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Die ersten Städte der Erde im vorderen Orient und heutigen Irak

©2003 Studienarbeit 62 Seiten

Zusammenfassung

Inhaltsangabe:Zusammenfassung:
Die vorliegende Arbeit soll einen kurzen Überblick auf einige der ersten Städte dieser Erde im vorderen Orient und heutigen Irak, im Kontext der politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen der damaligen Zeit, verschaffen. Dies geschieht mittels zahlreicher Abbildungen, Karten und Tabellen, die zum leichteren Verständnis parallel neben dem Text betrachtet werden sollen.

Inhaltsverzeichnis:Inhaltsverzeichnis:
PRÄURBANE ENTWICKLUNG3
MESEPOTAMIEN/DAS ZWEISTROMLAND7
VORDERASIEN8
DIE FRÜHZEIT DER STADT IN MESEPOTAMIEN10
SUMERIEN/AKKADIEN13
Das Neu-Sumerische Reich14
Abriß der Stadtgeschichte18
ASSYRIEN21
Ausdehnung des Reiches22
Höhepunkt und Fall23
Assyrischen Städte24
Kalchu25
Ninive26
Dur-Scharrukin27
Assur32
Die archaischen Ischtar-Tempel34
Der Ischtar-Tempel und seine Gründungsdokumente36
Stiftungsensemble des Brauers Schamasch-Tukulti37
BABYLONIEN40

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis


ID 6737
Elmar Khan
Die ersten Städte der Erde im
vorderen Orient und heutigen
Irak
Studienarbeit
an der Universität der Künste zu Berlin
Fachbereich Gestaltung
Januar 2003 Abgabe

ID 6737
Khan, Elmar: Die ersten Städte der Erde im vorderen Orient und heutigen Irak
Hamburg: Diplomica GmbH, 2003
Zugl.: Berlin, Kunsthochschule, Studienarbeit, 2003
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Diplomica GmbH
http://www.diplom.de, Hamburg 2003
Printed in Germany

1
DIE ENTSTEHUNG DER ERSTEN STÄDTE DER ERDE
IM VODEREN ORIENT UND HEUTIGEN IRAK

2
PRÄURBANE ENTWICKLUNG
3
MESEPOTAMIEN / DAS ZWEISTROMLAND
7
VORDERASIEN
8
DIE FRÜHZEIT DER STADT IN MESEPOTAMIEN
10
SUMERIEN / AKKADIEN
13
- Das Neu-Sumerische Reich
14
- Abriß der Stadtgeschichte
18
ASSYRIEN
21
- Ausdehnung des Reiches
22
- Höhepunkt und Fall
23
- Assyrischen Städte
24
Kalchu
25
Ninive
26
Dur-Scharrukin
27
Assur
32
- Die archaischen Ischtar-Tempel
34
- Der Ischtar-Tempel und seine Gründungsdokumente
36
- Stiftungsensemble des Brauers Schamasch-Tukulti
37
BABYLONIEN 40
Abbildungen: - Karten der frühen städtischen Städtische Besiedlung der Frühzeit
47
- Karten Mesepotamiens der Frühzeit
49
Zeittafel Sumeriens und Akkadiens
51
- Stadtplan von Ur
52
Zeittafel Assyriens und Babyloniens
53
- Stadtplan Ninive
54
- Stadtplan Dur-Scharrukin
55
- Stadtplan Assur
57
- Stadtplan Babylon
58

3
DIE PRÄURBANE ENTWICKLUNG
Die frühesten, dauernd bewohnten Siedlungen Seßhaftgewordener des Neolithikums (Jungsteinzeit)
erscheinen im Bereiche der antiken Welt um ± 4700 v. Chr. etwa gleichzeitig in Palästina, Syrien,
Mesopotamien und im Iran, in der großen halbmondförmigen Ebene, die sich vom Mittelmeer bis zum
Persischen Golf erstreckt und von Gebirgen und Wüsten umgrenzt wird. Um 4400 v. Chr. nehmen
diese Siedlungen Dorfformen an. Nachdem in ehemals fruchtbaren Landstrichen, seit dem Abebben
der Eiszeit, Flüsse vertrockneten, Bäume zusehends verschwanden und Dürre und Hitze weite
Strecken in Sand verwandelten, bot erst die Entwicklung der Haustierzucht, und dann die des
Ackerbaus eine relativ sichere Nahrungsquelle. Diese neue Entwicklungen waren der einzige Ausweg,
den der Mensch, der sein Schicksal nun in die eigene Hand nehmen mußte, im dumpfen Suchen
ersonnen hatte.
Die natürliche Vegetation zwischen
dem Ende der Eiszeit und dem Beginn
der landwirtschaftlichen Bebauung.
Damit schieden sich, nach Trennung der Viehzüchter und Hirten von den Jägern und Fischern, ein
zweites Mal diejenigen von den anderen ab, die der Entdeckung des Fruchtanbaus folgten. So wie die
Jäger ergiebige Jagdgründe und die Viehzüchter Weideland suchten, brachen sie nun auf, um nach
Landstrichen zu suchen, die genügend Ackerbauerzeugnisse versprachen. Solche waren allem

4
Anscheine nach die von großen Flüssen bewässerten und gedüngten Ufer- und Mündungslandschaften,
am Nil, in Mesopotamien, am Indus, am Ganges, an den Flüssen Turkestans, am Hoangho, am
Jangtsekiang. Pioniere brachen auf- die anderen drängten nach. Die städtische Entwicklung aber
beginnt erst etwa 1000 Jahre nach den ersten dörflichen Siedlungen.
Ihre Entstehung hat eine gesellschaftlich-wirtschaftliche Wurzel und zwei Nebenwurzeln. Erstere war
gegeben durch das Bedürfnis der Ackerbauern nach gewissen Gütern, die sie im Tausch gegen ihre
eigenen Erzeugnisse erstanden. Solche Güter waren: Metalle, bestimmte Steine (wie Obsidian,
Malachit), Salz, Farben, Schmuck, Gefäße, Werkzeuge und Textilien. Diejenigen, die dies liefern
konnten, waren Händler oder Handwerker, welche sich an günstigem wirtschaftlichen Hinterland,
günstigen Verkehrslagen an Furten und Wegkreuzungen und in der Nähe reicher Auftraggeber
niederließen. Handel und Handwerk entstanden aber allem Anschein nach in Ackerbausiedlungen,
lange bevor sich eigene, getrennte Siedlungen für sie entwickelten.
Ausgrabungen lehren uns das Folgende: Fast überall stellen sich städtische Formen ein als neue
Schichten über älteren, rein dörflichen Siedlungen; man triff auf Werkstätten verschiedener Art,
Verkaufsräume, wo früher solche fehlten. Aus der Entstehung der beiden Berufe ergab sich in der
Weiterentwicklung das räumliche Zentrum: der Markt als Zellkern der Stadt. Das Aufkommen von
Handwerk und Handel im Ackerbaugebiet schuf die Stadt, zunächst als Zwischenform zwischen Dorf
und Stadt, später als eigene Siedlung. Aber der Mensch hatte nicht bloß Warenbedürfnisse. Zwei
andere Bedürfnisse bestimmten sein geschichtliches und sein geistiges Leben. Das erste Bedürfnis:
Schutz des Lebens gegen räuberische und mörderische Absichten des Nachbarn und als zweites,
angeboren seit Urzeiten: Orientierung im Universum, Verständnis von Werden und Vergehen,
Erkenntnis der guten und bösen Kräfte im Himmel und auf der Erde.
Stadtentwicklungen
Dorfkulturen

5
Maßnahmen gegen Überfälle zum Schutz von Leben und Gut waren:
1. Befestigung des Dorfes durch Wall, Graben. Mauer, Palisaden
2. Verstecke, Fluchtplätze, Fluchtburgen
3. Ausbildung eines kämpferischen Kriegerstandes unter der Führung eines Häuptlings
4. Wachstationen an gefährdeten Grenzen
Die Verteilung von Fluchtburgen - es sind dies leere, befestigte Plätze an unzugänglichen, dem
Seßhaftgewordenen aber bekannten Stellen- stellt neben der Verteilung der Dörfer ein besonderes Netz
der Besiedlung dar. Später blieben Händler und Handwerker, manchmal auch die Bevölkerung selbst
dauernd in diesen Fluchtburgen und entwickelten dort ihre Märkte.
Die Ausbildung eines eigenen, wehrhaften Standes führte zur Anlage fester Plätze für Wachtposten
und Wachmannschaften und von über das Land verteilten Burgen. So entwickelte die weltliche
Schutzmacht eine der dörflichen Besiedlung aufgepfropfte militärische Besiedlung, oder sie bediente
sich der Fluchtburgen zum Schutze des Landes und zur Aufrechterhaltung der Ordnung, wie die
herrschende Klasse sie verstand.
Das Bedürfnis der geistigen Orientierung anderseits führte aus Beobachtung von Raum und Zeit zu
Astrologie, Astronomie, Sonnen-, Mond- und sonstigen Kulten. Noch vor jeder Seßhaftigkeit bewegte
den Menschen die Frage nach dem Sinn von Geburt und Tod, Glück und Unglück, Tag und Nacht, die
Furcht vor den Mächten der Zerstörung und der Wunsch nach Sicherheit und rechtem Tun. Dieses
Bedürfnis wurde erfüllt durch jene, die angeblich all dies deuteten, erklärten und berechneten. Durch
diejenigen, die scheinbar Gut und Böse unterschieden, durch die Belehrer, die Weisen, die Denker,
Zauberer, Priester und die Erforscher der Ordnung. Die Bedürfnisse dieses geistigen Standes sind es,
die den Ort der Sternbeobachtung, den Ort des Opfers oder sonstigen Kultes entstehen ließen, den
Wohnort des Priesters, das Kloster, den Tempel. Aus diesem Bedürfnis heraus entstand ein weiterer
Fixpunkt der Besiedlung, der Kultort, der Tempelbezirk, die Priesterstadt, mit all ihren Beziehungen
zur Umwelt der bäuerlichen Besiedlung.
Nach dem Klimawechsel am Ende der Eiszeit waren die anfangs genannten Gebiete von einer
vielfältigen Vegetation überzogen, die zwar nicht so dicht war wie die der nordischen Wälder, aber
doch üppiger als die der südlich gelegenen Wüsten. Diese Ebene ließ sich nur dort bepflanzen, wo
Wasser hingeleitet werden konnte. Oliven- und Feigenbäume, Dattelpalmen, Weinstöcke und andere
Nutzpflanzen wuchsen hier wild. Die Flüsse, die Zugänge zum Meer und das für Verkehrsverbin-
dungen vorteilhafte ebene Gelände begünstigten einen intensiven Austausch von Gütern und
Nachrichten.
Einige der neolithischen Gesellschaften, die bereits Getreideanbau, Metallverarbeitung, das Rad,
Ochsenkarren, Packesel und Ruder- und Segelboote kannten, fanden in dieser Region eine Landschaft,
die zwar nicht leicht zu kultivieren war, die aber besonders große Erträge erbrachte, wenn man sie
gemeinschaftlich bearbeitete. Auf dem fruchtbaren feuchten Boden lieferte der Obst- und
Getreideanbau außerordentlich reiche Ernten. Zudem konnte durch Urbarmachung und Bewässerung
stets neues Ackerland hinzugewonnen werden. Ein Teil der hier angebauten Nahrungsmittel konnte
gegen andere Güter getauscht oder für die großen gemeinschaftlichen Arbeiten bereitgehalten werden.
So beginnt die Spirale der neuen Wirtschaftsstruktur: Durch die intensive Landwirtschaft konnten mehr
Nahrungsmittel produziert werden, als auf dem Land selbst benötigt wurden; der Überschuß der
landwirtschaftlichen Produktion wurde in den Städten konzentriert und erlaubte ein ständiges
Anwachsen der städtischen Bevölkerung; dadurch war es den Städten möglich, Handwerk, Handel und
Dienstleistungen auszubauen, wodurch wiederum die landwirtschaftliche Produktion gesteigert werden

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konnte. Gleichzeitig konnten die Städte aufgrund technischer und militärischer Überlegenheit ihre
Herrschaft über das Land sichern.
Die folgende Skizze will die Entstehung der prähistorischen Siedlungen veranschaulichen, eine
Entwicklung in deren Verlaufe es zu mannigfaltigen Kombinationen kam -etwa zur Priesterstadt (zum
Kultort) mit oder ohne Handwerk und Handel, oder zur Pfalz (Sitz der weltlichen Herrschaft) mit oder
ohne Handwerk und Handel, zur Handwerk- und Handelsstadt, d. h. zur bürgerlichen Stadt, mit oder
ohne Beteiligung der geistigen oder weltlichen Vormacht.
Die Abbildung soll ein Bild davon vermitteln, wie im Laufe der Zeit durch die sich entwickelnden Wirtschaftsformen
(Jäger, Fischer, Hirten, Ackerbauern, Handwerker, Händler) und durch die sich bildenden Stände (Fürstlichkeit, Adel,
Priesterschaft, Bauern und Bürger) Siedlungsformen verschiedener Art entstanden.

7
MESOPOTAMIEN- DAS ZWEISTROMLAND
Es scheint auch hier, daß gerade die Wandlung der Natur vom Paradies zur kargen Steppe, Menschen
zur Erfindung eines fruchtbringenden Anbaues geleitet habe. Boden, auf dem sich nährende Früchte
anbauen ließ, bot das Zweistromland in den Marschen seiner Flußmündungen oder seiner Neben-
flüsse, überall da, wo das Wasser dieses Flußsystems fruchtbaren Boden berührte.
Was in Ägypten geschah, geschah auch hier - die jährlichen Überschwemmungen, genährt von den
Regen im anatolischen Hochland, düngten den Boden und die Menschen mühten sich, diesen Boden
durch Verteilung der Gewässer zu vermehren. Die vorbeikommenden Wanderer aus der Ferne, trieb
der Anblick entweder zur Nachahmung, zum Raub des Bodens oder zu Mord und Plünderung. Man
kann annehmen, daß im Zweistromland und in dem in Frage kommenden Hinterland Menschen-
gruppen sich drängten, sich verdrängten, sich mischten -- daß es ein Geschiebe von Stämmen gab,
daß Hütten oder Zelte errichtet wurden, daß da und dort Dörfer entstanden, zerstört wurden und
wieder erstanden. Wo zuerst? Dies ist auch für diese Landschaft nicht zu entscheiden. Es lassen sich
aber drei Bereiche in diesem Raum feststellen, die ihre besonderen Rollen spielten: das nördliche
Hinterland, der Mündungsbereich und der Bereich von Susa.
Das nördliche Hinterland (das spätere Assyrien)
Im nördlichen Hinterland Mesopotamiens liegen jene drei Stätten, die gegenwärtig als die frühesten
Stätten einer Ackerbau-Kultur in Mesopotamien gelten. Es sind dies: Hassuna, Jarmo und Tell Halaf,
die sich ab ca. 5000 v. Chr. zu Dörfern entwickeln. Diese präurbanen Entwicklungen werden abgelöst
Gebirge
heutige Städtenamen

8
von der Tell-Obeid-Kultur des Mündungsgebietes etwa gegen 4000 v. Chr., einer Kultur, die sich
dann auch im Norden verbreitete.
Das Mündungsgebiet
Das Mündungsgebiet im Süden des Zweistromlandes gewinnt seine Bedeutung nach einem
Ausgrabungsschichtenwechsel - der Schichtenwechsel mag mit dem Auftreten einer neuen
Bevölkerung verbunden gewesen sein. Man setzt den Anfang dieser Entwicklung in die Zeit um 4400
v. Chr. Um 4000 V. Chr. ist die Bevölkerung in Tell Obeid, in Eridu, in Gawra und in Lagasch in
neuen Dörfern angesiedelt. Auch diese Zeit ist im wesentlichen eine Dorfkulturzeit mit einigem
Handwerk und Handel.
Tell Obeid: Hier gab es einen Priesterstand und Sanktuarien, wie jenes von Eridu. Eine gemeinsame
obeidische Kultur, verband alle diese Orte, die langsam für städtische Formen reif wurden. Man
schätzt die Dauer dieser noch dörflichen Kultur auf mindestens 300 bis 400 Jahre, wahrscheinlich
dauert sie bis etwa 3900 v. Chr.
El Gawra: Parallel zu Tell Obeid entwickelt sich die Siedlungsstätte von Gawra; sie setzt sich
allerdings fort bis etwa 2300 v. Chr. Gawra vermittelt 19 verschiedene aufeinanderfolgende
Bauperioden, von welchen die achte, von unten gezählt, in die Zeit von Alt-Uruk, d. h. in eine proto-
urbane Zeit fällt.
Eridu und Lagasch (Karte): In dieser Zeit bestanden auch die Siedlungen von Eridu und Lagasch als
Dörfer oder Kultstätten. Lehmziegel und Schilf dienten als Baumaterial für die Anlage der
Wohnstätten, die freier disponiert, oft aus selbständigen Elementen bestanden.
Die weitere Entwicklung führt nach Uruk (Warka). Hier vollzieht sich zwischen 3800 und 3500 v.
Chr. und in der folgenden Djemdet-Nasr-Zeit das Werden der mesopotamischen Stadt. Schrift, ent-
wickeltes Handwerk und neue Bauformen kennzeichnen die zweitunterste Schicht dieser Stadt.
Die Landschaft Elam
Susa, in der Landschaft Elam gelegen, ist geographisch zu Mesopotamien zu rechnen. Es liegt noch in
der Ebene, am Ausgang des Kerkha-Tales, am Fuße der dadahinterliegenden iranischen Hochebene.
Dort, auf einem Hügelvorsprung, haben die Ruinen und Reste der aufeinanderfolgenden Siedlungen
einen Tell (Hügel) aufgeschichtet, der noch zu Zeiten der Achämeniden neuen, großen Bauanlagen
diente. Um etwa 4000 v. Chr. stellt Susa ein Dorf mit Steinwerkzeugen und Keramik dar. Die dritte
Ausgrabungsschicht von unten, deren Beginn auf 3300 v. Chr. anzusetzen ist, stellt jene Zeit dar, da
sich der Übergang vom Dorf in eine städtische Siedlung abzeichnet. Etwa um 3000 v. Chr. ist dieser
Übergang vollzogen, gleichzeitig mit der Djemdet-Nasr-Zeit Sumeriens.
VORDERASIEN
Palästina, das Gebirgsland des Libanon, Syrien
Zwischen Ägypten und Mesopotamien gelegen, auf jenem Wege, der je länger je ausschließlicher den
Wanderweg zwischen Afrika und Asien darstellte, mußte Vorderasien Einflüssen sowohl vom Osten

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als auch vom Westen her unterliegen. Doch zeigen schon die ältesten Reste, daß Vorderasien nicht
einfach solche Einflüsse widerspiegelt, sondern, daß in diesem Teile des "grünen Halbmonds" eigene
Entwicklungen stattfanden, die ihren Ursprung in besonderen ethischen Gegebenheiten hatten. Auch
läßt nichts darauf schließen, daß die vorderasiatischen Entwicklungen, soweit es die Stadt anbelangt,
in einem feststellbaren Abstand den Nachbarentwicklungen nachgefolgt wären. Auch hier, im Land
zwischen dem Mittelmeer, dem Zweistromland, den anatolischen Gebirgszügen des Taurus und
Antitaurus und der arabischen Wüste im Osten und Süden, wandelt sich um 5000 v. Chr. die bis dahin
herrschende, neusteinzeitliche Natoufien-Kultur zu einer halbseßhaften Ackerbaukultur. Auch in
Vorderasien entwickelten sich feste Siedlungen ab 4700 v. Chr.. Ungefähr von diesem Zeitpunkt an
lassen sich Handel und Handwerk in ihren Anfängen feststellen.
Palästina
Schon 4700 v. Chr. war Jericho ein ganzjährig besiedeltes Dorf an einer ergiebigen Quelle. Zweifellos
gab es auch in Palästina schon um 4000 v. Chr. eine weitmaschige Besiedlung mit Dörfern, aus wel-
cher später, um 3500 v. Chr., Kleinstädte entstanden. Um diese Zeit beginnt eine Kultur, die mit
Bronce antique bezeichnet wird, etwa 3500 bis 2700 v. Chr. mit Wein- und Mandelbaumkulturen und
Stadtmauern; der Esel vermehrt den Haustierbestand. Diese Zeitspanne bedeutet für Palästina im we-
sentlichen eine Kultur von Kleinstädten, die als Märkte und als Machtzentren aus der bäuerlichen und
dem Rande zu nomadischen Besiedlung hervorgewachsen waren.
Libanon
Im Gebirgsland des Libanon, später Phönizien genannt, ist es vor allem die Stelle der späteren Stadt
Byblos, die uns erlaubt, einen Querschnitt durch die Vorgeschichte zu legen. Auch hier beginnt die
Siedlungsgeschichte mit einem levantinischen jungsteinzeitlichen Dorf von Fischern und Ackerbau-
ern, etwa um 4500 v. Chr.
Die zweite Schicht der Bronzezeit um 3800 v. Chr. zeigt immer noch ein Dorf, aber mit gepflasterten
Straßen und rechteckigen oder auch ovalen Häusern, zudem ein Volk, das Schriftzeichen in Form von
komplizierten Bildern besaß, das Olivenbäume, Gerste, Hafer anbaute und Rinder, Schafe, Ziegen
und Tauben züchtete.
Um 3500 v. Chr. blühten Handel und Handwerk, die Häuser verändern sich, Töpferscheibe und
Brennöfen sind nun in Byblos vertreten, das sich um 3200 v. Chr. als eine reine bürgerliche Stadt,
und zwar ohne Paläste und ohne Tempel, aber mit einem ausgebauten Hafen, darstellt; in einer Zeit
also, da in Ägypten von den Königen der ersten Dynastie der Widerstand der jungen, unabhängigen
Kleinstädte im Nildelta gebrochen und die Einigung unter einem Königtum vollzogen wird. Byblos
hatte zu dieser Zeit eine starke Stadtmauer erhalten. Auch in Vorderasien wie in Ägypten und im
Zweistromland ist die städtische Entwicklung älter als die des Königtums. Ab 2900 v.Chr. stellt
Byblos eine Stadt mit Tempeln und Palast dar.
Syrien
In Syrien kommt es um 4800 v. Chr. zu den ersten Dauersiedlungen dörflicher Art. Bekannt wurden
die levantinisch-jungsteinzeitlichen Siedlungen von Hamat am Orontes ab 4700 bis 2800 v. Chr., die
Siedlung Ugarit (Ras Schamra) bis 1500 v. Chr. und die Siedlung Judeideh am Amuk. Später gibt es
Einflüsse vom Zweistromland, im Orontestal und im Anulktal. In Hamat wurden Scherben aus Obeid
-, Halaf- und aus der Djemdet-Nasr-Zeit ausgegraben. Die städtische Entwicklung vollzieht sich in
Hamat und in Ugarit in der Zeit um 3500 v. Chr.

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DIE FRÜHZEIT DES STADT IN MESOPOTAMIEN
Über den Vorgang, der aus dem Dorf die Stadt erwachsen ließ, kann man verschiedene Mutmaßungen
hegen. Etwa, daß sich um die Niederlassung eines Machtzentrums Handwerk und Handel
konzentrierten, daß sich an Knotenpunkten natürlicher Verkehrswege Märkte bildeten, daß besondere
Eigenheiten eines Standortes Menschen anzogen, die die Nähe der Götter oder sonstigen Schutz oder
besondere Werte, wie Erze oder Edelsteine, suchten. Aus welchen Ursachen sie immer entstanden sein
mag, einmal stand die Stadt da, und dies vor Beginn der Geschichtsschreibung; Ihr erster Schauplatz
ist Vorderasien von Ägypten bis zum iranischen Hochland und darüber hinaus bis an den Indus. In
weiterer Folge schließen sich dann die Entwicklungen im Westen, rund um das Mittelmeer, und im
Fernen Osten an. Es beginnt das Abenteuer der »Kultur«, die ununterbrochen damit beschäftigt ist, ihre
Formen den sich ständig ändernden Gegebenheiten und Anforderungen anzupassen.
Der Überschuß aus der landwirtschaftlichen Produktion war unter Kontrolle der Herrschenden in den
Städten. Diese Herrscher galten als die Repräsentanten der lokalen Gottheiten und erhielten in dieser
Eigenschaft einen Teil des Ertrags des gemeinschaftlich bearbeiteten Bodens und den größten Teil der
Kriegsbeute. Sie verwalteten diesen Reichtum, indem sie Lebensmittelvorräte für die gesamte
Bevölkerung anlegten, Waffen und die für die Arbeit benötigten Werkzeuge und Geräte aus Stein und
Metall herstellten oder importierten und indem sie die für das Leben der Gemeinschaft wichtigen
Informationen sammelten.
Diese Organisation des gemeinschaftlichen Lebens hinterließ in der Landschaft ihre Spuren: ein
Kanalsystem, durch das die urbar gemachten Landstriche bewässert und auf dem Rohmaterial und
Endprodukte bis in die entferntesten Winkel transportiert werden konnten; Mauern, die die Grenzen
der Stadt markierten und durch die sich die Städte vor ihren Feinden schützten; Lagerhäuser, zu deren
Ausstattung die in Keilschrift beschriebenen Tontafeln gehörten; die Tempel der verschiedenen
Gottheiten mit ihren Terrassen und stufenförmigen Pyramiden, die in der weitläufigen Ebene schon
von weitem zu erkennen sind. Diese Bauwerke waren, wie auch die Häuser der einfachen Leute, aus
Lehm und Ziegelsteinen gebaut, Materialien, die auch heute noch im vorderen Orient verwendet
werden.
Die Methode der Herstell-
ung von Ziegeln hat sich im
Orient seit Jahrtausenden
bis heute erhalten: Der mit
Stroh versehene Lehm wird
zu rechteckigen Blöcken
geformt und zum Brennen
in die Sonne gelegt.

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Die Zeit zerstört diese Bauten und läßt sie in der Erde versinken. Doch auf diese Weise wurden die
Spuren der von Menschenhand geschaffenen Werke Schicht für Schicht unter der Erde konserviert. So
haben sich zum Beispiel die wertvollen beschrifteten Tontafeln bis heute erhalten, und wir können
heute alle Inschriften ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. exakt entziffern. Wir sind also in der Lage, durch
die archäologischen Ausgrabungen den Ursprung und die Entwicklung der ältesten von Menschen
gebauten Städte bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurückzuverfolgen und Schritt für Schritt zu rekonstru-
ieren.
Zu Beginn des 3. Jahrtausends hatten die sumerischen Städte bereits eine beachtliche Ausdehnung
erreicht -- die Stadt Ur umfaßte damals ungefähr 100 ha -- und ihre Einwohnerzahl gingen in die
Zehntausende. Sie waren zum Schutz vor Feinden mit einer Mauer und einem Graben umgeben;
gleichzeitig wurde zum ersten Mal in der Geschichte eine Trennung zwischen geschlossen-bebauter
und offen-natürlicher Umgebung vollzogen. Auch in die umliegende Landschaft hat der Mensch
verändernd eingegriffen: Da, wo vorher nur Wüste oder Sümpfe waren, erstreckte sich eine künstlich
angelegte, von Kanälen durchzogene Landschaft.
Im Stadtbild hoben sich die Tempel deutlich von den anderen Gebäuden ab: Sie waren wesentlich
größer und höher. Zu einem Tempel gehörten neben dem Heiligtum und dem Beobachtungsturm
(Zikkurat) auch Werkstätten, Lagerräume und Läden, in denen Angehörige verschiedener
Berufsgruppen arbeiteten. Der Grund und Boden innerhalb der Stadt war bereits in Grundstücke
aufgeteilt, die sich im Besitz einzelner Bürger befanden, während die umliegenden Ländereien im
Namen der jeweiligen lokalen Gottheiten gemeinschaftlich bearbeitet wurden. In Lagash zum Beispiel
war das Land unter etwa zwei Dutzend Gottheiten aufgeteilt. Eine von ihnen, Bau, besaß allein 3250
ha, von denen 3/4 in Parzellen aufgeteilt und einzelnen Familien zur Bearbeitung überlassen worden
waren, während das verbleibende Viertel von bezahlten Landarbeitern, Pächtern (die 1/7 oder 1/8 ihres
Ertrages abgeben mußten) oder von anderen Bewohnern in unbezahlter Arbeit urbar gemacht und
bestellt wurde.
Bis zur Mitte des 3. Jahrtausends bildete in Mesopotamien jede Stadt zugleich einen eigenen
unabhängigen Staat. Diese Stadtstaaten kämpften ständig gegeneinander um möglichst große Gebiete
der von den beiden Flüssen bewässerten, bereits vollständig urbar gemachten Ebene. Diese Kämpfe
behinderten die ökonomische Entwicklung, doch sie hörten erst dann auf, wenn der Herrscher einer
Stadt mächtig genug geworden war, um seine Herrschaft auf die gesamte Region auszudehnen.
Um das Jahr 2500 v. Chr. gelang es Sargon aus Agade als erstem, ein stabiles Reich zu gründen, das
etwa 100 Jahre währte. Später versuchten andere seinem Beispiel zu folgen: die sumerischen Könige
aus Ur, Hammurabi aus Babylon, persische und assyrische Könige. Für die Entwicklung der Stadt
hatten diese Herrschaftsformen vor allem folgende unmittelbare Auswirkungen:
1. Neue Residenzstädte wurden gegründet, deren Zentrum nicht mehr der Tempel war, sondern der
Palast des Königs; Beispiele hierfür sind die Palast-Stadt von Sargon II. in der Nähe von Ninive und
später Pasagarde und Persepolis, die Palast-Städte der persischen Könige.
2. Einige Städte, wie z. B. Babylon und Ninive, wurden zu Hauptstädten und dadurch nicht nur zu
Zentren der politischen Macht, sondern auch zu Handels- und Verwaltungszentren eines durch neue
Eroberungen ausgedehnten Einflußbereichs.
Diese Städte stellten die ersten Großstädte dar - Metropolen, deren Dimensionen denen moderner
Großstädte durchaus vergleichbar sind. Lange Zeit galten sie als Symbole und Prototypen für das
menschliche Zusammenleben auf engem Raum und für die damit verbundenen Vor- und Nachteile.
Babylon, die von Hammurabi um das Jahr 2000 v. Chr. entworfene Hauptstadt, hatte die Form eines
1,5 x 2,5 km großen Rechtecks, das durch den Euphrat in zwei ungleiche Teile geteilt wurde. Die von
den inneren Mauern umschlossene Fläche betrug etwa 400 ha, während der äußere Ring etwa 800 ha
umfaßte. Die gesamte Stadt, nicht nur die Tempel und Paläste, sondern auch die gewöhnlichen
Wohnhäuser, wurden mit geometrischer Regelmäßigkeit angelegt: die Straßen sind gerade und überall
gleich breit, und die Mauern stoßen stets im rechten Winkel aufeinander. Dadurch wurde zumindest im

Details

Seiten
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783832467371
ISBN (Paperback)
9783838667379
DOI
10.3239/9783832467371
Dateigröße
8.1 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität der Künste Berlin – Gestaltung
Erscheinungsdatum
2003 (April)
Note
1,7
Schlagworte
präurban sumerien assyrien assur babylon
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Titel: Die ersten Städte der Erde im vorderen Orient und heutigen Irak
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