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Moderne Kommunikationsmöglichkeiten an Bord und ihre Wirtschaftlichkeit

Diplomarbeit 2000 72 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Schiffstechnik, Schiffsbau, Ozeantechnik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Bedeutung der Kommunikation in der Seefahrt
1.2 Entwicklung der maritimen Kommunikation

2. Gegenwärtige Systeme und ihre wichtigsten Merkmale
2.1 Satellitensysteme
2.1.1 INMARSAT.
2.1.1.1 INMARSAT A
2.1.1.2 INMARSAT B
2.1.1.3 INMARSAT C
2.1.1.4 INMARSAT M
2.1.2 Iridium
2.2 Mobilfunknetze
2.3 Internet und E-Mail Nutzung
2.4 Seefunkdienst und SMD

3. Kosten der einzelnen Systeme
3.1 Anschaffung.
3.1.1 INMARSAT.
3.1.2 Iridium
3.1.3 Mobilfunk
3.1.4 Internet und E-Mail
3.1.5 SMD.
3.2 Wartungskosten
3.3 Nutzungsgebühren und Tarife.
3.3.1 INMARSAT
3.3.2 Iridium.
3.3.3 Mobilfunknetze
3.3.4 E-Mail und Internet.
3.3.5 SMD Gebühren

4. Wirtschaftlichkeit und Möglichkeiten zur Kostenersparnis
4.1 Nutzungshäufigkeit
4.2 Unterschiede durch Fahrtgebiete und Schiffsgröße
4.3 Kosten im Vergleich
4.3.1 Kostenvergleich für die Anschaffung der Geräte
4.3.2 Kostenvergleiche der Übertragungsgebühren.
4.4 Kostenermittlung.
4.5 Maßnahmen zur Kostensenkung

5. Entwicklungen und Trends der maritimen Kommunikation

6. Schlußbetrachtung

7. Abbkürzungnsverzeichnis

8. Literatur- und Quellennachweis

9. Abbildungsverzeichnis

10. Eigenständigkeitserklärung

11. Anhang

1.Einführung

Die Kommunikation ist in der heutigen Zeit ein wichtiges Thema in allen Bereichen der Wirtschaft, sowie auch im privaten Sektor. Durch die schnell voranschreitende Entwicklung ist der Kommunikationsmarkt einer der am schnellsten wachsenden Märkte. Dadurch ergeben sich natürlich in relativ kurzen Zeiträumen recht viele Änderungen und laufend Neuheiten. Durch diese vielen Änderungen sind einige Systeme schon nach wenigen Jahren im Einsatz wieder veraltet und werden durch neue ersetzt, so daß durch den ständigen Wechsel der Überblick recht schwer erscheint. Dieses ist auch problematisch für das Personal, welches sich ständig umstellen und weiterbilden muß.

Ziel dieser Diplomarbeit soll die Darstellung der gegenwärtigen Techniken in der Datenübertragung und Telefon/ Fax- Übertragung sein. Natürlich werden die Betrachtungen, unter dem Aspekt des Nutzens für den maritimen Bereich getroffen. Dabei werden die modernen Systeme wie INMARSAT, Iridium und GSM genauer betrachtet und hinsichtlich ihrer Kosten und Wirtschaftlichkeit überprüft. Auf das GMDSS wird hier nicht weiter eingegangen, da dieses ein eigenes Thema für eine Diplomarbeit wäre. Am Ende der Arbeit soll ein Überblick mit Vergleichsmöglichkeiten sowie Vor- und Nachteilen der jeweiligen Systeme entstehen, daß umfaßt die Anschaffungskosten, Betriebskosten, Benutzerfreundlichkeit und mögliche Alternativen. Auch auf die Zukunftsaussichten und die heutige Verbreitung der Systeme auf Seeschiffen wird eingegangen. Die Kommunikation zwischen den an Bord befindlichen Systemen, welche durch Netzwerke und EDV-Systeme verbunden sind, sollen hierbei aber außer Betracht gelassen werden.

1.1.Bedeutung der Kommunikation in der Seefahrt

Die Kommunikation hat in der Seefahrt eine besondere Rolle. Mit dem Begriff Kommunikation ist hierbei der Austausch von Daten und Informationen zwischen den Schiffen und den sich an Land befindenden Reedereien, Charterern, Crewmanagementfirmen und allen andern wichtigen Personen und Unternehmen gemeint. Um ständig die aktuellsten Informationen an Bord zu bekommen, ist die Schiffsführung auf leistungsfähige und zuverlässige Kommunikationssysteme angewiesen. Die Beschaffung und der Austausch von Informationen ist in der Seefahrt von Bordseite aus zum größten Teil nur über Telefone, Fax, Telex und elektronischer Post- kurz Email- möglich.

Das bedeutet natürlich für die Reedereien, daß sie ihre Schiffe mit modernen Anlagen ausrüsten sollten, um effektiven Informationsaustausch mit der Flotte zu bekommen.

Um jedoch die optimalen Kommunikationsbedingungen an Bord zu schaffen, ist zunächst eine größere Investition notwendig. Da die neuesten und effektivsten Systeme meistens auch die teuersten sind, muß das Unternehmen die richtige Auswahl bei der Ausrüstung der Schiffe treffen. Das kann auch zu Fehlentscheidungen führen, so daß entweder zu viele und kostspielige Anlagen an Bord sind oder eben einfach unzureichende, veraltete und unzuverlässige Methoden der Informationsübertragung verwendet werden.

Ein Schiff sollte jedoch, um wirtschaftlich zu arbeiten, in ständiger Verbindung mit dem Landmanagement stehen. Alle getroffenen Entscheidungen an Land müssen in kürzester Zeit an Bord gelangen, damit sie umgehend umgesetzt werden können. Auch alle wichtigen Geschehnisse an Bord müssen sofort an Land übermittelt werden. Da bei einer schlechten Kommunikation die gesamte Wirtschaftlichkeit des Schiffes gefährdet ist, darf hier nicht an falscher Stelle gespart werden. Denn nur ein Tag Mehrliegezeit kann teuerer werden, als die Kommunikationskosten für einen ganzen Monat. Deshalb ist es wichtig, daß eine Kommunikationsmöglichkeit rund um die Uhr besteht.

Gerade durch die schnellen Veränderungen am Frachtenmarkt und die umfangreichen Logistikprobleme, ist es manchmal notwendig die Schiffe schnell und unkompliziert umzuleiten. Auch die Charterunternehmen benötigen ständig die Positionen und Ankunfts- oder Abfahrtszeiten, um die reibungslose Abfertigung in den Häfen sicherzustellen. Die Vermeidung von langen Wartezeiten und Liegezeiten ist dabei ein wichtiger Faktor zur Kostenersparnis.

Daraus ergibt sich auch eine höhere Wettbewerbsfähigkeit für Schiffe mit modernen Kommunikationssystemen an Bord. Moderne Kommunikationssysteme sind heutzutage weitgehend Übertragungen über Satelliten. Die Satellitenübertragung ist auch trotz ihrer hohen Kosten, am sinnvollsten in der Seefahrt, da sich bei Satellitennutzung eine nahezu 100 prozentige Erreichbarkeit ergibt. Das heißt, die Schiffsführung ist zu jeder Zeit, an jedem Ort auf den Weltmeeren in der Lage, eine Verbindung in alle an Land verwendeten Kommunikationsnetze herzustellen. Durch diese Möglichkeiten ist das Schiff fast genauso handlungsfähig, wie ein an Land ansässiges Unternehmen.

Die Entscheidungen können nach Rücksprache mit dem Landmanagement schnell getroffen werden und alle beteiligten Unternehmen werden umgehend benachrichtigt. Diese Flexibilität ist ein entscheidender Vorteil in der heutigen Seefahrt. Die weltweite Erreichbarkeit von Schiffen mit Kommunikationsmitteln wie Telefon, Fax, Telex und Daten auf allen Meeren, unabhängig von Position und Wetter, ist heute ein wichtiger Garant für ein funktionierendes Reedereiunternehmen.

Ein Nebeneffekt, der Modernisierung der Kommunikationsanlagen an Bord, ist die private Nutzung durch die Besatzungsmitglieder. Das bezieht sich jedoch zum größten Teil auf Telefon und Fax.

So waren Seeleute in früheren Zeiten immer sehr benachteiligt, wenn es um den Austausch von Informationen im privaten Bereich ging. Lange Zeit waren Briefe die einzige Möglichkeit erreichbar zu sein. Telefone konnten meistens nur an Land benutzt werden. Dort waren die Verbindungen jedoch schlecht und recht teuer. Heutzutage hat jeder Seemann an Bord die Möglichkeit Anrufe in seine Heimat zu tätigen oder auch von dort angerufen zu werden. Das verbessert auch die Lebensqualität der Seeleute, ohne daß zusätzliche Kosten für die Reederei entstehen. Jedoch ist bei diesem positiven Nebeneffekt der Modernisierung nicht zu vergessen, daß Dienstgespräche oder dienstliche Datenübertragungen weiterhin den Vorrang haben.

So läßt sich zusammenfassend sagen, daß die Kommunikation in der Seefahrt ein sehr wichtige Rolle spielt. Denn nur durch ein gutes Zusammenspiel der Schiffsführung und des Landmanagments ist eine Reederei marktfähig. Dieses Zusammenspiel ist auf dem Sektor der Kommunikation, durch die heutigen modernen Systeme an Land und an Bord gewährleistet.

1.2 Entwicklung der maritimen Kommunikation

Im Jahre 1876 baute Alexander Graham Bell das erste funktionsfähige Telefon. Am Anfang wurde diese Erfindung noch von den Menschen belächelt. Doch in den nächsten hundert Jahren sollte sich herausstellen, wie grundlegend diese Erfindung für die Wirtschaft war. Da die Entwicklung von dort an rasant fortgeschritten ist, gibt es heute Technologien in der Datenübertragung und Telekommunikation, die vor wenigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wären.

Inzwischen gehört seit Jahrzehnten ein gut funktionierendes öffentliches Telefonnetz zu den wichtigsten Komponenten der Infrastruktur eines Landes.

Diese Entwicklung hat natürlich auch in die Seefahrt Einzug gehalten. Jedoch waren die Bedingungen hier von anderer Natur als an Land. Gerade dadurch, daß Schiffe nicht durch feste Leitungen mit den Telefonnetzen verbunden werden können, gestaltete sich die Entwicklung der maritimen Kommunikation schwieriger als es an Land war.

Die ersten Seefunk- und Küstenfunkstellen entstanden um die Jahrhundertwende. Allerdings war die Technik damals mehr auf den Hersteller bezogen, als auf den allgemeinen Entwicklungsstand. So waren die ersten Unternehmen im Seefunkgeschäft die italienische Firma Marconi und die deutsche Telefunken. 1911 wurde die DEBEG ( Deutsche Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegraphie mbh.) als Tochterunternehmen von Telefunken gegründet.

Die Weichen für einen internationalen Seefunkdienst wurden 1906 gestellt, als der erste „Internationale Funktelegraphenvertrag“ in Berlin unterzeichnet wurde und am 01. Juli 1908 in Kraft trat. Der Vertrag von 1906, dessen Grundsätze z.T. noch heute unverändert gültig sind, unterwirft das Funkwesen grundsätzlich staatlicher Aufsicht und bestimmt, daß Funkanlagen, die von Privaten betrieben werden, von den Regierungen zu genehmigen sind. Endlich wurde für den Funkverkehr auf See bzw. von Land nach See oder umgekehrt, die Gleichberechtigung der verschiedenen Funksysteme festgelegt und der Grundsatz anerkannt, nachdem allen Systemen freier Verkehr gestattet ist. Der Fernmeldeverkehr wird nach international vereinbarten Regelungen abgewickelt. Zuständig für die Vereinbarung, dieser grundsätzlichen Regelungen ist die „Internationale Fernmeldeunion“ (ITU) mit Sitz in Genf. Die Grundsätze sind von den über 160 Mitgliedstaaten der ITU im „Internationalen Fernmeldevertrag“ (IFV) festgelegt worden. So regelt heute die Vollzugsordnung für den Funkdienst( VO Funk), welche auf dem Internationalen Fernmeldevertrag ( IFV) aufgebaut ist, die Belange des Seefunkdienstes.

Die nationale Regelung des Fernmeldeverkehrs in Deutschland wird durch das „Fernmeldeanlagengesetz“ (FAG) geregelt. Dort ist auch die Genehmigungs- und Zulassungspflicht für Funkanlagen enthalten. So muß jede Funkanlage eine Genehmigungsurkunde, sowie ein Zulassungszeichen des „Bundesamtes für Zulassungen in der Telekommunikation“ (BZT) besitzen.

Seefunkdienst bedeutet nicht nur die Vermittlung von Funktelegrammen oder Seefunkgesprächen, sondern eine Fülle von Dienstleistungen, die der Sicherheit der Menschen auf See und der Schiffahrt dienen. Den Mindestumfang dieser Dienste bestimmt der Schiffssicherheitsvertrag in seiner jeweils gültigen Fassung. Nach der Vollzugsordnung für den Funkdienst im Internationalen Fernmeldevertrag wird diesen Diensten Vorrang vor privatem oder schiffsbetrieblichem Verkehr gewährt, wenn sie mit dem Not-, Dringlichkeits- oder Sicherheitszeichen eingeleitet werden.

Die eigentliche Kommunikation fand zu Beginn durch das Funkmorsen statt. Hier war es möglich Funktelegramme auf den entsprechenden Mittel- und Kurzwellenfrequenzen zu senden oder zu empfangen. So war von Beginn an der Einsatz von Funkpersonal an Bord nötig. Die Funker waren für alle Verbindungen mit dem Land zuständig, gehörten aber zum Personal der DEBEG, die ihre Anlagen und das Personal an die Reedereien vermieteten. Ab 1929 wurde auch der Sprechfunk im Seefunkdienst eingeführt, welches ein großer technischer Fortschritt war und viele Vorteile für alle Seefahrer und Schiffe darstellte. Auch wurden die Frequenzen für Anrufkanäle und Notrufe international geregelt. So entstanden die Hörwachen, die durch den Funker zu bestimmten Zeiten auf vorgegebenen Frequenzen abzuhalten waren.

Später kam dann durch den „Internationalen Schiffssicherheitsvertrag“ von London 1948, eine Ausrüstungspflicht für alle Schiffe zu Stande. Dazu gehörten die Genehmigungsurkunden für Funkanlagen, sowie die Funkzeugnisse für das Personal. Die grundlegenden Bestimmungen sind im „Handbuch für den Seefunkdienst“ zu finden, welches zur Pflichtausrüstung jeder Seefunkstelle gehört.

Nach Kriegsende 1945 änderten sich einige Sachen im Funkbereich an Bord. Die Seefunkstellen an Bord waren jetzt Eigentum der Reedereien, welche auch die Funkoffiziere einstellten. Nebenbei hatten die Funker nun noch das Amt des Zahlmeisters oder Verwalters mit zu erledigen. Auch ging die Entwicklung weiter und die Kommunikation wurde hauptsächlich im Grenz-, Lang- und Mittelwellenbereich durchgeführt. Doch die Frequenzkapazitäten waren bald nicht mehr ausreichend. Deshalb war eine Aufteilung der einzelnen Frequenzen, für entsprechende Interessengruppen und die Einführung von bestimmten Funkzeiten und der Funkstille notwendig geworden.

Der Sprechfunkdienst dehnte sich allmählich auch in den Kurzwellen- und Ultrakurzwellen (UKW) Bereich aus. Insbesondere mit dem Beginn des UKW- Funks, im Jahre1958, waren durch die geringen Reichweiten von ca. 50 sm, neue Küstenfunkstellen nötig, um eine flächendeckende Versorgung zu erreichen. Von großem Nutzen für den UKW- Seefunkdienst war die Entwicklung im Fernsprechwesen, wo neue Techniken im Selbstwählferndienst praktisch von allen Küstenfunkstellen, Sofortverbindungen nach vielen Orten im In- und Ausland zuließen. Auch die Qualität der Verbindungen hatte sich verbessert und die Wartezeiten hatten sich verkürzt, im Vergleich zu den oft gestörten Grenzwellenverbindungen zur Küstenfunkstelle. Aber bei Schiffen die sich nicht im Bereich einer Küstenfunkstelle befanden, mußte immer noch auf die anderen Frequenzen zurückgegriffen werden.

So entstanden immer mehr Küstenfunkstellen, die als Verbindungsglied zwischen Schiff und Land eine sehr wichtige Rolle spielten. Sie stellten die Funkverbindungen zu den Schiffen her oder leiteten die Funkgespräche bzw. Telegramme in die Kommunikationsnetze an Land weiter. Auch der Wetter-, Zeitzeichen- und Funkärztliche Beratungsdienst wurde über sie abgewickelt. So war es in Deutschland, z.B. Norddeich Radio, das von Anfang an die Verbindungen zu den Schiffen, auf allen Weltmeeren herstellte. 1956 verfügte das Bundespostministerium, die Zusammenfassung des Küstenseefunkdienstes, in einem Funkamt in Hamburg zum 01.01.1957. Die Küstenfunkstellen wurden dem neuen Funkamt voll unterstellt, ebenso wurde dort der Seefunk Prüf- und Abnahmedienst für die Bundesrepublik Deutschland zusammengefaßt. Das Seefunkbüro des Funkamtes übernahm die bisherigen Aufgaben des Fernmeldetechnischen Zentralamtes bezüglich der Betriebsangelegenheiten der Küsten- und Seefunkstellen.

So ging die Entwicklung, der Kommunikation auf See, mit der Entwicklung der Fernmeldetechnik im Bereich von Sprechfunk und später auch Funktelex, immer weiter voran. Gravierende Änderungen kamen aber erst zu Beginn der achtziger Jahre mit der Einführung von Satellitensystemen. Diese Art der Kommunikation war ein wesentlicher Bestandteil der Modernisierung. Nun war es möglich, an fast jedem Ort der Welt mit der Landseite zu kommunizieren. Auch ging die Entwicklung der Satellitenkommunikation weitaus schneller voran, als es in der Fernmeldetechnik der Fall war, so daß heute ein recht gutes Angebot von leistungsfähigen Satellitendiensten zur Verfügung steht.

Ebenso die Entwicklung von Mobiltelefonen, welche in den achtziger Jahren begann, war für die Seefahrt von hohem Nutzen, gerade im Küsten- und Hafenbereich.

Durch ständige Modernisierung und Automatisierung der Kommunikationstechnik, so wie das in Kraft treten des GMDSS im Jahre 1992, wurde die Stelle des Funkers an Bord eingespart. So ist es seit etwa 10 Jahren normal, daß alle Kommunikationsaufgaben an Bord von den Nautikern erledigt werden. Die Nautiker müssen seit 1970 ein Funkzeugnis, als Voraussetzung, für ihr nautisches Befähigungszeugnis besitzen.

Die deutschen Küstenfunkstellen wurden bis zum 31.12.1998 von der Deutschen Telekom betrieben. Danach stellte die Telekom den Betrieb ihrer Küstenfunkstellen ein. Der Seenotverkehr wird seit 01.01.1999 von der DGzRS über ein eigenes Funknetz mit dem Anrufkanal 16 und Kanal 70 für DSC gewährleistet.

Der UKW- Seefunkverkehr, in den deutschen Gewässern, ist jedoch weiterhin möglich. Er wird jetzt über das private Dienstleistungsunternehmen SMD- Hamburg (Schiffsmeldedienst) abgewickelt. Der SMD nutzt einige ehemalige Küstenfunkstellen, und stellt so über UKW- Funk die Verbindung in die Landtelefonnetze her.

2. Gegenwärtige Systeme und ihre wichtigsten Merkmale

2.1 Satellitensysteme

Die Nutzung von Satelliten ist hauptsächlich für den mobilen Anwender von großem Vorteil. Da sich Funkwellen ebenso wie Lichtwellen geradlinig ausbreiten, entstehen durch die Kugelform der Erde Probleme bei der Übertragung zu Empfängern, die hinter dem Horizont liegen. Das machte den Einsatz von Satelliten notwendig.

Durch geostationäre Satelliten, die in einer Höhe von 36000km über dem Äquator stationiert sind, erreicht man eine sehr gute Abdeckung der Erdoberfläche, ohne eine große Anzahl von Satelliten einzusetzen. Dabei werden die auszusendenden Wellen mit einem Parabolspiegel gebündelt und direkt zum Satelliten gesendet. Der Satellit empfängt dann die Funkwellen und sendet sie an die Erdfunkstelle weiter. Von der Erdfunkstelle aus, können die Daten beliebig in die festen Kommunikationsnetze oder Mobilfunknetze, aber auch an andere Satelliten weitergeleitet werden.

Es gibt jedoch auch Systeme, die ihre Satelliten auf Umlaufbahnen in geringerer Höhe schicken, dadurch aber erheblich mehr Satelliten für die Abdeckung der Erdoberfläche benötigen. Der Vorteil dieser Systeme ist die durch die kürzere Übertragungsstrecke (ca. 1000km) entstandene Qualitätsverbesserung, so wie der Einsatz von kleineren Endgeräten mit relativ kleinen Antennen.

Im Kapitel 2.1 werden die Satellitensysteme INMARSAT und Iridium als maritim nutzbare Systeme betrachtet. Der Vollständigkeit wegen, muß hier auch noch ein drittes System erwähnt werden. Es handelt sich dabei um den digitalen Dienst „Skycell“, welcher zwar sehr günstige Übertragungsgebühren hat, jedoch nur im Nordamerikanischen Raum genutzt werden kann. Deshalb wird hier auch nicht näher auf diesen Dienst eingegangen.

2.1.1 INMARSAT

Die International Maritime Satellite Organization - INMARSAT wurde 1979 gegründet. Die Idee der Gründung einer solchen Gesellschaft entstand schon 1966 in der International Maritime Organization - IMO. INMARSAT ist eine internationale Organisation mit derzeit weltweit 86 Mitgliedsländern. Die INMARSAT Zentrale Operation Control Centre- OCC befindet sich in London. Von dort aus arbeitet die Organisation mit den einzelnen Stationen in der ganzen Welt zusammen. Die Deutsche Telekom AG ist seit der Gründung Mitglied dieser Organisation. Vom 1. April 1999 an ist INMARSAT ein privates Unternehmen und arbeitet mit über 125.000 mobilen Kommunikationsanlagen zusammen.

Die Notwendigkeit zur Gründung einer solchen Organisation waren zum einen die Erhöhung der Sicherheit auf See, sowie zum anderen die Einrichtung eines weltweit nutzbaren und zuverlässigen Kommunikationssystem zu schaffen. Mit diesem Kommunikationssystem ist man an nahezu jedem Ort der Welt ununterbrochen unter der selben Rufnummer oder auch ID- Nummer ständig erreichbar, frei von wetterbedingten oder atmosphärischen Störungen.

Das INMARSAT- System besteht aus 4 geostationären Satelliten, die von INMARSAT geleast oder gemietet werden. Über die Satelliten können mit den entsprechenden Benutzergeräten Telefongespräche, Fax, Video und Daten übertragen werden.

Es gibt mehrere INMARSAT- Dienste mit unterschiedlichen Zielsetzungen:

- INMARSAT A ist das ältere analoge System und ermöglicht Telefon, Fax, Telex
und Datenverbindungen. Dem Anrufer muß die Aufenthaltsregion (Satellitenbereich) der mobilen Anlage bekannt sein, Dienst ist im GMDSS (Global Maritime Distress and Safety System) integriert
- INMARSAT B bietet die gleichen Dienste wie Sat A jedoch vollständig digitalisiert, es kann als Nachfolger des INMARSAT A Dienstes bezeichnet werden, Dienst ist im GMDSS integriert
- INMARSAT C ist zur Übertragung von Telexen und Daten, jedoch nicht für
Telefon und Fax geeignet, Dienst ist im GMDSS integriert
- INMARSAT E ist ein satellitengestütztes maritimes Notrufsystem im Rahmen des GMDSS. Es werden Notfunkbojen die so genannten EPIRB( Emergency Position Indicating Radiobeacon) verwendet
- INMARSAT M ist zur Übertragung von Telefon und Fax, dazu werden kleinere mobile Anlagen verwendet, der Dienst kann als vereinfachte INMARSAT B Version bezeichnet werden und ist nur mit einem Zusatzgerät GMDSS-kompatibel
- INMARSAT- Phone kann als Nachfolger des INMARSAT M Dienstes angesehen werden und ist ebenfalls zur Telefonie und Daten/ Faxübertragung, jedoch mit recht kleinen Endgeräten hauptsächlich für Nutzer an Land, da die Netzabdeckung nur über die Kontinente und die Hauptschiffahrtsstraßen reicht dieser Dienst ist nicht GMDSS-kompatibel

Auf die einzelnen INMARSAT Dienste wie A,B,C und M, die für die Seefahrt relevant sind, wird später noch einmal genauer eingegangen.

Das INMARSAT- System ist in vier Regionen unterteilt (Abb. 2) ;Atlantik Ocean Region-East; Atlantik Ocean Region-West, Indian Ocean Region und Pacifik Ocean Region. Die Ship Earth Station (SES) oder auch die mobile Funkstelle muß sich immer in einen der vier Bereiche einloggen. In einigen Regionen ist es möglich zwischen zwei oder drei Satelliten zu wählen. Über den gewählten Satelliten nimmt die SES Kontakt zu einer Erdfunkstelle (Land Earth Station-LES) auf, diese übernimmt die Verbindunge zwischen dem Satellit und den terrestrischen Netzen ( Abb. 3). Es gibt zur Zeit 40 Erdfunkstellen in 31 Ländern.

Die LES, die auch im Seefunkdienst arbeitet, ist gleichzeitig eine Coast Earth Station (CES). Auch zwischen den verschiedenen Erdfunkstellen kann die SES eine bestimmte LES zur Übertragung auswählen. Die LES übernimmt dann die Übertragung in die Landnetze oder zu den anderen Satelliten( Abb. 1).

In Deutschland gibt es eine LES/CES in Raisting/ Bayern. Die LES Raisting stellt den Kontakt zu den aus Raisting “sichtbaren” Satelliten her, nämlich zu jenen, welche die Bereiche Atlantik-Ost und Indischer Ozean abdecken.

Wichtig für die Erreichbarkeit der SES bei INMARSAT A und C Anlagen ist, daß dem Anrufenden die Region bekannt ist, in der die SES eingeloggt ist. Dann muß die entsprechende Vorwahl für den jeweiligen Satelliten gewählt werden.

Für INMARSAT B, M und Phone Anlagen gilt die neue einheitliche Vorwahl 00870, unter der alle mobilen oder festen digitalen SES weltweit zu erreichen sind.

Abb. 2 : Die weltweite INMARSAT Netz-Abdeckung und die Erdfunkstellen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 : INMARSAT – Systemkonfiguration

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.1.1. INMARSAT A

Die INMARSAT A Anlage besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil ist der Parabolspiegel, der sich automatisch auf den jeweiligen Satelliten ausrichtet. Dieser Parabolspiegel befindet sich in einem kugelförmigen Gehäuse ( Abb. 4), welches fest an Deck montiert wird. Die Durchmesser der Antennen betragen zwischen 0,85 und 1,2 m. Der zweite Teil der Anlage ist die Sende- und Empfangsanlage mit allen ihren verschiedenen Komponenten wie Telefon, Fax, Telex und Modem mit PC-Anschluss.

Im INMARSAT A Dienst findet die Übertragung analog statt. Das ist natürlich in der Gegenwart nicht mehr der neueste Stand der Technik. Da die INMARSAT A Anlagen aber schon vor dem Einzug der digitalen Technik entwickelt wurden, ist dort eben noch die analoge Technik angewandt worden.

So lassen sich auf analoger Basis Selbstwählverbindungen per Telefon, Fax, Telex und Modem respektive Datenübertragungen herstellen. Datenverbindungen sind bis zu 9600 bps und High Speed Data (Hochgeschwindigkeits Datenübertragungen) bis zu 64 kbps möglich. Diese Übertragungsraten sind aber nur theoretische Werte, da durch die analoge Übertragung Störungen und Rauschen das Signal beeinträchtigen. Auch die Kapazitäten der Satelliten sind nicht sehr hoch. Aus diesen Gründen wurde die Notwendigkeit eines neuen Systems immer dringender. So kam dann 1994 das INMARSAT B System zum Einsatz.

Die vorhandenen INMARSAT A Anlagen werden weiterhin noch benutzt, jedoch werden sie zur Neuinstallation nicht mehr angeboten.

2.1.1.2 INMARSAT B

Der INMARSAT B Dienst wird als Nachfolger des INMARSAT A Dienstes bezeichnet. Die Anlage besteht ähnlich dem INMARSAT A Dienst, aus Sende/Empfangsanlage und Parabol Antenne, jedoch ist die Antenne kleiner als bei einer INMARSAT A Anlage. Der Unterschied besteht in der Übertragung der Daten. Sie findet hier digital statt. Das bedeutet eine kürzere Übertragungsdauer, mit gleichzeitiger Erhöhung der Übertragungsqualitä1t. Der digitale INMARSAT B Dienst nutzt die vorhandenen Satelliten wirtschaftlicher aus, d.h., es können mehrere Gespräche gleichzeitig über einen Satelliten geführt werden bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch des Satelliten. Mit Hilfe von Verstärkern wird das zu übertragende Signal weitgehend von Störungen und Rauschen befreit. So werden hier auch die angegebenen Datenübertragunsraten tatsächlich erreicht, da sie nicht durch schlechte Qualität der Signale selbstständig herabgesetzt werden.

Auch hier sind, genau so wie bei INMARSAT A Selbstwählverbindungen für Telefon, Fax, Telex und Datenübertragung möglich. Die Übertragungsraten für Sprachübermittlung beträgt hier 16 kbps. Für Fax und Daten 9,6 kbps und für HSD 64 kbps. Auch die Mehhrfach-Kanal-Option (Multi Channel Operation) ist möglich. Denn hier kann gleichzeitig gefaxt und telefoniert werden, da praktisch zwei oder mehr Telefonleitungen genutzt werden können. Das bedeutet, daß jedes Schiff eine eigene Faxnummer, sowie eine Telefonnummer hat ( Abb. 5).

Die modernen Leistungsmerkmale des INMARSAT B Dienstes sind ein klarer Vorteil gegenüber dem Vorgängersystem INMARSAT A und favorisieren damit diesen Dienst für den maritimen Einsatz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 : Mehrfach- Kanal- Option hier mit einem Faxgerät und einem Telefon

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Details

Seiten
72
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783832462598
ISBN (Buch)
9783838662596
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v221479
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Oldenburg – Seefahrt
Note
1,7
Schlagworte
satellitensysteme maritime kommunikation seefahrt kosten mobilkommunikation inmarsat

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