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Sri Lanka nach dem Bürgerkrieg - die neue Erholungsdestination

Chancen und Risiken auf dem deutschen Markt

Diplomarbeit 2003 65 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Darstellungsverzeichnis

1 Grundlegung
1.1 Untersuchungsdesign
1.1.1 Erhebungsdesign
1.1.2 Auswertung
1.2 Fragestellung
1.3 Gang der Untersuchung
1.4 Begriffsdefinitionen

2 Einführung zu Sri Lanka
2.1 Geschichte
2.1.1 Antike Zivilisationen
2.1.2 Kolonialzeit
2.1.3 Unabhängigkeit
2.1.4 Bürgerkrieg
2.2 Das Land
2.2.1 Der Großraum Colombo
2.2.2 Die Südküste
2.2.3 Die Ostküste
2.2.4 Landesinnere/Bergland
2.2.5 Der Norden
2.3 Beherbergung
2.4 Transport
2.5 Anreise

3 Der deutsche Markt für Reisen in ferne Entwicklungsländer
3.1 Faktoren einer Beeinflussung der Nachfrage
3.1.1 Soziodemographische Veränderungen
3.1.2 Verändertes Reiseverhalten
3.2 Der Dritt-Welt-Reisende

4 Chancen Sri Lankas auf dem deutschen Markt
4.1 Badetourismus
4.1.1 Angebot
4.1.2 Potential
4.2 Gesundheitstourismus/Ayurveda
4.2.1 Angebot
4.2.2 Potential
4.3 Sporttourismus
4.3.1 Angebot
4.3.2 Potential
4.4 Öffnung neuer Regionen für den Tourismus
4.4.1 Die Ostküste
4.4.2 Der Norden
4.5 Veränderung des Angebots in Deutschland
4.6 Kombinierte Reisen mit den Malediven und Südindien
4.7 Individualreisen

5 Risiken Sri Lankas auf dem deutschen Markt
5.1 Wiederauflebung des Konfliktes
5.2 Trend zu Reisen im Inland
5.3 Imageproblem
5.4 Konkurrenz anderer Destinationen
5.5 Krankheiten im Zielgebiet

6 Auswirkungen einer weiteren Entwicklung auf Sri Lanka

7 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang 1: Karte von Sri Lanka

Anhang 2: Fragebogen

Vorwort

Sri Lanka, die Perle im indischen Ozean.

Anfang 2003 hatte ich die Gelegenheit durch ein mehrmonatiges Praktikum auf dieser zweifellos einzigartigen Insel das Land intensiv kennen zulernen. Von Anfang an zog mich die Insel mit ihrem riesigen kulturhistorischem Angebot, der wunderschönen Landschaft in verschiedensten Klimazonen, und vor allem den freundlichen Einheimischen, in ihren Bann. Das große touristische Potential der Insel veranlasste mich dazu, meine Diplomarbeit diesem Land zu „widmen“, um die Möglichkeiten einer Entwicklung des Zielgebietes Sri Lanka auf dem deutschen Markt genauer zu untersuchen.

Da der Großteil der verwendeten Literatur und die meisten Informationsquellen aus der Zeit vor dem 11. September 2001 stammen, sind viele Zahlen und Zukunftsaussichten der Touristikbranche mit Risiken behaftet. Durch die sich seit einigen Jahren verändernde weltpolitische Lage in manchen Regionen dieser Erde ist es zur Zeit schwer verlässliche Vorraussagen für die Branche zu geben, was wegen der ohnehin schwierigen Lage im Land im ganz speziellen für Sri Lanka als Urlaubsland gilt. Diese Aspekte bitte ich den Leser immer im Gedächtnis zu behalten und die Informationen durchaus kritisch zu betrachten.

Folgenden Personen möchte ich für ihre persönliche Auskunft und Informationsbereitstellung danken:

- Herr Dietmar Döring, A.G.S.E.P.
- Herr D. K. R. Dharmapala, Lanka Sportreizen
- Herr Gehan M. Perera, Aitken Spence Travels Ltd.
- Herr M. B. Kiriella, Sri Lanka Tourist Board
- Herr Rainer Benz, Sri Lankan Airlines

Mein ganz besonderer Dank gilt vor allem den verschiedenen Reiseveranstaltern, die sich bereit erklärt haben, an der durchgeführten Umfrage teilzunehmen:

- ACS Touristik, Nürnberg
- Advantage Reisen, Berlin
- Aytour, Starnberg
- Djoser Reisen, Köln
- Dschungel & Meer, Minden
- East-Asia Tours, Berlin
- FTI Touristik, München
- Galka Golden Tours, Kiel
- Gebeco, Kiel
- Hartmann Reisen, Weinstadt
- Marco Polo Reisen, München
- Thomas Cook, Oberursel
- TUI Deutschland, Hannover

Als Zusatz zu der vorliegenden Arbeit wurde folgende Internetseite eingerichtet: http://www.duewel.privat.t-online.de

Hier stehen den interessierten Lesern zusätzliche Informationen rund um Sri Lanka zur Verfügung, die den Rahmen der Arbeit sprengen und zu weit vom eigentlichen Thema abschweifen würden.

Ich hoffe mit der vorliegenden Arbeit einen möglichst guten Überblick über die touristischen Möglichkeiten Sri Lankas besonders auf dem deutschen Markt zu geben und das vielleicht auch das Interesse des Lesers geweckt oder gesteigert zu haben.

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1: Beurteilung der Entwicklung

Darstellung 2: Entwicklungspotential

Darstellung 3: Potential Badeurlaub

Darstellung 4: Potential Individualreisen

Darstellung 5: Potential Ayurveda

Darstellung 6: Potential Bildungsreisen

Darstellung 7: Potential Kombireisen

Darstellung 8: Potential Sportreisen

Darstellung 9: Bedeutung Sri Lankas für Unternehmen

Darstellung 10: Steigerung der Bedeutung Sri Lankas

Darstellung 11: Zukunftspläne der Unternehmen

Darstellung 12: Aktuelle Schwierigkeiten

Darstellung 13: Besonderheiten und Attraktionen

Darstellung 14: Beurteilung Flugangebot

Darstellung 15: Angebote Ayurveda

Darstellung 16: Angebote Sportreisen

Darstellung 17: Lage Sri Lankas

Darstellung 18: Beherbergungsangebot 2001

Darstellung 19: Monatliche Belegungsraten 2001 nach Region

Darstellung 20: Präferenzen der Reisenden in Entwicklungsländerfernziele

Darstellung 21: Typologie des Dritt-Welt-Reisenden

Darstellung 22: Entwicklung deutscher Ankünfte

Darstellung 23: Entwicklung der Inlandreisen

Darstellung 24: Einfluss der Terrorgefahr auf die Reiseentscheidung

1 Grundlegung

Durch die 20jährigen Auseinandersetzungen zwischen den zwei Hauptvolksgruppen, den Singhalesen und den Tamilen, konnte sich der Tourismus in Sri Lanka nie in dem Maße entwickeln wie in anderen vergleichbaren Ländern, wodurch bis heute auch relativ wenige Studien und brauchbare Informationen über die touristischen Aspekte des Landes existieren. Um einen möglichst verlässlichen Überblick über die aktuelle touristische Entwicklung und die Perspektiven des Landes auf dem deutschen Markt zu erhalten, wurde eine Umfrage unter deutschen Reiseveranstaltern unternommen.

1.1 Untersuchungsdesign

1.1.1 Erhebungsdesign

Durchgeführt wurde die Umfrage in schriftlicher Form im März und April 2003. Bei einer Rücklaufquote der Fragebögen von 55% nahmen 13 Veranstalter an der Umfrage teil, wobei sämtliche befragten Unternehmen das Zielgebiet Sri Lanka in ihrem aktuellen Angebot führen und daher repräsentative Aussagen über die Entwicklung dieses Zielgebietes liefern konnten. Ein Muster des verwendeten Fragebogens ist im Anhang dieser Arbeit zu finden.

Das Ziel dieser Umfrage war es, die aktuellen Einschätzungen verschiedener Experten über die Möglichkeiten einer weiteren Entwicklung des Tourismus in Sri Lanka nach Beendigung des Bürgerkrieges zu erhalten.

In dem folgenden Gliederungspunkt werden die Ergebnisse dieser Umfrage graphisch ausgewertet.

1.1.2 Auswertung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 1: Beurteilung der Entwicklung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 2: Entwicklungspotential

Frage 3: Welches Potential haben Ihrer Meinung nach folgende

Urlaubs-/Reisearten in Sri Lanka?

(von 1 = sehr großes Potential bis 6 = kein Potential

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 3: Potential Badeurlaub

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 4: Potential Individualreisen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 5: Potential Ayurveda

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 6: Potential Bildungsreisen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 7: Potential Kombireisen

Darst. 8: Potential Sportreisen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 9: Bedeutung Sri Lankas für Unternehmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 10: Steigerung der Bedeutung Sri Lankas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 11: Zukunftspläne der Unternehmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 12: Aktuelle Schwierigkeiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 13: Besonderheiten und Attraktionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 14: Beurteilung Flugangebot

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 15: Angebote Ayurveda

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 16: Angebote Sportreisen

Quelle aller Darstellungen: eigene Erhebung

1.2 Fragestellung

(1) Welche Möglichkeiten ergeben sich nach der Beendigung des Bürgerkrieges in Sri Lanka auf dem deutschen Touristikmarkt?

(2) Welche Faktoren können in Zukunft einer weiteren Ausweitung des Angebots entgegenwirken?

1.3 Gang der Untersuchung

Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit einer kurzen Vorstellung der verschiedenen Regionen auf der Insel und gibt einen Überblick über die derzeitige Situation der touristischen Infrastruktur des Landes. Im darauffolgenden Kapitel wird der deutsche Markt für Reisen in ferne Entwicklungsländer näher untersucht, um das grundsätzliche Potential von Reisen nach Sri Lanka besser einschätzen zu können. Der vierte und fünfte Abschnitt behandelt die Chancen und Risiken des Landes auf dem deutschen Markt. Abschließend wird eine Übersicht über die Auswirkungen einer weiteren touristischen Entwicklung auf das Land Sri Lanka gegeben. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse beschließt die Arbeit.

1.4 Begriffsdefinitionen

Der Begriff „Chance“ bezieht sich in der Arbeit auf die Möglichkeiten, die das Zielgebiet Sri Lanka für deutsche Reiseveranstalter bietet.

Mit „Risiken“ sind die Gefahren und Wagnisse bezeichnet, die eine Engagement dieser Veranstalter in dem Land unter Umständen negativ beeinflussen oder entgegenwirken können.

2 Einführung zu Sri Lanka

Um das touristische Potential einer weiter Entwicklung eines Landes und die damit verbundenen Risiken richtig einschätzen zu können, ist es unabdinglich, einige grundlegende Dinge über das Land zu wissen. Deshalb wird im folgenden Teil der Arbeit ein kurzer Überblick über die Geschichte Sri Lankas und die verschiedenen Regionen der Insel gegeben, um ein besseres Verständnis über die Gegebenheiten des Landes zu erlangen. Eine Karte im Anhang der Arbeit zeigt die genaue geographische Lage einzelner Orte und Regionen.

2.1 Geschichte

Sri Lankas Geschichte ist äußerst vielfältig und reicht zurück bis in eine ferne Vergangenheit, in der Geschichte und Mythen miteinander verschmelzen. Einst durch die vielen exotischen Gewürze und andere Naturprodukte reich geworden, haben die Auseinandersetzungen zwischen Singhalesen und Tamilen das Land gespalten und eine konstante wirtschaftliche Entwicklung lange Jahre unmöglich gemacht. Nachfolgend werden die vier für das heutige Verständnis wichtigsten Punkte in der Geschichte der Insel näher erläutert.

2.1.1 Antike Zivilisationen

Erste Aufzeichnungen über das Land existieren aus dem 5. Jh. v. Chr., als buddhistische Mönche ihre geschichtlichen Niederschriften auf Palmblättern begannen. Ab dem 3. Jh. v. Chr. kamen die ersten tamilischen Siedler aus Indien und ließen sich im Norden und Osten der Insel nieder. Heute stellen die Tamilen etwa 19% der Bevölkerung Sri Lankas.

Durch den pazifistischen Glauben war die singhalesische Mehrheit auch leicht verwundbar, und so war es ein leichtes für die Tamilen im 2. Jh. v. Chr. die Herrschaft über die Insel zu gewinnen. Erst hundert Jahre später folgte die Befreiung der Singhalesen von der tamilischen Herrschaft und die erste Vereinigung Lankas unter einem gemeinsamen Herrscher.

Es folgten etwa 500 Jahre, die von der Kurzlebigkeit verschiedenster Könige und Königinnen geprägt waren. Viele wurden von ihren Nachfolgern ermordet, einige begingen Selbstmord, wurden gestürzt oder fielen in Schlachten. Im dritten Jahrhundert folgte die erste Blütezeit von Anuradhapura als Hauptstadt, kurz darauf wurde die Festung Sigiriya als neue Hauptstadt errichtet. In dieser Zeit taucht auch Polonnaruwa erstmals kurzzeitig als Hauptstadt des Landes auf, der Großteil der Geschichte spielt sich zu dieser Zeit jedoch in Anuradhapura ab, das mehrere Male geplündert und wieder aufgebaut wurde.

Ab dem Jahre 1000 begann die sogenannte Polonnaruma-Periode, in der die Stadt in ihrer Blütezeit stand. Erste umfangreiche Bewässerungssysteme wurden angelegt um die Landwirtschaft unabhängiger von den Monsunzeiten zu machen. Im 13. Jahrhundert wurde auch Polonnaruwa zerstört und letztendlich nicht wieder aufgebaut. Es folgten 200 Jahre der kurzlebigen Hauptstädte, in der die Hauptstadt durch die verschiedensten Könige ein ums andere Mal verlegt wurde. Die bekanntesten Orte dieser Zeit sind Yapahuwa und Gampola. Durch das unabhängige tamilische Königreich im Norden, und die damit verbundene Aufspaltung, war die Insel vom 13. bis 15. Jahrhundert leichte Beute für Eindringlinge.

2.1.2 Kolonialzeit

Vereinzelt fanden Europäer schon zu griechisch-römischen Zeiten nach Lanka. Doch erst Marco Polos Beschreibung „besser als jede andere Insel der Welt“[1] beschied dem Eiland Aufmerksamkeit in Europa. Anfang des 16. Jahrhunderts erschienen erstmals portugiesische Flotten vor der Westküste und besetzten weite Teile der Küstenregion. Während der Herrschaft der Portugiesen zogen sich die Singhalesen in die Bergregionen im Landesinneren zurück und gründeten in Kandy ihre neue Hauptstadt. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die portugiesische Kolonialmacht nach einem blutigen Kampf durch die Holländer abgelöst. Die neuen Kolonialherren begannen einen regen Handel mit den Einheimischen und führten einige europäische Neuerungen wie zum Beispiel ein neues Rechtssystem ein. Ende des 18. Jahrhunderts wurden sie wiederum von den Briten vertrieben, die offiziell die Kronkolonie Ceylon ausriefen. Die Ankunft der Briten stellte eine der wichtigsten Weichen für Sri Lanka, sieht man doch noch heute unzählige Überreste der britischen Kolonialzeit im Alltagsleben. Lange wurde die Kolonie als die „der Welt kostbarster Kolonialbesitz“[2] bezeichnet. In den ersten Jahrzehnten existierte sowohl die britische Kronkolonie Ceylon als auch das Königreich von Kandy auf der Insel, es kam immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen.

Im Jahr 1815 wurde dann der letzte Herrscher des Königreiches Kandy abgesetzt und die gesamte Insel wurde unter englische Kontrolle gestellt. Es folgten viele für die heutige Zeit sehr wichtige Neuerungen. Die bis dahin sehr schlechten Straßen wurden ausgebaut, das Bildungssystem wurde dem britischen angeglichen und die ersten Teeplantagen entstanden in den Bergregionen, der Tee wurde in den darauffolgenden Jahren zum wichtigsten Exportgut und ist auch heute noch eines der wichtigsten Exportgüter des Landes. Diese Teeplantagen brachten auch eine weitere Einwanderungswelle von indischen Tamilen, die als Arbeiter auf den Plantagen benötigt wurden. Damit wurde jedoch auch ein weiterer Grundstein des heutigen Konfliktes zwischen Singhalesen und Tamilen gelegt, der heute immer noch das Land beherrscht.

Auch Ceylon wurde durch die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges nicht verschont, nachdem Japan 1942 bis nach Birma vorgedrungen waren stand die Insel plötzlich mitten in der Frontlinie. Die Briten richteten in Trincomalee eine ihrer wichtigsten Kommandozentralen in Asien ein und nutzten die Insel als Sprungbrett in den Osten Asiens.

2.1.3 Unabhängigkeit

Mit Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Weichen für eine Unabhängigkeit Ceylons gestellt, bereits 1948 erkannte England die Unabhängigkeit des Landes offiziell an. Als erste frei gewählte Partei kam die United Nation Party (UNP) an die Macht übernahm viele der von den Briten eingeführten Strukturen, viele Jahre lang galt das Land dann als Musterbeispiel einer ehemaligen Kolonie. Die während der Kolonialzeit aufblühende Wirtschaft erlebte jedoch durch die international sehr geringe Nachfrage nach dem begrenzten Sortiment an Naturprodukten ein plötzliches Ende des Aufschwungs, und die ersten Auseinandersetzungen mit Indien über die Rückführung tamilischer Plantagenarbeiter stellten den Anfang des bis heute andauernden Konfliktes zwischen Tamilen und Singhalesen dar. Als unter der kurz zuvor an die Macht gekommene Sri Lanka Freedom Party (SLFP) 1956 Singhalesisch als offizielle Landessprache erklärt wurde und die singhalesische Mehrheit weitere Privilegien erhielt, kam es zu ersten gewaltsamen und blutigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Volksgruppen, die Tamilen begannen einen eigenen Staat im Norden und Osten der Insel zu fordern.

In den folgenden 15 Jahren erlebte die Insel ein stetigen Wechsel an Premierministern, 1960 wurde S. Bandaranaike, die Witwe des zuvor ermordeten Premierministers, zur ersten Premierministerin der Welt erklärt, 1972 wird die Republik Sri Lanka ausgerufen[3].

2.1.4 Bürgerkrieg

Das Jahr 1983 markierte eine tragische Wende in der Geschichte Sri Lankas. Nach einem Überfall tamilischer Guerillas auf eine Militärpatrouille als Racheakt für den Tod eines militanten Tamilen, kam es zu dem sogenannten „Schwarzem Juli“, in dessen Folge Hunderte Menschen auf beiden Seiten getötet und etwa 100.000 Tamilen in Lagern interniert wurden. Separatistenparteien wurden verboten und die gerade aufstrebende Wirtschaft und vor allem der Tourismus erlebte den totalen Zusammenbruch. Als Reaktion auf diese Ereignisse wurden die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gegründet, die fortan zunehmend für die Abspaltung des hauptsächlich von Tamilen bewohnten Nordens und Ostens von dem Rest der Insel eintrat und international traurige Berühmtheit erlangte durch Selbstmordanschläge im Zentrum Colombos und anderen wichtigen Orten im Land, oft ausgeführt von Kindern.

Als die Gewalt einige Jahre später zunehmend eskalierte, wurden bis zu 120.000 indische Soldaten in den Norden Sri Lankas geschickt um die dortigen Tamil Tigers zu entwaffnen. Für singhalesische Extremisten war dies jedoch nur die Wiederholung der mittelalterlichen Invasionen, kurz darauf kam es erneut zu heftigen Unruhen mit Tausenden Toten unter den Zivilisten. Bis in das Jahr 2001 erschütterten immer wieder Selbstmordanschläge strategisch wichtige Punkte des Landes, meist in Colombo. Ausgehandelte Waffenstillstände waren nie von langer Dauer, der Anschlag im Jahr 2001 auf den internationalen Flughafen von Colombo stellte vorerst das unrühmliche Ende der Gewalt dar.

Seit rund einem Jahr verhandeln Regierung und LTTE nun über einen möglichen Staat nach dem Beispiel der Schweiz mit zwei offiziellen Sprachen. Der Aufbau des Nordens und des Osten hat begonnen, erste Hotels haben wieder geöffnet und die Flüchtlinge kehren wieder in ihre Heimat zurück. Die Zeichen stehen für Frieden.

2.2 Das Land

Die Insel Sri Lanka befindet sich der Südspitze Indiens vorgelagert im Indischen Ozean und nimmt eine Fläche von etwa der Größe des

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 17: Geographische Lage Sri Lankas

Bundeslandes Bayern ein (vgl. Darst. 17). Noch vor einigen Jahrtausenden war sie durch eine Landverbindung mit dem Festland verbunden und ist auch heute noch in vielen Beziehungen mehr oder weniger eng mit Indien verknüpft.

Das Land bietet auf einer verhältnismäßig kleinen Landmasse, die so etwa so groß wie das Bundesland Bayern ist, extreme abwechslungsreiche Landschaften. Entlang der subtropischen Feuchtzone an der West- und Südküste überwiegt eine üppige und immergrüne Vegetation, in den Bergregionen ist es meist angenehm kühl mit ganzjährigen Niederschlägen und im äußersten Norden findet man wüstenähnliche Landstriche vor. Diese Anhäufung von unterschiedlichen Klimazonen auf relativ kleinem Raum in Verbindung mit der auf der Welt Einzigartigkeit der zwei Monsunzeiten macht das Land für den Besucher äußerst interessant und bietet für jeden Urlauber zu jeder Jahreszeit das optimale Klima. Hinzu kommt die Vielzahl an Bildungsreisezielen und kulturhistorisch interessanten Orten. Sri Lanka hat also nur oberflächlich den so oft suggerierten Südseecharakter. Vielmehr bietet die Insel auf engem Raum einen Querschnitt jenes Natur- und alten Kulturreichtums, der Südasien auszeichnet. Alle diese Faktoren machen das Land zu einem einzigartigen Land, dass ein großes touristisches Potential in sich birgt.

2.2.1 Der Großraum Colombo

Colombo mit seinen Vororten ist mit rund zwei Millionen Einwohnern das bei weitem größte und wirtschaftlich bedeutendste Siedlungsgebiet in Sri Lanka. Der Großraum Colombo hat unter touristischen Aspekten Funktionen, die durch das sehr verschiedenartige Raumpotential bedingt sind: durch die küstenwärts langgestreckte Landesmetropole und Welthafenstadt einerseits und durch die stadtnahen Küstenvororte bzw. Strände in Verlängerung des Stadtgebietes andererseits. Colombo kennt keine geschlossene, vom Tourismus geprägte Touristik- oder Hotelzone. Nur eine begrenzte schmale meernahe Zone der Landesmetropole trägt bedingt touristische Züge.

Durch den internationalen Flughafen und dem Welthafen hat die Stadt einen Durchgangscharakter, touristisch eine bedeutende Rolle spielt die Stadt nur als Ausgangspunkt für mehrtätige Besichtigungsfahrten und als Umschlagsplatz zwischen den Strandregionen nördlich und südlich von Colombo. Das natürliche Potential Colombos ist von einer langgestreckten flachen Lage bestimmt und trägt keine nennenswerten landschaftlichen Reize. Das soziokulturelle Potential macht Colombo hingegen besuchenswert. In der Stadt leben im Vergleich zum Landesdurchschnitt hohe Anteile der Tamilen, Muslime und Nachfahren der europäischen Einwanderer, in der ganzen Stadt verteilt findet man viele Tempel, Moscheen und Kirchen. Die Stadt hat aber in den letzten 2 Jahrzehnten bei weitem nicht die sozioökonomische Entwicklung genommen wie Bangkok, Singapur oder die indischen Metropolen.

Von diesen Merkmalen wird die touristische Infrastruktur bestimmt. Reisende übernachten, wenn überhaupt, nur für ein oder zwei Tage, dadurch sind die Hotels und Gästehäuser der Stadt hauptsächlich auf Gäste eingestellt, die Colombo als Zwischenstation ihres Urlaubs nutzen. Allerdings zeigt die Stadt nicht die Saisongebundenheit wie die anderen reinen Urlaubsregionen der Insel, die Belegungsraten sind relativ ausgewogen und mit durchschnittlich 70% gehören sie auch zu den höchsten.

Eine weitere touristisch wichtige Stadt im Großraum Colombo ist Negombo. Einst ein malerisches Fischerdorf, zählt die etwa 30 km nördlich von Colombo gelegene Stadt heute nach Bentota/Beruwala zu den touristisch wichtigsten, was vor allem auf die Nähe zum internationalen Flughafen zurückzuführen ist. Weiter nördlich gibt es noch in Ranweli und Marawila einige größere Hotelzonen.

2.2.2 Die Südküste

Die Südwestküste Sri Lankas, und allen voran die Region um Beruwala, Bentota und Hikkaduwa, ist die touristisch am besten Ausgebaute und die mit großem Abstand Wichtigste des Landes. Als Südküste wird der Abschnitt von Wadduwa südlich von Colombo bis zum Yala National Park im Südosten der Insel bezeichnet. Schon zu Kolonialzeiten gab es bei Hikkaduwa erste Rasthäuser um die Erholung der damaligen Kolonialherren zu ermöglichen. Grund für die relativ rasante Entwicklung des Tourismus in der Region war und ist vor allem die malerische Küstenlandschaft mit ihren breiten Sandstränden, abgelegen Buchten, Lagunen und der Küste vorgelagerten Inseln. Hikkaduwa ist bekannt für seine sehr preiswerten privaten Unterbringungsmöglichkeiten und daher bei meist jungen Individualreisenden (Rucksacktouristen) beliebt. In Bentota und Beruwala gibt es eine große Auswahl an verschiedensten Hotels und Bungalows in jeder Preisklasse. Nachteilig für die Region ist jedoch die relativ große Entfernung zum Flughafen.

In den Monaten Mai bis Oktober sinken die Belegungsraten regelmäßig unter 10%, dafür werden in den Wintermonaten für Sri Lanka außergewöhnlich hohe Raten von bis zu 85% verzeichnet[4], allerdings nur in den Hotelzentren in Bentota und Beruwala, der Küstenabschnitt östlich von Galle ist touristisch weniger erschlossen und kann daher nicht diese Belegungsraten aufweisen. Mit der Öffnung des Ostens bietet sich die Region jedoch wieder als Zwischenstoppunkt auf möglichen Inselrundfahrten an.

2.2.3 Die Ostküste

Neben dem Norden des Landes war auch fast die gesamte Ostküste lange Zeit Sperrgebiet für Touristen. Bevor die Auseinandersetzungen in Sri Lanka begannen, war die Ostküste touristisch gesehen eine sehr wichtige Region des Landes, das Aufflammen des Konfliktes hatte die Entwicklung der Region bis vor einem Jahr vollständig zum Erliegen gebracht. Seit dem Beginn der Friedensverhandlungen wurden und werden die übriggebliebenen Hotels renoviert und teilweise komplett neu gebaut. Die Strände gelten als die Schönsten der Insel, die Natur unterscheidet sich maßgeblich von der in den meisten übrigen Teilen der Insel, und die Freundlichkeit der Menschen muss hier besonders hervorgehoben werden. An der südlichen Ostküste bietet das Meer perfekte Vorraussetzungen für verschiedene Arten von Wassersport, das Gebiet um Batticaloa wird schon lange als Geheimtipp unter Surfern gehandelt. Der äußerste Süden der Küste ist nahezu unbesiedelt und wird im Osten von dem Yala Nationalpark dominiert, der als einer der schönsten der vielen Nationalparks der Insel gilt.

Das Angebot an Unterbringungsmöglichkeiten ist entlang der Ostküste mit nur 151 offiziell registrierten Betten sehr gering. Fast die gesamte Kapazität der Region konzentriert sich nördlich von Trincomalee in Nilaveli und Upuveli. Bei einer stabilen innenpolitischen Lage wird sich dies jedoch sehr bald ändern können.

2.2.4 Landesinnere/Bergland

Das Landesinnere der Insel umfasst sowohl das bis auf über 2.500 Meter ansteigende Bergland als auch die etwas weiter nördlich gelegenen kulturgeschichtlich sehr interessanten alten Königsstätten, im sogenannten Kulturdreieck gelegen. Zu den bekanntesten und eindruckvollsten gehören die Anlagen in Anuradhapura und Polonnaruwa, sowie der Felsentempel von Sigiriya. Anuradhapura hat immer noch mit ihrem unsicheren Ruf zu kämpfen, hier kam es vor etwa 20 Jahren zu den ersten blutigen Auseinandersetzungen zwischen Singhalesen und Tamilen, viele Jahre war die Stadt nur tagsüber für Touristen geöffnet. Der spektakuläre Felsentempel von Sigiriya gehört zum Pflichtprogramm jeder Inselrundfahrt, ebenso wie die einstige Königsstadt Polonnaruwa. In diesem Gebiet der alten Kulturdenkmäler findet man auch abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten immer wieder Anzeichen uralter Geschichte wie kleine Tempel, die in keinem Reiseführer vermerkt sind und von den Reisenden oft nur durch eigene Erkundungstouren entdeckt werden können.

Im Bergland existieren noch einige sehr von der britischen Kolonialzeit geprägte Städte mit schöner viktorianischer Architektur und anderen Anzeichen der früheren Kolonialherren. Die Landschaft beeindruckt mit großen Bergmassiven, riesigen Teeplantagen und vielen versteckten Tempelanlagen. Als Erholungsregion ist sie sehr beliebt bei den Einheimischen, ausländische Reisende besuchen das Gebiet meist im Rahmen einer der vielen organisierten Inselrundfahrten.

2.2.5 Der Norden

Der Norden Sri Lankas ist verhältnismäßig trocken und teilweise steppen- und wüstenartig, das Land ist hier eher vegetationsarm und sehr flach. Wie die Ostküste war auch der Nordteil der Insel bis vor einiger Zeit für Touristen gesperrt. Andauernde Auseinandersetzungen zwischen Singhalesen und Tamilen machten einen längeren Aufenthalt in der Region unmöglich. Besonders in dieser Region hat der Konflikt seine unübersehbaren Spuren hinterlassen. Unzählige Häuser wurden zerstört, Menschen vertrieben und die Infrastruktur schwer beschädigt. Touristenhotels gibt es noch nicht, allerdings hat auch der Norden durch die einsamen Buchten und die vielfältige hinduistische Kultur besondere Reize und viel Potential für eine touristische Entwicklung. Durch die geplante Wiedereröffnung der Fährverbindung nach Südindien und den Neubau der teilweise zerstörten Bahnstrecke nach Colombo wird die Region auch in Zukunft wieder besser erreichbar sein und dadurch für neue touristische Projekte interessant werden.

2.3 Beherbergung

Im Gegensatz zum Rückgang bei den Touristenankünften erhöhte sich die Zahl der Hotels im Jahr 2001 auf insgesamt 215, von denen 140

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 18: Beherbergungsangebot 2001

unklassifiziert und weitere 52 im 1-2 Sternebereich liegen, was auf eine Konzentration des Tourismus in Sri Lanka auf eine weniger wohlhabende Zielgruppe schließen lässt (vgl. Darst. 18). Die Zahl der zur Verfügung stehenden Zimmer wuchs um 315 auf 13.626 an. Neben den Hotels gibt es auch 199 weitere Beherbergungsbetriebe, vornehmlich Gästehäuser und private Zimmervermietungen, die weitere 2.011 Zimmer ausmachen. Mit knapp 40% stellt die Südküste den Großteil dieser Gesamtkapazität, gefolgt vom Großraum Colombo und den alten Königsstädten. Zeigt sich der Friedensprozess als erfolgreich, ist vor allem an der Ostküste mit neuen großen Hotelprojekten zu rechnen. Saisonbedingte große Schwankungen bei den Buchungen gibt es vor allem in den vom Badetourismus abhängigen Küstenregionen im Süden, in Colombo fallen diese Schwankungen aufgrund des höheren Anteils an Geschäftsreisenden weniger drastisch aus (vgl. Darst. 19). Ein Problem der Beherbergungsindustrie des Landes ist vor allem das ungenügende Angebot an mittleren und gehobeneren Unterkünften. Im Jahr 2001 gab es auf der gesamten Insel lediglich 5 Hotels der Drei-Sterne-Kategorie, und auch im Vier- bis Fünf-Sterne-Segment ist bei weiterem Wachstum noch viel Potential für neue Unterkünfte.

Ein außergewöhnliches Beispiel wurde vor einigen Jahren mit der Eröffnung des Vier-Sterne-Hotels „Tea Factory“ im Bergland gesetzt, für das eine ehemalige Teefabrik vollkommen umgebaut wurde und nun als Hotel dient. Der Plantagenbetrieb rund um das Hotels wird jedoch weitergeführt und in einer kleinen hoteleigenen Teefabrik zum direkten Verkauf verarbeitet. Diese Art von Hotel stellt ein gutes Beispiel dar, wie sich die Beherbergungsunternehmen des Landes in Zukunft von den klassischen Strandhotels differenzieren kann, um auch für Kunden attraktiv zu sein, die bezüglich der Unterbringung höhere Ansprüche haben.

2.4 Transport

Das gebräuchlichste und schnellste Fortbewegungsmittel in Sri Lanka ist das Auto, allerdings sollte ein PKW oder Kleinbus immer mit einheimischen Fahrer angemietet werden, da die Verkehrsverhältnisse in Sri Lanka für europäische Verhältnisse oft unüberschaubar sind. Die wichtigsten Straßen in den touristisch erschlossenen Gebieten, in erster Linie entlang der Westküste, sind gut befahrbar, jedoch vor allem rund um die Hauptstadt Colombo meist überlastet. Abseits dieser Gebiete sind die Straßen allerdings teilweise in sehr schlechtem Zustand.

[...]


[1] Vgl. T. Brassey u.a. (2000), S. 33

[2] W. Pitt, ehemaliger Premierminister Großbritanniens, in: Sri Lanka (2000), S. 49

[3] Vgl. T. Brassey u.a. (2000), S. 58-60

[4] Zu den Belegungsraten vgl. auch den Gliederungspunkt 2.3 (S. 20)

Details

Seiten
65
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783832471439
ISBN (Buch)
9783838671437
Dateigröße
960 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v222455
Institution / Hochschule
Munich Business School – Tourismus-Geographie
Note
1,1
Schlagworte
tourismus südasien touristik entwicklungsland welt

Autor

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Titel: Sri Lanka nach dem Bürgerkrieg - die neue Erholungsdestination