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"Politainment" - Politische Inszenierung in der Mediendemokratie

Eine Analyse wichtiger Printmedien am Fallbeispiel der so genannten Swimmingpool-Affäre des Bundesverteidigungministers Rudolf Scharping

Magisterarbeit 2003 212 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

1. Einführung

„Früher haben die Journalisten die Politiker beo-

bachtet, jetzt beobachten die Politiker die Journalisten. Wenn man das konsequent fortsetzt, führt es am Ende zu der Frage: Wer soll Bundeskanzlerin werden? Sabine Christiansen oder Maybritt Illner?“ [1]

Ruprecht Eser (Medienjournalist) im Interview mit der Zeit (37/2002) „Kuscheln im Hard-Talk-Café“.

1.1 Problemstellung und Themenabgrenzung

„Selbstverteidigungsminister“, „Rudolf der Eroberer“, „liebestoller Rudi“ oder schlicht „der Verliebte“ – kaum ein Printmedium der deutschen Medienlandschaft ließ es sich im Sommer 2001 nehmen, den damals amtierenden Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping mit immer wieder neuen, verhöhnenden Namen zu betiteln.[2] Auslöser dieser Medienreaktion, die der Spiegel als qualitativ „neuen Tiefpunkt des deutschen Polit-Entertainments“[3] bezeichnete, war die Publikation eines Artikels: Das im Burda -Verlag erscheinende Gesellschafts-Magazin Bunte veröffentlichte am 23. August 2001 die Titelgeschichte „Total verliebt auf Mallorca“[4]. Das Titelbild zeigte Rudolf Scharping und seine Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati (von Thassul zu Daxberg-) Borggreve im Swimmingpool. Auf neun Seiten folgte im Innern des Heftes eine Fotostrecke, die den Minister und seine Partnerin während ihrer Freizeitaktivitäten zeigte. Die Veröffentlichung dieser zunächst harmlos anmutenden Urlaubsstory, geschrieben von Bunte -Autor Paul Sahner, löste ein extremes Medien-Echo aus. Die vielfache Empörung über die Publikation entstand, da es mehrheitlich als geschmacklos wahrgenommen wurde, eine solche Manifestation sorglosen Glücks zu einem Zeitpunkt zu demonstrieren, als es dem Bundesverteidigungsminister unmittelbar bevorstand, Bundeswehrsoldaten auf einen Auslandseinsatz in Mazedonien zu entsenden. Von der seichten Talkshow bis zur seriösen überregionalen Presse – vielfach thematisierten die Medien die mallorquinische Romanze Rudolf Scharpings – die so genannte „Swimmingpool-Affäre“. Kurze Zeit später entwickelte sich aus dieser Bade- die so genannte Flugaffäre[5], da die Opposition dem Minister dubiose Auffälligkeiten in der Nutzung der Flugbereitschaft der Bundeswehr vorwarf.[6] Ein abruptes Ende fand diese Affäre durch die Terroranschläge des 11. September in den USA. Die Umfragewerte des Bundesverteidigungsministers blieben allerdings bis zu seinem Rücktritt im Juli 2002 dauerhaft negativ.[7]

Das Fallbeispiel Scharping, welches im Folgenden noch ausführlich untersucht werden soll, scheint symptomatisch für den Wandlungsprozess, in dem sich das Verhältnis von Politik und Medien in der „Mediengesellschaft“[8] gegenwärtig befindet. Die im klassischen Journalismus einst streng voneinander getrennten Ressorts Politik und Unterhaltung vermischen sich stetig. Einschaltquoten und Auflagenzahlen bestimmen die Rahmenbedingungen von Politikvermittlung in den meisten westlichen Gesellschaften. Dieser „Megatrend zur Mediengesellschaft“[9] zwingt die politischen Akteure zunehmend, ihr Handeln und ihre Ziele der umworbenen Wählerschaft über die Medien zu vermitteln. Unterhaltungsformate gewährleisten hierfür höhere Einschaltquoten und Auflagenzahlen als mediale Angebote im reinen Politikformat.[10] Die Konsequenz ist eine Vermischung von Unterhaltungs- und Politikformaten: Politische Unterhaltung und unterhaltende Politik[11] – das so genannte „Politainment“[12].

Ziel dieser Arbeit ist es, vor diesem Hintergrund die Regeln, denen das Politainment folgt, am Fallbeispiel Rudolf Scharping zu analysieren. Zum einen soll die Rezeption der Selbstinszenierung durch die Medien und zum anderen die Motivation Rudolf Scharpings untersucht werden. Anschließend sollen die Ursachen der negativen Rezeption durch die Medien und die möglichen Auswirkungen diskutiert werden. Insbesondere soll untersucht werden, ob das Medienurteil und Rudolf Scharping Ansichten bezüglich der Bunte -Inszenierung sich unterscheiden. Grundlage dieser qualitativen Analyse bildet eine empirische Auswertung ausgewählter Printmedien[13] nach inhaltsanalytischer Methode[14].

1.2 Zur Untersuchungsmethode

Die Fragen nach der Medienrezeption der Selbstinszenierung sowie nach den Motivationsgründen Rudolf Scharpings lassen sich nicht theoretisch beantworten, sondern nur empirisch erkunden. Dies soll in dieser Arbeit anhand einer exemplarischen Inhaltsanalyse von 30 Tageszeitungsartikeln und acht Magazin-Publikationen geleistet werden: Es handelt sich um ausgewählte Artikel aus wichtigen meinungsbildenden Printmedien[15]. Das genaue Untersuchungsdesign der Inhaltsanalyse wird ausführlich zu Beginn des fünften Kapitels vorgestellt.[16] Das Kategoriesystem der Artikel-Codierung, welches für die Erfassung der inhaltlichen Merkmale des Textkorpus notwendig ist, befindet sich im Anhang dieser Arbeit.[17]

Der Untersuchungszeitraum beginnt am 23. August 2001, da der an diesem Tag publizierte Bunte -Artikel als Auslöser der Swimmingpool-Affäre gilt, und endet am 11. September 2001 aufgrund der Terroranschläge in den USA, welche die Affäre aus den Medien verdrängten. Es handelt sich somit um eine Längsschnittstudie[18], da die Analyse der Medienrezeption des Fallbeispiels sich über einen Zeitraum von insgesamt 20 Tagen erstreckt und daher auch die Entwicklung des Falls mit einbezieht. Untersucht worden sind aus diesem Zeitraum jeweils 15 Artikel aus der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die SZ präsentiert dabei das eher „linksliberale“ Meinungsspektrum, mit der FAZ ist das eher „konservativ-liberale“ Spektrum repräsentiert.[19] Um jedoch einen größeren Gesamteindruck von der veröffentlichten Meinung zur Swimmingpool-Affäre zu gewinnen, wurden darüber hinaus die im relevanten Zeitraum erschienen Artikel (insgesamt sechs) in den Wochenmagazinen Spiegel und Stern untersucht. Einen wesentlichen Anteil in den Artikeln des Magazin-Journalismus[20] nimmt die Bildberichterstattung ein. Da der zu untersuchende Textkorpus für den dieser Arbeit zur Verfügung stehenden Rahmen verhältnismäßig umfangreich ist, kann nur in Ansätzen auf die Darstellungseffekte der Bildberichterstattung eingegangen werden.[21]

Der Bunte -Artikel, der als Auslöser der Affäre am Anfang des Untersuchungszeitraums steht, wie auch eine weitere Veröffentlichung des Gesellschafts-Magazins zum Thema Scharping, werden ebenfalls untersucht. Die besondere Form des Boulevard-Journalismus erfordert zur Untersuchung der Bunte -Publikationen ein anderes Kategorien-Schema[22] als für die Artikel der Berichterstattung in den Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen. Es handelt sich jedoch um dieselbe Methode der Inhaltsanalyse. Auf Basis der Ergebnisse soll diskutiert werden, wo die Ursachen für das Scheitern der als Imagepolitik angelegten Medieninszenierung des politischen Akteurs Rudolf Scharping lagen und welche langfristigen Wirkungen sich möglicherweise daraus ergaben. Abschließend sollen Überlegungen angestellt werden, welche Rückschlüsse sich aus dem analysierten Fallbeispiel für das Verhältnis von Politik und Medien innerhalb des Politainments ziehen lassen.

Für eine generalisierbare Aussage über Wirkungen und Regeln politischer Inszenierung des Politainments ist die Stichprobe der untersuchten Artikel aufgrund der zur Verfügung stehenden Untersuchungskapazitäten zwar zu gering. Sie ermöglicht dennoch Aussagen über gewisse Tendenzen, die einen Einblick in die dargestellte Thematik der medialen Selbstinszenierung liefern.

1.3 Aufbau der Arbeit

Das zweite Kapitel dient einer allgemeinen Einführung in die theoretischen Ansätze zur Definition des Verhältnisses von Politik und Medien. Anschließend richtet sich der Fokus im dritten Kapitel auf die spezielle Politik-Medien-Beziehung im Politainment. Hierbei sollen Definition, Funktion und Merkmale von Politainment erläutert werden und insbesondere auf seine möglichen Grenzen und den politischen PR-Charakter[23] eingegangen werden. Sodann gilt es zu klären, wie sich der Politainment-Ansatz zu den vorangegangenen Theorien verhält und in welchem Modell er am adäquatesten abbilden lässt. Nach den allgemeinen Überlegungen zum Politainment wird das Fallbeispiel Scharping genauer betrachtet. Hier soll zunächst eine kurze Zusammenfassung der für die Analyse relevanten Ereignisse zwischen dem 23. August bis zum 11. September 2001 einen chronologischen Überblick liefern. Es folgt die Darstellung der Politainment-Aspekte im Fallbeispiel Rudolf Scharpings. In Kapitel fünf werden zunächst das Untersuchungsdesign und das methodische Vorgehen der Inhaltsanalyse erläutert. Anschließend werden die folgenden Forschungsfragen vorgestellt:

1. Fragen in Bezug auf die Medien
- Wie beurteilen die Medien die Selbstinszenierung?
- Was erkennen sie als Motiv(e)?
- Wie beurteilen die Medien Scharpings Motiv(e)?

2. Fragen in Bezug auf Rudolf Scharping

- Welche Motive hatte Rudolf Scharping laut eigener Aussage für die Selbstinszenierung?
- Wie beurteilt er seine Inszenierung?
- Verändert sich seine Beurteilung im Verlauf des betrachteten Zeitraums?

3. Fragen in Bezug auf die möglichen Ursachen des Scheiterns
- Wo liegen die Unterschiede in der Bewertung der Medien einerseits und Scharpings andererseits?
- Warum misslingt die Selbstinszenierung?

Anhand der Ergebnisse soll in Kapitel 6. diskutiert werden, was die Ursachen für das Scheitern der Image-Politik Scharpings waren. Außerdem sollen, basierend auf der Tatsache, dass der Verteidigungsminister im Juli 2002 aus seinem Amt entlassen wurde[24], Überlegungen zur langfristigen Wirkung von Politainment angestellt werden. Abschließend geht es darum, welche Rückschlüsse die Analyse über generelle Entwicklungstendenzen der Beziehung von Politik und Medien im Politainment zulässt.

1.4 Forschungsstand

Da das untersuchte Fallbeispiel der Swimmingpool-Affäre ein wissenschaftlich betrachtet relativ „junges“ Ereignis darstellt, existiert zu diesem speziellen Fall noch keine Forschungsliteratur auf empirischer Basis. Lediglich zwei Aufsätze[25], die sich direkt auf das Thema beziehen, konnten zur Untersuchung herangezogen werden. Ähnlich verhält es sich mit dem ebenfalls neuen Forschungsansatz des Politainments. Bislang liegen von sozialwissenschaftlicher Seite kaum fundierte Analysen von Unterhaltungsphänomenen in ihrer Bedeutung für die politische Kommunikation in der Mediengesellschaft vor.[26] Auch der Politikwissenschaftler Andreas Dörner entwickelt den Politainment-Ansatz in seinem gleichnamigen Buch nicht auf einer im quantitativen Sinne repräsentativen Basis. Stattdessen nähert sich Dörner dem Phänomen des Politainments über Fallanalysen der „prägenden, meinungsbildenden Bildspender“[27] der deutschen Gegenwartskultur, Fernsehen und Kinofilm. Anhand von Beispielen erörtert der Wissenschaftler jeweils die spezifische Funktionsweise von Unterhaltung, um schließlich den politischen Stellenwert der sich herausbildenden Unterhaltungsgesellschaft zu ermitteln. Das Fazit des Buches lautet, dass Politainment auch „als Stabilisator von politischem Systemvertrauen“ wirken kann und, dass trotz aller Einwände „die Gefühlsqualität unterhaltender Politik und politischer Unterhaltung als Integrationsfaktor einer modernen Massendemokratie keineswegs von geringem Wert ist“.[28] Die willkürliche Auswahl positiver Beispiele aus der Unterhaltungsindustrie, die jeglichen Kulturpessimismus ad absurdum führt, ist jedoch kritisch zu beurteilen. Somit scheint Dörners Ansatz einerseits durchaus nachvollziehbar, bildet jedoch andererseits aufgrund der einseitig ausgewählten Analysebasis, die dem Autor als Beleg dient, nur einen Teilausschnitt der Realität ab.[29] Für diese Arbeit gilt, dass Dörners Verständnis von Politainment als ein möglicher Ansatz unter den aktuell diskutierten - die von kulturkritischen Untergangsszenarien klassisch rationaler und demokratischer Politik bis hin zur Hoffnung auf mehr Partizipation und Rezipientenorientierung reichen – angesehen wird.

Als Verständnisgrundlage für das Politainment-Modell dient die Erörterung der kontrovers diskutierten Deutungsmodelle zur Beziehung von Politik und Medien. Die jüngste Zusammenfassung der gegenwärtig konkurrierenden Modelle liefern Jarren und Donges mit dem Titel „Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft“[30]. Einen ebenfalls sehr aktuellen Überblick anhand von vielen Fallbeispielen bieten hierzu Christian Schicha und Carsten Brosda in ihrer Veröffentlichung „Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten“.[31] Da jedoch bis dato keine empirischen Belege existieren, die einen dramatischen Trend zum Infotainment, bzw. Politainment oder gar zu einer Entpolitisierung der Gesellschaft eindeutig belegen könnten, kann auch im Rahmen dieser Arbeit keine allgemeingültige These erstellt werden. Vielmehr soll anhand der qualitativen Analyse der Printmedien-Rezeption eine fallspezifische Ursachenanalyse durchgeführt werden. Die Analyse-Ergebnisse erlauben im Hinblick auf das Beziehungsverhältnis von Politik und Medien allenfalls Rückschlüsse auf einen möglichen Entwicklungstrend.

2. Modelle zum Beziehungsverhältnis von Politik und Medien

Der Begriff Politainment stellt einen Versuch dar, das im Wandel befindliche Verhältnis von Politik und Medien angemessen zu definieren. Die Wortschöpfung soll, so Dörner, „darauf aufmerksam machen, dass sich in den 90er Jahren eine enge Kopplung zwischen Politik und Entertainment, politischer und unterhaltsamer Kommunikation herausgebildet hat, die es so vorher nicht gab.“[32] Da beide gesellschaftlichen Teilsysteme unterschiedlichen Zwecken dienen und daher auch über differente Funktionslogiken verfügen, stellt sich die Frage, wie eine Kopplung sich gestaltet und welches der beiden Regelsysteme möglicherweise das andere dominiert. Politik verfolgt das Ziel, gesamtgesellschaftlich verbindliche Entscheidungen zu erzeugen, wofür sie nach ihrer Funktionslogik des Partizipationsprinzips eine lange Prozessdauer benötigt. Den Massenmedien geht es in der Politikvermittlung darum, mit der Themenauswahl sowie der Darstellungsform ein größtmögliches Publikumsinteresse zu erzeugen.

Um die Fragen in angemessener Form diskutieren zu können, wie sich die im Politainment konstatierte enge Kopplung der Systeme darstellt, soll in diesem Kapitel zunächst der Versuch unternommen werden, die bisher diskutierten theoretischen Ansätze der politischen Kommunikationsforschung kritisch darzustellen. So sind Politikwissenschaft und Medienwissenschaft sich darüber einig, dass sich durch die neue Rolle der Massenmedien die Grenze zwischen dem politischen und dem medialen System erheblich verschoben hat.[33] Die klassische Vorstellung, basierend auf der Existenz von zwei Funktionssystemen mit separaten Funktionslogiken und getrennten gesellschaftlichen Handlungssystemen, so der Politikwissenschaftler Meyer, sei „offenkundig radikal überholt“.[34] Während Sarcinelli 1998 von einem „Strukturwandel der Öffentlichkeit“[35] spricht, postuliert Meyer 2002 bereits die „kopernikanische Wende“[36] von der Parteiendemokratie zur Mediendemokratie.

In der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion darüber, welche Folgen diese Beziehungsveränderung für die Qualität der Demokratie in der Mediengesellschaft haben könnte, konkurrieren die folgenden vier Ansätze[37] unterteilen:

- 1. das Instrumentalisierungs-Paradigma, welches auf der Annahme basiert, dass eines der beiden Systeme sich des jeweils anderen bedient;
- 2. das Gewaltenteilungs-Paradigma, welches die Medien als eine Art vierte Macht im Staat betrachtet,
- 3. die Interdependenzmodelle, welche die wechselseitigen Abhängigkeiten der politischen und medialen Akteure fokussieren und
- 4. der Interpenetrationsansatz, der die wechselseitigen Beziehungen in den Vordergrund stellt, jedoch gleichzeitig betont, dass sich die Autonomie der Teilsysteme dabei nicht auflöst.

2.1 Das Instrumentalisierungsparadigma

Innerhalb dieses Paradigmas wird entweder eine Abhängigkeit des politischen Systems von den Massenmedien vorausgesetzt oder umgekehrt konstatiert, dass die Massenmedien vom politischen System abhängig seien. Zu den Wissenschaftlern, die von einer wachsenden Einflussnahme des Mediensystems ausgehen, gehören vor allem der Publizistikwissenschaftler Hans Mathias Kepplinger und der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter.[38]

2.1.1 Die Übermacht der Medien

Das Konzept der „Übermacht“ der Medien diagnostiziert die Medien selbst bereits als inoffiziell mitwirkenden Akteur im politischen Entscheidungsprozess. Mit der wachsenden Einflussnahme, so die Theorie, geht ein Legitimitätsgewinn der Massenmedien einher und ein dementsprechender Legitimitätsverlust des politischen Systems. Diese Entwicklung beschreibt Kepplinger als Dominanz-Dependenz-Verhältnis[39]. Da sich die Gewichte zwischen Politik und Medien zugunsten des Mediensystems verschieben, besteht seiner Auffassung nach nicht nur ein Ungleichwicht zwischen politischen und medialen Akteuren, sondern vielmehr ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen beiden, das von Journalistenseite dominiert wird. Normativ weist diese theoretische Sichtweise den Massenmedien die Eigenschaft zu, „in einigen Fällen zur funktionalen Voraussetzung“[40] für das politische System geworden zu sein. Konsequenz daraus wäre, dass sich die politischen Akteure für erfolgreiches Handeln den Verhaltensregeln des Mediensystems anzupassen hätten.

Der Grad dieser Abhängigkeit ist umstritten. Befürworter[41] versuchen dieses Abhängigkeitsverhältnis anhand von Fallbeispielen medialer Politikvermittlung zu belegen, doch die empirische Grundlage dafür fehlt bis dato. Weiterhin gegen eine mediale Übermacht spricht die Tatsache, dass neben dem politischen System auch die Wirtschafts-Akteure auf das Mediensystem einwirken. So sind insbesondere die auf Werbung (Fernsehwerbung, Anzeigenkunden) angewiesenen Medienunternehmen in wachsendem Maße vom ökonomischen System abhängig. Diese Ökonomisierung der Medienindustrie[42] wird erwartungsgemäß ansteigen, da der Konkurrenzkampf der Medienanbieter um die öffentliche Aufmerksamkeit des Publikums an Härte zunimmt. „Die teuerste Währung heißt Aufmerksamkeit“[43], äußerte sich der Verlagschef Hubert Burda in einem Interview zur Einschätzung der aktuellen Marktlage. Dieser Trend der Ökonomisierung[44] schränkt die Dominanz des Mediensystems somit erheblich ein. Weiterhin können politische Akteure durch die Gestaltung der Agenda der Medienordnung immer noch Einfluss auf die Medienstrukturen nehmen. Ein anschauliches Beispiel zur Fallstudie des parteipolitischen Kalküls bei der Personalauswahl der öffentlich-rechtlichen Sender bietet die monatelange Diskussion um einen Nachfolger des scheidenden ZDF-Intendanten Dieter Stolte. Die Süddeutsche Zeitung kommentiert die Querelen ironisch mit der Überschrift „Farbenspiele mit Bestandsgarantie“ und schreibt:

„Ganz unabhängig von seiner wünschenswerten professionellen Eignung braucht ein Kandidat, so er eine Chance im ZDF haben soll, vor allem ein Ticket. Seine künftige Aufgabe erfordert zwar Überparteilichkeit, den Auftrag kann er aber nur erhalten, wenn er sich zuvor als parteiisch offenbart hat. Die Paradoxie hat System: Über ein halbes Jahrhundert lang haben die beiden großen Volksparteien die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk implantierte Staatsferne zu ihren Gunsten ausgelegt. Staatsferne ist gleich Parteinähe, Neutralität ergibt sich im Zweifel als Ergebnis ausgewogener Parteilichkeit.“[45]

Gegen die mediale Übermacht sprechen somit der Mangel an empirischen Beweisen, die Ökonomisierung der Medienindustrie und der immer noch existente Einfluss politischer Akteure zumindest bei den öffentlich-rechtlichen Sendern.

2.1.2 Die Übermacht der Politik

Von einer „Übermacht“ der Politik und einem damit einhergehenden Autonomieverlust der Medien geht der Ansatz der schwachen Medien aus. Als Ausgangspunkt dieses Autonomieverlustes werden die Leistungsdefizite des politisch-administrativen Systems genannt. Aufgrund von sozio-ökonomischen Konflikten werde das Mediensystem (insbesondere die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten) von der Politik instrumentalisiert, um Konflikten und Loyalitätskrisen vorzubeugen.[46] Als politische Instrumentalisierungsversuche seien die Einflussnahme der Medien, der Ausbau der Pressestellen sowie die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit zu werten. Als Hauptvertreter dieses Ansatzes gilt der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Heribert Schatz.[47] Dieser politik-zentrierte Ansatz gilt allerdings im heutigen Diskurs als Makulatur. So ist der Chefredakteur des NDR Volker Herres sogar der Ansicht, dass es „immer ein Stück weit eine Mär von der parteipolitischen Dominanz“[48] war. Ähnlich äußerte sich auch der Chefredakteur des ZDF Nikolaus Brender bezüglich einer Frage zur Intensität der politischen Einflussnahme auf seinen Sender:

„Ich spüre keinen Druck. Ich bin ansprechbar und rede mit allen Gremienmitgliedern mit der gleichen Ernsthaftigkeit. Dazu ist innere und äußere Unabhängigkeit erforderlich. (...) Politische Fernbedienung wirkt sich auf Dauer negativ auf die Zuschauer aus…“[49]

Die Ökonomisierung des Marktes durch das duale System, so Brender, habe erheblich zu einer größeren Unabhängigkeit der Medien vom politischen System beigetragen. Dass es sich hierbei allerdings auch um eine Verlagerung der Abhängigkeitsverhältnisse zugunsten der wirtschaftlichen Akteure handelt, klammert Bender in diesem Zusammenhang aus.

2.2 Das Gewaltenteilungsparadigma

Dieses Paradigma betrachtet die Medien als eine Art „vierte Gewalt“[50]. Es postuliert, dass die Medien die Funktion einer öffentlichen Kontrollinstanz auf Basis ihres verfassungsrechtlichen Auftrags übernehmen. Die Bezeichnung der Medien als „vierte Gewalt“ könnte allerdings missverstanden werden. Denn es soll in diesem Paradigma den drei Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative keine vierte Gewalt hinzugefügt, sondern lediglich als kontrollierender Widerpart gegenübergestellt werden. Voraussetzung für diesen Ansatz ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Mediensystems sowie seine Autonomie und Distanz zur Politik.[51] Die Beurteilung der Medienrolle gegenüber dem politischen System variiert innerhalb der Vertreter des Paradigmas von der neutralen Vermittlerposition zwischen Bevölkerung und politischen Akteuren bis hin zur Ansicht, dass die Medien eine anwaltliche Aufgabe im Namen des Volkes übernehmen sollten.[52]

Kritisch muss bei diesem Ansatz hinterfragt werden, dass die unter 2.1.1 bereits aufgeführten Abhängigkeitsverhältnisse des medialen Systems vom ökonomischen schließlich nur eine Verschiebung der Dependenz bedeutet. Weiterhin ergäben sich aus einer Medienmacht, die gar anwaltliche Aufgaben übernähme, „Legitimationsprobleme des Journalismus“[53] Zwar basiert die „Macht der Medien“ auf dem Einverständnis des Massenpublikums, welches sich an Auflagenzahlen oder Einschaltquoten messen lässt, doch diese Art der Publikumsmacht ist nicht mit der Sanktionsmacht staatlicher Gewalt vergleichbar.[54]

2.3 Die Interdependenzmodelle

Es dominiert heute in der Politik- sowie in der Publizistikwissenschaft die Ansicht, dass eine komplexe Interaktion mit wechselseitiger Abhängigkeit zwischen dem politischen und medialen System besteht. Die Grundvoraussetzung für diesen Interaktionszusammenhang bildet ein Tauschgeschäft: „Information gegen Publizität und umgekehrt“[55] Um ihre Machtziele erfolgreich vermitteln zu können, sind die politischen Akteure auf die Verbreitung von Informationen durch das Mediensystem angewiesen. Andererseits brauchen die Medien ebenso notwendig möglichst exklusive Informationen aus dem politischen System. So entsteht zwischen Politik und Medien ein Handlungssystem, das sich durch die Interaktion seiner Akteure konstituiert. Über die Gestaltung dieser Interaktion existieren folgende unterschiedliche Auffassungen innerhalb des Interdependenz-Ansatzes:

1. das Modell der strukturellen Kopplung[56],
2. das Modell des Supersystems[57],
3. das Symbiosemodell nach Jarren und Arlt[58],
4. das Symbiosemodell nach Sarcinelli[59] und
5. das Interpenetrationsmodell nach Münch[60] und Choi[61]

2.3.1 Das strukturelle Kopplungsmodell

Das Modell basiert auf der funktional-strukturellen Systemtheorie Niklas Luhmanns, wonach soziale Systeme als selbstreferentiell definiert werden.[62] Solche Systeme orientieren sich in allen ihren Operationen an der Beschreibung ihrer selbst. Somit könnten sie von anderen Teilsystemen in ihrem Kern nicht beeinflusst werden und sind demnach autonom. Allerdings gesteht Luhmann diesen geschlossenen sozialen Systemen auch eine interdependente Komponente zu. Indem sie mit ihrer Umwelt kommunizieren, entstehen spezifische Beziehungen, welche Luhmann als „strukturelle Kopplung“[63] bezeichnet.

Nach diesem Ansatz wären Politik und Medien abgeschlossene Systeme, die allenfalls an der Außenfläche eine strukturelle Kopplung eingingen, jedoch im Kern dabei autonom blieben und sich somit auch nicht beeinflussen würden. Gegen Kritik immunisiert sich der Ansatz durch das Prinzip der Selbstreferentialität. Wenn das System der Wissenschaft seine Umwelt auch nur nach den eigenen Konstruktionsregeln wahrnimmt, kann es zu keiner empirischen, also neutralen Bewertung in der Lage sein.[64] Der analytische Gehalt des Konzepts der strukturellen Kopplung ist somit gering.

2.3.2 Das Modell des Supersystems

Plasser[65] konstatiert aufgrund der zunehmenden Vermischung der Rollen von politischen und medialen Akteuren eine Verschmelzung der beiden Systeme zu einem „Supersystem“. Durch die steigende Interaktion der Akteure wächst die wechselseitige Abhängigkeit und beide Seiten verlieren dabei an Autonomie. Die Rollenteilung verwischt in diesem Prozess und es kommt zu einem Distanzabbau zwischen den Systemen. „Am Ende dieses Entwicklungsprozesses steht ein komplexes politisch-technokratisches `Supersystem´, in dem sich die Rollen zwischen Akteuren und Kontrolleuren verwischen und professionelle Macht- und Medienelite demokratische Herrschaft täglich aufs Neue inszeniert.“[66]

Am Supersystem-Modell ist zu kritisieren, dass es auf Akteursebene an der empirische Evidenz mangelt. Weiterhin stellt Meyer fest, dass Plassers Modell zu der unrealistischen Konsequenz führt, dass die Politik letztendlich ihre eigene Funktionslogik verliert und sich gänzlich der Medienlogik unterwirft. Das politische System bleibt jedoch, so Meyer, trotz steigenden Einflusses des Mediensystems in seiner gesellschaftlichen Kernfunktion nachweislich erhalten.[67]

2.3.3 Das Symbiosemodell nach Arlt und Jarren

Einen weiteren Ansatz zur Symbiosetheorie publizierten Jarren und Arlt 1997. Die politische Agenda, so ihre Aussage, entstehe überhaupt erst mittels massenmedialer Kommunikation. Ihr Ausgangspunkt lautet, dass aufgrund gesellschaftlicher Modernisierung und medialen Wandels keine politische Macht zu gewinnen ist, ohne kommunikative Kompetenz und professionelle Medienarbeit. Somit ist für alle Parteien, die erfolgreich ihre Programme an eine breite Öffentlichkeit tragen wollen, eine professionelle Kommunikations- und Medienabteilung mit eigenen Ressourcen zwingend notwendig. Das zu erreichende Publikum, die Wählerschaft, wird charakterisiert als „Eine wählerische Klientel mit großen Erwartungen und schwachen Bindungen“[68]. Die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wirken sich auf die Voraussetzungen für politische Arbeit aus. Diese Voraussetzungen, die zum gesellschaftlichen Wandel führen, fassen Jarren und Arlt folgendermaßen zusammen:

- Die Gewissheiten sind rar
- Die Veränderungsdynamik ist stark
- Die Adressaten sind flexibel und eigenwillig
- Die Konkurrenz um öffentliche Aufmerksamkeit wächst[69]

Die Konsequenz daraus sei, dass Politik unter derart veränderten Bedingungen immer erst durch ihre Vermittlung entstehe. Politikprozess und Politikvermittlung seien demnach nicht mehr als zwei separate Bereiche zu behandeln, sondern als eine Einheit. Somit müsse Politik als Kommunikationsprozess begriffen werden. Während eines Diskussionsforums, das die Journalisten Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung 2000 organisierte, konkretisierte Jarren den politischen Strukturwandel durch die veränderte Medienkultur als „Aufrüstung in der Politik.“, und resümiert „Public Relation nimmt zu, Inszenierung nimmt zu, die Spin Doctors kommen aus den USA herüber“[70]

Die Quintessenz der These von Jarren und Arlt ist die Feststellung, dass aufgrund der veränderten Politikvermittlung auch die herkömmliche - üblicherweise öffentlichkeitsferne – Entstehung von Politikprogrammen obsolet geworden sei. Stattdessen ermitteln politische Akteure in einem permanenten öffentlichen Kommunikationsdiskurs, welche Positionen einen mehrheitlichen gesellschaftlichen Konsens finden. Zugespitzt hieße das: Die mediale Akzeptanz entscheidet über die Legitimation.

Dieses Modell fokussiert treffend das unter politischen Akteuren immer weiter verbreitere Phänomen des „medialen Testhandelns“[71]. Eine Antwort auf die Frage, in welcher Relation die öffentlich präsentierte politische Agenda letztendlich zur politischen Entscheidungsebene steht, bleibt das Modell jedoch schuldig. Trotz zunehmender politischer Selbst- und medialer Fremdinszenierung von Politik, existiert im politischen Prozess die Ebene der Arkanpolitik[72]. Politische Kommunikation findet auch außerhalb der medialen Öffentlichkeit statt: In Parlamentsausschüssen, Kommissionen, Fraktionen oder Gremien. Zwar steht diese medienferne Form der politischen Kommunikation auch unter dem anschließenden öffentlichen Präsentationsdruck, ist aber im Prozess selbst nicht dem gleichen Inszenierungsdruck ausgesetzt wie etwa die prominenten politischen Akteure.[73] Meyer kritisiert an Jarren und Arlt, dass deren Modell den „Statusunterschied“ zwischen der Ebene der öffentlich formulierten Politikprogramme und der Ebene der politischen Implementation vernachlässige. Schließlich, so Meyer, könne die Realisierung der angekündigten Taten ja auch ausbleiben. Sein Fazit: „Das Verhältnis von Handlungsabsichten und Handlungen auf beiden Ebenen bleibt in jedem Fall eine empirische Frage, die sowohl demokratie-politisch wie auch politikwissenschaftlich von entscheidendem Interesse ist.“[74]

2.3.4 Symbiosemodell nach Sarcinelli

Die Tatsache, dass politische Kommunikation in unserer Mediendemokratie nicht ausschließlich aus medial vermittelter Kommunikation besteht, fokussiert der Symbiose-Ansatz Sarcinellis. So konstatiert Ulrich Sarcinelli, dass die mediale Darstellungspolitik für das Öffentlichkeitsprinzip der Demokratie zwar unabdingbar sei, doch Politikvermittlung darüber hinaus in öffentlichkeitsfernen, weniger populären, verhandlungsdemokratischen Strukturen stattfinde. Generell stimmt er zwar einer „Gewichtsverschiebung demokratischer Regierungsweisen von einem parlamentarischen-repräsentativen System zu einem medial-präsentativen System“[75] zu, hält aber eine theoretische Neubestimmung der Beziehung von Politik und Medien in Richtung Mediendemokratie für überzogen. Diese Gewichtsverschiebung drückt sich nach Sarcinellis Sichtweise in Form eines symbiotischen Beziehungsgeflechts zwischen den Akteuren aus. Das politische System ist dabei auf das Mediensystem angewiesen für die Generierung und Darstellung von Politik als symbolische Wirklichkeit für die Massenkommunikation. Das verleiht dem medialen System großen Einfluss auf das politische. Andererseits professionalisieren die politischen Akteure ihre Kommunikationsstrategien, um ihrerseits das Mediensystem zu instrumentalisieren. Das Abhängigkeitsverhältnis gestaltet sich daher wechselseitig und mündet in jenes Tauschgeschäft: „Publizität gegen Information“ (vgl. 2.3).

Offen bleibt die Frage, wo die Zusammenarbeit[76] der Akteure im Systemzusammenhang stattfindet und wie beispielsweise die strukturellen Machtverhältnisse innerhalb dieses Beziehungsgeflechts aussehen könnte. Antworten darauf versucht das folgende Modell zu definieren.

2.4 Das Interpenetrationsmodell

Das Interpenetrationsmodell nach dem Systemtheoretiker und Politikwissenschaftler Münch[77] basiert auf der Annahme, dass die gesellschaftlichen Teilsysteme nicht voneinander getrennt agieren oder gar im Zuge des gesellschaftlichen Differenzierungsprozesses Autonomie erlangen. Im Gegenteil sieht Münch einen Austausch von systemspezifischen Leistungen. So müssen: „Systeme offen füreinander sein und die Leistungen der anderen in ihrer eigenen Qualität aufnehmen, ohne sie sogleich in ihre eigene Sprache zu übersetzen, weil sonst die spezifische Leistung verloren ginge.“[78] Die Systeme verlieren demnach nicht ihre Wesenszüge in der wechselseitigen Durchdringung, sondern bilden als Raum für die Interaktion ein „Subsystem“ neben ihrem „Muttersystem“ aus.[79] Diese Subsysteme bezeichnet Münch als Interpenetrationszonen, die zum einen die möglichst gewinnbringende Nutzung der systemfremden Leistungspotentiale gewähren, zum anderen aber den Schutz der eigenen Leistungen garantieren. Sie bilden sich an den Grenzen der Systeme als Vermittler zwischen den Teilsystemen innerhalb der geschaffenen Interpenetrationszonen.

Überträgt man diesen Ansatz auf das Verhältnis von Politik und Medien, ließe sich die politische Öffentlichkeitsarbeit (vgl. 3.3 politische PR) als Subsystem des politischen Systems definieren, welches als Vermittler zwischen Politik und Medien agiert. Auf Medienseite befände sich das Subsystem im (politischen) Journalismus. Politik bliebe nach diesem Verständnis auch nicht auf das politische System begrenzt, sondern interagiere außer mit dem Mediensystem auch mit anderen gesellschaftlichen Teilsystemen, wie zum Beispiel dem wirtschaftlichen oder dem wissenschaftlichen. Daher, argumentiert Münch, besitze kein Subsystem die Autonomie zum freien Handeln innerhalb der eigenen Grenzen. Auch Choi vertritt in seiner theoretischen Auseinandersetzung mit dem Interpenetrationsansatz den Standpunkt, dass die wechselseitige Instrumentalisierung von Politik und Medien in den jeweiligen Subsystemen erfolgt.[80] Demnach bilde das Mediensystem ein Subsystem[81] der Instrumentalisierung der Massenmedien aus und das politische System die Mediatisierung der Politik. Jarren und Donges stellen fest, dass sich der Grad der wechselseitigen Durchdringung sogar empirisch nachweisen ließe durch die Analyse der jeweiligen Interaktion der Subsysteme. Interpenetrationsmodelle haben somit den Vorteil, dass sie Akteurs- und Systemebene miteinander verbinden, indem die Akteure der Subsysteme durch ihre Interaktion in ihren jeweiligen Muttersystemen einen Beitrag zur Strukturveränderung leisten.

3. Politainment als Beziehungsmodell von Politik und Medien

Wie verhält sich also der Politainment-Ansatz zu den erläuterten Beziehungsmodellen? Um diese Frage zu klären, soll im Folgenden die begriffliche Bedeutung von Politainment entwickelt werden.

Der Begriff Politainment ist ein Neologismus, den der Politikwissenschaftler Andreas Dörner[82] in Anlehnung an den mittlerweile geläufigen Begriff des „Infotainments“[83] prägte. Die Zusammensetzung aus Politik und Entertainment soll, so Dörner, „darauf aufmerksam machen, dass sich in den 90er Jahren eine enge Kopplung zwischen Politik und Entertainment, politischer und unterhaltender Kommunikation herausgebildet hat, die es so vorher nicht gab.“[84] Die jüngste Medienentwicklung forciert also im Politik-Medien-Verhältnis eine Vermischung zwischen den ehemals strikt getrennten Ressorts Unterhaltung bzw. Entertainment und politischer Information. So zeigen sich Politiker beispielsweise immer häufiger in politikfernen Genres, um insbesondere die jugendliche, politisch vermeintlich desinteressierte Wählerschaft[85] zu erreichen.[86] Das so neu entstehende Mischverhältnis wird in der Literatur häufig auf griffige Formeln wie Politainment, „Entertainisierung des Politischen“[87] oder auch „Talkshowisierung des Politischen“[88] gebracht. Hinter diesen schillernden Begriffen verbirgt sich die Suche nach einem theoretischen Ansatz, der das gewandelte Verhältnis von Politik und Medien angemessen beschreibt.

Tabelle 1.: Diskussion zur Entwicklung der Politikvermittlung [89]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Folgenden soll der Begriff Politainment in seiner Bedeutung im Einzelnen diskutiert werden.

3.1 Begriffsdefinition

Da Politainment sich aus den Wörtern Politik und Entertainment (für Unterhaltung) zusammensetzt, gilt es zunächst eine Definition dieser Begriffe in ihrer massenmedialen Bedeutung zu klären, um sodann die Fusion aus beiden näher betrachten zu können.

3.1.1 Politik und Massenmedien

Aufgabe der Politik ist die Herstellung und Durchsetzung gesellschaftlich bindender Entscheidungen. Dieser Prozess der Vermittlung zwischen Staat und Gesellschaft lässt sich in die Teilprozesse Herstellung, also Interessenvermittlung einerseits, und Darstellung andererseits, welche sich auf die Politikvermittlung bezieht, unterteilen. Während es bei der Interessenvermittlung darum geht, wie die gesellschaftlichen Bedürfnisse angemessen befriedigt werden können, fokussiert die Politikvermittlung, wie die gesellschaftlichen Interessen in das politische System transferiert werden.[90] Die Rolle der Interessensvermittlung zwischen Gesellschaft und Politik übernehmen heute in hohem Maße die Massenmedien. So dient die mediale Berichterstattung im politischen System immer mehr als Instrument zur Beobachtung der öffentlichen Stimmungslage und gilt manchen gar als „authentisches Surrogat der politisch relevanten öffentlichen Meinung“[91] Diesem Faktum wird in der Politikwissenschaft Rechnung getragen, indem die (Medien-) Darstellung, die politische Kommunikation von Politik, mittlerweile als integraler Bestandteil von herstellender Politik (politischer Prozess) betrachtet wird.[92] Dies trifft insbesondere für Themen zu, die sich gar nicht oder nur schwer mediengerecht darstellen lassen. Das Urteil „nicht telegen“ kann für ein politisches Thema bedeuten, dass es im Extremfall gar nicht erst in den politischen Prozess gelangt. Die Politik- und Medienwissenschaftler Blumler und Kavanagh stellen die entscheidende Frage der politischen Themengenerierung: „How will it play in the media? is a question asked at an early stage in decision making“[93]

Für eine Definition von Politik in Relation zu den Massenmedien bleibt demnach festzuhalten, dass die politische Kommunikation der Darstellungsebene ein zentraler Bestandteil der herstellenden Politik-Dimension ist. Welche Rolle sie auf den unterschiedlichen Ebenen von Politik einnimmt, soll im folgenden geklärt werden: Innerhalb der Politikwissenschaft hat sich eine analytische Dreiteilung von Politik durchgesetzt, die mit den englischen Begriffen polity, politics und policy erfasst werden:[94]

- Polity definiert die formale Dimension, also den Rahmen, der durch Institutionen und Normengefüge gebildet wird. Die zentrale Frage lautet, wie Institutionen, Normen und strukturelle Bedingungen den Gestaltungsprozess von Politik formen. Für die politische Kommunikation sind speziell die Regeln von Bedeutung, die die gesellschaftliche Kommunikationsverfassung definieren, also Normen, welche die Meinungs- und Pressefreiheit garantieren.
- Politics bezeichnet den Prozess der Konfliktaustragung und Aushandlung, also den politischen Prozess selbst. Diese Ebene behandelt primär die Frage, wie die unterschiedlichen Akteure wie Parteien, Verbände, Vereine etc. ihre politischen Ziele durchsetzen. Für die politische Kommunikation ist hierbei die Frage entscheidend, welche Qualität die Kommunikationsfähigkeit der Akteure aufweist und welche Unterschiede bezüglich des Zugangs zur Mediennutzung bestehen.
- Die Policy beschreibt die inhaltliche Dimension von Politik. Sie fokussiert die Herangehensweise, wie unterschiedlich gesellschaftliche Themen problematisiert werden bzw. ob ein Thema überhaupt auf die politische Tagesordnung kommt. Für die politische Kommunikation stellt sich hierbei die Frage, wie dieses so genannte „Policy-Agenda-Setting“[95] von den Medien dargestellt und verarbeitet wird.

Bezüglich der dominanten Medienrolle im Policy-Agenda-Setting wird von Politik- und Kommunikationswissenschaftlern vielfach die Meinung vertreten, dass vermittelnde Systeme wie politische Parteien, Vereine und Interessenverbände ihre kommunikative Funktion als Schaltstelle zwischen gesellschaftlichem und politischem System in dem Maße verlieren, in dem die Position der Massenmedien ausgebaut wird.[96] Zugespitzt fasste Albrecht Müller, Medienexperte und Programmbeobachter des Wahlkampfes 1998, die Vermittlungsgesetze der Medien wie folgt zusammen: „Die Talkshow ersetzt den Ortsverein“.[97]

Den Massenmedien fällt also im politischen Prozess eine demokratiepolitisch entscheidende Herausforderung zu. Durch eine qualitativ und quantitativ angemessene politische Information sollen sie der Idealvorstellung nach gewährleisten, dass der politische Prozess für die Öffentlichkeit transparent ist. Die Medienrealität folgt jedoch weniger dem demokratiepolitischen Ideal, als vielmehr der Quote. Beyme und Wessler stellen diesbezüglich fest:

„Es kann Jahrhundertentscheidungen geben, die mit vergleichsweise geringen Konflikten über die parlamentarische Bühne gehen und daher auch die Medien nicht in Aufregung versetzen“[98].

Die Medienlogik orientiert sich demnach daran, was die Mehrheit der Zuschauer wünscht. Dieses Interesse tendierte in den vergangenen Jahren eindeutig zu unterhaltenden Politikformaten, die sich nicht nur auf reine Information und Fakten beschränken. Jüngste Langzeitstudien[99] beweisen zum Beispiel, dass insbesondere Printmedien wie Tageszeitungen kontinuierlich speziell junge Leser verlieren, da sie als Unterhaltungsmedium eher als untauglich beurteilt werden. Auch die Kommunikatikonswissenschaftler Rager und Rinsdorf kamen im Rahmen ihrer empirischen Untersuchung zu der Frage nach einem angemessenen Unterhaltungsgrad der Politikvermittlung zu einem ähnlichen Ergebnis:

„Die Puristen in den Nachrichtenredaktionen, die allein auf Fakten setzen, schreiben (…) an der Mehrheit ihres Publikums vorbei. Natürlich gibt es nach wie vor Leser, die genau das schätzen – vom politisch engagierten Gymnasiasten bis zum Ministerialdirigenten im Ruhestand. Aber größer scheint die Zahl derer zu sein, die sich von Journalisten mehr erwarten als die nackten Fakten und die sich nur noch ungern darauf einlassen, den Politikteil pflichtschuldig durchzuackern.“[100]

Insofern scheinen innovative Strategien in der medialen Vermittlung von Politik erforderlich, um politisches Interesse zu motivieren. Durch unterhaltsame Politik-Formate, so die Ansicht Andreas Dörners, könnte die Chance eröffnet werden, dass durch die Kultur einer Unterhaltungsöffentlichkeit gemeinsame Kommunikationsräume geschaffen werden.[101] Aufmerksamkeit wird gebündelt und gesellschaftliches Agenda-Setting und eine massenmediale Anschlusskommunikation werden erzeugt, durch die die Nutzer ihre medialen Erlebnisse in eine kommunikative Praxis umsetzen können. Differenzierter beurteilt der Politikwissenschaftler Meyer die Politik im „Spaßgewand“. Er warnt in diesem Zusammenhang vor einem immer häufiger auftretenden Phänomen der Mediendemokratie, vor den „issueless politics“[102]. Gemeint ist die Tatsache, dass aufwendige politische Inszenierungen, in denen die Akteure Handlungsprogramme ankündigen, in Wirklichkeit keine Policy-Dimension beinhalten. Wenn beispielsweise die Opposition im Wahlkampf ein „Kompetenzteam“ vorstellt oder der Regierungschef den Aufbau Ost zur „Chefsache“ erklärt, diese Schlagwörter jedoch mehr durch häufigen Gebrauch denn durch überzeugende Handlungsprogramme Popularität erlangen, so mutieren die angeblichen Policy-Programme zu Politics. Nicht die Problemlösung steht im Vordergrund, sondern der eigene Machtgewinn oder Erhalt, der mit vorgetäuschter, aber inhaltsleerer Handlungsbereitschaft angestrebt wird.

Die Konsequenz aus dem Unterhaltungstrend in der Politik einerseits und der Entwicklung zur politisch leeren Inszenierung andererseits müsste nach Meyers Auffassung folglich eine Form von unterhaltenden Inszenierungen sein, „die die Eigenlogik der Politik noch angemessen erkennen lassen“[103].

3.1.2 Unterhaltung und Massenmedien

Unterhaltung sei all das, was keine Information ist. So definierten Medien- und Kommunikationswissenschaftler lange Zeit den Unterhaltungs-Begriff für die Medien. Doch die Dichotomie „Unterhaltung“ versus „Information“ wird heute durch zahlreiche Medienformate widerlegt, wie zum Beispiel durch politische Talkshows á la Sabine Christiansen, Berlin Mitte, moderiert von Maybritt Illner oder durch unzählige Auftritte von Politprominenz in politikfernen Shows, wie beispielsweise der Harald-Schmidt-Show. [104] Selbst traditionelle Politikformate der öffentlich rechtlichen Sender verwenden zunehmend stilistische Mittel aus dem Unterhaltungsbereich:

„In Infotainment-Sendungen verschmelzen stilistische Mittel und Thematiken aus den Bereichen Unterhaltung und Information. Sie kopieren und integrieren in bewusster Abgrenzung zum „alten“ Format politischer Magazine die Montagetechniken, Bildästhetik und Intensität von Video- und Musikclips und zeichnen sich durch ein Wechselspiel von Einspiel-Beiträgen und Gesprächen aus.“[105]

Eine weitere Schwierigkeit bei der Definition von Unterhaltung liegt in der Tatsache, dass jeder Rezipient eigenständig entscheidet, was er als unterhaltsam empfindet. Somit kann die unterhaltende Funktion der Medien je nach Individuum Flucht aus der Realität[106], Orientierungshilfe im Alltag oder einfach nur Ventil für Emotionen sein.[107] Offiziell ist die Unterhaltungsfunktion speziell von Fernsehprogrammen in diversen Gesetzen auf Landes- und Staatsebene festgelegt. Die Richtlinie für das ZDF von 1989 besagt: „Das Programm soll umfassend informieren, anregend unterhalten und zur Bildung beitragen.“[108]

Joachim Westerbarkey fasst in diesem Zusammenhang die Funktionen von Medienunterhaltung wie folgt zusammen:

- Einübung von Wertvorstellungen,
- Emotionale Verstärkung von Weltbildern und Geschichtsauffassungen,
- Erzeugung eines Gefühls von sozialer Harmonie,
- Integration (sub-)kultureller Momente, aber auch deren Abwehr und Feindbilder,
- Motivation zu Leistung und Anpassung
- Lenkung des Konsumverhaltens.[109]

Diese Funktionswirkungen werden mit einfachen Mitteln erzeugt, um sie leicht konsumierbar, sprich benutzerfreundlich zu gestalten. Durch reduzierte Komplexität vereinfachen die Scheinwelten von beispielsweise Serien oder Spielfilmen die Orientierung der Rezipienten. Diese „Orientierungsfreundlichkeit“, konstatiert Dörner, verleihe dem Unterhaltenden wiederum eine politische Komponente. So lieferten die Deutungsmuster der Unterhaltung dem Rezipienten in einer entspannten Unterhaltungs-Situation mögliche Modelle zum Verständnis der Realpolitik und erfüllten somit einen wichtigen Auftrag in der Ausprägung politischer Kultur.[110]

Trotz der aufgeführten Sozialisationswirkung wird der Wert von Unterhaltung bisher als relativ gering eingeschätzt, da sie nicht wie die Information Wissen bereitstelle, welches zunächst eine gedankliche Verarbeitung vom Rezipienten verlange, bevor es in den Alltag übertragbar sei. Doch die Fusion von Information und Unterhaltung und speziell die Vermischung von Politik und Unterhaltung verleiht der Unterhaltung eine wachsende Bedeutung. Angesichts dieser Entwicklung besteht Diskussionsbedarf: Ist die Unterhaltung das richtige Mittel oder gar der Königsweg gegen das politische Desinteresse? Schließlich orientiert sich das politische Unterhaltungsangebot an der Quote, womit die Mehrheit, ganz im demokratischen Sinne, zum Entscheidungsträger wird. Unterhaltung trüge in diesem Sinne zur gesamtgesellschaftlichen Integration bei.[111] Oder birgt der stetig steigende Unterhaltungsfaktor in der politischen Darstellung die Gefahr der Verflachung[112] von Information? Lässt die Differenz zwischen dargestellter, komplexreduzierter Politik und den realen, langwierigen Gestaltungsprozessen von Politik ihre Realität und ihre Darstellungsform immer mehr auseinander klaffen? Das hier angedeutete Gefahrenpotential unterhaltender Politik wird ausführlicher unter Punkt 3.2 diskutiert.

3.1.3 Politainment: Die Entertainisierung der Politik?

„Politainment bezeichnet die symbiotische Verflechtung von Politik und Unterhaltungskultur in der Gegenwartsgesellschaft.“[113] So lautet die Definition Dörners. Auf welchen unterschiedlichen Bezugsebenen Politainment en detail stattfindet, stellt sich wie folgt dar:

Der Begriff Politainment bezieht sich zum einen auf die Ebene der unterhaltenden Politik und zum anderen auf die Ebene der politischen Unterhaltung. Die Akteure der unterhaltenden Politik sind die Politiker selbst, die sich zum Zwecke des Machterwerbs oder Machterhalts der Instrumente unterhaltender Medienkultur bedienen. Im Fall der politischen Unterhaltung nutzt die Medienunterhaltung ihrerseits politische Themen und passt sie den medialen Darstellungsregeln an.[114] Bevor weitere theoretische Überlegungen zum Politainment-Ansatz angestellt werden, sollen einige Beispiele zunächst veranschaulichen, was unter Politainment zu verstehen ist.

In nahezu allen wissenschaftlichen Beiträgen zum Thema der Vermischung oder auch Symbiose von Politik und Unterhaltung findet sich der Verweis auf die USA als Musterbeispiel der medialen Erlebnisgesellschaft. Ein wohl zum Klassiker avanciertes Beispiel des Politainments ist ein Auftritt Bill Clintons: Der damalige Herausforderer des amtierenden Präsidenten, George Bush, bewies in seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf 1992 sein musikalisches Talent bei einem Auftritt mit seinem Saxophon in der populären Arsenio Hall Show. Das Beispiel galt fortan als Chiffre für die so genannte „Talk Show Campaign“ amerikanischer Wahlkämpfe.[115]

Kennzeichnend für die amerikanische Wahlkampfstrategie ist die Inszenierungsbereitschaft, die sich auch politische Akteure in Deutschland zunehmend zueigen machen.[116] Angesichts der veränderten Politikrezeption durch die Zunahme von unterhaltenden Elementen innerhalb politischer Information sehen sich Politiker dazu gezwungen, Sympathien außerhalb ihrer Politikprogramme zu erlangen. Außerhalb rein politischer Gesprächsrunden und Pressekonferenzen, außerhalb der Tagesschau. Als Exempel für das Politainment deutscher Politiker seien hier nur einige von etlichen genannt. Im direkten Vergleich mit Clinton wird gern auf Gerhard Schröders Wahlkampf 1998 verwiesen, welcher professionell nach amerikanischem Vorbild inszeniert wurde. Als eine der fulminantesten Medieninszenierungen wurde damals die so genannte Leipziger „Krönungsmesse“ von der Presse wahrgenommen. Auf dem Parteitag am 18. April 1998 in Leipzig nominierte die SPD Gerhard Schröder zum Kanzlerkandidaten, der Helmut Kohl herausfordern möge. Der Journalist Heribert Prantl kommentierte das „Event“ in der Süddeutschen Zeitung wie folgt:

„Dieser Parteitag stürzt die CDU in neue Verzweiflung: In der Leipziger Neuen Messe, an dem Ort, wo vor einem halben Jahr die CDU ihren Wahlkampf begann, zeigte die SPD, welche Partei diesen Wahlkampf beherrscht. Sie tat dies mit fast atemberaubendem Selbstbewusstsein und mit einer glatten Professionalität, beinahe so, als wäre Leipzig Hollywood. Der Leipziger SPD-Parteitag war kein Parteitag, sondern eine Show, ein Kunstprodukt für einen Medienhelden. Der musikalische Einmarsch der SPD-Gladiatoren ist das Exempel: Die Beobachter in der Halle mögen ihn als grandiose Peinlichkeit empfunden haben – auf dem Bildschirm bleibt von diesem Spektakel nur der Eindruck von etwas Grandiosem.“[117]

Auch die Minister des damaligen Schattenkabinetts präsentierten sich in den fünf Monaten vor dem Wahltermin regelmäßig in Talkshows, auf deren Themenliste unpolitische Themen eindeutig dominierten.[118] Zwar zeigte sich der Trend unterhaltender Politik schon deutlich vor dem Wahljahr 1998, doch wird dieser Wahlkampf in der Literatur als eine Art Zäsur betrachtet. Galt bis dato zumindest bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten noch die Regel „Sechs Wochen vor einer Bundestagswahl dürfen keine Politiker in Unterhaltungssendungen auftreten.“[119], so der Unterhaltungschef des Bayrischen Rundfunks Thomas Jasing, fiel diese Absprache jetzt dem dramatischen Inszenierungspotential des Wahl-Showdowns zum Opfer. Die Moderatorin Sabine Christiansen setzte sich mit ihrem gleichnamigen Unterhaltungsformat schlicht über diese Leitlinie hinweg und diskutierte mit den Spitzenkandidaten in der heißen Wahlkampfphase. Auch im Wahlkampf 2002

übernahm Sabine Christiansen mit ihrer Show sowie mit der Moderation eines Fernsehduells der Spitzenkandidaten, dramaturgischer Höhepunkt der medialen Wahlkampfinszenierung[120], wieder eine entscheidende Rolle als Wegbereiterin neuer Inszenierungsrituale.

[...]


[1] Joffe, Josef/Hoffmann, Gunter (2002): Kuscheln im Hard-Talk-Café. In: Zeit 37/2002. S. 37.

[2] In welchen Publikationen die aufgeführten Beispiele sich finden, wird in der Arbeit ausführlich besprochen. Vgl. insbesondere Kapitel 5.

[3] Knaup, Horand/Leinemann, Jürgen/Neubacher, Alexander/Palmer, Hartmut/Supp, Barbara/Szandar, Alexander: „Nur die Liebe zählt“. Der Spiegel, Nr. 35 vom 27.08.01 S. 23.; vgl. zur Definition von Politainment Dörner, Andreas (2001): Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt am Main. S. 31ff..;Vgl.auch Schicha, Christian/Brosda Carsten (2002): Politikvermittlung zwischen Information und Unterhaltung – Eine Einführung. Sowie Meyer, Thomas/Schicha, Christian: Medieninszenierung zwischen Informationsauftrag und Infotainment. Kriterien einer angemessenen Politikvermittlung. Beide in: Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten: Medieninszenierung zwischen Popularität und Populismus. Münster. S. 7-37 und S. 53-60. In dieser Arbeit bilden die zitierten Werke eine wesentliche Grundlage zur Begriffsdefinition von Politainment. Eine ausführliche Begriffsdefinition liefert Kapitel 3. Der Politainment-Begriff wird im Folgenden ohne Anführungszeichen verwendet.

[4] Sahner, Paul (2001): „Total verliebt auf Mallorca“. In: Bunte, Nr. 35 vom 23.08.01. Titelblatt.

[5] Vgl. Vogt, Ludgera (2002): Scharping im Pool. In: Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten. Medieninszenierung zwischen Popularität und Populismus. Münster. S. 134.

[6] Vgl. Kister, Kurt (2001): Mallorca-Flüge bringen Scharping in Bedrängnis. In: Süddeutsche Zeitung vom 1. September 2001. S. 1.

[7] So lagen Scharpings Vertrauenswerte laut dpa Mitte Oktober 2001 bei 25 Prozent, während Gerhard Schröder damals bei 64 Prozent der Bevölkerung großes Vertrauen genoss.

[8] In der Bundesrepublik hat der Begriff der Mediengesellschaft Konjunktur, seitdem die Dualisierung des Fernsehens zu einer enormen quantitativen und qualitativen Ausdifferenzierung des Medienangebots führte. Vgl. hierzu Jarren, Otfried (1998): Politik und Medien, Mediensystem und politische Öffentlichkeit im Wandel. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft. Beiträge zur politischen Kommunikationskultur. Bonn. S. 74-94. Vgl. zum Begriff „Mediendemokratie“ auch Luhmann, Niklas, der den viel zitierten Satz prägte: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. Luhmann (1996): Die Realität der Massenmedien. Opladen. S. 15

[9] Merten, Klaus (1999): Einführung in die Kommunikationswissenschaft. Bd. 1 Grundlagen der Kommunikationswissenschaft. Münster. S. 21.

[10] vgl. Holtz-Bacha, Christina (2000): Entertainisierung der Politik. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen. Heft 1/00. S. 156-166.

[11] Eine genaue Definition von politischer Unterhaltung und unterhaltender Politik liefert das dritte Kapitel. Vgl 3.1.3

[12] Politainment setzt sich als Begriff gegenüber diversen anderen Wortschöpfungen wie „Entertainisierung“ oder „Talkshowisierung“ im Sprachgebrauch durch. Für das untersuchte Fallbeispiel ist Politainment der in den Medien am häufigsten zitierte Begriff.

[13] Der Analyse-Korpus beschränkt sich auf folgende Printmedien: 15 Artikel der Süddeutschen Zeitung, 15 Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 3 Artikel aus dem Magazin Der Spiegel, 2 Artikel aus dem Magazin Stern und 2 Artikel aus dem Society-Magazin Bunte

[14] Vgl. Merten, Klaus (1995):Inhaltsanalyse. Einführung in Theorie, Methode und Praxis. Opladen.

[15] Im Anhang dieser Magisterarbeit befinden sich alle ausgewerteten Zeitungs- und Zeitschriftenartikel.

[16] In Kapitel 5.1 wird ausführlich erläutert, wie die Zusammensetzung des Textkorpus zustande kommt und nach welchem Schema die Analyse der inhaltlichen Merkmale durchgeführt wurde.

[17] Auf Seite 115 wird das inhaltsanalytische Kategoriesystem vorgestellt.

[18] Bonfadelli, Heinz (2002): Medieninhaltsforschung. Bonn. S. 91.

[19] Vgl. zur Einordnung der Printerzeugnisse ausführlich Wilke, Jürgen (1998): Politikvermittlung durch Printmedien. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.) (1998): Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft. Opladen/Wiesbaden. S. 154 ff.

[20] In den Tageszeitungen spielt die Bildberichterstattung im Vergleich zu den Magazinen eine geringere Rolle, ist allerdings auch nicht unwesentlich.

[21] Ausführlich setzt sich Hans Mathias Kepplinger mit Darstellungseffekten auseinander in: Kepplinger, Hans Mathias (1987): Darstellungseffekte. Experimentelle Untersuchungen zur Wirkung von Pressefotos und Fernsehfilm. Freiburg/München.

[22] Nach Merten bedeutet die Orientierung eines Kategorieschemas, dass das Klassifikationsprinzip mit dem Zielen der Untersuchung korrespondieren muss: „Wenn man Nachrichten analysiert, so sind ganz andere Kategorien zu benutzen als wenn Comics nach (...) Handlungen kategorisiert werden sollen. Merten, Klaus (1995): a.a.O. S. 95.

[23] zum Verhältnis zwischen politischer PR und Massenmedien: Jarren, Otfried/Röttger, Ulrike (1999): Politiker, politische Öffentlichkeitsarbeiter und Journalisten als Handlungssystem. Ein Ansatz zum Verständnis politscher PR. In: Rolke, Lothar/Wolff, Volker (Hrsg.): Wie die Medien die Wirklichkeit steuern und selber gesteuert werden. Opladen. S. 199-219. Vgl. außerdem Albers, Markus (2002): Modern, medientauglich, ratlos. In: Welt am Sonntag vom 21.07.02. S. 10.

[24] Als Basis zu den Überlegungen zur langfristigen Wirkung von Politainment im Fallbeispiel sind Publikationen der Süddeutschen Zeitung und des Spiegels nach der Entlassung Scharpings zu den Ergebnissen des Textkorpus mit herangezogen worden. Vgl. Kapitel 6.2.

[25] Holtz-Bacha, Christina (2001): Das Private in der Politik: Ein neuer Medientrend?. In: APuZ B 41-42/2001. S. 20-26. Sowie Vogt Ludgera (2002): Scharping im Pool. Über Chancen und Risiken der Privatisierung des Politischen. In: Schicha/Brosda 2002. S. 134-151.

[26] Andreas Dörner (Dörner 2001, S. 35 f.) verweist auf die Tatsache, dass es bislang vor allem in der amerikanischen Forschungsliteratur einige aufschlussreiche Studien gab (zum Stand der Forschung Dörner, Andreas (2000): Politische Kultur und Medienunterhaltung. Zur Inszenierung politischer Identitäten in der amerikanischen Film- und Fernsehwelt. Konstanz.) Deutsche Publikationen zum Zusammenhang von Politik und Medienunterhaltung beschränkten sich meist nur auf Schlagworte und Polemik. Ausnahmen bildeten: Göttlich, Udo/Nieland, Jörg-Uwe (1999): Politik in der Pop-Arena. Neue Formen der Politikvermittlung. In: Transit 17. S. 110-123. Sowie Meyer, Thomas/Ontrup, Rüdiger/Schicha,

[27] Dörner, Andreas (2001): a.a.O. S. 18.

[28] Dörner Andreas (2001): a.a.O. S. 241.

[29] Ausführliche Buchkritik zu „Politainment“ von Gunter Hoffmann (2001): Auf dem Weg zur Mediendemokratie. In: Die Zeit 31/2001. S.32.

[30] Jarren, Otfried/ Donges, Patrick (2002): Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft. Wiesbaden.

[31] Schicha, Christian/Brosda Carsten (2002): Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten. Medieninszenierung zwischen Popularität und Populismus. Münster.

[32] Dörner, Andreas (2001): a.a.O. S. 31.

[33] Vgl. Sarcinelli, Ulrich (1998): Politische Inszenierung im Kontext des aktuellen Politikvermittlungsgeschäfts. In: Arnold, Sabine R./Fuhrmeister, Christian/Schiller, Dietmar (Hrsg.) (1998): Politische Inszenierung im 20. Jahrhundert: zur Sinnlichkeit der Macht. Wien. S. 146-157.

[34] Meyer, Thomas/Ontrup, Rüdiger/ Schicha, Christian (2000): Die Inszenierung des Politischen. Zur Theatralität von Mediendiskursen. S. 37.

[35] Zitiert nach Sarcinelli, Ulrich (1998): a.a.O. S. 147.

[36] Meyer, Thomas (2002): Mediokratie – Auf dem Weg in eine andere Demokratie? In: Aus Politik und Zeitgeschichte vom 12.04.02. S. 7.

[37] Vgl. Sarcinelli, Ulrich (1994): Mediale Politikdarstellung und politisches Handeln: analytische Anmerkungen zu einer notwendigerweise spannungsreichen Beziehung. In: Jarren, Otfried: (Hrsg. ) (1994): Politische Kommunikation in Hörfunk und Fernsehen. Opladen. S. 37ff. Siehe auch Meyer, Thomas (2001): Mediokratie. Frankfurt am Main. S. 81.

[38] Vlg. Donges, Patrick/Jarren, Otfried (2001): Politische Kommunikation. In: Jarren, Otfried/Bonfadelli, Heinz (Hrsg.) (2001): Politische Kommunikation. In: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Bern/Stuttgart/Wien. S. 421.

[39] Jarren, Otfried/Donges, Patrick (2002): a.a.O. S. 130.

[40] Kepplinger, Mathias (1985): a.a.O. S. 261.

[41] Thomas Meyer und Andreas Dörner gehen in diesem Zusammenhang davon aus, die Medien hätten über die Politik bereits obsiegt. Vgl. Jarren, Otfried/Donges, Patrick (2002): Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft. Band 2: Akteure, Prozesse und Inhalte. Wiesbaden. S. 130.

[42] Vgl. zur Ökonomisierung der Medienindustrie: Jarren, Otfried/ Meier, A. Werner (Hrsg.) (2001): Ökonomisierung der Medienindustrie: Ursachen, Formen und Folgen. In: Medien&Kommunikationswissenschaft, 49 (2001) 2 (Themenhefte).

[43] Verleger Hubert Burda im Interview mit der Süddeutschen Zeitung: Jakobs, Hans-Jürgen/Zielcke (2002): „Die teuerste Währung heißt Aufmerksamkeit“. In: SZ vom 02 November 2002. S. 16.

[44] Vgl. zur Ökonomisierung der Medien Punkt 2.2.

[45] Rohrbach, Günter (2002): Farbenspiele mit Bestandsgarantie. In: Süddeutsche Zeitung vom 9./10.11.02. S. 18.

[46] Vgl. Sarcinelli, Ulrich (1994): Mediale Politikdarstellung und politisches Handeln: analytische Anmerkungen zu einer notwendigerweise spannungsreichen Beziehung. In: Jarren, Otfried (Hrsg.) (1994): Politische Kommunikation in Hörfunk und Fernsehen. Opladen.35-50. Vgl. auch Donges, Patrick/Jarren, Otfried (2001): a.a.O. S. 423.

[47] Vgl. Schatz, Heribert (1992): Auf dem Prüfstand. Zur Weiterentwicklung der Konvergenz-Hypothese. In: medium. Nr. 1/92. S. 28f.

[48] Volker Herres (2001)In: Dokumentation des Medienforums der Journalistischen Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema: Mediendemokratie – Wer beeinflusst wen?

[49] ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender über den Einfluss der Politik auf seinen Sender. In: Die Welt vom 26.9.02. Zitiert nach: Wochenschau II Nr.1 Jan./Feb. 2001. S. 41

[50] Sarcinelli, Ulrich (1994): a.a.O. S. 38.

[51] Vgl. Jarren, Otfried/Donges, Patrick (2002): a.a.O. S. 26

[52] Vgl. Sarcinelli, Ulrich (1994): a.a.O. S. 38.

[53] Zitiert nach Choi, Yong-Joo (1995): Interpenetration von Politik und Massenmedien: Eine theoretische Arbeit zur politischen Kommunikation. Münster/Hamburg. S. 16.

[54] Vgl. Jarren, Otfried/Donges, Patrick/Weißler, Hartmut (Hrsg.) (1996): Medien und politischer Prozeß. In: Medien und politischer Prozeß: politische Öffentlichkeit und massenmediale Politikvermittlung im Wandel. Opladen. S. 22.

[55] Sarcinelli, Ulrich (1994): Mediale Politikdarstellung und politisches Handeln: analytische Anmerkungen zu einer notwendigerweise spannungsreichen Beziehung. In: Jarren, Otfried (Hrsg.): Politische Kommunikation in Hörfunk und Fernsehen. Elektronische Medien in der Bundesrepublik Deutschland. Opladen. S. 39.

[56] Vgl.): Die Wissenschaft der Gesellschaft. Frankfurt/M.

[57] Vgl. Plasser, Fritz (1985): Elektronische Politik und politische Technostruktur reifer Industriegesellschaften. Ein Orientierungsversuch. In: Plasser, Fritz/Ulram, Peter u.a. (Hrsg.): Demokratierituale. Zur politischen Kultur der Informationsgesellschaft. Wien/Köln/Graz. S. 9-31. Siehe auch Stöckler, Markus (1992): Politik und Medien in der Informationsgesellschaft. Ein systemtheoretisch basierter Untersuchungsansatz. Münster/Hamburg.

[58] Jarren, Otfried/Arlt, Hans-Jürgen (1997): Kommunikation – Macht – Politik. Konsequenzen der Modernisierungsprozesse für die politische Öffentlichkeitsarbeit. In: WSI Mitteilungen. H. 7. S. 480-486.

[59] Sarcinelli, Ulrich (1998): Parteien und Politikvermittlung: Von der Parteien- zur Mediendemokratie. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft. Bonn. S. 273-296.

[60] Vgl. Münch, Richard (1994): Politik und Nichtpolitik. Politische Steuerung als schöpferischer Prozess. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, H. 3. S. 381-405. Siehe auch Münch, Richard (1992): Dialektik der Kommunikationsgesellschaft. Frankfurt/M.

[61] Vgl. Choi, Jong-Joo (1995): a.a.O.

[62] Vgl. Luhmann, Niklas (1994): a.a.O. S. 41 ff.

[63] Vgl. Jarren, Otfried/Donges, Patrick (2002a): a.a.O. S. 54.

[64] Vgl. Münch, Richard (1996): Risikopolitik. Frankfurt/M. S. 40ff.

[65] Vgl. hierzu auch Stöckler, Markus (1992): Politik und Medien in der Informationsgesellschaft. Ein systemtheoretisch basierter Untersuchungsansatz. Münster, Hamburg.

[66] Plasser, Fritz (1985): a.a.O. S. 15.

[67] Vlg. Meyer, Thomas (2001): a.a.O. S. 78.

[68] Jarren, Otfried/Arlt, Hans-Jürgen (1997): a.a.O. S. 481.

[69] Jarren, Otfried/Arlt, Hans-Jürgen (1997): a.a.O. S. 482.

[70] Jarren, Otfried (2000): Von der Information zum Entertainment. Medienforum der Friedrich-Ebert-Stiftung. Dokumentation der Auftaktveranstaltung der Journalisten-Akademie vom 4.Dezember 2000 in Bonn. S. 59.

[71] Meyer, Thomas (2001): a.a.O. S. 83.

[72] Arkanpolitik bezeichnet Politik, die hinter verschlossenen Türen stattfindet, im Sinne einer höfischen Gesellschaft. Somit steht Arkanpolitik entgegen dem demokratiepolitischen Sinne, da ein „verschlossener“ politischer Prozess keine transparente Entstehung von politischer Öffentlichkeit gewährleistet.

[73] Dass der Inszenierungsdruck auch im nicht öffentlichen politischen Kommunikationsprozess wächst, zeigt die jüngst inszenierte Präsentation der Ergebnisse der so genannten Hartz-Kommission. So präsentierte die Kommission der Öffentlichkeit das „Hartz-Papier“ feierlich im deutschen Dom unter größter medialer Aufmerksamkeit. Vgl. dazu auch N.N.: Gesundgebeteter Hartz. In: Focus vom 19. August 2002. S. 44.

[74] Meyer, Thomas/Ontrup, Rüdiger/Schicha, Christian (2000): Die Inszenierung des Politischen. Zur Theatralität von Mediendiskursen. Wiesbaden. S. 39.

[75] Sarcinelli, Ulrich (1998): a. a. O. S. 14.

[76] Choi kritisiert Sarcinellis Symbiosemodell als „happy symbiosis“. Vgl. Choi, Yong-Joo (1995): a.a.O. S. 23.

[77] Vgl. Münch, Richard (1994): Politik und Nichtpolitik. Politische Steuerung als schöpferischer Prozess. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46, H. 3. S. 381-405. Siehe auch Münch, Richard (1992): Dialektik der Kommunikationsgesellschaft. Frankfurt/M.

[78] Münch, Richard (1994): a.a.O. S. 385.

[79] Vgl.Jarren, Otfried/ Donges; Patrick (2002): a.a.O. S. 133.

[80] Vgl.Choi, Yong-Joo (1995): a.a.O. S. 97 ff.

[81] Choi bezeichnet das Subsystem als „Interpenetrationszone“. Vgl. Choi, Yong-Joo (1995): a.a.O.S.66 ff.

[82] So auch der Titel seines Buches: Dörner, Andreas (2001): Politainment. Politik in der Erlebnisgesellschaft. Frankfurt a.M.

[83] Siehe hierzu ausführlich im gleichnamigen Buch von Andreas Wittwen (1995): Infotainment. Fernsehnachrichten zwischen Information und Unterhaltung. Bern/Berlin/Frankfurt a.M. S. 15 ff..

[84] Dörner, Andreas (2001): a.a.O. S. 31.

[85] Während einer Umfrage bei Jugendlichen im Alter von 15-24 Jahren im Rahmen der aktuellen Shell-Studie zufolge im Jahr 1984 noch 55% der Interviewten Interesse am politischen Geschehen hatten, sank die Zahl der Interessierten im Jahr 1999 auf 43%. Vgl. Fischer, Arthur (2000): Jugend und Politik. In: DEUTSCHE SHELL (Hrsg.): Jugend 2000, Band 1. S. 261-283.

[86] Exemplarisch sei an dieser Stelle an den Auftritt des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle im Big Brother-Container erinnert. Dazu ausführlich: Brosda, Carsten (2002): „Und von Hause aus bin ich Rechtsanwalt und habe eine Hund“ Politikerauftritte in Unterhaltungssendungen am Beispiel von Big Brother. In: Schweer, Martin K. W./Schicha, Christian/Nieland, Jörg-Uwe (Hrsg.): Das Private in der öffentlichen Kommunikation. Big Brother und die Folgen. Köln. S. 206-232.

[87] Holtz-Bacha, Christina (2000): Die Entertainisierung des Politischen. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen, Heft 1/2000. S. 156-166.

[88] Tenscher, Jens/Geisler, Alexander (2002): Politiker kommen ins Gespräch. Chancen und Risiken von Politikerauftritten im Fernsehen. In: Schicha, Christian/Brosda, Carsten (2002): a.a. O. S. 170.

[89] Die Tabelle wurde entnommen aus: Tenscher, Jens/Geisler, Alexander (2002): Politiker kommen ins Gespräch. In: Schicha, Christian/Brosda, Carsten: Politikvermittlung in Unterhaltungsformaten. Münster. S. 171.

[90] Vgl. Marcinowski, Frank (1996): Politikvermittlung durch das Fernsehen. Politiktheoretische und konzeptionelle Grundlagen der empirischen Forschung. In: Jarren Otfried/Schatz, Heribert/Weßler, Hartmut (Hrsg.): Medien und politischer Prozess. Opladen. S. 202 f.

[91] Marcinkowski, Frank (1996): a.a.O. S. 204.

[92] Vgl. Jarren, Otfried/Donges, Patrick (2002): a.a.O. S. 22.

[93] Blumler, Jay G./Kavanagh, Denis (1999): The Third Age of Political Communication: Influence and Feature. In: Political Communication 16, H. 3. S. 214.

[94] Vgl. hierzu ausführlich Max Kaase (1998): Politische Kommunikation – Politikwissenschaftliche Perspektiven. In: Jarren, Otfried/Sarcinelli, Ulrich/Saxer, Ulrich (Hrsg.): Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Ein Handbuch mit Lexikonteil. Opladen. S. 97-113.

[95] Jarren, Otfried/Donges, Patrick (2002): a.a.O. S. 109 f.

[96] Vgl. dazu Jarren, Otfried (1998): Medien, Mediensystem und politische Öffentlichkeit im Wandel. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft. Bonn. S. 77 ff.

[97] Zitiert nach Schmitz, L. Petra (2000): Wer hat die Meinungsmacht? In: Wochenschau Januar/Februar 2001. S. 38.

[98] von Beyme, Klaus/Wessler, Hartmut (1998): Politische Kommunikation als Entscheidungskommunikation. In: Jarren, Otfried/Sarcinelli, Ulrich/Saxer, Ulrich (Hrsg.): Handbuch der politischen Kommunkation. Opladen. S. 319.

[99] Vgl. von Eimeren, Birgit/Ridder, Christa-Maria (2001): Trends in der Nutzung und Bewertung der Medien 1970-2000. In: Media Perspektiven. H 11. S. 538-553.

[100] Rager, Günther/Rinsdorf, Lars (2002): Wieviel Spass muss sein? Unterhaltsame Politikberichterstattung im Feldversuch. In: Schicha, Brosda (2002): a.a.O. S. 242.

[101] Dörner, Andreas (2000): Politische Kultur und Medienunterhaltung. Zur Inszenierung politischer Identitäten in der amerikanischen Film- und Fernsehwelt.

[102] Meyer, Thomas (2001): a.a.O. S. 30ff.

[103] Meyer, Thomas (2001): a.a.O. S.32.

[104] Vgl. zu unterhaltenden Politikformaten Brosda, Carsten/Schicha, Christian (2002): Politikvermittlung im Unterhaltungskontext. Formen politischer Rituale und ihre Grenzen. In: Schicha, Christian/Brosda, Carsten: a.a.O. S. 152-168.

[105] Tenscher, Jens (1998): Politik für das Fernsehen – Politik im Fernsehen. Theorien, Trends und Perspektiven. In: Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): a.a.O. S. 193.

[106] Mascha-Maria Stumm definiert diese Realitätsflucht als Flucht in „Als-ob-Welten, (die eine) eigene Wirklichkeit erschaffen, in der jeweils bestimmte Handlungen nach jeweils bestimmten Regeln oder Gesetzen erfolgen.“ In: Stumm, Mascha-Maria (1996): Unterhaltungstheoreme bei Platon und Aristoteles. (…) Berlin. S. 147.

[107] Funktionen von Medienunterhaltung ausführlich in Schicha/Brosda (Hrsg.) (2002): a.a.O. S. 10 ff.

[108] Zitiert nach Elisabeth Klaus (1996): Der Gegensatz von Information ist Desinformation, der Gegensatz von Unterhaltung ist Langeweile. In: Rundfunk und Fernsehen. 3/1996. S. 404.

[109] Vgl. Westerbarkey, Joachim (2001): Von allerley Kurzweyl oder vom wissenschaftlichen Umgang mit einem antiquierten Begriff. In: Schmidt, Siegfried/Westerbarkey, Joachim/Zurstiege, Guido (Hrsg.): a/effektive Kommunikation. Unterhaltung und Werbung. Beiträge zur Kommunikationstheorie. Münster. S. 20f.

[110] Vgl. Dörner, Andreas (2001): a.a.O. S. 62 ff.

[111] In diesem Zusammenhang bezeichnet Thomas Meyer das mehrheitsorientierte Kommunikationsangebot als eigenwilliges Wechselspiel von (quantitativer) Einschließung möglichst vieler und (qualitativer) Ausschließung des Angemessenen, das sich unter diesen Umständen aus der dominanten Stellung der Medien ergibt. Vgl. Meyer, Thomas (2001): a.a.O. S. 11 ff.

[112] Als Abflachungsspirale bezeichnete der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog diese Entwicklung während seiner Amtszeit 1996. Zitiert nach Leif, Thomas (2001): Macht ohne Verantwortung. Der wuchernde Einfluss der Medien und das Desinteresse der Gesellschaft. Aus Politik und Zeitgeschichte B 41-42/2001. S. 6.

[113] Dörner, Andreas (2001): Klappentext von Politainment: a.a.O.

[114] Vgl. Dörner, Andreas (2001): a.a.O. S. 19f.

[115] Vgl. Holtz-Bacha (2000): Die Entertainisierung der Politik. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen 31/2000. S. 156 f.

[116] Zur Debatte über die „Amerikanisierung“ der deutschen Politik vgl. Kamps, Klaus (2000): Trans-Atlantik – Trans-Portabel? Die Amerikanisierungsthese in der politischen Kommunikation. Wiesbaden.

[117] Prantl, Heribert (1998): Gladiatoren in der Arena. In: Süddeutsche Zeitung vom 18.04. 1998. S. 4.

[118] Joscka Fischer plauderte bei “Boulevard Bio” über Diäten und Jogging und tauschte mit Harald Schmidt in dessen Show Erfahrungen aus der Ministrantenzeit aus. Rudolf Scharping plauderte mit Schmidt über die Tour de France. Vgl. Holtz-Bacha (2000): a.a.O. S. 162 ff.

[119] Diese Aussage traf Thomas Jasing, Unterhaltungschef des Bayrischen Rundfunks, 1998. In: dpa: Her mit den Politikern! Süddeutsche Zeitung vom 04.05.1998. S.19.

[120] Das zweite Fernsehduell (das erste inszenierten die Privaten Sender RTL und SAT1 einen Monat vorher unter der Regie von Peter Klöppel (RTL) und Peter Limbourg (Sender N24) der öffentlich-rechtlichen Sender der Spitzenkandidaten wurde am 8. September 2002 zur Prime Time auf ARD und ZDF von Sabine Christiansen und Maybritt Illner moderiert.

Details

Seiten
212
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783832477332
Dateigröße
84.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v222974
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Sozialwissenschaften, Politikwissenschaft
Note
2,1
Schlagworte
interpenetrationsmodell entertainisierung risiken unterhaltungspolitik wirkungsmechanismen

Autor

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Titel: "Politainment" - Politische Inszenierung in der Mediendemokratie