramendi, ebd., S. 88f.; Smith/ Mar-Molinero, S. 4/ 12f.

[19] Beramendi, ebd. S. 89/ 92; José Luis Abellán: El significado de la idea de Europa en la política y en la historia de España, in : Sistema 1988, S. 31-43, hier S. 36ff.; Francisco J. Romero Salvadó: The Failure of the Liberal Project of the Spanish Nation-State, 1909-1923, in: Mar-Molinero/ Smith: Nationalism and the Nation in the Iberian Peninsula, S. 119-132, hier S. 121.

[20] Beramendi, ebd., S. 92.

[21] Zur Renaixença Smith/ Mar-Molinero, S. 6; Peter Waldmann: Militanter Nationalismus im Bakenland, Frankfurt a.M. 1990, S. 24.

[22] Zu den folgenden Angaben Waldmann, S. 19/ 21/ 28; Beramendi, ebd., S. 85; Smith/ Mar-Molinero, S. 13. Zu der wirtschaftlichen Entwicklung Kataloniens Waldmann S. 19ff.

[23] Beramendi, ebd.

[24] Hierzu Juan Díez Medrano: Divided Nations. Class, Politics, and Nationalism in the Basque Country and Catalonia, New York 1995, S. 191f.; Beramendi, ebd., S. 90; Smith/ Mar-Molinero ebd.; Waldmann, S. 25. Zur Lliga auch Díez Medrano S. 93ff.; Núñez, ebd., S. 36f.

[25] Beramendi, ebd., S. 91. Auch Waldmann, S. 27.

[26] Hierzu so wie zu den folgenden Angaben José Luis de la Granja Sainz: El nacionalismo vasco: un siglo de historia, Madrid 1995, S. 25/ 28; Waldmann, S. 28ff.; Mees, S. 800; Díez Medrano, S. 191.

[27] Granja Sainz, S. 27; Mees, S. 801.

[28] Smith/ Mar-Molinero, S. 7. Zur literatura fuerista auch Granja Sainz, S. 25ff.

[29] Beramendi, ebd., S. 88; Smith/ Mar-Molinero, S. 4.

[30] Der Fuerismo stellte die Einheit der spanischen Monarchie jedoch noch nicht in Frage. Mees, S. 801

[31] Zu den folgenden Angaben Granja Sainz, S. 25; Beramendi ebd., S. 89. Zu der Industrialisierung Vizcayas auch Waldmann, S. 31f; Granja Sainz, S. 28f.; Díez Medrano, S. 74f.

[32] Beramendi, ebd., S. 90.

[33] Zum Werk Aranas Mees, S. 802f.; Granja Sainz, S. 31ff.; Nuñez, ebd., S. 48ff.; Waldmann, S. 32f.; Díez Medrano, S. 77.

[34] Zu diesen Angaben Mees, S. 802; Smith/ Mar-Molinero, S. 13/ 16; Beramendi, ebd., S. 90.

[35] 1917 erhielten die baskischen Nationalismen zum ersten Mal die Mehrheit in der Provinz von Vizcaya, während der Zweiten Republik wurde die PNV die mächtigste Partei im Baskenland. Mees, S. 803; Smith/ Mar-Molinero, S. 14.

[36] So unterstützten die alternativen Nationalisten ab der Jahrhundertwende die Verbreitung von „typisch nationalen“ Merkmalen, Traditionen und Symbolen, wie einer eigenen nationalen Hymne, nationaler Feiertage, etc. als Zeichen der alternativen Nationen. Smith/ Mar-Molinero, S. 16f.

[37] Nuñez, ebd., S. 49; Beramendi: Los Nacionalismos Hispánicos.

[38] Mees, S. 806; Beramendi, ebd.

[39] Hierzu Beramendi ebd.; Waldmann, S. 28.

[40] Dies zeigte sich am deutlichsten in Katalonien, wo die politisch linke republikanische Bewegung der Esquerra Republicana de Catalunya (ERC) während der Zweiten Republik Spaniens, der Segunda República, zur vorherrschenden nationalistischen Partei wurde. Ein Grund für die Unterstützung der politisch Linken war dabei das Anwachsen des autoritären spanischen Nationalismus ab dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, der sich jeder Form der regionalen Selbstregierung widersetzte. Um eine Dezentralisierung durchzusetzen, begannen die peripheren Nationalismen – als „demokratische Opposition“ – Kontakte zu den spanischen republikanischen und sozialistischen Gruppen herzustellen. Smith/ Mar-Molinero, S. 17.

[41] Smith/ Mar-Molinero, S. 15f.; Beramendi: Identity, Ethnicity and State in Spain, S. 91; Waldmann, S. 25.

[42] Beramendi, ebd., S. 89.

[43] Hierzu Smith/ Mar-Molinero, S. 5; Waldmann, S. 23; Beramendi, ebd., S. 92.

[44] Hierzu Beramendi: Los Nacionalismos Hispánicos; Smith/ Mar-Molinero, S. 17/ 20.

[45] Smith/ Mar-Molinero, S. 20.

[46] Zu der Diktatur de Riveras Beramendi: Ethnicity, Identity and State in Spain, S. 92f.; Mees, S. 803; Nuñez, ebd., S. 93f.

[47] Zur Segunda República Beramendi, ebd., S. 93; Smith/ Mar-Molinero, S. 18; Mees, S. 806.

[48] Der baskische Nationalismus verfuhr dabei jedoch zweigleisig: In der Theorie hielt er den separatistischen Diskurs aufrecht, in der Praxis adoptierte er eine autonomistische Politik. Beramendi, ebd.

[49] Beramendi, ebd.

[50] Beramendi: Los Nacionalismos Hispánicos.

[51] Nuñez: What is Spanish nationalism today?, S. 719.

[52] Zu den Angaben zum Franquismus Nuñez, ebd.; Mees, S. 806; Michael Richards: Constructing the Nationalist State: Self-Sufficiency and Regeneration in the Early Franco Years, in: Mar-Molinero/ Smith: Nationalism and the Nation in the Iberian Peninsula, S. 149-167, hier S. 150ff.; Smith/ Mar-Molinero, S. 20.

[53] Smith/ Mar-Molinero, ebd. Auch Nuñez, ebd., S. 720.

[54] Hierzu Nuñez, ebd.; Beramendi: Ethnicity, Identity and State in Spain, S. 94; Francisco J. Llera: Basque Polarization: Between Autonomy and Independence, in: Nationalism and Ethnic Politics 1999, Vol. 5, T. 3/ 4, S. 101-120, hier S. 102f.

[55] Das Aufkommen dieser linksgerichteten Nationalismen führte zu der Spaltung der nationalen Gemeinschaften, die sich am stärksten im Baskenland vollzog. Die ETA, die sich Ende der 60er Jahre in eine paramilitärische marxistisch-leninistische Gruppierung wandelte, war dabei die einzige der Bewegungen, die ernsthaft auf den bewaffneten Kampf gegen das Regime zurückgriff. Mees, S. 804.

[56] Die Diskreditierung der faschistischen Sprache in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg und die rapide industrielle Entwicklung in Katalonien und dem Baskenland, die ab den 1950ern eine erneute Einwanderung „spanischer Immigranten“ mit sich brachte, führten dazu, dass die Nationalismen sich selbst und die eigene nationale Identität neu definieren mussten. So legten sie ab den 60er Jahre ein größeres Gewicht auf die eigene Sprache und Kultur als differenzierende Identitätsmerkmale. Smith/ Mar-Molinero, S. 21f.

[57] Ebd., S. 23.

[58] Hierzu Nuñez, ebd., S. 720f.

[59] Smith/ Mar-Molinero, S. 23; Beramendi: Los Nacionalismos Hispánicos; Xosé-Manoel Nuñez: Autonomist Regionalism within the Spanish State of the Autonomous Communities: An Interpretation. In: Nationalism and Ethnic Politics 1999, Vol. 5, T. 3/ 4, S. 121-141, hier S. 125.

[60] Mees, S. 806f. S. auch Nuñez: What is Spanish nationalism today?, S. 721; Llera, S. 101.

[61] Hierauf nahm, wie unten noch erläutert wird, die Perspektive der Integration Spaniens in die EG einen großen Einfluss. Beramendi ebd.

[62] Letztlich weigerte sich nur noch die spanische extrem Rechte und Linke, Minderheiten der katalanischen und baskischen Nationalismen und fast der gesamte galizische Nationalismus dem Pakt beizutreten. Im Baskenland wurde die Verfassung zunächst sowohl von der nationalistischen Linken als auch von den moderaten Nationalisten zurückgewiesen, bzw. kritisiert, und von der Mehrheit der baskischen Wählerschaft nicht unterstützt. Die teilweise Rückgabe der historischen Rechte der baskischen Selbstregierung mit dem Autonomiestatut von 1979, das von der PNV unterstützt wurde, führte im Folgenden jedoch zu einer wirklichen Integration des moderaten baskischen Nationalismus in den verfassungsgebenden Konsens. Mees, S. 805/ 807. Zu dem Überblick über die verschiedenen Positionen Beramendi, ebd.; Nuñez, ebd., S. 721f.

Details

Seiten
104
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783832478490
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v223106
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Linguistik und Literaturwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
staatenlose nationalismen baskenland katalonien europapolitik

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Titel: Zur Bedeutung der spanischen Integration in Europa für die verschiedenen Nationalismen Spaniens