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Aktueller Stand und Entwicklungsperspektiven der Logistikkostenrechnung

Diplomarbeit 2002 97 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Notwendigkeit einer Logistikkostenrechnung
1.1. Gründe für die Anwendung der Logistikkostenrechnung
1.2. Aufgaben und Ziele der Logistikkostenrechnung
1.3. Vorgeschobene und wahre Gründe gegen die Einführung einer Logistikkostenrechnung

2. Entwicklung der Logistik
2.1. Historische Entwicklung der Logistik
2.1.1. Definitionen zur Logistik
2.1.2. Sichtweisen der Logistik
2.1.2.1. Logistik als funktionale Spezialisierung
2.1.2.2. Logistik als material- und warenflussbezogene Koordinationsfunktion
2.1.2.3. Logistik als Durchsetzung der Flussorientierung
2.1.2.4. Logistik als Supply Chain Management
2.2. Logistik in der betriebswirtschaftlichen Theorie und Praxis
2.3. Mögliche Rationalisierungspotentiale im Rahmen der Logistik
2.4. Kostenrechnung als Basis für Rationalisierungsbemühungen

3. Logistik als Betrachtungsobjekt der Kostenrechnung
3.1. Entwicklung und Aufgaben der Kostenrechnung
3.2. Kosten- und Erlösmessung zur Ermittlung des Logistikerfolgs
3.3. Kostenrechnungssysteme als Grundlage für eine Logistikkostenrechnung
3.3.1. Relative Einzelkostenrechnung
3.3.2. Prozesskostenrechnung
3.3.3. Transaktionskostenrechnung
3.3.4. Koordinationskostenrechnung

4. Logistikleistungsrechnung in Theorie und Praxis
4.1. Definition der Logistikleistungen
4.2. Abwägung zwischen Informationsvolumen und Informationskosten zur Erfassung der Logistikleistungen
4.3. Die Logistikleistungsrechnung als Voraussetzung für eine erfolgreiche Logistikkostenrechnung

5. Aktuelle Konzepte zu Logistikkostenrechnungen
5.1. Definition der Logistikkosten
5.2. Formen der Logistikkostenrechnung
5.3. Erfassung und Verteilung der Logistikkosten
5.3.1. Logistikkosten in der Kostenartenrechnung
5.3.1.1. Personalkosten
5.3.1.2. Betriebsmittelkosten
5.3.1.3. Raum- und Wegekosten
5.3.1.4. Kapitalbindungskosten
5.3.1.5. Fehlmengenkosten
5.3.2. Logistikkosten in der Kostenstellenrechnung
5.3.3. Logistikkosten in der Kostenträgerrechnung
5.4. Berücksichtigung der Forderung nach Wirtschaftlichkeit bei der Logistikkostenerfassung
5.5. Umsetzung der Logistikkostenrechnung mit Hilfe von Softwaretools

6. Abschließende Bewertung und Ausblick auf die Entwicklung
6.1. Gesamtwürdigung der bisherigen Entwicklungen
6.2. Entwicklungsperspektiven der Logistikkostenrechnung

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Aufgaben der Logistikkosten- und -leistungsrechnung

Abb. 2: Nutzen einer ausgebauten Logistikkostenrechnung

Abb. 3: Vorgeschobene Gründe gegen die Einführung einer Logistikkostenrechnung

Abb. 4: „Wahre“ Gründe gegen die Einführung einer Logistikkostenrechnung

Abb. 5: Idealtypischer Verlauf der Entwicklungsstufen der Logistik

Abb. 6: Entwicklungsstand der Logistik

Abb. 7: Kostenrechnungssysteme für die Logistik

Abb. 8: Spektrum unterschiedlicher Erfassungsmodi für Logistikleistungen

Abb. 9: Systematische Erfassung der in der betrieblichen Logistik entstehenden Leistungen und Kosten

Abb. 10: Hauptaufgaben der Logistikkosten- und Logistikleistungsrechnung

Abb. 11: Schritte zur Einbindung der Logistik in die periodische laufende Kostenrechnung

Abb. 12: Klassifizierung zum Entwicklungsstand der Logistik

Abb. 13: Realisierungsmöglichkeiten und -wege für eine Logistikkostenrechnung

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Maßnahmen zur Transparenzsteigerung in der Logistikkostenrechnung

Tab. 2: Bedeutung unterschiedlicher Rechnungszwecke für die Gestaltung einer Logistikkostenrechnung

Tab. 3: Schritte zum Aufbau einer Logistikleistungsrechnung

Tab. 4: Unterschiedliche Sichten der Logistikkostenrechnung

Tab. 5: Logistikkostenblöcke

Tab. 6: Ansätze für eine logistische Kosten- und Leistungsrechnung

Tab. 7: Unterschiedliche Schichten von Logistikkosten

Tab. 8: Erfassung von Material- und Warenflusskosten in der Kostenartenrechnung

Tab. 9: Überblick über Fehlmengenkosten

Tab. 10: Erfassung von Material- und Warenflusskosten in der Kostenstellenrechnung

Tab. 11: Kalkulationsschema mit integrierten Logistikkosten

Tab. 12: Unterschiedliche Ausgangssituation von Unternehmen für eine exakte Logistikkostenkalkulation

Tab. 13: Möglichkeiten zur unternehmensindividuellen Gestaltung der Kostenträgerrechnung

Tab. 14: Erfassung von Material- und Warenflusskosten in der Kostenträgerrechnung

Tab. 15: Beispiele für das Vorgehen beim Aufbau einer Logistikkostenrechnung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Notwendigkeit einer Logistikkostenrechnung

Die Basis für eine Logistikkosten- und -leistungsrechnung, wurde gegen Ende der 70er Jahre, nicht etwa von Kostenrechnern, sondern von Produktions- und Logistikverantwortlichen geschaffen, da diese sich Gedanken gemacht haben, wie die Kosten und Leistungen im Logistikbereich am besten erfasst werden können.[1] Die Logistik stellt noch immer ein beträchtliches Rationa­lisierungspotential dar. Um den Fortschritt kostensenkender Handlungen im Logistikbereich zu fördern, ist von der abteilungsspezifischen Sichtweise in der Logistik abzuraten und außerdem ist eine verbesserte Logistikkostenrechnung unerlässlich.[2] Dabei muss berücksichtigt werden, das auch die Bereitstellung von logistischen Kosten- und Leistungsinformationen selbst Kosten verursacht.[3] Um logistische Prozesse optimal zu gestalten, muss auf der einen Seite eine laufende Wirtschaftlichkeitskontrolle des Logistikbereiches erfolgen und auf der anderen Seite sind Informationen zu beschaffen, den jeweiligen Ansprüchen genügend zu verdichten und anschließend bereitzustellen.[4] Um zu entscheiden, ob es sich lohnt eine Logistikkostenrechnung einzuführen, ist die strategische Bedeutung der Logistik für ein Unternehmen von hoher Bedeutung. Denn wenn der Logistik eine nebensächliche Funktion zukommt, dann macht es sich nicht bezahlt, eine detaillierte Logistikkostenrechnung aufzubauen.[5] Wenn hingegen der Logistik eine hohe strategische Bedeutung zukommt, stellt die Einführung einer Kosten- und Leistungsrechnung für den Logistikbereich „eine zur Steuerung des Logistikapparates erforderliche Maßnahme [dar], zumal die logistischen Anforderungen ständig zunehmen. Die hohe Komplexität von Lo­gistiksystemen und die gewachsenen Leistungsanforderungen an diese verstärken die Notwendigkeit von gezielter Planung, Steue­rung, Kontrolle und Koordination der Teilbereiche der Logistik und ihrer Verbindung zu anderen Unternehmensbereichen.“[6] Somit bildet die Erfassung von „entscheidungsrelevanten Kosten- und Leistungsinformationen eine wichtige Ausgangsbasis für die logistische Planung [und] Organisation“.[7] Aus diesem Grund ist „ein laufendes Informationssystem zu gestalten. Dieses beginnt mit einer transaktionsdatenorientierten Erfassung der Logistikleistungen und endet bei einer Integration der Logistikkosten in die Kostenrechnung“.[8] Dabei ist aber auf jeden Fall zu berücksichtigen, dass eher eine geringe Komplexität der Kostenrechnung die Transparenz fördert.[9]

Um die Logistik im Unternehmen effizient zu gestalten und die Logistikleistungen zu kalkulieren, sind Angaben über Logistikkosten notwendig. Diese Kosten zu sammeln und abzubilden ist eine komplexe Angelegenheit, denn sie sind nicht immer eindeutigabgrenzbar, da es keine allgemeingültige Definition dieses Begriffs gibt.[10] Wobei sich hingegen die Erfassung von Logistikkosten beim Fremdbezug von logistischen Leistungen als unproblematisch erweist.[11] Die Höhe der Logistikkosten weicht aufgrund der Abgrenzungsschwierigkeiten von Unternehmen zu Unternehmen ab. Oft ist die Logistikkosten­rechnung nur auf den Produktionsbereich beschränkt und die restlichen Logistikkosten werden in die Gemein­kostenzuschläge einbezogen. Dies führt dazu, dass nicht alle Kosten, die aufgrund der Durchführung logistischer Prozesse verursacht werden, als Logistikkosten erkennbar sind. Um die Logistikkosten allerdings im ganzen zu erfassen, müssen alle im Logistikbereich verursachten Kosten betrachtet werden. Um Kostentransparenz im Logistikbereich zu erreichen, ist daher die gesamte Unternehmenslogistik in die Betrachtung mit einzubeziehen.[12] Somit muss die Summe der Kosten über die ganze Logistikkette hinweg gebildet werden.[13] Pfohl bezeichnet die Erfassung der gesamten, für eine Logistikentscheidung relevanten Logistikkosten als „Gesamtkostendenken“.[14] Dabei werden jene Kosten als relevant für eine Entscheidung bezeichnet, „die nur dann anfallen, wenn eine Entscheidungsalternative realisiert wird, und wegfallen, wenn diese Entscheidungsalternative nicht realisiert wird.“[15] Es geht „im Hinblick auf das Kostenmanagement ... in erster Linie um Fragen der zweck­mäßigen Zuordnung und Verantwortung von Gemeinkosten.“[16] Denn ansonsten ist „ein Bezug zwischen logistischen Kosten, logistischen Funktionen und logisti­schen Leistungen ... kaum herstellbar.“[17] „Zweck der Logistik-Kosten- und Leistungsrechnung ist es .., die ... logistischen Leistungen zu kalkulieren.“[18] Insgesamt kann man sagen, dass die jetzige Situation dadurch gekennzeichnet ist, dass es nur wenige Unternehmen gibt, die ihre Logistikkosten gesondert erfassen.[19]

Zur Erhöhung der Transparenz in der Logistikkostenrechnung bieten sich die in Tabelle 1 dargestellten Maßnahmen an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Maßnahmen zur Transparenzsteigerung in der Logistikkostenrechnung[20]

Um die logistischen Prozesse zu erfassen, ist es zu Beginn erforderlich, geeignete Kostenbestimmungsfaktoren, Logistikkosten sowie Logistikleistungen festzulegen. Erst dieser Schritt ermöglicht nämlich die eindeutige Abgrenzung der in der Logistik anfallenden Kosten und Leistungen, von denen ande­rer Bereiche.[21] Im Anschluss an diese Vorarbeit kann mit dem Aufbau einer Logistikkosten- und -lei­stungsrechnung begonnen werden, wobei diese Rechnung mit der bereits vorhandenen betrieblichen Kostenrechnung verbunden werden muss.[22] Dadurch erfolgt in der bereits bestehenden Kostenrechnung aber eine Erweiterung und Differenzierung, was zwar einen zusätzlichen Aufwand verursacht, aber dennoch ohne Schwierigkeiten möglich ist.[23] Die Logistikkostenrechnung ist ein „Teilbereich der allgemeinen Kostenrechnung“.[24]

Die Logistik sollte somit „stets innerhalb der normalen, laufenden, gesamtunternehmensbezogenen Kostenrechnung .. [abgebildet werden].“[25] Für die Logistikkosten- und -leistungsrechnung gilt nämlich, dass sie keine eigenständige Kostenrechnung für den Bereich der Logistik ist, genauso wenig wie auch für den Produktions- oder Verwaltungsbereich keine eigene Kostenrechnung existiert. Es darf daher nicht als unabhängig von dem Kostenrechnungsteil des betrieblichen Rechnungswesens aufgefasst werden. Dabei liegt eher eine Ergänzung und Veränderung der bestehenden Kostenrechnung vor. Dem Logistik-Controller werden dabei folgende Aufgaben übertragen, denen er nachkommen muss. Dabei hat er:

- die logistischen Leistungs- bzw. Verursachungsbereiche festzulegen.
- Logistikkostenstellen zu bilden.
- Logistikkosten zu erfassen und auf die Kostenstellen zu verrechnen.
- den Logistikleistungen verursachungsgemäß Logistikkosten zuzuweisen.
- die Kostenrechnung zur Wirtschaftlichkontrolle zu nutzen und zur Entscheidungsvorbereitung bzw. Entscheidungsunterstützung beizutragen.[26]

Somit hat der Controller, der wesentlich zur Informationsbeschaffung und Entscheidungsvorbereitung im Logistikbereich beitragt, „Empfeh­lungen für dasjenige Niveau einer Logistikleistung zu erarbeiten, welches unter Be­rücksichtigung der entscheidungsrelevanten Logistikkosten, bezogen auf das Un­ternehmensziel, optimal ist, d. h. der Controller muß [!] im Unternehmen sicherstel­len, daß [!] jeweils nach der ‚optimalen’ Leistungs-Kosten-Kombination im Logistikbe­reich gesucht wird.“[27] Dabei muss auf den jeweiligen Informationsbedarf in den einzelnen Entscheidungsstufen im Unternehmen eingegangen werden.[28]

Für die Durchführung einer Logistikkosten- und -leistungsrechnung gilt somit als Bedingung, dass die im Logistikbereich anfallenden Leistungen und Kosten vorab systematisch erfasst werden müssen.[29] Erst dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, zu begründen, warum eine entsprechende Logistikentscheidung getroffen wurde. Denn es stehen ja erst durch die Erfassung dieser beiden Größen, die benötigten Informationen zur Planung, Steuerung und Kontrolle zur Verfügung.[30] Somit wird „als Hauptziel einer Kosten-Leistungsrechnung für die Logistik .. die Bereitstellung von Kostendaten angesehen, mit deren Hilfe die logistischen Entscheidungen optimiert werden können.“[31] Als ein Haupthindernis zur Einführung einer Logistikkosten- und -leistungsrechnung wird jedoch der Kostenerfas­sungsaufwand gesehen.[32]

1.1. Gründe für die Anwendung der Logistikkostenrechnung

Eine Kosten- und Leistungsrechnung für die Logistik ist ein Hilfsmittel, welches in der Lage ist Kontroll-, Planungs-, Dispositions- und Dokumentationsfunktionen[33] wahrzunehmen und sie kann für die Logistik die in Abbildung 1 dargestellten Aufgaben erfüllen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Aufgaben der Logistikkosten- und -leistungsrechnung[34]

Es liegen zumeist unterschiedliche Gründe vor, warum logistische Kosten- und Leistungsinformationen erfasst und ausgewiesen werden, so „reichen [sie] vom Bestreben, eine ungefähre Vorstellung von der Bedeutung der Logistik im Unternehmen zu gewinnen, über die Erkenntnis, nur bei einer entsprechend detaillierten Informationsbasis alle Rationalisierungspotentiale der Logistik eröffnen zu können, bis hin zur Notwendigkeit, den Nutzen der Abteilung Logistik gegenüber anderen Unternehmensbereichen nachweisen zu müssen.“[35] Die Logistikkostenrechnung kann abgesehen von der Wirtschaftlichkeitskontrolle und der Kalkulation der Logistikleistungen noch zusätzlich zur Bestimmung der optimalen Bestellmenge (optimale Losgröße), zur Wahl zwischen Eigenlagerung und Fremdlagerung, zur Wahl zwischen Eigentransport und Fremdtransport, zur Ermittlung der sparsamsten Transportmittel, zur Analyse der Erfolgsaussichten von Investitionen, zum Treffen einer Make-or-Buy-Entscheidung, zur Auswahl des optimalen Produktionsprogramms sowie zur Aufklärung des Erfolgs bestimmter Absatzbereiche u. ä. eingesetzt werden.[36]

1.2. Aufgaben und Ziele der Logistikkostenrechnung

Wenn die Logistikkostenrechnung ein entscheidungsorientiertes Instrument zur Planung und Kontrolle logistischer Leistungen und Verfahren sein will, muss sie die im Logistikbereich anfallenden Kosten auf die Faktoren beziehen, welche die Kosten verursacht haben.[37] Dabei kann eine Logistikkostenrechnung die in Abbildung 2 gezeigten Nutzen stiften.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Nutzen einer ausgebauten Logistikkostenrechnung[38]

Nach Warnick muss eine Logistikkostenrechnung die Logistikkosten den Leistungen verursachungsgerecht, transparent und differenziert nach proportionalen und fixen Kosten zurechnen.[39] Somit ist „die Hauptaufgabe der Logistikkosten- und Leistungsrechnung .. die Erfas­sung, Zuordnung und verursachungs­gerechte Verrechnung von Logistikko­sten und Logistikleistungen.“[40] Mit der Logistikkostenrechnung können verschiedene Rechnungszwecke verfolgt werden (vgl. Tabelle 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Bedeutung unterschiedlicher Rechnungszwecke für die Gestaltung einer Logistikkostenrechnung[41]

Aus der Tabelle 2 wird deutlich, das man sich zuerst mit der Frage beschäftigen muss, welche Informationen eine solche Rechnung bereitstellen soll, bevor mit dem Aufbau einer Logistikkostenrechnung begonnen werden kann.[42] So hat die Logistikkosten- und -leistungsrechnung die Logistikinformationen für das Logistikmanagement bedarfsgerecht bereitzustellen.[43] Die Bereitstellung von Informationen erfolgt durch das Berichtswesen.[44] In den Unternehmensebenen wird eine unterschiedliche Genauigkeit der Informationsversorgung verlangt, so dass „der Vorstand eines Unternehmens zur Entscheidungsfindung erheblich stärker verdichtete Informationen, als sie der vorbereitende Stab zur Erstellung der Vorstandsvorlage benötigt. Das Postulat, Daten stets im jeweils problemadäquaten Detaillierungsgrad bereitzustellen, hat für die Logistikkostenrechnung zur Konsequenz, neben Detailinformationen auch .. [verdichtete], einen schnellen Überblick erlaubende Daten zu liefern.“[45] So hat Göpfert die „5r‘ der Logistikkosten- und -leistungsrechnung“ festgelegt, nach denen ein hoher Informationsversorgungsservice, welches das Ziel der Logistikkosten- und -leistungsrechnung bildet, „dann erreicht [ist], wenn die relevanten (richtigen) Logistikkosten- und -leistungsinformationen zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität, am richtigen Ort zu den dafür minimalen (richtigen) Kosten zur Verfügung stehen“.[46]

1.3. Vorgeschobene und wahre Gründe gegen die Einführung einer Logistikkostenrechnung

Im Rahmen einer Auseinandersetzung mit der Logistikkostenrechnung kommen mehrere Gründe auf, die dann als Argumente gegen eine Einführung einer solchen Rechnung benutzt werden. Diese Argumente setzen sich aber nicht wirklich mit dem Thema auseinander. In den Abbildungen 3 und 4 werden diese Einstellungen vorgestellt. Wobei Abb. 3 die vorgeschobenen Gründe und Abb. 4 die „wahren“ Argumente nennt.[47]

Diese Arbeit macht es sich zur Aufgabe, den aktuellen Stand und die Entwicklungsperspektiven einer betriebswirtschaftlichen Logistikkostenrechnung aufzuzeigen. Nachdem ich nun im ersten Schritt eine einführende Darstellung der Notwendigkeit der Logistikkostenrechnung skizziert habe, wird sich im zweiten Schritt eine Präzisierung der Bedeutung der Logistik anschließen, wobei auf die unterschiedlichen Entwicklungsstufen und den Entwicklungsstand der Logistik eingegangen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Vorgeschobene Gründe gegen die Einführung einer Logistikkostenrechnung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: „Wahre“ Gründe gegen die Einführung einer Logistikkostenrechnung

Da der Begriff der Logistikkostenrechnung aus zwei Begriffen zusammengesetzt ist, sollte im Anschluss an die Erörterungen zur Logistik, die Kostenrechnung nicht fehlen, so dass in einem dritten Schritt auf die Aufgaben der Kostenrechnung, sowie auf einige Kostenrechnungssysteme eingegangen wird. Weil eine logistikorientierte Kostenrechnung durch die Abwesenheit einer Logistikleistungsrechnung nicht möglich wäre, da die logistische Leistungsrechnung den entscheidenden Hintergrund bildet, erfolgt in einem vierten Schritt die Abbildung des theoretischen und praktischen Entwicklungsstandes der Logistikleistungsrechnung. Eine Logistikkostenrechnung lässt sich nicht ohne Leistungsdaten aufbauen.[48] Im fünften Schritt werden soweit wie möglich aktuelle Ansätze zur Logistikkostenrechnung vorgestellt, wobei jedoch auch darauf hinzuweisen ist, dass sich seit der Arbeit von Weber im Jahre 1987 leider nur ein sehr geringer Änderungsprozess vollzogen hat. Eine wichtige Verbesserung hat etwa der Ansatz der Prozesskostenrechnung gebracht, da dieser vor allem für die Erfassung logistischer Prozesse dienliche Leistungen erbracht hat. Abschließend wird dann im sechsten Schritt eine Gesamtwürdigung der bisherigen Entwicklungen erfolgen, sowie ein Blick auf die Entwicklungsperspektiven geworfen. An dieser Stelle halte ich es für wichtig, darauf hinzuweisen, das sich die Ausführungen zur Logistikkostenrechnung vor allem auf die erste Entwicklungsstufe der Logistik beziehen werden, denn auch die Ausführungen von Weber beziehen sich auf die erste Stufe und befassen „sich .. [somit] mit der Bereitstellung von material- und warenflussbezogenen Kosten und Leistungen. [Und] obwohl explizit nur die erste Phase der Logistik-Entwicklung betreffend, ist hiermit ein wesentlicher Teil dessen vorgestellt und diskutiert, was für eine laufende Versorgung der Logistik-Verantwortlichen mit führungsrelevanten Informationen erforderlich ist. Für die drei weiteren Entwicklungsphasen kommen zwar noch diverse Informationen hinzu; diese machen aber jeweils nur einen komparativ geringen Umfang aus.“[49]

2. Entwicklung der Logistik

Obwohl sie nicht mit dem Begriff der Logistik belegt wurden, gab es seit den Anfängen der Menschheit logistische Leistungen. Der Begriff der Logistik blieb lange Zeit dem Militär vorbehalten. Erstmals kam der Begriff der Logistik als Unternehmenslogistik im Jahre 1955 durch Oskar Morgenstern auf, der in seinem Buch „Note of the Formulation of the Theory of Logistics“ in den USA, die Logistik aus dem rein militärischen Bereich ins wirtschaftliche Umfeld hineinbrachte.[50] Dabei ist die folgende Ausführung sehr aussagekräftig: „Die Kriege finden jetzt vorwiegend im Bereich der Wirtschaft statt - dort heißen sie Konkurrenz oder - vorneh­mer - Wettbewerb, und statt Waffen, Munition etc. werden nun die Güter bewegt, doch nach wie vor ist die Logistik der entscheidende Faktor für den Sieg.“[51] Vor allem Unternehmen, die einem hohen Wettbewerbsdruck auf engen Märkten ausgeliefert sind, müssen die Chancen der Logistik für sich nutzen, um dadurch einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz aufzubauen.[52]

Die „Logistik als ein betriebswirtschaftlich-technisches Steuerungskonzept hat sich ... als .. unternehmerische Teilfunktion durchgesetzt. [Dabei ist zu erwähnen] ..., daß [!] diese Ent­wicklung nicht nur Großunternehmen betrifft, sondern auch den Mittelstand erfaßt [!] hat.“[53] So „spielen Automobilzulieferer eine besondere Rolle für die Durchsetzung des Logistikge­dankens in der mittelständischen Industrie.“[54]

Aber dennoch wurde „die Logistik .. in der Praxis in den vergangenen Jahren von ihrer Bedeutung für das Unternehmen her deutlich unterschätzt. Ihre Erfolgswirkung ist viel höher als erwartet.“[55] Daher sollte „die Logistik als ein schlagkräftiges strategisches Instrument .. [eingesetzt werden], um auf veränderte Marktanforderungen flexibel reagieren zu können. Wenn einzelne Unternehmer die Bedeutung der Logistik nicht erkennen, droht die Gefahr, von der Konkurrenz überrollt zu werden.“[56]

Der Logistik kommt eine Querschnittsaufgabe zu, da sie bereichs- und unternehmensübergreifende Funktionen erfüllt.[57] Aufgrund dieser Querschnittsfunktionen, ist die Logistik mit anderen Unternehmensbereichen verknüpft. Daraus resultiert die nicht immer eindeutige Abgrenzbarkeit der logistischen Aufgaben von denen anderer Aufgabenkreise.[58] Der Logistik kommt die Aufgabe zu, das Vorhandensein von Ob­jekten des betrieblichen Material- und Warenflusses zu gewährleisten. Hinzu kommen Durchführungs- und Abwicklungsaufgaben, vor allem aber auch Steuerungs- und Pla­nungsaufgaben in mehreren Unternehmensbereichen, wie z. B. auch im Fertigungsbereich. Da die Logistik einen funktions­übergreifenden Charakter besitzt, weil etwa Veränderungen im Bereich der Beschaffungslogistik auch Folgen auf die Distributionslogistik haben können, muss somit im Rahmen der Logistik eine ganzheitliche Betrach­tung erfolgen.[59]

2.1. Historische Entwicklung der Logistik

In Deutschland kam der Logistikbegriff zum ersten mal 1974 auf dem 1. Deutschen Materialfluss-Kongress auf.[60] Mittlerweile entstehen im Rahmen der Logistik neue Herausforderungen durch die Globalisierung der Wirtschaft. Gesamtbetrachtungen sollten Individuallösungen ersetzen, um im Wettbewerb bestehen zu können.[61] Damit beschäftigt sich vor allem das Supply Chain Management als der aktuellste Trend in der Logistik. Aus diesem Trendgedanken in der Logistik resultiert auch, dass sich „die Logistik ... in der Praxis in sehr unterschiedlichen Entwicklungsphasen [präsentiert].“[62]

2.1.1. Definitionen zur Logistik

Es existieren zahlreiche Definitionen der Logistik,[63] eine aktuelle lautet: „Logistik ist die integrierte Planung, Gestaltung, Abwicklung und Kontrolle des gesamten Material- und des dazugehörenden Informationsflusses vom Lieferanten in das eigene Unternehmen, innerhalb dieses Unternehmens, vom Unternehmen zum Kunden und im Sinne der Entsor­gung auf dem Entsorgungswege zurück.“[64] Nach Kortschak ist die logistische Zielsetzung „eine Gesamtauftragssteuerung einschließlich der damit zusammenhängenden Materialflussoperationen. ... . Notwendig .. ist [somit] eine Verbesserung der Informationen und Informationsflüsse ..., um zu einer einfach handhabbaren Umsetzung von Logistikgedankengut ... zu gelangen“.[65]

Genauso wie die Logistik, hat auch die Kostenrechnung eine Entwicklung durchgemacht. Der Wandel „der Kosten- und Leistungsrechnung in der Logistik leitet sich aus der modernen Auffassung über Logistik als eine Führungslehre ab. Danach bildet die Logistik einen spezifischen Führungsansatz zur Entwicklung, Gestaltung, Lenkung und Realisation effektiver und effizienter Flüsse von Objekten ... in unternehmensweiten und -übergreifenden Wertschöpfungssystemen.“[66]

Gemeinsam ist den vielen Definitionen „der einseitige Bezug auf die Logistik von Unternehmen, insbesondere von Industrieunter­nehmen. Sie stellen deshalb nahezu aus­schließlich Definitionen des Begriffs ‚Un­ternehmenslogistik’ dar.“[67]

2.1.2. Sichtweisen der Logistik

Am Anfang muss zunächst aufgedeckt werden, welche Unternehmensbereiche bzw. welche Funktionen der Logistik zuzuordnen sind, ehe eine Logistikkosten- und -leistungsrechnung eingerichtet werden kann. Es werden betriebsindividuelle Merkmale vorliegen, weil unterschiedliche Sichtweisen in den Unternehmen zur Logistik vorliegen.[68]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Idealtypischer Verlauf der Entwicklungsstufen der Logistik [69]

Die Abbildung 5 zeigt die Entwicklungsstufen der Logistik, wobei keine genauen Übergänge zwischen den einzelnen Phasen vorhanden sind. Es ist vielmehr so, dass „jede neue Entwicklungsstufe .. auf dem logistischen Wissen der jeweils vorhergehenden aufbaut, gewisse zeitliche Überschneidungen und Parallelentwicklungen (z. B. Verbesserung der Lagertechnik bei einem ansonsten koordinationsorientierten Logistikverständnis) [sind] aber durchaus möglich“.[70]

So sind „Unternehmen .. mit zunehmender Entwicklungsstufe der Logistik zunehmend erfolgreicher, und dies betrifft nicht nur das unmittelbare wirtschaftliche Ergebnis, sondern auch die Vorsteuergrößen dieses Erfolgs, die Positionierung in den Märkten und die Anpassungsfähigkeit an Marktveränderungen. Ein wesentlicher Teil des Erfolgsunterschieds der .. Unternehmen .. [kann] durch die Unterschiede im Entwicklungsstand ihrer Logistik erklärt werden.“[71]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Entwicklungsstand der Logistik[72]

In Abbildung 6 wird der Entwicklungsstand der Logistik dargestellt, dabei kann „weder der Umfang der der Logistik zugeordneten Aufgaben noch die hierarchische Verankerung der Logistik .. die wesentlichen Entwicklungsunterschiede in der Logistik ausreichend erklären. Entscheidend für die Entwicklung der Logistik ist vielmehr, in welchem Ausmaß der Gedanke der Flußorientierung [!] in der Unternehmensführung umgesetzt wird.“[73] So ist jedoch der Entwicklungsstand der Logistik im Bereich der ersten und zweiten Stufe abhängig von der Größe der Unternehmen, denn der Anteil der Unternehmen auf der zweiten Stufe steigt, je größer die Unternehmen sind.[74]

Die Abbildung 6 ist als Ergebnis einer durch die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung in Vallendar (WHU) durchgeführten empirischen Erhebung[75] zum theoretischen Nachweis der Logistik zu verstehen. Dabei „wurde der Entwicklungsstand der Logistik auf Basis einer Selbsteinschätzung der Unternehmen gemessen.“[76] Aus dieser Darstellung wird sichtbar, das in den meisten Unternehmen die Logistik noch in der traditionellen Form vorkommt, so dass sich nur bei wenigen Unternehmen die Logistik als Führungsfunktion etabliert hat. Als Resultat dieser Befragung kam heraus, dass sich „lediglich 7 Prozent der .. Unternehmen ... bereits auf der höchsten Entwicklungsstufe der Logistik angelangt [sehen. Somit nehmen] ... höchstens ein Viertel der Unternehmen in jeder Branche .. in der Logistik jetzt schon ein Managementkonzept bzw. eine Führungsfunktion [wahr].“[77] Da sind aber „selbst Unternehmen der vierten Entwicklungsstufe .. von einer umfassenden Umsetzung des Logistikgedankens noch weit entfernt.“[78] Das ergibt sich aus den Entwicklungsdefiziten des Supply Chain Management, denn das SCM „beschränkt sich derzeit noch überwiegend auf die Betrachtung einzelner Unternehmen. Eine unternehmensübergreifende, wertschöpfungskettenbezogene Analyse ist ... nur selten vorzufinden. ... . [So dass auch] ein niedriger Entwicklungsstand einer unternehmensübergreifenden Kostenrechnung festzustellen [ist]. In ihrem Ausbau wird ein wichtiger Hebel gesehen, gemeinsame Nutzenpotenziale der Wertschöpfungspartner zu erschließen.“[79]

2.1.2.1. Logistik als funktionale Spezialisierung

Dadurch, dass in den 50er Jahren ein Wandel von Verkäufer- zu Käufermärkten stattfand, wurde das Produktangebot ausgeweitet, und als daraufhin ein zunehmender Wettbewerbsdruck aufkam, haben distributive Tätigkeiten an Bedeutung gewonnen.[80] Die Betrachtung von Transport-, Umschlags- und Lagervorgängen kennzeichnete den Beginn der Unternehmenslogistik.

Anfangs wurden diese sogenannten TUL-Prozesse nicht als Quelle von Rationalisierungsgewinnen betrachtet, aber der ansteigende Wettbewerbsdruck und technologische Entwicklungen seit Mitte des 20. Jahrhunderts machten es notwendig, auch diese material- und warenflussbezogenen Dienstleistungen rational zu gestalten, wobei Investitionen in neue TUL-Technologien getätigt werden mussten.[81] Somit wurde die Logistik in der Unternehmenspraxis als ein mit physischen Materialflussaufgaben betrauter Bereich aufgefasst.[82] So wird die Logistik in der ersten Entwicklungsphase als eine Funktionsspezialisierung verstanden, wobei die TUL-Prozesse unter eine einheitliche Leitung zusammengefasst werden, um Spezialisierungsvorteile zu verwirklichen.[83] In Unternehmen, in denen im Rahmen der Logistik TUL-Prozesse im Vordergrund stehen, wird insbesondere deren Optimierung angestrebt, dazu sind „diese Aktivitäten mengen- und qualitätsmäßig, zeitlich und in ihrer Wirkung auf die ‚klassischen’ monetären Steuerungsgrößen hin zu erfassen und auszuweisen. Es erfordert also mit anderen Worten, eine Kosten- und Leistungsrechnung für die Logistik aufzubauen.“[84] So wird in dieser Phase mit Hilfe einer Logistikkostenrechnung versucht, die logistischen Leistungen zu niedrigen Kosten zu realisieren.[85]

2.1.2.2. Logistik als material- und warenflussbezogene Koordinationsfunktion

In der zweiten Phase steht nicht mehr nur die Distribution im Vordergrund, sondern es wird daneben auch die Beschaffungsseite stärker in die Betrachtung mit einbezogen.[86] Dabei bleibt jedoch die logistische Koordinationsfunktion nicht auf das Unternehmen begrenzt, sondern es erfolgt vielmehr eine Ausweitung dieses Gedankens weit über die Unternehmensgrenzen hinaus. Somit verfolgt die Logistik in dieser Phase eine Koordinationsaufgabe, die sich auf den Material- und Warenfluss bezieht.[87] In der weiteren Entwicklung erfuhr „die anfängliche Sichtweise .. in der Folge Konkurrenz durch die Interpretation der Logistik als materialflußbezogene [!] Koordinationsfunktion, die sich als Reaktion auf eine (zu) weitgehende funktionale Spezialisierung längs der Wertschöpfungskette etablierte. ... . Um eine .. Koordinationsaufgabe erfüllen zu können, wurden der Logistik in den Unternehmen bereichsübergreifende Steuerungsaufgaben des Material- und Warenflusses übertragen. Im weittestgehenden Fall bedeutet dies die aufgaben- und kompetenzmäßige Subsumption der Bestelldisposition, Produktionsplanung und -steuerung und Vertriebsdisposition unter die Logistik. Die Herauslösung dieser Funktionen aus den drei traditionellen Unternehmensfunktionen führt zu einem machtvollen, allerdings auch komplexen [!] Logistikbereich.“[88] In dieser Phase werden nicht länger einzelne Funktionen betrachtet, vielmehr rückt die Koordination verschiedener Funktionsbereiche in den Vordergrund.[89] Es müssen nämlich die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen mehreren betrieblichen Funktionen und der Logistik betrachtet werden, um weitere Rationalisierungsgewinne zu ermöglichen. Diese Koordinationsaufgabe setzt jedoch die Wahrnehmung der Produktionsplanung und -steuerung durch die Logistik voraus. Der Logistik kommt durch die Ausweitung der logistischen Aufgaben auf dispositive Tätigkeiten insgesamt eine höhere Bedeutung zu.[90]

Die Logistikkosten- und -leistungsrechnung „erweist sich [in der zweiten Phase] als wichtige Hilfestellung zur Lösung der Koordinationsprobleme; allerdings müssen etliche Daten auch einzelfallbezogen erhoben werden. Weiterhin führt die breitere Perspektive dazu, den Blick auch auf die Produktkalkulation zu richten. Eine ‚logistikgerechte Kalkulation’ würde zu erheblichen Veränderungen der Produktprogramme führen - insbesondere Sonderausführungen und wenig gängige Varianten werden in der traditionellen Kostenrechnung mit viel zu geringen Kosten belastet.“[91] Diese zweite Phase übt jedoch einen „deutlich geringere[n] Einfluss auf die Gestaltung einer Logistikkostenrechnung aus, als dies für die vorangehende erste Phase zutrifft.“[92] In der zweiten Phase müssen im Rahmen der Logistikkosten- und -leistungsrechnung zusätzlich die Koordinationskosten und -leistungen erfasst werden.[93]

2.1.2.3. Logistik als Durchsetzung der Flussorientierung

In der dritten Phase liegt der Schwerpunkt in dem Aufbau einer Flussorientierung der Unternehmenslogistik.[94] Es erfolgt eine Ausdehnung der Beschaffungs- und Distributionswege, sowie eine ansteigende Komplexität der Informationsflüsse. Die Flussorientierung resultiert aus der „Ausrichtung sämtlicher Aktivitäten des Unternehmens auf die Bedürfnisse des Kunden“.[95] Dabei wird durch „die Flußorientierung [!] .. eine Optimierung der gesam­ten durch Güterströme verknüpften Vorgangsketten/netze [angestrebt]“.[96] Diese Entwicklungsphase bezweifelt nicht nur die TUL-Prozesse, sondern auch den allgemeinen Aufbau der Wertschöpfungsprozesse. Nun können zusätzliche Gewinne nur noch durch eine Flussorientierung des gesamten Unternehmens erreicht werden. In der dritten Phase wird „sowohl eine Ausschöpfung des leistungsbezogenen Wettbewerbspotenzials der Logistik (insbesondere durch Lieferschnelligkeit, Liefersicherheit und Lieferflexibilität), als auch zusätzliche Kostensenkungen (z. B. durch bestandslose Fertigung) [ermöglicht]. Logistik wird in dieser Entwicklungsstufe zu einer stark durch Führungsaufgaben geprägten Funktion, die alle Wertschöpfungsprozesse flussorientiert gestalten will.“[97] Denn in dieser Phase erfolgt ein Wandel der Logistik von einer Dienstleistungsfunktion zu einer Führungsfunktion, mit dem Ziel, das ganze Unternehmen flussorientiert auszugestalten.[98] Dadurch, dass die logistischen Fähigkeiten in dieser Phase zunehmen, „treten grundlegende strukturelle Fragen in den Mittelpunkt der Managementaufgaben. Hierzu zählen z. B. Fertigungssegmentierung, Reduktion der Zahl Lieferanten oder Veränderung der Distributionsstruktur. Das ganze Geschäftsmodell des Unternehmens befindet sich auf dem Prüfstand. ... . Controller wirken als interne Berater des Logistik-Managements. Aber auch die Aufgabe der laufenden Informationsbereitstellung erfährt eine Erweiterung. Die Logistik wird nicht länger primär als Funktion gesehen, deren Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens in der Reduzierung von Kosten liegt. Die Erlösseite gewinnt an Bedeutung“.[99] Weber behauptet sogar, dass „die in der zweiten Entwicklungsstufe der Logistik ausgebaute Logistikkostenrechnung .. in der Phase der Flussorientierung eher zum Hemmschuh [wird].“[100] So stellt sich „eine differenzierte und damit komplexe Kostenrechnung ... der für die dritte Entwicklungsstufe charakteristischen Fähigkeit schneller Veränderung eher entgegen. ... . [So dass die Ermittlung von Kosten] für die flussorientierte Logistik ... [einen] fallweisen Charakter [aufweist].“[101] Die Ausdehnung der logistischen Aktivitäten führt in dieser Phase dazu, das vermehrt Logistikunternehmen auftauchen.[102] Doch trotzdem finden sich „Konzepte von ‚Logistikunternehmen’ ..., die mehrere Abschnitte der Wertschöpfungskette integrieren ..., ... in größerer Zahl erst in der ... vierten Entwicklungsphase der Logistik.“[103]

2.1.2.4. Logistik als Supply Chain Management

In der vierten Entwicklungsphase der Logistik als Supply Chain Management verbindet die Flussorientierung im Idealfall alle Unternehmen einer Wertschöpfungskette und keinesfalls nur einzelne Prozesse in einem Unternehmen.[104] Dabei haben „derzeit nur wenige Unternehmen die höchste Entwicklungsstufe der Logistik bereits erreicht, die überwiegende Zahl ist noch auf dem Weg zum - von ihnen jeweils sehr lohnenswert eingeschätzten - Ziel.“[105] Im Rahmen des Supply Chain Management wird die Logistik als das Management von Versorgungsketten verstanden.[106] Diese vorerst „letzte Entwicklungsstufe der Logistik weitet den Blick auf das logistische Zusammenspiel mehrerer Unternehmen in einer Wertschöpfungskette. Die zusätzliche Herausforderung besteht darin, rechtlich und wirtschaftlich selbständige Unternehmen zu einer engen Zusammenarbeit zu bringen. Fragen von Macht sind ebenso relevant wie ‚klassische’ TUL-Problemstellungen ... . Das Feld neuer Management-Herausforderungen ist weit, ebenso das der Unterstützungsaufgaben des Logistik-Controlling.“[107]

Der Logistik kommt in dieser Phase eine Führungsfunktion zu, daraus ergibt sich, dass im Vergleich zu den anfänglichen Phasen, nicht mehr allein die Koordination der ansteigenden Komplexität im Vordergrund steht, sondern als neue Aufgabe die Vereinfachung von Prozessen im Zusammenhang mit dem „lean management“ Ansatz zu erfüllen ist.[108] In dieser Phase sind Informationen über Kosten, Leistungen und Erlöse notwendig, und somit übernimmt die Kostenrechnung Dokumentationsaufgaben und wird verhaltenslenkend eingesetzt. Daraus resultiert aber auch „als [Konsequenz] für die Gestaltung der Logistikkostenrechnung ... die Forderung nach geringer Komplexität und hoher Überprüfbarkeit. [Die geringe Komplexität] ist auch deshalb erforderlich, weil in der Kette Unternehmen hoher interner Flussorientierung zusammenarbeiten, für die ... ein hoher Detaillierungsgrad einer Logistikkostenrechnung nicht erzielbar ist. ... . Die Konsequenzen für die Gestaltung der Logistikleistungsrechnung entsprechen .. denen der Logistikkostenrechnung: Geringe Komplexität und hohe Überprüfbarkeit sind für einen Interessenausgleich über mehrere Unternehmen hinweg unverzichtbar.“[109]

[...]


[1] Vgl. Kummer 1996, S. 1119; s. a. Weber 1995a, S. 7.

[2] Vgl. Domschke o. J., S. 451.

[3] Vgl. Weber 1999b, S. 510.

[4] Vgl. Weber, R. 2000, S. 276.

[5] Vgl. Weber 1995a, S. 21.

[6] Kluck 1998, S. 216.

[7] Göpfert 1999, S. 257.

[8] Weber/Kummer 1990, S. 784.

[9] Vgl. Pfaff/Weber 1998, S. 161.

[10] Vgl. Gudehus 1999, S. 131.

[11] Vgl. Männel 1993b, S. 36.

[12] Vgl. Friemuth/Hornung/Sander 1996, S. 230.

[13] Vgl. Weber 1993b, S. 19.

[14] Vgl. Pfohl 1998, S. 512.

[15] Pfohl 2000, S. 30; s. a. Hummel/Männel 1990, S. 26.

[16] Eschenbach 1995, S. 137.

[17] Berg 1980, S. 249.

[18] Männel/Weber 1982, S. 83.

[19] Vgl. Gudehus 1999, S. 131.

[20] Entnommen aus Pignitter 1990, S. 60.

[21] Vgl. Kluck 1998, S. 216; s. a. Weber, R. 2000, S. 276.

[22] Vgl. Reichmann 2001, S. 418.

[23] Vgl. Weber 1995a, S. 115.

[24] Weber 1998a, S. 313.

[25] Weber 1990, S. 983; s. a. Küpper 1993, S. 47.

[26] Vgl. Ehrmann 1997, S. 473.

[27] Reichmann 2001, S. 430.

[28] Vgl. Reichmann 1989, S. 19.

[29] Vgl. Reichmann 2001, S. 421.

[30] Vgl. Küpper 1992, S. 131.

[31] Ihde 1984, S. 233.

[32] Vgl. Berg 1980, S. 249.

[33] Vgl. Ehrmann 1997, S. 472.

[34] Entnommen aus Ehrmann 1997, S. 473.

[35] Weber 1995a, S. 8.

[36] Vgl. Ehrmann 1997, S. 481.

[37] Vgl. Scholl 1984, S. 6.

[38] Entnommen aus Weber 1995a, S. 82.

[39] Vgl. Warnick 1996, S. 22; s. a. Pignitter 1988, S. 420.

[40] Schlichtherle 1996, S. 41.

[41] Entnommen aus Weber 1999b, S. 512.

[42] Vgl. Weber 1999b, S. 511.

[43] Vgl. Göpfert 2000, S. 294.

[44] „Logistikkosten- und -leistungsberichte geben Auskunft über die logistischen Aktivitäten des Unternehmens und ihrer wertmäßigen Konsequenzen. Adressaten sind die Unternehmensleitung, Logistikverantwortliche sowie von logistischen Fragen tangierte Führungskräfte“. (Berens 1997, S. 597).

[45] Weber 1987, S. 23.

[46] Göpfert 1999, S. 257; s. a. Weber 1995a, S. 48f.

[47] Modifiziert entnommen aus Weber 1993c, S. 7-9.

[48] Vgl. Weber 1995a, S. 8.

[49] Weber 2002, S. 291.

[50] Vgl. Heiserich 1997, S. 1,3; Weber, H. K. 1997, S. 589; Blom/Harlander 2000, S. 1f.

[51] Blom/Harlander 2000, S. 1.

[52] Vgl. Vollmuth 1998, S. 265.

[53] Weber 1990, S. 976; s. a. Männel 1993a, S. 5f.

[54] Weber 1999a, S. 9f.

[55] Weber/Blum 2001a, S. 282.

[56] Vollmuth 1998, S. 263.

[57] Vgl. Heiserich 1997, S. 1.

[58] Vgl. Küpper 1992, S. 124; s. a. Ihde 1997, S.549; sowie Küpper/Trauzettel 1999, S. 248.

[59] Vgl. Schneck 1994, S. 437.

[60] Vgl. Heiserich 1997, S. 3.

[61] Vgl. Blom/Harlander 2000, S. 2f.

[62] Weber/Blum 2001a, S. 276.

[63] Siehe etwa die Definitionen bei Heiserich 1997, S. 4f.

[64] Blom/Harlander 2000, S. 1f.

[65] Kortschak 2001, S. 660f.

[66] Göpfert 2000, S. 286.

[67] Large/Pfohl 1997, S. 2474.

[68] Vgl. Ehrmann 1997, S. 474.

[69] Entnommen aus Weber 2002, S. 5.

[70] Weber/Dehler 2000, S. 53.

[71] Weber/Blum 2001a, S. 276.

[72] Entnommen aus Weber/Dehler 2000, S. 57; s. a. Weber/Blum 2001b, S. 10.

[73] Weber/Dehler 2000, S. 56.

[74] Vgl. Weber/Dehler 2000, S. 58.

[75] Siehe hierzu u. a. Weber/Blum 2001b; Weber/Dehler 2000; Weber/Kummer 1998.

[76] Weber 2002, S. 24.

[77] Weber/Dehler 2000, S. 56f.

[78] Weber/Dehler 2000, S. 63.

[79] Weber 2002, S. 90.

[80] Vgl. Weber 1999a, S. 5.

[81] Vgl. Weber/Blum 2001b, S. 9; s. a. Weber/Blum 2001a, S. 275.

[82] Vgl. Weber 1995b, S. 169.

[83] Vgl. Weber/Dehler 2000, S. 49.

[84] Weber/Blum 2001a, S. 276.

[85] Vgl. Weber 2002, S. 72.

[86] Vgl. Weber 1999a, S. 7.

[87] Vgl. Weber/Dehler 2000, S. 50; s. a. Weber/Blum 2001b, S. 9.

[88] Weber 1995b, S. 169.

[89] Vgl. Weber/Blum 2001b, S. 10.

[90] Vgl. Weber/Blum 2001a, S. 275f.

[91] Weber/Blum 2001b, S. 12f.

[92] Weber 2002, S. 76.

[93] Vgl. Weber 2002, S. 292f..

[94] Vgl. Weber 1995b, S. 169.

[95] Weber/Dehler 2000, S. 52.

[96] Ihde 1997, S. 550.

[97] Weber/Blum 2001a, S. 276.

[98] Vgl. Weber/Kummer 1998, S. 22; s. a. Weber/Kummer 1994, S. 21.

[99] Weber/Blum 2001a, S. 277.

[100] Weber 2002, S. 78.

[101] Weber 2002, S. 307f.

[102] Vgl. Weber 1999a, S. 10.

[103] Weber 2002, S. 13.

[104] Vgl. Weber/Blum 2001b, S. 11.

[105] Weber/Blum 2001a, S. 276.

[106] Vgl. Ihde 1997, S. 549.

[107] Weber/Blum 2001b, S. 13f.

[108] Vgl. Heiserich 1997, S. 6.

[109] Weber 2002, S. 79f; vgl. nochmals FN 100.

Details

Seiten
97
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783832463052
ISBN (Buch)
9783838663050
Dateigröße
771 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v221750
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
logistik-controlling logistikinformationssystem logistikleistung kostenrechnung logistikkosten

Autor

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Titel: Aktueller Stand und Entwicklungsperspektiven der Logistikkostenrechnung