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Weiterbildungsbedarf von mittelständischen Unternehmen in der Region Südliche Weinstraße und Landau gegenüber dem Weiterbildungsangebot der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau

Möglichkeiten des Wissenstransfers

Diplomarbeit 2002 153 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Wissenstransfer
I.1 Begriffsabgrenzungen
I.1.1 Wissenstransfer
I.1.2 Kooperation
I.2 Geschichte des Wissenstransfers
I.2.1 Historischer und Moderner Wissenstransfer
I.2.2 Wissenstransfer in Deutschland
I.2.3 Wissenstransfer in den USA
I.3 Arten, Typen und Programme des Wissenstransfers
I.3.1 Arten und Typen des Wissenstransfers
I.3.2 Programme des Wissenstransfers
I.3.3 Innovation als Prozess
I.4 Institutionen der Forschung
I.5 Finanzierung und rechtliche Aspekte
I.5.1 Finanzierung
I.5.2 Patente
I.6 Rahmenbedingungen und Voraussetzungen
I.6.1 Bedeutung des Wissenstransfers für die Region
I.7 Probleme bzw. Barrieren der Initiierung und Durchführung von Wissenstransfer
I.8 Transferstellen
I.8.1 Aufgaben und Tätigkeitsspektrum der universitären Transferstellen
I.8.2 Angebots- und nachfrageorientierte Transferstellen
I.9 Intensivierung einer gelingenden Kooperation
I.9.1 Verstärkung des Informationsaustausches
I.9.2 Pflege persönlicher Kontakte
I.9.3 Nachwuchsförderung
I.9.4 Akzeptanzsteigerung auf Seiten der Unternehmen
I.9.5 Vorschläge aus dem Umfeld der Universitäten
I.10 Kleine und mittlere Unternehmen
I.11 Rolle der sozialwissenschaftlichen Inhalte im Wissenstransfer
I.12 Hypothesen

II. Studien zum Wissenstransfer der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau und der regionalen Wirtschaft
II.1 Studie 1, qualitative Vorstudie: Interviews mit Entscheidungsträgern der Wirtschaft, Verwaltung und Universität
II.1.1 Methodisches Vorgehen
II.1.2 Datenerhebung
II.1.3 Ergebnisse
II.2 Studie 2: Teil-standardisierte Befragung von Unternehmen in den Landkreisen Germersheim und Südliche Weinstraße sowie der Stadt Landau
II.2.1 Methodisches Vorgehen
II.2.2 Datenerhebung
II.2.3 Darstellung und Auswertung der gewonnenen Ergebnisse
II.3 Diskussion
II.3.1 Methodische Diskussion
II.3.2 Theoretische Diskussion
II.4 Ausblick
II.4.1 Bedeutung der Arbeit für die Region und die Universität
II.4.2 zukünftige Forschung

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang A: Interviewleitfäden der qualitativen Vorstudie

A 1: Interviewleitfaden für das Experteninterview mit Herrn Dr. Koch

A 2: Interviewleitfaden für das Experteninterview mit Herrn Götz

A 3: Interviewleitfaden für das Experteninterview mit Herrn Prof. Dr. Heiligenthal

A 4: Interviewleitfaden für das Experteninterview mit Herrn Prof. Dr. Klein

A 5: Interviewleitfaden für das Experteninterview mit Herrn Dr. Wolff

A 6: Interviewleitfaden für das Experteninterview mit Herrn Dr. Koffler

A 7: Interviewleitfaden für das Experteninterview mit Herrn Lauerbach

A 8: Interviewleitfaden für das Experteninterview mit Herrn Müller

A 9: Interviewleitfaden für das Experteninterview mit Herrn Wattgen

A 10: Angebote der Universität an Weiterbildungsmöglichkeiten

Anhang B: Interviewleitfaden der Unternehmensbefragung

Anhang C: Statistische Häufigkeitsdarstellung aller Variablen

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

In Zeiten akuter Finanzmittelknappheit in allen Bereichen der öffentlichen Gesellschaft stellt sich auch die Frage nach der Finanzierung von Wissenschaft und Forschung. Aktuelle Haushaltsveränderungen aller Ministerien, so auch dem der Forschungsministerin Edelgard Buhlmahn, korrigieren die Erwartungen der Wissenschaftsmanager an Universitäten und Institutionen der Grundlagenforschung derart nach unten, dass die ZEIT vom 28.11.02 diese Misere unter folgender Überschrift beschreibt: „Eine Wüste namens Wissenschaft“ (vgl. Gruneberg, 2002).

Weiter heißt es dort: „Für die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist der Schaden größer, denn an ihr hängen die Hochschulen, die seit Jahren an chronischer ,Unterfinanzierung’ leiden und deren Forschung, soweit sie nicht schon ausgewandert ist, von der DFG lebt“. Allein der DFG würden im nächsten Jahr 43 Millionen Euro fehlen.

Im Jahre 2000 erhielt die Universität Koblenz - Landau von der DFG 805.583 DM, das macht einen Anteil von 9,1 % der Gesamtdrittmitteleinwerbung aus (vgl. Präsident der Universität Koblenz– Landau, 2000, 10). Im Jahr 2001 belief sich dieser Beitrag auf 1.290.810,57 DM und damit 16 % des Drittmitteletats (vgl. Präsident der Universität Koblenz – Landau, 2001, 11).

Somit ist es für die finanzielle Versorgung der Universität von höchster Dringlichkeit, die Drittmitteleinwerbung von anderen Seiten, etwa den der Unternehmen, Institutionen und privaten Mittelgebern zu verstärken und intensivieren.

Soweit zu einem Grundargument, warum die Universität Interesse an Wissenstransfer hat. In dieser Arbeit interessiert aber auch die andere Seite, und zwar die Motivation der Unternehmen am Wissenstransfer. Letztendlich soll die Kooperation und Verflechtung dieser beiden Interessenten systematisch dargestellt werden.

Das erfolgt zum einen anhand eines Studiums der einschlägigen Literatur, indem grundlegende Punkte des Wissenstransfers dargestellt werden: Es wird gezeigt, was Wissenstransfer ist und wie die Forschung es definiert. Verschiedene Definitionen werden vorgestellt und miteinander verglichen.

Ein nächster Blick gilt der Geschichte, seit wann wird er wo praktiziert, welchen Verlauf nahm er in Deutschland und in den USA?

Wissenstransfer ist ein vielschichtiges Gebilde, diese Arbeit macht einen Versuch die verschiedenen Arten, Formen, Programme und partizipierenden Institutionen umfassend darzustellen.

Wie eingangs erwähnt, dient Wissenstransfer z. T. als Geldquelle in Form von Drittmittelprojekten. Zur Erhellung des finanziellen und rechtlichen Aspektes soll hier ebenfalls beigetragen werden.

Ähnlich jedem Gegenstand in Wissenschaft und Technik ist ebenso der Transfer von Wissen und Know- how in ein kompliziertes Netz von Rahmenbedingungen und Voraussetzungen eingeflochten. Dies sind weitere Inhalte des theoretischen Teils.

Ein nicht zu vernachlässigender Schwerpunkt ist der Blick auf die wechselseitige Beeinflussung und der Nutzen zwischen der Universitätsabteilung in Landau und den regionalen Unternehmen, deshalb wird auch nach der Bedeutung des Wissenstransfers für die Region gefragt.

Wenn eine Universität einerseits oder ein Unternehmen andererseits Wissenstransfer durchführen möchte, stoßen sie gelegentlich auf Hindernisse oder Barrieren. Diese werden dargestellt und nach Lösungsmöglichkeiten und Erfahrungswerten gesucht.

Eine zentrale Stellung nehmen in diesem Gefüge die Transferstellen ein, bei ihnen sollte die Drähte zur Koordination zusammenlaufen. Hier wird gezeigt, welche Arten von Transferstellen es gibt, welche Aufgaben ihnen obliegen, und wo die Arbeit bisher gut oder auch weniger gut gelingen konnte.

Der erste Teil der Arbeit wird mit den aus der Literatur gewonnen Hypothesen beschlossen.

Um diese Hypothesen zu überprüfen, werden zwei Studien durchgeführt: zunächst eine qualitative Vorstudie, in der wichtige Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kommunalpolitik und Wirtschaft interviewt werden, um zu hinterfragen wo sie Chancen und Grenzen des Wissenstransfers von der Universitätsabteilung Landau zu den regionalen Unternehmen sehen.

Die zweite Studie hat regionale Unternehmen zur Zielgruppe, hierbei gilt es, das Image der Universität festzustellen und Möglichkeiten der Kooperation aufzuzeigen und nachzufragen.

Gesamtziele der vorliegenden Arbeit sind also zunächst Wissenstransfer als komplexes Gebilde vorzustellen und daran anknüpfend, zu überprüfen, inwiefern es Parallelen in der konkreten Situation also im Wirtschaftsraum Südliche Weinstraße, Landau und Germersheim gibt.

Des weiteren sollen die Interessen aller partizipierenden Transfer- Parteien transparent gemacht sowie das Image der Universität bei den Unternehmen festgestellt werden, um daraus die Möglichkeit zu gewinnen, Synergien zu bilden und Korrekturen in der Außendarstellung und der bisherigen Arbeit vorzunehmen.

I. Wissenstransfer

Universität auf der einen und kleine und mittlere Unternehmen auf der anderen Seite stehen sich gegenüber. Sie in sinnvollen, produktiven und sich gegenseitig animierenden Schritten einander näher zu bringen ist eine Aufgabe, die über das Instrument „Wissenstransfer“ gelöst werden kann. Auf dieses Instrument ist der Fokus der Arbeit gerichtet.

Um sich dem Phänomen Wissenstransfer anzunähern, ist es sinnvoll, dieses komplexe Gebilde in seine Grundbestandteile zu zerlegen. Der folgende Teil der Arbeit richtet sich auf die Darstellung einiger wesentlicher Facetten und beginnt mit der Abgrenzung des Begriffs also der Suche nach Definitionen, die die gegenwärtige Literatur dazu erkennen lässt.

I.1 Begriffsabgrenzungen

I.1.1 Wissenstransfer

Kluge und Oeler (1986, 11) stellen zunächst fest, dass es mehrere sich nicht deckende Synonyme für „Wissenstransfer“ gibt (Technologietransfer, Technik- oder Wissenschaftstransfer), und schlagen deshalb den Begriff „Forschungstransfer“ vor:

„[...] weil er uns am umfassendsten erscheint und unserem Gegenstand, der Hochschulforschung mit Anwendungsbezügen, am adäquatesten ist. Dabei geht es nicht um den Gehalt von Forschungstransfer, sondern um die organisatorischen und personellen Bedingungen für den Transfer zwischen Forschung und Wissenschaft (bzw. Forschern und Wissenschaftern) in der Hochschule und Anwendungsfeldern in Industrie, Wirtschaft und Politik.“

Somit steht Forschungstransfer im Wirkungszusammenhang zwischen den in Hochschulen vorhandenen Forschungseinheiten (Professoren, Instituten, Arbeitsgruppen etc.) und den Verwendern von Forschungsergebnissen (wirtschaftlichen Einheiten, staatlichen Trägern und sonstigen Nutzern) in möglichen Anwendungsfeldern in Wirtschaft, Gesellschaft, Verwaltung und Politik. (vgl. ebd. 11.) Wenn man der Systemtheorie Niklas Luhmanns folgt, findet hiermit eine Systemverflechtung zwischen Institutionen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen statt, die vor allem der autopoetischen Selbsterneuerung der Subsysteme und damit des Gesamtsystems Gesellschaft dient.

Nach Becker (1993, 1) lässt sich universitärer Wissenstransfer auf zwei Ebenen ansiedeln. Zum einen der Lehrbetrieb als solcher, in dem wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse an Studenten weitervermittelt werden. Zum anderen geht es um Forschungsergebnisse der Universität mit einem Anwendungsbezug zur Praxis. Dieser wird an Interessenten und Nutznießer weitergegeben., die sich außerhalb der Universität befinden, wie zum Beispiel die in der vorliegenden Arbeit untersuchte regionale Wirtschaft.

Konkretisiert wird diese Aussage von Poser (1990, 15), der davon ausgeht, dass beim Wissenstransfer Wissen und Können übertragen wird, wobei Wege, Mittel, Gegenstände, Richtungen und Ziele voneinander differieren können. Er bedient sich zur Erklärung des Phänomens der Äquilibristik:

„Zunächst einmal muss ein Überschuss dieses Wissens und Könnens auf der einen Seite vorhanden sein, sowie ein Mangel auf der anderen. Wenn dieser Mangel bewusst ist und als Bedürfnisbefriedigung angegangen werden soll, liegt ein geplanter bzw. intendierter Transfer vor.“

Allerdings müssen das Wissen und Können dann positiv gewertet werden im Hinblick auf die Transferziele und deren Akzeptanz, denn nur das weckt die Motivation, Transfer auch tatsächlich durchzuführen.

Wagner (1990, 13) bezieht sich zunächst auch auf abzugrenzende Begriffe wie Wissenstransfer und Technologietransfer, bevor er folgendermaßen definiert:

„Der Begriff Forschungstransfer [...] bezieht sich auf den Vorgang der praktischen Umsetzung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse in außerwissenschaftlichen Anwendungsfeldern. Transferierbare Forschungsleistungen können prinzipiell in allen Forschungssektoren erbracht werden: an Hochschulen, in der Industrieforschung und im Rahmen der industriellen Gemeinschaftsforschung, in hochschulfreien, öffentlich finanzierten Einrichtungen [...].“

Darunter versteht der Autor Institutionen wie das Max-Planck-Institut oder die Fraunhofer-Gesellschaft, ferner Großforschungseinrichten des Bundes und der Länder.

Einen weiteren Versuch Wissenstransfer zu definieren, unternimmt Schuster (1990, 1):

„Wissenschaftstransfer, ein Modewort aus der Diskussion um den wirtschaftlichen Strukturwandel, ist unversehens zu einem Sammelbegriff für einen neuartigen Sachverhalt geworden. Nach wie vor kennzeichnet er den Wissensaustausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zum Zwecke der schnelleren und sachgemäßen Nutzung anwendbaren Wissens. In diesem Sinne steht er mit einer leichten Akzentverschiebung auch für Technologietransfer oder Wissenstransfer [Hervorhebung A. S. ]“.

In dieser Arbeit wird der Terminus Wissenstransfer benutzt.

A.1.1.1 Technischer versus sozialwissenschaftlicher Wissenstransfer?

Von Interesse ist vor allem, ob Wissenstransfer Universitäten vorbehalten ist, die technisches Know- how bereit stellen können - was durch einen Großteil der einschlägigen Literatur belegt wird - oder ob es noch andere Möglichkeiten gibt.

Hier interessiert das Angebot des Campus Landau, der, wie noch zu zeigen sein wird, Know- how vor allem im sozialwissenschaftlichen Bereich (Psychologie, Soziologie, Politik und Pädagogik) bereitstellen kann.

Einen Schritt in diese Richtung wagt Schroeder (1991, 18). Der zentrale Begriff heißt bei ihm zwar Innovation, meint im Grunde aber den Gegenstand des Wissenstransfers, also das was letztendlich übertragen werden soll:

Im allgemeineren Sinne sind: „Innovationen [...] neue materielle und soziale [Hervorhebung A. S.] Technologien, die helfen, unsere Bedürfnisse besser zu befriedigen und unsere sozialen Probleme besser zu lösen. Insoweit sind sie nicht einfach der handlungsorientierte Ausdruck des ,technischen Fortschritts’. Wesentlich für diese Sichtweise ist die analytische Distinktion zwischen Technologie und Technik.“

Er begründet diesen Sachverhalt damit, dass Technik die von den Naturwissenschaftlern[1] und Ingenieuren stofflich-materielle Seite einer Innovation erfasst, wohingegen der Begriff der „Technologie“ auch die gesellschaftlichen Vorraussetzungen und Folgen der Erfindung und des Einsatzes der Technik mit einschließt. Diese Erkenntnis verbindet Schroeder mit einer Kritik am vorherrschenden Verständnis des Begriffes.

Daraus ergibt sich die brandaktuelle Frage nach dem tatsächlichen Nutzen von sozial- bzw. humanwissenschaftlichem Wissenstransfer, die lautet: „Ist es tatsächlich so, dass er vordergründig die Probleme kompensieren helfen soll, die aus der Erfindung und Einsatz der technischer Erzeugnisse resultiert?“

Weiter ist bei Schroeder zu lesen: „Der modisch durch die Technik besetzte Begriff ,Innovation’ bezieht sich nicht nur auf technische Neuerungen sondern umfasst auch Veränderungen im humanen Bereich.“ (ebd. 18)

Wenn man Schroeder (ebd. 19) an der Stelle folgt, findet sich nachstehende Antwort:

„Aus Unternehmersicht beinhalten soziale Innovationen vor allem Organisationsveränderungen innerhalb des Unternehmens , die entweder die Beziehung des Arbeitnehmers zum Arbeitgeber affizieren [...], etwa in Gestalt neuer Lohnformen, neuer Ausbildungsregelungen, neuer Partizipationsformen, oder die Unternehmensorganisation in toto umstrukturieren.“

Hierzu zählt er Hierarchiestruktur, Qualifikationsstruktur, Unternehmensstruktur etc.

Fazit dieser Sichtweise: Technische und soziale Innovationen bedingen und durchdringen sich wechselseitig. Auch an dieser Stelle kann man Verbindungen zur Luhmann`schen Systemtheorie erkennen, etwa wenn Schroeder davon spricht, dass sich die Subsysteme Ökonomie und Soziales des Gesamtsystem Gesellschaft wechselseitig durchdringen, um autopoetisch die Gesellschaft weiterzuformen, zu erneuern.

I.1.2 Kooperation

Es wird dabei an den Begriff der strategischen Kooperation von Neuberger

(1998, 37 ff.) angeknüpft, er grenzt diese Art der Kooperation von anderen wie: Spontaner, naturwüchsig - unreflektierter, unwillkürlicher, und relativer ab. Allgemein bezeichnet er alle als: „[...] eine bestimmte Interaktionsform sozialisierter Individuen, die in strukturierten Kontexten handeln und diese reproduzieren.“

Dahingegen beschreibt eine strategische Kooperation folgenden Sachverhalt:

„Strategische Kooperation ist bewußt [!] gestaltete, geplante und kontrollierte Zusammenarbeit in [und zwischen anderen, A. S.] Organisationen, um eigene Interessen zu fördern.

Im Unterschied zu planlosem, stimmungsabhängigem oder reaktivem Handeln ist strategisches Handeln durch Absicht, Plan und Reflexivität gekennzeichnet: Aktionen sind bewusst initiiert, d. h. auf Rückfrage könnte der oder die Handelnde Gründe und Ziele nennen; sie sind geplant, folgen also einem antizipierten Ablaufschema; sie sind schließlich reflexiv, d. h. der Fortgang des Geschehens wird überwacht und das jeweilige Ist mit dem Soll verglichen. Sodass korrigierend interveniert werden kann.“

(ebd. 39)

Zusammenfassend kann Wissens- bzw. Technologietransfer wie in folgender Abbildung (ebd. 66) dargestellt werden, in welchem Anbieter, Kooperationspartner und Anwender in ihren wechselseitigen Beziehungen zueinander dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Das Modell des Technologietransfer, nach Schroeder (1991, 66)

Nachdem geklärt werden konnte, worum es sich bei dem Terminus Wissenstransfer handelt, soll nun die Entstehung desselben ein wenig genauer betrachtet werden.

Wie kam es zur Durchführung von Transfer?

Wodurch wurde es notwendig?

I.2 Geschichte des Wissenstransfers

I.2.1 Historischer und Moderner Wissenstransfer

Dass Wissenstransfer keine Erfindung der Neuzeit seit der technischen Revolution ist, wie eine oberflächliche Herangehensweise vermuten lassen könnte, beschreibt Poser (1990, 14), indem er sagt, dass es horizontalen Transfer (Weitergabe von Wissen, Können und Artefakten) seit Menschengedenken gegeben hat und zwar immer dann, wenn Menschen Erfahrungen und Erzeugnisse austauschten. Vertikaler Transfer zur Gegenüberstellung, besteht dann, wenn Wissen so transferiert wird, dass es damit anwendungsrelevant wird und es nicht nur technischen Kriterien genügen muss sondern auch ökonomischen, ökologischen und sozialen (ebd. 24).

Als Beispiel für historischen horizontalen Transfer kann die Übertragung der Kenntnisse der Papier und Pulverproduktion entlang der Handelswege von China ins Europa des Mittelalters genannt werden. Die Römer übernahmen von den Griechen nicht nur das Wissen der philosophischen Schulen, sondern auch Ingenieurtechniken, die sie später weiterentwickelten, während sie die Eisenverhüttung bei den Etruskern lernten. Viele Inhalte der griechischen Wissenschaften wurden von den Arabern kommentiert und angereichert über Spanien, Sizilien und Unteritalien im

12. Jahrhundert an das christliche Abendland weitergeleitet. Zeugnis legen noch heute die Begriffe Algebra und die arabischen Ziffern ab. (ebd. 14)

Beispielhaft für den modernen Wissenstransfer ist Japan (ebd. 22):

„Als Japan ab 1870 europäische Industrieanlagen kopierte, übernahm es zugleich das europäische Ausbildungssystem und baute ein technisches und gewerbliches Schulwesen, ein Fachschulwesen sowie eigene Universitäten auf und stellte zunächst ausländische Fachschullehrer ein.“

Danach gelang es Japan im Laufe zweier Generationen den Anschluss an die europäische Entwicklung zu finden und mittlerweile eigene Innovationen zu generieren.

I.2.2 Wissenstransfer in Deutschland

Schroeder (1991, 54) erkennt, dass es seit 1948 verschiedene Phasen der Technologiepolitik, also staatliche Maßnahmen der Lenkung und Förderung von FuE, gibt. Sie sollen im folgenden genauer betrachtet werden:

- Restrukturierungs- und Initiationsphase (1948-1961), unter dem Motto: „Technologiepolitik als Ergänzung wirtschaftspolitischer Wachstumsförderung“.

Es wurden die Ziele: Wiederherstellung der Produktionsanlagen, Förderung des Wirtschaftwachstums, Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen, Ausbildung von Wissenschaftspersonal und Zentralisierung der forschungspolitischen Kompetenzen verfolgt.

Förderschwerpunkte waren der Wiederaufbau und Ausbau der Universitäten sowie der industriellen Forschung (z. B. die Max-Planck-Gesellschaft) nach dem Prinzip der Globalförderung: Weiterhin die Atom- und Technikforschung. Dabei betrugen die FuE- Ausgaben insgesamt 4,49 Mrd. DM, wovon der Staat 2,28 Mrd. DM trug.

- Innovations- und Diffusionsphase (1962-1969), hier sollte die „technologische Lücke“, vermutlich aus dem Sputnik-Schock heraus, geschlossen werden. Ziele waren: technische Modernisierung der Produktionsanlagen, dem Vorbild USA nacheifern (Silicon Valley), möglichst breite Streuung von Technologien sowie die Programmförderung in ausgewählten Schwerpunktbereichen. Dazu zählten neben anderen: Weltraumforschung, EDV, Meeresforschung, neue Technologien sowie Verteidigung. Die FuE-Ausgaben waren mittlerweile auf 12,25 Mrd. DM gestiegen, der staatliche Anteil lag bei 5,67 Mrd. DM

- Reformorientierte Modernisierungsphase (1970-1977), mit dem Leitmotiv: „Technologiepolitik als Schnittstelle von Reform und Modernisierung“.

Nunmehr verfolgte man die Perspektiven der Planung und Steuerung des Wissenschafts- und Technikentwicklungsprozesses, Technologiepolitik wird gesehen als Teil gesellschaftlicher Reformpolitik, qualitative Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingen, (ab hier wurde anerkannt, dass Technologieentwicklung ohne Beachtung der humanen Ressourcen irgendwann ausgereizt ist), Erhöhung der FuE-Ausgaben und starke Zunahme der FuE - Subventionen für die Wirtschaft.

Förderschwerpunkte, die nun aktuell wurden: man legte stärkeres Gewicht auf die direkte Projektförderung, Programme zum Ausbau der Infrastruktur und, an der Stelle besonders erwähnenswert: das Sozialwissenschaftliche Programm zur Humanisierung der Arbeit. Die Gesamtausgaben betrugen im Jahre 1977 27,74 Mrd. DM, staatlicher Anteil: 12,6 Mrd. DM.

Schließlich als letzte vorläufige Phase bei Schroeder:

- Technokratische Modernisierungsphase (1978-1988), der technische Wandel sollte beschleunigt werden: „Technologiepolitik als Strukturwandel und Industriepolitik“.

Was wollte erreicht werden? Modernisierung der Volkswirtschaft, Erhalt und Ausbau der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, Ausbau der infrastrukturellen Voraussetzungen des technischen Wandels, Vertrauen wurde verstärkt auf die Marktkräfte gelegt; mehr Arbeitsplätze sollten geschaffen werden durch technischen Wandel, weitgehender Verzicht auf Beeinflussung der Richtung des technischen Wandels (liberale Einstellung gegenüber der Forschung und Entwicklung). Das hatte merklich Auswirkung auf die Fördermaßnahmen und Förderschwerpunkte: Kürzung der direkten Programmforschung, Ausweitung der indirekten Förderung, direkt wurden weiterhin gefördert: Mikroelektronik, Biotechnologie; Raumfahrt/ Weltraum, Nachrichtentechnik, Fertigungstechnik, Klimaforschung, Umweltforschung; Polarforschung, Fachinformation und neue Wertstoffe. Der Gesamtetat an Ausgaben betrug 1987 50,86 Mrd. DM, staatlicher Anteil: 21,41 Mrd. DM.

Wagner (1990, S.14) betont, dass Beziehungen zwischen Hochschule und Wirtschaft spätestens seit Beginn der 80er Jahre zum Gegenstand wirtschafts- und forschungs- bzw. hochschulpolitischer Diskussionen und Förderungsmaßnahmen geworden sind. Der Grund sind die oben bereits beschriebenen Ansprüche der Politik, der Wirtschaft und Teilen der öffentlichen Meinung, die an die Hochschulen gerichtet werden. Beispiel soll das Zitat des Wissenschaftsrates (1986) geben: „Von den Hochschulen wird ein größerer Beitrag zur Bewältigung des Strukturwandels der Wirtschaft und zur Verbesserung der Chancen der deutschen Wirtschaft im internationalen Wettbewerb erwartet.“ Auch Schroeder (1991, 2) schlägt in diese Bresche: „Wissens- und Technologietransfer als Instrument einer innovationsorientierten Forschungs- und Technologiepolitik stößt in der Bundesrepublik erst angesichts einer strukturell bedingten Wirtschaftskrise mit den Folgen anhaltender Massenarbeitslosigkeit auf weitergehendes handlungsleitendes politisches Interesse.

König (1990, 39) beschreibt den in den späten 60er Jahren immer lauter werdenden Ruf, die Universitäten aus dem Elfenbeinturm zu entlassen. Diesem Ruf wurde mehr als entsprochen, so dass schon von verschiedenen Seiten Gefahr für Forschung und Lehre gesehen wurde. In den Universitäten und seitens des Staates bemühte man sich, stetig den Anteil an Drittmitteln an den Forschungsmittel der Hochschulen zu steigern, werden doch diese als positives Zeichen der Leistungsfähigkeit und des Praxisbezuges der Universitäten gewertet.

Einen neuen Schub erfuhr diese Entwicklung in den 80er Jahren durch die Einrichtung von eigenständigen Institutionen mit der Aufgabe des Technologietransfers. Diese Transferstellen agierten mit Maßnahmen der Weiterbildung, des Personaltransfers, der Informationsvermittlung und Beratung durch Seminare, Workshops und Ausstellungen.

Gestalt gegeben wurde dem technischen Wissenstransfer in der Bundesrepublik mit dem Bau der Fachhochschulen, sie entstanden räumlich dezentral im Gegensatz zu den zentral platzierten Universitäten (die nach dem Beschluss des deutschen Bildungsrates in den 70er Jahren für alle Schichten der Bevölkerung erreichbar sein sollten). Die FH´ s wurden in räumlicher Nähe von Industriebetrieben erbaut, um den Praxisbezug der Studenten auch in Vereinbarung der nun geforderten Pflichtpraktika, bzw. Praxissemester einfacher gestalten zu können.

Das war ein prägnantes Ereignis in der Geschichte der Hochschulen. Aber es stellte sich die Frage: Wofür waren sie denn geschaffen worden , bzw. entstanden? Für das humboldt´schen Ideal zur Generierung und Vermittlung von Wissen, oder sollten sie sich in den Dienst externer Interessen spannen lassen?

Dazu Bredemeier (1984, 329):

„Praxisenthobenes Selbstbild der Hochschulen: Durch einen guten Teil der Wissenschaftsgeschichte zieht sich der Konflikt, ob es in der Wissenschaft um Wahrheit oder Anwendung gehen soll. Ein zu einseitig auf Wahheit [!] festgelegtes Leitbild des Wissenschaftssystems kann die Anwendungsmöglichkeiten von Forschung z. B. über die Auswahl von Fragestellungen, die Verwendung empirischer Daten oder den Verzicht auf die Explikation praxisnaher Schlußfolgerungen [!] reduzieren.“

Derzeit ist unbestritten, dass die Forschungsergebnisse, auch die der Hochschulen der Wirtschaft und Gesellschaft zugute kommen sollten, gleichzeitig „geistert“ gelegentlich noch immer das von Polanyi (1976) geprägte liberale Leitbild der Forschung durch die Wissenschaftslandschaft der Bundesrepublik, nach dem der Ertrag der Forschung für die Gesellschaft dann und nur dann maximiert wird, wenn die Wissenschaftler ausschließlich nach Wahrheit streben und Anwendungsbezüge als ungeplantes Nebenprodukt der Forschung anfallen. Als Gegenpol zu diesem liberalen Weltbild der Wissenschaft wird in der Literatur das sozialistische Wissenschaftsmodell gehandelt (Bernal, 1939), nach dem sich das Wissenschaftssystem direkt an den Zielen der gesellschaftlichen Wohlfahrt auszurichten hat und diese Ziele von einer nationalen Planungsbehörde definiert werden.

Bredemeier plädiert deshalb für ein „pluralistisches“ oder „Marktmodell“ von Wissenschaft, nach dem (dezentral) eine Vielzahl von Forschern mit einer Menge Praxisorganisationen kooperiert und dabei Technologien gegen Ressourcen austauscht. (vergl. Webler, 1984, 351)

I.2.3 Wissenstransfer in den USA

Wie oben erwähnt, spielte das Vorbild USA für die Entwicklung des Wissenstransfers in Deutschland eine große Rolle (nicht zuletzt wegen des Marshallplans und dessen Finanzkraft) wollte die Bundesregierung am Erfolgsrezept partizipieren. Poser (1990, 13) stellt fest, dass die europäischen Industrieländer ab den 60er Jahren eine Angleichung an den amerikanischen Wissenschafts- und Fertigungsstandard zu erreichen suchten. Wie aber kam es zu Wissenstransferaktionen in den Vereinigten Staaten? Dazu ein interviewter Hochschul - Professor in Kluge und Oeler (1986 146):

„Die deutschen Hochschulen, die haben Wissen um des Wissens willen für sich erzeugt zum höheren Ruhm Gottes. Jetzt umgekehrt, amerikanische Hochschulen die vor gut hundert Jahren entstanden sind, die kriegten nur Geld und Land, wenn sie sich verpflichteten, für die Gegend was zu tun. Und was konnte man vor hundert Jahren für die Gegend tun? Das war die große Zeit, wo die Amerikaner wuchsen, wo sie nichts zu essen hatten, kein Fleisch, das heißt, sie haben alle auf agrarwissenschaftlichem und wirtschaftlichem Gebiet gearbeitet. Aus dieser Tradition kommt es überhaupt, dass die Hochschulen nicht nur mit der Industrie, sondern mit der Regierung zusammengearbeitet haben. Und das Interessante ist jetzt, daß[!]das heute noch abgearbeitet wird [...].“

Weiter dazu bei Bredemeier (1984; 326):

„In den Vereinigten Staaten liegen besonders günstige Vorraussetzungen für eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis (zumindest des Unternehmensbereiches) vor, als Beispiel einer geglückten Zusammenarbeit werden immer wieder die Existenzgründungen an der ,Route 128’ und ,Silicon Valley’ genannt. Weniger bekannt ist, daß [!] die neuen Unternehmungen an der Route 128 stark vom rüstungskonjunkturellen Faktoren abhängig waren und daß [!] sich ,Silicon Valley’ eine ganze Reihe von Fehlschlägen im Bereich ,Existenzgründungen’ auch in den Vereinigten Staaten gegenüberstellen lassen.“

Nicht nur der Wissenstransfer an sich sondern auch das Spendenwesen der USA sind vorbildhaft: Dazu Kirsten in der Zeit (2002) unter der Überschrift: In den USA sammelt der Chef:

„Anders in den USA. Dort kassierte der Spendenspitzenreiter unter den öffentlichen Hochschulen, die Indiana University in Bloomington mit rund 90000 Studenten, im vergangenen Jahr 300 Millionen Dollar. Damit das Geld fließt, beschäftigt die Universität knapp 100 professionelle Spendeneintreiber. Es gibt Spezialisten, die sich um die Ehemaligen, die so genannten Alumni, kümmern, andere, die Unternehmen bearbeiten, und wieder andere, die Sach- und Immobilienspenden einwerben. Es gibt Experten für Vermächtnisse und Beauftragte für Stiftungsgründungen [...].“

Damit die Geber sich wichtig fühlen, weil sie es ja auch sind, sind die entsprechenden Unternehmen und private Großspender Sache des Universitätspräsidenten, das geht soweit, dass sie die Hälfte ihrer Zeit damit zubringen können, Kontakte zu pflegen und potentielle Geldgeber zu ermutigen.

Allerdings ist bei dem Versuch, dieses Modell zu kopieren, Vorsicht geboten, da die Voraussetzungen voneinander differieren: „Denn die Steuern und Abgaben sind in den USA deutlich niedriger, die Möglichkeiten Spenden abzusetzen, größer. Und das gesellschaftliche Klima ist anders: Mehr als hierzulande gehört das Spenden auch für Unternehmen einfach zum guten Ton.“ (ebd.)

I.3 Arten, Typen und Programme des Wissenstransfers

I.3.1 Arten und Typen des Wissenstransfers

Die wissenschaftliche Unterteilung des Wissenstransfers in verschiedene Segmente variiert in der Literatur stark. Einige Vorschläge werden im Folgenden vorgestellt.

Schroeder (1991, 64) schlägt folgende Bezeichnung der Arten des Transfers vor:

- Informationstransfer: z. B. Datenbankrecherchen, Patentrecherchen, Markt- und Unternehmensanalysen
- projektgebundener Technologietransfer: Initiierung und gegebenenfalls Abwicklung und Betreuung von Kooperationsprojekten
- Personaltransfer: Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen durch Wissenschaftler und wissenschaftlichen Nachwuchs, bzw. Diplomanden.
Der Terminus „Personaltransfer“ ist auch bei Grunewald (1990, 145 ff) zu finden. Er definiert ihn folgendermaßen: „Personaltransfer im Sinne des Übergangs und Austauschs von Wissensträgern zwischen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und dem gewerblichen Bereich [...]“. Personaltransfer ist gar der [Hervorhebung A. S.] integrierende Bestandteil des Innovationsprozesses zwischen Forschung und gewerblichem Bereich.

- Weiterbildung: Qualifizierung des im Betrieb vorhandenen Personals durch die Technologiegeber
- Existenzgründungsberatung: technologie- und betriebswirtschaftliche Beratung bei der Gründung technologieorientierter Unternehmen

Je nach unmittelbarem Gegenstandsbereich ergeben sich für ihn - aus der o. g. Tatsache, das Technologien nicht nur technischer Natur sind - folgende Innovationstypen:

- technische Innovationen, mit den Untertypen:
-Produktinnovation
-Prozessinnovation
-Materialinnovation
- Soziale Innovation oder auch Sozialinnovation

I.3.2 Programme des Wissenstransfers

Nachdem im vorangegangenen Abschnitt die Ebenen und Formen des Wissenstransfers in abstrakter Weise vorgestellt wurden, folgt im nächsten Abschnitt die Darstellung von faktischen Forschungs- und Transfermöglichkeiten.

Kluge und Oeler (1986, 64 ff.) versuchen die umfassende Darstellung des Spektrums des Wissenstransfers wiederzugeben, die wichtigsten Aspekte werden im folgenden vorgestellt:

DFG-Sonderforschungsbereich (SFB): Er umfasst die wichtigsten externen For-schungsförderungen der Universitäten, mehrere Forscher aus unterschiedlichen Fachgebieten bringen sich kontinuierlich ein. Somit betrifft er die gesamte deutsche Forschungsgemeinschaft (vgl. ebd. 64).

Forschungsförderungen nach Programmen der Bundesministerien: diese Programme haben einen relativ bedeutenden finanziellen Umfang, allerdings beinhalten sie strukturierende (politische) Vorgaben für drittmittelgeförderte Forschung. Folgende relevante Ministerien werden genannt: Ministerien für Forschung und Technologie; Wirtschaft, Verteidigung sowie Bildung und Wissenschaft. Diese Bezeichnungen haben sicherlich keine unbegrenzte Haltbarkeit, in Zeiten von Superministerien kann es gelegentlich zu der einen oder anderen Umbenennung kommen.

Die damit verbundenen Projekte sind zeitlich begrenzt und oft abstrakt vorgegeben, d. h. dass der Forscher noch einen gewissen eigenen gestaltbaren Spielraum eingeräumt bekommt (vgl. ebd. 67).

Auftragsforschung und Förderung durch die AIF: die Förderung von Forschungsprojekten erfolgt hier direkt durch ein Unternehmen oder durch betrieblich übergeordnete Forschungsorganisationen der Industrie. Diese Forschung nimmt im technikwissenschaftlichen Bereich ein Drittel und mehr der Forschungskapazität ein. Die Arbeitsweise stellt sehr stark auf direkte Kooperation zwischen Forschern und Industrie ab Dies bedeutet, dass die Projekte durch regelmäßige Treffen eines Arbeitskreises begleitet werden, welcher aus Industrievertretern besteht. Die Forschungsthemen sind ähnlich wenig vorstrukturiert wie bei der vorangestellten Transferart, da die Arbeitsweise als sehr ergebnisorientiert angesehen ist, wird dies positiv goutiert. Als negativer Aspekt, unabhängig von der Struktur des vorgegebenen Themas wird die oft von der Industrie verlangte Geheimhaltung und der mögliche Missbrauch des wissenschaftlichen Renommés für Firmeninteressen (z. B. in der Werbung) gesehen (vgl. ebd. 71).

Forschung im Rahmen von Lehrstuhlaufgaben: diese Form kommt der klassischen Organisation der Universität am nächsten. Beispiele: persönliche Gutachten und Beratertätigkeiten, Funktionen in Gremien von Wirtschaft, Politik und Staat. Der Forscher ist absolut unabhängig:

„Der Forscher muß [!] sich nicht unmittelbar an der Aktualität der jeweils im Anwendungsbereich formulierten Probleme orientieren und auch nicht an der Möglichkeit, Forschungsförderungsmittel oder Forschungsaufträge durch Dritte zu bekommen. Allerdings will man mit den eigenen wissenschaftlichen Ergebnissen durch entsprechende Maßnahmen (gezielte Veröffentlichungen, Vorträge, Veranstaltungen von Symposien, an denen Vertreter aus der Anwendungswelt teilnehmen) Veränderungen in der Anwendungswelt herbeiführen.“

Wissenschaftliche Politikberatung:

Z. B. als ministerielle Beiräte fungierende Professoren, hier werden Stellungnahmen und wissenschaftliche Studien geliefert zu von politischen Instanzen definierten Problemstellungen. Das kann auf zwei verschiedenen Ebenen erfolgen: „Wissenschaftliche Ergebnisse gehen unmittelbar in Entscheidungsprozesse ein und werden als Argumentation für bestimmte Entscheidungen genutzt“. Oder aber „Wissenschaftliche Ergebnisse werden im unmittelbaren Entscheidungsprozeß nicht beachtet, entfalten jedoch als öffentliches Diskussionsmaterial eine Langfristwirkung über die aktuelle Situation hinaus.“ (ebd. 76)

Gutachten:

Sie werden zu einem klar umrissenen Gegenstand angefertigt der vom Auftraggeber definiert wird. „Gutachten sind an die Person des Gutachters gebunden und grundsätzlich nicht delegierbar.“ (ebd. 79) Voraussetzung ist selbstverständlich die allgemein akzeptierte wissenschaftliche Reputation des Gutachters. In den Genuss solcher „Dienstleistungen“ kommen vor allem öffentliche Instanzen, um politische Argumentationen und Entscheidungen in ihrem Sinne zu fundieren bzw. öffentlich zu legitimieren. Ferner Gerichte, um Fälle aufzuklären oder etwa um ihre Position wissenschaftlich zu untermauern.

Externe Ingenieurbüros:

In diesem Fall sind Forscher und (Mit -) Inhaber eines externen Büros in einer Person, also quasi in Personalunion zu finden. Transfer von Wissen wird arbeitsteilig zwischen zwei Institutionen aber nur einer Person organisiert (vgl. ebd. 81).

Normausschüsse:

Hierbei handelt es sich um eine besondere Form im technikwissenschaftlichen Bereich, denn dieses Ausschüsse sind staatlich organisiert. Die Wissenschaftler definieren in enger Kooperation mit staatlichen Genehmigungsbehörden und der Industrie, zu überprüfende Rahmenbedingungen (vgl. ebd. 83).

Fachvereinigungen und externe wissenschaftliche Einrichtungen:

Der Austausch von Wissen zwischen Hochschulen, Industrie und Staat ist über ein weit verzweigtes Netz von Fachvereinigungen und Fachgesellschaften organisiert. Dieses weite Spektrum umfasst wissenschaftliche Institute, die von Verbänden eingerichtet: Berufsverbände, wie VDI und VDE im Ingenieurbereich, Vereinigungen von Wissenschaftlern, die sich besonders die Kommunikation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Staat zur Aufgabe gemacht haben. Folgende Arbeitsschwerpunkte obliegen ihnen: Publikation und populär machen von wissenschaftlichen Studien; Organisation von Tagungen und Eingriff in die öffentliche Diskussion (vgl. ebd. 84).

Fördervereine/ Freundeskreise:

Sie dienen in erster Linie der Pflege der Kommunikation und des Kontaktes zwischen Hochschule und Wirtschaft bzw. der jeweiligen Unernehmensbranche. Im strengen Sinne ist es keine Transferform sondern informelle Voraussetzung dafür. Oft handelt es sich um eingetragene Vereine, denen gleichermaßen Hochschulwissenschaftler als auch Personen aus der Wirtschaft angehören (vgl. ebd. 86).

Studien- und Diplomarbeiten; Dissertationen mit extern gestellten Themen:

Diese Art von Wissenstransfer kommt oft dadurch zustande, dass ein Hochschullehrer von einem Unternehmen, mit dem er schon kooperiert, Themen vorgeschlagen bekommt und persönlich die Diplomanden und Doktoranden vermittelt. Die Bearbeitung erfordert oft einen längeren Aufenthalt in den Unternehmen, in der die Studenten praktische Erfahrungen sammeln und Kontakte für ihre eigene Karriere knüpfen können (vgl. ebd. 89).

Weiterbildung

Bei dieser Variante gehen Wissenschaftler in Einrichtungen außerhalb der Hochschule und in Firmen, bzw. es werden auf dem Campus selbst Weiterbildungsprogramme angeboten. Kluge und Oeler (ebd. 91) beklagen, dass Weiterbildung in diesem Sinne bisher wenig ausgeprägt ist. Transferiert werden Informationen und Kenntnisse, die Ergebnisse der Hochschulforschung darstellen und meistens auf dem Wege des Vortrages angeboten werden. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Professoren beauftragt werden, Weiterbildungsprogramme für Unternehmen zu entwickeln.

Diese Form des Transfer ermöglicht und unterstützt einen starken regionalen Bezug durch eine intensive Betreuung der bereits beruflich Tätigen.

Als letzte konkrete Möglichkeit Wissenstransfer zu praktizieren werden nun die

Forschungskolloquien, Beiräte und Gesprächskreise vorgestellt.

Auch dies ist eine Form, die ausschließlich in der Hand des Wissenschaftlers liegt. Sie tragen ebenfalls einen stark regional - fördernden Charakter. Aufschluss darüber geben die Ziele dieser Transferform:
- Informationen über ein durchgeführtes Forschungsvorhaben weiterzugeben und Einschätzungen der Ergebnisse auszutauschen,
- Herstellung des Kontaktes zwischen Anwendern und Forschern durch die Präsentation ihrer Arbeiten,
- Knüpfen von Kontakten zwischen Anwendern und Studierenden .

Diese Transfer-Veranstaltungen finden oft nicht institutionalisiert statt und werden von Fall zu Fall organisiert, in dem sie von der Universität (Institut oder Lehrstuhl) in längeren Zeiträumen, oft im Vorfeld von Transfervorhaben, einberufen werden (vgl. ebd. 87).

I.3.3 Innovation als Prozess

Schroeder (1991, 21) sieht Innovation als prozesshaften Ablauf, um mögliche Schritte innerhalb des Procedere deutlich zu machen beruft er sich auf ein Schema Uhlmanns:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb: 2 Der Innovationsprozess nach Uhlmann, Quelle: Schroeder, 1991, 21

Dieses Schema ist nicht zwingend linear zu interpretieren, alle Phasen werden sukzessive durchlaufen, es handelt sich somit um eine idealtypische Konstruktion.

I.4 Institutionen der Forschung

Wie bereits erwähnt wurde, sind es nicht allein die Universitäten, die das Wissenschaftssystem repräsentieren, durch welche Institutionen es letztendlich komplettiert wird, führen Schmoch et. al. (2000, 83) aus. Demnach sind die Universitäten nach wie vor das Zentrum dieses Systems, allerdings werden sie umgeben von der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), welche die Grundlagenforschung vertritt, und der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), die ihrerseits für die angewandte, industrienahe Forschung und Entwicklung steht. Beide Institutionen sind im Hinblick auf Promotionen und wissenschaftlichen Nachwuchs sowie Hilfskräfte auf die Universitäten angewiesen. Über Lehrstuhlverbünde sind sie so eng mit den Universitäten verbunden, dass viele Industriedirektoren Inhaber von Universitätslehrstühlen sind.

In diesem Zusammenhang sind ferner die Einrichtungen der Helmholtz - Gemeinschaft und die oft mit Sonderaufgaben befassten oder aus regionalen Kontexten entstandenen Institutionen der Leibnitz - Gemeinschaft zu nennen.

Daneben, eher weniger bekannt die An - Institute: (ebd.83).

„Die sogenannten An-Institute stehen ebenfalls in diesem Zusammenhang. Sie arbeiten in und profitieren von der direkten Nähe zu den Universitäten, sind aber formal unabhängig und von den rechtlich - administrativen Handlungszwängen der Universität weitestgehend befreit. Im Kern sind sie den Instituten der FhG vergleichbar, verfügen aber nicht über deren gemeinsames Dach und die damit verbundenen Standards.“

Die An - Institute sind zwar weitestgehend unbekannt, dürfen aber nicht unterschätzt werden, da ihr kumuliertes Umsatzvolumen ungefähr die Hälfte dessen der FhG ausmacht.

Die Führung obliegt in der Regel Lehrstuhlinhabern an der Universität.

Eine weitere Gruppe von Institutionen ist, obwohl bedeutend, bisher von der Öffentlichkeit unbemerkt geblieben. Es handelt sich um die an die Hochschulen angelagerten gemeinnützigen GmbH´s, Stiftungen bzw. Anwendungslabors. Maßgeblich an der Arbeit beteiligt sind transferaktive Hochschullehrer, deren Arbeit besondere Hochachtung zu zollen ist, zumal es keine Ausgleichsregelung für ihre Belastung gibt, wie das etwa bei den An - Instituten und der FhG der Fall ist. So ist auch die Entwicklung dieses Bereichs in hohem Maße von dem Engagement dieser Wissenschaftler abhängig.

Alles in allem bilden diese Institutionen eine Transferbasis zwischen Grundlagenforschung, angewandter sowie industrieller Forschung und Entwicklung.

I.5 Finanzierung und rechtliche Aspekte

I.5.1 Finanzierung

Größl - Gschwendtner (1987, 19) betont, dass es zunächst wichtig wäre, die finanzielle Ausstattung der Lehrstühle ausreichend und unabhängig von jedweden Forschungsergebnissen möglich zu machen. Aber: „...es ist ja nicht zufällig, daß [!] das gestiegene Interesse in den letzten Jahrzehnten mit den finanziellen Engpässen korreliert. In dem Maße, wie die Steuergelder kärglicher an die Universitäten fließen, gewinnt die Drittmittelforschung an Bedeutung.“

Die Finanzierung der meisten grundlagenorientierten Institutarten beruht auf einer Drittelstruktur: Ein Drittel - meist länderseitiger - Grundfinanzierung, ein Drittel öffentliche Projektfinanzierung und ein Drittel industrielle Auftragsfinanzierung. Dabei ist die DFG bei Finanzierungsfragen ein wichtiger Ansprechpartner, allerdings wie zu erwarten, nicht konkurrenzlos (vergl. Schroeder, 1991, 109 f.).

Daneben fließen Gelder von Wirtschaftsunternehmen, der universitären Forschungsförderung, Stiftungen und verschiedenen staatlichen Institutionen. Um nur einige zu nennen: VW - Stiftung, Bundesministerium für Forschung und Technik (BMFT, BMBF), Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi); und nicht zuletzt die Europäische Union. Laut Schmoch et al. (2000, 78 f.) dürfte dieser letzte Teil, benennbar als administrativen Teil, ca. 40 % betragen. Da ein Großteil der Programme und Projekte aber als Verbundforschung zwischen Hochschulen und Unternehmen durchgeführt wird, zählt dieser Bereich auch mit zur industriellen Finanzierung, hat dort allerdings nicht seinen Ursprung.

Auch bei der Betrachtung der finanziellen Seite des Wissenstransfers lohnt sich ein Seitenblick zur Systemtheorie, denn nach Becker (1993, 2) kann folgendes erklärt werden: Gemäß des systemtheoretischen Ansatz´ definiert man Universitäten als Subsystem des Systems Bildung / Kultur. Dort nehmen sie für die Erhaltung des Gesamtsystems bestimmte Aufgaben wahr und stehen damit im Austauschverhältnis mit der Umwelt. Trotz Hochschulautonomie stehen die Universitäten in engen wechselseitigen Verflechtungen mit anderen Teilsystemen. Man könnte es auch anders formulieren: warum leisten sich der Staat und die Wirtschaft die Universitäten?

In der folgenden Abbildung wird dieser Zusammenhang noch einmal verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mögliche Nachteile von zu starkem Einsatz von Drittmittelforschung beschreibt Schröter (1990, 18) mit der Möglichkeit eventueller Einschränkung der Autonomie der Hochschulen, etwa durch Fremdbestimmung von Forschungsthemen und Publikationsbehinderung, Vernachlässigung der Grundlagenforschung, die selektive Förderung bestimmter Disziplinen oder die Diskontinuität projektförmig organisierter Forschung.

In neuerer Zeit bekommt ein neues Phänomen Konturen: Die Gelder werden von dritter Hand nicht gleichmäßig verteilt. Das Problem der Konkurrenz zwischen Privathochschulen und staatlichen Hochschulen beschreibt Kirsten in der Zeit (2002):

„Die Wirtschaft greift ins Portemonnaie. Mehr als 20 große Unternehmen, darunter die Deutsche Bank, Siemens, BMW, Bosch, die Telekom, die Post, RWE und SAP, machen Geld für die European School of Management und Technologie locker, die dieser Tage in Berlin gegründet werden soll. 75 Millionen Euro sind es bisher, mindestens 100 Millionen Euro sollen es werden.[...] Staatliche Hochschulen können ob soviel geballten Engagements der Unternehmen neidisch werden. Lediglich zwei bis drei Prozent finanzieren sie nach Schätzungen des Stifterverbands für die Deutsche Wirtschaft aus privater Quelle - bisher. Jetzt in Zeiten des Streichens und Sparens, buhlen sie verstärkt um Zuwendungen von Privatleuten und Unternehmen. Das Schlagwort vom Fundraising, dem systematischen Einwerben von Spenden erobert die Unis. Gegenüber privaten Hochschulen haben sie dabei keinen leichten Stand. ,Viele Entscheider in den Unternehmen fliegen auf die Kombination von ,privat’ und elitärem Anspruch’ sagt der Präsident der Deutschen Hochschulrektorenkonferenz, Klaus Landfried. [...] Die staatlichen Hochschulen dagegen gelten bei vielen als träge Massenbetriebe, die nur Finanzierungslücken stopfen wollen.“

Tatsächlich agieren die Universitäten hierzulande aber mehr als wehleidig die Hand aufzuhalten. Sie suchen Sponsoren für Tagungen, Internetauftritte, und Forschungsprojekte, weiterhin werden Stifter für Lehrstühle gewonnen und Alumni - Netzwerke aufgebaut. Weitere Möglichkeiten sind die Übernahme von Patenschaften für Stühle in Hörsälen und das Stiften von Büchern in Bibliotheken. Nur leider wird das bisher noch nicht richtig systematisch betrieben, sondern funktioniert eher nach dem Zufallsprinzip (vgl. ebd.).

I.5.2 Patente

„Ein Patent ist das einem Erfinder vom Staat (Patentamt) erteilte zeitlich begrenzte Ausschließlichkeitsrecht für die wirtschaftliche Nutzung einer Erfindung.“

(Kuhn, 1990, 122)

Den Sinn und Zweck des Patentwesens beschreibt Schroeder (1991, 26) wie folgt:

„Mit der Schaffung des Patentwesens hat der Staat versucht, diesem immanenten Dilemma [Rückzug aus Forschungs- und Entwicklungsprojekten, wegen der Gefahr, dass die Innovationen kopiert würden A. S.] zu begegnen. Einerseits soll es den Innovator durch den Schutz vor Nachahmung stimulieren; andererseits soll gewährleistet werden, daß [!] die technologische Neuerung nach Ablauf der Patentfrist auch tatsächlich volkswirtschaftliches Gemeingut wird.“

Dabei geht es aber nicht allein darum, sondern auch um eine Art Katalogisierung von bereits Erfundenem, denn so schreibt Kuhn weiter: „Jeglicher Aufwand zur Erforschung oder Entwicklung von bereits Bekanntem ist schlechthin unvertretbar. Dennoch entsteht unserer Volkswirtschaft durch fehlende oder unzulängliche Ermittlung des veröffentlichten Standes der Technik jährlich ein Schaden in Milliardenhöhe.“

Dabei wird der Umfang und die Bedeutung des in der Patentliteratur niedergelegten wissenschaftlichen Wissens vielfach verkannt, denn schließlich wird ein Großteil der industriellen Forschungsergebnisse erstmalig in der Patentliteratur veröffentlicht.

Die Zahl der Patentanmeldungen nahm kräftig zu, was nicht zuletzt an der staatlichen Unterstützung lag, Ausdruck hierfür sind die Patentinitiative des BMBF (1996) sowie die explizit positive Stellungnahmen der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung zum Patentwesen an Hochschulen (BLK 1997). (vgl. Schmoch, 2000, 96)

Patente sind im sozialwissenschaftlichen Bereich allerdings unüblich, das Gleiche gilt für Entdeckungen, wissenschaftliche Theorien und mathematische Methoden.

I.6 Rahmenbedingungen und Voraussetzungen

Wenden wir uns dem erwarteten bzw. zugeschriebenen Sinn und Zweck zu, den sich die verschiedenen Elemente des Staates vom Wissenstransfer erhoffen. Hier muss zwischen staatlicher, politischer wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Seite durchaus differenziert werden. Dazu einige Beispiele aus Kluge und Oeler (1986, 14):

- „die Belebung des Wettbewerbs zwischen den Forschungseinrichtungen an den Hochschulen,
- die Beschleunigung der Innovationsprozesse in der Wirtschaft, besonders auch bei mittelständischen Unternehmen und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft - auch im internationalen Vergleich; im Zusammenhang damit die Förderung von Existenzgründungen von Hochschulabsolventen im Bereich der sogenannten Schlüsseltechnologien,
- die Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur, auch durch Weiterbildungsmaßnahmen, um damit das regionale Gefälle wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit zu vermindern,
- die Berufschancen der Hochschulabsolventen bzw. des wissenschaftlichen Nachwuchses durch stärker anwendungsbezogene Qualifizierung zu verbessern,
- Technikfolgen für das soziale Zusammenleben der Menschen und für die Ökologie in Transferprozessen zu berücksichtigen und entsprechend steuerbar zu machen und
- die Interessen anderer als der zunächst am Transfer partizipierenden Gruppen stärker zu berücksichtigen.“

Welchen Sinn und Zweck sehen nun die direkten Kooperationspartner, also die Wissenschaft auf der einen und die Wirtschaft auf der anderen Seite? Oder anders gefragt, wozu braucht die Industrie die Universität und andererseits die Universität die Industrie?

Die Antwort auf die erste Frage: „Als besonderen Ort wissenschaftlicher Ideenfindung und damit Anregung im Produktvorfeld; zur wissenschaftlichen Begleitung von Entwicklungsprojekten; als Form internationaler Wissenschaftskontakte und nicht zuletzt zur Ausbildung eines möglichst hochqualifizierten Nachwuchses. [...]“

Und zur zweiten Frage schreiben ebenfalls Kluge und Oeler (1986, 17):

„Die Hochschule braucht die Industrie zur Umsetzung und praktischen Nutzung wissenschaftlicher Ideen und Ergebnisse im Vorfeld; als Forderung vor allem kostenintensiver, experimenteller Forschungsarbeiten; zur Abstimmung von Lehrinhalten mit industrieller Berufsanforderungen, als den zukünftigen Arbeitgeber für ihre Absolventen[...]“.

Schröter (1990, 106ff.) befragte dazu Professoren und resümiert:

finanzielle bzw. materielle Aspekte werden sowohl in allgemeiner Form als auch in bezug auf durch Forschungstransfer erzielte Verbesserung der Infrastruktur (Ausstattung mit Geräten, Versorgung mit Materialien und dergleichen), die Finanzierung von Promotionsvorhaben und die Beschäftigung von wissenschaftlichen und technischen Personal angesprochen.“ [...] „In anderen Aussagen wird betont, daß [!] sich aus Transferaktivitäten sowohl Anregungen für Lehre und Forschung als auch Praxiskontakte und berufliche Chancen für Studierende, Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter ergeben.“

Weiterhin wissen es die Professoren zu schätzen, wenn sie nicht im luftleeren Raum forschen, sondern eine außerwissenschaftliche Bestätigung ihres Forschungshandelns finden, woraus sogar gesellschaftlichen Nutzen erwächst. Manche sehen es sogar als eine Art Bringschuld der Hochschulforschung gegenüber Staat, Gesellschaft und Industrie an.

Beachtenswerte Kritik hinsichtlich des uns interessierenden Themas, das ja eher auf Soft – skills - Anwendungen gerichtet ist, kommt von den Gewerkschaften. Sie prangern an, dass die Forschungsergebnisse allein für Rationalisierung und Effizienzsteigerung angewendet werden und man zuwenig deren Folgen für die Arbeitnehmer sehe und generell die Humanisierung der Arbeits- und Lebensbedingungen nicht genug thematisiert werden. (vgl. ebd. 18)

Die Bundesregierung scheint in einen Legitimationszwang wegen zu hoher öffentlicher Aufwendungen für die Hochschulen gekommen zu sein:

„Die Förderung des Wissens- und Technologietransfers zwischen Hochschulen und der Wirtschaft ist eine hochschul- wie auch wirtschaftspolitische Notwendigkeit. Der rasche technologische Wandel, die kürzer werdenden Innovationszyklen und der erhebliche Aufwand für die Forschungskapazitäten an Hochschulen erfordern vor dem Hintergrund weltweit verschärften Wettbewerbs die Ausschöpfung aller Möglichkeiten, um den Transfer von Wissen und Forschungsergebnissen aus den Hochschulen in die Wirtschaft und die Rückkopplung von Erfahrungen aus der Praxis in die Hochschulen zu verstärken. [...] Dabei erfordert und bewirkt der Wissens- und Technologietransfer eine Öffnung der Hochschulen und ihres Forschungspotentials gegenüber dem steigenden Bedarf der Wirtschaft an Forschung zu Lösung wirtschaftlicher Aufgaben.“ (aus: Bundesregierung, 1995), zitiert in Kluge und Oeler (1986, 14).

Dieser Erkenntnis beabsichtigte sie in entsprechenden Reglements zu entsprechen, und zwar um:

„Der Eigeninitiative des Forschers großen Raum zu geben, die personelle Flexibilität der Hochschulen zu verbessern und durch den Abbau von administrativen Reglementierungen ein forschungsfreundlicheres Klima an den Hochschulen bereitzustellen“

Fazit: Ohne die Aufwertung von Drittmittelforschung lässt sich mehr Wettbewerb in der Hochschulforschung nicht erreichen. (vgl. auch §25 HRG).

Hornschild (1990, 181) unterstreicht den politischen Hintergrund: „Es besteht heute weitgehend Konsens, daß [!] die technologische Leistungsfähigkeit eines Landes über dessen Konkurrenzfähigkeit und damit auch über den Wohlstand entscheidet.“

Eine Analyse der Wirtschaftbereiche und Industriezweige, so Hornschild weiter, erbrachten als Ergebnis die Notwendigkeit der Expansion der besonders forschungsintensiven, hochtechnologischen Bereiche und Verlagerung der Wertschöpfung vom sekundären zum tertiären Sektor. Das begründet er damit, dass heute inzwischen mehr Dienstleistungstätigkeit (Forschung, Entwicklung, planende, arbeitsvorbereitende Tätigkeiten, Marketing und Service) benötigt wird, als traditionelle verarbeitende Tätigkeiten.

„Tertianisierung des sekundären Sektors“ (ebd. 83). Das bedeutet neben einer Ausweitung des Dienstsleistungssektors auch die Verstärkung der Informationstechnologie als neues Schwungrad des Dienstleistungsgeschäfts.

Man kann trotz alledem nicht von einer Unterordnung der Forschungsinteressen unter staatliche Interessen sprechen:

„Die Forschungslinien, die in den einzelnen Forschungsgebieten an den Hochschulen verfolgt werden, ordnen sich nicht vordergründig den Zielen staatlicher Forschungsplanung unter, die Umsetzungen der Forschungsergebnisse haben auch keinen Vorrang vor fachspezifischen Fragestellungen und Weiterentwicklung von Fachdisziplinen.“ (vgl. ebd. 16).

Ein weniger optimistischer Nachtrag wird noch hinzugefügt:

„Es ist auch noch lang nicht sichergestellt, ob der Forschungstransfer überhaupt den optimistischen Anforderungen genügt.“

I.6.1 Bedeutung des Wissenstransfers für die Region

Ein diese Arbeit dominierendes Thema ist der Regionalbezug von Wissenstransfer. Die einschlägige Literatur schätzt die Wichtigkeit ebenso ein.

So wird der Universität eine große Bedeutung für den Wirtschaftsstandort in dem sie sich befindet, zugemessen. Becker (1993, 1) dazu:

„Die Bedeutung des universitärer [!] Wissenstransfer [!] als regionaler Wirtschafts- bzw. Standortfaktor hängt entscheidend davon ab, in welchem Ausmaß sich das von der Universität angebotene bzw. verfügbare Wissen (Wissensangebot) mit den Interessen, Bedürfnissen, Erwartungen etc. der Anwender /Nutznießer dieses Wissenspotentials (Wissensnachfrage) deckt. [Hervorhebung A. S.] Grundsätzlich gilt; Je mehr (weniger) sich die Strukturen und Inhalte dessen, was von der Universität an praktisch verwertbarem Wissen angeboten und von der regionalen Wirtschaft nachgefragt wird, entsprechen, umso besser (schlechter) gestaltet sich das Verhältnis zwischen Universität und Praxis.“

Die Hervorhebung des Textes weist auf die zentrale Fragestellung dessen hin, was uns interessiert, nämlich herauszubekommen, was regionale Wirtschaft von der Universität in Landau erhoffen kann, und inwieweit sie bereit wäre, daran zu partizipieren. Etwas lebenspragmatischer formuliert es Webler (1984, 2):

„Das Verhältnis von Universität und Region ist in jüngster Zeit u. a. dadurch aktueller geworden, daß [!] sich die Universitäten in einer Krise öffentlicher Wertschätzung befinden und sich zusätzliche Legitimation durch den Nachweis ihrer Problemlösefähigkeit für regionale Aufgaben und Dienstleistungen erhoffen.“

Kluge und Oeler (1986, 19) erwarten folgende Effekte von Forschungstransferleistungen (selbstverständlich abhängig vom jeweiligen Angebot) der Hochschulen für die Region:

- „Erschließung und Ausarbeitung wissenschaftlicher Informationen und Forschungsergebnisse für die Belange der regionalen Wirtschaft, insbesondere Beratung und Kooperation mit Klein- und Mittelbetrieben in der Region
- Wissenschaftliche Weiterbildung als Möglichkeit für Betroffene, sich durch zusätzliche Qualifizierung mit den Folgen technologischen Wandels auseinander zu setzen
- Zugang zu wissenschaftlichem Problemlösepotentialen zu bekommen und diese thematisch auf regionale Probleme auszurichten“.

Die weiter oben bereits allgemein beschriebenen Arten von Wissenstransfer werden von Webler (1984, 357 ff.) als regionalspezifische Leistung noch einmal konkretisiert: - Bildungsaufklärung / Bildungswerbung, damit gemeint sind Schüler- und Studentenanwerbung, etwa durch Tage der offenen Tür, Einladungen an Schulklassen und Oberstufenlehrer, Vorträge in Schulen, Pressetermine mit Lokalredakteuren

- Studium
- Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten nach dem Erststudium (z. B. Weiterbildungszentren)
- Informationssysteme,
z. B. Bibliotheken, Informationsmedien über Forschungsberichte, Forschungsjournale, EDV-Dateien und- Schlagwortregister
- Zuwendungsbezogene Forschung,
nach vorheriger Regionalanalyse, anhand derer die Entwicklungspotentiale und
– barrieren der jeweiligen Konzeption für eine regionalisierte Forschungs- und Technologiepolitik und für entsprechende Schwerpunkte in Studiengänge abzuleiten sind,
- Personaltransfer von Wissenschaftlern
- Wissenstransferstellen,

um gezielt das Forschungs- und Entwicklungspotentials der Hochschule für eine regionale Strukturpolitik zu nutzen,

- Vermehrung des kulturellen Angebots (Vorträge, Hochschulorchester, Sportangebote)

Bredemeier (1984, 330) weist auf die Vorteile der Universitäten hin, die sie haben, wenn sie von sich aus mehr auf die Region zugehen:

„Eine ,Öffnungspolitik der Hochschulen’ insbesondere gegenüber der regionalen Praxis ist auch im wohlverstandenen Eigeninteresse der Hochschulen notwendig. Dies gilt u. a. angesichts rückläufiger Studentenzahlen, knapper werdender Finanzmittel, einer schwelenden Legitimationskrise der Wissenschaft sowie politischen Überlegungen, das dominierende liberale Wirtschaftsmodell mit Tendenzen einer zentralen Forschungsplanung zu durchsetzen. Ein erfolgreiches Eingehen der Hochschulen auf die Probleme ,vor der eigenen Haustür’ schüfe eine regionale pressure group und wäre ein langfristiger Garant ihrer Unabhängigkeit.“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Universitärer Wissenstransfer als regionaler Wirtschafts- bzw. Standortfaktor aus: Becker, W. (1993, 7)

Diese Abbildung zeigt die wechselseitige Durchdringung von Universität und regionaler Wirtschaft

I.7 Probleme bzw. Barrieren der Initiierung und Durchführung von Wissenstransfer

Um über gelingende Kooperationen Feststellungen treffen zu können, scheint es angebracht, die Literatur und das Feld danach zu untersuchen, auf welche Probleme man im Zusammenhang mit Wissenstransfer stoßen kann.

Stracke (1990, 204 f.) zum Beispiel sieht die begrenzten Ressourcen in der Forschung (finanziell, personell, technisch und vor allem räumlich) als Hemmschuh, der grundsätzlich nur ein begrenztes Maß an wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zulässt. Er spricht sogar davon, dass es besonders nachgefragten Forschergruppen derzeit nicht mehr möglich ist, neue Projekte zu beginnen, obwohl fachlich interessante Themen, einschlägiges wissenschaftliches Know - how und Kooperationsinteresse in Wissenschaft und Wirtschaft gegeben sind.

Stracke sieht speziell in diesem Punkt keine baldige Veränderung der Rahmenbedingungen, z. B.

„kann nicht damit gerechnet werden daß [!] etwa durch bauliche Maßnahmen oder Anmietungen Lösungen der Raumfragen erreicht werden, [...] sind Projektdurchführungen immer wieder in Frage gestellt bzw. nicht möglich, weil die notwendige personelle Kapazität nicht verifiziert kann (etwa wegen mangelnder Arbeitsräume oder wegen unzureichender

Flexibilität bei der – arbeitsrechtlichen - Regelung von Personaleinstellungen und [oder] bei Verantwortungsverteilungen).“

Aus diesen Gründen schließt er gar, dass davon auszugehen ist, dass sich der Umfang der Forschungskooperation Universität/ Wirtschaft einer „Toleranz- rsp. Sättigungsgrenze“ genähert hat (vgl. ebd. 204).

Schröter (1990, 144) hingegen sieht Bürokratie als Hauptbarriere: „Vorschriften der staatliche Wirtschaftsführung, Drittmitterlaß [!], Nebentätigkeitsverordnung...“

Daneben auch: „Probleme der Rekrutierung und Vergütung von Drittmittelpersonal oder der Nichtdeckungsfähigkeit von Sach- und Personalmitteln, universitäre Entscheidungsstrukturen, aber auch der Verwaltungsapparat der beteiligten Industriepartner.“

Weitere Argumente für das Bestehen von Kooperationshemmnissen, die er ins Feld führt: Politisch - ideologisch motiviertes Misstrauen im Sinne nicht gewollter aber geduldeter Forschungskontakte (vgl. ebd. 146).

Schroeder (1991, 33 f.) generiert eine eigene Barrierenklassifikation auf Seiten der Transfernehmer. Da gibt es zunächst die „technisch bedingte Innovationsbarriere“ Dazu gehört z. B., dass der Technikstand bereits ausgereift ist, den Unternehmen Wissen über externes Know - how fehlt, es interne Probleme bei der Umsetzung gibt oder die Umsetzung zu rasant erfolgt bzw. die Vielfalt des Angebots an Technologie und Konzepten vollends verwirrt.

Als nächstes führt er die „finanziell bedingten Innovationsbarrieren“ an, darunter subsumiert er: Mangel an Eigenkapital, schlechter Zugang zu Fremdkapital für Forschung und Entwicklung, kurze Halbwertszeiten von neuer Technologie

(die Aufwendungen amortisieren sich häufig nicht).

Schroeder fordert eine stärkere staatliche FuE-Unterstützung.

Die nächste Barrierenart nennt er „qualifikatorisch bedingte Innovationswider-stände“. Es werden hohe Anforderung an die Leiter und Mitarbeiter gestellt. Das Schulwesen als starrer Apparat kommt nicht hinterher, den Schülern das Wissen an die Hand zu geben in Form von Ausbildung neuer Kompetenzen und diesen Anforderung immer zeitnah zu entsprechen. Es liegt der Verdacht nahe, dass es dem Bildungswesen gar nicht bewusst ist, woraufhin ausgebildet werden soll.

Eine Frage der Kommunikation?

Die „sozial bedingten Innovationswiderstände“ nach Schroeder resultieren aus dem oft notwendigen Neu - bzw. Umbruch im Unternehmen, was Widerstände aus Angst vor Bedrohung der sozialen Position hervorrufen kann.

Die „organisatorisch bedingten Innovationswiderstände“ entstehen durch: „Verkrustung und Inflexibilität überkommender Hierarchien und Funktionstrennungen der Unternehmensbereiche“. Als notwendige Merkmale werden Systemoffenheit, informeller Informationsfluss, unbürokratische Entscheidungswege und Konfliktfreudigkeit genannt.

„Marktbedingte Innovationswiderstände“ resultieren aus der Unsicherheit über die Marktsituation zum Zeitpunkt der Marktreife, bzw. der Unkenntnis, inwieweit die Wettbewerber diesen Kenntnisstand schon für sich erlangt haben.

Abschließend werden die „regulierungsbedingten Innovationswiderstände“ genannt, zu denen Schroeder die internen und externen Vereinbarungen bzw. Bestimmungen zählt, die die Handlungsfreiheit bei Einsatz und Umsetzung einschränken.

Diese aufgeführten Schwierigkeiten befinden sich hauptsächlich auf der Technologienehmerseite. Darüber hinaus ist die Geberseite von Technologien sicherlich auch nicht ganz unbelastet, aus diesem Bereich wird folgendes genannt: unzureichende und unsichere Informationen über den weiteren Technologietrend, unzureichende Informationsbeschaffung über Marktentwicklung und Markttrends, Kommunikationsprobleme, die aus der Einbindung in unterschiedliche Zielsysteme und dem vorhandenen Know - how Gefälle zwischen Technologienehmer und - geber entstehen, Ressentiments vom Technologienehmer aus Angst vor Abhängigkeit und daraus auch oft ergebene Berührungsängste zwischen Wissenschaft und Praxis, die insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen zu vermuten sind

(vgl. Schroeder 1991, 65).

Konsequent plädiert er an dieser Stelle für organisierten, auf Methoden des Projektmanagements basierende Technologietransfer durch eine Technologietransfer-Agentur, die den gesamten Prozess von Anfang bis Ende begleitet und daneben rechtliche und finanztechnische Dienstleistungen erbringt.

Es soll natürlich nicht Ziel sein, die aufgezählten Schwierigkeiten so unkommentiert stehen zu lassen, die entsprechende Literatur verfügt glücklicherweise über ausreichend Hilfestellungen, erprobt als auch unerprobt.

Im empirischen Teil dieser Arbeit kann nachgelesen werden, welche Schwierigkeiten in Landau und Umgebung bestehen und dort werden auch die Optionen der Herangehensweise hinterfragt.

I.8 Transferstellen

Die Position bzw. Bedeutung von Transferstellen polarisiert die Meinungen in der Literatur, einige Autoren finden sie wenig sinnvoll: So äußerten sich befragte Professoren in einer Studie von Schröter darüber, dass die an der Vermittlung von Unternehmenskontakten durch eine zentrale (Universitäts-) Einrichtung nur in geringem Maße interessiert seien, unter anderem aus der Befürchtung heraus, dass die Einschaltung einer Transferstelle selbst zum bürokratischen Hemmnis im Forschungs- oder Technologietransfer werden könnte. Das gilt allerdings lediglich für bestimmte angebotsorientierte Transferstellen der Universitäten

(vgl. Schröter, 1990, 149).

Nach Schroeder (1991, 120) haben Universitäts - interne Transferstellen zwar nur eine mittlere Bedeutung, allerdings werden sie von den Forschern, die tatsächlich mit ihnen zusammenarbeiten mehr geschätzt.

Auf der anderen Seite werden den Transferstellen große Hoffnungen bei der Belebung des Wissenstransfers entgegengebracht:

„Für die Anbahnung und Unterstützung bei der Durchführung von Kooperationsprojekten werden von Politik und Wirtschaft hohe Erwartungen in den organisierten Wissens- und Technologietransfer gesetzt. In das Zentrum des Interesses sind dabei Technologietransferstellen gerückt worden, die den Transferprozeß [!] moderieren und koordinierend begleiten sollen. Über den Abbau von Berührungsängsten zwischen Technologiegebern und Technologienehmern hinaus wird erwartet, daß [!] die Transferagenturen aufgrund ihrer Professionalität und ihrer Erfahrungen in der Lage sind, die Kommunikations- und Kooperationsschwierigkeiten zwischen den Transferpartnern zu minimieren.“ (Schroeder, 1991, 117)

Die Transferlandschaft befindet sich nach Schroeder (1991, 2) derzeit an einem Scheideweg:

„Das ursprüngliche Transfermodell, das mangelnden Wissensaustausch zwischen Wissenschaft einerseits, Wirtschaft und Gesellschaft andererseits, vor allem auf unzureichende Informationen zurückführt, wird zunehmend von einem ganzheitlichen Transfermodell abgelöst, das neben der regionalen Vernetzung der Transferstellen auch die Bereitstellung weitergehender Dienstleistungen beinhaltet. Der naive Glaube, daß [!] sich in Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen gleichsam eine Technologiehalde aufgebaut hat, die es nur gelte für Gesellschaft und Wirtschaft nutzbar zu machen scheint überwunden.“

Es musste eingesehen werden, dass der einzelbetriebliche Innovationsprozess anderen Logiken und Bedingungen unterworfen ist, als der wissenschaftliche Forschungsprozess. Ebenso dürfen die Transferstellen sich nicht zu einseitig auf die Interessen der Wirtschaft ausrichten, denn auch bei anderen gesellschaftlichen Institutionen und Bereichen gibt es einen erheblichen Transferbedarf.

Also ist es Aufgabe der Transferagenturen, Innovationsblockaden zu identifizieren und durch eine organisierte Kommunikation zwischen Wissens- bzw. Technologiegeber und Wissens- und Technologienehmer aufzubrechen. (vgl. ebd. 6)

Welche konkretes Aufgabenspektrum vereinigen diese „Agenturen“ nun auf sich und welche Formen sind vorhanden?

[...]


[1] der besseren Lesbarkeit zuliebe wird sich im gesamten Text auf die männlichen Ausdrucksformen beschränkt, weibliche Pendants sind in jedem Falle inbegriffen

Details

Seiten
153
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783832465605
ISBN (Buch)
9783838665603
Dateigröße
905 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v221955
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – unbekannt
Note
1,0
Schlagworte
wirtschaft soft skills unternehmensberatung betriebspädagogik arbeits-betriebs-organisationspsychologie

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Titel: Weiterbildungsbedarf von mittelständischen Unternehmen in der Region Südliche Weinstraße und Landau gegenüber dem Weiterbildungsangebot der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau