Lade Inhalt...

Japans Wirtschaftsbeziehungen mit China

Studienarbeit 1999 45 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

1. EINLEITUNG

2. RESSOURCENPOLITISCHE HINTERGRÜNDE
2.1 Der Fall China
2.2 Der Fall Japan

3. HANDEL
3.1 Die Entwicklung der bilateralen Außenhandelsbeziehungen
3.2 Die Entwicklung der Export- und Importgüterstrukturen

4. DIREKTINVESTITIONEN
4.1 Definition der Direktinvestitionen
4.2 Die Entwicklung der japanischen Direktinvestitionen in China
4.3 Die Struktur der Direktinvestitionen
4.4 Betrachtung ausgewählter Bereiche der Direktinvestitionen
4.5 Die geographische Verteilung der japanischen Direktinvestitionen in China

5. FINANZIELLE KOOPERATION
5.1 Politische Hintergründe
5.2 Japans Kriterien für die Kreditzuteilung
5.3 Die Kreditverwendung
5.4 Die Höhe der Kredite

6. ENTWICKLUNGSPERSPEKTIVEN DER SINO-JAPANISCHEN WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN

1. EINLEITUNG

Japan und China sind als die beiden größten Volkswirtschaften Ostasiens nicht nur geographisch, geschichtlich und kulturell eng miteinander verbunden. Auch auf wirtschaftlicher Ebene hat sich zwischen den beiden Staaten eine enge Verflechtung und damit eine starke Abhängigkeit entwickelt. So ist Japan heute Chinas wichtigster Handelspartner und China Japans zweitwichtigster Handelspartner, gleich nach den USA. Die weitere Entwicklung der sino-japanischen Wirtschaftsbeziehungen ist aber nicht nur von bilateralem Interesse, sondern wird über die Grenzen Japans und China hinaus auch die wirtschaftliche Entwicklung Ostasiens maßgeblich beeinflussen.

Zu bemerken ist, daß die Entwicklung Chinas zu einem Industriestaat die sino-japanische Wirtschaftskooperation vor neue Herausforderungen gestellt hat. Ziel dieser Arbeit ist es, die Natur der sino-japanischen Wirtschaftsbeziehungen im Zeitverlauf zu analysieren und Entwicklungstendenzen herauszustellen. Dabei sollen zunächst die ressourcenpolitischen Hintergründe der sino-japanischen Wirtschaftsbeziehungen analysiert werden, bevor dann die Wirtschaftsbeziehungen unter den drei Aspekten Handel, Direktinvestitionen und finanzielle Kooperation untersucht werden.

Dementsprechend gestaltet sich auch die Gliederung der Arbeit:

Nach der Einleitung werden wir uns im zweiten Kapitel mit den ressourcenpolitischen Hintergründen der sino-japanischen Wirtschaftsbeziehungen befassen. Hier soll herausgestellt werden, wie die komplementäre Faktorenausstattung die Entwicklung der Handelsströme gestärkt und geprägt hat.

In Kapitel 3 wird dann auf die zeitliche Entwicklung des sino-japanischen Handels eingegangen. Hierbei soll neben der Entwicklung des sino-japanischen Gesamthandelsvolumens separat auf Exporte und Importe eingegangen werden, insbesondere auch in Bezug auf deren strukturelle Veränderung.

Das vierte Kapitel befaßt sich mit Direktinvestitionen und deren Rolle für die Entwicklung der sino-japanischen Wirtschaftsbeziehungen. Nach einer Darstellung der zeitlichen Entwicklung der Direktinvestitionen wird hier genauer auf die Struktur der Direktinvestitionen eingegangen und es werden anhand einiger Branchenbeispiele die Entwicklungstendenzen der japanischen Chinainvestitionen näher erläutert. Das Kapitel schließt mit einer kurzen Ausführung zur geographischen Verteilung der japanischen Direktinvestitionen in China.

In Kapitel 5 wird das Thema der finanziellen Kooperation behandelt. Neben der Höhe der japanischen Kredite und den Kriterien für die Kreditzuteilung sollen hier Japans politische und wirtschaftliche Motivationen im Vordergrund stehen, welche nicht zuletzt bei der Umsetzung der Kriterien und der Kreditverwendung zu Tage kommen.

Kapitel 6 soll schließlich die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit kurz zusammenfassen und einen Ausblick auf die Entwicklungsperspektiven der sino-japanischen Wirtschaftsbeziehungen geben.

2. RESSOURCENPOLITISCHE HINTERGRÜNDE

Einer der Hauptgründe für die Entwicklung intensiver Handelsbeziehungen zwischen Japan und China ist in der komplementären Ressourcenausstattung der beiden Staaten zu sehen. Diese Aussage steht in Einklang mit der Wirtschaftstheorie, welche besagt, daß große Unterschiede in der Ressourcenausstattung eine der Hauptursachen für die Entwicklung von internationalen Handelsbeziehungen sind und daß Länder a priori diejenigen Wirtschaftsgüter exportieren, die aus den im Heimatmarkt günstigsten Produktionsfaktoren hervorgehen.[1]

Im folgenden soll nun untersucht werden, wie es mit der Ressourcenausstattung Japans und Chinas beschaffen ist und inwiefern sich hier ein Potential für den Aufbau komplementärer Handelsstrukturen ergibt.

2.1 Der Fall China

Wie läßt sich nun Chinas Ausstattung mit Produktionsfaktoren Mitte der siebziger Jahre, das heißt zum Zeitpunkt des starken Wachstums der Wirtschaftsbeziehungen mit Japan, charakterisieren? Folgende Aussagen können hierzu, im Vergleich zum Weltdurchschnitt, gemacht werden:

Zunächst einmal ist festzustellen, daß in China das Verhältnis „eingesetztes Kapital pro Arbeitskraft“ sehr niedrig ist und China folglich zu den Niedrig-Einkommens-Ländern gehört.

Zweitens ist zu bemerken, daß in China nur ein sehr geringer Anteil der Bevölkerung über ein höheres Bildungsniveau verfügt.

Aus diesen beiden Punkten läßt sich schließen, daß China sich theoretisch tendenziell eher in „ungelernter Arbeit“ spezialisieren müßte als in Bereichen, die ein hohes Bildungsniveau oder einen hohen Einsatz von Technologie erfordern.

Vergleicht man das Verhältnis der Ausstattung mit natürlichen Ressourcen zur Gesamtbevölkerung, so müßte man China in einer mittleren Position einordnen, und zwar zwischen den ressourcenreichen Ländern wie Kanada und Australien und den ressourcenarmen Ländern wie Hongkong, Singapur, Taiwan, Südkorea und Japan. Es läßt sich darüber spekulieren, ob China einen leichten Wettbewerbsvorteil in Bezug auf seine Ausstattung mit natürlichen Ressourcen hat oder aber einen leichten Nachteil. Sicher aber ist, daß China Arbeitskräfte im Überfluß hat im Vergleich zu seiner Ausstattung mit Kapital und natürlichen Ressourcen.[2]

Aus diesen Aussagen zu Chinas Ressourcenausstattung lassen sich folgende Hypothesen zu Chinas Exportstrategie ableiten:

- sehr hohe Exportanteile im Bereich „ungelernte Arbeit“
- sehr niedrige Exportanteile im technologieintensiven und humankapitalintensiven Bereich
- ein mittlerer Exportanteil im Bereich natürliche Ressourcen.

Überprüft man diese Hypothesen mit Chinas realen Exportziffern für den Handel mit Japan im Betrachtungszeitraum, so stellt man große Übereinstimmungen fest:

Tatsächlich war Chinas Exportquote für die Sektoren, welche einen hohen Einsatz an Technologie oder ein hohes Bildungsniveau erforderten, hauptsächlich Exporte der chemischen Industrie, extrem gering.

Im Gegensatz dazu hatte China, entsprechend aller Erwartungen, einen relativ hohen Exportanteil im Sektor der „ungelernten Arbeit“. Der dynamischste Bereich war hier die Textil- und Bekleidungsindustrie. Dort wurden durch die Schwerpunktverschiebng von Zwischenfabrikaten zu Endprodukten sehr hohe Zuwachsraten verzeichnet.

Im Bereich der natürlichen Ressourcen wich Chinas Exportmuster für den Handel mit Japan deutlich von dem im Welthandel ab. Grund dafür ist Japans extrem hohe Importnachfrage in diesem Bereich und schließlich auch die Regelungen des LTTA[3], welche vorsahen, daß China Japan mit Erdöl und Kohle versorgen sollte (siehe auch Abbildung 1).[4]

Abbildung 1: China’s ‘Revealed’ Comparative Advantage and Exports by Factor Intensity

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Yearbook of international trade statistics, in: Platte E., Japan-China Trade: Performance and Prospects

2.2 Der Fall Japan

Japans Ressourcenausstattung Mitte der siebziger Jahre weist folgende Merkmale auf:

Japan hat eines der höchsten Pro-Kopf-Durchschnittseinkommen der Welt.

Japan verfügt sowohl über große Reserven an hochgebildeten und gut ausgebildeten

Arbeitskräften als auch über weitreichende Management- und ingenieurtechnische Kenntnisse und Fähigkeiten.

Im Gegensatz dazu verfügt Japan im Vergleich zu seiner Bevölkerungsgröße über eine unzureichende Ausstattung mit natürlichen Ressourcen.

Folgende Hypothesen lassen sich aus diesen Faktoren zu Japans Exportspezialisierung machen:

- ein sehr hoher Exportanteil in technologie- und humankapitalintensiven Bereichen
- ein relativ niedriger Exportanteil im Bereich „ungelernte Arbeit“
- ein verschwindend geringer Exportanteil im Bereich natürliche Ressourcen.

Auch im Fall Japan findet man große Übereinstimmungen mit den realen Exportwerten:

So entfiel der größte Teil der japanische Chinaexporte (1975: mehr als 45%) auf den humankapitalintensiven Bereich. Innerhalb dieses Bereichs waren außerdem hohe Zuwachsraten zu verzeichnen (von 45% auf 57% zwischen 1975 und 1985), da Japan im Bereich Aus- und Fortbildung sehr stark investierte. Für sehr hohe Zuwachsraten sorgten hier insbesondere die Produktbereiche Fernsehantennen, Lastwagen, Motorfahrzeuge und Telekommunikationsausrüstung.

Der zweitgrößte Exportanteil (1975: 39%) entfiel auf den technologieintensiven Bereich, ein Bereich der allerdings stagnierte, insbesondere durch fallende Exportzahlen im chemischen Bereich (Düngemittel).

Im Bereich der „ungelernten Arbeit“ ging Japans ohnehin geringer Exportanteil (1975: 10%) noch weiter zurück (1985: 6,4%). Dies war durch die steigenden Lohnkosten bedingt, die die arbeitsintensiven Produkte immer unrentabler machten. So entwickelte sich Japan in diesem Bereich von einem führenden Exporteur zu einem immer stärkeren Importeur.

Die geringsten Exportanteile verzeichneten die Bereiche natürliche Ressourcen (1975: 2,3%) und landwirtschaftliche Güter (1975: 3,6%), in denen Japan einen klaren Wettbewerbsnachteil hat. Tatsächlich war Japan schon zum damaligen Zeitpunkt der weltgrößte Nettoimporteur von landwirtschaftlichen Gütern und deckte nahezu seinen gesamten Energie- und Rohstoffbedarf durch Importe (siehe auch Abbildung 2).[5]

Japans reales Exportverhalten ist also fast identisch mit unseren Prognosen: Japan hat die höchsten Exportanteile in denjenigen Bereichen, in denen es seine Wettbewerbsvorteile besitzt - dem humankapitalintensiven Bereich und dem Technologiebereich- und hat dort dementsprechend niedrige Exportanteile, wo seine Wettbewerbsnachteile liegen: im Bereich der „ungelernten Arbeit“, der zu kostenintensiv ist durch die hohen Lohnkosten, und im Bereich der natürlichen Ressourcen, wo Japans Vorräte naturbedingt limitiert sind.

Abbildung 2: Japan’s ‘Revealed’ Comparative Advantage and Exports by Factor Intensity

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Yearbook of international trade statistics, in: Platte E., Japan-China Trade: Performance and Prospects

Aus diesen Ausführungen geht hervor, daß die Entstehung einer komplementären Handelsstruktur zwischen Japan und China durch die unterschiedliche Ressourcenausstattung der beiden Länder geradezu vorprogrammiert war. So versorgte Japan China mit Maschinen, Anlagen und hochwertigen Konsumgütern, d.h. Gütern aus dem humankapitalintensiven und technologieintensiven Bereich, und China belieferte im Gegenzug dazu Japan mit Energie, Rohstoffen, landwirtschaftlichen Produkten und Erzeugnissen der arbeitsintensiven Produktion, wie zum Beispiel Textilien.

Diese Komplementarität der Handelsströme war ohne Zweifel ein wichtiger Katalysator für die schnelle Entwicklung der sino-japanischen Wirtschaftsbeziehungen und nicht zuletzt auch ein Stabilitätsfaktor, da sich daraus natürlich auch eine Beziehung der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen Japan und China entwickelte.

Wir haben in diesem Kapitel erläutert, inwiefern die komplementäre Ressourcenausstattung Japans und Chinas förderlich für die Entwicklung des bilateralen Handels war. Hierzu ist zu bemerken, daß die dadurch entstandene komplementäre Handelsstruktur charakteristisch für eine bestimmte Periode ist, nämlich die Zeit bis Ende der siebziger Jahre, und daß sich die Struktur der Handelsströme danach durchaus gewandelt hat. Auf diese spätere Veränderung des sino-japanischen Handelsmusters soll im folgenden Kapitel näher eingegangen werden.

[...]


[1] entsprechend der Wirtschaftstheorie von Garnaut und Anderson (1980)

[2] vgl. Platte E., Japan-China Trade: Performance and Prospects, in: Hitotsubashi Journal of Economics 32, S. 115-119

[3] LTTA = Long Term Trade Agreement (1978)

[4] vgl. Howe C., China, Japan and Economic Interdependence in the Asia Pacific Region, in: The China Quarterly, S. 676, Dez. 1990

[5] vgl. Platte E., Japan-China Trade: Performance and Prospects, in: Hitotsubashi Journal of Economics 32, S. 120-122

Details

Seiten
45
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783832464622
ISBN (Buch)
9783838664620
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v221883
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Wirtschaftswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
wirtschaftsbeziehungen fernost ostasien

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Japans Wirtschaftsbeziehungen mit China