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Karriere- und Familienplanung tschechischer und österreichischer Frauen

©2001 Diplomarbeit 138 Seiten

Zusammenfassung

Inhaltsangabe:Zusammenfassung:
Die EU-Osterweiterung birgt viele Chancen für die Europäische Union ebenso wie für die Beitrittskandidaten. Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen einer solchen Verschmelzung von Ost und West sind viel diskutiert. Oft wird von einer „win-win“-Situation, einer einzigartigen Vision von einem „Vereinten Europa“ gesprochen. Doch was bedeutet das für verschiedene Menschengruppen der beiden Gesellschaften? Gibt es nicht trotz der geographischen Nähe und der geschichtlichen Verbundenheit enorme kulturelle Unterschiede zwischen den Gesellschaften? Dies soll am Beispiel zweier benachbarter Staaten untersucht werden, die eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte teilen, ehemals beide zur Donaumonarchie gehörten, die nun aber 45 Jahre Teil sehr unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Systeme waren. Im Vergleich zu einigen hundert Jahren sind 45 Jahre nicht lang. Gibt es gegenwärtig deutliche Unterschiede in der Weltanschauung, den persönlichen Plänen und Wünschen der Menschen im post-kommunistischen Tschechien und im kapitalistischen, durch soziale Marktwirtschaft organisierten Österreich? Inwieweit zeigen sich Unterschiede in der Lebensgestaltung und zwischen den Geschlechterrollen bei Männern und Frauen der tschechischen und österreichischen Bevölkerung?
Gegenstand dieser Arbeit sind insbesondere die Lebens- und Arbeitsbedingungen, Pläne und Wünsche hinsichtlich Beruf und Familie der Frauen in beiden Ländern. Bestehende Unterschiede werden aufgedeckt und ihre Ursachen näher beleuchtet, wobei besonders auf die Situation der Frau und ihre Einstellung in Bezug auf verschiedene Bereiche des Lebens, wie Arbeitswelt, familiäre Umgebung und politische Sphäre eingegangen wird.
Davon ausgehend lässt sich folgende Forschungsfrage formulieren: „Inwieweit gibt es Unterschiede hinsichtlich Karriere- und Familienplanung zwischen tschechischen und österreichischen Frauen?“ Bei einem ausschließlichen Vergleich der Einstellungen zu Karriere der beiden Gruppen, tschechischer Frauen und österreichischer Frauen, könnte man Gefahr laufen, einen falschen Eindruck von der gesamten Gesellschaft zu bekommen und wichtige Informationen über das Verhältnis der beiden Geschlechter zu einander könnten verloren gehen. Um ein ganzheitliches Bild zu erhalten und die beiden Länder miteinander vergleichen zu können, wurden Frauen immer in Relation zu den Männern in der jeweiligen Gesellschaft gesetzt, um das Verhältnis der beiden […]

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung und Problemstellung

2 Geschichtlicher Hintergrund und die Stellung der Frau in den beiden Ländern
2.1 Die Geschichte der heutigen Tschechischen Republik
2.1.1 Die Geschichte Böhmens und Mährens im 19. Jahrhundert
2.1.2 Der Erste Weltkrieg und die erste Republik
2.1.3 Die zweite Republik und das kommunistische Regime
2.1.4 Die Revolution 1989 und die Entstehung der Tschechischen Republik
2.1.5 Zusammenfassung
2.2 Die Situation der Frau in der Tschechischen Republik
2.2.1 Die Frau im Kommunismus
2.2.2 Der rechtliche Status der Frau
2.2.3 Die Teilnahme der Frau am Arbeitsmarkt
2.2.4 Politische Beteiligung vor 1989
2.2.5 Übergang zum liberalen System der Marktwirtschaft: Auswirkungen auf die Gleichberechtigung
2.2.6 Gesetzliche Bestimmungen zur Gleichberechtigung der Frau in der heutigen Verfassung von 1992
2.2.7 Arbeitsschutzbestimmungen
2.2.8 Frauen auf dem Arbeitsmarkt: Entwicklung nach 1989
2.2.9 Frauen und Unternehmertum
2.2.10 Politische Beteiligung
2.2.11 Zusammenfassung
2.3 Die Geschichte Österreichs
2.3.1 Geschichte Österreichs im 19. Jahrhundert
2.3.2 Der Erste Weltkrieg und die erste Republik
2.3.3 Der Zweite Weltkrieg und die zweite Republik
2.3.4 Zusammenfassung
2.4 Die Situation der Frau in Österreich
2.4.1 Die Rolle der Frau in der Nachkriegszeit
2.4.2 Der rechtliche Status der Frau
2.4.3 Die Teilnahme von Frauen am Arbeitsmarkt
2.4.4 Erwerbstätigkeit in den achtziger und neunziger Jahren
2.4.5 Institutionelle Kinderbetreuung in Österreich
2.4.6 Frauenlohndiskriminierung
2.4.7 Arbeitsschutzbestimmungen
2.4.8 Ausbildung der Frauen
2.4.9 Frauen in der Politik
2.4.10 Frauenorganisationen in Österreich
2.4.11 Zusammenfassung
2.5 Vergleichende Zusammenfassung: Tschechien – Österreich

3 Befragung von Wirtschaftsstudenten in Österreich und der Tschechischen Republik
3.1 Hypothesen und Untersuchungsplan
3.2 Durchführung
3.3 Auswertungsmethodik
3.4 Ergebnisse
3.4.1 Demographische Daten:
3.4.2 Karriereplanung
3.4.3 Familienplanung
3.4.4 Rollenverteilung
3.4.5 Arbeitsplatzmerkmale
3.4.6 Unterstützung der Karriere des Partners:

4 Interpretation und Erklärung
4.1 Interpretation der Ergebnisse

5 Schlussfolgerungen und Ausblick

6 Zusammenfassung

7 Bibliographie

8 Anhang
8.1 Deutscher Fragebogen
8.2 Englischer Fragebogen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Anteil von Frauen und Männern an den gesamten Beschäftigten in den Osteuropäischen Ländern 1980

Tabelle 2: Weibliche Beschäftigte in der Tschechoslowakei in Prozent der Beschäftigung insgesamt nach Sektoren

Tabelle 3: Durchschnittlicher Monatslohn 1984 und

Tabelle 4: Durchschnittlicher Stundenlohn 2. Quartal

Tabelle 5: Wie interessiert sind Sie allgemein gesprochen an Politik? Prozentsatz derjenigen, die „sehr interessiert“ antworteten:

Tabelle 6: Entwicklung des durchschnittlichen Frauenanteils an der gesamten Beschäftigung von 1951 bis 1991:

Tabelle 7: Frauenerwerbstätigkeit nach Wirtschaftsbereichen 1951 bis 1991:

Tabelle 8: Durchschnittlicher Einkommensnachteil von Frauen gegenüber Männern 1991:

Tabelle 9: Einkommensunterschied in Prozent zwischen Frauen und Männern nach Qualifikation

Tabelle 10: Arbeitslosenrate als Prozentsatz der Gesamterwerbstätigen 1969-

Tabelle 11: Bildungsstand der österreichischen Bevölkerung in Prozent 1971 - 1997:

Tabelle 12: Am Beispiel einer Frage mit 3 Antwortmöglichkeiten die nötigen Gruppenvergleiche für die jeweiligen Kernhypothesen

Tabelle 13: Mittelwerte und Standardabweichung des Alters der befragten Studenten nach Land und Geschlecht

Tabelle 14: Mittelwerte und Standardabweichung der Semesterzahl der befragten Studenten nach Land und Geschlecht

Tabelle 15: Mittelwerte, Standardabweichung und Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 3)

Tabelle 16: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage

Tabelle 17: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 5)

Tabelle 18: Mittelwerte nach Land und Geschlecht (Frage 5)

Tabelle 19: Standardabweichung nach Land und Geschlecht (Frage 5)

Tabelle 20: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage

Tabelle 21: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 6)

Tabelle 22: Mittelwerte und Standardabweichung nach Land und Geschlecht (Frage 6)

Tabelle 23: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage

Tabelle 24: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 2)

Tabelle 25: Häufigkeiten der Ausprägungen nach Land und Geschlecht (Frage 2)

Tabelle 26: Mittelwerte, Standardabweichung und Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 4)

Tabelle 27: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 7)

Tabelle 28: Häufigkeiten nach Land und Geschlecht (Frage 7)

Tabelle 29: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 8)

Tabelle 30: Häufigkeiten nach Land und Geschlecht (Frage 8)

Tabelle 31: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage

Tabelle 32: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 9)

Tabelle 33: Häufigkeiten nach Land und Geschlecht (Frage 9)

Tabelle 34: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage

Tabelle 35: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 10)

Tabelle 36: Häufigkeiten nach Land und Geschlecht (Frage 10)

Tabelle 37: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage

Tabelle 38: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 11)

Tabelle 39: Häufigkeiten nach Land und Geschlecht (Frage 11)

Tabelle 40: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage

Tabelle 41: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 12)

Tabelle 42: Mittelwerte und Standardabweichung nach Land und Geschlecht – Einkommenserzielung Mann ( Frage 12)

Tabelle 43: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage 12, Einkommenserzielung

Tabelle 44: Mittelwerte und Standardabweichung nach Land und Geschlecht – Haushalt Mann (Frage 12)

Tabelle 45: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage 12, Haushalt

Tabelle 46: Mittelwerte und Standardabweichung nach Land und Geschlecht – Kindererziehung Mann (Frage 12)

Tabelle 47: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 13)

Tabelle 48: Prozentanteile der jeweiligen Gruppen nach Land und Geschlecht (Frage 13)

Tabelle 49: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage

Tabelle 50: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht ( Frage 15)

Tabelle 51: Häufigkeiten nach Land und Geschlecht (Frage 15)

Tabelle 52: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage

Tabelle 53: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 14)

Tabelle 54: Mittelwerte und Standardabweichungen nach Land und Geschlecht – Geld

Tabelle 55: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage 14 - Geld

Tabelle 56: Mittelwerte und Standardabweichungen nach Land und Geschlecht – Macht

Tabelle 57: Mittelwerte und Standardabweichungen nach Land und Geschlecht – Verantwortung

Tabelle 58: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage 14 – Verantwortung

Tabelle 59: Mittelwerte und Standardabweichungen nach Land und Geschlecht – Anerkennung

Tabelle 60: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage 14 - Anerkennung

Tabelle 61: Mittelwerte und Standardabweichungen nach Land und Geschlecht – Selbstverwirklichung

Tabelle 62: Mittelwerte und Standardabweichungen nach Land und Geschlecht –Position

Tabelle 63: Mittelwerte und Standardabweichungen nach Land und Geschlecht – Interessanter Tätigkeitsbereich

Tabelle 64: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage 14 – Interessante Tätigkeit

Tabelle 65: Stichprobenumfang nach Land und Geschlecht (Frage 16)

Tabelle 66: Häufigkeiten nach Land und Geschlecht (Frage 16)

Tabelle 67: Signifikanz der Unterschiede bei Vergleichen zwischen den Gruppen in Bezug auf Frage

Tabelle 68: Übersicht über Hypothesen, gestellte Fragen und signifikante Unterschiede zwischen den Zielgruppen der Befragung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Geplante Position auf einer Skala von 1 bis

Abbildung 2: Gleichberechtigte Rollenverteilung

Abbildung 3: Prozentanteile des Mannes an Einkommenserzielung (Frage 12)

Abbildung 4: Prozentanteil des Mannes an Hausarbeit (Frage 12)

Abbildung 5: Prozentanteil der Befragten, für die Zusammenleben mit Hausfrau/ Hausmann vorstellbar

Abbildung 6: Wichtigkeit von Anerkennung im Beruf auf einer Skala von 1 bis 5 (1=sehr wichtig, 5=überhaupt nicht wichtig)

Abbildung 7: Würden Sie die Karriere Ihres Partners unterstützen: „Ja, auf jeden Fall“(Frage 16)

1 Einführung und Problemstellung

Die EU-Osterweiterung birgt viele Chancen für die Europäische Union ebenso wie für die Beitrittskandidaten. Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen einer solchen Verschmelzung von Ost und West sind viel diskutiert. Oft wird von einer „win-win“-Situation, einer einzigartigen Vision von einem „Vereinten Europa“ gesprochen. Doch was bedeutet das für verschiedene Menschengruppen der beiden Gesellschaften? Gibt es nicht trotz der geographischen Nähe und der geschichtlichen Verbundenheit enorme kulturelle Unterschiede zwischen den Gesellschaften? Dies soll am Beispiel zweier benachbarter Staaten untersucht werden, die eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte teilen, ehemals beide zur Donaumonarchie gehörten, die nun aber 45 Jahre Teil sehr unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Systeme waren. Im Vergleich zu einigen hundert Jahren sind 45 Jahre nicht viel. Gibt es gegenwärtig deutliche Unterschiede in der Weltanschauung, den persönlichen Plänen und Wünschen der Menschen im post-kommunistischen Tschechien und im kapitalistischen, durch soziale Marktwirtschaft organisierten Österreich? Inwieweit zeigen sich Unterschiede in der Lebensgestaltung und zwischen den Geschlechterrollen bei Männern und Frauen der tschechischen und österreichischen Bevölkerung?

Gegenstand dieser Arbeit sollen insbesondere die Lebens- und Arbeitsbedingungen, Pläne und Wünsche hinsichtlich Beruf und Familie der Frauen in beiden Ländern sein. Bestehende Unterschiede sollen aufgedeckt und ihre Ursachen näher beleuchtet werden, wobei besonders auf die Situation der Frau und ihre Einstellung in Bezug auf verschiedene Bereiche des Lebens, wie Arbeitswelt, familiäre Umgebung und politische Sphäre eingegangen wird.

Davon ausgehend lässt sich folgende Forschungsfrage formulieren: „Inwieweit gibt es Unterschiede hinsichtlich Karriere- und Familienplanung zwischen tschechischen und österreichischen Frauen?“ Bei einem ausschließlichen Vergleich der Einstellungen zu Karriere der beiden Gruppen, tschechischer Frauen und österreichischer Frauen, könnte man Gefahr laufen, einen falschen Eindruck von der gesamten Gesellschaft zu bekommen und wichtige Informationen über das Verhältnis der beiden Geschlechter zu einander könnten verloren gehen. Um ein ganzheitliches Bild zu erhalten und die beiden Länder miteinander vergleichen zu können, wurden Frauen immer in Relation zu den Männern in der jeweiligen Gesellschaft gesetzt, um das Verhältnis der beiden Geschlechter nicht aus den Augen zu verlieren (siehe Abbildung 1). Daher wurde die Forschungsfrage erweitert auf: „Ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in Bezug auf die Karriere- und Familienplanung in Österreich und der Tschechischen Republik unterschiedlich?“

Da eine Repräsentativerhebung sämtlicher Männer und Frauen in beiden Ländern unter Einbeziehung der Bildungsschichten, Berufsausbildungen etc. den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde, wurde die oben genannte Forschungsfrage eingeschränkt auf eine Stichprobe von Studenten und Studentinnen jeweils einer großen Wirtschaftsuniversität in Österreich und der Tschechischen Republik. Die Beschränkung auf dieses Segment scheint auch sinnvoll, da die betrachteten Männer und Frauen zukünftige Führungskräfte in den Bereichen Wirtschaft und Politik darstellen und ihre Einstellungen für die politische und wirtschaftliche Richtungs­tendenz der beiden Länder in Zukunft von entscheidender Bedeutung sind.

Beginnend mit einem Überblick über die historische Entwicklung, widmet sich das erste große Kapitel des Theorieteils der Situation der Frau in der Tschechischen Republik, wobei besonders auf Veränderungen in der tschechischen Gesellschaft durch den Übergang zum marktwirtschaftlichen System und ihre Bedeutung für die Stellung der Frau eingegangen wird. Es werden diverse Bereiche des wirtschaftlichen Lebens beleuchtet, wie z.B. gesetzliche Rahmenbedingungen, die Situation am Arbeitsmarkt und die Beteiligung der Frauen in der Politik.

Nach einer Übersicht über die Geschichte Österreichs, wird ein vergleichbares Bild für die Stellung der Frau in der österreichischen Gesellschaft gezeichnet, das ebenso auf rechtliche Arbeitsschutzbestimmungen, Probleme wie Frauenlohndiskriminierung und die Situation der Frauen in der Ausbildung, am Arbeitsmarkt und der Politik eingeht.

Anschließend an die Darstellung des theoretischen Hintergrundes der Geschichte der beiden Staaten und die konkrete Situation der Frau in verschiedenen Bereichen des wirtschaftlichen und politischen Lebens wird die Durchführung der Befragung von Wirtschaftsstudenten in beiden Ländern beschrieben. Die Umfrage hatte das Ziel, verschiedene Hypothesen, die aufgrund des Literaturstudiums aufgestellt werden konnten, auf ihre Richtigkeit zu prüfen.

Nach genauer Beschreibung der Hypothesen und deren Zustandekommen, wird die Vorgehensweise bei der Untersuchung und Auswertung erklärt. Danach werden die Ergebnisse zu jeder Frage, nach den jeweils zugrundeliegenden Hypothesen gegliedert, dargestellt und ihre Bedeutung für die jeweilige Hypothese bewertet. Im anschließenden Kapitel werden die Ergebnisse interpretiert und mögliche Erklärungen für aufgetretene Unterschiede in den Einstellungen zwischen den Ländern oder zwischen den Geschlechtern werden aufgezeigt.

Zum Schluss der Arbeit wird ein Überblick über den Konflikt bzw. die Gegensätzlichkeit der Probleme der österreichischen und tschechischen Frauen und die Anschauungen von westlichen Feministinnen gegeben, mit denen osteuropäische Frauen sich oft konfrontiert sehen. Es werden abschließend Möglichkeiten dargestellt, wie die unterschiedlichen Erfahrungen von Ost und West dennoch zum Vorteil beider Seiten genützt werden können.

Es soll darauf hingewiesen werden, dass im Rahmen der vorliegenden Arbeit auf eine geschlechtsspezifische Schreibweise der besseren Lesbarkeit wegen verzichtet wird. Es sind aber bei gängigen männlichen Schreibweisen unter neutralen Formulierungen immer beide Geschlechter subsummiert.

2 Geschichtlicher Hintergrund und die Stellung der Frau in den beiden Ländern

Um die Entwicklung der Stellung der Frau in der Gesellschaft der beiden Länder verstehen zu können, ist es wichtig, ein Hintergrundwissen über die geschichtlichen Ereignisse der letzten Jahrhunderte vor Augen zu haben. Diese politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschehnisse stellen die Rahmenbedingungen für alle weiteren Entwicklungen eines Staates und seiner Bevölkerung dar. Um die Unterschiede im heute existierenden System auch betreffend der unterschiedlichen Stellung der Frauen in Österreich und Tschechiens verstehen und nachvollziehen zu können, soll diese Einführung eine Darstellung der gemeinsamen Geschichte der beiden Länder im 19. Jahrhundert geben und zeigen, wie sich die beiden Staaten nach dem Ersten Weltkrieg unter unterschiedlichen, sehr gegensätzlichen politischen Bedingungen weiterentwickelt haben und welchen Einfluss die unterschiedlichen politischen Systeme auf die gesellschaftlichen und sozialen Strukturen hatten.

Die Situation der Frauen ist historisch bedingt sehr unterschiedlich in den beiden Ländern, Unter anderem aufgrund des unterschiedlichen politischen Systems seit 1945 und des unterschiedlichen Sozialsystems haben sich verschiedene gesellschaftliche Strukturen entwickelt, die die Einstellung der Frauen zu Bereichen wie Familie oder Berufstätigkeit stark beeinflusst haben.

2.1 Die Geschichte der heutigen Tschechischen Republik

2.1.1 Die Geschichte Böhmens und Mährens im 19. Jahrhundert

Seit dem 16. Jahrhundert, als die tschechischen Stände bei der Schlacht am Weißen Berg ihren Einfluss über das Land verloren, ist die tschechische Geschichte untrennbar mit der Geschichte der Habsburgerländer verknüpft.[1] Ab 1815 bildete sich immer mehr das Interesse an der eigenen Kultur, Sprache und der lokalen Geschichte heraus und wurde auch von einigen Beamten, Adeligen und Studenten der damaligen Zeit übernommen. Die böhmische und mährische Kultur war jedoch von sekundärer Relevanz, da der Großteil der politisch dominanten Adeligen der österreichischen Führung gegenüber loyal waren.

Nach dem Anstieg der produzierenden Industrie setzten sich ab 1848 vor allem Studenten und Handwerker gegen die wirtschaftliche Dominanz der Deutschen in den Städten ein. Die Vorfälle 1848 politisierten die Bewegung. Die Tschechen waren Teil des Habsburgerreichs, waren aber nicht daran interessiert, ein Teil eines einheitlichen deutschen Bundesstaates zu werden. Die zentralistische, nationalistische Politik der Habsburger zwang tschechische Professoren und Studenten nahezu in die Rolle der Opposition gegen die deutsche Dominanz. In der Frage nach deutscher Vereinigung im Großdeutschen Reich oder einem österreichischen Kaiserreich, entschieden nicht nur Böhmen und Mähren, sondern auch die meisten Österreicher zugunsten der kaiserlichen Selbständigkeit von Österreich.

Die Kriege 1859-60 und 1866 schwächten die Position der Donaumonarchie, was zu einigen entscheidenden Änderungen in der Verfassung und zum Verlust Norditaliens führte und den Ungarn größere Autonomie gab. In der Folge entfachte der Konflikt zwischen Tschechen und Deutschsprachigen immer mehr. Einen Höhepunkt erreichte der Konflikt als einige Zugeständnisse in Bezug auf die Sprache an die Tschechen großen Widerstand bei der deutschen Bevölkerung in Böhmen und Mähren hervorriefen. Nach 1867 wurden die zögernden nationalistischen Bewegungen durch die unabhängig gewordene ungarische Politik blockiert.

Am Ende des 19. Jahrhunderts machten die Tschechen vor allem durch Kontrolle der lokalen Verwaltungseinrichtungen beachtliche Fortschritte im Kampf gegen die deutsche Minderheit in Böhmen und Mähren. In der Folge kam es auch zu einigen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen beider Nationalitäten.[2]

2.1.2 Der Erste Weltkrieg und die erste Republik

Der Erste Weltkrieg stellte für Tschechen und Slowaken eine Möglichkeit dar, um mehr Unabhängigkeit zu erlangen, was von ihren Führern, vor allem von Thomas Masaryk, auch genutzt wurde. Die tschechischen Vertreter brachten monetäre Unterstützung auf und organisierten Truppen, die an der Seite der Entente gegen die Habsburgmonarchie kämpften.

Nach dem Ersten Weltkrieg 1918 forderten die tschechischen Abgeordneten in Prag einen souveränen, demokratischen Staat für das tschechische und slowakische Volk. Da sie als kriegsführende Macht von der Entente anerkannt waren, öffneten sich der neu gegründeten Tschechoslowakei alle Türen. Die in Paris konstituierte Regierung unter Ministerpräsident Masaryk und Außenminister Benesch wurde anerkannt.[3] Auch die Sudetendeutschen erklärten ihren Anschluss unter der Bedingung der vollkommenen Gleichberechtigung mit den anderen Bürgern. Die slowakischen Gebiete gehörten nun genauso wie die Karpato-Ukraine zum neuen Staat.[4]

Die Tschechoslowakei war der reichste Staat aus den Nachfolgestaaten der Donaumonarchie. Ihre Wirtschaft war durch den ersten Weltkrieg nicht zerstört worden. Die Tschechoslowakei umfasste zwei Drittel der ganzen Industrie des ehemaligen Österreichs, aber nur ein Viertel seiner Bevölkerung und nur ein Fünftel seines Staatsgebietes.[5]

Internationale Statistiken zeigen, dass die tschechische Wirtschaft in deutlich besserem Zustand war als die österreichische. Nach 1923 konnte die Tschechoslowakei einen stetig steigenden Lebensstandard vermerken. Von 1918 an waren ein Achtstundenarbeitstag, Arbeitslosenunterstützung und andere Zivilrechte im Gesetz festgeschrieben. Die Wirtschaftskrise 1930 traf die Tschechoslowakei außerordentlich hart und wurde zum Teil auf die rückständige Struktur der industriellen Produktion zurückgeführt. Die Wirtschaftskrise führte weiters zu langfristigen Auswirkungen auf die Einstellungen in der tschechischen und slowakischen Gesellschaft. Die Generationen, die in den 20er und 30er Jahren in die produktive Arbeit eintraten, lernten das kapitalistische System in seinen zerstörten Formen kennen, mehr als etwas Bedrohliches als etwas Sicherheit versprechendes.

Bittere Enttäuschung kam mit der Entscheidung der vier Kräfte der Alliierten in München im September 1938, als die Tschechoslowakei der Gnade Deutschlands überlassen wurde und die Alliierten entschieden, in Hitlers Einmarsch nicht einzugreifen. Obwohl der überwiegende Teil der deutschsprachigen Tschechen Anhänger der Ideologie des Nationalsozialismus waren, war in der übrigen Gesellschaft seit Beginn der 30er Jahre eine politische Linksorientierung bemerkbar, welche wohl auch die Türen für die nationaldemokratische Revolution 1944/45 öffnete.[6]

Nachdem die Tschechoslowakei von Hitler in fünf Teile geteilt wurde, die teilweise Ungarn, Polen und Deutschland angeschlossen wurden, und die Slowakei sich für unabhängig erklärt hatte, wurde im übrig gebliebenen Teil das böhmische und mährische Protektorat errichtet und in das Deutsche Reich eingegliedert. Das hatte erhebliche Änderungen im ganzen Wirtschaftsmechanismus zur Folge, in dem der Staat eine große Rolle spielte. Als Ergebnis der Aufrüstung wurde die Produktion von Gütern für den Krieg vor anderen bevorzugt. Andere Auswirkungen der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik waren vor allem die Umorientierung des Außenhandels in Richtung einer steigenden Abhängigkeit von Deutschland neben Arisierung (Enteignung der Juden und Übergabe des Besitzes an Deutsche) und Besetzung der führenden Positionen in der Verwaltung nur mit deutschsprachigen Anhängern des Regimes.[7]

2.1.3 Die zweite Republik und das kommunistische Regime

Nach Befreiung der Tschechoslowakei durch die Alliierten am Ende des Krieges 1945, wurde die Tschechoslowakei als souveräner Staat wiederhergestellt. Bei den Wahlen 1946 kam es zu einem klaren Sieg der linken Kräfte, unter denen Kommunisten wichtige Positionen innehatten, die der Überzeugung waren, dass die Tschechoslowakei ihren eigenen Weg zum Sozialismus suchen sollte.

Die Sowjetunion schien bis 1947 die verschiedenen Wege des Sozialismus in den einzelnen Ländern zu respektieren bis sie in der Frage des Marshall-Plans großen Druck auf die Tschechoslowakei ausübte, diesen abzulehnen und stattdessen einen Handelsvertrag mit der Sowjetunion zu unterzeichnen. Im Vorfeld einiger von den Kommunisten geplanter verfassungsrechtlicher Veränderungen, verstärkten die Kommunisten ihre Kontrolle über die Polizei und erzwangen die Umbildung der Regierung. Im Jahr 1948 wurden alle nichtkommunistischen Organisationen zerschlagen und gleichgeschaltet. Unter der darauf folgenden rein kommunistischen Regierung vollzog sich die Anpassung an das politische, wirtschaftliche und kulturelle System der Sowjetunion.

Bis 1962 kam es in der Innen- und Außenpolitik kaum zu Veränderungen. Erst in den folgenden Jahren wurde verstärkt eine Wirtschaftsreform und eine Liberalisierung der Kulturpolitik diskutiert. Dies führte schließlich Anfang 1968 zum Prager Frühling, als Alexander Dubcek neuer Parteichef wurde. Nach Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen wurden nahezu alle Reformen wieder rückgängig gemacht. Die 70er und 80er Jahre waren von einer Politik der Normalisierung, verstärkter Ausgliederung von Anhängern der Reformen aus der kommunistischen Partei und allmählichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten geprägt.[8] [9]

2.1.4 Die Revolution 1989 und die Entstehung der Tschechischen Republik

Veränderungen in Osteuropa griffen im Sommer 1989 auch auf die Tschechoslowakei über. Auf einige Demonstrationen folgte eine relativ sanfte Revolution mit der Wahl Vaclav Havels zum Präsidenten. In den folgenden Monaten wurden vom neuen Parlament mittels Gesetzen die bürgerlichen Freiheiten wie Pressefreiheit und Recht auf freie Meinungsübung wiederhergestellt.

Nach vermehrten nationalen Konflikten zwischen Tschechen und Slowaken entstanden im Januar 1993 die Tschechische und die Slowakische Republik als getrennte, souveräne Staaten. Seit der Trennung in zwei separate Staaten ist ein gewaltiger Umgestaltungsprozess auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene in beiden Staaten im Gange, wobei die Tschechische Republik bessere politische und wirtschaftliche Voraussetzungen für die Integration in die Europäische Union hat.

2.1.5 Zusammenfassung

Die Geschichte Tschechiens war seit dem 19. Jahrhundert von ersten Unabhängigkeitsbestrebungen gekennzeichnet, die durch den Ersten Weltkrieg zur Realisierung gelangten. Nach Kriegsende war die Tschechoslowakei der reichste Nachfolgestaat der Donaumonarchie. Während die Alliierten die Tschechoslowakei Hitler im Zweiten Weltkrieg überließen, war in der Bevölkerung eine deutliche politische Linksorientierung bemerkbar, die den Grundstein für die sozialistische Regierung ab 1945 legte. Während der 45 Jahre kommunistischer Herrschaft kam es nur einmal zu entscheidenden Reformbewegungen durch den Prager Frühling 1968, die jedoch kurze Zeit später von den Warschauer-Pakt-Truppen wieder rückgängig gemacht wurden. Nach einer sanften Revolution 1989 und vermehrten Konflikten zwischen Tschechen und Slowaken im gemeinsamen Land, wurde 1993 die Trennung in zwei getrennte, unabhängige Staaten beschlossen.

Die jahrhundertelange Unterdrückung durch Österreich und die Ausbeutung als eine der Hauptindustrieregionen der Donaumonarchie legte wohl den Grundstein für die Empfänglichkeit für den marxistischen Gesellschaftsentwurf als Gegensatz zur autoritären Herrschaft. Das Ziel eines unabhängigen Slavenstaates war für die Tschechen und Slowaken dadurch klar definiert. Diese Unabhängigkeit, die 1918 erstmals erreicht und 1945 nach Befreiung von Deutschland und Österreich wiedererlangt wurde, ermöglichte eine insgesamt kommunistische Ausrichtung, da das kapitalistische System immer nur in seinen unterdrückenden Auswüchsen kennengelernt worden war. Diese Ausrichtung führte zu starken Veränderungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich. Insbesondere die Rolle der Frau in der Gesellschaft wurde Gegenstand des sozialistischen Programms, was in einem starken Eingriff des Staates in den privaten Bereich der Bevölkerung resultierte. Die Auswirkungen dieser politischen Tendenzen auf die Position der Frau in verschiedenen Lebensbereichen wie Erwerbstätigkeit, Politik und Familie werden im folgenden Kapitel erläutert.

2.2 Die Situation der Frau in der Tschechischen Republik

2.2.1 Die Frau im Kommunismus

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die kommunistische Regierung in der Tschechoslowakei darauf bedacht, der Welt zu beweisen, dass ihre ideologische Plattform das Mittel zur Befreiung der Menschen von der kapitalistischen Unterdrückung ist. Die kommunistische Theorie besagt, dass die Frauen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich unterdrückt sind. Im öffentlichen Bereich werden sie nach marxistischer Lehre als Arbeiterinnen von Kapitalisten ausgebeutet, da diese als die Eigentümer der Produktionsmittel zwecks Profiterzielung Mehrwert aus ihrer Arbeit schöpfen. Gleichzeitig behauptet Engels, dass Frauen in der Privatsphäre von ihren Ehemännern unterdrückt werden, da es sich bei der Eheschließung um einen geschäftlichen Vertrag handle, der den Männern Erben zur Weitergabe ihres Eigentums sichere. In diesem Sinn würde die Unterdrückung der Frau nach der Theorie von Engels, Marx und Lenin dann enden, wenn der Begriff des Eigentums abgeschafft sei, und die Frauen würden nicht länger durch ihre Ehemänner ausgebeutet, da diese dann kein Eigentum mehr besäßen.[10]

Anfangs konnte diese ideologische Botschaft und die mit ihr verbundenen Ziele zur „Befreiung der Frau“ noch erfolgreich vermittelt werden. Die Frauen reagierten mit einem gewissen Maß an Überzeugung, bemerkten mit den Jahren aber langsam, dass sie in einer ideologischen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Falle gefangen waren. Die Öffnung des Arbeitsmarktes war hauptsächlich zugunsten der wirtschaftlichen Entwicklung erfolgt, da die industrielle Produktion nach kommunistischer Wirtschaftsstrategie auf arbeitsintensiver Technologie basierte und billige Arbeitskräfte daher eine Voraussetzung zur Sicherung des Erfolges waren. Da Frauen die billigsten Arbeitskräfte darstellten, gewährleisteten sie das Überleben des Systems.

Auch wenn Frauen anfangs aufgrund ideologischer Überzeugung an die Parteirethorik glaubten, die besagte, dass Frauen ein Teil der kommunistischen industriellen Entwicklung sein sollten, war dies nicht der Grund, warum sie auf Dauer Bestandteil des Arbeitsmarktes blieben. Vielmehr war es die wirtschaftliche Notwendigkeit, da zwei Einkommen benötigt wurden, um eine Familie zu ernähren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine Bevölkerungswanderung aus den ländlichen Gebieten in die neu entstandenen Industriegebiete ein, wobei davon anfangs mehr Männer betroffen waren, es aber in den 60er und 70er Jahren immer mehr Frauen wurden. Daher war die Regierung gezwungen, die Frauen, die man als Werktätige brauchte, zu assimilieren und umzugruppieren. Das Ziel war organisatorische, institutionelle und rechtliche Bedingungen herzustellen, die es den Frauen möglich machten, ihre Pflichten am Arbeitsmarkt mit denen in der Familie zu vereinbaren und ihnen gleichzeitig eine Rolle als aktives kommunistisches Mitglied der Gesellschaft zu geben.

2.2.2 Der rechtliche Status der Frau

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm die Tschechoslowakei Artikel über die Gleichberechtigung von Mann und Frau in die Verfassung auf. Die in den Gesetzen betonte Gleichberechtigung bildete die Ausgangsbasis für die Teilnahme der Frau am Arbeitsmarkt. Durch Gesetze, die Frauen mehr Freiheiten in der Ehe, ein Recht auf Scheidung und Abtreibung ohne große Probleme ermöglichten, wurden die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, dass Frauen eine eigene Entscheidung über ihr Leben und die Größe ihrer Familie treffen konnten.[11] Zum Beispiel enthält die Verfassung der ehemaligen Tschechoslowakei den Passus, dass „Frauen ein gleicher Status garantiert werden solle, und zwar durch Einrichtungen und Dienstleistungen, die es den Frauen ermöglichen, voll am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“[12]

Auch auf internationaler Ebene wurden rechtliche Maßnahmen getroffen. Für die kommunistische Regierung war die öffentliche Meinung der nicht-kommunistischen Länder äußerst wichtig. Daher unterzeichnete die Tschechoslowakei wie andere Länder Mittel- und Osteuropas die Konventionen 100 und 111 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Die Konvention 100 betraf gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, während die Konvention 111 gegen die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf eintrat.

Insgesamt hielten die kommunistischen Länder die meisten Konventionen, die von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden, jedoch für überflüssig. Sie waren der Auffassung, dass in ihrer Gesellschaft die Frauen bereits befreit waren. In jedem Dokument, das von anderen Staaten über die Rechte der Frau vorgelegt wurde, wurde immer wieder bestärkt, dass es in ihrem System keinerlei Probleme mit der Gleichberechtigung mehr gäbe.[13]

Als nächster Schritt wurde parallel zu den rechtlichen Rahmenbedingungen die gesellschaftliche Infrastruktur weiterentwickelt. Sozialprogramme wurden entworfen, die als integraler Bestandteil des Produktionsprozesses notwendig waren, um die Bedürfnisse der Arbeiter zu befriedigen, wobei diese Bedürfnisse weitgehend von der Partei vorgegeben wurden. Der Staat entschied über die Verteilung der Vergünstigungen, die jenen zugute kamen, die ihre Rolle als Werktätige erfüllt hatten. Die Frauen waren Nutznießerinnen dieser Sozialleistungen, solange sie als Bürgerinnen mit einer bezahlten Tätigkeit definiert wurden. Daher basierte die gesamte Sozialpolitik auf dem Grundsatz der Pflichtarbeit.

Da der kommunistische Staat alle sozialpolitischen Funktionen übernahm, wurden die Männer und Frauen zu passiven Sozialleistungsempfängern.[14]

Die Tatsache, dass die Sozialleistungen am Arbeitsplatz gewährt wurden, sorgte für eine Beteiligung der Frauen, wodurch behauptet werden konnte, dass der Staat die Frauen erfolgreich befreit hatte, jedoch hatte er sie aus dem Familienleben hinaus und ins Arbeitsleben hineingedrängt. Die Sozialpolitik der Tschechoslowakei war geprägt von den Bemühungen, den Frauen zu ermöglichen, dass sie ihre Mutterrolle mit den Verantwortlichkeiten und Pflichten als Werktätige in Einklang bringen konnten. Kinderkrippen, Kindergärten und Ganztagsbetreuungsplätze boten die Infrastruktur, die in Verbindung mit rechtlichen Vergünstigungen wie Mutterschaftsurlaub, Erziehungsurlaub und Urlaub im Krankheitsfall von Kleinkindern eine Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt garantierte.[15]

2.2.3 Die Teilnahme der Frau am Arbeitsmarkt

Das kommunistische Regime schuf diverse familienrechtliche Maßnahmen und Vergünstigungen wie zum Beispiel:

Mutterschaftshilfe

Mütter erhielten Mutterschaftsgeld in der Höhe von ca. 70% des Einkommens. Weiters hatten sie Anspruch auf 26 Wochen bezahlten Urlaub und alleinstehende Mütter oder Mütter mit Zwillingen die Möglichkeit, bis zu 35 Wochen bzw. weitere 2 Jahre unbezahlten Urlaub zu bekommen. Als Unterstützung zur Ausbildung des Kindes gab es Beihilfezahlungen bis zum Ende der Ausbildung inklusive Universitätsstudium.

Erziehungsbeihilfen

Erziehungsbeihilfen wurden bis zum Abschluss der gesamten Ausbildung des Kindes an die Mutter ausbezahlt. In der Ausbildung war auch ein mögliches Universitätsstudium miteingeschlossen.

Abtreibung

Abtreibung war legal seit 1957 aufgrund sozialer Härtefälle und wurde ohne Einschränkungen im Jahre 1987 legalisiert.

Scheidung

Scheidung war von Seiten der Frau gesetzlich möglich seit 1918.[16]

Wie in Tabelle 1 sichtbar, wurde durch diese Erleichterungen und die staatlichen Förderungen ein ansteigender Beschäftigungsanteil der Frauen am Arbeitsmarkt erreicht, der den Anschein nach verstärkter Gleichberechtigung erwecken könnte, besonders wenn man den Beschäftigungsanteil der tschechischen und slowakischen Frauen mit dem Anteil in westlichen Ländern vergleicht (siehe Tabelle 7 in Kapitel 2.4.3.).

Tabelle 1: Anteil von Frauen und Männern an den gesamten Beschäftigten in den Osteuropäischen Ländern 1980 –1990 [17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dennoch verschleierte die kommunistische Propaganda die negativen Aspekte für die Frauen durch ihre Beteiligung am Arbeitsmarkt. Der Anteil der Frauen war zwar mit dem der Männer vergleichbar, nicht vergleichbar war jedoch die Form der Beteiligung und die Art der Tätigkeit. Die Beschäftigung der Frauen konzentrierte sich auf bestimmte Wirtschaftssektoren. Wie aus Tabelle 2 zu ersehen ist, war der Frauenanteil besonders stark im Dienstleistungssektor und dort vor allem in den Bereichen Erziehung, Gesundheit und soziale Betreuung. Außerdem wurde gezeigt, dass Frauen im Durchschnitt schlechter bezahlte und weniger verantwortungsvolle Positionen innehatten.

Tabelle 2: Weibliche Beschäftigte in der Tschechoslowakei in Prozent der Beschäftigung insgesamt nach Sektoren [18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Bild zeigt, dass die Frauen in der Tschechoslowakei auf dem Arbeitsmarkt oft genauso benachteiligt waren wie die Frauen in westlichen Ländern, da die Arbeit der Frauen als Zusatzverdienerinnen nur eine Ergänzung zur Arbeit der Männer darstellte. Die Motivation der Frauen zur Arbeit war nicht das Streben nach wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Unabhängigkeit, es war vielmehr wirtschaftliche Abhängigkeit und das Ziel, ihren Familien einen annehmbaren Lebensstandard zu sichern.[19] „Für die Ideologie des Kommunismus betreffend der Gleichberechtigung von Mann und Frau war es nicht wichtig, ob die Frau eine Fabrik leitete oder einer politischen Partei vorstand, sondern ob sie in der Lage war, einen Traktor zu fahren oder einen Kran zu bedienen“.[20]

2.2.4 Politische Beteiligung vor 1989

Im Rahmen der sonstigen juristischen Bestimmungen, die in der Tschechoslowakei zum Schutz von Frauen genauso wie zum Schutz vor den kritischen Blicken internationaler Beobachter geschaffen wurden, wurden auch Quoten für die Beteiligung von Frauen an den politischen Aktivitäten eingeführt. Die Zahl der Frauen auf höchster politischer Ebene nahm auch entscheidend zu, so dass im Jahre 1970 24,6% und 1985 fast 30% der Abgeordneten im Nationalparlament Frauen waren.[21] Die Frage des tatsächlichen Einflusses, war jedoch eine andere, da die reine physische Anwesenheit bzw. die Bekleidung von Positionen hauptsächlich auf lokaler Ebene den Frauen keinen realen Einfluss auf Entscheidungen von Bedeutung gab.[22]

2.2.5 Übergang zum liberalen System der Marktwirtschaft: Auswirkungen auf die Gleichberechtigung

Eine Folge des politischen Wandels ist die Umgestaltung eines auf zentraler Machtausübung basierenden wirtschaftlichen, ideologischen und politischen Systems in eine Marktwirtschaft, was eine Abkehr vom Staatseigentum bedeutet. Um analysieren zu können, wie sich dieser Übergangsprozess auf die Stellung der Frau in der Tschechischen Republik auswirkt, ist es zunächst wichtig, die Veränderungen oder gegebenen Voraussetzungen im öffentlichen und privaten Bereich zu betrachten.[23] Da der Reformprozess relativ häufig zu Gesetzesänderungen führte und Bestimmungen relativ oft durch andere ersetzt werden, ist es durchaus möglich dass der Wortlaut der hier angeführten Vorschriften sich inzwischen weiter verändert hat. Ebensowenig lassen sich verlässliche Aussagen über die Auslegungen wichtiger und umstrittener Vorschriften treffen, da dafür spezialisiertes rechtliches Wissen über die Rechtslage in Tschechien nötig wäre.[24]

2.2.6 Gesetzliche Bestimmungen zur Gleichberechtigung der Frau in der heutigen Verfassung von 1992

Die Reform des Rechtswesens war eine der ersten Maßnahmen der neuen Regierung und galt als Schlüssel für den Wiederaufbau, um Strukturen zu schaffen, die mit den anschließenden Reformen in Einklang stehen würden. Die Abänderung der alten Verfassung stellte einen wichtigen Faktor dar, um den politischen und wirtschaftlichen Reformen Legitimität und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Die rechtlichen Änderungen betrafen alle Gesellschaftsschichten. Jedoch verlief der Reformprozess nicht vollkommen geschlechtsneutral, d.h. die Änderungen betrafen unterschiedliche Gruppen auf unterschiedliche Weise.[25] Bezüglich der Frauenfrage bekräftigte die tschechische Regierung ihre Verpflichtungen gegenüber internationalen Abkommen wie den Konventionen 100 und 111 der ILO, die bereits unter kommunistischer Herrschaft unterzeichnet worden waren (siehe Kapitel 2.2.2. „Rechtlicher Status der Frau“).[26]

Zu Beginn des Übergangsprozesses herrschte in der Tschechischen Republik unter Frauen und Männern gleichermaßen die Meinung vor, dass den Frauen bereits unter dem Kommunismus dem Gesetz nach die vollkommene Gleichberechtigung gewährt worden war und dass daher kein wesentlicher Bedarf an Änderungen bestand.

Der Wortlaut der tschechischen Verfassung vom 16. Dezember 1992 enthält eine Charta der Grundrechte und Grundfreiheiten, in der jedoch keinerlei spezifische Bestimmung zur Gleichstellung von Mann und Frau zu finden ist. „Artikel 1 erklärt alle Personen für frei und gleich in Bezug auf Würde und Rechte. Artikel 3 beinhaltet eine allgemeine Gleichheitsklausel, wonach Menschenrechte und Grundfreiheiten ohne jeden Unterschied, beispielsweise aufgrund des Geschlechts, garantiert werden“.[27]

2.2.7 Arbeitsschutzbestimmungen

In der tschechischen Verfassung gibt es zwei Artikel mit speziellen Arbeitsschutzregelungen für Frauen: Artikel 32 Absatz 2 verweist auf die besondere Schutz- und Fürsorgepflicht gegenüber Schwangeren am Arbeitsplatz. Laut Artikel 29 Absatz 1 haben Frauen wie andere schutzbedürftige Gruppen (Jugendliche und Behinderte) Anspruch auf mehr Fürsorge und besondere Arbeitsbedingungen.[28]

Es gibt jedoch keine besondere Bestimmung zur Sicherung des gleichen Lohns bei gleichwertiger Arbeit, obwohl dieser Grundsatz in der internationalen Konvention von 1958 verankert ist, die von der Tschechischen Republik ratifiziert wurde. Die Umsetzung dieser Bestimmungen lässt jedoch in der Realität noch zu wünschen übrig, da die Lohndifferenz durchschnittlich 30% beträgt. Bei ungelernten Arbeitern ist die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern minimal, sie wächst bei Tätigkeiten, die besondere Qualifikationen voraussetzen.[29]

Dieses Problem kann laut Marie Cermakova, einer der wenigen tschechischen Autorinnen in Frauenfragen, „durch den Markt allein nicht aus der Welt geschafft werden, ohne Maßnahmen der Regierung sind diese Ungleichheiten nicht zu beseitigen.“[30] In den Tabellen 3 und 4 wird ein Vergleich der durchschnittlichen Monats- und Stundenlöhne vor und nach dem Übergang dargestellt.[31]

Tabelle 3: Durchschnittlicher Monatslohn 1984 und 1988 [32]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Durchschnittlicher Stundenlohn 2. Quartal 1993 [33]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus diesem Vergleich wird ersichtlich, dass sich die Lohnniveaus von Frauen und Männern annähern, jedoch nur sehr langsam, da das Verhältnis des Einkommens von Frauen zu Männern sich von 68,4% auf 74,8% verbessert hat: das bedeutet plus 6,4 Prozentpunkte in zehn Jahren.

Bezüglich weiterer Arbeitsschutzbestimmungen gibt es einige Erlässe zum spezifischen Schutz von Frauen am Arbeitsplatz wie gewisse Bestimmungen im Arbeitsrecht oder Regelungen für bestimmte Wirtschaftssektoren. In Zeiten wirtschaftlicher Instabilität werden die arbeitsrechtlichen Sonderregelungen jedoch oft ein Grund zur Diskriminierung von Frauen durch den Arbeitgeber, da diese Regelungen häufig gute Gründe liefern, eine Frau zu entlassen oder zumindest geringer zu entlohnen.[34]

Auf dem Gesetzespapier ist die Gleichstellung der Frau in Tschechien gegeben, die aktive Diskussion von Frauenangelegenheiten auf der politischen Tagesordnung fehlt jedoch. Die stärkere Betonung der Freiheitsrechte und der Menschenrechte durch die neue Regierung hat natürlich auch die Lebensqualität der gesamten Bevölkerung, damit auch der Frauen, verbessert. Es ist der Regierung jedoch kein besonderes Anliegen, sich den Bedürfnissen der Frauen zu widmen. Daher sind die aus der Zeit des kommunistischen Regimes geerbten Ungleichheiten weiterhin vorhanden und bestimmen weiterhin den gesellschaftlichen Status der Frau.

Da die Regierung es versäumt hat, Frauenfragen zu behandeln, wird der Diskussion über die gesellschaftliche Stellung der Frauen in den neuen wirtschaftlichen und politischen Strukturen, in denen das Abhandenkommen einer Ideologie ein Loch hinterlassen hat, das viele Fragen aufwirft, ausgewichen. Der Streit nach der neuen Stellung der Frau in der Gesellschaft führte in Tschechien zu einem allgemeinen Ruf nach einer Rückkehr zu den konventionellen Geschlechterrollen.[35]

Eine solche Rückkehr zu den traditionellen Werten ist für einen Großteil der Gesellschaft, sowohl für Männer als auch für Frauen, attraktiv. Viele Frauen begrüßen den Gedanken, zu Heim und Herd zurückkehren zu können, da das als Luxus, als ausschließliches Recht der westlichen Frauen betrachtet wird. Außerdem haben viele ein äußerst romantisches Bild von der Familie, da die Familie in kommunistischen Zeiten den einzigen vor staatlicher Einflussnahme sicheren Lebensbereich darstellte.[36]

Eine Tatsache, die diese gesellschaftliche Tendenz noch verstärkt, ist, dass die Regierung das Konzept des Wohlfahrtsstaates aufgegeben hat, da der Staat sich nicht mehr dafür verantwortlich fühlt, die Bedürfnisse der Bürger zu befriedigen. Daher ist der einzelne mehr und mehr für sich selbst verantwortlich. Die Folgen im Sozialsystem sind vermehrter Abbau und Abschaffung von Fürsorge für Frauen und Familien, was bisher die Aufgabe des kommunistischen Staates war und jetzt von den Privatunternehmen erfüllt werden sollte, die jedoch dem wirtschaftlichen Überleben auf dem Markt und damit der Kostensenkung den Vorrang geben. Daher werden immer mehr Kindergärten und Kinderkrippen als freiwillige Extras von den Betrieben abgestoßen. Die Systeme für die Kinderbetreuung brechen zusammen oder sind nur noch unter sehr hohem finanziellem Aufwand erschwinglich, was einem Großteil der Bevölkerung nicht möglich ist. Da Frauen sich traditionell um die Familien kümmern, entsteht ein gewisser Zwang, der von vielen Frauen auch als positive Entwicklung angesehen wird, in die Hausfrauenrolle zurückzukehren, insbesondere, da die professionelle Kinderbetreuung vor allem für mehrere Kinder zu teuer ist.[37]

Dieses Umdenken betreffend der gesellschaftlichen Stellung der Frau wirkt sich unter anderem auch auf ihre reproduktiven Rechte aus. Das in der Tschechischen Republik immer noch angewandte Abtreibungsgesetz geht auf das Jahr 1987 zurück. Darin wird ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt zum Schutz des Lebens und der Gesundheit der Frau und, um eine verantwortungsvolle Familienplanung zu ermöglichen. Jedoch waren 1991, vor der Spaltung in Tschechien und Slowakei, Gesetzesänderungen geplant, wonach in der Tschechischen Republik nur eine Änderung der Formulierung mit geringen Auswirkungen gegenüber der Regelung aus dem Jahr 1987 vorgenommen werden sollte, in der Slowakischen Republik jedoch eine Abtreibung nur noch unter gewissen Bedingungen möglich sein sollte. Diese Bedingungen waren bei Gefahr für das Leben der Mutter, Vergewaltigung oder Inzest, Anomalien des Fötus, bei Gefahr für das Leben des Fötus oder ernsten sozialen Nöten, die nicht anderweitig abzuwenden sind. Man befürchtete als Folge einen „Abtreibungstourismus“ in den tschechischen Teil. Daher wurde diese Gesetzesänderungen nicht eingeführt, jedoch üben nach wie vor Gruppen von Abtreibungsgegnern relativ starken Druck auf die Regierung aus.[38] Der Pro-Abtreibungsstandpunkt wird zudem häufig als kommunistisches Erbe angesehen und wird daher direkt mit den ideologischen Kräften der Zerstörung der Familie in Verbindung gebracht.[39] Deshalb unterschreiben heute Politiker, die öffentlich eine antikommunistische Position beziehen wollen, Anti-Abtreibungs- und Pro-Mutterschaftsprogramme.[40]

2.2.8 Frauen auf dem Arbeitsmarkt: Entwicklung nach 1989

Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die ab 1989 stattfanden, hatten großen Einfluss auf die Situation der Frau, sowohl am Arbeitsmarkt als auch in der Familie. Während die Reallöhne sanken, mussten die Frauen weiterhin ihre Familien ernähren und mit ihrem Gehalt zum Haushaltseinkommen beitragen. Zur gleichen Zeit waren ihre Jobs durch eine steigende Arbeitslosigkeit besonders gefährdet. Wie schon vorher erwähnt, wurden die Sozialleistungen und die Unterstützung vom Staat seit Beginn des Reformprozesses schrittweise verringert, was zur Folge hatte, dass die Doppelbelastung der Frau schwieriger zu bewältigen war. Trotz der hohen Teilnahme der Frauen am Arbeitsmarkt unter der kommunistischen Planwirtschaft, blieb die traditionelle Rollenteilung in vielen Familien erhalten, nach welcher die Frau für das tagtägliche Funktionieren des Haushaltes zuständig ist, während der Mann mehr die nur von Zeit zu Zeit auftretenden Aufgaben wie Auto reparieren oder sonstige Instandhaltungsarbeiten übernimmt. Unter diesen Umständen erachteten die meisten Frauen die Veränderung zu einer liberalen Demokratie und zur Marktwirtschaft als das Recht nicht mehr arbeiten zu müssen.[41]

Während der vierzigjährigen kommunistischen Herrschaft war die Arbeitslosigkeit in der Tschechoslowakei äußerst niedrig, der Wandel nach 1989 führte jedoch zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Obwohl nach Beginn des Reformprozesses generell ein massiver Rückzug von Frauen vom Arbeitsmarkt erwartet wurde, zeigen statistische Quellen, dass der Anteil der weiblichen Beschäftigten nur wenig zurückgegangen ist. In der Tschechischen Republik betrug der Rückgang von 1989 bis 1994 0,6 Prozentpunkte, der seitdem zwar jährlich variiert, jedoch keinen größeren Schwankungen ausgesetzt ist.

Die Reduktion der Beschäftigung von Frauen im Pensionsalter (älter als 55) war jedoch signifikant hoch, wobei dieser Trend in gleichem Ausmaß auch bei den Männern zu bemerken ist. Die Beschäftigung der aktiv am Arbeitsprozess teilnehmenden Bevölkerung nahm in den Jahren der Reformen viel weniger stark ab, nämlich nur 3,6 Prozentpunkte, wobei 2,9 % auf Männer und 4,1 % auf Frauen entfallen. Die Hauptschlussfolgerung, die aus diesen Daten gezogen werden kann, ist, dass in den frühen Jahren der Reformen mehr das Alter als das Geschlecht ein Bestimmungsfaktor für Arbeitskraftreduktion war. Ältere Frauen hatten bei der Suche nach neuer Anstellung auch um einiges mehr Probleme. Da die Firmenumstrukturierung und Privatisierung oft einen erheblichen Trainingsaufwand für die Unternehmen bedeutete, erschien unter solchen Umständen Training für ältere Frauen vielen Unternehmern zu teuer. Aufgrund eines früheren Pensionsalters für Frauen waren Frauen weniger dazu berechtigt, solche Trainings in Anspruch zu nehmen als Männer. Viele Frauen gingen in der Folge auch aus familiären Gründen verfrüht in Pension, um sich um ihre Enkelkinder zu kümmern oder in einem Familienbetrieb als Buchhalterinnen oder Verkäuferinnen mitzuhelfen.[42]

Bei einer von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf in Auftrag gegebenen Studie zu Beginn der Reformen, nachdem die Arbeitspflicht aufgehoben worden war, wurde die Einstellung der Frauen zu einer bezahlten Beschäftigung erfragt. Dabei meinten nur 28% der verheirateten Frauen, dass sie bereit wären, ihren Job aufzugeben, wenn ihr Ehemann genug verdienen würde. Auf der anderen Seite wollten 40 % der Frauen auf keinen Fall eine Hausfrauenposition einnehmen. Jedoch meinten 43% der Männer, dass sie es definitiv bevorzugen würden, wenn ihre Frau zu Hause bleiben würde, wenn sie es sich vom Haushaltseinkommen leisten könnten. Nur 23% wollten, dass ihre Frau in diesem Fall weiterarbeitet. Die Umfrage zeigte, dass die Berufstätigkeit unter Frauen mit höherer Schulbildung um einiges erwünschter war. Die Bereitschaft, zu Hause zu bleiben war am größten unter Frauen mit einem Alter zwischen 18 und 29, die sich um ihre Kinder kümmerten und bei Frauen im Pensionsalter. Frauen zwischen 30 und 54 zeigten eine deutliche Präferenz in Richtung Berufstätigkeit.

Die Arbeitslosigkeit traf verschiedene Wirtschaftssektoren und Berufskategorien auf unterschiedliche Weise. In der Tschechoslowakei gingen die meisten Arbeitsplätze im Schwermaschinenbau und im Baugewerbe verloren. Die Tatsache, dass Frauen hauptsächlich im Dienstleistungssektor vertreten waren, insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheit und soziale Dienste, scheint nicht darauf hinzudeuten, dass sie von Arbeitslosigkeit besonders betroffen waren. Der kleine Prozentsatz in der Schwerindustrie beschäftigter Frauen arbeitete jedoch in Verwaltungspositionen, wo in erheblichem Umfang Arbeitsplätze abgebaut wurden. Die Arbeitslosigkeit verlagert sich verstärkt von den „männlichen“ auf die „weiblichen“ Sektoren, was sich darin ausdrückt, dass die Frauen stärkerem Konkurrenzkampf um die Arbeitsplätze ausgesetzt sind in Sektoren, die bisher von Männern nicht in Betracht gezogen wurden.[43]

Da die Arbeitslosigkeit 1989 ein relativ neues Phänomen war, ist es interessant, zu sehen, wie Männer und Frauen in der Tschechischen Republik damit umgehen. Eine weitere von der ILO in Auftrag gegebene Studie, die 1992 in der Tschechischen Republik durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass 76% der befragten Frauen aus finanziellen Gründen, um ein zweites Einkommen zu haben, einer beruflichen Tätigkeit nachgingen, was ein deutlich höherer Prozentsatz war als bei Umfragen in westeuropäischen Ländern. Im Februar 1991 betrachteten die Mehrheit der Frauen (51%) ihren Job als bedroht, wobei 38% ihre Position als eher gefährdet ansahen und 13% als sehr gefährdet, Nur 5% der Frauen hielten ihren Job für vollkommen sicher, während 50% der Männer ihre Jobs als mehr oder weniger sicher einstuften. Frauen in ländlichen Gebieten und kleineren Städten genauso wie solche mit einer geringeren Ausbildung waren allgemein pessimistischer als Frauen mit Universtätsabschluss.[44]

Danach gefragt, was sie tun würden, wenn sie ihren Job verlieren würden, sagte die Mehrheit der Frauen (47%), dass sie nach einem ähnlichen Job suchen würde und nur 6% erklärten, dass sie zu Hause bleiben würden. Bei der Frage, ob sie im Fall von Jobverlust eine geringere Bezahlung akzeptieren würden, bejahten 42%, 48% verneinten dies und 10% gaben keine Antwort. Im Februar 1992 sahen nur noch 44% ihren Job als gefährdet an und 9% waren sich ihres Jobs vollkommen sicher, was auf eine deutlich gestiegene Jobsicherheit schließen lässt. 1992 waren ca. ein Fünftel der Frauen bereit, ihren Job freiwillig zu verlassen oder zu Selbstständigkeit zu wechseln, das waren bedeutend mehr als das Jahr zuvor.[45]

In einer anderen Umfrage der ILO im Jahre 1993 wurden Manager von verschiedenen Unternehmen nach ihren Kriterien bei Entlassungen aus Rationalisierungsgründen befragt. Nach dem am wenigsten produktiven Arbeitern reihten tschechische Manager Frauen als zweite Entlassungsgruppe, noch vor gerade neu angestellten Arbeitern. Männer und sonstige Gruppen wurden als letzte gereiht. Das zeigt, dass es sehr wohl geschlechtsspezifische Unterschiede bei Entlassungen und generell bei den Berufschancen gab und wohl auch in nächster Zukunft noch geben wird.[46]

Die nächste Frage, die Managern gestellt wurde, war, ob sie Männer oder Frauen als unterschiedlich geeignet für verschiedene Berufe ansehen. Die Mehrheit der tschechischen Manager betrachteten Männer und Frauen als gleich gut geeignet für fünf von acht Berufen, das waren: Verwaltungs- und Führungsaufgaben, technische Berufe, manuelle Arbeit und Kontrollfunktionen. In den anderen Fällen bevorzugten sie Männer besonders im Bereich von Instandhaltungsfunktionen. Die Präferenzen der Führungskräfte unterschieden sich jedoch deutlich nach Industriesektoren. In der Schwerindustrie wurden Männer klar bevorzugt und sogar in der Leicht- und Konsum­industrie sagten mehr als die Hälfte, dass sie Männer für geeigneter hielten.

Als nächstes sollten die befragten Manager die berufliche Leistung von Männern und Frauen nach verschiedenen Kriterien bewerten. Bei den Kriterien Produktivität, Anwesenheit, Pünktlichkeit und Commitment zur Firma wurden beide Geschlechter von der Mehrheit gleich bewertet. Bei allen anderen Kriterien insbesondere in Hinsicht auf technische Fähigkeiten, Führungsqualität und der Bereitschaft Überstunden zu machen, lagen Männer deutlich vor Frauen.[47]

Auf die Frage, ob familiäre Verpflichtungen einen Effekt auf die Rekrutierungschancen von Männern und Frauen haben, verneinten dies alle Befragten in Bezug auf Männer und einige betrachteten es sogar als Vorteil. Verheiratet zu sein wurde sowohl bei Männern als auch bei Frauen als positiv angesehen. Jedoch sagten 80 Prozent der tschechischen Manager, dass ein Kind unter 6 Jahren ein großes Handicap für Frauen sei und 33 Prozent sahen auch ein Kind zwischen 6 und 15 Jahren als einen deutlichen Nachteil an.Weiters meinten 57 Prozent der Manager, dass der Hauptgrund, warum tschechische Frauen nicht so oft befördert werden, familiär bedingt sei, 15 Prozent verwiesen auf speziell weibliche Verhaltensweisen als Grund der Nichtbeförderung.[48]

2.2.9 Frauen und Unternehmertum

Der Privatisierungsprozess hatte unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer in der Tschechischen Republik. Nach fünf Jahren Wandel konnte gesehen werden, dass um einiges weniger Frauen in die Privatwirtschaft gingen als Männer. Aufgrund ihrer Tendenz im öffentlichen Sektor angestellt zu bleiben, kam es dort zu einer deutlichen Überrepräsentanz von Frauen. Während Männer eher dazu neigen, eigene Initiative zu ergreifen und eigene Firmen zu gründen. In Tschechien ist der Anteil der Frauen im öffentlichen Bereich von 46% im Jahre 1989 auf 53% im Jahre 1994 gestiegen.

Gründe dafür, dass Frauen relativ unterrepräsentiert im privaten Bereich und überrepräsentiert im öffentlichen Sektor sind, sind die im Durchschnitt geringere Wochenarbeitszeit im öffentlichen Sektor, die den Frauen mehr Zeit für Haushalt und Familie lassen. Außerdem erweist sich jeder Jobwechsel als schwierig in der Koordination der täglichen Routinearbeit für Familie und Hauhalt. Dazu kommt im öffentlichen Sektor die völlige Unabhängigkeit vom Arbeitsplatz bzw. Arbeitgeber nach offiziellem Arbeitsschluss, was in kleineren Privatunternehmen oder im eigenen Unternehmen nicht gegeben ist.

Ein weiterer Faktor bei der Gründung des eigenen Unternehmens sind natürlich Hindernisse, die alle Unternehmer in der Tschechischen Republik bewältigen müssen wie Kapitalmangel, ungenügenden Zugang zu Krediten, Probleme geeignetes Managementpersonal zu finden, hohe Zinsen, relativ hohe Steuern und laufend sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen. Laut der Umfrage 1992 war es für Frauen jedoch besonders schwierig Zugang zu genug Startkapital zu bekommen. Zwei Drittel der Befragten erklärten, dass sie auf familiäre Unterstützung angewiesen waren. Die meisten Banken und Finanzeinrichtungen verlangten eine Unterstützung des Ehemanns oder der Familie für einen Kredit.

Diese Tatsache, dass Frauen zu einem bedeutend geringeren Prozentsatz unternehmerisch tätig sind, wird sicherlich längerfristige Konsequenzen für den Einkommensstandard und den Wohlstand der Frauen im Gegensatz zu Männern haben, da in jedem Land die Privatwirtschaft und das Unternehmertum ein wichtiger Zugang zu Macht und Ressourcen ist, vor allem da sich in den ehemaligen Ostblockländern die Privatisierungswelle als einzigartige Chance geoffenbart hat.[49]

Generell ist zu erwarten, dass der Prozentsatz der am Arbeitsmarkt beteiligten Frauen trotz kleinem Rückgang relativ hoch bleiben wird. Einige Frauen werden sich entscheiden, sich mehr dem Haushalt und ihrer Familie zu widmen, während andere sich nicht aus der Arbeitswelt zurückziehen wollen und sich daher dringend verbesserte Infrastruktur von Kindergärten und Tagesstätten wünschen. In Anbetracht der relativ hohen Statusunterschiede zwischen verschiedenen Berufen, sollte überlegt werden, den Status und die Entlohnung einiger typischen Frauenberufe aufzuwerten, insbesondere die Löhne von Krankenpflegern und Lehrern sollten im Bezug auf ihre soziale Bedeutung angehoben werden.[50]

2.2.10 Politische Beteiligung

Vor dem Umbruch 1989 war vom kommunistischen Regime eine Frauenquote von 30% im tschechischen Parlament vorgeschrieben. Dieser Anteil wurde auch erfüllt, wobei auch hier wie am Arbeitsmarkt die tatsächliche Entscheidungskraft und die Höhe der Positionen geringer ausfiel als die der Männer. Bei den Wahlen 1992 erreichten Frauen nur noch 9,5% der Sitze, was einen drastischen Rückgang des politischen Engagements mit Wegfall der Quotenregelung erkennen lässt.[51] Auch in den Gemeinderäten waren 1990 nur noch 16,7 % Frauen vertreten und neben der Tatsache, dass es keine einzige tschechische Ministerin gab, waren nur zwei von 51 stellvertretenden Ministern Frauen. Dieser sinkende Anteil wird von vielen Machtvertretern als Rückkehr zur normalen demokratischen, politischen Kultur angesehen. Dadurch wird jedoch ein falscher politischer Mythos geschaffen, dass eine höhere Frauenbeteiligung auf politische Manipulation hindeute.[52]

Die Gründe für die geringe Repräsentanz von Frauen in der Politik liegen vor allem in den Vorbehalten, die die Gesellschaft Frauen entgegengebracht hat, die sich im Rahmen des sozialistischen Aufbaus durchsetzten und einen quantitativ höheren Anteil erreichten als Männer in dem Bereich. Sie wurden im Normalfall wieder auf das Niveau der Männer zurückgestellt und mussten meist ein sinkendes Sozialimage in Kauf nehmen. Gründe dafür lagen hauptsächlich im strukturellen und politischen System. Die politische Apathie der tschechischen Frauen weist aber einige besondere Merkmale auf, da sie sich weder in ihrem Beruf noch in ihren Familien apathisch verhalten. In der Bürgerrechtsbewegung sowie den unpolitischen Initiativen der Umbruchperiode zwischen November 1989 und den demokratischen Wahlen im Juni 1990 haben die Frauen einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung demokratischer Ordnungsstrukturen geleistet. Sie gerieten erst wieder ins Abseits mit der Aufstellung der Kandidatenlisten für die Parlaments- und Kommunalwahlen, da sie auf praktisch aussichtslose Listenplätze gesetzt wurden.[53]

Nach den ersten Wahlen verwandelten sich die Bürgerinitiativen entweder in Parteien oder lösten sich auf, nur wenige blieben bestehen. Das Netzwerk der heute ca. 30 Fraueninitiativen ist nicht gerade eng geknüpft. Die weibliche Bevölkerung in der Tschechischen Republik lässt sich laut Marie Cermakova in Bezug auf ihre politische Aktivität folgendermaßen charakterisieren:

Typ A: 5% der Frauen verfügen über ein hohes Potential an Bildung, Intelligenz und Zielorientiertheit und arbeiten auch aktiv mit in der Politik.
Typ B: 10% der Frauen verfügen über ein gleiches Maß an Bildung, Intelligenz und Zielorientiertheit wie die zuvor genannten, lehnen politisches Engagement jedoch ab. Viele dieser Frauen sind freiberuflich oder in führenden Positionen von privaten Unternehmen tätig.
Typ C: 15% der Frauen verfügen über ein mittleres Maß an Bildung und Intelligenz, haben nicht die für politisches Engagement erforderlichen Fähigkeiten und sind politisch offenkundig desinteressiert.
Typ D: 70% der Frauen verfügen über einen relativ geringen Grad an Bildung und sind außerdem politisch desinteressiert. Sie zweifeln oft sowohl an ihrem persönlichen Potential als auch am Potential von Frauen im allgemeinen.[54]

Männer sind laut einer Umfrage des Open Media Research Institute (OMRI) durchschnittlich doppelt so interessiert an Politik wie Frauen (Tabelle 5).

Tabelle 5: Wie interessiert sind Sie allgemein gesprochen an Politik? Prozentsatz derjenigen, die „sehr interessiert“ antworteten: [55]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.11 Zusammenfassung

Die tschechischen Frauen waren seit Ende des Zweiten Weltkrieges gesetzlich den Männern gleichgestellt. Durch die Unterzeichnung der internationalen Konventionen der ILO wurde gleiche Bezahlung und ein Diskriminierungsverbot von Frauen gegenüber Männern rechtlich festgelegt. Die reale Umsetzung weist jedoch bis heute noch Schwächen auf. In den folgenden Jahren schuf das kommunistische Regime alle rechtlichen Rahmenbedingungen wie Abtreibungsgesetze, Mutterschaftshilfe sowie Sozialprogramme, um den Frauen eine Teilnahme am Arbeitsmarkt verbunden mit einer Mutterrolle zu ermöglichen. Dadurch wuchs zwar der Prozentsatz der weiblichen Erwerbstätigen, der Frauenanteil war jedoch besonders groß in Dienstleistungssektoren und in eher schlechter bezahlten und weniger verantwortungsvollen Positionen. Demnach waren Frauen in der Tschechoslowakei hinsichtlich Erwerbstätigkeit genauso benachteiligt wie westliche Frauen, wobei die Motivation der Frauen zur Arbeit nicht die Erlangung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Unabhängigkeit war, sondern ein Zwang, der durch insgesamt zu geringe Löhne zum Erhalt der Familie ausgeübt wurde.

[...]


[1] Damek, 1993, S. 5

[2] Breuilly, 1993, S. 132-133

[3] Von Preradovich, 1993, S. 12-13

[4] Rehder, 1992, S. 738ff

[5] The World Bank, 1991, S. 1

[6] Teichova, 1997, S. 25-27

[7] Teichova, 1997, S. 28

[8] Rehder, 1992, S. 738ff

[9] Rehder, 1992, S. 738ff

[10] Europäisches Parlament, 1996, S. 5

[11] Europäisches Parlament, 1996, S. 5

[12] Artikel 27, Verfassung der Tschechoslowakei

[13] Europäisches Parlament, 1996, S. 6

[14] Potucek, Journal of European Social Policy 3 (Nr. 3 93): S 210

[15] Europäisches Parlament, 1996, S. 9-10

[16] Europäisches Parlament, 1996, S. 11, Tabelle 3

[17] Die Weltbank, 1992, S. 38

[18] Europäisches Parlament, 1996, S. 11, Tabelle 3

[19] Europäisches Parlament, 1996, S. 15

[20] Mulholland, 1992, S. 14

[21] Janu, 1994, S. 49

[22] Europäisches Parlament, 1996, S. 15

[23] Europäisches Parlament, 1996, S. 22

[24] Europäisches Parlament, 1998, S. 17

[25] Europäisches Parlament, 1996, S. 22

[26] Le Travail dans le Monde, 1994, S. 113

[27] Europäisches Parlament, 1998, S. 33

[28] Europäisches Parlament, 1998, S. 35

[29] Europäisches Parlament, 1998, S. 34

[30] Kreisky, E., 1996, S. 79

[31] Kreisky, E., 1996, S. 80

[32] Kreisky, E., 1996, S. 80

[33] Kreisky, E., 1996, S. 81

[34] Europäisches Parlament, 1998, S. 34

[35] Europäisches Parlament, 1996, S. 25

[36] Eichhorn, 1993, S. 59

[37] Europäisches Parlament, 1996, S. 26

[38] Europäisches Parlament, 1996, S. 28

[39] Rolston, Eggert, 1993, S.10

[40] Kligman, 1994, S.266

[41] Paukert, 1995, S.1

[42] Paukert, 1995, S.6

[43] Europäisches Parlament, 1996, S. 34

[44] Paukert, 1995, S.11-12

[45] Paukert, 1995, S.12-13

[46] Paukert, 1995, S.28

[47] Paukert, 1995, S.30

[48] Paukert, 1995, S.32

[49] Paukert, 1995, S.19-20

[50] Paukert, 1995, S. 35-36

[51] Europäisches Parlament, 1998, S. 35

[52] Kreisky, 1996, S.73

[53] Kreisky, 1996, S.74

[54] Kreisky, 1996, S.75

[55] Umfrage des Open Media Research Institute in Gigli, S. 1995, S. 18

Details

Seiten
138
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832472207
ISBN (Paperback)
9783838672205
Dateigröße
757 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien – Betriebswirtschaft
Note
1,0
Schlagworte
feminismus osteuropa gesellschaft rollenbilder

Autor

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Titel: Karriere- und Familienplanung tschechischer und österreichischer Frauen