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Die Konflikte der Türkei im Rahmen der EU-Integration

Studie ist nur auf CD und als Papierversion erhältlich.

Diplomarbeit 2002 236 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Der EU-Beitrittsprozess
1.2 Leitfragestellungen
1.3 Theoretische Konzepte der Politischen Geographie
1.4 Der Konfliktbegriff
1.5 Konzepte der Konflikttheorie
1.6 Methoden und Verfahren
1.7 Quantitative und Qualitative Dimension der Wasserfrage
1.8 Die Multidimensionalität von Konflikten

2. Der Griechisch-Türkische Disput
2.1 Einleitung
2.2 Die Griechisch-Türkischen Beziehungen seit Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Unabhängigkeit beider Staaten
2.3 Grundzüge der Außenpolitik beider Staaten in der Konfliktfreien Periode
2.4 Der Zypernkonflikt
2.4.1 Grundlagen und Genese des Zypernkonfliktes
2.4.2 Der Weg in die Unabhängigkeit
2.4.3 Die Künstliche Republik
2.4.4 Die Krise von 1964
2.4.5 Die Krise von 1967
2.4.6 Die Intervention des Türkischen Militärs 1974
2.4.7 Die Entwicklung nach 1974 bis dato
2.4.8 Teilfazit
2.5 Der Ägäiskonflikt
2.5.1 Grundlagen, Genese und Dynamik des Ägäiskonflikts
2.5.2 Die Zuteilung der Souveränen Rechte über den Festlandsockel
2.5.3 Die Abgrenzung der Territorialen Gewässer
2.5.4 Der Militärische Status der Ostägäischen Inseln
2.5.5 Der Status des Zivilen und Militärischen Luftverkehrs
2.5.6 Teilfazit
2.6 Gesamtfazit

3. Der Wasserkonflikt an Euphrat und Tigris
3.1 Einleitung
3.2 Die Bedeutung des Wassers in der Euphrat-Tigris-Region
3.2.1 Die qualitative Dimension der Wasserfrage im Nahen Osten
3.2.2 Wasserverteilung in der Euphrat-Tigris-Region
3.2.3 Wassernutzung in der Euphrat-Tigris-Region
3.3 Das Südostanatolien-Projekt (GAP)
3.3.1 Geschichte und Vorbedingungen des GAP
3.3.2 Ziele und Intentionen des GAP
3.3.3 Fortschritte und Defizite in der Realisierung des GAP
3.4 Konfliktpotenziale
3.4.1 Sozioökonomische Konflikte
3.4.2 Die Kurdenfrage als Konfliktdeterminante
3.4.3 Ökologische und Kulturhistorische Folgen
3.4.4 Der Wasserkonflikt auf der Großregionalen Ebene
3.5 Politische und ökonomische Interaktionen der Konfliktakteure
3.5.1 Interaktionen zwischen der Türkei und Syrien
3.5.2 Interaktionen zwischen der Türkei und Irak
3.5.3 Interaktionen zwischen Syrien und Irak
3.6 Der Wasserkonflikt an Euphrat und Tigris
3.6.1 Interessenkonstellation der Akteure
3.6.1.1 Die Interessen der Türkei im Konflikt
3.6.1.2 Die Interessen Syriens im Konflikt
3.6.1.3 Die Interessen des Irak im Konflikt
3.6.2 Die Entwicklung des Konfliktes
3.6.4 Die Interessen des Westens im Konflikt
3.7 Fazit

4. Resümee
4.1 Typisierung der Verhaltensmuster der Türkei in Konflikten
4.2 Das Modell der Global Governance in der Konflikttheorie
4.3 Die Rolle von GeographInnen in der Konfliktbearbeitung
4.4. Die Konflikte der Türkei im Rahmen der EU-Integration
4.4.1 Die Entwicklung der türkischen EU-Beitrittsbestrebungen
4.4.2 Der Einfluss der Konflikte der Türkei auf die EU-Integration
4.4.3 Die Integration der Türkei in die EU unter Berücksichtigung der geostrategischen Rolle der Türkei

Abbildungsverzeichnis

Kartenverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen des Diplomstudienganges Geographie an der Ruhr-Universität Bochum als Abschlussarbeit angefertigt. Das Hauptziel dieser Diplomarbeit mit dem Titel “Die Konflikte der Türkei im Rahmen der EU-Integration“ besteht in einer systematisch strukturierten Analyse von Konflikten, in denen sich die Türkei mit ihren Nachbarländern befindet. Die untersuchungsleitenden Konzepte stammen insbesondere aus der räumlichen und politikwissenschaftlichen Konfliktforschung. Die Arbeit konzentriert sich auf die Analyse der Auswirkungen der verschiedenen Konflikte der Türkei mit ihren Nachbarländern auf den Integrationsprozess der Türkei in die Europäische Union (EU). Als Fallstudien sind die folgende Konflikte ausgewählt worden: der Griechisch-Türkische Disput, der zwei Teilkonflikte mit dem Zypernkonflikt und dem Ägäiskonflikt mit Griechenland beinhaltet, und der Wasserkonflikt an Euphrat und Tigris mit Irak und Syrien. Die Analyse politischer Komponenten der einzelnen Teilelemente der Arbeit bildet eine signifikante Gewichtung des politischen Aspektes. Dadurch bekommt diese Studie eine interdisziplinäre Ausrichtung. Außer der Politischen Geographie als Teildisziplin der Humangeographie werden die Politikwissenschaften als Teildisziplin der Sozialwissenschaften mit eingebunden.

Die Idee zu dieser Diplomarbeit entstand im Rahmen der Teilnahme an zwei Hauptseminaren im WS 2000/01. Das humangeographische Seminar “Fallstudien zur (regionalen) Konfliktforschung[1] beschäftigte sich mit Konfliktlagen in der Forschung. Hierbei spielte insbesondere das Sichtfeld der Geographie eine zentrale Rolle. Im Seminarverlauf sollte geklärt werden, welchen Beitrag GeographInnen zur Analyse und zur Lösung von Konflikten leisten können. Diese Frage wird in dieser Arbeit ebenfalls behandelt (vgl. Kap. 4.3). Die Hauptintention des Seminars bestand insbesondere in der Klassifikation von Konflikten mit Hilfe von empirischen Fallstudien zu verschiedenen Regionen der Welt. Das zweite Seminar in den Politikwissenschaften stellte unter dem Titel “Türkei – BRD – EU “ die türkische EU-Integration und die Beziehungen der Türkei zu Deutschland und zur EU ins Zentrum der Diskussion.[2] Für die Autoren war die Verknüpfung der räumlichen Konfliktforschung und der EU-Integration besonders interessant. Die vorgenannten Konflikte sind ein sensibler Punkt im Beitrittsprozess, insbesondere mit Griechenland als einem EU-Land. Ihre Analyse kann wichtige Rückschlüsse für die künftige Entwicklung in der Region aufzeigen. Die Türkei gehört als Brückenland zu Südosteuropa und zum Nahen Osten. Dies ist eine besonders interessante Konstellation für eine interdisziplinäre Konfliktanalyse, da die Konflikte in beiden Regionen stattfinden.

Im Folgenden soll nun der Beitrittsprozess in die Europäische Union dargelegt werden, um den Mechanismus der EU-Integration zu verdeutlichen. Im Gesamtfazit werden dann die Beitrittsperspektiven der Türkei unter Berücksichtigung der Konflikte der Fallstudien näher analysiert werden (vgl. Kap. 4.4).

1.1 Der EU-Beitrittsprozess

Die Beschreibung des Beitrittsprozesses liefert eine Voraussetzung für die Analyse der Gesamtproblematik der Arbeit im Fazit.

Der Aufbau der Europäischen Gemeinschaften nach dem Zweiten Weltkrieg diente grundsätzlich politischen Zielen, deren Motor die Ökonomie bildete.[3] Bereits der Gründungsvertrag der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) 1957 nannte folgendes Doppelziel: “durch die Errichtung einer wirtschaftlichen Gemeinschaft den ersten Grundstein für eine weitere und vertiefte Gemeinschaft unter Völkern zu legen, die lange Zeit durch blutige Auseinandersetzungen entzweit waren."[4] Sowohl ökonomisch als auch historisch kann die Europäische Integration als eine Geschichte des Erfolges bezeichnet werden, die durch die längste Friedensphase der jüngeren mitteleuropäischen Geschichte gekennzeichnet ist.

Nach dem Ende der Teilung Europas soll die Erweiterung der Europäischen Union nach Osten sowie Südosten die Chance ermöglichen, am Erfolg der Europäischen Integration weitere Staaten zu beteiligen. Dies geht aber nicht ohne Probleme voran, wie die Wahlgewinne der Europagegner in mehreren europäischen Staaten zeigen. Die Erweiterung wird von den EU-Institutionen als Vollendung der Europäischen Union bzw. Vereinigung Europas betrachtet. Im März 1998 begann mit dreizehn beitrittswilligen Ländern der formale Beitrittsprozess, der am Ende zu einem einheitlichen Wirtschafts- und Rechtsraum für über 500 Millionen Menschen führen soll. Seit dem EU-Gipfel von Nizza im Dezember 2000 existiert ein konkreter Fahrplan für den Beitritt neuer Mitglieder. Die Türkei erhielt ihren Kandidatenstatus auf dem Gipfel von Helsinki im Jahre 1999, aber im Gegensatz zu anderen Beitrittskandidaten wurde bis dato kein konkreter Fahrplan für die türkische EU-Integration erstellt. Somit hat die Türkei als Beitrittskandidat einen Sonderstatus.

Sind Staaten für einen Beitritt entsprechend der Kriterien vorbereitet, will die EU soweit handlungsfähig sein, um sie ab Ende 2002 bis 2004 aufnehmen zu können. Hiermit verbindet die EU die Hoffnung, dass diese Länder an den Europawahlen 2004 teilnehmen können.

Um der Europäischen Union beitreten zu können, müssen die beitrittswilligen Länder bestimmte politische und wirtschaftliche Kriterien erfüllen, die der Europäische Rat in Kopenhagen im Jahre 1993 festgelegt hat. Diese sogenannten "Kopenhagener Kriterien" sind folgende:

- eine durch die Institutionen des Beitrittslandes abgesicherte Garantie für die demokratische und rechtsstaatliche Ordnung, Wahrung der Menschenrechte sowie Achtung und Schutz der Minderheiten.
- eine funktionsfähige Marktwirtschaft und die Fähigkeit, dem Wettbewerbsdruck innerhalb der Union standzuhalten.
- die Übernahme der Verpflichtungen, die aus der EU-Mitgliedschaft erwachsen, wozu auch die Ziele der Wirtschaft- und Währungsunion und der Politischen Union zählen.[5]

Die Karte auf der folgenden Seite gibt eine Übersicht über die aktuellen Beitrittskandidaten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Karte 1: “Die aktuellen Beitrittskandidaten“

Quelle: http://www.europa-wird-bunter-de/home2.html Maßstab 1:38.570.000

Die Europäische Kommission untersucht jährlich die Fortschritte jedes Beitrittslandes anhand der Kopenhagener Kriterien. Der Vizepremierminister der Türkei, Mesut Yılmaz, suchte in der aktuellen Regierungskrise die Zustimmung für sein Reformpaket, das diese Kriterien beinhaltet.[6] Am 3. August verabschiedete dann das türkische Parlament in einer Marathonsitzung das Reformpaket (vgl. Kap. 4.4.1).

Die Europäische Kommission hat am 13. November 2001 ein aktuelles Strategiepapier verabschiedet, in dem die einzelnen Länderberichte zusammengefasst und die Strategie für die weiteren Verhandlungen vorgeschlagen wurde.

Die Europäische Kommission überwacht die Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Lage in jedem Bewerberland und schlägt Maßnahmen vor, um Reformen zu unterstützen und weitere politische und wirtschaftliche Fortschritte im Beitrittsprozess zu initiieren. Sie verfasst für jedes Bewerberland Berichte, die als Grundlage für die Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten dienen, und unterbreitet dem Rat der EU Vorschläge für die weitere Vorgehensweise. Die Entscheidung, ob es zur Aufnahme neuer Mitglieder in die Europäische Union kommt, trifft der Europäische Rat, in dem die Regierungen der Mitgliedstaaten in der Regel durch ihre Minister vertreten sind. Jeder Beitritt muss vom Rat einstimmig beschlossen werden. Das Europäische Parlament in Brüssel wird regelmäßig vom Fortgang und Stand der Verhandlungen unterrichtet und muss den ausgehandelten Beitrittsverträgen zustimmen. Ohne Zustimmung des Parlaments kann kein Beitritt erfolgen. Nach Unterzeichnung der Verträge müssen in jedem Mitgliedstaat und in den Bewerberländern die Beitrittsverträge nach den Bestimmungen der jeweiligen nationalen Verfassung ratifiziert werden. In den meisten Fällen bedarf es hierfür eines parlamentarischen Aktes. In einigen Ländern kann die endgültige Zustimmung zu den Beitrittsverträgen auch auf dem Wege eines Referendums erfolgen.

Die Europäische Kommission hat im Rahmen einer als Beitrittspartnerschaft bezeichneten Strategie verschiedene Hilfsprogramme angelegt, um in den beitrittswilligen Staaten die ökonomische Entwicklung in unterschiedlichen Sektoren zu unterstützen und so die Länder auf den Beitritt vorzubereiten. Innerhalb dieses gemeinsamen Rahmens, der die künftigen Mitglieder auch durch ihre Beteiligung an Gemeinschaftsprogrammen mit EU-Politiken vertraut machen soll, bestehen für jedes Land jeweils unterschiedliche Strategien, um landesspezifischen Bedürfnissen besser begegnen zu können. Insgesamt stellt die EU jährlich bis 2006 den Beitrittskandidaten für den Anpassungsprozess über drei Milliarden €[7] zur Verfügung.

Bei der finanziellen und technischen Entwicklung bildet das PHARE-Programm den Kernbereich der Vorbereitungsstrategie. Es dient dem Aufbau von Institutionen und Verwaltungsstrukturen, der Ausbildung von Fachkräften und der Finanzierung von Investitionen. Dies geschieht insbesondere mit dem Ziel, das Gemeinschaftsrecht in den beitrittswilligen Staaten übernehmen und anwenden zu können. Unterstützungsprogramme der EU existieren auch für die Bereiche Umwelt und Infrastruktur (ISPA) und Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (SAPARD).[8]

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten haben auf ihrem Treffen in Berlin im März 1999 die von der Europäischen Kommission 1997 vorgelegte “Agenda 2000“ verabschiedet. Dieses politische Projekt für die Zukunft der EU befasste sich mit den Perspektiven einer erweiterte Union, den Herausforderungen und Auswirkungen der Erweiterung und präsentierte einen reformierten finanziellen Rahmen für die Zeit nach 2000. Damit bereitete die Union notwendige innere Reformen vor, die für einen Beitritt grundlegend waren. Das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs in Nizza im Dezember 2000 hat die erforderlichen institutionellen Veränderungen beschlossen und so die Voraussetzungen für die Aufnahme neuer Mitglieder in die Union geschaffen. Die Neuverteilung der Stimmrechte im Ministerrat sowie die veränderten Sitzverhältnisse im Europäischen Parlament (EP), im Ausschuss der Regionen (AdR) und im Wirtschafts- und Sozialausschuss (WSA) berücksichtigen die zukünftigen Mitglieder und die entsprechenden Bevölkerungen. Damit seien nach Aussagen der EU-VertreterInnen alle Vorraussetzungen für die Aufnahme neuer Mitglieder erfüllt worden.

Der Stand der Türkei in diesem Beitrittsprozess ist nur der eines Beitrittskandidaten. Aufnahmegespräche sind in näherer Zukunft nicht vorgesehen. Dies wird an die Bedingung geknüpft, im Gegensatz zu anderen Kandidaten bereits vor Aufnahme der Verhandlungen die Kopenhagener Kriterien erfüllt zu haben. Weiterhin befindet sich die Türkei aufgrund ihrer zentralen Rolle im Zypernkonflikt in einem politischen Dilemma. Der Konflikt hat einen entscheidenden Einfluss in der EU-Integration der Türkei (vgl. Kap. 4.4.2). Die vorangegangenen Ausführungen dienten als allgemeine Hinführung zur EU-Thematik der Arbeit. Im Gesamtfazit wird der EU-Integrationsprozess der Türkei im Kontext der Konflikte näher erläutert werden (vgl. Kap. 4.4).

1.2 Leitfragestellungen

Im folgenden Kapitel werden die relevanten Leitfragestellungen und die Methodologie der Arbeit vorgestellt und die Inhalte der einzelnen Hauptkapitel umrissen. Dies soll den Leser/die Leserin an die Thematik heranführen und einen Überblick der Gesamtstruktur der Arbeit geben.

Die Hauptleitlinie der Arbeit bildet die Analyse der Integration der Türkei in die EU unter dem Aspekt der theoretischen und praxisorientierten Konzepte der interdisziplinären Konfliktforschung. Es soll untersucht werden, inwieweit die einzelnen Konflikte der Türkei mit ihren Nachbarländern eine bedeutende Rolle für die Integrationsthematik spielen.

Diese Konflikte betreffen das EU-Mitglied Griechenland aufgrund der Zypern- und Ägäisfrage und den Disput um die Wassernutzung an Euphrat und Tigris mit den arabischen Nachbarstaaten Irak und Syrien. Hier werden auf verschiedenen Ebenen Konflikte ausgetragen, deren Lösungen teilweise noch in weiter Ferne liegt. Ohne die Lösung dieser Konflikte gestaltet sich die Realisierung der Integration der Türkei in die EU aus der Sicht der Autoren schwierig. Diesem Zusammenhang gilt auch das zentrale Interesse der Diplomarbeit. Zum näheren Verständnis der Konfliktthematik der Arbeit werden hier die vier Leitfragestellungen aus dem angeführten Konfliktseminar skizziert, an denen sich die Autoren u.a. orientiert haben:

1. Theorie, Analyse: Was wissen wir über die Wahrscheinlichkeit und Ursachen eines Konflikts? Sind Konflikte vorhersehbar? Was sagen Länderkunden über Konfliktpotenziale?
2. Konfliktverlauf: Wie ist der Konflikt abgelaufen? Welche waren die Hauptakteure und welche Interessen vertraten sie?
3. Wie hat man auf den Konflikt reagiert? Wer hat Hilfe geleistet? Wie ist die Hilfe organisiert worden und v.a.: was wird zur Prävention getan?
4. Was hat man aus dem Konflikt gelernt? Wie haben Presse, Politik und Wissenschaft darauf reagiert? ““[9]

Es soll zudem als zentrale Frage geklärt werden, welchen Beitrag GeographInnen für die Analyse und insbesondere für die Lösung von Konflikten leisten können. Dieser Aspekt wird im gemeinsamen Fazit beider Autoren ausführlich behandelt werden (vgl. Kap. 4.3).

Nicht alle Leitfragen lassen sich im Rahmen dieser Arbeit analysieren, aber die Punkte 1-3 sollten dennoch besondere Beachtung finden, um die zu analysierenden Konflikte grundlegend darstellen zu können. Während die theoretischen Konzepte im Einleitungskapitel dargelegt werden, berühren die Fallbeispiele und das Abschlusskapitel den zweiten und dritten Aspekt. Der vierte Aspekt kann aufgrund der Aktualität und der Weiterführung der Konflikte nicht intensiv im Rahmen dieser Arbeit bearbeitet werden. Eine solche Bewertung kann erst auf die Lösung der Konflikte folgen. In anderer Form finden sich die Leitfragen bei Reubers in der aktuellen Ausgabe der Geographischen Rundschau wieder:

1. Nach welchen Zielen und mit welchen Strategien handelt der einzelne Akteur bei raumbezogenen Nutzungs- und Verteilungskonflikten?
2. Wie beeinflussen das Zusammenwirken der Akteure und die Regeln bzw. Strukturen der sozialen und politischen Institutionen, in die sie eingebunden sind, den raumbezogenen Konflikt?
3. Welche Wirkung haben “räumliche“ Aspekte im Sinne geographischer Konstruktionen und Repräsentationen auf Verlauf und Ergebnis solcher Konflikte?[10]

Die oben angeführten Leitfragen des Seminars lassen sich nun unter Bezugnahme der ergänzenden Leitfragen von Reubers in spezifische Teilfragen für die Fallstudien transformieren:

1. Welche Genesefaktoren führten zur Ausbildung der Konfliktkonstellationen der Türkei mit ihren Nachbarstaaten? Lassen sich diese Konflikte monokausal erklären oder existiert ein Bündel von Genesefaktoren? Wie wurden die Konflikte von der Türkei und ihre Kontrahenten wahrgenommen und bewertet?
2. Welche Rolle spielten innen- und außenpolitische Interessen und Ziele der Türkei und der weiteren Konfliktakteure? Welchen Einfluss hatte externe Akteure wie Großbritannien, die ehemalige SU, die USA, die UN und die EU? Wie wirkte sich die Struktur des internationalen Systems und die institutionelle Einbindung der Akteure in verschiedene supranationale Organisationen auf die Konfliktdynamik aus?
3. Wie reagierten die Türkei und die Nachbarstaaten im Konfliktprozess? Welche Mittel standen ihnen zur Verfügung und wie wurden diese als Strategie eingesetzt? Welche machtpolitischen Veränderungen lösten die Konflikte in der räumlichen Hierarchie in den Konfliktregionen um den Nahen Osten und das östliche Mittelmeer aus?

Bei der Behandlung der dargelegten Leitfragen lehnen sich die Autoren an die Methodologie einer Studie von Ropers an. Die Hauptintentionen bilden folgende Elemente:

- eine systematische Konfliktanalyse zum aktuellen Stand der Auseinandersetzungen der Konfliktparteien,
- die Diskussion über die bisherigen Bemühungen einer friedlichen Konfliktbearbeitung,
- die Gründe ihres Scheiterns und
- die Suche nach Ansatzpunkten zur Identifikation der Konflikttransformation durch externe Akteure.

Die Konfliktanalyse erfolgt unter besonderer Berücksichtigung der Genese, der Konfliktgeschichte, struktureller Rahmenbedingungen, beteiligter Konfliktparteien, Streitthemen sowie zugrundeliegender Bedürfnisse und Befürchtungen der Hauptakteure.[11] Diese Aspekte stellen wichtige Bausteine der gesamten Arbeit dar, da insbesondere die historisch-immanente Analyse, also die Analyse von Genese und Konfliktgeschichte, einen integralen Bestandteil der Methodologie beinhaltet. Darauf weist u.a. Meyns hin, wenn er drei methodologische Ebenen der Analyse unterscheidet:[12]

- Die vertikale Ebene, bei der es um das Verständnis der internationalen, regionalen und nationalen Dimension in der Konfliktanalyse geht. Dieser Ansatz findet heute insbesondere in der räumlichen Konfliktforschung der Politischen Geographie Verwendung (vgl. Kap. 1.3).
- Die horizontale Ebene, welche sich auf verschiedene Dimensionen des Konfliktbegriffes konzentriert: die militärische, politische, ökonomische, gesellschaftliche und ökologische Dimension. Dieser Aspekt der Multidimensionalität wird aufgrund seiner Gewichtung in der Konfliktanalyse der Fallstudien in einem eigenen Kapitel explizit diskutiert (vgl. Kap. 1.8).
- Die historische Komponente, die mit der oben angeführten historisch-immanenten Analyse gleichzusetzen ist. Sie erlaubt u.a. eine chronologische Einteilung der Konfliktentwicklung. Diese leistet insbesondere für das Verständnis des Griechisch-Türkischen Konfliktes, aber auch im Wasserkonflikt am Euphrat und Tigris einen relevanten Beitrag.

Diese drei methodologischen Ansatzebenen werden von den Autoren mit berücksichtigt, um dem Anspruch der Komplexität einer systematischen und strategischen Konfliktanalyse gerecht werden zu können.

Die Arbeit gliedert sich in vier Hauptkapitel. Das erste Kapitel beinhaltet eine allgemeine Einführung in die Thematik. In dieser Exposition wird zunächst die Politische Geographie mit ihren Forschungsfeldern als Teildisziplin skizziert und der interdisziplinäre Bezug zu den Politikwissenschaften hergestellt (Kap. 1.3). Die beiden nächsten Unterkapitel bilden eine ausführliche Deskription des Konfliktbegriffes (Kap. 1.4) und ausgewählter konflikttheoretischer Konzepte (Kap. 1.5). Hierauf folgt ein Überblick der verwendeten Methoden und Verfahren (Kap. 1.6). Eine Darstellung der globalen Wasserfrage in ihrer quantitativen und qualitativen Dimension (Kap. 1.7) und die Diskussion der Multidimensionalität von Konflikten (Kap. 1.8) schließen dieses Hauptkapitel ab.

Das zweite Hauptkapitel unter Bearbeitung von Caner Aver bildet die erste Fallstudie mit dem Titel der “Griechisch-Türkische Disput“ und beschäftigt sich mit den Interaktionen der Türkei mit ihrem europäischen Nachbarland Griechenland als Konfliktkonstellation. Dieser Staat ist bereits seit 20 Jahren Mitglied der EU. Im Zentrum der Analyse stehen die ungelösten Fragen um Zypern und die Ägäis. Die Zypernthematik ist im Zuge des derzeitigen Status der Insel als Beitrittskandidat der EU besonders aktuell.

Das dritte Hauptkapitel unter Bearbeitung von Orhan Güleş hat den Wassernutzungskonflikt der drei Staaten Türkei, Syrien und Irak zum Gegenstand und trägt den Titel “Der Wasserkonflikt an Euphrat und Tigris“. Diese beschäftigt sich neben der Rolle des Südostanatolien-Projektes (GAP) als Konfliktfaktor insbesondere mit den Interaktionen der Türkei mit den Ländern Irak und Syrien als weitere Konfliktakteure.

Das vierte und letzte Hauptkapitel stellt den Bezug zwischen der Konfliktdarstellung und der Integrationsthematik her. Neben der Darstellung des türkischen Verhaltensmusters in Konflikten (Kap. 4.1) wird das Theoriemodell der Global Governance als Konfliktlösungsstrategie (Kap. 4.2) unter Einbindung der konflikttheoretischen Konzepte (vgl. Kap. 1.5) diskutiert. Ein weiterer Aspekt ist die Einordnung der Rolle von GeographInnen in der Konfliktanalyse und im Konfliktmanagement (Kap. 4.3). Das Fazit schließt mit der Bewertung der Auswirkungen der Konflikte auf den EU-Integrationsprozess ab (Kap. 4.4).

Bevor die Autoren mit der empirischen Konfliktanalyse beginnen, soll vorab im folgenden Kapitel der fachdisziplinäre Bezug der Diplomarbeit geklärt werden. Die Einordnung erfolgt durch die Diskussion der Inhalte und aktuellen Forschungsfelder der Politischen Geographie und der Verknüpfung dieser Teildisziplin mit den Politikwissenschaften, um den interdisziplinären Charakter der Arbeit herauszustellen.

1.3 Theoretische Konzepte der Politischen Geographie

In diesem Kapitel sollen vorab einige theoretische Grundlagen der Fachdisziplin der Politischen Geographie geklärt werden. So wird dem Leser/der Leserin eine Darstellung über das Fach gegeben, unter dem die Thematik eingeordnet werden kann. Einige der Konzepte, die in den einzelnen Teilaspekten vorgestellt werden, sind Teil des Theoriegerüstes der Arbeit und werden an relevanten Punkten wieder aufgegriffen.

Es gibt ein neu entfachtes Interesse an Themen wie Weltordnung, Geopolitik und Nord-Süd-Konflikt. Dieses Interesse ist besonders aktuell nach den Ereignissen des 11. September 2001. “Seit dem Ende Kalten Krieges ordnet sich das Kräftefeld von Gesellschaft, Raum und Macht in einer den gesamten Globus umspannenden Transformation neu.[13] In den aktuellen Auseinandersetzungen tritt immer wieder der Raum in Symbolik, Rhetorik und Handlung in das Zentrum der Entwicklung und die Politische Geographie sollte es sich verstärkt zur Aufgabe machen, dieser Entwicklung gerecht zu werden und weitere neue Forschungsfelder für das Fach zu erschließen.[14] Reuber spricht in diesem Kontext von einer Renaissance der Politischen Geographie.[15] Dazu will die vorliegende Arbeit einen Beitrag leisten.

Eine der zentralen Leitfragen bildet die Auflösung der Ost-West-Dualität.[16] Für ihre Folgen lässt sich die Stadt Berlin als Musterbeispiel anführen.[17] Nach dem Fall der Mauer vermengen sich hier post-sozialistische Transformationsprozesse mit kapitalistischen Strukturen in einer kommunalen Gebietskörperschaft. Es gibt eine politische Spaltung der urbanen Gesellschaft auch zwölf Jahre nach der Wiedervereinigung.[18]

Im einzelnen hat die Auflösung der Ost-West-Dualität für die Politische Geographie folgende Dimensionen:

1. Herausbildung von bisher unbekannten gesellschaftlichen Disparitäten in Folge von Identitätskonflikten. [19]
2. Räumlicher Bezug der Fragenkonstellation durch Veränderungen in den Grenzräumen als Folge der territorialen Reorganisation.
3. Neubildung bzw. konstitutionelle Neuorientierung der Staaten im ehemaligen sowjetischen

Hegemonialraum.“[20]

Der Prozess der Desintegration des Ost-West-Konfliktes spielte gerade im Nahen Osten und in der Zypernfrage eine zentrale Rolle. Südosteuropa und der Nahe Osten waren wichtige Schauplätze dieses Konfliktes und seines Ideologiewettstreits. Hier haben sich ebenfalls die oben erwähnten Problemfelder herausgebildet, mit deren Folgen insbesondere die Staaten des Nahen Ostens sich seit Beginn der 1990er Jahre auseinandersetzen müssen.

Die Frage der Südost- und Osterweiterung der EU spielt hierbei eine wichtige Rolle (vgl. Kap. 1.1). Verbunden mit dem Faktor der EU-Integration tritt auch die immer stärker werdende Frage nach den unterschiedlichen ökonomischen und sozialen Qualitäten der Entwicklungswege europäischer Staaten und Regionen in den Vordergrund. Zu erwarten ist ein Nebeneinander von Regionen mit extrem unterschiedlichen sozioökonomischen Niveaus. Zu diesen Staaten gehört auch die Türkei als Beitrittskandidat der EU (vgl. Kap. 4.4).

Während Oßenbrügge und Sandner 1994 von vier konzeptionellen Ansätze der Politischen Geographie als Reaktion auf die Herausforderung der aktuellen geopolitischen und globalen Entwicklung sprachen, führt Reuber in der aktuellen Geographischen Rundschau zwei zentrale Forschungsfelder auf, die nun besonders aktuell sind: die kritische Geopolitik und die geographische bzw. räumliche Konfliktforschung.[21] In den folgenden Ausführungen tauchen diese wieder auf.

1.Geopolitik als geographische Methode

Die Geopolitik hat einen räumlichen Bezug und integriert Staats- und Regional-, Macht- und Territorialpolitik. Sie gibt einen Hinweis auf eine geographische Methode in der Deutung und damit der gesellschaftlichen Einflussnahme. Als Beispiel wäre hier der Ansatz von Lacoste zu nennen. Dieser Ansatz beschreibt eine neue handlungsorientierte Geopolitik. Sie definiert sich als Methode empirischer Raumanalyse, welche auf Macht- und Territorialkonflikte angewendet wird und diese in Beziehung zur komplexen geographischen Substanz setzt. Wichtigstes Arbeitsinstrument ist eine Basiskarte und der Einsatz aufeinander projizierter Karten.[22] Aus diesen lassen sich Überlegungen und Widersprüche in den räumlichen Strukturen natürlicher und gesellschaftlicher Elemente ableiten. Kritisch anzumerken wäre aber an Lacostes Methode, dass sie streng auf staatlich definierte Territorien ausgerichtet ist und innovative Forschungsperspektiven ausklammert.[23] Die streng nationalstaatliche Konzentration des Lacoste-Ansatzes versperrt den Blick auf postmoderne Trends. Der Nationalstaat verliert durch die Globalisierung auf allen Ebenen immer mehr an Macht (vgl. Kap. 4.2). Dies erfordert neue Forschungsperspektiven, daher wäre diese Methode nicht unbedingt geeignet, um die Konfliktkonstellationen der vorliegenden Arbeit analysieren zu können.

Die folgende Abbildung gibt eine Übersicht der aktuellen Forschungsfelder der Politischen Geographie und liefert hierzu konkrete Beispiele:

Abb. 1: “Aktuelle Forschungsfelder der Politischen Geographie mit konkreten Beispielen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Reubers 2002, S. 8.

2. Politische Geographie als räumliche Konfliktforschung

Die “Politische Geographie als räumliche Konfliktforschung “ wurde insbesondere von Oßenbrügge geprägt. Er zeichnet in seiner gleichnamigen Abhandlung von 1983 ein vielfältiges Bild der Aufgabenfelder und Methodologie dieser Disziplin. Bevorzugt werden die Leitfragen aus dem Mutterfach Politische Ökonomie abgeleitet.[24] Der Schwerpunkt der räumlichen Konfliktforschung liegt zunächst auf der innerstaatlichen Dimension bis in die lokalen Standorte oder einzelne Stadtteile hinein. Dabei sind die entsprechenden innerstaatlichen Konfliktfelder und das Aufspüren von entsprechenden Konfliktpotenzialen besonders relevant. Dieses Konzept kann aber auch erweitert und auf Konflikte in anderen räumlichen Ebenen angewandt werden. Die Auswirkungen des Konfliktes auf den Raum und umgekehrt die Rolle der Raumgestaltung im Konfliktfall spielen hierbei eine immanente Rolle[25] (vgl. Abb. 1, S. 13). Es gibt verschiedene Ebenen im Raum, in denen der Konflikt verortet sein kann. Das Mehr-Ebenenkonzept der Geographie, das von der lokalen über die regionale und großregionale Ebene bis zur internationalen Ebene reicht, stellt eine nützliche Basis der Konfliktforschung dar. Die Konflikte der vorliegenden Arbeit haben vielfältigen Auswirkungen von der lokalen bis zur internationalen Ebene. Daher muss die Einflussnahme von Akteursgruppen auf allen Ebenen berücksichtigt werden. Hierbei ist insbesondere die internationale Ebene zu berücksichtigen, auf der sich der Integrationsprozess in die EU abspielt (vgl. Kap. 4.4).

Bei der Konfliktanalyse interessieren nicht nur die konfliktauslösenden Rahmenbedingungen im administrativen, juristischen und im gesellschaftlichen Bereich. Ebenso relevant sind die Artikulations- und Organisationsformen der Handelnden (Macher) wie der Betroffenen (Opfer), das Konfliktmanagement und die Formen der Konfliktlösung. Die konfliktauslösenden Rahmenbedingungen sind gleichzusetzen mit den strukturellen Rahmenbedingungen bei Ropers (vgl. Kap. 1.2).

Reubers fordert im Forschungsfeld der räumlichen Konfliktforschung theoretische Konzepte, welche über die tradierten strukturalistischen Perspektiven wie Klassengesellschaft und Weltsystem-Ansatz hinausgehen.[26] Um der neuen Unübersichtlichkeit der Institutionen und Akteure, welche die Aushandlungsprozesse um räumlich lokalisierte Ressourcen beeinflussen, entgegnen zu können, bieten sich handlungsorientierte Ansätze an. Zentrales Anliegen ist hierbei die Rekonstruktion der Ziele und Handlungen der Akteure in raumbezogenen Konflikten und das Verständnis der oben angeführten sozialen, politischen und räumlichen Rahmenbedingungen (vgl. Abb. 1, S. 13). Die in Kap. 1.2 angeführten Leitfragen belegen die handlungsorientierte Perspektive. “Eine solche Form der Konfliktanalyse bietet der Politischen Geographie einen angemessenen Untersuchungsrahmen für die flexiblen Rollen der Akteure, die heutzutage nicht nur in Lebensstilen und multiplen Identitäten, sondern auch in Auseinandersetzungen um Raum und Macht ihre “feinen Unterschiede“ pflegen.[27] Welche Perspektiven diese handlungstheoretische Konzeptualisierung der raumbezogenen Konflikte bietet, wird im Fazit diskutiert (vgl. Kap. 4.3).

Die sozialbezogene Konfliktforschung der Politikwissenschaft arbeitet mit ähnlichen Instrumenten wie die räumliche Konfliktforschung, wobei hier der räumliche Aspekt eine andere Rolle spielt. Sie differenziert zwischen vertikaler und horizontaler Ebene (vgl. Kap. 1.2), wobei die vertikale Ebene gleichzusetzen ist mit dem Raumbegriff der räumlichen Konfliktforschung. Als Analyseinstrument steht die Interaktionsanalyse der Akteure im Vordergrund. Die Interessen und Beziehungen der Akteure, der Macher und Opfer, werden als Genesefaktoren der Konflikte vorangestellt. Die Sozialwissenschaft als Mutterfach der Politikwissenschaft liefert neben der allgemeinen Konflikt-, Kriegs- und Friedensforschung auch die Theorieangebote,[28] welche in der räumlichen Konfliktforschung als Grundlage dienen können.

Für die vorliegende Arbeit bilden die Interaktionsanalyse und die Theorieangebote der Politikwissenschaft und das Ebenenkonzept der räumlichen Konfliktforschung der Humangeographie gemeinsam ein methodologisches interdisziplinäres Theoriegerüst. Welche weiteren Teilsdisziplinen und Forschungsfelder der Geographie in der Konfliktforschung eingesetzt werden können, wird im Fazit diskutiert (vgl. Kap. 4.3).

3. Kulturerdteile als geographische Regionalisierung der Welt [29]

Es gibt ein neues Interesse am Nord-Süd-Konflikt und an der Gliederung des Globus nach Kultur- und Wirtschaftsräumen. Beispiele hierzu liefern insbesondere PolitikwissenschaftlerInnen und JournalistenInnen wie Huntington, Rufin und Galtung.[30] Die kulturelle Dimension mit ihrem religiösen Hintergrund, den kulturspezifischen Wertnormen und den entsprechenden Verhaltensstilen als Gegenstück zur globalen Vernetzung rückt in den Mittelpunkt der Diskussion. Ihren krassesten Ausdruck finden diese Deutungen in Huntingtons Prognose eines Krieges der Zivilisationen, indem die besonders “gefährdete“ westliche Zivilisation zu Verteidigungsmaßnahmen unter dem Motto: “the West versus the rest[31] aufgefordert wird. Huntington geht in seiner Grundthese davon aus, dass die fundamentale Grundlage des Konflikts in der neuen Welt nicht primär ideologisch bzw. ökonomisch sein wird. Die Kultur bildet den dominierenden Konfliktstoff der Menschheit in der Gegenwart und in der Zukunft. Die “Kollision der Zivilisationen wird globale Politik bestimmen, die Bruchlinien zwischen Zivilisationen werden die Konfliktlinien der Zukunft bilden.[32] Huntington stellt die westliche Zivilisation in seinem Essay über die anderen Kulturen. Hierbei ist besonders das Verhältnis zwischen dem Islam und dem Westen interessant.

Die Konfliktlinie zwischen Islam und dem Westen existiert aus der Sicht von Huntington seit 1300 Jahren und bildet eine lange Reihe von Konfrontationen und Kriegen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ändert sich die Geschichtslinie. Der Westen gibt seine Kolonien auf, arabischer Nationalismus und “islamischer Fundamentalismus“ manifestieren sich. Der Westen wird vom Öl der Golfstaaten abhängig. Es werden mehrere Kriege zwischen Israel und den arabischen Staaten geführt, an denen sich auch der Westen aufgrund der vermeintlichen islamischen Gefahr beteiligt.

Huntington bezeichnet die jahrhundertealte Auseinandersetzung zwischen dem Westen und dem Islam als unverbrüchlich. Sie berge ein enorm hohes Konfliktpotential und werde weiter vertieft werden. Dies habe besonders der Zweite Golfkrieg gezeigt. In vielen arabischen Ländern werde die Öffnung zum Westen durch die Bildung von reaktionären Kräften behindert. Auf beiden Seiten werde die Interaktion zwischen Islam und dem Westen als eine Kollision der Zivilisationen gesehen. Huntington entdeckt an allen Grenzen der “islamischen Zivilisation“ Konflikte der Moslems mit ihren Nachbarn und zieht den Schluss: “Islam has bloody borders.[33]

Die Türkei bildet als säkularer Staat mit mehrheitlich islamischer Bevölkerung in Huntingtons Theorie eine Ausnahme. Er bezeichnet die Türkei als eine westlich orientierte Subdivision, welche in der islamischen Welt westliche Interessen vertreten würde. Die Kulturkonstruktion von Huntington würde also eine Integration der Türkei in die EU aufgrund ihrer stabilen Westorientierung erlauben. Der Aspekt des europäischen Selbstverständnisses wird im Fazit wieder aufgegriffen (vgl. Kap. 4.1).

Eine andere Sichtweise bringt der palästinensische Literatur- und Sozialwissenschafter Said an. Diese beinhaltet, obwohl viel früher geschrieben, eine direkte Kritik an Huntingtons Thesen. Said kritisiert in seiner Abhandlung “Orientalism“ aus dem Jahre 1978 den eurozentrischen bzw. westlichen Fokus in Forschungen über den Orient. Der Begriff des “Orient“ sei ein gedankliches Konstrukt und erzeuge in sich eine Abgrenzung. Die westliche Sicht in der Literatur sei somit auf Aggression, Imperialismus und Ablehnung aufgebaut worden. Mit der interessanten Methode der Literaturanalyse und der Analyse der Wissenschaft der Orientalistik belegt Said diese Position.[34] Die westliche Orientalistik ist aus seiner Sicht eine Wissenschaft, welche den Islam, die Araber und die gesamte orientalische Welt, zu der auch die Türkei aufgrund ihrer islamischen Prägung gehört, als feindlich, rückständig und primitiv abwertet. Die Menschen im Westen werden vor der undemokratischen und gewalttätigen Welt des Orients und des Islam gewarnt. Die Orientalistik betrachtet, so Said weiter, die heterogene und dynamische soziale Realität von einem unkritischen, existenzialistischen Standpunkt aus. Dieser Existenzialismus basiert auf der westlichen Sicht und behindert Einsichten in den historischen Wandel, da sie eine Abwehrhaltung auf beiden Seiten bewirkt. Damit entwickele sich die Orientalistik zum Komplizen des Imperialismus. In diesem Sinne gibt es für Said einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Aufstieg der Imperialmächte und der Entwicklung der modernen Orientalistik.[35] Der Okzident wird gegen den Orient abgegrenzt.

4. Zukunftsperspektive: Neue Politische Geographie als kritische Geopolitik

Die Politische Geographie soll als Kritische Geopolitik den geopolitischen Diskurs der internationalen Akteure aus den geopolitischen Codes[36] beeinflussen. Es sollen raum- und maßstabsbezogene Wertungsmuster praxisbezogener politischer Argumentation erarbeitet werden. In den Mittelpunkt rücken die Art und Weise, wie die beteiligten Akteure handlungsrelevante Territorien “konstruieren“, also bestimmen und abgrenzen (vgl. Kap. 4.2). In der Schule der Critical Geopolitics (Kritische Geopolitik) steht daher die Analyse und Dekonstruktion geopolitischer Leitbilder und Diskurse im Zentrum der Forschung. Diese Leitbilder repräsentieren keine objektive Realität, sondern besitzen als sprachliche und kartographische Konstruktionen eine eigene Symbolkraft und Relevanz, indem sie an der Konstruktion und Reproduktion geopolitischer Weltbilder und Machtkonstellationen mitwirken.[37]

Das derzeit wichtigste Thema besteht im Widerstreit zwischen der immer stärker voranschreitenden Globalisierung auf allen Ebenen und der entgegen wirkenden Regionalisierung.[38] Eine Konkretisierung dieses Spannungsfeldes findet sich im Rahmen politisch-geographischer Diskurse in der Frage nach politischer Regionalisierung der Welt. Aufschlussreich ist hierbei die Verwendung der Begriffe Nation, Staat, Territorium und Nationalstaat.[39] Diese Begriffe werden auch in der vorliegenden Arbeit häufig verwendet, da sie im Politikverständnis der Hauptakteure eine relevante Rolle spielen. Die Konflikte werden an Grenzen von traditionellen Nationalstaaten ausgetragen. Die Parteien berufen sich stets auf das Prinzip der territorialen Souveränität in der Austragung der Konflikte und agieren dementsprechend. Das Territorialitätsprinzip allerdings erscheint bei näherer Betrachtung ungeeignet, vernunftorientierte Konfliktregelungsmechanismen zu implementieren. Die Gründe hierfür werden im Fazit diskutiert (vgl. Kap. 4.2). Der Ansatz der Kritischen Geopolitik kann hier nicht ausführlich erläutert werden, da sich die Autoren in dieser Arbeit auf das Forschungsfeld der räumlichen Konfliktforschung konzentrieren. Dennoch sollte diese Perspektive insbesondere bei der Analyse von globalen Konfliktformationen hinzugezogen werden, denn sie leistet einen relevanten Beitrag für das Verständnis der konnotativen Ebene der Produktion von geopolitischen Leitbildern.

1.4 Der Konfliktbegriff

Im folgenden Kapitel steht die Diskussion des Konfliktbegriffes und die Einordnung der zu analysierenden konkreten Konflikte im Zentrum. Zudem werden im darauffolgenden Kapitel zwei handlungsrelevante konflikttheoretische Konzepte vorgestellt. Diese dienen u.a. als Hinführung zur Suche nach Lösungsansätzen für die dargelegten Konflikte.

Die Konfliktanalyse ist neben der Integrationsthematik eine der zentralen Elemente der Arbeit. Wenn es z.B. um Differenzen zwischen den Anrainerstaaten eines Flusses über die Nutzung des Wassers geht , wird dies i.A. als “Wasserkonflikt“ klassifiziert. Der Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei beinhaltet u.a. einen Territorialkonflikt, der insbesondere in der Ägäis als Ressourcenkonflikt generiert wurde (vgl. Kap. 1.8). Hierbei ist der Begriff des Konfliktes ein komplexer und klärungswürdiger Begriff.

Allgemein gesehen gelten Konflikte “alswichtige[s] Element sozialer Interaktion“, “als Zerstörer und als Schöpfer: “Konflikte als Gefahr der Gewalt sowie Konflikte als Chance für Wandel und Fortschritt.[40] Diese expressive Formulierung unterstreicht den diametralen Charakter von Konflikten.

Zunächst muss betont werden, dass ein Konflikt auf einer subjektiven Wahrnehmung basiert. Es existiert also nur dann ein Konflikt, wenn die gegensätzlichen Parteien die Situation als einen Konflikt empfinden und erkennen. So wird von Mitchell eine Konfliktsituation wie folgt definiert:

“Any situation in which two or more social entities or ‘parties’ (however defined or structured) perceive that they possess mutually incompatible goals.[41]

Hinzu kommt, dass je nach politisch-ideologischem Standort des Betrachters/der Betrachterin der Konflikt als Phase in einem Kontinuum etwa als Ausgangspunkt oder Resultat sozialer Prozesse und als Mittel oder Zweck verstanden werden kann. Das Verständnis von Konflikten als Prozesse spielt insbesondere beim Konfliktmanagement eine wichtige Rolle (vgl. Kap. 4.3). Das Prozessverständnis kann im Einzelfall einen signifikanten Unterschied ausmachen. Ebenso wenig, wie es heute eine einheitliche Soziologie des Konfliktes oder eine allgemeine Konflikttheorie gibt, existiert auch kein wirklich eindeutiger bzw. unstrittiger Konfliktbegriff.[42]

An dieser Stelle wird eine Definition von Maull angeführt, welche aus der Sicht der Autoren geeignet erscheint, die Konstellationen in dieser Arbeit als Konflikte zu klassifizieren: “Ein Sozialer Konflikt ist die Eigenschaft eines Systems, in dem zwei oder mehr widersprüchliche Zielstände angelegt sind, so dass das Erreichen des einen Zielstandes (der den objektiven Interessen einer Partei entspricht) mit dem Erreichen des anderen Zielzustandes (bzw. der anderen Zielzustände) unvereinbar ist. Die Parteien können außerdem diese Inkompatibilität der Zielvorstellungen erkannt und entsprechende Aktionen zu ihrer Durchsetzung eingeleitet haben.[43]

Bonacker und Imbusch halten es für wichtig, den Konflikt zunächst unvoreingenommen als sozialen Tatbestand zu betrachten. Hierfür steht bei Maull der Begriff des sozialen Konfliktes. Konflikte lassen sich entsprechend definieren als “soziale Tatbestände, an denen mindestens zwei Parteien (Einzelpersonen, Gruppen, Staaten etc.) beteiligt sind, die auf Unterschieden in der sozialen Lage und/oder auf Unterschieden in der Interessenskonstellation der Konfliktparteien beruhen[44]. Diese zweite Definition kongruiert in ihrem Inhalt mit der von Maull.

Um eine adäquate Definition für diese Arbeit zu finden, bedarf es der Betrachtung weiterer Faktoren. Zunächst sollten aus differenzierten Analyseebenen grundlegende Aspekte von Konflikten erhellt werden. Vier Analyseebenen können diesbezüglich unterschieden werden: das Individuum mit intrapersonalen Konflikten; die Gesellschaft mit interpersonalen Konflikten und innergesellschaftlichen Konflikten, und das internationale System mit internationalen Konflikten.[45] Auf jeder Ebene lassen sich nicht nur unterschiedliche Konfliktparteien einordnen, deren Art und Zahl variieren können, sondern der Konflikt nimmt demnach auch eigene spezifische Erscheinungs- und Austragungsformen an. So lassen sich auf der personalen Ebene psychische Spannungen und psychologische Konflikte, auf der interpersonalen Ebene etwa Entscheidungs- und Interaktionskonflikte verorten.

Beispiele für innergesellschaftliche Konflikte wären etwa politische, religiöse, ökonomische und soziale Konflikte, ethnische, rassische und andere Minoritätenkonflikte, Bürgerkriege sowie Informations- und Kommunikationsdefizite, Technologiekonflikte und ökologische Konflikte. Auf der internationalen Ebene könnte zwischen Machtkonflikten und Kriegen, der Konkurrenz ideologischer Systeme (Ost-West-Konflikt), globalen Verteilungskonflikten (Nord-Süd-Konflikt) sowie regionalen Spannungen und Auseinandersetzungen unterschieden werden.[46] Die großen gesellschaftlichen und internationalen Konfliktkonstellationen, welche um makropolitische, -ökonomische und militärische Achsen konzentriert sind, lassen sich mit dem Begriff der “Konfliktformation “ fassen.[47] Hierzu zählen u.a. der globale Kampf um die Ressourcenverteilung, zu dem die bearbeiteten Konflikte auf regionaler Ebene gehören und das Konzept des “Clash of Civilisations “ von Huntigton (vgl. Kap.1.3), ebenso auch der damit verbundene aktuelle Ideologiewettstreit zwischen Fundamentalismus und “Turbokapitalismus“.[48] Bei der Feststellung von Konfliktarten ist aber zu beachten, dass Konflikte selten eindimensional wirken. Dieser Umstand wird mit der Berücksichtigung der Multidimensionalität von Konflikten beschrieben (vgl. Kap. 1.8).

Eine weitere wichtige Differenzierung des Konfliktbegriffes besteht in der Unterscheidung von bestimmten Typen des Konfliktes. Da es eine Vielzahl von Möglichkeiten der Konflikttypisierung gibt, welche nicht alle hier dargestellt werden können, konzentrieren die Autoren sich auf ausgewählte Typisierungen, welche für ihre Analyse besonders geeignet erscheinen.

Eine in vielen Aspekten besonders grundlegende Unterscheidung ist die Trennung in echte und unechte Konflikte. Als echte ’realistische’ Konflikte bezeichnet Coser zweckrationale Konflikte, in welchen der Konflikt das Mittel zur Erreichung eines bestimmten Zieles darstellt und nicht zum Selbstzweck degeneriert ist. Beim unechten Konflikt steht dagegen nicht der Gegenstand oder das Ziel des Konfliktes im Zentrum, sondern der Konflikt an sich. Die Konflikte und Konfliktparteien können jederzeit beliebig ausgetauscht werden und besitzen keine argumentative Basis für die Austragung eines “Konfliktes“.[49]

Weiterhin lassen sich manifeste von latenten Konflikten differenzieren. Als manifest lässt sich ein Konflikt bezeichnen, welcher aufgrund der Konfliktaustragung oder im Aspekt der offenen Artikulation durch die Konfliktparteien als solcher erkennbar ist. Im Gegensatz dazu wäre ein latenter Konflikt nicht unmittelbar als solcher erkennbar, weil er (noch) nicht ausgetragen wird.

Konflikte können symmetrisch oder asymmetrisch sein. Diese Differenzierung zielt auf die Macht/und oder Gleichberechtigung der Konfliktparteien ab. In Gesellschaften, welche durch hierarchische Herrschaftsverhältnisse geprägt sind, bilden symmetrische Konflikte die Ausnahme. Symmetrisch wäre ein Konflikt dann, wenn die Voraussetzungen, Mittel und Kontexte der Konfliktparteien identisch wären. Das Ausmaß der Abweichung von diesem Idealzustand würde den Grad der Asymmetrie verdeutlichen. Die Asymmetrie wiederum bezieht sich auf unterschiedliche Aspekte; sie kann z.B. rechtlicher, struktureller oder moralischer Natur sein und auf Verhaltensstandards und Beziehungen dritter Parteien abzielen. Die Symmetrie bzw. Asymmetrie zwischen den Konfliktparteien determiniert nicht nur in hohem Maße die Konfliktaustragungsformen, sondern auch das Ergebnis eines Konfliktes.[50] Aus der Symmetrie oder Asymmetrie eines Konfliktes können aber keinerlei Schlussfolgerungen auf einen friedlichen oder destruktiven Konfliktaustrag gezogen werden.[51] Die asymmetrischen Machtverhältnisse im internationalen System blockieren oft die friedliche Regelung und Lösung von Konflikten (vgl. Kap. 4.2).

Zur Typologie der Konflikte muss aber angemerkt werden, dass sich eine endgültige Klassifikation von Konflikten nicht vornehmen lässt, da eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt werden müssen. Diese Erfahrung mussten Studierende der Geographie im Konfliktseminar machen (vgl. Kap.1.2). Es bedarf der Berücksichtigung mehrer konfliktrelevanter Aspekte, welche die Konfliktstudien nach bestimmten Merkmalen ordnen:

- Räumliche und territoriale Bedingungen. Hierbei ist nicht die territoriale Ausdehnung des Konfliktes von Bedeutung, sondern die räumliche Hierarchie und der Hegemonialcharakter der Akteure (vertikale Ebene) (vgl. Kap. 4.2).
- Die Akteurskonstellation der internen und externen Akteure. Hierbei ist die Machtverteilung und die Gruppenzugehörigkeit von besonderer Relevanz. Die Gruppenzugehörigkeit der einzelnen Akteure bzw. Akteursgruppen kann in verschiedenen Dimensionen gelagert sein: ethnisch, religiös, politisch, ideologisch oder ökonomisch (horizontale Ebene). Dies betrifft wiederum die Multidimensionalität der Konflikte (vgl. Kap. 1.2 & 1.8).
- Die Konfliktverläufe, wobei die Konfliktdynamik zu beachten ist.
Die vorhandene Konfliktsituation und der Konflikttyp machen aber nicht alleine den Konflikt aus. Der Aspekt der prozessualen Entwicklung ist unerlässlich für die Konfliktklassifikation. Um nun zu verdeutlichen, dass der Konflikt einen Prozess darstellt, also eine Phasenfolge in einem Kontinuum, kann das Konfliktdreieck[52] von Galtung dienlich sein. Es bringt drei Komponenten in Zusammenhang, die nur analytisch voneinander unterschieden werden. Bei jedem realen Konflikt befinden sich diese drei Komponenten miteinander in Interaktion und haben zueinander komplexe Beziehungen.[53]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: “Konfliktdreieck nach Galtung“

Quelle: Maull 1973, S. 3.

K steht für Konfliktsituation bzw. die vorhandenen Konfliktgegensätze (inkompatible Zielstände); Attitüden (A) sind die Einstellungen und Empfindungen gegenüber dem Gegner; Verhalten (V) drückt die gesamte Politik gegenüber dem Gegner aus.[54]

Um die der Arbeit zugrundeliegenden Zustände als Konflikte bezeichnen zu können, müssen also mindestens zwei Parteien als Konfliktakteure beteiligt sein. Wenn diese in ihren Interessen bzw. (sozialen) Zielen Differenzen aufweisen und in ein System eingebunden sind, in welchem ein oder mehr widersprüchliche Zielzustände konkurrieren, liegt ein sozialer Konflikt vor. Dies gilt vor allem dann, wenn eine Inkompatibilität der Zielvorstellungen erkannt und Maßnahmen der Konfliktakteure zur Durchsetzung der eigenen Ziele eingeleitet wurden. Die Definition von Maull konkretisiert explizit diesen Prozess. Wenn die Autoren nun die beiden angeführten Definitionen der Konfliktanalyse zugrunde legen wollen, müssen die oben beschriebenen Kriterien auf die Konstellationen der Arbeit zutreffen.

Griechenland und die Türkei sind zwei konträre Konfliktakteure mit differenzierten Zielen und Interessen in ihrer Region. Diese Region bildet das System, in das sie eingebunden sind. Der Konflikt ist aufgrund der vorgelegten Zielzustände manifest und wird offen artikuliert. Die Inkompatibilität betrifft die Frage der Behandlung der Insel Zypern und der Grenzregelung in der Ägäis. Beide haben Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele eingesetzt. Somit sind die Konfliktelemente von Maull in diesem Disput wiederzufinden.

In der Konstellation Türkei, Syrien und Irak kann ebenfalls von einem manifesten Konflikt gesprochen werden. Es existieren drei Konfliktparteien, wobei zwei Akteure gemeinsame Ziele und Interessen gegenüber dem dritten Akteur verfolgen. Diese erscheinen mit den Zielvorstellungen der Türkei inkompatibel. Der Disput wird offen artikuliert und betrifft die Ressource Wasser (vgl. Kap. 3.1). Dies findet seinen Ausdruck in dem Begriff “Wasserkonflikt“. Beide Fallstudien liegen bei der Betrachtung der Analyseebenen von Konflikten auf der Ebene des internationalen Systems mit internationalen Konflikten. Die großregionalen Konflikte der Türkei als Teil des internationalen Systems können als zwischenstaatliche Konflikte zu den internationalen Konflikten gezählt werden.

1.5 Konzepte der Konflikttheorie

Es existiert keine allgemein verbindliche Theorie zur Genese und Erklärung von Konflikten. An dieser Stelle sollen aber zum besseren Verständnis und für die Suche nach Lösungsansätzen zwei besonders markante theoretische Konzepte vorgestellt werden, welche sich diametral gegenüberstehen: der “Politische Realismus“ und die “Kritische Friedensforschung“.

Die zentrale Argumentationslinie des Politischen Realismus beinhaltet das Verhältnis von Individuum und Staat. Die Funktionen des Staates werden mit den Bedürfnissen von Individuen gleichgesetzt. Der Staat wird nach Hegel als “individuelle Totalität[55] betrachtet. Alle menschlichen Charakterzüge überträgt der Politische Realismus auf den Staat als Akteur im System internationaler Beziehungen, welches sich aus den Handlungen der Nationalstaaten mit den daraus resultierenden Konsequenzen zusammensetzt. Dies kann insbesondere die Implementierung internationaler Organisationen betreffen. Wie das Individuum, so trachtet auch der Staat nach dem Erringen von Sicherheit und Schutz durch politische Macht, welche er gegen andere Staaten erringen muss.

Neben dem Machtbegriff ist für den Politischen Realismus der Begriff des “Nationalen Interesses “ von besonderer Bedeutung. Dieses Interesse gilt der Schutzfunktion, der territorialen Souveränität und dem nach innen gerichteten Monopol der Anwendung physischer Gewalt.[56] Während auf der gesellschaftlichen Ebene der Machtkonflikt durch den Staat relativ eingedämmt werden kann, fehlt eine solche Instanz auf der internationalen Ebene. Dies hat einen permanenten Machtkampf zur Folge. Das anarchische, steuerungsdefizitäre internationale System ist deshalb weitgehend identisch mit dem internationalen Konflikt, der zwischen den Versuchen seiner Abmilderung und dem Krieg oszilliert. Die je nach Kultur und Position unterschiedlichen nationalen Interessen determinieren als jeweilige Außenpolitik der Staaten die internationalen Beziehungen. Dabei lassen sich drei Arten der Außenpolitik und der Konfliktgestaltung ausmachen: das Streben nach dem Erhalt, dem Erwerb und dem Demonstrieren von Macht gegenüber anderen Staaten.[57]

Im Gegensatz dazu steht die Kritische Friedensforschung. Ihr Paradigma und ihre Verpflichtung liegen in der Orientierung wissenschaftlicher Forschung am Erreichen und Durchsetzen eines globalen Friedens. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die normative Verpflichtung der Kritischen Friedensforschung eng mit dem geistesgeschichtlichen Projekt der Aufklärung und insbesondere mit ihrem philosophischen Begründer Immanuel Kant verbunden ist. Dem gegenüber beruft sich der Politische Realismus auf eine macht- und nicht vernunfttheoretische Begründung humaner Praxis[58] (vgl. Kap. 4.2).

Die Kritische Friedensforschung stellt den “Zustand der organisierten Friedlosigkeit“ nach Senghaas in das Zentrum ihrer Diskussion. Die Hauptleitfrage besteht darin, aus welchem strukturellen Grund Menschen unvernünftigerweise Kriege führen und wie diese Unvernunft oder Unmündigkeit zu überwinden ist. Der Politische Realismus behauptet, Kriege und Konflikte seien in der menschlichen Natur tendenziell angelegt. Deshalb wären sie eine relativ ’normale’ Erscheinung in zwischenmenschlichen und zwischenstaatlichen Interaktionen. Dagegen geht die Kritische Friedensforschung davon aus, dass der Mensch ein nach Maßgaben der Vernunft menschenwürdiges Leben für alle durchsetzen will.[59]

Der Krieg erscheint in dieser Perspektive als Anomalie bzw. als systemisch bedingter Effekt. Der Frieden gilt hingegen als zu erreichendes Ziel, wobei die VertreterInnen der Kritischen Friedensforschung zwischen zwei Friedensbegriffen unterscheiden. Während der “negative Friedensbegriff“ unter Frieden die Abwesenheit von Krieg versteht, betont die Kritische Friedensforschung, dass Friede mehr sei. Sie differenziert zur näheren Bestimmung personale und strukturelle Gewalt. Ein “positiver Friedensbegriff “ lässt sich dann nach Galtung über die Abwesenheit struktureller Gewalt[60] bestimmen. Hierbei wird unter struktureller Gewalt ein ungleiches und damit ungerechtes Verhältnis verstanden, welches in den Konstitutionsprinzipien einer Gesellschaft oder eines sozialen Subsystems verankert ist.[61]

Strukturelle Gewalt ist die unpersönliche, abstrakte, in den Macht- und Besitzverhältnissen eines Sozialsystems begründete Beeinflussung, aufgrund derer sich ungleiche Lebenschancen ausbilden. Dies lässt sich am Beispiel der internationalen Systeme darstellen.[62] Ein von den AutorInnen der Kritischen Friedensforschung immer wieder in den Mittelpunkt der Analyse gerücktes Verhältnis ist das zwischen dem Zentrum und der Peripherie innerhalb des internationalen Systems, das hier als ein geschichtetes und hierarchisches System gedeutet wird: “Die hierarchische Strukturierung der internationalen Gesellschaft mit einem eindeutigen Oben und Unten und relativ klar umrissenen Mittelpositionen dokumentieren sich gleichermaßen in allen wesentlichen politischen, ökonomischen, militärischen, wissenschaftlichen und technologischen Dimensionen, legt man gebräuchliche Rangindikatoren einer deskriptiv-statistischen Analyse zugrunde.“[63] Das Verhältnis der reichen zu den armen Ländern, das von Dependenz und Ausbeutung geprägt ist, wird von Galtung mit der für die gesamte Kritische Friedensforschung konstitutiven Unterscheidung von struktureller und personeller Gewalt in Verbindung gebracht.

Der Konflikt liegt an der Stelle zwischen Zentrum und Peripherie, an der die Interessenkollision stattfindet, welche sich in den ungleichen Lebenschancen der Peripherie gegenüber dem hegemonialen Zentrum verdeutlicht. Für Galtung ist ein “Konflikt per definitionem eine Unvereinbarkeit zwischen zwei oder mehreren Zielen in einem zielsuchenden System[64] ,hier also dem System der internationalen Beziehungen, das von diesem System geprägt ist.[65] Diese Aussage korreliert mit den Ausführungen im definitorischen Konzept der Autoren, in dem sie mit dem Konfliktdreieck von Galtung gearbeitet haben. Damit wird nochmals die Auswahl der Definition für die Analyse bestätigt. Während die Kritische Friedensforschung von der Unvereinbarkeit der Interessen von Akteuren als Genesefaktoren von Konflikten ausgeht und damit den Weg für die Suche nach Lösungsansätzen bereitet, findet sich im Politischen Realismus keine solche Annahme. Durch die Betrachtung von Konflikten als normale Zustände in den staatlichen Interaktionen wird ein solcher Weg versperrt. Daher ist die Kritische Friedensforschung schon aufgrund ihrer Rationalität und der Bewertung von Konflikten als defizitäre und abnormale Konstellationen des internationalen Systems die geeignetere theoretische Basis für die Konstruktion von Lösungsansätzen. Sie wird in dieser Weise in der vorliegenden Arbeit verwendet werden (vgl. Kap. 4.2).

1.6 Methoden und Verfahren

Im Zentrum des vorliegenden Kapitels steht die Diskussion der dieser Arbeit zugrundeliegenden Methodologie. Es soll geklärt werden, mit welchen Verfahren und Instrumenten die Autoren an die Erarbeitung der Fragestellungen und Analysetechniken herangegangen sind. Hinzu kommt die Begründung der Auswahl der relevanten Methoden zur Bearbeitung der verwendeten Medien und Daten. Zudem wird die Wissenschaftstheorie erläutert werden, welche der Methodologie vorangeht. So sollen die LeserInnen einen Einblick in Ansatz und Anspruch der qualitativen Sozialforschung als Analysedisziplin erhalten.

Bereits während der ersten Sekundärliteraturrecherche merkten die Autoren, dass diese alleine für eine umfassende systematische Analyse nicht ausreichen würde. Die eingebrachten Quellen legten nicht alle Sichtweisen der beteiligten Akteure dar. Besonders die türkische Sichtweise wurde in signifikanten Aspekten vernachlässigt. Es wurden neuere Informationen insbesondere von ExpertInnen in der Türkei benötigt, um der Aktualität und der Komplexität der Thematik gerecht werden zu können. Um die einzelnen relevanten Aspekte der Arbeit ausfüllen zu können, bedurfte es also der Methodologie der empirischen Sozialforschung, denn ohne eine qualitative Datensammlung ließ sich das Vorhaben nach den Vorstellungen der Autoren nicht realisieren. Hierbei war der qualitative Charakter von besonderer Bedeutung. Die Autoren konzentrierten sich in ihrer Auswahl auf qualitative Verfahren, da diese für die Analyse der Arbeit eine geeignetere Basis als quantitative Methoden bilden. Die qualitative Forschung betont die Kontextabhängigkeit sozialer Erscheinungen und stellt die Menschen, ihre Motive, Gedanken und Verhaltensmuster in den Fokus der Analyse.[66] Die wissenschaftstheoretische Basis der qualitativen Forschung bildet das “Hermeneutische Paradigma“, welches sich diese Kontextabhängigkeit zur Leitlinie macht. Sie beschreibt die Phänomene der geistigen bzw. der daraus konstruierten sozialen Welt nicht als objektive Realität, sondern rekonstruiert sie in einem hermeneutischen, d.h. handlungsverstehenden Prozess.[67] Die Hauptintention besteht hierbei darin, “soziales Handeln deutend zu verstehen und dadurch in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen ursächlich zu erklären.[68] Dies bedeutet, dass der qualitativ-verstehende Ansatz den Anspruch hat, Gegenstände, Zusammenhänge und Prozesse nicht nur analysieren zu können, sondern sich in sie hineinzuversetzen, um das Verstehen vertiefen.[69]

Interaktionen von Staaten und die daraus resultierenden Handlungsmuster, welche zu dem oben bezeichneten sozialem Handeln gezählt werden können, differieren voneinander und basieren auf unterschiedlichen historischen und politischen Vorbedingungen. Die soziale Realität, zu der auch staatliches Agieren gehört, ist eine Erscheinung, die sich nicht quantitativ operationalisieren lässt. Statt dessen bilden sich einzigartige Auswirkungen, welche sich qualitativ tiefgründiger erfassen lassen (vgl. Kap. 4.3).

Als spezielle Erhebungsmethode wurde das problemzentrierte Interview[70] bzw. Intensivinterview ausgewählt. Dieses erschien besonders erfolgversprechend, um die anvisierten Problemfelder in eine Befragungsform strukturieren zu können. Das Intensivinterview beinhaltet eine halbstrukturierte, offene Befragung, welche den Interviewten möglichst frei reden lässt, um einem offenen Gespräch nahe zu kommen. Es ist aber zentriert auf eine bestimmte Problemstellung. Diese wird vom Interviewer/der Interviewerin vorab festgelegt. Er/Sie hat hierzu relevante Leitfragen erarbeitet und in einem Interviewleitfaden zusammengestellt. Im Verlauf des “fokussierten Interviews“ spricht er/sie die dargelegten Leitaspekte an und konzentriert so das Gespräch auf die zugrundeliegenden Problemfelder.[71]

Als InterviewpartnerInnen besonders geeignet erschienen den Autoren AkademikerInnen verschiedener Fachrichtungen, VertreterInnen der türkischen Administration und PolitikerInnen, da diese besonders mit der Thematik vertraut sind. Bei der endgültigen Auswahl der Zielpersonen konzentrierten sie sich dann auch auf solche ExpertInnen, welche einen direkten Bezug zur Thematik und eine entsprechende fachliche Reputation hatten. Die durchgeführten Interviews beinhalteten Gespräche mit ExpertInnen in den türkischen Städten Istanbul, Adana, Ankara und Diyarbakır in der GAP-Region. Als Beispiel hier ist ein Dozent der Pädagogischen Fakultät der Universität von Diyarbakır – Sektion Geographie - zu nennen, der aufgrund seines Aufenthaltes in der Konfliktregion und seiner fachlichen Kompetenz als Gesprächspartner ausgesucht wurde.

Aus diesen Experteninterviews sollten die unterschiedlichen Sichtweisen und Interessen der Beteiligten zur Thematik ersichtlich werden. Da die Türkei innenpolitisch stark zerrüttet ist und sich Interessenskonstellationen laufend neu bilden, war die Befragung vor Ort sinnvoll, um einen gründlichen Einblick in die politischen Strukturen zu bekommen (vgl. Kap. 4.1).

Um nun zum Ziel der Untersuchung zu gelangen, sollte das vorliegende Material der Interviews nach bestimmten Gesichtspunkten ausgewertet werden. Hier schien die qualitative Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode geeignet zu sein. Diese Methode entspricht in ihrem Ansatz der Befragungstechnik des Intensivinterviews. Die Bearbeitung der Texte vollzieht sich schrittweise mit theoriegeleitet am Material entwickelten Kategoriesystemen. Das Material wird hierbei in Einheiten zerlegt, welche nacheinander bearbeitet werden.[72] Die qualitative Inhaltsanalyse entstand aus der Kritik an der quantitativen Inhaltsanalyse, welche insbesondere vier Aspekten eine geringe Bedeutung beimaß: dem Kontext von Textbestandteilen, latenten Sinnstrukturen, markanten Einzelfällen sowie den im Text fehlenden Hintergründen. Gerade die latenten Sinnstrukturen sind von enormer Bedeutung für das Verständnis der Interviews. Um die wirklichen Intentionen und Einstellungen der GesprächspartnerInnen einschätzen zu können, sollten diese latenten Sinnstrukturen analysiert werden. Sie verbinden durch die vorab festgelegten Kategoriesysteme den Text mit einer vom Forscher/von der Forscherin intendierten Struktur.

Es können drei Grundformen der qualitativen Textanalyse unterschieden werden,[73] wobei sich die Autoren aufgrund der eigenen Fragestellung für die dritte Form der Analyse entschieden hatten:

1. Zusammenfassung: Ziel der Analyse ist die Reduktion des Materials. So bleiben die essentiellen Inhalte erhalten und durch die Abstraktion wird ein übersichtliches Abbild des Grundtextes gebildet.
2. Explikation: Intention der Analyse ist das Herantragen von zusätzlichem Material zu einzelnen, hinterfragbaren Textstellen. So soll das Verständnis vertieft und die relevante Textstelle näher erläutert werden.
3. Strukturierung: Das Ziel besteht in der Filtration bestimmter Aspekte aus dem Text. Es wird mittels relevanten Variablen ein Querschnitt durch das Material angelegt oder eine Einschätzung des Textes mit Bezug auf festgelegte Kriterien vorgenommen.

Die strukturierte qualitative Inhaltsanalyse zielt also auf eine bestimmte Struktur aus dem Basismaterial. Dies können formale Punkte, inhaltliche Aspekte oder signifikante Typen sein. Es kann aber auch eine Skalierung, eine Einschätzung auf bestimmte Dimensionen, anvisiert werden. Letzterer galt das Hauptinteresse der Autoren dieser Arbeit bei der Auswertung des Interviewmaterials. Die politische Einstellung und die Position zur Konflikt- und Integrationsthematik standen hierbei im Vordergrund. Hierzu musste ein passendes Kategoriesystem ausgewählt werden. In diesem System sollten die erforderlichen Variablen exakt definiert werden. Dies betrifft das Herzstück der Technik. Denn nur wenn das gesamte Kategoriesystem wirklich pointiert festgelegt ist, besteht die durchgängige Möglichkeit der eindeutigen Zuordnung von Textmaterial zu den Kategorien.[74]

Die Autoren konnten die Methode nicht verwenden, da ihnen die Grundlagen der qualitativen Textanalyse in der Phase der Vorbereitung der empirischen Forschung nicht vertraut waren.. So konnten die Interviews nicht auf diese Technik abgestimmt werden, was aber eine Voraussetzung gewesen wäre. Die Befragungstechnik der Intensivinterviews kann nur dann mit der qualitativen Textanalyse in gelungener Weise korrelieren, wenn die Kategoriesysteme, mit denen die Interviewtexte strukturiert werden können, vorab festgelegt werden. Die InterviewerInnen müssen Kenntnis davon haben, welche auf die Textanalyse basierten Aspekte beachtet werden müssen. Erst dann sind sie in der Lage, die zu analysierenden Sinnstrukturen in die Kategoriesysteme zurück zu übertragen. Die Autoren sehen die Methode als sehr geeignet an und empfehlen bei entsprechender Vorbereitung, insbesondere bei Intensivinterviews, die qualitative Textanalyse als Auswertungsmethode einzusetzen.

In dieser Hinsicht möchten die Autoren Kritik an der fehlenden praxisbezogenen Ausbildung im Lehrbetrieb des Studiums anbringen. Die Methoden der qualitativen Sozialforschung werden in den meisten humanwissenschaftlichen Fächern stark vernachlässigt. Dabei wäre gerade in diesem Feld praxisbezogene Projektseminare geeignet, neue Forschungsperspektiven, insbesondere für die Humangeographie, aber auch in anderen Studienfeldern wie der Soziologie oder Sozialpsychologie, zu erschließen. Dies bedeutet aber nicht, dass hierfür die quantitative Sozialforschung weniger berücksichtigt werden soll. Sie hat berechtigterweise einen hohen Stellenwert in den Forschungsmethoden der Humanwissenschaften. Beide Forschungsrichtungen sollten sich nicht voneinander isolieren, sondern ergänzen. Dieser Aspekt wird in der Diskussion der Rolle von GeographInnen in der Konfliktbearbeitung wieder aufgegriffen (vgl. Kap. 4.3).

1.7 Quantitative und Qualitative Dimension der Wasserfrage

Im vorliegenden Kapitel steht der Aspekt der quantitativen und qualitativen Dimension[75] der Wasserproblematik im Zentrum der Deskription. Der erste Punkt betrifft die Verknappung der Ressource Wasser, welche insbesondere durch zentrale ökologische Probleme hervorgerufen wird. Diese verändern nachhaltig die Hydrosphäre der Erde.[76] Der quantitative Aspekt stellt die Vorbedingung der qualitativen Dimension dar, denn die qualitative Dimension beinhaltet die strategische Signifikanz der Ressource Wasser und drückt somit die Rolle der Ressource Wasser als politische Variable aus. Aufgrund seiner Verknappung ist mit der Verfügbarkeit von Wasser eines der zentralen Gewaltrisiken des 21. Jahrhunderts verbunden und kann Regime dazu verleiten, diese Tatsache als politisches Instrument einzusetzen. Großregionale und regionale Konflikte können aufgrund dieser Konstellation forciert oder gar neu gebildet werden,[77] wie dies in der Fallstudie um die Euphrat-Tigris-Region deutlich wird.

1. Die quantitative Dimension der Wasserfrage

Die Nutzung von Wasser variiert in vielfacher Form: als Trinkwasser, in der Agrarökonomie, in der Industrie, für die Energieerzeugung und in weiteren Segmenten. Die Industrienationen sind sich oft aber nicht bewusst, dass das Wasser eine bedrohte und begrenzte Ressource ist.[78]

Es existieren differenzierte Einwirkungen und Auswirkungen auf die hydrosphärischen Trends. Hierzu gehören neben der globalen Süßwasserverknappung Veränderungen der Wasserqualität, des Grundwasserspiegels und der lokalen Wasserbilanz. Zudem wird der Effekt des ’Global Warming’ auf die Wasserressourcen nachhaltige Veränderungen der Wasserökologie bewirken.[79]

Allgemein können folgende Faktoren als Gründe für den globalen Wassermangel angeführt werden: forciertes Bevölkerungswachstum, die mangelnde Ressourceneffizienz und Ressourcenproduktivität der Industrie und Agrarwirtschaft im Umgang mit Wasser,[80] das enthemmte Wirtschaftswachstum, Urbanisierung, Wasserverschmutzung, Global Warming und ungleichmäßige Verteilung.[81]

Als eine der Hauptursachen für die Wasserverknappung im Globalen Wandel wird die Bevölkerungsexplosion auf der Erde angeführt. Jedes Jahr wächst die Weltbevölkerung um etwa 90 Millionen Menschen. Das Bevölkerungswachstum ist gerade dort am höchsten, wo das Wasser bereits knapp ist.[82] Parallel zum Bevölkerungswachstum erhöht sich der Urbanisierungsgrad.[83] Damit nimmt mit der erhöhten Lebensstandardqualität[84] der individuelle Bedarf zu. So hat sich der weltweite Verbrauch seit 1950 bis dato verdreifacht.[85]

Die Wasserressourcen sind räumlich ungleich verteilt. Die westlichen Industrienationen verfügen über ausreichende Wasserressourcen. Dagegen befinden sich die meisten ariden und semi-ariden Staaten in Afrika und im Nahen Osten. Zur Klassifikation der Wasserarmut wird oft die ’Hydrologische Faustregel’ herangezogen. Demnach ist ein Land wasserarm, wenn das jährliche Niederschlagsaufkommen unter 1000 m[3] /Jahr fällt (2740 l pro Kopf und Tag).[86] Nach Angaben des World Resource Institute (WRI) sind nach dieser Regel über 20 Staaten derzeit von extremer Wasserknappheit betroffen.

Pearson prognostiziert, dass die Zahl der von Wasserknappheit betroffenen Menschen im Jahre 2050 auf über zwei Milliarden anwachsen wird. Das WRI prognostiziert unter Nutzung von UN-Daten für das Jahr 2025 eine Zahl zwischen 653 und 904 Millionen Menschen, welche unter Wasserknappheit leiden werden. Im Jahre 2050 könnte diese Zahl zwischen 1,06 und 2,43 Milliarden liegen.[87] Diese leben überwiegend in den ariden und semi-ariden Regionen (vgl. Anhang 1).[88]

Von den gesamten Wasserreserven der Erde eignet sich nur ein halbes Prozent als Süßwasser zur Trinkwasseraufbereitung.[89] Dieses wenige Süßwasser erneuert sich zwar in seinem Kreislauf der Evapotranspiration[90], aber dieser Kreislauf wird durch nachhaltige Änderungen der Ökosysteme durch den Menschen stark beeinträchtigt. Daher ist ein Schüsselproblem innerhalb der Hydrosphäre die zunehmende Süßwasserverknappung. Diese resultiert aus der Verminderung der Wasserqualität, den Einträgen von Schadstoffen aus der Luft, aus Nutzungsprozessen (Industrie, Haushalte, Abwasserentsorgung) und Böden (Landwirtschaft und Abfalldeponien).[91] Die Hauptdimension des Trends der Süßwasserverknappung liegt in der lokal gesteigerten Entnahme. Folgende Beispiele machen dies deutlich:[92]

- Übernutzung von Grundwasser: z.B. in den USA (Ogallala-Aquifer) und Jordanien / Saudi-Arabien (Disi-Aquifer). Hottinger spricht zwar von einem Raubbau von Grundwasserquellen durch erdölreiche Staaten,[93] es finden sich aber auch Beispiele in China, Indien, Mexiko, in den USA und vielen anderen Staaten.[94]
- Nutzung von fossilen Grundwasservorkommen in Libyen[95], Jemen, Indien oder in Südostasien. Aufgrund des Fehlens von Fließgewässern als Wasserressource werden immer häufiger die “Fossilwasserquellen“ [96] angezapft.
- Wasserableitungen für Bewässerungsprojekte: Austrocknung der Everglades in Florida oder des Aralsees.[97]
- Salzwasserintrusionen in Deltas und Küstenaquifere als Folge der Übernutzung von Grund- und Oberflächengewässern, z.B. in Israel, China, Vietnam, im Golf von Kalifornien und im Gaza-Streifen.
- Verluste in Leitungsnetzen.

Der WBGU (Wissenschaftlicher Beirat - Globale Umweltänderungen) des Deutschen Bundestages führt verschiedene globale Mechanismen der Wasserkrise an, die Einwirkungen und Auswirkungen auf die hydrosphärischen Trends haben. Neben der Süßwasserverknappung zählen hierzu Veränderungen des Grundwasserspiegels, der lokalen Wasserbilanz, der Wasserqualität und die Schadstoffbelastung durch erhöhte Einträge von Fremdstoffen in Atmosphäre und Hydrosphäre.[98]

Die Hauptmenge des Wassers wird in der Landwirtschaft und Industrie verbraucht. Nach Schätzungen hat die Industrie einen Anteil von etwa 25 % und die Landwirtschaft von 65% an der globalen Wassernutzung.[99] Die Agrarökonomie und Industrie sind somit die Hauptverursacher der Wasserverknappung im Globalen Wandel. Zwar zeigen sich erste Ansätze einer Erhöhung der Ressourcenproduktivität in der Industrie, die sich durch die Mehrfachnutzung[100] des Wassers bemerkbar macht, aber es hat sich noch kein erhöhtes Risikobewusstsein manifestiert.

Ein wichtiger Aspekt ist die Wasserverknappung, welche durch die Intensivierung der Landwirtschaft verursacht wird. Der verstärkte Nährstoffeintrag, insbesondere von Stickstoff, in die Gewässer, kann über eine gestiegene Biomassenproduktion die Qualität von Oberflächengewässern verringern.[101] Neben dem erhöhten Eintrag von Schadstoffen durch Überdüngung schadet die künstliche Bewässerung der Hydrosphäre (vgl. Kap. 3.4.3). Die Entnahme von Wasser für die Bewässerungslandwirtschaft führt infolge der hohen Verluste durch Evapotranspiration, insbesondere in ariden und semi-ariden Regionen, zu erhöhter Versalzung, was nachhaltig den Wasserhaushalt ändert[102] (vgl. Kap. 3.4.3). Der fruchtbare Boden verwandelt sich durch die Versalzung in eine Wüste. So werden in einem Jahr etwa 300.000 ha Ackerfläche unfruchtbar.[103]In jedem Jahr verwandelt sich ein Gebiet von der Größe Sri Lankas in Wüste.“[104] Das WRI gibt für das Jahr 1996 eine Zahl von 110 Millionen ha an Flächen an, welche durch die Folgen der Überbewässerung zerstört wurden.[105] Die Versalzungsgefahr besteht zudem für die Grundwasserreserven der Erde durch erhöhte Entnahme von Grundwasser für die Bewässerung[106] (vgl. Kap. 3.6.1.2). An vielen Stellen führt die Entnahme von Grundwasser zur Bewässerung zu einer Überbeanspruchung dieser Quellen, so dass die Entnahme das Erneuerungspotential übersteigt. Dies bedingt in bestimmten Regionen Salzwasserintrusionen, wie die oben angeführten Beispiele belegen.

Die Ursachen der globalen Wasserverknappung können nicht voneinander getrennt werden. Sie sind miteinander verwoben: die ökonomische Entwicklung hat Auswirkungen auf die ökologische und die soziale Entwicklung. Auch umgekehrt wirkt das Sozialverhalten der Menschen auf Ökonomie und Ökologie. Diese drei Elemente können nicht getrennt voneinander analysiert werden und müssen in der Analyse der quantitativen Dimension der Wasserfrage berücksichtigt werden, wenn den Ursachen der Wasserverknappung im Sinne der “sustainable development“ [107] auf allen räumlichen Ebenen entgegenwirkt werden soll.

2. Die qualitative Dimension der Wasserfrage

Im Gegensatz zur Wasserknappheit in der quantitativen Dimension steht in der qualitativen Dimension der Wasserfrage die politische Signifikanz der Ressource Wasser im Mittelpunkt. Diese wird in der Literatur unter differenzierten Gesichtspunkten diskutiert. Ressourcensicherheit ist einer der Aspekte, welcher dem Wasser eine politische Relevanz zumisst. Jeder Staat versucht, seine Ressourcen abzusichern, um seine Überlebensfähigkeit garantieren zu können. Dies entspricht dem traditionellen Nationalstaatsprinzip der Moderne und kann in die Theorie des politischen Realismus eingeordnet werden (vgl. Kap. 1.5 & 4.2). An diesem Punkt sind Ressourcensicherheit und staatliche Sicherheit eng miteinander verknüpft. Diese Verknüpfung schildert Maull aus vier Perspektiven: Erstens sind die Rohstoffe bzw. Ressourcen wichtig für die Produktion von Rüstungsgütern, welche für die Sicherheit eines Staates je nach politischer und geostrategischer Lage unerlässlich sein können. Hier kann das Wasser, u.a. aufgrund seiner Verwendung in der Ökonomie, als Ressource bezeichnet werden. Zweitens hängt die ökonomische Stärke in einem Staat entscheidend von der Rohstoffsicherung ab. Die politisch-militärische Macht eines Staates wiederum ist eng mit seiner ökonomischen Macht verbunden. Bei der Durchsetzung bestimmter sicherheitspolitischer und außenpolitischer Interessen können die Ressourcen als ein Instrument benutzt werden (vgl. Kap. 3.6.3). Drittens spielt die Bedrohung der Ressourcen eine bedeutende Rolle im sicherheitspolitischen Verhalten eines Staates, insbesondere dann, wenn die Ressource für die staatliche Macht und Sicherheit bedeutsam ist. Dies ist bei den meisten erdölreichen Staaten der Fall. Schließlich könnten. “Versorgungsstörungen im Rohstoffbereich, welche die Funktionsfähigkeit eines Wirtschaftssystems gravierend beeinträchtigen würden, [...] die politische Legitimität dieser Ordnung untergraben.[108] Das fordistische Modell der Wohlstandsdemokratie könnte hiervon bedroht werden.

Maull geht die Thematik aus westlicher Sicht an und schätzt die Risiken für die ökonomische Sicherheit des Westens ab. Dennoch ist die sicherheitspolitische Relevanz der Ressourcen auch für die Fallstudien dieser Arbeit von Bedeutung. Ein Beispiel ist hier der Konflikt der ersten Fallstudie in der Ägäis, der ökonomische und sicherheitspolitische Dimensionen beinhaltet (vgl. Kap. 2.5). Im Bezug auf die internationale Sicherheit richtet auch Westing ein besonders Augenmerk auf die natürlichen Ressourcen, zu denen u.a. das Süßwasser gehört. So schreibt er, dass viele Kriege in der Geschichte der Menschheit um natürliche Ressourcen geführt worden seien und diese auch in Zukunft Kriege verursachen könnten. “natural resources have the potential for playing an even more important role as a cause of war in the future than they have in the past.[109] Als eine wichtige Ressource hat das Wasser in dieser Hinsicht äußerste politische Relevanz. So messen auch andere international anerkannte WasserexpertInnen wie Gleick und Falkenmark[110] dem Wasser in der internationalen Politik eine zunehmende Bedeutung zu.[111] Starr prognostiziert sogar: “Water security will soon rank with military security in the war rooms of defence ministries.[112]

In diesem Zusammenhang sind die Wasserressourcen besonders in Betracht zu ziehen, welche von zwei oder mehreren Staaten benutzt werden. Diese sind u.a. die gemeinsamen Grundwasserreserven oder die durch verschiedene nationalstaatliche Territorien fließenden Flüsse. Eine solche Teilung des Wassers gibt diesem Aspekt in der internationalen Politik eine zusätzliche Bedeutung. So zählt Frey vier Faktoren auf, welche dem Wasser eine politische Signifikanz verleihen: diese sind Relevanz (importance), Knappheit (scarcity), divergente Verteilung (maldistribution) und Teilung (sharing).[113] Wenn also eine Wasserressource in einer Region knapp und ungleichmäßig verteilt ist und dazu noch von mehreren Staaten geteilt wird, dann birgt dies ein hohes Konfliktpotenzial. Ähnlich sieht Gleick die Knappheit und die Teilung als Charakteristika, welche das Wasser zur Ressource der strategischen Rivalität machen. Er fügt zwei weitere Merkmale hinzu: die relative Macht der Anrainerstaaten und die Möglichkeit der Unmöglichkeit, an alternative Wasserquellen gelangen.[114] Es sind diese Charakteristika, welche dem Wasser eine politische Relevanz verleihen. Unter den Einzelfaktoren sind aber die Machtverhältnisse hervorzuheben, denen insbesondere in einer ohnehin konfliktreichen Region enorme Bedeutung zukommt (vgl. Kap. 3.7).

Nach Frey ist die Situation dann am stabilsten, wenn der Oberliegerstaat eines internationalen Flusses ein geringes Interesse an der Nutzung des Wassers hat und mehr Macht innehat als die Unterliegerstaaten. Die instabilste Situation findet man, wenn ein Unterliegerstaat die größte Macht besitzt und Interesse an der Nutzung hat.[115] Wie der Autor der zweiten Fallstudie im weiteren Verlauf der Arbeit feststellen wird, existieren diese beiden Konstellationen nicht in der von ihm betrachteten Region des Nahen Ostens (vgl. Kap. 3.2.1). Eher ist eine zwischen diesen beiden Extremen schwebende Lage zu diagnostizieren. Dies erschwert die Prognose des künftigen Ausgangs des Wasserkonfliktes umso mehr.

Das Risiko eines Wasserkonfliktes oder gar eines Wasserkrieges besteht erst dann, wenn die Ressource knapp und ungleichmäßig verteilt ist und zudem noch von mehreren Staaten kollektiv genutzt wird. Die Risiken werden größer, wenn a) die Anrainerstaaten sich ökonomisch rasch entwickeln, b) das Bevölkerungswachstum hoch ist, c) die Länder Selbstversorgung in der Lebensmittelproduktion anstreben, also wenn die Abhängigkeit vom Wasser hoch ist.[116] Die Machtverhältnisse zwischen den Anrainerstaaten bestimmen dann, ob dort ein gewaltsamer Konflikt ausbrechen wird oder nicht (vgl. Kap. 3.6.2).

1.8 Die Multidimensionalität von Konflikten

In diesem Abschnitt der Arbeit soll es nochmals um eine Differenzierung des Konfliktbegriffes gehen. So werden die Auswirkungen von Konflikten in verschiedenen Dimensionen geklärt. In zunehmendem Maße sind Konflikte durch ihre Multidimensionalität gekennzeichnet. Sie werden nicht nur in der Hierarchie der räumlichen Ebenen ausgetragen (vertikale Ebene), sondern vollziehen sicht oft zusätzlich in verschiedenen Dimensionen bzw. Kontextebenen (horizontale Ebene). Im Unterschied zur Typologie der Konflikte, welche sich auf die Austragungsform als Parameter konzentriert (vgl. Kap. 1.4), werden bei Berücksichtigung der Kontextebenen die Konfliktursachen betont. Die Genese und Auswirkungen der Konflikte stehen im Zentrum dieser Analyse. Hieraus resultiert die Multidimensionalität.

Vordergründig scheinen Konflikte aus einzelnen Konfliktursachen zu resultieren. Dies erleichtert die Schuldzuweisungen der Konfliktakteure. Viele Hintergründe, sogar eigentliche Konfliktursachen, bleiben verdeckt. Dies entspricht insbesondere dem Konzept des Politischen Realismus (vgl. Kap. 1.5), wonach die im Konflikt dominierenden Staaten ihre Positionen des Konfliktes als die eigentliche Wahrheit preisen und somit die Legitimität ihres Handelns sichern. Der mächtigere Akteur, ob politisch oder militärisch, dominiert somit das allgemeine Meinungsbild über den Konflikt und festigt seine Position im internationalen System. Demnach kann der mächtigere Akteur Ursachen verschleiern bzw. nach eigenen Interessen konstruieren, so dass dies in der Konfliktforschung zu verzerrten Bildern führen kann, wie die kritische Geopolitik dies in der Analyse von geopolitischen Leitbildern und ihrer Dekonstruktion explizit herausstellt (vgl. Kap. 1.3).

Die räumliche Konfliktforschung sollte in ihren Analyseebenen die Multidimensionalität der Konflikte stets im Fokus behalten, um dem Anspruch einer umfassenden handlungstheoretischen Perspektive gerecht zu werden (vgl. Kap. 1.3 & 4.3). Für die praxisorientierte Politikberatung ist gerade die Betrachtung des multidimensionalen Charakters von Relevanz, um effektive Lösungsmechanismen implementieren zu können. Die folgenden Beispiele machen plakativ, welche Rolle die Multidimensionalität im Konfliktverlauf spielen kann.

Dies wird besonders bei der Konfliktmethodologie von Ropers anschaulich dargestellt (vgl. Kap. 1.2) Zunächst scheint der in der Studie von Ropers dargelegte Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen in Sri Lanka ein ethnopolitischer Konflikt zu sein. Bei einer systematischen Analyse weiterer Faktoren lässt sich aber feststellen, dass weitere signifikante Konfliktfaktoren hinzukommen, welche zur Multidimensionalität, also zu einer Symbiose von mehreren Konfliktkontexten und Genesefaktoren, führen. Auf Sri Lanka kommt die religiöse, historische und ökonomische Dimension hinzu, welche diesen “protracted conflict“ [117] forcieren. Die hinduistischen Tamilen und buddhistischen Singhalesen sind beide aus Indien eingewandert und bildeten bis zur Kolonialherrschaft keine differenzierten ethnischen Gruppen.[118] Erst die portugiesische und britische Kolonialpolitik hat sie segmentiert. “Aus feinen Unterschieden wurden Bruchlinien (in der Kultur) gemacht, wo vorher keine waren.“[119] Die Tamilen bildeten bis zur Unabhängigkeit, protegiert durch die Kolonialherren des Empire, in Sri Lanka die ökonomische und politische Elite der Insel. Die Politik der britischen Krone “Divide et Impera“ (vgl. Kap. 2.1) setzte die unterschiedlichen Religionen bewusst als Instrumente ein. Sie wurden somit zu weiteren relevanten Genesefaktoren. So kann der Konflikt in Sri Lanka eindeutig als multidimensionaler Konflikt klassifiziert werden. Bei dieser Betrachtung lässt sich feststellen, dass für das tiefere Verständnis eines Konfliktes der multidimensionale Charakter von Konflikten berücksichtigt werden muss. Meyns spricht in diesem Zusammenhang von verschiedenen Dimensionen des Konfliktbegriffes und betont die Interdependenz der Dimensionen wie die der militärischen, politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Dimension[120] (vgl. Kap. 1.2).

Die Multidimensionalität hat in vielen Konflikten der Welt zur Manifestation des jeweiligen Konfliktes einen signifikanten Beitrag geleistet. Als besonders aktuelle Konstellation ist hier der Konflikt zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan zu nennen. Ebenso wie bei den Tamilen und Singhalesen in Sri Lanka stehen sich hier zwei “verschiedene“ Ethnien gegenüber. Sie tragen einen Konflikt um die indische Region Kaschmir aus,[121] deren Bevölkerung mehrheitlich islamisch ist. Neben der ethnischen Komponente kommt die religiöse Dimension hinzu. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Territorialfrage. Indien und Pakistan agieren als klassische Nationalstaaten, welche einen hohen Anspruch auf ihre territoriale Souveränität erheben. Jede Bedrohung dieser territorialen Souveränität wird vom jeweils anderen Akteur als aggressiver Akt eingestuft und dementsprechend bewertet (vgl. Kap. 2.2, 4.1 & 4.2). “Der Kosovokonflikt ist (wiederum) ein klassisches Beispiel für einen Territorialkonflikt, in dem historisch begründete mit ethnisch fundierten Ansprüchen zusammenfallen.[122]

Ein anderes Beispiel eines multidimensionalen Konfliktes ist der Israelisch-Palästinensische Disput. Im Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern geht es ebenfalls nicht nur um die ethnopolitische und religiöse Komponente. Signifikante territoriale, politische und insbesondere ökonomische Kontextebenen beeinflussen und forcieren den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern in der Westbank und Gaza[123] (vgl. Kap. 3.2.1).

Im Wasserkonflikt am Euphrat und Tigris zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak liegt die Multidimensionalität weniger im Ressourcenkonflikt als mehr in der Verflechtung mit anderen Konflikten des Nahen Ostens, insbesondere in der Instrumentalisierung der Kurdenfrage (vgl. Kap. 3.6.1.1). Aber bereits die Deskription der qualitativen und quantitativen Dimension der Wasserfrage bestätigt die Multidimensionalität des Wasserkonfliktes (vgl. Kap. 1.7). Dies belegt, dass Wasserkonflikte grundsätzlich multidimensional sind, da zur quantitativen Komponente der Wasserverknappung oft die politische Signifikanz des Wassers hinzukommt. Daneben ist das Zusammenspiel der Wasserkonflikte mit dem Disput um die Erdölressourcen des Nahen Ostens von hoher Bedeutung (vgl .Kap. 3.6.3). Die Verbindung des Konfliktes besteht auf der einen Seite in der Parallele der Ressourcennutzung und auf der anderen Seite in der direkten Verknüpfung der beiden Ressourcenkonflikte. Somit hat der Wasserkonflikt eine besondere politische Dimension und einen, wenn auch nicht signifikante, dann doch relevante ethnische Dimension mit der Instrumentalisierung der Kurdenfrage.

[...]


[1] Vgl. zu Inhalten des Seminars Dürr 2000.

[2] Das Seminar wurde an der RUB (Ruhr-Universität Bochum) in Kooperation mit INEA (Institute of European Affairs) und der KAS (Konrad-Adenauer-Stiftung) durchgeführt.

[3] Vgl. Bertelsmann Verlag (Hrsg.) 1998, S. 103.

[4] Vgl. o. A., 18.11.2001.

[5] Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (Hrsg.) 1999, S. 165.

[6] Vgl. Antonaros 27.07.2002.

[7] Anmerkung der Verfasser: Alle Währungsangaben dieser Arbeit werden in € angegeben (Stand: Mai 2002).

[8] Vgl. o.A., 18.11.2001. Zur Zusammenarbeit der EU mit der Türkei vgl. EU-Kommission (Hrsg.) 13.11.2001, S. 9.

[9] Dürr 2000, S. 2.

[10] Reubers 2002, S. 7.

[11] Vgl. Ropers 2000, S. 3. Die Studie behandelt den Konflikt zwischen den Singhalesen und Tamilen auf Sri Lanka. Die Methodologie lässt sich aber aufgrund ihrer systematischen Gründlichkeit auf andere Konflikte übertragen und anwenden.

[12] Vgl. Meyns 2001, S. 20. Meyns setzt in seiner Studie den Konfliktbegriff mit dem Sicherheitsbegriff gleich. Vgl. Meyns 2001, S. 15.

[13] Reubers 2002, S. 4.

[14] Vgl. zu Forschungsfeldern der Politischen Geographie Oßenbrügge; Sandner 1994, S. 676-684 & Reubers 2002, S. 4-9.

[15] Reubers 2002, S. 5.

[16] Der Begriff der Ost-West-Dualität bezeichnet die Aufteilung der Welt in zwei Machtblöcke. Vgl. hierzu: Hauchler; Messner; Nuscheler (Hrsg.) 1997, S. 27.

[17] Vgl. hierzu: Oßenbrügge; Sandner 1994, S. 676.

[18] Oßenbrügge & Sandner haben dies für den Zeitraum 1989-1994 diagnostiziert. Die politische Spaltung hat sich aber bis heute (2002) nicht eindeutig aufgelöst.

[19] Vgl. zum Begriff des Identitätskonfliktes Meyer 1997.

[20] Vgl. Oßenbrügge; Sandner 1994, S. 677.

[21] Vgl. Reubers 2002, S. 5.

[22] Vgl. Oßenbrügge; Sandner 1994, S. 682. Für weitere Details zu Lacostes Methode vgl. Lacoste 1990.

[23] Vgl. Oßenbrügge; Sandner 1994, S. 682. Einen kritischen Beitrag zu Lacostes Ausführungen leisten Dürr und Sandner. In: Dürr; Sandner 1991, S. 246-252.

[24] Vgl. Oßenbrügge 1983. Oßenbrügge unterscheidet zwölf umfassende Themenbereiche der Konfliktgeographie. Vgl. Dürr; Wood 1999, S. 5-10.

[25] Die Geographie definiert sich als Wissenschaft traditionell über den Raum. Vgl. Werlen & Pohl; in: Erdkunde, 1993, S. 241-254 & S. 255-266.

[26] Vgl. Reubers 2002, S. 7.

[27] Reubers 2002, S. 7.

[28] Vgl. Dürr; Wood 1999; S. 5-10 & Oßenbrügge; Sandner 1994, S. 682.

[29] Huntington nimmt eine Einteilung der Welt in sieben verschiedene Zivilisationen vor. Vgl. Huntington, 1993. Eine andere Einteilung findet sich bei Newig. Vgl. Newig 1986, S. 262/263. Für eine Analyse des kulturellen Raumes im Abend- und Morgenland, welche keine Diffrenzierung des Raumes vornimmt bzw. nicht erlaubt vgl. Galtung 1997, S. 39-50.

[30] Erläuterungen zu Galtung: in: Oßenbrügge; Sandner 1994, S. 680. Bei Galtung spielt der Begriff der kulturellen Gewalt eine wichtige Rolle. Vgl. Galtung 1993, S. 106-112 & Galtung 1998a, S. 341-366.

[31] Huntington 1993, S. 39.

[32] Huntington 1993, S. 22.

[33] Huntington 1993, S. 35.

[34] Vgl. Said 1995, S. 341. Ein anderer kritischer Beitrag zu Huntingtons Thesen ist die Abhandlung von Meyer. Vgl. Meyer 1997. Zur Dekonstruktion des Clash of Civilizations aus der Perspektive der Kritischen Geopolitik vgl. Reubers; Wolkersdorfer 2002, S. 24-28.

[35] Vgl. Said 1995, S. 334. Said belegt hier seine Ausführungen mit der Darstellung von Napoleons Déscription de l’Egypte und stellt so den imperialen Kontext der orientzentrierten Forschung heraus.

[36] Zum Begriff der “Codes“ in verschiedenen Kontexten vgl. Galtung 1997, S. 39/40.

[37] Vgl. Reubers 2002, S. 5/6. Als Beispiel vgl. das Leitbild “Balkan“ bei Redepenning 2002, S. 10-15.

[38] Dieser Prozess wird von Baumann mit dem Begriffspaar “Globalisierung – Glokalisierung“ umschrieben und analysiert. Vgl. Baumann 1997, S. 315-332. Menzel setzt hiefür das Begriffspaar “Globalisierung vs. Fragmentierung“ ein. Vgl. Menzel 1998.

[39] Vgl. Oßenbrügge; Sandner 1994, S. 684. Zur Rolle des Nationalstaates in der postmodernen Gesellschaft vgl. Mayntz 1997, S. 263-292.

[40] Zitiert nach Galtung & Dürr; Wood. In: Dürr; Wood 1999, S. 5.

[41] Mitchell 1981, S. 17.

[42] Vgl. Bonacker; Imbusch 1999, S. 73/74.

[43] Maull 1973, S. 73.

[44] Bonacker; Imbusch 1999, S. 75.

[45] Vgl. Bonacker; Imbusch 1999, S. 75.

[46] Vgl. Bonacker; Imbusch 1999, S. 75.

[47] Vgl. zum Begriff der Konfliktformation Senghaas 1988.

[48] In seinem Buch “Jihad vs. McWorld“ warnt Barber vor dem Vordringen des Fundamentalismus und Turbokapitalismus als Gefahr für den Fortbestand der Demokratie und des Pluralismus. Vgl. Barber 1995.

[49] Vgl. Bonacker; Imbusch 1999, S. 77. Vgl. hierzu auch: Coser 1965, S. 58.

[50] Vgl. Bonacker; Imbusch 1999, S. 77.

[51] Vgl. zum Symmetriebegriff von Konflikten Mitchell 1991, S. 23-38.

[52] Maull 1973, S. 3. Aktuelle Form des Konfliktdreiecks in: Galtung 1998a, S. 136.

[53] Vgl. Mitchell 1981, S. 17.

[54] Vgl. Maull 1973, S. 11.

[55] Bonacker 1996, S. 78.

[56] Dieses Staatsverständnis basiert u.a. auf der Definition des Begriffes “Staat“ von Max Weber. In: Weber 1919 (1971), S. 494 & Baumann 1997, S. 318.

[57] Bonacker 1996, S. 79. Die Begriffseinteilung geht auf den bekanntesten Vertreter des Politischen Realismus Morgenthau zurück. Zu Elementen des Politischen Realismus vgl. u.a. Viotti; Kauppi 1993, S. 35-73.

[58] Bonacker 1996, S. 81.

[59] Rousseau hat als Vertreter der Aufklärung mit seinem Gesellschaftsvertrag einen wichtigen Grundstein für das vernunftorientierte Zusammenleben der Menschen gelegt. Vgl. Rousseau 1762 (1975).

[60] Vgl. Galtung 1975, S. 55-105.

[61] Vgl. Bonacker 1996, S. 82.

[62] Vgl. Bonacker 1996, S. 82.

[63] Vgl. Senghaas 1974, S. 21.

[64] Vgl. Galtung 1993, S. 153.

[65] Vgl. Bonacker 1996, S. 83.

[66] Vgl. Mayring 2002, S. 20. Vgl. hierzu Said in Kap. 1.2. In Saids Ausführungen wird der Orient als gedankliches Konstrukt thematisiert.

[67] Dieser Prozess ist ein elementares Instrument des “Hermeneutischen Konstruktivismus“. Vgl. Blotevogel 1997, S. 37. Die Einführung von Blotevogel diskutiert die grundlegenden Wissenschaftskonzepte der Geographie und vergleicht sie miteinander.

[68] Zitiert nach Weber 1951. In: Blotevogel 1997, S. 35. Ein weiteres wichtiges Zitat stammt von Wilhelm Dilthey aus dem Jahre 1894 und trifft präzise die hermeneutische Grundhaltung: “Die Natur erklären wir, das Geistesleben verstehen wir.“; In: Blotevogel 1997, S. 37.

[69] Vgl. Mayring 1996,S. 17.

[70] Vgl. zum Verfahren des problemzentrierten Interviews Mayring 2002, S. 67-72. Friedrichs bezeichnet diese als Befragungsform als Intensivinterview. Vgl. Friedrichs 1990, S. 224-236. Friedrichs kritisiert die irreführende Bezeichnung des “Tiefeninterviews“, da diese eine Persönlichkeitsanalyse anlegt, welche in dieser Technik nicht intendiert ist.

[71] Mayring 2002, S. 67.

[72] Vgl. Mayring 2002, S. 114.

[73] Vgl. Mayring 2002, S. 115.

[74] Mayring 2002, S. 118. Zum Potential einer variabelengeleiteten qualitativen Inhaltsanalyse vgl. Gläser; Laudel 1999.

[75] Zur vorliegenden Einteilung der Wasserfrage vgl. Hauchler; Messner; Nuscheler (Hrsg.) 2001, S. 358.

[76] Vgl. WBGU (Hrsg.) 1998, S. 122.

[77] Vgl. Hauchler; Messner; Nuscheler (Hrsg.) 2001, S. 359/360.

[78] Vgl. Starke, Worldwatch Institute. In: Postel 1993, S. 1-3.

[79] Vgl. Gleick 1993, S. 79/80; Postel 1993, S. 69-76 & WBGU (Hrsg.) 1998, S. 127.

[80] Die Begriffe “Ressourceneffizienz“ und “Ressourcenproduktivität“ spielen in der Arbeit des Wuppertal-Institutes zur nachhaltigen Entwicklung eine wichtige Rolle. Vgl. Bringozu 2002, S. 4/5. Eine umfassende Darstellung findet sich bei: Bleischwitz 1998.

[81] Vgl. Hauchler, Messner, Nuscheler (Hrsg.) 2001, S. 358.

[82] Vgl. Schütze 1995, S. 205. Dies wird von Pearson bestätigt. Vgl. Pearson (Hrsg.) 1998, S. 46.

[83] Vgl. zum Trend der Urbanisierung Pearson (Hrsg.) 1998, S. 74/75. Zu Theorien, Begriffen und Prozessen der Urbanisierung vgl. u.a. Heineberg 2000 & Friedrichs 1996.

[84] Vgl. Zum Begriff der “Lebensqualität” Freis; Jopp 1998, Modul 3, S. 3/22-3/23.

[85] Vgl. Postel 1993, S. 27. Schütze spricht von einer Verdoppelung des Pro-Kopf-Wasserverbrauchs seit 1940. Vgl. Schütze 1995, S. 204.

[86] Vgl. Postel 1993, S. 18 & http://www.igc.org/wri/water/html.

[87] Vgl. http://www.igc.org/wri/water/html.

[88] Vgl. Pearson (Hrsg.) 1998, S. 46.

[89] Vgl. Schütze 1995, S. 201 & Postel 1993, S. 17/18. für weitere Informationen zur Süßwasserverknappung vgl. u.a. Shiklomanov 1993, S. 13-24.

[90] Zum Begriff der Evapotranspiration vgl. Leser (Hrsg.) 1997, S. 189.

[91] Vgl. WBGU (Hrsg.) 1998, S. 124.

[92] Vgl. WBGU (Hrsg.) 1998, S. 122.

[93] Vgl. Hottinger 1992, S. 153.

[94] Vgl. Postel 1993, S. 20/21.

[95] Zum Projekt um die Oase Kufra in Libyen vgl. u.a. Polkehn 1992, S. 202/203 & Hottinger 1992, S. 157.

[96] Vgl. Zum Begriff des fossilen Wassers Leser (Hrsg.) 1997, S. 227.

[97] Vgl. Schütze 1995, S. 204 & Hauchler, Messner, Nuscheler (Hrsg.) 2001, S. 360. Am Aralsee ist der Wasserspiegel durch Umleitungen und künstliche Bewässerung und dadurch bedingte fehlende Wasserzufuhr stark beeinträchtigt worden.

[98] Vgl. WBGU (Hrsg.) 1998, S. 122-128.

[99] Vgl. Postel 1993, S. 7. Falkenmark und Schütze geben eine Zahl von etwa 75% für die Landwirtschaft an. Vgl. Falkenmark 1986, S. 87 & Schütze 1995, S. 202. Das WRI spricht in diesem Kontext von etwa 70%. Vgl. http://www.igc.org/wri/water/html.

[100] Zur Erhöhung der Ressourcenproduktivität durch Mehrfachnutzung vgl. Berndt 1998.

[101] Vgl. WBGU (Hrsg.) 1998, S. 125.

[102] Vgl. WBGU (Hrsg.) 1998, S. 127.

[103] Vgl. Schütze 1995, S. 203/204.

[104] Polkehn 1992, S. 7.

[105] Vgl. http://www.igc.org/wri/water/html.

[106] Vgl. Postel 1993, S. 21.

[107] Zum Begriff des sustainable development vgl. u.a. Zimmermann 1997, S. 27/28.

[108] Maull 1987, S. 15.

[109] Westing 1986, S. 183.

[110] Peter H. Gleick ist Direktor des Global Enviroment Programe im Pacific Institute for Studies in Development, Enviroment and Security in Oakland, USA , und Malin Falkenmark ist Hydrologin und Beraterin der Weltbank.

[111] Vgl. Gleick 1993, S. 79ff. & Falkenmark 1986, S. 85 ff.

[112] Starr 1991, S. 19.

[113] Vgl. Frey 1993, S. 54.

[114] Vgl. Gleick 1993, S. 84/85.

[115] Vgl. Frey 1993, S. 62.

[116] Vgl. Falkenmark 1986, S. 88ff.

[117] Ropers ordnet den Konflikt in Sri Lanka in die Kategorie der nahezu unlösbaren “protracted conflicts “ ein. Vgl. Ropers 2000, S. 4.

[118] Vgl. Ropers 2000, S. 8.

[119] Genç; Güleş 2000, S. 1.

[120] Vgl. Meyns 2000, S. 20.

[121] Vgl. Euronews vom 08.06.2002. An diesem Tag wurde ein indisches Spionageflugzeug von der pakistanischen Luftabwehr abgeschossen.

[122] Reuters 1999, S. 3.

[123] Vgl. zum Israelisch-Palästinensischen Konflikt u.a. Waltz; Zschiesche 1986; INAMO-special August 2001; http//www.inamo.de; Boutros-Ghali 2000; S. 218-254 & Watzal 2001.

Details

Seiten
236
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783832469559
ISBN (Buch)
9783838669557
Dateigröße
48.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v222288
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Geowissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
ägäiskonflikt zypernkonflikt politische geographie geopolitik

Autoren

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Titel: Die Konflikte der Türkei im Rahmen der EU-Integration