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Die Transaktionskosten - Theorie und ihre Anwendung auf die Ausgliederung von Verwaltungsfunktionen in der öffentlichen Verwaltung am Beispiel des Ressorts Personal und Organisation der Stadt Wuppertal

Diplomarbeit 2002 69 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung
1 Ausgangssituation
2 Problemdefinition
3 Ziele und Aufbau dieser Arbeit

B Die Transaktionskosten-Theorie
1 Einordnung des Transaktionskosten-Ansatzes (Neoklassische Theorie vs. Neue Institutionenökonomie)
2 Historie der Transaktionskosten-Theorie
2.1 Das Grundmodell nach Coase 4
2.2 Die Williamson -Konzeption
3 Einführung in die Basis der Transaktionskostentheorie
3.1 Definition des Begriffes Transaktion
3.2 Definition des Begriffes institutionelles Arrangement
3.3 Phasen einer Transaktion
3.4 Property rights als Ausgangspunkt der Transaktion
3.5 Agency-theory als verwandter Ansatz der property rights-theory
4 Begriff und Klassifizierung von Transaktionskosten
5 Transaktionskostenbestimmende Elemente
5.1 Entscheidungsirrelevante Transaktionskosten
5.2 Entscheidungsrelevante Transaktionskosten
5.3 Zeitliche Klassifikation
5.4 Einflussvariablen auf die Transaktionskosten
5.5 Verhaltensannahmen der Akteure
5.6 Transaktionsbedingungen
5.7 Informationsverkeilung
5.8 Transaktionsatmosphäre
5.9 Charakteristika institutioneller Arrangements

C Die Ausgliederung von Verwaltungsfunktionen
1 Verwaltungsfunktionen des R 404
2 Formen möglicher Funktionsausübung
3 Voraussetzung der Ausgliederungsfähigkeit selbstausgeübter Funktionen
3.1 Zu berücksichtigende Nebenbedingungen
3.2 Motive für die Überprüfung der Ausgliederungsfähigkeit selbstausgeübter Verwaltungsfunktionen

D Beispiele für die Ausgliederung von Verwaltungsfunktionen
1 Übertragung der Aussagen der Transaktionskosten-Theorie
auf die Verwaltungsfunktion Organisationsentwicklung
2 Übertragung der Aussagen der Transaktionskosten-Theorie
auf die Verwaltungsfunktion Referat Recht
3 Übertragung der Aussagen der Transaktionskosten-Theorie
auf die Verwaltungsfunktion Buchhaltung

E Zusammenfassung

Abkürzungen zum Literaturverzeichnis:

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

A Einleitung

1 Ausgangssituation

Verändernde Anforderungen und Rahmenbedingungen erfordern auch von den gemeindlichen Verwaltungen die Abkehr von der klassischen Ausrichtung hin zur kundenorientierten Dienstleistungsverwaltung. Auch die über seit Jahren in immer stärkerem Maße verfolgten Anstrengungen einer grundsätzlichen Reform der öffentlichen Verwaltungen hin zu einer Neuausrichtung zu einer modernen Dienstleistungsverwaltung, in deren Mittelpunkt der Bürger als Kunde steht und sich die Verwaltungsleistungen als eine besondere Form der Dienstleistung darstellen, sind unter diesem Blickwinkel zu sehen.

Die Umsetzung dieser Neupositionierung bzw. -ausrichtung erfordert sowohl personellen als auch organisatorischen Aufwand. Die dazu erforderlichen finanziellen Mittel sind letztlich durch die Gemeinden bereitzustellen und müssen insofern erst erwirtschaftet werden.

Die Handlungsfähigkeit der Kommunen, ihres Verwaltungsapparates und damit letzten Endes die erfolgreiche Wahrnehmung der den Kommunen obliegenden Aufgaben hat sich in den letzten Jahren -nicht zuletzt aufgrund der mit den veränderten Rahmenbedingungen einhergehenden, eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten- immer weiter eingeengt[1]. Fast ausnahmslos sehen die Kommunen mittlerweile ihr in den jeweiligen Gemeindeordnungen verankertes Recht auf Selbstverwaltung (in Nordrhein-Westfalen § 28 der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen) aufgrund der eingetretenen defizitären Haushaltssituation ausgehöhlt.

Unter dem beschriebenen finanziellen Druck versuchen die Gemeinden nicht nur Einschnitte im Bereich der Leistungserbringung bei den freiwilligen Aufgaben möglichst zu vermeiden, zumindest aber so gering als möglich zu halten, sondern auch den für eine Selbstverwaltung unabdingbaren (finanziellen) Handlungsspielraum wieder zu erlangen.

Als Beitrag zur Eröffnung eines solchen finanziellen Handlungsspielraumes werden im Rahmen aufgabenkritischer und/oder prozessoptimierender Maßnahmen nicht nur Umfang sondern auch die bestehenden Formen der Wahrnehmung von Verwaltungsfunktionen in Frage gestellt und versucht, durch Organisations- und/oder Verfahrensänderungen kostengünstigere Alternativen zur bisherigen Wahrnehmung umzusetzen. So unterzieht die Stadt Wuppertal im Rahmen einer flächendeckenden Prüfung alle ihre freiwilligen Aufgaben einer Aufgaben- und Standardkritik und alle Prozesse einer Prozessoptimierung. Dabei ist es Ziel der Aufgabenkritik Aufgaben zu priorisieren und in Frage zu stellen um damit finanzielle Freiräume zu schaffen. Die Standardkritik soll über die Beantwortung der Frage, ob Aufgaben in reduziertem Umfang und/oder Aufwand angeboten werden sollen, eine Budgetentlastung ermöglichen. Dies gilt in gleichem Maße für die Prozessoptimierung, die vorrangig auf eine Analyse und Verbesserung der bestehenden Prozessabläufe ausgerichtet ist.

Im Kern wird damit letztendlich die Ausgliederung öffentlicher Aufgaben an Dritte unter Verwendung unterschiedlicher Stichworte wie „Privatisierung“[2], „Rationalisierung“[3], „Make-or-Buy-Entscheidungen (Eigen- vs. Fremdbezug)“[4] und „Outsourcing“ diskutiert.

Die Themenstellung dieser Arbeit befasst sich damit, ob sich auf der Basis der Transaktionskosten-Theorie die Frage einer (zweckmäßigen) Ausgliederung von Verwaltungsfunktionen am Beispiel des Ressorts Personal und Organisation der Stadt Wuppertal (R 404) beantwortet lässt.

2 Problemdefinition

Kapazitätsbegrenzungen in Bezug auf die Verfügbarkeit von Können, Wissen, Zeit und Verarbeitungsfähigkeit von Informationen[5] machen es erforderlich, dass die Leistungserstellung arbeitsteilig wahrgenommen wird. Mit der Leistungserstellung in arbeitsteiliger Form sind Organisationsprobleme verbunden, da die durch die Arbeitsteilung entstandenen Teilaufgaben sachlich und zeitlich zu koordinieren sind[6].

Dabei sind Variationsformen der Organisation dieser arbeitsteiligen Leistungsbeziehungen vorstellbar, die einerseits durch externe marktliche Koordination und Ausrichtung in Form der Abwicklung aller Teilaufgaben durch selbständige individuelle Unternehmer jeweils mit Hilfe spontaner, frei vereinbarter Kauf- und Dienstverträge (Ein-Personen-Unternehmun­gen, Unternehmung und Unternehmer sind hierbei identisch) und andererseits durch interne, hierarchische Koordination und Ausrichtung der Abwicklung aller Teilaufgaben innerhalb einer umfassenden Unternehmung auf der Grundlage allgemeiner, dauerhafter Verträge und Vereinbarungen (Mehrpersonen­-Unternehmung) abgegrenzt werden können[7].

Geklärt werden muss damit, in welcher der Variationsformen von gleichberechtigten Partnern über den Markt bis zu innerhalb einer Unternehmung, hierarchisch koordiniert und damit dem Markt- und Preismechanismus entzogen, die arbeitsteiligen Leistungsbeziehungen am effizientesten organisiert und abgewickelt werden.

Unter Wettbewerbsbedingungen wird sich die Entscheidung zu einer der möglichen Variationsformen dabei auf wirtschaftliche Überlegungen gründen. Diejenige Variationsform wird sich als am günstigsten herauskristallisieren, die -unter ansonsten gleichen Bedingungen- die geringsten Kosten verursacht. Zur Bestimmung der geringsten Kosten ist es erforderlich, die einer Variationsform zuzurechnenden Kosten ermitteln zu können. Hierzu bietet die in der Neuen Institutionenökonomie angesiedelte, von Coase[8] begründete und durch Williamson [9] weiterentwickelte Transaktionskosten—Theorie Lösungsmöglichkeiten.

3 Ziele und Aufbau dieser Arbeit

Kapitel A dieser Arbeit befasst sich mit der Beschreibung der Ausgangssituation und der Problemdefinition.

Es schließt sich Kapitel B mit der Darstellung der Position der Transaktionskosten-Theorie innerhalb des Gefüges der Neuen Institutionenökonomie an, um anschließend die Historie des „Grundmodells“ der Transaktionskosten-Theorie im Sinne von Coase sowie deren Erweiterung im Sinne des Konzeptes von Williamson kurz zu skizzieren. Darauf aufbauend erfolgt die Einführung in die Basis der Transaktionskosten-Theorie in ihrem aktuellen Stand unter Berücksichtigung der dazu ergangenen neueren Literatur deutscher Verfasser. Der Einführung in die Theorie der Verfügungsrechte (property rights theory) als Ausgangspunkt der Transaktion und die Agenturtheorie (agency-theory) als verwandter Ansatz der Theorie der Verfügungsrechte schließt sich die Definition des Begriffs der Transaktionskosten an. Es folgt die Klassifizierung der transaktionskostenbestimmenden Elemente.

Kapitel C zeigt die der Ermittlung einer Ausgliederungsfähigkeit von Verwaltungsfunktionen vorzuschaltenden Grundsatzüberlegungen auf.

Die Prüfung der Ausgliederungsfähigkeit beispielhafter Verwaltungsfunktionen des R 404 anhand der Transaktionskosten-Theorie im Modell von Williamson unter Berücksichtung hierzu ergangener deutschsprachiger Literatur ist Inhalt des Kapitels D.

Letztlich erfolgt in Kapitel E die Zusammenfassung mit den Ergebnissen der Anwendung der Transaktionskosten-Theorie auf die Ausgliederung der als Beispiele verwendeten Verwaltungsfunktionen des R 404.

Die Transaktionskosten-Theorie

1 Einordnung des Transaktionskosten-Ansatzes(Neoklassische Theorie vs. Neue Institutionenökonomie)

Die neoklassische Theorie geht von der Prämisse des Vorhandenseins vollkommener Information über das gesamte Marktgeschehen und der kostenlosen Nutzung des Preismechanismus aus. Sie unterstellt damit eine praktisch institutionenfreie Ökonomie[10] und betrachtet das Unternehmen als sog. black box, als reine Produktionsfunktion (Input-Output-System).

„Im Mittelpunkt der Neuen Institutionenökonomie (new institutional economics), die sich insbesondere um die Erklärung vorzufindender Vertrags- und Organisationsformen bemüht[11], steht die Analyse von Institutionen (z.B. Verfügungsrechten, Verträgen, Hierarchien, Märkten), in deren Rahmen der ökonomische Austausch vollzogen wird“[12]. Sie wird dabei „...durch drei verschiedene (einander ergänzende) Ansätze repräsentiert...“[13].

- die Transaktionskosten-Theorie (transaction cost economics),
- die Theorie der Verfügungsrechte (property rights theory) und
- die Agenturtheorie (agency theory).

Gemeinsames Element aller drei Ansätze sind die Transaktionskosten, die innerhalb der jeweiligen Ansätze allerdings unterschiedlich definiert werden.

2 Historie der Transaktionskosten-Theorie

2.1 Das Grundmodell nach Coase

Die Entwicklung des Grundmodells der Transaktionskosten-Theorie beruht auf einem Aufsatz von Coase [14] [15].

Das Coase -Modell führt dabei die Entstehung und das Wachstum von Unternehmen und deren Organisationsform auf die Existenz positiver Transaktionskosten zurück. Es stellt den Markt und die Unternehmung als alternative Idealformen der Koordination einander gegenüber. Ausgehend von diesem Grundtatbestand versucht Coase darzulegen, warum ein Teil der Transaktionen zwischen gleichberechtigten Partnern über den Markt, andere aber innerhalb einer Unternehmung, hierarchisch koordiniert und damit dem Markt- und Preismechanismus entzogen werden.

In diesem Zusammenhang hebt er die neoklassische Prämisse der kostenlosen Nutzung des Preismechanismus auf, indem er aufzeigt, dass für die Benutzung des Preismechanismus die Ermittlung der relevanten Marktpreise erforderlich ist, dies aber mit Kosten einhergeht[16]. Auch bei ausschließlicher Nutzung des Markt- und Preismechanismus zur Koordination der Leistungsbeschaffung entstehen im Zusammenhang mit einer Transaktion sowohl für die Suche nach relevanten Preisen als auch der Verhandlung und dem Abschluss von Verträgen (externe[17] ) Transaktionskosten. Coase unterstellte dabei grundsätzlich positive Transaktionskosten[18].

Er argumentiert in diesem Zusammenhang, dass die unternehmensinterne hierarchische Struktur bis zu einem gewissen Grad geringere (interne) Transaktionskosten verursacht, da Informationen über die relevanten Marktpreise in Unternehmen einfacher und damit billiger zu beschaffen sind als auf vielen verschiedenen Märkten[19].

Ausgehend von der Prämisse positiver Transaktionskosten entwickelte Coase die These, dass Unternehmen bestrebt sind, diese zu senken, indem sie versuchen, den Marktmechanismus solange durch die Etablierung unternehmensinterner, hierarchischer Koordinationsformen zu ersetzen, bis die unternehmensinterne Koordinationsform nicht ungünstiger wird als die marktliche Koordinationsfunktion[20].

Des weiteren macht Coase in den für Unternehmen spezifischen Verträgen, die längerfristiger Natur sind und dem Unternehmer regelmäßig Dispositionsrechte über die nur rahmenartig definierten Leistungen einräumen, einen weiteren Vorteil gegenüber der Benutzung des Marktes als Koordinationsinstrument aus. Eine gleichartige marktliche Koordination erfordere bereits bei Abschluss entsprechender Verträge die Berücksichtigung aller möglicher zukünftiger Eventualitäten, was allerdings unmöglich sei, da zukünftige Ereignisse nicht vorhersagbar sind[21].

Über die Transaktionskosten-Theorie begründete Coase damit die Erklärung der Existenz von Unternehmen, deren Wachstum und ihre Grenzen. Den Umstand, dass überhaupt noch Märkte existieren bzw. nicht alle ökonomischen Aktivitäten in einer großen Unternehmung abgewickelt werden, begründet er mit zwei Argumenten: „Zum einen würden die Grenzerträge der unternehmerischen Koordinationsfunktion mit zunehmender Transaktionszahl sinken; zum anderen nehme die Wahrscheinlichkeit unternehmerischer Fehlentscheidungen mit steigender Unternehmensgröße zu“[22].

2.2 Die Williamson-Konzeption

Eine Ergänzung und Erweiterung der von Coase maßgeblich entwickelten Transaktionskosten-Theorie erfolgte im späteren durch Williamson. Er setzte sich ausführlicher damit auseinander, warum und unter welchen Bedingungen es zur Entstehung von Transaktionskosten kommt. Wie auch Coase in seinem Grundmodell, so stellt Williamson in seinem ergänzten und erweiterten Modell auf die Senkung der Koordinationskosten[23]
über die Wahl einer Koordinationsform aus dem Spektrum zwischen marktlicher und interner, hierarchischer Koordinationsform ab[24]. In diesem Zusammenhang tauschte er die von Coase gegenübergestellten Idealtypen Markt und Hierarchie durch Realtypen[25] aus und siedelt erstmalig Kooperationen als hybride Koordinationsform zwischen den von Coase in dessen Theorie gegenüberstehenden beiden Idealformen Markt oder Unternehmung als Zwischenform an[26]. Darüber hinaus erkannte er den Unterschied zwischen internen und externen Transaktionskosten[27] und berücksichtigte zusätzliche Einflussgrößen[28].

Das erweiterte Modell nach Williamson stellt den aktuelleren Stand der Transaktionskosten-Theorie dar. Auf eine tiefere Behandlung des erweiterten Modells nach Williamson im Zusammenhang mit der Historie der Transaktionskosten-Theorie kann daher zugunsten der an­schließenden eigentlichen Darstellung der Transaktionskosten-Theorie verzichtet werden. Nachfolgend wird die Transaktionskosten-Theorie ausgehend vom Grundmodell nach Coase unter Berücksichtigung der Ergänzungen und Erweiterungen von Williamson sowie der dazu ergangenen deutschsprachigen Literatur dargestellt.

3Einführung in die Basis der Transaktionskostentheorie

Ziel der Transaktionskosten-Theorie ist es darzulegen, „...warum bestimmte Transaktionen in bestimmten institutionellen Arrangements mehr oder weniger effizient abgewickelt und organisiert werden“[29]. Dabei bildet für sie der möglichst sparsame Einsatz knapper Ressourcen das Effizienzkriterium, verursacht einerseits durch den Ressourcenverzehr für die Erstellung des auszutauschenden Gutes oder der Leistung, andererseits durch den Ressourcenverzehr der für die Abwicklung und Organisation des Austausches selbst entsteht[30].

3.1 Definition des Begriffes Transaktion

Die mit der Durchführung von Transaktionen verbundenen Kosten („Transaktionskosten“) bilden den Kern der Transaktionskosten-Theorie.

Die grundlegende Einheit, die in der Transaktionskosten-Theorie zur Analyse herangezogen wird, ist die einzelne Transaktion. Als Transaktion wird dabei nicht der Leistungsaustausch selbst definiert, sondern der vorgelagerte Prozess der Klärung, Übertragung und Durchsetzung entsprechender property rights[31] der, überwiegend mit dem Begriff „Verfügungsrechte“ übersetzt[32], als Oberbegriff die Gesamtheit aller Rechte, Verpflichtungen, Haftungsregelungen, Schadensersatzansprüche u.s.w. vereinigt[33].

3.2Definition des Begriffes institutionelles Arrangement

Das institutionelle Arrangement in dessen Rahmen sich die Transaktion abwickelt, wird „...zum einen durch die grundlegende rechtliche Vertragsform, die die Austauschbeziehung explizit[34] oder implizit begründet, und zum anderen durch die Mechanismen, die die Transaktionspartner vereinbaren, um möglicherweise auftretenden ungeplanten Veränderungen der Kosten- und/oder Leistungsseite der Austauschbeziehungen begegnen zu können...“[35] beschrieben.

3.3 Phasen einer Transaktion

Unabhängig von den später noch dargestellten Klassifizierungen hat sich
überwiegend eine Unterteilung der Transaktion in vier, teilweise fünf Phasen durchgesetzt[36]:

- Anbahnung (Informationssuche und -beschaffung über potentielle Transaktionspartner und deren Konditionen);
- Vereinbarung (Intensität und zeitliche Ausdehnung von Verhandlungen, Vertragsformulierung und Einigung);
- Abwicklung (Steuerung und Management der arbeitsteiligen Aufgabenentwicklung)
- Kontrolle (Sicherstellung der Vertragserfüllung in Form der Einhaltung von Termin-, Qualitäts-, Mengen-, Preis- und evtl. Geheimhaltungsvereinbarungen bzw. der Einhaltung der Vereinbarung in Form von Kontrollen, wenn nötig bis zur Durchsetzung auf dem Rechtsweg);
- Anpassung (Kosten der Vertrags-/Vereinbarungsanpassung als Reaktion veränderter Bedingungen von Termin-, Qualitäts-, Mengen- und Preisänderungen während der Laufzeit der Vereinbarung).

Bevor über die im Rahmen des Transaktionskostenansatzes auf die dem Transaktionsprozess zugeschriebenen Phasen der Anbahnung, Vereinbarung, Abwicklung, Kontrolle und Anpassung[37] mit der Durchführung von Transaktionen verbundenen Kosten eingegangen werden kann, ist kurz die eng mit der Transaktionskosten-Theorie verbundene property rights-theory darzustellen, „...da Verfügungsrechte zuerst institutionalisiert und personell zugeordnet worden sein müssen bevor sie mittels spezieller Transaktionen auf andere Wirtschaftssubjekte übertragen werden können“[38].

3.4 Property rights als Ausgangspunkt der Transaktion

Der Property Rights-Ansatz setzt sich damit auseinander, „...welche Auswirkungen unterschiedliche Formen der Gestaltung und Verteilung von Verfügungsrechten auf das Verhalten ökonomischer Akteure und auf die Faktorallokation haben“[39]. Im Vordergrund steht damit der Einfluss der Kosten und des Nutzens der erstmaligen Zuordnung, Verteilung und Beschränkung[40].

„Verfügungsrechte legen fest, in welcher Weise ihr Inhaber legitimerweise über die Ressourcen verfügen kann, an denen er Rechte innehat“[41]. Dabei wird zwischen vier Verfügungsrechten an einer Ressource unterschieden:

1. die Ressource zu nutzen (usus),
2. die Erträge einzubehalten (usus fructus),
3. ihre Form oder Substanz zu ändern (abusus) und
4. alle oder einzelne der vorstehenden Verfügungsrechte auf andere zu übertragen (Übertragungsrecht)[42].

Die Verfügungsrechte an einer Ressource können sich demnach auch auf mehrere (natürliche oder juristische) Personen verteilen. Die ausschließlichen Nutzungsrechte an einer Ressource stehen folglich nur demjenigen zu, der alle vier Verfügungsrechte auf sich vereinigen kann. Die legitime Verfügungsmacht über die Ressource „...wird darüber hinaus auch durch die im institutionellen Kontext geltenden Regelungen bestimmt -oft staatlich gesatztes [sic!] Recht-, die Rechte, Pflichten und Einschränkungen unabhängig von den besonderen Verfügungsrechten, die eine Person innehat, definieren“[43].

Diese Sichtweise, die die Rechte eines Eigentümers an einer Ressource betont, erweiterte den lange Zeit in der ökonomischen Theorie vertretenen Standpunkt, dass nur die körperlichen Eigenschaften eines Gutes Nutzen stiften könnten.

Die property rights- theory zeigt auf, dass -sofern die unterschiedlichen Verfügungsrechte an einer Ressource nicht bei einem Wirtschaftssubjekt angesiedelt sind- alleine aufgrund der dann eingeschränkten Verfügungsmöglichkeiten über die Ressource, sich dies negativ auf ihren Wert auswirkt.

Die Erforderlichkeit, Verfügungsrechte neu zuzuordnen wird dabei aus dem Fehlen der notwendigen bis hin zu den ausschließlichen Nutzungsrechten an einer Ressource oder dem sich aus der grundsätzlichen Knappheit von Ressourcen ergebenden Zwang einer optimalen Allokation hergeleitet. Diese Veränderung der ursprünglichen Verteilung der Verfügungsrechte vollzieht sich in Form der laufenden Umverteilung durch den Staat, Rechtsänderung oder Tauschakte[44].

Im Zusammenhang mit der Veränderung der Ausgangsverteilung entsprechender Verfügungsrechte mittels Transaktion sowohl in Form des Erwerbs als auch der Durchsetzung und des Tausches treten sog. Transaktionskosten auf. Im Rahmen der property rights-theory sind allein die Transaktionskosten von Interesse, die im Zusammenhang mit der erstmaligen Zuordnung bzw. Verteilung von Verfügungsrechten und damit mit einer effizienten Ressourcenallokation einher gehen.

Kernpunkt des Property Rights-Ansatzes stellt also die Ausgestaltung, Zuordnung und Beschränkung von Eigentumsrechten dar[45].

Dieser ausgestalteten Eigentumsrechtsstruktur bedarf die ebenfalls in der neuen Institutionenökonomie verankerte agency-theory als Basis für die Analyse der aus der Ausübung dieser Rechte durch einen beauftragten Dritten resultierenden Probleme.

3.5 Agency-theory als verwandter Ansatz der property rights-theory

Ausgangspunkt der agency-theory (Agenturtheorie) stellt die Institution des Vertrages und seine Rolle in Austauschbeziehungen (Principal-agent­-Beziehung) zwischen einem Auftraggeber (Principal) und einem Auftragnehmer (Agent) dar[46]. Sie beschäftigt sich dabei mit der speziellen Analyse von Anreiz- und Kontrollproblemen, die sich aus der asymmetrischen Informationsverteilung infolge des Auseinanderfallens von Eigentums- und Verfügungsrechten bei Übertragung von Property Rights des Prinzipals auf einen Agenten ergeben. Risiken aus Informationsasymmetrien können sich dabei sowohl vor als auch nach Abschluss eines Vertrages ergeben. Demzufolge werden zwei Arten von Pricipal-agent-Problemen unterschieden:

- Risiken aus ungleichem Informationsstand, die vor Abschluss des Vertrages (adverse selection) und
- Risiken aus ungleichem Informationsstand, die erst nach Abschluss eines Vertrages (moral-hazard) entstehen. Dabei werden die letztgenannten Risiken nochmals unterteilt in:
- versteckte Aktionen (hidden action) des Agenten, die auf Seiten des Prinzipals zu Verhaltensunsicherheit (Problem des moralischen Wagnisses; „moral-hazard“) führt. Der Prizipal ist nicht oder nicht kostenfrei in der Lage zu beobachten, welche der möglichen Handlungsalternativen der Agent auswählt. Dieser Sachverhalt beinhaltet jedoch für den Prizipal die Gefahr, dass der Agent die fehlende Kontrollmöglichkeit des Prinzipals opportunistisch ausnützt, sowie
- versteckte Informationen (hidden information), bei der der Agent gegenüber dem Prinzipal einen Informationsvorsprung besitzt, den dieser -wenn überhaupt- nur unter hohen Kosten abbauen kann)[47].

Zur Bewertung von Principal-Agent-Beziehungen wurde der mit der Transaktionskosten-Ökonomik verwandte agency cost-Ansatz entwickelt[48].

Die entscheidenden Unterschiede des Transaktionskosten-Ansatzes zum Principal-Agency-Ansatz liegen darin begründet, dass der Transaktionskosten-Ansatz vom Tausch von Verfügungsrechten ausgeht, während sich der Principal-Agency-Ansatz an der Delegation von Verfügungsrechten ausrichtet[49]. Darüber hinaus besteht ein echter Gegensatz hinsichtlich der Vorstellung, wie stark der Druck von den betreffenden Märkten die Wahl bzw. die Ausgestaltung organisatorisch-institutioneller Formen bestimmt[50]. Die Transaktionskosten-Theorie sieht den Druck geringer an, der Agency­-Cost-Ansatz als stärker[51].

Die Agency-Theorie ist der neoklassischen Theorie hinsichtlich der Erklärung des Zustandekommens und der komplizierten Struktur vieler vertraglicher Regelungen überlegen. So setzt die Neoklassische Theorie die vollkommene Information voraus und abstrahiert von Transaktionskosten. Die vertraglichen Regelungen beschränken sich dabei auf den Kauf und Verkauf von Gütern und Dienstleistungen[52].

4 Begriff und Klassifizierung von Transaktionskosten

Der Begriff Transaktionskosten umfasst somit „...die Kosten für die Spezifizierung (’...durch ihre zweifelsfreie Bestimmung, Bekanntmachung und Anerkennung ...’[53] ), die personelle Zuordnung, den Tausch, die Durchsetzung und die Überwachung exklusiver Verfügungsrechte“[54]. Die Klassifizierung der Transaktionskosten dabei ist vielfältig.

Auf einer Erweiterung des Modells von Coase durch Williamson beruht die sektorale Klassifikation der Transaktionskosten entsprechend ihres Entstehungsgrundes in externe Transaktionskosten (in Zusammenhang über den Preismechanismus gesteuert, bei marktlicher Koordination) und interne Transaktionskosten (durch Anordnungen bei interner [hierarchischer] Koordination)[55] [56].

In der zur Transaktionskosten-Theorie ergangenen deutschsprachigen Literatur finden teilweise abweichende Transaktionskosten-Begriffe Verwendung[57].

Die internen Transaktionskosten unterscheiden sich in ihren Elementen nicht wesentlich von den externen Transaktionskosten. Eine Differenzierung zu den bereits behandelten Elementen der externen Transaktionskosten und deren Systematisierung ist damit nicht erforderlich[58].

[...]


[1] Beispielhaft sei in diesem Zusammenhang sowohl die Steuerreform mit ihren Auswirkungen u.a. in Form des Wegbruches der Gewerbesteuereinnahmen, als auch die Übertragung vorher bei Land angesiedelter Aufgaben auf die Kommunen genannt.

[2] Vgl. Potthast (Politische Führung, 1996), S. 453.

[3] Vgl. Männel (Rationalisierung, 1989), Sp. 1335 ff.

[4] Vgl. Hoffjan (Make-or-Buy, 1995), S. 389.

[5] Vgl. Picot (Transaktionskostenansatz, 1982), S. 269.

[6] Vgl. Picot (Transaktionskostenansatz, 1982), S. 269.

[7] Vgl. Picot (Organisation, 1999), S. 115 – 116.

[8] The Natur of the Firm, 1937.

[9] Markets and Hierarchies: Analysis and Antitrust Implications, 1975.

[10] Vgl. Gabisch (Haushalte und Unternehmen, 1995), S. 57.

[11] Schmidt (Organisationstheorie, 1992), S.1854.

[12] Ebers / Gotsch (Institutionenökonomische Theorien, 1999), S. 199.

[13] Ebers / Gotsch (Institutionenökonomische Theorien, 1999), S. 199.

[14] The Natur of the Firm, in: Economica, 1937, S. 386 – 405.

[15] Der als Begründer und bedeutsamster Vertreter der Transaktionskosten-Theorie gilt, vgl. u.a. Schüller (Property Rights, 1983), der die Arbeiten Coases als Pionierarbeit bezeichnet sowie Fuchs (Transaktionskosten-Theorie, 1994), der den Aufsatz von 1937 als bahnbrechend klassifiziert.

[16] Vgl. Fuchs (Transaktionskosten-Theorie, 1994), S. 106.

[17] Die hier erkennbare Differenzierung in „externe“ und „interne“ ist, wie nachfolgend noch ausgeführt wird, erst von Williamson gebildet. Zum besseren Verständnis des Lesers soll soweit als möglich eine einheitliche Begriffsverwendung verwendet werden.

[18] In einem weiteren Aufsatz aus dem Jahre 1960 [Coase (dt.: Das Problem der sozialen Kosten, 1978), S. 164] weist er auf die (theoretische) Möglichkeit hin, „...daß die erforderlichen Markttransaktionen nicht mit Kosten verbunden sind.“ Coase (Das Problem der sozialen Kosten, 1978), S. 164.

[19] Vgl. Gerum (Theorie der Verfügungsrechte, 1998), S. 28.

[20] Vgl. Picot (Transaktionskostenansatz, 1993), Sp. 4195.

[21] Vgl. Gerum (Theorie der Verfügungsrechte, 1998), S. 28.

[22] Gerum (Theorie der Verfügungsrechte, 1998), S. 28.

[23] zur Definition des Begriffes Koordinationskosten siehe Fußnote 57 dieser Arbeit.

[24] Vgl. Fuchs (Transaktionskosten-Theorie, 1994), S. 116.

[25] Vgl. Schmidt (Organisationstheorie, 1992), Sp. 1858.

[26] vlg. Fuchs (Transaktionskosten-Theorie, 1994), S. 118.

[27] Vgl. Schmidt (Organisationstheorie, 1992), Sp. 1858.

[28] Vgl. Fuchs (Transaktionskosten-Theorie, 1994), S. 161.

[29] Ebers / Gotsch (Institutionenökonomische Theorien, 1999), S. 225.

[30] Vgl. Ebers / Gotsch (Institutionenökonomische Theorien, 1999), S. 225.

[31] Vgl. Picot (Organisation, 1999), S. 117.

[32] Vgl. Fuchs (Transaktionskosten-Theorie, 1984), S. 15, der nach Auswertung deutsch­sprachiger Autoren hierzu aber in der Reihenfolge der Häufigkeit auch noch andere
Übersetzungen ermittelte (so u.a. z.B. Handlungs-, bzw. Nutzungsrechte).

[33] Vgl. Gabisch (Haushalte und Unternehmen, 1995), S. 58.

[34] Zu den Begriffen expliziter oder impliziter Vertragsformen siehe Gliederungspunkt B 5.9 dieser Arbeit.

[35] Ebers / Gotsch (Institutionenökonomische Theorien, 1999), S. 225

[36] So Picot (Transaktionskostenansatz, 1982), S. 270, der die unter Ziffer 1 bis 2 und 4 bis 5 aufgeführten unterteilt, bzw. (Transaktionskostenansatz, 1993), Sp. 4195 und 4196, in denen er zusätzlich auf die unter Ziffer 3 aufgeführten Abwicklungskosten unterteilt.

[37] Vgl. Picot (Transaktionskostenansatz, 1982), S. 270.

[38] Fuchs (Transaktionskosten-Theorie, 1994), S. 7.

[39] Ebers / Gotsch (Institutionenökonomische Theorien, 1999), S. 200.

[40] Vgl. Schätzer (Unternehmerische Outsourcing-Entscheidungen, 1999), S. 92.

[41] Ebers / Gotsch (Institutionenökonomische Theorien, 1999), S. 200.

[42] Vgl. Tietzel (Ökonomie, 1981), S. 210; gleichlautend auch Budäus (Betriebswirtschaftslehre und Theorie der Verfügungsrechte, 1988), S. 10, unter Bezug auf Alchian / Demsetz und Pejovich.

[43] Ebers / Gotsch (Institutionenökonomische Theorien, 1999), S. 201

[44] Vgl. Hesse (Property Rights-Ansatz, 1982); S. 251.

[45] Vgl. Schätzer (Unternehmerische Outsourcing-Entscheidungen, 1999), S. 92.

[46] Vgl. Ebers / Gotsch (Institutionenökonomische Theorien, 1999), S. 209.

[47] Vgl. Gabisch (Haushalte und Unternehmen, 1995), S. 59.

[48] Vgl. Schmidt (Organisation, 1992), S. 1863.

[49] Vgl. Schmidt (Organisation, 1992), S. 1863.

[50] Vgl. Schmidt (Organisation, 1992), S. 1863.

[51] Vgl. Schmidt (Organisation, 1992), S. 1863.

[52] Gabisch (Haushalte und Unternehmen, 1995), S. 59.

[53] Fuchs (Transaktionskosten-Theorie; 1994), S. 23 unter Bezug auf Buchanan.

[54] Wegehenkel (Gleichgewicht, 1981), S. 16.

[55] Fuchs (Transaktionskosten-Theorie; 1994), S. 31 unter Bezug auf Bössmann u.a.

[56] Dieser (erweiterten) Unterscheidungsform wird Bedeutung zugemessen, da erst aufgrund dieser Zweiteilung bei der „Überführung einer Markt- in eine hierarchische Transaktion von einem Wachstum der Unternehmung und im entgegengesetzten Fall von einer Schrumpfung gesprochen werden kann.“ Fuchs (Transaktionskosten-Theorie, 1994), S. 32 unter Bezug auf Frese u.a.

[57] So bezeichnet Bössmann (Volkswirtschaftliche Probleme der Transaktionskosten, 1982), S. 671, abweichend von Williamson, die bei interner Koordination anfallenden internen Transaktionskosten als Organisationskosten und benennt die bei marktmäßiger Koordination entstehenden externen Transaktionskosten lediglich als Transaktionskosten. Den Oberbegriff für Organisations- und Transaktionskosten stellen für sie Koordinationskosten dar.

[58] Vgl. Fuchs (Transaktionskosten-Theorie, 1994), S. 62.

Details

Seiten
69
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783832469313
ISBN (Buch)
9783838669311
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v222267
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Düsseldorf – unbekannt
Note
1,3
Schlagworte
williamson coase neue institutionenökonomie outsourcing dienstleistungsverwaltung

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Titel: Die Transaktionskosten - Theorie und ihre Anwendung auf die Ausgliederung von Verwaltungsfunktionen in der öffentlichen Verwaltung am Beispiel des Ressorts Personal und Organisation der Stadt Wuppertal